polradar

Asylverfahren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen in der Türkei (Antwort zu Drs. 21/34)

dip / drucksache 02.05.2025 · WP 21 · 21/103 · Antwort · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Asylverfahren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen in der Türkei (Antwort zu Drs. 21/34) [Deutscher Bundestag Drucksache 21/103 21. Wahlperiode 02.05.2025 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Clara Bünger, Gökay Akbulut, Nicole Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke – Drucksache 21/34 – Asylverfahren wegen geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen in der Türkei V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Gewalt gegen Frauen und Femizide sind in der Türkei wie in vielen weiteren Ländern ein großes Problem. Die Initiative „Wir werden Frauenmorde stoppen“ registrierte im Jahr 2023 315 Femizide, weitere 248 Todesfälle von Frauen stufte sie als Verdachtsfälle ein. Im Jahr 2024 sind diese Zahlen weiter angestiegen. Vergangenes Jahr dokumentierte die Organisation 394 Femizide und 259 verdächtige Fälle. 71 Prozent der Frauen wurden demnach von Familienmitgliedern getötet, in 57 Prozent der Fälle geschah dies zu Hause. 19 Mädchen wurden 2024 von ihren Vätern getötet, in neun Fällen zusammen mit ihren Müttern (www.rnd.de/panorama/tuerkei-acht-getoetete-frauen-an-zw ei-tagen-LWXV3FXFPBMUXDJUDEXLSO7DJI.html, www.voaturkce.com/ a/kadin-cinayetleri-artarak-devam-etti-kadina-siddete-sifir-tolerans-yok/79243 97.html). Seit die Türkei 2021 aus der Istanbul-Konvention ausgetreten ist, hat sich die Lage gewaltbetroffener Frauen weiter verschlechtert. Laut einem Bericht von Human Rights Watch aus dem Jahr 2022 versäumt es der türkische Staat, wirksame Maßnahmen gegen häusliche Gewalt zu ergreifen, Überlebende von häuslicher Gewalt zu unterstützen und Täter zur Verantwortung zu ziehen (www.hrw.org/report/2022/05/26/combatting-domestic-violence-turkey/deadl y-impact-failure-protect). Wie das Verwaltungsgericht Freiburg in einer Entscheidung von 2023 ausführte, sind Zufluchtsmöglichkeiten für gewaltbetroffene Frauen in der Türkei ungenügend. Zum Beispiel reagiere die Polizei laut Berichten häufig nicht angemessen, indem sie Frauen davon abhalte, Anzeige zu erstatten und sie zu ihren gewalttätigen Männern zurückschicke. Schutzmaßnahmen würden demnach nur sehr zurückhaltend angeordnet oder nicht durchgesetzt. Frauenhäuser könnten den Frauen meist keinen ausreichenden Schutz bieten. Die staatlich betriebenen Frauenhäuser seien den Berichten zufolge zudem überfüllt und mit Blick auf die Lebensbedingungen gefängnisähnlich, es mangele an professioneller Beratung (Urteil vom 10. Juli 2023, Az. A 6 K 601/22). Im Asylverfahren wird Frauen, die vor Zwangsheirat, häuslicher oder sexueller Gewalt geflohen sind, Flüchtlingsschutz häufig verweigert. Einerseits werden solche Gewalterfahrungen vielfach als „unpolitisch“ und damit als nicht asylrelevant eingeordnet (https://fluechtlingsrat-bw.de/aktuelle-publikationen/ Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat vom 30. April 2025 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext. pro-asyl-was-deutschland-zum-schutz-gefluechteter-frauen-und-maedchen-tu n-muss/). Andererseits argumentierten das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und die Gerichte teilweise, dass Frauen keine bestimmte soziale Gruppe im Sinne von § 3b Absatz 1 Nummer 4 des Asylgesetzes darstellten. Der Grund: Für die Bestimmung einer sozialen Gruppe sei es erforderlich, dass diese eine nach außen abgrenzbare Identität aufweise und von der sie umgebenden Gesellschaft als andersartig betrachtet werde. Viele Gerichte erkannten die Flüchtlingseigenschaft aufgrund geschlechtsspezifischer Verfolgung nur unter der Voraussetzung zu, dass die Betroffenen einer Untergruppe von Frauen angehörten (etwa „alleinstehende Frauen ohne männlichen Schutz“ oder „westlich geprägte Frauen“). Anfang 2024 entschied jedoch der Europäische Gerichtshof, dass bei der Auslegung der Verfolgungsgründe auch die Istanbul-Konvention zu berücksichtigen sei. Frauen eines Herkunftslandes können somit auch insgesamt eine „bestimmte soziale Gruppe“ im Sinne des Flüchtlingsrechts darstellen, wenn sie aufgrund ihres Geschlechts physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt sind (vgl. Urteil vom 16. Januar 2024 – C-621/21 – WS gegen Bulgarien sowie www.asyl.net/view/eugh-trifft-grunds atzentscheidung-zu-geschlechtsspezifischer-verfolgung).  1. Wie viele Asylanträge von weiblichen Asylsuchenden aus der Türkei gab es seit 2016 (bitte nach Jahren aufschlüsseln und zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Asylsuchenden differenzieren)? Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden, wobei Angaben zur Volkszugehörigkeit auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens beruhen. Asylanträge weiblicher Asylantragstellender mit türkischer Staatsangehörigkeit Türkei gesamt Anträge gesamt Erstanträge Folgeanträge Jahr 2016 1.596 1.549 47 Jahr 2017 2.883 2.818 65 Jahr 2018 3.855 3.764 91 Jahr 2019 3.845 3.708 137 Jahr 2020 1.877 1.682 195 Jahr 2021 2.149 1.981 168 Jahr 2022 6.386 6.141 245 Jahr 2023 20.056 19.783 273 Jahr 2024 10.112 9.697 415 01.01.–31.03.2025 1.298 1.137 161 Asylanträge weiblicher Asylantragstellender mit türkischer Staatsangehörigkeit, davon: türkische Volkszugehörigkeit Türkinnen Anträge gesamt Erstanträge Folgeanträge Jahr 2016 416 409 7 Jahr 2017 1.646 1.642 4 Jahr 2018 2.596 2.590 6 Jahr 2019 2.435 2.411 24 Jahr 2020 965 934 31 Jahr 2021 1.208 1.166 42 Jahr 2022 1.313 1.249 64 Jahr 2023 2.846 2.805 41 Jahr 2024 2.316 2.284 32 01.01.–31.03.2025 386 370 16 Asylanträge weiblicher Asylantragstellender mit türkischer Staatsangehörigkeit, davon: kurdische Volkszugehörigkeit Kurdinnen Anträge gesamt Erstanträge Folgeanträge Jahr 2016 1.126 1.087 39 Jahr 2017 1.188 1.130 58 Jahr 2018 1.177 1.104 73 Jahr 2019 1.289 1.181 108 Jahr 2020 790 635 155 Jahr 2021 825 705 120 Jahr 2022 4.877 4.705 172 Jahr 2023 16.772 16.549 223 Jahr 2024 7.420 7.045 375 01.01.–31.03.2025 831 691 140  2. Wie hat das BAMF seit 2016 über die Asylanträge von weiblichen Asylsuchenden aus der Türkei entschieden (bitte zwischen Asylberechtigung, Flüchtlingseigenschaft, subsidiärem Schutz, Abschiebungsverbot, Ablehnung, Ablehnung als offensichtlich unbegründet, Ablehnung als unzulässig sowie zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Asylsuchenden differenzieren)? Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden, wobei Angaben zur Volkszugehörigkeit auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens beruhen. E nt sc he id un ge n üb er A sy la nt rä ge v on w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it T ür ke i g es am t E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu nge n (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng en (o ffe ns . u nb eg r . ab ge le hn t) so ns tig e Ve rfa hr en se rl ed igu ng en Ja hr 2 01 6 51 0 6 40 14 11 14 3 74 22 2 Ja hr 2 01 7 3. 82 1 42 1 96 0 83 65 1. 65 1 12 5 51 6 Ja hr 2 01 8 3. 10 6 28 7 1. 29 3 19 30 1. 09 1 75 31 1 Ja hr 2 01 9 3. 69 7 35 7 1. 68 6 25 15 1. 21 0 99 30 5 Ja hr 2 02 0 3. 19 9 24 5 1. 48 7 19 15 1. 08 8 10 9 23 6 Ja hr 2 02 1 1. 91 0 12 5 92 4 21 5 57 6 82 17 7 Ja hr 2 02 2 2. 84 1 13 9 1. 04 4 49 9 89 1 14 3 56 6 Ja hr 2 02 3 7. 16 9 10 5 99 7 11 0 22 3. 47 1 62 6 1. 83 8 Ja hr 2 02 4 14 .1 40 90 1. 36 3 13 7 28 7. 34 1 2. 16 6 3. 01 5 01 .0 1. –3 1. 03 .2 02 5 5. 81 1 23 50 4 42 8 3. 41 3 88 7 93 4 E nt sc he id un ge n üb er A sy la nt rä ge v on w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it, da vo n: tü rk is ch e Vo lk sz ug eh ör ig ke it T ür ki nn en E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu nge n (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng en (o ffe ns . u nb eg r. ab ge le hn t) so ns tig e Ve rfa hr en se rl ed igu ng en Ja hr 2 01 6 75 4 - - 1 23 14 33 Ja hr 2 01 7 1. 41 8 35 5 67 5 15 5 23 5 8 12 5 Ja hr 2 01 8 1. 83 4 25 2 1. 14 6 2 9 31 7 9 99 Ja hr 2 01 9 2. 38 7 29 9 1. 51 1 12 3 46 9 26 67 Ja hr 2 02 0 1. 89 1 20 2 1. 30 0 1 3 30 7 28 50 Ja hr 2 02 1 1. 06 4 10 2 77 1 1 1 14 1 17 31 Ja hr 2 02 2 1. 20 1 11 5 84 1 3 1 14 9 12 80 Ja hr 2 02 3 1. 35 4 68 72 5 20 1 31 6 64 16 0 Ja hr 2 02 4 2. 33 8 65 99 9 12 4 67 6 19 8 38 4 01 .0 1. –3 1. 03 .2 02 5 1. 00 1 21 39 0 5 - 34 2 98 14 5 E nt sc he id un ge n üb er A sy la nt rä ge v on w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it, da vo n: k ur di sc he V ol ks zu ge hö ri gk ei t K ur di nn en E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu nge n (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng en (o ffe ns . u nb eg r . ab ge le hn t) so ns tig e Ve rfa hr en se rl ed igu ng en Ja hr 2 01 6 40 7 - 35 8 10 11 6 56 18 2 Ja hr 2 01 7 2. 29 7 57 27 3 56 54 1. 37 8 10 9 37 0 Ja hr 2 01 8 1. 19 7 32 12 8 16 20 74 2 62 19 7 Ja hr 2 01 9 1. 22 1 50 14 8 13 10 69 9 70 23 1 Ja hr 2 02 0 1. 18 7 30 14 7 17 8 73 5 75 17 5 Ja hr 2 02 1 73 9 15 11 5 20 3 39 5 55 13 6 Ja hr 2 02 2 1. 53 0 18 16 0 39 7 71 2 11 7 47 7 Ja hr 2 02 3 5. 62 3 28 22 9 84 21 3. 08 6 54 7 1. 62 8 Ja hr 2 02 4 11 .4 09 23 31 8 11 6 23 6. 49 3 1. 89 2 2. 54 4 01 .0 1. –3 1. 03 .2 02 5 4. 62 7 2 10 2 36 8 2. 97 7 74 1 76 1  3. Wie viele der Anerkennungen nach § 3 Absatz 1 des Asylgesetzes beim Herkunftsland Türkei beruhten seit 2016 auf geschlechtsspezifischer Verfolgung (bitte nach Jahren sowie zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Verfolgung differenzieren und in absoluten und relativen Zahlen angeben)? Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden. Gewährung von Flüchtlingsschutz aufgrund geschlechtsspezifischer Verfolgung weiblicher Antragstellender mit türkischer Staatsangehörigkeit Zeitraum Flüchtlingsschutz gemäß § 3 AsylG (ohne Fam.Schutz) davon aufgrund geschlechtsspezifischer Verfolgung aufgrund nicht-staatlicher Verfolgung aufgrund staatlicher Verfolgung* Gesamt (%) Gesamt (%) 2016 34 9 26,5 - - 2017 824 56 6,8 55 6,7 2018 1.000 22 2,2 102 10,2 2019 1.053 6 0,6 116 11,0 2020 697 3 0,4 69 9,9 2021 403 1 0,2 41 10,2 2022 496 4 0,8 59 11,9 2023 484 32 6,6 73 15,1 2024 799 41 5,1 93 11,6 01.01.–31.03.2025 273 12 4,4 24 8,8 * In dieser Kategorie werden Fälle erfasst, in denen eine unzureichende oder fehlende staatliche Schutzgewährung festgestellt wurde (Verfolgung durch Unterlassen), um die Betroffenen vor Verfolgung zu bewahren.  4. Wie haben sich seit 2016 die Schutzquote und die Schutzquote ohne Berücksichtigung der formellen Ablehnungen bei weiblichen Asylsuchenden aus der Türkei insgesamt sowie differenziert nach türkisch- und kurdischstämmigen Antragstellenden entwickelt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)? Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden, wobei Angaben zur Volkszugehörigkeit auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens beruhen. Schutzquoten von weiblichen Antragstellenden mit türkischer Staatsangehörigkeit Zeitraum Türkei gesamt türkische Volkszugehörigkeit kurdische Volkszugehörigkeit Gesamtschutzquote (%) Schutzquote ohne Berücksichtigung der formellen Ablehnungen (%) Gesamtschutzquote (%) Schutzquote ohne Berücksichtigung der formellen Ablehnungen (%) Gesamtschutzquote (%) Schutzquote ohne Berücksichtigung der formellen Ablehnungen (%) Jahr 2016 13,9 24,7 6,7 11,9 13,0 23,6 Jahr 2017 40,0 46,3 74,0 81,2 19,2 22,8 Jahr 2018 52,4 58,3 76,8 81,2 16,4 19,6 Jahr 2019 56,3 61,4 76,5 78,7 18,1 22,3 Jahr 2020 55,2 59,6 79,6 81,8 17,0 20,0 Jahr 2021 56,3 62,0 82,2 84,7 20,7 25,4 Jahr 2022 43,7 54,5 79,9 85,6 14,6 21,3 Jahr 2023 17,2 23,1 60,1 68,2 6,4 9,1 Jahr 2024 11,4 14,5 46,2 55,3 4,2 5,4 01.01.–31.03.2025 9,9 11,8 41,6 48,6 3,2 3,8  5. Wie haben die Verwaltungsgerichte nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2016 über die Klagen von weiblichen Asylsuchenden aus der Türkei gegen Bescheide des BAMF entschieden (bitte wie in Frage 2 differenzieren)? Die Angaben können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden, wobei Angaben zur Volkszugehörigkeit auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens beruhen. G er ic ht se nt sc he id un ge n üb er K la ge n vo n w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it T ür ke i ge sa m t E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu ng en (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng a ls of fe ns ic ht lic h un be gr ün de t A bl eh nu ng a ls un zu lä ss ig Ja hr 2 01 6 27 3 3 18 5 6 74 14 15 3 Ja hr 2 01 7 94 8 4 43 1 22 15 8 22 69 8 Ja hr 2 01 8 2. 82 2 10 11 0 13 22 78 5 74 1. 80 8 Ja hr 2 01 9 4. 14 6 82 27 9 10 35 1. 71 4 69 1. 95 7 Ja hr 2 02 0 4. 26 4 11 9 43 1 32 56 1. 73 7 93 1. 79 6 Ja hr 2 02 1 5. 13 9 16 8 54 7 25 66 2. 30 6 93 1. 93 4 Ja hr 2 02 2 5. 53 3 19 0 57 2 30 83 2. 34 1 10 6 2. 21 1 Ja hr 2 02 3 8. 58 4 95 56 0 29 72 2. 80 8 18 6 4. 83 4 Ja hr 2 02 4 16 .7 07 66 61 6 40 71 6. 51 3 59 0 8. 81 1 G er ic ht se nt sc he id un ge n üb er K la ge n vo n w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it, da vo n: tü rk is ch e Vo lk sz ug eh ör ig ke it T ür ki nn en E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu ng en (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng a ls of fe ns ic ht lic h un be gr ün de t A bl eh nu ng a ls un zu lä ss ig Ja hr 2 01 6 25 - 1 - - 7 5 12 Ja hr 2 01 7 13 1 4 - - 2 17 6 10 2 Ja hr 2 01 8 41 9 6 18 - - 68 4 32 3 Ja hr 2 01 9 79 7 44 10 3 1 1 17 6 7 46 5 Ja hr 2 02 0 91 4 88 14 7 1 3 22 6 11 43 8 Ja hr 2 02 1 1. 04 2 96 24 1 2 4 30 0 16 38 3 Ja hr 2 02 2 1. 01 3 12 8 23 7 3 6 22 3 11 40 5 Ja hr 2 02 3 1. 06 4 58 19 8 3 9 28 0 13 50 3 Ja hr 2 02 4 1. 65 6 35 13 5 4 3 47 8 52 94 9 G er ic ht se nt sc he id un ge n üb er K la ge n vo n w ei bl ic he n A nt ra gs te lle nd en m it tü rk is ch er S ta at sa ng eh ör ig ke it, da vo n: k ur di sc he V ol ks zu ge hö ri gk ei t K ur di nn en E nt sc he idu ng en ge sa m t A sy lb er ec ht igu ng A rt ike l 1 6a G G Fl üc ht lin gs - sc hu tz § 3 I A sy lG su bs id iä re r Sc hu tz § 4 I A sy lG A bs ch ie bu ng sve rb ot § 6 0 V /V II A uf en th G A bl eh nu ng en (u nb eg r . ab ge le hn t) A bl eh nu ng a ls of fe ns ic ht lic h un be gr ün de t A bl eh nu ng a ls un zu lä ss ig Ja hr 2 01 6 23 2 3 17 5 5 65 9 12 8 Ja hr 2 01 7 78 7 - 42 1 20 13 5 14 57 5 Ja hr 2 01 8 2. 34 2 4 90 13 21 69 5 69 1. 45 0 Ja hr 2 01 9 3. 25 7 35 17 3 9 32 1. 50 2 60 1. 44 6 Ja hr 2 02 0 3. 26 9 30 28 2 31 51 1. 48 2 78 1. 31 5 Ja hr 2 02 1 3. 98 0 70 29 6 20 61 1. 95 6 76 1. 50 1 Ja hr 2 02 2 4. 38 7 59 32 8 26 71 2. 07 9 92 1. 73 2 Ja hr 2 02 3 7. 31 6 33 35 2 24 55 2. 46 8 16 5 4. 21 9 Ja hr 2 02 4 14 .7 48 31 47 8 34 61 5. 92 6 52 9 7. 68 9  6. Wie hat sich die Verpflichtungs- bzw. Aufhebungsquote der Verwaltungsgerichte bei weiblichen Asylsuchenden aus der Türkei bei Nichtberücksichtigung formeller Erledigungen seit 2016 entwickelt (bitte nach Jahren differenzieren, bitte zusätzlich zwischen kurdisch- und türkischstämmigen Asylsuchenden differenzieren)? Die Angaben können der nachfolgenden Tabelle entnommen werden, wobei Angaben zur Volkszugehörigkeit auf freiwilligen Angaben der Antragstellenden im Rahmen des Asylverfahrens beruhen. Jahr Verpflichtungs- bzw. Aufhebungsquote der Verwaltungsgerichte (ohne formelle Verfahrenserledigungen) bei weiblichen Asylsuchenden mit türkischer Staatsangehörigkeit gesamt türkische Volkszugehörigkeit kurdische Volkszugehörigkeit 2016 26,7 % 7,7 % 28,8 % 2017 28,0 % 20,7 % 29,7 % 2018 15,3 % 25,0 % 14,3 % 2019 18,5 % 44,9 % 13,7 % 2020 25,9 % 50,2 % 20,2 % 2021 25,1 % 52,0 % 18,0 % 2022 26,3 % 61,5 % 18,2 % 2023 20,2 % 47,8 % 15,0 % 2024 10,0 % 25,0 % 8,6 %  7. Gab es seit 2016 Änderungen der internen Leitsätze beim BAMF hinsichtlich geschlechtsspezifischer Verfolgung in der Türkei, und wenn ja, welche (bitte einzeln mit Datum und Inhalt aufführen)? Die Herkunftsländerleitsätze werden bei Bedarf aktualisiert und angepasst. Im Zeitraum seit 2016 hat es keine wesentlichen Änderungen in den Herkunftsländerleitsätzen für die Türkei im Sinne der Fragestellung gegeben.  8. Wie wird das in der Vorbemerkung der Fragesteller genannte Urteil des Europäischen Gerichtshofs durch das BAMF umgesetzt, und welche Änderungen gab es beispielsweise bei Textbausteinen, Lageeinschätzungen und Länderleitsätzen usw. (bitte so konkret wie möglich, mit Datum und Inhalt, ausführen)? In dem Vorabentscheidungsverfahren des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 16. Januar 2024 (Rs. C-621/21 WS gegen Bulgarien) wurde entschieden, dass sowohl Frauen eines Landes insgesamt als auch enger eingegrenzte Gruppen von Frauen – jedoch immer abhängig von den im jeweiligen Land herrschenden Verhältnissen – nach Artikel 10 Absatz 1d der Qualifikationsrichtlinie eine soziale Gruppe sein können. Dies kann der Fall sein, wenn sie in ihrem Herkunftsland aufgrund ihres Geschlechts physischer oder psychischer Gewalt, einschließlich sexualisierter Gewalt oder häuslicher Gewalt, ausgesetzt sind. So hat der EuGH festgestellt, dass bereits die Tatsache, dem weiblichen Geschlecht zuzugehören, ein angeborenes Merkmal darstellt und im Sinne des internen Ansatzes für die Beschreibung einer sozialen Gruppe ausreicht. Der EuGH betonte aber, dass auch immer die zweite Voraussetzung für die Identifizierung einer bestimmten sozialen Gruppe vorliegen muss (externer Ansatz), die sich auf die deutlich abgegrenzte Identität dieser Gruppe im Herkunftsland bezieht, insbesondere unter Einbeziehung der dort geltenden sozialen, moralischen oder rechtlichen Normen. Die Entscheidung des EuGH wird bei der Fortschreibung der Herkunftsländerleitsätze im Rahmen der geschlechtsspezifischen Verfolgung berücksichtigt.  9. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Situation gewaltbetroffener Frauen in der Türkei? Nach Kenntnis der Bundesregierung gilt die türkische Gesetzgebung zum Schutz von Frauen vor Gewalt auch nach Austritt der Türkei aus der Istanbul- Konvention 2021 fort. Berichten von Nichtregierungsorganisationen zufolge mangelt es jedoch unter anderem in Fällen häuslicher Gewalt gegen Frauen an der praktischen Umsetzung bereits bestehender gesetzlicher Regelungen. Im Übrigen wird auf den 16. Bericht der Bundesregierung über ihre Menschenrechtpolitik verwiesen. Die Bundesregierung setzt sich aktiv für die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen in der Türkei ein und fördert Projektarbeit für den Schutz von Frauen gegen Gewalt. 10. Wie viele Frauen wurden seit 2016 in die Türkei abgeschoben (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln)? Die statistischen Angaben im Sinne der Fragestellung für den Zeitraum Januar 2019 bis Februar 2025 und nach veranlassendem Land können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden. Vor dem Jahr 2019 erfolgte keine statistische Erfassung des Geschlechts. Veranlasser 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Jan–Feb 2025 Baden-Württemberg 5 4 4 5 6 12 12 Bayern 1 2 1 10 8 22 - Berlin 1 2 1 8 - Brandenburg - - - - - 3 - Hamburg - - 2 - 7 3 1 Hessen 6 5 5 6 10 5 16 Mecklenburg-Vorpommern - - - 1 - - - Niedersachsen - - 2 1 1 4 2 Nordrhein-Westfalen 4 3 5 3 7 14 13 Rheinland-Pfalz - 2 1 - 6 3 - Saarland - 1 - 2 - - - Sachsen - - - - 2 8 - Sachsen-Anhalt 2 1 3 2 3 3 - Schleswig-Holstein 1 3 2 2 1 7 7 Thüringen - - - 2 - - - Dazu kommen Abschiebungen, die von der Bundespolizei veranlasst wurden: Veranlasser 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Jan–Feb 2025 Bundespolizei 1 - 1 3 22 10 - Abschiebungen im Sinne der Fragestellung 2019 2020 2021 2022 2023 2024 Jan–Feb 2025 Summe 21 21 26 39 74 102 51 Datenquelle ist die Polizeiliche Eingangsstatistik der Bundespolizei. Aufgrund von Nacherfassungen und Korrekturen sind Änderungen auch zukünftig möglich. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

Relationen