Stand der Umsetzung des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale)
Text
Stand der Umsetzung des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6771
21. Wahlperiode 29.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Janina Böttger, Dietmar Bartsch, Clara Bünger, Agnes Conrad,
Mandy Eißing, Katalin Gennburg, Christian Görke, Dr. Gregor Gysi, Ina Latendorf,
Caren Lay, Pascal Meiser, Stella Merendino, Bodo Ramelow, Zada Salihović,
David Schliesing, Ines Schwerdtner, Sören Pellmann, Aaron Valent, Isabelle
Vandre, Donata Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Stand der Umsetzung des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und
Europäische Transformation in Halle (Saale)
Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation ist
ein zentrales Vorhaben des Bundes zur Aufarbeitung und Weiterentwicklung
der deutschen und europäischen Einheit. Bundesregierung und Deutscher
Bundestag hatten die Gründung und den Bau des Zukunftszentrums in Halle (Saale)
im Frühjahr 2022 beschlossen (Bundestagsdrucksache 20/1857). Grundlage
bildete die Empfehlungen der Expertenkommission „30 Jahre Friedliche
Revolution und Deutsche Einheit“ aus dem Jahr 2020 sowie die Ergebnisse einer
anschließenden Arbeitsgruppe.
Das Zentrum soll insbesondere die Erfahrungen und Leistungen der Menschen
in Ostdeutschland in den Jahren ab 1990 sichtbar machen sowie
Transformationsprozesse im europäischen Vergleich erforschen. Vor dem Hintergrund
zahlreicher Medienberichte und Debattenbeiträge, die über Probleme bei der
Umsetzung berichten und teilweise das Projekt gänzlich infrage stellen, ergeben
sich jedoch weiterhin offene Fragen. Diese betreffen insbesondere die
konzeptionelle Entwicklung und Sichtbarkeit, die Möglichkeiten zur Einbeziehung
von Wissenschaft, Kultur und Öffentlichkeit sowie die wachsende Sorge über
den Fortgang des Projekts und fehlende politische Unterstützung innerhalb der
aktuellen Bundesregierung (vgl. www.mz.de/mitteldeutschland/landespolitik/w
ir-hinterfragen-alles-kritisch-4234781 und www.mz.de/lokal/halle-saale/politik
erin-cornelia-pieper-sorgt-sich-um-fehlende-halle-lobby-in-berlin-4205373).
Hinzu kommen Berichte über deutliche Kostensteigerungen (www.mz.de/lokal/
halle-saale/zukunftszentrum-deutsche-einheit-baukosten-kostenexplosion-420
4999), personelle Neuanfänge, zeitliche Verzögerungen und fortbestehende
konzeptionelle Unklarheiten beim Aufbau des Zukunftszentrums.
Vor diesem Hintergrund stellen sich etliche Fragen zum aktuellen Stand der
Umsetzung des Projekts sowie zur weiteren Entwicklung der Ansiedlung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Unterstützt die Bundesregierung weiterhin das Vorhaben der Einrichtung
eines Zukunftszentrums Deutsche Einheit und Europäische
Transformation am Standort Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt?
2. Wie bewertet die Bundesregierung Forderungen nach einem Kostendeckel
für das Zukunftszentrum als Bedingung für dessen Umsetzung (vgl. www.
mz.de/mitteldeutschland/landespolitik/wir-hinterfragen-alles-kritisch-423
4781)?
3. Inwieweit wurden solche Kostenbegrenzungen bei vergleichbaren
Großprojekten umgesetzt bzw. wie können diese umgesetzt werden?
4. Wie ist die langfristige Finanzierung des laufenden Betriebs abgesichert,
insbesondere vor dem Hintergrund steigender Bau- und Betriebskosten?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die Abweichungen zwischen der
ursprünglichen Kostenplanung von 198 Mio. Euro im Jahr 2022 und den im
Jahr 2025 erwarteten Gesamtkosten von 277 Mio. Euro, und welche
konkreten Ursachen sind hierfür nach Ansicht der Bundesregierung
ausschlaggebend?
6. Wurden aus dem gemäß § 24 Absatz 3 Satz 3 der
Bundeshaushaltsordnung (BHO) gesperrten Haushaltstitel für das Zukunftszentrum für
Deutsche Einheit und Europäische Transformation (Kapitel 25 01
Titel 713 01), wie vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung
und Bauwesen (BMWSB) nach § 36 BHO im Januar 2026 beantragt,
Planungskosten in Höhe von 16 Mio. Euro freigegeben, wenn ja, wann
geschah dies, und in welcher Höhe wurden diese bis jetzt verausgabt?
7. Wie haben sich die Zeitplanungen seit dem ursprünglichen Ziel einer
Fertigstellung bis 2030 konkret verändert, und welche Faktoren haben zu
einer möglichen Verschiebung beigetragen?
8. Welche konkreten Maßnahmen wurden ergriffen, um weitere
Verzögerungen zu vermeiden, und wie belastbar ist der derzeitige Zeitplan aus Sicht
der Bundesregierung?
9. Wie ist der aktuelle Stand der Erarbeitung der inhaltlichen Konzeption,
wer ist daran in welcher Form beteiligt, und welche zentralen inhaltlichen
Leitlinien wurden bislang verbindlich festgelegt?
10. Sind Beratungsleistungen, Vergaben von Forschungsarbeiten oder andere
externe Unterstützungsleistungen für die inhaltliche Entwicklung des
Zentrums vorgesehen?
11. Wie sollen die Konzeptlinien Deutsche Einheit und Europäische
Transformation fachlich unterschieden, unterstützt und zusammengeführt werden,
und welche Bundesbehörden, Einrichtungen und Partner werden
einbezogen?
12. Welche konzeptionellen Beteiligungsmöglichkeiten gibt es für Partner und
Einrichtungen im europäischen Ausland, für Wissenschaft, Kultur, Zivil-
und Stadtgesellschaft sowie Bürgerinnen und Bürger?
13. Welche wesentlichen konzeptionellen Fragen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung weiterhin ungeklärt oder strittig?
14. Wer trägt derzeit die inhaltliche und technische Verantwortung für die
Ausgestaltung des Zukunftszentrums, und wie sind
Entscheidungsprozesse zwischen Bund, Aufbaugesellschaft und externen Akteuren jeweils
geregelt?
15. Wie werden Kompetenzüberschneidungen und potenzielle
Reibungsverluste zwischen dem BMF-Planungsstab (BMF = Bundesministerium der
Finanzen), dem BMWSB (baufachliches Ressort), dem Landesbetrieb
BLSA und der Betreiber gGmbH organisatorisch ausgeschlossen?
16. Bestehen aus Sicht der Bundesregierung Überschneidungen oder
Unklarheiten bei Zuständigkeiten zwischen dem Bund, Land Sachsen-Anhalt, der
Stadt Halle (Saale) und der Aufbaugesellschaft, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie daraus?
17. Welche konkreten Vereinbarungen zur Steuerung und Aufsicht über das
Projekt wurden getroffen, und wo sieht die Bundesregierung noch
Klärungs- oder Handlungsbedarf?
18. Welche verbindlichen finanziellen Beiträge leisten das Land Sachsen-
Anhalt und die Stadt Halle (Saale), und in welchen Punkten bestehen
hierzu noch offene oder nicht abschließend geklärte Vereinbarungen?
19. Welche Rolle sollen Drittmittel (z. B. EU-Förderung, Stiftungen,
Kooperationen) künftig spielen, mit welchem Finanzumfang wird gerechnet, und
wie realistisch ist deren Einwerbung nach Einschätzung der
Bundesregierung?
20. In welchem Umfang ist das zukünftige Personal- und
Organisationskonzept bereits festgelegt, und welche offenen Fragen bestehen hinsichtlich
Struktur, Größe und Aufgabenprofil der Einrichtung?
21. Wie viele Personalstellen sind in der 2024 gegründeten gGmbH in Halle,
in deren Vorläufern und wie viele Personalstellen sind in Bundesbehörden
mit Aufgaben des Zukunftszentrums seit 2020 betraut (bitte pro Jahr und
Bundesbehörde angeben)?
22. Welcher Personalaufwuchs in welchen Bereichen ist geplant und durch
Haushaltsmittel gesichert?
23. Aus welchen Bundesländern (Landeszugehörigkeit) kommen die
Beamtinnen, Beamten und sonstigen Beschäftigten in der gGmbH und in den
Bundesbehörden, die mit entsprechenden Aufgaben betraut sind (bitte
nach Jahr und Einrichtung bzw. Behörde angeben)?
24. Wie haben sich die Zeitplanungen seit dem ursprünglichen Ziel einer
Fertigstellung bis 2030 konkret verändert, welche Faktoren haben zu
möglichen Verschiebungen geführt, und wie belastbar ist der derzeitige
Zeitplan aus Sicht der Bundesregierung?
25. Bereits 2025 als auch aktuell finden sich vor allem Veranstaltungen für
Jugendliche im Programm des Zukunftszentrums, aus welchen
Entscheidungen ergibt sich dieser inhaltliche Schwerpunkt und diese
Zielgruppenbestimmung?
26. Welche wissenschaftlichen Kooperationsverträge mit osteuropäischen
Forschungsinstituten oder Universitäten wurden bis zum Frühjahr 2026
rechtsverbindlich abgeschlossen?
27. Wie bewertet die Bundesregierung den ökologischen Eingriff durch die
Fällung von mindestens 71 Bäumen am Riebeckplatz im Januar 2026 vor
dem Hintergrund des im Siegerentwurf formulierten Anspruchs auf
Nachhaltigkeit und Biodiversität, und welche Stellungnahme gibt sie zu den
Vorwürfen lokaler Bürgerinitiativen („Pro Baum“, Arbeitskreis Hallesche
Auenwälder) bezüglich zusätzlichen Bodenverbrauchs und Verlusts des
Baumbestands?
28. Wie bewertet die Bundesregierung die bislang geäußerte Kritik aus
Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik hinsichtlich des Profils, der Nutzung
und Zielsetzung des Zukunftszentrums, und welche Schlussfolgerungen
zieht sie daraus für die weitere Umsetzung?
Berlin, den 26. Juni 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- asked ← Aaron Valent (Kleine Anfrage)
- asked ← Agnes Conrad (Kleine Anfrage)
- asked ← Bodo Ramelow (Kleine Anfrage)
- asked ← Caren Lay (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Görke (Kleine Anfrage)
- asked ← Christin Willnat (Kleine Anfrage)
- asked ← Clara Bünger (Kleine Anfrage)
- asked ← David Schliesing (Kleine Anfrage)
- asked ← Dietmar Bartsch (Kleine Anfrage)
- asked ← Donata Vogtschmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Gregor Gysi (Kleine Anfrage)
- asked ← Ina Latendorf (Kleine Anfrage)
- asked ← Ines Schwerdtner (Kleine Anfrage)
- asked ← Isabelle Vandre (Kleine Anfrage)
- asked ← Janina Böttger (Kleine Anfrage)
- asked ← Katalin Gennburg (Kleine Anfrage)
- asked ← Mandy Eißing (Kleine Anfrage)
- asked ← Pascal Meiser (Kleine Anfrage)
- asked ← Sören Pellmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Stella Merendino (Kleine Anfrage)
- asked ← Zada Salihovic (Kleine Anfrage)
- authored ← Dietmar Bartsch
- authored ← Fraktion DIE LINKE
- authored ← Janina Böttger
- part_of_vorgang → Stand der Umsetzung des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale) (Kleine Anfrage)