Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über multimodales Buchen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 80/2009
Text
Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über multimodales Buchen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 80/2009
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 351/26
05.06.26
EU - In - R - U - Vk - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über
multimodales Buchen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 80/2009
COM(2026) 231 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss und der Ausschuss der Regionen werden
an den Beratungen beteiligt.
Hinweis: Drucksache 860/07 = AE-Nr. 070934;
Drucksache 655/19 = AE-Nr. 190960;
Drucksache 116/20 = AE-Nr. 200141;
Drucksache 752/20 = AE-Nr. 201064
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 13.5.2026
COM(2026) 231 final
2026/0113 (COD)
Vorschlag für eine
VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
über multimodales Buchen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 80/2009
{COM(2026) 231 final} - {COM(2026) 232 final} - {SEC(2026) 300 final} -
{SWD(2026) 300 final} - {SWD(2026) 301 final}
(Text von Bedeutung für den EWR)
BEGRÜNDUNG
1. KONTEXT DES VORSCHLAGS
• Gründe und Ziele des Vorschlags
Mit diesem Vorschlag – und dem Vorschlag für eine Verordnung über die Ausstellung von
Eisenbahnfahrkarten und der vorgeschlagenen Überarbeitung der Verordnung über die
Fahrgastrechte im Eisenbahnverkehr1 – sollen die Herausforderungen angegangen werden, die
in den politischen Leitlinien für die Europäische Kommission 2024-20292 dargelegt wurden.
Reisende sind nach wie vor mit erheblichen Hindernissen konfrontiert, wenn sie nach
Reiseoptionen suchen und diese vergleichen, kombinieren oder buchen wollen. Bei einer
Analyse von 100 für die EU repräsentativen Strecken ergab sich, dass in 76 % der Fälle
multimodale Optionen verfügbar waren. Allerdings zeigten nur sehr wenige multimodale
digitale Mobilitätsdienste (multimodal digital mobility services, MDMS) Optionen für
verschiedene Verkehrsträger an, die auch nur selten kombiniert wurden. Zugleich gab bei
einer 2024 unter 26 000 EU-Bürgerinnen und -Bürgern durchgeführten Eurobarometer-
Umfrage ein Drittel der Befragten an, noch nie eine multimodale Reise oder eine Reise mit
mehreren Verkehrsunternehmen gebucht zu haben. Von den übrigen hatte mehr als ein Drittel
Schwierigkeiten beim Buchen, konnte etwa keine geeigneten Kombinationen ausfindig
machen oder nicht alle erforderlichen Tickets an derselben Stelle kaufen. Bei
Eisenbahnfahrkarten waren diese Schwierigkeiten besonders ausgeprägt.
Mit diesem Vorschlag sollen der Mangel an Transparenz, unbillige Vertragsklauseln und
ungleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem digitalen Markt für Tickets im Personenverkehr
– auf allen MDMS für Luft-, Schienen-, Straßen- und Schiffsverkehr – angegangen werden.
Damit wird das Funktionieren des Ticketvertriebsmarkt gestärkt und gewährleistet, dass sich
Reisende über alle verfügbaren Optionen, auch multimodale Optionen, informieren können.
Schließlich wird so auch der Markt für Verkehrsdienste wettbewerbsfähiger werden.
Diese Ziele stehen im Einklang mit der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität3,
mit der der Verkehrssektor wettbewerbsfähiger und nachhaltiger gemacht und die
multimodale Mobilität Wirklichkeit werden soll.
• Kohärenz mit den bestehenden Vorschriften in diesem Bereich
Dieser Vorschlag wurde mit dem Vorschlag für eine Verordnung über die Ausstellung von
Eisenbahnfahrkarten und der vorgeschlagenen Überarbeitung der Verordnung über die Rechte
und Pflichten der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr abgestimmt, um einen kohärenten Rahmen
zu gewährleisten, der einzigen Eisenbahnfahrkarten und einem gut funktionierenden digitalen
Ticketmarkt förderlich ist.
1 ABl. L 172 vom 17.5.2021, S. 1.
2 Europa hat die Wahl, Politische Leitlinien für die nächste Europäische Kommission 2024-2029: „Für
viele Bürgerinnen und Bürger sind grenzüberschreitende Bahnreisen … nach wie vor zu kompliziert.
Die Menschen sollten offene Buchungssysteme nutzen können, um transeuropäische Reisen bei
mehreren Dienstleistern erwerben zu können, ohne ihren Anspruch auf Erstattung oder Ersatzreisen zu
verlieren. Zu diesem Zweck werden wir eine Verordnung über einheitliche digitale Buchungs- und
Ticketdienste vorschlagen, um sicherzustellen, dass Europäerinnen und Europäer ein einziges Ticket
auf einer einzigen Plattform kaufen und ihre Fahrgastrechte für die gesamte Reise wahrnehmen
können.“
3 COM(2020) 789 final.
Mit diesem Vorschlag wird der Verhaltenskodex in Bezug auf Computerreservierungssysteme
(im Folgenden „CRS-Verhaltenskodex“4) aufgehoben, während die nach wie vor relevanten
Bestimmungen des CRS-Verhaltenskodex übernommen und aktualisiert werden.
Der Vorschlag harmoniert mit anderen EU-Rechtsvorschriften im Bereich der digitalen
Informationsdienste, insbesondere der IVS-Richtlinie5, mit der ein Rahmen für die
Einführung intelligenter Verkehrssysteme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu
anderen Verkehrsträgern geschaffen wurde. Gemäß der Delegierten Verordnung über
multimodale Reiseinformationsdienste6(multimodal travel information services, MMTIS)
muss jeder Mitgliedstaat einen nationalen Zugangspunkt als zentrale Anlaufstelle einrichten,
die den Datennutzern den Zugang zu den statischen, historischen, beobachteten und
dynamischen Reise- und Verkehrsdaten verschiedener Verkehrsträger ermöglicht – und zwar
für die Zwecke der Bereitstellung multimodaler Reiseinformationsdienste für Endnutzer.
Indem mit diesem Vorschlag Hindernisse für die Entwicklung von MDMS mit Funktionen für
die Reservierung, Buchung und Ausstellung von Tickets beseitigt werden, ergänzt er die
bestehenden Rechtsvorschriften.
Da sektorspezifische Maßnahmen im Zusammenhang mit MDMS festgelegt werden, lässt
dieser Vorschlag die Anwendung des Gesetzes über digitale Dienste7, des Gesetzes über
digitale Märkte8 und die Datenverordnung9 unberührt und ergänzt sie. Zudem ergänzt er die
überarbeitete Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken10 – und zwar durch Maßnahmen,
mit denen sichergestellt wird, dass Suchergebnisse in MDMS neutral angezeigt werden (Liste
verbindlicher Kriterien für die Reihenfolge der Anzeige), und Selbstbevorzugung und
Hervorhebung gegen Bezahlung verhindert werden (Zulassung beworbener Inhalte nur unter
bestimmten Bedingungen).
• Kohärenz mit der Politik der Union in anderen Bereichen
Eine Prüfung auf Klimaverträglichkeit wurde durchgeführt. Wie aus der Arbeitsunterlage der
Kommissionsdienststellen hervorgeht, steht der Vorschlag im Einklang mit den Umweltzielen
des europäischen Grünen Deals11 und des Europäischen Klimagesetzes12.
Da die MDMS verpflichtet werden, Informationen über Treibhausgasemissionen und CO2-
Emissionen anzuzeigen, wird der Vorschlag auch zu den Zielen der Initiativen
CountEmissionsEU und Flugemissionskennzeichen13 beitragen, womit ein gemeinsamer
Rahmen für die Berechnung und Meldung verkehrsbedingter Treibhausgasemissionen
festgelegt wird. Auf der Grundlage transparenter Informationen über alle Verkehrsträger
werden Flug- und Fahrgäste die nachhaltigsten Reiseoptionen auswählen können.
Schließlich trägt der Vorschlag zu den Zielen des Berichts der Kommission an den Rat über
die Umsetzung der Europäischen Tourismusagenda 203014 bei, in dem Multimodalität als
Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit im Tourismussektor angeführt wird. Insgesamt
soll diese Initiative ein stärker multimodales und nachhaltiges Verkehrssystem fördern und zu
den Zielen für nachhaltige Entwicklung Nr. 3 („Ein gesundes Leben für alle Menschen jeden
4 ABl. L 35 vom 4.2.2009, S. 47.
5 ABl. L 207 vom 6.8.2010, S. 1.
6 ABl. L, 2024/490, 13.2.2024.
7 ABl. L 277 vom 27.10.2022, S. 1.
8 ABl. L 265 vom 12.10.2022, S. 1.
9 ABl. L, 2023/2854, 22.12.2023.
10 ABl. L 149 vom 11.6.2005, S. 22.
11 COM(2019) 640 final.
12 ABl. L 243 vom 9.7.2021, S. 1.
13 ABl. L, 2024/3170, 31.12.2024.
14 COM(2025) 763 final.
Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern“), Nr. 9 („Städte und Siedlungen inklusiv,
sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten“) und Nr. 13 („Maßnahmen zum
Klimaschutz“) beitragen.
2. RECHTSGRUNDLAGE, SUBSIDIARITÄT UND VERHÄLTNISMÄẞIGKEIT
• Rechtsgrundlage
Rechtsgrundlage dieser Initiative sind Artikel 91 Absatz 1 Buchstabe d und Artikel 100
Absatz 2 (Titel VI). In Artikel 91 und Artikel 100 Absatz 2 wird das Vorrecht der Union
begründet, die Ziele der Verträge im Rahmen einer gemeinsamen Verkehrspolitik zu
verfolgen und die hierfür geeigneten Vorschriften zu erlassen. Diese Initiative ist Teil der
gemeinsamen Verkehrspolitik, da sie zu einem funktionierenden Ticketvertriebsmarkt im
Einklang mit den Zielen der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität15 beiträgt. Der
Ticketvertriebsmarkt umfasst Dienstleistungen, die ihrem Wesen nach mit den
Verkehrsdiensten verbunden sind. Mit der Initiative wird somit den besonderen Merkmalen
des Verkehrswesens Rechnung getragen. Die Umsetzung dieser Initiative wird den
Lebensstandard und das Beschäftigungsniveau in bestimmten Regionen sowie den Betrieb
von Verkehrseinrichtungen nicht beeinträchtigen.
• Subsidiarität (bei nicht ausschließlicher Zuständigkeit)
Obwohl einigen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Ticketvertrieb und dem
digitalen Zugang zu Eisenbahnfahrkarten auf nationaler oder regionaler Ebene begegnet wird,
ist ein EU-weiter Ansatz erforderlich, um die grenzüberschreitenden Auswirkungen dieser
Herausforderungen (auf den Fernverkehr innerhalb der EU) zu verringern und das
reibungslose Funktionieren des europäischen Verkehrssystems zu gewährleisten.
Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bei der Umsetzung neuer Vorschriften für den
Ticketvertrieb könnten zu einer weiteren Fragmentierung des Marktes führen, höhere Kosten
mit sich bringen und die Vorteile für MDMS, Behörden, Verkehrsunternehmen und Nutzer
der Verkehrsdienste vermindern. Daher sind Maßnahmen auf EU-Ebene erforderlich, um
erheblich voneinander abweichende Strategien der Mitgliedstaaten und möglicherweise
unbeabsichtigte Folgen zu verhindern.
• Verhältnismäßigkeit
Der Vorschlag sieht vor, dass alle MDMS-Anbieter Vorschriften über die neutrale Anzeige
und Kriterien für die Reihenfolge, die Zugänglichmachung von Marketingdaten, die Anzeige
von Informationen über Treibhausgasemissionen bzw. Emissionen in Kohlendioxidäquivalent
(sofern diese den MDMS-Anbietern von den Verkehrsunternehmen zur Verfügung gestellt
werden) und die Datenweitergabe an die Verkehrsbehörden einhalten müssen. MDMS-
Anbieter, bei denen es sich um KMU handelt, fallen nicht in den Anwendungsbereich dieses
Vorschlags.
Strengere Maßnahmen, d. h. Vorschriften über die Bedingungen der Geschäftsvereinbarungen
zwischen MDMS-Anbietern und Verkehrsunternehmen, gelten nur für MDMS-Anbieter, die
als unverzichtbar betrachtet werden. Im Segment der gewerblichen Dienste für Verbraucher
(business-to-consumer, B2C) gilt diese Einstufung nur für MDMS-Anbieter, die die in diesem
Vorschlag festgelegten Schwellenwerte erreichen. Im Segment der gewerblichen Dienste für
Unternehmen (business-to-business, B2B) werden aufgrund ihrer strategischen Rolle als
Vermittler zwischen Reisebüros und Verkehrsunternehmen alle MDMS-Anbieter als
unverzichtbar betrachtet. Mit diesem Ansatz wird sichergestellt, dass die strengsten
15 COM(2020) 789 final.
regulatorischen Verpflichtungen nur für jene Anbieter gelten, die einen erheblichen Einfluss
auf die Verkehrsunternehmen ausüben können, einschließlich der Möglichkeit, unbillige
Geschäftsbedingungen durchzusetzen. Darüber hinaus ist dieser Ansatz vollauf
verhältnismäßig, da er die Maßnahmen auf EU-Ebene auf das zur Behebung eines eindeutigen
Marktversagens erforderliche Maß beschränkt. Den MDMS-Anbietern wird nicht
vorgeschrieben, Geschäftsvereinbarungen abzuschließen, sondern es wird ein Rahmen
geschaffen, der gewährleistet, dass solche Vereinbarungen – sofern sie denn bestehen – fair
sind. Damit tragen die vorgeschlagenen Maßnahmen zu einem gut funktionierenden
Ticketmarkt bei, während zugleich die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird.
• Wahl des Instruments
Um einen gut funktionierenden digitalen Ticketmarkt zu gewährleisten, ist ein gemeinsamer
Ansatz zur Harmonisierung der Bedingungen in der gesamten EU erforderlich. Dieser lässt
sich am besten durch eine Verordnung erreichen.
3. ERGEBNISSE DER EX-POST-BEWERTUNG, DER KONSULTATION DER
INTERESSENTRÄGER UND DER FOLGENABSCHÄTZUNG
• Ex-post-Bewertung/Eignungsprüfung bestehender Rechtsvorschriften
Computerreservierungssysteme (CRS) sind eine besondere Art von MDMS im B2B-Segment.
1989 wurde ein Verhaltenskodex angenommen, um wettbewerbswidriges Verhalten von CRS
zu verhindern. Dieser wurde 2009 überarbeitet, um B2B-Transaktionen zwischen CRS-
Anbietern einerseits und Luftfahrt- und Schienenverkehrsunternehmen sowie Reisebüros
andererseits zu regeln. Der Verhaltenskodex wurde 2020 einer Bewertung unterzogen, um
festzustellen, ob er angesichts der veränderten Marktbedingungen und des technologischen
Wandels im B2B-Ticketvertrieb nach wie vor relevant ist, um die Ziele i) Verhinderung von
Wettbewerbsverzerrungen zwischen CRS im Eigentum von Mutterunternehmen und ii)
Gewährleistung eines fairen und wirksamen Wettbewerbs zwischen den
Verkehrsunternehmen zu erreichen, und im Rahmen der umfassenderen horizontalen
Rechtsvorschriften weiterhin seinen Zweck erfüllt. Die Bewertung ergab, dass der
Verhaltenskodex nicht in vollem Umfang gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle
teilnehmenden Verkehrsunternehmen in Bezug auf den Zugang zu CRS-Diensten und deren
Nutzung gewährleistet, da er nicht für mehr Ausgewogenheit bei der Verhandlungsposition
unterschiedlich großer Luftfahrtunternehmen gegenüber CRS gesorgt hat. Einige
Luftfahrtunternehmen äußerten Bedenken hinsichtlich spezifischer Klauseln in ihren
Verträgen mit CRS-Anbietern, die es ihnen erschwerten, andere Buchungssysteme oder -
technologien zu nutzen. Zudem ergab die Bewertung, dass Transparenzanforderungen, d. h.
eine neutrale Anzeige, weiterhin wichtig sind, da Reisebüros, sowohl offline als auch online,
und Geschäftsreisebüros nach wie vor stark auf CRS-Daten angewiesen sind – insbesondere
im Hinblick auf Geschäftsreisen. Die Bewertung ergab ferner, dass eine sektorspezifische
Behandlung der traditionellen CRS-Anbieter angesichts der Markt- und technologischen
Entwicklungen im Flugticketvertrieb (zunehmende Internetnutzung, Aufkommen anderer
Vertriebskanäle und Veräußerung der CRS durch Luftfahrtunternehmen) möglicherweise
nicht mehr gerechtfertigt ist.
• Konsultation der Interessenträger
Dieser Vorschlag und der Vorschlag für eine Verordnung über die Ausstellung von
Eisenbahnfahrkarten beruhen auf derselben Folgenabschätzung. Im Vorfeld der
Folgenabschätzung wurden die Interessenträger in verschiedener Form konsultiert, wobei
sowohl qualitative Informationen (Stellungnahmen, Meinungen, Vorschläge) als auch
quantitative Informationen (Daten, Statistiken) eingeholt wurden. Dies fand zwischen 2020
und 2025 statt, zunächst nur im Hinblick auf die Überprüfung des CRS-Verhaltenskodex im
Dezember 2020, anschließend auch im Hinblick auf die Folgenabschätzung zur Verordnung
über das multimodale Buchen (Regulation on multimodal booking, RMB) und zur
Verordnung über die Ausstellung von Eisenbahnfahrkarten. Die Bürgerinnen und Bürger
wurden bei fünf Anlässen um Beiträge gebeten – im Rahmen von zwei Folgenabschätzungen
in der Anfangsphase, zwei öffentlichen Online-Konsultationen und einer Eurobarometer-
Umfrage16.
Die Folgenabschätzung in der Anfangsphase für den CRS-Verhaltenskodex wurde im
Zeitraum 9. Juli 2020 bis 4. September 2020 durchgeführt, um Rückmeldungen von
Interessenträgern einzuholen. Insgesamt gingen 13 Antworten ein. Die Folgenabschätzung in
der Anfangsphase für den Vorschlag für die Verordnung über das multimodale Buchen wurde
im Zeitraum 5. Oktober 2021 bis 2. November 2021 durchgeführt, um Rückmeldungen von
Interessenträgern einzuholen. Insgesamt gingen 40 Antworten ein. Am 23. Februar 2021
wurde über die Plattform „Ihre Meinung zählt“ der Kommission die öffentliche Konsultation
zum CRS-Verhaltenskodex eingeleitet, die bis zum 18. Mai 2021 lief. Insgesamt gingen
23 Antworten von Bürgerinnen und Bürgern und Organisationen ein. Am 1. Dezember 2021
wurde über die Plattform „Ihre Meinung zählt“ der Kommission die öffentliche Konsultation
zum Vorschlag über MDMS17 eingeleitet, die bis zum 23. Februar 2022 lief. Insgesamt
gingen 336 Antworten von Bürgerinnen und Bürgern und Organisationen ein.
Im Sommer 2024 wurde eine Eurobarometer-Umfrage durchgeführt, deren Ergebnisse von
der Kommission am 1. April 2025 veröffentlicht wurden. Dabei sollten die Praxis und die
Erfahrungen einer repräsentativen Stichprobe von Bürgerinnen und Bürgern ab 15 Jahren aus
allen 27 Mitgliedstaaten in Bezug auf Buchungen und Ticketausstellung erfasst werden.
Insgesamt wurden 25 805 Online-Befragungen durchgeführt. Die Umfrage bot Einblicke in
die Reisegewohnheiten, -präferenzen und -erfahrungen der Menschen in Europa, insbesondere
im Hinblick auf regionale Reisen und Fernreisen. Untersucht wurden zentrale Aspekte wie 1)
die Häufigkeit von Urlaubs- und Geschäftsreisen, 2) Faktoren, die die Reiseplanung und
Buchungsentscheidungen beeinflussen, 3) die Einstellung zum umweltverträglichen Reisen,
4) die Nutzung der verschiedenen Verkehrsträger und das multimodale Reisen, 5) die
Einfachheit des Buchens von multimodalen Reisen und Reisen mit mehreren
Verkehrsunternehmen sowie 6) Hindernisse für Reisen, bei denen verschiedene
Verkehrsträger oder Verkehrsunternehmen kombiniert werden. Die Ergebnisse verdeutlichten
insbesondere, vor welchen Hindernissen die Bürgerinnen und Bürger bei der Suche nach
nachhaltigen Reiseoptionen im Internet stehen und dass sie bereit sind, solche Reisen zu
buchen. Außerdem zeigte sich, wie schwierig es für die Bürgerinnen und Bürger ist,
multimodale Reisen oder Reisen mit mehreren Verkehrsunternehmen zu buchen, und welche
zusätzlichen Bürden sie schultern müssen, wenn sie Eisenbahnfahrten mit mehreren
Betreibern buchen.
• Einholung und Nutzung von Expertenwissen
Die Folgenabschätzung zu diesem Vorschlag stützt sich auf eine externe Studie, die von
einem Berater durchgeführt wurde.
Die Interessenträger lieferten im Rahmen der gezielten Konsultationstätigkeiten
(Befragungen, Gespräche und Workshops) umfangreiche zusätzliche Informationen, darunter
insbesondere detaillierte Informationen über die Marktstruktur und die Geschäftspraxis in den
16 https://europa.eu/eurobarometer/surveys/detail/3178.
17 https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/13133-Multimodal-Digital-
Mobility- Services/public-consultation_de.
verschiedenen MDMS-Segmenten (B2C und B2B), die Informationen aus früheren Studien
bestätigten und in die Modellannahmen und -analysen einflossen.
Die eingeholten Informationen betrafen Aspekte wie typische Bestimmungen der den
Verkehrsunternehmen von den MDMS angebotenen Geschäftsvereinbarungen (insbesondere
über Vertriebsentgelte), die Praxis der Anzeige in den MDMS, Trends auf dem digitalen
Vertriebsmarkt und dem B2B-Vertriebsmarkt, Interaktionen zwischen CRS, Reisebüros und
Verkehrsunternehmen sowie den Anteil und die Rolle von KMU in den verschiedenen Arten
von MDMS.
Im Ergebnis liegt der Folgenabschätzung eine Vielzahl umfassender Quellen zugrunde, die
für die verschiedenen Interessengruppen repräsentativ sind.
• Folgenabschätzung
Diesem Vorschlag ist ein Folgenabschätzungsbericht beigefügt. Der Entwurf des
Folgenabschätzungsberichts wurde dem Ausschuss für Regulierungskontrolle (Regulatory
Scrutiny Board, RSB) nach dessen ablehnender Stellungnahme vom 13. September 2023 am
10. März 2026 erneut vorgelegt. Am 13. April 2026 gab der RSB eine befürwortende
Stellungnahme mit Vorbehalten ab. Der Folgenabschätzungsbericht wurde entsprechend
angepasst, um den Anmerkungen des RSB Rechnung zu tragen.
Im Rahmen der Folgenabschätzung wurde eine breite Palette möglicher politischer
Maßnahmen und Optionen auf der Grundlage der wahrscheinlichen Wirksamkeit, Effizienz
und Verhältnismäßigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen in Bezug auf die vorgegebenen
Ziele sowie ihrer rechtlichen und technischen Durchführbarkeit geprüft.
Im Einzelnen wurden im Rahmen der Folgenabschätzung, die für diesen Vorschlag und den
Vorschlag für die Verordnung über die Ausstellung von Eisenbahnfahrkarten zusammen
durchgeführt wurde, vier Politikoptionen bewertet.
Option 1 stellt einen minimalistischen Ansatz dar. Sie umfasst allen vier Politikoptionen
gemeinsame politische Maßnahmen, darunter solche zur Einführung von
Mindestanforderungen, mit denen gewährleistet werden soll, dass MDMS mit Informationen
und Daten fair umgehen. Außerdem enthält sie die zentralen Grundsätze für sämtliche
Geschäftsvereinbarungen zwischen unverzichtbaren MDMS-Anbietern und
Verkehrsunternehmen sowie zwischen unverzichtbaren Eisenbahnunternehmen und MDMS-
Anbietern.
Die Option trägt dem ersten spezifischen Ziel, die Transparenz zu stärken und gleiche
Wettbewerbsbedingungen für Verkehrsunternehmen in Bezug auf MDMS zu schaffen, in
vollem Umfang Rechnung, indem die Vorschriften des CRS-Verhaltenskodex auf alle
MDMS-Anbieter ausgeweitet werden. Sie gibt Schwellenwerte für die Bestimmung von
MDMS-Anbietern oder Eisenbahnunternehmen mit beträchtlicher Marktpräsenz vor, die je
nachdem, auf welchem Markt sie besonders präsent sind, von nationalen
Durchsetzungsstellen oder der Europäischen Kommission auszuweisen sind. Die Kommission
wird eine Liste der MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz veröffentlichen. Solche
Maßnahmen sind erforderlich, um sicherzustellen, dass Verkehrsunternehmen bei
Geschäftsvereinbarungen mit unverzichtbaren MDMS-Anbietern geschützt sind – unter
anderem durch Bestimmungen, die 1) sensible Geschäftsdaten der Verkehrsunternehmen
schützen, 2) die Aufnahme ungerechtfertigter oder unnötiger Vertragsbedingungen
untersagen, die dem Abschluss der Vereinbarung entgegenstehen könnten, und 3) dafür
sorgen, dass der Vergütung für MDMS-Anbieter faire, angemessene und nicht
diskriminierende Kriterien zugrunde liegen. Bei dieser Politikoption müssten die
Mitgliedstaaten eine nationale Behörde für die Beilegung von Streitigkeiten zwischen den
Parteien benennen. Des Weiteren würde auf EU-Ebene ein Netzwerk solcher Behörden
gebildet, um die einheitliche Durchsetzung in der gesamten EU zu gewährleisten. Darüber
hinaus würden die MDMS-Anbieter verpflichtet, Informationen über Treibhausgasemissionen
anzuzeigen, sofern diese von den Verkehrsunternehmen zur Verfügung gestellt werden,
während die B2C-MDMS-Anbieter den Behörden Daten für das Mobilitätsmanagement
übermitteln müssten.
Um sicherzustellen, dass das über MDMS erhältliche Angebot an Schienenverkehrsdiensten
möglichst umfassend ist, wird bei dieser Politikoption – im Rahmen der Verordnung über die
Ausstellung von Eisenbahnfahrkarten – den MDMS-Anbietern Schutz bei
Geschäftsvereinbarungen mit unverzichtbaren Eisenbahnunternehmen gewährt, indem
Vorschriften zu Vertriebsgebühren festgelegt und restriktive Klauseln in Verträgen
(Ausschließlichkeitsklauseln, unbillige und ungerechtfertigte Bedingungen,
Marketingklauseln und andere technische Beschränkungen) verboten werden, und damit der
ungleichen Verhandlungsposition beim Aushandeln von Geschäftsvereinbarungen begegnet.
Die Politikoptionen 2, 3 und 4 bauen auf Option 1 auf und betreffen nur die Verordnung über
die Ausstellung von Eisenbahnfahrkarten.
• Effizienz der Rechtsetzung und Vereinfachung
Zwar wird mit der Initiative eine neue Verpflichtung für die Mitgliedstaaten, unverzichtbare
MDMS auszuweisen und Streitigkeiten zwischen den Parteien beizulegen, eingeführt, der
zusätzliche Verwaltungsaufwand für die Behörden wird jedoch auf ein Minimum beschränkt.
Der Vorschlag baut darauf auf, dass die Mitgliedstaaten in einschlägigen Bereichen bereits
über für die Streitbeilegung zuständige Behörden wie Wettbewerbsbehörden und
Regulierungsstellen für den Verkehr und die Eisenbahn verfügen.
• Grundrechte
Der Vorschlag hätte keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Grundrechte oder
den Datenschutz. Die Datenschutz-Grundverordnung gewährleistet einen einheitlichen
Datenschutz für Einzelpersonen und damit für die Nutzer der B2C-MDMS. Im Hinblick auf
B2B-MDMS ist das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung zudem ein wichtiger
Grund für die Überarbeitung und Aufhebung der Datenschutzvorschriften des CRS-
Verhaltenskodex. Indem die Rechtsvorschriften vereinfacht werden, werden
Doppelregelungen und Spielräume für etwaige Unstimmigkeiten beseitigt.
4. AUSWIRKUNGEN AUF DEN HAUSHALT
Es wären zwei Vollzeitäquivalente (VZÄ) erforderlich, um die Kommission bei der
Ausweisung von MDMS-Anbietern mit beträchtlicher Marktpräsenz, der lückenlosen
Koordinierung mit den nationalen Durchsetzungsstellen und der Pflege und Aktualisierung
des einschlägigen öffentlichen Verzeichnisses zu unterstützen, damit Markttransparenz und
eine wirksame Rechtsdurchsetzung gewährleistet sind.
5. WEITERE ANGABEN
• Durchführungspläne sowie Monitoring-, Bewertungs- und
Berichterstattungsmodalitäten
Die Kommission wird die Durchführung dieser Verordnung durch eine Reihe von
Maßnahmen und Kernindikatoren überwachen, mit denen die Fortschritte beim Erreichen der
Ziele gemessen werden. Spätestens fünf Jahre nach Beginn der Durchführung wird die
Kommission überprüfen, inwieweit die Ziele dieser Verordnung erreicht wurden.
Auch die Synergien zwischen diesem Vorschlag und dem Vorschlag für eine Verordnung
über die Ausstellung von Eisenbahnfahrkarten und das Zusammenspiel mit der Überarbeitung
der Verordnung über die Rechte der Fahrgäste im Eisenbahnverkehr werden zu analysieren
sein.
Verbesserungen auf dem Online-Ticketmarkt werden im Rahmen der Marktüberwachung
durch die nationalen Durchsetzungsstellen und die Kommission bewertet. Informationen über
Sanktionen werden zwischen den Behörden im EU-Netzwerk für die Rechtsdurchsetzung
ausgetauscht, um die Koordinierung zu unterstützen. Die Verbraucherzufriedenheit in der EU
wird alle zwei Jahre anhand von Eurobarometer-Umfragen zur Verfügbarkeit von
Reiseinformationen und zur Einfachheit des Buchens für Reisende gemessen.
• Ausführliche Erläuterung der einzelnen Bestimmungen des Vorschlags
Der Vorschlag sieht eine neue Verordnung vor, die wie folgt aufgebaut ist:
In Artikel 1 sind die Ziele und der Gegenstand der Verordnung festgelegt.
In Artikel 2 ist der Anwendungsbereich der Verordnung festgelegt.
Artikel 3 enthält eine Aufstellung von Begriffsbestimmungen.
In Artikel 4 ist das Verfahren zur Ausweisung von B2C-MDMS-Anbietern mit beträchtlicher
Marktpräsenz festgelegt.
In Artikel 5 sind die Bedingungen festgelegt, die B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz und B2B-MDMS-Anbieter in Geschäftsvereinbarungen mit
Verkehrsunternehmen einhalten müssen.
In Artikel 6 sind die Bedingungen festgelegt, die B2B-MDMS-Anbieter in
Geschäftsvereinbarungen mit abonnierten Nutzern einhalten müssen.
In Artikel 7 sind Pflichten in Bezug auf die neutrale Anzeige und Kriterien für die
Reihenfolge für alle MDMS-Anbieter festgelegt.
Artikel 8 enthält Vorschriften über Marketingdaten für alle MDMS-Anbieter.
Artikel 9 enthält Vorschriften für die Anzeige von Informationen über
Treibhausgasemissionen bzw. Emissionen in Kohlendioxidäquivalent für alle MDMS-
Anbieter.
Artikel 10 enthält Vorschriften über die Datenweitergabe an Behörden für den öffentlichen
Verkehr für alle B2C-MDMS-Anbieter.
Artikel 11 enthält Vorschriften über die gleichwertige Behandlung von Luftfahrtunternehmen
in Drittländern.
In Artikel 12 sind die Aufgaben der nationalen Durchsetzungsstellen festgelegt.
Artikel 13 enthält Vorschriften über Beschwerden.
In Artikel 14 sind Sanktionen für Verstöße gegen die Verordnung festgelegt.
In Artikel 15 sind die Bedingungen für die Ausübung der Befugnis zum Erlass delegierter
Rechtsakte festgelegt.
Artikel 16 regelt das Ausschussverfahren.
In Artikel 17 sind Überprüfungs- und Berichterstattungspflichten festgelegt.
Mit Artikel 18 wird der CRS-Verhaltenskodex aufgehoben.
Artikel 19 enthält das Datum des Inkrafttretens der Verordnung.
In Anhang I sind Schwellenwerte für die Ausweisung unverzichtbarer B2C-MDMS auf
nationaler und Unionsebene festgelegt.
Anhang II enthält eine Entsprechungstabelle für die Aufhebung der Verordnung (EG)
Nr. 80/2009.
2026/0113 (COD)
Vorschlag für eine
VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
über multimodales Buchen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 80/2009
(Text von Bedeutung für den EWR)
DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DER RAT DER EUROPÄISCHEN UNION —
gestützt auf den Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, insbesondere auf
Artikel 91 Absatz 1 Buchstabe d und Artikel 100 Absatz 2,
auf Vorschlag der Europäischen Kommission,
nach Zuleitung des Entwurfs des Gesetzgebungsakts an die nationalen Parlamente,
nach Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses1,
nach Stellungnahme des Ausschusses der Regionen2,
gemäß dem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren,
in Erwägung nachstehender Gründe:
(1) Der multimodale Verkehr hat das Potenzial, das Verkehrssystem der Union
nachhaltiger und effizienter zu machen und damit die Ziele des europäischen Grünen
Deals3, der Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität4 und der Verordnung
(EU) 2021/1119 des Europäischen Parlaments und des Rates5 zu fördern, wonach die
Mitgliedstaaten die Nettotreibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % und
bis 2040 um 90 % gegenüber dem Stand von 1990 senken und bis 2050
Klimaneutralität erreichen müssen. Im Personenverkehr könnte der Übergang zu
einem multimodalen Verkehrssystem durch Anbieter gewerblicher multimodaler
digitaler Mobilitätsdienste (multimodal digital mobility service, MDMS) sowohl für
Verbraucher (business-to-consumer, B2C) als auch für Unternehmen (business-
tobusiness, B2B) unterstützt werden, die es Endnutzern und gewerblichen Nutzern
erleichtern, geeignete Verkehrsprodukte für ihre Reisen ausfindig zu machen, zu
vergleichen, zu kombinieren und zu kaufen. Diese B2C- und B2B-MDMS-Anbieter
betreiben Dienste, die Verkehrs- und Reiseinformationen für Fernreisen (z. B. über
Fahr- bzw. Flugpläne, Kapazitätsangebot und Preise) für mindestens einen
Verkehrsträger bereitstellen und entweder direkt oder durch Weiterverlinkung den
Vertrieb von Tickets für zwei oder mehr Verkehrsunternehmen ermöglichen.
1 ABl. C […] vom [...], S. […].
2 ABl. C […] vom [...], S. […].
3 Mitteilung der Kommission „Der europäische Grüne Deal“ vom 11.12.2019 (COM/2019/640 final).
4 Mitteilung der Kommission „Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität: Den Verkehr in
Europa auf Zukunftskurs bringen“ vom 9.12.2020 (COM(2020) 789 final).
5 Verordnung (EU) 2021/1119 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Juni 2021 zur
Schaffung des Rahmens für die Verwirklichung der Klimaneutralität und zur Änderung der
Verordnungen (EG) Nr. 401/2009 und (EU) 2018/1999 („Europäisches Klimagesetz“) (ABl. L 243 vom
9.7.2021, S. 1, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2021/1119/oj).
(2) Um fairen Wettbewerb und Innovation zu fördern, sollten gemeinsame Vorschriften
festgelegt werden, die gleiche Wettbewerbsbedingungen auf dem Ticketvertriebsmarkt
gewährleisten, insbesondere in Bezug auf die Sichtbarkeit, Zugänglichkeit und den
Vertrieb von Fern- und Regionalverkehrsdiensten innerhalb der Union. Mit diesen
Vorschriften sollte sichergestellt werden, dass Endnutzer und gewerbliche Nutzer die
am besten geeignete Reiseoption erwerben können, einschließlich Reisen, bei denen
verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsunternehmen kombiniert werden.
(3) Die Verordnung (EG) Nr. 80/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates6 soll
faire und unparteiische Bedingungen für Luftfahrt- und Schienenverkehrsunternehmen
in CRS gewährleisten, wodurch gleichzeitig die Interessen der Verbraucher gewahrt
werden. Angesichts der andauernden Markt- und technologischen Entwicklungen ist
es unerlässlich, diese Grundsätze der Fairness und Unparteilichkeit auf neu
entstehende Geschäftsmodelle auszuweiten, die Funktionen bieten, die mit denen von
CRS vergleichbar sind.
(4) Um die Gleichbehandlung aller Verkehrsunternehmen zu gewährleisten, sollten
Anbieter gewerblicher multimodaler digitaler Mobilitätsdienste für Unternehmen in
den Anwendungsbereich dieser Verordnung fallen, wenn ihre Dienste und
Verkehrsprodukte gewerblichen Nutzern in der Union zugänglich sind, d. h. wenn sich
die Verkaufsstelle in der Union befindet. Sie sollten auch dann in den
Anwendungsbereich der vorliegenden Verordnung fallen, wenn sich die Verkaufsstelle
zwar außerhalb der Union befindet, die dem Verkehrsprodukt zugrunde liegende
Verkehrsdienst jedoch ganz oder teilweise im Gebiet der Union erbracht wird.
(5) Die MDMS-Anbietern aus dieser Verordnung erwachsenden Verpflichtungen sollten
die Verordnung (EU) XXX (RTR) des Europäischen Parlaments und des Rates nicht
berühren.
(6) Die MDMS-Anbietern aus dieser Verordnung erwachsenden Verpflichtungen sollten
die Verordnungen (EU) 2022/20657 und (EU) 2022/19258 des Europäischen
Parlaments und des Rates nicht berühren. Insbesondere soll diese Verordnung mit der
Einführung einer Verpflichtung für B2C- und B2B-MDMS-Anbieter zur neutralen
Anzeige von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von Verkehrsprodukten anhand
spezifischer Kriterien für die Reihenfolge die Verpflichtungen, die Anbietern von
Vermittlungsdiensten, einschließlich Online-Plattformen und Online-Suchmaschinen
im Sinne der Verordnung (EU) 2022/2065, gemäß der Verordnung (EU) 2022/2065 in
der Union auferlegt werden, nur ergänzen, nicht aber beeinträchtigen. Ebenso sollen
die Verpflichtungen, die B2C-MDMS-Anbietern mit beträchtlicher Marktpräsenz und
B2B-MDMS-Anbietern auferlegt werden, die Verordnung (EU) 2022/1925 ergänzen,
da die vorliegende Verordnung ähnliche Anforderungen für Dienste vorsieht, die zwar
nicht in den Anwendungsbereich der Verordnung (EU) 2022/1925 fallen, aber
dennoch für gewerbliche Nutzer oder Endnutzer unerlässlich sein können.
6 Verordnung (EG) Nr. 80/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Januar 2009 über
einen Verhaltenskodex in Bezug auf Computerreservierungssysteme und zur Aufhebung der
Verordnung (EWG) Nr. 2299/89 des Rates (ABl. L 35 vom 4.2.2009, S. 47, ELI:
http://data.europa.eu/eli/reg/2009/80/oj).
7 Verordnung (EU) 2022/2065 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Oktober 2022 über
einen Binnenmarkt für digitale Dienste und zur Änderung der Richtlinie 2000/31/EG (Gesetz über
digitale Dienste) (ABl. L 277 vom 27.10.2022, S. 1, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2022/2065/oj).
8 Verordnung (EU) 2022/1925 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. September 2022 über
bestreitbare und faire Märkte im digitalen Sektor und zur Änderung der Richtlinien (EU) 2019/1937
und (EU) 2020/1828 (Gesetz über digitale Märkte) (ABl. L 265 vom 12.10.2022, S. 1, ELI:
http://data.europa.eu/eli/reg/2022/1925/oj).
(7) Da ein Verkehrsunternehmen, das ein Verkehrsprodukt zumindest teilweise im
Rahmen einer Code-Sharing-Vereinbarung oder einer Interlining-Vereinbarung
anbietet, damit eine bessere Konnektivität für die eigenen Fahr- bzw. Fluggäste
anstrebt, sollte ein Verkehrsprodukt, das im Rahmen einer solchen Vereinbarung
angeboten wird, nur dem vermarktenden Verkehrsunternehmen zugerechnet und nicht
als Verkehrsprodukt von zwei oder mehr Verkehrsunternehmen betrachtet werden.
(8) B2C-MDMS-Anbieter können einen beträchtlichen Anteil am Gesamtwert oder
Gesamtvolumen der auf Unionsebene oder nationaler Ebene verkauften Tickets für
einen oder mehrere Verkehrsträger erreichen und damit einen vorherrschenden
Zugangspunkt für Endnutzer darstellen. Eine solche Marktposition kann sich aus einer
starken oder historischen Präsenz auf den zugrunde liegenden Verkehrsmärkten
ergeben und einen erheblichen Anreiz darstellen, bestimmte Verkehrsprodukte
zulasten von Wettbewerbern hervorzuheben. Diese strategische Position gegenüber
den Endnutzern ermöglicht es den betreffenden B2C-MDMS-Anbietern, den Zugang
zum Online-Ticketvertriebsmarkt zu beeinflussen, etwa indem sie die Chancen für
neue Marktteilnehmer einschränken oder teilnehmenden Verkehrsunternehmen
ungerechtfertigte Vertragsbedingungen auferlegen. Zu diesen Bedingungen können die
Einführung unverhältnismäßig hoher Vertriebsgebühren oder unbillige Praktiken der
Datenverarbeitung und des Informationsaustauschs gehören. Angesichts ihrer
zentralen Rolle sollten diese B2C-MDMS-Anbieter für jeden Verkehrsträger im
geografischen Gebiet, in dem dies der Fall ist, als Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz ausgewiesen werden. Ausgewiesene MDMS-Anbieter sollten daher
zusätzlichen Vorschriften unterliegen, mit denen ein fairer Wettbewerb, Transparenz
und eine diskriminierungsfreie Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen
gewährleistet wird. Meta-Suchmaschinen, die nur auf Verkehrsprodukte
weiterverlinken, verkaufen Verkehrsprodukte nicht direkt und haben daher keine im
Hinblick auf den Vertrieb beträchtliche Marktpräsenz.
(9) Websites oder Apps von Verkehrsunternehmen, die ausschließlich ihre eigenen
Verkehrsprodukte oder die von Unternehmen derselben Unternehmensgruppe
anbieten, werden nicht als MDMS-Anbieter angesehen, da sie keine Verkehrsprodukte
von Wettbewerbern anbieten. Als solche sind sie für die Verbraucher eindeutig
erkennbar. Darüber hinaus bieten diese Websites und Apps keine Dienste an, die mit
den von einem MDMS-Anbieter erbrachten Diensten vergleichbar wären, etwa die
Bündelung und den Vergleich von Verkehrsprodukten der Wettbewerber. Anders als
MDMS ermöglichen Online-Suchmaschinen im Sinne von Artikel 2 Nummer 5 der
Verordnung (EU) 2019/1150 des Europäischen Parlaments und des Rates9 den
Nutzern, Anfragen einzugeben, um prinzipiell auf allen Websites oder auf allen
Websites in einer bestimmten Sprache eine Suche vorzunehmen, darunter auch auf
Websites, auf denen Verkehrsprodukte verkauft werden. Allein die Tatsache, dass eine
Online-Suchmaschine Ergebnisse liefert, die Verkehrsprodukte umfassen, sollte nicht
ausreichen, um sie als B2C-MDMS einzustufen.
(10) B2B-MDMS-Anbieter fungieren als Geschäftspartner von Luftfahrt- und
Schienenverkehrsunternehmen, Reisebüros und Geschäftsreisebüros. Ein erheblicher
Anteil der Flugbuchungen erfolgt über B2B-MDMS-Anbieter, wodurch diese zu
wichtigen Zugangstoren zu gewerblichen Nutzern und letztlich Endnutzern werden.
Die strategische Position von B2B-MDMS-Anbietern ermöglicht es ihnen, den
9 Verordnung (EU) 2019/1150 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Juni 2019 zur
Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten
(ABl. L 186 vom 11.7.2019, S. 57, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2019/1150/oj).
Zugang von Verkehrsunternehmen zu Reisebüros und Geschäftsreisebüros und damit
zu Endnutzern zu beeinflussen. Angesichts ihrer zentralen Rolle sollten B2B-MDMS-
Anbieter zusätzlichen Verpflichtungen unterliegen, mit denen ein fairer Wettbewerb,
Transparenz und eine diskriminierungsfreie Zusammenarbeit gewährleistet wird.
(11) B2C-MDMS-Anbieter, die in einem Mitgliedstaat als Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz für einen bestimmten Verkehrsträger ausgewiesen wurden, sollten nicht
von der Verpflichtung befreit werden, die nationalen Behörden anderer
Mitgliedstaaten über ihre beträchtliche Marktpräsenz in deren Hoheitsgebiet zu
unterrichten, damit sie erforderlichenfalls auch in diesen Mitgliedstaaten entsprechend
ausgewiesen werden können.
(12) Schließen B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz und B2B-MDMS-
Anbieter Geschäftsvereinbarungen mit Verkehrsunternehmen, sollten sie bestimmte
Bedingungen erfüllen. Insbesondere sollten sie keine Ausschließlichkeitsklauseln für
die Inanspruchnahme ihres Dienstes vorsehen oder Beschränkungen auferlegen, die es
den Verkehrsunternehmen erschweren, andere Buchungskanäle, einschließlich der
eigenen Online-Buchungsplattform, Direktvertriebssysteme oder Callcenter, frei zu
nutzen. Der Grund hierfür ist, dass solche Praktiken Marktzutrittsschranken für
konkurrierende Dienste und/oder Verkehrsunternehmen schaffen, die
Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher einschränken und letztlich die gleichen
Ausgangsbedingungen, die für ein wettbewerbsorientiertes und innovatives
Marktumfeld erforderlich sind, unterminieren könnten. Die Preisgestaltung oder
sonstige allgemeine Bedingungen sollten als unbillig gelten, wenn sie zu einem
Ungleichgewicht der Rechte und Pflichten zulasten der Verkehrsunternehmen führen
oder dem B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz oder dem B2B-
MDMS-Anbieter einen Vorteil verschaffen, der in keinem Verhältnis zu dem Dienst
steht, den der MDMS-Anbieter den Verkehrsunternehmen erbringt. Die folgenden
Maßstäbe können als Orientierung dienen, um die Fairness der Preisgestaltung und
sonstiger allgemeiner Bedingungen zu bestimmen: Preise oder Bedingungen, die von
anderen MDMS-Anbietern für gleiche oder vergleichbare Dienste verlangt bzw.
auferlegt werden; Preise oder Bedingungen, die vom MDMS-Anbieter für
verschiedene verbundene oder vergleichbare Leistungen oder für verschiedene Arten
von Nutzern verlangt bzw. auferlegt werden; Preise oder Bedingungen, die vom
MDMS-Anbieter für den gleichen Dienst in verschiedenen geografischen Regionen
verlangt bzw. auferlegt werden; Preise oder Bedingungen, die vom MDMS-Anbieter
für den gleichen Dienst, die er dem in ihn integrierten Verkehrsunternehmen erbringt,
verlangt bzw. auferlegt werden. Wurde ein B2C-MDMS-Anbieter als B2C-MDMS-
Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz auf Unionsebene ausgewiesen, so sollte er
diese spezifischen Vorschriften in der gesamten Union einhalten.
(13) Die den MDMS-Anbietern aus dieser Verordnung erwachsenden Verpflichtungen
sollten Artikel 101 und Artikel 102 des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union (AEUV) sowie die Anwendung nationaler
Wettbewerbsvorschriften unberührt lassen. Mit dieser Verordnung soll ein anderes
Rechtsgut geschützt werden als das bereits durch die Wettbewerbsvorschriften der
Union geschützte Rechtsgut. Die Kommission sollte jährlich Informationen von B2C-
MDMS-Anbietern erhalten, um die Entwicklung der Ticketmärkte und die Interaktion
zwischen diesen Anbietern und den Verkehrsunternehmen und Nutzern zu
überwachen. Sollte der Wettbewerb oder die Interessen der Verkehrsunternehmen oder
Nutzer bei einem der Verkehrsträger oder wesentlichen Segmente auf nationaler oder
Unionsebene oder der damit verbundenen Ticketausstellungsdienste beeinträchtigt
werden, kann die Kommission im Rahmen bestehender Instrumente, einschließlich der
Artikel 101 und 102 AEUV, tätig werden oder andere Maßnahmen in Erwägung
ziehen, etwa die Koordinierung mit den zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten.
(14) Marktvorgänge können im Bereich der MDMS-Anbieter oft keine fairen
wirtschaftlichen Ergebnisse gewährleisten. Die Artikel 101 und 102 AEUV sind zwar
auf das Verhalten von MDMS-Anbietern anwendbar, jedoch nur auf bestimmte Arten
von Marktmacht, z. B. eine beherrschende Stellung auf spezifischen Märkten, und von
wettbewerbswidrigem Verhalten, und werden erst im Nachhinein durchgesetzt, was
eine umfassende Untersuchung oft sehr komplexer Fakten auf Einzelfallbasis
erfordert. Außerdem wirft das Verhalten von MDMS-Anbietern, die nicht
zwangsläufig über eine marktbeherrschende Stellung im wettbewerbsrechtlichen Sinne
verfügen müssen, mit Blick auf das wirksame Funktionieren des Binnenmarkts
Herausforderungen auf, denen das geltende Unionsrecht nicht oder nicht wirksam
Rechnung trägt.
(15) Um die Interessen der Verbraucher zu schützen und ihr Vertrauen in MDMS zu
stärken, sollten die B2C- und B2B-MDMS Endnutzern und gewerblichen Nutzern
Verkehrsprodukte so anzeigen, dass kein Verkehrsunternehmen gegenüber einem
anderen Verkehrsunternehmen unbillig bevorzugt wird. Die Bestimmungen dieser
Verordnung über die neutrale Anzeige des Endpreises und der Reisedauer sollten die
Anwendung bestehender Vorschriften über bezahlte Werbung unberührt lassen10.
(16) Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 des Europäischen Parlaments und des
Rates11 müssen die öffentlich angezeigten Flugpreise der Luftfahrtunternehmen alle
anwendbaren Steuern und Gebühren, Zuschläge und Entgelte umfassen, die
unvermeidbar und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhersehbar sind. Fakultative
Zusatzkosten werden auf klare, transparente und eindeutige Art und Weise am Beginn
jedes Buchungsvorgangs mitgeteilt. Luftfahrtunternehmen und B2B-MDMS-Anbieter
sollten sicherstellen, dass B2C-MDMS-Anbieter Informationen über Flugpreise so
erhalten, dass sie ihren Verpflichtungen gemäß Artikel 23 der Verordnung (EG)
Nr. 1008/2008 nachkommen können. Bei der Anzeige von Informationen müssen
B2C-MDMS-Anbieter die Anforderungen der Richtlinie (EU) 2019/882 des
Europäischen Parlaments und des Rates12 erfüllen und insbesondere audiovisuelle
Optionen anbieten.
(17) B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter sollten Daten zu
Treibhausgasemissionen bzw. Emissionen in Kohlendioxidäquivalent anzeigen, sofern
diese Informationen von Verkehrsunternehmen bereitgestellt werden. Indem solche
Daten für die Nutzer sichtbar gemacht werden, wird die Transparenz erhöht, eine
fundiertere Entscheidungsfindung ermöglicht und das übergeordnete Ziel der
Förderung ökologisch nachhaltiger Verkehrsangebote unterstützt. Durch die klare
10 Richtlinie 2005/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Mai 2005 über unlautere
Geschäftspraktiken von Unternehmen gegenüber Verbrauchern im Binnenmarkt und zur Änderung der
Richtlinie 84/450/EWG des Rates, der Richtlinien 97/7/EG, 98/27/EG und 2002/65/EG des
Europäischen Parlaments und des Rates sowie der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004 des Europäischen
Parlaments und des Rates (Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken) (ABl. L 149 vom 11.6.2005,
S. 22, ELI: http://data.europa.eu/eli/dir/2005/29/oj).
11 Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. September 2008
über gemeinsame Vorschriften für die Durchführung von Luftverkehrsdiensten in der Gemeinschaft
(ABl. L 293 vom 31.10.2008, S. 3, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2008/1008/oj).
12 Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. April 2019 über die
Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (ABl. L 151 vom 7.6.2019, S. 70,
ELI: http://data.europa.eu/eli/dir/2019/882/oj).
Anzeige von Emissionsinformationen können MDMS-Anbieter dazu beitragen, das
Bewusstsein für die Umweltauswirkungen verschiedener Reiseoptionen zu schärfen
und den Übergang zu emissionsärmeren Alternativen zu fördern. Da MDMS-Anbieter
selbst nicht über diese Informationen verfügen, sollten sie keinen zusätzlichen
Verpflichtungen hinsichtlich der Anzeige von Emissionsdaten unterliegen; sie sollten
nur die von den Verkehrsunternehmen gemäß den geltenden Rechtsvorschriften
bereitgestellten Daten anzeigen. Bei der Weitergabe von Emissionsdaten an MDMS-
Anbieter sollten die Verkehrsunternehmen die Anforderungen der Verordnung
(EU) XX/XX (CEEU) erfüllen, erforderlichenfalls im Einklang mit der
Durchführungsverordnung (EU) 2024/3170 der Kommission13, deren Artikel 6
vorsieht, dass Luftfahrtunternehmen Flugemissionen nur im Einklang mit der
genannten Durchführungsverordnung anzeigen dürfen.
(18) Die Anforderungen an die neutrale Anzeige sollten nicht für B2B-MDMS-Anbieter
gelten, wenn ihre Dienste von einem Verkehrsunternehmen oder einer Gruppe von
Verkehrsunternehmen in eigenen Geschäfts- oder Verkaufsstellen oder auf klar als
unternehmenseigen gekennzeichneten Websites genutzt werden, da hierbei nicht die
Gefahr besteht, dass ein Verkehrsunternehmen gegenüber einem anderen bevorzugt
wird.
(19) Luftfahrtunternehmen aus der Union und aus Drittstaaten sollten in Bezug auf B2B-
und B2C-MDMS gleich behandelt werden.
(20) Die Behörden benötigen Daten, um die Planung öffentlicher Verkehrsdienste und des
umfassenderen Mobilitätssystems zu unterstützen, einschließlich der Entwicklung und
Bewertung von Plänen für nachhaltige urbane Mobilität. MDMS-Daten können dazu
beitragen, die Attraktivität öffentlicher Verkehrsdienste zu beurteilen, die
Angemessenheit der derzeitigen Angebote (z. B. Strecken, Taktung, Zeitpläne,
Effizienz der Multimodalität) zu überprüfen und die Infrastruktur (z. B. Busspuren,
Radwege) zu bewerten. Diese Daten können ferner dabei helfen, neue
Mobilitätsprodukte und -pakete sowie Bedarfsuntersuchungen zu konzipieren.
(21) Um das Ziel dieser Verordnung zu erreichen, gemeinsame Unionsvorschriften für
B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz auf nationaler oder
Unionsebene festzulegen, sollte der Kommission die Befugnis übertragen werden,
gemäß Artikel 290 AEUV Rechtsakte zur Änderung der Schwellenwerte für die
Ausweisung von B2C-MDMS-Anbietern mit beträchtlicher Marktpräsenz auf
nationaler oder Unionsebene zu erlassen. Es ist von besonderer Bedeutung, dass die
Kommission im Zuge ihrer Vorbereitungsarbeit angemessene Konsultationen, auch
auf der Ebene von Sachverständigen, durchführt, die mit den Grundsätzen im Einklang
stehen, die in der Interinstitutionellen Vereinbarung vom 13. April 2016 über bessere
Rechtsetzung14 niedergelegt wurden. Um insbesondere für eine gleichberechtigte
Beteiligung an der Ausarbeitung delegierter Rechtsakte zu sorgen, erhalten das
Europäische Parlament und der Rat alle Dokumente zur gleichen Zeit wie die
Sachverständigen der Mitgliedstaaten, und ihre Sachverständigen haben systematisch
Zugang zu den Sitzungen der Sachverständigengruppen der Kommission, die mit der
Vorbereitung der delegierten Rechtsakte befasst sind.
13 Durchführungsverordnung (EU) 2024/3170 der Kommission vom 18. Dezember 2024 zur Festlegung
detaillierter Bestimmungen über das nach Artikel 14 der Verordnung (EU) 2023/2405 des Europäischen
Parlaments und des Rates eingerichtete freiwillige Umweltkennzeichnungssystem zur Schätzung der
Umweltleistung von Flügen (Flugemissionskennzeichen) (ABl. L, 2024/3170, 31.12.2024, ELI:
http://data.europa.eu/eli/reg_impl/2024/3170/oj).
14 ABl. L 123 vom 12.5.2016, S. 1. ELI: http://data.europa.eu/eli/agree_interinstit/2016/512/oj.
(22) Der Kommission sollten Durchführungsbefugnisse übertragen werden, um B2C-
MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz in der Union auszuweisen sowie in
Fällen der Diskriminierung in einem Drittland B2B-MDMS-Anbieter in der Union
aufzufordern, Luftfahrtunternehmen aus dem betreffenden Drittland in einer Weise zu
behandeln, die der Behandlung von Luftfahrtunternehmen der Union in dem
betreffenden Drittland gleichwertig ist. Diese Befugnisse sollten gemäß der
Verordnung (EU) Nr. 182/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates15
ausgeübt werden.
(23) Wird ein in einem oder mehreren Mitgliedstaat(en) als B2C-MDMS-Anbieter mit
beträchtlicher Marktpräsenz ausgewiesener Anbieter als B2C-MDMS-Anbieter mit
beträchtlicher Marktmacht auf Unionsebene ausgewiesen, so bleiben die
Mitgliedstaaten, in denen der B2C-MDMS-Anbieter als Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz ausgewiesen wurde, für die Durchsetzung dieser Verordnung gegenüber
dem betreffenden B2C-MDMS-Anbieter für den Zeitraum vor dessen Ausweisung als
B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktmacht auf Unionsebene zuständig.
(24) Das Ziel dieser Verordnung, nämlich die Festlegung gemeinsamer Vorschriften für
B2B- und B2C-MDMS-Anbieter in Bezug auf Verkehrsprodukte, die in der Union
angeboten oder genutzt werden, kann nicht hinreichend verwirklicht werden, wenn die
Mitgliedstaaten einzeln handeln. Grund dafür sind der grenzüberschreitende Charakter
digitaler Mobilitätsdienste und die Notwendigkeit, Interoperabilität, Kohärenz und
Rechtssicherheit auf allen nationalen Märkten zu gewährleisten. Um eine
Marktfragmentierung zu vermeiden und gleiche Wettbewerbsbedingungen für
Verkehrsunternehmen und MDMS-Anbieter in der gesamten Union zu gewährleisten,
sind Maßnahmen auf Unionsebene erforderlich. Die Union kann im Einklang mit dem
in Artikel 5 des Vertrags über die Europäische Union niedergelegten
Subsidiaritätsprinzip tätig werden. Entsprechend dem in demselben Artikel genannten
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit geht diese Verordnung nicht über das für die
Verwirklichung dieses Ziels erforderliche Maß hinaus.
(25) Aufgrund der veränderten Marktbedingungen und des technologischen Wandels sind
manche Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 80/2009 nicht mehr zeitgemäß,
während andere Bestimmungen nach wie vor relevant, aber nicht mehr zweckmäßig
sind und aktualisiert werden müssen. So sind die besonderen Vorschriften für
Mutterunternehmen nicht mehr relevant, da die Luftfahrtunternehmen ihre CRS
vollständig veräußert haben. Folglich sollten auch die damit verbundenen Prüfungs-
und Berichtspflichten in Bezug auf ihre Eigentumsstruktur aufgehoben werden, da sie
untrennbar mit diesen Vorschriften verbunden sind. Die Bestimmungen über den
Schutz personenbezogener Daten werden nun in der gesamten Union gemäß den
Vorschriften der Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des
Rates16 konsequent durchgesetzt. Abschnitt 6 der Verordnung (EG) Nr. 80/2009 über
Verstöße und Sanktionen wird durch die Vorschriften dieser Verordnung ersetzt. Die
anderen Bestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 80/2009 sollten beibehalten werden,
da sie weiterhin relevant sind; sie sollten aktualisiert werden, um den veränderten
15 Verordnung (EU) Nr. 182/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Februar 2011 zur
Festlegung der allgemeinen Regeln und Grundsätze, nach denen die Mitgliedstaaten die Wahrnehmung
der Durchführungsbefugnisse durch die Kommission kontrollieren (ABl. L 55 vom 28.2.2011, S. 13,
ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2011/182/oj).
16 Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum
Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr
und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung) (ABl. L 119 vom
4.5.2016, S. 1, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2016/679/oj).
Marktbedingungen und dem technologischen Wandel Rechnung zu tragen und für alle
Anbieter, die im Rahmen gewerblicher digitaler Reservierungsdienste für
Unternehmen ähnliche Funktionen wahrnehmen, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu
gewährleisten. Insbesondere sollten die Vorschriften für die Neutralität der Anzeige
aktualisiert werden, um allen Anbietern mehr Flexibilität bei der Anordnung von
Verkehrsprodukten in einer Reihenfolge entsprechend den neuesten technologischen
Entwicklungen zu ermöglichen. Die Verordnung (EG) Nr. 80/2009 sollte daher
aufgehoben und die einschlägigen Bestimmungen in die vorliegende Verordnung
aufgenommen werden —
HABEN FOLGENDE VERORDNUNG ERLASSEN:
Kapitel 1
Gegenstand, Anwendungsbereich und Begriffsbestimmungen
Artikel 1
Gegenstand
Mit dieser Verordnung wird ein Rahmen für die Einführung und Nutzung gewerblicher
multimodaler digitaler Mobilitätsdienste für Verbraucher sowie gewerblicher multimodaler
digitaler Mobilitätsdienste für Unternehmen geschaffen, um die multimodale und
betreiberübergreifende Mobilität von Personen zu erleichtern.
Die Verordnung enthält einheitliche Kooperationsvorschriften, die gleiche
Wettbewerbsbedingungen für die Anbieter der multimodalen digitalen Mobilitätsdienste, die
gewerblichen Nutzer dieser Dienste und die Verkehrsunternehmen, die die betreffenden
Verkehrsdienste erbringen, gewährleisten. Zudem enthält sie Vorschriften über die
Informationen, die diese Anbieter gewerblichen Nutzern, Endnutzern und Behörden für den
öffentlichen Verkehr zur Verfügung stellen müssen.
Artikel 2
Anwendungsbereich
(1) Diese Verordnung gilt für
a) gewerbliche Anbieter multimodaler digitaler Mobilitätsdienste für
Verbraucher, wenn sie Endnutzern in der Union Verkehrsprodukte für Reisen
innerhalb der Union, in die Union oder aus der Union anbieten, mit Ausnahme
von Verkehrsdiensten, deren Hauptzweck darin besteht, den Verkehrsbedarf in
einem städtischen Zentrum oder Ballungsraum, auch einem
grenzüberschreitenden Ballungsraum, oder den Verkehrsbedarf zwischen
einem solchen städtischen Zentrum oder Ballungsraum und dessen Umgebung
zu decken;
b) gewerbliche Anbieter multimodaler digitaler Mobilitätsdienste für
Unternehmen, wenn sie gewerblichen Nutzern in der Union Verkehrsprodukte
anbieten oder der dem Verkehrsprodukt zugrunde liegende Verkehrsdienst
ganz oder teilweise im Gebiet der Union erbracht wird;
c) Verkehrsunternehmen, wenn sie eine Geschäftsvereinbarung mit einem der
unter den Buchstaben a und b genannten Anbieter geschlossen haben.
(2) Diese Verordnung gilt nicht für Online-Suchmaschinen im Sinne des Artikels 2
Nummer 5 der Verordnung (EU) 2019/1150.
(3) Die in dieser Verordnung festgelegten Verpflichtungen gelten nicht für
a) gewerbliche Anbieter multmultimodaler digitaler Mobilitätsdienste für
Verbraucher, bei denen es sich um kleine oder mittlere Unternehmen im
Sinne des Artikels 2 des Anhangs der Empfehlung 2003/361/EG der
Kommission17 handelt;
b) gewerbliche Anbieter multmultimodaler digitaler Mobilitätsdienste für
Unternehmen, bei denen es sich um kleine oder mittlere Unternehmen im
Sinne des Artikels 2 des Anhangs der Empfehlung 2003/361/EG der
Kommission handelt.
(4) Diese Verordnung lässt die Artikel 101 und 102 des Vertrags über die Arbeitsweise
der Europäischen Union (AEUV) und die Anwendung nationaler
Wettbewerbsvorschriften unberührt.
(5) Diese Verordnung lässt die Anwendung der Verordnung (EU) XX (RTR) und
anderer Rechtsakte der Union mit Vorschriften über die Bereitstellung von Diensten
der Informationsgesellschaft unberührt.
Artikel 3
Begriffsbestimmungen
Für die Zwecke dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck
(1) „Dienst der Informationsgesellschaft“ einen Dienst im Sinne des Artikels 1
Absatz 1 Buchstabe b der Richtlinie (EU) 2015/1535 des Europäischen
Parlaments und des Rates;
(2) „gewerblicher multimodaler digitaler Mobilitätsdienst für Verbraucher“ oder
„B2C-MDMS“ (business-to-consumer multimodal digital mobility service)
einen Dienst der Informationsgesellschaft, der alle folgenden Bedingungen
erfüllt:
a) er bietet Endnutzern Verkehrs- und Reiseinformationen, u. a. über Fahr- bzw.
Flugpläne, Kapazitätsangebot und Preise für Verkehrsprodukte;
b) er vertreibt online oder verlinkt weiter auf Verkehrsprodukte von zwei oder
mehr nicht derselben Unternehmensgruppe angehörenden
Verkehrsunternehmen desselben Verkehrsträgers – wobei ein Verkehrsprodukt,
das zumindest teilweise im Rahmen einer Code-Sharing-Vereinbarung oder
einer Interlining-Vereinbarung angeboten wird, nur dem vermarktenden
Unternehmen zuzurechnen ist;
(3) „gewerblicher multimodaler digitaler Mobilitätsdienst für Unternehmen“ oder
„B2B-MDMS“ (business-to-business multimodal digital mobility service)
einen von einem Rechtsträger über IT-Systeme erbrachten Dienst, der
gewerblichen Nutzern Verkehrs- und Reiseinformationen, u. a. über Fahr- bzw.
Flugpläne, Kapazitätsangebot und Preise für Verkehrsprodukte von zwei oder
mehr nicht derselben Unternehmensgruppe angehörenden
17 Empfehlung 2003/361/EG der Kommission vom 6. Mai 2003 betreffend die Definition der
Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen (ABl. L 124 vom 20.5.2003, S. 36,
ELI: http://data.europa.eu/eli/reco/2003/361/oj).
Verkehrsunternehmen desselben Verkehrsträgers – wobei ein Verkehrsprodukt,
das zumindest teilweise im Rahmen einer Code-Sharing-Vereinbarung oder
einer Interlining-Vereinbarung angeboten wird, nur dem vermarktenden
Unternehmen zuzurechnen ist – bietet und gegebenenfalls ermöglicht, im
Namen eines Kunden eine Buchung vorzunehmen oder ein Ticket auszustellen;
(4) „Reise“ die durchgehende Beförderung von Personen, die mehrere
Streckenabschnitte umfassen kann und von einem oder mehreren Unternehmen
in Fahrzeugen eines oder mehrerer Verkehrsträger durchgeführt wird;
(5) „Verkehrsdienst“ die allgemein zugängliche Beförderung von Personen im
Luft-, Schienen-, Kraftomnibus- oder Schiffsverkehr nach einem
veröffentlichten Flug- bzw. Fahrplan zwischen einem Abflugs- bzw.
Abfahrtsort und einem Ankunftsort;
(6) „Verkehrsprodukt“ einen spezifischen Verkehrsdienst mit einem bestimmten
Preis;
(7) „Ticket“ einen gültigen Nachweis über den Erwerb eines Verkehrsproduktes;
(8) „Verkehrsunternehmen“ ein Beförderungsunternehmen, das Verkehrsdienste
erbringt oder auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung mit
Beförderungsunternehmen, die eine Genehmigung für die Erbringung von
Verkehrsdiensten im Gebiet der Union besitzen, Verkehrsdienste organisiert;
(9) „Gruppe von Verkehrsunternehmen“ mindestens zwei Verkehrsunternehmen,
die demselben Unternehmen im Sinne des Artikels 101 AEUV angehören;
(10) „gewerblicher Nutzer“ jede natürliche oder juristische Person, die in Ausübung
ihrer gewerblichen oder beruflichen Tätigkeit einen B2B-MDMS im Rahmen
einer Geschäftsvereinbarung mit dem Anbieter dieses Dienstes, auch in Form
eines Abonnements, zur Buchung von Verkehrsprodukten im Namen eines
Kunden nutzt;
(11) „Endnutzer“ jede natürliche oder juristische Person, die einen B2C-MDMS
nutzt;
(12) „Kunde“ jede natürliche oder juristische Person, die zum Zwecke des Erwerbs
eines Verkehrsprodukts Kunde eines gewerblichen Nutzers ist;
(13) „Weiterverlinkung“ die Weiterleitung des Endnutzers auf die einschlägigen
Websites und Apps für Mobilität, auf denen die Verfügbarkeit eines oder
mehrerer angezeigter Verkehrsprodukte überprüft und die vom Endnutzer
ausgewählten Verkehrsprodukte erworben werden können;
(14) „Vergütung“ eine Buchungsgebühr oder andere finanzielle Leistung, die das
Verkehrsunternehmen für die von einem B2C-MDMS-Anbieter oder einem
B2B-MDMS-Anbieter erbrachten Dienste entrichtet;
(15) „Preis“ den Betrag, den der Endnutzer bzw. der Kunde für das
Verkehrsprodukt unter den für dieses geltenden Bedingungen (z. B.
obligatorische Sitzplatzreservierung) und verbundene Nebenleistungen (z. B.
Gepäcktransfer) zu entrichten hat;
(16) „Endpreis“ den Betrag, den der Endnutzer bzw. der Kunde beim Erwerb eines
Verkehrsprodukts entrichtet und der den Preis und alle Abgaben, Steuern,
Zuschläge und Buchungsgebühren umfasst, die unvermeidbar sind und deren
Erhebung zum Zeitpunkt der Anzeige des Preises absehbar ist;
(17) „Behörde für den öffentlichen Verkehr“ jede Behörde eines Mitgliedstaats, die
für die Verkehrssteuerung oder die Planung und Verwaltung eines bestimmten
Verkehrsnetzes oder Verkehrsdienstes im Gebiet des Mitgliedstaats zuständig
ist;
(18) „Vertriebseinrichtungen“ Funktionen, die ein B2B-MDMS-Anbieter für die
Bereitstellung von Informationen über Fahr- bzw. Flugpläne,
Kapazitätsangebot, Preise und verbundene Leistungen von
Verkehrsunternehmen, für Buchungen und die Ausstellung von Tickets sowie
für sonstige zugehörige Dienste anbietet.
Kapitel 2
B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz und
B2B-MDMS-Anbieter
Artikel 4
Ausweisung von B2C-MDMS-Anbietern mit beträchtlicher Marktpräsenz
1. B2C-MDMS-Anbieter unterrichten die Kommission und den Mitgliedstaat ihrer
Niederlassung jedes Jahr über die Anzahl und den Wert der je Verkehrsträger und
Jahr in den einzelnen Mitgliedstaaten verkauften Tickets.
2. Ein B2C-MDMS-Anbieter wird für jeden Verkehrsträger, für den er die in Anhang I
Nummer 1 festgelegten Schwellenwerte erreicht, als B2C-MDMS-Anbieter mit
beträchtlicher Marktpräsenz auf Unionsebene ausgewiesen. Ein B2C-MDMS-
Anbieter, der die genannten Schwellenwerte erreicht, teilt dies der Kommission für
jeden betroffenen Verkehrsträger mit. Eine Ausweisung gemäß diesem Absatz hat
Vorrang vor einer denselben Verkehrsträger betreffenden Ausweisung auf nationaler
Ebene.
3. Ein B2C-MDMS-Anbieter wird für jeden Verkehrsträger, für den er die in Anhang I
Nummer 2 festgelegten Schwellenwerte erreicht, als B2C-MDMS-Anbieter mit
beträchtlicher Marktpräsenz auf nationaler Ebene ausgewiesen. Ein B2C-MDMS-
Anbieter, der die genannten Schwellenwerte erreicht, teilt dies der nationalen
Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats, in dem er die genannten Schwellenwerte
erreicht hat, für jeden betroffenen Verkehrsträger mit.
4. Abweichend von der Verpflichtung gemäß Absatz 3 dieses Artikels, die nationalen
Durchsetzungsstellen zu unterrichten, wenn die in Anhang I Nummer 2 festgelegten
Schwellenwerte erreicht werden, teilt ein B2C-MDMS-Anbieter, der sowohl die in
Anhang I Nummer 1 festgelegten Schwellenwerte als auch die in Anhang I
Nummer 2 festgelegten Schwellenwerte erreicht, dies nur der Kommission für jeden
betroffenen Verkehrsträger mit.
5. B2C-MDMS-Anbieter übermitteln alle Mitteilungen und Informationen gemäß den
Absätzen 1 bis 4 dieses Artikels bis zum 31. Januar des Jahres, das auf das
Haushaltsjahr folgt, für das die in Anhang I festgelegten Schwellenwerte betrachtet
werden. Abweichend von der Verpflichtung gemäß den Absätzen 2 und 3 dieses
Artikels, entweder die Kommission oder die zuständigen nationalen
Durchsetzungsstellen zu unterrichten, wenn die in Anhang I Nummern 1 oder 2
festgelegten Schwellenwerte erreicht werden, muss ein gemäß einem der genannten
Absätze ausgewiesener B2C-MDMS-Anbieter keine weiteren Mitteilungen mehr für
die betreffenden Verkehrsträger einreichen, sofern die in Anhang I festgelegten
Schwellenwerte nicht gemäß Absatz 9 dieses Artikels geändert werden.
6. Bei der Bewertung, ob die in Anhang I Nummern 1 und 2 festgelegten
Schwellenwerte erreicht sind, berücksichtigen B2C-MDMS-Anbieter alle
Ticketverkäufe aller ihrer Tochterunternehmen.
7. Die ausweisende Behörde erlässt einen Beschluss zur Ausweisung eines B2C-
MDMS-Anbieters als Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz, wenn er die in
Anhang I Nummern 1 oder 2 festgelegten Schwellenwerte erreicht. Die Kommission
erlässt Ausweisungsbeschlüsse im Wege von Durchführungsrechtsakten. Diese
Durchführungsrechtsakte werden gemäß dem in Artikel 17 Absatz 2 genannten
Beratungsverfahren erlassen.
Die ausweisende Behörde erlässt ihren Beschluss auf der Grundlage der vom B2C-
MDMS-Anbieter gemäß den Absätzen 1, 2 oder 3 dieses Artikels übermittelten
Informationen oder anderer ihr vorliegender Informationen. Der B2C-MDMS-
Anbieter übermittelt der ausweisenden Behörde auf deren Verlangen innerhalb einer
angemessenen Frist, in jedem Fall aber innerhalb von zwei Monaten alle zusätzlichen
Informationen, die zur Bewertung einer beträchtlichen Marktpräsenz erforderlich
sind. B2C-MDMS-Anbieter, die die angeforderten Informationen nicht innerhalb der
festgelegten Frist übermitteln, können auf der Grundlage anderer Informationen, die
der ausweisenden Behörde vorliegen, unverzüglich ausgewiesen werden.
Die ausweisende Behörde erlässt den genannten Beschluss innerhalb von sechs
Monaten nach der in den Absätzen 2 und 3 dieses Artikels genannten Mitteilung oder
gegebenenfalls nach einer Bewertung, bei der festgestellt wurde, dass der betreffende
B2C-MDMS-Anbieter die in Anhang I festgelegten Schwellenwerte erreicht hat,
spätestens jedoch bis zum 1. November des Jahres, das auf das Haushaltsjahr folgt,
in dem die in Anhang I festgelegten Schwellenwerte erreicht wurden.
Die nationalen Durchsetzungsstellen teilen der Kommission ihre Beschlüsse zur
Ausweisung eines B2C-MDMS-Anbieters als Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz innerhalb eines Monats nach dem Erlass des Beschlusses mit. Die
Kommission veröffentlicht unverzüglich auf einer eigens eingerichteten Website ein
Verzeichnis der auf nationaler Ebene und auf Unionsebene ausgewiesenen B2C-
MDMS-Anbieter und hält es auf dem neuesten Stand.
8. Die ausweisende Behörde beendet die Ausweisung, wenn der B2C-MDMS-Anbieter
während eines ununterbrochenen Zeitraums von einem Jahr die in Anhang I
Nummern 1 und 2 festgelegten Schwellenwerte für den Verkehrsträger, für den er
ausgewiesen wurde, nicht erreicht hat. Die Vorschriften der Absätze 1 bis 7 dieses
Artikels gelten entsprechend für die Beendigung der Ausweisung.
9. Der Kommission wird die Befugnis übertragen, gemäß Artikel 16 delegierte
Rechtsakte zur Änderung der in Anhang I festgelegten Schwellenwerte zu erlassen,
um diese an Entwicklungen auf dem B2C-MDMS-Markt anzupassen.
Artikel 5
Bedingungen für Geschäftsvereinbarungen zwischen Verkehrsunternehmen und B2C-
MDMS-Anbietern mit beträchtlicher Marktpräsenz oder B2B-MDMS-Anbietern
1. B2C-MDMS-Anbieter müssen für den Verkehrsträger, für den sie gemäß Artikel 4
Absätze 2 und 3 ausgewiesen sind, in den Mitgliedstaaten, für die die Ausweisung
gilt, die Vorschriften des vorliegenden Artikels einhalten.
2. Beim Abschluss von Geschäftsvereinbarungen mit Verkehrsunternehmen gilt für
B2C-MDMS-Anbieter, die für den betreffenden Verkehrsträger als Anbieter mit
beträchtlicher Marktpräsenz ausgewiesen sind, und für B2B-MDMS-Anbieter
Folgendes:
a) Sie müssen Garantien dafür bieten, dass von Verkehrsunternehmen geteilte sensible
Geschäftsdaten nicht offengelegt werden, auch nicht gegenüber anderen
Verkehrsunternehmen, die denselben MDMS nutzen, gegenüber
Verkehrsunternehmen, die vertikal in den B2C-MDMS-Anbieter integriert sind, oder
gegenüber anderen B2B-MDMS-Anbietern;
b) sie dürfen in die Geschäftsvereinbarung weder vorsätzlich noch anderweitig unbillige
Anforderungen oder Ausschließlichkeitsklauseln aufnehmen, die
i) es Verkehrsunternehmen erschweren oder daran hindern,
Geschäftsvereinbarungen mit anderen B2C-MDMS-Anbietern oder B2B-
MDMS-Anbietern zu schließen und deren Dienste wirksam zu nutzen;
ii) zusätzliche Bedingungen darstellen, die weder sachlich noch nach
Handelsbrauch für den Vertrieb von Verkehrsprodukten oder die
Weiterverlinkung zu diesen erforderlich sind;
iii) vorschreiben, dass ein teilnehmendes Verkehrsunternehmen nicht
gleichzeitig ein anderes System nutzen darf oder dass ein teilnehmendes
Verkehrsunternehmen andere Buchungssysteme wie sein eigenes
Direktvertriebs- bzw. Online-Buchungssystem oder Callcenter nicht
uneingeschränkt nutzen darf;
c) sie müssen sicherstellen, dass in Fällen, in denen in der Vereinbarung mit dem
Verkehrsunternehmen die Vergütung für die Dienste des B2C-MDMS-Anbieters
oder des B2B-MDMS-Anbieters geregelt ist, der Höhe der Vergütung faire,
angemessene und nicht diskriminierende Kriterien zugrunde liegen.
3. B2B-MDMS-Anbieter
a) dürfen nicht bestimmten Verkehrsunternehmen besondere Eingabe- und
Verarbeitungsverfahren, sonstige Vertriebseinrichtungen oder etwaige
Änderungen hiervon vorbehalten;
b) müssen allen teilnehmenden Verkehrsunternehmen dieselben Informationen
über Änderungen ihrer Eingabe- und Verarbeitungsverfahren und
Vertriebseinrichtungen zugänglich machen;
c) müssen sicherstellen, dass ihre Vertriebseinrichtungen klar und nachprüfbar
von den internen Buchungsbeständen, dem Ertragsmanagement und den
Marketingeinrichtungen eines Verkehrsunternehmens getrennt sind.
Artikel 6
Bedingungen für Geschäftsvereinbarungen zwischen B2B-MDMS-Anbietern und
gewerblichen Nutzern
1. Geschäftsvereinbarungen zwischen B2B-MDMS-Anbietern und gewerblichen
Nutzern dürfen weder vorsätzlich noch anderweitig so gestaltet sein, dass sie
a) es einem gewerblichen Nutzer erschweren oder ihn daran hindern, abonnierter
Nutzer eines anderen vergleichbaren Systems zu werden oder dieses wirksam
zu nutzen;
b) zusätzliche Bedingungen enthalten, die für das Abonnement des B2B-MDMS
nicht erforderlich sind;
c) die Nutzung einer bestimmten technischen Ausrüstung oder Software
vorschreiben;
d) andere unbillige oder ungerechtfertigte Bedingungen enthalten.
2. Handelt es sich bei einem gewerblichen Nutzer um ein kleines Unternehmen im
Sinne des Artikels 2 Absatz 2 des Anhangs der Empfehlung 2003/361/EG, so kann
es die Geschäftsvereinbarung mit dem B2B-MDMS-Anbieter nach dem ersten Jahr
der Vereinbarung jederzeit kündigen. Es muss dies schriftlich mitteilen, wobei die
Frist drei Monate nicht überschreiten darf. In diesem Fall ist der B2B-MDMS-
Anbieter nicht berechtigt, mehr als die ihm durch die Kündigung der
Geschäftsvereinbarung unmittelbar entstandenen Verwaltungskosten zu verlangen.
Kapitel 3
Allgemeine Verpflichtungen der B2C-MDMS-Anbieter und B2B-
MDMS-Anbieter im Zusammenhang mit der Anzeige und dem
Austausch von Informationen
Artikel 7
Neutrale Anzeige und Kriterien für die Reihenfolge
1. Bei der Anzeige von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten sorgen die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter
dafür, dass die von den Verkehrsunternehmen bereitgestellten Daten zeitnah und mit
gleicher Sorgfalt eingegeben und verarbeitet werden.
2. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter zeigen Verkehrsprodukte oder
Kombinationen von Verkehrsprodukten neutral, umfassend und ohne
Diskriminierung oder Bevorzugung an.
3. Die Verkehrsunternehmen stellen sicher, dass die an B2C-MDMS-Anbieter und
B2B-MDMS-Anbieter übermittelten Daten korrekt und aktuell sind und es diesen
ermöglichen, die Vorschriften dieses Artikels einzuhalten.
4. Bei der Anordnung von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten in einer Reihenfolge wenden die B2C-MDMS-Anbieter und
B2B-MDMS-Anbieter die in Absatz 5 genannten Kriterien unterschiedslos auf alle
Verkehrsunternehmen an. Diese Kriterien dürfen nicht auf Faktoren beruhen, die
unmittelbar oder mittelbar mit der Identität des Verkehrsunternehmens im
Zusammenhang stehen, sofern dies nicht vom Endnutzer oder vom gewerblichen
Nutzer ausdrücklich verlangt wird. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-
Anbieter müssen Verkehrsprodukte oder Kombinationen von Verkehrsprodukten so
anzeigen, dass der Endnutzer oder der gewerbliche Nutzer nicht getäuscht wird und
leicht auf die betreffenden Verkehrsprodukte oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten zugreifen kann, wobei die Kriterien für die Anzeige klar zu
benennen und die Vorschriften dieses Artikels einzuhalten sind.
5. Bei der Anzeige von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten erstellen die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter
standardmäßig eine Reihenfolge nach Maßgabe eines oder mehrerer der folgenden
Kriterien:
a) Endpreis;
b) Reisedauer;
c) Treibhausgasemissionen;
d) Emissionen in CO2-Äquivalent;
e) Produkte, einschließlich aus einer Einzelstrecke bestehender Verkehrsdienste,
geordnet nach Abfahrtszeit;
f) Produkte, einschließlich Zwischenhalten sowie verfügbarer
Anschlussverkehrsdienste, geordnet nach Abfahrtszeit und Gesamtreisedauer;
g) barrierefreie Verkehrsdienste für Menschen mit Behinderungen oder
eingeschränkter Mobilität.
6. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter weisen dem Endnutzer oder
dem gewerblichen Nutzer bei der Anzeige von Verkehrsprodukten oder
Kombinationen von Verkehrsprodukten stets den Endpreis aus. Bei
Luftverkehrsdiensten hat die Anzeige gemäß Artikel 23 der Verordnung (EG)
Nr. 1008/2008 zu erfolgen.
7. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter müssen dem Endnutzer oder
dem gewerblichen Nutzer ermöglichen, sich Verkehrsprodukte oder Kombinationen
von Verkehrsprodukten in einer Reihenfolge nach Maßgabe der
Treibhausgasemissionen bzw. Emissionen in CO2-Äquivalent anzeigen zu lassen.
8. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter müssen dem Endnutzer oder
gewerblichen Nutzer ermöglichen, jedes einzelne der in Absatz 5 Buchstaben a bis g
aufgeführten Kriterien auszuwählen oder diese in beliebiger Reihenfolge zu
kombinieren.
9. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter dürfen ein Verkehrsprodukt
im Ergebnis einer Suchabfrage nur einmal anzeigen. Abweichend davon kann bei
Code-Sharing-Vereinbarungen jedes der beiden Code-Sharing-Verkehrsunternehmen
verlangen, dass die betreffenden Verkehrsprodukte unter Verwendung des eigenen
individuellen Kenncodes als eigene Dienste angezeigt werden. Sind mehr als zwei
Verkehrsunternehmen an einer Code-Sharing-Vereinbarung beteiligt, so ist das
Verkehrsunternehmen, das die Reise tatsächlich durchführt, für die
Kenntlichmachung der beiden Verkehrsunternehmen bei der Anzeige verantwortlich.
10. Bei der Anzeige von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten können die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter –
zusätzlich zu den in Absatz 5 genannten – weitere Kriterien für die Reihenfolge
berücksichtigen, wenn der Endnutzer oder der Kunde des gewerblichen Nutzers dies
ausdrücklich wünscht. Bei der Anzeige der Endpreise informieren die B2B-MDMS-
Anbieter gewerbliche Nutzer klar und transparent über etwaige optionale
Zusatzkosten.
11. Die B2C-MDMS-Anbieter dürfen sich von Verkehrsunternehmen unmittelbar oder
mittelbar bezahlen lassen, um diese Unternehmen hervorgehoben anzuzeigen. Eine
solche „Hervorhebung gegen Bezahlung“ darf nicht zu den Standardkriterien für die
Reihenfolge gehören und nur auf Wunsch des Endnutzers erfolgen. Angebote, für die
dieses Kriterium angewendet wird, müssen deutlich mit der Angabe „Tipp von“ oder
„gesponserter Inhalt“ gekennzeichnet sein. Die Auswirkungen der Zahlung auf die
Reihenfolge sind transparent darzustellen.
12. Die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter müssen bei der Anzeige von
Verkehrsprodukten Flüge von Luftfahrtunternehmen, gegen die eine
Betriebsuntersagung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 2111/2005 des Europäischen
Parlaments und des Rates18 ergangen ist, klar und eigens kenntlich machen. Die
B2C-MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter verwenden bei der Anzeige von
Verkehrsprodukten ein besonderes Symbol, um Endnutzer und gewerbliche Nutzer
gemäß Artikel 11 der Verordnung (EG) Nr. 2111/2005 über die Identität des
ausführenden Luftfahrtunternehmens zu unterrichten.
13. Dieser Artikel gilt nicht für B2B-MDMS, die ein Verkehrsunternehmen oder eine
Gruppe von Verkehrsunternehmen in eigenen Geschäfts- und Verkaufsstellen oder
auf Direktvertriebswebsites verwendet, die klar als die eigenen gekennzeichnet sind.
19Artikel 8
Marketingdaten
1. Stellt ein B2C-MDMS-Anbieter oder ein B2B-MDMS-Anbieter auf Ersuchen eines
Verkehrsunternehmens Marketing-, Buchungs- oder Verkaufsdaten bereit, so müssen
diese zeitnah allen Verkehrsunternehmen, mit denen der betreffende Anbieter eine
Geschäftsvereinbarung geschlossen hat, zugänglich gemacht werden. Die genannten
Daten können – und müssen auf Ersuchen des Verkehrsunternehmens – alle
Verkehrsunternehmen und gewerblichen Nutzer, mit denen der betreffende Anbieter
eine Geschäftsvereinbarung geschlossen hat, abdecken. Es dürfen nur anonymisierte
und aggregierte Daten zur Verfügung gestellt werden.
2. Verkehrsunternehmen dürfen die in Absatz 1 genannten Daten nicht dazu
verwenden, die Wahl des Endnutzers oder des gewerblichen Nutzers festzustellen
und zu beeinflussen.
3. Stammen die in Absatz 1 genannten Daten aus der Nutzung der
Vertriebseinrichtungen eines B2B-MDMS-Anbieters durch einen in der Union
niedergelassenen gewerblichen Nutzer, so dürfen sie nur dann Angaben zur Identität
des gewerblichen Nutzers enthalten, wenn der gewerbliche Nutzer und der B2B-
MDMS-Anbieter Bedingungen für eine angemessene Nutzung der betreffenden
Daten vereinbaren. Gleiches gilt für die Bereitstellung solcher Daten durch den B2B-
MDMS-Anbieter an jegliche andere Partei außer für die Nutzung zur
Rechnungsstellung durch diese Partei.
18 Verordnung (EG) Nr. 2111/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. Dezember 2005
über die Erstellung einer gemeinschaftlichen Liste der Luftfahrtunternehmen, gegen die in der
Gemeinschaft eine Betriebsuntersagung ergangen ist, sowie über die Unterrichtung von Fluggästen über
die Identität des ausführenden Luftfahrtunternehmens und zur Aufhebung des Artikels 9 der Richtlinie
2004/36/EG (ABl. L 344 vom 27.12.2005, S. 15, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/2005/2111/oj).
19 Richtlinie (EU) 2019/882 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 17. April 2019 über die
Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (ABl. L 151 vom 7.6.2019, S. 70,
ELI: http://data.europa.eu/eli/dir/2019/882/oj).
Artikel 9
Informationen über Treibhausgasemissionen bzw. Emissionen in
Kohlendioxidäquivalent
1. Die MDMS-Anbieter zeigen Informationen über Treibhausgasemissionen von
Verkehrsprodukten bzw. deren Emissionen in CO2-Äquivalent klar, transparent und
in leicht zugänglicher Weise an, sofern solche Informationen von den
Verkehrsunternehmen bereitgestellt werden. Diese Informationen werden so
angezeigt, wie sie vom Verkehrsunternehmen gemäß der Verordnung (EU) XXX des
Europäischen Parlaments und des Rates (CEEU), gegebenenfalls auch gemäß der
Durchführungsverordnung (EU) 2024/3170 bereitgestellt werden.
2. Liegen die in Absatz 1 genannten Informationen nicht für alle Verkehrsprodukte in
einer Kombination von Verkehrsprodukten vor, so gibt der B2C-MDMS-Anbieter
oder B2B-MDMS-Anbieter an, auf welche Verkehrsprodukte sich die Informationen
beziehen, und weist ausdrücklich darauf hin, für welche Verkehrsprodukte keine
Informationen über Treibhausgasemissionen oder Emissionen in CO2-Äquivalent
vorliegen.
3. Bei der Anordnung von Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten in einer Reihenfolge nach Maßgabe der Treibhausgasemissionen
oder Emissionen in CO2-Äquivalent müssen die B2C-MDMS-Anbieter und B2B-
MDMS-Anbieter Verkehrsprodukte oder Kombinationen von Verkehrsprodukten, für
die diese Informationen nicht vorliegen, am Ende anzeigen. Liegen die
Informationen nur teilweise bzw. für einen Teil der Reise vor, so dürfen die B2C-
MDMS-Anbieter und B2B-MDMS-Anbieter das betreffende Verkehrsprodukt in der
Reihenfolge nicht über jenen Verkehrsprodukten oder Kombinationen von
Verkehrsprodukten anzeigen, für die alle Informationen vorliegen.
Artikel 10
Datenweitergabe an Behörden für den öffentlichen Verkehr
1. Die B2C-MDMS-Anbieter übermitteln auf Ersuchen einer Behörde für den
öffentlichen Verkehr für jeden Verkehrsträger, für den sie Dienste erbringen, Daten
über das Aufkommen an Reisenden, sofern sie in dem Gebiet, für das die betreffende
Behörde zuständig ist, Verkehrsprodukte anbieten. Diese Daten dürfen ausschließlich
dazu verwendet werden, die Maßnahmen im Bereich des öffentlichen Verkehrs und
der nachhaltigen Mobilität, die in die Zuständigkeit der betreffenden Behörde fallen,
wirksamer zu machen. Die Daten müssen aggregiert und anonymisiert werden. Die
B2C-MDMS-Anbieter müssen nur Daten weitergeben, die ihnen bereits vorliegen,
und sind nicht dazu verpflichtet, auf Ersuchen einer Behörde für den öffentlichen
Verkehr neue Daten zu erheben.
2. In den in Absatz 1 genannten Ersuchen ist das spezifische Ziel der Maßnahmen im
Bereich des öffentlichen Verkehrs und der nachhaltigen Mobilität, für die die Daten
benötigt werden, klar zu benennen. Die Behörde für den öffentlichen Verkehr darf
die Daten nicht für andere Zwecke als für die Gestaltung, Umsetzung und Bewertung
von Maßnahmen im Bereich des öffentlichen Verkehrs verwenden. Die Behörde für
den öffentlichen Verkehr darf die angeforderten Daten nicht für gewerbliche Zwecke
nutzen oder weitergeben.
3. Die Behörde für den öffentlichen Verkehr trägt die Kosten, die dem B2C-MDMS-
Anbieter nach vernünftigem Ermessen für die Bereitstellung der von ihr
angeforderten Daten entstehen.
Artikel 11
Gleichwertige Behandlung von Luftfahrtunternehmen in Drittländern
1. Unbeschadet internationaler Übereinkünfte, deren Vertragsparteien die Union oder
die Mitgliedstaaten sind, kann die Kommission in Fällen, in denen ein B2B-MDMS-
Anbieter in einem Drittland Luftfahrtunternehmen der Union und
Luftfahrtunternehmen aus dem betreffenden Drittland, für die er Dienste erbringt, in
Bezug auf einen Gegenstand dieser Verordnung nicht gleichwertig behandelt, im
Wege eines nach dem Verfahren in Artikel 17 Absatz 2 erlassenen
Durchführungsrechtsakts alle B2B-MDMS-Anbieter in der Union auffordern,
Luftfahrtunternehmen aus dem betreffenden Drittland in einer Weise zu behandeln,
die der Behandlung von Luftfahrtunternehmen der Union in dem betreffenden
Drittland gleichwertig ist.
2. Für die Zwecke des Absatzes 1 überwacht die Kommission, ob eine diskriminierende
oder nicht gleichwertige Behandlung von Luftfahrtunternehmen der Union durch
einen B2B-MDMS-Anbieter in einem Drittland vorliegt. Auf Ersuchen eines
Mitgliedstaats oder von Amts wegen untersucht die Kommission mögliche Fälle von
Diskriminierung von Luftfahrtunternehmen der Union durch in Drittländern
erbrachte B2B-MDMS. Bevor die Kommission einen Beschluss nach Absatz 1
erlässt, unterrichtet sie die beteiligten Seiten.
Kapitel 4
Umsetzung und Durchsetzung
Artikel 12
Nationale Durchsetzungsstellen
1. Die Mitgliedstaaten benennen eine nationale Durchsetzungsstelle, die für die
Durchsetzung dieser Verordnung zuständig ist. Die Mitgliedstaaten stellen sicher,
dass ihre nationale Durchsetzungsstelle über alle erforderlichen administrativen und
finanziellen Ressourcen und das erforderliche Fachwissen verfügt, um die Aufgaben
im Rahmen dieser Verordnung angemessen wahrzunehmen.
2. Jeder Mitgliedstaat teilt der Kommission die Identität der gemäß Absatz 1 benannten
nationalen Durchsetzungsstelle mit und gibt deren Aufgaben und Zuständigkeiten an.
Die nationale Durchsetzungsstelle veröffentlicht die Informationen über ihre
Aufgaben und Zuständigkeiten auf ihrer Website. Die Kommission veröffentlicht auf
einer eigens eingerichteten Website ein Verzeichnis dieser Stellen und hält es auf
dem neuesten Stand.
3. Die nationale Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats, in dem ein B2C-MDMS-
Anbieter seine Hauptniederlassung hat, hat die Befugnis zur Durchsetzung dieser
Verordnung gegenüber dem betreffenden B2C-MDMS-Anbieter.
4. Abweichend von Absatz 3 überträgt die nationale Durchsetzungsstelle des
Mitgliedstaats, in dem ein B2C-MDMS-Anbieter seine Hauptniederlassung hat, bei
Vorliegen eines hinreichend begründeten Ersuchens der nationalen
Durchsetzungsstelle eines Mitgliedstaats, in dem der betreffende B2C-MDMS-
Anbieter als Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz ausgewiesen wurde, die
Befugnis zur Durchsetzung der in Artikel 5 Absatz 2 festgelegten Verpflichtungen
für die in dem betreffenden Ersuchen genannten Zwecke an die letztgenannte
nationale Durchsetzungsstelle.
5. Die nationale Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats, in dem ein B2B-MDMS-
Anbieter bzw. ein Verkehrsunternehmen seine Hauptniederlassung hat, hat die
ausschließliche Befugnis zur Durchsetzung dieser Verordnung gegenüber dem
betreffenden B2B-MDMS-Anbieter bzw. Verkehrsunternehmen.
6. Hat ein B2C-MDMS-Anbieter oder ein B2B-MDMS-Anbieter keine Niederlassung
in der Union, so ist jede nationale Durchsetzungsstelle für die Durchsetzung dieser
Verordnung gegenüber dem betreffenden Anbieter zuständig.
7. Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass ihre nationale Durchsetzungsstelle in Bezug
auf Organisation, Finanzierung, Rechtsstruktur und Entscheidungsverfahren von
allen Verkehrsunternehmen, B2C-MDMS-Anbietern, B2B-MDMS-Anbietern und
gewerblichen Nutzern sowie der Behörde für den öffentlichen Verkehr unabhängig
ist.
Artikel 13
Aufgaben der nationalen Durchsetzungsstellen
1. Die Mitgliedstaaten stellen sicher, dass die Aufgaben und Zuständigkeiten der
nationalen Durchsetzungsstelle klar definiert sind und mindestens Folgendes
abdecken:
a) Sensibilisierung für die in dieser Verordnung festgelegten Rechte und
Pflichten;
b) Ausweisung der B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher Marktpräsenz gemäß
Artikel 4;
c) Überwachung der Einhaltung dieser Verordnung und Maßnahmen zur
Gewährleistung ihrer ordnungsgemäßen Umsetzung;
d) Bearbeitung von Beschwerden wegen mutmaßlicher Verstöße gegen diese
Verordnung;
e) Verhängung von Sanktionen gemäß Artikel 15, wenn die nationale
Durchsetzungsstelle feststellt, dass die Bestimmungen dieser Verordnung nicht
eingehalten werden;
f) Zusammenarbeit mit den nationalen Durchsetzungsstellen anderer
Mitgliedstaaten und der Kommission, um eine kohärente Durchsetzung dieser
Verordnung sowie Amtshilfe bei den Aufgaben in den Bereichen
Marktüberwachung, Rechtsdurchsetzung, Verfahren der Ausweisung und
Bearbeitung von Beschwerden zu gewährleisten, auch durch den Austausch
einschlägiger Informationen auf elektronischem Wege unter gebührender
Wahrung der Vertraulichkeit sensibler Geschäftsdaten.
2. Die nationalen Durchsetzungsstellen setzen diese Verordnung in enger
Zusammenarbeit durch.
3. Ersucht eine nationale Durchsetzungsstelle die nationale Durchsetzungsstelle eines
anderen Mitgliedstaats um Informationen zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben oder
Zuständigkeiten, so werden diese Informationen unverzüglich, in jedem Fall aber
innerhalb eines Monats nach Eingang des Ersuchens bereitgestellt. In komplizierten
Fällen kann die nationale Durchsetzungsstelle, an die das Ersuchen gerichtet ist,
diese Frist auf höchstens drei Monate nach Eingang des Ersuchens verlängern.
4. Die nationalen Durchsetzungsstellen richten ein Netzwerk ein, das regelmäßig und
mindestens einmal jährlich zusammentritt, um Informationen auszutauschen,
insbesondere über ihre Tätigkeit in den Bereichen Überwachung, Durchsetzung und
Umsetzung, ihre Entscheidungsgrundsätze und ihre Verwaltungspraxis, und arbeiten
im Rahmen dieses Netzwerkes zusammen. Die Kommission ist Mitglied des
Netzwerks, koordiniert und unterstützt dessen Arbeit und unterbreitet ihm
gegebenenfalls Empfehlungen. Sie sorgt dafür, dass die betroffenen
Regulierungsstellen aktiv zusammenarbeiten.
Artikel 14
Beschwerden
1. B2C-MDMS-Anbieter, B2B-MDMS-Anbieter und gewerbliche Nutzer haben das
Recht, bei der nationalen Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats, in dem sie
niedergelassen sind, eine Beschwerde wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen
diese Verordnung einzureichen, wenn sie der Auffassung sind, dass sie unbillig
behandelt werden, von Diskriminierung betroffen sind oder in sonstiger Weise
benachteiligt werden.
2. Die Behörden für den öffentlichen Verkehr können bei der nationalen
Durchsetzungsstelle ihres Mitgliedstaats eine Beschwerde wegen eines
mutmaßlichen Verstoßes gegen Artikel 10 einreichen.
3. Verkehrsunternehmen haben das Recht, bei der nationalen Durchsetzungsstelle des
Mitgliedstaats, in dem ihnen die Genehmigung zum Betrieb im Gebiet der Union
erteilt wurde, eine Beschwerde wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen diese
Verordnung einzureichen, wenn sie der Auffassung sind, dass sie unbillig behandelt
werden, von Diskriminierung betroffen sind oder in sonstiger Weise benachteiligt
werden.
4. B2C-MDMS-Anbieter, B2B-MDMS-Anbieter und gewerbliche Nutzer, die nicht in
der Union niedergelassen sind, sowie Verkehrsunternehmen, deren
Betriebsgenehmigung von einem Drittland erteilt wurde, haben das Recht, bei der
nationalen Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats, in dem die Partei, die mutmaßlich
gegen diese Verordnung verstoßen hat, niedergelassen ist oder dieser die
Betriebsgenehmigung erteilt wurde oder in dessen Gebiet die betreffenden
Verkehrsdienste oder ein Teil dieser Dienste erbracht wurden, eine Beschwerde
wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen diese Verordnung einzureichen.
5. Kann eine Beschwerde nicht gemäß den Absätzen 1 bis 4 eingereicht werden, so
kann die Beschwerde bei der nationalen Durchsetzungsstelle jedes Mitgliedstaats
eingereicht werden.
6. Die nationale Durchsetzungsstelle, bei der eine Beschwerde gemäß den Absätzen 1
bis 5 des vorliegenden Artikels eingeht, prüft die Beschwerde und leitet sie
gegebenenfalls an die zuständige nationale Durchsetzungsstelle des Mitgliedstaats
gemäß Artikel 12 Absatz 1 weiter.
7. Die nationalen Durchsetzungsstellen lehnen die Bearbeitung einer Beschwerde ab,
wenn bereits bei anderen nationalen Durchsetzungsstelle eine Beschwerde, die
dieselbe Angelegenheit und dieselben Parteien betrifft, eingereicht oder ein
wirksamer Rechtsbehelf vor einem nationalen Gericht eines Mitgliedstaats eingelegt
wurde.
Die nationalen Durchsetzungsstellen, die eine Beschwerde bearbeiten, unterrichten
die nationalen Durchsetzungsstellen der Mitgliedstaaten,
(a) in denen der B2C-MDMS-Anbieter oder der B2B-MDMS-Anbieter, der
Gegenstand der Beschwerde ist, niedergelassen ist;
(b) die dem Verkehrsunternehmen, das Gegenstand der Beschwerde ist, die
Betriebsgenehmigung erteilt haben;
(c) in deren Gebiet die Verkehrsdienste erbracht wurden.
Die nationale Durchsetzungsstelle, die eine Beschwerde bearbeitet, kann die in
Unterabsatz 1 genannten nationalen Durchsetzungsstellen um einschlägige
Informationen ersuchen und berücksichtigt diese, bevor sie über die Beschwerde
entscheidet.
8. Am [Amt für Veröffentlichungen: bitte Datum des Inkrafttretens dieser Verordnung
+ 2 Jahre einfügen] und danach alle zwei Jahre veröffentlichen die nationalen
Durchsetzungsstellen Tätigkeitsberichte mit Statistiken, auch über die
Angelegenheiten, die am häufigsten Anlass zu Beschwerden gaben, und die
Sanktionen, die bei Verstößen gegen diese Verordnung verhängt wurden. In den
Berichten dürfen keine sensiblen Geschäftsdaten offengelegt werden. Die Berichte
werden bis zum 30. Juni des auf das Ende des Berichtszeitraums folgenden
Kalenderjahres auf der Website der jeweiligen nationalen Durchsetzungsstelle
veröffentlicht.
Artikel 15
Sanktionen
1. Die Mitgliedstaaten legen Vorschriften für Sanktionen bei Verstößen gegen diese
Verordnung fest. Die Sanktionen müssen wirksam, verhältnismäßig und
abschreckend und dürfen nicht diskriminierend sein.
2. Die Mitgliedstaaten teilen der Kommission diese Vorschriften und Maßnahmen bis
zum [Datum der Anwendung der Verordnung] mit und melden ihr unverzüglich alle
Änderungen daran.
Artikel 16
Ausübung der Befugnisübertragung
1. Die Befugnis zum Erlass delegierter Rechtsakte wird der Kommission unter den in
diesem Artikel festgelegten Bedingungen übertragen.
2. Die Befugnis zum Erlass delegierter Rechtsakte gemäß Artikel 4 Absatz 10 wird der
Kommission für einen Zeitraum von fünf Jahren ab dem [Datum des Inkrafttretens
dieses Rechtsakts] übertragen. Die Kommission erstellt spätestens neun Monate vor
Ablauf des Zeitraums von fünf Jahren einen Bericht über die Befugnisübertragung.
Die Befugnisübertragung verlängert sich stillschweigend um Zeiträume gleicher
Länge, es sei denn, das Europäische Parlament oder der Rat widersprechen einer
solchen Verlängerung spätestens drei Monate vor Ablauf des jeweiligen Zeitraums.
3. Die Befugnisübertragung kann vom Europäischen Parlament oder vom Rat jederzeit
widerrufen werden. Der Beschluss über den Widerruf beendet die Übertragung der in
dem betreffenden Beschluss angegebenen Befugnis. Er wird am Tag nach seiner
Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union oder zu einem im Beschluss
über den Widerruf angegebenen späteren Zeitpunkt wirksam. Die Gültigkeit von
delegierten Rechtsakten, die bereits in Kraft sind, wird von dem Beschluss über den
Widerruf nicht berührt.
4. Vor dem Erlass eines delegierten Rechtsakts konsultiert die Kommission die von den
einzelnen Mitgliedstaaten benannten Sachverständigen im Einklang mit den in der
Interinstitutionellen Vereinbarung vom 13. April 2016 über bessere Rechtsetzung
enthaltenen Grundsätzen.
5. Sobald die Kommission einen delegierten Rechtsakt erlässt, übermittelt sie ihn
gleichzeitig dem Europäischen Parlament und dem Rat.
6. Ein delegierter Rechtsakt, der gemäß Artikel 4 Absatz 10 erlassen wurde, tritt nur in
Kraft, wenn weder das Europäische Parlament noch der Rat innerhalb einer Frist von
zwei Monaten nach Übermittlung des betreffenden Rechtsakts an das Europäische
Parlament und den Rat Einwände erhoben haben oder wenn vor Ablauf dieser Frist
das Europäische Parlament und der Rat beide der Kommission mitgeteilt haben, dass
sie keine Einwände erheben werden. Auf Initiative des Europäischen Parlaments
oder des Rates wird diese Frist um zwei Monate verlängert.
Artikel 17
Ausschussverfahren
1. Die Kommission wird von einem Ausschuss unterstützt. Dieser Ausschuss ist ein
Ausschuss im Sinne der Verordnung (EU) Nr. 182/2011.
2. Wird auf diesen Absatz Bezug genommen, so gilt Artikel 4 der Verordnung (EU)
Nr. 182/2011.
Kapitel 5
Schlussbestimmungen
Artikel 18
Überprüfung und Berichterstattung
Bis zum [TT.MM.20JJ – fünf Jahre nach Geltungsbeginn dieser Verordnung] bewertet die
Kommission die Umsetzung dieser Verordnung und legt dem Europäischen Parlament und
dem Rat einen Bericht über ihre wichtigsten Ergebnisse vor.
Erforderlichenfalls werden dem Bericht geeignete Rechtsetzungsvorschläge beigefügt.
Artikel 19
Aufhebung
1. Die Verordnung (EG) Nr. 80/2009 wird aufgehoben.
2. Bezugnahmen auf die aufgehobene Verordnung gelten als Bezugnahmen auf die
vorliegende Verordnung und sind nach Maßgabe der Entsprechungstabelle in
Anhang II zu lesen.
Artikel 20
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt am zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der
Europäischen Union in Kraft.
Sie gilt ab dem [Datum xx Monate nach dem Datum des Inkrafttretens dieser Verordnung].
Diese Verordnung ist in allen ihren Teilen verbindlich und gilt unmittelbar in jedem
Mitgliedstaat.
Geschehen zu Brüssel am
Im Namen des Europäischen Parlaments Im Namen des Rates
Der Präsident/Die Präsidentin Der Präsident/Die Präsidentin
[...] [...]
1. RAHMEN DES VORSCHLAGS/DER INITIATIVE
1.1. Bezeichnung des Vorschlags/der Initiative
Vorschlag für eine VERORDNUNG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND
DES RATES über multimodales Buchen
1.2. Politikbereich(e)
Verkehr, digitale Dienstleistungen
1.3. Ziel(e)
1.3.1. Allgemeine(s) Ziel(e)
Besseres Funktionieren des Online-Ticketvertriebsmarkts
1.3.2. Einzelziel(e)
Einzelziel
Erhöhung der Transparenz und Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen für
Verkehrsunternehmen in Bezug auf den Zugang zu unverzichtbaren multimodalen
digitalen Mobilitätsdiensten (multimodal digital mobility services, MDMS) und
deren Nutzung.
1.3.3. Erwartete Ergebnisse und Auswirkungen
Bitte geben Sie an, wie sich der Vorschlag/die Initiative auf die
Begünstigten/Zielgruppen auswirken sollte.
Die Initiative dürfte sich positiv auf MDMS und Verkehrsunternehmen (mit
Nettovorteilen für beide Gruppen), die Wettbewerbsfähigkeit und das Funktionieren
des Binnenmarkts sowie auf Innovation auswirken. Der Vorschlag dürfte zudem zu
einer Verkehrsverlagerung hin zu nachhaltigeren Verkehrsträgern führen und sich
dadurch positiv auf die Verkehrssicherheit und die CO2- und
Luftschadstoffemissionen auswirken.
1.3.4. Leistungsindikatoren
Bitte geben Sie an, anhand welcher Indikatoren die Fortschritte und Ergebnisse
verfolgt werden sollen.
Die wichtigsten Meilensteine, die bei der Überwachung der Fortschritte und der
Verwirklichung des Ziels berücksichtigt werden, sind i) fair und diskriminierungsfrei
ausgehandelte Geschäftsvereinbarungen, ii) die neutrale Anzeige von Reiseoptionen
für Endnutzer auf allen MDMS und iii) die Verringerung ungerechtfertigter
Preisunterschiede zwischen den Diensten für identische Angebote. Die Fortschritte
bei der Verwirklichung dieses Ziels werden anhand von vier Schlüsselindikatoren
(gegenüber dem in der Folgenabschätzung zum Vorschlag beschriebenen
Basisszenario) überwacht: i) die Anzahl der Verkehrsunternehmen, die
Verkehrsprodukte auf unverzichtbaren MDMS-Plattformen vertreiben, ii) die Anzahl
der Vereinbarungen zwischen MDMS-Plattformen und Verkehrsunternehmen, iii)
die Anzahl der verhängten Sanktionen und iv) die Kennzahl für die Zufriedenheit der
Verbraucher mit der Verfügbarkeit von Reiseinformationen und der Buchbarkeit.
1.4. Der Vorschlag/Die Initiative betrifft
☑ eine neue Maßnahme
☐ eine neue Maßnahme im Anschluss an ein Pilotprojekt/eine vorbereitende
Maßnahme37
☐ die Verlängerung einer bestehenden Maßnahme
☐ die Zusammenführung mehrerer Maßnahmen oder die Neuausrichtung
mindestens einer Maßnahme
1.5. Begründung des Vorschlags/der Initiative
1.5.1. Kurz- oder langfristig zu deckender Bedarf, einschließlich einer detaillierten
Zeitleiste für die Durchführung der Initiative
Es werden mehrere Maßnahmen zur Erhöhung der Transparenz und zur Schaffung
gleicher Wettbewerbsbedingungen für Verkehrsunternehmen in Bezug auf den
Zugang zu unverzichtbaren MDMS und deren Nutzung vorgesehen:
a) Erstens umfasst der Vorschlag Maßnahmen, die eine faire Behandlung von
Informationen und Daten auf allen MDMS gewährleisten. Dazu werden die
MDMS-Anbieter verpflichtet, die Neutralität der Anzeige (gemäß
Anzeigekriterien) auf ihrer Online-Schnittstelle zu gewährleisten. Die MDMS-
Anbieter werden ebenfalls verpflichtet, Informationen über
Treibhausgasemissionen anzuzeigen, sofern diese Informationen vom
Verkehrsunternehmen zur Verfügung gestellt werden, und Daten für das
Mobilitätsmanagement an Behörden weiterzugeben.
b) Der Vorschlag enthält zudem die wichtigsten Grundsätze, die den Rahmen für
sämtliche Geschäftsvereinbarungen zwischen unverzichtbaren MDMS und
Verkehrsunternehmen bilden. Mit diesen Vorschriften soll den
Verkehrsunternehmen Schutz bei Geschäftsvereinbarungen mit
unverzichtbaren MDMS gewährt werden. Auf nationaler und Unionsebene ist
ein Meldeverfahren vorgesehen, um B2C-MDMS-Anbieter mit beträchtlicher
Marktpräsenz (unverzichtbare Anbieter) zu ermitteln und als solche
auszuweisen.
c) Die Mitgliedstaaten wären verpflichtet, eine nationale Behörde zur Beilegung
eventueller Streitigkeiten zwischen den Parteien zu benennen, und ein EU-
Durchsetzungsnetz solcher Behörden würde eine konsequente Durchsetzung in
der gesamten EU gewährleisten.
1.5.2. Mehrwert aufgrund des Tätigwerdens der EU (kann sich aus unterschiedlichen
Faktoren ergeben, z. B. Vorteile durch Koordinierung, Rechtssicherheit, größere
Wirksamkeit oder Komplementarität). Für die Zwecke dieses Abschnitts bezeichnet
der Ausdruck „Mehrwert aufgrund des Tätigwerdens der EU“ den Wert, der sich aus
dem Tätigwerden der EU ergibt und den Wert ergänzt, der andernfalls allein von den
Mitgliedstaaten geschaffen worden wäre.
Dank dieser Initiative werden Endnutzer und – im Falle von B2B-Diensten –
abonnierte Nutzer von einer größeren Auswahl an Tickets für sämtliche
Verkehrsunternehmen und Verkehrsträger profitieren können, die zudem fair und
transparent angezeigt werden. Dies wiederum dürfte das Funktionieren des
Binnenmarkts verbessern, da das Buchen für Reisende reibungsloser und
übersichtlicher wird, und damit das EU-Ziel des wirtschaftlichen, sozialen und
territorialen Zusammenhalts unterstützen. Maßnahmen auf EU-Ebene mit
37 Im Sinne des Artikels 58 Absatz 2 Buchstabe a oder b der Haushaltsordnung.
horizontalen Vorschriften würden dem Funktionieren des Online-
Ticketvertriebsmarkts zugutekommen und Hindernisse für Verkehrsunternehmen
und MDMS-Anbieter beseitigen. Maßnahmen auf EU-Ebene für den B2B-
Ticketvertrieb würden zudem gleiche Wettbewerbsbedingungen im Sektor fördern.
Die Ex-post-Bewertung des CRS-Verhaltenskodex aus dem Jahr 2020 gelangte zu
dem Schluss, dass die EU-Ebene – und nicht die nationale oder die internationale
Ebene – die richtige Ebene für Maßnahmen beim Ticketvertrieb ist. Dies ist auf den
multinationalen Charakter sowohl der CRS-Anbieter als auch der
Luftverkehrsdienste zurückzuführen. Bei einer Regulierung auf nationaler Ebene
müssten CRS-Anbieter eine Vielzahl von Regulierungssystemen beachten, was
negative Auswirkungen auf die Effizienz hätte. Darüber hinaus bestünde die Gefahr
des „Rule Shopping“ (strategische Auswahl vorteilhafter Regulierungssysteme) und
damit einer Fragmentierung des EU-Binnenmarkts. Auf internationaler Ebene hat die
Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) einen unverbindlichen CRS-
Verhaltenskodex angenommen. Der CRS-Verhaltenskodex der EU hingegen ist
verbindlich, wodurch er wirksamer ist und gegenüber den Mitgliedstaaten, die den
ICAO-Code einführen, einen Mehrwert bietet.
1.5.3. Aus früheren ähnlichen Maßnahmen gewonnene Erkenntnisse
Erkenntnisse lassen sich aus dem Verhaltenskodex für
Computerreservierungssysteme (CRS) gewinnen: Die Verordnung (EWG)
Nr. 2299/89 des Rates38 wurde erlassen, um die Gleichbehandlung aller
Luftfahrtunternehmen sicherzustellen, deren Flüge über ein
Computerreservierungssystem erhältlich waren. Damit sollte der Wettbewerb
zwischen den Luftfahrtunternehmen im Bereich des indirekten Vertriebs von
Flugtickets gefördert werden. Mit der genannten Verordnung wurden
Anforderungen eingeführt, wonach die Anzeige der Ergebnisse neutral sein muss und
das Mutterluftfahrtunternehmen des CRS (oder andere Verkehrsunternehmen) nicht
begünstigen darf, und um zu gewährleisten, dass das Mutterluftfahrtunternehmen
nicht das eigene CRS gegenüber anderen bevorzugt und Reisebüros und damit
letztlich die Verbraucher einen unverzerrten Zugang zu den Angeboten haben. Der
CRS-Verhaltenskodex wurde im Jahr 2020 bewertet. Die Bewertung ergab, dass die
i) Gewährleistung gleicher Wettbewerbsbedingungen und ii) die Erhöhung der
Transparenz nach wie vor relevante Ziele sind. Aus der Bewertung ging hervor, dass
der Kodex nicht in vollem Umfang gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle
teilnehmenden Verkehrsunternehmen in Bezug auf den Zugang zu CRS-Diensten
und deren Nutzung gewährleistet, da er nicht für mehr Ausgewogenheit bei der
Verhandlungsposition unterschiedlich großer Luftfahrtunternehmen gegenüber CRS
gesorgt hat. Die Bewertung ergab jedoch, dass Transparenzanforderungen, d. h. eine
neutrale Anzeige, weiterhin wichtig ist, da Reisebüros, sowohl offline als auch
online, und Geschäftsreisebüros nach wie vor stark auf CRS-Daten angewiesen sind
– insbesondere bei Geschäftsreisen. Schließlich ergab die Bewertung, dass die
Förderung des Schienenverkehrs und des multimodalen Verkehrs zwar weiterhin
wichtig ist, dies jedoch durch umfassendere Initiativen und nicht durch CRS-
spezifische Vorschriften verfolgt werden sollte.
1.5.4. Vereinbarkeit mit dem Mehrjährigen Finanzrahmen sowie mögliche Synergieeffekte
mit anderen geeigneten Instrumenten
38 Verordnung (EG) Nr. 2299/89 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Juli 1989 über
einen Verhaltenskodex im Zusammenhang mit computergesteuerten Buchungssystemen (ABl. L 220
vom 29.7.1989, S. 1, ELI: http://data.europa.eu/eli/reg/1989/2299/oj).
Der Vorschlag steht im Einklang mit anderen EU-Instrumenten und einschlägigen
Politikbereichen der EU, insbesondere mit den folgenden:
Politik zur Digitalisierung im Verkehr: Der Vorschlag ergänzt die im Rahmen der
IVS-Richtlinie geleistete Arbeit, mit der ein Rahmen für die Einführung intelligenter
Verkehrssysteme im Straßenverkehr und für deren Schnittstellen zu anderen
Verkehrsträgern geschaffen wurde. Gemäß der Delegierten Verordnung über
multimodale Reiseinformationsdienste (Multimodal Travel Information Services,
MMTIS) müssen die Mitgliedstaaten nationale Zugangspunkte einrichten, die die
zentrale Anlaufstelle für den Zugang von Datennutzern zu den statischen,
historischen, beobachteten und dynamischen Reise- und Verkehrsdaten
verschiedener Verkehrsträger darstellen und der Bereitstellung multimodaler
Reiseinformationsdienste dienen. Die Entwicklung von MDMS mit Funktionen für
die Reservierung, Buchung oder Ausstellung von Tickets erfordert jedoch
zusätzliche Daten (z. B. Echtzeit-Preisdaten).
Horizontale Datenpolitik: Zur Ergänzung der allgemeinen Grundsätze des Gesetzes
über digitale Märkte in Bezug auf MDMS werden im Vorschlag zu MDMS
sektorspezifische Maßnahmen in Betracht gezogen, um die transparente Information
der Verbraucher über Beförderungsoptionen zu verbessern. Der Vorschlag zu
MDMS ergänzt die Bestimmungen des Gesetzes über digitale Dienste, da er auch ein
sicheres, berechenbares und vertrauenswürdiges Online-Umfeld unterstützt. Die
Datenverordnung weist Synergien mit dem Vorschlag zu MDMS auf, insbesondere
durch harmonisierte Vorschriften für die Datenweitergabe, einschließlich
Vorschriften für die Datenweitergabe von Unternehmen an Regierungen
(Businessto-Government, B2G) und Vorschriften zu unbilligen Vertragsklauseln.
Politik zu Geschäftspraktiken: Die in der EU für gewerbliche MDMS für
Verbraucher (Business-to-Consumer, B2C) geltende Platform-to-Business-
Verordnung (P2B-Verordnung) sieht Transparenzpflichten für die Parameter vor, die
für die Reihenfolge der Anzeige der jeweiligen Produkte verwendet werden. Die
überarbeitete Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken verbietet versteckte
Werbung und bezahlte Verkaufsförderung in Form einer höheren Platzierung in der
Reihenfolge der im Rahmen von Suchergebnissen auf MDMS angezeigten Produkte.
Der Vorschlag zu MDMS ergänzt diese Rechtsakte durch Maßnahmen, mit denen
sichergestellt wird, dass Suchergebnisse auf MDMS neutral angezeigt werden (Liste
verbindlicher Kriterien für die Reihenfolge der Anzeige sowie Angabe, welches
Kriterium verwendet wurde), und Selbstbevorzugung und Hervorhebung gegen
Bezahlung verhindert werden (Zulassung beworbener Inhalte nur unter bestimmten
Bedingungen).
Weitere Initiativen: Mit den Initiativen CountEmissionsEU und
Flugemissionskennzeichen wurde ein gemeinsamer Rahmen für die Berechnung und
Meldung verkehrsbedingter Treibhausgasemissionen geschaffen. Auf der Grundlage
transparenter Informationen über alle Verkehrsträger werden Flug- und Fahrgäste die
nachhaltigsten Reiseoptionen auswählen können.
1.5.5. Bewertung der verschiedenen verfügbaren Finanzierungsoptionen, einschließlich der
Möglichkeiten für eine Umschichtung
Die wiederkehrenden Anpassungskosten für die Europäische Kommission sind
darauf zurückzuführen, dass sie B2C-MDMS mit beträchtlicher Marktpräsenz auf
EU-Ebene ausweisen muss. Es wird davon ausgegangen, dass dies 2 VZÄ pro Jahr
ab 2028 erfordert.
1.6. Laufzeit der vorgeschlagenen Maßnahme/der Initiative und Dauer der
finanziellen Auswirkungen
☐ Befristete Laufzeit
☐ Laufzeit [TT.MM.]JJJJ bis [TT.MM.]JJJJ
☐ Finanzielle Auswirkungen auf die Mittel für Verpflichtungen von JJJJ bis
JJJJ und auf die Mittel für Zahlungen von JJJJ bis JJJJ
☑ Unbefristete Laufzeit
Anlaufphase von JJJJ bis JJJJ
Anschließend reguläre Umsetzung
1.7. Vorgeschlagene Haushaltsvollzugsart(en)39
☑ Direkte Mittelverwaltung durch die Kommission
☑ über ihre Dienststellen, einschließlich ihres Personals in den EU-
Delegationen
☐ über Exekutivagenturen
☐ Geteilte Mittelverwaltung mit Mitgliedstaaten
☐ Indirekte Mittelverwaltung durch Übertragung von
Haushaltsvollzugsaufgaben an:
☐ Drittländer oder die von ihnen benannten Einrichtungen
☐ internationale Einrichtungen und deren Agenturen (bitte angeben)
☐ die Europäische Investitionsbank und den Europäischen
Investitionsfonds
☐ Einrichtungen im Sinne der Artikel 70 und 71 der Haushaltsordnung
☐ öffentlich-rechtliche Körperschaften
☐ privatrechtliche Einrichtungen, die im öffentlichen Auftrag tätig werden,
sofern ihnen ausreichende finanzielle Garantien bereitgestellt werden
☐ privatrechtliche Einrichtungen eines Mitgliedstaats, die mit der
Umsetzung einer öffentlich-privaten Partnerschaft betraut werden und
denen ausreichende finanzielle Garantien bereitgestellt werden
☐ Einrichtungen oder Personen, die mit der Durchführung bestimmter
Maßnahmen im Bereich der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
im Rahmen des Titels V des Vertrags über die Europäische Union betraut
und die in dem maßgeblichen Basisrechtsakt benannt sind
☐ in einem Mitgliedstaat ansässige Einrichtungen, die dem Privatrecht
eines Mitgliedstaats oder dem Unionsrecht unterliegen und im Einklang
39 Erläuterungen zu den Haushaltsvollzugsarten und die Haushaltsordnung können über die
Website BUDGpedia (in englischer Sprache) abgerufen werden:
https://myintracomm.ec.europa.eu/corp/budget/financial-rules/budget-
implementation/Pages/implementation-methods.aspx.
mit sektorspezifischen Vorschriften für die Betrauung mit der
Ausführung von Unionsmitteln oder mit der Erteilung von
Haushaltsgarantien in Betracht kommen, insofern diese Einrichtungen
von öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder von privatrechtlichen, im
öffentlichen Auftrag tätig werdenden Einrichtungen kontrolliert und von
den Kontrollstellen mit angemessenen finanziellen Garantien mit
gesamtschuldnerischer Haftung oder gleichwertigen finanziellen
Garantien ausgestattet werden, die bei jeder Maßnahme auf den
Höchstbetrag der Unionsunterstützung begrenzt sein können
Bemerkungen
[...]
2. VERWALTUNGSMAẞNAHMEN
2.1. Überwachung und Berichterstattung
Die vorgeschlagene Maßnahme ist auf politische Maßnahmen und Überwachung
ausgerichtet und sieht keine Einnahmen- oder Ausgabenverwaltung vor, sondern
lediglich die Einstellung zusätzlichen Personals (2 VZÄ).
2.2. Verwaltungs- und Kontrollsystem(e)
2.2.1. Begründung der Haushaltsvollzugsart(en), des Durchführungsmechanismus/der
Durchführungsmechanismen für die Finanzierung, der Zahlungsmodalitäten und der
Kontrollstrategie, wie vorgeschlagen
Die Ausgaben für diese Verträge werden im Einklang mit den kommissionsinternen
Verfahren verwaltet.
2.2.2. Angaben zu den ermittelten Risiken und dem/den zu deren Eindämmung
eingerichteten System(en) der internen Kontrolle
Die Kommission führt gründliche Kontrollen bei der Verwaltung von
Arbeitsverträgen durch, und die GD MOVE hält sich an strenge ethische Standards.
Der Legislativvorschlag sieht keine Erzielung von Einnahmen vor und erfordert
keinen zusätzlichen Kontrollmechanismus.
2.2.3. Schätzung und Begründung der Kosteneffizienz der Kontrollen (Verhältnis zwischen
den Kontrollkosten und dem Wert der betreffenden verwalteten Mittel) sowie
Bewertung des erwarteten Ausmaßes des Fehlerrisikos (bei Zahlung und beim
Abschluss)
Das Gesamtfehlerrisiko dürfte sehr gering sein und wird bereits durch das bestehende
Kontrollsystem abgedeckt. Es sind voraussichtlich keine automatisierten Kontrollen
erforderlich.
2.3. Prävention von Betrug und Unregelmäßigkeiten
Der Legislativvorschlag sieht keine Erzielung von Einnahmen durch die GD MOVE
vor. Was die Ausgaben betrifft, so sind diese für die Einstellung zusätzlichen
Personals vorgesehen. Das Risiko von Betrug und Unregelmäßigkeiten wird als sehr
gering angesehen und durch bestehende Kontrollen abgedeckt. Die GD MOVE
überarbeitete ihre Betrugsbekämpfungsstrategie im Einklang mit den Leitlinien des
OLAF im Jahr 2020 und plant eine Aktualisierung im Jahr 2026. Die lokale Strategie
umfasst einschlägige Maßnahmen zur Sensibilisierung für die Betrugsprävention,
gezielte Risikobewertungsmaßnahmen und eine wirksame und effiziente
Zusammenarbeit mit den Untersuchungsstellen. Mit dem institutionellen Rahmen
wird das Recht auf Zugang zu Informationen, Räumlichkeiten und Personal für
externe (Europäischer Rechnungshof) und interne (IAS) Rechnungsprüfer
gewährleistet.
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Relationen
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