Finanzierung, Programm und Ausrichtung des Hauses der Kulturen der Welt
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Finanzierung, Programm und Ausrichtung des Hauses der Kulturen der Welt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1235
21. Wahlperiode 14.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Matthias Helferich, Dr. Götz Frömming, Martin Erwin Renner,
Ronald Gläser, Nicole Hess, Sven Wendorf, Dr. Alexander Gauland, Tobias Teich
und der Fraktion der AfD
Finanzierung, Programm und Ausrichtung des Hauses der Kulturen der Welt
Das „Haus der Kulturen der Welt“ (HKW) wurde 1957 als „Kongresshalle“
von der amerikanischen Besatzungsmacht an West-Berlin gestiftet. 1989 erhielt
es seinen heutigen Namen und soll seitdem den Zweck einer interkulturellen
Begegnungsstätte erfüllen. Wie das Haus selbst angibt, basiert das Programm
des HKW auf „migrantisch verorteten Wissensformen“ und orientiert sich an
der „emanzipatorische[n] Maxime der Haitianischen Revolution (1791 –
1804)“, jeder Mensch ist ein Mensch („tout moun se moun“; www.hkw.de/
thehouse/about/about, letzter Aufruf: 22. Juli 2025).
Gleichwohl deutet in den Augen der Fragesteller die Eigenbeschreibung des
HKW bereits auf eine Diskursverengung hin: „Im Haus der Kulturen der Welt
gibt es keinen Raum für Hassreden oder Gewalt jeglicher Art. Es gibt keinen
Raum für Ableismus, Altersdiskriminierung, Antisemitismus,
Islamfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Trans*feindlichkeit und
dergleichen“ (s. o.). Ob das HKW weiteren Ausprägungen gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit wie Deutschfeindlichkeit und Christenfeindlichkeit –
Phänomenen, die in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile so häufig
anzutreffen sind, dass sie von der Bundesregierung in ihrer Statistik zur Politisch
motivierten Kriminalität (PMK) geführt werden (www.bka.de/SharedDocs/Downlo
ads/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/2024PMKFallzahlen.pdf?__blo
b=publicationFile&v=2, letzter Aufruf: 22. Juli 2025) – genauso wenig Raum
bieten will, bleibt an dieser Stelle unbestimmt.
Das gesamte Programm des HKW weist nach Eindruck der Fragesteller
deutliche postkoloniale und migrationsfreundliche Tendenzen auf. So greift etwa
die Gesprächsreihe „Heimatisierung“ die Handlungsstrategien migrantischer
Communitys und der Antifa auf (www.hkw.de/the-house/press/2025/03-18-202
5-Heimatisierung, letzter Aufruf: 22. Juli 2025). Auch die einseitige
Thematisierung tatsächlicher oder vermeintlich fremdenfeindlicher Gewaltakte ist
Gegenstand zahlreicher Programmpunkte, wohingegen das weitaus größere
Ausmaß migrantischer Gewalt keinerlei Erwähnung findet (vgl. https://www.hk
w.de/the-house/about/about; www.hkw.de/programme/heimatization, letzter
Aufruf: 22. Juli 2025). Chefkurator der mit deutschen Steuergeldern
finanzierten Institution ist derzeit Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, der aus Kamerun
stammt (www.hkw.de/the-house/team/bonaventure-soh-bejeng-ndikung, letzter
Aufruf: 22. Juli 2025).
Im vergangenen Jahr beklagten zwei ehemalige Jurorinnen des Internationalen
Literaturpreises, der vom HKW vergeben wird, dass die Preisvergaben nach
anti-weißen, rassischen Kriterien vonstattengingen (https://jungefreiheit.de/kult
ur/2024/anti-weisser-rassismus-bei-internationalem-literaturpreis-berlin/, letzter
Aufruf: 22. Juli 2025). Politische und ethnisch-rassische Kriterien hätten eine
maßgebliche Rolle bei der Auswahl gespielt. Die beiden ehemaligen Jurorinnen
sagten weiter aus, dass sie ihre Kritik auch gegenüber der HKW-Spitze um den
Intendanten Bonaventure Soh Bejeng Ndikung vorgebracht hätten (vgl. https://j
ungefreiheit.de/kultur/2024/anti-weisser-rassismus-bei-internationalem-literatur
preis-berlin/-, letzter Aufruf: 22. Juli 2025). Das HKW wies die Vorwürfe in
einer kurzen Stellungnahme zurück (www.hkw.de/the-house/press/2023/16.05.
2024-Stellungnahme-ILP-2024#main, letzter Aufruf: 22. Juli 2025).
Ab dem 27. September 2025 werden Jan Böhmermann und die „Gruppe
Royale“ unter dem Titel „Die Möglichkeit der Unvernunft“ ein sogenanntes HKW-
Takeover durchführen, in dessen Rahmen eine Ausstellung und „ein vielfältiges
Veranstaltungsprogramm mit besonderen Konzerten, Shows, TV-
Aufzeichnungen, Performances, Filmvorführungen und Gesprächsrunden“ stattfinden
soll (www.hkw.de/programme/die-moeglichkeit-der-unvernunft, letzter Aufruf:
22. Juli 2025).
Seit 2001 wird das HKW als national bedeutende Berliner Kultureinrichtung
gefördert, wobei der Bund die Finanzierung eigenverantwortlich übernimmt.
Im Aufsichtsrat der dem HKW übergeordneten „Kulturveranstaltungen des
Bundes in Berlin (KBB) GmbH“ sind neben dem Staatsminister für Kultur und
Medien Dr. Wolfram Weimer weitere Repräsentanten des Bundes vertreten
(www.kbb.eu/aufsichtsrat, letzter Aufruf: 22. Juli 2025). Programm und
politische Ausrichtung der Institution liegen demnach im Geschäfts- bzw.
Einflussbereich der Bundesregierung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch ist das Gesamtbudget des Hauses der Kulturen der Welt in den
letzten zehn Jahren einschließlich 2025 gewesen, und auf welche Summe
belaufen sich in diesem Zeitraum die Projektförderungen (bitte nach Jahr,
Projektname und Kurzbeschreibung des Projektes aufschlüsseln)?
2. Welche Behörden, Institutionen, Stiftungen, Sponsoren oder
Bundesministerien sind nach Kenntnis der Bundesregierung an der Förderung des
HKW beteiligt?
a) Wie und durch wen wurde über die Berufung von Bonaventure Soh
Bejeng Ndikung entschieden?
b) Wie viele Wochen- oder Monatsarbeitsstunden sind mit ihm
vereinbart?
c) Wie hoch ist sein monatliches Gehalt?
d) Handelt es sich um einen unbefristeten oder einen befristeten
Arbeitsvertrag?
e) Wurde eine Kündigungsfrist vereinbart?
f) Wurde die Position der Leitung bzw. Intendanz des HKW zuvor
öffentlich ausgeschrieben, und wenn ja, wo, und wenn nein, warum
nicht?
g) Wie viele Bewerbungen gab es auf die Position der Leitung des
HKW?
h) Ist Bonaventure Soh Bejeng Ndikung nach Kenntnis der
Bundesregierung Mitglied in einer politischen Partei, in politischen Vereinen oder
politischen Lobbyverbänden in Deutschland, Kamerun oder
anderswo?
3. Wie viele festangestellte und wie viele freiberufliche Mitarbeiter hat das
HKW?
4. Wurden seit dem Dienstantritt von Bonaventure Soh Bejeng Ndikung
programmatisch relevante Positionen (beispielsweise Kuratoren oder
Programmgestalter etc.) neu besetzt, und wenn ja, welche Positionen?
5. Wer legt die inhaltliche Ausrichtung des Programms des HKW fest?
6. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung dazu gebildet, dass
das HKW eine stark befürwortende Sicht auf das Phänomen Migration
vertritt (siehe Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn ja, wie lautet
diese?
7. Hat sich die Bundesregierung mit dem vom HKW verwendeten Terminus
„migrantisch verortete Wissensformen“ (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller) auseinandergesetzt oder sich selbst wissenschaftliche Erkenntnisse
dazu beschafft, und wenn ja, welche sind dies ggf., und handelt es sich
dabei nach den der Bundesregierung vorliegenden Erkenntnissen um eine
spezielle Form des Wissens, das Deutschen ohne Migrationshintergrund
unzugänglich ist?
8. Soll zum Künstlerbuchfestival auch in diesem Jahr ein Begleitprogramm
bzw. Teil des Rahmenprogramms in dem im Jahr 2009 vom Leiter des
HKW gegründeten „SAVVY Contemporary in Wedding“ stattfinden, und
wenn ja, fließen Mittel aus den Bundeshaushalten an „SAVVY
Contemporary“, an den dahinterstehenden Verein oder an den Leiter des HKW
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung in seiner gleichzeitigen Rolle als
Vorstandsvorsitzender des Vereins?
9. Ist die Bundesregierung im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht jemals der
Frage nachgegangen, ob die nach Ansicht der Fragesteller einseitige
inhaltliche Ausrichtung des HKW auf Migranten als Opfer von Gewalt und
Rassismus, aber nicht auch als Täter, die selbiges gegen Einheimische
ausüben bzw. zeigen, vereinbar ist mit den Förderzielen des Bundes, der
Neutralitätspflicht für staatlich mitfinanzierte und beaufsichtigte
Institutionen und allgemein der im Grundgesetz (Artikel 1) verankerten
Menschenwürde (bitte Antwort erläutern)?
10. Inwieweit erfüllt das HKW aus Sicht der Bundesregierung seinen Zweck
als „interkulturelle“ Begegnungsstätte, wenn es sich hauptsächlich an
„migrantisch orientierten Wissensformen“ ausrichtet (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
11. Wie bewertet die Bundesregierung die Kooperation des HKW etwa im
Rahmen der Gesprächsreihe „Heimatisierung“ mit linksextremen Gruppen
der Antifa, um deren „Handlungsstrategien“ zu thematisieren (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller)?
12. Wie bewertet der Staatsminister für Kultur und Medien den Vorgang um
die Vorwürfe zweier ehemaliger Jurorinnen des Internationalen
Literaturpreises aus dem Jahr 2024, wonach Werke und Preisträger nach
antiweißen, rassischen Kriterien ausgewählt worden seien (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller)?
13. Wird sich der Staatsminister für Kultur und Medien fortan dafür einsetzen,
dass auch weiße Autoren bei der Auswahl des Internationalen
Literaturpreises berücksichtigt werden?
14. Wie hoch ist das zu verausgabende Gesamtbudget für das sogenannte
HKW-Takeover durch Jan Böhmermann und die „Gruppe Royale“ ab dem
27. September 2025 (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
15. Welche Aufsichtsrechte besitzt die Bundesregierung für den Fall, dass die
Darstellungen, Inhalte und Formate von Jan Böhmermann die Grenzen
des Rechts und des respektvollen Miteinanders überschreiten?
Berlin, den 6. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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