Änderung der Erklärung über die Anerkennung der obligatorischen Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs nach Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des Internationalen Gerichtshofs
Text
Änderung der Erklärung über die Anerkennung der obligatorischen Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs nach Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des Internationalen Gerichtshofs
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3141
21. Wahlperiode 05.12.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Änderung der Erklärung über die Anerkennung der obligatorischen Zuständigkeit
des Internationalen Gerichtshofs nach Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des
Internationalen Gerichtshofs
Das Bundeskabinett hat am 1. Oktober der Änderung der Erklärung zur Anerkennung
der obligatorischen Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofs (IGH) nach
Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des Internationalen Gerichtshofs zugestimmt. Die geänderte
Unterwerfungserklärung wurde am 29. Oktober beim Generalsekretär der Vereinten
Nationen hinterlegt und am 14. November im BGBl. Teil II veröffentlicht.
Mit der Änderung der Unterwerfungserklärung verlangen wir zukünftig, dass Staaten
mit uns in einen substantiellen Austausch treten, bevor sie Klage vor dem IGH erheben.
Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die 2008 erstmalig abgegebene
Unterwerfungserklärung dahingehend modifiziert und um eine solche Verhandlungsklausel
ergänzt werden sollte. Dies ermöglicht uns, mit Staaten schon vor der gerichtlichen
Auseinandersetzung den Dialog zu unterschiedlichen Rechtsansichten zu suchen.
Die Unterwerfungserklärung unterstreicht unseren Einsatz für die friedliche
Streitbeilegung und ist ein starkes und positives Signal unserer völkerrechtsfreundlichen Politik in
die internationale Gemeinschaft.
Der Text der geänderten Unterwerfungserklärung liegt in den Anlagen einerseits in der
beim Generalsekretär der Vereinten Nationen hinterlegten englischen Fassung sowie
andererseits in der deutschen Übersetzung bei.
Zugeleitet mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 1. Dezember 2025.
Anlage 1 Erklärung unter die IGH-Gerichtsbarkeit des internationalen Gerichtshofes nach Artikel 36
Absatz 2 des IGH-Statuts in der Fassung vom 29. Oktober 2025
(Originalfassung in englischer Fassung)
UNITED NATIONS
1
NATIONS UNIES �
1'0$TAL A.OOIIU:SS-A.Ofl'l!SSE. .. OSTALE> UHITEO NATIONS, N.V. toon
Reference: C.N .636.2025.TREATIES-l.4 (Depositary Notification)
DECL N OF
THE
ARA TIONS
PARAGRAPH
INTERNATIONAL
RECOGNIZING
2, OF
COURT
TI-IE
AS
OF
STATUTE
COMPULSORY
JUSTICE
OF THE
UNDER
THE
COURT
ARTICLE
JURJSDICTlO
36,
15 OCTOBER 1946
ÜERMANY: DECLARA TION UN DER ARTICLl: 36 (2) OF THE STATUTE
The Secretary-General ofthe United Nations, acting in his capacity as depositary,
communicates the following:
The above action was effected on 29 October 2025.
Justice, the
In accordance
Secretary-General
with paragraph
transmits
4 of
herewith
Article
the
36
text
of the
ofthe
Statute of
declaration.
the International Court of
3 November 2025
– 2– (1.4)
(Original: English)
“21 October 2025
“Your Excellency,
With reference to Article 36 of the Statute of the International Court of Justice 1 have the
honour to formulate on behalf of the Federal Republic of Germany the following declaration, which
will substitute and update with effect from 30 October 2025 the declaration submitted by the Federal
Republic of Germany on 30 April 2008. The amendments contained in this declaration are without
prejudice and shall not affect proceedings initiated after 30 April 2008 and before 30 October 2025 on
the basis of the original Germa n declaration:
1. The Government of the Federal Republic of Germany declares that it recognizes as
compulsory ipso facto and without special agreement, in relation to any other state accepting the same
obligation, the jurisdiction of the International Court of Justice, in conformity with paragraph 2 of
Article 36 of the Statute of the Court, until such time as notice may be given to the Secretary-General of
the United Nations withdrawing the declaration and with effect as from the moment of such
notification, over all disputes arising after its original declaration dated 30 April 2008 , with regard to
situations or facts subsequent to this date other than:
(i) any dispute which the Parties there to have agreed or shall agree to have recourse to
some other method of peaceful settlement or which is subject to another method of
peaceful settlement chosen by all the Parties;
(ii) any dispute which
a) relates to, arises from or is connected with the deployment of armed forces
abroad, involvement in such deployments or decisions thereon,
or
b) relates to, arises from or is connected with the use for military purposes of the
territory of the Federal Republic of Germany, including its airspace, as well as
maritime areas subject to German sovereign rights and jurisdiction;
(iii) any dispute in respect of which any other Party to the dispute has accepted the
compulsory jurisdiction of the International Court of Justice only in relation to or for
the purpose of the dispute; or where the acceptance of the Court's compulsory
jurisdiction on behalf of any other Party to the dispute was deposited or ratified less
than twelve months prior to the filing of the application bringing the dispute before
the Court;
(iv) any claim or dispute in respect of which the claim or dispute in question has not been
notified to the Federal Republic of Germany by the State or States concerned in
writing, including of an intention to submit the claim or dispute to the Court failing an
amicable settlement, at least six months in advance of the submiss io n of the claim or
dispute to the Court.
2. The Government of the Federal Republic of Germany also reserves the right at any time, by
means of a notification addressed to the Secretary-General of the United Nations, and with effect as
from the moment of such notification, either to add to, amend or withdraw any of the foregoing
reservations, or any that may hereafter be added. Accept, your Excellency, the expression of my highest
consideration.
Yours sincerely,
Johann Wadephul
(signed)”
Anlage 2 Erklärung nach Artikel 36 Absatz 2 des IGH-Statuts
(Übersetzung in deutscher Fassung)
Ich beehre mich, im Namen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland unter Bezugnahme auf Artikel 36 des
Statuts des Internationalen Gerichtshofs die folgende Erklärung zu formulieren, die die von der Bundesrepublik
Deutschland am 30. April 2008 abgegebene Erklärung mit Wirkung vom 30. Oktober 2025 ersetzen und
fortschreiben wird. Verfahren, die nach dem 30. April 2008 und vor dem 30. Oktober 2025 auf der Grundlage der
ursprünglichen deutschen Erklärung eingeleitet wurden, bleiben von den in dieser Erklärung enthaltenen
Änderungen unberührt.
1. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland erkennt im Einklang mit Artikel 36 Absatz 2 des Statuts des
Gerichtshofs die Zuständigkeit des Internationalen Gerichtshofs von Rechts wegen und ohne besondere
Übereinkunft gegenüber jedem anderen Staat, der dieselbe Verpflichtung übernimmt, bis zu einem an den
Generalsekretär der Vereinten Nationen gerichteten Widerruf, der vom Zeitpunkt der Notifikation sofortige
Wirkung entfaltet, für alle Streitigkeiten, die nach dem Datum ihrer ursprünglichen Erklärung vom 30.
April 2008 entstehen, in Bezug auf Situationen oder Tatsachen, die auf das genannte Datum folgen, an, mit
Ausnahme von:
(v) Streitigkeiten, hinsichtlich derer sich die Streitparteien geeinigt haben oder einigen, sie durch ein
anderes Mittel der friedlichen Streitbeilegung beizulegen, oder hinsichtlich derer sie
übereinstimmend ein anderes Mittel der friedlichen Streitbeilegung gewählt haben;
(vi) Streitigkeiten, welche
c) die Verwendung von Streitkräften im Ausland, die Mitwirkung hieran oder die Entscheidung
hierüber betreffen, daraus herrühren oder damit in Zusammenhang stehen,
oder
d) die Nutzung des Hoheitsgebietes der Bundesrepublik Deutschland einschließlich des
dazugehörenden Luftraumes sowie von deutschen souveränen Rechten und Hoheitsbefugnissen
unterliegenden Seegebieten für militärische Zwecke betreffen, daraus herrühren oder damit
in Zusammenhang stehen;
(vii) Streitigkeiten, bezüglich derer eine andere Streitpartei die obligatorische Gerichtsbarkeit des
Internationalen Gerichtshofs nur im Zusammenhang mit oder für die Zwecke der Streitigkeit
angenommen hat, oder in Fällen, in denen die Annahme der obligatorischen Gerichtsbarkeit des
Gerichtshofs im Namen einer anderen Streitpartei weniger als zwölf Monate vor der Einreichung der
Klageschrift, mit der die Streitigkeit beim Gerichtshof anhängig gemacht wird, hinterlegt oder
ratifiziert wurde;
(viii) Forderungen oder Streitigkeiten, bezüglich derer die Bundesrepublik Deutschland durch den
betreffenden Staat beziehungsweise die betreffenden Staaten nicht mindestens sechs Monate vor
Vorlage der Forderung oder Streitigkeit beim Gerichtshof schriftlich notifiziert wurde,
einschließlich bezüglich der Absicht, die Forderung oder Streitigkeit dem Gerichtshof in Ermangelung einer
gütlichen Beilegung vorzulegen.
2. Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland behält sich ferner das Recht vor, einen der vorstehenden
Vorbehalte oder einen späteren Vorbehalt jederzeit durch eine an den Generalsekretär der Vereinten Nationen
gerichtete Notifikation mit Wirkung vom Zeitpunkt dieser Notifikation zu erweitern, zu ändern oder zu
widerrufen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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