Auswirkungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die flächendeckende pädiatrische Versorgung in den einzelnen Bundesländern
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Auswirkungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die flächendeckende pädiatrische Versorgung in den einzelnen Bundesländern
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8290
21. Wahlperiode 30.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Birgit Bessin, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Kerstin Przygodda, Alexis
Leonard Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon
Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Auswirkungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes auf die
flächendeckende pädiatrische Versorgung in den einzelnen Bundesländern
Der Kinderarzt und Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und
Jugendärzte in Nordrhein-Westfalen, Dr. med. Axel Gerschlauer, hat im Gespräch mit der
Tageszeitung „Die Welt“ (24. August 2026) vor gravierenden Engpässen in der
pädiatrischen Versorgung gewarnt, die sich seiner Auffassung nach aus den
Folgen des umgangssprachlich sogenannten GKV-Sparpakets (GKV-
Beitragssatzstabilisierungsgesetz) ergeben (www.welt.de/politik/deutschland/pl
us6a7c26a78c07c6525c768948/kindermedizin-flaechendeckende-versorgung-v
on-kindern-nicht-mehr-gewaehrleistet.html). Vorsorgeleistungen und
Impfungen könnten demzufolge „nicht mehr wie bisher unbegrenzt“ angeboten werden
(ebd.). Kinder müssten früher oder später durch die Praxen abgewiesen werden,
da die Abrechenbarkeit von Vorsorge und Impfungen künftig durch den
Übergang in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung gedeckelt werde. Neben der
Gefahr einer späteren Entstehung schwerer gesundheitlicher Schäden für die
Betroffenen im Erwachsenenalter werde sich damit auch die
Zweiklassenmedizin „deutlich verschärfen“, da Kinderärzte im Zuge der Entwicklung dazu
gezwungen sein würden, entweder Niemanden mehr aufzunehmen oder nur noch
Privatpatienten aufzunehmen (ebd.).
Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Einreicher dieser Kleinen Anfrage
dringend geboten, bestmögliche Transparenz über die diesbezügliche aktuelle
Lage herzustellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind der Bundesregierung die im obenstehend erwähnten „Welt“-Artikel
dargestellten Warnungen des Kinderarztes und Sprechers des
Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte in Nordrhein-Westfalen,
Dr. med. Axel Gerschlauer, wonach durch die Überführung von
Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) in die
morbiditätsbedingte Gesamtvergütung ab dem kommenden Jahr eine
flächendeckende Versorgung von Kindern und Jugendlichen nicht mehr
gewährleistet sei, bekannt, und wenn ja, hat sie sich dazu eine Positionierung
erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese?
2. Wenn die Vorfrage bejaht wurde, trifft nach Auffassung der
Bundesregierung die Aussage Dr. med. Gerschlauers zu, dass Vorsorge und Impfungen
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
künftig in einem gedeckelten Topf abgerechnet werden und damit ein
„End of payday“ mitten im Quartal droht, ab dem Praxen keine weiteren
Patienten mehr abrechnen können und wenn die Bundesregierung hier
zustimmt, inwieweit trifft diese zu?
3. Welche konkreten Auswirkungen erwartet die Bundesregierung
gegebenenfalls durch diese Kostendegression für die pädiatrische Versorgung in
den einzelnen Bundesländern?
4. Wie viele Kinder- und Jugendarztpraxen gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell (Stichtag 1. August 2026 bzw. letzter verfügbarer
Stand) in den einzelnen Bundesländern und wie hat sich die Zahl in den
vergangenen fünf Jahren entwickelt (bitte nach Landkreisen und
kreisfreien Städten aufschlüsseln)?
5. In wie vielen Landkreisen bzw. kreisfreien Städten, aufgeschlüsselt nach
einzelnen Bundesländern, liegt nach Kenntnis der Bundesregierung die
Versorgungsdichte mit Kinder- und Jugendärzten bereits jetzt unter dem
bundesweiten Durchschnitt bzw. unter der Soll-Versorgungsquote der
Bedarfsplanung und welche Landkreise sind nach Kenntnis der
Bundesregierung besonders betroffen?
6. Wie viele Praxen in den einzelnen Bundesländern haben nach Kenntnis
der Bundesregierung in den Jahren 2023 bis 2026 geschlossen oder stehen
vor einer Schließung ohne Nachfolger, und inwieweit ist der
Nachwuchsmangel in der Pädiatrie in den einzelnen Bundesländern nach Kenntnis der
Bundesregierung quantifizierbar?
7. Welche Entfernungen müssen Familien mit Neugeborenen und
Kleinkindern in den ländlichen Regionen der einzelnen Bundesländer nach
Kenntnis der Bundesregierung derzeit durchschnittlich und maximal
zurücklegen, um einen Kinderarzt zu erreichen, sind der Bundesregierung
Medienberichte sowie Schilderungen betroffener Eltern (www.swr.de/swraktuell/r
heinland-pfalz/trier/eltern-aus-der-eifel-suchen-verzweifelt-nach-einem-ki
nderarzt-100.html), bekannt, wonach Familien in ländlichen Regionen
infolge von Praxisschließungen und Aufnahmestopps einfache Wegstrecken
von 30 bis zu 50 Kilometern bzw. Pkw-Fahrzeiten von 40 bis 60 Minuten
zurücklegen müssen, um eine kinderärztliche Versorgung wahrzunehmen,
und wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie daraus für ihr eigenes
Handeln?
8. Welche Mehrkosten (Selbstzahleranteile) drohen Eltern in den einzelnen
Bundesländern für U-Untersuchungen und Impfungen nach Kenntnis der
Bundesregierung, wenn diese nicht mehr unbegrenzt über die gesetzliche
Krankenversicherung abgerechnet werden können, und plant die
Bundesregierung Maßnahmen, um eine soziale Schieflage bzw. eine Verschärfung
der Zweiklassenmedizin zu verhindern?
9. Plant die Bundesregierung, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen
wieder aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung herauszunehmen und
in einen ungedeckelten Bereich zurückzuführen, wie es der Berufsverband
der Kinder- und Jugendärzte fordert?
10. Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung gegebenenfalls,
um die pädiatrische Versorgung in den einzelnen Bundesländern
kurzfristig und nachhaltig zu sichern und Praxisnachfolgen zu erleichtern?
11. Hat die Bundesregierung den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte,
die Kassenärztliche Vereinigungen der einzelnen Bundesländer sowie die
einzelnen Landesregierungen vor Verabschiedung des Sparpakets zu den
absehbaren Folgen für die Kinderversorgung angehört, und wenn ja, in-
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ird durch die lektorierte Version ersetzt.
wieweit und zu welchem Ergebnis sind diese Gespräche gegebenenfalls
gekommen?
Berlin, den 29. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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