Stärkung der Arzneimittelversorgung durch gezielten Bürokratieabbau und Förderung der heimischen Produktion
Text
Stärkung der Arzneimittelversorgung durch gezielten Bürokratieabbau und Förderung der heimischen Produktion
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2717
21. Wahlperiode 11.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Stärkung der Arzneimittelversorgung durch gezielten Bürokratieabbau
und Förderung der heimischen Produktion
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Eine sichere und dauerhaft bezahlbare Arzneimittelversorgung ist Grundpfeiler
unseres Gesundheitssystems. Engpässe bei wichtigen Medikamenten – etwa Antibiotika
oder onkologischen Präparaten – gefährden die Gesundheit vieler Patienten und
entstehen häufig durch eine zu starke Abhängigkeit von wenigen Herstellern und
ausländischen Produktionsstandorten. Die Konzentration der Wirkstoffproduktion außerhalb
Europas wirkt sich negativ auf die Versorgungssicherheit aus, schwächt den
Wettbewerb und verhindert die nachhaltige Entwicklung innovativer Arzneimittel in
Deutschland.
Die zunehmende Bürokratie, insbesondere der administrative Aufwand im Bereich der
Nachhaltigkeitsberichterstattung, erschwert nicht nur die unternehmerische Planung,
sondern führt auch zu einer messbaren Ressourcenverlagerung weg von Forschung
und Entwicklung hin zu Berichtspflichten und Nachweisführungen. So führt die
Umsetzung der EU-Richtlinie „Corporate Sustainability Reporting Directive“ (CSRD-
Richtlinie)1, die am 5. Januar 2023 in Kraft getreten ist, in der Praxis zu erheblichen
Mehraufwänden, da pharmazeutische Unternehmen verpflichtet werden,
umfangreiche und teils schwer operationalisierbare Nachhaltigkeitsinformationen offenzulegen
– oft ohne klare Leitlinien zur branchenspezifischen Ausgestaltung.2, 3
Auch die Fragmentierung europäischer und nationaler Regulierungen in diesem
Bereich bindet in pharmazeutischen Unternehmen Kapazitäten, die dringend für die
Entwicklung und Produktion lebenswichtiger Medikamente benötigt werden. Besonders
kleine und mittlere Unternehmen, die einen wichtigen Beitrag zur Stärkung des Wett-
1 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32022L2464
2 https://kpmg-law.de/csrd-und-standards-umsetzen-viel-arbeit-wenig-zeit/
3 https://envalor.com/de/blog/csrd-verschiebung/
bewerbs leisten, sind hiervon betroffen und werden durch umfassende
Berichtspflichten und uneinheitliche Vorgaben besonders belastet.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. Bürokratie und Berichtspflichten so zu reduzieren, dass sich pharmazeutische
Unternehmen stärker auf Forschung, Entwicklung, den Preiswettbewerb und die
Rückverlagerung wichtiger Produktionsschritte nach Deutschland und Europa
konzentrieren können;
2. sich auf europäischer Ebenen dafür einzusetzen, dass die EU-Richtlinie
2022/2464 (Nachhaltigkeitsberichterstattung, Corporate Sustainability Reporting
Directive – CSRD) sowie weitere regulatorischer Vorgaben so zu geändert
werden, dass es Unternehmen möglich ist, auf standardisierte Berichte
zurückzugreifen, diese über digitale Verfahren einzureichen und auf diese Weise unnötige
Dopplungen vermieden werden;
3. bei der nationalen und europäischen Gesetzgebung die Bedeutung von
Versorgungssicherheit, Preiswettbewerb und Innovationskraft stärker zu gewichten. Das
umfasst die gezielte Förderung der inländischen Produktion von Wirkstoffen und
Arzneimitteln – zum Beispiel durch Abbau von Investitions- und
Innovationshemmnissen wie überbordenden und komplexen Melde-, Prüf- und
Dokumentationspflichten, die teils über EU-Vorgaben hinausgehen oder doppelte
Genehmigungspflichten, etwa bei klinischen Prüfungen.
Berlin, den 11. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die dauerhafte Verfügbarkeit wichtiger Arzneimittel muss Vorrang vor überbordender Dokumentation und
ineffizienten Strukturen haben. Wettbewerbsfähige und innovative Standorte für Produktion und Entwicklung neuer
Medikamente – insbesondere von für die öffentliche Gesundheit elementaren Klassen wie Antibiotika – lassen
sich nur sichern, wenn Unternehmen mehr Freiräume erhalten, um in die Versorgungssicherheit zu investieren.
Die Patienten und Beitragszahler profitieren nachhaltig von einer Entbürokratisierung, wenn diese neben
Innovationsanreizen vor allem der Verbreiterung des Angebots, sinkenden Preisen und sofortigen
Versorgungsgewinnen dient.
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ISSN 0722-8333]
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