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Protokoll der 85. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 24.06.2026 · WP 21 · 21/85 · Original ↗

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Protokoll der 85. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/85 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 85. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 24. Juni 2026 Inhalt: Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung Absetzung der Tagesordnungspunkte 18, 20, 25c und 31e Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Friedrich Merz, Bundeskanzler Leif-Erik Holm (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Leif-Erik Holm (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sebastian Roloff (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sebastian Roloff (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Lina Seitzl (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Lina Seitzl (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Marc Biadacz (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Marc Biadacz (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stella Merendino (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stella Merendino (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stefan Seidler (fraktionslos) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stefan Seidler (fraktionslos) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Götz Frömming (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Götz Frömming (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Johannes Schätzl (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Johannes Schätzl (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tilman Kuban (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tilman Kuban (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Ates Gürpinar (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Ates Gürpinar (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Mirco Hanker (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Mirco Hanker (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Franziska Kersten (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Franziska Kersten (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tagesordnungspunkt 2: Fragestunde Drucksache 21/6572 Mündliche Frage 1 Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Erhöhung der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Prävention Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Zusatzfragen Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingo Hahn (AfD) Ates Gürpinar (Die Linke) Mündliche Frage 2 Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zeitplan für weitere Präventionsmaßnahmen im Gesundheitsbereich Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Zusatzfragen Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stella Merendino (Die Linke) Dr. Janosch Dahmen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mündliche Frage 3 Stefan Schröder (AfD) Geplante Änderungen am Konsumcannabisgesetz Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Zusatzfragen Stefan Schröder (AfD) Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ates Gürpinar (Die Linke) Dr. Ingo Hahn (AfD) Dr. Hendrik Streeck (CDU/CSU) Stephan Brandner (AfD) Mündliche Frage 4 Stefan Schröder (AfD) Datengrundlage für die Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte Getränke Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Zusatzfragen Stefan Schröder (AfD) Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Janosch Dahmen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zusatzpunkt 1: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Inakzeptable Äußerungen des Co-Vorsitzenden Pantisano und antisemitische Tendenzen auf dem Bundesparteitag der Partei Die Linke Dr. Carsten Linnemann (CDU/CSU) Dr. Götz Frömming (AfD) Sebastian Fiedler (SPD) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ines Schwerdtner (Die Linke) Maximilian Kneller (AfD) Ines Schwerdtner (Die Linke) Paul Ziemiak (CDU/CSU) Ines Schwerdtner (Die Linke) Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU) Martin Reichardt (AfD) Johannes Winkel (CDU/CSU) Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) Frederik Bouffier (CDU/CSU) Helge Lindh (SPD) Dr. Götz Frömming (AfD) Marlene Schönberger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) David Gregosz (CDU/CSU) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Leif-Erik Holm (AfD) Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) Dr. Christoph Birghan (AfD) Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) Zusatzpunkt 2: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung einer IP-Adressspeicherung und Weiterentwicklung der Befugnisse zur Datenerhebung im Strafverfahren Drucksache 21/6581 Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin BMJV Ulrich von Zons (AfD) Dr. Günter Krings (CDU/CSU) Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jan Köstering (Die Linke) Anne König (CDU/CSU) Sebastian Fiedler (SPD) Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christian Moser (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 4: Antrag der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Marc Bernhard, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Neue Wirtschaftskraft entfesseln – Bürger und Unternehmen entlasten Drucksache 21/6636 Leif-Erik Holm (AfD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jens Peick (SPD) Janine Wissler (Die Linke) Vanessa Zobel (CDU/CSU) Marc Bernhard (AfD) Tagesordnungspunkt 3: Unterrichtung durch die Bundesregierung: Nachhaltigkeit für ein modernes und zukunftsfähiges Deutschland: Beschluss der Bundesregierung Drucksache 21/2696 Kathrin Michel (SPD) Rainer Groß (AfD) Volker Mayer-Lay (CDU/CSU) Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Paul Schmidt (AfD) Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU/CSU) Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Rainer Kraft (AfD) Caroline Bosbach (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 5: Antrag der Abgeordneten Kathrin Gebel, Aaron Valent, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Demokratie stärken – Chancengerechtigkeit durch Geschlechterparität Drucksache 21/6105 Kathrin Gebel (Die Linke) Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Fabian Jacobi (AfD) Carmen Wegge (SPD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Karsten Hilse (AfD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christina Stumpp (CDU/CSU) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christina Stumpp (CDU/CSU) Thomas Fetsch (AfD) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Nächste Sitzung Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Schriftliche Antworten auf Fragen der Fragestunde Mündliche Frage 5 Tobias Matthias Peterka (AfD) Inkrafttreten der Fixumserhöhung für Apotheken Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 6 Dr. Ingo Hahn (AfD) Kurzfristige Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit der Krankenhäuser Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 7 Evelyn Schötz (Die Linke) Extrabudgetäre Vergütung psychotherapeutischer Leistungen Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 8 Ates Gürpinar (Die Linke) Vermeidung des Verzichts Pflegebedürftiger auf notwendige Leistungen durch steigende private Kosten Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 9 Evelyn Schötz (Die Linke) Verhältnis langfristiger Folgekosten zu den geplanten kurzfristigen Einsparungen bei psychotherapeutischen Leistungen Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 10 Stephan Brandner (AfD) Gesundheitsversorgung in ländlichen und strukturschwachen Regionen Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 11 Ates Gürpinar (Die Linke) Investitionen in Prävention und Gesundheitsförderung zur langfristigen Stabilisierung der GKV-Finanzen Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 12 Maik Brückner (Die Linke) Befragungen zur gesundheitlichen Lage von LSBTIQA* im Rahmen des Aktionsplans „Queer leben“ Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 13 Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Reaktion auf Versorgungslücken in der Drogen- und Suchthilfe Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 14 Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gesetzliche Regelungen aus der nationalen Präventionsstrategie Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 15 Tamara Mazzi (Die Linke) Verbesserung der Situation für Beschäftigte in der Pflege Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 16 Cansin Köktürk (Die Linke) Strukturelle und sozial bedingte Hürden bei der Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen durch Minderjährige Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 17 Tobias Matthias Peterka (AfD) Kostenverteilung und Entlastungsmaßnahmen bei der verpflichtenden Videoüberwachung in Schlachthöfen Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 18 Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Maßnahmen zur Verbesserung der Ernährung von Kindern Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 19 Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung des Tierschutzes bei der Schlachtung Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 20 Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Einbindung und Stärkung des Lebensmittelhandwerks in der Krisen- und Notfallvorsorge Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 21 Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gewährleistung fairer Wettbewerbsbedingungen im Rahmen der Verhandlungen zur GAP-Förderperiode 2028 bis 2034 Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 22 Stephan Brandner (AfD) Größte Herausforderungen für das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 23 Ina Latendorf (Die Linke) Gründe für die Nichteinführung der Weideprämie für Milchkühe Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 24 Ina Latendorf (Die Linke) Zeitplan für die Evaluierung der Gebührenordnung für Tierärzte Antwort Martina Englhardt-Kopf, Parl. Staatssekretärin BMLEH Mündliche Frage 25 Markus Matzerath (AfD) Mögliche Schlussfolgerungen aus der Verlängerung der Sperrung des Uferwegs an der Spree im Zuge der Erweiterung des Bundeskanzleramts Antwort Sören Bartol, Parl. Staatssekretär BMWSB Mündliche Frage 26 Christian Görke (Die Linke) Erträge aus Unternehmensbeteiligungen des Bundes im Haushaltsjahr 2025 Mündliche Frage 27 Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bedeutung und Förderung der Psychosozialen Zentren in der Versorgung von Geflüchteten Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 28 Knuth Meyer-Soltau (AfD) Kriterien für die Zuordnung von Straftaten zur Politisch motivierten Kriminalität Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 29 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Geplante Sitzungen der Wahlrechtskommission Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 30 Sascha Lensing (AfD) Hinweise auf vermisste deutsche Staatsangehörige im Zusammenhang mit den Epstein-Files Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 31 Sascha Lensing (AfD) Bewertung der Beziehungen von Jeffrey Epstein zur Deutschen Bank durch deutsche Finanzaufsichts- oder Strafverfolgungsbehörden Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 32 Jan Köstering (Die Linke) Taser-Einsätze durch Bundespolizei, BKA und Zoll im Jahr 2025 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 33 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Methoden der Bundespolizei für die Prüfung der Vulnerabilität von Personen bei Grenzverfahren Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 34 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Personalaufwand der Bundespolizei bei der Prüfung der Vulnerabilität von Personen bei Grenzverfahren Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 35 Rainer Galla (AfD) Personelle Kontinuität bei Leitungsfunktionen in Bundesbehörden seit der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 36 Markus Matzerath (AfD) Erkenntnisse zu transnationaler Repression gegen patriotische proeuropäische Aktivisten Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 37 Dr. Rainer Kraft (AfD) Austausch mit Regierungsvertretern anderer EU-Staaten zur deutschen Energiewende Antwort Serap Güler, Staatsministerin AA Mündliche Frage 38 Clara Bünger (Die Linke) Praxis der Härtefallprüfung nach § 22 des Aufenthaltsgesetzes bei der Aussetzung des Familiennachzugs zu subsidiär Schutzberechtigten Antwort Serap Güler, Staatsministerin AA Mündliche Frage 39 Bernd Schattner (AfD) Schätzungen zu Kosten möglicher Reparationszahlungen an NS-Opfer in Polen Antwort Serap Güler, Staatsministerin AA Mündliche Frage 40 Gökay Akbulut (Die Linke) Einfluss der Unterlaufung verschiedener Regulierungen bei Investitionsvorhaben der Familie Trump in Albanien auf den EU-Beitrittsprozess Antwort Serap Güler, Staatsministerin AA Mündliche Frage 41 Gökay Akbulut (Die Linke) Probleme beim Vollzug des Familiennachzugs zu deutschen Staatsangehörigen für Bewohner des Gazastreifens Antwort Serap Güler, Staatsministerin AA Mündliche Frage 42 Christian Görke (Die Linke) Kosten für das Bürgerfest zum 2. Nationalen Veteranentag Antwort Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Mündliche Frage 43 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stand der Beauftragung der Studie zur Tourismusfinanzierung Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 44 Dr. Ingo Hahn (AfD) Maßnahmen zum Schutz der chemisch-pharmazeutischen Industrie angesichts angekündigter Investitionskürzungen und Standortschließungen Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 45 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anwendung des Industriestrompreises parallel zur Strompreiskompensation nach dem neuen EU-Beihilferahmen Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 46 Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auswirkungen einer Öffnung der Straße von Hormus auf die Kerosinversorgung Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 47 Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagungen des sogenannten Round Table Flugtreibstoffe Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 48 Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Methodik bei der Auswertung der Öffentlichkeitsbeteiligung zum nationalen Energie- und Klimaplan Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 49 Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Erkenntnisse für die Fortschreibung des nationalen Energie- und Klimaplans aus dem Energieeffizienzteil der öffentlichen Konsultation Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 50 Bernd Schattner (AfD) Maßnahmen zur Entlastung von Bürgern und Unternehmen nach dem Auslaufen des Tankrabatts Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 51 Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Umsetzung der BAföG-Reform Antwort Dr. Silke Launert, Parl. Staatssekretärin BMFTR Mündliche Frage 52 Rainer Galla (AfD) Finanzielle Förderung des Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit seit 2015 Antwort Matthias Hauer, Parl. Staatssekretär BMFTR Mündliche Frage 53 Knuth Meyer-Soltau (AfD) Anzahl wegen Geringfügigkeit eingestellter Ermittlungsverfahren in den Jahren 2023 bis 2025 Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 54 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Entschädigungszahlungen an Hinterbliebene und Geschädigte der NSU-Taten Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 55 Ulrich von Zons (AfD) Empirische Grundlage für die Annahme einer abnehmenden Eignung von Schöffenbewerbern Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 56 Cansin Köktürk (Die Linke) Begründung für die Einstellung des Schulprogramms „Mental Health Coaches“ Antwort Michael Brand, Parl. Staatssekretär BMBFSFJ Mündliche Frage 57 Clara Bünger (Die Linke) Konsequenzen aus dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs zu Leistungskürzungen im Asylbewerberleistungsgesetz in Dublin-Fällen Antwort Katja Mast, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 58 Dr. Anna Lührmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Beteiligung an der G7-Initiative zur Entwicklung eines Meta-Detectors zur Erkennung KI-generierter Inhalte Antwort Thomas Jarzombek, Parl. Staatssekretär BMDS Mündliche Frage 59 Martin Reichardt (AfD) Gründe für erneute Zugausfälle auf der Bahnstrecke Berlin–Leipzig Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 60 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Beschleunigung der Bahnelektrifizierung der Metropolenbahn München–Prag auf deutscher Seite Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 61 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Planungs- und Baustand der Infrastrukturmaßnahmen zur Kapazitätserweiterung des Stuttgarter Bahnknotens Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 62 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Veränderte Verfahrensweisen oder Zuständigkeiten bei Personen im Gleis Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 63 Martin Reichardt (AfD) Verlängerte Fahrtzeit im Eisenbahnfernverkehr zwischen München und Nürnberg Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 64 Dr. Rainer Kraft (AfD) Reaktion auf die Kritik der schwedischen Energieministerin an der deutschen Energiepolitik Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 65 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Konsequenzen aus den Handlungsempfehlungen zur Umweltkatastrophe in der Oder vom August 2022 Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 66 Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auflistung großer Textil- und Schuhunternehmen mit Vernichtungsverbot für unverkaufte Ware Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 67 Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Übernahme von Ausnahmeregelungen der EU-Ökodesign-Verordnung Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Präsidentin Julia Klöckner: Hallo, guten Tag, alle zusammen! Hiermit ist unsere Sitzung eröffnet. Es ist die 85. Sitzung des Deutschen Bundestages. Interfraktionell ist vereinbart worden, die Tagesordnung um die in der Zusatzpunkteliste aufgeführten Punkte zu erweitern: ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der CDU/CSU und SPD Inakzeptable Äußerungen des Co-Vorsitzenden Pantisano und antisemitische Tendenzen auf dem Bundesparteitag der Partei Die Linke ZP 2 Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung einer IP-Adressspeicherung und Weiterentwicklung der Befugnisse zur Datenerhebung im Strafverfahren Drucksache 21/6581 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (f) Innenausschuss Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO ZP 3 Erste Beratung des von den Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke bei der Besteuerung von Immobilienveräußerungen Drucksache 21/6637 Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Wirtschaft und Energie Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss ZP 4 Beratung des Antrags der Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – Share Deals reformieren, steuerliche Privilegierung von Immobilienkonzernen abschaffen Drucksache 21/6646 Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Wirtschaft und Energie Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss ZP 5 Beratung des Antrags der Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Gerechtigkeitslücke im Steuersystem schließen – Verschonungsbedarfsprüfung ab 26 Millionen Euro in der Erbschaft- und Schenkungsteuer abschaffen Drucksache 21/6647 Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) Ausschuss für Wirtschaft und Energie Haushaltsausschuss ZP 6 Weitere Überweisung im vereinfachten Verfahren (Ergänzung zu TOP 30) Beratung des Antrags der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bekämpfung organisierter Steuerhinterziehung wie Cum-Cum, Cum-Ex und Umsatzsteuerkarusselle auf Bundesebene stärken Drucksache 21/… Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) … ZP 7 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD Deutschland ist nicht Kriegspartei im eskalierenden Ukrainekrieg – Nationale Interessen in den Fokus nehmen ZP 8 Beratung des Antrags der Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Sandra Detzer, Dr. Moritz Heuberger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Übergewinne steuerlich erfassen, Preise dämpfen und Krisenlasten gerecht verteilen Drucksache 21/6649 Überweisungsvorschlag: Finanzausschuss (f) … ZP 9 Beratung des Antrags der Abgeordneten Johannes Wagner, Julia Schneider, Dr. Janosch Dahmen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Hitzekrise ernst nehmen – Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell absichern Drucksache 21/6343 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Gesundheit (f) Ausschuss für Wirtschaft und Energie Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Ausschuss für Kultur und Medien Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss ZP 10 Beratung des Antrags der Abgeordneten Julia Schneider, Sylvia Rietenberg, Johannes Wagner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Städte klimafit machen – Mit Begrünung und Entsiegelung die Menschen vor Ort vor Hitze und Überschwemmung schützen Drucksache 21/6342 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (f) Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss ZP 11 Beratung des Antrags der Abgeordneten Simone Fischer, Dr. Janosch Dahmen, Linda Heitmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Krisenresilienz in der Pflege stärken – Häusliche und stationäre Pflege verlässlich auf Krisen vorbereiten Drucksache 21/6344 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Gesundheit (f) Innenausschuss Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung Haushaltsausschuss ZP 12 Beratung des Antrags der Abgeordneten Cem Ince, Janine Wissler, Marcel Bauer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Hitzefrei für Beschäftigte – Sonnen- und Hitzeschutz am Arbeitsplatz ernst nehmen Drucksache 21/6464 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Arbeit und Soziales (f) Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit ZP 13 Beratung des Antrags der Abgeordneten Tobias Ebenberger, Ruben Rupp, Robin Jünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Keine digitale Identität und Geldbörse durch die EU – Mit nationaler Lösung echte Staatsmodernisierung vorantreiben Drucksache 21/6650 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung (f) … ZP 14 Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Wärmeplanungsgesetzes Drucksache 21/6587 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO ZP 15 Beratung des Antrags der Abgeordneten Christian Görke, Sascha Wagner, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Altschuldenhilfe für Kommunen und ostdeutsche Wohnungsgesellschaften Drucksache 21/5821 Überweisungsvorschlag: Haushaltsausschuss (f) Finanzausschuss (f) Federführung strittig ZP 16 Beratung der Beschlussempfehlung und des Berichts des Verkehrsausschusses (15. Ausschuss) zu dem Antrag der Abgeordneten Matthias Gastel, Tarek Al-Wazir, Victoria Broßart, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Infrastrukturvorhaben im Schienennetz effektiv beschleunigen Drucksachen 21/4458, 21/… ZP 17 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion Die Linke Empfehlungen der Rentenkommission – Für ein Rentensystem, das wirklich sozial gerecht ist Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll, soweit erforderlich, abgewichen werden. Die Tagesordnungspunkte 18, 20, 25c und 31e werden abgesetzt. Die weiteren Änderungen und Ergänzungen sowie den geänderten Ablauf der Beratungen sehen Sie im Übrigen wie immer in unserer Zusatzpunkteliste. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe und höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Hierfür hat die Bundesregierung den Bundeskanzler, Herrn Friedrich Merz, benannt, der zunächst die Gelegenheit zu einleitenden Ausführungen hat. Acht Minuten haben Sie, Herr Bundeskanzler. Ich werde freundlich darauf hinweisen, wenn diese um sind. Noch ein Hinweis: Die Befragung des Bundeskanzlers läuft etwas anders ab als die Befragung der Bundesregierung, also der einzelnen Minister. Das heißt, es gibt die Möglichkeit, nach den Fraktionsrunden eine Frage zu stellen; der Kanzler antwortet. Es gibt die Möglichkeit zu einer Nachfrage; der Kanzler antwortet. Aber danach gibt es keine weiteren Nachfragen, auch in der zweiten Runde nicht. Insofern darf ich jetzt das Wort dem Herrn Bundeskanzler geben. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Gestern hat die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission zur Reform unseres Alterssicherungssystems ihren Bericht vorgelegt. Ich möchte die Gelegenheit am heutigen Nachmittag nutzen, um den Mitgliedern dieser Kommission, insbesondere den beiden Vorsitzenden, Herrn Frank-Jürgen Weise und Frau Professor Constanze Janda, herzlichen Dank zu sagen für die großartige Arbeit, die sie in dieser Kommission im letzten halben Jahr geleistet haben. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ich will in diesen Dank die drei Kolleginnen und Kollegen aus den beiden Regierungsfraktionen einschließen, die an dieser Arbeit teilgenommen haben: der Kollege Florian Dorn, die Kollegin Annika Klose und der Kollege Pascal Reddig, die unsere beiden Regierungsfraktionen in der Kommission vertreten haben. Ich will es so sagen: Die Ergebnisse dieser Kommission sind wirklich weitreichende Reformvorschläge zur dauerhaften Stabilisierung unserer Alterssicherungssysteme. Sie sind, wenn wir sie umsetzen – und ich möchte, dass wir sie in vollem Umfang umsetzen – eine Reform, die zu einer dauerhaften Stabilisierung der Alterseinkommen mit einem neuen Gesamtversorgungsniveau führen wird. Dies ist ein großer Schritt, wenn wir ihn denn hier im Deutschen Bundestag gemeinsam zum Jahresende verabreden und die Reform verabschieden sollten – ein großer Schritt hin zu einem wirklich neuen System unserer Altersversorgung. Herzlichen Dank an alle, die konstruktiv mitgewirkt haben! Mein Aufruf an Sie ist, jetzt konstruktiv in die Beratungen einzutreten, damit wir gemeinsam wirklich zu einem Erfolg beitragen können: für die dauerhafte Stabilisierung der Altersversorgung in Deutschland und zur Eröffnung neuer Chancen auch über den Kapitalmarkt, damit in Deutschland das getan wird, was in anderen Ländern Europas längst getan wurde und was wir vor langer Zeit schon gemeinsam hätten tun sollen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, das, was diese Kommission vorgeschlagen hat, fügt sich ein in Entscheidungen, die die Bundesregierung bereits getroffen hat. Ich will hier nur das bereits am 1. Januar 2026 in Kraft getretene Gesetz über die sogenannte Aktivrente nennen. Wenn die Zahlen richtig sind – und sie sind sehr vorläufig –, dann haben mittlerweile rund 10 000 Beschäftigte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, über das Regeleintrittsalter in die Rente hinaus weiter zu arbeiten und dafür bis zu 24 000 Euro zusätzlich steuerfreies Einkommen im Jahr zu erzielen. Das ist ein erster sichtbarer Erfolg. Am 01.01.2027 wird das bereits beschlossene und gesetzlich geregelte sogenannte Altersvorsorgedepot in Kraft treten, mit dem die Menschen die dritte Säule, die private Altersvorsorge, noch einmal steuerlich gefördert und mit entsprechenden Unterstützungsleistungen und einer Grundzulage ausgestattet erweitern können. Wenn wir dann mit der Reform der Rentenversicherung das umsetzen, was in der Bundesregierung bereits konzipiert ist, nämlich die sogenannte Frühstartrente, dann fügt sich das ein in ein Gesamtkonzept, das den Menschen in Deutschland Anreize gibt, länger zu arbeiten, und gleichzeitig vor allem der jüngeren Generation die Möglichkeit eröffnet, schon sehr früh Anreize zu haben, einen neuen Wohlstand zu erzielen und auch ein eigenes Vermögen aufzubauen. Wenn wir das in der Koalition in diesem Jahr so hinbekommen, wie ich es skizziert habe mit den weiteren Schritten, die wir noch gehen müssen, dann haben wir für den Wohlstand, für den Arbeitsmarkt und für die Altersversorgung in Deutschland wirklich etwas sehr Grundlegendes neu entschieden. Ich will noch einmal allen herzlich danken, die sich auch an dieser Arbeit beteiligt haben. Es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, den wir dann gemeinsam machen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Ich will meine einführenden Bemerkungen damit abschließen: Ich weiß, dass das noch längst nicht alles ist, was wir tun müssen, um auch die preisliche Wettbewerbsfähigkeit unseres Standortes zu verbessern. Die Arbeiten daran sind in der Bundesregierung längst aufgenommen. Wir werden sehr konkrete weitere Vorschläge machen, wie wir auch den Arbeitsmarkt in Deutschland verbessern, wie wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft verbessern. Dies sind alles große Herausforderungen, vor denen wir stehen – nicht nur wegen der innenpolitischen Aufgaben, die uns gestellt sind, sondern auch wegen der außenpolitischen Rahmenbedingungen, die sich in den letzten Wochen und Monaten beständig verändert haben – meistens nicht zu unserem Vorteil. Diese Aufgabe müssen wir lösen, und die wollen wir lösen. Ich bin insbesondere nach dem gestrigen Tag sehr zuversichtlich, dass uns das gemeinsam gelingt. Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. (Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Bundeskanzler, herzlichen Dank – auch dafür, dass Sie uns noch etwas Zeit geschenkt haben. Jetzt beginnt der eigentliche Teil der Befragung. Für die Befragung des Bundeskanzlers sind 60 Minuten vorgesehen. Übrigens: Eine Verlängerung ist laut Geschäftsordnung nicht möglich. Sie können jetzt Fragen zum Geschäftsbereich des Bundeskanzlers und zu den Kabinettssitzungen stellen und allgemeine Fragen an den Bundeskanzler richten. Dafür gibt es mehrere Fraktionsrunden. Wir beginnen mit der größten Oppositionsfraktion. Frage: eine Minute. Antwort: eine Minute. Nachfrage: 30 Sekunden. Antwort: auch 30 Sekunden. Die erste Frage stellt für die AfD-Fraktion Herr Abgeordneter Leif-Erik Holm. – Bitte. (Stephan Brandner [AfD]: Sehr gut! Guter Mann!) Leif-Erik Holm (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, die Bilanz nach einem Jahr Schwarz-Rot ist verheerend. Sie haben die Bürger massiv enttäuscht. Sie haben sie regelrecht hinter die Fichte geführt: mit einer massiven Sonderverschuldung. Es kam kein Sommer der Reformen, kein Herbst der Reformen, kein Frühling der Reformen. Die Wirtschaft geht weiter den Bach runter. Sie liegen im Dauerstreit mit Ihrem Koalitionspartner. SPD-Fraktionschef Miersch spricht Ihnen die Führungsfähigkeit ab. Sie brüllen Ihren Vizekanzler an. Ihre Ministerin Bas beschimpft die Deutschen als „einheitsbraun“ und ist immer noch im Amt. In Ihrer Partei gibt es mittlerweile Überlegungen, einen anderen Kanzler aus NRW ans Ruder zu bringen. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Ach ja? – Paul Ziemiak [CDU/CSU]: Alles Geschichten!) Ist Ihre Regierung nicht bereits gescheitert? (Beifall bei der AfD – Jens Spahn [CDU/CSU]: Wahlkampf in Reinform!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, vielen Dank für – was soll ich sagen? – die Frage, (Heiterkeit bei der CDU/CSU) eine wichtige Frage. (Tino Chrupalla [AfD]: Seien Sie mal ehrlich!) Allein die Ereignisse der letzten Tage beweisen das Gegenteil von dem, was Sie hier gerade beschrieben haben. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Stephan Brandner [AfD]: Ein schlichtes Ja als Antwort würde reichen!) – War das eine Zusatzfrage? Präsidentin Julia Klöckner: Herr Brandner, Sie haben jetzt nicht die Möglichkeit einer Nachfrage; Sie haben die Geschäftsordnung mit verabschiedet. – Bitte, Sie dürfen. Leif-Erik Holm (AfD): Vielen Dank. – Die Bürger sind auch massiv enttäuscht, weil Sie viele neue Belastungen planen. Wo bleiben die wirklichen Entlastungen? Und wo wird eigentlich gespart? Die „FAZ“ schrieb übrigens: Ihre Koalition ist nicht mehr zu retten. So sehen es mittlerweile auch viele Deutsche. Der britische Premier Starmer – schauen wir über den Ärmelkanal – hat seinen Rücktritt erklärt, weil er nur noch 19 Prozent Zustimmung hat. Ihr Wert liegt bei 16 Prozent. Die Bürger vertrauen Ihnen nicht mehr. Ist es nicht Zeit, diesen Spuk endlich zu beenden? (Beifall bei der AfD – Jens Spahn [CDU/CSU]: Die Antwort ist schon wieder Nein!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, Sie sehen die Koalition und die von mir geführte Bundesregierung entschlossen, die Probleme unseres Landes zu lösen. Wir tun das Schritt für Schritt, auch wenn es Ihnen nicht gefällt und wenn Sie dem meisten widersprechen, was wir hier entscheiden. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Aber Sie werden es mir nachsehen, wenn ich sage: Dem von Ihnen immer wieder hier im Deutschen Bundestag vorgeschlagenen Weg werden wir nicht folgen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Alice Weidel [AfD]: Herrlich!) Präsidentin Julia Klöckner: Nun hat für die SPD-Fraktion Herr Abgeordneter Sebastian Roloff das Wort. Bitte sehr. Sebastian Roloff (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, im Wettbewerb mit China sind in den letzten Jahren Hunderttausende Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen. Die Prognosen deuten auf noch weitere hin. Wir hätten eigentlich einen starken Hebel, dem entgegenzutreten, nämlich die öffentliche Beschaffung. Bisher zählt da nur der niedrigste Preis, und dann gewinnt ganz oft die übersubventionierte Ware aus China. Die EU-Kommission hat mit dem Industrial Accelerator Act einen Vorschlag gemacht, wie wir eine europäische Präferenz regeln können: öffentliches Geld bevorzugt für europäische Produkte. Wir würden entscheiden, dass unser Geld zunächst der heimischen Wertschöpfung dient. Ich verstehe nicht ganz, warum Deutschland nach meiner Wahrnehmung nicht mit voller Begeisterung dabei ist. Dementsprechend die Frage: Setzen Sie sich mit uns zusammen für eine starke verbindliche „Buy European“-Maxime gegen unfairen Subventionsdruck aus China ein? (Stephan Brandner [AfD]: „Buy German“-Maxime!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir haben uns in der letzten Woche im Europäischen Rat in Brüssel sehr ausführlich mit dieser Frage beschäftigt. Das stand unter der Überschrift „Makroökonomische Ungleichgewichte“, die wir auf der Welt zurzeit in verschiedener Hinsicht sehen. Wir haben die Kommission gebeten, Vorschläge auszuarbeiten, wie wir das Instrumentarium, das uns zur Verfügung steht, weiter verbessern können. Wir werden diese Vorschläge im Oktober im Europäischen Rat diskutieren und auch entsprechende Entscheidungen treffen. Ich will Ihnen zusätzlich die Antwort mit zwei Punkten aus meiner Sicht geben. Erstens. Wir erleben auf der Welt Wettbewerb, der einfach objektiv besser geworden ist, als er in der Vergangenheit war, und uns herausfordert. Dem müssen wir uns mit besseren Wettbewerbsbedingungen in unserem eigenen Land stellen. Zweitens. Wir sehen aber auch Subventionen, massive Überkapazitäten. Wir sehen vor allem Verzerrungen durch künstlich niedrig gehaltene eigene Währungen. Das ist der Teil des Wettbewerbs, den wir als unfair bezeichnen. Das ist kein fairer Wettbewerb mehr, und gegen diesen Teil des Wettbewerbs, den unfairen Teil des Wettbewerbs, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – wollen wir vorgehen. Wir wollen auf der Basis von Reziprozität – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – diesen Handel auch in Zukunft weiterentwickeln. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Sebastian Roloff (SPD): Ich danke Ihnen für die Antwort. – Ich darf noch mal konkret nachfragen: Wir haben mit dem International Procurement Instrument in diesem Monat seitens der EU eine sehr konkrete Maßnahme, die chinesische Anbieter bei öffentlichen Aufträgen für Medizinprodukte über 5 Millionen Euro ausschließt – „Buy China“ wird von China ja schon seit Jahren gelebt –, was als Reaktion natürlich Sinn macht. Können Sie sich vorstellen, dass so was Schule macht, oder war das eher ein Einzelfall auf Basis dessen, was Sie gerade als Ihre Linie im Europäischen Rat skizziert haben? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir sind und auch ich bin immer für offenen und fairen auch globalen Handel. Davon haben wir immer profitiert. Aber Handel muss eben fair sein. Und wenn er nicht auf der Basis von Gegenseitigkeit stattfindet, dann müssen wir uns über Instrumente unterhalten, wie wir uns gegen solchen unfairen Wettbewerb zur Wehr setzen können. Das tun wir. Ich habe sehr viel Sympathie dafür, dass wir in diese Richtung gehen, die die Kommission vorgeschlagen hat. Ich will allerdings auch hinzufügen: Ich möchte nicht, dass wir hier in Deutschland alleine Entscheidungen treffen, sondern dass wir die Handelspolitik immer eng abstimmen mit unseren europäischen Partnern, und genau das tun wir zurzeit in der Europäischen Union. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir fahren fort. – Jetzt ist Bündnis 90/Die Grünen dran mit Frau Abgeordneter Katharina Dröge. Bitte. Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, Sie sprechen von Reformen, doch an vielen Stellen ist die Politik Ihrer Regierung eine harte Sparpolitik zulasten derjenigen, die am dringendsten unsere Unterstützung bräuchten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mich hat in Köln eine Mutter von zwei Kindern angesprochen, beide Kinder mit Behinderung, beide Kinder pflegebedürftig. Diese Mutter war in dem Gespräch verzweifelt angesichts dessen, was Ihre Regierung plant – verzweifelt, dass es jetzt Pläne gibt, ausgerechnet die Rentenpunkte für Frauen zu kürzen, die Kinder oder ältere Menschen pflegen, und damit die Altersarmut von Frauen im Zweifel noch zu verschärfen, verzweifelt aber auch, weil die Unterstützung im Alltag, etwa bei der täglichen Hilfe, gekürzt werden soll, weil die Eingliederungshilfe gekürzt werden soll. Ich finde, eine Politik, die ausgerechnet Druck auf Familien ausübt, ausgerechnet auf diejenigen, die doch eigentlich am Limit sind, ist eine harte und kalte Politik. Deswegen, Herr Bundeskanzler, bitte ich Sie, darüber noch einmal nachzudenken und diese Politik zu korrigieren. Viele Familien im Land wären ansonsten vollständig am Limit. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stephan Brandner [AfD]: Das war doch keine Frage!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielen Dank für diese Frage. (Stephan Brandner [AfD]: Das war keine Frage!) Sie betrifft ja mindestens zwei gegenwärtige Vorhaben: Die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und die Reform der Pflegeversicherung. Und sie betrifft auch das Sozialgesetzbuch VIII und IX. Wir sprechen im Augenblick über notwendige Maßnahmen, um einzusparen. Ich beziehe mich ausdrücklich auf eine Verabredung, die wir mit den Ministerpräsidenten herbeizuführen versuchen, nämlich dass wir im Sozialgesetzbuch VIII und im Sozialgesetzbuch IX die Wunsch- und Wahlleistungen begrenzen, die dort heute möglich sind. Aber oberstes Ziel ist immer, dass wir Familien, insbesondere dann, wenn sie mit Menschen mit Behinderungen umzugehen haben, helfen und dass wir ihnen jede Möglichkeit bieten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, und den Kindern ermöglichen, an der schulischen Ausbildung teilzunehmen. Das ist ein wichtiges Ziel, das wir erreichen wollen. Wir legen wirklich größten Wert darauf, dass diejenigen, die die Hilfe unseres Landes brauchen, die die Hilfe der Solidargemeinschaft brauchen, diese Hilfe auch in Zukunft bekommen. Da darf es keine Einschränkungen geben, die für diese betroffenen Personen und Familien – Präsidentin Julia Klöckner: Danke. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – unzumutbar sind. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage, bitte. Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, wenn Sie das sagen, dann könnten Sie hier heute im Deutschen Bundestag die klare Aussage treffen, dass die Kürzung der Rentenpunkte für pflegende Angehörige nicht kommt, dass die Kürzung bei der Verhinderungspflege nicht kommt. Das sind die Antworten, die die Menschen von Ihnen erwarten, und Sie könnten eine gerechtere Politik machen. Wenn es am Ende eine Frage der Finanzierung ist, die Sie beschäftigt – und ich verstehe, dass Reformen auch Finanzbedarf haben –, dann haben Sie andere Möglichkeiten. Es gibt diejenigen mit den stärksten Schultern in unserem Land. Sie könnten beispielsweise die Erbschaftsteuer reformieren und Menschen, die 300 Wohnungen erben, stärker in die Verantwortung nehmen. Das sind konkrete Vorschläge, die zu mehr Gerechtigkeit in unserem Land führen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin Dröge, Umverteilung hat selten geholfen, größere gesellschaftliche Probleme zu lösen. (Beifall bei der CDU/CSU – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch! Ehrlich gesagt schon! – Zuruf von der Linken: Unglaublich!) Wir wollen diesen Familien auch in Zukunft helfen. Wir haben einen Gesetzentwurf zur Reform der gesetzlichen Krankenversicherung und zur Reform der gesetzlichen Pflegeversicherung vorgelegt. Jetzt ist es am Deutschen Bundestag, hier Entscheidungen zu treffen, die dieses Gesetzgebungsvorhaben abschließen. Deswegen will ich und kann ich dem nicht vorgreifen, was in den Koalitionsfraktionen und auch unter Ihrer Beteiligung im Deutschen Bundestag beschlossen wird. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Jürgen Hardt das Wort. Bitte. Jürgen Hardt (CDU/CSU): Danke schön, Frau Präsidentin. – Lieber Herr Bundeskanzler, nicht zuletzt unter Ihrer Kanzlerschaft ist Deutschland zur führenden Nation bei der Unterstützung der Ukraine geworden, politisch und auch wirtschaftlich. (Lachen bei der AfD – Beatrix von Storch [AfD]: Das ist das Einzige, wo wir führen! Bei der Unterstützung der Ukraine!) Unsere gemeinsame Strategie, die von der breiten Mehrheit dieses Hauses getragen wird, ist ja, die Ukraine so stark zu machen, dass Putin eines Tages an den Punkt kommt, wo er selbst eine Niederlage in Kauf nehmen muss, und dann auf die Idee kommt, vielleicht doch besser über einen fairen Frieden zu verhandeln, als diesen schrecklichen Krieg weiterzuführen. (Tino Chrupalla [AfD]: Wahnsinn! Wahnsinn!) Jetzt sind wir gegenwärtig in einer Situation, wo man vielleicht sagen kann: Seit einigen Monaten hat die Ukraine in vielen Bereichen wieder auch militärisch die Oberhand gewonnen, und auch die Unterstützung ist ja durch die 90 Milliarden Euro der EU verlässlich geworden. Wir kommen vielleicht dem Punkt näher, wo wir darüber reden müssen, wie wir zu einem echten, fairen Frieden kommen können und welchen Beitrag wir leisten können. Das wäre meine Frage: Wie bereitet sich die Bundesregierung darauf vor, dass wir vielleicht in eine neue Phase dieses schwierigen Konflikts eintreten? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege Hardt, wir haben im sogenannten E3-Format, also unter den Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Großbritannien und Deutschland, vor zweieinhalb Wochen in London über diese Frage intensiv beraten, auch in Vorbereitung des G7-Treffens und des Europäischen Rates in der letzten Woche. Ich werde heute Abend hier in Berlin im sogenannten E5-Format die Staats- und Regierungschefs aus Frankreich, Großbritannien, Polen und Italien empfangen. Wir werden genau über diese Frage weiter beraten: Was können wir tun, um der Ukraine weiter zu helfen, und welche Unterstützung können wir leisten, um hier eine diplomatische Lösung zu ermöglichen? Ich will es allerdings noch einmal sehr klar sagen: Es gibt seitens der Ukraine ein konkretes Angebot, zu Gesprächen zusammenzukommen. Der ukrainische Präsident hat am 4. Juni einen Brief an den russischen Präsidenten geschrieben und ihn gebeten und aufgefordert, zu Gesprächen zur Verfügung zu stehen. Das Einzige, was er zur Bedingung gemacht hat – ich denke, das wird jeder verstehen, in seiner Lage –, war: nicht in Moskau, – Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – aber an jedem anderen, beliebigen Ort der Welt. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Zeit! Friedrich Merz, Bundeskanzler: Putin hat sich dieser Begegnung verweigert. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Bundeskanzler, die Zeit ist abgelaufen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Insofern ist es allein seine Entscheidung, auf dieses Angebot einzugehen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Jürgen Hardt (CDU/CSU): Herr Bundeskanzler, jetzt glaube nicht nur ich, dass der wirtschaftliche Druck auf Russland tatsächlich wirkt. Allerdings gibt es weiterhin Lücken im System der Sanktionen gegen Russland, Stichwort „Schattenflotte“. Andere Nationen könnten sich noch stärker daran beteiligen, zum Beispiel Indien. Gibt es Bemühungen der Bundesregierung, den Kreis derer, die die Ukraine auch in diesem Sinne unterstützen, zu erweitern? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ja. Wir haben damit auch einigen Erfolg. Wir haben in der letzten Woche, am Ende des G7-Treffens in Évian, erstmalig mit dem amerikanischen Präsidenten ein gemeinsames sogenanntes Leaders’ Statement abgegeben – mit Beteiligung des amerikanischen Präsidenten –, das klar auch an Russland adressiert war und auch eine Aufforderung an Russland enthielt, den Krieg zu beenden. Wir haben mit dem brasilianischen Staatspräsidenten und dem indischen Staatspräsidenten gesprochen, und wir haben alle gebeten, mitzuwirken und mitzuhelfen, dass dieser schreckliche Krieg möglichst schnell beendet wird. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Die erste Fraktionsfragerunde beschließt die Fraktion Die Linke mit Frau Abgeordneter Janine Wissler. Bitte. Janine Wissler (Die Linke): Herr Bundeskanzler, Sie haben angekündigt, die Vorschläge der Rentenkommission vollständig umzusetzen. Einer der Vorschläge ist, das Renteneintrittsalter weiter zu erhöhen und den früheren Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Nun ist es ja so, dass in vielen Berufen die Beschäftigten schon heute nicht das Renteneintrittsalter erreichen. Bei den Beschäftigten in der Pflege, in der Logistik oder auf dem Bau liegt das durchschnittliche reale Renteneintrittsalter bei knapp über 63 Jahren. Die Menschen, die körperlich hart arbeiten, die im Schichtdienst arbeiten, gehen dann in Rente, wenn der Körper nicht mehr kann, und das ist deutlich vor 65 oder 67. Wenn das Renteneintrittsalter jetzt weiter erhöht wird, bedeutet das, dass die Menschen, die jahrzehntelang körperlich hart gearbeitet haben, mit hohen Abschlägen in die Rente gehen müssen. Das bedeutet, die Erhöhung des Renteneintrittsalters ist eine Rentenkürzung. Meine Frage an Sie: Halten Sie das für gerecht? Und sind Sie persönlich der Meinung, dass man mit 67, 68, 69 Jahren noch Busse und Lkws fahren kann, in der Pflege arbeiten kann oder Krankenhäuser putzen kann? (Beifall bei der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich widerspreche Ihnen zunächst einmal in der Analyse. Wir haben von der Kommission Vorschläge gesehen – und die werden wir uns gegebenenfalls zu eigen machen –, das Renteneintrittsalter mit der Lebenserwartung zu verbinden und damit anzuheben. Wenn die Menschen länger leben und älter werden, dann müssen sie, um ein auskömmliches Einkommen im Alter zu erzielen, wenigstens einen Teil davon auch länger arbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU) Das ist möglich, und das werden wir auch machen müssen, damit dieses System in sich trägt. Aber ich will es noch einmal sehr deutlich sagen: Es gibt keine Kürzungen der gesetzlichen Rente. (Mirze Edis [Die Linke]: 3,6 Prozent pro Jahr!) Alle Behauptungen, die in diesen Tagen dazu aufgestellt worden sind, sind falsch. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Selbstverständlich wird Rücksicht auf diejenigen genommen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht älter – – (Tino Chrupalla [AfD]: … nicht älter werden, ja!) länger arbeiten können, wenn sie älter werden. Das wird durch entsprechende Mechanismen ermöglicht, wird heute im Übrigen schon durch Berufsunfähigkeitsrente und andere Möglichkeiten eingeräumt. (Pascal Meiser [Die Linke]: Die Berufsunfähigkeitsrente, die abgeschafft wurde!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Daran wird sich nichts ändern. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Sie können eine Nachfrage stellen. Bitte. Janine Wissler (Die Linke): Herr Bundeskanzler, ein Vorschlag der Rentenkommission ist ja, dass auch Abgeordnete zukünftig in die gesetzliche Rente einzahlen – ein Vorschlag, den Die Linke schon vor langer Zeit gemacht hat. (Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Das habt ihr abgelehnt!) Das finden wir sehr gut. Die Linke hat gerade einen Antrag dazu eingebracht. Können wir erwarten, dass der Abgeordnete Merz diesem Antrag zustimmt, oder wann ist mit einer Initiative aus den Regierungsfraktionen zu diesem Thema zu rechnen? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin Wissler, Sie können erwarten, dass der Abgeordnete Merz einem Gesamtpaket zur Reform unseres Alterssicherungssystems zustimmt. Ich hoffe, dass ich genau zu der Gelegenheit zustimmen kann, wenn wir Ende des Jahres darüber abstimmen, und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihrerseits dann auch diesen Vorschlägen zustimmen würden. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen zur zweiten Fraktionsrunde. Für die AfD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Ulrike Schielke-Ziesing das Wort. Bitte. Ulrike Schielke-Ziesing (AfD): Herr Bundeskanzler, in Ihrer Pressekonferenz gestern haben wir eine seltene Einigkeit zwischen Ihnen und Ihrer Kollegin Bas erleben können, was die versprochene Umsetzung der jetzt vorliegenden Vorschläge der Kommission angeht. Das freut uns als AfD natürlich besonders; denn die Kommission hat bekanntlich unser langfristiges Ziel, nämlich eine Nettoersatzquote von 70 Prozent über alle Säulen der Alterssicherung, in ihren Bericht aufgenommen. Dazu ist nun unter anderem ein Einstieg in die Kapitaldeckung geplant. Nach Ihren Worten sollen die Rentenbeiträge sinken, und das Versorgungsniveau soll steigen. Laut Bericht sollen aber die Beiträge auf 20,6 Prozent steigen. Dazu kommen weitere Beitragssatzsteigerungen durch die Kürzungen bei den Zuschüssen zur Rente, die Herr Klingbeil, Ihr Finanzminister, angekündigt hat. Meine Frage daher: Warum täuschen Sie hier die Öffentlichkeit? (Stephan Brandner [AfD]: Mal wieder!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, auch diese Schlussfolgerung teile ich nicht. Ich habe gestern in der Pressekonferenz Bezug genommen auf den Bericht der Kommission, die ihrerseits gesagt hat, dass in der längeren Perspektive ein Gesamtversorgungsniveau von 70 Prozent möglich ist, bei sinkenden Beiträgen und steigenden Leistungen. Das geht aber nur, wenn man die Kombination wählt, die die Kommission vorgeschlagen hat. Und das ist das genaue Gegenteil dessen, was wir aus Ihrer Fraktion zur Absicherung des Altersversorgungsniveaus gehört haben. Sie haben sich in Ihrem Vorschlag nur auf die Rentenversicherung bezogen und haben überhaupt keinen anderen Vorschlag gemacht, wie man es machen könnte. Wir machen es jetzt auf Basis der Vorschläge der Kommission. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Gern. Ulrike Schielke-Ziesing (AfD): Das stimmt so nicht. Wir machen Vorschläge für alle drei Säulen der Alterssicherung. Wer sich mit unserer Arbeit hier beschäftigt, der kennt auch die entsprechenden Anträge, die wir dazu eingebracht haben. (Beifall bei der AfD) Tatsache ist: Die Entwicklung wird, anders als Sie es auf der Pressekonferenz gesagt haben, nicht umgekehrt. Bürger und Unternehmer zahlen nicht weniger, sondern sie zahlen mehr. Die Belastung, die jetzt durch die Beitragserhöhung auf die Unternehmen zukommt, kann man nicht wegdiskutieren, vor allem, weil dazu ja auch noch die Minijobs wegfallen sollen. Bei mir in MV ist das für die Gastronomie ein Riesenproblem. Warum finanzieren Sie die Kapitaldeckung nicht aus Steuermitteln? Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Ulrike Schielke-Ziesing (AfD): Wir haben sehr viel Einsparpotenzial, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit! Ulrike Schielke-Ziesing (AfD): – Stichwort „Ukraine“, Stichwort „Migration und Entwicklungshilfe“. (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, das hängt ganz einfach damit zusammen, dass wir auch bei der Ausgabenstruktur des Bundeshaushaltes andere Prioritäten setzen als Sie. (Stephan Brandner [AfD]: Ja! Da haben Sie recht! – Ulrike Schielke-Ziesing [AfD]: Schön, dass Sie das sagen!) Das ist aber kein Problem, (Tino Chrupalla [AfD]: Was ist das Problem?) weil es dem Mehrheitswillen hier im Deutschen Bundestag und im Übrigen auch dem Mehrheitswillen der deutschen Bevölkerung entspricht, dass wir genau das tun. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Lachen bei der AfD) Im Übrigen: Das, was ich gestern vorgetragen habe, waren nicht meine Zahlen, sondern die Zahlen der Kommission, einschließlich eines längeren Überbrückungszeitraums. Und den werden wir brauchen, damit wir das System so gerecht machen können, wie es gestern skizziert worden ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur SPD-Fraktion, und Frau Abgeordnete Dr. Lina Seitzl hat das Wort. Bitte. Dr. Lina Seitzl (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, unsere Parteien haben sich im Koalitionsvertrag auf eine BAföG-Reform geeinigt. Die Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker unserer Fraktionen haben die Inhalte miteinander vereinbart; Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär haben sich gemeinsam auf eine Finanzierung geeinigt. Die Ansätze dazu sind bereits in den Eckwerten zum Bundeshaushalt 2027 zu finden. Dorothee Bär hat auch angekündigt, dass sie die BAföG-Reform Ende Juli ins Kabinett bringen möchte. Deswegen meine Frage: Können sich Studierende, junge Menschen in Ausbildung und ihre Familien darauf verlassen, dass die von der Koalition erzielten Einigungen nun auch wie vereinbart umgesetzt werden? (Beifall bei der SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, wir sind in diesen Tagen intensiv in den Beratungen über die Aufstellung des Bundeshaushaltes 2027. Wir haben uns vorgenommen, den entsprechenden Kabinettsbeschluss im Monat Juli zu treffen. Und ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Tagen eine Lösung finden werden, um dem berechtigten Anliegen der Studierenden in Deutschland gerecht zu werden. Ich habe in Ihrer Bundestagsfraktion gesagt, als ich dort vor einiger Zeit zu Besuch gewesen bin: Ich möchte, dass wir das gemeinsam so lösen, wie Dorothee Bär und Lars Klingbeil das miteinander verabredet haben. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. Dr. Lina Seitzl (SPD): Vielen Dank, Herr Bundeskanzler, das sind doch gute Nachrichten. Konkret gefragt: Mit welchen konkreten Leistungsverbesserungen können Studierende und Auszubildende im Wintersemester 2026/27 rechnen, und wieso ist es aus Ihrer Sicht wichtig, dass Studierende und Auszubildende bessere BAföG-Leistungen erhalten? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich glaube, der zweite Teil der Frage beantwortet sich fast schon von selbst. Wir haben gemeinsam ein hohes gesellschaftspolitisches Interesse daran, dass junge Menschen in unserem Land nicht nur eine gute universitäre Ausbildung in Anspruch nehmen können, sondern auch eine gute duale Ausbildung. Deswegen ist wichtig, dass wir da auch entsprechend für die berufliche Bildung Entscheidungen treffen. Aber ich kann und will dem Haushaltsgesetzgeber nicht vorgreifen. Die entsprechenden Gespräche werden jetzt in diesen Tagen geführt. Noch einmal: Ich gehe davon aus, dass wir miteinander eine zufriedenstellende Lösung finden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Sara Nanni das Wort. Bitte sehr. Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie waren am Sonntag hier am Bundestag auf dem Veteranentag. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ja. Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie haben dort auch Einsatzveteraninnen und -veteranen getroffen, die ihren Dienst in Afghanistan geleistet haben. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ja. Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Diese Menschen haben dort bittere Entbehrungen in Kauf nehmen müssen, sind an Körper und Seele verwundet worden, haben vielleicht Kameraden verloren. Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist ein Einsatz, dem auch Sie persönlich, als Abgeordneter, hier im Deutschen Bundestag mehrfach zugestimmt haben. Jetzt beobachte ich, wie diese Bundesregierung die Taliban normalisiert. Im November 2025 wird die Botschaft, die einst der Republik Afghanistan gehörte, den Taliban zugänglich gemacht. Jetzt sollen weitere Beamte nach Deutschland kommen. Dieser Einsatz war ja auch dazu gedacht, die Taliban zu bekämpfen und sie von der Macht fernzuhalten, um unter anderem auch Frauen ein würdevolles Leben in Afghanistan zu ermöglichen. Jetzt normalisieren Sie die frauenverachtenden islamistischen Taliban. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ich frage Sie: Halten Sie das für angemessen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, sehen Sie es mir nach, wenn ich Ihnen widerspreche: Wir normalisieren dieses Regime nicht. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Doch, natürlich! – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie akkreditieren sie!) Wenn ich mir erlauben darf, die Antwort vollständig zu geben: Diplomatische Beziehungen gibt es zwischen Staaten und nicht zwischen Regierungen, und es hat zu Afghanistan immer diplomatische Beziehungen gegeben. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie akkreditieren sie!) Zurzeit werden diese diplomatischen Beziehungen durch ein oder zwei Vertreter dieses Regimes ausgeübt. Und der Bundesinnenminister führt mit diesen Vertretern Gespräche (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ganz schlimm, was der macht! – Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) über die Rückführung von in Deutschland straffällig gewordenen männlichen afghanischen Staatsbürgern. (Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und ich will es hier deutlich sagen: Er hat meine volle und uneingeschränkte Unterstützung bei dem, was er da tut. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was unterscheidet die Taliban von 2001 bis 2009 – zu diesen Zeitpunkten haben Sie zugestimmt, dass sie bekämpft werden müssen –, die deutsche Soldatinnen und Soldaten angegriffen haben und der größte Schreck für die Frauen im Land waren, was unterscheidet diese Taliban von den Taliban, denen Sie jetzt die Hand reichen, Herr Merz? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Noch einmal: Frau Kollegin, wir reichen diesem Talibanregime nicht die Hand, sondern es wird auf der notwendigen technischen Ebene eine Zusammenarbeit gesucht, die im nationalen Interesse unseres Landes liegt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und diese Zusammenarbeit auf der denkbar untersten technischen Ebene nehmen wir wahr, (Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) damit wir – ich wiederhole es – in Deutschland straffällig gewordene männliche afghanische Staatsbürger in dieses Land zurückführen können; und das wird auch weiter so stattfinden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber wer macht das denn jetzt? Dobrindt selbst?) Präsidentin Julia Klöckner: Diese Frage ist jetzt abgeschlossen. Wir kommen zur nächsten. Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Marc Biadacz das Wort. Bitte. Marc Biadacz (CDU/CSU): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, noch mal vielen Dank, dass Sie auch in Ihrem Eingangsstatement auf die Alterssicherungskommission eingegangen sind. Ich will auch noch mal von dieser Stelle, von uns Parlamentariern, Danke sagen: an die Kommissionsvorsitzenden, an die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, aber vor allem auch an unsere drei Abgeordneten Florian Dorn, Pascal Reddig und Annika Klose. Herzlichen Dank für dieses gute Konzept! (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Herr Bundekanzler, ich glaube, es ist jetzt ganz wichtig für uns als Koalition und auch für uns in den Arbeitsgruppen, diese 33 Vorschläge, die jetzt auf dem Tisch liegen, als ein Gesamtkonzept zu sehen. Denn wir haben es eben schon gehört, dass Sie es der AfD noch mal erklären mussten: Was ist eigentlich eine Haltelinie, und was ist nachher das Niveau? – Deswegen die Frage an Sie: Wie schnell können wir diese 33 Vorschläge in den parlamentarischen Beratungen dann auch umsetzen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir haben in der Koalition bereits darüber gesprochen und auch heute am Rande der Kabinettssitzung: Wir werden in der nächsten Woche einen Zeitplan miteinander verabreden, und wir denken darüber nach, es in zwei Schritten zu tun: zunächst in Eckpunkten im Kabinett und anschließend in den Gesetzentwürfen; es werden wahrscheinlich mehrere sein, weil doch mehrere Gesetze betroffen sein werden, die geändert werden müssen. Diese Arbeit soll über die Sommerpause geleistet werden. Das ist eine sehr umfangreiche Arbeit, die da geleistet werden muss. Und wenn es gut geht, dann werden wir im Herbst im parlamentarischen Verfahren sein, und dann liegt es in der Hand des Deutschen Bundestages, wie schnell die entsprechenden Entscheidungen getroffen werden. Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir bis zum Jahresende zu einem Abschluss kommen. Ich will da den parlamentarischen Beratungen nicht vorgreifen und auch nicht eingreifen; es ist Ihr gutes Recht, das dann auch ausführlich zu beraten. Aber ich denke, für die Bevölkerung wäre es wichtig und gut, Klarheit und Sicherheit zum Ende des Jahres 2026 zu haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. Marc Biadacz (CDU/CSU): Herr Bundeskanzler, ich kann das nur bestätigen und Sie da auch bestärken, das gemeinsam mit Ihrer Kollegin Bärbel Bas jetzt genau so aufzusetzen. Wir Arbeitsmarktpolitikerinnen und -politiker beider Fraktionen, SPD und CDU/CSU, sind dazu bereit. Wenn wir die Unterstützung haben, machen wir das. Deswegen: Klares Kommando voraus! Wir wollen das jetzt umsetzen. Wir haben richtig Lust darauf. (Lachen bei Abgeordneten der AfD) Und das ist auch meine Frage: Teilen Sie dies ebenfalls, und unterstützen Sie es? Dann machen wir das auch so. – Herzlichen Dank! (Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich teile mit Ihnen die Freude über das gefundene Ergebnis. Und diese Freude wird noch größer, wenn das Ganze dann in Gesetzessprache auch im Deutschen Bundestag verabschiedet wird. (Beifall bei der CDU/CSU – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na, da hat Herr Söder ja schon die entsprechende Antwort gegeben!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Stella Merendino das Wort. Bitte sehr. Stella Merendino (Die Linke): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, alle relevanten Akteurinnen und Akteure in unserem Gesundheitswesen warnen vor den katastrophalen Folgen Ihrer GKV-Sparreform. Schon heute sind die Beschäftigten die Leidtragenden, schon heute sind die Patientinnen und Patienten die Leidtragenden. Tarifverträge werden bereits gekündigt, und schon jetzt fliehen die Menschen aus ihrem Beruf. Warum setzt die Bundesregierung auf Einsparungen in der direkten Patientinnen- und Patientenversorgung, statt alle entsprechend ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit an der Finanzierung unseres Gesundheitssystems zu beteiligen? Und können Sie den Menschen heute hier zusagen, dass es zu keinem Personalabbau und zu keiner Verschlechterung der Versorgung für die Patientinnen und Patienten kommen wird? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, wir verfolgen mit der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung zwei Ziele. Zum einen wollen wir die Versorgung in Deutschland verbessern, und zum Zweiten wollen wir das System effizienter und damit kostengünstiger machen. (Zuruf der Abg. Julia-Christina Stange [Die Linke]) Dass das geht, zeigen viele andere Länder auf der Welt. Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit. Die Unzufriedenheit vieler Beteiligter im Gesundheitssystem zeigt, dass wir die Möglichkeiten, die Effizienzen in diesem System nicht genügend nutzen. In Bezug auf den Krankenhaussektor, den Sie besonders angesprochen haben, will ich Ihnen sagen: Wenn wir den Krankenhäusern – den privaten, den gemeinnützigen und den kommunalen Krankenhäusern – den Spielraum geben, den sie brauchen, um zum Beispiel den Personaleinsatz nach eigener Verantwortung zu ermöglichen, statt ihn gesetzlich zu regeln, (Violetta Bock [Die Linke]: Das ist doch kein Spielraum!) dann werden wir sehen, dass sich die Versorgung dort verbessert und die Kosten gleichzeitig nicht weiter steigen. Und genau das ist das Ziel, das wir mit diesem Gesetz verfolgen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf der Abg. Isabelle Vandre [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. Stella Merendino (Die Linke): Durch BMG-Leaks wurde gestern in der Medienberichterstattung bekannt, dass das Pflegebudget und die verpflichtende Anwendung der PPR 2.0 abgeschafft werden sollen. Aus der PPR 2.0 ergeben sich wichtige Personalschlüssel entsprechend der Komplexität der Behandlungsfälle der jeweiligen Patientinnen und Patienten. Das bedeutet, dass quasi eine Ratio errechnet wird, wie viele Patientinnen und Patienten je nach Komplexität pro Pflegekraft versorgt werden können, sodass diese auch wirklich sicher behandelt werden und dass kein Menschenleben gefährdet wird. Gibt es unter Ihnen tatsächlich diese Gespräche, beides abzuschaffen? Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit, bitte. Stella Merendino (Die Linke): Entschuldigung. Präsidentin Julia Klöckner: Aber das war ja eine Frage. Danke. Stella Merendino (Die Linke): Und ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie die Warnungen der Expertinnen und Experten ignorieren und den Patientenschutz in die Tonne kloppen – Präsidentin Julia Klöckner: Ja, die Zeit ist abgelaufen. Ich muss Sie unterbrechen. Stella Merendino (Die Linke): – und eigentlich wirklich jedem und jeder ins Gesicht spucken mit dieser Reform? Präsidentin Julia Klöckner: Entschuldigung, ich führe hier die Leitung. Ihre Zeit ist abgelaufen. Die Frage ist angekommen. – Bitte. (Zuruf von der CDU/CSU: Und stehen bleiben!) – Und bitte stehen bleiben bei der Antwort. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich habe es akustisch nicht ganz verstanden, was Sie gerade gesagt haben, aber gehen Sie bitte einmal davon aus, dass auch durch die Anhörung, die im Deutschen Bundestag stattgefunden hat, und durch die Vorbefassung im Kabinett, einschließlich der Ressortabstimmung, alle Argumente, auch die der Beteiligten und Betroffenen, sorgfältig abgewogen worden sind und dass wir hier eine Reform vorlegen, die allen Beteiligten am Gesundheitssystem – von der Pharmaindustrie über die Ärzte bis zu den Krankenhäusern, also allen Beteiligten! – (Julia-Christina Stange [Die Linke]: Dann haben Sie die Proteste auf der Straße nicht gesehen!) etwas abverlangt, um dieses System zukunftsfähig zu machen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist nicht der Fall!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Genau das ist unser Ziel. Und dieses Ziel wollen wir und werden wir mit der Reform auch erreichen. (Beifall bei der CDU/CSU – Stella Merendino [Die Linke]: Sie vergessen die Pflege!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke. – Dann hat abschließend in dieser Fraktionsrunde der fraktionslose Kollege Herr Abgeordneter Stefan Seidler das Wort. Bitte. Stefan Seidler (fraktionslos): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, bei Ihnen im Haus und hier im Bundestag beraten wir gerade darüber, wie wir die Kommunen entlasten können. Und das ist auch dringend nötig. Die Lage bei den Kommunen ist dramatisch, nicht nur bei mir im Norden. Vorgaben und Leistungsgesetze des Bundes bringen viele Gemeinden an die Grenze ihrer Handlungsfähigkeit. Das hätten Sie auch so beim Landkreistag hören können, Herr Bundeskanzler. Jetzt plant Ihre Regierung Entlastungen in Höhe von 250 Millionen Euro jährlich für finanzschwache Flächenländer. Bei rund 32 Milliarden Euro Altschulden wirken diese aber wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Für uns in Schleswig-Holstein bleiben da gerade mal 3,3 Millionen Euro übrig. Also strukturelle Probleme lösen wir so nicht. Deshalb meine Frage: Wie soll diese Größenordnung unsere Kommunen spürbar entlasten? Und welche Maßnahmen planen Sie, um die Länder und Kommunen nachhaltig zu stärken? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich teile in wirklich vollem Umfang die in Ihrer Frage zum Ausdruck kommende Sorge um die Handlungsfähigkeit unserer Städte und Gemeinden. Ich teile sie in vollem Umfang. Und für die meisten Menschen unseres Landes findet Demokratie nicht hier im Deutschen Bundestag statt, nicht in den Landtagen, (Stephan Brandner [AfD]: …, sondern gar nicht mehr!) sondern auf der kommunalen Ebene. Deswegen ist die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden auch für mich und für die Bundesregierung ein wirklich überragend wichtiges Ziel unserer Demokratie. Wir haben den Städten und Gemeinden und den drei großen kommunalen Spitzenverbänden Vorschläge unterbreitet, wie wir vor allem auf der Ausgabenseite einen Teil des Problems lösen können. Darüber sprechen wir mit den Ministerpräsidenten. Das wird auch morgen Nachmittag Gegenstand der Ministerpräsidentenkonferenz sein. Und ich habe den Ministerpräsidenten schon vor gut einem Jahr einen intensiven Dialog angeboten, um dieses Problem gemeinsam zu lösen; denn das sind zum Teil Bundesgesetze, die zu diesen Ausgaben, auch zu den Ausgabensteigerungen, auf der kommunalen Ebene führen. Ich hoffe sehr, dass es uns morgen Nachmittag gelingt, hier einen Konsens, eine Übereinstimmung darüber zu erzielen, was wir tun, damit wir die Handlungsfähigkeit der Städte und Gemeinden in Deutschland wiederherstellen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur dritten Fraktionsrunde. Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Dr. Götz Frömming das Wort. (Kassem Taher Saleh [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], auf den Abg. Stefan Seidler deutend: Eine Nachfrage!) – Entschuldigung. – Herr Seidler, wollten Sie eine Nachfrage stellen? Ja, mögen Sie? Stefan Seidler (fraktionslos): Gerne. Präsidentin Julia Klöckner: Bitte. Stefan Seidler (fraktionslos): Vielen Dank, Frau Präsidentin, für die Möglichkeit. – Herr Bundeskanzler, vielleicht können Sie mir dann auch folgenden Sachverhalt erklären: Es ist ja so, dass Sie den finanzschwachen Ländern 250 Millionen Euro jährlich zugestehen und sie dadurch entlasten wollen. Gleichzeitig geben Sie aber den von vornherein finanzstarken Ländern 400 Millionen Euro, um diese zu begünstigen. Können Sie mir erklären, ob das angemessen ist, ob das ein solidarischer Ausgleich ist? Und wieso bekommen die finanzstarken etwas mehr als die finanzschwachen Länder? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Agnes Conrad [Die Linke] und Mirze Edis [Die Linke]) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, das hängt mit der komplizierten Mechanik des Bund-Länder-Finanzausgleiches zusammen und mit dem berechtigten Wunsch der sogenannten finanzstarken Länder, die hohe Beiträge in den Bund-Länder-Finanzausgleich einzahlen, an dieser Entlastung auch teilzunehmen. Deswegen hat es in langen Gesprächen genau diesen Kompromiss mit den Bundesländern gegeben. Das kann der Bund nicht allein entscheiden. Das ist auch immer wieder von der Zustimmung im Bundesrat abhängig. Deswegen hat es nach langen Gesprächen eine Übereinkunft zwischen den 16 Bundesländern und der Bundesregierung gegeben, diesen Weg jetzt gemeinsam zu gehen. Das ist der Kompromiss, den wir mit den Ländern geschlossen haben. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Und nun, wie angekündigt, zur dritten Fraktionsrunde: Herr Dr. Götz Frömming für die AfD. Dr. Götz Frömming (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, im März letzten Jahres wurde der Vizekanzler Bodo Ramelow mithilfe der Union gewählt. (Saskia Esken [SPD]: Vizekanzler? Der heißt, glaube ich, Klingbeil!) – Vizepräsident meine ich. (Saskia Esken [SPD]: Ja! Immer bei den Fakten bleiben!) Zwei Monate später sind Sie in Ihr Amt gekommen, auch mithilfe der Linkspartei. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Das ist doch Unsinn! – Christian Görke [Die Linke]: Das wüsste ich!) Nun hat vor Kurzem der Abgeordnete Pantisano Folgendes gesagt – und ich darf das kurz zitieren –: „Letztlich gibt es […] keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Der Regierungschef von Schleswig-Holstein hat daraufhin Herrn Pantisano zum Rücktritt aufgefordert, andere auch. Ihr eigener Generalsekretär hat seine halbherzige Entschuldigung zurückgewiesen. Wie beurteilen Sie diese Aussage, und was bedeutet sie für Ihre künftige Zusammenarbeit mit der Linksfraktion hier im Bundestag und darüber hinaus? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich gehe zunächst mal davon aus, dass ich bei der Wahl am 6. Mai des letzten Jahres aus dieser Fraktion ganz links keine Stimme bekommen habe. (Beifall bei Abgeordneten der Linken und des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU] – Mirze Edis [Die Linke]: Richtig so!) Aus Ihrer Fraktion ziemlich sicher auch nicht. (Adis Ahmetovic [SPD]: Von uns aber!) Das Einzige, was hier im Haus stattgefunden hat, war eine Verabredung über die Wiederholung der Wahl am selben Tag. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Einstimmig!) Und das ist eine einstimmige Entscheidung gewesen, an der auch Sie beteiligt gewesen sind. Ich bedanke mich dafür, dass Sie wenigstens an dieser Stelle den parlamentarischen Gepflogenheiten nachgekommen sind, (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Mirze Edis [Die Linke]) die eigentlich hier jeden Tag geübt werden sollten. (Tino Chrupalla [AfD]: Nee, machen Sie ja nicht beim Bundestagsvizepräsidenten! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Machen Sie ja nicht!) Aber eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei gibt es nicht, und sie wird es auch in Zukunft nicht geben. (Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja doch! Beim Bundestagsvizepräsidenten! – Zuruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. (Zuruf des Abg. Ates Gürpinar [Die Linke]) – Nein, Entschuldigung, auch wenn es Sie da jetzt juckt. (Heiterkeit im ganzen Hause) Bitte. Dr. Götz Frömming (AfD): Herr Bundeskanzler, ich erlaube mir, Sie darauf hinzuweisen, dass Ihre Wahl am 6. Mai nur dadurch möglich geworden ist, dass Herr Dobrindt vorher den Kotau bei den Linken gemacht hat. Er hat bei Frau Wissler angerufen (Dirk Wiese [SPD]: Was Sie so alles wissen!) und genau das getan, was eigentlich nach Ihrem eigenen Parteitagsbeschluss nicht sein sollte. Der lautet nämlich: „Die CDU […] lehnt Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit […] mit der Linkspartei […] ab.“ Also wenn das keine Zusammenarbeit war, weiß ich auch nicht. Können Sie uns bitte sagen, dass es keine weiteren Formen dieser Art von Zusammenarbeit nach den Landtagswahlen im September geben wird? Wird es möglicherweise eine Koalition zwischen CDU und Linksfraktion in Sachsen-Anhalt geben oder andere Formen der Zusammenarbeit? Präsidentin Julia Klöckner: Danke, Ihre Zeit ist abgelaufen. Dr. Götz Frömming (AfD): Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich habe diese zweite Frage von Ihnen eben schon einmal beantwortet, und ich will es noch mal mit dem Rückgriff auf das letzte Jahr tun. Ich finde, wenn selbst bei sehr großen politischen Unterschieden im Deutschen Bundestag Verfahrensfragen gemeinsam miteinander geklärt werden können, wie es unsere Geschäftsordnung vorsieht, (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) dann ist das keine Zusammenarbeit, sondern eine normale parlamentarische Gepflogenheit, an der ich gerne festhalten würde, wenn es denn eben möglich ist. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und das hat mit einer Koalition oder einer ähnlichen Zusammenarbeit nun wahrlich gar nichts zu tun. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Es hat damit nichts zu tun. (Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Damit haben Sie die Frage nicht beantwortet! – Gegenruf des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Die großen Fragen des Landes formuliert heute die AfD!) Präsidentin Julia Klöckner: Wir gehen weiter zur SPD-Fraktion. Herr Abgeordneter Johannes Schätzl hat das Wort. Bitte. Johannes Schätzl (SPD): Herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, Sie haben vor einiger Zeit in aller Deutlichkeit gesagt, dass Sie mit Blick auf die geopolitische Lage, aber auch mit Blick auf die eigene Souveränität keine chinesischen Komponenten in einem 6G-Netz zulassen werden. Meine Frage bezieht sich auf einen möglichen zweiten Schritt. Wir wissen, dass in einem zukünftigen Mobilfunknetz viele Komponenten wiederverwendet werden, die wir in der aktuellen Generation sehen. Teilen Sie die Einschätzung, dass es ein Fehler wäre, wenn wir nicht bereits jetzt, wenn im aktuellen Mobilfunknetz Antennen getauscht werden, darauf achten würden, dass wir den Anteil an chinesischen Komponenten reduzieren? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege, für diese Frage. – Ich will noch einmal einen kurzen Schritt zurückgehen, um zu erläutern, warum ich das für richtig halte. Ich habe eben das Wort „Reziprozität“ in den Mund genommen und gesagt: Ein fairer Handel kann nur auf der Basis von Gegenseitigkeit stattfinden. – Europäische Telekommunikationsunternehmen haben praktisch keinen Zugang zu den Netzen in dem von Ihnen gerade genannten Land. Deshalb gibt es aus meiner Sicht, wenn Sicherheitsbedenken hinzutreten, auch keinerlei Veranlassung, Erzeugern aus diesem Land den Zugang in die Europäische Union oder in die Bundesrepublik Deutschland zu eröffnen. Ich habe dagegen aus handelspolitischer Sicht und aus sicherheitspolitischen Gründen erhebliche Bedenken. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Das 6G-Netz ist im Übrigen noch gar nicht entwickelt; das kommt erst noch. Aber ich weiß aus den betroffenen Unternehmen, dass sie schon jetzt dabei sind, die Komponenten, wo immer möglich, auszutauschen. Wir haben die eigenen Hersteller in Europa, und wir sollten sie auch nutzen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Bitte. Johannes Schätzl (SPD): Herzlichen Dank, Herr Bundeskanzler. – Jetzt blicke ich noch mal aufs Mobilfunknetz: Der Anteil chinesischer Hersteller bei den Komponenten liegt bei über 60 Prozent. Ist deswegen der Handlungsdruck nicht noch größer, wenn wir über die sicherheitspolitische Lage reden, wenn wir wissen, dass auch beispielsweise eine Drohnenabwehr über das Mobilfunknetz abgewickelt werden soll? Und meine konkrete Frage: Was sind die nächsten Schritte? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir entwickeln im Augenblick in der Bundesregierung über den Nationalen Sicherheitsrat zusammen mit den beteiligten Bundesministerien, vor allen Dingen dem Auswärtigen Amt, dem Verteidigungsministerium und dem Innenministerium, eine umfassende Sicherheitsstrategie auch für unsere Infrastruktur. Und dieses Thema wird dabei eine prominente Rolle spielen; denn wir werden unsere Infrastruktur wesentlich besser schützen müssen, als wir das in der Vergangenheit getan haben. Das betrifft sowohl Bedrohungen von außen als auch Bedrohungen im System selbst. Deswegen befassen wir uns mit dieser Frage sehr intensiv und kommen auch dem nach, was Sie hier zu Recht als eine Sorge genannt haben; das ist auch unsere Sorge. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. – Dann fahren wir weiter mit Bündnis 90/Die Grünen fort. Herr Abgeordneter Michael Kellner hat das Wort. Bitte. Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie waren in den 80er-Jahren Referent bei der chemischen Industrie. Die chemische Industrie hat gerade gesagt: Ihr Gebäudemodernisierungsgesetz ist ziemlicher Unsinn. – Sie waren im Aufsichtsrat von BlackRock. Aus der Deutschen Bundesbank verlautet gerade: Wir brauchen mehr Tempo bei der Energiewende, nicht weniger. Alles andere wäre Unsinn. – Sie waren in den 80er-Jahren Richter in Saarbrücken. Jetzt sagt der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages: Es gibt erhebliche Zweifel, ob das Gebäudemodernisierungsgesetz vereinbar mit unserer Verfassung ist. (Zuruf des Abg. Tino Chrupalla [AfD]) Das heißt, Ihre Biografie müsste Sie eigentlich sehr gut vorbereitet haben auf meine Frage: Wollen Sie nicht nur der Bundeskanzler sein, der im Kabinett ein möglicherweise verfassungswidriges Gesetz durchgewunken hat, sondern wollen Sie dieses Heizungsgesetz auch noch im Deutschen Bundestag beschließen, so industriefeindlich, wie es ist? Und wollen Sie als Großvater eigentlich das Klima schrotten, nur weil Sie Robert Habeck nicht leiden können? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zurufe von der CDU/CSU: Oh!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kellner, vielen Dank, dass Sie meine früheren beruflichen Tätigkeiten, wenn auch unvollständig, hier wiedergegeben haben. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja, allerdings unvollständig!) Wir beurteilen selbstverständlich Gesetzgebungsverfahren immer auch unter Beteiligung der beiden Verfassungsressorts. Das ist nicht das Bundeskanzleramt, sondern das sind das Bundesjustizministerium und das Bundesinnenministerium, und die sind beide in der üblichen Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass dieses Gebäudeenergiegesetz, das wir vorgelegt haben, mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Ich habe auch aus meiner früheren Tätigkeit als Richter am Amtsgericht in Saarbrücken keinerlei Veranlassung, an der Richtigkeit der Aussage zu zweifeln, die heute aus dem BMJV und aus dem BMI kommt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wenn ich das nächste Mal mehr Zeit habe, gehe ich gerne weitere biografische Stationen durch. (Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die KlimaUnion – Ihre KlimaUnion! –, der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages, Sachverständige in der Anhörung im Ausschuss: Sie alle haben riesige Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit dieses Gesetzes. Daher frage ich Sie: Sind Sie davon überzeugt, dass dieses Gesetz, so wie es ist, verfassungsgemäß ist? Ja oder nein? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, es gibt ja kaum ein Gesetz, das in Deutschland beraten wird, an dem nicht verfassungsrechtliche Zweifel geäußert werden. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch Unsinn! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt doch gar nicht!) Insofern befindet sich dieses Gebäudeenergiegesetz in guter Tradition. Noch einmal: Wenn wir im Kabinett ein solches Gesetz als Entwurf verabschieden, dann ist es geprüft, und ich habe keinerlei Veranlassung, an der Prüfung zu zweifeln. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD] – Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Tilman Kuban das Wort. Bitte. Tilman Kuban (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, Sie haben in der letzten Woche sowohl beim G7-Gipfel als auch beim Europäischen Rat das Thema Wettbewerbsfähigkeit ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt. Sie haben mit dafür gesorgt, dass die Handelsabkommen beispielsweise mit Mercosur, Indien, Australien, Indonesien, Mexiko im letzten Jahr auf den Weg gebracht werden konnten. Jetzt konnte auch der EU-US-Trade-Deal finalisiert werden. Vielleicht können Sie uns einen Einblick geben, wie Sie mit diesem für die deutsche Wirtschaft richtigen, wenn auch nicht ganz perfekten Abkommen am Ende die US-EU-Wirtschaftsbeziehungen wieder auf einen neuen Weg, auf einen Wachstumskurs bringen können nach Ihren Gesprächen beim G7-Gipfel, auch mit dem amerikanischen Präsidenten. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, auch vielen Dank für diese Frage. – Es ist in der Tat meine feste Überzeugung, dass die Europäische Union auch durch eine größere Zahl von Handelsabkommen in der Welt gestärkt werden muss, vor allen Dingen mit Ländern und Regionen, die unsere Überzeugungen und unsere Werte in Bezug auf freien Handel, offene Grenzen und niedrige Zölle teilen. Die Zahl der Länder, die das so sehen, hat in den letzten Jahren nicht unbedingt zugenommen; aber es gibt immer noch große Wirtschaftsräume, wie zum Beispiel in Südostasien, wie zum Beispiel in Südamerika, die genau das mit uns teilen. Deswegen habe ich auch darauf Wert gelegt, dass wir schnell zu einer Entscheidung über das Handelsabkommen mit Indien kommen. Es hat viel zu lange gedauert mit dem Handelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten; aber es ist Gott sei Dank jetzt, jedenfalls vorläufig, in Kraft. Das alles entspricht einer Strategie, die ich mit der Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Rat teile. Deswegen haben wir es auch mit Mehrheit so auf den Weg gebracht. Das Abkommen mit den USA ist im Europäischen Parlament jetzt Gott sei Dank verabschiedet worden und kann in Kraft treten. Ich gehe davon aus, dass sich beide Seiten, die Europäische Union und die Vereinigten Staaten von Amerika, an Geist und Buchstaben dieses Abkommens halten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage. Tilman Kuban (CDU/CSU): Herr Bundeskanzler, Sie haben gemeinsam mit den Kollegen beim G7-Gipfel auch verabredet, dass man die Abhängigkeit von einzelnen Lieferantenländern außerhalb der G7 gerade bei dem Thema Rohstoffe verringern möchte und bei seltenen Erden und kritischen Rohstoffen auf unter 60 Prozent senken möchte. Welche konkreten Maßnahmen möchten Sie jetzt ergreifen, um das Thema Rohstoffabbau, das Thema Rohstoffverarbeitung, aber auch die Diversifizierung des Rohstoffeinkaufes in den nächsten Jahren anzugehen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir haben genau diese Verabredung getroffen im G7-Kreis – übrigens erstmalig in dieser Detailtiefe –, indem wir uns über ein entsprechendes Dokument über Resilienz und Rohstoffabhängigkeit miteinander verständigt haben. Es gibt eine entsprechende Verabredung auch über die Zusammenarbeit in der Beschaffung, in der Finanzierung. Das wird jetzt auch weiter ausgearbeitet. Parallel dazu arbeiten wir in der Bundesregierung intensiv an der Rohstoffversorgung unseres Landes, zusammen mit den europäischen Partnern. Dies ist ein Thema, das mittlerweile eine hohe Priorität in der Wirtschaftspolitik hat, eine hohe Priorität auch bei der Zusammenarbeit in der Europäischen Union, eine hohe Priorität auch bei den Partnern, die in diesen Fragen so denken wie wir. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: In dieser Runde hat nun Herr Kollege Ates Gürpinar, Fraktion Die Linke, das Wort. Bitte sehr. Ates Gürpinar (Die Linke): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Merz, 87 Prozent der Menschen in diesem Land sind unzufrieden mit Ihrer Politik. Eine ebenso große Mehrheit lehnt Kürzungen in der Pflege, im Gesundheitsbereich und in der Rente ab. Sie haben genug von Ihrer Kürzungspolitik und tragen diese Wut auch auf die Straße. Und trotzdem legen Sie weiter die Kettensäge an den Sozialstaat an. Ein Beispiel. Eine in Vollzeit arbeitende Erzieherin, gesetzlich pflichtversichert, muss in Zukunft auch noch für ihren familienversicherten Partner mitzahlen. Ihr Einkommen wird auch noch für ihre zu pflegende Mutter herangezogen, und ihr Sohn, der schon jetzt 30 Wochen auf einen Therapieplatz warten muss, wird durch Ihre Reform noch länger ohne Behandlung bleiben. Wie erklären Sie ihr und den Millionen anderen, denen Sie den letzten Euro aus der Tasche ziehen wollen, dass sie bei schlechterer medizinischer Versorgung mehr zahlen sollen, anstatt dass Sie endlich diejenigen beteiligen, die genügend Geld haben? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Sehen Sie, Herr Kollege, wir teilen auch erneut die Beschreibung der Lage nicht. Natürlich gibt es familiäre Schicksale, und natürlich wollen wir da auch Einzelfällen gerecht werden und ein System zukunftsfähig machen, das gerade diesen Familien und diesen Betroffenen hilft. Aber nur mit mehr Geld und nur mit mehr Umverteilung ist das Problem nicht zu lösen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]) Deswegen bleibt es dabei: Wir haben hier einen offensichtlich tiefgreifenden Dissens in der Beschreibung der Lage und auch einen tiefgreifenden Dissens in der Beschreibung der Lösungsmöglichkeiten. Das ist aber kein Drama; das können wir miteinander haben; so ist Demokratie. Wir haben eine andere Überzeugung, und wir werden eine andere Entscheidung treffen als die, die Sie uns hier gerade vorgeschlagen haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dr. Franziska Kersten [SPD]) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Sie können eine Nachfrage stellen. Ates Gürpinar (Die Linke): Herr Merz, zum einen teilen wir die Überzeugung von 87 Prozent der Menschen in diesem Land, die mit Ihren Veränderungen nicht einverstanden sind. (Beifall bei der Linken) Zum anderen habe ich Beispiele für Betroffene genannt: Menschen mit familienversicherten Partnern, Menschen, die für zu pflegende Angehörige mitbezahlen sollen, und Menschen, die auf einen Therapieplatz schon 30 Wochen warten. Eine Frage noch. Sie behaupten, der Sozialstaat sei nicht mehr finanzierbar. Aber wieso halten Sie daran fest, dass die reicheren Menschen in die Privatversicherung gehen können oder dass Menschen wie Sie als privatversichert Geborene niemals die solidarische Versicherung mitfinanzieren müssen? Wieso ändern Sie nicht genau das, – Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Zeit ist zu Ende. Ates Gürpinar (Die Linke): – anstatt das Leben derjenigen zu beeinflussen und denen das Geld zu nehmen, die jetzt schon wenig haben? (Beifall bei der Linken) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Bundeskanzler. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Auch da haben wir eine unterschiedliche Sichtweise, Herr Kollege. Diejenigen, die privat versichert sind, zahlen und tragen überproportional zum Gesundheitssystem bei – wesentlich höher als die durchschnittliche Kopfzahl. Sie tragen mit dazu bei, dass dieses System leistungsfähig ist, und zwar für alle, auch für die gesetzlich Versicherten. Wir haben ein solches duales System. Es hat seine großen Vorteile; es mag seine Nachteile haben. Aber es ist nicht Gegenstand der Reformbemühungen, die wir im Augenblick unternehmen, (Ates Gürpinar [Die Linke]: Das ist meine Kritik!) um das System insgesamt zukunftsfähig zu machen. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Wir kommen zur nächsten Fragerunde. Für die AfD hat das Wort der Abgeordnete Mirco Hanker. Mirco Hanker (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin, vielen Dank. – Herr Bundeskanzler, Sie haben den Menschen schon sehr viel versprochen, zum Beispiel eine Steuererklärung auf einem Bierdeckel. Sie haben im Wahlkampf davon gesprochen, dass soziale Kürzungen nicht notwendig seien und die Staatseinnahmen durch eine stark wachsende Volkswirtschaft und durch neue Prioritäten im Haushalt steigen würden. Für die Jahre 2025 bis 2029 plant ausgerechnet die unionsgeführte Koalition, mit Krediten neue Schulden in Höhe von mehr als 850 Milliarden Euro aufzunehmen. Sie versprachen also den Menschen ein Wachstum durch Ihre Schuldenpolitik. Fakt: Die Konjunktur schwächelt weiter, der BDI – das werden Sie wissen – senkte vor Kurzem seine diesjährige Wachstumsprognose von 1 Prozent auf 0,4 Prozent. Herr Bundeskanzler, die wirtschaftspolitische Realität scheint mit Ihrer großartigen Idee des schuldenfinanzierten Wirtschaftswachstums entweder nicht übereinzustimmen oder ihr einfach nicht zu folgen. Könnte das möglicherweise an Ihrer Fehleinschätzung der wirtschaftspolitischen Zusammenhänge liegen und damit, – Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Zeit ist zu Ende. Mirco Hanker (AfD): – dass Sie den Haushalt nicht richtig priorisiert haben? Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Bundeskanzler, Sie können antworten. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die Entscheidung, sowohl für die Bundeswehr als auch für die Infrastruktur in sehr viel größerem Maße Schulden aufzunehmen, als ich das bis dahin für richtig gehalten habe, hat auch etwas mit der geopolitischen Lage zu tun, die wir seit Anfang des letzten Jahres in ihrer ganzen Dramatik sehen. Und wir haben uns dazu entschlossen, auch hier im Deutschen Bundestag mit Zweidrittelmehrheit und im Bundesrat mit Zweidrittelmehrheit, das Grundgesetz zu ändern, um diesen Herausforderungen angemessen zu begegnen. (Stephan Brandner [AfD]: Das war nicht dieser Bundestag! – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) – Das war aber der Deutsche Bundestag, der damals immer noch im Amt war (Beatrix von Storch [AfD]: Abgewählt war er!) und der auch ohne Zweifel eine Legitimität hatte und Legitimation hatte, diese Entscheidung zu treffen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Sie haben sich dagegen erfolglos gewehrt. (Beatrix von Storch [AfD]: Das Urteil sollten Sie mal lesen! Das sind zwei Zeilen!) Diese Entscheidung ist uns allen nicht leichtgefallen, aber wir haben sie getroffen, um erstens die Verteidigungsfähigkeit unseres Landes wiederherzustellen und (Beatrix von Storch [AfD]: Nee, die Koalition wollten Sie erreichen! – Zuruf der Abg. Dr. Alice Weidel [AfD]) um zweitens die Wettbewerbsfähigkeit unserer Volkswirtschaft durch eine bessere Infrastruktur zu stärken. (Beatrix von Storch [AfD]: Das muss aus dem Haushalt finanziert werden!) Auf dem Weg sind wir, und auf dem Weg bleiben wir auch. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Sie haben die Möglichkeit, eine Nachfrage zu stellen. Mirco Hanker (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Ich frage noch mal nach. Bei einem nicht nennenswerten Wirtschaftswachstum, das wir ja gerade beschrieben haben, geben Sie trotzdem weiter viele Milliarden für die Entwicklungshilfe aus, obwohl Sie selber unzufrieden zu sein scheinen – ich sage nur Stichwort „G7“; dort wollen Sie ja die Entwicklungshilfe reformieren, ein Stück weit auch nach dem Gusto der AfD. Jetzt kommt heraus: Im GIZ-Betrugsskandal im Jemen sind vermutlich mehrere Millionen Euro veruntreut worden. Halten Sie das für die richtige Priorisierung, oder ist das vielleicht eher ein unglaublicher Hinweis auf mangelnde Kontrolle und fehlerhafte Evaluationsmethoden in diesem Ministerium? (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Fragen Sie mal die Kollegen in Ihrer Fraktion!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich habe keine Veranlassung, diesen Einzelfall so zu verallgemeinern, dass ich – – Mirco Hanker (AfD): Einzelfall? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich habe keine Veranlassung, diesen Einzelfall so zu verallgemeinern, dass ich damit die gesamte deutsche Entwicklungshilfe bzw. die wirtschaftliche Zusammenarbeit, wie wir heute richtigerweise sagen, mit anderen Teilen der Welt infrage stelle. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und ich will Ihnen vielleicht aus sehr aktuellem Anlass sagen: Ich hatte gestern den Staatspräsidenten aus Senegal zu Besuch. Wenn Sie das Schicksal dieser Menschen sehen, dieser Region sehen, dann verstehen Sie, wie wichtig es ist, dass ein wohlhabendes Land wie die Bundesrepublik Deutschland auch dazu beiträgt, (Zuruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]) dass sich diese Regionen auf der Welt stabil entwickeln können, und das werden wir auch in Zukunft fortsetzen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Alice Weidel [AfD]: Steuergelder rausgeschmissen! Kanzler für den Senegal!) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Für die nächste Hauptfrage hat das Wort – das wird auch die letzte Frage dieser Befragung sein – die Abgeordnete Dr. Franziska Kersten für die SPD-Fraktion. Dr. Franziska Kersten (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, in Ihrer Regierungserklärung vom 11. Juni zum Europäischen Rat haben Sie den Mehrjährigen Finanzrahmen, MFR, der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 angesprochen. Sie sagten – ich zitiere –: „Den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen wir nicht mit einem Haushalt des 20. Jahrhunderts. Eine grundlegende Modernisierung des europäischen Haushalts ist daher unerlässlich.“ Zitat Ende. Zur Sicherstellung unserer Ernährung mit bezahlbaren, gesunden und auch nachhaltig erzeugten Lebensmitteln gehört – ebenfalls eine Herausforderung unserer Zeit – ein erfolgreicher Agrarumwelt- und Naturschutz und die Entwicklung lebendiger Dörfer. Nachhaltige Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sind die Säulen der Gemeinsamen Agrarpolitik. Meine Frage ist: Wie stehen Sie zu den Vorschlägen der Europäischen Kommission zum MFR, die diese Gemeinsame Agrarpolitik auseinanderreißen würden und zudem große, wettbewerbsfähige Betriebe in Ostdeutschland als auch die Umweltleistungen der Landwirtschaft und die ländliche Entwicklungspolitik erheblich schwächen würden? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, die Vorschläge der Kommission sind jetzt schon dreimal hintereinander in den Treffen des Europäischen Rates diskutiert worden. Wir sind in der letzten Woche das erste Mal in das Zahlenwerk gegangen. Es hat zwei Entscheidungen seitens der Kommission gegeben, die ich auch befürwortet habe. Die erste Entscheidung war, die Kohäsionsfonds und die Agrarfonds in einem einheitlichen Fonds zusammenzufassen. Die zweite Entscheidung ist, dass in Zukunft Staaten wie die Bundesrepublik Deutschland auch über ihre Länder – also in unserem Fall die Bundesländer – in Brüssel unmittelbar auch die Anträge stellen können und das nicht über die Staaten – also in diesem Fall die Bundesrepublik Deutschland – geschehen muss. Alles Weitere sind Verhandlungen, die im Laufe des Jahres noch zu führen sein werden. Ich werde mich noch mit dem irischen Ratspräsidenten im Juli treffen, um noch einmal das Zahlenwerk durchzugehen. Aus meiner Sicht sind zwei Dinge wichtig: Erstens. Der Vorschlag der Kommission kann in diesem Umfang nicht bestehen bleiben. Das würde bedeuten, dass Deutschland zwischen 15 und 20 Milliarden Euro zusätzlich jedes Jahr in die Kasse der Europäischen Union einzahlen müsste. Das können wir nicht. Zweitens. Wir müssen die Struktur ändern. Und wenn wir Wettbewerbsfähigkeit und Verteidigungsfähigkeit als die Prioritäten für die nächsten Jahre ansehen, dann müssen diese Prioritäten auch im Haushalt der Europäischen Union abgebildet werden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Sie haben die Möglichkeit zur Nachfrage. Dr. Franziska Kersten (SPD): Treten Sie ein gegen die Kappung der Einkommensstützung je Betrieb, für EU-weite Mindestbudgets für Umwelt-, Klima- und Tierwohlmaßnahmen und für eine attraktive EU-Beteiligung an der Förderpolitik der Bundesländer für den ländlichen Raum, einschließlich auch der sehr wichtigen Förderung des LEADER-Programms? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich teile die Einschätzung. Ich komme selbst aus einem Wahlkreis, der sehr stark von Landwirtschaft geprägt ist. Wir haben aus den LEADER-Programmen der letzten Jahre immer wieder große, wunderbare Projekte finanzieren können. Aber noch einmal: Wir müssen jetzt im europäischen Haushalt neue Prioritäten setzen. Das wird eine enorme Kraftanstrengung erfordern, und wir müssen zwischen unserer Leistungsfähigkeit zur Finanzierung des EU-Budgets, die wir in Deutschland haben, und den objektiven Notwendigkeiten eine vernünftige Balance findet; das wird ein Kraftakt in diesem Jahr. Ich hoffe, dass wir das noch zum Ende des Jahres 2026 abschließen können. Aber das ist keineswegs gewiss; denn die Unterschiede sind zurzeit – Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Bundeskanzler. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – zwischen den Mitgliedstaaten noch sehr, sehr groß. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Vielen Dank, auch für die Einhaltung der Zeitvorgaben. – Damit beende ich die Befragung. Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 2: Fragestunde Drucksache 21/6572 Die mündlichen Fragen auf Drucksache 21/6572 werden in der üblichen Reihenfolge aufgerufen. Ich rufe den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit auf. Zur Beantwortung steht der Parlamentarische Staatssekretär Tino Sorge bereit. Ich bitte alle Kolleginnen und Kollegen, jetzt zügig die Plätze zu wechseln und hier im Saal zur Ruhe zu kommen. Ich rufe auf die Frage 1 des Abgeordneten Johannes Wagner: Welche konkreten Maßnahmen plant das Bundesministerium für Gesundheit, um die Ausgaben für Prävention deutlich zu erhöhen, nachdem ein Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (Ausschussdrucksache 21(9)254) direkte Krankheitskosten von 491,6 Milliarden Euro im Jahr 2023 dokumentiert (www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Krankheitskosten/_inhalt.html), die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im gleichen Zeitraum aber nur 686 Millionen Euro für Prävention ausgegeben hat (www.medizinischerdienst.de/aktuelles-presse/meldungen/artikel/praeventionsbericht-2025-investitionen-der-krankenkassen-erreichen-neuen-hoechststand) – und damit weniger als 0,14 Prozent der Krankheitskosten –, obwohl Studien einen Return on Prevention von bis zu 2,70 Euro je investiertem Euro belegen (www.iga-info.de/veroeffentlichungen/igareporte/igareport-40), und wann ist mit konkreten Initiativen zu rechnen? Herr Staatssekretär, Sie haben das Wort. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Die Frage des Abgeordneten Wagner beantworte ich für die Bundesregierung wie folgt: Die Bundesregierung misst der Stärkung der Prävention und Gesundheitsförderung eine sehr hohe Bedeutung zu. Die im GKV-Präventionsbericht ausgewiesenen Ausgaben für primäre Prävention – wie gesagt, das sind nicht alle Ausgaben, die im Bereich der Prävention getätigt werden – betragen allein 686 Millionen Euro und umfassen Leistungen nach §§ 20, 20a bis 20c SGB V. Nicht enthalten sind dabei präventionsrelevante Leistungen wie Früherkennungsuntersuchungen und Schutzimpfungen. Der im iga.Report 40 ausgewiesene Return on Investment von 2,7 – auch das wurde in der Frage insinuiert – bezieht sich auf die Beurteilung des ökonomischen Nutzens von betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention und kann eben nicht auf alle anderen Präventionsmaßnahmen übertragen werden. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Kollege Wagner, würden Sie bitte aufstehen! Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Er will ja bestimmt noch eine Nachfrage stellen, denke ich. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Genau. – Sie waren fertig mit Ihren Ausführungen? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Ja. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ich wollte nur darauf hinweisen, dass Sie eigentlich stehen sollten. Sie können jetzt natürlich auch die Gelegenheit nutzen, eine Nachfrage zu stellen. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, vielen Dank für die Ausführungen. Sie haben ja auch gerade noch mal die enormen Summen vorgetragen, die durch Prävention eingespart werden könnten. Ich möchte noch mal nachfragen. Sie und die Bundesregierung haben jetzt ein riesengroßes Sparprogramm aufgelegt, durch das weitreichende Kürzungen für Leistungserbringer, für Patientinnen und Patienten drohen, wenn das so umgesetzt wird. Gleichzeitig wird bei der Prävention – das Thema war auch Teil der Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit – jetzt im Gesetz gar nichts angegangen, obwohl dadurch sehr viel höhere Ausgaben eingespart werden könnten und auch viel menschliches Leid verhindert werden könnte. Können Sie uns kurz erklären, warum es in Ihrem Ministerium populärer ist, jetzt bei Pflege, bei Patientinnen und Patienten zu sparen, anstatt Präventionsmaßnahmen umzusetzen, die auch Geld sparen plus Leid verhindern würden? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Lassen Sie mich auf die zwei Schwerpunkte Ihrer Frage eingehen. Der erste Punkt ist: Warum machen wir jetzt die GKV-Reform, also das Beitragssatzstabilisierungsgesetz? Wir tun das deshalb, weil wir im nächsten Jahr ein sehr großes Defizit – prognostiziert wurden mittlerweile 19 Milliarden Euro – haben werden. Wenn wir im System nichts änderten, wären es bis 2030 rund 40 Milliarden Euro. Um unser System gerade auch im Hinblick auf Prävention zukünftig leistungsfähig zu halten, müssen wir ebendiese Strukturmaßnahmen vornehmen. Zweiter Bereich Ihrer Frage. Die Bundesregierung nimmt sehr wohl sehr viel Geld auch gerade für Prävention in die Hand. Die 686 Millionen Euro, die ich ansprach, sind ja nur ein Teilbereich. Wenn man quasi alle Präventionsmaßnahmen zusammenrechnet, liegen wir bei ungefähr 22 Milliarden Euro, also über alle Bereiche, auch über alle Sozialversicherungsträger. Sie sehen also, dass das Thema Prävention eine sehr, sehr hohe Bedeutung innerhalb der Bundesregierung hat. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre zweite Nachfrage, Herr Wagner. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, ich frage mich trotzdem – von der Reihenfolge her gedacht –: Wäre es nicht sinnvoller, jetzt wirklich dort, wo es ohne große Kürzungen im System ginge, Geld einzusparen und menschliches Leid zu lindern, also bei der Prävention zu handeln und sich natürlich auch die Frage zu stellen, was mit Strukturmaßnahmen – Stichwort „Krankenhausreform“, Stichwort „Rettungsdienst“ – erreicht werden könnte, anstatt jetzt mit dem Rasenmäher in vielen Bereichen zu kürzen? Das verunsichert die Menschen und bringt sie teilweise auch in finanzielle Notlagen. Wäre das nicht die richtige Reihenfolge, erst bei Prävention und Strukturmaßnahmen sinnvoll zu handeln und dann zu gucken, was danach noch eingespart werden muss, anstatt jetzt erst zu sparen, Menschen zu verunsichern und irgendwann – vielleicht im Laufe des Jahres oder des nächsten Jahres – mit präventiven Maßnahmen um die Ecke zu kommen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen. Das heißt, wir machen das quasi parallel. Wir stärken die Prävention. Und dazu gehört auch, dass man in den jeweiligen Bereichen, in den jeweiligen Lebenswelten die entsprechenden Mittel sowohl für Verhältnis- als auch für Verhaltensprävention zur Verfügung stellt. Wir wollen, dass in diesen Bereichen zukünftig eher noch mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden können. Dazu gehört aber eben auch das Thema der Strukturreform im System; ich sprach es an. Und wenn wir das, so wie es jetzt geplant ist, auch parallel machen, werden wir da zu guten Ergebnissen kommen. Ich will nur noch mal darauf hinweisen, dass das Thema Prävention mittlerweile innerhalb der Bundesregierung über alle Bereiche hinweg eine sehr, sehr hohe Bedeutung hat. Da geht es auch um die Frage, wie wir Menschen sehr, sehr lange gesundhalten können, sodass Menschen gar nicht erst in das Krankheitsstadium kommen; denn es erzeugt natürlich auch immense volkswirtschaftliche Kosten, wenn Menschen durch Krankheit beispielsweise in ihrem Lebensumfeld nicht so agieren können, wie sie das gerne möchten. Es gibt noch einen Punkt, den ich ansprechen möchte: Das Thema Prävention werden wir als Bundesgesundheitsministerium – Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Kollege, Ihre Zeit ist zu Ende. Kommen Sie zum Ende. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: – im Rahmen eines Präventionsgesetzes thematisieren. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Es gibt insgesamt noch vier Nachfragen. Das heißt, Sie können da noch weiter ausführen. Als Erste stellt die Abgeordnete Dr. Zoe Mayer eine Nachfrage. Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ganz herzlichen Dank, Herr Staatssekretär. – Beim Thema Prävention will ich gerne anknüpfen. Warum ist das eigentlich so, dass die ungesunde Wahl beim Essen meistens die einfachste ist? Egal ob in der Kantine, unterwegs, im Restaurant oder auch im Supermarkt: Meistens ist es so, dass die Sachen, die sehr süß, fettig, salzig sind, am günstigsten und überall verfügbar sind. Man kann natürlich sagen: Das ist gottgegeben, ein Naturgesetz, die Menschen wollen das genau so. Wir sehen aber durch repräsentative Umfragen, dass sich Menschen eigentlich gesünder ernähren wollen, aber eben genau an der Ernährungsumgebung scheitern. Jetzt frage ich mich natürlich: Was plant denn die Regierung noch konkret und wann, um gesündere Ernährung im Alltag leichter zu machen? Und wenn Sie jetzt sagen „Dafür ist aber doch nur das Ernährungsministerium zuständig“, dann frage ich mich natürlich, warum das Gesundheitsministerium hier nicht stärker mitsprechen will, weil es doch eines der zentralen Präventionsthemen ist. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Sehr geehrte Frau Abgeordnete Mayer, dem ist ja mitnichten so. Also, ich habe nicht gesagt, dass das Ernährungs- und Landwirtschaftsministerium ausschließlich dafür zuständig ist, sondern ich habe eher das Gegenteil gesagt. Ich habe nämlich gesagt, dass wir innerhalb der Bundesregierung auch beim Thema Prävention sehr gut zusammenarbeiten. Dem Umstand, den Sie ansprechen, dass man natürlich in der Lebenswirklichkeit an vielen Stellen Dinge auch deshalb tut, weil beispielsweise die Angebote nicht so gesundheitsrelevant sind, wie sie sein sollten, dem wollen wir natürlich begegnen. Sie haben es sicherlich mitbekommen: Wir diskutieren momentan im Hinblick auf Prävention auch, inwieweit man beispielsweise zuckergesüßten Getränken regulatorisch begegnen kann. Wir haben die Diskussion über eine Erhöhung der Tabaksteuer. Das sind einzelne Punkte, die wir im Zusammenhang mit der Lenkung durch gesundheitsfördernde Strukturen, aber gleichzeitig auch mit der Frage, wie man Kosten, die im System entstehen, im Gesundheitssystem auch entsprechend kompensieren kann, momentan diskutieren. Und darüber hinaus ist es natürlich auch Aufgabe der Bundesregierung – dazu gehört auch das, was wir uns auf die Fahnen geschrieben haben –, dass man das Thema „gesunde Ernährung in allen Lebensbereichen“, also quasi von der Kita bis zum Seniorenheim, noch besser in die Lebenswirklichkeit integriert, als das bisher der Fall ist. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Die nächste Nachfrage hat die Abgeordnete Linda Heitmann. Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herzlichen Dank. – Herr Staatssekretär, Deutschland ist in Bezug auf Alkohol immer noch ein Hochkonsumland. Schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig; noch mal etwa genauso viele pflegen einen problematischen Konsum. Das zieht jedes Jahr hohe Folgekosten in unserem Gesundheitssystem und auch viele vorzeitige Todesfälle nach sich. Ich möchte Sie fragen: Was wollen Sie konkret für eine bessere Alkoholprävention tun? Wir haben diese Woche einen Antrag in den Bundestag eingebracht, der eine Reihe von Vorschlägen macht, wie vernünftige Alkoholprävention aussehen kann. Sie sind gerade schon auf Zucker und Tabak eingegangen. Wollen Sie auch beim Thema Alkohol die Verhältnisprävention vorantreiben, und können wir in dieser Legislatur noch mit einem Alkoholpräventionsgesetz rechnen? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Da mir klar war, dass Sie dieses Thema ansprechen würden, bin ich erst mal auf die beiden anderen Themen eingegangen. Mit dem Thema „Alkohol“ bzw. „verantwortungsbewusster Umgang mit Alkohol“ sprechen Sie einen sehr wichtigen Aspekt an. Da werden wir als Bundesregierung schauen, inwieweit man die Aufklärungsangebote und die Präventionsangebote weiter verbessern kann. Und wir denken auch über Möglichkeiten nach, inwieweit man die sinnvolle Aufklärung über Alkohol und seine Risiken noch verbessern kann. Aber das werden wir, wie gesagt, im Rahmen der FinanzKommission Gesundheit, die in ihrem zweiten Bericht im Herbst dieses Jahres weitere Empfehlungen und Maßnahmen vorschlagen wird, entsprechend mitberücksichtigen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Die nächste Nachfrage hat der Abgeordnete Dr. Ingo Hahn. Dr. Ingo Hahn (AfD): Geschätzter Herr Staatssekretär Sorge, vielen Dank für Ihre Darstellung. – Sie haben gerade auch den finanziellen Rahmen angesprochen: 686 Millionen Euro entfallen allein auf die gesetzliche Krankenversicherung; insgesamt stehen 22 Milliarden Euro im Bereich Prävention zur Verfügung. Das sind riesige Summen, die auch aus Ihrem Schuldenhaushalt herrühren. Das sind alles aber auch Gelder, die die Menschen – diese zahlen ja auch noch in die gesetzliche Krankenversicherung ein – belasten. Es geht momentan auch um das Thema Beitragssteigerungen, obwohl die Menschen immer weniger Geld in der Tasche haben. Deshalb lautet meine Frage: Wie stellen Sie sicher, dass diese Maßnahmen gerade bei den häufigen Volkskrankheiten, die es gibt – Fettleibigkeit, aber auch andere –, fruchten, dass wir auch im finanziellen Bereich Einsparpotenziale haben und dass diese GKV-Mittel eben nicht in Bürokratie, in Koordinierungs-, Beratungs- und Modellprojekten versickern, sondern hinterher tatsächlich auch die Beitragszahler entlasten? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank für die Frage, Herr Abgeordneter Hahn. – Bei der Frage der Prävention zeigt sich natürlich immer die Schwierigkeit, Prävention so zu gestalten, dass sie möglichst niedrigschwellig ist und möglichst auch bei denjenigen ankommt, die man erreichen will. Es ist immer sehr einfach, diejenigen zu erreichen, die sich sowieso schon gesundheitsbewusst verhalten und die Risiken auch im Blick haben. Deshalb ist die Idee sowohl der Verhältnis- als auch der Verhaltensprävention, in den Lebenswelten anzusetzen. Sie haben die Summen, die ich bereits angesprochen hatte, wiederholt. Wir geben sehr viel Geld für Prävention aus. Mit Blick auf die Frage, wie dieses Geld zum Schluss ausgegeben wird, werden wir an vielen Stellen Nachjustierungen vornehmen müssen. Wir wissen mittlerweile, dass einerseits Prävention über Steuern eine gewisse Lenkungswirkung hat; da geht es nicht primär um Einnahmen. Aber wir sehen andererseits natürlich auch, dass ungesunde Lebensweisen auch daraus resultieren, dass im täglichen Umfeld ungesünderes Essen leichter erreichbar ist, dass bestimmte Angebote, die zur Gesundheitsförderung beitragen würden, nicht so ausgerollt sind, wie sie es sein sollten, und Probleme machen. Das wollen wir ändern. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Redezeit ist zu Ende. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Und da ist, glaube ich, jeder Euro, der frühzeitig in die Hand genommen wird, ein gut investierter Euro. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Kollege, Ihre Zeit! – Dann hat als Nächstes das Wort der Abgeordnete Ates Gürpinar. Ates Gürpinar (Die Linke): Vielen Dank für die Möglichkeit, eine Nachfrage zu stellen. – Herr Staatssekretär, teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass der Kassenwettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung strukturelle Fehlanreize zulasten der Prävention setzt, weil die investierende Kasse die Kosten trägt, der Nutzen aber häufig erst langfristig und gegebenenfalls bei anderen Kostenträgern anfällt? Und welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung, um diese Fehlanreize zu beseitigen? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, sehr geehrter Herr Abgeordneter Gürpinar. – Das Thema Prävention spielt auch im Kontext der Kassen eine sehr große Rolle. Unter den Kassen hat sich mittlerweile der Grundkonsens verfestigt – und der ist richtig –, zu sagen: Prävention, egal wer diese Präventionsmaßnahmen letztendlich erbringt, ist per se erst mal gut. – Dass an der einen oder anderen Stelle die Diskussion entsteht, dass derjenige, der viel in Prävention investiert, möglicherweise nicht den konkreten Nutzen hat, sehe ich auch. Wir haben darüber hinaus über alle Kassen hinweg, auch durch den Wettbewerb, entsprechende Präventionsanstrengungen. Also, man kann nicht sagen, es gibt Kassen, die gar nichts für Prävention machen, während die anderen nur Prävention machen. Vielmehr sind diese Präventionsangebote und -leistungen mittlerweile bei allen Kassen etabliert und führen dazu, dass sich die Situation bei allen Versicherten der Krankenkassen verbessert. Und noch mal: Es wird darum gehen, diese Angebote auch im Hinblick auf die Langzeitwirkungen zu optimieren, also frühzeitig Geld in die Hand zu nehmen mit den entsprechenden positiven, langfristigen Auswirkungen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Und wir kommen zu Frage 2 des Abgeordneten Johannes Wagner: Wie sieht der konkrete Zeitplan der Bundesregierung für weitere Präventionsmaßnahmen neben der Abgabe auf zuckergesüßte Getränke sowie der geplanten Anpassung der Tabaksteuer aus, und wann wird die Prüfung des Weiterentwicklungsbedarfs auf Grundlage des Public Health Indexes, den die Bundesregierung in ihrer Antwort zu den Fragen 1 und 2 der Kleinen Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Bundestagsdrucksache 21/6113 angeführt hat, abgeschlossen sein? Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Ja, vielen Dank. Vielen Dank auch, Herr Abgeordneter Wagner, für die Frage. – Prävention und Gesundheitsförderung sind auch im Koalitionsvertrag für die 21. Legislaturperiode herausgehobene Anliegen. Bei der Prävention geht es zum einen um die Eigenverantwortung jedes Einzelnen und den individuellen Lebensstil, zum anderen aber auch um verhältnispräventive Maßnahmen, die von hoher Bedeutung sind. Deshalb prüfen wir immer wieder den Handlungsbedarf im Bereich „Prävention und Gesundheitsförderung“, also auch Regelungen – das Präventionsgesetz habe ich schon angesprochen –, die schon in Kraft getreten sind bzw. mit denen perspektivisch reguliert werden könnte. Insofern will ich noch mal einen Vorschlag ansprechen, der im Kontext Prävention angedacht ist: Dabei geht es auch um die Pflege, Stichwort „Pflegeneuordnungsgesetz“, nämlich um gezieltere Präventionsleistungen gerade für ältere Menschen mit dem Ziel, deren Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten. Das alles sind Maßnahmen, die innerhalb der Bundesregierung eine sehr hohe Bedeutung haben. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Sie haben die Möglichkeit, eine Nachfrage zu stellen. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, wahrscheinlich bekommen Sie genauso wie ich immer wieder Geschenke von der Alkohol- und Tabaklobby zugeschickt, die uns damit davon überzeugen wollen, eine freundliche Politik gegenüber der Alkohol- und Tabaklobby zu betreiben. (Stephan Brandner [AfD]: Ich kriege so was nicht!) Ich frage Sie: Ist das der Grund, warum Sie jetzt mit einem milliardenschweren Sparprogramm um die Ecke kommen, statt Präventionsmaßnahmen in den Vordergrund zu stellen, wodurch nicht nur Geld gespart, sondern auch menschliches Leid reduziert werden könnte? Die Industrie verdient Milliarden mit Tabak und Alkohol – Menschen werden abhängig; das sind Suchtstoffe –, während die Politik zuschaut. Große Reports sagen: Europa ist besser als wir in Deutschland. Deutschland landet bei Präventionsmaßnahmen, gerade im Bereich „Alkohol und Tabak“, im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen – dort, wo wir immer auch beim Eurovision Song Contest landen: auf dem letzten oder vorletzten Platz. Was macht die Bundesregierung, um nicht nur bei den Leistungen für die Menschen anzusetzen, sondern auch die Industrie in die Verantwortung zu nehmen und Suchtstoffe wie Alkohol und Tabak höher zu besteuern? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Herr Abgeordneter Wagner. – Ich weiß nicht, was für Geschenke Sie von diversen Akteuren zugesandt bekommen. (Stephan Brandner [AfD]: Das weiß ich auch nicht!) Ich kann für mich nicht behaupten, dass ich mit Geschenken überhäuft würde. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie müssen wahrheitsgemäß antworten! Ich bin für Compliance zuständig! Das Gesundheitsministerium ist auf Platz eins!) Aber unabhängig davon kann ich Ihre Ausführungen so nicht teilen. Ich habe es bereits mehrfach gesagt und die entsprechenden Summen genannt: Insgesamt werden 22 Milliarden Euro seitens der Bundesregierung in diesem Kontext aufgewandt. Jetzt zu insinuieren, dass im Bereich „Tabak, Zucker und Alkohol“ überhaupt nichts passieren würde, entspricht nicht den Tatsachen. Wo ich Ihnen recht gebe, ist, dass wir bei der Lenkungswirkung solcher Steuern möglicherweise Nachjustierungsbedarf haben; diese Debatten laufen momentan. Dabei müssen wir auch die Problematik hinsichtlich Prävention und die entsprechenden Auswirkungen auf die Gesellschaft im Auge behalten. Und so einfach, wie Sie das hier darstellen – dass Geschenke an einzelne Abgeordnete versandt werden und diese dann ihre Meinung ändern –, ist es aus meiner Sicht nicht. Das ist mir bisher noch nicht untergekommen, nicht in meiner Fraktion oder in anderen Fraktionen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Die Redezeit ist zu Ende, Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Diese Aussage wundert mich schon ein bisschen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Bitte schön, Herr Wagner. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Also nach meinen Informationen haben diese Briefe und Boxen alle Abgeordneten bekommen. Sie sind ja auch Abgeordneter neben Ihrem Amt als Parlamentarischer Staatssekretär; von daher müssten Sie sie auch bekommen haben. Aber ich komme zu meiner zweiten Nachfrage zu Präventionsmaßnahmen. Gerade erleben wir in Europa eine massive Hitzewelle. Wir wissen aus der Forschung, dass Hitze eine Gesundheitsgefahr darstellt, vor der man sich schützen kann. Frankreich geht da voran, hat einen nationalen Hitzeaktionsplan aufgelegt und möchte auch noch mal nachschärfen, weil in Frankreich gerade schon von ersten Todesfällen aufgrund der aktuellen Hitzewelle berichtet wird. Deutschland hängt auch hier hinterher. Welche Maßnahmen plant das Bundesministerium für Gesundheit, um die Menschen zu schützen? Die Kommunen und die Länder machen schon einen Teil, auch wenn sie noch mehr leisten könnten. Was ist Ihre Verantwortung, um die Menschen in diesem Land zu schützen, auch vor extremen Wetterereignissen wie Hitzeglocken? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Ja, vielen Dank. – Ich wiederhole das noch mal sehr gern. In einer der letzten Fragestunden gab es schon eine identische Frage. Da hatte ich ausgeführt, dass wir seitens der Bundesregierung unter Federführung des Bundesgesundheitsministeriums entsprechende Hitzeschutzpläne auf den Weg gebracht haben; wir weisen auch immer auf sie hin. Ich weiß, der eine oder andere Kollege aus der einen oder anderen Fraktion (Lachen des Abg. Stephan Brandner [AfD]) zieht das immer ein bisschen ins Lächerliche; jetzt Kollege Brandner beispielsweise. Jetzt haben wir die Hitze, quasi das Szenario, was im Rahmen dieser Hitzeschutzpläne immer kommuniziert wurde. Neben diesen Plänen stellt sich die Frage, wie man vulnerable Gruppen schützen kann. Dazu gehören beispielsweise Senioren, Kinder, Schwangere. Ich habe natürlich schon darauf hingewiesen und will es noch mal tun, dass wir bei der Städteplanung, bei den bauordnungsrechtlichen, bauplanungsrechtlichen Vorgaben das Thema Hitze – auch Klima, Wetter – entsprechend mitdenken. In dem Kontext sollte auch daran gedacht werden, dass die Bundesregierung über Steuermittel erhebliche Summen zur Verfügung stellt. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Zu einer Nachfrage hat das Wort die Abgeordnete Dr. Zoe Mayer. Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Danke, Herr Staatssekretär. – Zum Thema Ernährungsprävention: Ich habe nur zwei konkrete Maßnahmen herausgehört, nämlich die Zuckersteuer auf Softdrinks und die Erhöhung der Tabaksteuer. Jetzt glaube ich tatsächlich nicht, dass das ausreicht, um das Ernährungsverhalten von Menschen in Deutschland signifikant zu verbessern. Es gibt so viele strukturelle Ungerechtigkeiten wie beispielsweise die Mehrwertsteuer, die immer noch ungesunde Produkte teilweise niedriger besteuert als gesunde Produkte. Oder man könnte beispielsweise die DGE-Standards, die Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, für Kantinen verbindlich machen, damit Kinder und Jugendliche ein gutes Schulangebot bekommen. Können Sie noch mal sagen, welche weiteren konkreten Maßnahmen die Bundesregierung gerade plant, außer ein bisschen Geld für Prävention in die Hand zu nehmen? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Frau Abgeordnete, wir haben einerseits das Thema „Verhaltens- und Verhältnisprävention“, das betrifft die Lebenswelten. Dazu gehört natürlich auch, wie man gesündere Ernährungsangebote vorhalten kann. Das Steuerthema ist zu Recht ein Thema, das auch mit den Kolleginnen und Kollegen beispielsweise im Bundesfinanzministerium diskutiert wird und wo wir als Bundesgesundheitsministerium sagen: Für die Maßnahmen, die sich im präventiven Bereich nicht auf ein Ressort fokussieren, sondern wo quasi alle Ressorts der Bundesregierung mit involviert sind, wollen wir ein Gesamtpaket schnüren. Die FinanzKommission Gesundheit wird auch für diesen Bereich zum Herbst dieses Jahres Vorschläge unterbreiten. Dass wir auch von anderen Ländern durchaus sinnvolle Dinge noch stärker ins System integrieren können, gebe ich zu. Es geht auch um die Frage, inwieweit man beispielsweise gesündere Lebensmittel privilegiert im Vergleich zu anderen. Aber es geht natürlich auch sehr stark darum, Kindern bereits sehr früh zu erklären, was gesunde Ernährung ist. Es geht in Kitas bzw. in der Schule um die Frage, was Gesundheit ist, es geht auch um gesundes Schulessen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Zeit ist zu Ende. Wir haben noch einige Nachfragen, da können Sie bestimmt noch antworten, Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Da brauchen wir mehr Bewusstsein und gleichzeitig vor allen Dingen auch mehr Sensibilität. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Als Nächstes hat das Wort zu einer Nachfrage die Abgeordnete Julia Schneider. Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Staatssekretär, ich will noch mal auf das Thema „Hitze und Prävention“ zurückkommen. Sie haben angedeutet, dass aus Ihrer Sicht auch städtebauliche Maßnahmen dringend nötig sind. Wir haben für morgen Abend einen Plenar-Top angemeldet, bei dem es genau darum gehen wird. Ich hoffe natürlich, dass Sie bei dieser Debatte anwesend sein werden. Dann möchte ich zu den Krankenhäusern – darum geht es auch in einem unserer Anträge – kommen. Laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter 289 Krankenhäusern haben 60 Prozent der befragten Kliniken im Jahr 2024 keine zusätzlichen oder gezielteren Hitzeschutzmaßnahmen umgesetzt als im Vorjahr. Die Hitze wird aber bekanntlich immer größer. Als größtes Hindernis nannten 96 Prozent der Befragten fehlende finanzielle Mittel. Deswegen frage ich Sie: Welche konkreten Maßnahmen ergreift das Bundesministerium für Gesundheit, um Krankenhäuser bei der Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen zu unterstützen? Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Redezeit ist zu Ende. Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Halten Sie die bisher bereitgestellten Mittel angesichts der zunehmenden Hitzewellen für ausreichend? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Abgeordnete. – Wir haben in diesem Kontext die Krankenhausreform mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz noch mal überarbeitet. Dabei spielen die Themen Resilienz und energetische Sanierung eine Rolle. Es geht natürlich auch um die Frage, wie man im Rahmen der Strukturveränderungen, im Rahmen des Transformationsprozesses bei Krankenhäusern die Themen „Klimaveränderung“ sowie „Schutz von vulnerablen Gruppen“, die gerade im Krankenhausbereich überdurchschnittlich vorhanden sind, verbessern kann. Das ist mitgedacht, und es werden auch erhebliche Mittel dafür zur Verfügung gestellt. Denken Sie beispielsweise an den Krankenhaustransformationsfonds, an die Sondervermögen, wo dieses Thema auch eine erhebliche Rolle spielt. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Die nächste Nachfrage hat für die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Stella Merendino. Stella Merendino (Die Linke): Guten Tag, Herr Staatssekretär. – Wie passen Ihre Ausführungen zu Prävention und Eigenverantwortung zu sämtlichen Kürzungen auf Kosten der Gesundheitsarbeiter/-innen und der Patientinnen und Patienten, zur Abschaffung von Personalschlüsseln, zum Pflegebudget, zu Kürzungen bei den pflegenden Angehörigen, während Krankenkassenvorstände beispielsweise bis zu 450 000 Euro im Jahr erhalten? Die Menschen können nicht mehr, und es macht sie krank. Am Sonntag habe ich weinende Menschen beim „Tag der offenen Tür“ gesehen, nachdem sie vor allem mit der Ministerin gesprochen haben. Eine Person musste vom Rettungsdienst behandelt werden, weil die Ministerin so abfällig mit den Menschen umgegangen ist. Ist das Ihr Verständnis von einer guten Gesundheitspolitik und Prävention, bei den Menschen nachzutreten, wenn sie sowieso schon am Boden liegen? (Beifall bei der Linken) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Sehr geehrte Frau Abgeordnete Merendino, ich war selbst beim „Tag der offenen Tür“ und kann nicht bestätigen, dass, wie Sie hier insinuieren, die Ministerin abfällig mit Menschen umgehen würde. Also, ich glaube, eher das Gegenteil ist der Fall. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Stella Merendino [Die Linke]: Dann waren wir auf verschiedenen Veranstaltungen!) Ich gebe Ihnen aber recht, dass die aktuelle Diskussion zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz sehr kontrovers geführt wird. Das liegt aber auch daran, dass wir erhebliche strukturelle Maßnahmen im System vornehmen müssen, um auch langfristig, gerade im Pflegebereich, das System leistungsfähig zu halten. Sie haben gesagt, dass beispielsweise im Bereich der Pflege nicht viel passiert sei, daher will ich nur darauf hinweisen, dass wir in den letzten Legislaturen die Situation in der Pflege, also auch bei der Bezahlung von Pflegefachkräften, erheblich verbessert haben und wir jetzt bei den Beratungen zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz das Thema Pflege mit einer hohen Priorität mitberaten. Und da wird es auch um die Frage gehen – Sie haben das in der Regierungsbefragung des Kanzlers gehört –, inwieweit wir den Krankenkassen und auch dem Pflegebereich mehr Flexibilität eröffnen können. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Ihre Redezeit ist zu Ende. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Und das heißt nicht, dass wir, wie Sie insinuieren, hier quasi auf Verschleiß fahren. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Staatssekretär, Ihre Redezeit ist zu Ende. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Danke. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Zur letzten Nachfrage hat jetzt das Wort der Abgeordnete Dr. Janosch Dahmen. Dr. Janosch Dahmen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, ich möchte noch mal zum Ausgangspunkt, zum Hitzeschutz, zurückkommen. Ich nehme Ihnen ab, dass Ihnen im Ministerium das Thema durchaus ernst ist und dass Sie nichts davon halten – was hier von rechter Seite zu hören war –, das Ganze lächerlich zu machen. (Stephan Brandner [AfD]: Ich habe gar nichts gesagt!) Jetzt werden am Wochenende in weiten Teilen Deutschlands Temperaturen von 40 Grad erwartet. Ich war gestern Unter den Linden bei einem jungen wohnungslosen Mann, der offenbar stundenlang in der Hitze exponiert gelegen hat und reanimiert werden musste, als Ersthelfer vor Ort. Was konkret raten Sie den Menschen am Wochenende, die bei 40 Grad wirklich extremen Hitzetemperaturen ausgeliefert sind? Was tun Sie konkret für die Menschen jenseits abstrakter Hitzeschutzmaßnahmen, die auch notwendig und richtig sind, aber jetzt am Wochenende möglicherweise zu spät kommen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Herr Abgeordneter Dahmen. – Der erste Punkt ist natürlich, dass wir gegenseitig aufeinander achten sollten. Das Beispiel, das Sie gerade erzählt haben, dass jemand in der Hitze liegt und erst nach einer sehr langen Zeit jemand überhaupt aufmerksam wird, sollte eher der Ausnahmefall sein. Gerade in solchen Hitzeperioden ist es sehr, sehr wichtig, auf seine Mitmenschen zu achten. Der zweite Punkt – das ist das, was natürlich immer so ein bisschen belächelt wird, weil es trivial klingt – ist, sich einfach im Schatten aufzuhalten bzw. wenn möglich in kühlen Räumen – ja, ich weiß, da gibt es bei dem einen oder anderen immer ein bisschen Gelächter, aber das sind natürlich Dinge, die klingen erst mal trivial –, auch genügend Flüssigkeit aufzunehmen und letztendlich auch Hilfe in Anspruch zu nehmen (Zuruf von der Linken) und zwar frühzeitig. Und ich sage es noch einmal: Wir sollten wechselseitig noch stärker aufeinander achten. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Wir kommen zur Frage 3 des Abgeordneten Stefan Schröder: Welche konkreten Änderungen am Konsumcannabisgesetz plant die Bundesregierung zum Gesundheits- und Jugendschutz nach dem zweiten EKOCAN-Zwischenbericht vom 1. April 2026 (www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/zweite-evaluation-zur-cannabis-teillegalisierung-01-04-26)? Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Herr Abgeordneter Schröder. – Ich will Ihre Frage für die Bundesregierung wie folgt beantworten: Der zweite EKOCAN-Zwischenbericht des Verbundprojekts zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes liegt der Bundesregierung seit dem 1. April 2026 vor. Derzeit prüfen wir im Bundesgesundheitsministerium beide Zwischenberichte hinsichtlich erforderlicher Gesetzesänderungen. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Abgeordneter, bitte. Stefan Schröder (AfD): Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, Sie erwähnten ja eben, dass die Bundesregierung nach dem EKOCAN-Zwischenbericht zum Konsum von Cannabis Änderungen prüft. Wie passt dies denn zu den heute bekanntgewordenen Plänen des Bundesdrogenbeauftragten Streeck und des ehemaligen Bundesgesundheitsministers Lauterbach zur kontrollierten Abgabe harter Drogen? Sieht die Bundesregierung darin eine Ausweitung ihrer bisherigen Drogenpolitik über Cannabis hinaus? Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Herr Staatssekretär. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Also, ich habe die Ausführungen des Drogenbeauftragten nicht so gelesen. (Catarina dos Santos-Wintz [CDU/CSU]: Genau so ist es!) Er sitzt ja auch da drüben; er schüttelt den Kopf. Insofern kann ich die Frage nicht wirklich nachvollziehen. Das, was wir momentan – auch innerhalb der Bundesregierung – machen, ist, erforderliche Gesetzesänderungen, insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen des Konsumcannabisgesetzes auf den Gesundheits-, Kinder- und Jugendschutz sowie die Organisierte Kriminalität, zu prüfen. Das wäre natürlich eher ein Punkt, der dem entgegensteht. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Sie können eine weitere Nachfrage stellen. Stefan Schröder (AfD): Vielen Dank. – Wie der Presse zu entnehmen war, sprechen sich der Bundesdrogenbeauftragte und der ehemalige Bundesgesundheitsminister für das Zürcher Modell aus, das eine kontrollierte Abgabe harter Drogen für schwer Suchtkranke vorsieht. Dies ist der Presse ganz klar zu entnehmen; ich weiß nicht, wie Sie das anders interpretieren können. Das wäre eine Liberalisierung des Drogengesetzes und wäre kontraproduktiv, besonders vor dem Hintergrund, dass ja zum Beispiel geplant ist, Homöopathie und die Abgabe von Cannabisblüten aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen. Wie soll so was denn finanziert werden? Doch auch nur über die Beitragszahler. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Abgeordneter, Sie vermengen hier zwei Dinge. Die eine Frage ist, wie man Schwerstabhängigen helfen kann, indem man ihnen in dem Stadium, in dem sie von den Drogen loskommen sollen, bestimmte Präparate zur Verfügung stellt. Das bedeutet aber nicht, dass sich der Bundesdrogenbeauftragte jetzt dafür ausspricht, diese harten Drogen freizugeben. Es geht eher – und das haben wir bereits – zum Beispiel um Methadonaustauschprogramme. Es gibt Apotheken, die gerade in dem Bereich entsprechende Angebote vorhalten. Das ist allerdings eine Diskussion, die sich nicht auf den besprochenen Zwischenbericht bezieht. Es geht erst recht nicht darum, wie Sie hier zu suggerieren versuchen, dass perspektivisch jeder Drogenabhängige seine harten Drogen mit GKV-Mitteln an jeder Ecke kaufen können soll. Also, dem ist mitnichten so. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Als Erstes hat sich die Abgeordnete Dr. Zoe Mayer für eine Nachfrage gemeldet. Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): In das Thema „Jugendschutz und Rauchen“ möchte ich gerne noch mit einsteigen. Warum ist es denn für die Tabakindustrie immer noch so einfach, neue junge Kunden zu gewinnen? Die Zahl der rauchenden Jugendlichen ist viele Jahre lang zurückgegangen. Gerade gibt es wieder einen deutlichen Anstieg. Wir wissen, dass so ein bisschen Neugier schnell dazu führen kann, dass eine jahrzehntelange Abhängigkeit entsteht, die auch enorme gesundheitliche Risiken birgt: ein höheres Krebsrisiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Co. (Stephan Brandner [AfD]: Das hat mit der Frage nichts zu tun! Hallo! Es geht um das Cannabisgesetz!) Wir sehen aber auch, dass das nicht überall der Fall ist: In Ländern, die massiv in die Prävention beim Thema Tabakkonsum investieren, gibt es diesen Rückwärtstrend eben nicht. Also, was plant die Bundesregierung explizit beim Tabak – außer der Erhöhung der Tabaksteuer –, um Jugendliche besser zu schützen? (Stephan Brandner [AfD]: Das hat mit der Frage nichts zu tun!) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Frau Abgeordnete Mayer. – Die Bundesregierung plant, neben der besprochenen Tabaksteuerregulierung zusätzlich die Informationsangebote, die es bereits gibt, auszubauen. Wir führen ja auch die Diskussion darüber, dass man möglichst frühzeitig anfängt, dafür zu sensibilisieren. Es gibt ja den altmodischen Spruch: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ Der ist gerade in dem Kontext sehr aktuell, wenn es darum geht, schon frühzeitig die entsprechende Sensibilität zu erzeugen, damit junge Menschen gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen. Darüber, inwieweit neben dieser Lenkung über Steuern zusätzliche Angebote noch verbessert werden können, sind wir natürlich auch im ständigen Austausch mit den relevanten Akteuren. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Eine weitere Nachfrage hat der Abgeordnete Ates Gürpinar. Ates Gürpinar (Die Linke): Ich würde zwar auch gerne dem Bundesbeauftragten für Sucht- und Drogenfragen ein paar Fragen zum Zürcher Modell stellen – das interessiert mich ja ganz besonders –, aber Sie sind heute da, um Fragen zu beantworten. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Sie können ja andere Fragen stellen. Ates Gürpinar (Die Linke): Ich stelle Fragen zur Cannabislegalisierung; das ist ja auch das Thema. Plant denn die Regierung, den Empfehlungen der Evaluation Folge zu leisten und Hürden für Anbauvereinigungen, also legalisierte Zugangswege für Cannabis, sicherzustellen, um so die Kriminalität wirksam zu reduzieren und die Gesundheit von Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen? Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Herr Abgeordneter Gürpinar. – Sie wissen ja, dass das Thema der Cannabislegalisierung bzw. der Teillegalisierung von Cannabis ein sehr kontroverses Thema auch innerhalb der Koalition war. Wie ich bereits ausgeführt habe, werden wir den Zwischenbericht entsprechend evaluieren und uns anschauen, welch regulatorischer Bedarf weiterhin besteht. Dazu sind wir natürlich in Gesprächen, inwieweit man da optimieren kann. Darüber werden wir Sie zu gegebener Zeit natürlich unterrichten. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Die nächste Nachfrage hat der Abgeordnete Dr. Ingo Hahn. Dr. Ingo Hahn (AfD): Frau Präsidentin. – Geschätzter Herr Staatssekretär Sorge, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Sie kennen ja diesen Bericht, von dem Sie sagen, Sie prüfen ihn noch. Sie prüfen auch die Zwischenberichte. Das zentrale Versprechen war ja eigentlich, dass durch die Teillegalisierung von Cannabis ein besserer Gesundheitsschutz gewährt wird. Sie wollten den illegalen Markt eindämmen und besseren Jugendschutz gewährleisten. Jetzt braucht man nicht nur diese Zwischenberichte zu lesen, sondern auch andere Daten zeigen, dass dem eben nicht so ist. Der Bericht zeigt – im Gegenteil – auch, dass der Jugendschutz durch die Teillegalisierung schlechter geworden ist und nicht besser. Es gibt mittlerweile Onlineangebote. Wir haben einen Schwarzmarkt, der eben nicht wirksam zurückgedrängt wird. Und wir haben Medizinalcannabis, das auch missbraucht wird. Deshalb meine Frage: Wäre es nicht besser, die Teillegalisierung von Cannabis einfach komplett zurückzunehmen, klarere Regeln zu schaffen? Dann hätten wir auch keine Onlineplattformen mehr, die sehr fragwürdig sind, und wir könnten den Schwarzmarkt anständig bekämpfen. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Vielen Dank, Herr Abgeordneter Hahn. – Wir sind – ich hatte es ja schon gesagt – innerhalb der Bundesregierung, aber auch zwischen den Regierungsfraktionen natürlich immer in Gesprächen, wie man dieses kontroverse Thema auch im Hinblick auf die Zwischenberichte entsprechend begleiten kann. Insofern werden wir bei Fragen zu den Entwicklungen in bestimmten Bereichen gegebenenfalls noch einmal nachjustieren. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Jetzt hat das Wort der Abgeordnete Dr. Hendrik Streeck. (Ates Gürpinar [Die Linke]: Ich bin gespannt, Herr Streeck!) Dr. Hendrik Streeck (CDU/CSU): Herzlichen Dank, dass ich eine Nachfrage stellen darf. – Die AfD hat mich gerade vollkommen falsch dargestellt und eine Falschaussage getätigt. (Stefan Schröder [AfD]: Das stimmt nicht!) Also, wer lesen kann, ist da wirklich klar im Vorteil. Man könnte auch wirklich mal die Zeitung lesen, nicht nur die Überschriften. (Stefan Schröder [AfD]: Im „Tagesspiegel“ steht es ausführlich drin!) Daher meine Frage an Sie, Herr Kollege Sorge: Sucht ist ja eine Erkrankung. Würden Sie mir zustimmen, dass gerade bei Suchterkrankungen polizeiliche Repressionen allein nicht ausreichen, sondern auch Substitution und Suchthilfe notwendig sind, die ausgebaut werden müssten? Sind diesbezüglich vielleicht auch von BMG-Seite weitere Maßnahmen geplant? – Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Marja-Liisa Völlers [SPD]) Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Ja, vielen Dank, lieber Kollege Streeck. – Das ist ja genau das, was ich auch schon auf die Frage des Kollegen aus der AfD gesagt hatte: Man kann natürlich nicht das eine tun, ohne das andere zu lassen. Wir werden weder im Bereich der Drogenbekämpfung noch bei der Frage, wie wir mit Drogenabhängigen umgehen, zu guten Ergebnissen kommen, wenn wir immer nur sagen: Es gibt nur die eine Maßnahme, wir setzen ausschließlich auf Repressionen. Deshalb ist es sinnvoll, zu überlegen, wie man Menschen – mit welcher Methode auch immer, sei es das Zürcher Modell oder andere Konzepte – überzeugen und sensibilisieren kann, gar nicht erst zu Drogen zu greifen. Wenn sie aber in diese Spirale gekommen sind, geht es darum, ihnen Hilfestellungen zu geben, damit sie schnell von den Drogen loskommen können. Insofern sind das immer mehrere Maßnahmen, mehrere Bereiche, die man nicht in einen Topf schmeißen sollte. Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Zu einer letzten Nachfrage hat jetzt das Wort der Abgeordnete Stephan Brandner. Tino Sorge, Parl. Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit: Aber keine Hitzefrage, Herr Kollege, oder? Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Das würde ja nicht zur Ursprungsfrage passen. Stephan Brandner (AfD): Nein. Obwohl ich in dem Alter bin, wo Hitzewellen schon mal gelegentlich auftauchen, auch so intern. Aber das ist ein anderes Thema. Wir reden ja im Format „Kurze Frage, kurze Antwort“. Das Konsumcannabisgesetz ist seit ungefähr zwei Jahren in Kraft. Es war da

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