Vor Ort gut leben - Städte und Gemeinden stärken
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Vor Ort gut leben - Städte und Gemeinden stärken
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1310
21. Wahlperiode 18.08.2025
Antrag
der Abgeordneten Karoline Otte, Dr. Julia Verlinden, Andreas Audretsch,
Misbah Khan, Dr. Konstantin von Notz, Kassem Taher Saleh, Timon Dzienus,
Sylvia Rietenberg, Hanna Steinmüller, Victoria Broßart, Harald Ebner, Simone
Fischer, Michael Kellner, Denise Loop, Swantje Henrike Michaelsen, Filiz
Polat, Dr. Anja Reinalter, Dr. Sebastian Schäfer, Julia Schneider, Tina
Winklmann, Katharina Beck, Lukas Benner, Dr. Janosch Dahmen, Marcel
Emmerich, Schahina Gambir, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Dr. Moritz
Heuberger, Julian Joswig, Lamya Kaddor, Dr. Kirsten Kappert-Gonther,
Sven Lehmann, Dr. Zoe Mayer, Dr. Irene Mihalic, Sara Nanni, Dr. Ophelia Nick,
Corinna Rüffer, Ulle Schauws, Stefan Schmidt, Nyke Slawik, Awet Tesfaiesus,
Katrin Uhlig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vor Ort gut leben – Städte und Gemeinden stärken
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Unser Alltag wird beeinflusst vom Bus, der uns morgens zur Arbeit bringt, der Schule,
in der unsere Kinder unbesorgt lernen oder dem Sportplatz, auf dem wir abends
durchatmen. All das sind wichtige öffentliche Leistungen, die uns das Leben erleichtern.
Doch sie sind nicht mehr selbstverständlich: Zu viele Menschen müssen sich täglich
fragen, ob die Kita heute ausreichend Personal hat, ob der Aufzug am Bahnhof dieses
Mal funktioniert oder der Bus überhaupt kommt. Das liegt oft daran, dass Städten und
Gemeinden vor Ort schlichtweg das Geld fehlt, um diese Leistungen sicherzustellen
oder die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu tätigen.
Allein der Investitionsbedarf für den Erhalt und die Erweiterung von kommunalen
Straßen, Wegen und des Schienennetzes beläuft sich auf rund 372 Mrd. Euro.1
Gleichzeitig sind 25.000 Kitas bzw. Schulen stark sanierungsbedürftig – gemittelt also mehr
als zwei in jeder Kommune.2 Besonders betroffen von Kürzungen ist auch die Kultur.
In den Jahren von 2013 bis 2023 mussten über 1.300 Bibliotheken schließen.3 Dabei
sind diese insbesondere in ländlicheren Gegenden ein unverzichtbarer Treffpunkt, an
dem man sich austauschen und Gesellschaft finden kann. Bleibt die nötige Finanz-
1 Vgl. https://difu.de/17207
2 Vgl. www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-
Kommunalpanel/KfW-Kommunalpanel-2025.pdf
3 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/248671/umfrage/anzahl-der-bibliotheken-in-deutschland/
spritze für unsere kommunale Infrastruktur weiterhin aus, sind auch etwa 800
Schwimmhallen und Freibäder akut von der Schließung bedroht.4
Die Verantwortlichen vor Ort können kaum noch entscheiden, wie sie den Dorfkern
umgestalten wollen oder ob sie das Jugendzentrum sanieren. Denn es fehlt das Geld.
Kommunen sind finanziell nicht ausreichend ausgestattet, um die ihnen übertragenen
Aufgaben auch zu erfüllen. Städte und Gemeinden haben das letzte Jahr mit einem
historischen Defizit abgeschlossen. Die Dispokredite zum Ausgleich von akuten
Haushaltslöchern steigen trotz bestehender Entschuldungsprogramme das erste Mal seit
über zehn Jahren wieder. Vertreter*innen der Kommunen bezeichnen die kommunale
Finanzlage als „desaströs“5 und als „härteste Finanzkrise seit Bestehen der
Bundesrepublik“6. Gehe es so weiter, drohe den Kommunen der „finanzielle Kollaps“7. Anstatt
gegenzusteuern, verschärft die schwarz-rote Koalition die Finanzlage der Kommunen
und beschließt Steuersenkungen, die zu übergroßen Teilen auch noch den Reichsten
in unserer Gesellschaft zugutekommen. Die Senkung der Körperschaftssteuer, die
ermäßigte Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie oder die klimaschädliche
Erhöhung der Pendlerpauschale werden mittelbar die Einnahmenbasis der Kommunen
weiter erodieren.
Gleichzeitig müssen Städte und Gemeinden die Herausforderungen unserer Zeit
meistern und Chancen nutzen können. Es ist dringend wie noch nie, die Klimakrise vor Ort
anzugehen. Kommunen könnten mit größeren finanziellen Spielräumen einen
wesentlichen Teil der Treibhausemmissionen vermeiden und auch besser mit klimabedingten
Gefahren wie Hitze oder Starkregen umgehen. Auch sind sie verantwortlich für eine
schnelle und nachhaltige Integration zu uns gekommener Menschen, für qualitativ
hochwertige Bildungsangebote und für attraktive soziale Orte.
Mit dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität hat die aktuelle
Bundesregierung die Riesenchance, das Leben der Menschen zu verbessern: Sie kann
dringende Investitionen in die „Hardware“ unserer Städte und Gemeinden, in Brücken,
Ämter und Spielplätze bringen. Es hat der Bundesregierung einen Weg eröffnet, das
Land zu modernisieren, in soziale Infrastruktur zu investieren und den Klimaschutz
entschlossen voranzubringen. Doch inzwischen ist nicht einmal mehr sichergestellt,
dass ein Mindestanteil der Mittel überhaupt vor Ort ankommt. Um das kommunale
Rekorddefizit zu schließen, braucht es in jedem Fall auch weitere Lösungen und
strukturelle Antworten. Personal, Sozialleistungen und Sachaufwendungen sind genauso
Grundlage für unsere Daseinsvorsorge wie frische Investitionen. Doch anstatt ins
Handeln zu kommen und Vorschläge für eine strukturell gute Ausstattung unserer
Kommunen zu unterbreiten, verschiebt die Bundesregierung die Lösungsfindung in
Arbeitskreise, die noch nicht einmal getagt haben.8
Schulen, Kitas, digitale Verwaltung, Investitionen gegen die Klimakrise und bessere
Maßnahmen zur Integration, all das muss jetzt zukunftsfit gemacht werden. Die Städte
und Gemeinden müssen das stemmen können. Die Bundesregierung hat mit dem
Sondervermögen die besten Voraussetzungen dafür, das Leben vor Ort zu verbessern. Das
muss sie jetzt auch nutzen. Darüber hinaus braucht es dringend Lösungen für die
strukturell schwierige Finanzsituation, die Bund und Länder zügig auf den Weg bringen
müssen.
4 Vgl. 800 Schwimmbäder vor dem Aus?: Zeitung für kommunale Wirtschaft
5 Vgl. www.landkreistag-bw.de/presse/desastroese-entwicklung-der-kreisfinanzen?utm_source=Marketing-
Cloud&utm_medium=email&utm_campaign=svm+kw+2025+29+2&cid=Marketing-
Cloud:email:svm+kw+2025+29+2
6 Vgl. www.staedtetag.de/presse/pressemeldungen/2025/ausgleich-fuer-investitionsbooster-
steuerausfaelleauszugleichen-macht-staedte-handlungsfaehiger
7 Vgl. www.deutschlandfunk.de/landkreistag-warnt-vor-finanzkollaps-der-kommunen-104.html
8 Vgl. Antwort auf die Kleine Anfrage „Kommunale Finanzkrise und die Rolle des Bundes in der föderalen
Finanzaufteilung“ (Drs. 21/970)
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. die Rekordlücke in Höhe von 25 Mrd. Euro in den Kommunalhaushalten zu
schließen, um den Sozial- und Personalabbau zu verhindern und
Gestaltungsräume vor Ort zu erhalten, sowie an langfristigen Lösungen zur Ausstattung der
Kommunen zu arbeiten, indem sie
a) den Kommunen dauerhaft und zusätzliche Mittel zur Verfügung stellt, die
mit steigenden Ausgaben in den Kommunen anwachsen, sie hierfür
gemeinsam mit den Ländern eine deutliche Anpassung der Umsatzsteueranteile
zugunsten der Kommunen in Betracht zieht und die Gewerbesteuer als
Haupteinnahmequelle der Kommunen stärkt,
b) festlegt, dass der Bund sich an den Kosten der kommunal getragenen
Sozialleistungen stärker beteiligt, um eine faire Aufteilung zwischen Bund,
Ländern und Gemeinden ohne Sozialabbau zu erreichen,
c) die Kommunen unterstützt, diese von ihren aktuell bestehenden Altschulden
entlastet und beim Abbau der Altschulden der ostdeutschen
Wohnungsunternehmen unterstützt,
d) davon absieht, Steuersenkungen wie die ermäßigte Umsatzsteuer für
Speisen in der Gastronomie oder die klimaschädliche Erhöhung der
Pendlerpauschale einzuführen, die zu weiteren Finanzlücken in kommunalen
Haushalten führen, und
e) dafür Sorge trägt, dass die kommunalen Spitzenverbände frühzeitig in
relevante Gesetzgebungsprozesse und beratende Kommissionen eingebunden
werden;
2. Reformen für eine bürgerfreundliche Verwaltung vor Ort umzusetzen und mehr
Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in den Kommunen im Bundesgebiet
herzustellen, indem sie
a) dabei unterstützt, eine Deutschland-App einzuführen, die alle
Verwaltungsleistungen von der Beantragung des Reisepasses bis hin zum Termin beim
Gesundheitsamt auf einem Online-Tool mit einfacher und
medienbruchfreier Bedienoberfläche bündelt,
b) eine Harmonisierung der Verwaltungsdigitalisierung durch die Stärkung
zentraler Stellen und Standards vorantreibt,
c) Förderprogramme, mit denen ein wesentlicher Teil der Mittel bei
Kommunen ankommt, etwa durch Praxis-Checks, effizienter und durch die
Weiterentwicklung der Anlaufstelle „Förderzentrale Deutschland“ und des
„Gesamtdeutschen Fördersystem für strukturschwache Regionen“ stärkt,
d) die Mittel der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen
Wirtschaftsstruktur“ (GRW) erhöht und eine Förderung der Daseinsvorsorge
über 2026 hinaus über die GRW ermöglicht,
e) Regionalbudgets und somit die lokale Demokratie stärkt und
f) in Planungsprozessen eine frühzeitige und zielführende Bürgerbeteiligung
sichert;
3. folgende Leitplanken für das gute Leben vor Ort festzuschreiben:
a) Die Bundesregierung unterstützt die Kommunen bei Maßnahmen gegen die
Klimakrise und zur Anpassung an ihre Folgen, indem sie
aa) zusammen mit den Ländern die nötigen Finanzierungsgrundlagen für
alle notwendigen Maßnahmen vor Ort und für eine
Gemeinschaftsaufgabe und Daueraufgabe Klimaanpassung bereitstellt,
bb) eine zentrale Stelle auf Bundesebene, angesiedelt beim Zentrum
KlimaAnpassung, zur konkreten Unterstützung bei der Erstellung
kommunaler Hitzeaktionspläne schafft, bestehende Förderprogramme zur
Klimaanpassung verstetigt und aufstockt, sodass die Auswirkungen
von Hitze und Extremwetterereignissen lokal abgemildert werden
können, dies ermöglicht unter anderem 250 zusätzliche Projekte für die
Klimaanpassung urbaner und ländlicher Räume und 500.000 neue
Stadtbäume, die für kühlere Straßen, saubere Luft und mehr
Artenvielfalt sorgen,
cc) die Bundesmittel für den Ausbau von fußgänger- und
fahrradfreundlichen Kommunen verstetigt und den Fahrrad- und Fußgängerverkehr
insgesamt stärkt, so dass Menschen sicher mit dem Rad oder zu Fuß
vor Ort unterwegs sein können und
dd) gemeinsam mit den Ländern die Mittel für den öffentlichen Verkehr so
erhöht, dass ein flächendeckendes Angebot in Kombination mit einem
Deutschlandticket zu einem stabilen Preis von 49 Euro möglich wird,
sowie ausreichend neue Elektrobusse und in ländlichen Regionen
ÖPNV-Taxis in den nächsten Jahren zum Einsatz bringt und damit
klimafreundliche Mobilität fördert.
b) Die Bundesregierung sichert eine hochwertige Bildung, indem sie
aa) die Sanierung der mindestens 25.000 sanierungsbedürftigen
öffentlichen Kitas und allgemeinbildenden und beruflichen Schulen unterstützt
und zusätzliche Mittel für den Digitalpakt 2.0 veranschlagt,
bb) zusätzliche Mittel für das Investitionsprogramm Ganztagsausbau für
den Aufbau ausreichender Plätze in der Ganztagsbeschulung zur
Verfügung stellt und
cc) gemeinsam mit den Ländern eine auf zehn Jahre angelegte und regional
ausgewogene „Innovationsinitiative Zukunfts-Campus“ für die
Erneuerung und Modernisierung unserer Infrastrukturen des Wissens wie
Hörsäle, Labore, Mensen und Bibliotheken ins Leben ruft.
c) Die Bundesregierung sorgt für ein qualitativ hochwertiges und bezahlbares
Wohn- und Lebensumfeld für alle Menschen, indem sie
aa) die angespannten Wohnungsmärkte in den Kommunen entlastet und
den Wohnungsbau der kommunalen Wohnungsbaugesellschaften
fördert sowie den Bau von 100.000 neuen sozialen oder gemeinnützigen
Wohnungen pro Jahr unterstützt,
bb) kreative Nutzungsformen von Leerstand in strukturschwachen und
ländlichen Regionen fördert und damit diese Regionen attraktiver für
Zuzug macht und
cc) die Sanierungsquote auf mindestens 2 Prozent steigert, um die
Klimaziele im Gebäudebestand zu erreichen und eine sozial gerechte
Sanierung voranzutreiben; die kommunale Wärmeversorgung gezielt und
bedarfsgerecht fördert, das Wärmeplanungsgesetz konsequent umsetzt
und Förderprogramme der Wärmeinfrastruktur signifikant stärkt.
d) Die Bundesregierung unterstützt die Versorgung, Unterbringung und
Integration Geflüchteter, indem sie
aa) die Kommunen dabei insgesamt und bei der Vorhaltung
entsprechender Versorgungsstrukturen wie Unterkünften bei schwankenden
Geflüchtetenzahlen unterstützt,
bb) gesellschaftliche Teilhabe und Integration vor Ort durch den Zugang
zu Integrationskursen, einer gestärkten Beratungs- und
Bildungsinfrastruktur und ausreichenden Sprachangeboten besser ermöglicht und
cc) die Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse
entbürokratisiert und vereinfacht, um die Integration in den lokalen
Arbeitsmarkt zu beschleunigen und dem Fach- und Arbeitskräftemangel
entgegenzuwirken.
e) Die Bundesregierung stärkt die Kommunen dahingehend, eine gute
pflegerische und gesundheitliche Versorgung zu gewährleisten, indem sie
aa) die Gründung von medizinischen Versorgungszentren in kommunaler
Trägerschaft unterstützt und zur Versorgung in kleineren Gemeinden
die Berufsbilder Community Health Nurse
(Gemeindegesundheitspfleger*in) und Gemeindenotfallsanitäter*in etabliert sowie
flächendeckende Ersthelfersysteme implementiert,
bb) eine bedarfsangepasste Pflegestrukturplanung forciert und
cc) ein Bundesprogramm „Gesundheitsfördernde Kommune“ ins Leben
ruft, das Kommunen bei der Umsetzung gesundheitsfördernder
Maßnahmen unterstützt – z. B. durch die Begrünung öffentlicher Räume,
Bewegungsangebote im Quartier, hitzeangepasste Stadtplanung und
niedrigschwellige Präventionsprojekte in Kitas, Schulen und
Nachbarschaften.
f) Die Bundesregierung unterstützt Kommunen bei der Aufrechterhaltung, der
Modernisierung und Einrichtung von Strukturen und Orten des sozialen
Miteinanders, indem sie
aa) ehrenamtliche Strukturen, bürgerschaftliches Engagement,
zivilgesellschaftliche Organisationen und zentrale Stellen unterstützt, und indem
Förderprogramme wie „Demokratie leben!“ gestärkt und das
Demokratiefördergesetz umgesetzt wird,
bb) kulturelle Teilhabe niedrigschwellig und flächendeckend für alle
Menschen insbesondere auch im ländlichen Raum sicherstellt, etwa
dadurch, dass sie z. B. die Sonntagsöffnung von Bibliotheken
ermöglicht,
cc) die barrierefreie Ausgestaltung von Kommunen forciert, so dass
kommunale Einrichtungen von allen Menschen genutzt werden können,
egal, ob sie im Rollstuhl sitzen, Sinnes- oder kognitive
Beeinträchtigungen haben;
dd) ein Sportstättenprogramm auflegt, durch das eine klima- und
umweltgerechte Sanierung von Sportstätten, -anlagen und -räumen
einschließlich Schwimmbädern durchgeführt wird und
ee) die Hilfestruktur bei häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt
absichert und mit dem Aus- und Umbau von 14.000 Schutzplätzen in
Frauenhäusern die Länder in Vorbereitung auf den Rechtsanspruch auf
Schutz und Beratung bei häuslicher Gewalt, den sie ab 2032 erfüllen
müssen, und bei dem Ausbau von Gewalthilfestrukturen unterstützen
und zentrale Angebote zur Unterstützung gegen Anfeindungen,
Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffen im digitalen, wie im analogen
Raum gegenüber Kommunalpolitiker*innen stärkt (Starke Stelle) und
auch zusätzliche Weiterbildungsangebote bereitstellt.
Berlin, den 18. August 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Begründung
Die Lebensqualität in unserem Land hängt von einer gut ausgebauten, funktionierenden und modernen
Infrastruktur ab, die für alle da ist. Sie hängt ab von handlungsfähigen Kommunen, in die sich alle einbringen können,
in denen wir alle gern leben und in denen die Belange aller etwa durch die Etablierung von
Gleichstellungsbeauftragten, berücksichtigt werden. Kommunen müssen in der Lage sein, Herausforderungen wie der Klimakrise
auch vor Ort mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen. Sie sollen Menschen integrieren und in unterschiedlichen
Lebenslagen unterstützen sowie hochwertige Bildungsangebote vorhalten.
Die Kommunen befinden sich allerdings in einer historischen Finanzkrise. Der Fehlbetrag in den Haushalten der
Städte und Gemeinden hat sich inzwischen auf 25 Mrd. Euro9 aufsummiert, damit können kaum die laufenden
Kosten bezahlt geschweige die benötigten Zukunftsinvestitionen in Höhe von aktuell rund 216 Mrd. Euro10
angestoßen werden. Es leiden öffentliche Angebote und es bröckelt die Infrastruktur. Somit müssen Städte und
Gemeinden auch durch den Bund nachhaltig gestärkt werden, während dieser zeitgleich den Infrastrukturaufbau
vor Ort durch zusätzliche Investitionen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität und dem
Klima- und Transformationsfonds vorantreiben muss.
Zusätzlich zu einer Verbesserung der finanziellen Ausgangslage vor Ort braucht es funktionierende
Verwaltungen mit einer entsprechenden Personalausstattung, aber auch eine zugängliche Förderlandschaft, die ermöglicht
Probleme in und mit den Städten und Gemeinden anzugehen und Lösungen zeitnah im Sinne der Bürger*innen
umzusetzen. Wo notwendig, muss der Bund die Weichen dafür stellen, dass Kommunen den Menschen ein
qualitativ hochwertiges Lebensumfeld bieten können, das zur Teilhabe am täglichen Miteinander einlädt. An den
Stellen, an denen Bürgerinnen und Bürger mit öffentlichen Stellen in Berührung kommen, sollen sie diese als
unterstützend empfinden und eine schnelle Bearbeitung ihrer Anliegen erleben.
9 Vgl. www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_126_71137.html
10 Vgl. www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_855744.html
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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