Einsatz und Gefährdungslage durch sogenannte Wegwerfagenten (Low-Level-Agenten)
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Einsatz und Gefährdungslage durch sogenannte Wegwerfagenten (Low-Level-Agenten)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5957
21. Wahlperiode 15.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Steffen Janich, René Bochmann, Dr. Gottfried Curio,
Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Sascha
Lensing, Markus Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth, Lars Haise, Jörg
Zirwes, Markus Bühl, Hans-Jürgen Goßner, Erhard Brucker, Rainer Galla,
Dr. Daniel Zerbin, Lars Schieske, Stephan Brandner, Gereon Bollmann und
der Fraktion der AfD
Einsatz und Gefährdungslage durch sogenannte Wegwerfagenten
(Low‑Level‑Agenten)
Nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) sowie weiterer
Sicherheitsbehörden werden vermehrt sogenannte Wegwerfagenten (auch Low-Level-
Agenten) durch ausländische Nachrichtendienste angeworben. Diese Personen
verfügen in der Regel über keine nachrichtendienstliche Ausbildung und
werden insbesondere über soziale Medien rekrutiert, um gegen geringe finanzielle
Anreize Tätigkeiten wie Ausspähung, Sabotage oder Sachbeschädigung in
Deutschland durchzuführen. Das Bundeskriminalamt hat daher im
Zusammenwirken mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz, dem
Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst eine
Handreichung veröffentlicht. Darin warnen die Autoren vor einer Anwerbung
sogenannter Wegwerfagenten. Sie gehen davon aus, dass vor allem russische
Nachrichtendienste für die Anwerbung von Wegwerfagenten in Deutschland
verantwortlich sind (www.bka.de/DE/Landingpages/LLA/lla_node.html).
Die Fragesteller erkennen ausdrücklich an, dass Spionage, Sabotage und
sonstige Formen nachrichtendienstlicher Einflussnahme durch fremde Staaten eine
erhebliche Bedrohung für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland, ihre
kritische Infrastruktur sowie die freiheitliche demokratische Grundordnung
darstellen.
Vor diesem Hintergrund besteht aus Sicht der Fragesteller ein erhebliches
öffentliches Interesse an der Bewertung der Gefährdungslage, der Wirksamkeit
bestehender Gegenmaßnahmen sowie einem etwaigen weiteren
Handlungsbedarf im Zuständigkeitsbereich des Bundes.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung aktuell die Gefährdungslage durch
sogenannte Wegwerfagenten in Deutschland?
2. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Umfang und
Entwicklung von Anwerbeversuchen durch ausländische Nachrichtendienste
über soziale Medien vor?
3. Wie viele Anwerbeversuche durch ausländische Nachrichtendienste
gegenüber inländischen Personen mit dem Ziel, Wegwerfagenten zu
rekrutieren, sind der Bundesregierung seit dem Beginn des Angriffs Russlands
auf die Ukraine bekannt (bitte ab dem Jahr 2022 bis heute nach Jahren
aufschlüsseln)?
4. Welche Staaten stehen nach Kenntnis der Bundesregierung im
Zusammenhang mit der Rekrutierung solcher Wegwerfagenten im Fokus?
5. Wie viele Ermittlungsverfahren wegen mutmaßlicher Tätigkeit als
Wegwerfagent wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2022
eingeleitet (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
6. Welche typischen Zielobjekte (z. B. kritische Infrastrukturen, militärische
Einrichtungen, Verkehrswege) stehen nach Erkenntnissen der
Bundesregierung im Zentrum der Sabotagetätigkeit von Wegwerfagenten?
7. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung digitale
Plattformen und Messengerdienste bei der Anwerbung von Wegwerfagenten,
und welche Plattformen und Messenger sind das bevorzugte Mittel für
Anwerbeversuche?
8. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung eine Möglichkeit für die
Nutzer sozialer Netzwerke, um frühzeitig zu erkennen, dass ein
Benutzeraccount in diesem Netzwerk im Zusammenhang mit einem ausländischen
Nachrichtendienst steht, welcher Wegwerfagenten rekrutieren möchte?
9. Stammen die Personen, welche Wegwerfagenten anwerben, nach Kenntnis
der Bundesregierung üblicherweise aus dem Ausland, oder haben diese
üblicherweise ihren dauerhaften Aufenthaltsort innerhalb der
Bundesrepublik Deutschland?
10. Wie verläuft nach Kenntnis der Bundesregierung üblicherweise die
Bezahlung von Wegwerfagenten nach der Ausführung ihrer Tätigkeit?
11. Wie hoch sind in der Regel die Geldsummen, die ausländische
Nachrichtendienste gegenüber Wegwerfagenten für deren Spionage- oder
Sabotagetätigkeit entrichten?
12. In welchem Umfang sind nach Einschätzung der Bundesregierung
Minderjährige oder sonstige abgrenzbare Personengruppen wie etwa Personen
mit niedrigem Bildungsstand besonders von entsprechenden
Anwerbeversuchen betroffen?
13. Wie hoch ist der anzunehmende Schaden aufgrund der Sabotagetätigkeit
von Personen, welche als Wegwerfagenten angeworben wurden, seit dem
Jahr 2022 nach Kenntnis der Bundesregierung?
14. Welche präventiven Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang
ergriffen, um Anwerbeversuche frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden?
15. Wie bewertet die Bundesregierung die Wirksamkeit der
Informationskampagne „Kein Wegwerf-Agent werden“ (www.bka.de/DE/Landingpages/L
LA/lla_node.html)?
16. Plant die Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Sensibilisierung der
Bevölkerung, und wenn ja, welche?
17. In welchem Umfang erfolgt eine Zusammenarbeit zwischen dem
Bundeskriminalamt, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem
Bundesnachrichtendienst zur Bekämpfung dieses Phänomens?
18. Sieht die Bundesregierung gesetzlichen Anpassungsbedarf im Strafrecht
oder Sicherheitsrecht im Zusammenhang mit diesem Phänomen?
19. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung zur Identifikation und
strafrechtlichen Verfolgung der Hintermänner im Ausland?
20. Wie bewertet die Bundesregierung die Problematik, dass angeworbene
Personen häufig nicht wissen, für wen sie tatsächlich tätig sind?
21. Welche internationalen Kooperationen bestehen zur Bekämpfung
entsprechender hybrider Bedrohungen?
22. Inwieweit werden nach Kenntnis der Bundesregierung Erkenntnisse aus
laufenden Ermittlungen genutzt, um präventive Strategien zur
Bekämpfung der Anwerbung von Wegwerfagenten weiterzuentwickeln?
23. Welche Rolle spielen nach Einschätzung der Bundesregierung hybride
Bedrohungsstrategien im Kontext aktueller geopolitischer Spannungen?
24. Welche Schutzmaßnahmen bestehen für besonders gefährdete Bereiche
der kritischen Infrastruktur gegen derartige Sabotagehandlungen?
25. Wie bewertet die Bundesregierung die langfristige Entwicklung dieses
Phänomens und dessen mögliche Auswirkungen auf die innere Sicherheit
Deutschlands?
Berlin, den 12. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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