Neue Wirtschaftskraft entfesseln - Bürger und Unternehmen entlasten
Text
Neue Wirtschaftskraft entfesseln - Bürger und Unternehmen entlasten
Antrag
der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Marc Bernhard, Enrico
Komning, Raimond Scheirich, Uwe Schulz, Mathias Weiser, Adam Balten,
Andreas Mayer, Christian Reck, Ruben Rupp, Andreas Bleck, Dr. Michael
Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Thomas Korell, Dr. Rainer Kraft, Manuel
Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul Schmidt, Alexander Arpaschi,
Joachim Bloch, Erhard Brucker, Marcus Bühl, Tobias Ebenberger, Alexis L.
Giersch, Rainer Groß, Stefan Henze, Steffen Janich, Dr. Michael Kaufmann,
Kurt Kleinschmidt, Jörn König, Denis Pauli, Tobias Matthias Peterka,
Dr. Rainer Rothfuß, Manfred Schiller, Georg Schroeter, Martina Uhr, Jörg
Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Neue Wirtschaftskraft entfesseln – Bürger und Unternehmen entlasten
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
1. Deutschland befindet sich in der schwersten wirtschaftlichen Krise seit
Jahrzehnten. Rezession, Unternehmenspleiten und -abwanderung, Stellenabbau,
Investitionszurückhaltung und eine tiefgreifende Deindustrialisierung gefährden
Wohlstand und soziale Stabilität. Explodierende Energiepreise, eine übermäßige
Steuer- und Abgabenlast, die ausufernde Bürokratie und eine fehlgeleitete,
ideologisch motivierte Technologiepolitik schwächen die Wettbewerbsfähigkeit des
Wirtschaftsstandorts Deutschland nachhaltig.
2. Ein zunehmend unsicheres geopolitisches Umfeld und weltweite
Handelskonflikte setzen deutsche Unternehmen weiter unter Druck. Insbesondere Störungen
internationaler Handelsrouten wie der Straße von Hormus, des Bab al-Mandab
oder des Suezkanals können die Energiepreise – etwa für Kraftstoffe – zulasten
von Unternehmen und Bürgern in die Höhe treiben, wie der Iran-Krieg gezeigt
hat. Gleichzeitig verschärft die demografische Entwicklung den
Fachkräftemangel, während gut ausgebildete Arbeitnehmer immer häufiger ins Ausland
abwandern.
3. Trotz dieser offensichtlichen Missstände hält die Bundesregierung an ihrer
derzeitigen Wirtschafts- und Energiepolitik fest, die planwirtschaftliche Steuerung
über marktwirtschaftliche Vernunft stellt. Damit schwächt sie fundamentale
Grundlagen für Wachstum und Wohlstand. Diese Politik hat die Staatsquote, also
das Verhältnis der Staatsausgaben zum BIP, mittlerweile auf nahezu 50 Prozent
erhöht. Das bedeutet, dass der staatliche Einfluss auf die Wirtschaftsleistung
rasant gestiegen ist, was Wachstum und Effizienz beeinträchtigt (www.desta-
tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/04/PD25_N021_81.html).
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6636
21. Wahlperiode 23.06.2026
4. Es ist dringend angeraten, Deutschland durch eine deutliche Senkung der
Staatsquote und eine konsequent angebotsorientierte Politik als wettbewerbsfähigen
und resilienten Wirtschaftsstandort wiederherzustellen. Dabei wird auf sichere
und kostengünstige Energie, niedrigere Steuern und Abgaben für Bürger und
Unternehmen, den umfassenden Abbau bürokratischer Hemmnisse, auf verlässliche
Lieferketten, die Freisetzung technologischer Innovationspotenziale und die
Aktivierung heimischer Fachkräfte gesetzt.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. Wirtschaft und Bürger spürbar bei Steuern und Abgaben zu entlasten und hierfür
a. eine grundlegende Steuerreform durchzuführen, die sich an den
Reformvorschlägen des Steuerrechtlers Paul Kirchhof, dem so genannten „Kirchhof-
Modell“, orientiert;
b. den Grundfreibetrag auf 15.000 Euro anzuheben, um kleinere und mittlere
Einkommen zu entlasten;
c. zusätzlich zum Kindergeld, einen Kinderfreibetrag von 12.000 Euro
einzuführen, um Familien finanziell zu stärken;
d. die Unternehmenssteuern auf ein international konkurrenzfähiges Niveau zu
senken;
e. steuerliche Regelwerke auf das Notwendigste zu vereinfachen;
2. eine sichere und kostengünstige Energieversorgung zu gewährleisten und hierzu
a. die Nutzung der Kernenergie als Energiequelle neu zu bewerten und
technologisch zu reaktivieren, inklusive eines Rückbaumoratoriums für
abgeschaltete Kernkraftwerke, der Ertüchtigung bestehender Anlagen, Verlängerung
der Laufzeiten sowie eine Eignungsprüfung moderner Reaktortypen;
b. alle grundlastfähigen Energiequellen weiter zu nutzen und Gas bzw. Kohle
bis über das Jahr 2030 bzw. 2038 zu verwenden;
c. die Versorgung mit Gas und Öl im deutschen Interesse weiter zu
diversifizieren, neue Importabhängigkeiten zu vermeiden und die Inbetriebnahme
vorhandener Lieferwege wie der Nord-Stream-Pipeline zu ermöglichen;
d. das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aufzuheben;
e. den subventionierten Ausbau von Wind- und Solarenergie, der den
Netzausbaubedarf und die Netzentgelte unkontrolliert in die Höhe treibt, zu beenden
(Netzausbaubeschleunigungsgesetz, NABEG);
f. das Klimaschutzgesetz (KSG), das Windenergie-auf-See-Gesetz (Wind-
SeeG) und das Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) abzuschaffen;
g. die Strom- und Energiesteuern auf das EU-Minimum zu senken und die
nationale CO₂-Abgabe zu streichen (BEHG);
h. schnellstmöglich alle Gesetze und Verordnungen oder Teile daraus
aufzuheben, die sich auf die Anwendung des EU-ETS I & II sowie des CBAM in
Deutschland beziehen und diese damit sofort zu beenden, insbesondere das
Gesetz über den Handel mit Berechtigungen zur Emission von
Treibhausgasen (Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz – TEHG);
3. Technologieoffenheit wiederherzustellen und hierfür
a. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, das so genannte Verbrenner-Verbot
und die Flottengrenzwerte der EU aufzuheben, um den Bürgern die freie
Entscheidung über ihre bevorzugte Antriebsform zu ermöglichen und Schaden
von unserer Automobilindustrie, einer der tragenden Säulen der deutschen
Wirtschaft, abzuwenden;
b. das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bzw. Gebäudemodernisierungsgesetz
(GMG) vollständig abzuschaffen, um das Heizen mit Gas und Öl ohne
Einschränkungen weiter zu ermöglichen;
c. ständig wechselnde planwirtschaftliche Vorgaben und Ad-hoc-Politik
einzustellen, um Investitionssicherheit zu schaffen;
4. Lieferketten und Absatzmärkte zu sichern, um die Exportnation Deutschland
stärken und hierzu
a. den Abschluss vorteilhafter Handelsabkommen im Interesse Deutschlands zu
fördern, um so den Handel und Warenaustausch zu vereinfachen und
vorteilhafte Marktzugänge zu erhalten;
b. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, Handelsbarrieren wie den EU-CO2-
Zoll (CO2-Grenzausgleichssystem, CBAM) abzuschaffen, um Importeure
von den vierteljährlichen Berichten und aufwändigen Berechnungen der
CO2-Emissionen importierter Produkte zu befreien;
c. bestehende Importabhängigkeiten Deutschlands zu reduzieren,
Rohstofflieferketten durch bilaterale Abkommen zu diversifizieren sowie die
Exploration und Gewinnung kritischer Rohstoffe in Deutschland unter Einbeziehung
der Bevölkerung vor Ort und unter Beachtung angemessener Auflagen
auszubauen;
d. die Bevorratung kritischer Rohstoffe zu erleichtern und steuerliche Anreize
für Unternehmen schaffen, um die Forschungsförderung zur Substitution
kritischer Rohstoffe auszubauen;
5. konsequent und wirksam unnötige Bürokratie abzubauen und hierfür
a. das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) außer Kraft zu setzen, um Unternehmen
von der Pflicht zur Einführung von Energie- und
Umweltmanagementsystemen und zur Erstellung von Energieeffizienzprogrammen zu entlasten und
von der Pflicht oft nicht umsetzbarer Reduktionen des Energieverbrauchs in
Unternehmen zu entbinden;
b. das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Gänze abzuschaffen;
c. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, weitere bürokratische EU-Regelungen
wie die Berichtspflichten im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung
(EU-CSRD) und die EU-Taxonomie abzuschaffen;
d. sich auf EU-Ebene dafür einzusetzen, die strikte Einhaltung des
Subsidiaritätsprinzips in der EU und ein nationales Vetorecht gegenüber Brüsseler
Vorgaben zu gewährleisten;
e. für jedes neue Gesetz/Verordnung zwei alte Gesetze/Verordnungen zu
streichen (nach dem Prinzip der „One in – two out“-Regelung);
f. Vorschriften sowie Berichts- und Dokumentationspflichten deutlich zu
reduzieren und die Bürokratiekosten bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent zu senken;
g. Antrags- und Genehmigungsverfahren wie nach dem Bundes-
Immissionsschutzgesetz (BImSchG) oder der Außenwirtschaftsverordnung (AWV) zu
beschleunigen;
h. Vergabeverfahren für öffentliche Aufträge zu vereinfachen und zu
beschleunigen – unter anderem durch den Verzicht auf klimapolitische und
ökologische Auflagen (GWB, VgV, SektVO, VOB/A);
6. dem Fachkräftemangel durch heimische Talente entgegenzuwirken und hierzu
a. steuerliche und andere Maßnahmen zu ergreifen, um die Abwanderung gut
qualifizierter Deutscher zu verhindern und Rückkehrbewegungen aus dem
Ausland anzustoßen („mehr Netto vom Brutto“);
b. die berufliche und akademische Aus- bzw. Bildung gleichzustellen und eine
kostenlose Meisterausbildung bzw. -fortbildung einzuführen;
c. Anreize zur Nichterwerbstätigkeit so weit wie möglich zu beseitigen;
d. Technisierung, statt unqualifizierter Einwanderung zu ermöglichen.
Berlin, den 23. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Zu II. 1: Deutschland hat eine der höchsten Steuer- und Abgabenquoten weltweit. Diese hemmen Konsum,
Investitionen und Beschäftigung. Ein wettbewerbsfähiges Steuersystem muss einfach und gerecht sein und darf
Bürger, Familien und Unternehmen nicht über Gebühr belasten.
Zu II. 2: Eine leistungsfähige Wirtschaft benötigt zudem zuverlässige und kostengünstige Energie für Industrie
und Mittelstand. Die einseitige ideologische Ausrichtung der Bundesregierung auf wetterabhängige Wind- und
Solarenergie hat zu massiven Kostensteigerungen, Versorgungsengpässen und Standortnachteilen geführt. Mit
selektiven Subventionen zur Abfederung der Folgen der sogenannten „Energiewende“ oder mit kurzfristigen
Scheinlösungen wie dem trügerischen Industriestrompreis lassen sich die strukturellen energiewirtschaftlichen
Probleme nicht wirkungsvoll beheben. Deutschland braucht einen soliden und bedarfsgerechten Energiemix, der
vor allem durch grundlastfähige Kraftwerke sichergestellt wird. Technologieoffenheit im Energiesektor ist das
Gebot der Stunde.
Zu II. 3: Staatlich verordnete Transformation, ob im Automobilbereich oder in der Energieerzeugung, führt zu
Fehlanreizen, Innovationshemmnissen und Deindustrialisierung. Politisch-ideologische Eingriffe gefährden die
Planungssicherheit und schränken die Freiheit von Bürgern und Unternehmen ein. Technologieoffenheit ist die
Basis für wirtschaftliche Dynamik.
Zu II. 4: Deutschland hat eine starke Exportwirtschaft. Deutsche Produkte sind in der Welt bekannt, beliebt und
begehrt. Gleichzeitig ist die deutsche Industrie für die Produktion auf Importe kritischer Rohstoffe und
Vorprodukte wie Mikrochips angewiesen. Globale Lieferketten sind zunehmend volatil und die Versorgungssicherheit
ist durch Handelskonflikte, geopolitische Spannungen und Exportbeschränkungen gefährdet. Die Resilienz der
Lieferketten und die Rohstoffversorgung müssen künftig als Teil wirtschaftlicher Souveränität und nationaler
Sicherheit betrachtet und unterstützt werden.
Zu II. 5: Deutschland ist weltweit für seine hohen Regulierungsanforderungen bekannt. Während unsere
Nachbarländer Verfahren beschleunigen, bremst Deutschland seine Wirtschaft selbst aus. Immer neue Vorgaben,
Gängelungen und Klimavorschriften machen insbesondere dem Mittelstand das Leben schwer und hemmen in
Deutschland den Innovationsgeist. Wir werden unnötige Bürokratie wirksam reduzieren, Genehmigungs- und
Planungsverfahren beschleunigen und Unternehmen wieder mehr Luft zum Atmen geben. Unternehmen müssen
sich auf ihr Geschäft konzentrieren, nicht auf staatlich erzwungenen Papierkrieg.
Zu II. 6: Der Arbeitskräftemangel ist in erster Linie ein hausgemachtes Problem: Er wird durch zu hohe
Lohnnebenkosten, strukturelle Defizite, fehlende Anreize zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit und die Abwanderung
von Talenten verursacht. Die Lösung liegt aus unserer Sicht jedoch nicht in der Masseneinwanderung
unqualifizierter und bildungsferner Migranten. Die AfD-Bundestagsfraktion setzt stattdessen mit diesem Antrag auf die
Aktivierung der heimischen Fachkräfte und auf eine stärkere Förderung von Familie und Nachwuchs. Schüler,
Lehrlinge und Studenten mit einer soliden Ausbildung und guten Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen sind
die Fachkräfte von morgen und müssen unterstützt werden. Der zunehmenden Abwanderung hochqualifizierter
Arbeitnehmer ins Ausland können wir nur begegnen, indem wir bessere Rahmenbedingungen schaffen. Arbeiten
in Deutschland muss sich wieder lohnen. Damit wächst auch die Attraktivität Deutschlands für echte Fachkräfte
aus dem Ausland.
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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