Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2026 (Haushaltsgesetz 2026 - HG 2026) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/600, 21/602, 21/2669 Nr. 1, 21/2061, 21/2062, 21/2063)
Text
Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2026 (Haushaltsgesetz 2026 - HG 2026) (Entschließungsantrag zu Drs. 21/600, 21/602, 21/2669 Nr. 1, 21/2061, 21/2062, 21/2063)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2903
21. Wahlperiode 24.11.2025
Entschließungsantrag
der Abgeordneten Dr. Sebastian Schäfer, Jamila Schäfer, Lisa Paus, Dr. Paula
Piechotta, Katrin Uhlig, Leon Eckert, Andreas Audretsch, Lisa Badum, Ricarda
Lang, Claudia Müller, Sascha Müller, Julia Schneider, Dr. Alaa Alhamwi, Ayse
Asar, Simone Fischer, Katrin Göring-Eckardt, Denise Loop, Dr. Andrea Lübcke,
Karoline Otte, Dr. Anja Reinalter, Kassem Taher Saleh, Ulle Schauws, Mayra
Vriesema und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
zu der dritten Beratung des Gesetzentwurfs der Bundesregierung
– Drucksachen 21/600, 21/602, 21/2669 Nr. 1, 21/2061, 21/2062, 21/2063 –
Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung des
Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2026
(Haushaltsgesetz 2026 – HG 2026)
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Im Haushalt 2026 der schwarz-roten Koalition steckt keine Zukunft. Die
Bundesregierung verpasst die historische Chance, durch zielgerichtete Investitionen
Wachstum, Klimaneutralität, sozialen Zusammenhalt und
Generationengerechtigkeit zu stärken. Das neue Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität
(SVIK) wird nicht wie vorgesehen für zusätzliche Investitionen in Infrastruktur
und Klimaschutz – also in unsere Zukunft – verwendet, sondern zur Finanzierung
ohnehin geplanter Ausgaben und für umfangreiche Verschiebungen zwischen
Kernhaushalt, SVIK, Bereichsausnahme und Klima- und Transformationsfonds
(KTF). So finanziert die Koalition im restlichen Haushalt Klientelpolitik und
kaschiert selbstverschuldete Haushaltslöcher, während Transparenz,
Haushaltsklarheit und parlamentarische Kontrolle eingeschränkt werden. Die parallel zur
Bereinigungssitzung durchgeführte Sitzung des Koalitionsausschusses zeigt die
Geringschätzung der Bundesregierung für das Haushaltsverfahren im Deutschen
Bundestag. Die aufgenommenen Kredite schaffen viel zu wenig Mehrwert, die
tatsächlichen Investitionen bleiben hinter dem Bedarf zurück, die
Investitionsquote im Kernhaushalt sinkt und ineffiziente Mittelverwendung sowie Defizite in
der Projektsteuerung – insbesondere im Verteidigungsbereich – gefährden die
Zukunftsfähigkeit des Bundeshaushalts.
Rückschritte bei Klima- und Umweltschutz sowie der digitalen Transformation
Der vorgelegte Haushalt untergräbt Klima-, Umwelt- und Naturschutzziele. Die
Ausgaben im Kernhaushalt für diese Ziele sinken, zusätzliche Programme fehlen.
Emissionszertifikate für verpasste Klimaziele sollen ausgerechnet im Umweltetat
finanziert werden. Die dafür zu erwartenden Milliardenzahlungen drohen, die
Finanzierung aller anderen Aufgaben des Umweltministeriums an die Wand zu
drücken. Stattdessen fehlen uns diese Mittel für wirksamen Klima- und
Umweltschutz im Inland und die benötigte Menge an ausländischen Zertifikaten wächst
immer weiter. Die Internationale Klimaschutzinitiative wird finanziell nicht
aufgestockt. Im Bereich Digitalisierung fehlen Investitionen in Open Source, digitale
Souveränität und Forschung zu Algorithmen und KI.
Schwächung von Landwirtschaft, Mittelstand und Innovationsfähigkeit
Die Kürzungen im Bereich Landwirtschaft treffen zentrale Zukunftsaufgaben wie
ökologischen Landbau, Tierwohl und Ernährungswende. Rohstofffonds und
Innovationsprogramme für Mittelstand und Handwerk werden nicht ausreichend
finanziert, obwohl sie für zukunftsfähige Arbeitsplätze und die geopolitische und
wirtschaftliche Resilienz notwendig wären. Viele Wissenschaftler*innen hangeln
sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten.
Belastungen für soziale Gerechtigkeit, Bildung und Gesundheit
Die Kürzungen im Sozialbereich verschärfen die Ungleichheit in Deutschland.
Der geplante Rechtskreiswechsel für geflüchtete Ukrainer*innen droht den Erfolg
bei der Arbeitsmarktintegration durch den Job-Turbo zu untergraben. Der Ausbau
frühkindlicher Bildung und Ganztagsangebote wird vernachlässigt. Der
Forschungs- und Wissenschaftsetat sinkt zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten. Eine
auskömmliche BAföG-Reform bleibt aus. Kulturelle Teilhabe junger Menschen
wird ausgeklammert. Auch im Gesundheits- und Pflegebereich setzt die
Regierung weiterhin auf unsolide Haushaltstricks statt echter Reformen. Die
Bundesregierung verweigert eine Rentenreform und steckt auch in dieser zentralen Frage
im Chaos.
Risiken für gesellschaftlichen Zusammenhalt und innere Sicherheit
Im Innenetat sind Prävention, Integration und politische Bildung Fehlanzeige.
Markige Ansagen machen unser Land aber nicht sicherer. Wohnraum bleibt
knapp, Mietkosten explodieren, Investitionen in gemeinnütziges und
genossenschaftliches Wohnen sind unzureichend. Beim Verkehr droht ein Rückfall in eine
überholte Straßenbaupolitik, während Investitionen in die Schiene ausbleiben. Für
höhere Gewinne für Airlines drohen erhebliche Investitionsmittel für die Schiene
gestrichen zu werden.
Rückzug Deutschlands aus globaler Verantwortung
Die Kürzung der humanitären Hilfe um 50 Prozent ist angesichts globaler Krisen
katastrophal. Auch die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit reichen nicht aus,
um den internationalen Verpflichtungen gerecht zu werden. Die Hilfe bei
schwersten humanitären Krisen, die durch Konflikte wie im Sudan und in Gaza
ausgelöst wurden, bleibt dramatisch unterfinanziert, obwohl dort Millionen
Menschen dringend auf Schutz und Unterstützung angewiesen sind. Die
Bereichsausnahme würde eine höhere Unterstützung für die Ukraine möglich machen, wie sie
das Bundesministerium der Verteidigung für notwendig erachtet.
Umsetzungsdefizite beim Organisationserlass des Bundeskanzlers
Rund ein halbes Jahr nach Regierungsübernahme sind noch immer nicht alle
Vorgaben des Bundeskanzlers zur Umorganisation der Bundesministerien vollzogen.
Insbesondere das neu zu schaffende Digitalministerium leidet darunter. So konnte
die Verlagerung des ITZ Bund – dem zentralen IT-Dienstleister für die
Bundesverwaltung – mit dem BMF immer noch nicht geeint werden. Die mangelnde
Durchsetzungsfähigkeit des Kanzlers hat Folgen für die Handlungs- und
Zukunftsfähigkeit der gesamten Bundesverwaltung.
Fehlende Transparenz und Kontrolle in der Haushaltsführung
Verschiebungen zwischen Kernhaushalt und Sondervermögen sowie
unzureichende Erfolgskontrollen beeinträchtigen die Nachvollziehbarkeit staatlicher
Ausgaben und schwächen das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die
Verwendung ihrer Steuergelder. Eine transparente, wirkungsorientierte
Haushaltsführung und öffentlich zugängliche Evaluierungen, insbesondere beim
Sondervermögen, sind dringend erforderlich.
Gerechtigkeitsdefizite und Ineffizienzen im Steuersystem
Das Steuersystem enthält erhebliche Gerechtigkeitslücken, unsystematische
Ausnahmen und klimaschädliche Subventionen und weist zugleich Vollzugs- und
Kontrolldefizite auf. Organisierte Steuerhinterziehung verursacht weiterhin
Milliardenschäden. Eine umfassende Reform ist erforderlich, um Steuerprivilegien
abzubauen, den Vollzug zu stärken und die Einnahmebasis des Staates zu sichern.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. zum Schutz und zur Stärkung von Klima, Umwelt, Natur und digitaler
Transformation
a) den Anteil der Ausgaben für Umwelt-, Klima- und Naturschutz über
den gesamten Kernhaushalt zu erhöhen und zusätzliche entsprechende
Programme im Umweltministerium und im SVIK aufzulegen;
b) die Mittel für den Bundesnaturschutzfonds perspektivisch auf 200 Mio.
Euro jährlich aufzustocken und ein Förderprogramm für freifließende
Flüsse einzuführen;
c) das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz um mindestens
2,1 Mrd. Euro und die internationale Klimaschutzinitiative um
mindestens 1,2 Mrd. Euro aufzustocken;
d) kommunale Klimaanpassung mit 1,6 Mrd. Euro zusätzlich zu stärken;
e) die erforderlichen Mittel zur Umsetzung des Anfang 2026 zu
verabschiedenden Klimaschutzprogramms im Haushalt abzubilden;
f) zur Stärkung der digitalen Souveränität gezielt in Digitalisierung,
Förderung von Open-Source-Lösungen, wie vom Zentrum für Digitale
Souveränität (ZenDiS), und innovative KI- und Digitalforschung zu
investieren;
2. zur Förderung des klimaneutralen Wirtschaftsstandorts, der Landwirtschaft,
des Mittelstands und zur Absicherung von Innovationen
a) den Rohstofffonds auf mindestens 2,6 Mrd. Euro aufzustocken;
b) das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) sowie die
Förderung für Innovative Unternehmensgründungen, insbesondere das
EXIST- und EXIST-Women-Programm, auszubauen;
c) die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu reduzieren;
d) Programme wie Zukunftsmensa, ein eigenständiges Bundesprogramm
Ökologischer Landbau und das Bundesprogramm Ländliche
Entwicklung angemessen zu finanzieren;
e) das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung dauerhaft
fortzuführen und ein Konzept zur Umsetzung der Empfehlung des
Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung (Borchert-Kommission) und der
Zukunftskommission Landwirtschaft vorzulegen;
3. zur Stärkung von sozialer Gerechtigkeit, Bildung, Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit
a) mindestens 8,5 Mrd. Euro für Kinderbetreuung in Kitas und
Ganztagsschulen bereitzustellen;
b) eine BAföG-Novelle vorzulegen, die Sätze auf Bürgergeldniveau
anhebt und die Wohnkostenpauschale regional dynamisiert;
c) das 1000-Köpfe-Programm weiterzuentwickeln und ein Bund-Länder-
Programm zur Förderung von Wissenschaftler*innen in frühen
Karrierephasen zu initiieren;
d) den Kulturpass und Verbraucherschul-Programme langfristig
abzusichern;
e) die Finanzierung der NO-SLAPP-Anlaufstelle über den März 2026
hinaus zu garantieren, um die zunehmende Bedrohung für
Journalist*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen durch SLAPP-
(Strategic-Lawsuits-Against-Public-Participation-)Klagen abzufangen und
die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter zu stärken;
f) die European-Lawyers-in-Lesvos-Initiative erneut zu fördern;
g) die Mittel für Integrationskurse und Berufssprachkurse auf ein
bedarfsgerechtes Niveau zu erhöhen, um ein flächendeckendes und dauerhaftes
Kursangebot zu gewährleisten und Teilhabe am Arbeitsmarkt und der
Gesellschaft zu ermöglichen;
h) die Mittel für die politische Bildungsarbeit der Bundeszentrale für
politische Bildung zu erhöhen, um Bildungsträger zu stärken, nachhaltige
Förderstrukturen aufzubauen und demokratische Grundwerte sowie
eine starke Zivilgesellschaft zu sichern;
i) die Presse- und Medienfreiheit weltweit zu unterstützen, indem sie
2,5 Mio. Euro für die Hannah-Arendt-Initiative und mindestens
13 Mio. Euro für den Lokaljournalismus und die Förderung von
Medienkompetenz bereitstellt;
j) die Freie Szene in der gesamten Republik zu unterstützen, indem die
Bundeskultur-Förder-Fonds mit 21 Mio. Euro und der Bundesverband
Freie Darstellende Künste mit 2 Mio. Euro unterstützt werden;
k) die Aufarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit durch die
Finanzierung einer dezentralen Struktur von Erinnerungseinrichtungen zu
fördern;
4. zur soliden Finanzierung von Rente, Gesundheits- und Pflegeversorgung
a) nachhaltige Reformen von gesetzlicher Renten-, Kranken- und
Pflegeversicherung vorzulegen;
b) kurzfristige Darlehenstricks zu unterlassen und die Finanzierung auf
solide Grundlagen zu stellen;
5. zur Stärkung von bezahlbarem Wohnraum und für eine zukunftsfähige
Verkehrsinfrastruktur:
a) die Mittel für genossenschaftliches Wohnen und das Programm „Junges
Wohnen“ zu verdoppeln, mit 1 Mrd. Euro die Neue
Wohngemeinnützigkeit zu fördern und mit einem entschlossenen Umbauturbo im
Bestand das Potenzial für bis zu 4,3 Millionen neue, bezahlbare
Wohnungen zu nutzen;
b) die Sanierung des bestehenden Straßennetzes zu priorisieren;
c) den Ausbau der Schiene entschlossen voranzutreiben und stabile
Trassenpreise sicherzustellen;
6. zur ernsthaften Wahrnehmung von globaler Verantwortung
a) mindestens 3 Mrd. Euro für humanitäre Hilfe bereitzustellen;
b) den Etat für Entwicklungszusammenarbeit um 2,3 Mrd. Euro zu
erhöhen;
c) die internationale Klimafinanzierung um 1,8 Mrd. Euro zu verstärken;
d) Mittel für die Ukraine bedarfsgerecht bereitzustellen und
Korruptionsbekämpfungsmaßnahmen der Ukraine weiter einzufordern und zu
unterstützen;
e) die zugesagten Aufnahmen von Menschen aus dem
Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan unverzüglich umzusetzen und hierfür die
bereitgestellten Mittel auf 25 Mio. Euro zu erhöhen;
7. zum Nachweis der eigenen Handlungsfähigkeit:
a) eine Durchsetzung des Organisationserlasses des Bundeskanzlers bis
spätestens 1. Januar 2026 herbeizuführen oder den Organisationserlass
entsprechend anzupassen, um die lähmende und schädliche
Hängepartie bei der Verlagerung von Zuständigkeiten zu beenden;
b) dringend benötigte Stellen bei den für die Funktionsfähigkeit des
Gesamtstaates und der Durchsetzung der Gesetze des Bundes –
insbesondere in den Bereichen IT und Digitalisierung (ITZ Bund), Sicherheit
(Bundespolizei und BND) sowie Zoll und Steuerwesen (BZSt) – von
der generellen Stelleneinsparung in Höhe von 2 Prozent bis 2029
auszunehmen und im Gegenteil sogar gezielt qualifiziertes Personal
aufzubauen.
Berlin, den 24. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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