Wiedervernässung von Mooren - Nutzungsperspektiven und mögliche Rechts- und Umsetzungsdefizite
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Wiedervernässung von Mooren - Nutzungsperspektiven und mögliche Rechts- und Umsetzungsdefizite
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2839
21. Wahlperiode 17.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Danny Meiners, Andreas Bleck, Stephan Protschka, Peter
Felser, Christian Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann,
Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Olaf Hilmer, Karsten Hilse, Steffen Janich,
Dr. Rainer Kraft, Enrico Komning, Manuel Krauthausen, Markus Queckemeyer,
Lars Schieske, Dr. Paul Schmidt, Stefan Schröder, Dario Seifert, Martina Uhr und
der Fraktion der AfD
Wiedervernässung von Mooren – Nutzungsperspektiven und mögliche Rechts-
und Umsetzungsdefizite
Die Bundesregierung treibt die Wiedervernässung von Moorböden im Rahmen
der Nationalen Moorschutzstrategie (www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Po
ols/Broschueren/nationale_moorschutzstrategie_bf.pdf) sowie des
Aktionsprogramms „Natürlicher Klimaschutz“ (www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Do
wnload_PDF/Naturschutz/aktionsprogramm_natuerlicher_klimaschutz_2023_b
f.pdf) massiv voran. Ziel ist vor allem die Senkung von
Treibhausgasemissionen, da entwässerte Moorböden jährlich rund 53 Millionen Tonnen CO₂-
Äquivalente verursachen (www.dehst.de/DE/Themen/Klimaschutzprojekte/Nat
uerlicher-Klimaschutz/Moore/moore_node.html; www.umweltbundesamt.de/th
emen/neues-informationsangebot-moorklimaschutz). Als wirtschaftliche
Anschlussnutzung werden sogenannte Paludikulturen propagiert, etwa die
Kultivierung von Rohrkolben oder Schilf (www.greifswaldmoor.de/files/dokumente/
GMC%20Schriften/2022-05_Nordt%20et%20al_Paludikultur%20Leitfade
n.pdf). Die Bundesregierung verweist dabei auf vermeintliche Chancen für
neue Produkte wie Dämmstoffe aus Rohrkolben (www.dbu.de/projektbeispiele/
neuer-daemmstoff-aus-rohrkolben-typha/; www.baunetzwissen.de/daemmstoff
e/tipps/produkte/daemmplatte-aus-rohrkolben-7758438; www.th-owl.de/ids/for
schung/daemmstoff-typha/). In der Praxis bestehen jedoch erhebliche Defizite:
Markt- und Zulassungsfragen für Baustoffe sind ungelöst,
Wertschöpfungsketten fehlen, und Förderlogiken bleiben widersprüchlich. So kritisierte das
Umweltbundesamt selbst, dass Anreize für Paludikulturen bislang nicht ausreichten
und die Umsetzung der Klimaziele gefährdet sei (www.umweltbundesamt.de/si
tes/default/files/medien/479/publikationen/cc_44-2022_entwickeln_von_anreiz
en_fuer_paludikultur_zur_umsetzung_der_klimaschutzziele_2030_und_205
0.pdf). Zudem verschweigt nach Auffassung der Fragesteller die
Bundesregierung regelmäßig, dass Wiedervernässungen kurzfristig erhebliche
Methanemissionen freisetzen können (https://greifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapie
re_Briefings/202211_Faktenpapier_Methan.pdf; www.bundestag.de/presse/hib/
kurzmeldungen-930770). Damit können sich die Klimabilanzen zumindest in
den ersten Jahren sogar verschlechtern.
Auch die Einbindung in die EU-Agrarförderung ist in den Augen der
Fragesteller unzureichend. Zwar wurden Ökoregelungen geschaffen (www.bmleh.de/D
E/themen/landwirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/direktzahlung/oeko-re
gelungen.html), doch gelten diese als kompliziert, kurzatmig und praxisfern.
Anpassungen für 2024 haben an den Grundproblemen wenig geändert (www.b
mleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwirtschaft/EU-Agrarpolitik-Foerder
ung/anpassungen-oekoregelungen-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=11).
Selbst die eigene Evaluierung der Bundesregierung kommt zu dem Schluss,
dass Akzeptanzprobleme bleiben (www.publikationen-bundesregierung.de/
ppde/publikationssuche/oeko-regelungen-2334798). Hinzu kommen
Rechtsunsicherheiten bei Eigentum, Wasserrechten und Haftungsfragen, die im
Bundesrecht bislang nur unzureichend geklärt sind. Zahlreiche Flächen fallen nach der
Vernässung vollständig brach oder werden in Naturschutzflächen umgewandelt,
wodurch die wirtschaftliche Nutzung dauerhaft entfällt. Die Fragesteller sehen
hierin eine Gefährdung ländlicher Räume, eine Schwächung
landwirtschaftlicher Betriebe und eine Politik, die weit mehr Risiken als Chancen schafft.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten Flächenziele für die Wiedervernässung von Moorböden
bis 2030, 2040 und 2045 verfolgt die Bundesregierung, differenziert nach
Bundesländern und Moortyp, und auf welche Finanzierungsgrundlagen
stützt sie diese (www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/N
aturschutz/aktionsprogramm_natuerlicher_klimaschutz_2023_bf.pdf)?
2. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen
Treibhausgasemissionen aus Moorböden in Deutschland, aufgeschlüsselt nach
Nutzungsarten und Bundesländern, und welche Quellen nutzt die
Bundesregierung dafür (www.dehst.de/DE/Themen/Klimaschutzprojekte/Natuerli
cher-Klimaschutz/Moore/moore_node.html)?
3. Welche bundeseinheitlichen Monitoringstandards (THG (Treibhausgas)-
Flüsse, Wasserstände, Biodiversität, Nährstoffe) gelten nach
Wiedervernässung (CO₂, CH₄, N₂O, Wasserstände, Nährstoffe, Biodiversität), und
in welchen Jahresberichten werden die Ergebnisse veröffentlicht (https://g
reifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapiere_Briefings/202211_Faktenp
apier_Methan.pdf)?
4. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu Methanemissionen nach
Wiedervernässung (Zeitverlauf, Intensität, Bilanzierung) (www.bundesta
g.de/presse/hib/kurzmeldungen-930770)?
5. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung ggf. vor, um die negativen
Effekte kurzfristig erhöhter Methanemissionen in der Klimabilanz
abzufedern (z. B. wasserstand- oder vegetationsbezogenes Management) (https://
greifswaldmoor.de/files/dokumente/Infopapiere_Briefings/202211_Fakten
papier_Methan.pdf)?
6. Welche Mittel des ANK (Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz)-
und welche EU-GAP (Gemeinsame Agrarpolitik)-Mittel sind von 2023
bis 2027 für Wiedervernässung und Paludikulturen vorgesehen, und wie
hoch ist die bisherige Inanspruchnahme (www.bmleh.de/DE/themen/land
wirtschaft/eu-agrarpolitik-und-foerderung/direktzahlung/oeko-regelunge
n.html)?
7. Welche Änderungen an den Ökoregelungen ab 2024 sollen die nasse
Nutzung attraktiver machen, und welche Hemmnisse bleiben bestehen,
welche Rolle spielen neben ANK- und GAP-Mitteln weitere nationale und
europäische Finanzierungsquellen (z. B. GAK (Gemeinschaftsaufgabe
Agrarstruktur und Küstenschutz)-Rahmenplan, ELER (Europäischen
Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums), Klima-
und Transformationsfonds, EU-Carbon-Removal-Certification-
Framework (CRCF), Verordnung (EU) 2024/3012) für Wiedervernässung
und Paludikultur, und wie sollen Doppelzählungen bei Klimazertifikaten
verhindert werden (www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwir
tschaft/EU-Agrarpolitik-Foerderung/anpassungen-oekoregelungen-2024.p
df?__blob=publicationFile&v=11)?
8. Welche Kosten- und Flächenfolgen erwartet die Bundesregierung für
Landwirtschaftsbetriebe, wenn die UBA (Umweltbundesamt)-
Empfehlung einer vollständigen Wiedervernässung umgesetzt würde
(www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/c
c_44-2022_entwickeln_von_anreizen_fuer_paludikultur_zur_umsetzung_
der_klimaschutzziele_2030_und_2050.pdf)?
9. In wie vielen Fällen wurden Wasserstände gegen den Willen der
Eigentümer angehoben, und welche Entschädigungen wurden gezahlt (www.bm
uv.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/nationale_moorschutzstr
ategie_bf.pdf)?
10. Welche Verfahrensbeschleunigungen und Rechtsklarstellungen plant die
Bundesregierung im Bereich Wasser- und Planungsrecht, insbesondere
hinsichtlich Planfeststellungspflichten, Unterhaltungslasten,
Eigentumsrechten, Nachbarschaftshaftung und Zuständigkeiten von Wasser- und
Deichverbänden (www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/
Naturschutz/aktionsprogramm_natuerlicher_klimaschutz_2023_bf.pdf)?
11. Wie hoch ist der Anteil der vernässten Flächen, die brachfallen, in
Naturschutz überführt oder als Paludikultur genutzt werden (www.dehst.de/DE/
Themen/Klimaschutzprojekte/Natuerlicher-Klimaschutz/Moore/moore_no
de.html)?
12. Welche konkreten Vermarktungswege für Rohrkolbenprodukte bestehen
nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in Deutschland, und hat sich
die Bundesregierung zu der wirtschaftlichen Tragfähigkeit dieser eine
Auffassung gebildet (www.moorwissen.de/paludi-progress.html), und
wenn ja, wie lautet diese?
13. Welche bauaufsichtlichen Zulassungen liegen für Dämmstoffe aus
Rohrkolben vor, und wie unterstützt der Bund ggf. den Markthochlauf (www.d
bu.de/projektbeispiele/neuer-daemmstoff-aus-rohrkolben-typha/)?
14. Welche neuen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. zu den
betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Wiedervernässung auf
Landwirtschaftsbetriebe vor (Bodenwert, Pachtpreise, Liquidität,
Einkommenssicherung), und welche Kompensations- oder Gemeinwohlprämien sind
ggf. vorgesehen?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Ausweitung auf Markt und
Zulassungsverfahren, Eignung von Flächenpools und Flurneuordnung als
Instrumente zur Umsetzung von Wiedervernässungsprojekten und zur
Wahrung landwirtschaftlicher Betriebsstrukturen?
16. Welche konkreten Vermarktungswege bestehen nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit für Paludiprodukte (z. B. Rohrkolben, Schilf,
Torfmoos, Schwarzerle), und wie bewertet die Bundesregierung deren
Tragfähigkeit?
17. Welche bauaufsichtlichen Zulassungen liegen für die Dämmstoffe aus
Rohrkolben oder anderen Paludiprojekte derzeit vor, und welche Schritte
sind bis zur Marktreife (z. B. DIBt (Deutsches Institut für Bautechnik)-
Zulassung, DIN (Deutsche Industrie-Norm)- bzw. EN (Europäische
Norm)-Normung, öffentliche Beschaffung) noch erforderlich?
18. Wie beabsichtigt die Bundesregierung ggf., den Markthochlauf von
Paludiprodkten (z. B. durch Forschungsförderung, Innovationscluster,
Abnahmegarantien oder Pilotregionen) zu unterstützen?
19. Wie werden die Effekte von Wiedervernässung und Paludiprodukten in
den nationen LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry)-Zielen
und dem Integrierten Nationalen Energie- und Klimaplan (NECP)
eingebunden, und welche CO2-Speicherleistung (Netto-Senkenwirkung) wird
für die Jahre 2030 und 2045 erwartet?
20. Für welchen Moortyp- und Nutzungskombination wird nach der
Wiedervernässung nach Kenntnis der Bundesregierung welche Netto-
Treibhausgasbilanz (einschließlich CO2-, CH4- und N2O-Flüssen)
prognostiziert, ab welchem Zeitraum ist mit einer Netto-CO2-Speicherung zu
rechnen, und durch welche Steuerungsmaßnahmen (Wasserstand,
Vegetationswahl) lassen sich die Methanemissionen begrenzen?
21. Wie wirken sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Hitze und
Trockenheit der letzten Jahre auf die Wasserversorgung für die
Wiedervernässung der Moore aus (www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/new
s/trockenheit-und-hitzewellen-bedrohen-klimaschuetzer-moore/)?
22. Welche positiven Umwelteffekte hat nach Kenntnis der Bundesregierung
die Renaturierung von Mooren neben dem Klimaschutz?
23. Mit welchen technischen Maßnahmen kann nach Kenntnis der
Bundesregierung ein Überstau im Moor verhindert werden www.lfl.bayern.de/ma
m/cms07/publikationen/daten/informationen/techn._leitfaden_wasserstand
sanhg._lfl-information.pdf)?
24. Hat die Bundesregierung Kenntnisse zur Entwicklung der Artenvielfalt
nach der Wiedervernässung von Mooren, und wenn ja, welche (www.rese
archgate.net/publication/375773893_Existing_evidence_on_the_effects_o
f_photovoltaic_panels_on_biodiversity_a_systematic_map_with_critical_
appraisal_of_study_validity)?
25. Wie aussagekräftig und langfristig belastbar sind nach Kenntnis der
Bundesregierung die bisher eingesetzten Methoden zur Erfassung der
Biodiversität?
Berlin, den 14. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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