Achter Bericht der Bundesregierung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
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Achter Bericht der Bundesregierung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6750
21. Wahlperiode 24.06.2026
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Achter Bericht der Bundesregierung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
Inhal tsverzeichnis
Seite
1 Vorwort ........................................................................................... 5
2 Internationaler Rahmen: Trends und Entwicklungen auf
internationaler Ebene ..................................................................... 7
2.1 Multilaterale Zusammenarbeit: UN- und UNESCO-Ebene ............. 7
2.2 Zusammenarbeit auf EU-Ebene ........................................................ 11
3 Einordnung nationale Ebene: Weiterentwicklung des
Nationalen Prozesses Bildung für nachhaltige
Entwicklung .................................................................................... 12
3.1 Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung .............. 12
3.2 Überblicksdarstellung der BNE-Gremienstruktur ............................ 14
3.3 Stärkung der Sichtbarkeit von BNE ................................................. 15
3.4 Nationales BNE-Monitoring – ein Überblick ................................... 20
3.4.1 Zielsetzung und Aufbau des Monitorings ......................................... 21
3.4.2 Zentrale Ergebnisse des Monitorings ............................................... 22
4 BNE in Strategien des Bundes und der Länder als
Schlüssel für die Transformation zur Nachhaltigkeit ................. 25
4.1 Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie ............ 25
4.2 Nationale Weiterbildungsstrategie .................................................... 27
4.3 Weitere bildungsbereichsübergreifende Strategien und
Programme auf Bundesebene im Kontext von BNE ........................ 28
4.4 BNE in bildungsbereichsübergreifenden Strategien der
Länder ............................................................................................... 32
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom
24. Juni 2026 gemäß Beschluss vom 29. Juni 2000 (Bundestagsdrucksache 14/3319).
Seite
5 Förderung der Verankerung von BNE in allen Bereichen
des Bildungssystems ....................................................................... 34
5.1 BNE in der frühkindlichen Bildung .................................................. 34
5.1.1 Weiterentwicklung förderlicher Rahmenvorgaben für BNE in
der frühkindlichen Bildung ............................................................... 35
5.1.2 Ganzheitliche Transformation von Kitas zu nachhaltigen
Lernorten .......................................................................................... 36
5.1.3 Kompetenzentwicklung von Kitapersonal ........................................ 37
5.1.4 Impulse des Forums Frühkindliche Bildung und des
Partnernetzwerks .............................................................................. 39
5.2 BNE in der schulischen Bildung ....................................................... 40
5.2.1 BNE in Rahmenlehr- und Bildungsplänen für Schulen .................... 41
5.2.2 Ganzheitliche Transformation von Schulen ..................................... 45
5.2.3 Kompetenzentwicklung von Lehrkräften ......................................... 54
5.2.4 Impulse des Forums Schule .............................................................. 56
5.3 BNE in der beruflichen Bildung ....................................................... 58
5.3.1 BNE in Aus- und Fortbildungsordnungen und
Prüfungsverordnungen ...................................................................... 59
5.3.2 Ganzheitliche Transformation von Berufsschulen und
Betrieben ........................................................................................... 61
5.3.3 Kompetenzentwicklung von Ausbilderinnen und Ausbildern,
Berufsschullehrkräften und Auszubildenden .................................... 64
5.3.4 Impulse des Forums Berufliche Bildung und des
Partnernetzwerks .............................................................................. 69
5.4 BNE in der Hochschulbildung .......................................................... 70
5.4.1 Rahmenbedingungen in der Hochschule .......................................... 70
5.4.2 Ganzheitliche Transformation von Hochschulen ............................. 73
5.4.3 Kompetenzentwicklung von Hochschullehrenden,
Studierenden ..................................................................................... 75
5.4.4 Impulse des Forums Hochschule ...................................................... 76
5.5 BNE in der non-formalen und informellen Bildung ......................... 77
5.5.1 BNE-Verankerung in der außerschulischen Bildungsarbeit ............. 78
5.5.2 Ganzheitliche Transformation von außerschulischen
Lernorten .......................................................................................... 84
5.5.3 Kompetenzentwicklung von Lehrenden und Lernenden in der
außerschulischen Bildung ................................................................. 87
5.5.4 Impulse des Forums Non-formales, informelles Lernen und
der Partnernetzwerke ........................................................................ 88
6 Stärkung und Mobilisierung junger Menschen ........................... 91
6.1 Fördermaßnahmen zur Stärkung wirksamer Beteiligung und
des Engagements von jungen Menschen .......................................... 92
6.2 Impulse des Jugendforums der Nationalen Plattform BNE:
youpaN ............................................................................................. 99
Seite
7 Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene............ 101
7.1 Stärkung von BNE in kommunalen Bildungslandschaften .............. 101
7.2 Impulse des Forums Kommunen und des Partnernetzwerks ............ 105
8 Fazit / Ausblick ............................................................................... 108
9 Anhang............................................................................................. 109
9.1 Länderbeispiele ................................................................................. 109
9.2 Praxisbeispiele auf Bundesebene ...................................................... 167
9.3 Index der Autorinnen und Autoren ................................................... 200
9.4 Abbildungsverzeichnis ..................................................................... 208
9.5 Abkürzungsverzeichnis .................................................................... 210
„Indem wir das Ziel und die Zielsetzungen von BNE 2030 verfolgen, wollen wir in
zehn Jahren eine Welt schaffen, in der ...
Regierungen ihre Bildungspolitik und die Rahmenbedingungen für die
Transformation von Bildung an BNE ausrichten.
Lernende in allen Bereichen des Lebens auf der ganzen Welt die Möglichkeit
haben, sich das Wissen, die Fähigkeiten, die Werte und die Einstellungen
anzueignen, die für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung und für die
Verwirklichung der 17 SDGs erforderlich sind, und dank eines Whole Institution
Approach nachhaltige Entwicklung in Aktion zu erleben.
Lehrende auf der ganzen Welt die Möglichkeit zur Kompetenzentwicklung haben,
um die gesellschaftliche Transformation für eine nachhaltige Zukunft zu fördern
und Ausbildungseinrichtungen für Lehrkräfte BNE systematisch integrieren.
Jugendliche gestärkt werden, um zu Change Agents zu werden, und
Jugendorganisationen systematische Weiterbildungen für Jugendliche und
Trainerinnen und Trainer zu BNE anbieten.
Menschen, die in Städten und Gemeinden auf der ganzen Welt leben, BNE als
Schlüsselinstrument und Chance zu lebenslangem Lernen begreifen, um
Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene zu erreichen.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 22/23)
1 Vorwort
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist erfolgreich – in der Breite von Kommunen, in den Ländern und auf
Bundesebene, in der Vernetzung von Wirtschaft, Gesellschaft, Verbänden, Vereinen und Politik und mit dem
Engagement hunderttausender Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters. Der nun vorliegende Bericht der Bundesregierung
für die 20. Legislaturperiode ist daher mehr als eine Übersicht einzelner Bestandsaufnahmen. Dieser Bericht zeigt
ein vielseitiges Zusammenspiel an Maßnahmen, das zur Umsetzung von BNE in allen Bildungsbereichen beiträgt. Die
Bundesregierung hat mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen und den 17 Nachhaltigkeitszielen eine politische
Leitlinie und einen Auftrag erhalten; BNE spielt für die Umsetzung der Ziele eine Schlüsselrolle und ist im
Nachhaltigkeitsziel 4.7 benannt.
Denn der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und Klimaschutz, Überwindung sozialer Ungleichheit und die
Sicherung von Wohlstand und Wachstum setzen voraus, dass Menschen befähigt werden, die erforderlichen
Transformationsprozesse mitzugestalten. Hierzu leistet BNE einen wesentlichen Beitrag: Ziel von BNE ist es, Lernende
über alle Bildungsbereiche hinweg mit den erforderlichen Zukunftskompetenzen auszustatten, um an Lösungen zur
Sicherung der politischen, sozialen und ökologischen Zukunftsfähigkeit mitzuwirken. Die Vermittlung von
kritischem Denken, Gestaltungskompetenz und Umgang mit Komplexität und Ungewissheit sind dabei prägende
Elemente. Gleichzeitig steht BNE auch für innovative Lernmethoden, die Wissensvermittlung mit Stärkung sozio-
emotionaler Kompetenzen verknüpfen und Selbstwirksamkeit fördern. Partizipation, Jugendbeteiligung und
Demokratiefähigkeit werden als Grundvoraussetzung für politische Prozesse verstanden und sind Kernelemente der BNE.
Die Bundesregierung ist international eingebunden das internationale Netzwerk der Staatengemeinschaft, die sich
für die Verankerung von BNE im Bildungssystem, orientiert an den BNE-Weltprogrammen der UNESCO, einsetzt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist seit der BNE-Dekade 2004 zentrales Anliegen der UNESCO. Die Berliner
Erklärung und die Verabschiedung der UNESCO Roadmap „BNE 2030“ auf der von Deutschland 2021 ausgerichteten
BNE-Weltkonferenz bekräftigen den gemeinsamen Weg, BNE als einen Schlüssel der Agenda 2030 voranzutreiben.
Die Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen hat, auch im internationalen Vergleich gesehen, in Deutschland
einen besonderen Stellenwert. In den Koalitionsverträgen der 20. und der 21. Legislaturperiode ist BNE explizit
benannt. Die Handlungsfelder der BNE-Roadmap bieten hierbei eine Orientierung für die Ausgestaltung von BNE auf
allen politischen Ebenen. Konkret geht es darum, Rahmenbedingungen und Lehrpläne an BNE auszurichten, das Aus-
und Weiterbildungsangebot für Lehrkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zu erweitern sowie
Lerneinrichtungen als nachhaltig handelnde Institutionen zu stärken. Die Weiterentwicklung von BNE kann nur mit der
stetigen Einbeziehung junger Menschen gelingen. Wesentlich sind auch die Kommunen in ihrer Rolle zur lokalen
Aushandlung von BNE.
Zum Hintergrund dieses Berichts
Auf der Grundlage des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 29. Juni 2000 (Bundestagsdrucksache 14/3319)
legt die Bundesregierung einmal pro Legislaturperiode den Bericht zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
vor1.
Der achte Bericht befasst sich mit dem Stand und der Entwicklung von BNE in Deutschland in der 20.
Legislaturperiode, d.h. im Zeitraum Oktober 2021 bis März 2025.
Die Fertigstellung des Berichts war wegen des vorzeitigen Endes der 20. Legislaturperiode erst zu Beginn der 21.
Legislaturperiode möglich. Der Bericht orientiert sich an den in der 20. Legislaturperiode geltenden
Ressortbezeichnungen. Um die Zuständigkeit für die jeweilige Maßnahme auch nach dem geänderten Ressortzuschnitt transparent
zu machen, werden die in der 21. Legislaturperiode geänderten Ressortzuständigkeiten jeweils in Klammern
ergänzt. Zum Beispiel: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, 21. LP: Bundesministerium für Bildung,
Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) bzw. (BMBF, 21. LP: BMBFSFJ).
1 Siehe ebenfalls: BNE-Berichte der Bundesregierung im Januar 2000 (Bundestagsdrucksache 14/7971), Oktober 2005 (Bundestagsdrucksache
15/6012), Juli 2009 (Bundestagsdrucksache 16/138009), Dezember 2011 (Bundestagsdrucksache 17/8099), Juli 2013 (Bundestagsdrucksache
17/14325), September 2017 (Bundestagsdrucksache 18/13665) und April 2021 (Bundestagsdrucksache 19/28940).
Der Bericht umfasst die Aktivitäten der Bundesregierung, der Länder (via Länderkonferenzen), der BNE-Gremien
sowie der kommunalen Spitzenverbände und weiterer gesellschaftlicher Akteurinnen und Akteure.
Der Fokus liegt dabei auf wesentlichen Entwicklungen, strategischen Schwerpunkte und Ergebnissen des
nationalen und internationalen Prozesses der Verankerung von BNE im Bildungssystem. Auch die Ergebnisse des
Nationalen BNE-Monitorings fließen in den Bericht mit ein. Details zu Einzelmaßnahmen und Programmen aus den
Ländern und Beispiele für die Praxis sind im Anhang ergänzend zu den jeweiligen Bildungsbereichen und
Handlungsfeldern auf Länderebene (Anhang 9.1.) und Bundesebene (Anhang 9.2.) aufbereitet sowie mit Verlinkungen auf die
entsprechenden Internetseiten versehen. Damit soll der Bericht in seiner Fülle noch besser für die Praxis nutzbar
werden. Zusätzlich ist geplant, den Bericht über das BNE-Portal zur Verfügung zu stellen.
Der Bericht ist nach Bildungsbereichen untergliedert und orientiert sich an den Handlungsfeldern der UNESCO
Roadmap „BNE 2030“. Dadurch soll kenntlich gemacht werden, welchen Beitrag die nationale BNE-Umsetzung zur
Erreichung der jeweiligen Handlungsfelder leistet.
• HF I: Politische Unterstützung,
• HF II: Ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen,
• HF III: Kompetenzentwicklung von Lehrenden,
• HF IV: Stärkung und Mobilisierung der Jugend,
• HF V: Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.
2 Internationaler Rahmen: Trends und
Entwicklungen auf internationaler Ebene
2.1 Multilaterale Zusammenarbeit: UN- und UNESCO-Ebene
„Um Themen und Trends zu identifizieren und zu verfolgen, werden die
Mitgliedstaaten dazu aufgerufen: (…) Mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um neu
auftretende Themen und Trends im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung
und BNE in spezifischen Kontexten zu analysieren und geeignete pädagogische
Antworten zu finden.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 45)
Im Zeitraum von 2021 bis 2025 hat Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) international weiter an Bedeutung
gewonnen. So zielte der im Herbst 2022 vom UN-Generalsekretär einberufene „Transforming Education Summit“
darauf ab, auf höchster Ebene auf die aktuellen Herausforderungen im Bildungsbereich aufmerksam zu machen, die
durch die weltweite Pandemie noch verschärft wurden. Der UN-Generalsekretär betonte dabei, dass die
internationale Gemeinschaft entschlossen, mit Überzeugung, Gestaltungskraft und Solidarität reagieren müsse, um Bildung zu
transformieren. Dabei hob er die Bedeutung von Bildung für nachhaltige Entwicklung hervor und forderte Staaten
auf, ihre Lehrpläne und Pädagogik so zu gestalten, dass sie Lernende mit dem notwendigen Bewusstsein, Werten,
Einstellungen und Fähigkeiten ausstatten, um den notwendigen Wandel zu fördern.2
Diese Entwicklung ist auch auf die erfolgreiche Arbeit in den bisherigen UNESCO-Programmen zu BNE
zurückzuführen. Das aktuelle UNESCO-Programm „BNE 2030“ baut auf den bisherigen globalen Programmen zu BNE auf,
betont die Schlüsselfunktion von BNE für die Umsetzung der globalen Agenda 2030 und setzt dabei die zentrale Arbeit
in den fünf Handlungsfeldern des UNESCO-Weltaktionsprogramms fort: politische Unterstützung, ganzheitliche
Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden, Stärkung und
Mobilisierung der Jugend, sowie Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene. „BNE 2030“ legt den Fokus auf drei
wesentliche Zukunftsziele: individuelle und gesellschaftliche Transformationsprozesse, strukturelle Veränderungen
und die Gestaltung einer technologisch nachhaltigen Zukunft.
Internationale Auftaktkonferenz der UNESCO mit Berliner Erklärung für BNE
Die internationale Auftaktkonferenz des UNESCO-Programms „BNE 2030“ im Mai 2021, aufgrund der Corona-
Pandemie digital organisiert von UNESCO und Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in Kooperation mit
der Deutschen UNESCO-Kommission, setzte wichtige Impulse für eine ambitionierte Umsetzung von BNE. 10.000
Teilnehmende sowie mehr als 70 Ministerinnen und Minister aus 161 Nationen verabschiedeten auf der Konferenz
die Berliner Erklärung 3, die seither als internationales Referenzdokument zu BNE zählt. Die Berliner Erklärung
prägte auch in besonderem Maße die 2023 verabschiedete „Empfehlung zu Bildung für Frieden, Menschenrechte
und nachhaltige Entwicklung“4 der UNESCO. Diese Empfehlung ist ein weltweiter Meilenstein für die Bildungspolitik
im 21. Jahrhundert und enthält einen globalen Konsens darüber, dass Bildung Handlungsorientierung,
Gestaltungskompetenzen und kritisches Denken fördern soll, um Individuen zu stärken. In dieser Empfehlung findet BNE
erstmals ausdrücklich Einzug in ein völkerrechtliches Dokument. Die Resolution zur Verabschiedung der Berliner
Erklärung auf der 41. Generalkonferenz der UNESCO stellt zudem eine klare Aufforderung an alle Mitgliedstaaten dar,
2 Vgl. Vision Statement des UN-Generalsekretärs anlässlich des „Transforming Education Summits“, 16. – 19. September 2022,
https://www.un.org/en/transforming-education-summit/sg-vision-statement.
3 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/berliner_erklaerung.html
4 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/unesco-weltbildungsempfehlung.html
BNE bis 2025 in den Kernlehrplan auf allen Ebenen ihres Bildungssystems zu integrieren. Dies gilt nun als
internationaler Maßstab.
Um die von der UNESCO ausgerufene „Decade of Action“5 zu BNE auch auf nationaler Ebene einzuläuten,
organisierten das BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission im direkten Anschluss an die internationale Konferenz eine –
ebenfalls digitale - nationale Auftaktkonferenz unter dem Titel „Mit BNE in die Zukunft – BNE 2030“.
Trotz dieser positiven Entwicklungen zeigen jedoch aktuelle Studien der UNESCO, dass z. B. nahezu die Hälfte (47
Prozent) von 100 untersuchten Ländern in ihren Lehrplänen keinen Hinweis auf den Klimawandel enthielten6 oder
dass aus über 58.000 befragten Lehrkräften sich nur ein Drittel in der Lage fühlen, Themen zu nachhaltiger
Entwicklung ihren Schülerinnen und Schülern gut vermitteln zu können.7
Der Umsetzungsprozess in Deutschland dient dabei der UNESCO auf internationaler Ebene auch als Vorzeigemodell
eines Multi-Stakeholder-Ansatzes für die neu eingeführten „Country Initiatives“8. Die sogenannten
Länderinitiativen sind eine Kernmaßnahme der UNESCO-Roadmap für die Umsetzung von „BNE 2030“. Ziel ist es, in den
Mitgliedsstaaten nationale Strategien und Initiativen für die Verankerung von BNE im Bildungssystem anzustoßen und
sichtbar zu machen.
Das neu eingeführte „ESDnet“9 dient dabei als Austauschplattform mit regelmäßigen Online-Seminaren zur
Vernetzung und Weiterbildung zu internationalen Trends in BNE. Die UNESCO-Praxisgemeinschaft für BNE, entstanden
2005 im Rahmen der Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, ist der Ausgangspunkt für dieses Netzwerk, um
Synergien zwischen den Mitgliedern zu schaffen, eine sektorübergreifende Zusammenarbeit zu fördern und die
Umsetzung von BNE auf nationaler, regionaler und globaler Ebene voranzutreiben. Ende 2023 fand in Tokio, Japan, das
erste globale Vernetzungstreffen in Präsenz nach den Jahren der Pandemie statt, wo neben u. a. einem Austausch zu
Lehrplanentwicklung und Bewertungsmöglichkeiten von BNE die fünf Weltregionen sich untereinander vernetzten
und Maßnahmen für ihre künftige Zusammenarbeit erarbeiteten.
Darüber hinaus vergeben die UNESCO und Japan weiterhin alle zwei Jahre den UNESCO-Japan-Preis für BNE. Der
Preis wird an drei Preistragende verliehen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung in herausragender Weise
umsetzen. Die Preistragenden erhalten je $ 50.000 US-Dollar. Deutschland hat nach einer nationalen Vorauswahl im Jahr
2021 und 2023 jeweils drei Initiativen nominiert.
UNESCO startet Greening Education Partnership
Der Bedeutungszuwachs von BNE während der ersten Hälfte der Dekade spiegelt sich auch in weiteren
internationalen Bildungsagenden wider. Eine konkret entstandene Maßnahme aus dem „Transforming Education Summit“ ist die
„Greening Education Partnership“ (GEP10), die als Kooperationsplattform für über 80 Regierungen und mehr als
1.000 Interessengruppen dient. Sie zielt darauf ab, Länder bei der Bewältigung der Klimakrise zu unterstützen,
indem sie die Rolle der Bildung nutzt. Die GEP wird von der UNESCO koordiniert und stimmt sich strategisch eng mit
der „United Nations Framework Convention on Climate Change“ (UNFCCC11) ab, um der Bildung im Kontext der
internationalen Klimaverhandlungen mehr Gewicht zu verleihen. Die GEP sucht globale Mindeststandards für
Klimabildung als Teil von BNE in den vier Aktionsfeldern „Greening Schools“12, „Greening Curriculum“13, „Greening
Teacher Training and Education Systems’ Capacities“14 und „Greening Communities“15 zu schaffen. Deutschland ist
Mitglied der GEP und u. a. aktiv in der Arbeitsgruppe „Greening Communities“. Der offizielle Auftakt der GEP fand im
5 Dekade des Handelns
6 Vgl. UNESCO, https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000379591
7 Vgl. UNESCO, https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000379914
8 Länderinitiativen
9 BNE-Netzwerk
10 https://www.unesco.org/en/sustainable-development/education/greening-future
11 https://unfccc.int/
12 https://www.unesco.org/en/education-sustainable-development/greening-future/schools
13 https://www.unesco.org/en/education-sustainable-development/greening-future/curriculum
14 https://www.unesco.org/en/sustainable-development/education/cop29-cce-webinars
15 https://www.unesco.org/en/sustainable-development/education/greening-future
Dezember 2023 bei der COP2816 in Dubai statt. Das BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission veranstalteten ein
Side-Event unter dem Titel „Accelerating Sustainability and Climate Action – Strengthening ESD Networks for a
‚Whole-of-Society‘ Approach“ 17 und stellten den nationalen Umsetzungsprozess einem internationalen Publikum
vor. Engagement Global führte im Rahmen der Weltklimakonferenz COP28 in Dubai eine Session zum Thema „A
Multi-level Approach Towards Education for Sustainable Development“ durch. In einem Vortrag mit anschließender
Diskussionsrunde wurde der Mehrebenenansatz erläutert, den das Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erfolgreich verfolgt, um eine strukturelle Verankerung von BNE im
Bildungsbereich zu bewirken.
UNECE: Jugendpartizipation im Fokus
Anfang Oktober 2022 fand auf Zypern die 9. Konferenz „Umwelt-für-Europa“18 statt, bei der BNE erstmals einen
inhaltlichen Schwerpunkt bildete. Auf dem High-Level-Meeting der Bildungs- und Umweltministerinnen und -
minister wurde eine gemeinsame Erklärung19 zu BNE und ein neuer Umsetzungsrahmen20 der UNECE-Strategie für BNE
bis 2030 verabschiedet. Dieser neue Rahmen reflektiert thematisch das UNESCO-Programm „BNE 2030“ mit einem
Fokus auf Bildungsqualität, den Whole Institution Approach, digitale Bildung und BNE sowie BNE und
Unternehmertum und Innovation.
Darüber hinaus intensivierte das „UNECE Steering Committee“ die Jugendpartizipation durch die Einführung einer
„internationalen Jugendplattform zu BNE“21. Dieses Engagement mündete im ersten „UNECE-Forum zu BNE“22, das
Ende Juni 2024 auf Zypern stattfand. Mehr als 300 Teilnehmende aus 56 UN-Mitgliedsstaaten und neun
Mittelmeeranrainerstaaten kamen zusammen, um unter dem Motto „Going Green“ Nachhaltigkeitsbildung zu fördern. Zentrale
Themen waren die Stärkung der Jugendbeteiligung bei der Umsetzung von BNE-Politiken und die Verbindungen
zwischen BNE und Entrepreneurship Education.
Internationales Engagement der Ressorts für BNE
Darüber hinaus setzt sich das BMZ über die multilateralen Bildungsfonds „Education Cannot Wait“23 (ECW) und
„Global Partnership for Education“24 (GPE) weltweit für die nachhaltige Stärkung von Bildungssystemen ein und
engagiert sich in den Fonds für die Förderung von BNE und Klimabildung.
Das Auswärtige Amt (AA) wiederum ist federführendes Ressort für die Koordinierung der deutschen Politik in der
UNESCO und fördert die Deutsche UNESCO-Kommission e. V. (DUK) als Mittlerorganisation der Auswärtigen Kultur-
und Bildungspolitik. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) zählt programmübergreifend zu den Prioritäten der
DUK. Das AA stärkt unter anderem mit der Arbeit der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der UNESCO in Paris
multilaterale Initiativen für BNE. In den Programmen des AA, wie dem Partnerschulnetzwerk25 oder dem
Freiwilligendienst „kulturweit“26, ist das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verankert. Die
Außenwissenschaftspolitik des AA unterstützt BNE etwa im Rahmen bilateraler Hochschulkooperationsprojekte, der Deutschen
Akademischen Flüchtlingsinitiative (DAFI)27 oder der Philipp-Schwartz-Initiative28. Auch durch die
Unterstützung nationaler Gremien zur Umsetzung der Kultur- und Wissenschaftsprogramme der UNESCO und die Förderung
16 https://www.cop28.com/
17 https://www.unesco.de/bne/bne-weltweit/
18 https://unece.org/circular-economy/news/ministers-gather-nicosia-ninth-environment-europe-conference
19 https://unece.org/sites/default/files/2023-06/ECE_NICOSIA.CONF_2022_11_E_as%20adopted.pdf
20 https://unece.org/sites/default/files/2022-08/ECE_NICOSIA.CONF_2022_10_E_0.pdf
21 https://esdforumcyprus2024.com/wp-content/uploads/2024/05/Final_Fianl_UNECE-REVISEDCONCEPTNOTE.pdf
22 https://esdforumcyprus2024.com/
23 https://www.educationcannotwait.org/ – Bildung kann nicht warten.
24 https://www.globalpartnership.org/ – Globale Partnerschaft für Bildung.
25 https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/kultur-und-gesellschaft/03_Sprache/pasch/2236358
26 https://kulturweiter.de/
27 https://www.unhcr.org/de/was-wir-tun/fluechtlingsschutz/integration/dafi
28 https://www.humboldt-foundation.de/bewerben/foerderprogramme/philipp-schwartz-initiative
von Projekten und Veranstaltungen mit Bezug zu BNE (bspw. die des Netzwerks der deutschen UNESCO-
Projektschulen29, siehe auch Kapitel 5.2.2 und 5.2.3) treibt das AA die Erreichung von SDG 4 und seinem Unterziel 4.7
voran.
Unter „Action for Climate Empowerment“30 (ACE; UNFCCC) werden die in Artikel 12 des Pariser
Klimaschutzabkommens verankerten „Maßnahmen zur Verbesserung der Bildung, der Ausbildung, des öffentlichen Bewusstseins, der
Beteiligung der Öffentlichkeit und des öffentlichen Zugangs zu Informationen auf dem Gebiet der Klimaänderungen“
gefasst. Zwischen BNE und ACE bestehen zahlreiche Synergien, die künftig noch gezielter genutzt werden könnten.
So soll auf der UNFCCC COP31 in 2026 ein neuer ACE-Action-Plan verabschiedet werden. Zudem arbeiten die „ACE
Focal Points“ von Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV,
21. LP: Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN)) und
Umweltbundesamt derzeit daran, eine kohärente, nationale ACE-Strategie zu entwickeln und umzusetzen. In 2022 haben die
Landesregierung Nordrhein-Westfalen und das UN-Klimasekretariat in Bonn das Zentrum für Klimabildung „ACE-
Hub – Action for Climate Empowerment“ ins Leben gerufen. Mit seinen Veranstaltungen unterstützt der ACE-Hub
insbesondere „ACE Focal Points“31 und Jugendliche in Netzwerken und bei UNFCCC-Veranstaltungen.
Einen wichtigen Beitrag leistet darüber hinaus das vom AA finanzierte Goethe-Institut32: Dieses wirkt mit seinen
BNE-Programmen auf drei Ebenen: a) Internationalisierung von BNE in Deutschland, b) Verankerung von BNE im
internationalen Bildungsbereich (non-formale Bildung: Kompetenzentwicklung) und c) Mobilisierung von jungen
Menschen.
Ex ku rs 1 : Förderungen internationaler Kooperationen im Bereich BNE und Wasserstoff von BMBF
(21. LP: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR))
• Mit Wissen Chancen schaffen – unter diesem Motto werden mithilfe der Afrikazentren „West African
Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use“ (WASCAL) und „Southern African
Science Service Centre for Climate Change and Adaptive Land Management“ (SASSCAL), die beide durch
das BMFTR gefördert werden, gemeinsam mit lokalen Partnern gezielt Nachwuchsforschende für
Klimaschutz und Klimaanpassung in Graduiertenprogrammen ausgebildet, Forschung zu den Folgen des
Klimawandels gefördert und durch systematische Erhebung von Wetter- und Klimadaten die Datenbasis zur
Klimaresilienz verbessert.
• Um die Expertise vor Ort zu stärken, haben WASCAL und das BMBF (21. LP: BMFTR) u. a. ein
Graduiertenschulprogramm für Grünen Wasserstoff – International Masters Program in Energy and Green Hydrogen
– IMP-EGH – eingerichtet. Im April 2023 nahmen 59 Studierende aus 15 westafrikanischen Staaten ihr
viertes Semester in Deutschland auf.
• Das gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum „Southern African Science Service Centre for Climate Change
and Adaptive Land Management“ (SASSCAL) aufgelegte Programm zum Aufbau von Kapazitäten fördert und
unterstützt die Schaffung von Wissen und Innovation durch akademische und nicht-akademische Kurse im
Rahmen der Grünen Wasserstofftechnologie. Das Stipendium „Youth for Green Hydrogen“ (Y4H2) zielt
darauf ab, junge Menschen mit relevanten Fähigkeiten auszustatten, die auf die Grüne Wasserstoffwirtschaft
ausgerichtet sind.
• In Walvis Bay, Namibia, wird eine Pilotanlage zur Erzeugung von Grünem Wasserstoff mit Solarstrom
(Cleanergy Projekt) gebaut. Im Projekt werden u. a. Forschung und Entwicklung sowie
Weiterbildungsmaßnahmen mit verschiedenen Institutionen betrieben.
• Das Projekt und Think Tank „Green Deal Ukraine“ (Ukraine, Deutschland und Polen) ist ein Beitrag zur
ukrainischen Energie- und Klimawende. Weiterbildung und berufliche Qualifikation im Sinne einer BNE
umfassen einen Teil des Aufgabenspektrums.
29 https://www.unesco.de/orte/projektschulen/
30 https://unfccc.int/topics/education-and-youth/big-picture/ACE
31 https://unfccc.int/topics/action-for-climate-empowerment-children-and-youth/national-ace-focal-points
32 https://www.goethe.de/
2.2 Zusammenarbeit auf EU-Ebene
Ratsempfehlung
Auch auf europäischer Ebene wurde im Rahmen der Europäischen Union (EU) das Commitment und Engagement zu
BNE verstärkt. Im Juni 2022 verabschiedete der Rat der Europäischen Union die „Empfehlung zum Lernen für den
grünen Wandel und nachhaltige Entwicklung33“. Die Empfehlung legt konkret dar, wie Nachhaltigkeit von den
Mitgliedsstaaten in ihren Bildungsplänen für allgemeine und berufliche Schulen integriert werden kann, z. B.
Einbezug aller Personengruppen von Schule, Lehrkräftefortbildungen, Möglichkeiten, um Nachhaltigkeit auch in der
außerschulischen Bildung zu stärken. Gemeinsam mit dem begleitenden „European Competence Framework on
Sustainability for Lifelong Learning34“ ist dies ein Meilenstein im gemeinsamen Engagement der Mitgliedstaaten für
die Verankerung von BNE im schulischen Bereich.
Das Netzwerk Global Education in Europe (GENE) verabschiedete am 4. November 2022 die „European
Declaration on Global Education to 2050“35 (auf Deutsch: „Die Europäische Erklärung zum Globalen Lernen bis 2050“36). Das
BMZ ist durch Engagement Global in GENE vertreten (s. auch 5.4.2).
Peer-Learning-Activity – von anderen lernen
Das BMBF war Mitglied einer von der EU-Kommission 2022 eingerichteten Arbeitsgruppe „Learning for
Sustainability“, der rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Bildungsministerien von EU- und Partnerländern, nicht-
staatlichen Organisationen und internationalen Einrichtungen angehörten, um die Umsetzung der Empfehlung
voranzutreiben. In diesem Rahmen richtete das BMBF gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission und der Stadt
Hamburg im Juni 2024 eine „Peer-Learning-Activity“37 zu Strategien der Vernetzung von non-formalen und formalen
Bildungsangeboten auf nationaler und kommunaler Ebene aus. Gemeinsam wurden zentrale Botschaften zur
Verknüpfung von non-formaler und formaler Bildung auf kommunaler Ebene entwickelt.38
33 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX:32022H0627(01)
34 https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC128040
35 https://www.gene.eu/s/GE2050-declaration.pdf
36 https://www.uni-bamberg.de/fileadmin/allgpaed/003_Service/Transfer/GENE_2023_GE2050-Declaration_Deutsch.pdf
37 https://ec.europa.eu/social/main.jsp?langId=en&catId=1070
38 https://school-education.ec.europa.eu/en/discover/news/learning-sustainability-europes-schools-new-resources-european-commission
3 Einordnung nationale Ebene:
Weiterentwicklung des Nationalen Prozesses Bildung für
nachhaltige Entwicklung
„Der Vielseitigkeit von BNE entsprechend werden die Mitgliedstaaten dringend
dazu aufgefordert, unterschiedliche Interessengruppen und Engagierte im
Rahmen einer koordinierten Strategie bezüglich des nationalen SDG-Rahmens zu
mobilisieren, einzubinden und zu unterstützen. Ein derartiges Multi-Stakeholder-
Engagement ist auf lokaler, nationaler, regionaler und globaler Ebene relevant,
um eine Partnerschaft und Zusammenarbeit aller Interessengruppen und
Engagierten zu gewährleisten.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 20)
Unter Federführung des BMBF (21. LP: BMBFSFJ) wurde auch in der 20. Legislaturperiode die nationale
Gremienarbeit zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE39 (NAP BNE) und des BNE-UNESCO-Programms „BNE 2030“
(2020 – 2030) mit über 450 Aktiven in rd. 20 Gremien fortgeführt.
3.1 Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung (NP BNE) ist das oberste Lenkungsgremium des BNE-
Prozesses. Aktuell setzen sich 40 Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Wissenschaft,
Wirtschaft und Zivilgesellschaft sowie die Vorsitzenden der fachlich strukturierten Foren in diesem Rahmen für die
Verankerung von BNE in den verschiedenen Bildungsbereichen ein. In der 20. Legislaturperiode hat die Nationale
Plattform durch Positionierungen und Empfehlungen wichtige Impulse zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplan BNE
und der UNESCO-Roadmap „BNE 2030“ gesetzt.
Mit dem Positionspapier „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Ein Kompass im digitalen Wandel unserer
Gesellschaft“40 (03.12.2021) fordert die NP BNE eine Verzahnung der Kompetenzen von Digitalisierung und der
Kompetenzen für die nachhaltige Gestaltung von Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft, wie sie in den globalen
Nachhaltigkeitszielen beschrieben werden. In fünf Handlungsfeldern werden konkrete Empfehlungen für alle
Akteurinnen und Akteure aus dem Bildungssystem, der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Softwareentwicklung und
Medienarbeit vorgelegt, um Innovationen voranzutreiben.
Das Forum Schule hat die Impulse aus dem Positionspapier für den Schulbereich mit der Empfehlung „Unterricht
der Zukunft. BNE und Digitalisierung in der schulischen Bildungspraxis.“41 (03.12.2021) konkretisiert und
vertieft.
In Umsetzung des Positionspapiers hat die Nationale Plattform die „Leitlinien und Gütekriterien digitaler
Materialien für Bildung für nachhaltige Entwicklung“42 (09.12.2022) verabschiedet. Die Leitlinien geben Orientierung
für die Erstellung digitaler BNE-Materialien, wie auch für deren Anwendung. Die Kennzeichnung des Materials auf
der Basis der Gütekriterien ist für die Anbietenden freiwillig und wird auf dem BNE-Portal veröffentlicht. Dadurch
trägt der Beschluss zur Qualität und Sichtbarkeit von digitalen BNE-Materialien bei.
39 https://www.bne-portal.de/bne/de/nationaler-aktionsplan/nationaler-aktionsplan_node.html
40 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/positionspapier_BNE_Digitalisierung_NP.pdf
41 https://www.stiftungbildung.org/wp-content/uploads/ForumSchule_BNE_Digitalisierung_17.12.2021.pdf
42 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/beschluss-np-guetekriterien-bne-materialien.pdf
Mit der Erklärung „Partizipation, Beteiligungsmöglichkeiten und Freiräume“43 (09.12.2022) spricht sich die NP
für eine verstärkte Förderung des gesellschaftspolitischen Engagements junger Menschen aus. Die Erklärung geht
auf den Nationalen Aktionsplan (NAP) BNE44 und das Anliegen des Staatssekretärsausschusses für nachhaltige
Entwicklung zurück, die Freiräume für junges Engagement durch einen entsprechenden Beschluss der NP BNE zu
stärken. Die Erklärung unterstreicht, wie wichtig es insbesondere für den Bereich BNE ist, im Sinne der Jugendstrategie
der Bundesregierung jugendgerechte Beteiligungsformate zu fördern, junge Menschen für eine aktive
gesellschaftspolitische Teilhabe zu begeistern und die entsprechenden Voraussetzungen dafür zu schaffen (vgl. Erklärung S. 1).
Konkret geht es darum, die Jugendbeteiligung im nationalen BNE-Prozess weiter zu stärken, indem
Rahmenbedingungen weiter angepasst und jugendgerechte Zugänge stetig verbessert werden.
Mit dem Impulspapier „Unser weiterer Weg zur Umsetzung von BNE 2030“45 (September 2023) bestärkt die
Nationale Plattform ihr Commitment für die Umsetzung der Roadmap „BNE 2030“ und des Nationalen Aktionsplans
BNE. Die sieben folgenden Themenfelder werden als zentrale Hebel für eine beschleunigte Umsetzung des
nationalen BNE-Prozesses herausgearbeitet, an denen die Nationale Plattform ihre weitere Arbeit orientiert.
Die sieben Hebel sind:
1. die Stärkung der Nationalen Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung,
2. Koordinierung und Vernetzung staatlicher BNE-Akteurinnen und -Akteure auf allen Ebenen,
3. Fortführung und Ausbau von Kooperationen,
4. Stärkung von Aus-, Fort- und Weiterbildung (BNE),
5. beschleunigte Veränderungen in der formalen Bildung, Stärkung der non-formalen/informellen Bildung (NIL)
sowie Vertiefung der Partnerschaft beider,
6. Transfer in die Breite und
7. Stärkung der Präsenz (Öffentlichkeitsarbeit/Medien).
Als einen zentralen Hebel (siehe Hebel 4) identifiziert die NP BNE die Fort-, Weiterbildung und
Erwachsenenbildung. Aktuelle Herausforderungen der Transformation können in Weiterbildungsmaßnahmen vergleichsweise
schnell und flexibel integriert werden; auf diesem Weg ist es möglich, gerade diejenigen zu erreichen, die die
Transformation in der Arbeitswelt gerade aktiv mitgestalten. Um die Bedeutung von beruflicher und allgemeiner
Weiterbildung für die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit sichtbarer zu machen und Kooperationen mit Partnern auch
außerhalb der NP BNE zu stärken, hat die Nationale Plattform im Juli 2024 eine Arbeitsgruppe (60 Mitglieder)
eingerichtet. Die Arbeitsgruppe erarbeitet konkrete Ergebnisse: eine Kartierung von Weiterbildungsangeboten zu BNE
und ein Papier zur Bedeutung von nachhaltigkeitsorientierten Schlüssel- und Zukunftskompetenzen. In dieser sollen
Empfehlungen zur Stärkung von BNE in der Weiterbildung erarbeitet und Weiterbildungsbedarfe identifiziert
werden.
Die Nationale Plattform auf Entscheidungsebene hat im Januar 2025 beschlossen, das Thema gesellschaftlicher
Zusammenhalt und BNE zum Schwerpunktthema 2025/2026 zu machen. Vor dem Hintergrund des Erstarkens
extremistischer Strömungen und der zunehmend polarisierten Debatte u. a. zum Thema Transformation zur
Nachhaltigkeit/Energiewende/Klimawandel nimmt die NP folgende zentrale Fragestellungen in den Blick:
• Welche Rolle kann Bildung und insbesondere Bildung für nachhaltige Entwicklung spielen, um aktuelle
Spaltungstendenzen zu überwinden und zur Stärkung der Demokratie in der Transformation beizutragen?
43 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/erklaerung-np-partizipation-freiraeume.pdf
44 Siehe NAP BNE Kapitel NIL, Handlungsfeld (HF) VI: „Ausreichende Freiräume in Bildungsprozessen bieten Jugendlichen die Chance für
Selbsterfahrungen, Freiräume ermöglichen ihnen, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, kreative Lösungen zu erarbeiten und gestalterisch
Einfluss zu nehmen.“
45 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/impulspapier-nationale-plattform-2023.pdf
• Wie muss eine Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgerichtet sein, um dieses Ziel effektiv zu unterstützen?
Die NP hat eine temporäre Arbeitsgruppe (23 Mitglieder und weitere Expertinnen und Experten46) eingerichtet, die
zu den genannten Fragen ein Konzept mit Handlungsempfehlungen erarbeitet.
3.2 Überblicksdarstellung der BNE-Gremienstruktur
A bbi ld u ng 1 : Grafik Gremien im Nationalen BNE-Prozess, Stand 20. LP (ab 21. LP: Vorsitz BMBFSFJ).
Nationale Plattform BNE: oberstes Lenkungsgremium des BNE-Prozesses, besetzt mit Vertreterinnen und
Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen. Das Gremium tagt zwei Mal jährlich. Die
Nationale Plattform hat am 20. Juni 2017 den Nationalen Aktionsplan BNE47 verabschiedet.
Foren48: Im nationalen BNE-Prozess unterstützen sieben Foren die Arbeit der Nationalen Plattform mit ihrer
Expertise. Die Foren reihen sich entlang der Bildungskette und decken sämtliche Bereiche des Lebens ab. Beginnend mit
der frühkindlichen Bildung über die schulische und berufliche Bildung, über Hochschulbildung hin zu non-formalem
und informellem Lernen sowie Jugend als Querschnittsthema und kommunale Bildungslandschaften als zentrale
Akteure für die lokale Umsetzung. Besetzt sind die sieben Foren mit bis zu 35 Expertinnen und Experten, die sich bis zu
vier Mal pro Jahr treffen, austauschen, Positionen erarbeiten und Maßnahmen (NAP BNE und Roadmap „BNE 2030“)
umsetzen.
Partnernetzwerke und Partnerforum: Es gibt sieben aktive Partnernetzwerke und ein koordinierendes
Partnerforum für die gemeinsame Aktivität der offenen Thementage, der sogenannten „Open Days“49. Die Partnernetzwerke
vereinen rund 150 engagierte Praktikerinnen und Praktiker, die BNE vor Ort umsetzen. Sie initiieren dabei neue
46 Jun.-Prof. Dr. Harald Hantke (Leuphana Universität Lüneburg), Prof. Dr. Nina Kolleck (Universität Potsdam), Jun.-Prof. Dr. Luisa Girnus (Freie
Universität Berlin).
47 https://www.bne-portal.de/bne/de/nationaler-aktionsplan/nationaler-aktionsplan_node.html
48 https://www.bne-portal.de/bne/de/bundesweit/gremien/gremien_node.html
49 http://opendaysbne.de/
Partnerschaften, bearbeiten neue Themen und realisieren Workshops, Veranstaltungen, Ausstellungen zu BNE. Über
ihre jeweilige Forenverankerung sind sie in den Gesamtprozess eingebunden.
Das Partnerforum setzt sich aus den Sprecherinnen und Sprechern der Partnernetzwerke zusammen. Das
koordinierende Gremium hat sich eine Geschäftsordnung gegeben und setzt Vollversammlungen für alle
Partnernetzwerkmitglieder um. Das Hauptprojekt des Partnerforums war in den letzten Jahren die Durchführung der regionalen Open
Days. Das sind an der Barcamp-Methode orientierte Veranstaltungen, die jeweils in einer Region stattfinden, lokale
Themen aufnehmen und die Akteurinnen und Akteure vor Ort vernetzen.
Te x tb ox 1 : Ergebnisse der BNE-Gremienbefragung
Im Jahr 2024 wurden seitens des BNE-Monitorings (Freie Universität Berlin) die BNE-Gremienmitglieder zum
BNE-Prozess und der Gremienarbeit befragt. Die Ergebnisse wurden der Nationalen Plattform BNE auf
Entscheidungsebene im Januar 2025 vorgestellt, Kernergebnisse sind:
• Der breite Multi-Akteursprozess wird insgesamt bestätigt. Er bildet international ein
Alleinstellungsmerkmal und stärkt die Legitimation für Prozesse der einzelnen Akteurinnen und Akteure.
• Als wesentliche Schwächen wurden unzureichende unterstützende Rahmenbedingungen und politischer
Wille festgehalten.
• Gremienmitglieder fordern eine stärkere strategische Ausrichtung, um Nutzen und Effektivität zu steigern:
z. B. stärkere Einbeziehung von Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, das Aufgreifen
aktueller Themen und die Stärkung der Rolle der Wissenschaft.
• Die Mitglieder empfehlen, die Vertretung der Länder zu stärken sowie Vertreterinnen und Vertreter der
Medien einzubinden.
Das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) hat bereits einige Anregungen auch aus der Diskussion der NP-Arbeitsebene im Mai
2024 aufgegriffen, z. B. schriftliche Berichte statt Berichterstattung, Thema 2025: gesellschaftlicher
Zusammenhalt und BNE, Einbindung externer Experteninnen und Experten in AG-Arbeit. Weitere Schritte sollen in der
Sitzung der NP-Arbeitsebene diskutiert werden. Die weiteren Maßnahmen, Highlights und Ergebnisse der BNE-
Gremienarbeit lesen Sie in den Kapiteln 5, 6 und 7. Dort sind diese entlang der Handlungsfelder des UNESCO-
Programms „BNE 2030“ strukturiert.
3.3 Stärkung der Sichtbarkeit von BNE
„In Bezug auf die Überzeugungsarbeit werden die Mitgliedstaaten dazu
aufgerufen: Die Rolle von Bildung als Wegbereiter für alle SDGs durch gezielte
Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in all ihren BNE-Aktivitäten
hervorzuheben und Bildungsakteurinnen und -akteure sowie die Medien dafür zu
mobilisieren.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 43)
Nationale Auszeichnungen – Bildung für nachhaltige Entwicklung
Im Rahmen des UNESCO-Programms „BNE 2030“ würdigen das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) und die Deutsche UNESCO-
Kommission herausragende Initiativen, die sich aktiv für BNE einsetzen, mit der „Nationalen Auszeichnung –
Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das Verfahren knüpft an die Auszeichnungen von beispielhaften BNE-
Projekten im UNESCO-Weltaktionsprogramm BNE (2015 – 2019) und der UN-Dekade BNE (2005 – 2014) an und wurde
2021 neu aufgesetzt.
Ziel der Auszeichnungen ist es, beispielgebendes Engagement für BNE in allen Bildungsbereichen regional und
bundesweit sichtbar zu machen, den Ausgezeichneten über die Vernetzung mit Expertinnen und Experten neue Impulse
für die Organisationsentwicklung zu vermitteln und weitere Lernorte zu inspirieren, sich für BNE einzusetzen. Die
Ausgezeichneten werden auf den Auszeichnungsveranstaltungen öffentlich sichtbar geehrt und erhalten ein Logo als
Qualitätsmerkmal für ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Auszeichnung ist somit ein wirksames und
niedrigschwelliges Instrument, um BNE sichtbar in die Breite zu tragen.
Seit 2021 wurden bis Ende 2024 in neun Auszeichnungsrunden 239 Akteurinnen und Akteure mit der „Nationalen
Auszeichnung – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Die ausgezeichneten Initiativen des
Programms reichen beispielsweise von Kindertagesstätten (frühkindliche Bildung: 10 Prozent50), Grundschulen
(Schulen: 17 Prozent), Hochschulen (9 Prozent) über Kommunen und Ausbildungsorten der beruflichen Bildung (9
Prozent) bis hin zu Orten des non-formalen Lernens (non-formale und informelle Bildung: 14 Prozent; außerschulische
Bildung und Weiterbildung: 19 Prozent), an welchen BNE vorbildlich weiterentwickelt wird und bereits fest in den
Strukturen sowie in den Lern- und Lehrangeboten verankert ist (Lehrer-/Erzieher-/Multiplikatorenausbildung: 17
Prozent; Sonstige: 5 Prozent). Eine Bewerbung für die Auszeichnung ist kontinuierlich über das Jahr möglich.
Nationaler Preis – Bildung für nachhaltige Entwicklung
2022 haben das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) und die Deutsche UNESCO-Kommission erstmals den „Nationalen Preis –
Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als neues Format ausgelobt, um hervorragende Leuchtturminitiativen mit
einem Preisgeld zu ehren. Der Preis würdigt bis zu zehn Preisträgerinnen und Preisträger in den Kategorien
„Bildungslandschaften“, „Multiplikator*innen“, „Lernorte“ und „Newcomer“. Diese erhalten u. a. ein Preisgeld von jeweils
10.000 Euro und das Angebot, einen hochwertigen Film über ihre Aktivitäten erstellen zu lassen. Für die Jury
konnten zudem prominente Jurorinnen und Juroren aus Gesellschaft, Politik, Medien, Sport und Wirtschaft gewonnen
werden, die als Botschafterinnen und Botschafter für BNE auftreten und sich aktiv für BNE einsetzen. Der „Nationale
Preis – Bildung für nachhaltige Entwicklung“ wurde 2022 und 2023 an insgesamt 20 Akteurinnen und Akteure
vergeben und wird fortan alle zwei Jahre verliehen.
Das gewonnene Preisgeld wird von den Preisträgerinnen und Preisträgern für Transferaktivitäten im Sinne von BNE
eingesetzt und verstetigt die Wirkung des Preises nachhaltig. Das Klimahaus Bremerhaven, welches 2022 den Preis
erhielt, hat etwa eine Wirkungsevaluation einer ihrer Ausstellungen durchgeführt, um das Klimaschutzverhalten der
Besuchenden zu messen. Das Karlsruher Institut für Technologie hat im Sinne der Ausweitung des Lehrangebots,
eine „Frühlingsakademie“ mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit ins Leben gerufen und diese weiterentwickelt. In
Kooperation mit einem BNE-Regionalzentrum und der Volkshochschule vor Ort hat die Stadt Münster ein
„Zukunftsdiplom“ zu nachhaltigkeitsrelevanten Inhalten als außerschulisches Lernangebot für Schülerinnen und Schüler
zwischen sechs und zwölf Jahren eingeführt. 35 lokale Partnerorganisation haben das Angebot umgesetzt und
weiterentwickelt, was die multiplizierende Wirkung des Transfers verdeutlicht.
Herausragende und besonders innovative Initiativen werden mit dem Sonderpreis „Newcomer“ gefördert. Der
Ernährungsrat Oldenburg (2022) sowie die Initiative Nordic Perspectives51 (2023) verbildlichen die Vielfalt der
preistragenden Initiativen. Mit dem Preisgeld hat der Ernährungsrat beispielsweise eine Vielzahl an kleinen Projekten
und Workshops im Bereich Ernährung und Lebensmittelindustrie umgesetzt, wodurch insgesamt rund 500 Kinder
als Lernende partizipativ beteiligt waren. Nordic Perspectives schafft u. a. durch die Methode des Storytellings52
Räume für einen Austausch vor allem von Jugendlichen, insbesondere im Sinne eines deutsch-dänischen Austauschs
und agiert somit auch im internationalen Kontext.
Das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) und die Deutsche UNESCO-Kommission setzen sich darüber hinaus dafür ein, die
Vernetzung der Ausgezeichneten, Preisträgerinnen und Preisträger als Teil der Gemeinschaft von BNE-Akteurinnen und
-Akteuren zu stärken. Hierzu organisieren sie jährliche Netzwerktreffen, die seit 2024 auch die internationale
Vernetzung mit Nachbarstaaten stärker in den Fokus rücken.
50 Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission, Stand: 25.11.2024; Mehrfachnennungen waren möglich.
51 Nordische Perspektiven
52 Methode des Geschichtenerzählens
Wettbewerbe
Mit dem Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik „alle für EINE WELT für alle“53 des BMZ, umgesetzt von
Engagement Global, werden über alle Jahrgangsstufen und Schulformen hinweg Kinder und Jugendliche in ganz
Deutschland unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten für BNE begeistert. Mit der Begleitmaßnahme
„Song Contest: Dein Song für EINE WELT!“54 werden Jugendliche und junge Erwachsene über Musik angesprochen
und für BNE sensibilisiert. Die mediale Berichterstattung über die Wettbewerbe und Wettbewerbsbeiträge sowie die
Auftritte der Teilnehmenden im Song Contest erzielen eine hohe Sichtbarkeit über das unmittelbare Umfeld der
Teilnehmenden hinaus. In den Medien und insbesondere über Social-Media-Kanäle wird BNE mit allen drei Maßnahmen
bekannt gemacht.
BNE-Kampagnen
Im Jahr 2023 startete des BMBF die neue Kampagne „Lernen. Handeln. Gemeinsam Zukunft gestalten. Bildung
für nachhaltige Entwicklung“ mit dem Ziel, Bildung für nachhaltige Entwicklung und die vielen Akteurinnen und
Akteure, Initiativen und Projekte noch sichtbarer zu machen und das BNE-Netzwerk um neue Akteurinnen und
Akteure zu erweitern. Die Kampagne begann mit einer Auftaktveranstaltung im Berliner Naturkundemuseum55. Auf der
Kampagnen-Webseite bne-jetzt.de wurden Persönlichkeiten aus dem Nachhaltigkeitsbereich als sogenannte
Testimonials zu Interviews eingeladen, um ihr Engagement darzustellen und auch über ihre Vorbilder und
Zukunftswünsche zu berichten. Außerdem konnten sich auch BNE-Akteurinnen und -Akteure aus den Gremien mit einem
Statement einbringen. Die Testimonials wurden zudem über Social Media vorgestellt; allen BNE-Akteurinnen und -
Akteuren wurde ein Social-Media-Kit zur Verfügung gestellt, um über ihre eigenen Kanäle für BNE zu werben. Insgesamt
wurden im Kampagnenzeitraum über Social Media 36 Millionen Impressions und 405.559 Klicks erzeugt. Um die
Kampagne auch über den Online-Bereich hinaus wirksam zu gestalten wurde ein Pocketflyer entwickelt. Viele
Kommunikationsmaßnahmen wurden nach dem Kampagnenzeitraum weitergeführt; so erfreuen sich sowohl die
Interviews mit den Testimonials als auch die Pocketflyer weiterhin großer Beliebtheit. Der Pocketflyer erklärt BNE für
eine große Zielgruppe auf allgemeinverständliche Weise und ist über den Publikationsversand der Bundesregierung
kostenfrei zu bestellen56.
Die Bildungskampagne „#17Ziele“57 des BMZ, umgesetzt von Engagement Global, verknüpft BNE anhand der
Agenda 2030 und den 17 Nachhaltigkeitsziele mit der Alltagswelt der Menschen und motiviert zu eigenem
Engagement für eine global nachhaltige Entwicklung. Im Zeitraum von 2021 bis 2024 erfolgten ca. 34 Millionen Aufrufe von
Social-Media-Beiträgen und der Website sowie über 370.000 Interaktionen zu Social-Media-Beiträgen in
Deutschland. Siehe Anlage Praxisbeispiele für 17Ziele Fashion Stunt.
Internetportale
Das BNE-Portal des BMBF (21. LP: BMBFSFJ)58 hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Online-Plattform für
BNE in Deutschland etabliert. Mehrere aktuelle Meldungen pro Woche berichten über neue Projekte sowie politische
Entscheidungen und stellen Initiativen aus allen Bildungsbereichen vor. Die Zahl der Besuche auf dem BNE-Portal ist
seit 2021 kontinuierlich gestiegen; einen Höhepunkt bildet hierbei der Kampagnenzeitraum im März 2023 mit
15.586 Besuchen bzw. 21.412 Seitenansichten. Das Service-Angebot des BNE-Portals wurde in den vergangenen
Jahren stetig erweitert; so werden Kalendereinträge aus dem BNE-Bereich dargestellt, Fördermöglichkeiten vorgestellt
und Neuigkeiten aus dem BNE-Netzwerk präsentiert. Darüber hinaus stehen zahlreiche Materialien, wie z. B. SDG-
Würfel oder Poster, im Download-Bereich zur Verfügung. Das Angebot der Lernmaterialien wird fortlaufend
erweitert, sodass sich mittlerweile 870 Angebote59 in der Datenbank befinden, die z. B. nach Bildungsbereichen gefiltert
53 https://www.eineweltfueralle.de/
54 https://www.eineweltsong.de/
55 https://www.bne-portal.de/bne/de/einstieg/bne-kampagne/bne-kampagne.html
56 https://www.bne-portal.de/SharedDocs/Publikationen/de/bne/einfach-weltverbesserlich-bne-pocketflyer.html
57 https://www.engagement-global.de/de/bildungskampagne-17ziele
58 https://www.bne-portal.de
59 Stand: 28.03.2025.
werden können60. Die monatlichen Auswertungen der Besucherzahlen und beliebten Themen zeigen, dass die
Datenbank der Lernmaterialien sehr stark genutzt wird. Ergänzt wird das Angebot durch eine Publikationsdatenbank mit
127 Veröffentlichungen61. Die Seite mit den meisten Besucherinnen und Besuchern ist die Unterseite „Was ist BNE?“;
hieraus lässt sich ablesen, dass durch das BNE-Portal auch viele Menschen an Bildung für nachhaltige Entwicklung
herangeführt werden, die bisher wenig Hintergrundwissen zu diesem Thema haben. Gleichzeitig zeigen die
zahlreichen Rückmeldungen von BNE-Akteurinnen und -Akteuren, dass insbesondere die Lernmaterialien wie auch die
Download-Angebote in der täglichen BNE-Praxis vielseitig zur Anwendung kommen.
Die Vielfalt des BNE-Netzwerks spiegelt sich auch in der Akteurskarte62 der Deutschen UNESCO-Kommission wider,
die auf dem BNE-Portal des BMBF (21. LP: BMBFSFJ) und der Website der Deutschen UNESCO-Kommission sichtbar
ist. Die interaktive Karte veranschaulicht die umfangreichen Bildungsangebote der registrierten Akteurinnen und
Akteure und dient darüber hinaus dazu, sich über Bildungsinitiativen zu informieren und zu vernetzen. Das
bundesweite Netzwerk umfasst alle Bildungsbereiche und ist in nahezu allen Regionen aktiv. Auf der Akteurskarte sind
insgesamt über 1.300 Akteurinnen und Akteure dargestellt (Stand: Juni 2024).
Das Portal Globales Lernen63 ist die zentrale Plattform zum Globalen Lernen und zur Bildung für nachhaltige
Entwicklung (BNE) im deutschsprachigen Raum. Es ist die Anlaufstelle für Lehrkräfte und Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren, die Themen nachhaltiger Entwicklung in ihre konkrete Bildungsarbeit einbinden möchten. Zum Angebot
gehören Unterrichtsmaterialien zum Download, Hinweise auf Aktionen und Kampagnen, Fortbildungsangebote und
vieles mehr. Das Portal Globales Lernen befindet sich in Trägerschaft des World University Service (WUS) und wird
durch Engagement Global mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) gefördert.
Die IN FORM-Internetseite64 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL, 21. LP:
Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH)) informiert sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch
Fachkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren über Aktuelles und Wissenswertes rund um die Themen
Ernährung, Bewegung und Gesundheit und trägt so zur Gesundheitsbildung dieser Zielgruppen bei. Diese unterstützen
die Ziele des Nationalen Aktionsplans BNE, indem sie in den Lebenswelten dazu beitragen, dass die Menschen zu
gesunder Ernährung und täglicher Bewegung motiviert werden. Weitere Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit des
BMEL (21. LP: BMLEH) sind: Das bundesweite Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau65, die
Kochvereinigung BIOSpitzenköche66, die bundesweite Informationsinitiative „BioBitte – Mehr Bio in öffentlichen
Küchen“67 und die bundesweite Informationskampagne „Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule“68.
Das Onlineportal „Umwelt im Unterricht“69 des BMUV, 21. LP: BMUKN) richtet sich vor allem an Lehrkräfte und
bietet Unterrichtsmaterialien für die Grundschule und Sekundarstufe. Auf der Onlineplattform sind Publikationen,
die in zurückliegenden Jahren entstanden sind, dauerhaft zugänglich.
Das BMUV (21. LP: BMUKN) bereitet das vielfältige Themenspektrum des Bundesumweltministeriums mit
Bildungsmaterialien und Projektangeboten für die Zielgruppen Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und Lehrkräfte auf.
Fragen und Herausforderungen in Umwelt-, Naturschutz- und Klimapolitik sind von hoher Bedeutung für junge
Menschen – sie werden aktiv einbezogen, damit die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf ihre
Lebenswirklichkeit berücksichtigt werden. Das Bildungsangebot des BMUV (21. LP: BMUKN) folgt dabei den Prinzipien einer
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Sinne einer handlungs- und beteiligungsorientierten Politischen Bildung.
Ein monatlich erscheinender Newsletter stellt die Aktivitäten des BMUKN zu Projekten, Terminen, Publikationen
rund um die Bildungslandschaft im Bereich nachhaltige Entwicklung zusammen.
60 https://www.bne-portal.de/SiteGlobals/Forms/bne/lernmaterialien/suche_formular.html
61 https://www.bne-portal.de/SiteGlobals/Forms/bne/publikationen/suche_formular.html
62 https://www.unesco.de/bne/
63 https://www.globaleslernen.de
64 https://www.in-form.de/
65 https://www.oekolandbau.de/index.php?id=1011
66 https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/bio-geniessen/biospitzenkoeche/
67 https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/ausser-haus-verpflegung/bildung-und-beratung/die-initiative-biobitte/
68 https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/ausser-haus-verpflegung/bildung-und-beratung/bio-kann-jeder/
69 https://www.umwelt-im-unterricht.de/
Mit dem Projekt „Klima Campus – ein digitaler Lernraum für den natürlichen Klimaschutz“70 (2023 – 2026) des
BMUV (21. LP: BMUKN) werden frei zugängliche Bildungsangebote (Open Educational Resources) zum Natürlichen
Klimaschutz gebündelt. Der Klima Campus soll Lehrende, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Lernende
für das Thema begeistern. Ziel ist es, die Akzeptanz des Natürlichen Klimaschutzes in der gesamten Gesellschaft zu
verbreiten und so mittel- und langfristig den Ausstoß von Treibhausgasen (THG) durch die Änderung eigener
Verhaltensweisen, wie auch durch Engagement für strukturelle Veränderungen, zu verringern. Das Projekt wird im
Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz vom BMUV (21. LP: BMUKN) gefördert. Umgesetzt wird dieses
Projekt durch die mycelia gGmbH.
BNE-Veranstaltungen
Veranstaltungen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Sichtbarkeit von BNE zu stärken. Hierzu zählen sowohl
kleine, lokale Veranstaltung wie auch Großevents.
Im Rahmen des von Engagement Global umgesetzten Programms „Bildung trifft Entwicklung (BtE)“ des BMZ
konnten im Zeitraum 2021–2024 mehr als 23.000 Bildungsveranstaltungen initiiert und insgesamt über 540.000
Teilnehmende erreicht werden. Dabei wurden die Teilnehmenden für BNE-Themen sensibilisiert und konnten ein
Verständnis ihrer eigenen Rolle in einer globalisierten Welt entwickeln.
Aus den BNE-Gremien heraus sind in 2022, 2023 und 2024 insgesamt rund 100 Veranstaltungen, Workshops,
Vorlesungsreihen und Tagungen vom BMBF (21. LP: BMBFSFJ) gefördert und von Gremienmitgliedern durchgeführt
worden. Hervorzuheben sind dabei die sogenannten Open Days des Partnerforums. In dieser Legislaturperiode konnten
bislang fünf Open Days in Halle, Erfurt, Kiel, Aschaffenburg und Essen realisiert werden. Die Open Days im
Barcamps-Format sind ein sinnvolles Instrument, um nach der Pandemie mehr Menschen für BNE zu begeistern und
miteinander zu vernetzen.
Im Frühjahr 2025 wurden bundesweite BNE-Wochen71 unter dem Titel „On the Road to 2030“ durchgeführt. Von
Anfang März bis Ende Mai wurden insbesondere lokale und regionale Veranstaltungen unter einem gemeinsamen
Dach in der Kommunikation unterstützt. Die Veranstaltungen aus allen Bildungsbereichen wurden auf dem BNE-
Portal vorgestellt, mit Informationsmaterialien ausgestattet und somit das Engagement der Akteurinnen und
Akteure vor Ort hervorgehoben. Darüber hinaus wurden neue Themensetzungen und Trends im Bereich BNE
erkennbar und können so in die Entwicklungen der kommenden Jahre bis 2030 eingebunden werden. Auch für 2026 ist die
Durchführung von BNE-Wochen wieder vorgesehen.
Auf der Woche der Umwelt, die vom Bundespräsidenten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt ausgerichtet wird, konnten in den Jahren 2020 und 2024 am Stand des BMBF zahlreiche Gespräche geführt
und Kontakte aufgebaut werden. Um BNE anschaulich zu vermitteln, wurden bei den Veranstaltungen BNE-
Akteurinnen und -Akteure aus allen Bildungsbereichen eingeladen, ihre Projekte vorzustellen.
In den Jahren 2023, 2024 und 2025 war das BMBF als Aussteller auf der didacta vertreten. Im März 2023 besuchten
beispielsweise in Stuttgart über 50.000 Interessierte die Bildungsmesse.72 2024 brachte der Stand des BMBF auf der
didacta in Köln BNE mit den Wissenschaftsjahren des BMBF zusammen; in vielen Bereichen gibt es hier thematische
Überschneidungen und gegenseitigen Austausch. In 2025 wurde der Stand gemeinsam mit der Transferinitiative
Kommunales Bildungsmanagement und den Bildungskommunen gestaltet.
Auch Engagement Global ist regelmäßig auf der Bildungsmesse didacta vertreten. Neben der Beratung, u. a. zu den
Programmen des BMZ im Bereich der entwicklungspolitischen Bildung und BNE bietet Engagement Global Inputs im
Rahmenprogramm der didacta an und informiert zu den Beteiligungsmöglichkeiten von schulischen und
außerschulischen Akteurinnen und Akteuren.
70 https://klimacampus.org/
71 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/rueckblick-auf-erfolgreiche-bne-wochen2025.html
72 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/didacta2023.html
BNE im Rahmen der Wissenschaftsjahre
Die Wissenschaftsjahre73 des BMBF (21. LP: BMFTR) und Wissenschaft im Dialog haben den Auftrag, die breite
Öffentlichkeit zu informieren, zu begeistern und Diskussionen anzuregen, um Forschung transparent zu machen und
den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. Jedes Jahr steht ein neues Zukunftsthema im
Mittelpunkt, durch das eine öffentliche Auseinandersetzung mit zentralen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen
Herausforderungen mit zahlreichen Bezügen zu BNE gefördert wird74.
So wurden im Wissenschaftsjahr 2024 – Freiheit75 BNE-relevante Fragestellungen diskutiert, wie: „Wie
widerstandsfähig ist unsere Demokratie angesichts der Krisen der Gegenwart? Welche Freiheit brauchen wir – an Schulen
und Universitäten, im Netz, in Forschungslaboren oder in der Kunst? Wie bewahren wir die Freiheit zukünftiger
Generationen?“.
Das Wissenschaftsjahr 2023 – Unser Universum76 brachte unterschiedliche Zielgruppen der Gesellschaft mit der
Wissenschaft zusammen und nahm dabei u. a. das Themenfeld „Mensch, Natur und Universum“ in den Blick.
Das Wissenschaftsjahr 2022 – Nachgefragt77 umfasste in den fünf Themenbereichen: „Kultur, Wissen, Bildung“,
„Umwelt, Klima, Erde, Universum“, „Innovation, Technik, Arbeit“, „Gesundes Leben, Medizin, Pflege“, „Gesellschaft,
Politik, Wirtschaft, Sicherheit“ viele Projekte78 mit BNE-Bezug, zum Beispiel „Wissenschaft ist Spurensuche – Mikro
Expeditionen zum Klimawandel“ oder „Ocean Future Lab: Wie wollen wir mit den Meeren leben?“.
Das Wissenschaftsjahr 2021 – Bioökonomie79 trug dazu bei, das Wissen um die Potenziale für ein nachhaltigeres
Wirtschaften im Rahmen zahlreicher Förderprojekte80 und Aktionen noch umfangreicher in der Öffentlichkeit zu
verankern.
3.4 Nationales BNE-Monitoring – ein Überblick
„Um den Fortschritt von BNE 2030 zu messen, werden die Mitgliedstaaten dazu
aufgerufen: (…)
Die Fortschritte im Bereich BNE auf Länderebene regelmäßig zu messen und zu
bewerten, insbesondere mithilfe von Befragungen zur Bewertung der
Fortschritte in den fünf prioritären Handlungsfeldern.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 49)
Hier setzen die wissenschaftliche Beratung und das Monitoring von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in
Deutschland an.
73 https://www.wissenschaftsjahr.de/
74 Z. B. Wissenschaft ist Spurensuche – Mikro-Expeditionen zum Klimawandel (https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/ueber-uns/foerderpro-
jekte/wissenschaft-ist-spurensuche-mikroexpeditionen-zum-klimawandel.html); Ocean Future Lab: Wie wollen wir mit den Meeren leben?
(https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/ueber-uns/foerderprojekte/ocean-future-lab.html); Im „Raumschiff Erde“ durchs Weltall
(https://www.wissenschaftsjahr.de/2023/ueber-uns/foerderprojekte/im-raumschiff-erde-durchs-weltall.html#c2235); Nachtlicht-BüHNE
(https://www.wissenschaftsjahr.de/2023/ueber-uns/foerderprojekte/nachtlicht-buehne.html; https://nachtlicht-buehne.de); Zukünftige
Freiheiten. Reportagen aus der postkarbonen Gesellschaft des Jahres 2049 (https://www.izkt.uni-stuttgart.de/projekte/bmbf-wissenschafts-
jahr-2024--zukunftige-freiheiten.-reportagen-aus-der-postkarbonen-gesellschaft-des-jahres-2049/).
75 https://www.wissenschaftsjahr.de/2024/
76 https://www.wissenschaftsjahr.de/2023/
77 https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/
78 https://www.wissenschaftsjahr.de/2022/ueber-uns/foerderprojekte.html
79 https://www.wissenschaftsjahr.de/2020-21/index.html
80 https://www.wissenschaftsjahr.de/2020-21/ueber-uns/foerderprojekte.html
3.4.1 Zielsetzung und Aufbau des Monitorings
Seit 2015 fördert das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) die wissenschaftliche Beratung und das nationale Monitoring zur
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Durch das Monitoring wird erforscht, in welchem Maße und in welcher Qualität BNE in Deutschland umgesetzt wird.
Verantwortlich ist die Arbeitsstelle des wissenschaftlichen Beraters Prof. Dr. Gerhard de Haan an der Freien
Universität Berlin, Institut Futur.
Das Monitoring umfasst ein Repertoire von quer- und längsschnittlichen Einzelstudien und unterschiedlichen
Forschungsmethoden. Es ist mehrdimensional bezogen auf verschiedene Bildungsbereiche, Ebenen einer gelungenen
BNE-Implementierung (Input, Prozess, Outcome) und verschiedene Zielgruppen (siehe auch Abb.):
Das Monitoring untersucht die Implementierung von BNE in allen Bildungsbereichen: frühe Bildung, Schule,
berufliche Bildung und Hochschule, non-formales und informelles Lernen, Lernen in Kommunen. Dabei werden mehrere
Ebenen in den Blick genommen:
• Inwieweit ist BNE in zentralen Dokumenten (z. B. Lehrpläne oder Gesetze) der verschiedenen Bildungsbereiche
verankert (Input-Ebene)?
• Werden BNE-relevante Inhalte und Methoden in Bildungs- und Lernsettings umgesetzt (Prozessebene)?
• Sehen sich die Lernenden in die Lage versetzt, zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen (Outcome-Ebene)?
Verschiedene Studiendesigns, wie z. B. Dokumentenanalysen für die Input-Ebene und deutschlandweite
Befragungen für die Prozess- und Outcome-Ebene, geben hierauf Antworten.
Zudem richten sich Beratungs- und Veröffentlichungsformate an die Zielgruppen: Praxis, Politik, Wissenschaft und
die interessierte Öffentlichkeit.
Neben dem Ausmaß von BNE wird in den Studien zunehmend die Qualität der BNE-Praxis erfasst. Hierzu wurden
im Rahmen des nationalen Monitorings verschiedene Einzelstudien durchgeführt, die dafür entscheidende Aspekte
tiefergehend untersuchen. Diese adressierten etwa die Rolle von sozio-emotionalen Faktoren, die Bedeutung von
Werten für nachhaltigkeitsbezogene Befähigung, sowie die Rolle der Gestaltung von Lernumgebungen und eines
umfänglichen Commitments zu Nachhaltigkeit in Lernprozessen im Sinne des Whole Institution Approachs.
Außerdem wurden weitere Bildungssettings in das Monitoring mit einbezogen, die bisher nicht im Fokus standen.
Dazu zählen z. B., inwieweit Unternehmen zur nachhaltigkeitsbezogenen Qualifikation ihrer Mitarbeitenden
beitragen oder welche tiefenpsychologischen Dynamiken in der Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit zentral für
gelungene BNE sind. Ein stärkerer Fokus auf Qualitätsaspekte und Effektivität von BNE umfasst zudem, Lernende
zielgruppenspezifisch zu verstehen und zu adressieren, z. B. hinsichtlich ihrer Werte, Bedarfe und ihrer Einstellungen.
Aufgrund der Begleitung des Prozesses durch das Monitoring seit 2015, können mittlerweile mehrere
längsschnittliche Aussagen zum Stand von BNE getroffen werden. Sie tragen zu einer Grundlage für evidenzbasierte Strategien zur
Förderung von BNE-Theorie und -Praxis bei.
A bbi ld u ng 2 : Übersicht Nationales Monitoring – Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
3.4.2 Zentrale Ergebnisse des Monitorings
Fortschritte in der Verankerung von BNE im Bildungssystem
In bildungsbereichsübergreifenden Dokumenten aus Bund und Ländern wurde deutlich, dass sich BNE inzwischen
erkennbar auf dem Weg in den bildungspolitischen Mainstream befindet. Allerdings bedarf es für die Erreichung der
gesetzten Ziele einer höheren Priorität für BNE: Erwähnungen und Bekenntnisse zu BNE sollten nach den
Ergebnissen des Nationalen Monitorings noch stärker in konkrete Strategien und Maßnahmen überführt werden (Holst,
2023a81).
In der Breite der bisher mehr als 11.000 untersuchten Dokumente aus allen formalen Bildungsbereichen zeigt sich,
dass Nachhaltigkeit und BNE zunehmend in die formalen Strukturen des deutschen Bildungssystems integriert
werden. Besonders verbreitet ist die Verankerung in den Fächern Sachunterricht, Geographie und Biologie (Brock &
Holst, 2022)82. In der Gesamtbetrachtung wird jedoch deutlich, dass diese häufig noch im Sinne eines Add-on
eingebunden wird und die Verankerung je nach Fach stark variiert (Holst et al. 202483). Gleichzeitig zeigen die
Befragungen junger Menschen (14 – 24 Jahren), dass bei ihnen Nachhaltigkeitsthemen in vielen Lebensbereichen wie Familie,
im Freundeskreis und in den (sozialen) Medien präsent sind (Grund & Brock, 202284). Lehrkräfte und junge
Menschen haben ebenso ein hohes Problembewusstsein bezogen auf Nachhaltigkeit und gehen davon aus, dass sich
Nachhaltigkeitsprobleme negativ auf ihr Leben auswirken werden. Beide Gruppen wünschen sich eine deutlich
häufigere Beschäftigung mit Nachhaltigkeit in ihren formalen Bildungssettings (ibid.).
81 Holst, J. (2023a). Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Auf dem Weg in den Mainstream, doch mit welcher Priorität?
https://doi.org/10.17169/refubium-40460.
82 Brock, A., & Holst, J. (2022). Schlüssel zu Nachhaltigkeit und BNE in der Schule: Ausbildung von Lehrenden, Verankerung in der Breite des
Fächerkanons und jenseits der Vorworte. Kurzbericht des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Institut Futur,
Freie Universität Berlin. https://doi.org/10.17169/refubium-36094.
83 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/sd.2865
84 https://www.ewi-psy.fu-berlin.de/erziehungswissenschaft/arbeitsbereiche/institut-futur/Projekte/Dateien/Formale-Bildung-in-Zeiten-von-
Krisen_Grund-_-Brock_-2022.pdf
Bedeutung von Emotionen bisher nicht ausreichend berücksichtigt
Eine weitere Studie verdeutlicht, dass nachhaltigkeitsbezogene Bildungsprozesse stark von vielfältigen Emotionen
geprägt sind (Grund, Singer-Brodowski & Büssing, 202485): Die Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsproblemen geht
häufig mit negativen Emotionen wie Frustration, Angst, Trauer oder Scham einher; Quellen positiver Emotionen sind
hingegen der soziale Austausch sowie nachhaltiges Handeln. In den Lehrplänen spielen die Emotionen bei der
Auseinandersetzung mit Themen wie dem Klimawandel, dem Artensterben und sozialer Ungerechtigkeit jedoch bisher
nur eine geringe Rolle (Grund & Holst, 202386). Entscheidend für eine erfolgreiche Vermittlung von BNE ist es, den
weit verbreiteten nachhaltigkeitsbezogenen Emotionen mehr Aufmerksamkeit in Bildungssettings zu schenken und
sie stärker zum Ausgangspunkt von Bildungsprozessen zu machen. Konkrete didaktische Empfehlungen hierzu
finden sich in Grund, Singer-Brodowski & Büssing (2024).
Die wichtige Rolle von Emotionen im Umgang mit Nachhaltigkeit verdeutlicht auch eine Interviewstudie, in der
tiefenpsychologische Dynamiken näher ergründet wurden (Grund & Brock, im Erscheinen87). Sie zeigt zudem, wie stark
der Umgang mit Nachhaltigkeit von individuellen Prägungen und sozio-ökonomischem Hintergrund abhängig ist. Die
Ergebnisse unterstreichen, dass es wichtig ist, die Vermittlung von BNE zielgruppenspezifisch auszugestalten. Es
wird erkennbar, dass auch in Gruppen, die sich desinteressiert oder abwehrend gegenüber Nachhaltigkeitsthemen
positionieren, bereits tiefergehende Auseinandersetzungen mit Nachhaltigkeit stattfinden (u. a. auch Sorgen,
Ängste). In der eigenen Wahrnehmung stellen die individuellen Lebenswelten und Gestaltungsmöglichkeiten jedoch
keinen selbstwirksamen Umgang mit diesen Themen in Aussicht (ibid.).
Potential für Nachhaltigkeit und BNE in Unternehmen noch nicht ausgeschöpft
Das Thema Nachhaltigkeit hat die Unternehmenskultur in Deutschland auf der Ebene von Unternehmenswerten
bereits in verschiedensten Bereichen durchdrungen – allerdings sind diese Werte operativ bislang nur punktuell
handlungsleitend. Das ist das Ergebnis einer Studie des Nationalen Monitorings zur Vermittlung von Nachhaltigkeit in
Unternehmen. Im Fokus der Studie stand die Frage, inwieweit Führungskräfte, die nicht mehr in formale
Bildungssettings wie Schule oder Hochschule eingebunden sind, in Unternehmen zu Nachhaltigkeit befähigt werden (Brock &
Schönherr, interner Bericht). Befragt wurden dazu Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten aus sechs
Unternehmensberatungen, die ihrerseits Einblick in mehr als 300 Unternehmen haben. Hierbei ergab sich das Bild, dass
klassische Weiterbildungsformate wie z. B. Workshops zur Bewusstseinsbildung häufig angeboten werden, dagegen
ambitioniertere Formate wie z. B. nachhaltigkeitsbezogene Change-Management-Prozesse kaum umgesetzt werden. Die
angebotenen Lern- und Qualifizierungsformate versetzen die Mitarbeitenden laut Einschätzung der befragten
Expertinnen und Experten oftmals nicht in die Lage, die in den Unternehmen beschriebenen Zielkonflikte konstruktiv im
Sinn der Nachhaltigkeit aufzulösen. Das nationale Monitoring sieht hier das Potential der Schulung in der
Mitarbeiterschaft und insbesondere der Führungskräfte noch nicht ausgeschöpft. Die Studie beschreibt zudem, wie und in
welchen Bereichen sich kurzfristige Zielkonflikte durch konsequente Nachhaltigkeitsorientierung mittel- und
langfristig synergetisch lösen lassen (ibid.).
Umsetzung des Whole Institution Approachs erweist sich als wirksam
In einer neuen Studie zeigt das nationale Monitoring, dass die an Bildungseinrichtungen erlebte Nachhaltigkeit als
„Whole Institution Approach“ (WIA) messbar und hochwirksam ist. Der Whole Institution Approach bezeichnet in
der BNE die konsequente Ausrichtung an Nachhaltigkeitsprinzipien nicht nur bei den Lerninhalten, sondern in
sämtlichen organisationalen Abläufen (z. B. auch Kommunikation, Governance, Betrieb, Gebäudemanagement etc.; vgl.
Holst 2023b88). Das nationale Monitoring entwickelte eine Skala, um das alltägliche Erleben von Nachhaltigkeit in
diversen Handlungsbereichen innerhalb von Bildungseinrichtungen zu messen. In einer bundesweiten Befragung
von ca. 3.000 Lernenden und Lehrenden aus Schulen, Berufsschulen und Hochschulen wird deutlich: Lernende, die
85 https://link.springer.com/article/10.1007/s11625-023-01439-5
86 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666374023000134?via%3Dihub
87 Grund, J.; Brock, A.: „It tends to happen unconsciously, I don't always want to think about it“: Mixed-methods analysis of in-depth interviews on
dealing with sustainability issues (Arbeitstitel). Im Erscheinen.
88 Holst, J. (2023b). Towards Coherence on Sustainability in Education: A Systematic Review of Whole Institution Approaches. Sustainability
Science, 18(2), 1015–1030. https://link.springer.com/article/10.1007/s11625-022-01226-8.
mehr Nachhaltigkeit als WIA erleben, fühlen sich durch ihre Bildungseinrichtungen deutlich motivierter und
befähigter, selbst zu Nachhaltigkeit beizutragen und orientieren ihr Handeln stärker daran. Lehrkräfte berichten eine
häufigere Teilnahme an nachhaltigkeitsrelevanten Fortbildungen und schreiben Nachhaltigkeitsthemen eine höhere
Relevanz zu (Holst, Grund & Brock, 202489). Eine repräsentative Studie mit Schulleitungen diverser Schularten (Grund-
und weiterführende sowie berufsbildende Schulen) in Deutschland zeigt darüber hinaus, dass Schulleitungen eine
deutlich stärkere Umsetzung des WIAs an ihren Bildungseinrichtungen wünschen (Holst et al. 202590).
Das Befragungsinstrument (WIA-Skala) wurde zudem auch auf Deutsch veröffentlicht und kann in Studien sowie in
der Organisationsentwicklung eingesetzt werden (ibid.; Praxispublikation zur Anwendung: Holst 202491).
Weitere Ergebnisse des BNE-Monitorings werden in den folgenden Kapiteln jeweils thematisch zugeordnet
dargestellt. Die zentralen Ergebnisse des Monitorings hat das Institut Futur formuliert.
89 Holst, J., Grund, J., & Brock, A. (2024). Whole Institution Approach: Measurable and highly effective in empowering learners and educators for
sustainability. Sustainability Science, 19, 1359–1376. https://link.springer.com/article/10.1007/s11625-024-01506-5.
90 Quelle: Holst, Brock, Grund, Schlieszus, Singer-Brodowski (2025): Whole-school sustainability at the core of quality education: Wished for by
principals but requiring collective and structural action. Journal for cleaner production 519.
91 Holst, J. (2024). Whole Institution Approach: Erfassung erlebter Nachhaltigkeit (WIA-Skala). Fachstelle kommunales Bildungsmonitoring (Ed.,
ab Jan. 2024), Themenseite „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. https://www.kommunales-bildungsmonitoring.de/themen/themenseite-
bne/whole-institution-approach
4 BNE in Strategien des Bundes und der Länder
als Schlüssel für die Transformation zur
Nachhaltigkeit
Die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen umfassen ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Dabei
unterstreicht die Agenda 2030 die gemeinsame Verantwortung aller Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft sowie Zivilgesellschaft und setzt die einzelnen Ziele in Verbindung zueinander. So wie die
Nachhaltigkeitsziele miteinander in Beziehung stehen und sich in ihrer Umsetzung gegenseitig bedingen, sind auch alle
beteiligten Institutionen in der Ausgestaltung und Durchführung der Ziele aufeinander angewiesen. Bildung für nachhaltige
Entwicklung spielt als sogenannter „Key-Enabler“92 für die Umsetzung der Agenda 2030 hier eine Schlüsselrolle. In
zunehmendem Maße wird BNE daher in bildungsbereichsübergreifende Strategien auf Bundes- und Länderebene
integriert. Eine besondere Rolle nimmt dabei die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (DNS) und ihre
Weiterentwicklung 2025 ein; erstmalig wurde hier ein Indikator für die Verankerung von BNE im Bildungssystem eingeführt.
Darüber hinaus ist es gelungen, BNE in die Nationale Weiterbildungsstrategie zu integrieren, wodurch Unternehmen bei
der Gestaltung des digitalen, demografischen und ökologischen Wandels unterstützt werden und Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter von neuen Angeboten profitieren können. Auch hier zeigen sich Ansätze
bildungsbereichsübergreifender Kooperationen. Aus den im Folgenden genannten Programmen lässt sich die Vielfalt der Anknüpfungsunkte
ablesen. Diese reichen von Klimaschutz und Resilienz über Ernährung und Gesundheit bis hin zu Konsum und
sozialem Zusammenhalt.
4.1 Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie
Am 29. Januar 2025 hat die Bundesregierung die Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie (DNS)
beschlossen. Die Weiterentwicklung der DNS 2025 unter Federführung des Bundeskanzleramts in
ressortübergreifender Zusammenarbeit aller Ministerien zeigt auf, vor welchen Herausforderungen Deutschland global und national
auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung steht.
Die Weiterentwicklung 2025 stärkt die soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Die soziale Dimension steht im
Mittelpunkt von Transformationsbereich I (Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten, soziale Gerechtigkeit), wurde
aber auch konsequent in allen Transformationsbereichen aufgegriffen, die Energiewende und Klimaschutz,
Kreislaufwirtschaft, nachhaltiges Bauen und nachhaltige Mobilität, Agrar- und Ernährungssysteme und schadstofffreie
Umwelt umfassen. Bildung, Forschung und Innovation sind hierbei zentrale Treiber einer nachhaltigen Entwicklung.
Sie eröffnen neue Perspektiven für eine nachhaltige Zukunft und befähigen Menschen, zukunftsfähig zu handeln.
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist fest in der DNS verankert, da sie maßgeblich die Akzeptanz für eine
umfassende Nachhaltigkeitstransformation erhöht und Zukunftskompetenzen vermittelt, die den Menschen die
Möglichkeit geben, sich an der Transformation der Gesellschaft zu beteiligen. Das Thema Aus- und Weiterbildung mit Fokus
auf BNE ist daher ein zentrales Schwerpunktthema im Transformationsbereich I. Bildungszugänge und
weiterführende Bildungswege (zentrale Rolle der Hochschulen) erweisen sich als unverzichtbar, um die gesellschaftlichen und
wirtschaftlichen Innovationspotentiale der Transformation zur Nachhaltigkeit zu heben.
92 Bedeutet: Schlüsselfaktor.
Ex ku rs 2 : Prozessbegleitung durch den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und
den Rat für Nachhaltige Entwicklung
„Dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung (PBnE, 21. LP: Parlamentarischer Beirat für
nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen (PBnEZ)) obliegt die parlamentarische Begleitung der Deutschen
Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, der Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung auf der Ebene der
Europäischen Union und der Vereinten Nationen sowie die Bewertung der Nachhaltigkeitsprüfung der
Bundesregierung. Der Beirat nimmt Stellung zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen und sorgt mit öffentlichen Anhörungen
und Fachgesprächen für einen gesellschaftlichen Dialog.
Seit der erstmaligen Einsetzung im Frühjahr 2004 hat der Beirat in seiner Arbeit mit Entschließungen,
Positionspapieren, Anhörungen und Fachgesprächen die Relevanz von Bildung im Kontext des Transformationsprozesses in
Richtung Nachhaltigkeit betont. In der 20. Wahlperiode hat sich der Beirat im Rahmen eines öffentlichen Fachgesprächs
am 6. Juli 2022 mit dem Thema „Bildung als nachhaltiges Mittel gegen Armut und soziale Ungleichheit“93 mit
Sachverständigen für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik befasst. Dabei wurde insgesamt deutlich, dass in Deutschland
der Aufstieg durch Bildung immer noch vom Sozialstatus und von Einkommensungleichheiten abhängig ist. Am 29.
März 2023 verabschiedete der Beirat ein Positionspapier zum Thema „Menschliches Wohlbefinden und Fähigkeiten,
soziale Gerechtigkeit“94. In diesem Positionspapier richtet der Beirat unter anderem die Forderungen nach Zugang zu
guter Bildung unabhängig von Einkommen und sozialer Herkunft sowie zur Befähigung zu einem selbstbestimmten
Leben als Aufgabe für die Bildungspolitik an die Bundesregierung.
In der von der Bundesregierung im Mai 2024 vorgestellten „Dialogfassung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie –
Weiterentwicklung 2024“ findet Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ihren Niederschlag. Die
Bundesregierung setzt darin einen stärkeren Fokus auf die soziale Dimension der Nachhaltigkeit. Dabei geht es insbesondere um
die Frage, wie der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung durch einen entsprechenden Indikator
abgebildet werden kann. Insoweit ist die Einführung eines neuen Indikators zu SDG 4 (Hochwertige Bildung)
Gegenstand der Dialogfassung und steht dort zur Diskussion. Im Hinblick auf die Bedeutung von Bildungsmobilität und
sozialer Gerechtigkeit befürwortet der Beirat die Aufnahme eines entsprechenden Indikators grundsätzlich.
Der Beirat unterstützt ausdrücklich die in der Dialogfassung der Nachhaltigkeitsstrategie formulierten Ziele im
Bereich der BNE. Der Beirat fordert die Bundesregierung auf, die Behebung von Ungleichheiten und Armut im
Zusammenhang mit Bildungschancen in Zusammenarbeit mit den Bundesländern langfristig in allen Bildungsstrukturen zu
verankern. Der Beirat ist davon überzeugt, dass nur durch einen Zugang zu hochwertiger Bildung
Zukunftskompetenzen vermittelt werden können, die eine Beteiligung am Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen
Gesellschaft ermöglichen.“
Flankiert wurde der Prozess weiter durch Stellungnahmen des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) zur
„Weiterentwicklung des Ziel- und Indikatorensystems der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie“95 und zu „Mehr
Aktion und Ressourcen für die Transformation“ 96. In seiner Stellungnahme zur Dialogfassung begrüßt der RNE
den neuen BNE-Indikator ausdrücklich.
Neuer Indikator – Schulen mit BNE-Label
„Um den Fortschritt von BNE 2030 zu messen, werden die Mitgliedstaaten dazu
aufgerufen:
Nationale Indikatoren zur Messung des Fortschritts der Länderinitiativen zu BNE
2030 zu entwickeln und zur Entwicklung eines sinnvollen Systems zur Evaluierung
der Ergebnisse von BNE beizutragen.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 49)
Um die Verankerung von BNE im Bildungssystem sichtbar zu machen und die Bedeutung von Bildung als Treiber
nachhaltiger Entwicklung weiter zu stärken, wurde in die Weiterentwicklung der Deutschen
Nachhaltigkeitsstrategie 2025 erstmalig ein Indikator für die Verankerung von BNE im Bildungssystem eingeführt.
Der neue Indikator97 misst bundesweit den Anteil der Schulen an der Gesamtzahl der öffentlichen und privaten
allgemein- und berufsbildenden Schulen in Deutschland, die für ihr Engagement für BNE mit einem Label ausgezeichnet
wurden. Nach dem Ergebnis der ersten Erhebung traf das im Schuljahr 2023/2024 bundesweit auf rund 12 Prozent
zu. Für die Erhebung wurden – nach wissenschaftlichen Kriterien98 – insgesamt 27 bundesweit vergebene BNE-
Labels sowie BNE-Labels der Länder ausgewählt. Sie stehen für eine Verankerung von BNE in der Entwicklung des
Unterrichts und der Schule als Ganzes.99
Übergreifendes Ziel der Einführung des BNE-Indikators in die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie ist es, einen
Qualitätsentwicklungsprozess an den Schulen sowie auch der Label selbst anzustoßen und damit die ganzheitliche
Transformation der Lehr- und Lernumgebung Schule im Sinne der Roadmap „BNE 2030“ voranzutreiben. Mit der
Koordinierung der Erhebung der Schulen durch Kultusministerien hat das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) das Hessische
Statistische Landesamt beauftragt. In zwei Jahren wird die Liste der ausgewählten Label erneut überprüft und ist offen für
bestehende oder neue Label, die den Kriterien entsprechen. In einigen Ländern ist ein entsprechender Indikator für
BNE bereits in den Landesnachhaltigkeitsstrategien etabliert (Berlin, Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz, Hessen
– als Dachmarke).
4.2 Nationale Weiterbildungsstrategie
„Bei der Umsetzung von Aktivitäten für die prioritären Handlungsfelder sind die
Mitgliedsstaaten eingeladen, die in den Bereichen tätigen Stakeholder zu
mobilisieren und deren Zusammenarbeit und Vernetzung mit Hilfe einer
koordinierten Strategie, auch unter Bezug auf den nationalen Rahmen für die
Umsetzung der SDGs, zu fördern.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 40)
Weiterbildung als festen Bestandteil beruflicher und unternehmerischer Entwicklung zu etablieren und eine
gemeinsame Weiterbildungskultur zu schaffen, sind Kernziele der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS). In der
NWS arbeiten Bund, Länder, Sozialpartner und die Bundesagentur für Arbeit partnerschaftlich daran, die
wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und die Unternehmen bei der Gestaltung des Strukturwandels zu
unterstützen.
In der 20. Legislaturperiode ist die Verankerung von Schlüssel- und Zukunftskompetenzen in der Weiterbildung in
der erneuerten NWS als Schwerpunkt verankert worden. Für die Umsetzung der Agenda 2030 ist das ein
bedeutender Meilenstein. Ziel der erweiterten NWS war es zum einen, Schlüssel und Zukunftskompetenzen zu identifizieren,
die für die erfolgreiche Gestaltung des Wandels der Arbeitswelt durch Digitalisierung und den Übergang zu einer
klimaneutralen Wirtschaft wichtig sind, sowie Wege aufzuzeigen, wie diese in die Weiterbildung integriert werden
können. Dabei werden Ansätze und Erkenntnisse der beruflichen Ausbildung zum nachhaltigen Wirtschaften und
Arbeiten100 für die berufliche Weiterbildung genutzt.
93 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2022/kw27-pa-nachhaltigkeit-bildung-901218
94 https://www.bundestag.de/resource/blob/937776/ef69f2f048cab17431de3767f500e6fc/Postitionspapier-Menschliches-Wohlbefinden-und-
Faehigkeiten-soziale-Gerechtigkeit-.pdf
95 https://www.nachhaltigkeitsrat.de/wp-content/uploads/2023/04/20240213_Ergaenzende_RNE-Empfehlungen_zur_Weiterentwick-
lung_DNS_inkl_Anhang_Ziel-und_Indikatoriksystem.pdf
96 https://www.nachhaltigkeitsrat.de/wp-content/uploads/2023/04/20240213_Ergaenzende_RNE-Empfehlungen_zur_Weiterentwick-
lung_DNS_inkl_Anhang_Ziel-und_Indikatoriksystem.pdf
97 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/weiterentwicklung-dns-bundeskabinett.html
98 https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/liste-schullabels-bne-indikator.pdf
99 Mit der wissenschaftlichen Begleitung des Prozesses ist der wissenschaftliche Berater des BNE-Prozesses Prof. Gerhard de Haan beauftragt.
Vorarbeiten für den Indikator wurden von der Katholischen Universität Eichstätt im Rahmen der BMBF-Förderrichtlinie „Entwicklung von
Indikatoren im Bereich BNE“ erarbeitet.
100 https://www.bibb.de/de/161509.php
Ziel der Strategie ist es, Unternehmen bei der Deckung ihres Bedarfs an Kompetenzen für die technologische und
ökologische Transformation zu unterstützen. Gleichzeitig soll durch zukunftsorientierte Qualifizierung die Teilhabe
von Menschen am Arbeitsmarkt gesichert werden.
4.3 Weitere bildungsbereichsübergreifende Strategien und Programme auf
Bundesebene im Kontext von BNE
BNE ist als wichtiger Hebel in zahlreichen bildungsbereichsübergreifenden Strategien und Programmen auf
Bundesebene verankert, um über alle Bildungsbereiche hinweg Transformation in zentralen Handlungsfeldern, wie
Umwelt- und Klimaschutz, Ernährung und Gesundheit, Konsum und sozialer Zusammenhalt voranzutreiben.
Stärkung Klimaschutz und Resilienz
Die Nationale Klimaschutzinitiative101 (NKI) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK, 21.
LP: Übergang an BMUKN) ist eines der wichtigsten Instrumente der Bundesregierung, um wirksame
Klimaschutzmaßnahmen deutschlandweit zu fördern. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird in zahlreichen Projekten im
Rahmen des Förderaufrufs für innovative Klimaschutzprojekte (seit 2025: Bundesförderung für transformative
Klimaschutzprojekte) mit unterschiedlichen Schwerpunkten von der frühkindlichen über die schulische,
außerschulische bis hin zur beruflichen Bildung gefördert.
Intakte Ökosysteme sind natürliche Klimaschützer. Wälder und Auen, Böden und Moore, Meere und Gewässer,
naturnahe Grünflächen in der Stadt und auf dem Land binden Kohlendioxid aus der Atmosphäre und speichern es
langfristig. Mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz102 (ANK) des BMUV (21. LP: BMUKN) will die
Bundesregierung den allgemeinen Zustand der Ökosysteme in Deutschland deutlich verbessern und so
Widerstandsfähigkeit und Klimaschutzleistung der Ökosysteme stärken. Die Natur an Land und im Meer soll besser geschützt
werden und dazu beitragen, unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Die Land- und Forstwirtschaft soll nachhaltiger
werden und mehr Raum lassen für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt auf den bewirtschafteten Flächen. Die
Maßnahmen des ANK werden zusammen mit den verantwortlichen Akteurinnen und Akteuren vor Ort gestaltet. Die
Förderung ist zielgerichtet und setzt finanzielle Anreize für eine freiwillige Umsetzung von Maßnahmen des Natürlichen
Klimaschutzes. Bildung für nachhaltige Entwicklung ist fest in dem Aktionsprogramm verankert. Im Rahmen des
Vorhabens „Na Klima! – (Weiter-) Bildung für den Natürlichen Klimaschutz“103 (2024 – 2026) werden zum
Beispiel Weiterbildungen für Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte sowie andere Pädagoginnen und Pädagogen aus
dem schulischen wie außerschulischen Bereich entwickelt und durchgeführt. Na Klima! ergänzt das Projekt
„Natürlich: Klima schützen! – Interaktive Lehr-Lernmaterialen zur Förderung eines Natürlichen Klimaschutzes
(NaKlim)104“ und die 2023 neu gestartete digitale Lernplattform „Klima-Campus – ein digitaler Lernraum für den
Natürlichen Klimaschutz“105, um die Weiterbildung derjenigen zu stärken, die Bildungsarbeit mit unterschiedlichen
Zielgruppen leisten. Das Vorhaben wird vom Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) zusammen mit dem
Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) durchgeführt und durch das Bundesamt für
Naturschutz (BfN) unterstützt.
Deutsche Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Katastrophen: Einen bedeutenden Stellenwert nimmt
die BNE auch in der Umsetzung der deutschen Resilienzstrategie106 (2022 – 2030) der Bundesregierung ein. Die
Resilienzstrategie zielt darauf ab, die gesamtstaatliche und gesellschaftliche Resilienz gegenüber Katastrophen zu
stärken. Die Umsetzung basiert auf einem Multi-Akteursprozess aus Bund, Ländern, Kommunen, Zivilgesellschaft,
Wissenschaft, Wirtschaft und Medien unter Federführung des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI,
101 https://www.klimaschutz.de/de
102 https://www.bundesumweltministerium.de/natuerlicher-klimaschutz#c66493
103 https://www.ufu.de/projekt/bilnaklim/
104 https://naklim.de/
105 https://klimacampus.org/
106 https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bevoelkerungsschutz/resilienzstrategie/resilienzstrategie-node.html
21. LP: Bundesministerium des Innern (BMI)), unterstützt durch die Nationale Kontaktstelle für die deutsche
Resilienzstrategie (NKS) und das Sendai Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge. In der Strategie ist Bildung als wichtiger
Schlüssel verankert, um eine Resilienzkultur zu fördern, z. B. durch die schulische und außerschulische Bildung,
allgemeine Weiterbildung sowie auch hochwertige Aus- und Fortbildung von Fach- und Führungskräften. Ziel ist, aus
Krisen zu lernen, um gesellschaftliche oder wirtschaftliche Transformationsprozesse auch hinsichtlich Klimaschutz
und Klimaresilienz vorantreiben zu können.
Im Jahr 2024 veröffentlichte die Bundesregierung (koordinierendes Ressort: das Auswärtige Amt) ihre
Klimaaußenpolitik-Strategie107, in der sich die Bundesregierung dazu bekennt „[...] alle Foren, Instrumente und Hebel der
Außen-, Entwicklungs-, Sicherheits-, Außenwirtschafts-, Handels- und internationalen Finanz-, Umwelt-, Wirtschafts-,
Sozial-, Gesundheits-, Land- und Forstwirtschafts- sowie Forschungs- und Bildungspolitik nutzen [zu wollen], um die
sozial-ökologische Transformation in eine klimaneutrale Zukunft voranzubringen.“ Die Strategie ist damit als
Referenzrahmen für die internationale Zusammenarbeit und Bildungsinitiativen im Klimabereich zu verstehen. Von
September 2022 bis Dezember 2023 begleitete das Zentrum für Klima und Außenpolitik bei der Deutschen Gesellschaft
für Auswärtige Politik (DGAP), gefördert vom AA, die Entwicklung der Klimaaußenpolitik-Strategie durch einen
strukturierten Dialogprozess. Dieser Prozess ermöglichte den Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Forschung und
Wirtschaft zur außenpolitischen Dimension der Klimakrise. Dabei konnten konkrete Handlungsoptionen identifiziert
werden.
Partizipation und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Die aktive Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern bzw. zivilgesellschaftlichen Organisationen in Forschung und
Forschungspolitik ist eine große Chance, Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Entwicklungen auch im Bereich
Nachhaltigkeit zu fördern. Mit der 2023 verabschiedeten Partizipationsstrategie Forschung108 des BMBF (21. LP:
BMFTR) sollen die Bedingungen für die Beteiligung von Menschen aller Altersgruppen an Forschungsprojekten und
Forschungspolitik weiter verbessert werden. Die Strategie leistet im Bereich Nachhaltigkeit einen wichtigen Beitrag,
Wissen und Zukunftskompetenzen, wie Problemlösungs- und Systemkompetenzen im Sinne einer Bildung für
nachhaltigen Entwicklung zu stärken. Dies zeigen etwa die Projekte109 der zweiten Citizen-Science-Förderrichtlinie des
BMBF (2021 – 2024) zu invasiven Pflanzen- und Tierarten, zur Phänologie von Pflanzen und Ansätzen zur
biodiversitätsfreundlichen und klimaresilienten Gestaltung urbaner Grünflächen, zur Permafrost-Kartierung in der Arktis
sowie zum ressourceneffizienten Konsum.
Im Rahmen des vom BMBF (21. LP: BMFTR) geförderten Projektes „PartWiss“ wurde aus der Wissenschaft heraus
ein „Leitfaden für Partizipation in der Forschung“110 erarbeitet. Der Leitfaden soll Personen aus Wissenschaft, Praxis
oder ihren Schnittstellen den Einstieg in die Konzeption von partizipativen Forschungsprojekten erleichtern und als
übergreifende Referenz die Erfahrungen und Materialien aus den verschiedenen Partizipationscommunities bündeln
und wechselseitig zugänglich machen.
Wirksamer Umwelt- und Naturschutz wird wesentlich getragen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Das
BMUV (21. LP: BMUKN) unterstützt mit dem Programm „Verbändeförderung“111: Umwelt- und
Naturschutzverbände in ihrem Bemühen, umweltpolitische Belange ins gesellschaftliche Bewusstsein zu bringen und
zukunftsfähiges Handeln anzuregen. Bildungsaspekte zur nachhaltigen Entwicklung sind meist wesentlicher Bestandteil der
umgesetzten Maßnahmen. Ziel des Förderprogramms ist die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins und des
Engagements für Umweltschutz und Naturschutz.
Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Gestaltung von Entwicklungspolitik ist Gegenstand der Strategie „Die
Zusammenarbeit des Bundesentwicklungsministeriums mit der Zivilgesellschaft. Solidarisch internationale
Verantwortung übernehmen!“112 Mit der Zivilgesellschaftsstrategie legt das BMZ in neun Handlungsfeldern dar,
107 https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/klimaaussenpolitik/klimaaussenpolitikstrategie/2634734
108 https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/2023/partizipationsstrategie.html
109 https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/2024/brosch%c3%bcre_gemeinsam_forschen.html
110 https://www.partizipation-wissenschaft.de/leitfaden-uebersicht/
111 https://www.bundesumweltministerium.de/programm/verbaendefoerderung
112 https://www.bmz.de/resource/blob/209008/zusammenarbeit-mit-der-zivilgesellschaft.pdf
wie es den aktuellen Herausforderungen der Entwicklungszusammenarbeit gemeinsam mit der Zivilgesellschaft
begegnen will. Eines der Handlungsfelder beinhaltet die entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit. Ziel
ist, das notwendige Bewusstsein für Veränderungen von ökologischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Gewohnheiten in die Breite der Bevölkerung zu tragen und für globale Partnerschaften zu werben.
Zudem wird in der BMZ-Strategie zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements in der
Entwicklungszusammenarbeit in und aus Deutschland, „Engagement weltweit“113, BNE als wichtige Basis für gesellschaftliche Teilhabe
herausgestellt.
Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit zu stärken, ist Gegenstand des ESF Plus114-Programms „Integration
durch Bildung“ des BMBF (21. LP: BMBFSFJ). Das Programm zielt auf die Stärkung der Bildungsteilhabe von
Menschen mit Migrationsgeschichte und trägt so zum Abbau von Ungleichheiten bei. Gefördert werden
Forschungsvorhaben mit und für die Bildungspraxis, die zum Beispiel Lehrkräfte in die Lage versetzen sollen, mit Vielfalt produktiv
umzugehen und in heterogenen Lerngruppen die Potenziale jeder und jedes Einzelnen zur Entfaltung zu bringen. Ein
besonderer Fokus des Programms liegt zudem auf dem Empowerment von Mädchen und Frauen mit
Migrationsgeschichte, die zu einer selbstbestimmten und selbstbewussten Gestaltung ihrer persönlichen (Bildungs-)Biographie
befähigt werden sollen.
Nachhaltiges Wirtschaften und Konsum
Mit der Nationalen Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen115 hat sich
die Bundesregierung 2023 zum Ziel gesetzt, durch die Stärkung von Sozialen Innovationen und
Gemeinwohlorientierten Unternehmen, Wohlstand auf nachhaltige Weise im Sinne der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung
zu sichern und eine gerechte und resiliente Gesellschaft zu schaffen, in der Natur und Umwelt, Wirtschaft und die
Bedürfnisse der Menschen im Einklang stehen. Gemeinwohlorientierte Unternehmen zeichnen sich vor allem
dadurch aus, dass das soziale oder ökologische, gemeinwohlorientierte Ziel Sinn und Zweck ihrer Geschäftstätigkeit
darstellt. So setzen Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen beispielsweise auf faire und
nachhaltige Lieferketten, sie finden neue Wege der klimaneutralen Produktion oder sie schaffen Arbeits- und
Ausbildungsplätze für marginalisierte Gruppen. Für sie sollen die Bedingungen und Zugänge v. a. zu Finanzierung
verbessert werden. Als ein wesentliches Handlungsfeld ist die Kompetenzentwicklung für sozial-innovative Akteurinnen
und Akteure und Gemeinwohlorientierte Unternehmen in der Strategie verankert. Die bundesweite Plattform
www.sigu-plattform.de116 wurde als zentrale Anlauf- und Servicestelle und zum Aufbau von Know-how sowie zur
Verbreitung von Best-Practices-Know-how geschaffen.
Die Weiterentwicklung des Nationalen Programms zu nachhaltigem Konsum117 (NPNK) der Bundesregierung
wurde 2021 vom Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung beschlossen. Das Programm konkretisiert
die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie zu SDG 12 im Bereich „Nachhaltiger Konsum“ und stellt sechs besonders
relevante Bereiche des Themas zur Entlastung der Umwelt in den Fokus: Mobilität, Ernährung, Wohnen und Haushalt,
Büro und Arbeit, Bekleidung sowie Tourismus und Freizeit. Bildung für nachhaltige Entwicklung und die
Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans sind im Rahmen des übergreifenden Handlungsansatzes Bildung, (Verbraucher-
)Information und Forschung Teil des NPNK. Neben den laufend im Rahmen des NPNK durch das Kompetenzzentrum
Nachhaltiger Konsum (KNK) durchgeführten Arbeiten zur Verbraucherkommunikation besteht seit 2020 das
vertiefende Bildungsangebot „Denkwerkstatt Konsum“118. Die Denkwerkstatt Konsum wird vom Umweltbundesamt als
Internetangebot betrieben und hat zum Ziel, Lehrkräfte und anderen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren
Bildungswerkzeuge anzubieten, um nachhaltigen Konsum als gesellschaftliche Aufgabe zu stärken. Die Seite bereitet
anschaulich zentrale Fragestellungen aus dem Bereich nachhaltiger Konsum auf. Im Vordergrund steht dabei
weniger das Faktenwissen an sich, sondern übergreifend Kompetenzen für einen nachhaltigen Konsum zu schaffen. Das
113 Engagement weltweit – Strategie zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements in der Entwicklungszusammenarbeit in und aus Deutschland
114 ESF Plus bedeutet Europäischer Sozialfonds für Deutschland (2021 – 2027).
115 https://www.bmftr.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/s/230912-sigustrategie-download.pdf
116 https://sigu-plattform.de/
117 https://nachhaltigerkonsum.info/massnahmen
118 https://denkwerkstatt-konsum.umweltbundesamt.de/
Angebot umfasst ebenfalls Bildungsmaterialien, die in Workshops und Lehrerfortbildungen gut angenommen
werden.
Gesundheit und Ernährung
Die Stärkung der Gesundheitskompetenz in allen Lebensbereichen ist wesentliches Ziel der Bundesregierung. Das
Nationale Gesundheitsportal119 des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) hält zum Beispiel umfangreiche
Informationen rund um Gesundheit bereit.
Auf Initiative des BMG wurde die Allianz für Gesundheitskompetenz120 gegründet – ein Bündnis von BMG, dem
Vorsitzland der Gesundheitsministerkonferenz sowie relevanten Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens
einschließlich der Selbstverwaltung. Ziel ist die Verankerung von Gesundheitskompetenz in verschiedenen Bereichen,
u. a. im Bildungssystem. Die Arbeit der Allianzpartner zielt u. a. darauf ab, Bildungsunterschiede bei der
Gesundheitskompetenz abzubauen, die Nutzerfreundlichkeit des Gesundheitswesens zu stärken und die gesellschaftliche
Teilhabe zu sichern. Die aktualisierten Ziele und Handlungsgrundsätze des Engagements der Allianzpartner werden
in der „Roadmap Gesundheitskompetenz 2024“121 definiert. Schwerpunkte ihres Engagements bilden Ansätze zur
Stärkung der Gesundheitskompetenz in den Lebenswelten sowie im digitalen, organisationalen und professionellen
Bereich. In der Roadmap findet sich auch eine Übersicht bereits abgeschlossener wie auch aktueller Projekte der
Allianzpartner.
Ziel der 2024 verabschiedeten Ernährungsstrategie der Bundesregierung „Gutes Essen für Deutschland“122 ist,
es bis 2050 für alle Menschen in Deutschland möglich und einfach zu machen, sich gut zu ernähren.
Der Aktionsplan „Weiterentwicklung IN FORM – Schwerpunkte des Nationalen Aktionsplans zur Prävention
und Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten ab
2021“123 ist wichtiger Teil der Ernährungsstrategie. Er zielt darauf ab, Ernährungs- und Bewegungsverhalten124 in
Deutschland nachhaltig zu verbessern.
Die Aktivitäten des Aktionsplans legen einen starken Schwerpunkt auf Kompetenzvermittlung im Sinne einer BNE –
d. h. sie zielen sowohl auf die Veränderung von Rahmenbedingungen als auch auf eine nachhaltige Veränderung des
individuellen Verhaltens in allen Lebenswelten ab.
IN FORM richtet sich ebenfalls mit Qualifizierungsmaßnahmen an Fachkräfte sowie an Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren, die Ernährungs- und Bewegungskompetenzen an alle Altersgruppen vermitteln. Da die Nachhaltigkeit ein
Bestandteil der Ernährungskompetenz ist, wird dieses Thema konsequent in Projekten und
Ernährungsbildungsmaßnahmen im Rahmen von IN FORM berücksichtigt.
Nachhaltige Landwirtschaft
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft. Mit der Nationalen
Strategie für 30 Prozent ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft bis 2030125 (Bio-Strategie 2030,
verabschiedet 2023) stärkt die Bundesregierung den Ökolandbau als eine nachweislich besonders ressourcenschonende,
umweltverträgliche und innovative Form der Bewirtschaftung.
119 Z. B. durch die Portale https://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de; https://www.frauengesundheitsportal.de; https://www.maenner-
gesundheitsportal.de; https://www.kindergesundheit-info.de/
120 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/gesundheitskompetenz/allianz-fuer-gesundheitskompetenz
121 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/G/Gesundheitskompetenz/Roadmap_Gesundheitskompe-
tenz_2024.pdf (Stand: 04.08.2025)
122 https://www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/ernaehrungsstrategie/ernaehrungsstrategie.html
123 https://www.in-form.de/
124 Siehe z. B. „Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“.
125 https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/bio-strategie-2030.pdf
Eine zentrale Säule der Biostrategie 2030 ist das Bundesprogramm Ökologischer Landbau126 (BÖL) des BMEL
(21. LP: BMLEH), das mit zahlreichen Weiterbildungs- und Informationsangeboten sowie Forschungsvorhaben
entscheidend zur Stärkung und zum Ausbau der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland
beiträgt.
Das Vermitteln von Wissen und Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten kann Akteurinnen und Akteure entlang der
gesamten Wertschöpfungskette dazu befähigen, ihr Handeln nach ökologischen Gesichtspunkten auszurichten. Im
Bereich des BÖL-Informationsmanagement werden daher umfangreiche Informations-, Weiterbildungs- und
Vernetzungsangebote für Biobetriebe, nachgelagerte Wirtschaftsbeteiligte sowie Bürgerinnen und Bürger angeboten. Die
Vielfalt der Themen reicht von der Umstellung auf Ökolandbau, Betriebsentwicklung und Absatzförderung bis hin zu
Entdeckungsfahrten auf Biohöfen. Siehe für zielgruppenübergreifende Maßnahmen im Bereich Bildung Beispiele
unter 3.3.
4.4 BNE in bildungsbereichsübergreifenden Strategien der Länder
„Politische Führungspersonen aus den Sektoren der nachhaltigen Entwicklung
sollten BNE in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen der Bildungspolitik,
zivilgesellschaftlichen Organisationen, privaten Unternehmen und der
Wissenschaft in allen politischen Maßnahmen integrieren, die sich explizit mit der
Verwirklichung der SDGs befassen.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 26)
Die Kernzuständigkeit für die Gestaltung und Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen
Bildungsbereichen liegt bei den Ländern. Als wesentlichen Motor für den Prozess setzen die Länder übergreifende Strategien
und Strukturen auf, um die Vernetzung der verschiedenen Stakeholdergruppen über alle Bildungsbereiche hinweg
zu fördern und die Implementierung voranzutreiben. Im Berichtszeitraum wurden hier viele neue Akzente gesetzt
und Meilensteine erreicht.
So hat Baden-Württemberg 2022 die Umsetzung der Strategie „Bildung für nachhaltige Entwicklung in Baden-
Württemberg (BNE 2030)“127 neu beschlossen. Ziele der Strategie sind die strukturelle Verankerung von BNE in
allen Bildungsbereichen, die Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung sowie die Steigerung der Sichtbarkeit von
BNE. Dies soll unter anderem durch die Einführung eines Zertifizierungsverfahrens für außerschulische
Bildungsanbietende, die Bereitstellung von Schulungs- und Qualifizierungsangeboten für Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren und die Stärkung von Netzwerkarbeit erreicht werden.
In Nordrhein-Westfalen wurde die 2016 fortgeschriebene Landesstrategie 2024 unter dem Titel „Bildung für
nachhaltige Entwicklung – BNE in NRW 2030“128 fortgeschrieben und 2024 verabschiedet. Insgesamt wurden 17 Ziele
und 24 Maßnahmen in einem ressortübergreifenden Prozess vereinbart.
Insgesamt haben acht Bundesländer seit 2013 eine dezidierte BNE-Strategie entwickelt oder überarbeitet
(Brandenburg, Baden-Württemberg, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Schleswig-Holstein und
Thüringen)129.
126 https://www.bundesprogramm.de/
127 https://www.nachhaltigkeitsstrategie.de/fileadmin/Downloads/Publikationen/Bildung/BNE-BW-2030/2023_11_28_BNE-BW_2030_DUN-
KEL_BF.pdf
128 https://www.bne.nrw/fileadmin/Dateien/BEREICH_Strategie/2024_BNE-Strategie_ba.pdf
129 Holst, J. (2023). Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE): Auf dem Weg in den Mainstream, doch mit welcher Priorität? Analyse von
Koalitionsverträgen, BNE- und Nachhaltigkeitsstrategien, Weiterbildungsgesetzen, Bildungsberichten und weiteren Dokumenten von Bund, Ländern
und Stiftungen. Kurzbericht des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). https://doi.org/10.17169/refubium-
40460.
In weiteren vier Bundesländern ist BNE in eigenen Unterkapiteln in den Landesnachhaltigkeitsstrategien integriert.
Die Unterkapitel enthalten strategische Festlegungen, Ziele, Maßnahmen und – zum Teil – Indikatoren zur
Verankerung von BNE (Bayern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt). In Berlin wird derzeit eine Nachhaltigkeitsstrategie
erarbeitet.
Als Instrumente zur strukturellen Verstärkung der Prozesse haben einige Länder Masterpläne in einem breiten
Beteiligungsprozess von Zivilgesellschaft und Behörden aufgesetzt, um konkrete Maßnahmen und Meilensteine für die
Verankerung von BNE festzulegen. Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben zwischen 2021 und 2024 mit der
Erarbeitung eines entsprechenden Masterplans begonnen. Mit der Umsetzung des zwischen 2017 und 2019
erarbeiteten Hamburger Masterplan BNE 2030130 wurde 2021 die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und
Agrarwirtschaft (BUKEA) durch Senatsbeschluss beauftragt.
Andere Länder haben zentrale Service- und Koordinierungsstellen eingerichtet, die den Umsetzungsprozess der
Landesstrategien unterstützen (z. B. BNE-Agentur NRW seit 2016, neue BNE-Agentur in Schleswig-Holstein seit
2022).
130 https://www.hamburg.de/resource/blob/170304/dd3302f2217c5d88883de28f97035712/masterplan-bne-data.pdf
5 Förderung der Verankerung von BNE in allen
Bereichen des Bildungssystems
„BNE ist ein lebenslanger Lernprozess und integraler Bestandteil einer qualitativ
hochwertigen Bildung, welche die kognitiven, sozialen und emotionalen sowie
verhaltensbezogenen Dimensionen des Lernens stärkt. Sie ist ganzheitlich und
transformativ und umfasst sowohl Lerninhalte als auch Ergebnisse, die
pädagogischen Ansätze und Methoden sowie die Lern- und Lehrumgebung selbst.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 8)
Um dem ganzheitlichen Anspruch von BNE gerecht zu werden, muss BNE in allen Bereichen des Bildungssystems
verankert werden. Im Nationalen Aktionsplan BNE aus dem Jahr 2017 wurden für alle Bildungsbereiche wesentliche
Ziele und Meilensteine vereinbart. Die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE wurde auch in der 20.
Legislaturperiode als ein wesentliches Ziel im Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen – Bündnis für Freiheit,
Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“131 (2021 – 2025) bestärkt.
Im Berichtszeitraum konnten hier sowohl auf Bundesebene als auch in den Ländern wichtige Fortschritte erzielt und
neue Entwicklungen angestoßen werden.
5.1 BNE in der frühkindlichen Bildung
Frühe Bildung legt außerhalb des Elternhauses den Grundstein aller individuellen Bildungslaufbahnen. Im
Berichtszeitraum sind sowohl auf Länder- als auch auf Bundesebene förderliche Rahmenbedingungen für BNE
weiterentwickelt worden. Auf Länderebene stellt sich die Verankerung von BNE in der frühkindlichen Bildung als
Querschnittsaufgabe dar oder wird als eigenständiger Bildungsbereich umgesetzt. Insgesamt lässt sich im Berichtszeitraum in
den Ländern eine Weiterentwicklung von BNE erkennen sowie Neueinführungen in der Erprobungsphase
beobachten.
Auf Bundesebene unterstützen Maßnahmen die Weiterentwicklung der Qualität in der Kindertagesbetreuung und
die Verbesserung der Teilhabe von Kindern. Um die ganzheitliche Transformation von Kitas zu nachhaltigen
Lernorten voranzubringen, setzen die Länder auf Fortbildungen für das Kitapersonal, Förderung von Vernetzung mit
außerschulischen Bildungspartnern und auf die Auszeichnungen bzw. Zertifizierungen engagierter Kitas. Die Stiftung
Kinder forschen bietet bundesweit ein breites Spektrum an Fortbildungen an, die Zertifizierung der Stiftung Kinder
forschen wurde zudem um BNE erweitert. Gemeinsam mit der Stiftung Kinder forschen hat 2020 das Forum
Frühkindliche Bildung der Nationalen Plattform BNE zur Orientierung für die ganzheitliche Verankerung von BNE in
Kindertagesstätten den „BNE-Referenzrahmen für die frühkindliche Bildung“ entwickelt. Die Qualifizierung der
Kitafachkräfte steht im Bereich der frühkindlichen Bildung im Fokus und wird als Grundvoraussetzung für die
erfolgreiche Verankerung von BNE erkannt. Hier wird bereits in der Ausbildung von Kitafachkräften angesetzt und die
weitere berufliche Entwicklung mit Fortbildungsangeboten begleitet.
131 https://www.bundesregierung.de/resource/blob/974430/1989762/9069d8019dabe546c2449dda2d838453/2021-12-08-koalitionsvertrag-
data.pdf?download=1
5.1.1 Weiterentwicklung förderlicher Rahmenvorgaben für BNE in der
frühkindlichen Bildung
Entwicklungen auf Länderebene
KMK und JFMK haben sich 2004 im „Gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Bildung in
Kindertageseinrichtungen“132 auf wesentliche Standards und Inhalte der Bildungsarbeit im Elementarbereich verständigt. BNE
und Umweltbildung sind hier im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses ausdrücklich benannt.
Die Verankerung von BNE in den Bildungsplänen hat sich in den letzten Jahren, wie auch die Ergebnisse des
Nationalen Monitorings133 zeigen, insgesamt dynamisch entwickelt. BNE ist bis heute in fast allen Ländern als
Querschnittsaufgabe oder eigener Bildungsbereich in die Bildungspläne für den Elementarbereich integriert und zum Teil
weiterentwickelt worden. Schon vor dem Berichtzeitraum hatten drei Viertel der Länder BNE oder zumindest klare Bezüge
zu BNE in ihren Bildungs- oder Orientierungsplänen verankert. Im Berichtszeitraum hat rund ein Drittel der Länder
BNE als wichtigen Faktor einer zukunftsorientierten Bildung erheblich ausgeweitet oder neu eingeführt.
In Bremen sind im Bildungsplan 0 bis 10 Jahre Klimabildung und BNE in Sachbildung/Sachunterricht integriert und
bilden einen wichtigen Bestandteil der Arbeit von Kitas und Grundschulen. Die Inhalte werden im Kita- und
Schuljahr 2025/2026 in den Sachunterricht eingeführt. Der Bildungsplan 0 bis 10 Jahre löst die Bildungspläne der
Grundschule und auch den Bremer Rahmenplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich ab. In Brandenburg
wurde im Juli 2024 ein neuer Bildungsplan mit einem eigenen Kapitel zu BNE verabschiedet.
Sachsen-Anhalt hat zu Ende 2024 den seit 2013 verankerten Leitgedanken der Nachhaltigkeit um neue Inhalte
erweitert und intensiviert die Bezüge zu Demokratie, Umwelt, Medienbildung und Vielfalt. In Schleswig-Holstein und
Hamburg wurde die Verankerung von BNE im Zuge von Überarbeitungen der Bildungspläne 2024 bzw. 2025 noch
ausgeweitet. Sachsen hat BNE 2023 in das Gesetz über Kindertagesbetreuung im Freistaat Sachsen aufgenommen134.
Entwicklungen auf Bundesebene
Mit dem KiTa-Qualitätsgesetz135 unterstützte der Bund die Länder in den Jahren 2023 und 2024 mit rund 4
Milliarden Euro dabei, die Qualität in der Kindertagesbetreuung weiterzuentwickeln und dadurch die Teilhabe von Kindern
zu verbessern. Dabei konnten Maßnahmen in verschiedenen Qualitätshandlungsfeldern umgesetzt werden. In den
Handlungsfeldern „Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte“ und „Förderung der kindlichen Entwicklung,
Gesundheit, Ernährung und Bewegung“ konnten auch Maßnahmen mit BNE-Bezug gefördert werden (z.B.
Fortbildungen). Das Gesetz wurde mit Wirkung zum 1. Januar 2025 inhaltlich weiterentwickelt und der Bund stellt hierfür
in den Jahren 2025 und 2026 weitere rd. 4 Milliarden Euro bereit. Maßnahmen der Länder mit BNE-Bezug sind in
diesem Zeitraum weiterhin möglich.
132 Gemeinsamer Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen (i. d. F. vom 06.05.2021 (JFMK) und 24.03.2022 (KMK)):
https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_06_03-Fruehe-Bildung-Kindertageseinrichtungen.pdf.
133 Singer-Brodowski, M., & Holst, J. (2022). Nachhaltigkeit & BNE in der Frühen Bildung: Chancen durch Partizipation und ökologische Kinderrechte,
Bedarfe bei der Ausbildung von Fachkräften. Kurzbericht des Nationalen Monitorings zu Bildung für nachhaltige Entwicklung. Institut Futur, Freie
Universität Berlin. https://doi.org/10.17169/refubium-35735; Holst, J., Singer-Brodowski, M., Brock, A., & Haan, G. de (2024). Monitoring SDG
4.7: Assessing Education for Sustainable Development in Policies, Curricula, Training of Educators and Student Assessment (Input-Indicator).
Sustainable Development, 1–16. https://doi.org/10.1002/sd.2865.
134 Für Details und weitere Informationen siehe den Anhang „Länderbeispiele“.
135 https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/familie/kinderbetreuung/kita-qualitaet
5.1.2 Ganzheitliche Transformation von Kitas zu nachhaltigen Lernorten
Die Transformation von Kitas zu nachhaltigen Lernorten umfasst den gesamten Kitaalltag: die Bildungsinhalte und
den Kitabetrieb wie auch die Zusammenarbeit mit externen Bildungspartnerinnen und Bildungspartnern. Bund und
Länder haben im Berichtszeitraum Maßnahmen fortgeführt und weiterentwickelt, um die Kitas bei der
ganzheitlichen Verankerung von BNE unterstützen.
Entwicklungen auf Länderebene
Wesentliche Schwerpunkte der Strategien sind Fortbildungen für das Kitapersonal, Förderung von Vernetzung mit
außerschulischen Bildungspartnern sowie Verleihung von Auszeichnungen/Zertifizierungen für engagierte Kitas.
So bietet Hamburg als bedarfsorientiertes Beratungsangebot Kita-Coaching an, um die Einrichtungen dabei zu
unterstützen, BNE in die Konzeption aufzunehmen und nachhaltige Bewirtschaftung und Beschaffung einzuführen.
Perspektivisch wird der inhaltliche Schwerpunkt auf der Umsetzung der 2024 veröffentlichten Bildungsleitlinien liegen.
Im Mittelpunkt des aufsuchenden Coachings steht die Vor-Ort-Beratung der Fachkräfte in den Einrichtungen. Die
Träger der dem Landesrahmenvertrag verpflichteten Einrichtungen haben sich mit einem Beschluss der
Vertragskommission verpflichtet, BNE im Sinne eines institutionellen Auftrags zu etablieren.
Bremen fördert Bildungspartnerschaften zwischen Trägern, Verbänden und außerschulischen
Bildungseinrichtungen mit dem Ziel, BNE und Klimaschutz noch stärker als bisher als Teil des professionellen Handelns von
Kindertageseinrichtungen, Trägern und Verbänden zu verankern.
Im Saarland wird aktuell die Dachmarke „Schule der Nachhaltigkeit“ als etabliertes Zertifizierungsangebot auf den
Kitabereich ausgedehnt. Die ersten Kitas wurden im Herbst 2024 ausgezeichnet. In Baden-Württemberg wird die
ganzheitliche Verankerung von BNE und Globalem Lernen in Kitas durch das Auszeichnungsprogramm „Faire Kita
Baden-Württemberg“ unterstützt und sichtbar gemacht. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen
zeichnet die SO.F. Save Our Future – Umweltstiftung Kitas als „KITA 21“ 136 aus, die sich auf den Weg gemacht haben, ihre
Kita zu einem Lernort für nachhaltige Entwicklung zu machen. Weitere Maßnahmen auf Länderebene siehe Anhang
„Länderbeispiele“.
Entwicklungen auf Bundesebene
Auf Bundesebene bietet die vom BMBF (21. LP: BMBFSFJ) geförderte Stiftung Kinder forschen (ehemals Stiftung
Haus der kleinen Forscher) ebenfalls ein breites Fortbildungsangebot für Kitas. Die Stiftung setzt sich für eine frühe
MINT137-Bildung für nachhaltige Entwicklung ein und erreicht über ein Multiplikatorinnen- und Multiplikatoren-
System 84 Prozent der Kitas bundesweit mit Präsenzangeboten. Auf der digitalen Lernplattform „Campus“ der
Stiftung sind aktuell 30.000 Nutzerinnen und Nutzer aktiv.
Mit der Zielrichtung, BNE ganzheitlich in den Kitas zu verankern, adressiert die Stiftung Kitaleitungen mit drei
speziellen Fortbildungen und Kitateams durch die Inhouse-Fortbildung „Türen auf! Unser Weg zur BNE!“. Mit dieser
wurden rund 1.059 Kita-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in 77 Inhouse-Fortbildungen erreicht.
Zudem wurde die Zertifizierung der Stiftung Kinder forschen um BNE erweitert, sodass Fortbildungsteilnahmen im
Bereich BNE und BNE-Projekte mit einem ganzheitlichen Ansatz in das Zertifizierungsverfahren eingebracht werden
können.
Wichtige Orientierung für die ganzheitliche Verankerung von BNE in Kindertagesstätten bietet weiterhin der „BNE-
Referenzrahmen für die frühkindliche Bildung“. Dieser wurde 2020 im Rahmen des Forums Frühkindliche
Bildung der Nationalen Plattform BNE gemeinsam mit der Stiftung Kinder forschen erarbeitet (siehe Kapitel 5.1.4).
Kitaträger, -leitungen und -fachkräfte können mit dem Referenzrahmen ihre Praxis einer frühen BNE systematisch in
136 https://www.kita21.de/
137 MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.
den Blick nehmen und weiterentwickeln. Der Referenzrahmen wird von der Stiftung Kinder forschen, BNE-
Akteurinnen und -Akteuren sowie von Trägern in Fortbildungen und bei Veranstaltungen eingesetzt.
5.1.3 Kompetenzentwicklung von Kitapersonal
Die Qualifizierung der Kitafachkräfte ist wesentlicher Schlüssel für die erfolgreiche Verankerung von BNE in der
frühkindlichen Bildung.
Entwicklungen auf Länderebene
Verankerung von BNE in der Ausbildung des Kitapersonals
KMK und JFMK haben BNE im „Gemeinsamen Rahmen der Länder für die frühe Ausbildung in den
Kindertagesstätten“ in einem eigenen Abschnitt in Verbindung mit der Umweltbildung verankert. So heißt es dort: „Den
Kindern ist die Begegnung mit der Natur zu ermöglichen (…) zentrale Aspekte sind der Einsatz für eine intakte
zukunftsfähige Umwelt, die Behebung bereits entstandener Schäden und Wechselwirkungen zwischen Ökologie, Ökonomie, Kultur
und Sozialem im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung.“138 (ebd. S. 16)
Wesentlicher Bezugspunkt für die Verankerung von BNE in der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung ist das von
der KMK beschlossene „Kompetenzorientierte Qualifikationsprofil für die Ausbildung von Erzieherinnen und
Erziehern an Fachschulen und Fachakademien“139 (Beschluss vom 01.12.2011 i. d. F. vom 24.11.2017). Auch hier
ist die Förderung von BNE als Ziel der Erzieherausbildung definiert: „Neben die Entwicklung sozial verantwortlichen
Denkens und Handelns tritt die Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Sozialpädagogische Fachkräfte
sind fähig, das Bewusstsein für die Verantwortlichkeit zu ökologisch nachhaltigem Handeln bei Kindern, Jugendlichen
und jungen Erwachsenen zu entwickeln und zu fördern. Absolventinnen und Absolventen können zum
verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt anleiten.“ (ebd. S. 4f.)
In frühpädagogischen Studiengängen und -modulen sowie in den fachschulischen Ausbildungsgängen ist nach den
Ergebnissen des Nationalen Monitorings aus dem Jahr 2022 ein deutlicher Trend zur Verankerung von BNE
erkennbar. Die Anzahl der Studiengänge mit Bezug zu BNE-Konzepten stieg im Vergleich zur letzten Erhebung 2017 von 28
Prozent auf 35 Prozent. In den fachschulischen Lehrplänen der Erzieherinnen- und Erzieherausbildung wird in 1 von
24 Seiten auf BNE verweisen, 2019 war dies in 1 von 87 Seiten der Fall. Dabei wird vielfach auf die Beschlüsse der
KMK verwiesen. Insgesamt sieht das nationale Monitoring in der Verankerung von BNE in der Lehrkräfteausbildung
weiterhin ein Desiderat. Empfohlen wird eine umfassendere und konkretere Integration von BNE bei den
anstehenden Überarbeitungen der Lehrpläne.
Konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Kompetenzentwicklung
Zur Umsetzung der KMK-Beschlüsse und zur Stärkung der Kompetenzentwicklung des Kitapersonals in der Fort-
und Weiterbildung haben die Länder Qualifikationsprogramme und Modellprojekte aufgelegt. Darüber hinaus
werden Informationsplattformen und Vernetzung gefördert.
Im Rahmen der BNE-Strategie BNE-BW 2030 hat das Kultusministerium Baden-Württemberg verschiedene
Projekte zur Kompetenzentwicklung der pädagogischen Fachkräfte gestartet, die die verschiedenen Dimensionen von
BNE aufgreifen: 2022 das Projekt „Zukunft weltbewusst gestalten – von Anfang an!“ des Entwicklungspädagogischen
Informationszentrums EPiZ Reutlingen, 2023 das Projekt „Hier wächst Abenteuer – AckerRacker“ von Acker e. V.
138 https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_06_03-Fruehe-Bildung-Kindertageseinrichtungen.pdf
139 https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2011/2011_12_01-ErzieherInnen-QualiProfil.pdf
In Hessen fand 2023 ein Netzwerktag zum Thema „Impulse zu zukunftsfähigen Bildungskonzepten auf der
Grundlage von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ für die rund 200 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren des
Bildungs- und Erziehungsplans für Kinder von 0 bis 10 Jahren (BEP) statt. Ziel war BNE als Querschnittsthema in
allen Fortbildungen des Landes zum BEP zu verankern.
Das Umweltministerium im Saarland bildet seit mehr als zehn Jahren BNE-Begleiterinnen und -Begleiter im
Elementarbereich aus. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Umweltministerium sowie dem
Biosphärenzweckverband Bliesgau konnten z. B. bislang 80 Erzieherinnen und Erzieher erreicht werden.
In Berlin werden BNE-Fortbildungen u. a. über das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg
(SFBB) angeboten. Sachsen hat einen entsprechenden Fachtag BNE im Bereich der Kindertagesbetreuung
ausgerichtet.140
Entwicklungen auf Bundesebene
Das BMBF (21. LP: BMBFSFJ) fördert die Kompetenzentwicklung von Kitapersonal zu BNE im Rahmen der Stiftung
Kinder forschen mit ihrem Fortbildungsfokus für MINT-Bildung und BNE im frühkindlichen Bereich. Im
Vordergrund stehen dabei forschendes und entdeckendes Lernen sowie der Übergang ins Handeln und das Sich-
Ausprobieren. Durch zielgruppengerechte Bildungsangebote, wie das aktuelle Angebot zur Klimaresilienz („Was macht der
Schneehase ohne Schnee?“), trägt die Stiftung BNE sowohl in die Breite als auch in die Strukturen. Sie befördert
damit die fachliche Fundierung und Umsetzung von BNE im Bereich der frühen Bildung.
In Zahlen: Über die Stiftung wurden seit 2020 rund 280 Trainerinnen und Trainer zu den verschiedenen Konzepten
und Fortbildungsangeboten zu BNE („Tür auf!“, „Macht mit!“, „Konsum umdenken“, „Was macht der Schneehase
ohne Schnee?“) qualifiziert. Diese Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben ca. 520-mal an den Qualifizierungen
teilgenommen und verbreiten die verschiedenen Fortbildungsangebote über die Netzwerkpartner der Stiftung in
ihren Regionen. Von 2020 bis Februar 2025 haben die Netzwerkpartner über 960 BNE-Fortbildungen in Präsenz für
rund 10.000 Pädagoginnen und Pädagogen angeboten.
Über verschiedene Veranstaltungsformate und Teilnahmen an Messen und Kongressen wurden mehr als 1.000
weitere Akteurinnen und Akteure aus dem Bereich der frühen Bildung erreicht.
Während der Corona-Pandemie haben sich vor allem die Online-Lernangebote stärker etabliert. Auf der
Lernplattform wurden im Berichtszeitraum die offenen BNE-Online-Kurse rd. 15.000-mal abgeschlossen. Weitere 600
Teilnehmende wurden mit moderierten BNE-Online-Kursen erreicht.
Zusätzlich stand BNE beim bundesweiten „Tag der kleinen Forscher“ (seit 2024 „MINTmachtag“) und im
Kitamagazin „Forscht mit!“ (Auflage: 37.000) mehrfach thematisch im Zentrum.
Im Rahmen der vom BMZ geförderten Programme „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE), „Engagiert die Welt
gestalten“ (Engagiert) / bis November 2024 „Aktionsgruppenprogramm“ (AGP), „Förderprogramm
Entwicklungspolitische Bildung“ (FEB) und „Entwicklungsbezogene Bildungsarbeit in Deutschland“ (EBD) bietet Engagement
Global für Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeitende von Kitaträgerorganisationen Informations- und
Qualifizierungsangebote zu global nachhaltiger Entwicklung in Kindergärten. Kitafachkräfte und Trägerorganisationen
werden bundesweit passgenau und praxisnah angesprochen und befähigt, BNE mit global nachhaltiger Perspektive
in ihren Strukturen zu integrieren. So haben im Aktionsgruppenprogramm zwischen 2021 und 2024 345 Personen
an Fortbildungen im Kitabereich teilgenommen. Ein sehr erfolgreiches Format des Programms
„Entwicklungsbezogene Bildung in Deutschland“ (EBD) sind die Kitakongresse. Sie vermitteln Kitaträgerorganisationen und
Erziehungspersonal niedrigschwellig und praxisnah Globales Lernen für frühkindliche Bildung und informieren über
Fördermöglichkeiten durch Engagement Global.
140 Weitere Maßnahmen auf Länderebene siehe Anhang „Länderbeispiele“.
Das BMWK förderte bis zum 31. Januar 2025 im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative das Projekt „Klima-
Kita-Netzwerk“141. Hier wurden in 211 projekteigenen Veranstaltungen und drei Klima-Aktionswochen mehr als
1.000 pädagogische Fachkräfte und Verantwortliche in Kitas dazu befähigt, Klima- und Ressourcenschutz in die
tägliche Bildungsarbeit zu integrieren. Langfristig werden so Klimaschutz und BNE in Trägerstrukturen der Kitas
verankert. Klima-Aktionswochen im Kitaumfeld, Vernetzungstreffen für Träger und Weiterbildungen sollen den
Wissenstransfer und die Verstetigung der Projektinhalte gewährleisten.
Im Modellprojekt „Kita-Naturbotschafter“142, welches vom BMUV (21. LP: BMUKN) und dem Bundesamt für
Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert wird, werden Menschen in der
nachberuflichen Phase befähigt, BNE-Inhalte in Kitas zu vermitteln. Die Ausbildung dauert zwei Jahre. Eine unterstützende
Förderung erfolgt durch die Länder Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Saarland.
5.1.4 Impulse des Forums Frühkindliche Bildung und des Partnernetzwerks
Im Forum Frühkindliche Bildung setzen sich 22 Vertreterinnen und Vertreter von Bundesressorts,
Länderministerium, Fachkräften, Kitaträgern, Jugend- und Elternvertretungen sowie zivilgesellschaftlichen Bildungsträgern für die
Verankerung von BNE im Bereich der frühkindlichen Bildung ein. Die Arbeit wird begleitet und verstärkt durch das
Partnernetzwerk mit rd. 15 Vertreterinnen und Vertretern überwiegend von zivilgesellschaftlichen
Bildungsträgern143.
Das BNE-Forum und das Partnernetzwerk144 haben im Berichtszeitraum den Umsetzungsstand ihrer Ziele und
Maßnahmen aus dem Kapitel „Frühkindliche Bildung“ des Nationalen Aktionsplans überprüft. Auf der Grundlage eines
mit dem Nationalen Monitoring durchgeführten Reflexive Monitoring in Action wurden noch unerfüllte Maßnahmen
im Forum konkretisiert und ein Arbeitsplan mit folgenden Schwerpunkten festgelegt.
Verbreitung und Weiterentwicklung des Referenzrahmens
Das Forum Frühkindliche Bildung hat bereits 2020 einen „Referenzrahmen für die frühkindliche Bildung“145 als
Leitfaden für eine qualitätsgesicherte Verankerung von BNE im Elementarbereich veröffentlicht. Der
Referenzrahmen definiert Bausteine, Anforderungen und Praxisindikatoren. Kitaträger, -leitungen und -fachkräfte können mit
dem Referenzrahmen ihre Praxis einer frühen BNE systematisch in den Blick nehmen und weiterentwickeln. Um die
praktische Umsetzung im Kitaalltag zu erleichtern, wurde im Berichtszeitraum unter der Federführung des
Partnernetzwerks das begleitende Lernspiel „Am Riff“146 für den Einsatz in Kitateams entwickelt. Das Partnernetzwerk hat
das Lernspiel im Rahmen von Fortbildungen, Messen und Fachveranstaltungen einer breiteren Fachöffentlichkeit
vorgestellt.
Der Referenzrahmen bildet zudem eine wertvolle Grundlage für das nationale Monitoring des BNE-Prozesses, um die
Bildungspläne der Länder im Elementarbereich mit den dort erarbeiteten Praxisindikatoren abzugleichen und
länderspezifische Empfehlungen abzugeben. Das Forum Frühkindliche Bildung hat Empfehlungen des Nationalen
Monitorings im Rahmen eines gemeinsamen Werkstattgesprächs mit Vertreterinnen und Vertretern der JFMK an die
Länder erörtert. Die Empfehlungen wurden als wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung von Bildungsplänen von
den Ländern begrüßt.
141 https://klima-kita-netzwerk.de/ueber-uns/
142 https://www.kita-naturbotschafter.de/
143 Aktuelle Mitgliederliste: https://www.bne-portal.de/bne/shareddocs/downloads/files/mitglieder_alle_foren.pdf?__blob=publicationFile&v=27
144 https://www.bne-portal.de/bne/de/bundesweit/gremien/partnernetzwerk-fruehkindliche-bildung/partnernetzwerk-fruehkindliche-bil-
dung.html
145 https://www.bne-portal.de/SharedDocs/Publikationen/de/bne/referenzrahmen-fuer-die-fruehkindliche-bildung.pdf
146 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/BNE-Lernspiel-fuer-Fachkraefte-der-fruehkindlichen.html
Fokusthema: Weiterbildung
Das Forum hat das Thema Weiterbildung als wichtigen Hebel für die Verankerung von BNE im frühkindlichen
Bereich identifiziert und mit der „Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte“ (WIFF) eine
Literaturrecherche mit Ergebnissen147 zu Gelingensbedingungen von BNE-Weiterbildungen für Kitafachkräfte auf den Weg gebracht.
Zusätzlich hat das BNE-Forum Veranstaltungen148 für Kitaträger und Kitapersonal und Öffentlichkeitsarbeit
durchgeführt und seine Arbeit über Interviews und Podcasts der Fachöffentlichkeit vorgestellt.
Sichtbarkeit von BNE in der Breite
Aus dem Partnernetzwerk heraus wurde die internationale Ausstellung „Bordercrossings“149 (Reggio Children,
Italien) von wamiki (Was mit Kindern) erstmals für den deutschsprachigen Raum entwickelt und vom BMBF gefördert.
In der interaktiven Ausstellung treffen BNE, Kunst und Digitalität aufeinander und schaffen neue Lern- und
Denkräume. Die Ausstellung tourte 2024 durch sechs Städte150 und wurde an den Ausstellungsorten jeweils flankiert von
Fortbildungsangeboten, Workshops für Kitafachkräfte und weiterem lokalen Rahmenprogramm. Die
Ausstellungselemente verbleiben teilweise an den Orten und entwickeln sich zu BNE-Ateliers und -Lernräumen weiter. Die
besten Erfahrungen aus dem Projekt werden multimedial aufbereitet und online sowie in einer Broschüre
veröffentlicht.
5.2 BNE in der schulischen Bildung
„Um Lernende zu ermutigen, zu Change Agents zu werden, die über das Wissen,
die Mittel, die Bereitschaft und den Mut verfügen, transformative Maßnahmen für
eine nachhaltige Entwicklung zu ergreifen, müssen die Bildungseinrichtungen
selbst transformiert werden.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 28)
In der Kompetenzentwicklung von Lehrkräften sowie von Schülerinnen und Schülern decken weitreichende
Informationsangebote und Weiterbildungsmaßnahmen auf Bundes- wie auch auf Länderebene eine große Vielfalt an
BNE-Themen ab, darüber hinaus stehen auch die Qualifikation von angehenden Lehrkräften in der Ausbildung sowie
die Fortbildung von Lehrkräften im Fokus. Zur bundesweiten Vernetzung von Bund, Ländern, Zivilgesellschaft und
Wissenschaft trägt das BNE-Forum Schule mit Veranstaltungen und konkreten Handlungsempfehlungen bei. Auch
hier werden die Bemühungen, BNE in Schule und Schulpolitik strukturell zu verankern, als gemeinschaftliche
Aufgabe verstanden und befördert.
147 https://www.weiterbildungsinitiative.de/publikationen/detail/wie-gelingen-weiterbildungen-fuer-kita-fachkraefte-zum-ansatz-bildung-
fuernachhaltige-entwicklung
148 Im Oktober 2022 stand das Thema Aus- und Weiterbildung bei einer Veranstaltung mit rd. 80 Teilnehmenden im Fokus und im April 2024 die
Kita-Entwicklung mit rd. 70 Teilnehmenden.
149 https://bordercrossings.de/
150 https://www.bne-portal.de/bne/de/news/ausstellung-bordercrossings-virtuell.html
5.2.1 BNE in Rahmenlehr- und Bildungsplänen für Schulen
„Die bildungspolitischen Entscheidungstragenden auf lokaler, nationaler,
regionaler und globaler Ebene sollten BNE in die Bildungspolitik integrieren,
einschließlich der Bereiche, die Lern- und Lehrumgebungen, Lehrpläne,
Lehrkräfteausbildung sowie die Bewertung von Schülerinnen und Schülern
betreffen, und dabei stets die Geschlechterperspektive berücksichtigen.“
(Bildung für nachhaltige Entwicklung: eine Roadmap, S. 26)
Die Verankerung in den Rahmenlehr- und Bildungsplänen für Schulen ist ein wesentlicher Hebel dafür, BNE wirksam
in die pädagogische Praxis in der Schule umzusetzen. Vor diesem Hintergrund spricht die UNESCO in der Roadmap
„BNE 2030“ im Handlungsfeld „Politische Unterstützung“ Entscheidungstragende direkt an und fordert eine
Einbeziehung von BNE in die Lehrplanentwicklung.
Entwicklungen auf Länderebene
Im Berichtszeitraum haben die Länder auf KMK-Ebene und auch in den jeweiligen Bildungsverwaltungen wichtige
Akzente gesetzt, um die strukturelle Verankerung in den jeweiligen Fächern und fächerübergreifend voranzutreiben.
Die Bundesregierung hat diese Prozesse u. a. durch die Weiterentwicklung des „Orientierungsrahmens Globale
Entwicklung“ (OR) unterstützt und setzt sich auch im Rahmen der deutschen Auslandsschulen und des
Partnerschulnetzwerks im Ausland für die Verankerung von BNE im Unterricht ein.
Im Juni 2024 hat die KMK eine neue Empfehlung zur BNE in der Schule beschlossen und damit eine langjährige
Forderung der Deutschen UNESCO-Kommission aufgegriffen, die gemeinsame Empfehlung von KMK und der Deutschen
UNESCO-Kommission von 2007 fortzuschreiben. Die KMK formuliert in der Empfehlung wesentliche
Qualitätsmerkmale und Leitkriterien für die ganzheitlichen Verankerung von BNE in Unterrichts- und Schulentwicklung im Sinne
eines Whole School Approachs. Außerdem hat die KMK Beschlüsse zu den Bildungsstandards für den Mittleren
Schulabschluss in den Naturwissenschaften sowie eine Empfehlung zur Stärkung der MINT-Bildung verabschiedet,
die die Verknüpfung zwischen MINT-Bildung und BNE bzw. BNE-Kompetenzen hervorheben (s. im Einzelnen
„Exkurs: KMK-Empfehlungen“).
Ex ku rs 3 : KMK-Empfehlungen
Am 23.06.2024 hat die KMK die Neufassung der „Empfehlung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der
Schule“ 151 beschlossen. Bei der Erstellung der neuen Empfehlung wurden das BMBF und die Deutsche UNESCO-
Kommission miteinbezogen sowie das BMZ und die Bundesländer über das durch das BMZ geförderte Netzwerk
der Landeskoordinationen BNE. Die Veröffentlichung fokussiert auf Empfehlungen zur Weiterentwicklung von
BNE in der Unterrichts- und in der Schulentwicklung.
Für die Unterrichtsentwicklung werden fünf Empfehlungen formuliert: Die Themen im Unterricht sollten u. a.
zukunfts- und handlungsrelevant sein (a), es sollten unterschiedliche Dimensionen einer nachhaltigeren
Entwicklung (b) sowie verschiedene Perspektiven betrachtet werden (c), das systemische Denken und der Umgang mit
Komplexität, Unsicherheit und Interdisziplinarität sollten gefördert werden (d) sowie partizipative und
kooperative Arbeitsweisen angewendet werden (e)152.
151 Empfehlung der Kultusministerkonferenz zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom
13.06.2024).
152 Ebd., S. 9.
Für die Weiterentwicklung von BNE in der Schulentwicklung werden sechs Empfehlungen formuliert, um die
ganzheitliche Verankerung von BNE im Sinne eines Whole Institution/School Approachs an Schulen zu fördern. So
wird u. a. die Verankerung von BNE im Leitbild (a), fächerübergreifendes Lernen (b), Partizipation von Lernenden
(c), Kooperation mit außerschulischen Partnern (d), nachhaltige Bewirtschaftung (e) und entsprechende Fort-
und Weiterbildungen für das Schulpersonal (f) empfohlen153.
Die KMK-Empfehlung zu BNE in der Schule wird unterstützt und gestärkt von der Empfehlung der KMK zur
Stärkung der MINT-Bildung sowie von den weiterentwickelten Bildungsstandards der naturwissenschaftlichen Fächer
Biologie, Chemie und Physik:
• In der „Empfehlung zur Stärkung der MINT-Bildung“154 wird u. a. die Verknüpfung der MINT-Bildung mit
Themen der BNE hervorgehoben. Hierbei sollen Fragen zu Chancen und Risiken der Nutzung von
technischen Entwicklungen, die nachhaltige Nutzung von Ressourcen und der Bezug zum Klimawandel betrachtet
werden. Zur Qualitätssicherung und -entwicklung bzgl. des Unterrichts wird die gemeinsame Empfehlung
von KMK und Deutscher UNESCO-Kommission „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ von
2007 empfohlen. Des Weiteren wird hinsichtlich des Handlungsfelds Personalgewinnung und -entwicklung
das Einrichten von Fortbildungen für Schulleitungen und Lehrkräfte zur Vernetzung von Bildung für
nachhaltige Entwicklung und MINT, z. B. zum Whole School Approach, empfohlen.
• In den weiterentwickelten Bildungsstandards für die Fächer Biologie, Chemie und Physik wird den zu
vermittelnden Kompetenzen eine besondere Bedeutung hinsichtlich BNE zugeschrieben: „Mit Blick auf
notwendige Transformationsprozesse hin zu einer nachhaltigeren Gesellschaft, Wirtschaft und Lebensführung
kommt Kompetenzen in den Naturwissenschaften heute und in Zukunft besondere Bedeutung für eine
mündige Teilhabe des Einzelnen zu.“155 (Biologie, Chemie, Physik, je Seite 5). Insbesondere im
Kompetenzbereich der Bewertungskompetenz gibt es viele Übereinstimmungen zu BNE-Kompetenzen, wie zum Beispiel
zum systemischen Denken oder dem Perspektivwechsel.
Der Blick in die einzelnen Länder zeigt156, dass BNE inzwischen in der Mehrzahl der Bundesländer als fächerü
bergreifendes Bildungsziel oder als Querschnittthema in den allgemeinbildenden Schulen eingeführt wurde.
Rechtsverbindlich hat Niedersachsen die Verankerung von BNE 2021 an Schulen im Rahmen eines Runderlasses
vorgegeben. Durch diesen wird BNE ein verbindlicher Teil schulischer Lerninhalte. In NRW bildet die 2019 verö
ffentlichte Leitlinie BNE die Grundlage für alle zur Überarbeitung anstehenden Lehrpläne. Als Querschnittsaufgabe bei
der Überarbeitung von Rahmenplänen ist BNE in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit 2016 und in Sachsen seit
2019 festgelegt. In den im Jahr 2024 in Thüringen veröffentlichten „Leitlinien für die Erarbeitung weiterentwickelter
Thüringer Lehrpläne der Fächer der allgemeinbildenden Schulen“ wird BNE als zu verankernde Querschnittsaufgabe
benannt.
Einige Länder haben BNE als eine Leitperspektive curricular festgelegt, so z. B. Baden-Württemberg (seit 2016) und
Hamburg (seit 2023). In jedem Fachrahmenplan ist zudem dargelegt, welche Beiträge das Fach zur Umsetzung der
Leitperspektive leisten muss. Im Saarland ist 2022 ein Basiscurriculum BNE in Kraft getreten, das BNE
kompetenzorientiert in allen Schulen verankert und die bisherigen Elemente von BNE in den Fachlehrplänen bündelt und
systematisiert. Es wird durch exemplarische Lernbausteine flankiert.
In Berlin und Brandenburg ist BNE als übergreifendes Thema für alle Fächer und die Gestaltung des Schullebens
im Rahmenlehrplan der Jahrgangsstufen 1-10 seit dem Schuljahr 2017/2018 unterrichtswirksam und wurde
2023/2024 mit dem neuen Rahmenlehrplan für die gymnasiale Oberstufe auf alle Jahrgangsstufen ausgeweitet.
153 Ebd., S. 12.
154 https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/kultusministerkonferenz-beschliesst-aktualisierte-empfehlung-zur-foerderung-der-mint-
bildung.html
155 https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_06_13-WeBiS_Biologie_MSA.pdf; https://www.kmk.org/filead-
min/veroeffentlichungen_beschluesse/2024/2024_06_13-WeBiS_Chemie_MSA.pdf; https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_be-
schluesse/2024/2024_06_13-WeBiS_Physik_MSA.pdf.
156 Vgl. Brock, Holst 22, Schlüssel zu Nachhaltigkeit und BNE in der Schule. https://www.bne-portal.de/SharedDocs/Publikatio-
nen/de/bne/schl%C3%BCssel-zu-nachhaltigkeit-und-bne-in-der-schule.html
Sachsen-Anhalt hat BNE 2022 in den Lehrplänen des Gymnasiums sowohl fachübergreifend wie auch
fachintegrativ in den jeweiligen Fachlehrplänen integriert.
Weitere Bundesländer erarbeiten bzw. finalisieren weitere Verankerungsschritte. Rheinland-Pfalz hat 2024 einen
weiteren „Leitfaden für die Lehrplanentwicklung“ herausgegeben, der die didaktischen Chancen von BNE für alle
Fächer im allgemeinbildenden Bereich beschreibt und die bereits implementierte Publikation „Bildung für
nachhaltige Entwicklung curricular verankern. Orientierung für Lehrplankommissionen, Fachkonferenzen und
Lehrerbildung“ ergänzt. In Schleswig-Holstein wurde BNE ab dem Schuljahr 2024/2025 im „Allgemeinen Teil der
Fachanforderungen aller Fächer“ verankert.
Bremen erprobt von März 2025 bis März 2026 den Entwurf eines Orientierungsrahmens BNE an mehreren
Schulen. Die Erprobung wird evaluiert. Eine Veröffentlichung ist für 2026 geplant. Die Erprobung ist eingebettet in eine
Länderinitiative zur Implementierung von BNE in das Bremer Bildungswesen – BNE-Unterrichtsbausteine und
Klimabildungsmodule.
In der Gesamtbetrachtung kommt das nationale Monitoring in einer Dokumentenanalyse157 aus 2022 zu dem
Ergebnis, dass die Verankerung von BNE in Lehrplänen und Prüfungen zunimmt. Gleichzeitig fokussiert sich die fachliche
Verankerung überwiegend auf „klassische“ BNE-Fächer Geographie, Sozialkunde, Biologie und Chemie, während in
den Fächern Deutsch und Englisch wenig Bezüge zu BNE gefunden wurden.
Das Monitoring empfiehlt daher die verbindliche Verankerung in die Breite des Fächerkanons. Die Ergebnisse der
aktuellen Entwicklungen in den Ländern werden in einer neuen Dokumentenanalyse 2025 erhoben und 2026 verö
ffentlicht.
Weitere Informationen zur Verankerung von BNE in den Ländern mit weiterführenden Links wurden im Beschluss
der Kultusministerkonferenz (KMK) (09.02.2023) „Bildung für nachhaltige Entwicklung – Informationen der
Länder“158 dokumentiert.159
Entwicklungen auf Bundesebene
Ein wesentlicher Motor für die Verankerung von BNE in den Ländern ist der Orientierungsrahmen „Globale
Entwicklung“160. Der Orientierungsrahmen
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
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