Deutsch-Usbekische Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Pflege
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Deutsch-Usbekische Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Pflege
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7834
21. Wahlperiode 03.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Mirze Edis, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin
Gebel, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina
Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek,
Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath und
der Fraktion Die Linke
Deutsch-Usbekische Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Pflege
Die deutsch-usbekische Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und
Pflege ist für beide Länder seit mehreren Jahren ein wichtiges Thema. Dabei
geht es auch um die Gewinnung von Fachkräften aus Usbekistan für das
Gesundheitswesen und Pflegeeinrichtungen in Deutschland. So wurde während
einer Reise des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz im September 2024 ein
Abkommen mit Usbekistan zur Gründung einer Deutschen Medizinischen
Akademie für Pflegekräfte in Samarkand unterzeichnet. Laut Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/6826 wurde
unter Federführung des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Umsetzung eines Projektabkommens von
2019 die „Modernisierung medizinischer Aus- und Fortbildung“ in Termez als
Maßnahme umgesetzt und soll auch 2026 fortgeführt werden (S. 11), und das
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) fördert im Rahmen eines global
angelegten Projektes in Usbekistan den Aufbau einer „Global Skills Partnership“
(GSP) im Pflegebereich. Die Projektumsetzung erfolgt durch die Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und wird in den
Jahren 2024 bis 2026 mit rund 220 000 Euro gefördert (S. 13).
Gesundheit und Pflege waren am 21. Mai 2026 auch die Themen der Deutsch-
Zentralasiatischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages. Hierzu
lud deren Vorsitzender, der Abgeordnete Christian Görke (Die Linke), den
usbekischen Botschafter S.E. Dilshod Akhatov sowie die Vorsitzenden der
Deutsch-Usbekischen Medizingesellschaft Koch-Avicenna e. V. (DUMG Koch-
Avicenna), die Professoren Axel Richter und Helmut Hahn, ein (siehe https://du
mg-ka.com/bericht-ueber-den-besuch-bei-der-parlamentariergruppe-im-deutsch
en-bundestag-zentralasien-am-21-05-26). Das ebenfalls eingeladene
Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nahm an dem Gespräch nicht teil, laut dem
Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Kippels war „aufgrund der hohen
Arbeitsbelastung und der personellen Ressourcen eine Teilnahme an der
Mitgliederversammlung der Deutsch-Zentralasiatischen Parlamentariergruppe leider nicht
möglich“.
In der Diskussion wurde eindrucksvoll aufgezeigt, welche Rolle die
Gesundheitspolitik in der Zusammenarbeit Deutschlands mit Usbekistan, einem
Schlüsselland Zentralasiens, spielt.
Botschafter S.E. Dilshod Akhatov betonte, dass die Modernisierung des
usbekischen Gesundheitswesens mit westeuropäischer, vor allem mit deutscher und
französischer Unterstützung eine der nationalen Prioritäten ist, wie sie in der
regierungsamtlichen Broschüre „Usbekistan 2030“ als Ziele der usbekischen
Regierung unter dem Präsidenten Shavkat Mirziyoyef niedergelegt sind. Es
wurde hervorgehoben, dass die Republik Usbekistan zu den sich dynamisch
entwickelnden Staaten Zentralasiens im Gesundheitssektor gehört und der
Modernisierung der medizinischen Infrastruktur, der Verbesserung der Qualität
medizinischer Dienstleistungen, der Einführung moderner Technologien sowie
der Ausbildung qualifizierter medizinischer Fachkräfte besondere
Aufmerksamkeit widmet.
Der Botschafter wies darauf hin, dass die Bevölkerung Usbekistans etwa
38 Millionen Menschen umfasst, wobei rund 60 Prozent der Bevölkerung junge
Menschen unter 25 Jahren sind. Diese demografische Struktur schaffe ein
erhebliches Potenzial für die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte, auch im
medizinischen Bereich und in der Pflege. Besondere Aufmerksamkeit wird der
Ausbildung junger Fachkräfte gewidmet, die sich an internationalen
beruflichen Standards orientieren, zumal es ein zunehmendes Interesse junger
usbekischer Fachkräfte an einer beruflichen Tätigkeit und beruflichen
Weiterentwicklung in Deutschland, insbesondere im Bereich der Pflege, gibt.
Die Professoren Helmut Hahn und Axel Richter berichteten von den
beachtlichen Ergebnissen der im Jahr 2023 gegründeten Nichtregierungsorganisation
(NGO) (siehe auch www.dumg-ka.com). Während der in den vergangenen
Jahren durchgeführten Konferenzen befassten sich Vertretungen medizinischer
Einrichtungen, Fachorganisationen, Bildungszentren und der
Expertengemeinschaft mit einer Vielzahl von Themen, darunter die Weiterentwicklung der
onkologischen Versorgung, die Verbesserung des Systems der Notfallmedizin
sowie die Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung von Pflegefachkräften.
Im Ergebnis wurden zahlreiche gemeinsame Projekte initiiert beziehungsweise
fortgeführt, die auf die Intensivierung der professionellen Zusammenarbeit
zwischen den Gesundheitseinrichtungen Deutschlands und Usbekistans abzielen.
Insbesondere wurden Vereinbarungen über die Erweiterung akademischer
Austauschprogramme, die Durchführung gemeinsamer Bildungsprogramme, die
Umsetzung wissenschaftlicher Forschungsinitiativen sowie die Stärkung
institutioneller Partnerschaften zwischen medizinischen Organisationen beider
Länder getroffen. Gegenwärtig wird eine weitere Gesundheitskonferenz
vorbereitet, die im September 2026 in Taschkent stattfinden soll.
Auch mit anderen Staaten Zentralasiens gibt es in den Bereichen Gesundheit
und Pflege eine Zusammenarbeit mit Institutionen und Organisationen aus
Deutschland. So traf sich am 27. Juli 2026 der Botschafter der Kirgisischen
Republik in der Bundesrepublik Deutschland, Omurbek Tekebaev, mit dem
Präsidenten der Universität Lübeck, Prof. Dr. Helge Braun. Während des Treffens
diskutierten die Parteien Aussichten zur Ausweitung der bilateralen
Zusammenarbeit in den Bereichen medizinische Ausbildung, wissenschaftliche
Forschung und akademischer Austausch sowie die weitere Umsetzung des 2024
unterzeichneten Kooperationsmemorandums zwischen dem
Gesundheitsministerium der Kirgisischen Republik und der Universität Lübeck (siehe https://mf
a.gov.kg/en/dm/-Embassy-of-the-Kyrgyz-Republic-in-the-Federal-Republic-of-
Germany/news/41162).
Am 29. Juli 2026 folgte ein Treffen des Botschafters Omurbek Tekebaev mit
Paul Zubeil, dem Leiter der Unterabteilung für Europäische und internationale
Gesundheitspolitik des BMG. Dabei sprach Botschafter Omurbek Tekebaev der
deutschen Seite seinen Dank für ihre langjährige Unterstützung des
Gesundheitssystems der Kirgisischen Republik und für die erfolgreiche Umsetzung
bedeutender Projekte aus, darunter die Tuberkuloseklinik und das
Perinatalzentrum in Bischkek, die 2023 bis 2024 in Betrieb genommen wurden. Während
des Treffens diskutierten die Parteien Themen der kirgisisch-deutschen
Zusammenarbeit im Gesundheitssektor sowie Aussichten für eine Ausweitung der
Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsministerien der Kirgisischen Republik
und Deutschland (siehe https://mfa.gov.kg/en/dm/-Embassy-of-the-Kyrgyz-Rep
ublic-in-the-Federal-Republic-of-Germany/news/41196).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele in Usbekistan und anderen zentralasiatischen Staaten
(Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan) sowie in der Mongolei
ausgebildete Fachkräfte bzw. Fachkräfte mit entsprechender
Staatsangehörigkeit bzw. Herkunft sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in den
Bereichen Gesundheit und Pflege in Deutschland tätig (bitte Zahlen für
die einzelnen Berufe angeben)?
2. Welche Programme gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung für
Bürgerinnen und Bürger Usbekistans zur beruflichen Qualifizierung,
Sprachförderung, Anerkennung von Qualifikationen sowie der fachlichen und
sozialen Integration in das deutsche Gesundheitssystem, welche dieser
Programme werden von der Bundesregierung gefördert, und was ist zum
weiteren Ausbau diesbezüglicher Aktivitäten geplant (bitte konkret mit Inhalt,
den beteiligten Akteuren, Zeiträumen und der gegebenenfalls finanziellen
Förderung durch den Bund nennen)?
3. Wie viele Fachkräfte für die Bereiche Gesundheit und Pflege wurden
bisher (seit 2021) nach Kenntnis der Bundesregierung aus Usbekistan nach
Deutschland vermittelt (bitte aufgeschlüsselt nach Jahren und Berufen
nennen)?
4. Inwieweit haben auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, als
Fachkraft in Deutschland in den Bereichen Gesundheit und Pflege tätig zu
werden bzw. in Deutschland eine diesbezügliche Ausbildung zu erhalten,
wird das von der Bundesregierung gefördert, und wenn ja, wie?
5. Wie viele usbekische Pflegekräfte erhielten durch das
Ausbildungsprogramm im Rahmen des Projektes GSP eine Direktanerkennung ihrer in
Usbekistan erworbenen Qualifikation für ihre Tätigkeit in Deutschland,
und inwieweit ist nach Kenntnis der Bundesregierung gewährleistet, dass
diese Pflegekräfte auch entsprechend ihrer Qualifikation in Deutschland
angestellt und bezahlt werden?
6. Was unternimmt die Bundesregierung, damit usbekische Fachkräfte
schnell in die deutsche Nachbarschaft integriert werden und ermöglicht
wird, dass sie Beziehungen zur Familie und mit Freunden in der
usbekischen Heimat pflegen können, inwieweit erhalten Angehörige und
Freunde von usbekischen Fachkräften Visaerleichterungen, damit sie möglichst
unkompliziert nach Deutschland zu Besuch reisen können?
7. Inwieweit es aus Sicht der Bundesregierung möglich und gewünscht, dass
usbekische Fachkräfte sich für einen dauerhaften Verbleib in Deutschland
entscheiden können, ihre Familienangehörige nachholen bzw. Familien in
Deutschland gründen können, und wie unterstützt die Bundesregierung
solche Wünsche?
8. Inwieweit sind nach Auffassung der Bundesregierung die derzeit
geltenden Visabedingungen und Visaverfahren für Bürgerinnen und Bürger aus
Usbekistan, die an den verschiedenen Programmen und Formen der
Zusammenarbeit beider Staaten in den Bereichen Gesundheit und Pflege
involviert sind, ausreichend, und wo werden gegebenenfalls Verbesserungen
geplant bzw. angestrebt?
9. Was wurde bisher nach Kenntnis der Bundesregierung zur Umsetzung des
Abkommens mit Usbekistan zur Gründung einer Deutschen
Medizinischen Akademie für Pflegekräfte, welches während einer Reise des
damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz im September 2024 unterzeichnet
wurde, getan und erreicht, und was hat diesbezüglich die Bundesregierung
getan, welche Aktivitäten sind seitens der Bundesregierung zur weiteren
Umsetzung des Abkommens in den Jahren 2026 und 2027 geplant?
10. Zwischen welchen medizinischen Bildungseinrichtungen der Republik
Usbekistan und der Bundesrepublik Deutschland gibt es derzeit nach
Kenntnis der Bundesregierung Kooperationsabkommen?
11. Welche Aktivitäten gab es seitens der Bundesregierung in der Zeit ab
2021 zur Umsetzung des weiterhin gültigen Abkommens zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des
Gesundheitswesens und der medizinischen Wissenschaft vom 23. April 1987 (siehe
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/6826, S. 15) in den fünf zentralasiatischen Staaten (bitte
detailliert nach Ländern und Jahren aufschlüsseln)?
12. Inwieweit unterstützt die Bundesregierung die Tätigkeiten der Deutsch-
Usbekische Medizingesellschaft Koch-Avicenna e. V. (bitte konkret die
Aktivitäten mit dem jeweiligen Jahr und dem Umfang gegebenenfalls
erfolgter finanzieller Förderungen nennen)?
13. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung vergleichbare Beispiele von
bilateraler Zusammenarbeit mit anderen Staaten in Zentralasien im
Bereich Gesundheit und Pflege, und wenn ja, welche?
14. Welche dieser Aktivitäten werden von der Bundesregierung unterstützt
(bitte konkret die Art der Unterstützung bzw. Förderung mit dem
jeweiligen Land seit dem Jahr 2021, den diesbezüglichen Akteuren, dem
Zeitraum und dem Umfang finanzieller Förderung nennen)?
15. Inwieweit plant die Bundesregierung weitere Abkommen bzw.
Maßnahmen in dem Bereich Gesundheit und Pflege zwischen Deutschland und
Usbekistan sowie weiteren zentralasiatischen Staaten, und wenn ja, mit
wem, und mit welchen Schwerpunkten (bitte möglichst konkret nennen)?
16. Inwiefern werden nach Kenntnis der Bundesregierung in den genannten
Ländern Menschen mit dem Ziel einer Tätigkeit in Deutschland –
gegebenenfalls über den dortigen nationalen Bedarf hinaus – ausgebildet, und
inwieweit ziehen bereits in diesen Ländern in ihrem Beruf Tätige nach
Deutschland um und nehmen hier eine Tätigkeit auf (bitte mit geeigneten
Zahlen belegen)?
17. Welche Standards zur Abwerbung von im Gesundheits- und Pflegesystem
Tätigen in Drittländern müssen nach Kenntnis der Bundesregierung bei
der Anwerbung und Tätigkeitsaufnahme in Deutschland eingehalten
werden, und wer vermittelt die Fachkräfte an deutsche Unternehmen?
18. Welche Informationen liegen der Bundesregierung vor, inwieweit in
bestimmten Gesundheits- und Pflegeberufen den genannten Ländern ein
Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften besteht?
Berlin, den 31. August 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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