Protokoll der 112. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages
102 Reden und Erklärungen – die Suche findet sie einzeln
- Rede von Scholz (Bundeskanzler) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Alice Weidel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Alice Weidel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Alice Weidel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Rolf Mützenich (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dobrindt (CDU/CSU) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Fabian Funke (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Lena Werner (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Lars Castellucci (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Spaniel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Valentin Abel (FDP) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Troff-Schaffarzyk (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Jan Plobner (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Jan Plobner (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Spaniel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Spaniel (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Bernd Reuther (FDP) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von René Bochmann (AfD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Menge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Dr. Christoph Ploß (CDU/CSU) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Cademartori Dujisin (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Christian Freiherr von Stetten (CDU/CSU) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Raffelhüschen (FDP) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Mordhorst (FDP) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Heiligenstadt (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Heiligenstadt (SPD) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
- Rede von Thomas Schmidt, Staatsminister (Sachsen) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hannes Walter (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Kopf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Thomas Seitz (AfD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Jan Plobner (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Volker Ullrich (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Christian Wirth (AfD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hoffmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hoffmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Widmann-Mauz (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Götz Frömming (AfD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Thomas Hacker (FDP) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Helge Lindh (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dirk Wiese (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Uli Grötsch (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Christian Wirth (AfD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dr. Christian Wirth (AfD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Vries (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Vries (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Dunja Kreiser (SPD) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hoffmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hoffmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Hoffmann (CDU/CSU) – Aktuelle Stunde: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne stoppen
- Rede von Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Bernd Rützel (SPD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Gerrit Huy (AfD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Jens Teutrine (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Mörseburg (CDU/CSU) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Mörseburg (CDU/CSU) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Mörseburg (CDU/CSU) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Carolin Wagner (SPD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Michael Kaufmann (AfD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Kraft (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Kraft (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Stephan Seiter (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Franziska Kersten (SPD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Franziska Kersten (SPD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Franziska Kersten (SPD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Frank Rinck (AfD) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Gero Clemens Hocker (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Volker Ullrich (CDU/CSU) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Mijatović (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Peter Heidt (FDP) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Rede von Dr. Jonas Geissler (CDU/CSU) – Dritten Gesetzes zur Änderung des Tabakerzeugnisgesetzes
- Erklärung von Ruppert Stüwe (SPD) – Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung der Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion der CDU/CSU: Pläne der …
Text
Protokoll der 112. Sitzung des 20. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 20/112
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
112. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 22. Juni 2023
Inhalt:
Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten Fabian Jacobi, Sebastian Fiedler und Astrid Timmermann-Fechter
Wahl der Abgeordneten Andreas Mehltretter, Helmut Kleebank, Michael Thews und Nadine Heselhaus als Mitglieder in das Kuratorium der Stiftung
„Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“
Wahl der Abgeordneten Sylvia Lehmann als Mitglied in den Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Tagesordnungspunkt 7:
Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler zum Europäischen Rat am 29./30. Juni 2023
Olaf
Scholz, Bundeskanzler
Friedrich Merz
(CDU/CSU)
Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Alice Weidel
(AfD)
Christian Dürr
(FDP)
Thomas
Heilmann (CDU/CSU)
Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE)
Dr. Rolf Mützenich
(SPD)
Alexander
Dobrindt (CDU/CSU)
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nicolas
Zippelius (CDU/CSU)
Fabian Funke
(SPD)
Robert Farle
(fraktionslos)
Lena Werner
(SPD)
Michael Georg Link
(Heilbronn) (FDP)
Dr. Lars Castellucci
(SPD)
Tagesordnungspunkt 8:
Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Schiene in die Zukunft führen – Deutsche Bahn AG neu aufstellen
Drucksache 20/7350
Ulrich Lange
(CDU/CSU)
Dorothee Martin
(SPD)
Wolfgang Wiehle
(AfD)
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Janine
Wissler (DIE LINKE)
Michael
Theurer, Parl. Staatssekretär BMDV
Michael Donth
(CDU/CSU)
Christian
Schreider (SPD)
Dr. Dirk Spaniel
(AfD)
Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Valentin Abel
(FDP)
Thomas Bareiß
(CDU/CSU)
Anja
Troff-Schaffarzyk (SPD)
Enak Ferlemann
(CDU/CSU)
Jan Plobner
(SPD)
Ulrich Lange
(CDU/CSU)
Jan Plobner
(SPD)
Tagesordnungspunkt 9:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im
Verkehrsbereich und zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2021/1187 über die Straffung von Maßnahmen zur rascheren Verwirklichung des transeuropäischen
Verkehrsnetzes
Drucksache 20/6879
Dr. Volker Wissing, Bundesminister
BMDV
Felix
Schreiner (CDU/CSU)
Detlef Müller
(Chemnitz) (SPD)
Dr. Dirk Spaniel
(AfD)
Stefan Gelbhaar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Henning
Rehbaum (CDU/CSU)
Thomas Lutze
(DIE LINKE)
Bernd Reuther
(FDP)
Thomas Bareiß
(CDU/CSU)
Jürgen Berghahn
(SPD)
René Bochmann
(AfD)
Susanne Menge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Christoph Ploß
(CDU/CSU)
Isabel
Cademartori Dujisin (SPD)
Stefan
Seidler (fraktionslos)
Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Florian Müller
(CDU/CSU)
Kaweh Mansoori
(SPD)
Ulrich Lange
(CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 10:
a) Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Dr. Gesine Lötzsch, Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE:
Erbschaftsteuer – Privilegien bei Milliardenerbschaften streichen
Drucksache 20/7295
b) Antrag der Abgeordneten Kay Gottschalk, Carolin Bachmann, Marc Bernhard, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Erbschaft- und
Schenkungsteuer abschaffen
Drucksache 20/6388
Christian
Görke (DIE LINKE)
Tim Klüssendorf
(SPD)
Christian Freiherr von Stetten (CDU/CSU)
Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Kay Gottschalk
(AfD)
Claudia
Raffelhüschen (FDP)
Nadine Heselhaus
(SPD)
Sebastian
Brehm (CDU/CSU)
Bruno Hönel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Albrecht Glaser
(AfD)
Maximilian
Mordhorst (FDP)
Frauke
Heiligenstadt (SPD)
Fritz Güntzler
(CDU/CSU)
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Michael Schrodi
(SPD)
Tagesordnungspunkt 27:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Protokoll vom 18. Januar 2023 zur Änderung des
Abkommens vom 14. Juli 1992 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Schweden zur Vermeidung der Doppelbesteuerung bei den Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen sowie bei den Erbschaft- und Schenkungsteuern und zur Leistung gegenseitigen Beistands bei den Steuern (Deutsch-schwedisches
Steuerabkommen)
Drucksache 20/7307
b) Erste Beratung des von der Fraktion der CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Novellierung der Geschäftsbeziehungen im
Bankenverkehr
Drucksache 20/7347
c) Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Finanzierung der Betreuungsvereine und der Betreuer sicherstellen – Strukturen
erhalten
Drucksache 20/7352
d) Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Stellungnahme des Deutschen Bundestages nach Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes zu den Verhandlungen
über einen Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Luftqualität und saubere Luft für Europa
Drucksache 20/7354
e) Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Im Umgang mit den Benin-Bronzen Voraussetzungen für geordnete Rückführungen mit Augenmaß
schaffen
Drucksache 20/7252
f) Antrag der Abgeordneten Carolin Bachmann, Karsten Hilse, Marc Bernhard, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Wärmewende
stoppen – Die sichere, lückenlose und bezahlbare Energieversorgung gewährleisten
Drucksache 20/7356
g) Antrag der Abgeordneten Dr. Rainer Kraft, Karsten Hilse, Steffen Kotré, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Diversifizierung
von Gebäudeheizungsarten erhalten – Durch vielfältige Heizsysteme die Widerstandsfähigkeit der Wärmeerzeugung in Deutschland bewahren
Drucksache 20/7357
h) Antrag der Abgeordneten Dietmar Friedhoff, Carolin Bachmann, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Entsorgung von
Kunststoffmüll zum Gegenstand der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika machen – Die deutsche Abfallwirtschaft einbeziehen
Drucksache 20/7360
i) Antrag der Abgeordneten Dietmar Friedhoff, Dr. Malte Kaufmann, Tobias Matthias Peterka, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD:
Deutsche entwicklungspolitische Investitionen im Rahmen der Global-Gateway-Initiative zum Wohle Afrikas und der deutschen Wirtschaft vorrangig auf
wirtschaftliche Zusammenarbeit ausrichten
Drucksache 20/7358
j) Erste Beratung des von den Abgeordneten Kay Gottschalk, Stephan Brandner, Klaus Stöber, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung steuerrechtlicher Vorschriften an die Folgen der kalten Progression
Drucksache 20/6144
k) Antrag der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Rüdiger Lucassen, Gerold Otten, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Den
spezialisierten Kräften der Luftwaffe zum Schutz und zur Sicherheit von Lufttransportmissionen Zulagen gewähren
Drucksache 20/7359
Tagesordnungspunkt 28:
a) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung einzelner dem Schutz der
finanziellen Interessen der Union dienender Bestimmungen im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik, zur Änderung des Betäubungsmittelgesetzes sowie zur
Aufhebung weiterer Vorschriften
Drucksachen 20/6315, 20/7242
b) Beschlussempfehlung und Bericht des Sportausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Eugen Schmidt, Barbara Lenk, Jörn König, weiterer
Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Unterstützung der Bewerbung einer deutschen Stadt für eine Schacholympiade ab 2028
Drucksachen 20/6001, 20/6953
c) Beratung der fünften Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag am
26. September 2021
Drucksache 20/7200
Daniela Ludwig
(CDU/CSU)
d) Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses: Übersicht 4 – über die dem Deutschen Bundestag zugeleiteten Streitsachen vor dem
Bundesverfassungsgericht
Drucksache 20/7370
e)–i) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 367, 368, 369, 370 und 371 zu
Petitionen
Drucksachen 20/7237, 20/7238, 20/7239, 20/7240, 20/7241
Zusatzpunkt 3:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der CDU/CSU: Strukturförderung ist Gemeinschaftsaufgabe – Ampelkürzungspläne
stoppen
Thomas Schmidt, Staatsminister
(Sachsen)
Hannes Walter
(SPD)
Nina Warken
(CDU/CSU) (zur Geschäftsordnung)
Leif-Erik Holm
(AfD)
Chantal Kopf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Gesine Lötzsch (DIE LINKE)
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Dr. Hendrik Hoppenstedt
(CDU/CSU)
Bernd Westphal
(SPD)
Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Gerald Ullrich
(FDP)
Christina
Stumpp (CDU/CSU)
Maja Wallstein
(SPD)
Emmi Zeulner
(CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 20:
a) – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Überarbeitung des Sanktionenrechts –
Ersatzfreiheitsstrafe, Strafzumessung, Auflagen und Weisungen sowie Unterbringung in einer Entziehungsanstalt
Drucksachen 20/5913, 20/7026
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 20/7027
b) Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Clara Bünger, Susanne Hennig-Wellsow, Nicole Gohlke,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Für eine Abschaffung der Ersatzfreiheitsstrafe und eine Geldstrafe nach dem
Einbußeprinzip
Drucksachen 20/4420, 20/7026
Philipp Hartewig
(FDP)
Axel Müller
(CDU/CSU)
Sonja Eichwede
(SPD)
Thomas Seitz
(AfD)
Canan Bayram (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger
(DIE LINKE)
Jan Plobner
(SPD)
Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)
Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ingmar Jung
(CDU/CSU)
Heike Engelhardt
(SPD)
Tagesordnungspunkt 12:
Erste Beratung des von der Fraktion der CDU/CSU eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einstufung Georgiens und der Republik Moldau als
sichere Herkunftsstaaten
Drucksache 20/7251
Detlef Seif
(CDU/CSU)
Peggy
Schierenbeck (SPD)
Dr. Christian Wirth
(AfD)
Max
Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger
(DIE LINKE)
Dr. Ann-Veruschka Jurisch
(FDP)
Alexander
Hoffmann (CDU/CSU)
Helge Lindh
(SPD)
Moritz Oppelt
(CDU/CSU)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 11:
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Kultur und Medien zu dem Antrag der Fraktionen SPD, CDU/CSU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
FDP: Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas
Drucksachen 20/6710, 20/7111
Claudia Roth, Staatsministerin
BK
Annette
Widmann-Mauz (CDU/CSU)
Marianne
Schieder (SPD)
Dr. Götz Frömming
(AfD)
Thomas Hacker
(FDP)
Petra Pau (DIE
LINKE)
Helge Lindh
(SPD)
Michael
Frieser (CDU/CSU)
Dirk Wiese
(SPD)
Tagesordnungspunkt 14:
Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Terroranschläge verhindern – Zum Schutz unserer Bevölkerung entschieden gegen potenzielle Terroristen
vorgehen
Drucksache 20/7351
Alexander
Throm (CDU/CSU)
Uli Grötsch
(SPD)
Dr. Christian Wirth
(AfD)
Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Martina
Renner (DIE LINKE)
Manuel Höferlin
(FDP)
Christoph
de Vries (CDU/CSU)
Dunja Kreiser
(SPD)
Alexander
Hoffmann (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 13:
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des
Tabakerzeugnisgesetzes
Drucksachen 20/6314, 20/7234
Renate Künast (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hans-Jürgen
Thies (CDU/CSU)
Stephan
Protschka (AfD)
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Ina Latendorf
(DIE LINKE)
Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Simone
Borchardt (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 16:
Antrag der Abgeordneten Susanne Ferschl, Gökay Akbulut, Matthias W. Birkwald, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Gesetzlichen
Mindestlohn gemäß EU-Mindestlohnrichtlinie erhöhen
Drucksache 20/7254
Susanne
Ferschl (DIE LINKE)
Bernd Rützel
(SPD)
Axel Knoerig
(CDU/CSU)
Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Gerrit Huy
(AfD)
Jens Teutrine
(FDP)
Maximilian Mörseburg
(CDU/CSU)
Michael Gerdes
(SPD)
Tina Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Peter Aumer
(CDU/CSU)
Mathias
Papendieck (SPD)
Tagesordnungspunkt 15:
a) Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Elften Gesetzes zur Änderung des
Weingesetzes
Drucksachen 20/6874, 20/7276
b) Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan
Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Förderung von pilzwiderstandsfähigen Reben
Drucksachen 20/6914, 20/7276
c) Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Den Fortbestand des deutschen Weinbaus schützen – Pflanzenschutzmittelreduktion und Weinbau in
Deutschland zukunftssicher vereinbaren
Drucksache 20/7253
Cem Özdemir, Bundesminister
BMEL
Artur
Auernhammer (CDU/CSU)
Bernd Schattner
(AfD)
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Ina Latendorf
(DIE LINKE)
Dieter Stier
(CDU/CSU)
Karl
Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 17:
Beratung der Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion der CDU/CSU: Pläne der Bundesregierung zur Reform des
Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
Drucksachen 20/3783, 20/4940
Lars Rohwer
(CDU/CSU)
Dr. Carolin Wagner
(SPD)
Dr. Michael Kaufmann
(AfD)
Laura Kraft (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nicole Gohlke
(DIE LINKE)
Dr. Stephan Seiter
(FDP)
Albert
Rupprecht (CDU/CSU)
Thomas
Jarzombek (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 18:
a) Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Pflicht zur
Stilllegung von 4 Prozent der Agrarflächen ab 2024 dauerhaft aussetzen
Drucksachen 20/6179, 20/7294
b) Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan
Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Welthunger ideologiefrei bekämpfen – Stilllegungsflächen und ökologische
Vorrangflächen für Nahrungs- und Futtermittelproduktion freigeben
Drucksachen 20/1346, 20/2469
Karl
Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Artur
Auernhammer (CDU/CSU)
Dr. Franziska Kersten
(SPD)
Frank Rinck
(AfD)
Dr. Gero Clemens Hocker (FDP)
Ina Latendorf
(DIE LINKE)
Zusatzpunkt 4:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Stephan Brandner, Thomas Seitz, Fabian Jacobi, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD
eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Aufhebung des Gesetzes über die Rechtsstellung und Aufgaben des Deutschen Instituts für
Menschenrechte
Drucksache 20/7349
Stephan Brandner
(AfD)
Derya
Türk-Nachbaur (SPD)
Dr. Volker Ullrich
(CDU/CSU)
Boris Mijatović (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zaklin Nastic
(DIE LINKE)
Peter Heidt
(FDP)
Dr. Jonas Geissler
(CDU/CSU)
Nächste Sitzung
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des
Tabakerzeugnisgesetzes
(Tagesordnungspunkt 13)
Rita Hagl-Kehl
(SPD)
Anlage 3
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung
– des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Elften Gesetzes zur Änderung des Weingesetzes
– der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner,
Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Förderung von pilzwiderstandsfähigen Reben
– des Antrags der Fraktion der CDU/CSU: Den Fortbestand des deutschen Weinbaus schützen – Pflanzenschutzmittelreduktion und Weinbau in
Deutschland zukunftssicher vereinbaren
(Tagesordnungspunkt 15 a bis c)
Susanne Mittag
(SPD)
Anlage 4
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung der Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion der CDU/CSU: Pläne der
Bundesregierung zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes
(Tagesordnungspunkt 17)
Ruppert Stüwe
(SPD)
Anlage 5
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung
– der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU: Pflicht
zur Stilllegung von 4 Prozent der Agrarflächen ab 2024 dauerhaft aussetzen
– der Beschlussempfehlung und des Berichts des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft zu dem Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner,
Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Welthunger ideologiefrei bekämpfen – Stilllegungsflächen und ökologische
Vorrangflächen für Nahrungs- und Futtermittelproduktion freigeben
(Tagesordnungspunkt 18 a und b)
Albert
Stegemann (CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich wünsche Ihnen allen einen schönen guten Morgen. Die Sitzung ist eröffnet.
Bevor wir in die Tagesordnung einsteigen, gratuliere ich nachträglich dem Kollegen Fabian Jacobi und dem Kollegen Sebastian Fiedler jeweils zu ihrem
50. Geburtstag.
(Beifall)
Außerdem gratuliere ich der Kollegin Astrid Timmermann-Fechter, die heute mit uns gemeinsam ihren 60. Geburtstag feiert.
(Beifall)
Alles Gute für Sie!
Bevor wir nun beginnen, haben wir noch zwei Wahlen durchzuführen.
In das Kuratorium der Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ gemäß § 4 des Entsorgungsfondsgesetzes sollen auf Vorschlag der
Fraktion der SPD gewählt werden der Abgeordnete Andreas Mehltretter als Nachfolger für den Abgeordneten Helmut Kleebank als ordentliches Mitglied, der Abgeordnete
Helmut Kleebank als Nachfolger für den Abgeordneten Andreas Mehltretter als persönliches stellvertretendes Mitglied, der Abgeordnete Michael Thews als Nachfolger
für den Abgeordneten Carsten Träger als ordentliches Mitglied und die Abgeordnete Nadine Heselhaus als Nachfolgerin für den bisherigen persönlichen Stellvertreter
Michael Thews. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe keinen Widerspruch. Dann ist das so der Fall. Dann sind die Kolleginnen und Kollegen entsprechend gewählt.
In den Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur soll auf Vorschlag der Fraktion der SPD die Abgeordnete Sylvia Lehmann als
Nachfolgerin für die Abgeordnete Elisabeth Kaiser als stellvertretendes Mitglied für die restliche Amtszeit gewählt werden. Sind Sie damit einverstanden? – Ich sehe
auch hier keinen Widerspruch. Dann ist die Kollegin Lehmann gewählt.
Ich rufe nun auf den Tagesordnungspunkt 7:
Abgabe einer Regierungserklärung durch den Bundeskanzler
zum Europäischen Rat am 29./30. Juni 2023
Hierzu liegt ein Entschließungsantrag der Fraktion der AfD vor.
Für die Aussprache im Anschluss an die Regierungserklärung wurde eine Dauer von 68 Minuten vereinbart.
Das Wort zur Abgabe einer Regierungserklärung hat nun der Bundeskanzler, Herr Olaf Scholz.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Olaf
Scholz, Bundeskanzler:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Die wichtigste Aufgabe jedes Staates, jeder Gesellschaft
besteht darin, für die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu sorgen; denn ohne Sicherheit kann es keine Freiheit und keinen Wohlstand geben. Russlands
Angriffskrieg gegen die Ukraine führt uns diesen Zusammenhang auf besonders grausame Weise vor Augen.
Wir haben darauf reagiert und weitreichende strategische Entscheidungen getroffen. Wir unterstützen die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf mit aller
Kraft und vor allem so lange wie nötig.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie des Abg. Thomas Lutze [DIE LINKE])
Wir übernehmen eine deutlich aktivere Rolle beim Schutz unseres Bündnisgebiets und unserer Freunde in der NATO. Wir legen die Grundlagen für ein
geopolitisch handlungsfähiges Europa. Und: Wir tun alles, was notwendig ist, um die Sicherheit unseres Landes gegen jede Bedrohung zu schützen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Diese Priorität haben wir vergangene Woche in Deutschlands Nationaler Sicherheitsstrategie verankert. Sie ist die erste ihrer Art in der Geschichte
der Bundesrepublik. Wir haben uns Ende 2021 gemeinsam für eine solche Strategie entschieden – noch vor der Zeitenwende, vor dem russischen Überfall auf die
Ukraine, vor dem Abschalten der Gaslieferungen durch Russland, vor der Explosion der Nord-Stream-Pipelines. Diese Ereignisse haben das sicherheitspolitische
Umfeld für unser Land in nicht einmal 16 Monaten grundlegend verändert. Sie unterstreichen, wie notwendig, ja, wie überfällig es ist, den Schutz der Bürgerinnen
und Bürger unseres Landes vor allen denkbaren Bedrohungen in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen. Das tun wir vom ersten Tag dieser Regierung
an.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Zugleich signalisiert die Nationale Sicherheitsstrategie unseren europäischen und internationalen Freunden und Verbündeten: Auf Deutschland ist
Verlass. Wir handeln europäisch und international abgestimmt. In diesem Rahmen übernehmen wir mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas: ganz konkret etwa
an der Ostflanke der NATO, beim Aufbau einer europäischen Rüstungskooperation oder auch, indem wir uns für die Lösung von Konflikten in unserer Nachbarschaft
engagieren, so wie zuletzt zwischen Kosovo und Serbien, was unverändert eine drängende Aufgabe ist.
Sowohl die Europäische Union als auch das Nordatlantische Bündnis sind geeint und gestärkt aus den vergangenen 16 Monaten hervorgegangen. Dazu hat
unsere entschlossene Reaktion auf die Zeitenwende, Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, ganz maßgeblich beigetragen. Und ich freue mich, dass wir diese
Einigkeit erneut erleben werden, wenn wir am 11./12. Juli zum NATO-Gipfel in Vilnius und bereits nächste Woche beim Europäischen Rat in Brüssel zusammenkommen.
Beim Europäischen Rat geht es in gleich mehrfacher Hinsicht um die Sicherheit Europas. Wir werden natürlich über unsere weitere Unterstützung für die Ukraine
sprechen, über die wirtschaftliche Widerstandskraft Europas, über stabile Außenbeziehungen und über die Verteidigungsfähigkeit Europas.
Europas Rolle in der NATO zu stärken, das heißt für mich vor allem, dass wir unsere Verteidigungsanstrengungen in Europa bündeln, der
Verteidigungsindustrie in Europa eine langfristige Perspektive geben und deren Produktion beschleunigen. Wir bieten Partnernationen an, sich unseren
Beschaffungsinitiativen anzuschließen. Großvorhaben wie die von Deutschland angestoßene European Sky Shield Initiative zur Stärkung der europäischen
Luftverteidigung im Rahmen der NATO kommen voran, auch weil Deutschland hier vorangeht.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dass der Haushaltsausschuss der Beschaffung der Luftverteidigungssysteme Arrow 3 und IRIS-T in der vergangenen Woche zugestimmt hat, hat gleich zwei
wichtige Botschaften an unsere Partner gesandt: Erstens. Wir setzen bei zentralen Vorhaben für die Sicherheit Europas auf europäische Zusammenarbeit. Und
zweitens. Wir sind entschlossen, dass Europa seiner Verantwortung innerhalb der NATO gerecht wird.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dass beides möglich ist, dafür bin ich allen Mitgliedern dieses Hauses sehr dankbar, die diesen Vorhaben zugestimmt haben.
Beim Europäischen Rat werden wir uns natürlich auch mit der aktuellen Lage in der Ukraine beschäftigen. Als Europäische Union lassen wir keinen
Zweifel daran, dass wir die Ukraine weiterhin und auf Dauer unterstützen. Allein die zivile und militärische Hilfe aus Deutschland beläuft sich seit
Kriegsbeginn auf 16,8 Milliarden Euro. Damit sind wir der zweitgrößte Unterstützer der Ukraine nach den USA. Auch das jüngste Unterstützungspaket von
2,7 Milliarden Euro, das wir im Vorfeld des Besuchs von Präsident Selenskyj geschnürt haben, zeigt ganz deutlich: Wir stehen fest an der Seite der Ukraine.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
In Absprache mit Kiew und unseren anderen Partnern konzentrieren wir uns bei den Waffenlieferungen auf gepanzerte Gefechtsfahrzeuge,
Flugabwehrsysteme, Artillerie und nötige Munition. Damit liefern wir genau das, was die Ukraine bei der laufenden Offensive zur Befreiung ihrer Gebiete am
dringendsten benötigt. So wird Deutschland den Erwartungen gerecht, die unsere Partner zu Recht an uns als bevölkerungsreichstes und wirtschaftsstarkes Land in
der Mitte Europas richten.
Es geht aber nicht allein um die Erwartungen anderer an uns. Es liegt in unserem ureigenen Interesse, unsere Sicherheit und damit unsere Freiheit und
unseren Wohlstand auch in Zeiten, die so herausfordernd sind, zu verteidigen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Maßstab sind die Bedrohungen, die sich gegen uns und unsere Verbündeten richten. Landesverteidigung ist Bündnisverteidigung und umgekehrt. Dafür gibt
die Nationale Sicherheitsstrategie konkrete Ziele vor: erstens die Bundeswehr so zu stärken, dass sie ein Garant der konventionellen Verteidigung in Europa
wird, zweitens militärische Zukunftsfähigkeiten zu fördern und drittens die sicherheits- und verteidigungstechnologische Basis in Europa auszubauen.
Parallel sorgen wir dafür, dass die Bundeswehr endlich die Ausstattung erhält, die sie benötigt, durch effektive Beschaffung aus dem Sondervermögen,
aber auch, indem wir erstmals seit Jahrzehnten wieder 2 Prozent unseres BIP für Verteidigung ausgeben, und zwar ab dem kommenden Jahr.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Damit unterstreichen wir das, was ich am 27. Februar 2022 hier im Bundestag gesagt habe: Unser Versprechen auf gegenseitigen Beistand in der NATO gilt
ohne Wenn und Aber.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Mit diesem unverrückbaren Bekenntnis gehen wir in die Beratungen beim NATO-Gipfel in Vilnius. Von diesem Gipfel wird ein starkes Signal der
transatlantischen Zusammenarbeit und der Entschlossenheit ausgehen, gemeinsam für unsere Sicherheit einzustehen. Daran haben alle Alliierten größtes
Interesse.
Wir werden eine ganze Reihe von Beschlüssen zur Anpassung unserer militärischen Planung fassen, zum Beispiel zum verbesserten Schutz unserer
Infrastruktur unter Wasser. Diese Initiative haben wir gemeinsam mit Norwegen ergriffen, und dafür bin ich meinem Kollegen Ministerpräsident Störe sehr
dankbar.
Ich bin der festen Überzeugung, dass neben Finnland auch Schweden als neuer Verbündeter mit am Gipfeltisch sitzen sollte.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich appelliere an den wiedergewählten türkischen Staatspräsidenten Erdogan, den Weg dafür nun frei zu machen, so wie wir es vergangenes Jahr in Madrid
alle gemeinsam beschlossen haben.
Eine wichtige Rolle wird die Frage spielen, wie das Verhältnis zwischen der NATO und der Ukraine künftig aussieht. Unsere praktische und konkrete
Unterstützung, eng miteinander abgestimmt, bleibt von entscheidender, ja, überlebenswichtiger Bedeutung für die Ukraine. Zugleich sollten wir nüchtern auf die
derzeitige Situation schauen. Die ukrainische Regierung selbst hat ja festgestellt, dass ein Beitritt zur NATO nicht infrage kommt, während Russland gegen die
Ukraine Krieg führt. Deshalb werbe ich dafür, dass wir uns in Vilnius auf das konzentrieren, was jetzt absolute Priorität hat, nämlich die tatsächliche
Kampfkraft der Ukraine zu stärken. Parallel arbeiten wir mit unseren G-7- und EU-Partnern und der Ukraine an wirkungsvollen und langfristigen
Sicherheitsgarantien. Unser Ziel dabei ist zweierlei: die Ukraine nachhaltig militärisch zu unterstützen, auch mit modernen westlichen Waffen, und zugleich die
wirtschaftliche Widerstandskraft der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen die russische Aggression zu stärken.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, mit unserer Nationalen Sicherheitsstrategie reagieren wir nicht nur auf eine völlig veränderte Sicherheitslage in
Europa, sondern auch auf ein verändertes geopolitisches Umfeld. Der Krieg im Osten unseres Kontinents ist dabei nur eine der Ursachen. Die Welt des
21. Jahrhunderts ist davon geprägt, dass sich ganz unterschiedliche Kraftzentren herausbilden, neben den USA, Europa und China auch in anderen Teilen Asiens, in
Afrika und im Süden Amerikas. Unser Ziel ist es, dass Europa eines dieser Kraftzentren bleibt, mit Deutschland als starkem, weltoffenem und demokratischem Land
in der Mitte. Dafür brauchen wir Freunde und Verbündete in Europa und in der Welt.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
In den vergangenen Monaten haben wir bestehende Partnerschaften gestärkt und neue aufgebaut. Zentral ist und bleibt unsere Freundschaft zu Frankreich.
Präsident Macron und mich eint das Ziel eines geopolitischen Europas. Das haben wir bei unseren zahlreichen Treffen, zuletzt in Potsdam und Paris, gemeinsam
sehr deutlich gemacht. Dass es uns mit den Treffen in Paris und zuvor im Februar in München gelungen war, das Weimarer Dreieck auf Ebene der Staats- und
Regierungschefs nach langer Pause wiederzubeleben, ist gerade angesichts des Kriegs im Osten Europas von ganz besonderem Wert.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
So eng und vertrauensvoll wie selten zuvor ist auch unsere Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und mit Präsident Biden. Wir werden die enge
Abstimmung zwischen Washington und Berlin fortführen und Kurs halten, indem wir die Ukraine unterstützen und zugleich dafür sorgen, dass der Krieg nicht zu
einer Auseinandersetzung zwischen Russland und der NATO eskaliert. Das ist er nicht, und das wird er auch nicht werden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Gemeinsam mit Frankreich, mit Polen, mit den USA und mit anderen Verbündeten in Europa und in der G 7 werden wir dafür sorgen, dass der
euroatlantische Raum ein Gebiet des Friedens, der Freiheit und der Stabilität bleibt. Zugleich müssen wir verhindern, dass imperialistisches Denken und Handeln
weltweit eine Renaissance erfahren. Anders ausgedrückt: Wir haben allergrößtes Interesse daran, dass sich möglichst viele Staaten hinter den Grundprinzipien der
Charta der Vereinten Nationen versammeln. Dafür werbe ich sehr intensiv. Deshalb hat die gesamte Bundesregierung ihren Austausch mit Ländern in Asien, in Afrika
und Lateinamerika intensiviert. Im November werde ich wichtige Partner zum „G20 Compact with Africa“ nach Berlin einladen, damit wir die wirtschaftliche
Zusammenarbeit mit unserem Nachbarkontinent stärken.
Ich freue mich, dass wir Mitte Juli zum ersten Mal nach acht Jahren zu einem Gipfeltreffen der Europäischen Union mit den Staaten Lateinamerikas und
der Karibik zusammenkommen. Wir werden dieses Treffen beim Europäischen Rat nächste Woche intensiv vorbereiten und dabei nicht nur überlegen, was wir von diesen
Staaten erwarten,
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
sondern auch, was wir ihnen anzubieten haben, um sie enger an uns zu binden, insbesondere bei Themen wie Handel und faire Rohstoffabkommen.
Natürlich blicken viele dieser Staaten mit anderen Augen als wir auf den Konflikt in der Ukraine, schon deshalb, weil er für viele von ihnen weit weg
ist. Aber über die Grundprinzipien, die wir alle gewahrt sehen wollen, sind wir uns einig: die Unverletzlichkeit von Grenzen, die Souveränität und territoriale
Integrität von Staaten und das Gewaltverbot.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Einen Austausch über diese Grundsätze führen wir auch mit China. Mir war wichtig, dass wir uns als G 7 auf einen gemeinsamen Ansatz im Umgang mit
China verständigen. Das ist uns in Hiroshima gelungen. Wir haben einerseits festgehalten, dass wir konstruktive Beziehungen zu China wollen, dass niemand von
uns Chinas wirtschaftliche Entwicklung behindern will; Präsident Biden hat es laut und öffentlich ausgesprochen. Schließlich spielt China eine entscheidende
Rolle, zum Beispiel wenn es um die globale Ernährungssicherheit geht, um Hilfe für stark verschuldete Staaten, Investitionen in Zukunftstechnologien, den Kampf
gegen Armut oder den Kampf gegen den Klimawandel.
Zugleich haben wir China klar aufgefordert, sich an internationale Regeln zu halten. Kein Land ist der Hinterhof eines anderen. Das gilt in Europa
genauso wie auf der ganzen Welt.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Alle einseitigen Versuche, den Status quo im Ost- und im Südchinesischen Meer mit Gewalt oder Zwang zu verändern, lehnen wir entschieden ab. Das gilt
insbesondere für Taiwan.
Mit Sorge blicken wir auch auf die Menschenrechtslage und den Zustand des Rechtsstaats in China. Diese Botschaft habe ich auch vorgestern bei den
deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen unterstrichen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Im Vorfeld habe ich mich mit vielen meiner Kolleginnen und Kollegen im Europäischen Rat ausgetauscht. Bei unserem Treffen kommende Woche in Brüssel
werde ich über die Ergebnisse der Regierungskonsultationen berichten; denn unsere Beziehungen zu China sind eingebettet in die EU-China-Politik, über die wir
nächste Woche beraten werden.
Sehr ernsthaft haben wir mit den chinesischen Gesprächspartnern über den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gesprochen. Bereits auf der
Sicherheitskonferenz in München hat China sich zu einer Friedenslösung bekannt, die die territoriale Integrität der Ukraine achten will. Das bedeutet aber – das
muss klar gesagt werden –, dass Russland Truppen zurückziehen muss. Darauf habe ich hingewiesen und China aufgefordert, seinen Einfluss in Moskau entsprechend
zu nutzen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Das bloße Einfrieren des Konflikts bringt keinen Frieden. Umfassend gerecht und dauerhaft wird ein Frieden nur dann sein, wenn er die territoriale
Integrität und die Grundsätze der UN-Charta achtet.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Noch etwas hat in unseren Diskussionen mit und über China in den vergangenen Monaten eine wichtige Rolle gespielt: die Frage, wie wir einseitige
wirtschaftliche Abhängigkeiten verhindern. Auch hierzu haben wir als G 7 eine gemeinsame Linie gefunden. Wir koppeln uns nicht von China ab. Unser Ziel ist eine
kluge Diversifizierung, ein gezieltes De-Risking. Unsere Unternehmen arbeiten daran, ihre Lieferbeziehungen breiter aufzustellen. Wir unterstützen sie dabei,
zum Beispiel durch Anreize für eine strategische Lagerhaltung bei kritischen Rohstoffen. Ich selber habe auf meinen Reisen in den vergangenen Monaten für engere
Wirtschaftsbeziehungen, für neue Handelsabkommen sowie für die engere Zusammenarbeit bei Energiefragen, bei der Erschließung von Bodenschätzen geworben. Wichtig
ist mir, dass Wertschöpfung, dass nachhaltige Entwicklung und dass Wachstum auch vor Ort in diesen Ländern stattfinden, dass wir keinen Extraktivismus, keinen
Raubbau in anderen Teilen der Welt betreiben.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
So kann Europa unseren Partnern eine neue Qualität der Zusammenarbeit bieten, die es bislang gegenüber diesen Ländern noch nicht gab.
Auch beim Europäischen Rat in der kommenden Woche werden wir über das Thema wirtschaftliche Sicherheit und Resilienz sprechen. Das A und O ist dabei
natürlich, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Arbeiten dazu laufen. Wir sind dabei, unsere gemeinsamen Fiskalregeln weiterzuentwickeln. Zudem setzen
wir uns gemeinsam mit der Kommission für eine weitere Flexibilisierung der EU-Beihilferegelung ein. Die Kommission hat diese Woche eine European Economic
Security Strategy vorgelegt. Darin macht sie Vorschläge, wie wir Risiken für unsere Wirtschaft in kritischen Bereichen abbauen und die Widerstandsfähigkeit
unserer Unternehmen stärken. Zentral ist dabei, dass wir sowohl unsere Lieferanten als auch unsere Absatzmärkte weiter diversifizieren. Nicht weniger Handel,
weniger Austausch lautet die Devise, sondern mehr Handel und noch breitere Beziehungen.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Dieses umfassende Verständnis von Sicherheit, das wirtschaftliche Sicherheit einschließt, zieht sich als roter Faden auch durch unsere Nationale
Sicherheitsstrategie. Sicherheit ist weit mehr als Landes- und Bündnisverteidigung, so zentral dieser Aspekt ist. Dazu zählen der Schutz unserer
freiheitlich-demokratischen Grundordnung im Innern, aber auch eine sichere Energie- und Rohstoffversorgung, eine vorausschauende Diplomatie, Armutsbekämpfung
und Ernährungssicherheit, der Schutz vor Gesundheitskrisen, Cybersicherheit und nicht zuletzt ein entschlossener Kampf gegen den menschengemachten
Klimawandel.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Nur wenn wir die Klimakrise und ihre Folgen eindämmen, werden wir unsere Lebensgrundlagen dauerhaft sichern. Zum Glück wird diese Einsicht
mittlerweile hier in Deutschland und Europa weitgehend geteilt. Auch in unserer Nationalen Sicherheitsstrategie haben wir das Thema Nachhaltigkeit daher fest
verankert.
Noch etwas gehört dazu, wenn wir über einen umfassenden Sicherheitsbegriff reden, liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich habe das bereits im vergangenen
Jahr in meiner Rede an der Prager Karls-Universität angesprochen. Wir müssen die offenen Fragen lösen, die uns in der Europäischen Union seit Jahren spalten und
schwächen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Der wohl größte Spaltpilz der vergangenen Jahre ist unser Umgang mit dem Thema Fluchtmigration. Nach jahrelangen harten Verhandlungen haben sich
unsere Innenministerinnen und Innenminister vor zwei Wochen auf Kernbestandteile der Reform des Europäischen Asylsystems verständigt. Das ist eine historische
Einigung, weil sie zeigt, dass die EU ihre Differenzen auch bei den kontroversesten Themen überwinden kann. Ich weiß, hier in diesem Haus ist die Einigung nicht
unumstritten, alle haben dafür Kompromisse eingehen müssen, auch Deutschland, und wir werden dafür sorgen, dass die Regelung noch besser wird, bis sie endgültig
beschlossen ist. Aber das war richtig im Interesse der Einheit und Handlungsfähigkeit Europas. Das war richtig, weil unser bisheriges System völlig
dysfunktional ist.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Zuletzt wurde der überwiegende Teil derer, die in Deutschland ankamen, vorher in keinem anderen EU-Mitgliedstaat registriert. Obwohl Deutschland von
Schengenstaaten umgeben ist, melden sich viele Flüchtlinge hier das erste Mal.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: 80 Prozent!)
Rücküberstellungen in die Erstankunftsstaaten nach dem Dublin-System haben nicht funktioniert.
(Fabian Jacobi [AfD]: Weil Sie das nicht wollten!)
Zugleich fühlten sich die Außengrenzstaaten mit dem Problem steigender Ankunftszahlen von den anderen allein gelassen. Dieses System werden wir durch
eine Vereinbarung ersetzen, die Verantwortung an der Außengrenze mit Solidarität aller verbindet.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir wollen schneller Klarheit, wer als Kriegsflüchtling oder politisch Verfolgter schutzberechtigt ist und wer nicht. Das ist besser als jahrelange
Ungewissheit, auch für die Neuankömmlinge. Wer nur sehr geringe Aussichten hat, als Flüchtling anerkannt zu werden, der wird künftig direkt an den Außengrenzen
ein schnelles Asyl- und Rückkehrverfahren durchlaufen. Wer hingegen gute Chancen auf Schutz in Europa hat, weil er oder sie aus einem Kriegsgebiet kommt oder
politisch verfolgt wird, wird künftig registriert und kann dann in Europa sein Verfahren auch weiter betreiben. Deutschland wird durch ein solches neues und
faires System auch entlastet; denn bisher waren wir das Hauptziel für weitestgehend ungesteuerte Binnenmigration innerhalb des Schengenraums.
(Zuruf von der AfD: Hört! Hört!)
Mitgliedstaaten, die sich nicht an dieser solidarischen Aufnahme von Geflüchteten beteiligen, müssen stattdessen einen finanziellen Beitrag zum
Migrationsmanagement leisten.
(Martin Reichardt [AfD]: Lächerlich!)
Das ist nur gerecht; denn schließlich profitieren alle Mitgliedstaaten von sicheren Außengrenzen und offenen Grenzen im Inneren der Union.
(Beifall bei der SPD und der FDP – Friedrich Merz [CDU/CSU]: Und wiederholt bei den Grünen keine Hand!)
Das eine aber ist ohne das andere auf Dauer nicht zu haben. Auch deshalb ist der in Brüssel gefundene Kompromiss so wichtig. Ich werde ihn deshalb
beim Europäischen Rat kommende Woche aus Überzeugung verteidigen und dafür eintreten, dass wir noch vor den Europawahlen nächstes Jahr zu einer Einigung mit dem
Europäischen Parlament kommen und ihn, wie gesagt, weiterentwickeln. Ich werde dafür werben, dass wir in Europa gemeinsam irreguläre Migration begrenzen
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
und dass wir zugleich legale Zuwanderung in den Arbeitsmarkt stärken, so wie wir das hier in Deutschland mit unseren Migrationspartnerschaften und mit
dem Fachkräfteeinwanderungsrecht tun.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das ist der falsche Weg!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, Sicherheit zu gewährleisten, diese Aufgabe fordert alle Teile der Bundesregierung, Bund, Länder und Gemeinden und alle
Mitglieder des Parlaments. Sie fordert unser ganzes Land, und ich sage ohne jeden Zweifel: Deutschland hat die Kraft dazu. Wir geben der Sicherheit unseres
Landes künftig die Bedeutung, die sie in diesen fordernden Zeiten verdient.
Wir sind eine gefestigte Demokratie mit einer lebendigen Zivilgesellschaft und einer leistungsfähigen Wirtschaft. Wir haben alte und neue Freunde,
Partner und Verbündete in der Welt, die unsere Werte und Interessen teilen. Darin liegen unsere großen Stärken, und das gibt uns allen Grund zur Zuversicht.
Vielen Dank.
(Langanhaltender Beifall bei der SPD – Anhaltender Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Vielen Dank.
Ich eröffne die Aussprache. Zuerst hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Friedrich Merz.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Friedrich Merz
(CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir begrüßen sehr, dass Sie, Herr Bundeskanzler, die heutige Regierungserklärung zum bevorstehenden
Europäischen Rat am 29. und 30. Juni in Brüssel um eine Vorausschau auf den NATO-Gipfel am 11. und 12. Juli in Vilnius und um eine Rückschau auf die vom
Bundeskabinett in der letzten Woche verabschiedete Nationale Sicherheitsstrategie ergänzt haben. Lassen Sie mich mit dieser Nationalen Sicherheitsstrategie
beginnen.
Sie haben in Ihrer Regierung mehr als eineinhalb Jahre über diese Nationale Sicherheitsstrategie gestritten,
(Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann [FDP]: Ihr habt 16 Jahre gewartet!)
und das Dokument, das Sie in der letzten Woche dazu vorgelegt haben und um das Sie bis zuletzt ein großes Geheimnis gemacht haben, ist sowohl in der
Fachöffentlichkeit als auch bei unseren Nachbarn in der Europäischen Union und in der NATO – lassen Sie mich das mal so sagen – auf ein sehr verhaltenes Echo
gestoßen. Kritisiert wurde zu Recht, dass Sie diese Strategie weitgehend ohne Abstimmung mit den Partnern in der Europäischen Union und in der NATO entworfen
haben.
(Zuruf von der AfD: Ach so!)
Aber wie es auch anders geht, das hat Frankreich vor gut zehn Jahren bewiesen.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Frankreich hat über den gesamten Prozess einen hochrangigen deutschen Beamten aus dem Auswärtigen Amt als Gast eingeladen und hatte bei der Erstellung
der französischen Sicherheitsstrategie ein großes Interesse auch an dem Blick aus Deutschland. Sie haben das nicht für nötig befunden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Und auch die Bundesländer in Deutschland, alle Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten, beklagen sich darüber, dass Sie es nicht für nötig
befunden haben, die Länder in die Erstellung dieser Nationalen Sicherheitsstrategie miteinzubeziehen.
(Zuruf von der SPD: Wenn wir einer Meinung sind!)
– Dass die nicht einer Meinung sind, konnten Sie in verschiedenen Kommentaren lesen, auch aus Ihren eigenen Reihen, meine Damen und Herren, auch von
SPD und FDP und Grünen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn Sie aber der Meinung sind, Herr Bundeskanzler, dass die Sicherheit Deutschlands spätestens nach dem Beginn des Ukrainekrieges nun vollkommen neu
konzipiert werden muss, dann gehören in Deutschland die Länder mit an den Tisch;
(Beifall bei der CDU/CSU)
denn die Länder sind für große Teile des Bevölkerungsschutzes verantwortlich.
Es fällt auf, was in dieser Nationalen Sicherheitsstrategie weiterhin fehlt: Sie haben keinerlei Prozess der Implementierung und der Fortentwicklung
der Nationalen Sicherheitsstrategie verabredet. Die eigentlich notwendige Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates ist am Streit in Ihrer Regierung und
ganz offensichtlich am Widerspruch der Grünen gescheitert. Wolfgang Ischinger – er ist in dieser Frage nun wirklich unverdächtig – hat es in der letzten Woche
auf den Punkt gebracht – wörtliches Zitat –: Auf die Umsetzung kommt es an, und dafür gibt es keinen Plan. – Genau so ist es.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ausdrücklich ausgelassen haben Sie in der Nationalen Sicherheitsstrategie ein Land, dessen Regierung Sie in dieser Woche hier in Berlin getroffen
haben, nämlich die Volksrepublik China.
(Zuruf: Das stimmt doch gar nicht!)
Die angekündigte China-Strategie ist aus der Nationalen Sicherheitsstrategie ausgelassen worden;
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sie wollen sie zu einem späteren Zeitpunkt vorlegen, weil Sie auch darüber in Ihrer Regierung streiten. Wenn aber Deutschland über die Nationale
Sicherheitsstrategie gegenüber China streitet, dann kann die Europäische Union keine Sicherheitsstrategie gegenüber China entwickeln.
(Hermann Gröhe [CDU/CSU]: Aha!)
Und dann wollten Sie ja im letzten Jahr unbedingt der erste Regierungschef sein, der den chinesischen Staatspräsidenten nach der Aufhebung dieses
rigorosen Lockdowns in Peking und nach dem letzten Parteitag der Kommunistischen Partei von China sieht. Aber Sie haben ein Angebot des französischen
Staatspräsidenten, diese Reise gemeinsam zu machen, ausgeschlagen
(Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Ja!)
und sind stattdessen alleine hingereist. Wie man es auch anders machen kann, das hat genau dieser französische Staatspräsident gezeigt, als er nämlich
mit der Präsidentin der Europäischen Kommission nach Peking gereist ist, Herr Bundeskanzler.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dieses Land wird nach innen hin immer repressiver, nach außen hin immer aggressiver, auch in der militärischen Aufrüstung und in der Bedrohung des
Nachbarn Taiwan. Und dann weichen Sie in dieser Woche noch vor der chinesischen Regierung zurück, die auf Ihrer gemeinsamen Pressekonferenz keine Fragen
zulassen wollte, wie das in autoritären Staaten dann eben so üblich ist.
(Sepp Müller [CDU/CSU]: Furchtbar!)
Herr Bundeskanzler, Ihre beiden Vorgänger Gerhard Schröder und Angela Merkel haben das nicht hingenommen
(Beifall bei der CDU/CSU)
und eher mit dem Abbruch der Reisen gedroht, als ein so autoritäres Verhalten zu akzeptieren, und zwar sowohl in China als auch hier in Deutschland.
Sie weichen hier in Berlin vor einer solchen Anmaßung der chinesischen Staatsführung zurück.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Sie haben heute Morgen erneut auf die notwendigen Verteidigungsanstrengungen gegenüber Russland und für die Ukraine hingewiesen. Wie Sie wissen,
teilen wir diese Haltung von Ihnen, und wir unterstützen Sie dabei. Wir teilen auch Ihre Auffassung, dass wir insgesamt mehr für die Bündnis- und
Landesverteidigung tun müssen.
Und weil wir diese Einschätzung teilen, meine Damen und Herren, haben wir Ihnen, der Koalition, im letzten Jahr zugestimmt, das Grundgesetz zu ändern
und 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr bereitzustellen. Grundlage – um nicht zu sagen: Geschäftsgrundlage – für diese Zustimmung war allerdings
die in Ihrer Regierungserklärung vom 27. Februar 2022 gegebene Zusage, neben dem Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ab sofort mehr als
2 Prozent des BIP in die Bundeswehr zu investieren. Das war die Verabredung im letzten Jahr, ziemlich genau um diese Zeit.
Wir haben nicht miteinander verabredet, dass Sie den Verteidigungsetat im ersten Jahr, nämlich schon in diesem Jahr 2023, um 300 Millionen Euro
senken
(Zuruf des Abg. Christian Dürr [FDP])
und sich dann ab dem nächsten Jahr aus diesem Sondervermögen der 100 Milliarden Euro bedienen, um mühsam das 2-Prozent-Ziel dann im Bundeshalt
abbilden zu können. Das war nicht die Verabredung mit Ihnen und Ihrer Bundesregierung, Herr Bundeskanzler.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Sie betonen von dieser Stelle aus heute auch völlig zu Recht, wie wichtig es ist, dass wir unsere Handelsbeziehungen weiter diversifizieren und auch
unabhängiger von China werden. Eine Möglichkeit, dies zu tun, wäre, mit den südamerikanischen Staaten ein umfassendes Handelsabkommen abzuschließen, nämlich das
Mercosur-Abkommen mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Vor wenigen Wochen hat hier im Deutschen Bundestag im Wirtschaftsausschuss dazu eine
Anhörung stattgefunden.
(Julia Klöckner [CDU/CSU]: Exakt!)
Die Sachverständigen haben in großer Zahl empfohlen, dieses Abkommen jetzt so schnell wie möglich in Kraft zu setzen.
(Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Mindestens eine war dabei, die das Gegenteil gesagt hat!)
Sie haben zu diesem Abkommen heute Morgen allenfalls durch die Blume etwas gesagt.
In Wahrheit streiten Sie in Ihrer Koalition wieder einmal um ein Handelsabkommen: Sieben Jahre Streit über CETA mit Kanada, das TTIP-Abkommen mit
Amerika wurde verhindert – hätten wir das heute mal; dann ginge es uns auf der Welt insgesamt besser –,
(Alexander Ulrich [DIE LINKE]: Das ist doch Quatsch!)
und jetzt Mercosur. Die FDP ist dafür, die Grünen sind dagegen, die SPD hat keine Meinung, und der Bundeskanzler schweigt darüber, ob denn dieses
Abkommen jetzt geschlossen werden soll oder nicht. Meine Damen und Herren, Europa kann keine erfolgreiche Handelspolitik machen, wenn die Bundesrepublik
Deutschland sich so zerstreitet.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Sie betonen zu Recht, wie wichtig es ist, dass wir ein besonders gutes Verhältnis zu unserem Nachbarn Frankreich haben. Ich hätte Ihre Rede in Prag,
Herr Bundeskanzler, heute Morgen nicht noch mal erwähnt, wenn Sie es nicht getan hätten. Aber zur Erinnerung: Sie haben in dieser Rede im August letzten Jahres
Frankreich nicht mit einem Wort erwähnt. Das soll Ihre wichtigste europapolitische Grundsatzrede in Ihrer bisherigen Amtszeit gewesen sein? Nicht mit einem Wort
erwähnt!
(Katja Mast [SPD]: Das stimmt doch gar nicht! Er hat doch über Frankreich gesprochen!)
Das ist nicht nur in Prag aufgefallen, was da geschehen ist, Herr Bundeskanzler.
Und dann haben Sie in dieser Woche beschlossen, dieses Luftabwehrsystem zu beschaffen – wieder ohne Frankreich. Ihr Verteidigungsminister musste
Anfang der Woche zu einem Noteinsatz nach Paris fliegen, um dort das Porzellan, das zerschlagen worden war, mühsam zu kitten. Das ist doch keine Zusammenarbeit
mit Frankreich! Die Beziehungen zu Frankreich sind, seitdem Sie im Amt sind, an einem Tiefpunkt angekommen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Das ist doch der tatsächliche Befund, der zeigt, wie wir aus Deutschland heraus gegenwärtig mit Frankreich umgehen. Und erlauben Sie mir die
Bemerkung: Auch das haben Ihre beiden Vorgänger – beide Vorgänger! – besser gemacht, als Sie es gegenwärtig tun, Herr Bundeskanzler.
(Zurufe von der SPD: Oh! – Katja Mast [SPD]: Ach Gottchen!)
Es war immer eine gute Übung, dass es hier im Deutschen Bundestag zwischen Regierung und Opposition in der Außenpolitik und auch in der Sicherheits-
und Verteidigungspolitik ein hohes Maß – –
(Zurufe der Abg. Leni Breymaier [SPD] und Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
– Wenn Sie diesen Zwischenruf machen, dann will ich Ihnen noch etwas sagen. Die Bundesaußenministerin ist in der letzten Woche in Brasilien gewesen.
Der Außenminister Brasiliens hat sie nicht empfangen und ist seinerseits auf Reisen gegangen. Dafür sind Sie, Frau Baerbock, dann in Brasilien auf
Besichtigungstour gegangen – offensichtlich mehr mit einem eigenen Fotografen beschäftigt als mit den Gastgebern in Brasilien.
(Beifall bei der CDU/CSU – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was soll denn das jetzt? – Weitere Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN)
Die Bilder, die Sie aus Brasilien mitgebracht haben, waren Ihnen doch wichtiger als alle politischen Gespräche. Es war doch Innenpolitik, was Sie da
gemacht haben, und nicht Außenpolitik.
(Saskia Esken [SPD]: Was ist denn das für ein Niveau? Wahnsinn! – Weiterer Zuruf von der SPD: Ganz tiefes Niveau! – Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE
GRÜNEN]: Sie sollten mal Fotos mit Hendrik Wüst machen! Also wirklich!)
Meine Damen und Herren, wir sind sehr für eine wertegeleitete und interessengeleitete Außenpolitik. Aber wir brauchen keine belehrende und
moralisierende Außenpolitik – darauf wartet niemand auf dieser Welt –, insbesondere nicht aus der Bundesrepublik Deutschland heraus.
(Beifall bei der CDU/CSU – Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auf Polizeibeamte, die Reden halten auf dem Parteitag!)
Deswegen lassen Sie mich zum Schluss sagen: Wir wollen den Fortschritt in Europa. Wir wollen, dass es in dieser Europäischen Union kraftvoll
weitergeht. Nie war das wichtiger und notwendiger denn heute.
(Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also, außer Nörgeleien haben wir nichts gehört!)
Aber wenn in der Bundesrepublik Deutschland, wenn in Ihrer Bundesregierung beständig gestritten wird über wesentliche innenpolitische, außenpolitische
und europapolitische Fragen – wir sind kein kleines Land am Rand, wir sind das geostrategisch wichtigste Land in der Mitte Europas; ob wir es wollen oder nicht,
wir sind es –, wenn Sie in der Bundesregierung aber permanent streiten, dann überträgt sich dieser Streit auf die Europäische Union. Wir könnten in Europa
wesentlich weiter sein, wenn es eine geschlossenere Haltung der Bundesrepublik Deutschland und Ihrer Bundesregierung in Europa gäbe, meine Damen und Herren.
(Zuruf des Abg. Christian Dürr [FDP])
Sie sind dafür verantwortlich, dass Europa heute nicht da steht, wo wir eigentlich gemeinsam stehen müssten.
Herzlichen Dank.
(Anhaltender Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächste Rednerin: für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Britta Haßelmann.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)
Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Regierungsvertreter/-innen! Außerhalb der Sache dachte ich gerade: Mein Gott, ein bisschen
Stützbeifall wird gebraucht.
(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beifall des Abg. Jürgen Trittin [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Jens Spahn [CDU/CSU]: Ihr habt ja
nicht geklatscht bei eurem Kanzler!)
So schien es gerade zu sein; denn inhaltlich, Herr Merz, war das nicht zu begründen. Ich meine, wenn Sie es nötig haben, die wichtige Reise von Herrn
Heil und von Frau Baerbock auf diesem Niveau zu kommentieren, dann haben Sie, glaube ich, noch nicht ganz verstanden, welche Bedeutung und Relevanz diese Reise
der beiden für die wirtschaftliche Zusammenarbeit, eine menschenrechtsorientierte Politik und auch den internationalen Klimaschutz hat. Aber das steht halt für
sich.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP – Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Was ist jetzt mit Mercosur?)
Beim Europäischen Rat geht es um eine Fülle von Themen; das haben wir gerade in der Regierungserklärung von Olaf Scholz gehört. Insbesondere geht es
um die Frage: Wie geht es jetzt mit der Unterstützung der Ukraine als wichtigem Signal vonseiten der Mitgliedstaaten der Europäischen Union weiter? Ich glaube,
dass es wirklich von zentraler Bedeutung ist, auch nach 16 Monaten dramatischen Kriegs und angesichts der furchtbaren Situation für die Menschen in der Ukraine,
an die auch ein Stück weit Gewöhnung stattgefunden hat, immer wieder deutlich zu machen, dass wir hier in Deutschland und in Europa an der Seite der Ukraine
stehen und dass wir nicht nachlassen werden in unserem Engagement, die Ukraine humanitär, wirtschaftlich und mit Waffen zu unterstützen; denn das braucht die
Ukraine in diesem furchtbaren Krieg,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
in diesem furchtbaren Angriffskrieg Putins auf die Ukraine, der im Angesicht ausbleibender militärischer Erfolge Russlands zunehmend brutaler,
zunehmend schmutziger wird.
Die dramatischen Folgen der Sprengung des Staudamms konnten wir alle sehen. Wir konnten sehen, was diese Katastrophe für die Menschen humanitär
bedeutet: Sie hat nicht nur den Entzug der Lebensgrundlagen und die Zerstörung der Lebensorte zur Folge, sondern auch massive ökologische Auswirkungen für die
nächsten Generationen und Auswirkungen auf die Welternährung. Denn bei einer solch großen Region, wie sie durch diese Katastrophe vernichtet und ihrer
Grundlagen beraubt wurde, wird es Jahrzehnte dauern, bis sich dieses Land, bis sich die Natur, die Umwelt, die Menschen und das ganze ökologische System davon
erholen. Das zeigt uns auf dramatische Art und Weise, wie furchtbar dieser Krieg ist und wie furchtbar die Folgen für die Menschen in der Ukraine sind.
Deshalb ist es gut und wichtig, dass bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz Regierungsvertreter aus 61 Ländern sowie Investoren und Unternehmen
anwesend waren und finanzielle Hilfen zugesagt worden sind. Sie werden sich mit der Ukraine-Fazilität, mit der Militärhilfe und dem Fonds, der dazu noch einmal
aufgestockt wird, beschäftigen und so zusammen mit dem elften Sanktionspaket deutlich machen: Wir stehen an der Seite der Ukraine. Wir stützen sie, und wir
machen uns bereits in dieser Situation Gedanken darüber, wie wir sie beim Wiederaufbau unterstützen können. – Das ist ein ganz wichtiges und zentrales
Signal.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP)
Meine Damen und Herren, über die Sicherheits- und Friedensordnung und ihre Gefährdung haben wir hier schon sehr oft diskutiert. Wir alle wissen darum:
Ein freies Land mitten in Europa wird auf diese brutale Art und Weise völkerrechtswidrig angegriffen, und das hat Auswirkungen auf die europäische Friedens- und
Sicherheitsordnung. Deshalb ist es richtig und gut, dass der Europäische Rat sich auch mit diesem Thema befasst.
An dieser Stelle, Herr Merz, verstehe ich Ihre Kritik überhaupt nicht. Es würde helfen, die Nationale Sicherheitsstrategie einfach mal zu lesen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD – Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Offensichtlich sind wir die Einzigen, die sie gelesen
haben!)
In der letzten Woche, als wir darüber diskutiert haben, brachten Ihre Fachabgeordneten es fertig, ihre Kritik darauf zu reduzieren, dass ihnen die
Broschüre nicht gefiel, weil darin zu viele Hochglanzfotos seien. Das wird dem Charakter dessen, was die Bundesregierung hier auf den Weg gebracht hat, in
keiner Art und Weise gerecht.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Zuruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU])
Wenn Sie einfordern, dass die Länder beteiligt werden – ich war letzte Woche in der Debatte dabei –: Ja, wir werden über viele zentrale Fragen der
Nationalen Sicherheitsstrategie nicht nur auf europäischer Ebene reden. Wir werden auch mit den Bundesländern darüber zu reden haben. Denn „Nationale
Sicherheitsstrategie“ ist sehr breit gefasst: von Cybersicherheit über Bevölkerungsschutz bis hin zu vielen, vielen weiteren Fragen, zum Beispiel des
Sondervermögens, des Verteidigungsetats und, und, und.
Ich hätte erwartet, dass in der Debatte auch Landesvertreter anwesend gewesen wären. Aber glauben Sie nicht, dass auch nur ein einziger
Landesvertreter anwesend war.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Es waren doch Ihre Minister, die sich beklagt haben! Was hat denn
der Hamburger Innensenator zu dem Thema gesagt?)
Kein einziger Innenminister der Länder war präsent! Das fand ich sehr bedauerlich. Das werde ich auch noch persönlich zum Ausdruck bringen.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Es ist keine Strategie, sondern eine Broschüre, die Sie da gemacht haben!)
– Aber ich weiß gar nicht, warum Sie da so jaulen.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das nennt man „reden“ und nicht „jaulen“!)
Ich habe es gesehen: Da war niemand. Mich hat das bei der massiven Kritik, die da gekommen war, irritiert.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, ja, es ist wichtig und notwendig, dass wir uns über die Fragen des Sondervermögens und der Sicherheitsstrategie auch im
europäischen Kontext verständigen. Das werden wir auch tun.
Auch im Hinblick auf das 2-Prozent-Ziel verstehe ich Ihre Kritik nicht. Denn im Rahmen der Nationalen Sicherheitsstrategie und der Diskussion dazu in
den Ressorts ist doch ganz klar vereinbart worden – das können Sie in diesem Heft, in dieser Strategie lesen –, dass die Verteidigungsfähigkeit im Sinne der
Erreichung des 2-Prozent-Ziels und mithilfe des Sondervermögens jetzt aufgebaut wird. Daran arbeitet diese Bundesregierung mit Unterstützung des
Parlamentes.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Sie tun doch gar nichts dafür! Gar nichts!)
Von daher: Ihre kleinteilige Kritik ist in dieser Sache völlig unangemessen, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Was für ein Blödsinn! Sie revidieren sich doch selber die ganze
Zeit!)
Es geht darum, Themen wie die europäische Kooperation und viele mehr zu vertiefen. Das steht beim Europäischen Rat an, meine Damen und Herren, und das
ist wichtig und gut.
Im Hinblick auf die China-Strategie ist es wichtig, die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten, die Sicherheit von kritischer Infrastruktur und auch
die Frage des De-Riskings zu diskutieren. Und das tun wir gemeinsam mit den Europäerinnen und Europäern; da ist eine gute Grundlage gelegt. Dazu findet sich
gleich auf Seite 12 der Nationalen Sicherheitsstrategie ein ausführliches Statement, wie man eine zukünftige China-Strategie im Hinblick auf China als „Partner,
Wettbewerber und systemischer Rivale“ einzuordnen hat.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das ist doch ein alter Hut, keine Strategie!)
Wenn Sie sich dazu so kritisch äußern, erwarte ich von Ihnen, dass Sie sich damit in der Sache auseinandersetzen und das hier auch zur Kenntnis
nehmen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss noch eines sagen: Menschen ertrinken im Mittelmeer. Das ist grausam, aus unser aller Sicht. Es
gibt Rechtsverstöße ohne Ende. Und es gibt so menschenunwürdige Zustände in vielen Lagern. Deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir über eine gemeinsame
europäische Asylpolitik und das Asylsystem reden. Aber ich sage Ihnen: Wir stehen in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass es zu Verbesserungen
kommt.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Also weniger Migration!)
Denn dass 23 von 27 Ländern sich bisher nicht bereit erklären, Kinder aus dem Grenzverfahren herauszunehmen, ist ein untragbarer Zustand. Wir müssen
daran arbeiten, dass sich das ändert.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: So ein Blödsinn! So ein Unfug!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächste Rednerin: für die AfD-Fraktion Dr. Alice Weidel.
(Beifall bei der AfD)
Dr. Alice Weidel (AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Sehr geehrte Damen und Herren! Sie haben aus Deutschland ein Land gemacht, das sich
aus der Riege der ernstzunehmenden Nationen verabschiedet und als Industrieland abschafft. Ihre Energie-, Wirtschafts- und Migrationspolitik wird vom Rest der
Welt nur noch als abschreckendes Beispiel gesehen. Selbst für unsere nominellen Verbündeten sind wir vor allem Geldautomat und Waffenlieferant in ein
Kriegsgebiet, während unsere eigene Armee die Fähigkeit zur Landesverteidigung verloren hat.
Warum sollten andere auch Respekt haben vor einer Regierung, der man ohne Aufbegehren die vitale Infrastruktur wie die Nord-Stream-Erdgasleitung vor
der Nase wegsprengen kann?
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Und wenn demnächst auch kein russisches Erdgas auf dem Landweg mehr kommt, weil die Ukraine die auslaufenden Transitverträge nicht verlängern will,
dann – erklärt uns der Bundesminister der Deindustrialisierung und Wirtschaftszerstörung – müssten wir eben bei uns die Industrie herunterfahren, damit in den
Nachbarländern keiner frieren muss.
Herr Habeck, der bei der Nationalhymne den Mund zusammenkneift, signalisiert uns damit klar und deutlich: Seine Politik dient weder diesem Land noch
seinen Bürgern.
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Er sagt es ja selbst: Er kann – ich zitiere – „mit Deutschland“ nichts „anfangen“ und findet die Liebe zu diesem Land, dessen Bürger ihn übrigens
bezahlen, – O-Ton – „zum Kotzen“. Und so sieht seine Politik auch aus.
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Das von Herrn Habecks Lobbyistentruppe ausgeheckte Heizungsgesetz ist dafür der beste Beweis. Auch mit ein paar Umdekorationen bleibt dieses Gesetz
ein Frontalangriff auf das Eigentum der Bürger. Ihr großer Plan, der große Sprung nach vorne, die große Dekarbonisierung, würde unsere Volkswirtschaft nach
Berechnungen des Thermodynamikers André Thess 10 Billionen Euro bis 2045 kosten – Billionen, mit „B“ –, rund 500 Milliarden Euro pro Jahr.
Sie zwingen das energieintensive produktive Gewerbe zur Abwanderung oder direkt in die Insolvenz – ein Begriff, mit dem Herr Habeck auch nichts
anzufangen weiß. Und Sie treiben die Automobilindustrie durch Ihre E-Auto-Planwirtschaft in den Selbstmord. Woher der zusätzliche Strom für Wärmepumpen und
E-Autos kommen soll, weiß niemand.
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Und das alles für eine grüne groteske Ideologie ohne Rückbindung an die Realität. Denn für die weltweiten CO2-Emissionen wird weder das
Heizungsverbotsgesetz noch die von Ihnen vorangetriebene Deindustrialisierung Deutschlands einen Unterschied machen. Erzählen Sie also nichts vom Klimaschutz!
Denn sonst müssten Sie Kernkraftwerke bauen und nicht abschalten.
(Beifall bei der AfD)
Den Strom, der durch die Abschaltung der drei letzten modernen deutschen Kernkraftwerke fehlt, importieren Sie jetzt aus alten französischen
Klapperkraftwerken. Was für eine Absurdität!
Ihre grüne Transformation nützt weder den Bürgern, noch rettet sie das Klima oder den Planeten. Wohl aber profitieren von dieser Umverteilung von
unten nach oben die Lobbyisten, die diese Regierung fest im Griff haben. Bei der Vetternwirtschaft im Wirtschaftsministerium hätte Herr Habeck bei jeder
normalen Regierung längst den Hut nehmen müssen.
(Beifall bei der AfD)
Sie betreiben damit die Spaltung der Gesellschaft. Sie wird noch verschärft durch die aus dem Ruder gelaufene Armutsmigration, die diese Regierung
weiter anheizt. Selbst wenn auf EU-Ebene ein bescheidener Kompromiss gefunden wird, um den Asylansturm wenigstens etwas einzudämmen, haben Ihre Minister nichts
Besseres zu tun, Herr Scholz, als diese Minimallösung sofort zu sabotieren.
Sie senden weiter Einladungssignale zum Zuzug in die Sozialsysteme: Wer kommt, wird voll versorgt, muss keine Abschiebung fürchten und darf auf eine
schnelle Einbürgerung spekulieren. Die Bundesinnenministerin verweigert trotz aller Hilferufe aus den überforderten Kommunen effektive Grenzkontrollen. Auch so
macht diese Regierung Deutschland zum Außenseiter Europas.
Die Lasten tragen die Bürger. Sie zahlen den Preis, wenn der öffentliche Raum zur No-go-Area wird und brutale Messergewalt und Sexualdelikte zur
Alltagserscheinung werden.
(Zuruf von der SPD: Das ist doch lächerlich!)
Zählt man die Länderstatistiken zusammen, gab es allein im letzten Jahr über 21 000 Messerattacken, mindestens 60 an jedem einzelnen Tag.
(Zuruf der Abg. Leni Breymaier [SPD] – Weiterer Zuruf: Die AfD ist eine No-think-Area!)
– Ich kann schon verstehen, warum Sie hier rumschreien.
(Lachen bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Jan Korte [DIE LINKE]: Tun wir gar nicht! – Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Macht
doch gar keiner!)
Fazit: Diese Regierung lässt die einheimische Bevölkerung mit dieser perversen – –
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
– Sie schreien ja.
(Dr. Till Steffen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir lachen!)
– Dass Sie jetzt lachen, spricht Bände.
(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sie lassen die einheimische Bevölkerung mit dieser perversen importierten Kriminalitätsbelastung eiskalt im Stich:
(Beifall bei der AfD)
ein Vollversagen dieser Regierung und der Vorgängerregierung, CDU-geführt im Übrigen.
Es trifft doch vor allem die Normalbürger, wenn der Wohnungsmarkt leergefegt ist – Sie lachen; das weiß ich –, weil die öffentliche Hand für die
Unterbringung von Migranten jeden Preis zahlt, Senioren aus ihren Wohnungen hinausschmeißt und Neubau wegen politischer Gängelung
(Saskia Esken [SPD]: Armseliger Populismus! – Anke Hennig [SPD]: Das stimmt doch gar nicht! Was erzählen Sie da? – Weitere Zurufe von der
SPD)
– sehen Sie, Sie schreien ja trotzdem –
(Dunja Kreiser [SPD]: Erzählen Sie doch mal die Wahrheit! Keine Fake News! – Weitere Zurufe von der SPD – Gegenruf von der AfD: Schreihälse!)
überhaupt gar nicht stattfindet. Die Bürger – –
(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Gegenruf von der AfD)
– Können Sie bitte eingreifen, Frau Präsidentin? Ich würde gerne meine Rede irgendwie fortsetzen.
(Anhaltende Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Kolleginnen und Kollegen, jetzt mal wieder Ruhe im Saal hier! Alle mal wieder ein bisschen beruhigen! Frau Weidel hat das Wort.
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie hat es darauf angelegt! – Gegenruf von der AfD: Zuhören!)
Dr. Alice Weidel (AfD):
Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Die Bürger dieses Landes sind die Leidtragenden, wenn sie keinen Arzttermin mehr bekommen, wenn
Medikamente knapp werden, aber die Kassenbeiträge trotzdem steigen, weil Ihre verantwortungslose Politik Leistungsempfänger in die Sozialsysteme treibt,
(Zuruf von der SPD)
die überhaupt keinen Beitrag dazu leisten. Mehr als die Hälfte der Bürgergeldempfänger haben keinen deutschen Pass, melden die Jobcenter. Wer gibt
eigentlich Ihnen das Recht, das hart erarbeitete Geld der Bürger so hemmungslos an Wirtschaftsflüchtlinge aus aller Welt zu verteilen? Dieses Geld gehört Ihnen
nicht.
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Diese Politik können wir uns nicht mehr leisten. Deutschland ist schon lange kein reiches Land mehr; Sie machen es zum Abstiegskandidaten. Wir müssen
das, was wir an Mitteln und Kraft noch haben, darauf konzentrieren, den Absturz abzuwenden, und das heißt: Abschied vom grünen Narrenschiff und dem
Weltrettungsgrößenwahn,
(Beifall des Abg. Fabian Jacobi [AfD])
stattdessen Energiewende beerdigen, Energieversorgung sichern, Wiedereinstieg in die Kernkraft, Grenzen schließen, Sozialmigration verhindern,
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ausreisepflichtige und Straftäter – ja, natürlich – endlich abschieben,
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ein Albtraum, was Sie da erzählen! – Saskia Esken [SPD]: Wenn die Straftäter aus Ihren Reihen auch abgeschoben
werden!)
Steuern senken, Bürokratie abbauen, Staatsausgaben beschränken, Scheckbuchpolitik beenden, unqualifizierte Regierungsbeamte rauswerfen, den Standort
Deutschland stärken, anstatt vorsätzlich zu schwächen – zurück zur Normalität!
(Beifall bei der AfD sowie des Abg. Robert Farle [fraktionslos])
Ein Wort noch an die CDU. Während diese Regierung dieses Land in den Abgrund treibt, verschwenden Sie Ressourcen und Zeit für antidemokratische
Brandmauerdebatten. Sie sind keine Oppositionskraft; Sie sind Oppositionsverweigerer.
(Beifall bei der AfD)
Die einzige Brandmauer, die wir brauchen, –
Präsidentin Bärbel Bas:
Kommen Sie bitte zum Schluss.
Dr. Alice Weidel (AfD):
– ist die Brandmauer gegen diese grüne Politik, die unser Land ruiniert und die Bürger um ihren Wohlstand und um ihre Freiheit bringt.
Vielen herzlichen Dank.
(Beifall bei der AfD – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Eine überflüssige Redezeitüberschreitung!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die FDP-Fraktion Christian Dürr.
(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Christian Dürr
(FDP):
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen dankbar für Ihre Ausführungen und
Gedanken zum Europäischen Rat, natürlich insbesondere für die geopolitische Einordnung Deutschlands und dieses wichtigen Treffens.
(Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Er kann gar nicht zuhören! Er ist mit dem Handy beschäftigt!)
Am Anfang des Jahres konnte ich in der Panzertruppenschule in Munster selbst erfahren, mit welcher Leidenschaft und Überzeugung deutsche Soldaten
ukrainische Streitkräfte am Schützenpanzer Marder und an den Leopard-Panzern ausgebildet haben. Der Beitrag Deutschlands, und zwar fest verankert in der
westlichen Wertegemeinschaft und in der Europäischen Union, deren Auflösung die AfD empfiehlt, ist – das will ich an Ihre Seite richten – in dieser Situation
zentral.
(Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD])
Wenn Sie übrigens über wirtschaftliche Stärke dieses Landes reden – ich komme gleich noch mal darauf zu sprechen –, aber gleichzeitig eine komplette
Entkopplung von unseren Handelspartnern fordern, schaden Sie den Menschen in Deutschland. Das ist der Punkt. Das ist das, was Ihre Partei in Wahrheit
forciert.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und des Abg. Thomas Heilmann [CDU/CSU])
Sie schaden uns doch mit dem, was Sie hier reden, und zwar wirtschaftlich, ökonomisch – abgesehen von den Widerlichkeiten, die Sie hier regelmäßig
vortragen.
Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen dankbar für diese klare Verortung auch innerhalb der NATO-Familie. Und Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen,
auf den ich näher eingehen will, nämlich die Bedeutung der wirtschaftlichen Widerstandskraft Europas und Deutschlands in dieser geopolitisch herausfordernden
Situation.
(Tino Chrupalla [AfD]: Das ist Existenzangst! – Zuruf des Abg. Hannes Gnauck [AfD])
Unsere Wettbewerbsfähigkeit ist eben auch ein ganz wichtiger Tagesordnungspunkt bei diesem Europäischen Rat. Und das, was wir als Bundesregierung, als
Regierungskoalition machen können, werden wir genau in dieser Woche tun. Der Deutsche Bundestag wird nach Jahren der Diskussion endlich über ein
Planungsbeschleunigungsgesetz, über mehr Geschwindigkeit, Bürokratieabbau und echte Angebotspolitik – das ist das, was ökonomisch jetzt in diesen Zeiten zu tun
ist, gerade weil sie geopolitisch herausfordernd sind – sprechen – zum Glück.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Dr. Silke Launert [CDU/CSU])
Ich will auch einen zweiten Punkt angehen, wo es genau darum geht – Frau Weidel hat ja wieder versucht, das für sich politisch zu missbrauchen –,
einen Knoten zu durchschlagen, der eben auch mit der europäischen Ebene zu tun hat. Die Migrationspolitik ist von zentraler Bedeutung, auch ökonomischer
Bedeutung, und für die Frage der Wettbewerbsfähigkeit zentral wichtig, meine Damen und Herren, gerade für die Bundesrepublik Deutschland.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Welche Migrationspolitik denn? Das ist doch keine Migrationspolitik!)
Wir werden in dieser Woche mit der Mehrheit dieses Hauses endlich ein neues Einwanderungsrecht beschließen, das die Einwanderung in den Arbeitsmarkt
bringt.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Schön wär’s! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch Blödsinn! – Weitere Zurufe von der AfD)
Freitag ist ein historischer Tag. Endlich schaffen wir das – mit der Mehrheit dieses Hauses, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der FDP, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Mike Moncsek [AfD])
Das stärkt unsere wirtschaftliche Basis und befriedet auch manchen gesellschaftlichen Konflikt in Deutschland und Europa.
(Dr. Alice Weidel [AfD]: Es findet doch überhaupt keine Einwanderung in den Arbeitsmarkt statt!)
Und deswegen, Herr Merz, fand ich es spannend, dass Sie in Ihrer Rede ja an verschiedenen Stellen angemahnt haben, man müsse jetzt – gerade der
Bundeskanzler müsse das – mehr in Europa voranbringen und gemeinsam mit Frankreich und anderen Partnern entscheiden.
(Zuruf des Abg. Hermann Gröhe [CDU/CSU])
Die gemeinsame Asylpolitik ist mit dieser Bundesregierung einen entscheidenden Schritt nach vorne gekommen, nicht mit Ihrer, Herr Merz.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dann reden wir – ich bleibe bei der Wettbewerbsfähigkeit – über die ökonomische Basis. Herr Merz, die CDU/CSU-geführten Bundesregierungen der
Vergangenheit haben es nicht vermocht, beim Freihandel endlich einen Schritt nach vorne zu kommen. Der Bundeskanzler hat gerade erwähnt, wie wichtig der
Freihandel für Deutschland und die Europäische Union ist. Es war diese Regierungsmehrheit, die CETA ratifiziert hat, nicht Ihre.
(Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Auch das muss man doch mal feststellen. Das sind doch für die Europäische Union zentrale Entscheidungen gewesen.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN] – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nach anderthalb Jahren! Wir haben es
zehnmal auf die Tagesordnung gesetzt; Sie haben es wieder runtergenommen! Super Leistung!)
Das Einwanderungsrecht habe ich bereits erwähnt; über Planungsbeschleunigung sprechen wir diese Woche. Mein herzlicher Wunsch ist, dass sich das, was
wir hier zur Stärkung unserer wirtschaftlichen Basis und zur Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit tun, auch auf europäischer Ebene widerspiegelt. Und da will
ich sehr versöhnlich sagen: Ich bin den Kollegen Steffen Bilger, Jens Spahn, Julia Klöckner, Albert Stegemann und Frau Dr. Weisgerber sehr dankbar, dass sie
sich mit einem Brief an Frau Dr. von der Leyen gewandt haben, in dem es um die Wettbewerbsfähigkeit ging. Sie schreiben, wie ich finde, vollkommen zu Recht: Uns
treibt die Sorge, dass die EU zentrale politische Ziele nicht erreichen könnte, weil sie diese durch eigene Rechtssetzung torpediert; Überforderung und
Überregulierung sind der falsche Weg. – Besser hätte man es nicht sagen können.
(Beifall bei der FDP)
Und genau darüber, meine Damen und Herren, müssen wir doch in diesen Tagen sprechen, insbesondere bei der Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie, die Frau
von der Leyen vorantreibt, insbesondere bei der Energieeffizienzrichtlinie,
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Da hat er recht!)
bei der Industrieemissionsrichtlinie und natürlich bei dem, was mit der Durchführungsverordnung zur Ökodesign-Richtlinie geplant ist. – Herr Kollege
Frei nickt zu Recht. – Lassen Sie uns da sehr gerne zusammenarbeiten! Ich bin den Kollegen sehr dankbar, dass sie sich an Frau von der Leyen wenden; denn wir in
dieser Koalition reden – auch streitig – darüber, wie wir im Gebäudesektor klimaneutral werden könnten. Wir setzen auf Technologieoffenheit. Wir setzen darauf,
dass wir die Ziele möglicherweise sogar schneller erreichen, als es ursprünglich von der alten Regierung geplant war, weil wir Klimaschutz für Deutschland
wollen und das mit wirtschaftlicher Stärke zusammenbringen wollen, meine Damen und Herren.
(Zurufe von der AfD – Abg. Thomas Heilmann meldet sich zu einer Zwischenfrage)
Die einzige Frage, die ich an die Union habe, ist: Diese Kollegen haben sich dankenswerterweise an Frau von der Leyen gewandt. Wann wendet sich
Friedrich Merz an Ursula von der Leyen, liebe Kolleginnen und Kollegen? Das ist doch die Frage, die zu beantworten ist.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Dr. Alice Weidel [AfD])
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Dürr, möchten Sie eine Zwischenfrage oder Zwischenbemerkung aus der Fraktion der CDU/CSU zulassen?
Christian Dürr
(FDP):
Ja, natürlich. Wenn ich helfen kann, gerne.
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Kollege.
Thomas Heilmann
(CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Kollege Dürr, dass Sie die Frage zulassen. – Sie verweisen ja auf Europa. Wir in der Union sind uns in den Fragen einig; da müssen
Sie, glaube ich, keine Zwischentöne aufnehmen.
Aber zu meiner Frage. Man soll ja erst mal vor der eigenen Tür kehren. Sie wollen, wie Sie selber formuliert haben, das Gebäudeenergiegesetz vom Kopf
auf die Füße stellen. Wann dürfen wir denn mal mit Texten rechnen? Wann kriegen wir denn die Formulierungsvorschläge eines ja dann in der Substanz völlig neuen
Gesetzes?
(Dr. Rainer Kraft [AfD]: Die Drucksachennummer!)
Christian Dürr
(FDP):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Kollege, vielen Dank für die Frage. Wir machen es uns eben nicht leicht.
(Lachen bei der CDU/CSU)
– Nein. Das ist ja spannend. Man könnte es ja genauso machen wie Ihre Parteifreundin Ursula von der Leyen, indem man nämlich am Parlament und
möglicherweise an den Mitgliedstaaten vorbei absurde Dinge forciert.
(Nadine Schön [CDU/CSU]: Das war nicht die Antwort auf die Frage!)
Ich will nur ein Beispiel nennen. In Robert Habecks ursprünglichem Vorschlag – wir haben darüber streitig diskutiert – hieß es: 65 Prozent Erneuerbare
im Gebäudesektor. – Ich halte das Ziel ausdrücklich für richtig. Ich will sogar weitergehen: Am Ende müssen es 100 Prozent sein, beispielsweise auch in den
Gasnetzen.
Was ist der Vorschlag Ihrer Parteifreundin?
(Zuruf der Abg. Nadine Schön [CDU/CSU])
Ihre Parteifreundin sagt: Echte Klimaneutralität ist egal. Wir setzen bürokratisch an der Anlage an: Jede Heizung in Europa muss in Zukunft
115 Prozent schaffen. – Das ist geradezu absurd, was Sie da technisch fordern. Bitte beknien Sie Ihre Parteifreunde in Brüssel, den richtigen Kurs, nämlich den
Kurs dieser Koalition, einzuschlagen! Das muss doch das Ziel sein: Klimaneutralität und wirtschaftliche Vernunft zusammenzubringen.
(Beifall bei der FDP und der SPD – Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Schwache Antwort! Ganz schwache Antwort! – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Gar keine
Antwort!)
Ich bin Ihnen deshalb wirklich dankbar für die Frage, weil sie uns die Gelegenheit gibt, uns auch hier, innerhalb dieser Koalition, darauf zu
fokussieren, was in den kommenden Monaten wichtig sein wird.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Wann kommt das jetzt? – Zuruf des Abg. Axel Müller [CDU/CSU])
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ein sehr gutes Heizungsgesetz gemeinsam hinbekommen.
(Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Ohne Gesetzestext! Sensationell! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU)
Aber uns in Deutschland, liebe Kollegen der Union, ist nicht geholfen, wenn wir es zwar hier geschafft haben mit der Mehrheit, aber die Europäische
Kommission und Ihre Parteifreundin an der Spitze all das torpedieren. Das darf nicht passieren. Lassen Sie uns gemeinsam arbeiten und Ursula von der Leyen
überzeugen!
Ich danke Ihnen herzlich.
(Beifall bei der FDP und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das war ja ganz schwach!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Kollege Heilmann, das war die Antwort. Sie können sich wieder hinsetzen.
(Dorothee Bär [CDU/CSU]: Das war ja keine Antwort! – Jens Spahn [CDU/CSU]: Wo war jetzt die Antwort?)
Nächster Redner: für die Fraktion Die Linke Dr. Dietmar Bartsch.
(Beifall bei der LINKEN)
Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich hätte mir ja gewünscht, Herr Bundeskanzler, dass Sie, weil es ja die letzte Regierungserklärung vor
der Sommerpause ist, auch eine kleine Bemerkung zur Situation im Lande gemacht hätten.
(Beifall bei der LINKEN)
Denn ehrlich gesagt: Ich bin nicht so sicher, ob je eine Bundesregierung so viel Unzufriedenheit entfacht hat wie Ihre, Herr Bundeskanzler.
Ich meine, die Zahlen sind ja inzwischen auch eindeutig: Nach der OECD-Prognose liegen wir beim Wachstum auf dem letzten Platz; das muss man sich mal
überlegen.
(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Ja! – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ja, genau!)
Ich will mal Ihren Wirtschaftsminister – er ist ja heute nicht da – zitieren. Der hat am Sonntag in der ARD so wunderschön gesagt: „Ich bin auch nicht
zufrieden mit der Bundesregierung.“ Wenn er in dem Moment aufgehört hätte, wäre das super gewesen.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dann hätte er die Stimmung im Land getroffen. Aber er hat leider noch einen Satz hinzugefügt: „Die Leistungsbilanz ... ist groß.“ Ehrlich gesagt,
meine Damen und Herren, das ist doch völlig absurd. Ihre Bilanz ist nicht groß, die ist mies, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Inflation, Migration, Klima, Kindergrundsicherung, Leistungsverweigerung statt Leistung – das ist die Wahrheit.
Dass das nicht Ihre Sicht der Dinge ist, das habe ich verstanden. Deswegen haben Sie sich ja auch 3 000 Euro Inflationsausgleich gegönnt.
(Zuruf von der LINKEN: Unglaublich!)
Müllwerker, Krankenschwestern, Polizistinnen und Polizisten, die haben dafür gestritten, und die haben, ehrlich gesagt, den Bonus auch verdient, um
die Inflation ein Stück weit auszugleichen. Aber Sie haben die Aufgabe, die Inflation zu bekämpfen.
(Beifall bei der LINKEN)
Ein Inflationsausgleich für Inflationsminister, das ist schlicht unanständig, meine Damen und Herren. Deswegen fordere ich Sie auf: Verzichten Sie als
ganzes Kabinett darauf, damit Sie dem Ansehen der Politik nicht weiter Schaden zufügen! Das Mindeste ist allerdings, das Geld zu spenden, meine Damen und
Herren.
Zahlreiche afrikanische Staatschefs haben in Kiew und in Moskau gerade Gespräche mit Herrn Selenskyj und mit Herrn Putin geführt. Ihre Botschaft war
klar: Die Welt – insbesondere natürlich die Staaten Afrikas – leidet unter den Folgen dieses verheerenden Krieges. Dass dieser Krieg enden muss, und das
möglichst schnell, darüber gibt es hoffentlich Einigkeit hier im Hause. Ich halte es allerdings für einen schweren Fehler, dass von Ihnen null Komma null
Unterstützung für diese Initiative kommt. Dröhnendes Schweigen!
(Beifall bei der LINKEN)
Auch heute kein Wort dazu, übrigens auch nicht von Herrn Merz. Südamerika, China, Afrika: Alle legen Initiativen vor. Und Europa? Nicht.
Um es noch mal klar für meine Fraktion zu sagen, damit es kein Missverständnis gibt: Der Aggressor heißt Wladimir Putin. Er hat diesen
völkerrechtswidrigen Krieg begonnen. Er bringt so unsagbar viel Leid für Ukrainerinnen und Ukrainer, aber auch für Russinnen und Russen. Aber Herr
Bundeskanzler, mit der Position „keine Verhandlung, bis der letzte Russe abgezogen ist“ – egal wie man diese Position bewertet –, mit diesem Ansatz droht der
Krieg noch Jahre zu dauern mit Zehntausenden weiteren Toten und mit unkalkulierbaren Risiken. Zu diesem Herangehen passt das Zitat von Erich Maria Remarque:
Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, daß es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hineingehen
müssen.
Deswegen, sehr geehrter Herr Bundeskanzler – ich wiederhole; der Europäische Rat ist eine wunderbare Gelegenheit –: Legen Sie eine europäisch
abgestimmte Friedensinitiative vor!
(Beifall bei der LINKEN)
Die Folgen des Krieges sind für die Welt nicht tragbar. „Friedensinitiative“ darf kein Tabuwort sein – und das gerade heute. Ich will daran erinnern:
Heute ist der 82. Jahrestag des Überfalls Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion. Auch das muss mindestens mal gesagt werden an einem solchen Tag, meine Damen
und Herren.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich will noch auf einen weiteren Punkt zu sprechen kommen. Sie haben im Zusammenhang mit der Migration irgendwie das Wort „gerecht“ verwendet. Ich
kann nur sagen, liebe Kolleginnen und Kollegen von SPD, Grünen und FDP: Wie hätten Sie sich aufgeregt – zu Recht –, wenn Horst Seehofer einen Asylkompromiss
abgeliefert und verteidigt hätte, mit dem Kinder in den Lagern an der europäischen Außengrenze eingesperrt werden!
(Beifall bei der LINKEN)
Ich höre ja auch Ihre Unzufriedenheit, selbst von der Innenministerin. Und dann höre ich „Bauchschmerzen“ und „Das ist alles grausam“. Aber ehrlich
gesagt: Es geht nicht um Sie, es geht um die Menschen, um die Menschen, die auf der Flucht sind. Die haben ein Problem, und übrigens auch die Menschen
hierzulande. Und beiden Gruppen haben Sie aktuell viel zu wenig anzubieten. Von Ihren Bauchschmerzen endet kein Waffenexport, und davon endet auch kein Krieg,
meine Damen und Herren. Zerrissene Herzen schaffen keinen Kitaplatz und nichts.
Deswegen: Am Ende des Tages sind die Kommunen nämlich die Lastenesel Ihrer Politik. Ob bei Krieg, bei Klima oder Migration: Ihre Politik zieht aktuell
das Land wie Blei nach unten.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der LINKEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die SPD-Fraktion Dr. Rolf Mützenich.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Rolf Mützenich (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn die Außenbeziehungen ein zentraler Tagesordnungspunkt des Europäischen Rates in
der nächsten Woche sind, dann ist es ein guter Zeitpunkt, sich darüber auszutauschen, was diese Außenbeziehungen ausmacht. Es sind europäische Außenbeziehungen,
aber es sind natürlich immer auch nationale Außenbeziehungen. Umso wichtiger ist, dass Sie, Herr Bundeskanzler, sich austauschen – zum Beispiel mit dem
französischen Staatspräsidenten, aber auch in der Runde der europäischen Staats- und Regierungschefs – über den Besuch einer Delegation aus der Volksrepublik
China, weil Großmächte natürlich immer dazu neigen, Länder so gut es geht auseinanderzutreiben, wenn nicht sogar gegeneinander auszuspielen.
(Zuruf des Abg. Gunther Krichbaum [CDU/CSU])
Deswegen ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, was besprochen worden ist.
Aber das ist nicht nur ein Problem einer asiatischen Großmacht, um das mal hier ganz klar zu den Zwischenrufen zu sagen. Wir haben das in der
Vergangenheit leider schon oft genug erlebt. Deswegen ist das, was in der nächsten Woche in Brüssel passiert, auch eine Selbstvergewisserung. Und, Herr Kollege
Merz, es ist genau das Gegenteil von dem, was Sie behaupten: Diese Gespräche haben vor dem Hintergrund einer europäischen China-Strategie stattgefunden, in der
es klare Kriterien gibt, an denen man sich ausrichtet, wenn man ein EU-Mitgliedsland ist, um mit China in Kontakt zu treten.
Nicht eine deutsche China-Strategie ist der Leitfaden für Europa, wie Sie es hier behaupten. Andersherum ist die Politik nach dem Zweiten Weltkrieg
geworden: Europa ist das Bindemittel für nationale Außenpolitiken, und daran sollten sich alle gewöhnen, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Wenn Sie hier Krokodilstränen wegen Frankreich weinen, dann muss ich sagen: Sorgen Sie dafür, dass der Ton in Ihren Reihen gemäßigter wird, wenn sich
der französische Staatspräsident zur europäischen Politik einlässt. Das wird nämlich nicht der deutsch-französischen Freundschaft gerecht, wie es in den
vergangenen Wochen gewesen ist. Das gehört genauso zu einer differenzierten Debatte, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Es ist gut – und manche gewöhnen sich nur schwer daran –, ernsthafte Gespräche auch mit solchen Ländern zu führen. Es ist gut, genau dem neuen
Ministerpräsidenten aus China zu sagen, dass wir nicht akzeptieren, dass mit Gewalt in den internationalen Beziehungen gedroht wird, dass wir, wenn wir Taiwan
erwähnen, am Status quo festhalten wollen.
Es ist gut, wenn wir über die Wirtschaft sprechen und immer sagen: China plus 1. – Das müssen auch die chinesischen Gesprächspartner wissen. Aber das
kann man nicht, indem man Interviews führt, sondern das kann man nur, indem man eben mit den Verantwortlichen unmittelbar spricht und gleichzeitig auch die
Chancen entwickelt, gerade für die internationale Politik, weil insbesondere in der Volksrepublik China, wenn es um die Klimawende geht – da müssen wir
aufpassen, dass uns nicht der Rang abgelaufen wird –, manche technische Entwicklung offensichtlich bereits über den europäischen Standard hinaus ist. Das
politisch zu diskutieren, halte ich für einen Mehrwert insgesamt.
Ich glaube, auch in der deutschen Debatte sollte man wissen: Wir müssen aufpassen. Ich glaube, das Bild von China in Deutschland changiert immer
zwischen der Werkbank Europas und dem gelben Drachen. Das ist keine Betrachtungsweise für ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern.
Ich will sehr deutlich sagen: Auch die Reichweite Chinas ist nicht unbegrenzt. Schauen Sie sich zum Beispiel die Gesprächsformate an, die vor einigen
Jahren vonseiten Chinas mit den osteuropäischen Staaten entwickelt worden sind, 17+1. Davon redet in diesen Staaten niemand mehr; da ziehen sich die Regierungen
eigentlich raus. Also: Die Grenzen sind auch in Peking durchaus bekannt, und deswegen werden ja diese Gespräche geführt.
Ich kann für meine Fraktion, aber insbesondere für die Sozialdemokratische Partei nur sagen: Wir versuchen, das auf allen Ebenen zu tun. Zum Beispiel
war Lars Klingbeil vorletzte Woche in Peking gewesen. Er hat dort vor dem Hintergrund fast 40-jähriger Parteiengespräche auch mit hochrangingen Vertreterinnen
und Vertretern gesprochen, und der Mehrwert, das Ergebnis, ist: Wir setzen den Menschenrechtsdialog fort, mit Journalisten, mit Vertreterinnen und Vertretern
aus der deutschen Zivilgesellschaft und eben Gesprächspartnern in China. Das ist ein Mehrwert; das ist Diplomatie, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Wir können anknüpfen an etwas, für das der Bundeskanzler gegen manchen Ratschlag im vergangenen Dezember in Peking den Grundstein gelegt hat. Dort ist
das nukleare Tabu von Präsident Xi betont worden, der nämlich sagte: Es darf niemals eine Atomwaffe in internationalen Konflikten eingesetzt werden. – Das war
der Startschuss, eine Möglichkeit, endlich wieder über Abrüstung und Rüstungskontrolle unmittelbar mit China zu sprechen, aber auch in einem gesamtasiatischen
Raum. Herr Bundeskanzler, das war ein Türöffner, den die Sozialdemokratische Partei klugerweise bei diesen Parteiengesprächen von Lars Klingbeil genutzt
hat.
Deswegen sage ich: Asien ist mehr als die Volksrepublik China. Daher lohnt sich auch genau das, was die Bundesregierung beim G-7-Gipfel, bei G 20
getan hat: asiatische Staaten einzuladen – darunter Südkorea –, aber auch lateinamerikanische Staaten dazuzuholen. Das muss auch die Volksrepublik China sehen.
Deswegen: eine differenzierte Außenpolitik, aber auch unmittelbar Gespräche führen, meine Damen und Herren. Es ist gut, dass darüber auch in Brüssel gesprochen
wird.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Ja, die Ukraine braucht Unterstützung in einem Überfall von Russland, einem Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen, und deswegen müssen sich
Länder erwehren, solange der Sicherheitsrat nicht an ihre Stelle tritt. Aber es ist auch wichtig, dass Europa weiterhin daran festhält, humanitäre und
wirtschaftliche Hilfe zu leisten und Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Ich finde, Deutschland hat dies getan. Das ist ein Vorbild für europäische
Politik, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD und der FDP sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
In der Tat: Wir müssen neben diesen drei Säulen – neben der Frage der wirtschaftlichen, der humanitären und der militärischen Unterstützung durch
Waffenlieferungen – auch immer wieder Auswege aus diesem Krieg suchen, die nicht diese drei Kriterien erfüllen. Das bedeutet Diplomatie, für die einige schon
seit Längerem eingetreten sind. Europa wird wahrscheinlich nicht die erste Wahl für diese Frage sein; aber andere Länder haben sich aufgemacht, und deswegen
wäre es auch gut, in Brüssel zu sagen: Andere europäische Regierungen dürfen das nicht behindern und schon gar nicht ausschließen.
(Beifall des Abg. Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE])
Ich glaube, wir aus Europa können dazu gute Dienste leisten, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der LINKEN)
Ja, der Krieg in der Ukraine ist ein Katalysator für die sich ohnehin wandelnde internationale Ordnung. Das war uns klar, als wir den
Koalitionsvertrag geschlossen haben; aber ich finde, wir dürfen in dieser aufgeheizten Debatte den Fehler nicht wiederholen, dass es jetzt zu einem neuen Kalten
Krieg kommt.
Wir sind ja sehr anfällig. Einige reden vom Kalten Krieg 2.0. Das hört sich immer so schön an; das mag ja hier noch interessant sein. Aber draußen
heißt das, dass sich Länder wieder nur zwischen zwei Lagern entscheiden sollen. Und genau das wird nicht sein; genau das wird nicht die Konsequenz für die
internationale Ordnung sein. Die Länder wollen sich nicht mehr für eins von zwei Lagern entscheiden, sondern für sich, und deswegen, meine Damen und Herren,
müssen wir von Europa aus die Nord-Süd-Politik wiederbeleben, die in einer guten Tradition auch in Deutschland existiert.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der LINKEN und des Abg. Christian Dürr [FDP])
Alles das macht sich deutlich. Ich bin ja ein bisschen kritisiert worden, als ich damals trotz des Abstimmungsergebnisses, der Zustimmung von 141
Staaten, versucht habe, aufzuführen, dass 35 Staaten damals gegen die Resolution in der Generalversammlung der Vereinten Nationen waren. Mir wurde vorgeworfen,
ich würde hier verniedlichen.
Das war nicht der Punkt, sondern der entscheidende Punkt ist: Was passiert in der Welt? Das muss Deutschland diskutieren; das müssen wir wissen.
Deswegen, glaube ich, ist Europa ein Ankerpunkt für diese internationale Strategie, und deswegen ist es gut, dass die Nationale Sicherheitsstrategie vorgelegt
worden ist.
Aber wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich, gleichzeitig auch die Friedensgutachten der fünf Friedensforschungsinstitute zu lesen. Die
Nationale Sicherheitsstrategie ist etwas, was von der Regierung und was vom Parlament diskutiert wird, und das, was von den Friedensforschungsinstituten kommt –
das war zumindest bisher Tradition in Deutschland –, muss auch in unsere Politik abgeleitet werden.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Deswegen sage ich: Es ist gut, meine Damen und Herren, dass der Europäische Rat heute im Parlament vordiskutiert worden ist und dass der Bundeskanzler
mit einer guten Agenda, mit guten Erfahrungen nach Brüssel reist. Der Austausch, meine Damen und Herren, wird sich lohnen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die CDU/CSU-Fraktion Alexander Dobrindt.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Alexander
Dobrindt (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Bundeskanzler, Sie haben am Schluss Ihrer Rede den Kompromiss zum europäischen
Asylsystem als eine historische Einigung bezeichnet. Diese Beurteilung überrascht erst mal deswegen, weil diese Einigung ja nicht wegen der Bundesrepublik
Deutschland, sondern trotz der Bundesrepublik Deutschland zustande gekommen ist.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der SPD)
Sie waren während der Verhandlungen in weiten Teilen isoliert, und es ist der Hartnäckigkeit unserer europäischen Partner zu verdanken, dass dieser
Kompromiss überhaupt zustande gekommen ist.
(Zuruf von der SPD)
Sie loben diesen Kompromiss heute hier. Ihre Bundesinnenministerin hat noch am Tag des Kompromisses gesagt, sie setze jetzt auf das Europäische
Parlament, damit dieser Kompromiss aufgeweicht wird. Ja, was gilt denn jetzt? Historische Einigung oder Aufweichung im Parlament, Herr Bundeskanzler?
(Beifall bei der CDU/CSU – Anke Hennig [SPD]: Er wird nicht aufgeweicht! Aufgeweicht doch nicht! Was reden Sie denn da? Das ist doch Unsinn!)
So schaffen Sie übrigens kein Vertrauen in Europa; Sie schaffen auch keine Sicherheit, sondern Sie schaffen Unsicherheit bei unseren europäischen
Partnern. Dabei kann das Außengrenzverfahren ja ein wichtiger Bestandteil bei der Ordnung und Begrenzung der illegalen Migration sein, weil dann eben in
Außeneinrichtungen Asylverfahren geprüft werden. Wer bestätigt wird, kann bleiben; wer keine Anerkennung bekommt, der wird von dort zurückgeführt – eine
Forderung übrigens, die wir hier schon sehr, sehr lange vertreten.
(Zuruf des Abg. Christian Dürr [FDP])
Aber ganz offensichtlich ist es nicht die Position Ihres Koalitionspartners von den Grünen.
(Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Sie, sehr geehrte Grüne, haben am Wochenende beschlossen, dass die Mitgliedstaaten nicht zur Durchführung von Grenzverfahren verpflichtet werden
dürfen. Sie haben beschlossen, dass dieser Kompromiss aufgeweicht werden soll; Frau Haßelmann hat es gerade hier auch noch mal bestätigt.
(Zuruf der Abg. Stephanie Aeffner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Ja, was gilt denn jetzt, Herr Bundeskanzler? Historische Einigung oder Aufweichen und Aushöhlen dieses Kompromisses?
(Beifall bei der CDU/CSU – Sebastian Roloff [SPD]: Bei dem Niveau fehlt nicht mehr viel zur Albernheit!)
Sie schaffen damit keine Sicherheit in Europa; Sie verspielen das Vertrauen unserer europäischen Partner. Sie haben in Ihrer Rede von vorhin davon
gesprochen, dass Verantwortung an der Außengrenze mit der Solidarität aller verbunden wird. Herr Bundeskanzler, wenn Sie dieses Ziel haben, dann handeln Sie
auch danach. Deswegen fordere ich Sie auf: Fahren Sie zum Europäischen Rat, und schärfen Sie diesen Kompromiss nach! Weichen Sie ihn nicht auf!
(Beifall bei der CDU/CSU – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Genau! Das wäre eine Verbesserung! – Anke Hennig [SPD]: Das würde Ihnen gefallen, ne?)
Sie haben über das Gesetz zur Fachkräfteeinwanderung gesprochen. Es steht morgen hier im Deutschen Bundestag auf der Tagesordnung. Sie wollen dabei
das Aufenthaltsgesetz verändern. In § 1 des Aufenthaltsgesetzes steht aktuell wörtlich – erster Satz –: „Das Gesetz dient der Steuerung und Begrenzung …“ Herr
Bundeskanzler, das Wort „Begrenzung“ wollen Sie aus dem Aufenthaltsgesetz streichen – morgen hier im Deutschen Bundestag!
(Christian Dürr [FDP]: Weil wir Arbeitskräfte brauchen! – Gegenruf des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]: Ja, aber das Aufenthaltsgesetz gilt für
alle!)
Was ist denn das für ein Signal an die Welt, an unsere Kolleginnen und Kollegen in Europa?
(Beifall bei der CDU/CSU – Christian Dürr [FDP]: Weil wir Arbeitskräfte brauchen! Herr Dobrindt, ist Ihre Auffassung wirklich, dass wir keine
Arbeitskräfte brauchen? – Gegenruf des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]: Das ist genau diese Vermischung!)
Humanität und Ordnung bedeutet Steuerung und Begrenzung gleichermaßen
(Christian Dürr [FDP]: Bei der Fachkräfteeinwanderung?)
und nicht das Streichen von Begrenzungen, meine Damen und Herren! Verstehen Sie das von der FDP?
(Beifall bei der CDU/CSU – Christian Dürr [FDP]: Sie wollen also weniger Fachkräfte?! Das ist spannend! Sie wollen weniger Fachkräfte! Weniger Fachkräfte
will die Union! – Gegenruf des Abg. Thorsten Frei [CDU/CSU]: Nein, das hat er nicht gesagt! – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich darf hier auch ein klares Wort an die Adresse der AfD richten: Es ist schon sehr interessant, dass Sie auf Ihrem Parteitag in Bayern beschlossen
haben: keine Waffen an die Ukraine liefern, keine ukrainischen Soldaten in Deutschland ausbilden. Ja, was wäre denn das Ergebnis einer solchen Politik? Die
Ukraine würde von Putin überrollt werden, und wir hätten nicht 1 Million ukrainische Flüchtlinge in Deutschland, sondern 10 Millionen; das wäre das Ergebnis
Ihrer verrückten Politik!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Leni Breymaier [SPD])
Nehmen Sie das zur Kenntnis. Das ist die Wahrheit über Ihre Blutsbrüderschaft mit Putin.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie haben in Ihrer Rede sehr viel über die Sicherheit in der Welt gesprochen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie auch
ein paar Worte über die Sicherheit unserer Soldaten in Mali gefunden hätten. Letztes Wochenende hat die Regierung von Mali gefordert, dass die Bundeswehr dieses
Land verlassen soll. Wir sind hier mit einer Militärregierung konfrontiert, die keinerlei Kooperationsbereitschaft mehr zeigt. Die Aufklärungsdrohnen dürfen
nicht eingesetzt werden, Transportflüge werden behindert, eine Luftunterstützung unserer Truppe ist nicht mehr möglich. Herr Bundeskanzler, der Auftrag in Mali
ist schlicht nicht mehr erfüllbar. Das Risiko ist zu groß. Beenden Sie diesen Einsatz, und holen Sie unsere Soldaten nach Hause, Herr Bundeskanzler, und zwar
schnellstens!
(Beifall bei der CDU/CSU)
Sie haben vorhin intensiv über die Nationale Sicherheitsstrategie gesprochen, die Sie vor einer Woche als Bundeskanzler mit vier Ministern vorgestellt
haben. Es waren meiner Ansicht nach mehr Regierungsmitglieder auf dieser Pressekonferenz anwesend, als konkrete Punkte in dieser Strategie zu finden sind. Auf
das Kernstück, den Nationalen Sicherheitsrat, konnten Sie sich schlichtweg nicht verständigen. Aber eine Nationale Sicherheitsstrategie braucht
konsequenterweise auch einen Nationalen Sicherheitsrat. Sie konnten sich im parteipolitischen Gezanke darauf nicht verständigen, und deswegen haben Sie eine
Chance verpasst, die Außen- und Sicherheitspolitik und die Entscheidungen der Außen- und Sicherheitspolitik in einem Nationalen Sicherheitsrat zukünftig zu
koordinieren. Sie haben die Chance verpasst, einen Sicherheitsrat zu installieren, der in Krisenlagen die operative Steuerung übernehmen kann, der die
strategische Vorausschau leistet. Herr Bundeskanzler, wer das beobachtet hat, der hat festgestellt: Hier ging Parteipolitik vor staatspolitischem Interesse; und
das ist Ihre Verantwortung an dieser Stelle.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der SPD)
Sie haben heute in Ihren Passagen zur Sicherheitspolitik 16-mal das Wort „China“ erwähnt und 3-mal das Wort „Klima“. Möglicherweise wäre das auch die
richtige Priorität, wenn es um Sicherheitsstrategie und Sicherheitspolitik ginge; aber in Ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie steht nur 6-mal das Wort „China“
und 71-mal das Wort „Klima“. Das ist an dieser Stelle eindeutig die falsche Priorität.
(Beifall bei der CDU/CSU – Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben keine Ahnung! – Dr. Martin Rosemann [SPD]: Wer hat Ihnen eigentlich den
Quatsch aufgeschrieben? – Weiterer Zuruf von der SPD: Sehr seriös!)
Sie haben in der Tat heute hier zu wenig über die Frage der wirtschaftlichen Herausforderungen in Deutschland gesprochen. Deswegen beziehe ich mich
auf das, was Sie beim Tag der Industrie geäußert haben. Da haben Sie vor wenigen Tagen gesagt, Deutschland sei besonders attraktiv für Investitionen aus dem
Ausland. Das entspricht nicht der Realität. Die Sache ist international inzwischen leider eine ganz andere geworden. Diese Woche wurde eine Studie über die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands veröffentlicht. Da sind wir in diesem Jahr von Rang 15 auf Rang 22 abgerutscht. Bei der Bewertung dieses Abrutsches spielt
auch die Effizienz der Bundesregierung eine besondere Rolle; vielleicht liegt es daran. Aber ich glaube, Sie geben nicht die richtigen Impulse für Investitionen
in Deutschland. Aktuell werden Unternehmen aus Deutschland bis weit in den Mittelstand hinein gerade genötigt, ihre Investitionen aus Deutschland zu verlagern.
Sie loben sich für eine Fachkräftestrategie, mit der Sie Menschen nach Deutschland holen wollen. Ich erwarte von Ihnen eine Strategie, wie Sie die Unternehmen
in Deutschland halten können. Das wäre eine Maßnahme für Sozialpolitik in Deutschland!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Dr. Anton Hofreiter.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Michael Georg Link [Heilbronn] [FDP])
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man sich die beiden Reden aus der Unionsfraktion gerade angehört hat, dann kann
man als Abgeordneter, der durchaus manchmal die eine oder andere kritische Anmerkung zur aktuellen eigenen Bundesregierung hat, nur sagen: Mensch, im Vergleich
dazu ist diese Bundesregierung ja sogar wirklich super!
(Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP – Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Da klatscht niemand! – Dorothee Bär [CDU/CSU]:
Oh! Das ist jetzt ganz schiefgelaufen! – Friedrich Merz [CDU/CSU]: Uijuijui!)
Wissen Sie, Herr Merz, was Sie in Ihrer Rede zur Sicherheitsstrategie und zu China gesagt haben, lässt sich so zusammenfassen: Die Hauptkritik an
dieser Bundesregierung ist, dass sie noch nicht in allen Punkten und überall die schweren Fehler und Versäumnisse von 16 Jahren unionsgeführter Bundesregierung
aufgearbeitet hat. Finden Sie das nicht selber ein bisschen dünn?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Fällt Ihnen nichts Besseres ein, oder was? Ist
das nicht billig? Das sagt doch alles über diese Regierung!)
Ich meine, Sie hätten ja wirklich auch eine Aufgabe. Gerade im europapolitischen Bereich hätten Sie als Union eine Aufgabe. Schauen wir mal auf die
europäische Ebene: Was treibt Herr Weber denn da? Ich meine, Ihnen allen mag das nicht bewusst sein, was er da so treibt; aber er ist immerhin der
Fraktionsvorsitzende der Konservativen im Europaparlament.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Gut, dass Sie es sagen!)
Und er sabotiert gerade die Fortschritte auf europäischer Ebene, indem er und seine Konservativen mit Rechtspopulisten und Rechtsradikalen
zusammenarbeiten, um Bündnisse gegen die eigene Kommissionspräsidentin zu schmieden. Von Ihnen hört man dazu nichts.
(Zuruf des Abg. Gunther Krichbaum [CDU/CSU])
Solange Sie da nichts tun, können Sie sich Ihre Bekenntnisse gegenüber der AfD auch sparen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Sorgen Sie endlich dafür, dass Weber seine Zusammenarbeit mit Rechtsradikalen und Rechtspopulisten auf europäischer Ebene einstellt!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Dr. Hofreiter, gestatten Sie eine Zwischenfrage oder ‑bemerkung aus der CDU/CSU-Fraktion?
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Ja, selbstverständlich.
Präsidentin Bärbel Bas:
Herr Kollege.
Nicolas Zippelius
(CDU/CSU):
Frau Präsidentin, Herr Hofreiter, danke für das Zulassen der Zwischenbemerkung. – Ich möchte ganz sachlich auf Ihre Kritik dazu eingehen, wie wir
das Thema „Nationale Sicherheitsstrategie“ ansprechen. Auch Ihre Kollegin Frau Haßelmann sagte ja vorhin, dass es von den Fachpolitikern keine inhaltliche
Kritik gebe. Das stimmt einfach nicht.
Frau Haßelmann, ich war persönlich – und viele von uns – am Montag in der öffentlichen Anhörung. Dort haben fünf von sechs Sachverständigen so gut wie
kein gutes Haar an der Nationalen Sicherheitsstrategie gelassen.
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das stimmt nicht!)
Und zwar wurde gesagt, dass es zwar gut sei, dass es sie gebe, aber dass es vor allem an Inhalt fehle, dass man das mit Inhalt untermauern müsse und
dass es da in dieser Nationalen Sicherheitsstrategie einfach zu mehr fachlicher Untermauerung hätte kommen müssen.
Wenn ich dann vom Kollegen Mützenich heute höre, dass der Bundeskanzler es geschafft habe, dass das erste Mal seit Jahren mit der Volksrepublik China
über Abrüstung gesprochen werde, während gleichzeitig das Institut SIPRI sagt, dass so gut wie kein anderes Land auf dieser Welt so viel in die nukleare
Aufrüstung investiert habe, dann frage ich mich: Von welchen Abrüstungsgesprächen sprechen Sie da, und wo ist die Realität hinter den Worten, die Sie hier
verkünden?
(Zuruf von der SPD: Was ist denn das für eine Frage?)
Ich bitte Sie, das zur Kenntnis zu nehmen.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dr. Anton Hofreiter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Also, dazu kann man einfach nur sagen: Ja, selbstverständlich muss die Nationale Sicherheitsstrategie umgesetzt werden. Und das passiert jetzt nach
und nach. Aber wissen Sie, 16 Jahre gab es gar keine Nationale Sicherheitsstrategie.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Wir haben ein Weißbuch gehabt! – Zurufe von der LINKEN: Och! – Zuruf der Abg. Andrea Lindholz [CDU/CSU])
Und das Ergebnis ist bekannt: Deutschland ist bei den Rohstofflieferungen von einer Diktatur abhängig geworden. Und dieser Bundesregierung ist es
gelungen, sich innerhalb eines halben Jahres aus dieser Abhängigkeit zu befreien, in die sie insbesondere Ihre Regierung, die Vorgängerregierung,
hineingetrieben hat.
(Thorsten Frei [CDU/CSU]: Welcher Teil der Regierung? – Gegenruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war Ihre Bundeskanzlerin,
Dr. Angela Merkel! – Zurufe des Abg. Alexander Ulrich [DIE LINKE])
Und dass eine Strategie, die hier vorgelegt wird, dann erst nach und nach umgesetzt wird, das ist doch trivial. Also, was ist denn Ihre Kritik? Wenn
Sie jetzt nach zwei Jahren sagen: „Ey, es ist nur bei dem Papier geblieben, da ist nichts umgesetzt worden“, dann würde ich sagen: „Sie haben recht.“ Aber sich
gleich zu Beginn zu beklagen, dass sie noch nicht umgesetzt ist, ist doch bizarr. Also, ich weiß gar nicht, in welcher Welt Sie leben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)
Und selbstverständlich muss in anderen Bereichen mehr passieren. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, wie heftig die Auseinandersetzung, wie heftig
der Krieg zwischen Russland und der Ukraine ist, dann wird natürlich klar, dass wir schneller werden müssen bei der Nachbeschaffung von schwerem Gerät und dafür
sorgen müssen, dass die Ukraine die zerstörten Geräte schneller ersetzt bekommt. Und deshalb ist es natürlich fragwürdig, dass erst mal nur 18 Leopard 2
nachbeschafft worden sind; immerhin gibt es eine Option für 120. Da muss die Bundesregierung schneller werden, da müssen wir entsprechend Gelder zur Verfügung
stellen.
Wissen Sie, die Linkspartei spricht gerne von Frieden und hält gleichzeitig Reden, die am Ende, wenn ihnen überhaupt eine Bedeutung zugemessen wird,
von Präsident Putin so wahrgenommen werden: Es lohnt sich, den Krieg weiter fortzusetzen,
(Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Blödsinn!)
weil es vielleicht doch ausreichend Kräfte in den demokratischen Ländern gibt, die am Ende die Ukraine im Stich lassen. Das, was Sie machen, dient
nicht dazu, dass der Krieg schneller endet; vielmehr werden Ihre Reden, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden, von Putin als Ermutigung wahrgenommen, den Krieg
möglichst in die Länge zu ziehen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Dr. Martin Rosemann [SPD] – Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Melde dich
an die Front!)
Deshalb müssen wir alles dafür tun, dass dieser Krieg beendet wird. Und das tun wir am besten, indem wir die Ukraine so stark unterstützen, dass Putin
versteht, dass es keinen Sinn hat, diesen Krieg fortzusetzen.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP – Dr. Dietmar Bartsch [DIE LINKE]: Freiwillig melden! Das wäre
richtig!)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die SPD-Fraktion Fabian Funke.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Fabian Funke (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Es ist wichtig, dass der Europäische Rat auch nach 1,5 Jahren
großer Verteidigungsleistungen der Ukraine dieses Thema weiterhin fest im Blick hat; denn Situationen wie die Zerstörung des Staudamms in der Ukraine zeigen
eine neue Qualität des Krieges und wahrscheinlich auch eine neue Qualität russischer Kriegsführung. Umso wichtiger ist, dass die entschlossene Unterstützung der
Ukraine durch die EU weiterhin bestehen bleibt.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP)
Denn es ist auch völlig klar, dass Frieden nicht dadurch entsteht, dass man ihn sich nur herbeiwünscht.
(Zuruf von der LINKEN: Ja, genau!)
Vielmehr ist die Voraussetzung für stabilen Frieden der Ukraine mit Russland eine starke Ukraine. Umso wichtiger ist, dass wir bei verschiedenen
Themen weiter vorangehen: mit dem gemeinsamen Sanktionspaket, der gemeinsamen Munitionsbeschaffung, mit der Ukraine-Fazilität für einen langfristigen und
intensiven Aufbau der Ukraine und auch im Hinblick auf einen glaubhaften Weg für die Ukraine in die Europäische Union.
Zu diesem Themenblock möchte ich noch eine weitere Bemerkung machen: Die Union spricht viel über strategische Außenpolitik. Aber wenn wir uns die
Vergangenheit anschauen: Wer ist denn mitverantwortlich für die Situation, in der wir uns befinden? Das ist auch Ihre ehemalige Bundeskanzlerin, und da stünde
es Ihnen gut zu Gesicht, in dieser Frage ein wenig kleinere Brötchen zu backen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Michael Donth [CDU/CSU]: Wer war denn Außenminister? – Thorsten Frei [CDU/CSU]: Welche Partei hat die Außenminister
gestellt, und zwar sämtliche?)
Sicherheitspolitik hat jedoch nicht nur eine militärische Komponente. Es ist kein Zufall, dass neben der Ukraine ein weiterer großer Schwerpunkt auf
der Wirtschaftspolitik liegt. Die Coronapandemie, der russische Angriffskrieg, die Energiekrise und die mittlerweile täglich spürbaren Effekte des Klimawandels
haben Europa auch seine wirtschaftlichen Schwachstellen aufgezeigt: die Empfindlichkeit globaler Lieferketten, einseitige Rohstoffabhängigkeiten, der Mangel an
kritischen Produktionskapazitäten und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Es ist deshalb überfällig, dass Industriepolitik als politisch gestaltende
Kraft wieder in den Mittelpunkt europäischen Handelns rückt.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Christian Dürr [FDP])
Denn eine Globalisierung, die ungeachtet aller geopolitischen Umstände immer nur auf der Suche nach den niedrigsten Löhnen, den niedrigsten
Produktionskosten und den höchsten kurzfristigen Gewinnen ist, ist ein Sicherheitsrisiko für Deutschland und Europa.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Die Verwendung der Mittel aus den „Next Generation EU“- und REpowerEU-Fonds zur direkten Finanzierung von klimaneutraler Industrie,
Energiewendeprojekten und dem Aufbau von technologischen Produktionskapazitäten wurden nachgeschärft. Hier wird es notwendig sein, in der anstehenden Debatte um
den EU-Haushalt und die europäischen Fiskalregeln einen Weg zu finden, wie aus diesem kurzfristigen Kriseninstrument auch eine langfristige
Finanzierungsgrundlage für europäische Industriepolitik werden kann. Mit dem europäischen Critical Raw Materials Act sollen die Diversifizierung unserer
Rohstoffquellen vorangetrieben und neue Rohstoffpartnerschaften gesichert werden. Denn das, was uns mit russischem Gas passiert ist, darf uns künftig nicht in
gleicher Weise mit anderen Rohstoffen passieren. Zudem soll der Net-Zero Industry Act als europäische Antwort auf den IRA private Investitionsmittel in der EU
binden.
Zum Schluss möchte ich noch auf ein kleines persönliches Herzensthema eingehen, die europäische Lieferkettenrichtlinie. Hier sieht es so aus, dass wir
in der EU das erreichen können, was mit der Union in Deutschland in der letzten Wahlperiode nicht möglich war: eine echte zivilrechtliche Haftungspflicht für
Unternehmen, die ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nicht nachkommen.
(Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Von Wirtschaft keine Ahnung! Keinen einzigen Tag in der freien Wirtschaft verbracht! Wir sind hier kein Studentenparlament!
Aber uns die Welt erklären!)
Dafür hat sich insbesondere der Bundesminister Hubertus Heil im europäischen Prozess eingesetzt. Denn Europa kann nur neue Partnerschaften im Globalen
Süden aufbauen, wenn es Menschenrechte nicht nur einseitig von seinen Partnern einfordert, sondern auch die eigenen Unternehmen in die Verantwortung nimmt,
selbst dafür zu sorgen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Gunther Krichbaum [CDU/CSU]: Von Wirtschaft keine Ahnung!)
Und es wäre sehr schön, wenn die CDU und auch die EVP im Europaparlament das noch begreifen und sich endlich konstruktiv beteiligen, damit wir im
Herbst zu einer guten Einigung kommen.
In diesem Sinne wünsche ich dem Bundeskanzler viel Erfolg beim Europäischen Rat und in den anstehenden Trilogen.
Vielen lieben Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner ist der fraktionslose Abgeordnete Robert Farle.
(Jan Korte [DIE LINKE]: Hier darf auch jeder reden!)
Robert Farle
(fraktionslos):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Die Halbzeitbilanz dieser Ampel ist in meinen Augen
eine Abfolge von Fehlentscheidungen inkompetenter Personen, die mit ihren Aufgaben heillos überfordert sind. Dazu kommt die selbstzerstörerische russophobe
Sanktionspolitik, die den letzten Standortvorteil Deutschlands, nämlich die günstige Energieversorgung aus Russland, beseitigt hat.
Statt eines neuen Wirtschaftswunders steckt Deutschland jetzt mitten in der Rezession: die Industrieproduktion rückläufig, die Baubranche in der
Krise, Traditionsunternehmen melden Insolvenzen an, Konzerne und Mittelständler verlegen ihre Produktion vor allem in die USA und werden von dort angelockt, die
Arbeitsproduktivität sinkt, der Exportüberschuss schrumpft, und die Sozialausgaben explodieren bei anhaltender Massenzuwanderung.
Die Außenpolitik: ein einziger Scherbenhaufen.
(Lachen beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Mit ihren Auftritten hat Frau Baerbock Deutschland zu einer internationalen Lachnummer gemacht und uns in eine militärische Auseinandersetzung mit
Russland getrieben, indem sie eben mal so den Krieg erklärt hat – ganz nebenbei.
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Was lesen Sie eigentlich? – Gegenruf der Abg. Marianne Schieder [SPD]: Russia Today!)
In diesem Konflikt haben wir nichts zu suchen. Deutschland kann nichts gewinnen, aber vieles verlieren. Hier werden ohne Not unverantwortlich hohe
Risiken für unsere Bevölkerung eingegangen, ohne dass unser Land überhaupt angegriffen wurde.
Die Rollen vertauschen sich mittlerweile. Kiew ist jetzt Angreifer und versucht, den Krieg nach Russland zu tragen und die ganze NATO einzubinden, um
im Stellvertreterkrieg für die USA die Krim als Stützpunkt zu erobern. Die Offensive kommt nicht voran. Und Sie leben in einer Scheinblase, weil Sie gar nicht
mitkriegen, was da los ist.
Anstatt sich für eine Verhandlungslösung einzusetzen, fällt dem Bundeskanzler nichts anderes ein, als „Slawa Ukrajini“ zu rufen, die Begrüßungsformel
der Bandera-Faschisten.
Präsidentin Bärbel Bas:
Kommen Sie bitte zum Schluss.
Robert Farle
(fraktionslos):
SPD-Urgesteine wie Günter Verheugen oder Klaus von Dohnanyi sind entsetzt.
(Sebastian Roloff [SPD]: Gibt es eigentlich Honorar pro Minute für das, was Sie da machen?)
Damit komme ich zum Schluss und sage: Deutschland braucht einen Neuanfang. Wir brauchen Neuwahlen.
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Kommen Sie bitte zum Schluss.
Robert Farle
(fraktionslos):
Der Bürger muss auf die Straße gehen und muss dafür sorgen,
(Zuruf von der SPD: Abstellen!)
dass diese grüne Politik in unserem Land ein Ende findet.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächste Rednerin: für die SPD-Fraktion Lena Werner.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Lena Werner (SPD):
Werte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Zuhörer/-innen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Kommen wir wieder zurück zur
Realität und den Fakten in diesem Hause.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Letztes Wochenende hat der SC Magdeburg nach 20 Jahren die Handball Champions League erneut gewonnen. Herzlichen Glückwunsch einmal an dieser Stelle
dafür!
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Christian Dürr [FDP])
Die Mannschaft ist als Außenseiter gestartet und als Sieger aus dem Turnier gegangen. Genau das kann auch der Stadt Magdeburg jetzt gelingen. Im
Rahmen des European Chips Act und flankiert von einer Fördersumme der Bundesregierung in Höhe von fast 10 Milliarden Euro wird bei Magdeburg ein Halbleiterwerk
der Firma Intel entstehen. So werden in einer strukturschwachen Region im Osten Deutschlands über 3 000 neue Arbeitsplätze und voraussichtlich mehrere Tausend
in der Zulieferindustrie entstehen. Damit bauen wir die Halbleiterindustrie in der EU weiter aus und stärken die Resilienz der europäischen Wirtschaft. Nur
gemeinsames europäisches Vorgehen wird es uns ermöglichen, global konkurrenzfähig zu sein.
Es gibt aber auch noch weitere Parallelen zwischen Handball und der Politik. Der Verein, in dem ich groß geworden bin, die Handball-Spielgemeinschaft
Wittlich, hatte es durch jahrelange gute und erfolgreiche Jugendarbeit, also praktisch durch Investitionen in die Zukunft, und eine herausragende Teamleistung
geschafft, in die 3. Handball-Liga der Damen aufzusteigen.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP)
Handball ist eine Teamsportart, und der Erfolg des SC Magdeburg sowie der der HSG Wittlich zeigen im Großen wie im Kleinen, was aus einem starken
Teamgeist und harter gemeinsamer zukunftsorientierter Arbeit entstehen kann.
(Beifall bei der SPD und der FDP)
Genau das passiert auch in der Europäischen Union; denn wir können nur vereint durch gemeinsames Handeln und gemeinsame Investitionen unsere
Attraktivität als wettbewerbsfähiger Wirtschaftsstandort weiter aufrechterhalten. Die Stärkung der wirtschaftlichen Integration, Diversifizierung von
Lieferketten, die Reduzierung von strategischen Abhängigkeiten und Freihandel – all das schaffen wir nur als europäisches Team. Gemeinsam stärken wir die
Resilienz unserer Wirtschaft, während wir gleichzeitig auf die Regulierung im Sinne des Gemeinwohls setzen.
Außerdem setzen wir mit unseren europäischen Partnerinnen und Partnern neue Maßstäbe im Bereich der digitalen Wirtschaft. Herausforderungen wie der
Umgang mit künstlicher Intelligenz kann nur auf der europäischen Ebene und mit einem klaren Wertekompass angegangen werden und gelingen. Dadurch können wir
sicherstellen, dass auch bei bahnbrechenden Innovationen Grund- und Freiheitsrechte nicht auf der Strecke bleiben. Der Schutz von Arbeitnehmendenrechten, das
Verbot von Social Scoring, die Regulierung des Ausbaus der KI-basierten Überwachung – das sind zentrale Punkte in der Positionierung unserer Kolleginnen und
Kollegen im Europäischen Parlament. Dies gilt es jetzt im AI Act zu verankern, um weltweit voranzugehen und erstmals verbindliche Regelungen für den Einsatz
künstlicher Intelligenz zu schaffen.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Stärkung unserer internationalen Resilienz, Unabhängigkeit von Lieferketten und der wertebasierte Umgang mit neuen
Herausforderungen und Technologien gehen nur gemeinsam im Team EU. Im globalen Wettstreit müssen wir vorangehen, Werte definieren und dafür eintreten; sonst tun
es die anderen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die FDP-Fraktion Michael Georg Link.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Michael Georg Link (Heilbronn)
(FDP):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn diese Tatsache rechts und links außen in diesem Hause hartnäckig ignoriert wird: Nicht
Deutschland allein, sondern nur die EU als Ganze kann sich als globaler Akteur erfolgreich behaupten.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das muss man bei einer Regierungserklärung immer wieder sagen; denn das ist die Gelegenheit, hier auch vor der Öffentlichkeit deutlich zu
unterstreichen: Wir brauchen die EU!
Europa steht unter massivem Druck. Seit Kriegsbeginn ist dies für alle sichtbar. Aber unsere Freiheit, unsere Sicherheit, unsere Werte sind schon
länger massiv bedroht – von innen und von außen. Deshalb ist jetzt für die EU und ihre Mitglieder der Moment, um aus Fehlern zu lernen, um wehrhafter,
wettbewerbsfähiger und – ja – souveräner zu werden, ohne sich dabei abzuschotten. Das zeigt sich beim anstehenden Gipfel nächste Woche besonders am Umgang mit
China.
Wir werden von der Bundesregierung bald die China-Strategie sehen. Lassen Sie mich dazu deutlich sagen: Ja, wir wollen und brauchen Handel mit China,
allerdings ohne das Wegschauen bei Menschenrechten oder beim Umgang mit Taiwan. Die Abkoppelung von China ist in der Tat keine Lösung, konsequenter Abbau
technologischer Risiken und einseitiger Abhängigkeiten jedoch sehr wohl. Schließlich wird doch für mehr und mehr Unternehmen und Staaten immer deutlicher, dass
sie bei ökonomischer Zusammenarbeit mit Regimen wie dem chinesischen deutlich höhere Risiken eingehen als beim Handel mit rechtsstaatlich verfassten
Demokratien.
(Beifall bei der FDP sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es ist deshalb sinnvoll, dass wir in der EU unsere Investitionen strategisch auf den Prüfstand stellen. Aber das darf keinesfalls zu Abschottung oder
Protektionismus führen. Es ist also eine Gratwanderung, die wir da vor uns haben, eine Abwägung, für die wir endlich auch eine gemeinsame europäische Strategie
für wirtschaftliche Sicherheit brauchen. Die Kommission hat dazu diese Woche einen interessanten ersten Vorschlag vorgelegt. Der wird zu diskutieren sein. Wir
als FDP, wir als Freie Demokraten wollen vor allem, dass im Rahmen dieser Economic Security Strategy ganz klar herausgearbeitet wird, wie wichtig
Handelsbeziehungen mit anderen Demokratien sind.
(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Dr. Rolf Mützenich [SPD])
Wir müssen, was Asien betrifft, also den Blick weiten und unsere China-Fixierung reduzieren, die Potenziale Afrikas erkennen, insbesondere den Handel
mit Amerika ausbauen, also – ja – zum Beispiel Mercosur zügig ratifizieren, aber auch Handelshemmnisse mit dem riesigen nordamerikanischen Markt abbauen, zum
Beispiel durch sektorale Abkommen mit den USA. Lassen wir dieses Potenzial nicht länger ungenutzt!
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es ist gut, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir über diese Dinge sprechen. Es ist aber auch wichtig, dass wir, insbesondere wenn es um den
Haushalt geht – auch da hat die Kommission vorgestern Vorschläge gemacht –, nicht überziehen. Die Kommission hat vorgeschlagen, mit 66 Milliarden Euro an neuen
Geldern von den Mitgliedstaaten den gegenwärtigen Mehrjährigen Finanzrahmen zu erhöhen und diesen damit deutlich auszuweiten. Lassen Sie mich sehr deutlich
sagen: Wir halten das für den falschen Zeitpunkt. In einer Zeit, in der die Mitgliedstaaten intensiv an ihren Haushalten arbeiten, um Einsparungen, um
Neujustierungen zu machen, um fitter zu werden, in so einer Zeit ist das das falsche Signal. Frau von der Leyen wäre gut beraten, statt neues Geld zu fordern,
hier das zu machen, was auch die Mitgliedstaaten tun, nämlich umstrukturieren, umschichten, und nicht immer erst nach neuem Geld zu schreien.
Vielen Dank.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Bärbel Bas:
Nächster Redner: für die SPD-Fraktion Dr. Lars Castellucci.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Dr. Lars Castellucci (SPD):
Herzlichen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Angesicht des russischen Angriffskrieges erkennen wir auch als
Europäer deutlicher, wer wir eigentlich sind, was uns von dem Angreifer unterscheidet. Putin jagt die jungen Menschen an die Front, die Söldner dazu;
(Tino Chrupalla [AfD]: Das macht Selenskyj natürlich nicht!)
das Leben des Einzelnen zählt nicht. Es wird geopfert um vermeintlich höherer Ideen willen, Ideen von Blut und Lebensraum. Europa, gerade Deutschland,
hat diese Ideen auch gekannt. Aber wir haben sie durch tiefste Täler hindurch hinter uns gelassen. Europa ist heute mehr als ein geografischer Ort. Europa ist
ein Kontinent der Werte.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Janine Wissler [DIE LINKE]: Die Menschen
ertrinken im russischen Mittelmeer, oder wie?)
Der erste Wert ist das Leben. Leben und Würde jedes einzelnen Menschen sind das Fundament Europas. Vergangene Woche ist erneut ein Schiff vor der
Küste Griechenlands gesunken. – Leben und Würde jedes einzelnen Menschen sind das Fundament Europas. Diesem Anspruch müssen wir auch an unseren Außengrenzen
gerecht werden.
(Dr. Gesine Lötzsch [DIE LINKE]: Werden wir aber nicht!)
Im Namen aller, die das in diesem Haus mittragen können, will ich sagen: Wir sind erschüttert über die immer neuen Todesfälle. Wir dürfen nicht
abstumpfen. Wir dürfen uns nicht gewöhnen. Wir müssen jeden Tag noch mehr tun, damit das Sterben im Mittelmeer endet.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)
Ich rufe unsere Bundesregierung dazu auf, sich weiter in allen anstehenden Verhandlungen dafür einzusetzen, dass es eine gemeinsam getragene
europäische Seenotrettungsmission gibt.
(Zurufe von der LINKEN)
Ein konkreter Vorschlag dazu: Können wir nicht den Ländern, die eigene Seenotrettung betreiben, anbieten, dass wir diese oder Teile davon unter ein
gemeinsames europäisches Dach stellen und auch gemeinsam aus dem europäischen Haushalt finanzieren? So kann vielleicht eine Koalition der Willigen
entstehen.
Die frühere italienische Mission Mare Nostrum hat übrigens gezeigt, dass man so Leben retten, aber auch die Schleuser bekämpfen kann. Den Schleusern
geht es nicht um Menschenleben. Das ist Organisierte Kriminalität. Die müssen wir bekämpfen.
(Beifall bei der SPD)
Doch wenn die Menschen auf den Schiffen sind, dann ist es zu spät. Deswegen braucht es einen Wechsel in unserer Migrationspolitik, und den packt diese
Bundesregierung an. Wir wollen sichere Wege für Menschen schaffen, die Schutz suchen. Wir wollen mehr reguläre Wege in Arbeit und Ausbildung. Deswegen bin ich
stolz und froh, dass wir morgen das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in den Deutschen Bundestag einbringen und hier verabschieden können.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Daneben braucht es das weitere Engagement zur Bekämpfung der Fluchtursachen: bessere Informationen, die Partnerschaften, von denen der Bundeskanzler
gesprochen hat, und das alles gemeinsam mit unseren europäischen Partnern. Herr Bundeskanzler, die SPD-Bundestagsfraktion wünscht Ihnen bei allen anstehenden
Verhandlungen weiterhin viel Erfolg.
Leben und Würde jedes einzelnen Menschen sind das Fundament Europas. Darauf können wir ein besseres, ein sicheres Europa für unsere Bürgerinnen und
Bürger bauen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Präsidentin Bärbel Bas:
Ich schließe die Aussprache.
Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Fraktion der AfD auf Drucksache 20/7396. Wer stimmt für diesen Entschließungsantrag? – Das ist
die AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das sind die übrigen Fraktionen im Hause. Enthaltungen? – Sehe ich nicht. Dann ist der Entschließungsantrag abgelehnt.
Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 8:
Beratung des Antrags der Fraktion der CDU/CSU
Schiene in die Zukunft führen – Deutsche Bahn AG neu aufstellen
Drucksache 20/7350
Überweisungsvorschlag: Verkehrsausschuss (f) Rechtsausschuss Wirtschaftsausschuss Ausschuss für Digitales Ausschuss für Klimaschutz und
Energie Haushaltsausschuss
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 68 Minuten vereinbart. – Ich eröffne die Aussprache, wenn alle ihre Plätze gefunden haben.
Ich eröffne die Aussprache. Zuerst hat das Wort für die CDU/CSU-Fraktion Ulrich Lange.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Guten Tag! Schön, Sie zu sehen. – Sie haben das Wort.
Ulrich Lange
(CDU/CSU):
Einen schönen guten Morgen! Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bald endet das Schuljahr, und diese Bundesregierung steht vor dem
Zwischenzeugnis. Beim Thema „Deutsche Bahn“ muss man sagen: Versetzung gefährdet oder nicht geschafft.
(Zuruf der Abg. Marianne Schieder [SPD])
Auch eine Vielzahl blauer Briefe an den Konzern über Jahre – ich will bald sagen: Jahrzehnte – hat wohl nichts bewirkt. Trotz sehr viel Geld in den
letzten Jahren – ich nenne die Eigenkapitalerhöhung, das 1 000-Bahnhöfe-Programm, die Leistungs- und Finanzierungsvereinbarungen I, II, III und vieles mehr, was
gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der SPD auf den Weg gebracht wurde – hat sich nicht wirklich etwas bewegt, auch nicht bei den handelnden Personen im
Bahnvorstand, deren Boni so wie die anderen Zahlungen wachsen, aber nicht die Pünktlichkeit der Bahn. Sehr bedenklich.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch das erlauben Sie mir am Anfang einer solchen grundlegenden Debatte über eine neue Aufstellung der Bahn: Es
braucht hier niemand mit dem Finger darauf zu zeigen, wer über wie viele Jahre wo mitregiert oder regiert hat.
(Dorothee Martin [SPD]: Das haben Sie doch gerade gemacht!)
Ich erinnere: Bahnreform der 1990er-Jahre: nicht vollendet. Unter Rot-Grün einen Börsengang begonnen: nicht zum Abschluss gebracht – zum Glück. FDP
und Grüne haben noch in den Wahlprogrammen groß davon gesprochen, dass es einer grundsätzlichen Reform unseres Schienenwesens bedarf – jetzt die Kehrtwende;
nichts davon zu sehen.
Die Schulnoten sind verteilt. Pünktlichkeit: sechs, Zuverlässigkeit: sechs, Haushaltsführung im Konzern: sechs, Investitionen an der richtigen Stelle:
fünf.
(Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Selbstbenotung!)
Da kann man sich nur wundern, wenn man jetzt aus dem Konzern hört, es beginnt die große Modernisierung des Netzes und von 1 800 Bahnhöfen bis
2030.
(Zuruf des Abg. Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diese Folien und diese Luftnummern aus der Konzernzentrale kennen alle hier.
(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Über „Luftnummern“ redet ja der richtige Redner! Damit kennen Sie sich
aus!)
Wir haben massive Defizite in allen Bereichen. Deswegen bedarf es einer grundlegenden strukturellen Neuaufstellung. Davon sind wir nach vielen Jahren
mit diesem Konzern in dieser Zusammensetzung überzeugt.
(Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das merken Sie aber spät! – Gegenruf der Abg. Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er hat es sich halt
nie getraut zu sagen!)
Dafür brauchen wir eine Reform, die Strukturen verändert, und nicht einen Konzern, der über die Presse verlauten lässt: „Wir wollen so wenig wie
möglich ändern“, oder einen Chef der EVG, Martin Burkert, der Mitglied der SPD ist und sagt, die Erwartungen seien viel zu hoch, „da es sich nicht um eine
Bahnreform handelt“.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, deswegen haben wir vor einigen Wochen grundsätzliche Vorschläge zur Veränderung der Struktur der Deutschen Bahn
vorgelegt.
(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist heiße Luft, was Sie da vorgelegt haben! Nichts als heiße Luft!)
Diese Vorschläge haben große positive Resonanz
(Lachen des Abg. Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Zuruf des Abg. Detlef Müller [Chemnitz] [SPD])
bei den Verbänden, auch bei Gewerkschaften mit Ausnahme der EVG, beim Bundesrechnungshof und bei der Monopolkommission – sie berät ja nicht uns,
sondern Sie – gefunden.
Deswegen sollten Sie sich doch die Mühe machen, sich mal mit den Vorschlägen auseinanderzusetzen: Auflösung der Holding, Trennung des Infrastruktur-
und Transportbereiches für mehr Fairness und mehr Wettbewerb, eine Schieneninfrastruktur GmbH mit stärkerem Zugriff des Bundes, eine transparente Verwendung der
Mittel aus GVFG, LuFV und den Töpfen, die wir geschaffen haben, um immer wieder Anreize zu setzen, ohne dass was passiert ist. DB Schenker wollen wir logistisch
bei uns behalten, und den Schienengüterverkehr wollen wir durch ein richtiges Hub-System stärken, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zur Wahrheit gehört bei all den Debatten ja auch – das wird jetzt sicher spannend –: Lieber Kollege Gastel, bei aller Freundschaft, Sie haben noch bei
tagesschau.de geäußert: „Wissing droht mit seinen Vorschlägen deutlich zu kurz zu springen und zentrale Reformziele zu verfehlen.“ Und Kollege Herbst aus der
FDP hat vor wenigen Wochen hier im Plenum noch groß getönt: In diesem Jahr findet „die größte Bahninfrastrukturreform aller Zeiten“ statt, und diese tritt
nächstes Jahr in Kraft. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, davon sehen wir bis heute nichts.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Paula Piechotta [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach Quatsch!)
Und Sie, lieber Herr Minister, haben auch nur Eckpunkte zu InfraGo angekündigt: bis Weihnachten, Ostern, bis zur Sommerpause. Wir sehen bis heute
nichts. Das Einzige, was angeblich steht, ist ein Datum: 1. Januar 2024. Es bleibt alles unter dem Dach des Konzerns. Ob das Parlament beteiligt wird oder
nicht, wissen wir auch nicht.
Wir geben Ihnen allen mit unseren Punkten die Chance, sich wirklich mit der Bahn auseinanderzusetzen und eine echte Reform zu schaffen.
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Vielen Dank.
Ulrich Lange
(CDU/CSU):
Eine Reform am Parlament vorbei kann doch nicht Ihr Ernst sein.
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Herr Kollege. Danke sehr.
Ulrich Lange
(CDU/CSU):
Die Schiene hat Zukunft, wenn wir sie gemeinsam gestalten wollen.
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU – Matthias Gastel [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Schiene hätte heute eine Zukunft, wenn Sie damals gehandelt hätten!)
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Dorothee Martin hat das Wort für die SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Dorothee Martin
(SPD):
Guten Morgen! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wie wird die Bahn endlich besser? Wann hören die vielen Verspätungen auf? Wann
fallen keine Züge mehr aus? Wann gibt es endlich funktionierendes WLAN, überall attraktive Bahnhöfe oder auch mehr Kapazität für den Güterverkehr?
(Jan Korte [DIE LINKE]: Das frage ich mich auch!)
Das sind Fragen und Themen, die zu Recht ganz viele Menschen und Unternehmen in diesem Land beschäftigen.
Aber Ihre Antworten und Ihre Vorschläge, liebe Union, bieten hier wirklich nicht den richtigen Weg. Kollege Lange, wenn Sie meinen, hier Schulnoten
verteilen zu müssen, dann muss ich sagen: Gerade bei der CDU/CSU wäre eine etwas zurückhaltendere Tonlage angebracht.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Was Sie in Ihrem Antrag fordern, ist nichts anderes als eine Zerschlagung der Bahn. Wir als Ampel stehen dagegen ganz klar für den integrierten
Konzern, in dem die Infrastruktur gemeinwohlorientiert und ohne Gewinndruck arbeitet und der integrierte Arbeitsmarkt darin fortbesteht. Das ist der richtige
Weg, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Eine Zerschlagung der Bahn würde wirklich kein einziges Problem auf der Schiene lösen. Im Gegenteil: Wir hätten langjährige System- und
Strukturdebatten. Die würden uns lähmen, die würden Zeit kosten, aber eben keine Verbesserung für die Kundinnen und Kunden bringen. Das wollen wir nicht.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Henning Rehbaum [CDU/CSU]: Also weiter so!)
Werte Union, wir kennen ja die Hintergründe, wir kennen Ihr Mantra vom besseren, vom vermehrten Wettbewerb auf der Schiene. Sie unterstellen hier eine
Monopolstellung beim Zugang zum Netz. Aber ganz so einfach ist es nicht. Schauen wir uns das doch mal an: Die meisten Fälle, in denen in das System durch solche
Modelle, wie Sie sie vorschlagen, mehr Wettbewerb gebracht wurde, sind krachend gescheitert. Man muss sich nur mal England angucken. Man muss sich nur mal die
aktuelle Situation in Frankreich angucken.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Michael Donth [CDU/CSU]: Da gibt es doch keinen Wettbewerb! In Frankreich gibt es
keinen Wettbewerb!)
Fehlender Wettbewerb ist doch weiß Gott nicht das, was die Eisenbahn gerade beeinträchtigt – das sagen übrigens auch alle Wettbewerbsbahnen –; ganz im
Gegenteil: Wir brauchen in diesem Markt deutlich mehr Kooperationen zwischen den Eisenbahnunternehmen. Wir brauchen aber weniger Schnittstellen und
Reibungsverluste. Wir haben doch gesehen: Die Länder mit wirklich starken Bahnen funktionieren mit integrierten Konzernen: Beispiel Österreich, Beispiel
Schweiz. Kollege Donth, da waren wir ja vor Kurzem. Da wurde uns doch eindeutig gesagt und gezeigt, dass eine Bahn mit einem integrierten Konzern besser
funktioniert.
Was wir als Ampel mit der gemeinwohlorientierten InfraGo, also mit der Zusammenführung von DB Netz und DB Station & Service vorhaben, ist wirklich
sehr, sehr ambitioniert. Neue Struktur, einfache Finanzierung und bessere Kontrolle, das sind die drei wesentlichen Themen. Ich sage es hier sehr deutlich – das
ist unsere klare Erwartungshaltung an das Ministerium, aber auch an die Bahn –: Es darf bei dieser Reform nicht quasi ein Türschild gegen ein anderes mit neuem
Namen ausgetauscht werden.
(Michael Donth [CDU/CSU]: Genau das soll jetzt kommen!)
Es braucht tiefgreifende Reformen in den Strukturen und in den Prozessen des Konzerns. Es braucht eine Stärkung des Netzgedankens. Wir müssen weg
kommen vom Nebeneinander, weg vom Silodenken. Es braucht gemeinsames, effizientes Arbeiten.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Für uns ist dabei auch sehr wichtig: Diese InfraGo muss eine wirklich enge politische Steuerung haben, sie muss nachvollziehbare Kennzahlen und Ziele
haben, und sie muss – ja, da sind wir bei Ihnen oder Sie vielmehr bei uns – transparente Berichte vorlegen: Wie hat sich der Zustand des Netzes verbessert? Wie
viele Bahnkilometer wurden saniert oder kamen neu dazu? Wie viele Güter mehr werden auf der Schiene transportiert etc.?
Ein Vorschlag: Wir haben letztes Jahr gesehen, dass Transparenz bei den Füllständen der Gasspeicher für mehr öffentliches Vertrauen gesorgt hat. Warum
gehen wir diesen Weg nicht auch bei der Bahn? Warum übernehmen wir diesen Ansatz nicht und veröffentlichen transparent Kennzahlen und Fortschritte bei der
Bahn?
Meine Damen und Herren, das Ziel steht. Am 1. Januar 2024 soll diese neue Infrastruktursparte starten. Kollege Lange, da Sie sagten, Sie könnten nicht
sehen, was schon gemacht wurde, gebe ich Ihnen jetzt ein bisschen Sehhilfe: Wir haben uns mit der Reform des Bundesschienenwegeausbaugesetzes auf den Weg
gemacht, die finanzielle Grundlage für die InfraGo zu gestalten. Anstatt wie bislang über Kostenanteile zu diskutieren, können dann Maßnahmen schneller und vor
allem gebündelter umgesetzt werden. Damit erleichtern wir deutlich die Investitionen ins Schienennetz. Wir werden Einnahmen aus der Lkw-Maut zum ersten Mal in
das System Schiene geben.
(Michael Donth [CDU/CSU]: Und wie viel?)
Das ist ein echter Meilenstein.
Wir sorgen zudem für mehr Haushaltsmittel für die Schiene; auch dazu gibt es ein klares Bekenntnis des Koalitionsausschusses. Mit dem
Genehmigungsbeschleunigungsgesetz, das wir gleich diskutieren, bringen wir den Ausbau der Schiene deutlich voran und schaffen mehr Kapazität für den Personen-
und den Güterverkehr. Und bereits im nächsten Jahr wird die umfassende Korridorsanierung der wichtigsten Strecken und Knotenpunkte anfangen.
Meine Damen und Herren –
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Frau Kollegin.
Dorothee Martin
(SPD):
– letzter Satz, Frau Präsidentin –, die Menschen und die Unternehmen in unserem Land haben eine Bahn verdient, die pünktlich und zuverlässig ist,
und mein Wunsch ist, dass wir gemeinsam daran mit aller Kraft arbeiten.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der FDP)
Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt:
Letzte Sätze ohne Punkt und Komma. – Wolfgang Wiehle hat jetzt das Wort für die AfD-Fraktion.
(Beifall bei der AfD)
Wolfgang Wiehle
(AfD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wer regelmäßig Bahn fährt, weiß es: Es brennt an allen Ecken und Enden, obwohl
die Mitarbeiter sehr engagiert sind. Der Bahnkonzern hat große strukturelle Probleme, und diese hat vor allem die Politik verursacht.
(Beifall bei der AfD)
Die Deutsche Bahn ist seit den Börsenplänen der Kohl-Regierung eine Aktiengesellschaft mit über 600 Tochterunternehmen. Dazu gehört mit DB Schenker
auch eine Spedition, die große Teile ihres Geschäfts im Ausland abwickelt.
(Stefan Gelbhaar [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und Ausland ist etwas Schlechtes!)
Die Steuerung des Konzerns ist schwierig. Bei einer AG hat der Vorstand das Sagen, nicht der Bund als Eigentümer. Meine Damen und Herren, dieser
Zustand hat keine Zukunft.
(Beifall bei der AfD)
Wir brauchen dringend eine neue Bahnreform. Am wichtigsten sind vier Punkte:
Erstens. Die Bahn muss sich wieder auf Deutschland konzentrieren.
Zweitens. Statt der vielen kleinen Fürstentümer im Konzern brauchen wir eine klare Struktur.
Drittens. Weil die Börsenpläne Vergangenheit sind, muss die Bahn keine Aktiengesellschaft mehr sein.
Viertens. Der Bund muss seine Verantwortung für das Schienennetz klar und transparent erfüllen.
In diesem Hohen Hause gi
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