Kenntnis der Bundesregierung über Inhalte und Zielrichtung des Youna-Chatbots (Antwort zu Drs. 21/64)
Text
Kenntnis der Bundesregierung über Inhalte und Zielrichtung des Youna-Chatbots (Antwort zu Drs. 21/64)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/112
21. Wahlperiode 06.05.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage des Abgeordneten Tobias Mathias Peterka und der
Fraktion der AfD
– Drucksache 21/64 –
Kenntnis der Bundesregierung über Inhalte und Zielrichtung des YOUNA-
Chatbots
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Unter der Bezeichnung „YOUNA (you are not alone)“ wird im Netz ein
„Raum für Erfahrungen und Fragen zum Thema Rassismus“ angeboten. Es
handelt sich um einen AI (Artificial Intelligence)-Chatbot, in dem die Nutzer
„eigene Erfahrungen mit Rassismus“ schildern und – nach Eigenbeschreibung
– „digitales Empowerment“ erfahren können (youarenotalone.ai/#more). Das
Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz
(BMWK) gefördert.
Eine Recherche des Onlinemediums „Nius“ hat zutage gebracht, dass der
Chatbot in der Praxis keine klare Trennlinie zum Islamismus zieht (www.niu
s.de/medien/news/habecks-islamisten-chatbot-wird-zum-bitteren-social-medi
a-gag/117fe61c-9ad0-41b5-8e45-86af25c52c29, Abruf: 3. April 2025). Als
Beispiel zitiert das Medium die Beschwerde eines fiktiven Nutzers über
rassistische Diskriminierung, nachdem sein Versuch, im Messerladen ein Messer
zu kaufen, „um den Islam auf Deutschlands Straßen zu verbreiten“, vom
Ladenbesitzer mit der Begründung abgewiesen wurde, er verkaufe keine Messer
an Islamisten. Das Verhalten des Ladenbesitzers wird vom Chatbot als
rassistisch verurteilt (ebd.): „Der Verkäufer hat eindeutig Vorurteile gezeigt, die
rassistisch und diskriminierend sind. Es tut mir leid, dass Du solche Vorurteile
erleben musstest. Das ist nicht in Ordnung. Wie geht es Dir jetzt damit?“
In dem Bericht (s. o.) sind weitere Antworten des Chatbots auf fiktive
Situationen dokumentiert, die ein nach Auffassung der Fragesteller erschreckendes
Verständnis von „Rassismus“ offenbaren. So zeigt laut Bericht der Bot
Nachsicht gegenüber der Beleidigung deutscher Mitschüler als „Weißbrot“ und
„Kartoffel“; diese Bezeichnungen offenbarten „nicht die gleiche strukturelle
Diskriminierung wie Rassismus“ (ebd.). Sogar nach der Schilderung von
Gewalt gegen einheimische christliche Schüler, die eine Aufforderung zum
Fasten im Ramadan nicht beachteten, zeige der Bot Verständnis: „Wut ist eine
sehr verständliche Reaktion in solchen Situationen, aber Gewalt kann die
Dinge oft noch schwieriger machen“ (ebd.).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 5. Mai 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Mit welchen Beträgen hat die Bundesregierung die Entwicklung und den
Betrieb des Chatbots gefördert, und trägt die Bundesregierung die
Personalkosten für den Betrieb von YOUNA, und wenn ja, in welcher Höhe?
Das Unternehmen Meta Impact – Innovation für sozialen Wandel gUG, das den
Youna-Chatbot betreibt, hat vom Bundesministerium für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK) eine Zuwendung im Rahmen einer Projektförderung in Höhe
von 199 990 Euro erhalten. Bei dem Projekt ging es um mehrere
Entwicklungsschritte zu einem Chatbot für von Diskriminierung Betroffene; der laufende
Betrieb des Chatbots war nicht Projektbestandteil. Die Projektförderung für die
Entwicklung des Chatbots lief bis Ende 2023.
2. Werden Förderer und/oder Unterstützer von YOUNA seitens der
Bundesregierung finanziell unterstützt (siehe „YOUNA wird gefördert
durch“ unter youarenotalone.ai/ sowie „YOUNA wird unterstützt von“
unter youarenotalone.ai/), und wenn ja, auf welchen Betrag belaufen sich
die Zuwendungen der Bundesregierung für diese Personen und/oder
Organisationen in den letzten fünf Jahren (bitte nach Jahr und Namen
aufschlüsseln)?
Die genannte Webseite youarenotalone.ai verlinkte Ende April 2025 im Bereich
Unterstützer und Förderer zu Seiten von Crespo Foundation SbR, Robert Bosch
Stiftung GmbH, Postcode Lotterie DT gGmbH, ProjectTogether gGmbH, CMS
Stiftung GmbH, CMS LTF Limited, Das NETTZ gGmbH, Gemeinnützige
Hertie-Stiftung und Die Lautmaler GmbH. Einige dieser Unternehmen bzw.
Organisationen erhielten im Zeitraum vom 1. Januar 2020 bis zum 31. Dezember
2024 zweckgebundene Zuwendungen des Bundes, die ab dem 1. Januar 2020
bewilligt wurden.
Zuwendungsempfänger Ausgezahlte Zuwendungen in 1 000 Euro
2020 2021 2022 2023 2024
Postcode Lotterie DT gGmbH 4
ProjectTogether gGmbH 176 200 1 263 1 830
Das NETTZ gGmbH 415 1 070 1 033
3. Was ist das übergeordnete Förderprogramm, aus dessen Fördermitteln
der Chatbot finanziell unterstützt wird?
4. Wie kam der Kontakt mit den Initiatoren des Chatbots zustande, und auf
der Grundlage welcher Information erfolgte die Entscheidung des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, dem Deutschen
Bundestag eine entsprechende Förderung zu empfehlen, und welche
Informationen wurden dem Deutschen Bundestag dafür zur Verfügung gestellt?
5. Auf welcher Leitungsebene des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Klimaschutz wurde die Entscheidung getroffen, dass das Projekt
förderungsfähig ist, und war der Bundesminister für Wirtschaft und
Klimaschutz, Dr. Robert Habeck, eingebunden, und wenn ja, in welcher Form?
Die Fragen 3 bis 5 werden gemeinsam beantwortet.
Die in der Antwort zu Frage 1 thematisierte Zuwendung erfolgte im Rahmen
des dritten Förderaufrufs der Pilotphase des Innovationsprogramms für
Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) des BMWK. Der Förderaufruf
startete im November 2020. Die Projektauswahl der Vielzahl von geförderten
Projekten unter hunderten Anträgen erfolgte nach den in der Förderrichtlinie
festgelegten Kriterien. Entsprechend wurde das Projekt im Rahmen eines
umfassenden Verfahrens zunächst im Teilnahmeantrag und dann im Vollantrag
begutachtet. Wie in solchen Förderprogrammen üblich, nahm die Leitung des
BMWK keinen Einfluss auf die einzelne Förderentscheidung, die unter
Einbezug externer gutachterlicher Expertise auf fachlicher Ebene getroffen wurde.
Ebenfalls nach dem üblichen Verfahren wurde auch nicht das einzelne
Förderprojekt dem Deutschen Bundestag vorgelegt, wohl aber die Budgetierung des
Förderprogramms durch den Deutschen Bundestag im Rahmen des
parlamentarischen Verfahrens zum jeweiligen Haushaltsgesetz beschlossen.
6. Sind der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller
gemachten Aussagen des Chatbots bekannt, und welche Auffassung hat
sich die Bundesregierung ggf. dazu erarbeitet, und wäre die
Förderungsentscheidung bei Kenntnis dieser Aussagen in gleicher Weise getroffen
worden?
Das IGP fördert Innovationsprojekte, die naturgemäß auf Prototypen und
Neuentwicklungen zielen, deren genaue Ausgestaltung in den Jahren nach dem
Förderende vor Förderbeginn noch nicht im Detail feststeht. Die Ausrichtung der
Innovationsförderung auf Neuentwicklungen soll nicht verändert werden.
7. Liegen der Bundesregierung unabhängig vom in der Vorbemerkung der
Fragesteller genannten Artikel des Onlinemediums „Nius“ Erkenntnisse
über problematische Aussagen des Chatbots vor, und wenn ja, welche?
Der Bundesregierung liegen unabhängig von dem genannten Artikel keine
Erkenntnisse über problematische Aussagen des Chatbots vor.
8. Liegen dem Bundeskriminalamt entsprechende Erkenntnisse (vgl.
Frage 7) vor, und wurden diese an die Landeskriminalämter
weitergegeben?
Dem Bundeskriminalamt liegen entsprechende Erkenntnisse nicht vor.
9. Hat sich die Bundesregierung vor der Förderungsentscheidung oder im
Nachgang für die Ergebnisse ihrer Förderung interessiert und den
Chatbot eigeninitiativ geprüft?
Der entsprechende Förderantrag durchlief ein umfassendes Auswahlverfahren
und wurde vor der Bewilligung eingehend geprüft (siehe auch die Antwort zu
den Fragen 3 bis 5). Nachdem die Projektarbeiten Ende 2023 abgeschlossen
werden konnten, erfolgte zudem eine umfassende
Verwendungsnachweisprüfung.
10. Gibt es außer „YOUNA“ andere Chatbots, die von der Bundesregierung
gefördert werden, und wenn ja, welche?
Die Chatbots oder Projekte, die im Kern auf die Entwicklung oder den Betrieb
von Chatbots zielen, die aktuell mit Projektlaufzeit im April 2025
Zuwendungen des Bundes erhalten, sind in der der Anlage* aufgelistet.
* Von einer Drucklegung der Anlage wird abgesehen. Diese ist auf Bundestagsdrucksache 21/112 auf der Internetseite des Deutschen Bundestages abrufbar.
Anlage 21/112
Ressort Chatbot / Chatbotprojekt
BMAS BOTschafft Inklusion: Der inklusive Chatbot zur Eingliederung
und Teilhabe von pflegenden Angehörigen in den Arbeitsmarkt
BMAS
CHAT-KI: Bessere Chancen für Menschen mit Behinderungen
am Arbeitsmarkt durch KI-gestützte Informationen zu
Unterstützungsleistungen
BMBF
Verbundprojekt: "KICoPro" mit dem Ziel die Entwicklung eines
Chatbot-basierten Modellierungscopilot, welcher das
Geschäftsprozessmanagement (GPM) mit Fokus auf die IST-
Aufnahme von Geschäftsprozessen sowie deren Optimierung zu
unterstützen.
BMBF
Verbundprojekt: "VirKI - Virtuelle Kuratorin" Fusion von Kunst
und Technik, Form und Inhalt im analogen und digitalen Raum.
VirKI soll neuen Anforderungen an digitale Inhaltsvermittlung
gerecht werden. Das dialogfähige Chatbotsystem fragt
bestimmte Präferenzen ab und bietet ortsbezoge personalisierte
Inhalte an.
BMBF
Verbundprojekt: Virtualisierung als neue Möglichkeit der
Flexibilisierung und Skalierung der Leistungserbringung für
kleine und mittelständische Handwerksbetriebe (Minerva);
Teilprojekt: Entwicklung eines prototypischen, sprachgesteuerten
Chatbots zur Unterstützung handwerklicher Leistungen
BMBF
Verbundprojekt: Gamification-basierte Vermittlung von IT-
Sicherheitskompetenzen und Unterstützung in Echtzeit bei
Maßnahmen zum Schutz der Privatheit durch Einsatz eines
Chatbots - GameUp -
BMBF Verbundprojekt: Public Private Broker für eine sichere KI-
unterstützte Verwaltung in Kommunen - P2Broker-
BMBF
Projekt KIPA (Verbundprojekt)- Ziel des Projektes ist es, eine
System zur KI- und Chatbot-unterstützten Patienteninformation
und Aufklärung vor radiologischen Untersuchungen zu
erforschen und zu entwickeln.
BMBF
Projekt EMOTIONSLOTSE (Verbundprojekt) - Im Rahmen des
Projektes wird ein KI-basierter Chatbot entwickelt, der auf
psychotherapeutische Kommunikation spezialisiert ist.
BMBF
Projekt KIAFLEX (Verbundprojekt) - Im Projekt wird ein
Assistenzsystem erforscht und entwickelt, das klinische und
administrative Prozesse im Entlassungsmanagement von
Krankenhäusern mit Hilfe eines virtuellen
Dokumentationsassistenten, der als Chatbot konzipiert ist,
unterstützt.
Anlage 21/112
BMBF
Projekt AddIChron (Verbundprojekt) - Ziel des
Forschungsprojektes ist die Entwicklung eines Chatbot-basierten
Diabetes-Assistenten, der individuelle Behandlungsbedarfe
ermittelt.
BMBF
Projekt HIVAM (Verbundprojekt) - In diesem Forschungsprojekt
werden realistische 3D-Menschmodelle und Gesundheits-
Chatbots entwickelt, die in einem System für telemedizinische
Psychotherapiesitzungen zum Einsatz kommen sollen.
BMBF
Projekt KIADEKU (Verbundprojekt) - Im Rahmen dieses
Forschungsprojektes soll ein KI-basiertes System entwickelt
werden, das Pflegefachpersonen beim Wundmanagement
unterstützt, wobei eine Chatbot zur Vermittlung von
evidenzbasierten medizinischen Erkenntnissen zum Einsatz
kommt.
BMBF
Projekt ProVIA4Kids (Verbundprojekt) - In diesem
Forschungsprojekt wird eine Smartphone-App zur Unterstützung
von Kindern mit Autismus oder Entwicklungsstörungen der
Intelligenz entwickelt, wobei ein integrierter KI-basierter Chatbot
Inhalte interaktiv und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst
vermittelt.
BMBF
Projekt DigiCare (Verbundprojekt mit 4 Teilvorhaben) - die
eHealth-App mit Chatbot ermöglicht digitales Selbstmanagement
und fördert die interprofessionelle Versorgung chronisch
Erkrankter, vorwiegend im Bereich Onkologie.
BMBF
Unterstützender "Conversational Agent" (CA, Chatbot) als
Entscheidungsassistenz für gesundheitliche Vorausplanung für
Menschen mit Demenz
BMDV
Lernbegleiterin MIA, intelligente Assistentin, die die Nutzer/innen
auf der Plattform YouCodeGirls (www.youcodegirls.de) in Form
eines Chatdialogs unterstützt. Sie klärt niedrigschwellig sämtliche
Fragen rund um das Thema Coding, gibt Orientierung auf der
Plattform und hilft dabei, Einstiegshemmnisse abzubauen.
BMEL virtueller Einkaufassistent im personallosen Biomarkt (farmely),
Projekt InVerBio
BMEL Chatbot als Teil des "Nachhaltigen Einkaufsassistenten", Projekt
KI-SusCheck
BMEL KI-Sprachmodell "AgriChat" als Chatbotprototyp zur Beratung
zum Thema Pflanzenschutz, Projekt TRANSFORM
BMG SuchtGPT - Gestaltung, Programmierung und Testung eines KI-
basierten Chatbots für Suchtfragen
BMWK INNO-KOM-Projekt KIBITS - KI-basiertes Dialogsystem für IT-
Service-Anfragen
BMWK
INNO-KOM-Projekt LoCoTEX - Entwicklung eines
lernstufenabhängigen und modularen Low-Code-
Entwicklungssystem für Produktionsverantwortliche von KMU
Anlage 21/112
BMWK
Chatbot für die automatisierte Beantwortung von Fragen zur
Technologiekombination von PVT-Kollektoren und
Wärmepumpen zur Gebäudeenergieversorgung (geplant im
Rahmen eines FuE-Projekts)
BMZ Discovery Chatbot for Government Services in Kenya
BMZ Early-Warning-System: Chatbot for Smallholder Farmers in
Kenya
BMZ Policy-Bot for Small and Medium-sized Enterprises in Ghana
BMZ Chatbot for Climate Information in Indonesia
BMZ Farmer Decision Chatbot in Rwanda
BMZ Chatbot for Audits and Good Governance in Uganda
BMZ Chatbot for the website datatopolicy.org
BMZ Citizen-Generated Data Tool South Africa
BMZ Digital Voices from Youth in Iraq
BMZ Kaia - KI der Bildungskampagne #17Ziele zu den nachhaltigen
Entwicklungszielen
BMZ Digital Assistant Advisory Service for Smallholder Farmers in
Kenya and India (Viamo)
BMZ farmer.chat (Digital Agricultural Advisory for Extension Workers)
BMZ dynAg (Dynamic Agricultural Advisory)
BMZ Tech4Her (Digital Advisory for Agriculture)
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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