"Gold Plating" bei der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
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"Gold Plating" bei der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6494
21. Wahlperiode 15.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Christian
Reck, Danny Meiners, Steffen Janich, Enrico Komning, Julian Schmidt,
Dr. Michael Blos, Steffen Janich, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder
und der Fraktion der AfD
„Gold Plating“ bei der Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben im
Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung
und Heimat
Die Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben greift zunehmend in das nationale
Landwirtschaftsrecht ein und schränkt den gesetzgeberischen
Gestaltungsspielraum des Deutschen Bundestages ein. Gleichwohl verbleiben den
Mitgliedstaaten der Europäischen Union regelmäßig Spielräume hinsichtlich Ausgestaltung,
Intensität und Nutzung fakultativer Optionen.
In der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 20/12167 wurden einzelne Fälle nationaler Übererfüllung
unionsrechtlicher Vorgaben benannt. Im Zuständigkeitsbereich des
Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ist bis zur
Beantwortung ein Fall identifiziert worden.
Die vorliegende Kleine Anfrage soll klären, ob seither weitere Fälle nationaler
Übererfüllung unionsrechtlicher Vorgaben festgestellt oder geprüft worden sind
und nach welchen Maßstäben die Bundesregierung dies bewertet.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Umsetzungen von EU-Rechtsakten im Zuständigkeitsbereich des
BMLEH werden von der Bundesregierung nach aktuellem Stand als
Übererfüllung unionsrechtlicher Vorgaben („Gold-Plating“) bewertet (bitte
tabellarisch, unter Einbeziehung des auf Bundestagsdrucksache 20/12167
genannten Falles, nach EU-Rechtsakt, Normstelle [Artikel, Absatz],
nationaler Norm und Art der Abweichung vom unionsrechtlich zwingenden
Mindeststandard aufschlüsseln)?
2. Bei welchen EU-Rechtsakten im Zuständigkeitsbereich des BMLEH
bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung unionsrechtliche Wahlrechte
oder ausdrücklich eröffnete Ermessensspielräume, die in den deutschen
Umsetzungsvorschriften nicht genutzt wurden (bitte tabellarisch nach EU-
Rechtsakt, Normstelle [Artikel, Absatz], Inhalt des Wahlrechts bzw. der
Option und deutscher Umsetzungsentscheidung aufschlüsseln; www.bmle
h.de/DE/themen/buerokratieabbau/buerokratie-abbau_node.html)?
3. Ist der Bundesregierung bekannt, welche internen Verfahren und
Unterlagen das BMLEH nutzt, um Fälle zu erfassen und nachzuhalten, in denen
nationale Umsetzungsvorschriften über unionsrechtliche Vorgaben
hinausgehen (bitte Form der Unterlage bzw. Verfahrensschritt sowie die dabei
typischerweise erfassten Angaben benennen; www.agrarheute.com/manag
ement/groessten-zeitfresser-fuer-landwirte-633289)?
4. Wie wird der Bundesregierung zufolge in Gesetzgebungsverfahren zur
Umsetzung von EU-Rechtsakten im Zuständigkeitsbereich des BMLEH
dokumentiert, ob und in welchem Umfang unionsrechtliche Spielräume
ausgeschöpft oder überschritten werden (bitte Art der Dokumentation und
betroffene Gesetzgebungsvorhaben angeben; www.destatis.de/DE/Method
en/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2022/02/hofarbeit-statt-schreibtischze
it-022022.pdf?__blob=publicationFile, S. 71)?
5. Welche Verfahrensschritte und internen Vorgaben bestehen im BMLEH
bei der Erarbeitung von Umsetzungsgesetzen zu EU-Rechtsakten, um im
Rahmen der Umsetzung festzustellen, ob und in welchem Umfang
nationale Regelungen über unionsrechtliche Mindestvorgaben hinausgehen,
sowie diese Abweichungen zu begründen und zu dokumentieren (bitte
Ablauf, beteiligte Organisationseinheiten, bestehende Leitlinien sowie Form
der Dokumentation darstellen; www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-W
irtschaft-und-Statistik/2022/02/hofarbeit-statt-schreibtischzeit-022022.pdf
?__blob=publicationFile, S. 71)?
6. Nach welchen Kriterien stuft das BMLEH eine über unionsrechtliche
Mindestvorgaben hinausgehende nationale Regelung bei der Umsetzung
von EU-Rechtsakten als im gesamtstaatlichen Interesse liegend oder als
unverhältnismäßige Zusatzbelastung ein (www.normenkontrollrat.bun
d.de/Webs/NKR/SharedDocs/Newsletter/DE/2024/-2024-3/05_artikel_gol
dplating.html?mtm_campaign=linksFromNewsletter)?
7. Hat das BMLEH im Anschluss an die Rede des Bundeskanzlers Friedrich
Merz vom 23. Oktober 2025 bei den Familienunternehmer-Tagen, wonach
bereits umgesetzte EU-Richtlinien systematisch auf eine 1 : 1-Umsetzung
zurückgeführt werden sollen, eine entsprechende Überprüfung
bestehender nationaler Zusatzanforderungen eingeleitet (www.bundesregierung.de/
breg-de/aktuelles/familienunternehmer-kanzler-2352660)?
a) Wenn ja, nach welchem Konzept, welchen Prüfkriterien und welchem
zeitlichen Rahmen erfolgt diese Überprüfung?
b) Wenn nein, aus welchen Gründen wurde eine solche Überprüfung
bislang nicht eingeleitet?
8. Besteht im BMLEH ein dauerhaft eingerichtetes Verfahren zur
regelmäßigen Überprüfung nationaler Zusatzanforderungen, die bei der Umsetzung
von EU-Rechtsakten eingeführt wurden, auf ihre fortbestehende
Erforderlichkeit (www.normenkontrollrat.bund.de/Webs/NKR/SharedDocs/Newsl
etter/DE/2024/-2024-3/05_artikel_goldplating.html?mtm_campaign=links
FromNewsletter)?
a) Wenn ein solches Verfahren besteht, wie ist es ausgestaltet (bitte
Verfahren, Überprüfungsintervalle, Kriterien und Form der
Dokumentation angeben)?
b) Wenn ein solches Verfahren nicht besteht, aus welchen Gründen ist
eine regelmäßige Überprüfung nicht vorgesehen?
9. Welche konkreten Vorhaben werden durch das BMLEH ggf. verfolgt, um
bestehende nationale Zusatzanforderungen bei der Umsetzung von EU-
Rechtsakten zu reduzieren oder aufzuheben (bitte ggf. tabellarisch nach
betroffener nationaler Regelung, zugrunde liegendem EU-Rechtsakt,
Gegenstand der beabsichtigten Änderung und aktuellem Bearbeitungsstand
aufschlüsseln)?
10. Werden im BMLEH systematische Vergleiche mit anderen EU-
Mitgliedstaaten zur Nutzung unionsrechtlicher Umsetzungsspielräume
und zur Umsetzungstiefe von EU-Vorgaben geführt oder ausgewertet?
a) Wenn solche Vergleiche durchgeführt oder ausgewertet werden,
welche EU-Rechtsakte werden dabei betrachtet, welchen Zeitraum
erfassen die Auswertungen, welchem Zweck dienen sie, und welche
wesentlichen Erkenntnisse liegen hierzu vor (www.normenkontrollrat.
bund.de/Webs/NKR/SharedDocs/Newsletter/DE/2024/-2024-3/05_arti
kel_goldplating.html?mtm_campaign=linksFromNewsletter)?
b) Wenn solche Vergleiche nicht durchgeführt oder ausgewertet werden,
aus welchen Gründen erfolgt eine solche Analyse nicht?
11. Welche Evaluierungen von Regelungen im Zuständigkeitsbereich des
BMLEH, bei denen im Rahmen der Umsetzung von EU-Vorgaben
nationale Zusatzanforderungen eingeführt oder unionsrechtliche Spielräume
ausgeschöpft wurden, wurden seit Beginn der 20. Wahlperiode
durchgeführt oder eingeleitet (bitte tabellarisch nach Regelung, EU-Bezug,
Anlass, Methodik, Stand und wesentlichen Erkenntnissen aufschlüsseln;
www.agrarheute.com/management/groessten-zeitfresser-fuer-landwirte-63
3289)?
12. Wurden bei der Erarbeitung oder späteren Bewertung von
Umsetzungsgesetzen zu EU-Rechtsakten im Zuständigkeitsbereich des BMLEH
unterschiedliche nationale Umsetzungsvarianten oder Umsetzungstiefen
geprüft oder miteinander verglichen (bitte Form der Prüfung, betrachtete
Alternativen, maßgebliche Entscheidungskriterien sowie Ergebnis der
Abwägung nach Gesetzgebungsvorhaben darstellen; www.bmleh.de/DE/the
men/buerokratieabbau/buerokratie-abbau_node.html)?
Berlin, den 12. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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