Aktivitäten und Gefährdungspotenzial der Partei "III. Weg"
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Aktivitäten und Gefährdungspotenzial der Partei "III. Weg"
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6209
21. Wahlperiode 03.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christin Willnat, Ferat Koçak, Clara Bünger, Violetta Bock,
Anne-Mieke Bremer, Agnes Conrad, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Jan
Köstering, Sonja Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, und der Fraktion Die Linke
Aktivitäten und Gefährdungspotenzial der Partei „III. Weg“
„Der Dritte Weg“ ist eine rechtsextreme und neonazistische Kleinpartei, die
sich an der völkisch-nationalistischen Ideologie des Nationalsozialismus
orientiert. Die Partei wurde im September 2013 von unter anderem Aktivisten des
„Freien Netzes Süd“ (verboten seit Juli 2014) gegründet und ist seitdem
bundesweit durch vielfältige Aktivitäten in Erscheinung getreten (www.vielfalt-me
diathek.de/material/gefaehrlicher-irrweg-die-neonazi-partei-der-iii-weg-in-bade
n-wuerttemberg).
Die Partei wird von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Diese weisen
seit Jahren auf die zunehmende Bedeutung der Partei innerhalb der
rechtsextremen Szene hin. Hervorgehoben wird insbesondere deren strategische
Ausrichtung auf den Aufbau langfristiger Strukturen sowie deren Bemühungen,
gezielt junge Menschen anzusprechen und für ihre Ideologie zu gewinnen. Dies
erfolgt unter anderem durch Aktivitäten im Umfeld von Schulen und
Jugendtreffs sowie durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, bei denen sich die Partei
bewusst bürgernah inszeniert (www.rbb24.de/politik/beitrag/2024/05/rechtsextr
emismus-berlin-dritter-weg-propaganda-bedrohung-schule.html).
Ein weiterer Schwerpunkt der Partei liegt im Aufbau und in der Nutzung von
kampfsportbezogenen Strukturen. Kampfsport wird dabei nicht nur als
Freizeitangebot genutzt, sondern auch als Mittel zur ideologischen Festigung,
Vernetzung und körperlichen Ausbildung innerhalb der Szene (www.kas.de/de/web/e
xtremismus/der-iii.-weg).
Auch im Land Brandenburg sind entsprechende Entwicklungen zu beobachten.
Neben klassischen Propagandaformaten treten zunehmend strukturaufbauende
Maßnahmen in den Vordergrund. Hierzu zählt insbesondere die Eröffnung
eines sogenannten Bürgerbüros in Wittstock/Dosse, das als Anlaufstelle und
organisatorischer Knotenpunkt dient. In diesem Zusammenhang wird auch über
eine zunehmende Präsenz gewaltbereiter Jugendlicher im Umfeld der Partei
berichtet, die bei Veranstaltungen und Aktionen eingebunden werden.
Darüber hinaus tritt die Partei regelmäßig mit ideologisch geprägten
Veranstaltungen wie sogenannten Heldengedenken in Erscheinung und versucht, durch
solche Formate ihre geschichtsrevisionistischen Narrative zu verbreiten und zu
normalisieren (www.verfassungsschutz.sachsen.de/der-dritte-weg-iii-weg-418
1.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Entwicklung des
Personenpotenzials der Partei „III. Weg“ in den letzten fünf Jahren vor
(bitte nach Jahren und Bundesländer aufschlüsseln)?
2. Welche konkreten Aktivitäten, Kampagnen und öffentlichen Auftritte der
Partei „III. Weg“ sind der Bundesregierung in den letzten fünf Jahren
bekannt geworden (bitte nach Bundesländern, Ort und Art der Aktivitäten
aufschlüsseln)?
3. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, in welchem
Umfang Straftaten von Mitgliedern und Funktionären der Partei
„III. Weg“ seit 2024 begangen wurden (bitte nach Jahren, Bundesländern,
PMK-Phänomenbereich [PMK = Politisch motivierte Kriminalität] und
Deliktarten aufschlüsseln)?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über gezielte Strategien
der Partei „III. Weg“ zur Ansprache, Rekrutierung und ideologischen
Bindung von Jugendlichen vor?
5. Welche Erkenntnisse liegen der Bunderegierung zu Strategien und Zielen
der Partei „III. Weg“ im ländlichen Raum vor, insbesondere im Land
Brandenburg und in der Region Wittstock/Dosse?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über
kampfsportbezogene Strukturen, Trainingsangebote oder Netzwerke im Umfeld der Partei
„III. Weg“ vor?
7. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Verbindungen,
personelle Überschneidungen oder Kooperationen zwischen der Partei
„III. Weg“ und anderen rechten Strukturen oder Parteien vor?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über personelle,
organisatorische und ideologische Kontinuitäten zwischen der Partei „III. Weg“
und verbotenen rechtsextremen Organisationen, insbesondere dem „Freien
Netz Süd“, vor?
a) Wird die Partei nach Einschätzung der Bundesregierung als
Nachfolge- oder Ersatzstruktur bewertet?
b) Hält die Bundesregierung es für rechtlich möglich, die Partei
„III. Weg“ als Nachfolgeorganisation verbotener Strukturen zu
behandeln und entsprechend zu verbieten?
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den gezielten
Aufbau von Infrastruktur durch die Partei „III. Weg“ vor?
10. Über wie viele und welche sogenannten Parteistützpunkte und wie viele
Landesverbände verfügt die Partei „III. Weg“ nach Kenntnis der
Bundesregierung (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln.)
11. Welche konkreten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu
sogenannten Bürgerbüros der Partei „III. Weg“ vor?
a) Welche strategische Bedeutung misst sie diesen Strukturen für die
Vernetzung, Radikalisierung und Mobilisierung bei?
b) Welche Bewertung nimmt die Bundesregierung zur Verwendung der
Bezeichnung „Herbert-Schweiger-Haus“ im Zusammenhang mit dem
Objekt in Wittstock/Dosse vor, insbesondere im Hinblick auf eine
mögliche Verherrlichung des Nationalsozialismus und rechtsextreme
Traditionslinien?
12. Wie bewertet die Bundesregierung das aktuelle Gefährdungspotenzial der
Partei „III. Weg“ insgesamt, insbesondere im Hinblick auf die
Radikalisierung, Gewaltbereitschaft, den Strukturaufbau und die gezielte
Einflussnahme auf junge Menschen?
13. Wurde nach Kenntnis der Bundesregierung die Einleitung eines
Verbotsverfahrens gegen die Partei „III. Weg“ jemals konkret geprüft oder
vorbereitet?
a) Wenn ja, wann, durch welche Stellen, und mit welchem Ergebnis?
b) Welche konkreten rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen sieht
die Bundesregierung derzeit als erfüllt oder nicht erfüllt an, um einen
Antrag auf Prüfung der Verfassungswidrigkeit der Partei „III. Weg“
beim Bundeverfassungsgericht einzuleiten?
14. Waren die Partei „III. Weg“, deren Jugendorganisation und bzw. oder
Mitglieder und Funktionäre in der Vergangenheit Gegenstand von Beratungen
des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrums, wenn
ja, wann, und bei wie vielen Gelegenheiten?
Berlin, den 28. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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