Starke Kommunen, starke Demokratie - Für mehr Zusammenhalt vor Ort (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4393)
Text
Starke Kommunen, starke Demokratie - Für mehr Zusammenhalt vor Ort (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/4393)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6856
21. Wahlperiode 03.07.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen
(24. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Karoline Otte, Marlene Schönberger,
Dr. Alaa Alhamwi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 21/4393 –
Starke Kommunen, starke Demokratie – Für mehr Zusammenhalt vor Ort
A. Problem
Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind die Kommunen die
Herzkammern des demokratischen Zusammenlebens. Es brauche für einen starken
gesellschaftlichen Zusammenhalt lebendige und lebenswerte Stadt- und
Dorfgesellschaften, die ein gutes und vielfältiges sowie gewalt- und diskriminierungsfreies
Miteinander förderten. Ebenso brauche es funktionierende
Beteiligungsstrukturen, eine starke Zivilgesellschaft und Ressourcen für die Menschen vor Ort, um
das mitzugestalten, was ihnen wichtig sei. Die Orte des Miteinanders und die
Stabilität der Demokratie seien jedoch gefährdet. Viele Menschen seien frustriert
davon, dass ihre Probleme vor Ort nicht gelöst würden und führten das auf eine
fehlende staatliche Handlungsfähigkeit zurück. Laut Antrag glaube nur noch etwa
die Hälfte der Menschen in Deutschland, dass die Demokratie im Großen und
Ganzen gut funktioniere.
Die Abgeordneten fordern daher von der Bundesregierung einen Pakt für
Demokratie vor Ort. Dieser umfasst unter anderem, die kommunale Engagement-,
Sport-, Jugend- und Kulturinfrastruktur als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge
anzuerkennen, und in den Investitionsprogrammen von Bund und Ländern gezielt
die Sanierung von (ehrenamtlich getragenen) Sport- und Kulturstätten,
Vereinsheimen, Jugendzentren, Bürgerhäusern und Nachbarschaftstreffs zu fördern.
Darüber hinaus werde ein Demokratieförderungsgesetz gefordert, das die
zivilgesellschaftliche Arbeit zur Demokratieförderung und die Verteidigung einer
vielfältigen Gesellschaft on- und offline, die Prävention von gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit und die politisch-historische Bildung als staatliche
Daueraufgabe festschreibe. Der Bund solle umgehend und dauerhaft zusätzliche frei
verfügbare finanzielle Mittel im Zusammenspiel mit den Ländern für die Kommunen
bereitstellen. Dazu solle auch eine spürbare Umverteilung der
Umsatzsteueranteile zugunsten der Kommunen gehören.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei
Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Die Kosten wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/4393 abzulehnen.
Berlin, den 24. Juni 2026
Der Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen
Caren Lay
Vorsitzende
Mayra Vriesema
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Mayra Vriesema
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat den Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Drucksache 21/4393 in
seiner 63. Sitzung am 6. März 2026 in erster Lesung beraten und zur federführenden Beratung dem Ausschuss für
Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen überwiesen und zur Mitberatung an den Innenausschuss,
den Ausschuss für Sport und Ehrenamt, den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz, den Ausschuss für
Wirtschaft und Energie, den Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, den Ausschuss für
Gesundheit und den Ausschuss für Kultur und Medien.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordert von der Bundesregierung einen Pakt für eine starke
Demokratie vor Ort. Das beschriebene Maßnahmenpaket solle Treffpunkte und Austausch fördern, Engagierte besser
schützen, die Daseinsvorsorge stärken und Engagement vereinfachen. Ziel sei es, Städte und Gemeinden nachhaltig
handlungsfähig zu erhalten und die lokale Zivilgesellschaft vor Ort zu unterstützen.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Innenausschuss hat in seiner 37. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung des Antrags auf
Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Der Ausschuss für Sport und Ehrenamt hat in seiner 27. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die
Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz hat in seiner 42. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung
des Antrags auf Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD
gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat in seiner 41. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung des
Antrags auf Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen
die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Der Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in seiner 26. Sitzung am 24. Juni 2026
die Ablehnung des Antrags auf Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU,
AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion
Die Linke.
Der Ausschuss für Gesundheit hat in seiner 50. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung des Antrags auf
Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Der Ausschuss für Kultur und Medien hat in seiner 24. Sitzung am 24. Juni 2026 die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/4393 empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die
Stimmen der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen hat in seiner 26. Sitzung am
24. Juni 2026 den Antrag auf Drucksache 21/4393 abschließend beraten und die Ablehnung des Antrags
empfohlen mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der Fraktion BÜNDNIS
90/DIE GRÜNEN bei Stimmenthaltung der Fraktion Die Linke.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betonte, dass starke Kommunen und eine funktionierende
Daseinsvorsorge im ländlichen Raum für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie vor Ort sehr wichtig
seien. Es müsse dafür gesorgt werden, dass mehr Begegnungs- und Debattenorte in den Kommunen entstünden
und die Kommunal- und LokalpolitikerInnen wirksam geschützt würden. Am wichtigsten sei jedoch die
finanzielle Aufstellung der Kommunen, weil diese Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit sei. Gefordert werden
außerdem ein Demokratie-Fördergesetz und eine Anti-Desinformationskampagne, um Falschinformationen zu
identifizieren.
Die Fraktion der CDU/CSU kritisierte die im Antrag geforderten Maßnahmen, da diese nicht die realen
Bedürfnisse der Kommunen widerspiegelten. Kein Bürgermeister oder Bürgermeisterin fordere die im Antrag
beschriebenen Maßnahmen. Tatsächlich werde ein Abbau der Bürokratie benötigt, eine ernsthafte Aufgabenkritik müsse
gemacht werden und ein Abbau von Standards sei erforderlich. Hierzu gehöre auch, unter Berücksichtigung von
Finanzierbarkeit und Leistbarkeit, die Auseinandersetzung mit dem Thema Eingliederungshilfe. Kommunen
bräuchten keine neuen Aufgaben, sondern Entlastung, Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit. Man wisse
in der Koalition, dass noch mehr Tempo erforderlich sei, woran gearbeitet werde.
Die Fraktion der AfD stimmte den Ausführungen der Fraktion der CDU/CSU zu. Die Fraktion BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN habe sich scheinbar nicht mit den Forderungen des Deutschen Städte- und
Gemeindebundes beschäftigt, denn die Bedürfnisse der Kommunen und der Bürgermeister seien offenbar nicht bekannt. Man
benötige kein Demokratie-Fördergesetz, sondern die Wiederherstellung des Konnexitätsprinzips sowie den
Abbau von Bürokratie und von Eingriffen von außen. Der soziale Zusammenhalt vor Ort sei ein Problem, wenn die
Feuerwehren nicht ausgerüstet und Schulen und Kindergärten marode seien. Zu bezweifeln seien auch die
genannten Zahlen rechtsextremer Angriffe auf Bürgermeister. Diese entsprächen nicht der Polizeistatistik.
Die Fraktion der SPD erklärte, dass bei der Vielzahl von Punkten einige im Einzelfall richtig seien, wie
Zivilgesellschaft stärken oder die Kommunen wehrhaft machen. Auf dem Aktionstag am 22. Juni 2026 „Kommunen
am Limit“ seien mehr Freiheit, mehr Spielraum, mehr Umsetzungsbefugnis, mehr Bürokratieabbau und vor allem
eine ordentliche Finanzierung als Forderungen formuliert worden. Allein im vergangenen Jahr hätten die
Kommunen ein Finanzierungsdefizit von mehr als 30 Milliarden Euro verkraften müssen. Es seien schon Maßnahmen
umgesetzt worden, wie Förderprogramme für Sportstätten und Schwimmbäder, die Ehrenamtspauschale oder der
Bürokratieabbau. Dennoch sei die kommunale Finanzlage das Thema, das man jetzt verstärkt angehen müsse.
Die Fraktion Die Linke führte aus, dass die Kommunen bei ihrem Aktionstag vor allem eine anständige
Finanzierung für die bestehenden Aufgaben forderten. Der Kurs, der von der Bundesregierung eingeschlagen werde,
sei ein massiver Sozialabbau. Das sei nicht der Kurs der Kommunen. Die Kommunalen Spitzenverbände hätten
lange gefordert, dass der Bund die Konnexität einhalte und die Aufgaben bezahle. Dies habe die Bundesregierung
nicht umgesetzt, so dass die Kommunen offensichtlich als letzte Konsequenz mit einem Aufgabenabbau
einverstanden seien. Die Kommunen seien erpressbar geworden. Man werde sich bei dem Antrag enthalten, da einige
Forderungen, wie die faire Aufteilung der Sozialleistungen oder die Stärkung der Gewerbesteuer, sehr vage
formuliert seien.
Berlin, den 24. Juni 2026
Mayra Vriesema
Berichterstatterin
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ISSN 0722-8333
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