Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten in Deutschland
Text
Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8783
21. Wahlperiode 26.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos,
Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Thomas Korell, Dr. Rainer Kraft, Manuel
Krauthausen, Dr. Paul Schmidt und der Fraktion der AfD
Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten in Deutschland
Die genetische Vielfalt innerhalb von Baumarten stellt eine grundlegende
Voraussetzung für die Anpassungsfähigkeit und Stabilität von Waldökosystemen
dar. Sie ermöglicht Populationen, auf Umweltveränderungen, Krankheiten oder
Schädlingsbefall zu reagieren und trägt somit wesentlich zur langfristigen
Resilienz von Wäldern bei (www.bfn.de/begriffserlaeuterungen ).
Mehrere Baumarten in Europa und Deutschland sind derzeit von Krankheiten
oder Schadorganismen betroffen. Besonders bekannt ist das Eschentriebsterben
(Hymenoscryphus fraxineus), das seit den frühen 2000er Jahren zu erheblichen
Schäden bei der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) geführt hat (www.nw-fv
a.de/fileadmin/nwfva/common/veroeffentlichen/waldschutzpraxis/Waldschutz_
PraxisInfo_04_Eschentiebsterben_2016-08.pdf ). Untersuchungen zeigen, dass
innerhalb der Population genetische Unterschiede bestehen und einzelne
Individuen eine erhöhte Resistenz gegenüber dem Krankheitserreger aufweisen
können (www.fnr.de/presse/forschung-live/projektnews/genetische-marker-zu-erho
ehten-resistenzen-gegen-das-eschentriebsterben-bestaetigt).
Auch andere heimische Baumarten stehen zunehmend unter Druck durch
invasive
Schadorganismen, Klimastress oder Veränderungen der Landnutzung.
Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass genetische Ressourcen von
Waldbaumarten eine entscheidende Grundlage für langfristige Waldstabilität
darstellen (https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/1ca65f2b-
dfae-44e0-9919-a8428d7ee7b7/content).
Auf europäischer Ebene befassen sich Programme wie das European Forest
Genetic Resources Programme (EUFORGEN) mit der Erhaltung genetischer
Ressourcen von Waldbaumarten und unterstützen Staaten bei der Identifikation und
Sicherung genetisch bedeutender Bestände (www.euforgen.org/about-us/over
view ).
Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Fragesteller Klärungsbedarf
darüber, über welche Datengrundlagen, Monitoringstrukturen und
Schutzmaßnahmen die Bundesregierung derzeit hinsichtlich der genetischen Vielfalt
heimischer Baumarten verfügt und welche Maßnahmen sie zur langfristigen
Sicherung dieser genetischen Ressourcen plant.
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Programme oder Strategien verfolgt die Bundesregierung derzeit
zur Erhaltung genetischer Ressourcen heimischer Baumarten in
Deutschland?
2. Welche Baumarten werden nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland derzeit als besonders gefährdet hinsichtlich ihrer genetischen
Vielfalt eingestuft?
3. Über welche bundesweiten Datensätze oder Monitoringprogramme zur
genetischen Vielfalt von Waldbaumarten verfügt die Bundesregierung
gegebenenfalls?
4. Wie viele genetische Erhaltungsbestände (Anzahl) und wie viel Fläche (in
ha) sind für heimische Baumarten in Deutschland nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit ausgewiesen, aufgeschlüsselt nach Baumart und
Bundesland?
5. Welche Rolle spielt die genetische Vielfalt bei der Auswahl von Saatgut
und Pflanzmaterial im Rahmen staatlicher oder staatlich geförderter
Aufforstungsprogramme?
6. Welche konkreten Maßnahmen wurden seit dem Jahr 2010 zur Sicherung
genetischer Ressourcen heimischer Baumarten nach Kenntnis der
Bundesregierung umgesetzt (bitte mit Jahr, verantwortlicher Institution und,
soweit vorhanden, Fördersumme in Euro auflisten)?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über genetische
Resistenz gegenüber Krankheiten oder Schädlingen bei heimischen Baumarten
vor (z. B. beim Eschentriebsterben)?
8. Welche Maßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
ergriffen, um genetisch resistente Individuen betroffener Baumarten zu
identifizieren, zu schützen oder gezielt zu vermehren?
9. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung genetische
Kriterien bei der Auswahl von Baumarten und Herkünften im Rahmen
von Wiederbewaldungsprogrammen nach Schadereignissen in
Deutschland?
10. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung gegebenenfalls über
mögliche Risiken für die genetische Vielfalt heimischer Baumarten durch
großflächige Aufforstung mit wenigen genetischen Herkünften?
11. Wie viele Herkünfte bzw. Populationen heimischer Baumarten sind
aktuell in nationalen Saatgutbanken oder Genbanken erfasst (bitte konkrete
Anzahl je Baumart), und wie hat sich diese Zahl seit 2015 entwickelt?
12. Welche Forschungsvorhaben zur genetischen Vielfalt von Waldbaumarten
wurden seit 2010 gegebenenfalls durch Bundesmittel gefördert (bitte mit
Titel, Förderzeitraum und Fördersumme in Euro), und wie hoch war das
gesamte Fördervolumen in diesem Bereich seit 2010?
13. Welche Rolle spielen Bundesinstitutionen wie das Thünen-Institut oder
das Bundesamt für Naturschutz bei der Erforschung und Sicherung
genetischer Ressourcen von Waldbaumarten?
14. Welche Maßnahmen zur Sicherung genetischer Vielfalt von Baumarten
erfolgen gegebenenfalls im Rahmen der Nationalen Strategie zur
biologischen Vielfalt?
15. In welchem Umfang werden in Deutschland genetische Aspekte bei der
Umsetzung europäischer Programme zum Schutz forstlicher
Genressourcen berücksichtigt?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
16. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche Auswirkungen
invasiver Schadorganismen auf die genetische Vielfalt heimischer
Baumarten?
17. Welche Rolle spielen genetische Aspekte in nationalen Programmen und
Strategien zur Anpassung der Wälder in Deutschland an klimatische
Veränderungen?
18. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um langfristig die
genetische Vielfalt heimischer Baumarten zu erhalten und zu fördern?
19. Welche Kooperationen bestehen gegebenenfalls zwischen Bund, Ländern
und wissenschaftlichen Einrichtungen zur Erfassung und Sicherung
genetischer Ressourcen von Waldbaumarten?
20. Plant die Bundesregierung ein bundesweit einheitliches Monitoring der
genetischen Vielfalt von Waldbaumarten aufzubauen oder auszubauen
(bitte mit Ja oder Nein beantworten), und falls ja, bis zu welchem
konkreten Zeitpunkt soll dies umgesetzt werden?
Berlin, den 23. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Relationen
- asked ← Andreas Bleck (Kleine Anfrage)
- asked ← Ingo Hahn (Kleine Anfrage)
- asked ← Karsten Hilse (Kleine Anfrage)
- asked ← Manuel Krauthausen (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcel Queckemeyer (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Blos (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Rainer Kraft (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Korell (Kleine Anfrage)
- authored ← Andreas Bleck
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Marcel Queckemeyer
- part_of_vorgang → Erhalt der genetischen Vielfalt heimischer Baumarten in Deutschland (Kleine Anfrage)