Jungen- und Männerpolitik der Bundesregierung
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Jungen- und Männerpolitik der Bundesregierung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8712
21. Wahlperiode 19.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sven Lehmann, Denise Loop, Till Steffen, Misbah Khan,
Dr. Anja Reinalter, Ulle Schauws, Nyke Slawik, Schahina Gambir und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Jungen- und Männerpolitik der Bundesregierung
Die Frage, was Männlichkeit heute bedeutet, steht verstärkt im Zentrum
gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen. In der sogenannten
„Manosphere“ werden traditionelle Rollenbilder propagiert, die auf Dominanz,
Kontrolle und der Abwertung von Gleichberechtigung beruhen. Diese Erzählungen
bieten einfache Antworten auf gesellschaftliche Veränderungen und stellen
zugleich demokratische und emanzipatorische Fortschritte infrage (www.bpb.de/t
hemen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/555723/autoritaer-
rechtemaennlichkeiten/). Zugleich zeigen aktuelle internationale Studien, dass sich
insbesondere junge Männer verstärkt autoritären Positionen zuwenden (www.m
dr.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/geschlechterrollen-maenner-gen-z-k
onservativ-traditionell-100.html). Antifeminismus und traditionelle
Geschlechterrollen werden dabei gezielt als politische Mobilisierungsstrategie genutzt
und dienen mitunter als Einstieg in demokratiefeindliche und
menschenverachtende Ideologien. Rechtsextreme knüpfen gezielt an Männlichkeitsbilder an
und sprechen junge Männer über Kampfsport, Fitness oder Gaming an.
Diese Entwicklungen fallen in eine Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher
Veränderungen. Arbeitswelt, Familienmodelle und der Wunsch nach einer
gerechteren Verteilung von Sorgearbeit wandeln sich. Gleichzeitig verändern sich
auch die Erwartungen an Männer. Viele erleben diese Entwicklungen als
Chance, andere als Verunsicherung und suchen nach Orientierung zwischen
unterschiedlichen und teils widersprüchlichen gesellschaftlichen Erwartungen
(www.diw.de/de/diw_01.c.908180.de/publikationen/wochenberichte/2024_29_
1/aufteilung_von_erwerbs_und_sorgearbeit_bei_eltern__wunsch_und_wirklich
keit_liegen_teils_weit_auseinander.html).
Eine moderne Gleichstellungspolitik muss alle Geschlechter gleichermaßen in
den Blick nehmen. Jungen und Männer haben dabei eigene
gleichstellungspolitische Herausforderungen und Bedürfnisse. Dazu gehören insbesondere die
partnerschaftliche Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit, die Rolle von
Männern als Väter und pflegende Angehörige, die Prävention von Gewalt, bei
der Männer sowohl die Hauptausübenden als auch Opfer sind, sowie
geschlechtsspezifische Fragen von Bildung und Gesundheit.
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD verschreibt sich dem
grundlegenden Ziel einer „Gesellschaft, in der Frauen und Männer
gleichberechtigt und respektvoll miteinander leben“. Dazu wird im Koalitionsvertrag
unter anderem eine Reform des Elterngeldes mit dem Ziel von „mehr
Väterbeteiligung in alleiniger Verantwortung“ angekündigt. Zugleich verfolgt die
Bundesregierung mit der Strategie zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt
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gegen Frauen und häuslicher Gewalt 2025 bis 2030 verschiedene Maßnahmen
der Gewaltprävention und Männerarbeit.
Bundesfamilienministerin Karin Prien hat in verschiedenen öffentlichen
Äußerungen deutlich gemacht, dass die Bundesregierung bei der
Gleichstellungspolitik Männer in den Blick nehmen wolle und insbesondere die Bedürfnisse
junger Männer ernstgenommen werden müssten (z. B. www.zdfheute.de/politik/de
utschland/prien-bildungsministerin-junge-maenner-extremismus-100.html). Vor
diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche konkreten Maßnahmen die
Bundesregierung hierzu umgesetzt hat und künftig plant.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche gleichstellungspolitischen Ziele verfolgt die Bundesregierung
speziell mit Blick auf Jungen und Männer und welche konkreten Maßnahmen
und Programme hat die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode
begonnen, umgesetzt und welche sind für die laufende Legislaturperiode
geplant?
Mit welchen Finanzmitteln wurden diese Maßnahmen haushälterisch
unterlegt (bitte aufschlüsseln nach Haushaltstiteln und Haushaltsjahr)?
2. Verfügt die Bundesregierung über eine übergreifende Strategie oder ein
ressortübergreifendes Konzept für Jungen-, Männer- und Väterpolitik und
wenn ja, welche inhaltlichen Ziele sind mit einer entsprechenden Strategie
verbunden?
Falls nein, plant die Bundesregierung die Entwicklung einer solchen
Strategie, und wenn ja, bis wann und wenn nein, warum nicht?
3. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung einer partnerschaftlichen
Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern
zu, welche konkreten Ziele hat sie sich hierfür gesetzt und wie will sie
diese erreichen?
4. Wie hat sich seit 2015 pro Jahr der Anteil der Väter entwickelt, die
a) Elternzeit nehmen,
b) mindestens zwei Monate Elternzeit nehmen,
c) länger als zwei Monate Elternzeit nehmen und
d) länger als sechs Monate Elternzeit nehmen,
e) den Höchstbetrag des Elterngeldes beziehen?
5. Wie hat sich seit 2015 pro Jahr der Anteil der Väter entwickelt, die
a) Elterngeld in Anspruch nehmen,
b) mindestens zwei Monate Elterngeld in Anspruch nehmen
c) länger als sechs Monate Elterngeld in Anspruch nehmen und
d) ElterngeldPlus in Anspruch nehmen,
e) sowie den Partnerschaftsbonus in Anspruch nehmen?
6. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung
darüber vor, welche Faktoren Väter davon abhalten, länger Elternzeit zu
nehmen bzw. Sorgearbeit in größerem Umfang zu übernehmen?
Welche politischen Vorhaben und Maßnahmen leitet sie hieraus ab?
7. Welchen Effekt erwartet die Bundesregierung von der Reform des
Elterngeldes mit Blick auf die Inanspruchnahme des Elterngeldes durch Väter
und wird hierbei eine Veränderung der Monate im Parallelbezug beabsich-
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tigt (www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/prien-kuerzungen-elterngeld-
100.html)?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, wie sich
eine längere Inanspruchnahme der Elternzeit von Vätern auf
a) die spätere Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Elternteilen,
b) die Erwerbsarbeitszeit beider Elternteile,
c) die Erwerbsbiografie und das Einkommen der Mütter und
d) die Erwerbsbiografie und das Einkommen der Väter auswirkt?
9. Wie hoch ist der Anteil der Männer, die nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell regelmäßig unentgeltliche Pflege- oder Sorgetätigkeiten für
Angehörige übernehmen, und wie hat sich dieser Anteil in den
vergangenen zehn Jahren entwickelt?
10. Wie hoch ist der Anteil der Männer, die aufgrund der Übernahme von
Pflege- oder Sorgetätigkeiten ihre Arbeitszeit reduzieren, in Teilzeit
wechseln, ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder ihre Erwerbstätigkeit
vollständig aufgeben?
11. Wie bewertet die Bundesregierung die Einführung einer Familienstartzeit
nach Geburt des Kindes zur Förderung der partnerschaftlichen Aufteilung
der Sorgetätigkeit?
Plant sie die Einführung einer Familienstartzeit und wenn nein, warum
nicht?
12. Welchen konkreten Zeitplan verfolgt die Bundesregierung für die im
Koalitionsvertrag vereinbarte Zusammenführung des Pflegezeitgesetzes
und des Familienpflegezeitgesetzes einschließlich der Flexibilisierung der
Freistellungsansprüche und der Erweiterung des Kreises der
Angehörigen?
13. Wie ist der aktuelle Stand der Prüfung zur perspektivischen Einführung
eines Familienpflegegeldes, insbesondere hinsichtlich der Ausgestaltung,
der Anspruchsvoraussetzungen und der möglichen Finanzierung?
14. Welche gleichstellungsorientierten Beratungsangebote und Projekte für
Jungen und Männer wurden innerhalb der vergangenen 5 Jahre von der
Bundesregierung gefördert oder durchgeführt, die darauf abzielen, mit
Jungen und Männern über Geschlechterrollen, Gleichstellung,
Männlichkeitsbilder, Vaterschaft oder Gewaltprävention ins Gespräch zu kommen
(bitte Projekte und Fördermittel einzeln pro Jahr auflisten)?
15. Welche Zielgruppen werden mit diesen Beratungsangeboten und
Projekten insbesondere angesprochen, und in welchem Umfang richten sie sich
an
a) Jungen im schulpflichtigen Alter,
b) männliche Jugendliche und junge Erwachsene,
c) Väter und werdende Väter sowie
d) Männer in besonderen Krisen- oder persönlichen
Belastungssituationen?
16. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über
die Wirksamkeit gleichstellungsorientierter Beratungsangebote für Jungen
und Männer vor, insbesondere hinsichtlich der Veränderung von
Einstellungen zu Geschlechterrollen, Gleichstellung und der Übernahme von
Sorgeverantwortung?
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17. Welche aktuellen Ziele verfolgt die Bundesregierung im Bereich der
Gewaltprävention mit Blick auf Jungen und Männer, insbesondere der
Förderung gewaltfreier Konfliktlösungsstrategien, und wie erfolgt die
Koordinierung zwischen Angeboten der Landes- und der Bundesebene?
18. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Jungen- und
Männerpolitik im Rahmen ihrer Gesamtstrategie zur Prävention und Bekämpfung
häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt bei?
19. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung den rahmenvereinbarten
Trägerorganisationen im Rahmen des Kinder- und Jugendplans bei der
Jungen- und Männerpolitik bei?
20. Plant die Bundesregierung eine Kampagne zur Gewaltprävention und für
gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien, die sich gezielt an Jungen und
Männer richtet?
Wenn ja, wird diese auch digitale Medien in den Fokus nehmen?
Wenn nein, warum nicht?
21. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über das Ausmaß von
Gewalt in jugendlichen und jungen Paarbeziehungen („Teen-Dating-
Violence“) in Deutschland vor?
22. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den
Zusammenhang zwischen dem Erleben oder Ausüben von Gewalt in jugendlichen
Paarbeziehungen und späterer Gewalt in erwachsenen Partnerschaften
vor?
23. Wie erklärt und bewertet die Bundesregierung den „Gender Education
Gap“ bei formalen Bildungsabschlüssen in Deutschland (vgl. www.destati
s.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_N059_212.html) und
mit welchen Maßnahmen versucht sie, geschlechtsspezifische
Unterschiede bei Bildungsabschlüssen zu verringern?
24. Verfolgt die Bundesregierung das Ziel, mehr Männer für pädagogische
Berufe in den Bereichen Erziehung, Grundschule und Sozialpädagogik zu
gewinnen und falls ja, welche konkreten Maßnahmen (beispielsweise
gezielte Berufsorientierungsprogramme) ergreift sie hierzu?
25. Welche Förderprogramme des Bundes richten sich derzeit ausdrücklich
oder mittelbar an Jungen beziehungsweise junge Männer, die
beispielsweise von Bildungsbenachteiligungen oder einem erhöhten Risiko des
Schulabbruchs betroffen sind?
26. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung
hinsichtlich der Anfälligkeit für unterschiedliche Formen von Extremismus
zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen sowie jungen
Erwachsenen vor?
Welche politischen Maßnahmen leitet sie hieraus ab?
27. Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über
den Zusammenhang zwischen bestimmten Männlichkeitsvorstellungen
und der Hinwendung zu extremistischen und demokratiefeindlichen
Ideologien vor?
28. Welche Programme und Projekte hat die Bundesregierung zur Prävention
vor extremistischen und demokratiefeindlichen Ideologien bei
Jugendlichen und Männern in den vergangenen fünf Jahren gefördert und welche
dieser Projekte verfolgen einen geschlechterreflektierten Ansatz (bitte
nach Projekt und Fördersumme pro Jahr aufschlüsseln)?
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29. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass geschlechterreflektierte
Projekte der Extremismusprävention, insbesondere im Bundesprogramm
„Demokratie leben!“, über die laufende Förderperiode hinaus verlässlich
finanziert werden?
30. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung insbesondere in
digitalen Räumen, in denen Jugendliche und Männer über soziale Medien,
Influencer und Gaming-Plattformen mit extremistischen,
demokratiefeindlichen oder gewaltverherrlichenden Inhalten in Kontakt kommen können?
31. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung darüber vor, inwieweit
Online-Angebote und Influencer mit antifeministischen, frauenfeindlichen
oder autoritär geprägten Männlichkeitsbildern zur Radikalisierung von
Jugendlichen und Männern beitragen können?
32. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung und den
Sicherheitsbehörden des Bundes über die sogenannte „Incel“-Szene und dem damit
verbundenen Antifeminismus als Brückennarrativ zum Rechtsextremismus
vor?
33. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über internationale
Entwicklungen bei Radikalisierungs- und Extremismustendenzen bei Jungen
und Männern vor, insbesondere über grenzüberschreitend verbreitete
Narrative, digitale Subkulturen und antifeministische oder autoritär geprägte
Männlichkeitsbilder?
34. In welchen internationalen oder europäischen Projekten und
Kooperationen mit anderen Staaten, der Europäischen Union oder internationalen
Organisationen arbeitet die Bundesregierung zusammen, um
Radikalisierung und der Verbreitung von antifeministischen sowie autoritär geprägten
Männlichkeitsbildern unter Jungen und Männern vorzubeugen?
Berlin, den 12. Oktober 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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