100-Tage-Bilanz von Bundesministerin Dorothee Bär und Zuschnitt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt
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100-Tage-Bilanz von Bundesministerin Dorothee Bär und Zuschnitt des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1035
21. Wahlperiode 28.07.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ayşe Asar, Andrea Lübcke, Claudia Müller, Dr. Anja Reinalter,
Katharina Beck, Misbah Khan, Rebecca Lenhard, Dr. Anna Lührmann, Dr. Paula
Piechotta und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
100-Tage-Bilanz von Bundesministerin Dorothee Bär und Zuschnitt des
Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Mit der Vorstellung des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD
wurde deutlich, dass die neue Regierung einen starken Umbau der
Ressortzuständigkeiten in den Bereichen Bildung, Technologiepolitik, Raumfahrt und
Innovation plant. Am 15. Mai 2025 betonte die Bundesministerin für Forschung,
Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, „all das zu bündeln, was
zusammengehört, die ganze Technologie- und Innovationspolitik in einer Hand“
(Plenarprotokoll 21/4). Inzwischen werden öffentlich Zweifel an der
Realisierbarkeit bzw. dem Engagement in der Umsetzung laut (www.jmwiarda.de/blog/202
5/06/11/dorothee-baers-bewaehrungsprobe). Auch bei der Neuordnung der
bildungspolitischen Zuständigkeiten innerhalb der Bundesregierung werden
mögliche Schnittstellen- und Abstimmungsprobleme befürchtet (www.faz.net/a
ktuell/feuilleton/dorothee-baer-und-karin-prien-als-ministerinnen-wahl-ueberze
ugt-nur-zur-haelfte-110443836.html). Dies betrifft z. B. den Übergang
zwischen Schule und Studium, die Rolle der Hochschulen in der Weiterbildung
oder die Verzahnung der akademischen und beruflichen Bildung. Zudem
könnten die drohende Aufsplittung der Zuständigkeit für BAföG auf das
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und das
Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(BMBFSFJ) eine inkohärente Steuerung und einen bürokratischen
Mehraufwand mit sich bringen (table.media/bildung/news/prien-stellt-haushalt-2025-vo
r-mehr-geld-fuer-familien-und-freiwilligendienste). Aus Sicht der Fragesteller
besteht die Gefahr, dass sich die Regierung in Fragen des Ressortzuschnitts und
Differenzen um formale Zuständigkeiten verzettelt, während eigentlich
dringender Handlungsbedarf bei der Bewältigung aktueller Probleme besteht – von
der weltweiten Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit über die Sicherung
unserer Innovationskraft bis zu chancengerechten Bildungszugängen für alle.
Während die heutige Bundesministerin Dorothee Bär im Jahr 2021
beispielsweise noch die finanzielle Entlastung für Studierende und Schülerinnen und
Schüler innerhalb der ersten 100 Tage nach einer etwaigen
Regierungsübernahme versprach (www.linkedin.com/posts/dorobaer_was-werden-wir-ganz-konkr
et-innerhalb-der-activity-6844251291250647040-1CFL?utm_source=share&ut
m_medium=member_desktop&rcm=ACoAABbZ8YQB2XHhP0BnPk0ab_SFy
dS5dV1-TWw), sind solche Maßnahmen jetzt ebenso wie andere, dringende
Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD zur
nachhaltigen Stärkung des Wissenschafts- und Innovationssystems nicht
erkennbar. Hier mehr Transparenz zu den prioritären Vorhaben des
Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zu erhalten, ist
aus Sicht der Fragesteller auch im Sinne der Verlässlichkeit und Planbarkeit für
Wissenschaft und Forschung hierzulande.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche neuen Programme und Initiativen wurden zum Schutz und zur
Stärkung der Wissenschaftsfreiheit seit dem 6. Mai 2025 auf den Weg
gebracht, und welche Maßnahmen plant die Bundesregierung in Reaktion
auf internationale politische Angriffe (z. B. in den USA oder Ungarn)?
2. Welche Haltung vertritt die Bundesregierung zur Zusammenarbeit mit
autoritär regierten Staaten im Forschungsbereich?
3. Hat die Bundesregierung vor dem Hintergrund der grundgesetzlich
garantierten Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre eine Auffassung
zu der Frage, ob Hochschullehrende an staatlichen Hochschulen bei
öffentlichen Stellungnahmen zu gesellschaftspolitischen Themen „politische
und weltanschauliche Neutralität“ wahren müssen (x.com/SaskiaLudwigC
DU/status/1943663094686683539), und wenn ja, wie lautet diese?
4. Was versteht die Bundesregierung unter „ein bisschen Resilienz“ im
Umgang mit öffentlicher Kritik an Äußerungen und Positionen, und gilt dies
auch für Fälle, in denen die Grenze zu Delegitimierungen und Drohungen
gegenüber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern überschritten wird
(www.zeit.de/politik/deutschland/2025-07/frauke-brosius-gersdorf-drohu
ngen)?
5. Ab wann werden erste Ausschreibungen für das angekündigte sogenannte
1000-Köpfe-Programm bzw. 1000-Köpfe-Plus-Programm erfolgen?
6. Wie schnell muss aus Sicht der Bundesregierung eine Initiative zur
Modernisierung der Infrastrukturen des Wissens vorgelegt werden, um als
„Schnellbauinitiative“ gelten zu können, und wie viele Bundesmittel sind
hierfür über welche Laufzeit eingeplant?
7. Im Rahmen welcher Termine und Anlässe hat die Bundesregierung
Gespräche zur Ausgestaltung und Umsetzung der im Koalitionsvertrag
zwischen CDU, CSU und SPD angekündigten „Schnellbauinitiative“ zur
Modernisierung der Hochschulinfrastruktur geführt (bitte mit Nennung des
Datums, Anlasses und Kreises der teilnehmenden Organisationen,
Bundesländer etc. auflisten)?
8. Ist das BMFTR zur Schnellbauinitiative im Austausch mit der
Bauwirtschaft und dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und
Bauen?
9. Sind die aktuellen Auswahlverfahren der Exzellenzstrategie bereits
Gegenstand der „grundlegenden“ Evaluation, und welche Kriterien werden
der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigten
Evaluation zugrunde gelegt?
10. Mit welchen Landeskonferenzen der Rektorinnen und Rektoren und
Präsidentinnen und Präsidenten hat Bundesministerin Dorothee Bär seit dem
6. Mai 2025 bereits Gespräche geführt (bitte die jeweilige
Landeskonferenz sowie Datum des jeweiligen Gesprächs nennen)?
11. Hat die Bundesregierung bereits Maßnahmen ergriffen, um die im
Rahmen der sog. Mittelbaustrategie vorgesehene Straffung der
Projektförderung, grundsätzliche Verlängerung der Projektlaufzeiten, Anreizsetzung
für Department und Entwicklung von Stellenprofilen umzusetzen?
12. Was ist die durchschnittliche, vorgesehene Laufzeit der seit dem 6. Mai
2025 durch das BMFTR ausgeschriebenen Projektförderungen?
13. Was war die durchschnittliche Laufzeit der in der jeweils in der 18.,
19. und 20. Wahlperiode durch das Forschungsministerium vergebenen
Projektförderungen?
14. Welche durchschnittliche Laufzeit strebt die Bundesregierung für die
aktuelle Wahlperiode in der Projektförderung an, um das in der sog.
Mittelbaustrategie gesetzte Ziel zu erreichen?
15. Welche übergeordneten Ziele verfolgt die Bundesministerin für
Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär, nach 100 Tagen im
Amt in der Forschungspolitik, und welche ressortübergreifenden
Schwerpunkte wurden mit anderen Bundesministerien in den ersten 100 Tagen
abgestimmt?
16. Welche Akteure sind in der Ausarbeitung der Hightech-Agenda
eingebunden, und welche Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft
sollen ab Herbst 2025 eingeladen werden, um den Fahrplan für alle sechs
Schlüsseltechnologien der Hightech-Agenda mit dem Bundesministerium
auszugestalten und umzusetzen (siehe Gastkommentar Dorothee Bär im
Handelsblatt am 3. Juli 2025 www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraeg
e/gastkommentar-so-soll-deutschland-ein-souveraener-tech-standort-werd
en/100138933.html)?
17. Inwiefern greift die Hightech-Agenda Vorarbeiten von der
Zukunftsstrategie oder Hightech-Strategie auf?
18. Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die Deutsche
Anwendungsforschungsgemeinschaft (DAFG) zu gründen, und wann soll diese gegründet
werden?
19. Welche Maßnahmen zur Entbürokratisierung der Forschungsförderung hat
die Bundesregierung seit dem 6. Mai 2025 ergriffen?
20. Wann kommt die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
angekündigte Bereichsausnahme für Forschung im Umsatzsteuerrecht?
21. Welche in der letzten Legislaturperiode begonnenen Vorhaben werden
aktuell noch vom BMFTR weitergeführt und noch zum Abschluss
gebracht?
22. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um
Wissenschaftskommunikation als „festen Bestandteil von Wissenschaft und
Forschungsförderung“ in Ausschreibungen seit dem 6. Mai 2025 zu
verankern?
23. Gibt es konkrete Vorhaben, das Vertrauen in Wissenschaft in polarisierten
gesellschaftlichen Debatten zu stärken?
24. Für welche im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
genannten Gesetzesvorhaben in der Federführung des BMFTR
a) wurde bereits die Ressortabstimmung eingeleitet?
b) wurde die Beteiligung von Ländern und Verbänden eingeleitet und
werden diese Gesetzentwürfe künftig auf der Homepage des BMFTR
veröffentlicht (falls nein, bitte ausführen, warum nicht)?
c) ist seitens bereits eine Anmeldung für die Kabinettssitzungen bis Ende
des Jahres erfolgt?
25. Von welchen Organisationen wurden die von Bundesministerin Dorothee
Bär am 25. Juni 2025 im Ausschuss für Forschung, Technologie,
Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung erwähnten Stellungnahmen zum
Forschungsdatengesetz verfasst, und wurden diese Stellungnahmen vom
BMFTR gezielt angefragt oder eigeninitiativ eingereicht?
26. Werden die genannten Stellungnahmen zum Forschungsdatengesetz, wie
in der letzten Wahlperiode durch das Ministerium gehandhabt, auf der
Website des BMFTR veröffentlicht, und welche generelle Praxis sieht das
BMFTR für Stellungnahmen zu kommenden Gesetzesentwürfen vor, um
Transparenz und öffentliche Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten?
27. Welche öffentlichen und presseöffentlichen Termine sowie Termine mit
Social-Media-Begleitung durch das BMFTR hat Bundesministerin
Dorothee Bär seit ihrem Amtsantritt in ihrer Funktion als
Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt innerhalb Deutschlands
wahrgenommen (bitte das Datum, den Titel bzw. das Thema und Ort bzw.
Bundesland angeben)?
28. Welche Referate
a) der bisherigen Abteilung 1 „Grundsatzfragen und Strategien;
Koordinierung“ verbleiben komplett oder teilweise im BMFTR (falls
teilweise, bitte übertragene Themenzuständigkeiten angeben)?
b) der bisherigen Abteilung 2 „Europäische und internationale
Zusammenarbeit in Bildung und Forschung“ verbleiben komplett oder
teilweise im BMFTR (falls teilweise, bitte übertragene
Themenzuständigkeiten angeben)?
c) der bisherigen Abteilung 3 „Allgemeine und berufliche Bildung;
Lebenslanges Lernen“ verbleiben im BMFTR und welche werden in das
BMBFSFJ übertragen?
d) der bisherigen Abteilung 4 „Hochschul- und Wissenschaftssystem;
Bildungsfinanzierung“ verbleiben komplett oder teilweise im BMFTR
(falls teilweise, bitte übertragene Themenzuständigkeiten angeben)?
29. Welche bisherigen Referate des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie (BMWE) der bisherigen Abteilung VI „Digital und
Innovationspolitik“ werden bzw. wurden
a) vollständig in das BMFTR übertragen, und inwiefern verändern sich
dabei die zum Referat gehörenden Planstellen?
b) teilweise in das BMFTR übertragen, und welche Themenbereiche
sowie zum Referat gehörenden Planstellen wurden übertragen?
30. Welche bisherigen Referate des Bundesministeriums für Verkehr (BMV)
der bisherigen Abteilung DK „Digitale Konnektivität“ werden bzw.
wurden
a) vollständig in das BMFTR übertragen, und inwiefern verändern sich
dabei die zum Referat gehörenden Planstellen?
b) teilweise in das BMFTR übertragen, und welche Themenbereiche
sowie zum Referat gehörenden Planstellen wurden übertragen?
31. In welchem Ressort wird zukünftig die Zuständigkeit für
a) den Deutschen Wetterdienst liegen,
b) die Lehrkräfteausbildung liegen,
c) die Anerkennung ausländischer Abschlüsse liegen,
d) den Wettbewerb „Jugend forscht“ liegen,
e) den Bereich „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ (ZIM),
„Innovationsprogramm für Geschäftsmodelle und Pionierlösungen“
(IGP), „Innovationskompetenz“ (INNO-KOM) und „Industrielle
Gemeinschaftsforschung“ (IGF) liegen?
32. Wann wird der finale Organisationsplan des BMFTR auf der Website des
BMFTR veröffentlicht?
33. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um eine
funktionierende interministerielle Zusammenarbeit im Bereich der
ressortübergreifenden Digital-, Innovations- und Bildungspolitik sicherzustellen,
insbesondere vor dem Hintergrund bekannter struktureller Hürden wie
Ressortegoismen, mangelnde Koordination, Silodenken und fehlende
gemeinsame Zieldefinitionen (www.ghst.de/initiative-fuer-einen-handlungsfaehig
en-staat), und welche verbindlichen Steuerungs- und
Koordinationsmechanismen wird das BMFTR in diesem Zusammenhang etablieren?
34. Befindet sich das BMFTR bereits in der Abstimmung mit anderen
Ressorts (insbesondere Auswärtiges Amt (AA) und Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)), um die im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbarte Erhöhung
der Mittel für den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD),
die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) sowie die Max Weber
Stiftung ressortübergreifend zu realisieren, und ab wann wird diese Erhöhung
umgesetzt?
35. Aus welchen Einzelplänen werden Haushaltsmittel in den Haushalt des
BMFTR übertragen (bitte nach Einzelplänen, Titeln sowie Ist- und Soll-
Beträgen aufschlüsseln)?
36. Wie plant das BMFTR den Wegfall der Stelle als Koordinatorin der
Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt zu kompensieren, und
wie werden diese Aufgaben zukünftig wahrgenommen?
37. Welche Konsequenzen ergeben sich für das BMFTR aus dem Wegfall der
Stelle als Beauftragte für Digitale Wirtschaft und Start-ups beim BMWE,
und welche Schritte unternimmt das BMFTR, um diesen Wegfall zu
kompensieren, und wie werden diese Aufgaben zukünftig wahrgenommen?
38. Welche konkreten Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU,
CSU und SPD sollen im Bereich Forschung, Technologie und Raumfahrt
bis zum 31. Dezember 2025 abgeschlossen werden?
Berlin, den 24. Juli 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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