Zur Entwicklung linker Gewalt und linken Extremismus im Jahr 2024 (Antwort zu Drs. 21/130)
Text
Zur Entwicklung linker Gewalt und linken Extremismus im Jahr 2024 (Antwort zu Drs. 21/130)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/282
21. Wahlperiode 26.05.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Martin Hess, Dr. Bernd Baumann,
Dr. Gottfried Curio, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/130 –
Zur Entwicklung linker Gewalt und linken Extremismus im Jahr 2024
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der Beantwortung liegen die Fallzahlen des Kriminalpolizeilichen
Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) zugrunde.
1. Wie hat sich das politisch motivierte Gesamtstraftatenaufkommen des
Phänomenbereichs Politisch motivierte Kriminalität-links (PMK-links)
im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023 entwickelt?
Die Fallzahlen der politisch motivierten Straftaten im Phänomenbereich der
Politisch motivierten Kriminalität links (PHB PMK -links-) sind im Vergleich
zum Jahr 2023 im Jahr 2024 von 7 777 Delikten auf 9 971 Delikte gestiegen,
dies entspricht einem Anstieg um 28,21 Prozent.
2. Wie haben sich die Propagandadelikte, Beleidigungen und
Volksverhetzungen jeweils im Bereich der Politisch motivierten Kriminalität-links
im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023 entwickelt?
Propagandadelikte stiegen bei vergleichsweise geringen Fallzahlen von 117 auf
234 Delikte um 100 Prozent.
Beleidigungen nahmen von 683 Delikten im Jahr 2023 um 81,84 Prozent auf
1 242 Delikte im Jahr 2024 zu.
Volksverhetzungen nahmen von 42 Delikten im Jahr 2023 auf 57 Delikte im
Jahr 2024 zu, was einer Zunahme von 35,71 Prozent entspricht.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern
vom 26. Mai 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
3. Wie haben sich die politisch motivierten Gewalttaten des
Phänomenbereichs PMK-links im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023
entwickelt (bitte nach den entsprechenden Untergruppen der
Gewaltkriminalität aufschlüsseln)?
Politisch motivierte Gewalttaten PMK -links- nahmen 2024 im Vergleich zum
Vorjahr um 16,81 Prozent ab (2023: 916; 2024: 762).
Aufschlüsselung nach Delikten:
2024 2023
Tötungsdelikte 0 3
Tötungsdelikte vollendet 0 0
Tötungsdelikte Versuch 0 3
Körperverletzungen 318 374
Brandstiftungen 89 117
Sprengstoffdelikte 6 2
Landfriedensbruch 75 76
Gef. Eingriff 16 79
Freiheitsberaubung 0 0
Raub 12 7
Erpressung 2 0
Widerstandsdelikte 244 258
Sexualdelikte 0 0
Summe Gewaltdelikte 762 916
4. Wie verteilen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die in Frage 3
erfragten Fälle von Gewalttaten auf die einzelnen Bundesländer in den
jeweils erfragten Jahren?
2023
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Tötungsdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 0 0
Tötungsdelikte
vollendet
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte Versuch
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 3 0 0
Körperverletzungen
5 31 16 32 3 7 6 2 16 145 2 6 1 74 8 20
Brandstiftungen
1 23 4 29 4 3 8 0 2 18 0 2 0 20 1 2
Sprengstoffdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0 0
Landfriedensbruch
0 11 1 1 1 0 8 0 3 14 0 0 0 36 0 1
Gef. Eingriff 2 12 0 3 4 8 0 3 7 24 0 1 2 12 1 0
Freiheitsberaubung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Raub 0 0 0 2 0 0 0 0 2 0 0 0 0 2 1 0
Erpressung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Widerstandsdelikte
3 40 22 15 4 9 29 2 5 72 0 3 0 51 2 1
Sexualdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
2024
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Tötungsdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte
vollendet
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte Versuch
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Körperverletzungen
18 26 20 20 6 6 8 9 51 43 3 11 4 49 16 28
Brandstiftungen
3 25 3 10 6 3 5 3 3 6 1 3 0 11 7 0
Sprengstoffdelikte
0 1 0 1 0 0 2 0 0 0 0 0 0 2 0 0
Landfriedensbruch
11 22 5 0 2 0 3 2 14 6 1 0 1 6 0 2
Gef. Eingriff 1 2 0 0 0 1 0 0 3 2 0 2 0 3 1 1
Freiheitsberaubung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Raub 0 0 1 1 0 0 0 1 1 2 0 0 0 5 0 1
Erpressung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 1
Widerstandsdelikte
18 57 13 9 2 9 11 4 49 27 0 11 0 23 2 9
Sexualdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
5. Was waren die fünf häufigsten Angriffsziele im Rahmen der inr Frage 3
erfragten Gewalttaten und Jahre (bitte in absoluten Zahlen
aufschlüsseln)?
Die nachstehenden Angaben beziehen sich auf die im KPMD-PMK unter dem
im entsprechenden Oberbegriff und Unterthema genannten Angriffsziele. Dabei
sind Mehrfachnennungen bzw. -erfassungen möglich.
Die fünf am häufigsten von Gewaltdelikten der PMK -links- betroffenen
Angriffsziele waren:
2023:
Person: 710
Polizeiangehörige: 514
Staat: 310
Handel/Wirtschaft: 106
Sonstige Fahrzeuge: 99
2024:
Person: 652
Polizeiangehörige: 353
AfD: 135
Staat: 125
Parteirepräsentant/-mitglied: 93
6. Wie viele Personen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung durch
Fälle Politisch motivierter Kriminalität-links im Jahr 2024 sowie im
Vorjahr 2023 verletzt oder getötet?
Im Jahr 2024 wurden 377 (2023: 327) Personen durch linksmotivierte Gewalt
gesundheitlich geschädigt. In beiden Jahren wurden keine Personen durch linke
Gewaltdelikte getötet.
7. Wie viele Straftaten im Bereich der politischen Konfrontation mit den
Unterthemen „Polizei“ und „gegen rechts“ sind dem Phänomenbereich
PMK-links für das Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023
zurechenbar (bitte bei Gewalttaten nach den einzelnen Deliktsgruppen
aufschlüsseln)?
Für das Jahr 2023 sind insgesamt 1 582 Straftaten im Unterthema „Polizei“
dem PHB PMK -links- zuzuordnen. Davon sind 552 Gewaltdelikte, die sich
wie folgt aufschlüsseln (einschließlich Versuch):
Tötungsdelikte 2
Körperverletzungen 213
Brandstiftungen 27
Sprengstoffdelikte 0
Landfriedensbruch 64
Gefährlicher Eingriff 11
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 0
Widerstandsdelikte 235
Sexualdelikte 0.
Für das Jahr 2024 sind insgesamt 1 224 Straftaten im Unterthema „Polizei“
dem PHB PMK -links- zuzuordnen. Davon sind 359 Gewaltdelikte, die sich
wie folgt aufschlüsseln:
Tötungsdelikte 0
Körperverletzungen 64
Brandstiftungen 7
Sprengstoffdelikte 4
Landfriedensbruch 53
Gefährlicher Eingriff 0
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 0
Widerstandsdelikte 231
Sexualdelikte 0.
Für das Jahr 2023 sind insgesamt 2 964 Straftaten im Unterthema „gegen
rechts“ dem PHB PMK -links- zuzuordnen. Davon sind 249 Gewaltdelikte, die
sich wie folgt aufschlüsseln:
Tötungsdelikte 3
Körperverletzungen 153
Brandstiftungen 19
Sprengstoffdelikte 1
Landfriedensbruch 26
Gefährlicher Eingriff 4
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 7
Widerstandsdelikte 36
Sexualdelikte 0.
Für das Jahr 2024 sind insgesamt 6 788 Straftaten im Unterthema „gegen
rechts“ dem PHB PMK -links- zuzuordnen. Davon sind 416 Gewaltdelikte, die
sich wie folgt aufschlüsseln:
Tötungsdelikte 0
Körperverletzungen 238
Brandstiftungen 34
Sprengstoffdelikte 1
Landfriedensbruch 34
Gefährlicher Eingriff 4
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 14
Widerstandsdelikte 91
Sexualdelikte 0.
8. Wie viele Tatverdächtige wurden nach Kenntnis der Bundesregierung im
Zusammenhang mit den Fällen in Frage 3 ermittelt, gegen wie viele
davon wurde ein Haftbefehl erlassen, und wie hoch war die
Aufklärungsquote im Hinblick auf Frage 3?
Über den KPMD-PMK erhält das Bundeskriminalamt (BKA) von den
Landeskriminalämtern nur in wenigen Fällen Kenntnis über das Erlassen von
Haftbefehlen gegen Tatverdächtige. Insoweit sind die Angaben nur von geringer
Aussagekraft.
Im Jahr 2023 wurden insgesamt 2 950 Tatverdächtige von Gewaltstraftaten, die
dem PHB PMK -links- zuzuordnen sind, gemeldet. Dabei wurden in vier Fällen
Haftbefehle erlassen.
Im Jahr 2024 wurden insgesamt 727 Tatverdächtige von Gewaltstraftaten, die
dem PHB PMK -links- zuzuordnen sind, gemeldet. Dabei wurden keine Fälle
gemeldet, in denen ein Haftbefehl erlassen wurde.
Die Aufklärungsquote lag bei den Gewaltdelikten PMK -links- im Jahr 2023
bei 44,43 Prozent. Im Jahr 2024 lag diese bei 50,26 Prozent. Gemäß den
Regularien des KPMD-PMK handelt es sich um einen aufgeklärten Fall, wenn die
Tat nach dem (kriminal-)polizeilichen Ermittlungsergebnis von mindestens
einem namentlich bekannten oder auf frischer Tat angetroffenen
Tatverdächtigen begangen wurde.
9. Wie haben sich antisemitische Straftaten im Jahr 2024 im Bereich PMK-
links im Vergleich zum Jahr 2023 entwickelt (bitte auch nach
Deliktsgruppen aufschlüsseln), und was waren die fünf häufigsten Angriffsziele
in absoluten Zahlen?
Bei geringen Gesamtfallzahlen stiegen antisemitische Straftaten im PHB PMK
-links- von 40 Delikten im Jahr 2023 auf 109 Delikte im Jahr 2024.
Nachstehend die Aufschlüsselung nach Deliktskategorien und Jahr.
2023:
Tötungsdelikte 0
Körperverletzungen 0
Brandstiftungen 0
Sprengstoffdelikte 0
Landfriedensbruch 0
Gefährlicher Eingriff 0
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 0
Widerstandsdelikte 1
Sexualdelikte 0
Sachbeschädigungen 17
Nötigung/Bedrohung 0
Propagandadelikte 5
Störung der Totenruhe 0
Volksverhetzung 9
Verstoß gegen VersG 0
Verstoß gegen WaffG 0
Andere Straftaten 8
2024:
Tötungsdelikte 0
Körperverletzungen 1
Brandstiftungen 0
Sprengstoffdelikte 0
Landfriedensbruch 2
Gefährlicher Eingriff 0
Freiheitsberaubung 0
Raub/Erpressung 0
Widerstandsdelikte 3
Sexualdelikte 0
Sachbeschädigungen 42
Nötigung/Bedrohung 2
Propagandadelikte 19
Störung der Totenruhe 0
Volksverhetzung 19
Verstoß gegen VersG 1
Verstoß gegen WaffG 0
Andere Straftaten 20
Die fünf häufigsten Angriffsziele im Unterthema waren:
2023:
Person: 26
Religiöser Repräsentant: 25
Religionsgemeinschaft: 14
Staat: 5
Medien, Polizeiangehöriger: 2
2024:
Person: 88
Religiöser Repräsentant: 81
Religionsgemeinschaft: 26
Polizeiangehöriger: 13
Staat: 8
10. Auf welche Bundesländer verteilen sich diese antisemitischen Straftaten
der jeweiligen Jahre (vgl. Frage 9)?
2023:
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Tötungsdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte
vollendet
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte Versuch
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Körperverletzungen
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Brandstiftungen
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sprengstoffdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Landfriedensbruch
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Gefährlicher
Eingriff
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Freiheitsberaubung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Raub 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Erpressung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Widerstandsdelikte
0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sexualdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sachbeschädigungen
1 2 7 3 1 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 1
Nötigung/
Bedrohung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Propagandadelikte
0 2 1 1 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Störung der
Totenruhe
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Volksverhetzung
0 3 0 2 0 0 1 0 0 1 0 0 0 1 0 1
Verstoß
gegen VersG
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Verstoß
gegen WaffG
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Andere
Straftaten
0 1 1 1 1 0 1 0 0 0 0 0 0 3 0 0
2024
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Tötungsdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte
vollendet
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Tötungsdelikte Versuch
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Körperverletzungen
0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Brandstiftungen
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sprengstoffdelikte
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Landfriedensbruch
0 2 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Gefährlicher
Eingriff
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Freiheitsberaubung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Raub 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Erpressung 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Widerstandsdelikte
0 3 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sexualdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sachbeschädigungen
0 8 7 4 0 3 5 2 0 6 0 0 0 7 0 0
Nötigung/
Bedrohung
0 0 1 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Propagandadelikte
1 10 4 1 0 1 1 0 1 0 0 0 0 0 0 0
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Störung der
Totenruhe
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Volksverhetzung
2 3 0 3 1 0 1 0 0 5 1 1 0 0 1 1
Verstoß
gegen VersG
0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Verstoß
gegen WaffG
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Andere
Straftaten
0 5 0 4 0 0 1 1 1 5 0 0 0 2 1 0
11. Wie viele Sachverhalte im Phänomenbereich PMK-links wurden im
Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) im
Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023 thematisiert (bitte nach
Angriffsziel oder geplantem Angriffsziel, Anzahl der Täter sowie
Organisation bzw. Gruppierung aufschlüsseln)?
Insgesamt wurden im Jahr 2024 301 (2023: 515) Sachverhalte im GETZ-L
thematisiert.
Mit Angriffsziel Personen wurden 22 Sachverhalte mit sechs Tatverdächtigen
(2023: 28/6 TV) thematisiert.
Mit Angriffsziel Gebäude wurden 30 Sachverhalte mit fünf Tatverdächtigen
(2023: 42, davon ein SV mit acht Tatverdächtigen) thematisiert.
Mit Angriffsziel Kfz wurden 63 Sachverhalte mit neun Tatverdächtigen (2023:
65/2 TV) thematisiert.
Mit Angriffsziel Infrastruktur wurden 15 Sachverhalte mit 0 Tatverdächtigen
(2023: 27/2 TV).
Mit Angriffsziel Sachen wurden 16 Sachverhalte, davon ein SV mit vier
Tatverdächtigen (2023: 17/0 TV) thematisiert.
Ein thematisierter Sachverhalt kann auch mehrere Angriffsziele beinhalten.
Genauso kann der gleiche Sachverhalt mehrmals im GETZ-L angesprochen/
ergänzt worden sein. Grundsätzlich wird der Sachverhalt in diesem Falle nur
einmal gezählt. Nicht allen im GETZ-L angesprochenen Themen liegen
Sachverhalte zu Grunde, die gemäß der vorliegenden Fragestellung eingeordnet
werden können.
Nach sorgfältiger Abwägung des staatlichen Geheimhaltungsinteresses mit den
parlamentarischen Auskunftsansprüchen ist die Bundesregierung zu der
Auffassung gelangt, dass über diese Angaben hinaus die vom Fragesteller begehrte
Aufschlüsselung nach Organisation bzw. Gruppierung aufgrund
entgegenstehender überwiegender Belange des Staatswohls nicht erfolgen kann.
Kenntnisstände, Arbeitsmethoden, Vorgehensweisen und Aufklärungsprofile der
Sicherheitsbehörden sind im Hinblick auf deren künftige Aufgabenerfüllung
besonders schutzbedürftig. Eine Veröffentlichung der erbetenen Daten ließe
Rückschlüsse auf aktuelle Aufklärungsschwerpunkte und die Erkenntnislage zu.
Eine Verschlusssachen-(VS-)Einstufung und Hinterlegung der angefragten
Informationen in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages kommt
angesichts ihrer kritischen Bedeutung für die Aufgabenerfüllung der involvierten
Sicherheitsbehörden ebenfalls nicht in Betracht. Auch ein geringfügiges Risiko
des Bekanntwerdens konkreter Gruppierungen in Verbindung mit den in dieser
Antwort erfolgten Angaben der Bundesregierung zur Anzahl der thematisierten
Sachverhalte, der jeweiligen Angriffsziele sowie der Anzahl etwaiger
Tatverdächtigen würden konkrete Rückschlüsse auf im GETZ-L besprochene Themen
und Personen ermöglichen und sind nicht hinnehmbar. Damit wären
weitergehende konkrete Rückschlüsse auf den jeweiligen Aufklärungsbedarf, den
einzelnen Erkenntnisstand sowie die generelle Arbeitsweise der
Nachrichtendienste nicht auszuschließen. Dies könnte die Entwicklung entsprechender
Abwehrstrategien erleichtern. Die erbetenen Informationen berühren derart
schutzbedürftige Geheimhaltungsinteressen, dass das Staatswohl gegenüber dem
parlamentarischen Informationsrecht ausnahmsweise überwiegt.
12. Wie haben sich sogenannte Hasspostings im Phänomenbereich PMK-
links im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr 2023 entwickelt?
Die Zahl sogenannter Hasspostings im PHB PMK -links- hat sich von 321
Delikten im Jahr 2023 auf 871 Delikte im Jahr 2024 erhöht.
13. Wie viele nichtvollstreckte Haftbefehle lagen zu den Stichtagen 31.
Dezember 2023 und 31. Dezember 2024 in Bezug auf Linksextremisten vor
beziehungsweise wie viele Personen waren davon insgesamt umfasst,
und bei wie vielen lag dabei jeweils ein Terrorismusverdacht oder der
Verdacht eines Gewaltdeliktes zugrunde?
Die Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder setzen sich intensiv mit
dem als besonders relevant einzustufenden Personenpotential im Bereich der
Politisch Motivierten Kriminalität (PMK) auseinander. Das BKA führt seit
2012 halbjährlich jeweils zum Stichtag 30. März und 30. September eine
Erhebung aller offenen Haftbefehle politisch motivierter Straftäter durch. Die
erhobenen Haftbefehle werden u. a. anhand des dem Haftbefehl zugrunde liegenden
Delikts priorisiert.
Priorität 1: Terrorismusdelikte
Priorität 2: Gewaltdelikte (mit oder ohne PMK-Bezug)
Priorität 3: Sonstige Delikte (mit oder ohne PMK-Bezug)
Bei den Ergebnissen der Erhebung ist zu berücksichtigen, dass es sich um eine
Momentaufnahme zum jeweiligen Stichtag handelt. Im Zeitraum zwischen den
Erhebungsstichtagen erlassene Haftbefehle können zum Stichtag bereits
vollstreckt sein oder sich anderweitig erledigt haben. Haftbefehle ausländischer
Behörden werden bei der personenbezogenen Auswertung u. a. bezüglich der
Deliktsqualität nicht berücksichtigt, sodass sich die nachfolgend dargestellten
Zahlen auf nationale Fahndungen deutscher Behörden beziehen.
Zum Stichtag 29. September 2023 waren im PHB PMK -links- 121 nationale
Fahndungen deutscher Behörden mit dem Ziel der Festnahme von 94 Personen
in den polizeilichen Informationssystemen verzeichnet. Acht Haftbefehlen
lagen Terrorismusdelikte zugrunde. 40 Haftbefehlen lag ein Gewaltdelikt
zugrunde.
Zum Stichtag 30. September 2024 waren im PHB PMK -links- 98 nationale
Fahndungen deutscher Behörden mit dem Ziel der Festnahme von 81 Personen
in den polizeilichen Informationssystemen verzeichnet. Vier Haftbefehlen lagen
Terrorismusdelikte zugrunde. 28 Haftbefehlen lag ein Gewaltdelikt zugrunde.
14. Wie viele der gesuchten Personen hielten sich nach Erkenntnissen der
Sicherheitsbehörden zu den jeweiligen Stichtagen (vgl. Frage 13)
mutmaßlich im Ausland auf, und wie viele von ihnen haben eine deutsche
Staatsangehörigkeit (bitte jeweiliges Aufenthaltsland angeben)?
Zum Erhebungsstichtag 29. September 2023 bestand zu acht Personen, die sich
gemäß Mitteilung der jeweiligen datenbesitzenden Dienststellen mutmaßlich
im Ausland aufhalten, mindestens ein offener Haftbefehl. Von diesen Personen
besaß eine die deutsche Staatsangehörigkeit. Eine Person kann mehrere
Staatsangehörigkeiten haben. Gemäß Einschätzung der datenbesitzenden Stellen
hielten sich diese Personen zum Erhebungsstichtag in folgenden Staaten auf:
Venezuela: zwei Personen
Österreich: eine Person
Türkei: eine Person
Frankreich: eine Person
Schweden: eine Person
Afghanistan: eine Person
Usbekistan: eine Person.
Zum Erhebungsstichtag 30. September 2024 bestand zu sechs Personen, die
sich gemäß Mitteilung der jeweiligen datenbesitzenden Dienststelle
mutmaßlich im Ausland aufhalten, ein offener Haftbefehl. Von diesen Personen besaß
eine die deutsche Staatsangehörigkeit. Eine Person kann mehrere
Staatsangehörigkeiten haben.
Dänemark: eine Person
Österreich: eine Person
Polen: eine Person
Rumänien: eine Person
Schweden: eine Person
Türkei: eine Person.
15. Wie viele Personen sind in der Gewalttäterdatei „links“ zu den
Stichtagen in Frage 13 erfasst?
Am 1. Januar 2024 waren insgesamt 825 Personen in der Gewalttäterdatei
Links (Gefahrenabwehr) erfasst. Mit Stand 1. Januar 2025 waren es 571
Personen.
16. Wie viele Personen sind im Vergleich der Jahre 2024 und 2023 als
Gefährder oder Relevante Personen eingestuft?
Mit Stichtag 2. Januar 2024 waren für den PHB PMK -links- neun Personen als
Gefährder und 75 Personen als Relevante Personen eingestuft.
Mit Stichtag 2. Januar 2025 waren für den PHB PMK -links- zwölf Personen
als Gefährder und 64 Personen als Relevante Personen eingestuft.
17. Welche aktuellen Entwicklungstendenzen, insbesondere zur Bereitschaft
der Gewaltanwendung und hinsichtlich der Verfestigung extremistischer
Organisationsstrukturen (z. B. bezüglich der „Antifa-Süd“, www.tagessc
hau.de/investigativ/ndr-wdr/linksextremisten-untergrund-100.html), stellt
die Bundesregierung anhand der Lagebilder der Polizei- und
Sicherheitsbehörden im Hinblick auf den Linksextremismus fest (bitte dabei auch
auf folgende Entwicklungen eingehen: www.tagesschau.de/inland/prozes
sbeginn-ex-raf-terroristin-klette-100.html; www.tagesschau.de/investigat
iv/ndr-wdr/linksextremistin-justiz-thueringen-100.html)?
Die vom Linksextremismus ausgehenden Gefahren für die freiheitliche
demokratische Grundordnung sind weiterhin hoch. Linksextremisten verüben in
Deutschland nahezu täglich Straf- und Gewalttaten. Besonders im
„antifaschistischen Kampf“, aber auch im Vorgehen gegen die Polizei weist
linksextremistische Gewalt eine hohe Brutalität auf, verbunden mit einer äußerst gezielten
und professionellen Umsetzung. Diverse Taten zeigen, dass Linksextremisten
auch potenziell tödliche Verletzungen in Kauf nehmen. Trotz der zum Teil
brutalen und hemmungslosen Gewaltausübung ist die Solidarität der Szene mit
linksextremistischen Gewalttätern ungebrochen.
Die linksextremistische Szene zeigte sich bundesweit auch mit Daniela Klette
solidarisch, die am 26. Februar 2024 in Berlin festgenommen wurde. Sie
gehörte mutmaßlich zur Kommandoebene der dritten Generation der ehemaligen
linksterroristischen „Rote Armee Fraktion“ (RAF) und wurde darüber hinaus
auch wegen gewaltsamer Überfälle auf Geldtransporte und Supermärkte
gesucht. Linksextremisten werfen den Sicherheitsbehörden unter anderem
„Verfolgungswut“ vor und verklären Klette, Garweg und Staub als „politische
Gefangene“ beziehungsweise „Verfolgte“.
Zwischen Dezember 2023 und November 2024 wurden drei Linksextremisten
sowie eine Linksextremistin festgenommen, die mutmaßlich zum Umfeld des
gewalttätigen Netz-werks „Antifa-Ost“ gehören. Den Personen wird die
Beteiligung an linksextremistisch motivierten Gewalttaten gegen von ihnen als
Rechtsextremisten ausgemachte Personen und die Mitgliedschaft in einer
kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft hat die
Linksextremistin zudem wegen versuchten Mordes angeklagt. Ein weiterer deutscher
Linksextremist aus dem Netzwerk „Antifa-Ost“ wurde im Januar 2024 in
Ungarn zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.
Am 20. Januar 2025 stellten sich vier Linksextremistinnen und drei
Linksextremisten, die nach den Angriffen in Budapest untergetaucht waren und mit
nationalem und internationalem Haftbefehl gesucht wurden. Eine weitere wegen des
gleichen Tatvorwurfs gesuchte Linksextremistin stellte sich am 20. März 2025.
Gegen alle wurde Untersuchungshaft angeordnet. Eine letzte in diesem
Zusammenhang gesuchte Person bleibt weiterhin flüchtig.
Das Netzwerk dürfte durch die Festnahmen und Selbststellungen deutlich
geschwächt sein. Dennoch sind den verbleibenden Akteuren wie auch
Nachahmern aus der Szene solche Taten weiterhin zuzutrauen.
Eine weitere Entwicklung im gewaltorientierten Linksextremismus ist die
„Antifaschistische Aktion Süd“ (Antifa Süd), die über feste Strukturen und
Mitgliedsgruppen verfügt und als Fernziel die Etablierung einer bundesweiten
„Antifa“ anstrebt. Damit grenzt sie sich deutlich von anderen „Antifa“-
Strukturen ab, die bisher eher als Kleingruppen oder in Netzwerkstrukturen agieren.
Der formale Zusammenschluss kann als eine neue Form der Bündelung
„antifaschistisch“ motivierter Akteure betrachtet werden und birgt ein weiteres
Eskalationspotenzial.
Darüber hinaus verursachen Linksextremisten durch Sabotagehandlungen,
Sachbeschädigungen und Brandstiftungen jährlich Sachschäden in teils
mehrstelliger Millionenhöhe und schaden dem Wirtschafts- und Investitionsstandort
Deutschland. Angriffe auf Infrastrukturen, Kritische oder sonstige, treffen nicht
nur Unternehmen. Zunehmend ist auch die Bevölkerung von Ausfällen und
Beeinträchtigungen der Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur oder des
öffentlichen Personenverkehrs betroffen, die durch linksextremistische
Anschläge verursacht werden.
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ISSN 0722-8333]
Relationen
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