Digitale Bezahloption
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Digitale Bezahloption
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1573
21. Wahlperiode 10.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger,
Max Lucks, Sascha Müller, Karoline Otte, Matthias Gastel, Julian Joswig und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Digitale Bezahloption
Die Nutzung von digitalen Zahlungsmethoden nimmt in Deutschland seit
Jahren stetig zu. Die meisten Bürgerinnen und Bürger bevorzugen mittlerweile
unbare Zahlungsmittel. Neben den klassischen bargeldlosen Zahlungen per EC-
oder Kreditkarte gewinnen auch Mobile Payment (z. B. Apple Pay, Google
Pay) sowie Onlinebezahldienste immer mehr an Bedeutung. Im Einzelhandel
und in der Gastronomie wird Bargeld zwar weiterhin bei der überwiegenden
Mehrheit der Zahlvorgänge vor Ort akzeptiert und ist derzeit noch häufiger im
Einsatz als unbare Zahlungsmittel. Im Vergleich zum Jahr 2021 ist die
Akzeptanz von Bargeld jedoch zurückgegangen. Dagegen ist die Akzeptanz unbarer
Zahlungsmittel seit der Corona-Pandemie im Jahr 2021 um ca. 20
Prozentpunkte gestiegen. Bei 81 Prozent aller Zahlvorgänge vor Ort werden mittlerweile
Karten oder andere unbare Zahlungsmethoden akzeptiert (vgl. www.bundesban
k.de/r-source/blob/934826/e5e733f971a22ea9d7e7e70953ca2dea/472B63F073
F071307366337C94F8C870/zahlungsverhalten-in-deutschland-2023-data.pdf).
Im EU-Ausland ist das digitale Bezahlen sogar noch beliebter und weiter
verbreitet. Im Vergleich mit 17 europäischen Staaten liegt Deutschland auf
Platz 12. Die Menschen in Norwegen, Luxemburg und Dänemark bezahlen am
liebsten und am häufigsten digital (vgl. www.tagesschau.de/wirtschaft/verbrauc
her/bargeld-deutsche-digitales-bezahlen-visa-mastercard-aktie-100.html).
Während gastronomische Betriebe wie Restaurants oder Cafés im Ausland
digitale Zahlungsoptionen, beispielsweise Kartenzahlungen, häufig
standardmäßig anbieten, ist dies in Deutschland nach wie vor vergleichsweise selten
möglich (vgl. www.tagesschau.de/inland/elektronisches-bezahlen-karte-regierung-1
02.html). Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD hat die
Bundesregierung sich dazu bekannt, die Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr weiter zu
fördern und neben Bargeld zukünftig mindestens eine weitere Zahlungsoption
schrittweise einzuführen (vgl. www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koaliti
onsvertrag2025.de/files/koav_2025.pdf, S. 49). Darüber hinaus wurden die
Steuersenkung für Speisen in der Gastronomie (vgl. ebd. S. 47), die
Abschaffung der Bonpflicht (vgl. ebd. S. 60), die Einführung digitaler
Zahlungsoptionen (vgl. ebd. S. 49) und die Einführung einer Registrierkassenpflicht ab 1.
Januar 2027 (vgl. ebd. S. 60) vom Parlamentarischen Staatssekretär beim
Bundesminister der Finanzen, Michael Schrodi, öffentlich als „Paketlösung“
beschrieben (vgl. www.spiegel.de/wirtschaft/service/kartenzahlung-koalitionsvert
rag-fordert-digitale-zahlungsoption-in-der-gastronomie-a-127837b7-46ca-43b
0-b358-4bcb116fef9b). Die Einführung einer digitalen Bezahloption würde
nicht nur den Bürgerinnen und Bürgern eine größere Auswahl beim
Bezahlvorgang ermöglichen, sondern auch dazu beitragen, Steuerbetrug in Deutschland
erheblich zu erschweren und zu reduzieren (vgl. www.swr.de/swraktuell/rheinl
and-pfalz/mainz/laut-steuerbeoerde-rheinland-pfalz-kann-digitales-bezahlen-ste
uerbetrug-verringern-100.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welchen zeitlichen Rahmen setzt die Bundesregierung für die schrittweise
Einführung mindestens einer digitalen Zahlungsoption im
Zahlungsverkehr, und welche konkreten gesetzlichen Schritte sind dabei vorgesehen?
2. Bis zu welchem Zeitpunkt beabsichtigt die Bundesregierung, eine
flächendeckende Verfügbarkeit digitaler Zahlungsmöglichkeiten in Deutschland
zu erreichen?
3. Welche Erfüllungsoptionen (unbare Zahlungsmittel) sieht die
Bundesregierung vor, um der Vorgabe einer digitalen Bezahloption
nachzukommen?
4. Wie hoch sind die relativen Gebühren für Kartenzahlungen in
Deutschland im Vergleich zu den Gebühren in Norwegen, Dänemark, Luxemburg
und Litauen (vgl. www.focus.de/finanzen/gastronomen-wollen-bargeld-un
d-klagen-ueber-kartenzahlung-das-steckt-dahinter_d79d1f7d-b7aa-477b-a
2a3-fa2df104b1c8.html) (bitte nach Girokarten, Kreditkarten und anderen
digitalen Zahlungsoptionen aufschlüsseln)?
5. Wie beabsichtigt die Bundesregierung sicherzustellen, dass alle
Bevölkerungsgruppen Zugang zu digitalen Zahlungsoptionen erhalten, und welche
konkreten Maßnahmen ergreift sie hierfür?
6. Wie plant die Bundesregierung bei digitalen Bezahloptionen ein hohes
Datenschutzniveau zu erhalten und sicherzustellen, dass nicht sämtliche
ihrer Transaktionen überwacht und gar einer Vorratsdatenspeicherung
zugeführt werden?
7. Inwieweit werden bei der Einführung digitaler Zahlungsoptionen auch
Aspekte der Barrierefreiheit und Inklusion berücksichtigt?
8. Plant die Bundesregierung Förderprogramme oder technische
Unterstützungsangebote z. B. für gastronomische Betriebe zur Einführung
moderner Kassensysteme, und wenn ja, welche?
9. Sind Ausnahmen von der geplanten Verpflichtung angedacht (z. B. für
Kleinbetriebe), und wenn ja, welche, und aus welchen Gründen?
10. Werden technische Mindestanforderungen für eine Verpflichtung als
notwendig angesehen, und wenn ja, welche?
11. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung auf das
Steueraufkommen durch eine verstärkte Nutzung digitaler Bezahloptionen?
12. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die jährlich entgangenen
Steuereinnahmen aufgrund von Steuerhinterziehung in der Gastronomie in
Deutschland (vgl. www.wiwo.de/unternehmen/dienstleister/werner-knallh
art-nur-bar-wie-lange-lassen-wir-uns-die-steuerhinterziehung-in-der-gastr
onomie-noch-bieten/29855954.html) (bitte für die letzten fünf Jahre
angeben)?
13. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Steuerbetrug in der
Gastronomiebranche zu verhindern und die entgangenen Steuereinnahmen
möglichst zu reduzieren?
14. Rechnet die Bundesregierung durch die Abschaffung der Bonpflicht mit
einem erhöhten Maß an Steuerbetrug, und wenn nein, aus welchen
Gründen nicht (vgl. www.zdfheute.de/wirtschaft/bonpflicht-abschaffung-kritik-
100.html)?
15. Mit welchen Kostenersparnissen für Unternehmen rechnet die
Bundesregierung durch die Abschaffung der Bonpflicht, insbesondere vor dem
Hintergrund, dass die Bereitstellung von Belegen heute bereits digital und
kostengünstig über QR-Codes möglich ist?
16. Welche positiven Effekte verspricht sich die Bundesregierung von der
Einführung der Registrierkassenpflicht?
17. Welche Herausforderungen sieht die Bundesregierung im Zusammenhang
mit der Einführung der Registrierkassenpflicht für kleine und mittlere
Unternehmen?
18. Welches Potenzial sieht die Bundesregierung in digitalen Zahlungen zur
Modernisierung und Effizienzsteigerung gastronomischer Betriebe?
19. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über zunehmende
Verschuldung von Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgrund der vermehrten
Nutzung von Mobile Payment?
20. Sind der Bundesregierung Probleme von Verbraucherinnen und
Verbrauchern bei der Rückabwicklung, beim Umtausch oder bei der Retoure
durch Mobile Payment bekannt?
21. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über zunehmende
Verschuldung von Verbraucherinnen und Verbrauchern aufgrund der vermehrten
Nutzung von Onlinebezahldiensten?
22. Sind der Bundesregierung Probleme von Verbraucherinnen und
Verbrauchern bei der Rückabwicklung, beim Umtausch oder bei der Retoure
durch Onlinebezahldiensten bekannt?
Berlin, den 9. September 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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