Zur Rolle der Privatwirtschaft in der deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
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Zur Rolle der Privatwirtschaft in der deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5147
21. Wahlperiode 01.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Denis Pauli, Rocco Kever, Matthias Rentzsch, Johann Martel,
Kay Gottschalk, Arne Raue, Dr. Alexander Wolf, Dr. Michael Espendiller und
der Fraktion der AfD
Zur Rolle der Privatwirtschaft in der deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
Die Bundesregierung verfolgt im Rahmen der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und Entwicklung zunehmend den Ansatz, privatwirtschaftliche Akteure
stärker einzubeziehen. Nach Angaben des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) können Unternehmen durch
Investitionen, Innovationen und die Schaffung von regulären Arbeitsplätzen
einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Partnerländern
leisten (www.bmz.de/de/themen/privatwirtschaft).
Zur Förderung solcher Kooperationen nutzt die Bundesregierung verschiedene
Instrumente. Dazu gehört unter anderem das Programm „develoPPP“, mit dem
unternehmerische Projekte unterstützt werden, die neben wirtschaftlichen auch
entwicklungspolitische Ziele verfolgen (www.developpp.de). Darüber hinaus
arbeiten staatliche Durchführungsorganisationen der deutschen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit, etwa die Deutsche Gesellschaft für Internationale
Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), in
verschiedenen Projekten und Sektoren mit privaten Unternehmen zusammen. Diese
Kooperationen betreffen beispielsweise Investitionen in Infrastruktur, berufliche
Bildung, Ausbildung in sog. MINT-Fächern (MINT = Mathematik, Informatik,
Naturwissenschaften, Technik), nachhaltige Lieferketten oder die Förderung
kleiner und mittlerer Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern
(www.giz.de/de/weltweit/unternehmen.html; www.kfw-entwicklungsbank.de).
Nach Auffassung der Fragesteller stellt sich in diesem Zusammenhang die
Frage, in welchem Umfang öffentliche Mittel zur Förderung von Projekten mit
privatwirtschaftlichen Aktivitäten eingesetzt werden und welche konkreten
wirtschaftlichen Effekte im Partnerland durch diese Kooperationen erzielt
werden. Ebenso erscheint aus Sicht der Fragesteller klärungsbedürftig, inwiefern
wirtschaftliche Interessen einzelner Unternehmen mit den Grundsätzen der
deutschen wirtschaftlichen Zusammenarbeit vereinbar sind, insbesondere im
Tätigkeitsfeld des „nachhaltigen und gerechten Wachstums“ (www.bmz.de/de/
ministerium/grundsaetze-ziele).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Privatwirtschaft für die
deutsche wirtschaftliche Zusammenarbeit insgesamt bei?
2. Welche Programme und Instrumente bestehen derzeit, um Unternehmen
an Maßnahmen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu beteiligen?
3. Welche Haushaltsmittel wurden in den Jahren von 2020 bis 2025 für
Programme zur Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft bereitgestellt?
4. In welchen Ländern werden aktuell Projekte durchgeführt, an denen
private Unternehmen im Rahmen der deutschen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit beteiligt sind, in welchen Sektoren sind diese tätig, und welche
Prioritäten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) werden mit
diesen privatwirtschaftlichen Partnerschaften abgedeckt?
5. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl von Unternehmen oder
privatwirtschaftlichen Partnern für entsprechende Projekte (bitte nach
länderoder regionsspezifischen, sektorspezifischen, unternehmensspezifischen,
wirtschaftspolitischen und politischen Kriterien aufschlüsseln)?
6. Welche wirtschaftspolitischen, politischen und gesellschaftlichen Ziele
verfolgt die Bundesregierung mit der stärkeren Einbindung der
Privatwirtschaft in Projekte der wirtschaftlichen Zusammenarbeit (z. B. Förderung
von Investitionen, Infrastruktur, Fluchtursachenbekämpfung,
institutionelle Entwicklung oder Beschäftigung), und welche Synergien erkennt sie in
der Interrelation zwischen EZ und Wirtschaftswachstum?
7. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherigen Ergebnisse dieser
Kooperationen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in den
Partnerländern, und welche Evaluierungskriterien nimmt sie dafür auf?
8. Welche Risiken oder möglichen Zielkonflikte zwischen wirtschaftlichen
Zielen der Bundesregierung und den Interessen privater Unternehmen
sieht die Bundesregierung?
9. Welche Kontroll-, Transparenz- und Evaluationsmechanismen bestehen,
um die Wirksamkeit und ordnungsgemäße Verwendung öffentlicher Mittel
in den Partnerländern sicherzustellen?
10. Plant die Bundesregierung eine Ausweitung der Zusammenarbeit mit
privatwirtschaftlichen Akteuren im Rahmen der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit, und wenn ja, in welcher finanziellen Größenordnung, in welchen
spezifischen Regionen und in welchen Sektoren?
Berlin, den 31. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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