Tötung iranischer Atomwissenschaftler im Schlaf durch mutmaßlich israelische Technologie - Mögliche Auswirkungen auf die regionale Sicherheit und die Haltung der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/942)
Text
Tötung iranischer Atomwissenschaftler im Schlaf durch mutmaßlich israelische Technologie - Mögliche Auswirkungen auf die regionale Sicherheit und die Haltung der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/942)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1140
21. Wahlperiode 04.08.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stefan Schröder, Jan Wenzel Schmidt
und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/942 –
Tötung iranischer Atomwissenschaftler im Schlaf durch mutmaßlich israelische
Technologie – Mögliche Auswirkungen auf die regionale Sicherheit und die
Haltung der Bundesregierung
Der israelischen und internationalen Medienberichterstattung zufolge (www.ti
mesofisrael.com/liveblog_entry/operation-narnia-irans-nuclear-scientists-repo
rtedly-killed-simultaneously-using-special-weapon sowie www.twz.com/new
s-features/top-iranian-scientists-killed-by-secret-weapon-report) wurden im
Zuge eines israelischen Militärschlags gegen den Iran neun von zehn
führenden iranischen Atomwissenschaftlern zeitgleich und offenbar gezielt im Schlaf
getötet. Es soll sich angeblich um eine bisher unbekannte Technologie
gehandelt haben, die einen nahezu lautlosen, präzisen und koordinierten Angriff auf
Privatunterkünfte ermöglicht habe (ebd.). Die Aktion erfolgte ohne vorherige
Bodenoperationen oder wohl auch klassische Luftangriffe (ebd.).
Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Lage zwischen Israel und dem
Iran, den jüngsten Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten sowie des
Engagements Deutschlands in internationalen Gremien (Internationale
Atomenergiebehörde International (Atomic Energy Agency – IAEO, VN, EU)
ergeben sich für die Fragesteller zahlreiche Fragen zur Haltung der
Bundesregierung.
1. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über die Tötung der neun
iranischen Atomwissenschaftler, insbesondere über Ort, Zeit, Todesursache
und verwendete Technologie, und wenn ja, welche?
2. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung internationaler Medien (www.
twz.com/news-features/top-iranian-scientists-killed-by-secret-weapon-re
port), dass es sich bei der Tat um eine koordinierte Geheimdienstoperation
unter Einsatz neuartiger Waffentechnologie gehandelt haben könnte?
Die Fragen 1 und 2 werden zusammen beantwortet.
Die Bundesregierung hat keine über Presseberichte hinausgehenden
Erkenntnisse in Bezug auf die Tötung iranischer Atomwissenschaftler im Zusammen-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 4. August 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
hang mit der militärischen Auseinandersetzung zwischen Iran und Israel im
Juni 2025.
3. Liegen der Bundesregierung Informationen hinsichtlich möglicher
Urheberschaft durch israelische Sicherheitsbehörden oder Streitkräfte vor, und
wenn ja, welche?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine eigenen Erkenntnisse vor.
4. Sieht die Bundesregierung Auswirkungen auf das Nuklearabkommen
(Joint Comprehensive Plan of Action – JCPOA) und die Rolle der
Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), und wenn ja, welche?
Iran hatte sich bereits vor der militärischen Auseinandersetzung mit Israel im
Juni 2025 nicht mehr an wesentliche Verpflichtungen aus der Wiener
Nuklearvereinbarung (JCPoA) gehalten, weshalb die E3 – Deutschland, Frankreich und
das Vereinigte Königreich – bereits im Januar 2020 den nach Artikel 36 JCPoA
vorgesehenen Streitschlichtungsmechanismus (Dispute Resolution Mechanism
– DRM) ausgelöst hatten. Im Zuge der militärischen Auseinandersetzung hat
das iranische Parlament am 26. Juni 2025 eine Aussetzung der Zusammenarbeit
mit der IAEO beschlossen. Das Gesetz ist seit 2. Juli 2025 in Kraft.
5. Hält die Bundesregierung gezielte Tötungen von Zivilpersonen, auch im
Falle mutmaßlicher nukleartechnischer Schlüsselrollen, völkerrechtlich für
legitim, und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen?
6. Hat sich die Bundesregierung eine Haltung gegenüber der gezielten
Tötung von Wissenschaftlern in ihrer Funktion als Staatsbedienstete eines
anderen Landes gebildet, und wenn ja, welche?
Die Fragen 5 und 6 werden zusammen beantwortet.
Im bewaffneten Konflikt gelten die Maßgaben des humanitären Völkerrechts.
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ISSN 0722-8333]
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