Repräsentationslücke Ostdeutscher
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Repräsentationslücke Ostdeutscher
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6502
21. Wahlperiode 15.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Mandy Eißing, Clara Bünger, Dietmar Bartsch, Anne-Mieke
Bremer, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan Köstering, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Repräsentationslücke Ostdeutscher
Ostdeutsche machen knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands
aus. „Ostdeutsch“ wird hier entsprechend dem Bundeskonzept zur Steigerung
des Anteils von Ostdeutschen in Führungspositionen der Bundesverwaltung
definiert, also nach Geburtsort Ostdeutschland (vgl. Bundeskonzept zur
Steigerung des Anteils von Ostdeutschen in Führungspositionen der
Bundesverwaltung, S. 13). Gemäß Artikel 36 Absatz 1 Satz 1 des Grundgesetzes (GG) sollen
bei obersten Bundesbehörden Beamte aus allen Ländern in angemessenem
Verhältnis eingesetzt werden. Außerdem sollen die bei den übrigen
Bundesbehörden beschäftigten Personen in der Regel aus dem Land genommen werden, in
dem sie tätig sind. Seit der Wende sind Ostdeutsche jedoch in
Spitzenpositionen unterrepräsentiert.
Ist auch der Anteil ostdeutscher an den Spitzenpositionen bis 2024 auf
12,1 Prozent gestiegen, was offensichtlich immer noch eine Lücke beschreibt,
so zeigt der Blick ins Detail vielfache Verschlechterungen: In Wirtschaft,
Kultur, Sicherheit und der Zivilgesellschaft gibt es nahezu keine Veränderungen,
dafür teils Repräsentationsraten von 0 Prozent. Einzig die Bereiche Verwaltung
und Wissenschaft zeigen positive Tendenzen (vgl. 35 Jahre: Aufgewachsen in
Einheit?, S. 102 ff.).
Der aktuelle Deutschlandmonitor belegt, dass gefühlter Ausschluss von
politischen Entscheidungsprozessen und kultureller Repräsentation gesellschaftliche
Veränderungen „häufig als zusätzliche Bedrohung oder Belastung“ wahrnimmt
(vgl. Deutschlandmonitor 2025, S. 95).
Zugleich ist wissenschaftlich belegt, dass die fortbestehende Unterrepräsentanz
junger Ostdeutscher in Führungspositionen immer noch Folge des
Elitentransfers von West nach Ost der 1990er-Jahre ist (vgl. www.uni-leipzig.de/newsdeta
il/artikel/neue-studie-ostdeutsche-in-spitzenpositionen-weiterhin-unterrepraese
ntiert-2024-02-13). Dies zeigt, wie bedeutend und nachhaltig die
Repräsentation Ostdeutscher in Führungspositionen in Politik, Verwaltung, Wirtschaft,
Wissenschaft und Justiz bzw. die Repräsentationslücke ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Leiterinnen und Leiter sowie stellvertretende Leiterinnen und
Leiter der 227 deutschen Auslandsvertretungen und der 154 Standorte des
Goethe-Institutes e. V. sind in dem Gebiet der neuen Bundesländer
(einschließlich Ost-Berlins) geboren?
2. Wie hoch ist der Anteil der in Ostdeutschland geborenen
Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter in den Bundesministerien?
3. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher in den Leitungsgremien der Justiz
(Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichtshof, Verwaltungsgerichte,
Landgerichte etc.)?
4. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher bei Richterinnen und Richtern an
den obersten Bundesgerichten?
5. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher in den Bundesbehörden, deren
Hauptstandorte in den ostdeutschen Bundesländern liegen?
6. Wie hoch ist der Anteil Ostdeutscher an den wissenschaftlichen
Leitungsgremien (Hochschulen, Fachhochschulen, Forschungsinstitute etc.)?
7. Wie viele Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen sind in den ostdeutschen Bundesländern angesiedelt, und wie hoch ist
damit der Anteil an Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen in Ostdeutschland an der Gesamtheit der
Bundesunternehmen, Bundesbehörden und Bundeseinrichtungen auf dem Staatsgebiet der
Bundesrepublik Deutschland?
8. Wie viele Bundesunternehmen, Bundesbehörden und
Bundeseinrichtungen mit Sitz in Ostdeutschland werden von Ostdeutschen geleitet (Stand
2026; bitte nach Bundesländern sowohl hinsichtlich des Standortes und
der Herkunft der leitenden Beamtinnen und Beamten bzw. der Leitungen
aufschlüsseln)?
9. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von
Ostdeutschen in Vorständen, Geschäftsführungen, Aufsichts- und
Verwaltungsräten der deutschen Dax-notierten Konzerne und Unternehmen bundesweit
und separiert davon in Dependancen derselben Konzerne und
Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern?
10. Wie viele Beschäftigte hat die Deutsche Bahn AG inklusive aller
Tochtergesellschaften zurzeit pro Bundesland (bitte nach Beschäftigten pro 1 000
Einwohner des jeweiligen Bundeslandes aufschlüsseln)?
11. Wie viele Beschäftigte haben alle anderen ganz oder teilweise im
Bundesbesitz (mittelbar oder unmittelbar) befindlichen Unternehmen inklusive
aller Tochtergesellschaften entsprechend der Auflistung im
Bundesbeteiligungsbericht zurzeit jeweils pro Bundesland (bitte nach Beschäftigten pro
1 000 Einwohner des jeweiligen Bundeslandes aufschlüsseln)?
12. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Amtsantritt in Angriff
genommen, um über eine gezielte Strukturförderung zur Stärkung
demokratischer Institutionen beizutragen und Prozesse zum Abbau von
Teilhabenachteilen in den ostdeutschen Bundesländern auf diese Weise zu
befördern?
13. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Amtsantritt getroffen,
um das Bundeskonzept zur Steigerung des Anteils an Ostdeutschen in
Führungspositionen der Bundesverwaltung, zu dessen Umsetzung sie sich
im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (Zeile3242 f.)
bekannt hat, fortzuschreiben und konsequent umzusetzen (bitte nach
Maßnahmen aufschlüsseln und die jeweiligen Budgets nennen)?
14. Hat die Bundesregierung seit Amtsantritt neue Ansiedlungen von
Bundesbehörden, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen, an denen der
Bund beteiligt ist oder die ganz in seinem Besitz sind, gefördert (bitte
nach Standorten, Umfang an geschaffenen Stellen und nach
Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
15. Welche bestehenden Standorte von Bundesbehörden,
Forschungseinrichtungen oder Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist oder die ganz in
seinem Besitz sind, hat die Bundesregierung seit Amtsantritt ausgebaut
(bitte nach Standorten, Umfang an geschaffenen Stellen und nach
Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
16. Hat die Bundesregierung seit Amtsantritt Einsparungen vorgenommen,
die dazu geführt haben, dass bei Bundesbehörden,
Forschungseinrichtungen oder Unternehmen, an denen der Bund beteiligt ist oder die ganz in
seinem Besitz sind, Stellen in Ostdeutschland gestrichen wurden (bitte
nach Standorten, Umfang an weggefallenen Stellen und nach
Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
Berlin, den 27. Mai 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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