Bericht der Bundesregierung zur Evaluierung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt
Text
Bericht der Bundesregierung zur Evaluierung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1800
21. Wahlperiode 02.10.2025
Unterrichtung
durch die Bundesregierung
Bericht der Bundesregierung zur Evaluierung der Deutschen Stiftung für
Engagement und Ehrenamt
Bericht der Bundesregierung gemäß § 13 des Gesetzes zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement
und Ehrenamt vom 25. März 2020 (BGBl. I S. 712) über die durch das Gesetz erzielten Wirkungen in Bezug auf
die Stärkung des bürgerlichen Engagements und des Ehrenamts durch die Errichtung einer zentralen Anlaufstelle
auf Bundesebene und Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Stiftung.
Zusammenfassung
Mit dem vorliegenden Bericht erfüllt die Bundesregierung ihre Verpflichtung gemäß § 13 des Gesetzes zur
Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt vom 25. März 2020 (DSEE-G), dem Deutschen
Bundestag die durch das Gesetz erzielten Wirkungen in Bezug auf die Stärkung des bürgerlichen Engagements
und des Ehrenamts durch die Errichtung einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene zu berichten und
Vorschläge für ihre Weiterentwicklung zu machen.
Auf der Grundlage eines Beschlusses des Stiftungsrates wurde eine externe Evaluierung beauftragt, auf die sich
die Bundesregierung stützt. Der vorliegende Bericht fasst die zentralen Erkenntnisse der externen Evaluierung
zusammen, bewertet diese und formuliert Entwicklungsperspektiven der DSEE aus Sicht der Bundesregierung.
Im Ergebnis zieht die Bundesregierung auf der Grundlage der externen Evaluierung ein insgesamt sehr positives
Fazit mit Blick auf die Konzeption einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene zur Stärkung des bürgerlichen
Engagements und des Ehrenamts sowie deren konkreten Umsetzung. Sie würdigt die in den fünf Jahren ihres
Bestehens erfolgreiche Aufbauarbeit der DSEE.
Die Evaluierung hat gezeigt, dass die DSEE sämtliche in § 3 Absatz 1 DSEE-G definierten Aufgaben
angenommen hat, diese effizient und kohärent bearbeitet werden und durch die Arbeit der DSEE bereits positive
Wirkungen mit Blick auf die im Gesetz genannten Stiftungszwecke erzielt werden.
Durch die Gründung einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene haben Engagement und Ehrenamt an
Sichtbarkeit und Profil gewonnen, was wiederum dazu beiträgt, ein stärkeres Bewusstsein und eine höhere
Wertschätzung für Engagement und Ehrenamt zu fördern.
Indem die DSEE Multiplikatoreneffekte fördert und zum Ausbau der Kooperationen in der
Engagementlandschaft beiträgt, stärkt sie den gesamten Engagement- und Ehrenamtssektor.
Die Ausgestaltung als unabhängige Stiftung des öffentlichen Rechts ermöglicht es ihr dabei auch, eine
Vermittlerrolle zwischen Politik und Verwaltung einerseits und Zivilgesellschaft andererseits einzunehmen. Es gelingt
der Stiftung, diese Rolle zum beidseitigen Nutzen erfolgreich auszufüllen.
Zugeleitet mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom
1. Oktober 2025 gemäß § 13 des Gesetzes zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und
Ehrenamt.
Die Vielfalt der gesetzlich zugewiesenen Aufgaben und das in der Folge konzipierte und stetig fortentwickelte
breite Portfolio, das sowohl aus Service-, Beratungs- und Qualifizierungsangeboten als auch aus
Förderprogrammen besteht, hat sich als ein großer Vorteil für die Wirkmacht der Stiftung erwiesen. Diese Aufgaben- und
Angebotsvielfalt ist einerseits wichtig für den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz der Stiftung. Zudem kann
die DSEE dadurch weitreichende Kompetenzen mit Blick auf eine Vielzahl von relevanten Aspekten zur
Förderung von Engagement und Ehrenamt entwickeln, Unterstützungsbedarfe und seine Entwicklungen erkennen und
ihre Angebote entsprechend ausrichten.
Hervorzuheben ist abschließend auch die bislang gezeigte Experimentierfreude und die Fähigkeit der Stiftung,
schnell auf Krisen reagieren zu können. Diese werden als klare Stärke und ein Identität-stiftendes Merkmal der
DSEE wahrgenommen und sollten soweit möglich erhalten werden.
Aus Sicht der Bundesregierung bietet die im Errichtungsgesetz angelegte Konzeption der DSEE weiterhin einen
geeigneten Rahmen, damit die Stiftung ihren Stiftungszweck auch zukünftig erfüllen kann, mit dem Ziel das
bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement in Deutschland, insbesondere in strukturschwachen und
ländlichen Regionen, weiter zu stärken. Anknüpfend an die bestehenden Stärken der DSEE sieht die
Bundesregierung in den folgenden Bereichen weiteres Potenzial zur Weiterentwicklung der Arbeit der Stiftung im Rahmen
des gesetzlichen Auftrages. Ziel ist es, den größtmöglichen Mehrwert für die Förderung und Stärkung von
Engagement und Ehrenamt zu generieren, der mit der Einrichtung einer Anlaufstelle auf Bundesebene verbunden
ist. Haushalterisch wirksame Aussagen sind damit nicht verbunden, es werden wünschenswerte inhaltliche
Entwicklungen skizziert. Alle seitens der Bundesregierung befürworteten Maßnahmen stehen für den
Bundeshaushalt unter dem Vorbehalt der Finanzierung und sind daher nur umsetzbar, soweit für sie eine
Finanzierungszuständigkeit des Bundes besteht und sie im jeweiligen Einzelplan beziehungsweise Politikbereich gegenfinanziert
werden. Die im Stiftungsrat vertretenen Ressorts der Bundesregierung werden in ihrer zukünftigen Arbeit im
Stiftungsrat die folgenden Schlussfolgerungen berücksichtigen:
(1) Bearbeitung von Querschnittsthemen zur Entlastung von Unterstützungsstrukturen
(„Wissensorganisation“). Wünschenswert ist ein weiterer Ausbau der Beratungs- und Informationsangebote. Die Stiftung kann dazu
noch stärker Wissen bündeln und digital zugänglich machen.
(2) Intensivierung des Austauschs mit Unterstützungsstrukturen. Der Austausch mit zivilgesellschaftlichen und
staatlichen Anlaufstellen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene kann weiter vertieft werden, um Synergien
zu heben und Kooperationen zu stärken.
(3) Fokussierung der Angebote. Es ist fortlaufend zu prüfen, ob die zur Verfügung gestellten Mittel noch
gezielter für Maßnahmen und Programme eingesetzt werden können, mit denen Personenkreise, Initiativen,
Organisationen und Strukturen oder Regionen erreicht werden, die aus strukturellen Gründen einer besonderen
Förderung bedürfen.
(4) Entwicklung eines strategischen Ansatzes zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Es besteht weiteres
Potenzial, durch Zusammenarbeit der Stiftung mit Unternehmen freiwilliges Engagement zu aktivieren und zu
fördern und dadurch einen langfristigen Beitrag zu seiner Stärkung zu leisten.
(5) Stärkung als Schnittstelle zwischen Politik und Engagement. Die Rolle der DSEE als Vermittlerin
zwischen Praxis und Politik kann weiter gestärkt und ihre Expertise u. a. in den Bereichen Digitalisierung,
Bürokratieabbau und Organisationsentwicklung noch gezielter genutzt werden, damit die entsprechenden Bedarfe
und Anliegen von Akteuren der Engagement- und Ehrenamtspraxis berücksichtigt werden.
Bei Hinweisen und Empfehlungen der Evaluation zu denen die Bundesregierung nicht ausdrücklich eine
Bewertung vornimmt, kann keine Befürwortung seitens der Bundesregierung angenommen werden.
Inhal tsverzeichnis
Seite
Zusammenfassung ........................................................................................ 1
I. Hintergrund ....................................................................................... 4
1. Darstellung des gesetzlichen Evaluierungsauftrags ............................ 4
2. Beschreibung des Vorgehens .............................................................. 4
3. Rahmenbedingungen der Evaluierung ................................................ 5
II. Analyse des Evaluationsberichts ...................................................... 5
1. Methodisches Vorgehen ...................................................................... 5
2. Ergebnisse ........................................................................................... 5
a. Effektivität, Wirkungen und Kohärenz der Arbeit
der DSEE ..................................................................................... 5
b. Aufgaben der Stiftung gemäß § 3 Absatz 1 DSEE-G.................. 6
III. Schlussfolgerungen ............................................................................ 7
1. Empfehlungen des Evaluationsberichts ............................................... 7
a. Weiterentwicklung der Angebote und Maßnahmen der
DSEE ..................................................................................................... 7
aa. „Modularen“ Aufbau der Angebote ausbauen .................... 7
bb. Arbeitsroutinen entwickeln ................................................. 8
cc. Reflexionsräume zur Weiterentwicklung von
Angeboten und internen Prozessen stärken ......................... 8
b. Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Zielgruppen
der DSEE ..................................................................................... 9
aa. Zugänglichkeit auf-, Barrieren abbauen .............................. 9
bb. Ressortübergreifende Zusammenarbeit weiter
ausbauen .............................................................................. 9
cc. Kooperationsmöglichkeiten mit der Wirtschaft prüfen ....... 10
2. Fazit der Bundesregierung................................................................... 10
a. Zusammenfassende Bewertung auf der Grundlage
des Evaluationsberichts ............................................................... 10
b. Schlussfolgerungen zur Weiterführung der Arbeit
der DSEE ..................................................................................... 11
IV. Anhang ............................................................................................... 15
I. Hintergrund
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ist am 2. April 2020 auf Grundlage des Gesetzes
zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE-Gesetz, BGBl. I S. 712) als
Stiftung öffentlichen Rechts mit Sitz in Neustrelitz entstanden. Die Gründung war eine gemeinsame Initiative des
Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des Bundesministeriums des Innern
und für Heimat und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Ihre Gründung war ein
Ergebnis der Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse“, die im Jahr 2018 von der Bundesregierung eingesetzt
wurde. Hieraus leitet sich ihr gesetzlicher Auftrag ab, das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt
insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen zu fördern und zu stärken. In § 3 DSEE-Gesetz
werden verschiedene Handlungsfelder benannt, durch die dieser Stiftungszweck erfüllt werden soll. Seit Juli
2020 bilden Katarina Peranić und Jan Holze, nach Wiederbestellung im Juli 2023 durch den Stiftungsrat, den
zweiköpfigen Vorstand der Stiftung. Der Stiftungsrat besteht aus 19 Mitgliedern. Neben den jeweils
amtierenden Bundesministerinnen oder Bundesministern der drei Gründungsressorts gehören ihm vier Mitglieder des
Deutschen Bundestages, zwei Vertreterinnen oder Vertreter der Länder, eine Vertreterin oder ein Vertreter der
Kommunen sowie neun Vertreterinnen und Vertreter aus dem Bereich bürgerschaftliches Engagement und
Ehrenamts an1. Er entscheidet in allen Angelegenheiten, die für die Stiftung und ihre Entwicklung von
grundsätzlicher oder besonderer Bedeutung sind. Zusätzlich unterstützen drei Fachbeiräte zu den Themen „Digital und
Analog“, „Strukturstärkung“, „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ die fachliche Arbeit der Stiftung seit 2021.
Die DSEE wird seit 2020 jährlich mit insgesamt 30 Millionen Euro drittelparitätisch durch die drei
Gründungsressorts finanziert. Über den Stammhaushalt hinaus werden der DSEE zusätzliche finanzielle Mittel zur
Umsetzung einzelner Projekte vom Bund zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gibt es ein gemeinsames Programm
mit dem Freistaat Sachsen, das mit Mitteln des Freistaates umgesetzt wird. Gespräche mit weiteren
Bundesländern über Kooperationsmöglichkeiten werden geführt. Vereinzelt erhält die DSEE Mittel aus der Wirtschaft und
privaten Stiftungen.
1. Darstellung des gesetzlichen Evaluierungsauftrags
Gemäß § 13 DSEE-Gesetz ist die Bundesregierung verpflichtet, dem Deutschen Bundestag innerhalb von fünf
Jahren nach Inkrafttreten des DSEE-Gesetzes über die durch das Gesetz erzielten Wirkungen in Bezug auf die
Stärkung des bürgerlichen Engagements und des Ehrenamts durch die Errichtung einer zentralen Anlaufstelle
auf Bundesebene zu berichten. Darüber hinaus soll die Bundesregierung Vorschläge für die Weiterentwicklung
der Stiftung unterbreiten. Der Bericht soll auf Grundlage der begleitenden Forschungsergebnisse im Bereich des
bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts die nachhaltige Entwicklung von bundesweit koordinierten
Ansätzen, Initiativen und Projekten sowie die Entwicklung relevanter zielgruppen- und bereichsspezifischer
digitaler Lösungen durch die Arbeit der Stiftung aufzeigen.
2. Beschreibung des Vorgehens
Um eine unabhängige Untersuchung der Arbeit der DSEE sowie deren Wirkungen zu gewährleisten, ist auf der
Grundlage eines Beschlusses des Stiftungsrat vom Februar 2024 ein Auftrag zur externen Evaluierung durch die
DSEE ausgeschrieben worden. Die Syspons GmbH hat im April 2024 den Zuschlag hierfür erhalten und im
Dezember 2024 die in der Anlage beigefügte „Evaluierung der erzielten Wirkungen des Gesetzes zur Errichtung
der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt - Evaluationsbericht“ vorgelegt.2 Diese bildet die
Grundlage des hier vorliegenden Berichts der Bundesregierung. Im Folgenden werden die zentralen Erkenntnisse
zusammengefasst, aus Sicht der Bundesregierung eingeordnet und bewertet (Abschnitt II.) und die im
Evaluationsbericht gemachten Vorschläge zur Weiterentwicklung im Lichte der Erfahrungen der Bundesregierung
kommentiert sowie abschließend Entwicklungsperspektiven zusammengefasst (Abschnitt III.).
1 Die Begriffe bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt werden grundsätzlich im Sinne der Definitionen in § 2 Absatz 2 DSEE-G
verstanden. Aus Gründen der Lesbarkeit werden im Folgenden „Freiwilliges Engagement“, „Bürgerschaftliches Engagement“,
„Ehrenamtliches Engagement“ und „Engagement“ und „Ehrenamt“ synonym verwendet.
2 Soweit im Folgenden und im Inhaltsverzeichnis der Begriff „Evaluationsbericht“ verwendet wird, wird damit auf den Bericht der
Syspons GmbH Bezug genommen.
3. Rahmenbedingungen der Evaluierung
Die Evaluierung wurde von Mai bis November 2024 durchgeführt, so dass Dokumente und Daten durch den
Auftragnehmer in sehr konzentrierter und in synthetisierter Weise ausgewertet wurden. Der kurze
Evaluierungszeitraum bedingt ein eher qualitatives und weniger quantitatives Evaluierungsdesign mit fundierten Aussagen
und Einschätzungen. Die Bundesregierung hebt hervor, dass sich die Wirkungen der Arbeit der DSEE bisher nur
in Ansätzen evaluieren lassen. Das betrifft insbesondere die längerfristigen Wirkungen der Maßnahmen zur
Stärkung des Ehrenamts in strukturschwachen oder in ländlichen Räumen sowie der Maßnahmen zur Förderung
von (digitalen) Innovationen. Die Angebote wurden seit der Gründung der DSEE schrittweise entwickelt und
dabei auch bereits an damit verbundene Lernprozesse angepasst. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu
berücksichtigen, dass die Maßnahmen der DSEE in den ersten Jahren nach ihrer Gründung stark von Krisen,
zunächst von der langanhaltenden Corona-Pandemie und anschließend vom Angriffskrieg Russlands gegen die
Ukraine, geprägt waren. Damit waren besondere Herausforderungen und auch eine spezielle Bedarfslage des
Ehrenamts verbunden, was die Etablierung und Verstetigung der Arbeit der DSEE und damit die Einschätzung
der Wirkungen der entsprechenden Maßnahmen erschwert.
II. Analyse des Evaluationsberichts
1. Methodisches Vorgehen
Auf der Grundlage der vom Stiftungsrat beschlossenen Leistungsbeschreibung erfolgte ausgehend von dem
gesetzlichen Evaluierungsauftrag die Untersuchung der Maßnahmen der DSEE seit ihrer Gründung anhand von
drei nachfolgend genannten zentralen Evaluierungskriterien:
1. Effektivität – Inwiefern konnten die definierten Ergebnisse der Maßnahmen und die kurzfristigen Ziele
erreicht werden?
2. Wirkungen – Welche Veränderungen wurden durch die Maßnahmen der DSEE bewirkt?
3. Kohärenz - Inwiefern sind die Maßnahmen der DSEE intern schlüssig und wie gut passen sie zu den bereits
existierenden Angeboten anderer Akteure und den bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen?
Zu diesen Kriterien wurden insgesamt elf Evaluierungsfragen entwickelt, die der detaillierten Analyse der drei
Kriterien dienten. Im Rahmen der Analyse wurden dazu die folgenden fünf zentralen Datenquellen ausgewertet:
1. Dokumente der DSEE zu den verschiedenen Maßnahmenbereichen (z. B. Förderrichtlinien und
-bekanntmachungen, Evaluationsberichte von abgeschlossenen Förderprogrammen, interne
Strategiepapiere, jährliche Arbeitsprogramme der DSEE, Forschungsberichte),
2. Rohdaten zu den Förderungen, etwa Antrags-, Bewilligungs- und Ablehnungszahlen der
Förderprogramme,
3. Interviews mit den Vorständen sowie Mitarbeitenden der DSEE
4. Interviews mit Mitgliedern des Stiftungsrats und
5. Fokusgruppengespräche mit Zuwendungsempfängerinnen und -empfängern.
Basierend auf den im Rahmen der Analyse abgeleiteten, evidenzbasierten Schlussfolgerungen gemäß der
Evaluierungskriterien (siehe oben und vgl. Kapitel 3 des Evaluationsberichts) wurden schließlich Empfehlungen zur
Weiterentwicklung der DSEE abgeleitet (vgl. Kapitel 5 des Evaluationsberichts).
2. Ergebnisse
a. Effektivität, Wirkungen und Kohärenz der Arbeit der DSEE
Im Evaluationsbericht wird die Effektivität der Arbeit der DSEE im o.g. Sinn als „überwiegend erfüllt“
bewertet. Die Fördermaßnahmen der Stiftung hätten die definierten Ergebnisse und kurzfristigen Ziele verwirklicht
und sichtbare Veränderungen im Bereich des Engagements und Ehrenamts herbeigeführt. Die DSEE sei auf
verschiedenen digitalen Kanälen aktiv und verzeichne eine kontinuierlich wachsende Außenwahrnehmung. Die
Stiftung reagiere auf Bedarfe ihrer Zielgruppen und leiste einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der
Engagement- und Ehrenamtsstrukturen in Deutschland. Die Evaluierung der DSEE-Angebote ergab eine positive
Bilanz im Hinblick auf die Sichtbarkeit und die Akzeptanz, jedoch sei die bisherige Reichweite im Verhältnis zu
potenziell erreichbaren Zielgruppen noch gering. Die DSEE fördere Digitalisierung und digitale Innovationen
und verfolge eine Strategie, begrenzte Ressourcen durch den Einsatz von Netzwerken effektiv einzusetzen.
Zum Evaluierungskriterium der Wirksamkeit bescheinigt der Evaluationsbericht eine weitgehende Erfüllung.
Betrachtet wurden dabei die Aspekte (1) Stärkung von Digitalisierung und digitalen Innovationen, (2) Stärkung
des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen Regionen sowie (3) die langfristige Stärkung von
Engagementstrukturen.
(1) Den Angeboten der DSEE zur Förderung von Digitalisierung und digitalen Innovationen wird über die
direkte Zielerreichung hinaus bescheinigt, dass sie mit einer klaren und zukunftsorientierten Wirkungslogik
verbunden sind. Positive Wirkungen zur Etablierung und Professionalisierung digitaler Arbeit durch Programme
wie „100xDigital“ oder „Gemeinsam wirken in Zeiten von Corona“ ließen sich auch konkret feststellen. Auch
werde ein Beitrag zu Vernetzung und Zusammenarbeit im digitalen Bereich geleistet.
(2) Mit Blick auf die Maßnahmen der DSEE zur Stärkung des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen
Räumen kommt der Evaluationsbericht zu dem Ergebnis, dass diese mit Innovationsfähigkeit passgenau auf die
spezifischen Anforderungen des Ehrenamts in diesen Regionen reagieren und damit zu dessen langfristiger und
nachhaltiger Stärkung beitragen. Zum einen würden Aufbau und Etablierung von ehrenamtlichen Aktivitäten
und Strukturen initiiert, zum anderen bestehende Strukturen nachhaltig unterstützt und ausgebaut.
(3) Die Angebote der DSEE leisteten einen starken Beitrag zur nachhaltigen Stärkung von
Ehrenamtsstrukturen. Sie seien so konzipiert, dass sie Organisationen und Strukturen des Ehrenamts konzentriert sowie zugleich
in der Breite unterstützten und auf nachhaltige Etablierung, Verstetigung und Professionalisierung ebenso
abzielten wie auf niedrigschwellige Einstiege ins Ehrenamt. Auch mit Blick auf die Stärkung von Resilienz des
bürgerschaftlichen Engagements – z. B. durch Unterstützung bei Nachwuchsgewinnung und -förderung- und
eine Professionalisierung der geförderten Initiativen sowie deren Vernetzung – kommt der Evaluationsbericht zu
einem positiven Ergebnis. Dabei zeige sich, dass in der DSEE „langfristige Förderung“ sowohl finanziell als
auch ideell verstanden wird. Hemmnisse werden zum Teil mit Blick auf die Zugänglichkeit von Angeboten der
DSEE für unterrepräsentierte Gruppen gesehen bzw. es wird angeregt genauer zu analysieren, in welchen
Bereichen entsprechende Hemmnisse bestehen.
Mit Blick auf das Kriterium der Kohärenz kommt der Evaluationsbericht ebenfalls zu einem insgesamt positiven
Ergebnis, das auf einer Bewertung der folgenden drei zentralen Aspekte beruht:
(1) Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen Diese erfolge regelmäßig
und werde durch die aktive Ansprache der Engagierten sowie der Strukturen durch die Stiftung gestärkt.
Allerdings berge die starke Präsenz der DSEE in der Engagement- und Ehrenamtslandschaft das Risiko, Sichtbarkeit
von (kleineren) Akteuren zu mindern.
(2) Die Vernetzungsarbeit der DSEE zeichne sich durch ihre Konstanz aus und wird als zentrale Stärke der
DSEE identifiziert. Weitere Potenziale für einen Ausbau von Netzwerken werden noch mit Blick auf die
Wirtschaft und die „bundespolitische Agenda“ gesehen. Zu Letzterem wird festgestellt, dass die DSEE bereits aktiv
Bedarfe und Anliegen von Akteuren der Engagement- und Ehrenamtspraxis in politische
Willensbildungsprozesse einbringe. Hier wird weiteres Potenzial für Rückkoppelungen von Freiwilligenbedarfen gesehen ebenso
wie bei der Vernetzung mit Kommunen und Ländern sowie der bundesweiten Stiftungslandschaft.
(3) Auch die Untersuchung der Alleinstellungsmerkmale und Schnittstellen der DSEE weisen laut
Evaluationsbericht auf eine positive Bewertung der Kohärenz der Arbeit der DSEE hin. Die Vertretung von drei
Ressorts der Bundesregierung im Stiftungsrat biete den Förderprogrammen und den sonstigen Stiftungsaktivitäten
ein hohes Maß an Sichtbarkeit. Gleichzeitig gelinge es der DSEE, die persönliche Verbindung zu den
Geförderten einerseits und den zentralen Institutionen der Engagement- und Ehrenamtslandschaft andererseits zu
pflegen.
b. Aufgaben der Stiftung gemäß § 3 Absatz 1 DSEE-G
Auf der Grundlage der Untersuchung der Evaluierungskriterien (Effektivität, Wirkungen und Kohärenz) kommt
der Evaluationsbericht auch mit Blick auf die in § 3 Absatz 1 DSEE-G definierten Aufgaben der Stiftung zu
einer insgesamt positiven Bewertung der Stiftungsarbeit (vgl. Kapitel 4 des Evaluationsberichts). Dazu wurde
die Umsetzung der nachstehend genannten sechs Aufgaben jeweils gesondert analysiert und diese in
unterschiedlicher Ausprägung als grundsätzlich erfüllt bewertet.
(1) Die Stiftung konzentriere sich bei ihren Service-Angeboten auf die drei Schwerpunkte Beratung,
Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb. Diese Angebote seien in allen drei Bereichen vielfältig und umfassend. Sie
erstrecken sich von der Fördermittel- und Fundraising-, Rechts- und Versicherungsberatung bis hin zu Bildungs-
und Qualifizierungsangeboten. Dabei stünde die Bedarfsorientierung im Mittelpunkt. Diese werde durch den
steten Austausch mit den Engagierten überprüft und angepasst. Allerdings konstatiert der Evaluationsbericht,
dass die Zugänglichkeit zu diesen Angeboten für marginalisierte und unterrepräsentierte Gruppen bislang nur
befriedigend sei.
(2) Die DSEE biete umfassende Informations- und Beratungsangebote, Förderprogramme und
Vernetzungsmöglichkeiten an, um die Organisations- und Prozessentwicklung zu fördern. Ein besonderer Fokus liege auf
der Digitalisierung, einschließlich der Unterstützung bei der Vermittlung von Kenntnissen und Kompetenzen
und der Ausstattung mit digitaler Infrastruktur.
(3) Mit Blick auf die Vernetzung von Bund, Ländern, Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kommt der
Evaluationsbericht zu einem sehr positiven Ergebnis. Die Stiftung informiere aktiv die Kommunen über ihre
Angebote, um lokale Ehrenamtsinitiativen zu erreichen und verweise auf Fördermöglichkeiten der
Ehrenamtsstiftungen auf Landesebene. Die DSEE sei auf Veranstaltungen präsent, um ihre Angebote sichtbar zu machen
und die Bedürfnisse der Ehrenamtlichen zu erfassen. Sie fungiere als Bindeglied zwischen der politischen und
der ehrenamtlichen Ebene und schaffe Anerkennung für die oft unsichtbare Arbeit des Ehrenamts. Die
Vernetzung mit der Wirtschaft erfolge bisher in geringem Umfang.
(4) Die Stiftung fördere Innovationen teilweise durch ihre eigenen innovativen Fördermaßnahmen, mit denen
sie auf neue Zielgruppen und Engagementformen und -praktiken abziele. Sie versuche, durch ein
niedrigschwelliges Angebot und Vernetzungsangebote innerhalb ihrer Förderprogramme Synergien zwischen den
Zuwendungsempfängern zu erreichen. Digitale Innovationen spielten im Angebot der Stiftung eine große Rolle.
(5) Die Stärkung von ehrenamtlichen Strukturen und Organisationen in strukturschwachen und ländlichen
Räumen spiele bei der DSEE eine entscheidende Rolle. Durch das Ineinandergreifen von verschiedenen
Maßnahmen leiste sie einen wichtigen Beitrag zur Strukturförderung. Ein besonderer Fokus liege auf der
Nachwuchsgewinnung und Mitgliederintegration sowie der digitalen Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements
im strukturschwachen und ländlichen Raum. Beides stärke die Resilienz und Nachhaltigkeit von Organisationen
und Strukturen.
(6) Auch im Bereich der Engagementforschung sei die Stiftung sehr aktiv. Die Ergebnisse der geförderten
Studien seien an eine breite Öffentlichkeit kommuniziert worden. Auch innerhalb der Stiftung hätten die
Forschungsergebnisse Eingang in die Arbeit der Stiftung gefunden. Eine stiftungsübergreifende Systematik zu
Förderung und Verwertung von Forschungsergebnissen liege allerdings nicht vor.
III. Schlussfolgerungen
1. Empfehlungen des Evaluationsberichts
Im Evaluationsbericht werden konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Stiftung gemacht, die sich
einerseits auf die Angebote und Maßnahmen der DSEE beziehen (a.) sowie andererseits Empfehlungen zur
Zusammenarbeit und Vernetzungsarbeit mit Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft beinhalten (b.). Die Vorschläge
werden nachfolgend zusammengefasst und aus Sicht der Bundesregierung kommentiert.
a. Weiterentwicklung der Angebote und Maßnahmen der DSEE
Die Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Angebote und Maßnahmen der DSEE sind eng verbunden mit
dem modularen Aufbau der Beratungs-, Qualifizierungs- und Förderangebote der Stiftung. Das Zusammenspiel
der verschiedenen Angebote und Aktivitäten wird als eine große Stärke der DSEE identifiziert, das konsequent
ausgebaut werden sollte.
aa. „Modularen“ Aufbau der Angebote ausbauen
Die Förderprogramme stünden nicht für sich alleine, sondern seien regelmäßig mit begleitenden Maßnahmen
verknüpft. So seien die Angebote und Maßnahmen der DSEE so aufeinander aufbauend konzipiert, dass eine
große Bandbreite an Engagierten profitieren könne – von Initiativen ohne formalisierte Struktur über kleine
Vereine und ehrenamtliche Netzwerke bis hin zu etablierten Akteuren der Engagement- und
Ehrenamtslandschaft.
Durch begleitende Beratungs- und Qualifizierungsangebote würden Antragsteller dazu motiviert, aufeinander
aufbauende und ggf. auch skalierbare Konzepte zu entwickeln und für weitergehende
Unterstützungsmöglichkeiten, seien es Fortbildungs- oder Förderangebote, sensibilisiert und so strukturell gestärkt werden. Dadurch
könnten sowohl etablierte als auch im Aufbau befindliche Akteure und Netzwerke erreicht werden. Der
Evaluationsbericht empfiehlt, diesen modularen Aufbau der Förder- und Qualifizierungsangebote unbedingt
beizubehalten und weiter zu stärken, um eine breite und nachhaltige Förderung zu gewährleisten.
Die Bundesregierung unterstützt die Auffassung, dass die breite Angebotspalette mit aufeinander aufbauenden
und ineinandergreifenden Maßnahmen eine große Stärke der DSEE darstellt. So wird gewährleistet, dass die
unterschiedlichsten Bedarfe von Engagierten adressiert werden können. Mit Stiftungsprogrammen wie z. B.
dem Mikroförderprogramm, „initiativ!“ oder „transform_D“ hat die Stiftung Bedarfe der Engagierten maßgeblich
ergänzt, die bislang nicht ausreichend von den zivilgesellschaftlichen und öffentlichen Ehrenamtsstrukturen
adressiert wurden. Dadurch leistet die Stiftung als Institution auf Bundesebene einen Mehrwert für die
Förderung und Stärkung von Engagement und Ehrenamt im Verbund der sektor- wie ebenenübergeifenden
Engagementstrukturen.
bb. Arbeitsroutinen entwickeln
Der Evaluationsbericht empfiehlt weiter, mit Blick auf die Kapazitäten der DSEE, insbesondere ihre personellen
Ressourcen, verstärkt Arbeitsroutinen aufzubauen. Auf der Basis einer Analyse der vorhandenen personellen
Ressourcen sowie einer realistischen Einschätzung des leistbaren Arbeitspensums solle ein jährliches
Basisprogramm an Förder- und Qualifizierungsangeboten etabliert werden, das bedarfs- und anlassbezogen um
Sonderprogramme ergänzt werden könne. Damit könne mehr Beständigkeit und Planbarkeit sowohl für die
Zielgruppen als auch für die Mitarbeitenden geschaffen werden. Die Maßnahmen des Basisprogramms sollten
überwiegend gleichbleibende Förderleitlinien, Veröffentlichungstermine und Fristen zur Antragstellung aufweisen. Dies
sei auch förderlich, um stiftungsintern Routinen aufzubauen und die Arbeitsbelastung zu reduzieren und
ermögliche insbesondere eine Entlastung der DSEE-Mitarbeitenden bei der Verwaltung der Förderprogramme. Die
bislang gezeigte Experimentierfreude und die Fähigkeit, schnell auf Krisen reagieren zu können, werden als
klare Stärke und Identität stiftendes Merkmal der DSEE wahrgenommen und sollten soweit möglich erhalten
und weiterhin über Sonderprogramme abgedeckt werden.
Hintergrund der Empfehlung ist die von der DSEE von Beginn an entwickelte große Dynamik in ihrer
Aufbauphase, die zudem durch die Corona-Pandemie sowie dem Fluchtgeschehen im Zusammenhang mit dem Krieg
Russlands gegen die Ukraine geprägt gewesen ist. Der vom Vorstand und allen Mitarbeitenden gezeigten
großen Motivation ist es zu verdanken, dass die damit verbundenen Herausforderungen und die hohe
Arbeitsbelastung nicht nur bewältigt wurden, sondern parallel zu Unterstützungsmaßnahmen der genannten Krisen auch die
zuvor genannte breite Angebotspalette konzipiert, auf- und umgesetzt werden konnte.
Die Bundesregierung begrüßt daher die Empfehlung, dass einer von hoher Dynamik geprägten Aufbauphase
nun eine Phase der Konsolidierung folgen sollte. Erste Schritte hierzu wurden bereits unternommen,
insbesondere bei der zeitlichen Planung der Förderprogramme. Dabei wurden und werden gleichzeitig die
Lernerfahrungen aus der Umsetzung der Programme und Maßnahmen berücksichtigt, insbesondere auch die
verwaltungsinternen Arbeitsabläufe der Stiftung betreffend.
cc. Reflexionsräume zur Weiterentwicklung von Angeboten und internen Prozessen
stärken
Eine weitere Empfehlung des Evaluationsberichts bezieht sich auf die systematische Nutzung des in der Stiftung
vorhandenen Wissens sowie der gesammelten Erfahrungen zur Weiterentwicklung von Angeboten und
Verbesserung interner Prozesse. Aufgrund des großen Programmportfolios seien in der DSEE eine Vielzahl von
Informationen vorhanden. Als lernende Organisation erhebe die DSEE routinemäßig Kennzahlen zur Nutzung ihrer
Angebote, werte diese aus und gebe regelmäßig Evaluierungen oder Befragungen zur Effektivität und
Wirksamkeit einzelner Angebote in Auftrag. Die Erkenntnisse aus diesen Auswertungen wurden in vielen Fällen zur
punktuellen Anpassung der jeweiligen Angebote genutzt. Um über diese maßnahmenbezogenen Auswertungen
hinaus Erkenntnisse zu gewinnen, empfiehlt der Evaluationsbericht, Reflexionsräume zu schaffen, um
bereichsübergreifende Bedarfe und Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren. Deshalb sollten innerhalb der DSEE
systematisch und regelmäßig bereichs- und stiftungsübergreifenden Reflexionsräume geschaffen werden, um die
vorhandenen Erkenntnisse aus internen Evaluierungen zu Förderprogrammen zu nutzen. Auch die systematische
Rückführung der Forschungsergebnisse könne in einem solchen Reflexionsprozess berücksichtigt werden, um
so Engagementförderung und Forschung auch stiftungsintern noch stärker miteinander zu verknüpfen. Dies
könne dazu beitragen, die vorhandenen Service – und Förderangebote noch weiter zu verbessern und ggf.
passgenaue neue Lösungen zu entwickeln. Hierfür brauche es etablierte regelmäßige (beispielsweise halbjährliche)
Formate und Zeit.
Die Bundesregierung stimmt zu, dass eine konsequente Nutzung der im Rahmen der Arbeit und Forschung
gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen von überragender Bedeutung für Substanz und Qualität der Arbeit der
Stiftung und ihrer Weiterentwicklung ist. Auch für die Mitarbeitendenmotivation ist es wichtig, Möglichkeiten
zu bieten, Erfahrungen auszutauschen und zurück zu koppeln und so gemeinsam Verbesserungspotenziale zu
identifizieren und zu heben. Damit dies bestmöglich gelingen kann, sollen Mitarbeitende sich bedarfsorientiert
fortbilden können. Die hierfür notwendigen Maßnahmen liegen in der internen Zuständigkeit der Stiftung. Die
Bundesregierung nimmt die Bereitschaft und Fähigkeit der DSEE, sich als lernende Organisation zu begreifen
und entsprechend zu handeln, bereits jetzt als stark ausgeprägt wahr. Beispielsweise sind Anpassungen im
Zuschnitt der Abteilungen bzw. einzelner Arbeitsbereiche in den vergangenen Jahren Ausdruck davon, sich aus
den Tätigkeiten ergebende Erkenntnisse und Synergien bestmöglich zu nutzen. Auch abteilungsübergreifend
bestehen Formate, die einen entsprechenden Austausch ermöglichen.
Von großer Bedeutung für die Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen sind für die Bundesregierung die
Erfahrungen der Stiftung aus der Förder- und Beratungspraxis der DSEE, insbesondere die profunden
Kenntnisse der Mitarbeitenden der Stiftung aus den unmittelbaren Kontakten mit Engagierten zu deren als
engagementhemmend erlebten Erfahrungen. Die Bundesregierung wird den Informationsaustausch mit der DSEE
diesbezüglich weiter intensivieren, um daraus resultierende Hinweise für die Weiterentwicklung eines
engagementfreundlichen rechtlichen Rahmens berücksichtigen zu können.
b. Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Zielgruppen der DSEE
Weitere Empfehlungen des Evaluationsberichts nehmen die Zusammenarbeit und Vernetzung mit den
Zielgruppen der DSEE in den Blick.
aa. Zugänglichkeit auf-, Barrieren abbauen
Mit Blick auf die Adressaten der Angebote der Stiftung identifiziert der Bericht Zugangsbeschränkungen mit
Blick auf unterrepräsentierte (insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte) und marginalisierte Gruppen.
Der DSEE wird ein gesteigertes Problembewusstsein zur Ansprache und Einbeziehung marginalisierter und
unterrepräsentierter Gruppen attestiert. Gleichzeitig wird empfohlen, ihre Angebote hinsichtlich der
Zugänglichkeit zu prüfen und entsprechend der Analyse Zugangsbarrieren für diese Gruppen weiter abzubauen. Dies
sei auch vor dem Hintergrund geboten, dass in diesen Gruppen ein großes Potential für ehrenamtliche Tätigkeit
bestehe. Dazu seien ggf. die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen bereitzustellen, um die
identifizierten Barrieren kommunikativ, inhaltlich und gestalterisch – z. B. durch aktive Ansprache, aufsuchende
Arbeit, Maßnahmen zur Barrierefreiheit oder Mehrsprachigkeit der Angebote und Webseite – zu reduzieren.
Entsprechend der Analyse und den Empfehlungen des 4. Engagementberichts zu Zugangschancen zum
freiwilligen Engagement teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass alle Angebote der DSEE zur Förderung und
Stärkung des Engagements möglichst inklusiv und barrierefrei gestaltet werden sollen. Weitergehend sollte
geprüft werden, ob gezielt Angebote und Maßnahmen der DSEE konzipiert werden können, die direkt auf eine
Unterstützung der Zugangschancen unterrepräsentierter Gruppen zum freiwilligen Engagement abzielen.
Der Evaluationsbericht spricht weitere Empfehlungen zur Zusammenarbeit und Vernetzung in Richtung Politik
und Wirtschaft aus. Die Breite und Intensität der Netzwerkarbeit der DSEE insgesamt wird dabei zunächst
äußerst positiv bewertet. Die Bundesregierung teilt die Auffassung und begrüßt, dass die DSEE starke Netzwerke
zu politischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren geknüpft hat.
bb. Ressortübergreifende Zusammenarbeit weiter ausbauen
Empfohlen wird, einen Ausbau der Zusammenarbeit mit weiteren Ressorts als den Gründungsressorts
(BMBFSFJ, BMI und BMEL) zu prüfen, da sich die Scharnier- und Schnittstellenfunktion der DSEE als
besondere Stärke herausgestellt habe. Denkbar seien z. B. gemeinsam mit Ressorts getragene und durchgeführte
Förderprogramme oder Fonds. Dadurch könnten die Ressourcen, die Erfahrungen, das Wissen sowie die
unterschiedlichen Kompetenzen zusammengeführt und besondere Förderungs- und Wirkungseffekte erzielt werden.
Eine Zusammenarbeit der DSEE erfolgt bereits seit 2023 mit dem Beauftragten der Bundesregierung für
Ostdeutschland zur Durchführung des Wettbewerbs „machen!“, sowie mit dem BMZ zur Durchführung eines
Pilotvorhabens zur Engagementförderung in der entwicklungspolitischen Bildung. Die Bundesregierung sieht die
Chancen, die mit einer Nutzung der Kompetenzen der DSEE durch weitere Ressorts neben den
Gründungsressorts und Institutionen der Bundesregierung verbunden sind. Insbesondere könnten die Förderung und Stärkung
des Engagements auf weitere Themenfelder und Zielgruppen ausgeweitet werden, entsprechend der
Kooperation mit dem BMZ. Im Einzelfall ist vom Stiftungsrat zu prüfen, inwieweit mit einer Zusammenarbeit mit
weiteren Ressorts der Bundesregierung Synergien und Wirkungen im Sinne der Stiftungszwecke erzielt werden
können. Dabei ist jeweils zu prüfen, ob derartige Projekte der Zusammenarbeit durch das Stammpersonal der DSEE
abgedeckt werden können, oder, wie auch der Evaluationsbericht anmerkt, mit ergänzenden
Projektpersonalmitteln unterlegt werden müssten. Zudem dürften zusätzliche Aktivitäten nicht zu Lasten der aus dem Kernhaushalt
finanzierten Programme gehen und sich in den angestrebten stärkeren modularen Aufbau der Programme
einfügen.
cc. Kooperationsmöglichkeiten mit der Wirtschaft prüfen
Schließlich wird ein Ausbau der Kooperationen mit der Wirtschaft empfohlen. Die DSEE solle die bereits
vorhandenen Netzwerke mit Akteuren aus der Wirtschaft noch weiter verstetigen und stärken, um zusätzliche
Ressourcen für die Strukturentwicklung in Engagement und Ehrenamt zu mobilisieren. Konkret wird eine Prüfung
angeregt, ob im Stiftungsrat auch ein Vertreter eines Wirtschaftsverbandes aufgenommen werden sollte. Auch
gemeinsam getragene und durchgeführte Förderprogramme oder Fonds in zusätzlicher Kooperation mit
wirtschaftlichen Akteuren seien denkbar.
Die Bundesregierung teilt die Auffassung, dass die Stiftung die durch das Errichtungsgesetz eröffnete
Möglichkeit, Mittel Dritter einzuwerben, auch in Bezug auf Akteure der Wirtschaft im Rahmen der rechtlichen
Vorgaben und der zuvor in Bezug auf die Kooperationen mit staatlichen Akteuren genannten Maßgaben (Leistbarkeit,
Ressourceneffizienz und Einfügung in die Strukturen der DSEE) grundsätzlich nutzen sollte. Punktuell erfolgt
eine Kooperation mit Unternehmen bereits; auch beispielsweise in Vorhaben zur Etablierung und Koordination
von Pro-bono-Engagement oder zur ergänzenden Finanzierung geplanter Maßnahmen des Arbeitsprogramms.
Aus Sicht der Bundesregierung müssen solche Kooperationen jeweils mit einem klaren Mehrwert mit Blick auf
die Förderung und Stärkung von Engagement und Ehrenamt verbunden sein. Dieser wird beispielsweise dann
erreicht, wenn es im Zuge einer Umsetzung durch die DSEE zu einer Hebelwirkung kommt, die ohne die
Kooperation nicht möglich wäre. Die Bundesregierung ist sich bewusst, dass die DSEE mit Blick auf finanzielle
Zuwendungen Dritter, insbesondere auch aus der Wirtschaft, in Konkurrenz zu anderen Organisationen des
Engagementsektors tritt. Der Stiftungsrat hat die DSEE beauftragt, zeitnah ein Konzept zur Kooperation mit
privaten Dritten zu erarbeiten und in den Stiftungsrat einzubringen.
Die Bundesregierung wird die im Evaluierungsbericht vorgeschlagene stärkere Einbindung und Nutzung von
wirtschaftlichem Sachverstand in die Arbeit der Stiftung und insbesondere des Stiftungsrates prüfen. In einem
ersten Schritt wird die Bundesregierung das Thema Vernetzung mit der Wirtschaft im Rahmen der
Neukonzipierung der Fachbeiräte durch die DSEE aufgreifen. Geplant ist, ein Konzept zur Neuaufstellung der
Fachbeiräte ab 2027 zeitnah den Stiftungsrat einzubringen (siehe auch unten Ziffer III. 2. b. Nummer 4).
2. Fazit der Bundesregierung
a. Zusammenfassende Bewertung auf der Grundlage des Evaluationsberichts
Auf Grundlage des Evaluationsberichts zieht die Bundesregierung ein insgesamt sehr positives Fazit mit Blick
auf die durch die im Errichtungsgesetz erfolgte Konzeption einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene zur
Stärkung des bürgerlichen Engagements und des Ehrenamts, sowie deren konkreten Umsetzung. Dies spiegelt
sich insbesondere auch in der Ende 2024 verabschiedeten Engagementstrategie des Bundes wider, in der sich
die damalige Bundesregierung dazu bekennt, die DSEE als zentrale Anlaufstelle für Engagierte auf
Bundesebene weiter zu etablieren. Dazu werden der DSEE eine Reihe konkreter umsetzungsrelevanter Aufgaben
zugeschrieben. Aus Sicht der Bundesregierung schafft die DSEE mit ihrer Arbeit einen großen Mehrwert mit Blick
auf die Förderung von Engagement und Ehrenamt in Deutschland mit besonderem Fokus auf die
strukturschwachen und ländlichen Räume. Die Errichtung einer Anlaufstelle auf Bundesebene zur Förderung von Engagement
und Ehrenamt hat sich aus Sicht der Bundesregierung bewährt. Dies betrifft die Errichtung als unabhängige
Stiftung des öffentlichen Rechts, die Einbindung relevanter Stakeholder im Rahmen des Stiftungsrates, die
Einrichtung von Fachbeiräten wie auch das breite Aufgabenspektrum.
Durch die Gründung einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene haben Engagement und Ehrenamt an
Sichtbarkeit und Profil gewonnen, was wiederum dazu beiträgt, ein stärkeres Bewusstsein und eine höhere
Wertschätzung für Engagement und Ehrenamt zu fördern.
Indem die DSEE Multiplikatoreneffekte fördert und zum Ausbau der Kooperationen in der
Engagementlandschaft beiträgt, stärkt sie den gesamten Engagement- und Ehrenamtssektor.
Im Vorfeld der Verhandlungen über das Errichtungsgesetz ab 2018 gab es in der Bundesregierung, aber auch
innerhalb der Zivilgesellschaft, eine Debatte ob eine mögliche Institution auf Bundesebene vorrangig im Sinne
einer Servicestelle Fragen der Engagierten beantworten oder die Bedarfe der rund 29 Millionen Engagierten
auch mit finanziellen Förderungen adressieren solle. Im Nachgang erweist sich der im parlamentarischen
Verfahren gefundene Kompromiss, welcher in der Vielfalt der in § 3 des Errichtungsgesetzes genannten Aufgaben
der DSEE gemündet ist, als ein großer Vorteil. Es hat sich für die Wirkmacht der Stiftung als richtig erwiesen,
dass die DSEE auf dieser gesetzlichen Grundlage in der Folge ein breites Portfolio konzipiert hat und stetig
fortentwickelt, das in einer Mischung aus Förderprogrammen und Service-, Beratungs- und
Qualifizierungsangeboten besteht. Zugleich ist diese Aufgaben- und Angebotsvielfalt sehr wichtig für den Bekanntheitsgrad und
die Akzeptanz der Stiftung. Dazu kommt, dass die DSEE dadurch weitreichende Kompetenzen mit Blick auf
eine Vielzahl von relevanten Aspekten zur Förderung von Engagement und Ehrenamt entwickeln,
Unterstützungsbedarfe und seine Entwicklungen erkennen und ihre Angebote entsprechend ausrichten kann. Zudem kann
die DSEE durch den konstanten Austausch mit den relevanten Akteuren in der Zivilgesellschaft und den
verschiedenen Ebenen der Politik eine produktive Doppelrolle auf der Mikro- und Makroebene spielen.
Die Ausgestaltung als unabhängige Stiftung des öffentlichen Rechts ermöglicht es ihr dabei auch, eine
Vermittlerrolle zwischen Politik und Verwaltung einerseits und Zivilgesellschaft andererseits einzunehmen. Es gelingt
der Stiftung, diese Rolle zum beidseitigen Nutzen erfolgreich auszufüllen.
Diese Doppelrolle erfordert ein hohes Maß an Kommunikations- und Vernetzungsarbeit seitens der Vorstände
wie auch der Mitarbeitenden der Stiftung auf der Grundlage eines Verständnisses der Mittlerrolle, die der DSEE
im Geflecht der Engagementstrukturen von Zivilgesellschaft, Bund, Ländern, Kommunen aber auch der
Wirtschaft zufällt. Nach Einschätzung der Bundesregierung hat die DSEE von Beginn an ihrer bislang fünfjährigen
Tätigkeit ein solches Verständnis gezeigt und diese Mittlerrolle stetig weiterentwickelt. Die Bundesregierung
verkennt dabei nicht die mit einer starken Präsenz der DSEE in der Engagement - und Ehrenamtslandschaft
verbundenen Risiken. Die Vertretungen der Bundesregierung tragen diesen im Rahmen ihrer Mitwirkung in
stiftungsbegleitenden Kontexten Rechnung.
Die DSEE hat in kürzester Zeit einen genuinen Platz in der Akteurslandschaft der Engagementstrukturen
gefunden. Eine intensive Zusammenarbeit der DSEE mit bereits zuvor und weiterhin bestehenden Engagement- und
Ehrenamtsstrukturen erfolgt durch eine Vielzahl von Kooperationen. Dabei tritt die DSEE meist als
unterstützendes Gegenüber, Fazilitator oder Katalysator von Prozessen in Erscheinung. Gleichzeitig steht sie durch ihre
Service-, Beratungs- und Förderangebote im individuellen Austausch mit Ehrenamtlichen und Engagierten. Die
regelmäßig hohen Teilnehmendenzahlen sowohl in Präsenzterminen als auch in digitalen Veranstaltungen der
DSEE bestätigen die große Nachfrage und das Interesse an derartigen Formaten. Es gelingt der DSEE, die
persönliche Verbindung zu den Geförderten einerseits und den zentralen (Förder-)Institutionen der Engagement-
und Ehrenamtslandschaft andererseits aufrechtzuhalten. Die DSEE wird dadurch in die Lage versetzt, zwischen
den engagierten Bürgerinnen und Bürgern und den politischen Entscheidungsträgern auf Bundes- und teilweise
auch auf Landes- und kommunaler Ebene zu vermitteln. Die DSEE stellt insgesamt den Vernetzungsaspekt in
den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Evaluierung bescheinigt der formellen wie informellen Vernetzungsarbeit der
DSEE große Konstanz. Sie wird als eine zentrale Stärke der DSEE identifiziert. Die gute, adressatenbezogene
Kommunikationsarbeit stellt dafür die notwendige Grundlage dar. Einen verstärkenden Effekt hat darüber hinaus
die Arbeit des Stiftungsrates dessen Mitglieder als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in Bund, Ländern,
Kommunen und der Zivilgesellschaft wirken.
Die Evaluierung durch die Syspons GmbH hat herausgearbeitet, dass die Stiftung ihren gesetzlichen Auftrag
erfüllt. Die in § 3 Absatz 1 DSEE-Gesetz genannten Aufgaben bilden einen geeigneten Rahmen, damit die
Stiftung ihren Stiftungszweck auch zukünftig erfüllen kann mit dem Ziel das bürgerschaftliche und ehrenamtliche
Engagement in Deutschland, insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen weiter zu stärken.
Gleichwohl werden aus Sicht der Bundesregierung Potenziale zur Weiterentwicklung der Arbeit der DSEE
sichtbar. Im Folgenden werden Schlussfolgerungen gezogen, von denen sich die im Stiftungsrat vertretenen
Ressorts der Bundesregierung in ihrer zukünftigen Arbeit im Stiftungsrat leiten lassen werden.
b. Schlussfolgerungen zur Weiterführung der Arbeit der DSEE
Im Kontext der gesetzlich vorgesehenen Evaluierung der DSEE, die auch Weiterentwicklungsvorschläge für die
Stiftung enthalten soll, geht es im Folgenden nicht darum, haushalterisch wirksame Aussagen zu treffen,
sondern wünschenswerte inhaltliche Entwicklungen zu skizzieren, ohne dass es bereits um finanzielle
Implikationen ginge.
Anknüpfend an die im Evaluationsbericht beschriebenen und im vorigen Abschnitt bewerteten Erkenntnisse und
Stärken der DSEE sieht die Bundesregierung in den folgenden Bereichen noch weiteres Potenzial zur
Weiterentwicklung der Arbeit der Stiftung im Rahmen des gesetzlichen Auftrages. Die zuvor genannten Empfehlungen
werden hierbei teilweise aufgegriffen. Ziel ist es, den größtmöglichen Mehrwert für die Förderung und Stärkung
von Engagement und Ehrenamt zu generieren, der mit der Einrichtung einer Anlaufstelle auf Bundesebene
verbunden ist.
Vorangestellt würdigt die Bundesregierung die in den fünf Jahren ihres Bestehens erfolgreiche und breite
Vernetzung der DSEE mit zahlreichen Akteuren der Zivilgesellschaft auf Bundes-, Landes- und kommunaler
Ebene. Dies weiter auszubauen wird auch in Zukunft eine große Stärke der DSEE bilden.
(1) Bearbeitung von Querschnittsthemen zur Entlastung von Unterstützungsstrukturen insbesondere in
Ländern und Kommunen („Wissensorganisation“)
Bereits jetzt stellen die Bereitstellung von Informationen und Beratungsangebote eine wichtige Säule der Arbeit
der DSEE dar.
Aus Sicht der Bundesregierung ist es wünschenswert, die Beratungs- und Informationsangebote der Stiftung
unter Berücksichtigung der bestehenden Angebote und in Zusammenarbeit mit der Vielzahl an Akteuren der
Engagementförderung weiter auszubauen. Dabei gilt es Informationen zusammenzutragen und zu bündeln und,
wo nötig, vorhandenes Wissen benutzerfreundlich, und in geeigneter Form einer Vielzahl von Engagierten wie
auch anderen Anlaufstellenleichter zugänglich zu machen. Die Stiftung kann dabei ihre bereits bestehende
Expertise in den Bereichen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz gezielt ausbauen und auch auf bereits
bestehende und geeignete Informationsangebote verweisen. Ziel ist es, die DSEE als bundesweite zentrale
Anlaufstelle auch als Referenz für aktuelle und qualitätsgesicherte Informationen weiter zu etablieren, insbesondere
mit Blick auf rechtliche Fragestellungen z. B. bezüglich des Vereinsrechts, des Haftungs- oder des
Zuwendungsrechts ebenso wie zu praktischen Fragen wie z. B. der (rechts)sicheren und erfolgreichen Organisation von
Veranstaltungen. Auf diesem Weg könnten Synergien der Arbeit von Verbänden, Ehrenamtsagenturen,
Ehrenamtsstiftungen und anderen Engagementstrukturen, insbesondere von Ländern und Kommunen, stärker genutzt
und sie so besser unterstützt werden.
(2) Intensivierung des Austauschs mit Unterstützungsstrukturen des Engagements
Um die zuvor genannten Synergiepotenziale zu identifizieren und zu heben, ist ein noch intensiverer und
systematischer Austausch mit zivilgesellschaftlichen und öffentlich- rechtlich organisierten Anlaufstellen zur
Unterstützung und Beratung von Engagierten sinnvoll. Auch eine weitere Verzahnung mit Programmen und
Maßnahmen anderer Unterstützungsstrukturen erscheint zielführend. In Gesprächen der DSEE mit den Ländern
werden Optionen für eine gezieltere Zusammenarbeit identifiziert, wie sie z. B. bereits zum Teil praktiziert
wird.
Die Bundesregierung wird diesen Prozess unterstützen und wie bereits in der Engagementstrategie des
Bundes vorgesehen, die Zusammenarbeit sowohl zwischen Bund und Ländern als auch zwischen Bund und
Kommunen unter Mitwirkung der DSEE und der kommunalen Spitzenverbände ausbauen und Synergien
identifizieren. Dazu wird u. a. die Bund-Länder-Kommunen-Runde „Bürgerschaftliches Engagement“ genutzt werden,
in der die DSEE bereits mitwirkt. Auch mit Blick auf zivilgesellschaftliche Akteure wird eine
Intensivierung der Zusammenarbeit etwa innerhalb der Fachbeiräte aber auch in anderen geeigneten Formaten
angestrebt.
(3) Fokussierung der Angebote
Die DSEE leistet mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln einen wertvollen Beitrag zur Stärkung und
Förderung von Engagement und Ehrenamt. Im Sinne einer effizienten Mittelverwendung sollte fortlaufend geprüft
werden, ob diese noch gezielter für Maßnahmen und Programme eingesetzt werden können, mit denen
Personenkreise, Initiativen, Organisationen und Strukturen oder Regionen erreicht werden, die aus strukturellen
Gründen einer besonderen Förderung bedürfen. Die Angebote der DSEE sind bereits gut auf strukturschwache
und ländliche Räume ausgerichtet. Diese Ausrichtung sollte stetig weiterentwickelt werden. Darüber hinaus
sollten auch Gruppen, für die der 4. Engagementbericht der Bundesregierung besondere Schwellen im Zugang
zu Engagement und Ehrenamt identifiziert hat, stärker in den Blick genommen werden, um das damit
verbundene Potenzial für ehrenamtliches Engagement wie auch für die damit verbundene gesellschaftliche Teilhabe zu
heben.
(4) Entwicklung eines strategischen Ansatzes zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
Neben der Prüfung der Einbeziehung von Vertretern aus der Wirtschaft in die Arbeit der Fachbeiräte durch die
Stiftung sieht die Bundesregierung entsprechend der Ausführungen oben (III. 1. b) weiteres Potenzial, durch
Zusammenarbeit mit Unternehmen freiwilliges Engagement zu aktivieren und zu fördern und dadurch einen
langfristigen Beitrag zu seiner Stärkung zu leisten. Über konkrete Formen der Zusammenarbeit der DSEE mit
Wirtschaftsunternehmen hinaus kann ein strategischer Ansatz aus Sicht der Bundesregierung dazu beitragen,
neue Formen der Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Organisationen oder auf Engagement beruhenden
Initiativen, und Unternehmen, sowie ggf. öffentlichen Verwaltungen zu initiieren, zu unterstützen oder zu
skalieren.
(5) Stärkung als Schnittstelle zwischen Politik und Engagement
Die Stiftung hat auch eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Zivilgesellschaft und der Politik inne. Sie
verfügt aus ihrer Arbeit über fundierte und detaillierte Kenntnisse zu rechtlichen, administrativen und praktischen
Problemen, die mit der Ausübung von Engagement und Ehrenamt verbunden sind. Über eine besondere
Expertise verfügt die DSEE in den Bereichen Organisationsentwicklung und Digitalisierung im Engagement sowie in
der Übersetzung von Vereinfachungs- und Bürokratieabbaubedarfen aus der Praxis. Die Bundesregierung sieht
das darin liegende Potenzial und möchte es zukünftig noch gezielter nutzen, damit die entsprechenden Bedarfe
und Anliegen von Akteuren der Engagement- und Ehrenamtspraxis berücksichtigt werden. Dies könnte z. B. die
Konzeption von Förderprogrammen, den Abbau bürokratischer Hemmnisse oder die Nutzung Künstlicher
Intelligenz auch durch die Verbreitung bereits erprobter Ansätze betreffen. Dazu kann u. a. auf Stellungnahmen
zurückgegriffen werden, die in den Fachbeiräten des Stiftungsrates und in der Zivilgesellschaft erarbeitet
werden. Die Bundesregierung wird sich künftig insbesondere verstärkt für den Bürokratieabbau zugunsten des
ehrenamtlichen Engagements einsetzen.
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D E U T S C H E S T I F T U N G F Ü R E N G A G E M E N T U N D E H R E N A M T ( D S E E )
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN
WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR
ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN
STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND
EHRENAMT
Evaluationsbericht
1 1 . 1 2 . 2 0 2 4
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 15 –
IV. Anlage
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U N S E R K O N T A K T
Syspons GmbH
Prinzenstraße 85d
10969 Berlin
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© Syspons. All rights reserved.
Dr. Christoph Emminghaus
Geschäftsführer
T: + 49 151 | 2646 0482
E: christoph.emminghaus@syspons.com
Dr. Anna Stegmann
Senior Consultant
T: + 49 151 | 2646 0201
E: anna.stegmann@syspons.com
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 16 –
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I N H A L T
A EXECUTIVE SUMMARY 4
B EVALUATIONSBERICHT 9
1 EINLEITUNG 10
1.1 Hintergrund der Evaluation 10
1.2 Evaluationsgegenstand: Die DSEE 10
1.3 Zielsetzung und zentrale Fragestellungen der Evaluation 11
2 METHODIK DER EVALUATION 13
2.1 Evaluationsdesign 13
2.2 Methodische Vorgehensweise 14
3 ERGEBNISSE DER EVALUATION 17
3.1 Kohärenz 17
3.1.1 Zusammenarbeit mit Engagement- und Ehrenamtsstrukturen 17
3.1.2 Vernetzungsarbeit der DSEE 19
3.1.3 Alleinstellungsmerkmale und Schnittstellen zu anderen Förder-
und Engagementstrukturen 21
3.2 Effektivität 22
3.2.1 Sichtbarkeit und Akzeptanz der Angebote der DSEE 23
3.2.2 Förderung des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen
Regionen 27
3.2.3 Förderung von Digitalisierung und digitalen Innovationen 31
3.2.4 Einbindung der Engagementforschung und Berichte der
Fachbeiräte in die Entwicklung der Angebote der DSEE 32
3.2.5 Herausforderungen bei der Angebotsdurchführung 34
3.2.6 Lernerfahrungen der DSEE aus den Krisen 37
3.3 Wirkungen 39
3.3.1 Stärkung des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen
Regionen 39
3.3.2 Stärkung von Digitalisierung und digitalen Innovationen 41
3.3.3 Langfristige Stärkung von Ehrenamtsstrukturen 43
3.3.4 Maßnahmen zur Steigerung der Stärkungseffekte 46
4 BEWERTUNG DER ERGEBNISSE 48
5 EMPFEHLUNGEN FÜR DIE WEITERENTWICKLUNG DER
STIFTUNG 52
6 ANHANG 55
6.1 Quellenverzeichnis 55
6.2 Wirkungsmodell der Tätigkeiten der DSEE 57
6.3 Analyseraster 58
6.4 Interviewleitfäden 75
6.4.1 Interviewleitfaden DSEE-Vorstand 75
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 17 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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6.4.2 Interviewleitfaden Programmleitungen und Mitarbeiter:innen
der DSEE 77
6.4.3 Interviewleitfaden Mitglieder des Stiftungsrats 79
6.4.4 Leitfaden Fokusgruppen 80
6.5 Weitere Tabellen 82
A B B I L D U N G E N
Abbildung 1: Zielsetzung der DSEE 11
Abbildung 2: Übersicht der Evaluationsfragen 12
Abbildung 3: Evaluationsdesign in drei Phasen 13
Abbildung 4: Übersicht zur Anzahl der Beratungen im Jahresvergleich 2021
bis 2024 26
Abbildung 5: Jahresvergleich Fördersumme der geförderten Anträge nach
Raumkategorien (Kategorisierung nach Thünen) 29
Abbildung 6: Jahresvergleich durchschnittliche Förderhöhe geförderter
Anträge nach Raumkategorien (Kategorisierung nach Thünen) 29
T A B E L L E N
Tabelle 1: Übersicht der interviewten Personen 16
Tabelle 2: Jahresvergleich Anzahl der eingegangenen und der geförderten
Anträge (gesamt) 24
Tabelle 3: Übersicht des Förderangebots der DSEE im Jahresverlauf und
nach Themenschwerpunkten gemäß der Förderleitlinien 25
Tabelle 4: Übersicht der Zielsetzungen zur Stärkung der strukturschwachen
und ländlichen Regionen in den Arbeitsprogrammen der DSEE 82
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 18 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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EXECUTIVE
SUMMARY
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 19 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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Einleitung
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) wurde 2020 gegründet, um
bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt, insbesondere in strukturschwachen und ländlichen
Regionen, zu stärken. Der Zweck der vorliegenden Evaluation ergibt sich aus § 13 des
Errichtungsgesetzes. Die Bundesregierung ist verpflichtet, dem Deutschen Bundestag innerhalb von fünf
Jahren nach Inkrafttreten des Errichtungsgesetzes zur Stiftung über die durch dieses Gesetz erzielten
Wirkungen in Bezug auf die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts durch die
Errichtung einer zentralen Anlaufstelle auf Bundesebene zu berichten.
Konkret verfolgt die Evaluation eine doppelte Zielsetzung: Erstens, die Wirkungen der DSEE in Bezug auf
die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und Ehrenamts aufzuzeigen (summativ) und zweitens,
basierend auf den Evaluationsergebnissen konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung der DSEE
abzuleiten (formativ). Im Fokus der Untersuchung stehen dabei die Evaluationskriterien Effektivität
(Inwiefern erreicht die DSEE ihre Ziele?) und Wirkung (Welche Veränderungen wurden durch die
Maßnahmen der DSEE bewirkt?). Aus dem Errichtungsgesetz der DSEE in § 3, Abs. 2 leitet sich zudem ein
dritter Schwerpunkt zu dem Evaluationskriterium Kohärenz ab (Wie gut passen sich die Maßnahmen der
DSEE zu den bereits existierenden Angeboten anderer Akteure und den bestehenden Engagement- und
Ehrenamtsstrukturen ein?). Die Durchführung der Evaluation erfolgte von Mai bis August 2024.
Methodik der Evaluation
Die Evaluation basiert auf einem theoriebasierten Ansatz der Kontributionsanalyse und umfasst drei
Phasen: Auftakt, Datenerhebung und -auswertung sowie Synthese und Bericht. Zur Überprüfung der
Kohärenz, Effektivität und Wirkungen der Maßnahmen der DSEE wurde ein Mixed-Methods-Ansatz
gewählt. Hierzu wurden sowohl Sekundärdaten ausgewertet als auch Primärdaten erhoben. Die
Datenquellen umfassen Dokumentenanalyse, Auswertungen von Rohdaten zur Förderung und Service-
Angeboten, Interviews mit DSEE-Mitarbeitenden, -Vorständen und Stiftungsratsmitgliedern sowie
Fokusgruppengespräche mit Zuwendungsempfänger:innen. Im Verlauf der Evaluation wurden die Daten
in regelmäßigen Abständen miteinander verglichen und in einem finalen Synthesetermin trianguliert.
Dieses Vorgehen ermöglichte es, in einem knappen Evaluationszeitraum größtmögliche Aufschlüsse über
langfristige Veränderungen (Wirkungen) durch die Stiftungsaktivitäten in der Engagementlandschaft zu
gewinnen.
Zentrale Ergebnisse
Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse zu den drei Evaluationskriterien Kohärenz, Effektivität und
Wirkungen dargelegt. Die übergeordnete Bewertung der Kriterien erfolgt dabei stets auf Grundlage der
Gesamtbetrachtung der im Analyseraster zugeordneten Indikatoren und Deskriptoren zur Beurteilung
der relevanten Evaluationsfragen.
Kohärenz
Insgesamt wird das Evaluationskriterium der Kohärenz überwiegend erfüllt. Demnach lässt sich die
Passgenauigkeit der Stiftungsaktivitäten in Bezug auf die bestehenden Engagement- und
Ehrenamtsstrukturen anhand der vorliegenden Daten als überwiegend positiv bewerten. Die
Zusammenarbeit der DSEE mit bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen erfolgt regelmäßig
und wird durch persönliche Interaktionen zwischen den Mitarbeiter:innen und den Engagierten gestärkt.
Auch die Vernetzungsarbeit der DSEE ist konstant und wird als zentrale Stärke identifiziert. Die
professionelle Vernetzung wird durch die Hintergründe der Stiftungsratsmitglieder in diversen
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EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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Verbänden und Netzwerken der Ehrenamts- und Engagementlandschaft sowie Ministerien auf Bundes-,
Landes- und kommunaler Ebene gefördert.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der DSEE ist ihre Anbindung an drei Bundesministerien (BMFSFJ,
BMI und BMEL), was den Förderprogrammen und den Stiftungsaktivitäten zusätzliche Sichtbarkeit
verleiht. Der Sitz der DSEE in Ostdeutschland, im ländlichen Raum, bietet nicht nur Symbolcharakter,
sondern dient auch als Vernetzungsmöglichkeit mit den zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Region
und ländlichen Räumen. Die DSEE gelingt es, die persönliche Verbindung zu den Geförderten und den
zentralen (Förder-)Institutionen der Engagement- und Ehrenamtslandschaft aufrechtzuerhalten.
Dennoch birgt die starke Präsenz der DSEE in der Engagement- und Ehrenamtslandschaft das Risiko,
Sichtbarkeit gegenüber kleineren Akteuren zu mindern. Zudem werden Potenziale für den weiteren
Ausbau von Netzwerken sichtbar – insbesondere mit Blick auf die Wirtschaft und die bundespolitische
Agenda.
Effektivität
Das Evaluationskriterium der Effektivität wird insgesamt als überwiegend erfüllt eingestuft. Die
Effektivität der Maßnahmen zeigt sich vor allem in der seit Gründung der Stiftung kontinuierlich
steigenden Sichtbarkeit und Akzeptanz der Service-Angebote (u. a. Beratungen zu Versicherungen,
juristischen Fragestellungen oder Fördermitteln, Weiterbildungs- und Qualifikationsangebote,
Telefonhotline).
Die DSEE ist als Organisation sowohl inhaltlich als auch strategisch auf die Stärkung ländlicher und
strukturschwacher Räume ausgelegt. Im Stiftungsalltag lässt sich dieser Schwerpunkt konkret an einer
Vielzahl an Faktoren festmachen, ausgehend von der Wahl ihres Standortes, über die
Förderbedingungen der Förderprogramme bis hin zu strategischen Zielsetzungen und Netzwerken der
Stiftung. Gleichzeitig werden hinsichtlich der geographischen Verteilung der Fördersummen der DSEE
auch Herausforderungen in der systematischen Stärkung strukturschwacher und ländlicher Regionen
deutlich: Die Fördersummen, die in den urbanen Raum fließen, sind höher als die Fördersummen in den
ländlichen und strukturschwachen Räumen. Einschränkend ist zu dieser Analyse anzumerken, dass
teilweise die Förderung in ihrer Wirkung Akteure im ländlichen Raum erreicht, auch wenn der Sitz der
geförderten Organisation in der Stadt liegt.
Weitere thematische Schwerpunkte der DSEE liegen bei der Förderung von Digitalisierung und digitalen
Innovationen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements und Ehrenamts. Insgesamt wird das
Thema Digitalisierung nicht als Ziel an sich, sondern vielmehr als sinnvolles, zeitgemäßes Mittel zum
Zweck für die Ehrenamtlichen von der DSEE verstanden. Die DSEE stellt Ressourcen, Wissen und
Kompetenzen rund um Digitalität und Digitalisierung zur Verfügung. Einen weiteren Ansatz zur
Förderung von Digitalisierung und digitalen Innovationen verfolgt die DSEE durch den Fokus auf Open-
Source-Lösungen, die eine ressourcenschonende und effiziente Unterstützungsmöglichkeit für das
Ehrenamt darstellen.
Auch interne Herausforderungen wie die Personalgewinnung und die hohe Arbeitsbelastung der DSEE-
Mitarbeitenden fließen in die Bewertung der Effektivität ein. Diese Herausforderungen haben
Auswirkungen auf die Handlungsfähigkeit der DSEE, da der Großteil der Arbeitszeit für operative
Aufgaben verwendet werden muss, was weniger Raum für konzeptionelles Arbeiten lässt. Zudem besteht
die Herausforderung, unterrepräsentierte Gruppen anzusprechen und zu erreichen. Die DSEE hat jedoch
bereits Maßnahmen ergriffen, um diese Herausforderungen anzugehen, wie die Ermöglichung von
Homeoffice und die Bemühungen um Barrierefreiheit bei Veranstaltungen.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 21 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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Wirkungen
Das Evaluationskriterium der Wirksamkeit kann als im Ganzen erfüllt eingestuft werden. Die
Maßnahmen der DSEE tragen insgesamt in ihrem Zusammenspiel zur langfristigen Stärkung des
Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen Regionen bei. Aus Sicht der Evaluator:innen sind die
Angebote der DSEE so konzipiert, dass sie Organisationen und Strukturen des Ehrenamts nachhaltig
unterstützen. Dies geschieht durch finanzielle und ideelle Förderung, durch Vernetzungs- und
Qualifizierungsangebote sowie durch Stärkung digitaler Kompetenzen und Professionalisierung durch
digitale Tools und Services. Die DSEE legt dabei einen besonderen Fokus auf die langfristige Stärkung
von Kompetenzen und die Erweiterung von Wissen. Die Beratungs-, Fort- und Weiterbildungsangebote
sowie Coachings tragen dazu bei, bleibende Kompetenzen zu vermitteln, die der Engagement- und
Ehrenamtslandschaft langfristig zugutekommen. Mit ihren vielfältigen Förderprogrammen leistet die
DSEE einen Beitrag dazu, lokale Netzwerke aufzubauen und zu stärken sowie Best-Practice-Ansätze für
die Gewinnung von Engagierten und Ehrenamtlichen zu verbreiten, die Attraktivität der geförderten
Organisationen zu erhöhen und neue Mitglieder für die ehrenamtlichen Organisationen und Initiativen
zu gewinnen.
Insgesamt wird die langfristige Stärkung des Ehrenamts durch die DSEE gezielt und zugleich ganzheitlich
vorangetrieben und zieht sich durch das Angebot der DSEE. Die Fördermaßnahmen sind so konzipiert,
dass sie Organisationen und Strukturen des Ehrenamts sowohl individuell als auch in der Breite
unterstützen. Hierzu setzt die DSEE etwa einen Fokus auf das Modell-, Lern- und Skalierungspotenzial
von Organisationen sowie Vernetzung und Übertragbarkeit. Die Angebote der DSEE zielen auf
nachhaltige Etablierung, Verstetigung und Professionalisierung, ebenso wie auf niedrigschwellige
Einstiege ins Ehrenamt ab. Damit leisten die Angebote einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stärkung
von Ehrenamtsstrukturen.
Bewertung der Ergebnisse
Insgesamt zeigt die Evaluation, dass die Arbeit der DSEE mit Blick auf den gesetzlichen Stiftungszweck
insgesamt positiv bewertet werden kann. Gemäß § 3, Abs. 1 des Erreichungsgesetztes der DSEE wird
dieser Stiftungszweck durch insgesamt sechs verschiedene Maßnahmen erfüllt , die nachfolgend
basierend auf den Evaluationsergebnissen zusammenfassend bewertet werden.
− Die DSEE soll ihren Stiftungszweck erstens durch „bedarfsorientierte und umfassende Service-
Angebote im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts“ erfüllen. Dem
wird die DSEE insgesamt vollauf gerecht, auch wenn mit Blick auf die Zugänglichkeit der
Angebote gewisse Abstriche gemacht werden müssen.
− Zweitens soll die DSEE ihren Stiftungszweck durch „Bereitstellung von Informationen bei der
Organisationsentwicklung für bürgerschaftliches Engagement und Ehrenamt, insbesondere im
Hinblick auf die Digitalisierung“ verfolgen. Das lässt sich durch die Evaluation positiv bestätigen.
− Drittens soll die DSEE ihrem Stiftungszweck durch die „Vernetzung von Bund, Ländern,
Kommunen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft“ nachkommen. Auch hier lässt sich insgesamt eine
überwiegend positive Bewertung abgeben.
− Viertens soll auch eine „Förderung von Innovationen im Bereich des bürgerschaftlichen
Engagements und des Ehrenamts, insbesondere von digitalen Innovationen“ einen Beitrag zur
Erreichung des Stiftungszwecks leisten. Dies findet intensiv statt.
− Fünftens soll die DSEE ihren Stiftungszweck durch „Stärkung von Strukturen im Bereich des
bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen
Räumen“ erreichen. Auch hier ist die DSEE erfolgreich.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 22 –
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− Sechstens soll die DSEE „begleitende Forschung zur Erfüllung der Aufgaben“ unterstützen. Dies
gelingt der DSEE gut, eine kleine Einschränkung betrifft die Systematik der stiftungsweiten
Nutzung der Forschungsergebnisse.
Diese überwiegend positiven Bewertungen sind vor dem Hintergrund der einschränkenden
Rahmenbedingungen dieser Evaluation einzuordnen. Mit dem gewählten Evaluationsansatz konnte
insgesamt eine gute Datengrundlage geschaffen werden. Die triangulierten Datenquellen ermöglichten
eine Bewertung der untersuchten Evaluationskriterien Kohärenz, Effektivität und Wirkungen. Die
positiven Bewertungen sind dabei auch auf die konsequente Wirkungsorientierung auf konzeptioneller,
strategischer und operativer Ebene der DSEE zurückzuführen. Gleichzeitig müssen die Bewertungen
jedoch hinsichtlich der methodischen Einschränkungen beleuchtet werden. Mit Blick auf die Bewertung
der Effektivität und Wirkungen ergeben sich diese aus der Tatsache, dass die Mitglieder des
Stiftungsrates nur eingeschränkt für Interviews zur Verfügung standen und somit deren Perspektiven nur
bedingt einbezogen werden konnten. Dadurch konnten Dokumentenanalyse und Interviews nicht immer
wie geplant diachron, sondern mussten teilweise synchron durchgeführt werden, was wiederum die
Einordnungsfunktion der Interviews etwas einschränkte.
Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Stiftung
Basierend auf den Evaluationsergebnissen wurden die nachfolgenden sieben Empfehlungen für die
Weiterentwicklung der Stiftung abgeleitet:
1. Modularen Aufbau der Förderangebote beibehalten und stärken : Die DSEE sollte weiterhin
Angebote sowohl für etablierte als auch für im Aufbau befindliche Akteure und Netzwerke
bereithalten, um eine breite und nachhaltige Förderung zu gewährleisten.
2. Arbeitsbelastung reduzieren, Routinen aufbauen : Die DSEE sollte ein jährliches Basisprogramm
an Förder- und Qualifizierungsangeboten etablieren, um mehr Beständigkeit und Planbarkeit für
Mitarbeitende und Zielgruppen zu schaffen.
3. Reflexionsräume zur Weiterentwicklung von Angeboten und internen Prozessen stärken :
Innerhalb der DSEE sollten systematisch und regelmäßig bereichsübergreifende Reflexionsräume
geschaffen werden, um Erkenntnisse aus internen Evaluationen und Forschungsergebnissen zu
nutzen.
4. Kategorisierung strukturschwacher Räume überprüfen: Die DSEE sollte die Übersetzung der
Raumklassifizierungen in den Prüfmechanismus zur Förderberechtigung modifizieren, um eine
verlässliche und valide Grundlage zur Zuordnung der Förderwürdigkeit sicherzustellen.
5. Zugänglichkeit aufbauen, Barrieren abbauen: Die DSEE sollte ihr Angebot hinsichtlich der
Zugänglichkeit prüfen und Zugangsbarrieren für marginalisierte und unterrepräsentierte Gruppen
abbauen.
6. Ressortübergreifende Zusammenarbeit weiter ausbauen: Die DSEE sollte den Austausch und die
Zusammenarbeit mit weiteren Bundesministerien anstreben, um zusätzliche Ressourcen und
Kompetenzen zu mobilisieren.
7. Ausbau der Kooperationen mit der Wirtschaft: Die DSEE sollte die Netzwerke mit Akteuren aus
der Wirtschaft verstetigen und stärken, um zusätzliche Ressourcen für die Strukturentwicklung in
Engagement und Ehrenamt zu mobilisieren.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 23 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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EVALUATIONS-
BERICHT
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 24 –
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1 Einleitung
1.1 Hintergrund der Evaluation
Die Gründung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ist ein zentrales Ergebnis
der Kommission Gleichwertige Lebensverhältnisse, die 2018 von der Bundesregierung eingesetzt wurde.
Die DSEE wurde am 23. Juni 2020 gegründet. Ihre Entstehung als rechtsfähige Stiftung öffentlichen
Rechts basiert auf dem namensgebenden Gesetz zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement
und Ehrenamt, das am 2. April 2020 in Kraft trat. Die DSEE ist ein gemeinsames Vorhaben des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), des Bundesministeriums des
Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft
(BMEL). Kern des gesetzlichen Auftrages der Stiftung ist die Stärkung und Förderung des
bürgerschaftlichen Engagements und Ehrenamts, insbesondere in strukturschwachen und ländlichen
Regionen.
Der Zweck der vorliegenden Evaluation ergibt sich aus § 13 des Errichtungsgesetzes. Die
Bundesregierung ist verpflichtet, dem Deutschen Bundestag innerhalb von fünf Jahren nach Inkrafttreten
des Errichtungsgesetzes zur Stiftung über die durch dieses Gesetz erzielten Wirkungen in Bezug auf die
Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts durch die Errichtung einer zentralen
Anlaufstelle auf Bundesebene zu berichten. Zudem soll die Bundesregierung Vorschläge für die
Weiterentwicklung der Stiftung unterbreiten. Der Bericht soll auf Grundlage der begleitenden
Forschungsergebnisse im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements und des Ehrenamts die
nachhaltige Entwicklung von bundesweit koordinierten Ansätzen, Initiativen und Projekten sowie die
Entwicklung relevanter zielgruppen- und bereichsspezifischer digitaler Lösungen durch die Arbeit der
Stiftung aufzeigen. Hierfür wurde die Syspons GmbH von der DSEE beauftragt. Die Evaluation wurde von
Mai bis August 2024 durchgeführt.
1.2 Evaluationsgegenstand: Die DSEE
Gemäß Errichtungsgesetz ist der Zweck der Stiftung „die Stärkung und Förderung des bürgerschaftlichen
Engagements und des Ehrenamts insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Räumen im
Rahmen der Zuständigkeit des Bundes.“1 Entsprechend wurde der Sitz der Stiftung nach Neustrelitz in
Mecklenburg-Vorpommern gelegt. Ein weiteres zentrales Ziel der DSEE ist die Förderung von
(insbesondere digitaler) Innovation und sektorübergreifender Vernetzung (siehe Abbildung 1). Um
diese Ziele zu erreichen, führt die DSEE verschiedene Maßnahmen durch – von der Beratung von
Engagierten und Ehrenamtlichen mit Blick auf rechtliche oder Versicherungsaspekte sowie zu
Förderungen und Fördermitteln, über Förderprogramme wie dem Programm Ehrenamt gewinnen.
Engagement binden. Zivilgesellschaft stärken (im Folgenden wird das Programm auch gemäß der
Betitelung auf der DSEE-Webseite Mikroförderprogramm genannt) sowie gezielte Förderprogramme wie
Engagiertes Land, transform_D oder Gemeinsam wirken in Zeiten von Corona bis hin zu
Qualifizierungsangeboten und Forschung im Bereich Engagement und Ehrenamt.
⸻
1 Gesetz zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt vom 25. März 2020 (BGBl. I S. 712), §2, Abs. 1.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 25 –
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Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Die Zielsetzung spiegelt sich in der Gliederung der Stiftung und ihren vier thematischen Bereichen
wider: (1) Finanzen, Verwaltung und Fördermittelmanagement, (2) Service und Kompetenzentwicklung,
(3) Strukturstärkung und Forschung, (4) Kommunikation und Events.
Die Organe der DSEE sind der Vorstand und der Stiftungsrat, für die nach § 5 eine Geschlechterparität
angestrebt wird (derzeit sind 8 von 19 Mitgliedern des Stiftungsrats Frauen). Der 19-köpfige
Stiftungsrat – bestehend aus Vertreter:innen des BMFSFJ, des BMI und des BMEL, der Länder,
Kommunen, Bundestag und Zivilgesellschaft – beaufsichtigt die Stiftung und entscheidet in allen
Angelegenheiten, die für die Stiftung und ihre Entwicklung von Bedeutung sind. Er genehmigt z. B. den
jährlichen Haushalts- und Stellenplan. Jährlich werden aus den drei Ministerien insgesamt 30 Mio. Euro
zu gleichen Teilen zur Verfügung gestellt. Zusätzliche Mittel wurden der DSEE seit Gründung für die
Sonderprogramme zur Unterstützung von Engagement und Ehrenamt in besonderen
Herausforderungen bereitgestellt.2 Aktuell sind 91 Mitarbeiter:innen bei der DSEE beschäftigt (inklusive
Projektstellen und Werkstudent:innen, Stand 01. November 2024). Die Arbeit der Stiftung wird über drei
thematische Fachbeiräte durch Impulse aus der Engagementlandschaft unterstützt: Fachbeirat Digital
und Analog, Fachbeirat Gesellschaftlicher Zusammenhalt und Fachbeirat Strukturstärkung.
1.3 Zielsetzung und zentrale Fragestellungen der Evaluation
Ausgehend von den im Errichtungsgesetz festgelegten Evaluationsschwerpunkten verfolgt die
Evaluation eine doppelte Zielsetzung: Erstens, die Wirkungen der DSEE in Bezug auf die Stärkung des
bürgerschaftlichen Engagements und Ehrenamts aufzuzeigen (summativ) und zweitens, basierend auf
⸻
2 2020 standen der DSEE insgesamt rund 22,98 Mio. Euro für den administrativen Aufbau der Stiftung (inkl. Personalaufbau, Miete n und Pachten usw.) sowie das erste
Förderprogramm „Gemeinsam wirken in Zeiten von Corona zur Verfügung“. 2021/2022 wurde das DSEE-Programm „ZukunftsMUT“ mit 30 Mio. Euro aus Mitteln des
Aktionsprogramms Bund „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ über das BMFSFJ finanziert. 2022 wurden 15 Mio. Euro an zusätzlichen M itteln aus dem
Ergänzungshaushalt des Bundes für die Unterstützung für Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine für die DSEE bereitgestellt.
Abbildung 1: Zielsetzung der DSEE
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 26 –
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den Evaluationsergebnissen konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung der DSEE abzuleiten
(formativ).
Im Fokus der Untersuchung stehen dabei die Evaluationskriterien Effektivität (Inwiefern erreicht die DSEE
ihre Ziele?) und Wirkung (Welche Veränderungen wurden durch die Maßnahmen der DSEE bewirkt?).
Aus dem Errichtungsgesetz der DSEE in § 3, Abs. 2 leitet sich zudem ein dritter Schwerpunkt zu dem
Evaluationskriterium Kohärenz ab (Wie gut passen sich die Maßnahmen der DSEE zu den bereits
existierenden Angeboten anderer Akteure und den bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen
ein?): „Die Maßnahmen zur Erfüllung des Stiftungszwecks werden unter Berücksichtigung bereits
bestehender Bundesgesetze und -programme und in Abstimmung mit bestehenden Engagement- und
Ehrenamtsstrukturen durchgeführt.“
Konkret werden im Rahmen der Evaluation 11 zentrale Evaluationsfragen untersucht, welche den drei
Evaluationskriterien Kohärenz (Passen die Maßnahmen zu den bereits vorhandenen Strukturen?),
Effektivität (Werden die Ziele der Maßnahmen erreicht?) sowie Wirkungen (Welchen Unterschied machen
die Maßnahmen?) zugeordnet werden können. Die Evaluationsfragen entstammen dabei der
Leistungsbeschreibung der Evaluation. Abbildung 2 gibt eine Übersicht der durch das Evaluationsteam
zugeordneten Evaluationsfragen.
Abbildung 2: Übersicht der Evaluationsfragen
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
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2 Methodik der Evaluation
2.1 Evaluationsdesign
Das Evaluationsdesign gliedert sich in drei Phasen – eine Auftaktphase, eine Datenerhebungs- und
Auswertungsphase sowie eine Synthese- und Berichtsphase. Abbildung 3 gibt eine Übersicht über die
Vorgehensweise in den drei Phasen.
Abbildung 3: Evaluationsdesign in drei Phasen
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Ziel der Evaluation war es, Aussagen zur Kohärenz, Effektivität und den Wirkungen der Arbeit der DSEE
zu treffen. Hierzu basiert die Evaluation auf dem theoriebasierten Evaluationsansatz der
Kontributionsanalyse. Ziel einer Kontributionsanalyse ist es, den Beitrag einer Intervention
(Kontribution) – hier das Gesetz zur Gründung der DSEE – entlang einer Wirkungslogik zur
beabsichtigten Zielerreichung zu formulieren. Grundlage hierfür ist eine Interventionslogik
(Wirkungsmodell), die abbildet, welche Annahmen über Inputs, Aktivitäten, Ergebnisse (Outputs), direkte
Wirkungen (Outcomes) und mittel- bis langfristige Wirkungen (Impacts) gemäß Konzeption und den
Annahmen der Verantwortlichen (z. B. Vorstände und Programmleitungen) vorherrschen.
Die Entwicklung dieses Wirkungsmodells erfolgte zu Beginn der Evaluation in Phase 1 in enger
Abstimmung mit der DSEE, basierend auf Dokumenten sowie Interviews mit den Stiftungsvorständen
(siehe Anhang 6.2). Die einzelnen Wirkungsstränge orientieren sich an den Maßnahmenbereichen der
Anal se der Rohdaten entlang der
Fragestellungen
Anal se bestehender Dokumente
und Berichte inkl. Evaluationen
Stiftungsratsprotokolle
E plorative Daten und
Dokumentenanal se
Konzeptionsworkshop
E ploratives Interview mit
Stiftungsvorstand
Entwicklung bedarfs
gerechtes Evaluationsdesign,
inkl. Wirkungsmodell
Anal seraster
Befunde entlang der
Fragestellungen
Bericht Empfehlungen
zur Weiterentwicklung
bedarfs und wirkungs
orientierte Stiftung sarbeit)
Umsetzung, Lernpunkte und weitere
Bedarfe zur Zielerreichung
Bedarfe, Einordnung der Befunde und
Refle ion der Empfehlungen
Refle ion mit 3 Gefördertengruppen
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DSEE (Förderung, Beratung und Information, Qualifizierung, Kooperationen, externe Kommunikation und
Forschungsförderung). Insgesamt zeigt das Wirkungsmodell somit auf, welchen Beitrag diese Bereiche
zu der Erreichung der übergeordneten, langfristigen Ziele der Stiftung leisten. Auf Grundlage des
Wirkungsmodells wurde ein Analyseraster erstellt (siehe Anhang 6.3), in dem die jeweiligen Indikatoren
und Deskriptoren sowie die Datenquellen aufgeschlüsselt wurden, die zur Beantwortung der
Evaluationsfragen herangezogen wurden. Diese Instrumente dienten maßgeblich als Fundament der
weiteren Evaluationsschritte, wie der Konzeption der Fragebögen und der Kategorie gestützten
Dokumentenanalyse.
Die Evaluation basiert auf fünf zentralen Datenquellen, die in Phase 2 zunächst erhoben (Primärdaten)
oder aufbereitet und ausgewertet wurden (Sekundärdaten): 1) Dokumente der DSEE zu den
verschiedenen Maßnahmenbereichen (z. B. Förderleitfäden und Teilnahmebedingungen der
Förderprogramme, Evaluationsberichte, interne Strategiepapiere, Arbeitsprogramme der DSEE,
Forschungsberichte), 2) Rohdaten zu den Förderungen, 3) Interviews mit den Vorständen sowie
Mitarbeiter:innen der DSEE aus allen Abteilungen, insb. Abteilungs- und Programmleitungen, 4)
Interviews mit Mitgliedern des Stiftungsrats und 5) Fokusgruppengespräche mit drei Gruppen von
Zuwendungsempfänger:innen.
Nach Abschluss der Datenerhebung und -Auswertung folgte in Phase 3 die interne Synthese zur
Ableitung evidenzbasierter Schlussfolgerungen gemäß der Evaluationsfragen. Basierend auf den
Ergebnissen wurden anschließend Empfehlungen zur Weiterentwicklung der DSEE abgeleitet und der
vorliegende Evaluationsbericht verfasst.
Insgesamt basiert das im Rahmen dieser Evaluation gewählte Evaluationsdesign überwiegend auf
qualitativen Erhebungs- und Auswertungsmethoden. Dieses Design bietet tiefgehende Einblicke in
komplexe Zusammenhänge und ermöglicht das Erkennen von Perspektiven und Erfahrungen, die mit
standardisierten quantitativen Methoden oft schwer zu erfassen sind. Gerade im Kontext vielschichtiger
und komplexer Evaluationsgegenstände wie hier – die Gesamtheit der Aktivitäten, Programme und
Maßnahmen der DSEE liegt im Fokus – bedarf es vertiefender Einblicke, um Zusammenhänge zu
verstehen, die das Gesamtbild und die Wirkung auf verschiedene Zielgruppen prägen. Gleichwohl gehen
qualitative Erhebungsmethoden im Vergleich zu quantitativen in der Regel mit einer geringeren Anzahl
an einbezogenen Personen und Institutionen einher. Durch eine systematische und theoriegeleitete
Auswertung der qualitativen Daten wurden Aussagen aus den Interviews nicht isoliert, sondern stets im
Zusammenhang und im Rahmen übergreifender Muster betrachtet. Hierdurch wurden Verzerrungen
vermieden. Auch wenn im nachfolgenden Bericht Aussagen einzelner oder weniger Personen referenziert
werden, geschieht dies exemplarisch und dient dazu, kohärente und/oder konsistente Ergebnisse aus
der Triangulation aller verfügbaren Datenquellen der Evaluation verständlich darzustellen und relevante
Aspekte pointiert zu veranschaulichen.
2.2 Methodische Vorgehensweise
Zur Überprüfung der Kohärenz, Effektivität und Wirkungen der Maßnahmen der DSEE wurde ein Mixed -
Methods-Ansatz gewählt. Wie bereits beschrieben, wurden hierzu sowohl Sekundärdaten ausgewertet
als auch Primärdaten erhoben. Die Daten wurden in regelmäßigen Abständen miteinander verglichen
und in einem finalen Synthesetermin trianguliert. Dieses Vorgehen sollte einerseits Aufschlüsse auf die
bisherigen Aktivitäten der DSEE und die erzielten Effekte (Zielerreichung) bieten. Andererseits wurde die
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Positionierung der Stiftung innerhalb der Engagementlandschaft sowie potenzielle
Alleinstellungsmerkmale (Kohärenz) untersucht. Der Mixed-Methods-Ansatz ermöglichte es zudem,
innerhalb des Evaluationszeitraums größtmögliche Aufschlüsse über langfristige Veränderungen
(Wirkungen) durch die Stiftungsaktivitäten in der Engagementlandschaft zu gewinnen.
Die Auswertung der Sekundärdaten erfolgte in zwei Schritten. Entlang der vorab konzipierten
Wirkungslogik und dem darauf aufbauenden Analyseraster wurden 1) Rohdaten ausgewertet und 2)
bestehende Dokumente und Berichte der Stiftung analysiert. Die Datenanalyse umfasst die quantitative
Auswertung der zur Verfügung gestellten Rohdaten der DSEE. Diese beinhalten beispielsweise Statistiken
zu bewilligten und eingegangenen Anträgen sowie den zugeordneten Postleitzahlen der
Antragstellenden. Der Datenabgleich bietet Aufschluss über die Reichweite der Förderung durch
Einreichungs-, Bewilligungs- und Ablehnungsquoten der Förderanträge aber auch über die bewilligten
Fördermittel. Durch die systematische Analyse der vorhandenen Daten mit den vorab definierten
Indikatoren und Deskriptoren im Analyseraster wurde überprüft, inwiefern die DSEE ihrem Auftrag in
quantitativer Hinsicht nachkommen konnte. Anschließend wurden die qualitativ vorliegenden Daten
analysiert und ausgewertet, darunter Evaluationsberichte von drei Förderprogrammen der Stiftung sowie
(Forschungs-)Berichte und Arbeitsprogramme. Die Dokumentenanalyse erfolgte ebenfalls
kategoriengestützt entlang der im Analyseraster definierten Indikatoren und Deskriptoren. Aufgrund der
Fülle an Datenquellen und des engen Zeitrahmens wurden die quantitative Rohdatenanalyse und die
qualitative Dokumentenanalyse zeitgleich durchgeführt.
Um die Erkenntnisse der Daten- und Dokumentenauswertungen zu kontextualisieren und
Verständnislücken zur Arbeit der DSEE und deren Wirksamkeit zu schließen, wurden leitfadengestützte
Interviews mit verschiedenen Stakeholdergruppen der DSEE (Stiftungsvorstand, Abteilungs- und
Programmleitungen, Mitarbeiter:innen sowie Mitgliedern des Stiftungsrats) geführt. In circa
einstündigen Interviews wurden die Stakeholder unter anderem befragt, inwiefern die umgesetzten
Programminhalte den Bedarfen der Zielgruppe entsprechen und Lernerfahrungen reflektiert. Die
zentralen Ergebnisse der Interviews wurden dokumentiert und anhand der Evaluationsfragen
synthetisiert ausgewertet. Neben Zwischensynthesen, in denen die Erkenntnisse der
Erhebungsmethoden regelmäßig verglichen wurden, erfolgte zum Abschluss der Primär- und
Sekundärdatenanalyse ein finaler Syntheseworkshop. Hierbei wurden die Daten trianguliert, das heißt
anhand der Forschungsfragen inhaltlich und methodisch abgeglichen und zentrale Ergebnisse
zusammengeführt. Kernbefunde wurden dabei ebenso festgehalten, wie Informationslücken der
vorliegenden Quellen und Limitationen der Evaluation.
Eine Limitation lag dabei zunächst im begrenzten Evaluationszeitraum von Mai bis August 2024. Um
auch die Perspektive der Zivilgesellschaft als Zuwendungsempfänger:innen sowie zusätzliche
Dokumente auswerten zu können, wurde in Abstimmung mit der DSEE eine Verlängerung des
Evaluationszeitraums bis November 2024 vereinbart. Innerhalb der DSEE konnten vielfältige Stimmen
und Perspektiven durch Mitarbeiter:innen und die zwei Stiftungsvorstände ausgewertet werden.
Zusätzlich ermöglichten die fünf Interviews mit Mitgliedern aus dem Stiftungsrat dem Evaluationsteam,
Einschätzungen zur Arbeit und Wirkungen der DSEE zu gewinnen: sowohl aus dem politischen als auch
dem zivilgesellschaftlichen Kontext. Durch die Verlängerung der Evaluation wurden auch darüber
hinausgehende Perspektiven von Zuwendungsempfänger:innen eingeholt. Dadurch konnte der
stiftungsinterne Blick durch externe Erfahrungen und Einschätzungen ergänzt werden, was für eine
ausgeglichene Perspektivenvielfalt sorgt. Tabelle 1 gibt einen Überblick über alle im Rahmen der
Evaluation interviewten bzw. in Fokusgruppen eingebundenen Personen.
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Tabelle 1: Übersicht der interviewten Personen
Funktion Anzahl Interviewpartner:innen
Stiftungsvorstand 2
Mitarbeiter:innen DSEE 18
Stiftungsrat 5
Zuwendungsempfänger:innen aus der Zivilgesellschaft 7
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Um der Fülle der final bereitgestellten Daten und Dokumente im Evaluationszeitraum gerecht zu werden,
erfolgte ihre Auswertung sehr konzentriert und auf synthetisierte Weise. Dennoch wurden alle zur
Verfügung stehenden Dokumente und Daten der Stiftung durch die Evaluator:innen gesichtet und die
für die Beantwortung der Evaluationsfragen relevanten Inhalte in die Analyse einbezogen. Dies gelang
auch aufgrund der engen Zusammenarbeit mit dem abteilungsübergreifenden Projektteam der DSEE,
welches sowohl im zweiwöchigen Jour Fixe mit dem Evaluationsteam als auch für kurzfristige inhaltliche
Rückfragen zu den Daten und Dokumenten telefonisch und per E-Mail im Evaluationszeitraum zur
Verfügung stand. Schließlich konnten durch die vereinbarte Verlängerung der Evaluation auch die Ende
August zur Verfügung gestellten Protokolle aus dem Stiftungsrat noch in die Evaluation mit einbezogen
werden.
Insgesamt kann im Rahmen dieser Evaluation eine fundierte Aussage zur Kohärenz und Effektivität der
Maßnahmen der DSEE getroffen werden. Auch eine Einschätzung zu den Wirkungen kann auf Grundlage
der zur Verfügung gestellten und erhobenen Datenquellen sowie der Interviews getroffen werden. Durch
die Erweiterung des Evaluationszeitraums zur Analyse der Stiftungsratsprotokolle sowie insbesondere
der Durchführung von Fokusgruppen mit den Zuwendungsempfänger:innen sind auch fundierte
Einschätzungen zu den langfristigen Wirkungen möglich.
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3 Ergebnisse der Evaluation
Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse der Evaluation entlang der untersuchten Evaluationskriterien
Kohärenz, Effektivität und Wirkungen der Stiftung dargestellt. Hierbei wird zunächst das Kriterium der
Kohärenz (siehe Kapitel 3.1) verhandelt und erläutert, inwiefern die Fördertätigkeiten der Stiftung sowohl
intern schlüssig als auch extern anschlussfähig sind. Mit Blick auf die Evaluationsfragen werden zentrale
Ergebnisse zu 1) der Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen,
2) der Vernetzungsarbeit und 3) den Alleinstellungsmerkmalen und Schnittstellen der Stiftung dargelegt.
Anschließend werden die Evaluationsergebnisse nach dem Bewertungskriterium der Effektivität erläutert
(siehe Kapitel 3.2). Konkret wird hier den Evaluationsfragen nachgegangen, ob die Fördermaßnahmen
die definierten Ergebnisse und kurzfristigen Ziele tatsächlich verwirklichen konnten. Hierbei werden die
Akzeptanz der Angebote, die Ergebnisse der Digitalisierungs- und Forschungsvorhaben sowie der
Umgang mit Herausforderungen und Krisen genauer beleuchtet. Zuletzt werden die Kernerkenntnisse
der Evaluation zu den Wirkungen der DSEE dargestellt (siehe Kapitel 3.3). In diesem Abschnitt werden
die Veränderungen verhandelt, die durch die Fördertätigkeiten der DSEE sichtbar geworden sind.
3.1 Kohärenz
Insgesamt wird das Evaluationskriterium der Kohärenz überwiegend erfüllt. Demnach lässt sich die
Passgenauigkeit der Stiftungsaktivitäten in Bezug auf die bestehenden Engagement- und
Ehrenamtsstrukturen anhand der vorliegenden Daten als überwiegend positiv bewerten. Dieses
Ergebnis stützt sich auf die Bewertung der im Analyseraster festgelegten Indikatoren und Deskriptoren,
die zur Beantwortung der drei zentralen Evaluationsfragen zu Kohärenz aufgestellt wurden. Die
Zusammenarbeit der DSEE mit Akteuren der Engagement- und Ehrenamtslandschaft erfolgt regelmäßig
und wird durch die persönlichen Interaktionen zwischen Mitarbeiter:innen und Engagierten gestärkt.
Dabei tritt die DSEE meist als unterstützendes Gegenüber in Erscheinung, wie die Ergebnisse der
Fokusgruppengespräche unterstreichen. Dennoch birgt die starke Präsenz der DSEE in der Engagement-
und Ehrenamtslandschaft das Risiko, Sichtbarkeit gegenüber kleineren Akteuren zu mindern. Unter
Abwägung aller Daten und Dokumente kann die Vernetzungsarbeit der DSEE als kohärent bewertet
werden. Diese zeichnet sich durch ihre Konstanz aus und wird als zentrale Stärke der DSEE identifiziert.
Gleichzeitig werden Potenziale für den weiteren Ausbau von Netzwerken sichtbar – insbesondere mit
Blick auf die Wirtschaft und die bundespolitische Agenda. Auch die Untersuchung der
Alleinstellungsmerkmale und Schnittstellen der DSEE weisen auf eine positive Bewertung der Kohärenz
hin. Die Besonderheit der Stiftung liegt u. a. darin, gleich an drei Bundesministerien angebunden zu sein.
Dies bietet den Förderprogrammen und den Stiftungsaktivitäten zusätzliche Sichtbarkeit. Gleichzeitig
gelingt es der DSEE, die persönliche Verbindung zu den Geförderten einerseits und den zentralen
(Förder-)Institutionen der Engagement- und Ehrenamtslandschaft andererseits aufrechtzuhalten. In den
folgenden Unterkapiteln werden die synthetisierten Evaluationsergebnisse genauer erläutert.
3.1.1 Zusammenarbeit mit Engagement- und Ehrenamtsstrukturen
Die Zusammenarbeit der DSEE mit bereits bestehenden Engagement- und Ehrenamtsstrukturen
erfolgt durch Kooperationen und Vernetzungsformate. Gestärkt wird sie durch persönliche
Beziehungen und Momente der Anerkennung. Aus der Analyse der Stiftungsratsprotokolle, den
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Interviews mit Mitarbeiter:innen und Stiftungsratsmitgliedern sowie den Fokusgruppen ging die
grundlegende Einschätzung hervor, dass die DSEE als wichtige Unterstützerin und Partnerin bei
bestehenden Akteuren wahrgenommen wird. So wurde etwa die Übernahme der Ausrichtung des
Deutschen Engagementpreises ab dem Jahr 2024 durch die ursprünglichen Initiator:innen als Entlastung
verstanden. Ähnlich steht der Förderpreis EngagementGewinner für Wertschätzung und Sichtbarkeit
gemeinnütziger Organisationen sowie deren Vernetzung. Auch der transform_D Summit brachte
Engagierte sowie Vertreter:innen aus Verbänden, Politik und Sozialunternehmer:innen zusammen und
ist damit ein weiteres Beispiel für den Beitrag der DSEE zu Vernetzung, Wissenstransfer, Wertschätzung
sowie gemeinsamer Reflexion und Motivation. Ein:e Geförderte:r betonte im Rahmen einer Fokusgruppe
diesbezüglich, nicht nur eine breitere Bühne für ihr Projekt gefunden zu haben, sondern zusätzlich auch
viele inhaltliche Impulse durch den Austausch mit anderen Geförderten.
Die Zusammenarbeit mit anderen Ehrenamtsinitiativen, Verbänden oder Landkreisen erfolgt stetig
und bietet regelmäßige Anlässe zum Austausch aktueller Bedarfe. Dies geht neben Aussagen der
interviewten Mitarbeiter:innen und Stiftungsratsmitglieder auch aus der Dokumentenanalyse hervor.
Jährlich werden mehrere Netzwerkveranstaltungen in Kooperation mit anderen Akteuren des
bürgerschaftlichen Engagements oder Landkreisen durchgeführt. Die Relevanz lokaler Netzwerke und
die Reduktion von Parallelstrukturen wurden auch in einer Fokusgruppe von mehreren
Zuwendungsempfänger:innen betont. Insbesondere der Bedarf nach Regionaltreffen, in denen sich
bestehende Netzwerke zusammenschließen, wurde hierbei deutlich. Stiftungsratsmitglieder beschreiben
zudem den fruchtbaren Austausch mit Verbänden, beispielsweise dem Landesfeuerwehrverband von
Rheinland-Pfalz. Hier konnten die Bedarfe der Engagierten in den Ortsgruppen an den Stiftungsrat
weitergegeben werden: Danach gehen Förderungen häufig nur an eigenständige Vereine. Je nach
Bundesland sind die Ortsgruppen jedoch nicht in unabhängigen lokalen Vereinen organisiert, sondern
im Verein des Landesverbandes angedockt. Durch den regelmäßigen Austausch der Stiftungsräte kennt
die DSEE diese besonderen Strukturen und die daraus entstehenden Bedarfe und kann sie besser
berücksichtigen. Des Weiteren werden im Rahmen der Beratungsangebote Kooperationen geschlossen.
Beispielsweise wird in den Rechtsberatungen mit externen Akteuren, wie der Law Clinic Hamburg oder
dem Kooperationsnetzwerk Unternehmen: Partner der Jugend (UPJ), zusammengearbeitet, um
komplexere Beratungsfälle weiterzugeben, wenn diese das Beratungsformat übersteigen. Darüber hinaus
wurde auf Initiative der DSEE hin das Schutz- und Präventionsnetzwerk für das Ehrenamt gegründet, in
welchem sich fünf Kooperationspartner:innen aus unterschiedlichsten Engagementbereichen
zusammenschließen und ihre Expertise bündeln. Zudem werden auch externe Plattformen von
Netzwerkpartner:innen wie Aktion Mensch genutzt, auf denen Engagementmöglichkeiten für ein
breiteres Publikum geteilt werden. Auch im Bereich Förderung hat die DSEE verschiedene Kooperationen
geschlossen. Beispielsweise kooperiert die DSEE mit der Bertelsmann Stiftung sowie der Körber-Stiftung
im Programm Engagierte Stadt. Weitere Kooperationen bestehen mit dem Bundesnetzwerk
bürgerschaftliches Engagement (BBE) und dem Thünen Institut für Regionalentwicklung e. V. im Rahmen
des Programms Engagiertes Land. In gemeinsamer Arbeit wurde das Programm konzeptioniert und
umgesetzt, wobei auch die DSEE von der Expertise der etablierten Akteure in der bundesweiten
Engagementlandschaft bzw. Forschungslandschaft profitieren konnte. Zudem verschaffte die
Kooperation dem Programm eine gesteigerte Reichweite. Dadurch stärkt die DSEE
Multiplikator:inneneffekte innerhalb der Ehrenamtsstrukturen und trägt zum Kooperationsausbau der
Engagementlandschaft bei.
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Die langfristige Rolle der DSEE als Unterstützerin zivilgesellschaftlicher Akteure kann jedoch noch
geschärft werden, um die Sichtbarkeit kleinerer Akteure zu bewahren und Konkurrenzempfindungen
zu vermeiden. Trotz der vielseitigen Bemühungen der Stiftung um Kooperationen mit bestehenden
Akteuren birgt die Stiftungsstruktur diesbezüglich Herausforderungen. Aus einem Interview mit einem
Stiftungsratsmitglied sowie einer Fokusgruppendiskussion ging die Beobachtung hervor, dass die DSEE
als Kooperationspartnerin die Sichtbarkeit von z. T. kleineren Akteuren verringere. „Qua ihres Erfolgs“
würde die DSEE in Kooperationen stetig als sichtbarer Akteur gestärkt werden. Auch die politische
Unterstützung durch drei Bundesministerien sei aus der Perspektive einiger kleinerer Akteure ein
„unfairer Vorteil“. Parallel dazu würden zivilgesellschaftliche Akteure geschwächt werden, da diese vorher
unabhängig von Bundesförderungen Engagementarbeit geleistet hätten und durch die Prominenz der
DSEE weniger außenwirksam wahrgenommen werden. Diese Problematik, dass durch die starke Präsenz
der DSEE in der Engagement- und Ehrenamtslandschaft Konkurrenzsituationen geschaffen werden
können, ist dem Stiftungsrat jedoch bereits bewusst. Diesbezüglich unterstreicht ein weiteres
Stiftungsratsmitglied gleichsam, dass sich die Angebote der DSEE mit denen anderer Förderinstitutionen
und -akteure regelmäßig gut ergänzen und „S nergien“ in Gang gesetzt werden.
3.1.2 Vernetzungsarbeit der DSEE
Die formelle und informelle Vernetzungsarbeit der DSEE erfolgt stetig und trägt zur Akzeptanz der
Stiftung bei. In den Interviews mit Mitarbeiter:innen und Stiftungsratsmitgliedern sowie den
Fokusgruppengesprächen wurde deutlich, dass die DSEE ihre Netzwerke stetig ausbaue. Ein:e
Gesprächspartner:in der DSEE bezeichnete die Kommunikation mit e ternen Akteuren als „zentrale Stärke
der DSEE, die die Akzeptanz bei etablierten, langfristigen Akteuren erst ermöglicht hat“. Diese
kommunikative Leistung wird unter anderem auch den Mitgliedern des Stiftungsrats und dem Vorstand
zugeschrieben, die sich in den Interviews selbst überwiegend als Multiplikator:innen in Bund, Ländern,
Kommunen und der Zivilgesellschaft verstehen. Die professionellen Hintergründe der
Stiftungsratsmitglieder in diversen Verbänden und Netzwerken der Ehrenamts- und
Engagementlandschaft sowie Ministerien auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene stärken diese
strategische Rolle als Multiplikator:in in diverse Kreise der Engagementlandschaft. Parallel dazu
bekleiden auch zahlreiche DSEE-Mitarbeiter:innen Ehrenämter und fungieren dadurch als „Türöffner“ zu
bisher weniger erreichten Zielgruppen, wie aus den Interviews hervorgeht. Zudem beschreiben einige
Mitarbeiter:innen die Bemühungen der Stiftungsvorstände als besonders relevant für die Netzwerkarbeit
der Stiftung. Demnach besuchen die Vorstände zahlreiche Netzwerkveranstaltungen und Aktionstage ,
wie etwa das anlässlich des 75. Jubiläums des Grundgesetzes in Berlin veranstaltete Demokratiefest zu
75 Jahren Grundgesetz, und werben für die Stiftung. In einer Fokusgruppe wurde insbesondere die
„angenehm nahbare“ Einstellung der Vorstände für die Bedarfe der Geförderten betont. Die
Vernetzungsarbeit wird auch im Rahmen des Förderantragsmanagements mitgedacht. So finden im Falle
einer Ablehnung von Förderanträgen oftmals anschließende Beratungsgespräche statt und die
Bewerber:innen werden an andere mögliche Fördermittelgeber:innen vermittelt. Auf der Homepage der
DSEE werden für den Ablehnungsfall eine Liste von Anlaufstellen und Fördermöglichkeiten zur
Verfügung gestellt, so etwa für das Programm transform_D.3 Zudem wird aus den Mitarbeiter:innen-
Gesprächen deutlich, dass Kommunikation und Vernetzung sinnvoll ineinandergreifen. Kommunen
⸻
3 Vgl. die ausführlicher Förderübersicht unter: https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/foerderalternativen/. Zuletzt abgerufen am: 08.10.2024.
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wurden aktiv durch die DSEE kontaktiert und über die Angebote der DSEE informiert. Auf Wunsch der
Kommunen sollen künftig zudem Informationsmaterialien der Stiftung in den örtlichen Schaukästen
aufgehängt werden, um die lokalen Engagierten vor Ort auf die Angebote aufmerksam zu machen.
Vernetzungsarbeit wird in den Programmen konzeptionell mitgedacht und festgeschrieben, wie aus der
Dokumentenanalyse hervorgeht. Als Bestandteil der Förderung wird beispielsweise die Teilnahme an
Vernetzungsaktivitäten in mehreren Programmen vermerkt. Von Seiten der DSEE werden zudem
konkrete Angebote in Programmen gemacht, wie z. B. in dem Förderprogramm 100xDigital. Hier werden
Peer-to-Peer-Unterstützungsformate angeboten und regelmäßige Vernetzungsveranstaltungen wie
Community Conventions mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteuren durchgeführt. Die Ergebnisse
der Fokusgruppengespräche bestätigen, dass die Vernetzungsangebote von den Geförderten wiederholt
wahrgenommen wurden. Die zahlreichen Austauschmöglichkeiten empfanden die Geförderten
überwiegend als bereichernd. Im Jahr 2024 ist zudem die Pilotierung von Förderungen in
Zusammenarbeit mit den Bundesländern vorgesehen, wie aus dem Arbeitsprogramm 2024 hervorgeht. 4
Mit einer Konferenz zur Stärkung des Schöffenwesens in Mecklenburg-Vorpommern sowie der
Unterstützung regionaler Zentren in Sachsen wurden bereits erste Pilotprojekte in dieser Richtung
umgesetzt. Wie sich aus den Protokollen der Stiftungsratssitzungen ergibt, wird die Arbeit der Stiftung
auch als eine Vorbildfunktion für geplante Unterstützungsangebote für das Ehrenamt auf Länderebene
gesehen und es wird die Einrichtung von Schnittstellen zwischen den Landesehrenamtsstiftungen und
der DSEE angeregt.
Ausbaupotenziale bestehen überwiegend in der Vernetzung mit Akteuren aus der freien Wirtschaft.
Trotz der vielfältig beschriebenen Vernetzungsaktivitäten zwischen der DSEE, Bund, Ländern und
Kommunen sowie der Zivilgesellschaft wurde in den Gesprächen mit Mitarbeiter:innen und
Stiftungsräten kaum von Kooperationen mit Akteuren der freien Wirtschaft berichtet. Häufig wurde
lediglich in Gesprächen die Kooperation mit der Videoplattform YouTube zu Videoworkshops von
Mitarbeiter:innen oder dem Amazon Webservice benannt. Eine noch junge Partnerschaft besteht
weiterhin mit der Deutschen Postcode Lotterie im Rahmen des Förderprogramms ZukunftsWIRkungs-
Fonds, das auf die Skalierung von sozial innovativen Projekten zielt. Die Dokumentenanalyse zeigte
zudem, dass sich die DSEE und ein Pro Bono Netzwerk aktuell in der Vernetzungsphase befinden: Das
Ziel der für 2025 geplanten Umsetzung der Zusammenarbeit besteht darin, das Pro Bono-Feld zu
unterstützen, um Engagierte an ehrenamtliche Organisationen zu vermitteln, die einen Bedarf an
professionellen Leistungen haben, sich diese auf dem freien Markt aber nicht leisten können. Auch die
Funktion der Stiftungsratsmitglieder als Multiplikator:innen, mit der sie neben ihrer beratenden Tätigkeit
die DSEE unterstützen, ist im Bereich der Wirtschaft weniger erfüllbar. So ist kein Mitglied des
Stiftungsrates aktiv im Bereich der freien Wirtschaft tätig. Hierfür bestünde jedoch auch kein dringender
Bedarf, wie ein Stiftungsratsmitglied berichtet. Kontakt bestünde zudem bereits zu privaten Stiftungen.
Nach Einschätzung des Stiftungsratsmitglieds könne dieser Kontakt jedoch noch gestärkt werden.
Darüber hinaus wurde vorgeschlagen, für das 2025 geplante Programm der Social Days aktiv den Ausbau
der Vernetzung mit der Wirtschaft voranzutreiben. Insbesondere IT-Unternehmen könnten mit ihrer
Expertise kleinere Vereine beratend unterstützen, wobei die DSEE als Vernetzerin agieren würde. Der
Vorstand weiß um das Ausbaupotenzial in der Vernetzung mit wirtschaftlichen Akteuren und strebt eine
Erweiterung und Intensivierung von entsprechenden Kooperationen an.
⸻
4 Vgl. Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (2024): Unser Arbeitsprogramm 2024. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-
ehrenamt.de/aktuelles/arbeitsprogramm-2024/. Zuletzt abgerufen am: 27.08.2024.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 35 –
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Die DSEE wird als wichtige Vermittlerin zwischen den Geförderten und den politischen
Entscheidungsträger:innen auf Bundes- und kommunaler Ebene wahrgenommen. Gleichwohl wird
von stiftungsinternen und -externen Akteuren das Potenzial gesehen, diese Vermittlerrolle in Zukunft
noch weiter zu stärken. So bestehen zum einen durch die Struktur der DSEE und der Mitglieder des
Stiftungsrates, zum anderen durch die Mitarbeit an der Entwicklung der Engagementstrategie des
Bundes bereits regelmäßige Verbindungen zu den Ministerien. Zwei Mitglieder des Stiftungsrates
formulierten in den Interviews jedoch das Potenzial der Stiftung, die Bedarfe der Zivilgesellschaft als
Mittlerin noch intensiver an die Ministerien zu tragen. Demnach könnte die DSEE noch gezielter auf
aktuelle Bedarfe hinweisen, insbesondere auf rechtliche Rahmenbedingungen, die Ehrenamtliche
herausfordern. Als positives Beispiel wurde in den Interviews mit Stiftungsräten beispielsweise der
Diskurs um die Novellierung des Transparenzregistergesetzes genannt. Hier wurden Bedenken
hinsichtlich hoher bürokratischer Anforderungen aus der Zivilgesellschaft an die im Stiftungsrat
vertretenen Dachverbände herangetragen. Diese Bedenken konnten wiederum über den Stiftungsrat der
DSEE in den politischen Diskurs eingebracht werden. Die Beteiligung der DSEE hat hier zur Sichtbarkeit
der zivilgesellschaftlichen Anliegen beigetragen. Die von Bundestag und Bundesrat verabschiedete
Novelle des Transparenzregisters enthielt schließlich Erleichterungen für Vereine, etwa in Form von
automatischen Eintragungen aus dem Vereins- in das zentrale Transparenzregister. Dieses Engagement
der DSEE, zivilgesellschaftliche Anliegen initiativ in den politischen Raum zu tragen und zu vertreten,
wurde auch in den Fokusgruppen mit den Geförderten positiv hervorgehoben. Von Seiten der
Geförderten wurde zudem der Wunsch geäußert, diese Arbeit fortzusetzen und auszubauen – nicht nur
auf Bundes- sondern ebenfalls auf Landes- und Kommunalebene.
3.1.3 Alleinstellungsmerkmale und Schnittstellen zu anderen Förder- und
Engagementstrukturen
Zentrales Alleinstellungsmerkmal der DSEE ist ihre Struktur als Bundesstiftung in der deutschen
Ehrenamts- und Engagementlandschaft. Dies geht aus den Interviews mit Mitarbeiter:innen und
Stiftungsratsmitgliedern sowie der Dokumentenanalyse in verschiedenen Kontexten wiederholt hervor.
Das Zusammenspiel von drei Ressorts auf Bundesebene (BMFSFJ, BMI und BMEL) ist in dieser Form
einmalig in der Ehrenamts- und Engagementlandschaft. Ein:e Fokusgruppenteilnehmer:in wies zudem
darauf hin, dass diese Förderstruktur in Zeiten des politischen Wandels und sich verändernder
Haushaltsplanungen mehr budgetäre Sicherheit für die Geförderten ermögliche. Neben den
Bundesministerien sind auch die Länder und Kommunen im Stiftungsrat vertreten und werden in die
Aktivitäten des Vorstands regelmäßig aktiv eingebunden. Durch die Bündelung von finanziellen
Ressourcen, Netzwerken und Wissen konnte eine zentrale bundesweite Anlaufstelle für Engagierte
geschaffen werden, um Unterstützung zu ihren Anliegen zu erhalten. Deutlich zeigt sich dies bei den
Beratungs- und Serviceangeboten der Stiftung. Im Bereich der Beratung und Hotline-Angebote läuft ein
zentraler Knotenpunkt von stiftungsinternem Wissen und externen Förderangeboten zusammen. Als
weiteres Alleinstellungsmerkmal ist auch der Stiftungssitz in Ostdeutschland im ländlichen Raum zu
benennen, der für die Interviewpartner:innen innerhalb der DSEE eine starke Signalwirkung nach außen
erzeugt und auch in einer Fokusgruppe wertschätzend Erwähnung fand. Der Sitz in der Mittelstadt
Neustrelitz hat jedoch nicht nur Symbolcharakter, sondern dient auch als Vernetzungsmöglichkeit mit
den zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Region und ländlichen Räumen.
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Auch die Programme der DSEE weisen Alleinstellungsmerkmale in der Förderlandschaft von
Engagement und Ehrenamt auf. Mit dem Programm Gemeinsam Wirken in Zeiten von Corona wurde ein
Förderformat entwickelt, das es den Engagierten erleichtert, im Rahmen der Projektförderung auch in
ihre (digitale) Basisstruktur investieren zu können. Die Dokumentenanalyse zeigte, dass diese
Möglichkeit für viele Organisationen eine große Bereicherung für deren interne Entwicklung darstellt.
Die DSEE hat zudem durch das Programm Jung und Engagiert sowie initiativ! die Möglichkeit etabliert,
Initiativen ohne eigene Rechtsform zu fördern. Aus Interviews mit Stiftungsratsmitgliedern ging hervor,
dass diese Besonderheit zwar z. T. interne Herausforderungen mit sich bringt, jedoch zugleich als
fruchtbar bewertet wird. So können sich im Rahmen des Programms Jung & engagiert „Verein[e] in
Gründung, Initiative[n], Arbeitsgruppe[n] oder Bewegung[en]“5 bewerben und Fördersummen in Höhe
von bis zu 1.000 Euro beantragen. Als riskant wurde hierbei beurteilt, dass das „Gütesiegel“ der
Gemeinnützigkeit bei Initiativen ohne eigene Rechtsform ausbleibt, weswegen die Hintergründe der
Initiativen intransparenter seien. Eine Förderbewilligung berge demnach ein höheres Risiko, potenziell
demokratiefeindliche Gruppen zu unterstützen. Zugleich hilft diese Besonderheit des Programms jedoch
gerade jungen Engagement-Zusammenschlüssen in der Findungsphase und setzt so an realen Bedarfen
der Akteure an. Die Entscheidung, dieses Förderformat auszuprobieren, unterstreicht die Einschätzung
von Mitarbeiter:innen und Stiftungsratsmitgliedern, wonach sich die DSEE als „lernende Organisation“
versteht. Die Freiheit, experimentellere Ansätze auszuprobieren, ist eine besondere Stärke der Institution.
Der DSEE gelingt durch institutionalisierte Schnittstellen der Brückenschlag zwischen Makro- und
Mikroebene. Auf Makroebene überblickt die Stiftung bundesweite Förderstrukturen und die
Engagementlandschaft. Auf Mikroebene unterstützt sie im individuellen Austausch Ehrenamtliche
und Engagierte. Der Abgleich der Evaluationsdaten zeigt, dass die DSEE trotz ihrer komplexen Struktur
als Bundesstiftung eine große Nähe zu den Geförderten bewahrt. Dies gelingt zum einen durch
institutionalisierte Schnittstellen wie die Fachbeiräte oder den Stiftungsrat, die auf die Angebote der
DSEE aufmerksam machen und die Bedarfe aus der Engagiertenlandschaft in die Stiftungsarbeit
zurückspiegeln. Zudem bieten Kooperationsverträge mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, wie sie im
Programm Engagiertes Land geschlossen wurden, wertvolle Anknüpfungspunkte zu Wissensträger:innen
aus Forschung und Praxis. Das gemeinsam mit dem Thünen-Institut und dem BBE umgesetzte Programm
verschaffte dem Vorhaben eine größere Reichweite. Mehr Sichtbarkeit für Engagement und Ehrenamt
erzeugt zudem auch die Kopplung der Stiftung an die drei Bundesministerien. In der täglichen
Stiftungsarbeit sind es jedoch vormerklich die Mitarbeiter:innen der DSEE, die durch die diversen
Beratungs-, Service- und Vernetzungsangebote Nähe zu den Engagierten herstellen. Über die Service-
Hotline und den konstanten Kontakt sind ihnen die Herausforderungen und Sorgen der Engagierten
häufig bekannt. Durch den konstanten Austausch mit den relevanten Akteuren in der Zivilgesellschaft
und den verschiedenen Ebenen der Politik kann die Stiftung eine produktive Doppelrolle auf der Mikro -
und Makroebene herstellen.
3.2 Effektivität
Das Evaluationskriterium der Effektivität wird insgesamt als überwiegend erfüllt eingestuft. Diese
Bewertung stützt sich auf die Gesamtbetrachtung der im Analyseraster zugeordneten Indikatoren und
⸻
5 Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (o. J.): Jung & engagiert: Wir gestalten Zukunft. Website der DSEE. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-
stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/foerderung/jung-und-engagiert/. Zuletzt zugegriffen am 14.08.2024.
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Deskriptoren zur Beurteilung der relevanten Evaluationsfragen. Positive Effekte können insbesondere mit
Blick auf die Akzeptanz und Sichtbarkeit der DSEE-Angebote, die inhaltlichen Schwerpunktsetzungen auf
die Digitalisierung bzw. Förderung digitaler Innovationen im Ehrenamt, das Einfließen der Ergebnisse aus
der Engagementforschung und der Berichte der Fachbeiräte in die Angebotsentwicklung sowie das
Lernen aus Krisen identifiziert werden. Auch hinsichtlich der Förderung und Stärkung des Ehrenamts in
strukturschwachen und ländlichen Regionen sowie der Bewältigung von Herausforderungen während
der Umsetzung von Angeboten und Veranstaltungen der DSEE wurden im Rahmen der Evaluation
durchaus positive Effekte sichtbar. Gleichzeitig zeigten sich hier jedoch auch Einschränkungen, aufgrund
derer die Evaluator:innen diese beiden Teilaspekte des Kriteriums Effektivität aktuell als teilweise erfüllt
einstufen. Die Evaluationsergebnisse, auf denen diese Einschätzungen basieren, werden in den
nachfolgenden Unterkapiteln im Detail dargelegt.
3.2.1 Sichtbarkeit und Akzeptanz der Angebote der DSEE
In den vier Jahren seit Gründung der DSEE hat sich die Sichtbarkeit und Akzeptanz der Angebote der
Stiftung bei den Zielgruppen positiv entwickelt. Sichtbar wird dies einerseits bei der Betrachtung der
eingegangenen Anträge auf Förderung im Jahresvergleich sowie in den Monitoring-Daten zu
Newsletter-Abonennt:innen und Social-Media-Follower:innen der DSEE. So zeigt die Auswertung der
Förderanträge, dass von Beginn an die Anzahl der eingegangenen Anträge die Anzahl geförderter
Anträge überstieg (siehe Tabelle 2). Deutlich wird dabei, dass die Stiftung mit 12.500 Anträgen im
Gründungsjahr bereits eine sehr große Nachfrage erfahren hat. Gründe hierfür liegen sicherlich in der
besonders herausfordernden und von Unsicherheiten geprägten Situation ehrenamtlicher Akteure zu
Beginn der Covid-19-Pandemie. Die DSEE startete mit ihrem ersten Förderprogramm Gemeinsam wirken
in Zeiten von Corona somit zu einem Zeitpunkt des großen Unterstützungsbedarfs ihrer Zielgruppe.
Durch die schnelle Reaktion in der Notsituation ihrer Zielgruppe hat die DSEE – zu diesem Zeitpunkt
selbst noch im Aufbau befindend – sich Sichtbarkeit bei ihrer Zielgruppe verschafft. Wenngleich die
absolute Anzahl an Anträgen in den darauffolgenden Jahren abnahm, so bleibt die Nachfrage mit jährlich
4.000 bis 5.000 eingehenden Anträgen in den Jahren 2021 bis 2023 konstant hoch. Auch im laufenden
Jahr 2024, mit bislang 3.600 eingegangenen Anträgen (Stand Juli 2024), setzt sich die hohe Nachfrage
fort. Dass sich in vielen Programmen Folge- bzw. erneute Anträge von Antragstellenden finden, ist dabei
insgesamt auch ein Hinweis für eine Akzeptanz der Förderangebote der DSEE seitens der Zielgruppen.
Zugleich zeigt sich mit Blick auf die Gesamtförderquote, dass die Nachfrage – Anzahl gestellter Anträge
– durchgehend über dem Förderangebot liegt – Anzahl geförderter Anträge. Dieser Umstand lässt darauf
schließen, dass die DSEE für die Zielgruppe relevante Förderangebote geschaffen hat und diese über ihre
verschiedenen Kommunikationskanäle für ihre Zielgruppen sichtbar macht.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 38 –
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Tabelle 2: Jahresvergleich Anzahl der eingegangenen und der geförderten Anträge (gesamt)
Jahr 2020 2021 2022 2023 2024 (1. HJ)6
Anzahl eingegangene Anträge (gesamt) 12.532 3.981 4.821 5.097 3.598
Anzahl geförderte Anträge (gesamt) 1.844* 2.760 2.901 2.706 1.188
Förderquote 14,7 %* 69,3 % 60,2 % 53,1 % 33,0 %
*Im Rahmen des Förderprogramms Gemeinsam wirken in Zeiten von Corona wurden Zuwendungen in Teilen auch an
Dachverbände zur Weiterleitung an Letztempfänger:innen vergeben. Die Anzahl an geförderten Anträgen im Jahr 2020 ist daher
mit Blick auf die Anzahl an Letztempfänger:innen nur bedingt vergleichbar. Dies gilt ebenfalls für die Förderquote im Jahr 2020.
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Zur Beantwortung der Frage der Sichtbarkeit der DSEE kann zudem die Nutzung ihrer
Kommunikationskanäle betrachtet werden. In der Gesamtschau weisen auch die Monitoring-Daten der
Kommunikationsabteilung auf eine zahlenmäßig stetig wachsende Außenwahrnehmung der Stiftung
hin. Um dies zu erreichen, ist die DSEE auf verschiedenen digitalen Kanälen aktiv. Neben der
Stiftungswebseite betreibt die DSEE programmspezifische Webseiten, beispielsweise für die
Kommunikation der Engagementstrategie des Bundes oder für den Ideenwettbewerb machen!, sie bietet
einen Newsletter an und ist auf diversen Social-Media-Plattformen aktiv. Im Juni 2024 konnte die DSEE
dabei knapp 29.000 unique Users auf ihrer Webseite, über 32.500 Abonennt:innen des Newsletters, über
10.000 Follower:innen auf LinkedIn und über 8.000 Follower:innen auf Instagram verzeichnen. Dabei
zeigen die Monitoring-Daten zur Webseite, dass die Unterseiten zur Förderung sowie zu den
#DSEErechtstipps die häufigsten Aufrufe erfahren und somit die Angebote mit der größten Sichtbarkeit
sind. Dass die Stiftungs-Webseite ein zentraler Kanal zur Zielgruppenansprache ist, bestätigt zudem die
Programmevaluation zum Mikroförderprogramm. Im Rahmen von Interviews gaben die Geförderten an,
dass die Webseite sowohl zur Erstinformation zur Fördermöglichkeit als auch während des
Antragsprozesses die Hauptinformationsquelle darstellte.
Hinsichtlich der Akzeptanz der Angebote der DSEE durch die Zielgruppe haben die Themensetzungen
der DSEE eine zentrale Bedeutung. Die DSEE setzt dabei in ihren Förderangeboten Schwerpunkte auf
Themen, die besondere Herausforderungen für Akteure der Engagementpraxis darstellen. In den
Arbeitsprogrammen, welche die Stiftung seit 2021 jährlich veröffentlicht, zeigt sich, dass die DSEE ihre
Themenschwerpunkte seit Gründung kontinuierlich erweitert hat. Exemplarisch kann dies mit Blick auf
die Förderangebote aufgezeigt werden. In der Auswertung der Förderleitlinien der verschiedenen
Förderprogramme kann nachvollzogen werden, dass die DSEE die drei Themenschwerpunkte, die im
ersten Förderprogramm gesetzt wurden – Förderung (sozialer) Innovationen, Stärkung des
strukturschwachen und ländlichen Raums sowie die Förderung der Nachwuchsgewinnung für das
Engagement und Ehrenamt – fortgeführt und ausgeweitet hat (siehe Tabelle 3). Durch die Entwicklung
weiterer Förderangebote liegen weitere Themenschwerpunkte seit 2021 auch auf der Förderung von
Digitalisierung sowie der Diversität und Teilhabe im Engagement und Ehrenamt sowie seit 2023
zusätzlich auch auf dem Klimaschutz.
⸻
6 Die Evaluation fand im Zeitraum von Mai bis August 2024 statt. Für die Auswertung konnten daher für das laufende Jahr nur Ant räge, die bis zum Juli 2024 eingingen,
berücksichtigt werden.
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Tabelle 3: Übersicht des Förderangebots der DSEE im Jahresverlauf und nach Themenschwerpunkten
gemäß der Förderleitlinien
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Gleichzeitig wird anhand der Förderangebote deutlich, dass die DSEE auf Bedarfe ihrer Zielgruppe
reagiert. Beispielsweise entwickelte die Stiftung das Programm Bildungsturbo als Reaktion auf veränderte
Anforderungen und Rahmenbedingungen von Weiterbildungsangeboten im Kontext der Covid-19-
Pandemie. Auf Grund von sinkender Nachfrage nach zwei Förderrunden wurde das Programm nicht
verlängert. Gleichwohl besteht im Rahmen des ab 2023 angebotenen Programms transform_D weiterhin
die Möglichkeit, eine Förderung für innovative und digitale Weiterbildungsangebote zu erhalten. Ein
zweites Beispiel für die Reaktion auf aktuelle Bedarfe der Zielgruppe ist das einmalige Programm
Ehrenamt hilft gemeinsam. Mit diesem unterstützte die DSEE 2022 Engagement für Geflüchtete aus der
Ukraine. Ähnlich hat das Programm ZukunftsMUT ehrenamtliche Kinder- und Jugendarbeit mit dem Ziel
gefördert, pandemiebedingte Rückstände aufzuholen. Auch diese bedarfsorientierte Gestaltung der
Förderangebote ist ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Akzeptanz der Angebote bei Zielgruppen.
Mit ihren digitalen und zentralen Beratungs-, Informations- und Qualifizierungsangeboten sowie
insbesondere dem Konzept des hallo-Teams, leistet die DSEE einen wichtigen Beitrag zur
Unterstützung der Engagement- und Ehrenamtsstrukturen in Deutschland. Diese Angebote sind nicht
nur im Errichtungsgesetz der DSEE bereits angelegt, sie bedienen zudem auch einen zentralen Bedarf
von Ehrenamtlichen und Engagierten. Aus den Interviews mit Vertretern der Zivilgesellschaft im
Stiftungsrat wurde deutlich, dass insbesondere Beratung und Qualifizierung ein zentrales Anliegen bei
ehrenamtlich Aktiven und Organisationen sind. So betonte ein Stiftungsratsmitglied im Interview: „Für
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ehrenamtliche Positionen gibt es kein Onboarding.“ Vielmehr müssten sich Ehrenamtliche das benötigte
Wissen, beispielsweise mit Blick auf Vereinsrecht, Zuwendungsrecht oder den Neuregelungen zum
Transparenzregister, selbst aneignen. Zwar bietet das Internet umfangreiche Informationsquellen, jedoch
fehlte es bislang an einer zentralen, vertrauenswürdigen und verlässlichen Quelle. Diese Lücke möchte
die DSEE schließen. Mit den onlinebasierten, zeitunabhängigen Angeboten, wie den Informationstexten
zu rechtlichen Fragestellungen unter dem Titel #DSEErechtstipps oder der Webinarreihe #DSEEerklärt
baut die DSEE kontinuierlich einen kostenfreien, öffentlich zugänglichen Wissensspeicher auf.
Die Auswertung der Daten zur Nachfrage dieser Angebote zeigt insgesamt eine kontinuierliche und
steigende Nutzung der diversen Service-Angebote. Insbesondere die Webinare der DSEE werden stark
nachgefragt. So nahmen bislang durchschnittlich jeweils etwa 140 Personen an den 224 Webinaren teil.
Dies inkludiert nicht diejenigen, die nachträglich die aufgezeichneten Videos auf der Webseite aufriefen.
Auch die Fachberatungen werden jährlich immer stärker wahrgenommen. So hat sich beispielsweise die
Anzahl der juristischen Beratungen im Jahresvergleich von 2022 auf 2023 mehr als verdoppelt (siehe
Abbildung 4). Im laufenden Jahr 2024 wurde bereits im Juli ein Niveau von 80 % der Vorjahreszahlen
erreicht. Insgesamt kann somit auch für die Service-Angebote im Bereich Beratung, Information und
Qualifizierung eine positive Entwicklung der Sichtbarkeit und Akzeptanz der DSEE durch die Zielgruppe
festgestellt werden.
Abbildung 4: Übersicht zur Anzahl der Beratungen im Jahresvergleich 2021 bis 2024
Hinweis: Zum Zeitpunkt der Berichtslegung lagen für das Jahr 2024 lediglich Daten für das erste Halbjahr vor. Für die
Datenvisualisierung wurden ausschließlich Jahre herangezogen, für die abschließende Daten vorlagen. Die Daten für das erste
Halbjahr 2024 wurden jedoch ebenfalls ausgewertet und im Rahmen der Evaluation berücksichtigt.
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Gestützt wird die Wahrnehmung dieser steigenden Sichtbarkeit und Akzeptanz auch in den Interviews
mit Mitarbeiter:innen der DSEE, den Mitgliedern des Stiftungsrats sowie den Fokusgruppen. Ein
wichtiges Element hierbei ist die intrinsische Motivation der Mitarbeiter:innen für das Thema
Engagement und Ehrenamt, das sowohl verbal als auch nonverbal in den Interviews zur Sprache kommt.
Ein bedeutsamer Aspekt, insbesondere mit Blick auf die Glaubwürdigkeit bei der Zielgruppe, ist – wie
bereits in Kapitel 3.1.2 beschrieben – das eigene ehrenamtliche Engagement vieler DSEE-
Mitarbeiter:innen. Auch der Stiftungsrat nimmt eine zentrale Rolle für eine hohe Akzeptanz der DSEE bei
Akteuren aus der Ehrenamts- und Engagementpraxis ein. Mitglieder aus der Zivilgesellschaft sitzen als
Vertreter:innen von Dachorganisationen im Stiftungsrat, wie beispielsweise der Bundesverband
47
9082
285
598
138
240
338
0
200
400
600
2021 2022 2023
Anzahl Beratungen im Jahresvergleich
Versicherungsberatung juristische Beratung Fördermittelberatung
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Deutscher Stiftungen, der Bund der Deutschen Landjugend e. V. oder die Bundeskonferenz der
Migrantenorganisationen. Sie stellen dadurch eine aktive Schnittstelle zwischen Bedürfnissen und
Anliegen ehrenamtlicher Akteure und der DSEE dar. Gleichsam können sie als Sprachrohr für die
Angebote der DSEE in die einzelnen Verbände hineinwirken, die sie vertreten. Dabei wird dies nicht nur
als Pflichtaufgabe in ihrer Gremienfunktion wahrgenommen. Vielmehr zeigen sich die interviewten
Stiftungsratsmitglieder überzeugt von der Arbeit und den Angeboten der Stiftung. Die positive
Entwicklung der Sichtbarkeit sowie die steigende Akzeptanz der Angebote spiegeln sich auch in den
Fokusgruppengesprächen wider. Alle Fokusgruppenteilnehmer:innen bewerten die seit der Gründung
gesetzten inhaltlichen Schwerpunkte der DSEE als relevant. Die förderrechtlichen und administrativen
Rahmenbedingungen der Angebote wurden jedoch zum Teil ambivalent diskutiert. Beispielsweise
wurden die halbjährlichen Förderzeitraume von Förderprogrammen mit geringem Planungsvorlauf in
den ersten Jahren der Gründung als „realitätsfern“ und „unrealistisch“ bezeichnet. Gleichzeitig betonte
ein Großteil der Fokusgruppenteilnehmer:innen, dass die Mehrzahl der kritisierten Prozesse in den
Folgejahren durch die DSEE gesehen und angepasst wurden. So wurde der Antragsprozess mit einem
längeren Vorlauf bis zum geplanten Projektstart gestaltet, um den Geförderten mehr Planungsspielraum
und Vorbereitungszeit zu geben. Die Fokusgruppenteilnehmer:innen aus dem vergangenen und
aktuellen Förderjahr beschrieben die administrativen Abläufe mehrheitlich als reibungslos und
bedarfsgerecht – insbesondere im Vergleich zu den Abläufen bei alternativen Fördermöglichkeiten.
Insgesamt kann im Rahmen der Evaluation sowohl durch die Analyse von Daten und Dokumenten als
auch in den Interviews mit Stiftungsratsmitgliedern und Mitarbeiter:innen sowie in den
Fokusgruppengesprächen eine positive Bilanz der Sichtbarkeit und Akzeptanz der Angebote der DSEE
seit Errichtung der Stiftung gezogen werden. Gleichwohl ist die bisherige Reichweite auch unter
Berücksichtigung der potenziell erreichbaren Zielgruppe einzuordnen. Vor dem Hintergrund von über
650.000 zivilgesellschaftlichen Organisationen7 und rund 29 Millionen Menschen, die sich in Deutschland
ehrenamtlich engagieren8, hat die DSEE mit insgesamt ca. 30.000 eingereichten Anträgen und etwas über
31.000 Webinar-Teilnahmen bislang nur einen kleinen Teil der ehrenamtlichen Akteure erreicht. Dabei
ist zu berücksichtigen, dass sich manche der Angebote der DSEE, wie etwa das Programm FuturE, an
Funktionsträger:innen innerhalb der jeweiligen Organisationen richten und daher wenigstens indirekt
einer größeren Zahl an ehrenamtlich Aktiven profitieren. Vor dem Hintergrund des kontinuierlichen
Ausbaus der Reichweite der verschiedenen Angebote der DSEE, des erst vierjährigen Bestehens der
Stiftung sowie der zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen, ist die Entwicklung
der Sichtbarkeit und Akzeptanz der Angebote aus Sicht der Evaluator:innen insgesamt als erfolgreich zu
bewerten.
3.2.2 Förderung des Ehrenamts in strukturschwachen und ländlichen
Regionen
Die DSEE ist als Organisation sowohl inhaltlich als auch strategisch auf die Stärkung ländlicher und
strukturschwacher Räume ausgelegt. Ganz grundsätzlich ist die Stärkung des Ehrenamts in
⸻
7 Vgl. Schubert, P. et al. (2023): Erste Befunde des ZiviZ-Survey 2023. Zivilgesellschaft in Krisenzeiten: Poli-tisch aktiv mit geschwächten Fundamenten. ZiviZ im Stifterverband
für die Deutsche Wissenschaft e.V. Online verfügbar unter: https://www.ziviz.de/sites/ziv/files/ziviz-survey_2023_trendbericht.pdf. Zuletzt abgerufen am: 27.08.2024.
8 Vgl. Simonson, J. et al. (2021): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zentrale Ergebnisse des Fünften Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2019), S. 9. Bundesministerium
für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Online verfügbar unter: https://www.bmfsfj .de/resource/blob/176836/7dffa0b4816c6c652fec8b9eff5450b6/
frewilligesengagement-in-deutschland-fuenfter-freiwilligensurvey-data.pdf.
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strukturschwachen und ländlichen Regionen als zentrale Aufgabe der DSEE im Errichtungsgesetz als
Stiftungszweck festgeschrieben.9 Im Stiftungsalltag lässt sich dieser Schwerpunkt konkret an einer
Vielzahl an Faktoren festmachen, ausgehend von der Wahl ihres Standortes, über die
Förderbedingungen der Förderprogramme bis hin zu strategischen Zielsetzungen und Netzwerken der
Stiftung. So ist es beispielsweise in den Programmen Engagiertes Land oder Mikroförderprogramm eine
Fördervoraussetzung, dass die antragstellende Organisation in strukturschwachen und/oder ländlichen
Regionen sitzt bzw. in einer solchen Region ihr Projekt durchführt. Andere Programme, wie das
Nachwuchsführungskräfte-Programm FuturE haben in ihren Förderleitlinien eine Absichtserklärung
stehen, dass „besonders Personen aus ländlichen und/oder strukturschwachen Räumen“ 10 mit dem
Programm angesprochen und gefördert werden sollen. In den Interviews mit DSEE-Mitarbeiter:innen
wird deutlich, dass der inhaltliche Schwerpunkt auf ländliche und strukturschwache Räume insbesondere
auch ein Instrument der Sichtbarkeit und der Wertschätzung sein soll. In den Interviews mit
Stiftungsräten, den Protokollen der Stiftungsratssitzungen sowie insbesondere im Rahmen der
Fokusgruppengespräche mit Zuwendungsempfänger:innen wurde klar bestätig, dass der Aspekt der
Wertschätzung bei der Zielgruppe auch ankommt. Darüber hinaus zeigt sich in der Dokumentenanalyse,
dass in strukturschwachen ländlichen Regionen durch die Förderangebote der DSEE ganz konkret
beispielsweise 93 lokale Netzwerke vor Ort zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie
sektorübergreifend aufgebaut und gestärkt werden konnten (im Programm Engagiertes Land) sowie 50
Best-Practice-Ansätze für die Gewinnung von Engagierten und Ehrenamtlichen in ländlichen und/oder
strukturschwachen Räumen veröffentlicht und im Netzwerk der DSEE verbreitet wurden (im Rahmen des
Förderpreises EngagementGewinner von 2021). Ähnlich würdigt der Wettbewerb machen!, den der
Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland seit 2023 in Kooperation mit der DSEE umsetzt,
das bürgerschaftliche Engagement in ländlichen Regionen Ostdeutschland. Adressaten sind Vereine,
Netzwerke, Bürgerstiftungen und Bürgergenossenschaften, deren Projekte Gemeinschaft und
Zusammenhang stiften. Darüber hinaus stellt die DSEE mit ihrem Mikroförderprogramm für kleine, lokale
Organisationen sowie den Programmen Jung & engagiert bzw. initiativ! zusätzlich auch für Initiativen
ohne eigene Rechtsform oftmals erstmalig eine Fördermöglichkeit zur Verfügung, die häufig im
ländlichen Raum verortet sind. Dass die Erreichung dieser Zielgruppe an Erstgeförderten gelingt, belegt
dabei die Evaluation des Mikroförderprogramms. Damit erschließt die DSEE auch für spontane, weniger
formalisierte Engagementstrukturen den Zugang zu Förderungen und somit neue Möglichkeitsräume.
Gleichzeitig werden bei der Betrachtung der geographischen Verteilung der Fördersummen der DSEE
auch Herausforderungen in der systematischen Stärkung strukturschwacher und ländlicher Regionen
deutlich. Die Auswertung der Förderdaten zeigt, dass die Fördersummen, die in den urbanen Raum
fließen, höher sind als die Fördersummen in den ländlichen Räumen. Dies gilt einerseits für die
aggregierten Fördermittel insgesamt (siehe Abbildung 5) als auch für die durchschnittliche Fördersumme
pro Antrag (siehe Abbildung 6), welche für Anträge aus urbanen Regionen über der durchschnittlichen
Fördersumme von Anträgen aus ländlichen Regionen liegt.11 Eine Ursache hierfür liegt mutmaßlich auch
darin, dass Organisationen und Initiativen, die strukturell in der Lage sind, größere Projekte mit
⸻
9 Vgl. Gesetz zur Errichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt vom 25. März 2020 (BGBl. I S. 712), §2, Abs. 1.
10 Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (2024): Teilnahmebedingungen zum Zertifikats- und Managementprogramm für ehrenamtliche Leitungskräfte, FuturE.
Stand vom 01.08.2024. Online verfügbar unter: https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/wp-
content/uploads/2024/07/FuturE_Teilnahmebedingungen_55-68.pdf. Zuletzt abgerufen am: 27.08.2024.
11 Im Rahmen der Auswertung der Fördermitteldaten wurde ersichtlich, dass die DSEE nicht nur Förderungen direkt vergibt, sondern auch Fördermittel an Verbände
weiterleitet, welche diese als mittelausreichende Stelle zielgerichtet an Akteure des Engagements und Ehrenamts ausschütten. Diese mittelausreichenden Stellen sitzen in
der Regel im nicht-ländlichen Raum, Angaben zum Sitz der Letztmittelempfänger:innen fehlen. Um eine mögliche Verzerrung bei der Darstellung, wo die Fördermittel der
DSEE letztlich hinfließen, zu verhindern, wurden diese Weiterleitungen nicht in die Berechnungen einbezogen und sind ebenfalls nicht in den Abbild ungen 5 und 6
abgebildet.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 43 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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entsprechend höheren Fördersummen umzusetzen und zu verwalten, derzeit überwiegend im
nichtländlichen Raum verortet sind. Gestützt wird diese Annahme auch dadurch, dass zwar mehr
Fördervolumen der DSEE in den nicht-ländlichen Raum fließt, gleichzeitig jedoch mit deutlichem Abstand
absolut mehr Anträge aus ländlichen und strukturschwachen Regionen gefördert werden. Zu bedenken
ist aber auch, dass in manchen Fällen die Förderung in ihrer Wirkung durchaus Akteure im ländlichen
Raum erreicht, auch wenn der Sitz der geförderten Organisation in der Stadt liegt und in der Statistik
dann entsprechend kategorisiert ist. Damit zukünftig ein noch größerer Anteil an Fördermitteln der DSEE
in die ländlichen und strukturschwachen Regionen fließen kann, braucht es daher zunächst eine
strukturelle Stärkung der Ehrenamts- und Engagementstrukturen in diesen Regionen.
Hinweis: Zum Zeitpunkt der Berichtslegung lagen für das Jahr 2024 lediglich Daten für das erste Halbjahr vor. Für die
Datenvisualisierung wurden ausschließlich Jahre herangezogen, für die abschließende Daten vorlagen. Die Daten für das erste
Halbjahr 2024 wurden jedoch ebenfalls ausgewertet und im Rahmen der Evaluation berücksichtigt.
Quelle: Syspons 2024, eigene Darstellung
Die strategische Verankerung der Stärkung von Engagementstrukturen im strukturschwachen und
ländlichen Raum zeigt sich insbesondere in den Arbeitsprogrammen der DSEE. Hier wird deutlich, dass
dies als Querschnittsaufgabe aller Arbeitsbereiche verstanden und umgesetzt wird. In allen bisherigen
Arbeitsprogrammen finden sich dezidierte Zielsetzungen und konkrete Maßnahmen für den
strukturschwachen und ländlichen Raum in den unterschiedlichen Arbeitsbereichen der DSEE (siehe
Tabelle 4, Anhang 6.5). So werden neben den spezifischen Förderangeboten für den strukturschwachen
und ländlichen Raum auch die möglichen Besonderheiten dieser Regionen durch Forschungsaufträge
erhoben und darauf aufbauend Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen entwickelt.
0 €
5.000.000 €
10.000.000 €
15.000.000 €
20.000.000 €
25.000.000 €
30.000.000 €
35.000.000 €
40.000.000 €
2020 2021 2022 2023
Fördersumme
1 - sehr ländlich 2 - eher ländlich
3 - nicht ländlich (keine Angabe)
Abbildung 6: Jahresvergleich Fördersumme der
geförderten Anträge nach Raumkategorien
(Kategorisierung nach Thünen)
Abbildung 6: Jahresvergleich durchschnittliche
Förderhöhe geförderter Anträge nach
Raumkategorien (Kategorisierung nach Thünen)
0 €
5.000 €
10.000 €
15.000 €
20.000 €
25.000 €
30.000 €
2020 2021 2022 2023
Durchschnittliche Förderung je
bewilligtem Antrag
1 - sehr ländlich 2 - eher ländlich
3 - nicht ländlich
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800 – 44 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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Allerdings bedarf es aus Evaluator:innensicht auch eine Prüfung, was als ländlicher bzw.
strukturschwacher Raum ausgewiesen wird – wo also die genannten Effekte auftreten bzw. erzielt werden
sollen. Dabei wird deutlich, dass bei der Einstufung, welche Regionen als strukturschwach und/oder
ländlich gelten, mitunter ein eher grobes Raster angelegt wird. Dadurch kommt es in Einzelfällen zu
widersprüchlichen Einstufungen. Für die Definition von strukturschwachen und ländlichen Räumen greift
die DSEE auf bestehende Klassifizierungen zurück. Für das Mikroförderprogramm nutzt die DSEE
beispielsweise für die Einteilung in (eher) ländliche oder nicht-ländliche Räume die Typologie des
Thünen-Instituts. Für die Definition von strukturschwachen Räumen orientiert sich die DSEE an den
sogenannten GRW-Fördergebieten gemäß dem Koordinierungsrahmen der Gemeinschaftsaufgabe
„Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ GRW-Fördergebiete 2014-2020), die C- und D-
Fördergebiete unterscheidet. Auf den Webseiten der Programme, bei denen ein Standort im
strukturschwachen und/oder ländlichen Raum eine Förderbedingung darstellt, können
Förderinteressierte anhand einer einfachen Eingabe ihrer Postleitzahl ihre Förderwürdigkeit überprüfen.
Dieser Überprüfung liegen offenbar die verwendeten Klassifizierungen und Definitionen zugrunde. Die
pragmatische Lösung einer Postleitzahlen-Suche bietet schon vor der Antragstellung Zugänglichkeit,
Transparenz und Effizienz in der Kommunikation mit den Antragstellenden über deren grundsätzliche
Förderungsfähigkeit. Diese Möglichkeit wird im Rahmen der Programmevaluation des
Mikroförderprogramms seitens der Geförderten als hilfreich hervorgehoben. Bei der Eingabe der
Postleitzahlen treten allerdings in Teilen Unschärfen auf: So sind gemäß der Postleitzahl -Prüfung
beispielsweise Projekte mit Durchführungsort im gesamten Bundesland Berlin im Mikroförderprogramm
antragsberechtigt. Dies umfasst auch strukturstarke Bezirke Berlins wie beispielsweise Steglitz -
Zehlendorf oder Charlottenburg-Wilmersdorf. Gemäß dem Gesundheits- und Sozialstrukturatlas Berlin
2022 weist der Bezirk Steglitz-Zehlendorf jedoch sowohl mit Blick auf soziale als auch gesundheitliche
Belastungen „durchweg sehr günstige Werte auf“.12 Die bestehende Diversität innerhalb des Gebiets des
Bundeslandes Berlin wird in der GRW-Klassifizierung grundsätzlich berücksichtigt. Dies zeigt sich
dadurch, dass Berlin sowohl als „teilweise C-Fördergebiet, teilweise D-Fördergebiet“ als auch als
„teilweise kein Fördergebiet“ ausgewiesen wird. Offenbar ist die Postleitzahlen-Suche eher grob an den
verwendeten Klassifizierungen und Definitionen orientiert. Die Unschärfen im Suchergebnis trüben im
Ergebnis allerdings ein wenig die grundsätzlich sehr transparent angelegten und operationalisierten
Zuordnungen und könnten folglich zu Unsicherheit seitens der Antragstellenden führen.
Insgesamt wird die DSEE ihrem satzungsgemäßen Auftrag gerecht, einen Schwerpunkt ihrer Arbeit
auf die Stärkung von Ehrenamtsstrukturen im strukturschwachen sowie ländlichen Raum zu legen.
Die Schwerpunktsetzung zeigt sich deutlich in den jährlichen Arbeitsprogrammen, in Förderprogrammen
wie Engagiertes Land und dem Mikroförderprogramm sowie in der Ausrichtung des Wettbewerbs
machen!, die ausschließlich für den strukturschwachen und ländlichen Raum entwickelt wurden. Auch
ideell setzt sich die DSEE für die Wertschätzung und Sichtbarkeit des ländlichen Raumes ein, nicht zuletzt
durch die Entscheidung ihren Organisationssitz nach Neustrelitz zu legen. Um den strukturschwachen
ländlichen Raum zukünftig nicht nur durch zahlenmäßig mehr Anträge, sondern auch durch höhere
Fördersummen als den nicht-ländlichen Raum zu fördern, braucht es jedoch längerfristiges Engagement
für den Strukturaufbau von Initiativen und Akteuren aus der Engagement- und Ehrenamtspraxis. Dies ist
nicht allein die Aufgabe der DSEE. Um hier dennoch einen Beitrag zu nachhaltigen Effekten zu leisten,
setzt die DSEE insbesondere auf die Zusammenarbeit mit bestehenden Engagement- und
⸻
12 Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Berlin (2022): Gesundheits- und Sozialstrukturatlas Berlin 2022. Online verfügbar unter:
https://www.berlin.de/sen/gesundheit/service/gesundheitsberichterstattung/gesundheit-und-sozialstruktur/. Zuletzt abgerufen am: 27.08.2024.
Deutscher Bundestag – 21. Wahlperiode Drucksache 21/1800– 45 –
EVALUIERUNG DER ERZIELTEN WIRKUNGEN DES GESETZES ZUR ERRICHTUNG DER DEUTSCHEN STIFTUNG FÜR ENGAGEMENT UND EHRENAMT
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Ehrenamtsstrukturen sowie eine breite Vernetzung in die Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft (siehe
Kapitel 3.1.1 und 3.1.2).
3.2.3 Förderung von Digitalisierung und digitalen Innovationen
Die DSEE fördert durch eine Vielzahl an Programmen und Angeboten die Digitalisierung sowie
digitale Innovationen für das bürgerschaftliche Engagement und das Ehrenamt. Hierzu zählen u. a. die
Programme 100xDigital, Bildungsturbo oder transform_D. Auch im Bereich Qualifizierung stellt die DSEE
für den Themenbereich Digitalisierung Weiterbildungsangebote bereit, etwa in den #DSEEerklärt
Seminarreihen. Darüberhinausgehend bietet sie direkte Beratung und Unterstützung bei akuten IT -
Problemen an. Zudem engagiert sich die DSEE seit 2021 als Mitveranstalter in der Ausrichtung des Digital
Social Summit, auf dem sich bundesweit Non-Profit-Organisationen rund um das Thema Digitalisierung
verne
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
Relationen
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