Qualifizierung, Weiterbildung und Fachkräftesicherung in Deutschland
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Qualifizierung, Weiterbildung und Fachkräftesicherung in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3480
21. Wahlperiode 06.01.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, René Springer, Dr. Christoph
Birghan, Knuth Meyer-Soltau, Peter Bohnhof, Lukas Rehm, Stefan Keuter,
Thomas Dietz, Otto Strauß, Edgar Naujok, Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Malte
Kaufmann, Gerrit Huy, Marcel Queckemeyer, Kay-Uwe Ziegler, Alexis L. Giersch,
Thomas Korell, Jan Wenzel Schmidt, Rocco Kever, Erhard Brucker, Kurt
Kleinschmidt, Hauke Finger und der Fraktion der AfD
Qualifizierung, Weiterbildung und Fachkräftesicherung in Deutschland
Deutschland steht angesichts des demografischen Wandels, der technologischen
Transformation und der zunehmenden Digitalisierung vor tiefgreifenden
arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen. Der aktuelle
Fachkräfteengpassbericht der Bundesagentur für Arbeit für das Jahr 2024 weist aus, dass 163 von
1 300 bewerteten Berufsgattungen als Engpassberufe gelten. Damit ist etwa
jeder achte Beruf in Deutschland von einem strukturellen Mangel an
qualifizierten Arbeitskräften betroffen (https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/For
ms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?nn=27096&topic_f=fachkraefte-eng
passanalyse).
Bereits in vorherigen parlamentarischen Initiativen wurde die Bundesregierung
auf diese strukturellen Defizite hingewiesen. In der Kleinen Anfrage
„Bewertung des Fachkräftemangels“ (Bundestagsdrucksache 20/12256) und der
Antwort der Bundesregierung darauf (Bundestagsdrucksache 20/12406) wurde
nach Lesart der Fragesteller deutlich, dass bestehende Maßnahmen nicht
ausreichen, um die festgestellten Engpässe nachhaltig zu beheben. Auch in der
Antwort auf die Kleine Anfrage „Quantitative Erfassung des Fachkräftemangels“
auf Bundestagsdrucksache 20/10904 räumt die Bundesregierung ein, dass
gegenwärtige Instrumente zur Qualifizierung und Weiterbildung nicht alle
Potenziale erschließen und bestehende Steuerungsmechanismen nur eingeschränkte
Wirkung entfalten.
Zwar verweist die Bundesregierung auf zahlreiche Förderinstrumente, darunter
die Fachkräftestrategie von 2022 (www.bmas.de/DE/Arbeit/Fachkraeftesicheru
ng/Fachkraeftestrategie/fachkraeftestrategie.html), das
Fachkräfteeinwanderungsgesetz (www.make-it-in-germany.com/de/visum-aufenthalt/fachkraefteein
wanderungsgesetz) sowie Programme wie „Integration durch Qualifizierung“
(www.bamf.de/DE/Themen/Integration/TraegerLehrFachkraefte/TraegerProjek
tfoerderung/IntegrationQualifizierung/integration-qualifizierung-node.html).
Dennoch zeigen mehrere öffentlich zugängliche Berichte, dass grundlegende
strukturelle Probleme fortbestehen. Dazu gehören eine im europäischen
Vergleich geringe Weiterbildungsbeteiligung (www.destatis.de/DE/Presse/Pressem
itteilungen/Zahl-der-Woche/2023/PD23_42_p002.html), eine oft
unzureichende Passgenauigkeit zwischen bestehenden Qualifizierungsangeboten und
regionalen Bedarfen (www.haufe.de/personal/hr-management/fachkraeftemangel-pa
ssungsprobleme-bei-hoeherqualifizierten_80_601610.html), eine geringe
Durchlässigkeit zwischen Berufs- und Bildungswegen sowie Schwierigkeiten
(www.bpb.de/themen/bildung/dossier-bildung/251705/die-abschottung-zwisch
en-allgemeiner-und-beruflicher-bildung-in-deutschland/#node-content-title-0),
Personen mit geringen oder veralteten Qualifikationen nachhaltig in stabile
Beschäftigung zu integrieren (www.f-bb.de/unsere-arbeit/projekte/optimierung-de
r-qualifizierungsangebote-fuer-gering-qualifizierte-arbeitslose/).
Trotz bestehender Förderprogramme stellt sich den Fragestellern weiterhin die
Frage, ob die Bundesregierung über ausreichend wirksame ganzheitliche
Steuerungsinstrumente verfügt, um Qualifizierung, Weiterbildung und Umschulung
strukturiert zu steuern, Engpässe frühzeitig zu erkennen, Programme
bedarfsgerecht auszurichten und regionale Disparitäten abzubauen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der aktuellen
Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit, wonach 163 von 1 300
bewerteten Berufsgattungen Engpassberufe sind, die Wirksamkeit ihrer
bisherigen Strategien und Programme zur Qualifizierungs- und
Weiterbildungsförderung?
2. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um
sicherzustellen, dass bestehende Förderinstrumente im Bereich Qualifizierung und
Weiterbildung zielgenau jene Gruppen erreichen, die nachweislich eine
geringe Weiterbildungsbeteiligung aufweisen, und wie misst sie die
Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
3. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus der in
mehreren Berichten hervorgehobenen Problematik unzureichender
Passgenauigkeit zwischen Qualifizierungsangeboten und regionalem
Arbeitskräftebedarf, und welche strukturellen Anpassungen plant sie ggf., um diese
Fehlsteuerungen zu beheben (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
4. Welche Evaluationsmechanismen bestehen innerhalb der Bundesregierung
ggf., um zu überprüfen, ob geförderte Qualifizierungsprogramme
tatsächlich zu einer nachhaltigen Verbesserung der Fachkräftesituation führen,
eigene Zielsetzungen erreichen, und wie werden diese Ergebnisse in die
Weiterentwicklung der Programme eingearbeitet?
5. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung ggf. darüber vor, welche
Faktoren dazu führen, dass bestehende nationale
Qualifizierungsprogramme trotz hoher Nachfrage in Engpassberufen nur begrenzte Wirkung
entfalten, und welche Maßnahmen plant sie möglicherweise, um diese
Wirkung zu erhöhen?
6. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherige Nutzung inländischer
Erwerbspotenziale, insbesondere bei Personen ohne abgeschlossene
berufliche Ausbildung, und welche Erweiterungen bestehender
Qualifizierungsangebote plant sie ggf. für diese Gruppe?
7. Welche organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen hält die
Bundesregierung ggf. für notwendig, um Qualifizierungsprogramme in
Engpassberufen auszuweiten, und welche Maßnahmen plant sie, um diese
Programme bundesweit einheitlich und damit auch wirksamer zu
gestalten?
8. Welche Überlegungen gibt es ggf. innerhalb der Bundesregierung dazu,
die bestehenden Strukturen der beruflichen Weiterbildung grundlegend zu
modernisieren, um kurzfristig und langfristig auf technologische
Innovationen und strukturelle Wandlungsprozesse reagieren zu können?
9. Welche Schritte plant die Bundesregierung ggf., um die Koordination und
Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Arbeitsagenturen im
Bereich Qualifizierungsförderung zu verbessern, und wie bewertet sie die
bisherige Zusammenarbeit in diesem Bereich?
10. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die Förderung digitaler
Kompetenzen in allen relevanten Qualifizierungsprogrammen umfassend
verankert ist, und welche Indikatoren nutzt sie, um die Wirksamkeit digitaler
Fortbildungsmaßnahmen zu messen?
11. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuellen Instrumente zur
Umschulung und Nachqualifizierung im Hinblick auf ihre Fähigkeit, Engpässe in
besonders betroffenen Berufsfeldern zeitnah und nachhaltig zu
reduzieren?
12. Welche Maßnahmen prüft die Bundesregierung ggf., um bestehende
Anreizstrukturen im Bereich der betrieblichen Weiterbildung zu verbessern,
und wie bewertet sie deren bisherige Wirkung auf die Mobilisierung
betrieblicher Weiterbildungsbereitschaft?
13. Wie bewertet die Bundesregierung angesichts der Engpassanalyse ihre
bisherigen Anstrengungen dazu, das inländische Weiterbildungssystem
effizienter und effektiver zu gestalten, und welche Reformüberlegungen
bestehen ggf. für die kommenden Jahre?
Berlin, den 5. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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