Die Handlungsempfehlungen des Bürgerrates "Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben" aufgreifen und umsetzen
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Die Handlungsempfehlungen des Bürgerrates "Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben" aufgreifen und umsetzen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2537
21. Wahlperiode 04.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Ina Latendorf, Luigi Pantisano, Doris Achelwilm,
Dr. Michael Arndt, Marcel Bauer, Lorenz Gösta Beutin, Violetta Bock,
Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Clara Bünger, Agnes Conrad, Mandy
Eißing, Dr. Fabian Fahl, Katrin Fey, Kathrin Gebel, Katalin Gennburg, Nicole
Gohlke, Ates Gürpinar, Dr. Gregor Gysi, Mareike Hermeier, Luke Hoß, Maren
Kaminiski, Ferat Koçak, Jan Köstering, Caren Lay, Sonja Lemke, Sahra
Mirow, Sören Pellmann, Bodo Ramelow, David Schliesing, Evelyn Schötz,
Julia-Christina Stange, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt, Sascha Wagner,
Christin Willnat, Janine Wissler, Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Die Handlungsempfehlungen des Bürgerrates „Ernährung im Wandel:
Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ aufgreifen und
umsetzen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Mit der Einsetzung des Bürgerrates „Ernährung im Wandel: Zwischen
Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ am 10. Mai 2023 hat der Deutsche Bundestag in
der 20. Wahlperiode ein Element der partizipativen Bürgerinnen- und
Bürgerbeteiligung an der politischen Willensbildung des demokratischen Systems sichtbar stärken
wollen. Der Bürgerrat verabschiedete Ende 2023 ein Gutachten mit
Handlungsempfehlungen an das Parlament und überreichte es am 20. Februar 2024 der seinerzeitigen
Bundestagspräsidentin (vgl. www.buergerrat.de/aktuelles/buergergutachten-zu-
ernaehrung-uebergeben/).
Die Handlungsempfehlungen sind datiert auf den 14. Januar 2024 (vgl. dazu
www.bundestag.de/resource/blob/984354/39efba25c218ee935e26f786abbce81c/Em-
pfehlungen_buergerrat.pdf). In ihnen spiegelt sich der konstruktive Beitrag des
Bürgerrates „Ernährung im Wandel“ wider, den Einsetzungsauftrag des Bundestages ernst
zu nehmen. Damit verbunden ist der Auftrag an das Parlament, sich fortgesetzt mit den
Handlungsempfehlungen gesetzgeberisch zu beschäftigen. Nach diesem Auftrag hat
das Parlament folgende Maßnahmen ergriffen: Einen Sachstandsbericht des
Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages (10. Ausschuss)
vom 30. Januar 2025 (vgl. Ausschussdrucksache 20(10)184 neu neu) und einen Antrag
der aktuellen Regierungskoalition vom 9. September 2025, Vorlagen aus der 20.
Wahlperiode erneut zur Überweisung vorzuschlagen (vgl. Bundestagsdrucksache 21/1541,
Punkt 34 auf S. 13). Die damalige Gruppe Die Linke im Bundestag hat dem genannten
Sachstandsbericht des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft in der 20.
Wahlperiode einen Entschließungsantrag beigefügt, der nun in der 21. Wahlperiode
Ausgangspunkt und Grundlage für den parlamentarischen Umgang mit den
Handlungsempfehlungen sein soll.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. zur Umsetzung von Empfehlung 1 „Kostenfreies Mittagessen für alle Kinder“
bundesweit in allen Schulen und Kitas als Schlüssel für Bildungschancen und
Gesundheit umgehend eine bundesweite Studie zur Qualität der Schul- und
Kitaverpflegung in Deutschland in Auftrag zu geben und die Grundlagen für die
Finanzierung aus dem Bundeshaushalt zu schaffen;
2. zur Umsetzung von Empfehlung 2 „Bewusstes Einkaufen leicht gemacht durch
ein verpflichtendes staatliches Label“ für alle in Deutschland und der
Europäischen Union verkauften Produkte sich auf EU-Ebene für die Einführung eines
solches Labels einzusetzen und zu prüfen, auf welcher Grundlage ein solches
einheitliches Label, das neben den Bereichen Klima, Tierwohl und Gesundheit auch
den Bereich Soziales umfassen sollte und das vor Verbraucherbetrug schützt und
kontrollierbar ist, eingeführt werden könnte;
3. zur Umsetzung von Empfehlung 3 „Verpflichtende Weitergabe von genießbaren
Lebensmitteln durch den Lebensmitteleinzelhandel“ umgehend einen
Gesetzentwurf gegen Lebensmittelverschwendung vorzulegen, der neben Supermärkten
und Discounter auch große lebensmittelherstellende und -verarbeitende
Unternehmen, Großmärkte, Großküchen, Großgastronomie und große
landwirtschaftliche Erzeugerinnen und Erzeuger umfasst, verbindliche Reduktionsziele in der
gesamten Wertschöpfungskette enthält und ein Wegwerfverbot von noch
genießbaren Lebensmitteln einführt;
4. zur Umsetzung von Empfehlung 4 „Lebensbedingungen und Herkunft von Tieren
transparent darstellen“ umgehend einen Gesetzentwurf zum Tierschutzgesetz
vorzulegen, das das Wohl der Tiere wirklich verbessert (siehe
Bundestagsdrucksache 21/139 „Ein Tierschutzgesetz, das Tiere wirksam schützt“) und ein
Tierwohllabel zu etablieren, das den gesamten Lebenszyklus von Geburt, Aufzucht,
Haltung, Transport (Transportwege und Transportbedingungen) sowie die
Schlachtung umfasst und für alle Tierarten gilt;
5. zur Umsetzung von Empfehlung 5 „Fördern statt Fordern – neuer Steuerkurs für
Lebensmittel“ umgehend einen Gesetzentwurf vorzulegen, der
Grundnahrungsmittel von der Mehrwertsteuer befreit, sie zeitgemäß definiert und in die Liste für
den ermäßigten Mehrwertsteuersatz auch Milchersatz- und
Fleischersatzprodukte, Babynahrung, Frucht- und Gemüsesäfte sowie Tafel- und Mineralwasser
aufnimmt;
6. zur Umsetzung von Empfehlung 6 „Gesunde, ausgewogene und angepasste
Gemeinschaftsverpflegung in allen Pflegeeinrichtungen“ die bundespolitisch
möglichen Voraussetzungen für Pflegeeinrichtungen wie Krankenhäuser, Reha- und
Senioreneinrichtungen dergestalt zu schaffen, dass
a) sich Pflegeeinrichtungen verpflichtend an die Qualitätsstandards der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten und
b) mithilfe der notwendigen gesetzlichen und finanziellen
Rahmenbedingungen eine gesunde Ernährung nach den DGE-Qualitätsstandards in allen
Pflegeeinrichtungen garantiert wird;
7. zur Umsetzung von Empfehlung 7 „Verbrauchsabgabe zur Förderung des
Tierwohls“ die Grundlagen für eine verlässliche Finanzierung des Umbaus der
Tierhaltung für bessere Tierschutzstandards zu schaffen, die aber nicht zu einer
weiteren Belastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern mit geringen
Einkommen führt;
8. zur Umsetzung von Empfehlung 8 „Altersgrenze für Energydrinks“ umgehend
einen Gesetzentwurf vorzulegen, der eine Altersgrenze für den Verkauf und
Ausschank von Energydrinks und ähnlichen Produkten, wie z. B. Energybooster, von
18 Jahren einführt;
9. zur Umsetzung von Empfehlung 9 „Mehr Personal für Lebensmittelkontrollen“:
a) eine bundesweite Studie zur Situation der Lebensmittelüberwachung in
Deutschland in Auftrag zu geben,
b) zu prüfen, wie die Lebensmittelüberwachung basierend auf den Vorschlägen
des Bundesrechnungshofes von 2011 in seinem Gutachten „Organisation
des gesundheitlichen Verbraucherschutzes (Schwerpunkt Lebensmittel)“
neu organisiert werden kann und hierzu gegebenenfalls ein neues Gutachten
zu beauftragen,
c) die Zahl der vorgeschriebenen Betriebskontrollen (= Routine- bzw.
Plankontrollen) in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift über Grundsätze zur
Durchführung der amtlichen Überwachung der Einhaltung der Vorschriften
des Lebensmittelrechts, des Rechts der tierischen Nebenprodukte, des
weinrechts, des Futtermittelrechts und des Tabakrechts (AVV Rahmen-
Überwachung – AVV Rüb) so zu erhöhen, dass sie den Vorgaben der europäischen
Lebensmittelsicherheit gerecht wird,
d) einen Gesetzentwurf für eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage
vorzulegen, damit deutschlandweit die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der
Lebensmittelkontrollen vor Ort an der Ladentür und im Internet durch ein leicht
verständliches Symbol wie z. B. einen Smiley informiert werden kann;
10. zur Umsetzung der Querschnittsempfehlung „Aufklärung und Bildung als
Fundament für alle Empfehlungen des Bürgerrats“ Bildungs- und
Verbraucherinformationskonzepte vorzulegen, die eine breite Medienlandschaft abdecken, leicht
verständlich sind und auf ihre Wirksamkeit geprüft werden und die in den
Alltagssituationen der Menschen ansetzen, z. B. durch Kochen vor Ort in den
Schulen und Kitas und Ausbau des Angebots von Kochkursen in
Bildungseinrichtungen für Erwachsene.
III. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
innerhalb von zwei Jahren (bis Mitte 2027) einen Fortschrittsbericht über die
Umsetzung und Beachtung der Empfehlungen des Bürgerrates vorzulegen, der auch weitere
Handlungsschritte enthält.
Berlin, den 4. November 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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