Mögliche Gefahr der Parteienunterwanderung durch Islamisten
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Mögliche Gefahr der Parteienunterwanderung durch Islamisten
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5514
21. Wahlperiode 22.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Hess, Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann,
Christopher Drößler, Jochen Haug, Steffen Janich, Sascha Lensing, Markus
Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth, Dr. Michael Espendiller, Marcus Bühl
und der Fraktion der AfD
Mögliche Gefahr der Parteienunterwanderung durch Islamisten
Die schleichende Unterwanderung unserer säkularen Gesellschaft zählt laut
einem Medienbericht zu den größten Gefahren für die Demokratie in unserem
Land. Eine derartige Unterwanderung erfolgt nicht nur durch radikale Muslime,
sondern auch durch ein antiwestliches Weltbild gänzlich unreligiöser Linker –
unabhängig von deren Herkunft. In Frankreich gibt es dafür bereits einen
Begriff: „Islamo-Gauchisme“. Damit ist eine „unheilvolle Allianz“ zwischen
Teilen der radikalen Linken und islamistischen Akteuren gemeint, „getragen von
einem gemeinsamen antiwestlichen Ressentiment“. Jede Kritik am politischen
Islam wird dabei als „rechts“ diffamiert, Täter reflexhaft zu Opfern erklärt
(www.cicero.de/kultur/islamogauchisme-berlin-unterwanderung). Auch in
Deutschland mehren sich nach Auffassung der Fragesteller solche Fälle.
Der Berliner SPD-Landesvorsitzende H. verzichtete so als Kandidat für das
Amt des Neuköllner Bezirksbürgermeisters, nachdem er auf einer
Wahlversammlung nur 68,5 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Zuvor warfen ihm
extrem linke Kreise innerhalb der SPD vor, den Begriff „antimuslimischer
Rassismus“ zu meiden und Migranten zu stigmatisieren, indem er
Integrationsprobleme ansprach. H. erklärte: „Dieser Tag hat mir in erschreckender Klarheit
gezeigt, wie tief der legalistische Islamismus längst in die Diskurse der Berliner
SPD hineinwirkt.“ Er fügte hinzu: „Wir haben ein Problem mit dem politischen
Islam, dass wir nicht länger wegreden dürfen“ (www.cicero.de/innenpolitik/isla
mistische-unterwanderung-linker-parteien-gefahrliche-liebschaft).
Die Neuköllner Integrationsbeauftragte B. hatte zuvor gegenüber dem
„Spiegel“ vor einer islamistischen Unterwanderung der SPD gewarnt (www.spiege
l.de/politik/deutschland/berlin-neukoelln-guener-balci-kritisiert-spd-unterwand
erung-durch-islamisten-a-b061cab2-7d5e-4187-9391-3a4ea8dcd931). Einige
Monate später bekräftigte sie dies gegenüber „Cicero“: Sie nehme nichts von
ihrer Warnung zurück. Je mehr geschwiegen werde, desto leichter könnten die
Muslimbrüder ihren Einfluss ausweiten (www.cicero.de/innenpolitik/islamistis
che-unterwanderung-linker-parteien-gefahrliche-liebschaft).
Das „Cicero“-Magazin berichtet von weiteren prominenten Beispielen, der
Rolle islamistischer Netzwerke und dem Agieren einzelner SPD-Politiker, die
sich wiederholt mit Akteuren aus dem politisch-islamischen Spektrum
fotografieren ließen – darunter dem Vorsitzenden der Spandauer Teiba-Moschee, deren
Kulturzentrum im Jahr 2016 im Berliner Verfassungsschutzbericht erwähnt
wurde. SPD-Politiker nahmen in der Vergangenheit exemplarisch auch an
Veranstaltungen teil, die von der Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) organisiert
wurden; diese stand von 2014 bis 2016 im Verfassungsschutzbericht wegen
mutmaßlicher Kontakte zur Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e. V.,
einer Organisation mit Nähe zur Muslimbruderschaft. Weitere SPD-Vertreter
werden vom „Cicero“-Magazin in Verflechtungsnetzwerken benannt (dazu
bereits 2019: www.cicero.de/innenpolitik/islamische-netzwerke-spd-muslime-mu
slimbruderschaft-islamismus/plus), die der Ideologie der Muslimbruderschaft
zumindest nahestehen.
Florence Bergeaud-Blackler, eine angesehene französische Anthropologin und
Forschungsbeauftragte (Research Fellow) am französischen CNRS (Centre
national de la recherche scientifique) spricht von „Kuckucksparteien“, in die
Islamisten ihre Eier legten, um sie von anderen ausbrüten, füttern und schützen
zu lassen (ebd.). Ein früheres SPD-Mitglied, das sich für Islamismusaufklärung
einsetzt, schrieb vor Jahren über die sozialdemokratische Praxis beim
politischen Islam: „Muslimbrüdern und anderen Islamisten werden Orden verliehen,
ihren Strukturen Preise für Integration zuerkannt“, sogar „SPD-
Oberbürgermeister stellen sich vor Muslimbruderorganisationen“. Ein
wesentlicher Grund sei, dass die SPD „Vielfalt wollte“ und dabei „Kollektive und
auch Individuen als ‚bunt‘ labelte – auch wenn sie in ihren tatsächlichen
Haltungen und Handlungen autoritäre und fundamentalistische Züge tragen“
(www.ruhrbarone.de/die-spd-und-der-islamismus-eine-fahrt-auf-sicht/161
855/).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Ist der Bundesregierung das von der Berliner Integrationsbeauftragten
beschriebene Phänomen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) der
Unterwanderung von Parteistrukturen durch Islamisten in Bezug auf im
Deutschen Bundestag vertretene Parteien bekannt, und wenn ja, welches
Gefahrenpotenzial misst sie diesem Phänomen ggf. bei, und kann sie
typische Verläufe solcher Unterwanderungen beschreiben sowie die ihr
bekannte Anzahl an Fällen oder Verdachtsfällen mitteilen?
2. Hält die Bundesregierung bestimmte Parteien, die derzeit im Deutschen
Bundestag vertreten sind, für besonders gefährdet im Hinblick auf eine
Unterwanderung durch Islamisten oder deren Beeinflussung, und wenn ja,
welche?
3. Haben die Sicherheitsbehörden des Bundes in den letzten fünf Jahren
konkrete Warnungen an im Deutschen Bundestag vertretene Parteien
bezüglich möglicher Unterwanderungs- oder Beeinflussungsversuche durch
islamistische Organisationen, insbesondere der Muslimbruderschaft,
ausgesprochen, und wenn ja, wie viele Warnungen in Bezug auf welche im
Deutschen Bundestag vertretene Parteien (notfalls bitte die Anzahl der
Warnungen ohne die Parteibenennung angeben)?
4. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. ergriffen, um
die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien vor Unterwanderungen
durch islamistische Gruppierungen zu schützen?
a) Hat das Bundesamt für Verfassungsschutz Informationsmaterialien an
Parteien zur Erkennung und Verhinderung der Unterwanderung oder
Einflussnahme durch Islamisten, insbesondere der
Muslimbruderschaft, verfasst, beziehungsweise an diese herausgegeben, und wenn
ja, wann, an welche Partei, in welchem Bundesland, und in welchem
Umfang?
b) Existiert eine Koordinierung zwischen Bundes- und Landesbehörden
bezüglich des Schutzes von Parteistrukturen vor islamistisch geprägter
Infiltration, insbesondere im Hinblick auf die Kommunalpolitik?
c) Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, ob die in der
Vorbemerkung der Fragesteller beschriebenen Unterwanderungsphänomene in
Berliner Parteistrukturen auch auf Parteistrukturen in anderen
Bundesländern oder auf Bundesebene übergreifen, und wenn ja, in welchem
Bundesland genau?
d) Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen zur Entwicklung
von Präventionsprogrammen für Parteien zum Schutz vor islamistisch
geprägter Unterwanderung?
5. Liegen der Bundesregierung internationale Vergleichsstudien oder
Erfahrungswerte aus anderen Ländern vor, wie mit ähnlichen Phänomenen der
Parteienunterwanderung durch Islamisten umgegangen wird, und wenn ja,
welche sind dies?
6. Plant die Bundesregierung eine systematische Aufarbeitung des
beschriebenen Phänomens und dessen Auswirkungen auf die politische Landschaft
in Deutschland?
7. Wie groß ist das aktuelle Personenpotenzial der Muslimbruderschaft in
Deutschland?
8. Welche sicherheitsrelevanten Erkenntnisse liegen der Bundesregierung
über das Wirken der Muslimbruderschaft in Deutschland über welche
Organisationen vor, und welche Organisationen gelten zumindest als der
Ideologie der Muslimbrüder nahestehend (bitte differenziert auflisten und
dabei auch auf die Vereine Teiba e. V. sowie Inssan e. V. bzw. mögliche
personelle Anbindungen eingehen, https://nius.de/politik/news/teiba-ferid-
heider-muslimbruderschaft-berlin-spd)?
9. Wie bewertet die Bundesregierung die Muslimbruderschaft und ihre
Aktivitäten in Deutschland aus verfassungsrechtlicher Perspektive?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die von der Muslimbruderschaft
ausgehenden Gefahren für den demokratischen Rechtsstaat, und welche
relevanten Entwicklungen erfolgten hier in den letzten fünf Jahren?
11. Gab es bereits Verbote von Organisationen, die der Muslimbruderschaft
ideologisch nahestehen (bitte chronologisch nach Jahren auflisten), und
wenn nein, warum nicht?
12. Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass sie genügend
Anstrengungen und ausreichend Ressourcen zur Aufklärung der Aktivitäten der
Muslimbruderschaft in Deutschland aufwendet?
13. Haben Organisationen oder Vereine, die nach Einschätzung der
Sicherheitsbehörden Bezüge zur Muslimbruderschaft oder zu
legalistischislamistischen Netzwerken aufweisen, in den letzten fünf Jahren
Fördermittel des Bundes, nach Kenntnis der Bundesregierung der Parteien oder
auch der Länder erhalten, und wenn ja, in welcher Höhe, und über welche
Programme?
14. Hat die Bundesregierung Anhaltspunkte dahin gehend, dass der Begriff
der Islamfeindlichkeit (u. a. auch der Begriff „antimuslimischer
Rassismus“) gezielt von Personen (Experten) oder Organisationen geprägt wird,
die im Verdacht stehen, der Muslimbruderschaft zumindest nahezustehen,
bzw. ist sie dieser Frage und den Akteuren nachgegangen, wenn ja, mit
welchen Ergebnissen, und wenn nein, warum nicht?
Berlin, den 19. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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