Auswirkungen des geplanten Natürliche-Infrastruktur-Gesetzes auf die Land- und Forstwirtschaft - Flächenkonkurrenz, Eigentumsrechte und mögliche Gefahren für die nationale Ernährungssicherheit
Text
Auswirkungen des geplanten Natürliche-Infrastruktur-Gesetzes auf die Land- und Forstwirtschaft - Flächenkonkurrenz, Eigentumsrechte und mögliche Gefahren für die nationale Ernährungssicherheit
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8012
21. Wahlperiode 15.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Reck, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder
und der Fraktion der AfD
Auswirkungen des geplanten Gesetzes zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur
auf die Land- und Forstwirtschaft – Flächenkonkurrenz, Eigentumsrechte und
mögliche Gefahren für die nationale Ernährungssicherheit
Die Bundesregierung hat den Referentenentwurf eines „Gesetzes zur Stärkung
der Natürlichen Infrastruktur und zur Fortentwicklung der
naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung“ vorgelegt. Der Entwurf soll nach Darstellung des
Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare
Sicherheit (BMUKN) dazu beitragen, „den Flächenbedarf für naturschutzfachliche
Aufwertungen zu decken, die ökologische Vernetzung zu stärken und
Kompensationsmaßnahmen im Bereich der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung
insbesondere für wichtige bauliche Infrastrukturvorhaben zu erleichtern und zu
beschleunigen“ (www.bundesumweltministerium.de/gesetz/
referentenentwurfeines-gesetzes-zur-staerkung-der-natuerlichen-infrastruktur-und-zur-fortentwic
klung-der-naturschutzrechtlichen-eingriffsregelung).
Parallel dazu wurden mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz wesentliche
Verkehrsinfrastrukturen in das „überragende öffentliche Interesse“ gestellt. Zudem
soll für bestimmte Vorhaben im überragenden öffentlichen Interesse die
Ersatzgeldzahlung gegenüber realen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gestärkt
werden (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/infrastruktur-zukunftsgesetz-2
399998). Damit entsteht aus Sicht der Fragesteller ein enger Zusammenhang
zwischen beschleunigtem Infrastrukturausbau, Ersatzgeldzahlungen und
zusätzlichem Flächenbedarf für naturschutzfachliche Maßnahmen.
Land- und forstwirtschaftliche Betriebe können hiervon in mehrfacher Weise
betroffen sein, insbesondere durch unmittelbare Flächeninanspruchnahme für
Infrastrukturvorhaben, durch zusätzliche Nachfrage nach Flächen für
Kompensations- und Naturschutzmaßnahmen sowie durch mögliche
Auswirkungen auf Bodenpreise, Pachtmärkte und die regionale Verfügbarkeit
landwirtschaftlicher Nutzflächen. Landwirtschaftliche Flächen sind für aktive
Betriebe jedoch nicht beliebig austauschbar. Vor allem hofnahe Flächen können
für Betriebsabläufe, Futtergrundlage, Tierhaltung und Wirtschaftlichkeit von
erheblicher Bedeutung sein.
Aus Sicht der Fragesteller ist bislang nicht hinreichend transparent, welche
rechtlichen, finanziellen und agrarstrukturellen Folgen sich aus dem
Zusammenwirken von Infrastruktur-Zukunftsgesetz und dem geplanten Gesetz zur
Stärkung der Natürlichen Infrastruktur ergeben. Dies betrifft insbesondere die
Verwendung und regionale Steuerung von Ersatzgeldern, mögliche zusätzliche
Flächenkonkurrenzen, die Einbindung landwirtschaftlicher Betriebe sowie die
Frage, ob Belange der Ernährungssicherung und der aktiven Landwirtschaft
ausreichend berücksichtigt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Gesamtzahl der
land- und forstwirtschaftlichen Betriebe (Haupterwerbs- und
Nebenerwerbsbetriebe) sowie über die Anzahl der dort jeweils beschäftigten
Personen (einschließlich mithelfender Familienangehöriger und
Saisonarbeitskräfte) vor, die von den räumlichen Kulissen und Realisierungsflächen
aktuell laufender, bereits konkret geplanter sowie perspektivisch zu
erwartender Maßnahmen der „grauen“ und „grünen“ Infrastruktur mit dem Status
des „überragenden öffentlichen Interesses“ (s. Vorbemerkung der
Fragesteller) direkt oder indirekt (z. B. durch Flächenentzug oder
Bewirtschaftungsauflagen) betroffen sind bzw. sein werden (bitte detailliert tabellarisch
auflisten und nach Bundesländern, Wirtschaftszweigen sowie nach den
Kategorien „laufende“, „geplante“ und „zukünftige Maßnahmen“
differenzieren)?
2. In welchem quantitativen Umfang (ausgedrückt in Hektar bzw.
Quadratkilometern) prognostiziert oder plant die Bundesregierung den zusätzlichen
Flächenverbrauch durch neue oder im Ausbau befindliche
Infrastrukturmaßnahmen bis zum Jahr 2045, aufgeschlüsselt nach den einzelnen
Bundesländern und nach den jeweiligen Infrastrukturkategorien (insbesondere
neue Stromtrassen bzw. Umspannwerke, Ausbau des Schienen- und
Straßennetzes, Neubau von Großrechenzentren sowie Flächen für die Landes-
und Bündnisverteidigung)?
3. Liegen der Bundesregierung konkrete Szenarien oder Modellrechnungen
vor, die aufzeigen, in welcher quantitativen Dimension sich dieser
prognostizierte Flächenverbrauch unmittelbar auf die bisherige Nutzung von
landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie forstwirtschaftlich genutzten Flächen in
den jeweiligen Bundesländern auswirken wird?
a) Wenn der Bundesregierung solche Szenarien oder Modellrechnungen
zur quantitativen Dimension des Flächenverbrauchs und zu den
konkreten Nutzungseinschränkungen in der Land- und Forstwirtschaft
vorliegen, welche Kernszenarien wurden dabei entwickelt (bitte die
zugrundeliegenden Annahmen, Zielhorizonte und prognostizierten
Auswirkungen detailliert darlegen)?
b) Wenn der Bundesregierung bisher keine entsprechenden Szenarien oder
systematischen Folgenabschätzungen bezüglich der
Nutzungseinschränkungen und des Flächenentzugs für die Land- und Forstwirtschaft
vorliegen, aus welchen fachlichen, methodischen oder politischen Gründen
wurde auf die Entwicklung und das Durchspielen solcher Szenarien im
Vorfeld des Gesetzgebungsverfahrens verzichtet?
4. Welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung aus dem Umstand, dass der Gesetzgeber bestimmten Belangen wie
dem „Klimaschutz“ oder dem Infrastrukturausbau den rechtlichen Status
des „überragenden öffentlichen Interesses“ verliehen hat, der
landwirtschaftlichen Produktion und der Ernährungsvorsorge beziehungsweise
Ernährungssouveränität hingegen nicht?
5. Plant die Bundesregierung, vor dem Hintergrund der zunehmenden
Flächenkonkurrenz durch Infrastruktur- und Naturschutzprojekte sowie der
daraus resultierenden rechtlichen Schwächung der landwirtschaftlichen
Erzeugung, die Sicherung der heimischen Lebensmittelproduktion
(Ernährungssicherheit bzw. Ernährungssouveränität) gesetzlich ebenfalls als im
„überragenden öffentlichen Interesse“ liegend einzustufen, um eine rechtliche
Gleichrangigkeit in behördlichen Abwägungsprozessen herzustellen, und
wenn nein, warum nicht?
6. Wie würde sich die Bundesregierung im Falle einer gesetzlichen Einstufung
der Ernährungssicherung bzw. Ernährungssouveränität als im
„überragenden öffentlichen Interesse“ liegend zur rechtlichen Rangordnung verhalten,
wenn diese im Rahmen von Planungs- und Genehmigungsverfahren mit
anderen Belangen kollidiert, die ebenfalls diesen Sonderstatus besitzen?
7. Hat sich die Bundesregierung zum Risiko eine Positionierung erarbeitet,
dass durch die rechtliche Bevorzugung von Projekten der „grauen“ und
„grünen“ Infrastruktur über das Instrument des „überragenden öffentlichen
Interesses“ und den daraus resultierenden Verlust landwirtschaftlicher
Produktionsflächen die nationale Ernährungssicherheit strukturell geschwächt
wird, und wenn ja, wie lautet diese?
Inwieweit nimmt die Bundesregierung damit eine bewusste Steigerung der
Importabhängigkeit bei Lebensmitteln und damit eine wachsende
Abhängigkeit von anderen Staaten in Kauf?
Berlin, den 11. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Bernd Schattner (Kleine Anfrage)
- asked ← Bernd Schuhmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Danny Meiners (Kleine Anfrage)
- asked ← Dario Seifert (Kleine Anfrage)
- asked ← Enrico Komning (Kleine Anfrage)
- asked ← Julian Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Lars Schieske (Kleine Anfrage)
- asked ← Michael Blos (Kleine Anfrage)
- asked ← Peter Felser (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Schröder (Kleine Anfrage)
- asked ← Steffen Janich (Kleine Anfrage)
- asked ← Stephan Protschka (Kleine Anfrage)
- authored ← Christian Reck
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Stephan Protschka
- part_of_vorgang → Auswirkungen des geplanten Natürliche-Infrastruktur-Gesetzes auf die Land- und Forstwirtschaft - Flächenkonkurrenz, Eigentumsrechte und mögl (Kleine Anfrage)