Die Zukunft des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland und Europa
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Die Zukunft des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland und Europa
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8519
21. Wahlperiode 13.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Katrin Uhlig, Dr. Alaa Alhamwi, Michael Kellner, Sandra Stein,
Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Die Zukunft des Wasserstoffhochlaufs in Deutschland und Europa
Bundesministerin Katherina Reiche tritt mit vielen Themen öffentlich in
Erscheinung: Neuen Atomkraftwerken (www.spiegel.de/wirtschaft/atomkraft-kat
herina-reiche-bei-eu-allianz-fuer-kernenergie-a-6a8c7f42-feba-43f5-ba72-df03
142e690b), leeren Gasspeichern (www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/gasspe
icher-reiche-winter-100.html) und der fossilen Energieversorgung (www.zei
t.de/politik/deutschland/2026-04/katherina-reiche-energiekrise-fossile-energie
n-gxe). Deutlich ruhiger ist es hingegen um das Thema Wasserstoff. Ein
konkreter Fahrplan mit verbindlichen Maßnahmen und klaren Regelungen ist zum
jetzigen Zeitpunkt kaum zu erkennen.
Das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz, dessen Grundstein in der letzten
Wahlperiode gelegt worden ist, mag ein wichtiges Zeichen für den
Wasserstoffhochlauf gewesen sein. Es kann jedoch nicht das Einzige bleiben, wenn es die
Bundesregierung mit dem Hochlauf von Wasserstoff und insbesondere mit grünem,
klimaneutral in Deutschland erzeugten Wasserstoff tatsächlich ernst meint.
Gerade weil Bundesministerin Reiche dem Nationalen Wasserstoffrat
angehörte, ist davon auszugehen, dass sie genau weiß, welchen mutigen Schritt
Unternehmer*innen, die in die Wasserstoffproduktion oder in das Herstellen von
Produkten mit Wasserstoff investiert haben, gemacht haben. Diese Menschen
setzen ein wichtiges Signal für eine zukunftsfähige und klimaneutrale Wirtschaft.
Die Bundesregierung darf sie jetzt nicht im Stich lassen, indem sie notwendige
Entscheidungen ständig weiter aufschiebt. Es braucht jetzt eine klare Ansage
der Ministerin, wohin die Reise bei diesem Thema geht, sodass die Wirtschaft
Planungs- und Investitionssicherheit erhält und Entscheidungen für die Zukunft
treffen kann.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Bewertet die Bundesregierung Wasserstoff weiterhin als vorrangiges
Mittel zur Dekarbonisierung solcher Industriezweige, in denen eine
ausschließliche Elektrifizierung nicht möglich ist?
2. Vor dem Hintergrund der derzeit begrenzten Wasserstoffverfügbarkeit,
welchem Sektor räumt die Bundesregierung Priorität bei der Versorgung
ein: dem Wärmesektor, dem Industriesektor oder dem Verkehrssektor
(bitte geben Sie die drei Sektoren in absteigender Reihenfolge ihrer
Versorgungspriorität an)?
3. Wie beurteilt die Bundesregierung die Auswirkungen der im GModG neu
verankerten Grüngasquote auf die Wasserstoffverfügbarkeit in der
Industrie?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
4. Was hat die Prüfung der Bundesregierung bezüglich Maßnahmen zur
gezielten Beförderung des Wasserstoffhochlaufs, die Sie laut Antwort auf
die Frage vom 16. Juli 2026 (https://dserver.bundestag.de/btd/21/071/210
7180.pdf, Seite 42) machen würden, ergeben und wie ist das Ergebnis in
Hinblick auf die Senkung der Erzeugungskosten, die Reduzierung der
Kostenlücke und die Absicherung der Nachfrage ausgefallen?
Sofern die Prüfung noch nicht abgeschlossen ist, wieso nicht?
5. Warum möchte die Bundesregierung laut der Antwort auf die Schriftliche
Frage vom 16. Juli 2026 (https://dserver.bundestag.de/btd/21/071/210718
0.pdf, Seite 42, 43) fixe Ausbauziele in flexible Ausbauziele umgestalten
und möchte sie diese Anpassung der Ausbauziele vor oder nach der
Etablierung bzw. der Anpassung von Maßnahmen für einen verbesserten
Wasserstoffhochlauf machen?
6. Wie weit ist die Bundesregierung nach eigener Ansicht mit der
Umsetzung der im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD beschlossenen
Ziele für Wasserstoff und dem Netz (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/
www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf – Rn. 1093 bis 1113)
und wo sieht die Bundesregierung gemessen daran noch Leerstellen?
Wann und wie möchte sie diese schließen?
7. Wie weit ist die Bundesregierung nach eigener Ansicht in Ihrer
Umsetzung des Punktes Nummer 9 „Wasserstoff-Hochlauf pragmatisch fördern,
überkomplexe Vorgaben abbauen“ des von dem Bundesministerium für
Wirtschaft und Energie veröffentlichten Papiers „Klimaneutral werden –
wettbewerbsfähig bleiben“ (www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redak
tion/DE/Downloads/J-L/klimaneutral-werden-wettbewerbsfaehig-bleiben.
pdf?__blob=publicationFile&v=1) und wo sieht die Bundesregierung
gemessen daran noch Leerstellen?
Wann und wie möchte sie diese schließen?
8. Wieso hat sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
dagegen entschieden Maßnahmen, die im eigens in Auftrag gegebenen
Monitoringbericht (www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publi
kationen/Energie/energiewende-effizient-machen.pdf?__blob=publication
File&v=1) benannt werden (z. B. staatliche Absicherung , für den Aufbau
von Anlagen zur Dekarbonisierung von Prozessen mit Wasserstoff;
Stärkung von Wasserstoff-Clustern; Definition und Zertifikate für
kohlenstoffarme Grundstoffe), direkt in das Papier „Klimaneutral werden –
wettbewerbsfähig bleiben“ aufzunehmen?
9. Bestehen aktuelle Verhandlungen der Bundesregierung mit der
Europäischen Kommission in Hinblick auf die Verordnung 2023/1184 (RFNBO)
und wenn ja, wie weit sind diese fortgeschritten, welche Themen werden
verhandelt und bis wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?
10. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit Amtsantritt
ergriffen, um mit interessierten EU-Mitgliedstaaten einen koordinierten
Markthochlauf von Wasserstoff zu ermöglichen?
11. Ist die Bundesregierung der Ansicht, dass Sie mit den Regelungen des
StromVKG Bestimmungen geschaffen hat, die schon heute den
Wasserstoffhochlauf stärken und wenn ja, wie genau?
Wenn nein, wieso hat man darauf verzichtet im Gesetz Regelungen zu
schaffen, die eine gesicherte, erste Abnehmerschaft für Wasserstoff
garantiert hätte?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
12. Wie möchte die Bundesregierung die Nachfrage für solche Produkte
steigern, die vor Ort mit Wasserstoff hergestellt werden?
Inwiefern plant die Bundesregierung Instrumente wie Quoten oder
Leitmärket hierfür heranzuziehen?
13. Wie bewertet die Bundesregierung finanzielle Absicherungsinstrumente
von Wasserstoff-Projekte und wieso hat die Bundesregierung eine solche
Option bisher noch nicht näher in Betracht gezogen – über die von der
Vorgängerregierung eingeführten Carbon Contracts for Difference hinaus?
14. In welchen Titeln hat die Bundesregierung im Haushalt 2027 ein
finanzielles Absicherungsinstrument von Wasserstoff-Projekte verankert?
In welchem Einzelplan und/oder Sondervermögen ist solch ein Instrument
angesiedelt?
Sofern ein solcher Titel nicht besteht, wieso hat sich die Bundesregierung
bisher gegen einen solchen Schritt im Entwurf zum Haushalt 2027
entschieden (wir bitten um eine ausführliche Begründung der Antworten)?
15. Plant die Bundesregierung, nach Auslaufen des TCTF-basierten
Teilmoduls 2 der BIK Ende 2025 ein Nachfolgeinstrument zu schaffen, das
Investitionen mittelständischer Unternehmen in die Umstellung auf
Wasserstoff gezielt fördert?
Wenn ja, in welchem KTF-Titel und mit welchem Volumen?
16. Wie plant die Bundesregierung Kleine- und Mittelständische
Unternehmen, die ihre Produktionen auf Wasserstoff umstellen möchten, in ihrem
Weg zu unterstützen, gerade vor dem Hintergrund, dass aktuelle
Maßnahmen sich stärker auf große Industrieunternehmen konzentrieren?
17. Welche Verbände und Vertretungen energieintensiver mittelständischer
Unternehmen sind in welchen Formaten an der strategischen und
operativen Ausgestaltung der Wasserstoff-Roadmap der Bundesregierung
beteiligt?
18. Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um
Wasserstoffinhalte in die Berufsschulen, die überbetrieblichen Bildungsstätten
und die Aufstiegsfortbildung (etwa Meister und Techniker) für Montage-,
Betriebs- und Wartungsberufe zu bringen?
Und gibt es eine auf die Ziele der Nationalen Wasserstoffstrategie
abgestimmte Fachkräfteprognose für diese Berufsgruppen?
19. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung nach eigener Ansicht für
einen verbesserten Ausbau des Wasserstoffkernnetzes bereits
unternommen und welche hat sie in Planung?
Welchen Zeitplan verfolgt die Bundesregierung jeweils für die geplanten
Unternehmungen?
20. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung nach eigener Ansicht für
eine verbesserte Infrastruktur (z. B. Wasserstoff-Speicher oder
Ammoniak-Kracker) unternommen und welche hat sie in Planung?
Welchen Zeitplan verfolgt die Bundesregierung jeweils für die geplanten
Maßnahmen?
21. Welchen Kenntnisstand hat die Bundesregierung zur Umsetzung des H2-
Pipelineprojektes zwischen Lingen und Leuna, wird dieses Leitung
rechtzeitig in Betrieb gehen können?
22. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung im
Koalitionsvertrag angekündigt hat systemdienliche Elektrolyseanlagen stärker ermögli-
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
chen zu wollen, welche Maßnahmen möchte sie hierfür heranziehen und
wieso wurden sie bisher nicht in die Wege geleitet?
Ist hierbei eine Verlängerung der Strompreiskompensation für
Elektrolyseuren eine Option?
23. Weiß die Bundesregierung, dass erste Unternehmen von einer
wasserstoffbasierte Produktion Abstand nehmen und dafür sogar auf entsprechende
Fördersummen verzichten (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kli
maneutralitaet-ziel-fuer-gruenen-wasserstoff-in-gefahr/100190640.html)?
Wie ist ihre Haltung dazu?
Und was könnte das für Folgen für den Ausbau und die Finanzierung des
Wasserkernstoffnetzes haben?
24. Welche Voraussetzungen müssen nach Einschätzung der Bundesregierung
erfüllt sein, damit die erwarteten Wasserstoffimporte von 50 bis 70
Prozent des deutschen Wasserstoffbedarfs tatsächlich verfügbar sind (www.b
undeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/FAQ/Wassertstoff-Kernne
tz/faq-wasserstoff-kernnetz.html)?
Über welche Häfen und Terminals plant die Bundesregierung derzeit den
Import von grünem Wasserstoff und Ammoniak?
25. Wie plant die Bundesregierung den Import von Wasserstoff zu
diversifizieren, um eine Abhängigkeit in diesem Sektor von einzelnen Ländern zu
vermeiden?
26. Welchen Stand hat die Bundesregierung bei der Vergabe des PtX Lab in
der Lausitz, wurden zwischenzeitlich Konsortien zu konkretisierten
Projektskizzen aufgefordert?
Falls nein, zu wann ist dies geplant?
27. Wie ist der Kenntnisstand der Bundesregierung zur Umsetzung des
Concrete Chemicals Projekts in Schwedt?
Berlin, den […]
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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