Kosten für Sprachmittlung im Bundesministerium des Innern
Text
Kosten für Sprachmittlung im Bundesministerium des Innern
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5261
21. Wahlperiode 13.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jörg Zirwes, Sascha Lensing, Dr. Daniel Zerbin und
der Fraktion der AfD
Kosten für Sprachmittlung im Bundesministerium des Innern
Die Ausgaben für Dolmetscher- und Übersetzungsleistungen im Bereich des
Bundesministeriums des Innern (BMI) stellen seit Jahren einen stetig
wachsenden Kostenfaktor im Bundeshaushalt dar. Im Jahr 2023 lagen die Kosten für
Dolmetscher und Sprachmittler beispielsweise bei der Bundespolizei (BPOL)
bereits bei 82,9 Mio. Euro (Bundestagsdrucksache 20/8968, abgerufen am
9. Februar 2026).
Seit der Migrationskrise 2015 bis heute könnten die Aufwendungen für
Dolmetscher auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sowie
beim Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV)
weiter gestiegen sein. Dies erfordert nach Auffassung der Fragesteller eine
kritische Überprüfung der Wirtschaftlichkeit und Effizienz.
Während die Privatwirtschaft bereits weitreichende Kosteneinsparungen durch
den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) realisiert, greifen Behörden und
staatliche Stellen weitgehend auf analoge und kostenintensive Lösungen zurück
(www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2025/IW-Repor
t_2025-KI-als-Wettbewerbsfaktor.pdf, abgerufen am 29. Januar 2026). Unter
anderem bei der Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) könnte die KI-
Übersetzung nicht nur kostengünstiger, sondern auch anwendungsfreundlicher
für die ermittelnden Beamten sein.
Angesichts einer angespannten Haushaltslage und der technologischen Reife
von KI-Systemen (Nature 637, S. 587 bis 593, „Joint speech and text machine
translation for up to 100 languages“ (www.nature.com/articles/s41586-024-083
59-z, abgerufen am 30. Januar 2026) ist es nach Ansicht der Fragesteller
geboten, die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Teilautomatisierung von
Übersetzungsleistungen zu prüfen (auch besonders anspruchsvolle lokale
Dialekte können inzwischen problemlos übersetzt werden). Ziel muss es in den
Augen der Fragesteller sein, personelle Ressourcen dort zu bündeln, wo
menschliche Expertise unverzichtbar ist, während standardisierte Abläufe und
massenhafte Übersetzungsbedarfe durch kosteneffiziente digitale Lösungen
abgedeckt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch waren die Gesamtausgaben für Dolmetscher und Sprachmittler
im Geschäftsbereich des BMI in den Kalenderjahren von 2014 bis 2026
(bitte jährlich aufschlüsseln)?
2. Wie verteilen sich diese Kosten auf die nachgeordneten Behörden BAMF,
BPOL, BKA, BfV und alle weiteren Behörden des BMI (bitte jährlich von
2014 bis 2026 aufschlüsseln)?
3. Auf welche StPO-Maßnahmen (StPO = Strafprozessordnung) der BPOL
und des BKA verteilen sich die Ausgaben für Übersetzungsleistungen im
Jahr 2025, sofern die Daten erhoben wurden?
4. Nach welchen Honorarsätzen (Stundensätze bzw. Seitenpreise) erfolgt
aktuell die Vergütung der Übersetzungsleistungen in o. g. Behörden?
5. Inwieweit prüft die Bundesregierung ggf. die Notwendigkeit, Vorschriften
und Gesetze anzupassen, um den Einsatz von KI als Ersatz oder Ergänzung
zu menschlichen Dolmetschern und Sprachmittlern zu ermöglichen?
6. Existieren im BMI bereits Pilotprojekte zur automatisierten Transkription
und Übersetzung als Ersatz für Dolmetscher und Sprachmittler?
7. Wie hoch prognostiziert die Bundesregierung das jährliche Einsparpotenzial
durch eine flächendeckende Einführung von KI-Dolmetscher-Lösungen in
sämtlichen o. g. Behörden (bitte nach Behörden aufschlüsseln)?
8. Inwieweit prüft die Bundesregierung derzeit ggf., unter welchen
datenschutz- und sicherheitsrechtlichen Voraussetzungen KI-gestützte
Übersetzungs- und Transkriptionssysteme in Behörden des
Geschäftsbereichs des BMI, insbesondere bei BPOL, BAMF, BKA, BfV und allen
weiteren Behörden des BMI, datenschutzkonform im Sinne der Datenschutz-
Grundverordnung (DSGVO) und des Bundesdatenschutzgesetzes eingesetzt
werden könnten?
Berlin, den 9. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Daniel Zerbin (Kleine Anfrage)
- asked ← Jörg Zirwes (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Lensing (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Jörg Zirwes
- authored ← Sascha Lensing
- part_of_vorgang → Kosten für Sprachmittlung im Bundesministerium des Innern (Kleine Anfrage)