Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-, pass- und ausweisrechtlicher Vorschriften
Text
Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-, pass- und ausweisrechtlicher Vorschriften
[Bundesrat Drucksache 344/25
06.08.25
In
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Verordnung
der Bundesregierung
Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-
Rückkehrausweises sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-,
pass- und ausweisrechtlicher Vorschriften
A. Problem und Ziel
Der Verordnungsentwurf dient der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates
vom 18. Juni 2019 zur Festlegung eines EU-Rückkehrausweises und zur Aufhebung des
Beschlusses 96/409/GASP und der Umsetzung der delegierten Richtlinie (EU) 2024/1986
der Kommission vom 6. Mai 2024 zur Änderung der Richtlinie 2019/997 des Rates im
Hinblick auf den maschinenlesbaren Bereich des EU-Rückkehrausweises. Es werden die
Bestimmungen und Bedingungen für die Ausstellung eines einheitlichen EU-
Rückkehrausweises („European Emergency Travel Document“, kurz: EU ETD) sowie sein
Format und seine Sicherheitsmerkmale aktualisiert. Der EU-Rückkehrausweis ist ein
Reisedokument, das ein Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) einem Unionsbürger, der
in einem Drittland im Sinne von Artikel 6 der Richtlinie (EU) 2015/637 nicht vertreten ist,
ausstellt, weil dessen Pass oder Reisedokument verloren gegangen, gestohlen oder
vernichtet worden ist oder sonst nicht innerhalb einer angemessenen Zeit beschafft werden
kann. Dies ist der Fall, wenn ein Mitgliedstaat dort keine ständige Botschaft oder kein
ständiges Konsulat unterhält oder wenn er dort keine Botschaft, kein Konsulat oder keinen
Honorarkonsul hat, die bzw. das bzw. der effektiv in der Lage ist, in einem konkreten Fall
konsularischen Schutz zu gewähren. Die Ausstellung des EU-Rückkehrausweises erfolgt,
um dem Betroffenen die Rückkehr in den Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit er
besitzt oder in dem er seinen Aufenthalt hat, zu ermöglichen. Ziel ist die Erleichterung des
konsularischen Schutzes durch die Ausstellung eines sicheren und weithin akzeptierten
Rückkehrausweises. Diese Reglungen sind auf nationaler Ebene umzusetzen. Im Zuge
der Umsetzung wird auch der bestehende Rechtsrahmen punktuell angepasst. Nach
bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei nicht vertretenen Unionsbürgern, die bei einer
deutschen Auslandsvertretung in einem Drittland einen EU-Rückkehrausweis beantragen,
um ca. 150 Fälle im Jahr.
Der Verordnungsentwurf enthält ferner eine Aktualisierung der sog. „Fotomustertafel“, die
die maßgeblichen Anforderungen an die zu verwendenden Lichtbilder in der
Passverordnung und Personalausweisverordnung beinhaltet. Zudem erfolgt eine Änderung von § 72
Absatz 1 Aufenthaltsverordnung infolge der Anforderungen des Gesetzes über die
Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG).
B. Lösung
Die EU-Vorgaben zur Ausstellung des neuen einheitlichen EU-Rückkehrausweises sollen
vorrangig in einer neuen eigenständigen Norm in der Aufenthaltsverordnung geregelt
werden. Darüber hinaus sind punktuelle Anpassungen in der Aufenthaltsverordnung
notwendig.
C. Alternativen
Gleichwertige Alternativen bestehen angesichts der Umsetzungsverpflichtung der
Richtlinien nicht.
D. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand sind für Bund, Länder und Kommunen nicht
zu erwarten.
Sofern dessen ungeachtet etwaige Mehrbedarfe entstehen, sind die den Bund in seiner
Zuständigkeit tangierenden Anteile im Einzelplan 05 gegenzufinanzieren. Das gilt ebenso
für den dem Bund unter E.3 entstehenden Erfüllungsaufwand, sofern dieser
ausgabewirksam wird.
E. Erfüllungsaufwand
E.1 Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger
Für die Bürgerinnen und Bürger entsteht kein Erfüllungsaufwand.
E.2 Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft
Es fällt kein zusätzlicher Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft an. Für die Wirtschaft
werden keine Informationspflichten eingeführt, geändert oder abgeschafft.
Davon Bürokratiekosten aus Informationspflichten
Keine.
E.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung
Veränderung des jährlichen Erfüllungsaufwands (in Tsd. Euro): 0
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro): 0
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro): 0
Einmaliger Erfüllungsaufwand (in Tsd. Euro): 538
davon auf Bundesebene (in Tsd. Euro): 538
davon auf Landesebene (in Tsd. Euro) 0
F. Weitere Kosten
Weitere Kosten entstehen nicht.
Bundesrat Drucksache 344/25
06.08.25
In
Verordnung
der Bundesregierung
Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-
Rückkehrausweises sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-,
pass- und ausweisrechtlicher Vorschriften
Bundesrepublik Deutschland Berlin, 6. August 2025
Der Bundeskanzler
An die
Präsidentin des Bundesrates
Frau Ministerpräsidentin
Anke Rehlinger
Sehr geehrte Frau Bundesratspräsidentin,
hiermit übersende ich die von der Bundesregierung beschlossene
Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises
sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-, pass- und ausweisrechtlicher
Vorschriften
mit Begründung und Vorblatt.
Ich bitte, die Zustimmung des Bundesrates aufgrund des Artikels 80 Absatz 2 des
Grundgesetzes herbeizuführen.
Federführend ist das Bundesministerium des Innern.
Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Merz
Verordnung zur Einführung eines einheitlichen EU-
Rückkehrausweises sowie zur Änderung weiterer aufenthalts-, pass- und
ausweisrechtlicher Vorschriften1)
Vom ...
Die Bundesregierung verordnet aufgrund des § 69 Absatz 3 Satz 1 des
Aufenthaltsgesetzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 25. Februar 2008 (BGBl. I S. 162), das
zuletzt durch Artikel 3 des Gesetzes vom 25. Oktober 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 332) geändert
worden ist,
und
das Bundesministerium des Innern verordnet aufgrund
- des § 99 Absatz 1 Nummer 5, 6, 13 Buchstabe d und Nummer 14 Buchstabe a, Absatz 2
Satz 1 Nummer 3 des Aufenthaltsgesetzes in Verbindung mit § 1 Absatz 2 des
Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165), das durch Artikel 7 der
Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, und dem
Organisationserlass vom 6. Mai 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 131),
- des § 11 Absatz 1 des Freizügigkeitsgesetzes/EU vom 30. Juli 2004 (BGBl. I S. 1950,
1986), das zuletzt durch Artikel 4 des Gesetzes vom 21. Februar 2024 (BGBl. 2024 I Nr.
54) geändert worden ist,
- des § 4 Absatz 5 Satz 1 und Absatz 6 Satz 1 des Passgesetzes in der Fassung der
Bekanntmachung vom 30. Oktober 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 291), das zuletzt durch Artikel 4
des Gesetzes vom 23. Oktober 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 322) geändert worden ist, in
Verbindung mit § 1 Absatz 2 des Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl.
I S. 3165), das durch Artikel 7 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474)
geändert worden ist, und dem Organisationserlass vom 6. Mai 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 131),
im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt und
- des § 34 Satz 1 Nummer 3 Buchstabe a und Satz 2 des Personalausweisgesetzes vom
18. Juni 2009 (BGBl. I S. 1346), das zuletzt durch Artikel 8 des Gesetzes vom 23. Oktober
2024 (BGBl. 2024 I Nr. 323) geändert worden ist, in Verbindung mit § 1 Absatz 2 des
Zuständigkeitsanpassungsgesetzes vom 16. August 2002 (BGBl. I S. 3165), das durch Artikel
7 der Verordnung vom 31. August 2015 (BGBl. I S. 1474) geändert worden ist, und dem
Organisationserlass vom 6. Mai 2025 (BGBl. 2025 I Nr. 131), im Benehmen mit dem
Auswärtigen Amt:
1) Diese Verordnung dient der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom 18. Juni 2019 zur
Festlegung eines EU-Rückkehrausweises und zur Aufhebung des Beschlusses 96/409/GASP (ABl. L
163 vom 20.6.2019, S. 1), die durch die Delegierte Richtlinie (EU) 2024/1986 vom 6. Mai 2024 (ABl.
L, 2024/1986, 16.7.2024) geändert worden ist.
Artikel 1
Änderung der Aufenthaltsverordnung
Die Aufenthaltsverordnung vom 25. November 2004 (BGBl. I S. 2945), die zuletzt
durch Artikel 8 des Gesetzes vom 8. Mai 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 152) geändert worden ist,
wird wie folgt geändert:
1. In der Inhaltsübersicht wird nach der Angabe zu § 13 die folgende Angabe eingefügt:
„§ 13a EU-Rückkehrausweis“.
2. Nach § 1 Absatz 8 wird der folgende Absatz 9 eingefügt:
(9) „ EU-Rückkehrausweise sind Reisedokumente im Sinne des Artikels 3 Absatz 1
der Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom 6. Mai 2024.“
3. § 3 Absatz 3 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 7 wird die Angabe „und“ gestrichen.
b) In Nummer 8 wird die Angabe „werden.“ durch die Angabe „werden, und“ ersetzt.
c) Nach Nummer 8 wird die folgende Nummer 9 eingefügt:
9. „ EU-Rückkehrausweise (§ 1 Absatz 9).“
4. § 4 Absatz 1 Satz 1 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 7 wird die Angabe „(§ 1 Absatz 8).“ durch die Angabe „(§ 1 Absatz 8),“
ersetzt.
b) Nach Nummer 7 wird die folgende Nummer 8 eingefügt:
8. „ der EU-Rückkehrausweis (§ 1 Absatz 9, § 13a Absatz 1).“
5. Nach § 13 wird der folgende § 13a eingefügt:
„§ 13a
EU-Rückkehrausweis
(1) Einem Unionsbürger, dessen Pass oder Passersatz verloren gegangen ist,
gestohlen oder vernichtet wurde oder sonst nicht innerhalb einer angemessenen Zeit
beschafft werden kann, wird auf seinen Antrag in einem Drittstaat, in dem der
Mitgliedstaat seiner Staatsangehörigkeit konsularisch nicht durch eine eigene
Auslandsvertretung im Sinne von Artikel 6 der Richtlinie (EU) 2015/637 vertreten ist, ein EU-
Rückkehrausweis zum Zwecke der Einreise in den Mitgliedstaat, dessen
Staatsangehörigkeit er besitzt oder in dem er seinen Aufenthalt hat, von einer deutschen
Auslandsvertretung ausgestellt, sofern der Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit der
Antragsteller besitzt, die Angaben des Antragstellers zu dessen Staatsangehörigkeit bestätigt
und keine Einwände erhebt. Abweichend von Satz 1 darf ausnahmsweise das
Dokument auch zum Zwecke einer einzigen Reise in ein anderes Land ausgestellt werden.
(2) Die Gültigkeitsdauer des EU-Rückkehrausweises ist nach dem Zeitraum zu
bemessen, der für die Reise in den in Absatz 1 genannten Staat erforderlich ist,
zuzüglich zwei Tage Nachfrist. Die Gültigkeitsdauer darf nur unter außergewöhnlichen
Umständen 15 Kalendertage überschreiten.
(3) Die deutsche Auslandsvertretung konsultiert spätestens zwei Arbeitstage
nach Antragstellung den Mitgliedstaat der Europäischen Union, dessen
Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt, nach Maßgabe von Artikel 10 Absatz 2 der Richtlinie
(EU) 2015/637 zum Zwecke der Überprüfung der Staatsangehörigkeit und Identität des
Antragstellers. Die deutsche Auslandsvertretung übermittelt hierfür dem jeweiligen
Mitgliedstaat die notwendigen Angaben zur Identität, insbesondere Namen und
Vornamen, Staatsangehörigkeit, Geburtsdatum und Geschlecht des Antragstellers sowie ein
Gesichts- oder Lichtbild des Antragstellers im Sinne von Artikel 4 Absatz 2 Buchstabe
b der Richtlinie (EU) 2019/997 und eine Fotokopie oder elektronische Kopie eines
verfügbaren Identifizierungsmittels und, soweit verfügbar, Art und Nummer des zu
ersetzenden Dokuments sowie eine nationale Registrierungs- oder
Sozialversicherungsnummer. Hat der Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt,
Einwände gegen die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises, findet Artikel 4 Absatz
4 der Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom 6. Mai 2024 Anwendung.
(4) Der EU-Rückkehrausweis ist spätestens zwei Arbeitstage nach Erhalt der
Bestätigung der Angaben zur Staatsangehörigkeit und Identität des Antragstellers
auszustellen und eine Kopie an den Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit der
Antragsteller besitzt, zu übersenden. In begründeten Fällen darf die Frist nach Satz 1
überschritten werden. In äußersten Notfällen kann ein EU-Rückkehrausweis für einen
Unionsbürger auch ohne vorherige Bestätigung des Mitgliedstaats, dessen
Staatsangehörigkeit er besitzt, ausgestellt werden, wenn die deutsche Auslandsvertretung zuvor alle
Kommunikationsmittel ausgeschöpft hat. Der Mitgliedstaat ist anschließend über die
Ausstellung des EU-Rückkehrausweises sowie die darin enthaltenen Informationen so
schnell wie möglich zu informieren.
(5) Eingehende Konsultationsanfragen anderer Mitgliedstaaten leitet das
Auswärtige Amt an die jeweils zuständige deutsche Behörde weiter. Die Rückmeldung ist dem
jeweiligen Mitgliedstaat über das Auswärtige Amt spätestens drei Arbeitstage nach
Erhalt der Informationen im Sinne des Absatzes 3 Satz 2 und 3 zu übermitteln. Kann die
Frist nicht eingehalten werden, unterrichtet das Auswärtige Amt den anfragenden
Mitgliedstaat und gibt eine Einschätzung ab, wann mit einer Antwort zu rechnen ist.
(6) Der EU-Rückkehrausweis ist nach Ankunft am Zielort bei der für die
Beantragung von Reisedokumenten zuständigen Behörde abzugeben. Die zurückgegebenen
EU-Rückkehrausweise und Kopien sind umgehend zu vernichten.
(7) EU-Rückkehrausweise nach Artikel 8 Absatz 1 der Richtlinie (EU) 2019/997 in
der Fassung vom 6. Mai 2024 enthalten neben der Angabe des ausstellenden Staates,
dem Tag und Ort der Ausstellung, dem letzten Tag der Gültigkeitsdauer, der
Seriennummer des EU-Rückkehrausweises und dem Gesichts- oder Lichtbild, der
Unterschrift des Inhabers sowie dem Reiseziel und gegebenenfalls Transitstaaten
ausschließlich folgende sichtbar aufgebrachte Angaben über den Inhaber des
Passersatzpapiers:
1. Familienname,
2. den oder die Vornamen,
3. Staatsangehörigkeit,
4. Tag der Geburt,
5. Geschlechtsangabe mit der Abkürzung „F“ für Personen weiblichen Geschlechts,
„M“ für Personen männlichen Geschlechts und „X“ in allen anderen Fällen,
6. ein Anmerkungsfeld.
EU-Rückkehrausweise enthalten zudem eine Zone für das automatische Lesen.
Diese darf lediglich enthalten:
1. die Abkürzung „PU“ für Dokumententyp,
2. die Abkürzung „D“ für Bundesrepublik Deutschland
3. den Familiennamen,
4. den oder die Vornamen,
5. die Seriennummer des EU-Rückkehrausweises,
6. die Abkürzung der Staatsangehörigkeit,
7. den Tag der Geburt,
8. die Abkürzung „F“ für Personen weiblichen Geschlechts, „M“ für Personen
männlichen Geschlechts und das Zeichen „<“ in allen anderen Fällen,
9. die Gültigkeitsdauer des EU-Rückkehrausweises,
10. die Prüfziffern und
11. Leerstellen.
Die Seriennummer und Prüfziffern dürfen keine Daten über die Person des Inhabers
oder Hinweise auf solche Daten enthalten. Jeder EU-Rückkehrausweis enthält eine
neue Seriennummer. Bei der Ausstellung des EU-Rückkehrausweises finden Artikel 8
Absatz 2, 5 bis 8 der Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom 6. Mai 2024
Anwendung.
(8) Die für die Zwecke der Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises verarbeiteten
personenbezogenen Daten einschließlich des Gesichts- oder Lichtbilds des Antragstellers
dürfen ausschließlich für die Überprüfung der Identität nach dieser Vorschrift, für das
Drucken der einheitlichen EU-Rückkehrausweismarke und zur Erleichterung der Reise
des Antragstellers verwendet werden. Die Berichtigung, Speicherung und Löschung
der personenbezogenen Daten, die zur Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises
verarbeitet oder auf einem EU-Rückkehrausweis gespeichert werden, richten sich nach
Artikel 15 Absatz 2 und 4 der Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom 6 Mai 2024.
(9) Die Ausstellung des EU-Rückkehrausweises ist gemäß Artikel 16 Absatz 1 und
2 der Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom 6. Mai 2024 zu überwachen und die
Informationen an die Europäische Kommission zu übermitteln.“
6. § 48 Absatz 1 Satz 1 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 16 wird die Angabe „6 Euro.“ durch die Angabe „6 Euro,“ ersetzt.
b) Nach Nummer 16 wird die folgende Nummer 17 eingefügt:
17. „ für die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises (§ 4 Absatz 1 Satz 1
Nummer 8, § 13a) 52 Euro und wenn die Ausstellung auf Veranlassung des
Antragstellers außerhalb der behördlichen Dienstzeiten vorgenommen wird 60
Euro.“
7. § 58 Satz 1 wird wie folgt geändert:
a) In Nummer 13 wird die Angabe „abgedruckte Muster und“ durch die Angabe
„abgedruckte Muster,“ ersetzt.
b) In Nummer 14 wird die Angabe „das in Anlage D16 abgedruckte Muster.“ durch
die Angabe „das in Anlage D16 abgedruckte Muster und“ ersetzt.
c) Nach Nummer 14 wird die folgende Nummer 15 eingefügt:
15. „ für den EU-Rückkehrausweis (§ 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 8) das in den
Anlagen D18 und D19 abgedruckte Muster.“
8. § 66 Satz 1 und 2 wird durch die folgenden Sätze ersetzt:
„Über die ausgestellten Reiseausweise für Ausländer, Reiseausweise für
Flüchtlinge, Reiseausweise für Staatenlose, Notreiseausweise und EU-
Rückkehrausweise hat die ausstellende Behörde oder Dienststelle ein Dateisystem zu führen.
Die Vorschriften über das Passregister für deutsche Pässe gelten für die in Satz 1
genannten Dokumente mit Ausnahme des EU-Rückkehrausweises entsprechend.
Die personenbezogenen Daten eines EU-Rückkehrausweises werden nur so
lange wie erforderlich, maximal aber für 180 Tage im Dateisystem gespeichert.“
9. Nach § 72 Absatz 1 Nummer 5 wird die folgende Nummer 5a eingefügt:
„5a. die Änderung der Geschlechtsangabe, wenn sie ohne Änderung des Namens
erfolgt,“.
10. Nach der Anlage D17 werden die folgenden Anlagen D18 und D19 eingefügt:
„Anlage D18
(zu § 13a)
Muster Trägervordruck EU-Rückkehrausweis
Fundstelle: BGBl. I 2025 Nr. [einsetzen: Fundstelle dieser Verordnung im
Bundesgesetzblatt I
EU-Rückkehrausweis Vorderseite
EU-Rückkehrausweis Rückseite
Anlage D19
(zu § 13a)
Muster Etikett EU-Rückkehrausweis
Fundstelle: BGBl. I 2025 Nr. [einsetzen: Fundstelle dieser Verordnung im
Bundesgesetzblatt I
“.
Artikel 2
Änderung der Passverordnung
Die Passverordnung vom 19. Oktober 2007 (BGBl. I S. 2386), die zuletzt durch Artikel
1 der Verordnung vom 12. April 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 125) geändert worden ist, wird wie
folgt geändert:
Anlage 8 wird durch die aus dem Anhang I zu dieser Verordnung ersichtlichen Anlage 8
ersetzt.
Artikel 3
Änderung der Personalausweisverordnung
Die Personalausweisverordnung vom 1. November 2010 (BGBl. I S. 1460), die zuletzt
durch Artikel 2 der Verordnung vom 12. April 2024 (BGBl. 2024 I Nr. 125) geändert worden
ist, wird wie folgt geändert:
In Anhang 3 wird Abschnitt 2 durch den aus dem Anhang II zu dieser Verordnung
ersichtlichen Abschnitt 2 ersetzt.
Artikel 4
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt vorbehaltlich des Satzes 2 am Tag nach der Verkündung in Kraft.
Artikel 1 Nummer 9 tritt am 1. November 2026 in Kraft.
Der Bundesrat hat zugestimmt.
EU-Rechtsakte:
1. Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom 18. Juni 2019 zur Festlegung eines EU-Rückkehrausweises und
zur Aufhebung des Beschlusses 96/409/GASP (ABl. L 163 vom 20.6.2019, S. 1), die durch die Delegierte
Richtlinie (EU) 2024/1986 vom 6. Mai 2024 (ABl. L, 2024/1986, 16.7.2024) geändert worden ist;
2. Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates vom 20. April 2015 über Koordinierungs- und
Kooperationsmaßnahmen zur Erleichterung des konsularischen Schutzes von nicht vertretenen Unionsbürgern in Drittländern
und zur Aufhebung des Beschlusses 95/553/EG (ABl. L 106 vom 24.4.2015, S. 1).
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Begründung
A. Allgemeiner Teil
I. Zielsetzung und Notwendigkeit der Regelungen
Der Verordnungsentwurf dient der Umsetzung der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom
18. Juni 2019 zur Festlegung eines EU-Rückkehrausweises und zur Aufhebung des
Beschlusses 96/409/GASP und der Umsetzung der delegierten Richtlinie (EU) 2024/1986 der
Kommission vom 6. Mai 2024 zur Änderung der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates im
Hinblick auf den maschinenlesbaren Bereich des EU-Rückkehrausweises.
Die Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises („European Emergency Travel
Document“, kurz: EU ETD) dient der Förderung und Erleichterung des konsularischen
Schutzes für nicht vertretene Unionsbürger in einem Drittstaat. Mit der ETD-Richtlinie
werden die Bedingungen und das Verfahren für die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises
für Unionsbürger sowie ein einheitliches Format für diesen EU-Rückkehrausweis festgelegt.
Ausgangspunkt für die Schaffung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises war der
Beschluss 96/409/GASP der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der
Mitgliedstaaten. Die Richtlinie (EU) 2019/997 komplementiert die Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates
vom 20. April 2015 über Koordinierungs- und Kooperationsmaßnahmen zur Erleichterung
des konsularischen Schutzes von nicht vertretenen Unionsbürgern in Drittländern und zur
Aufhebung des Beschlusses 95/553/EG. Diese vereinfacht den Zugang von
Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern zu konsularischen Diensten, sofern ein Mitgliedstaat in einem
Drittland als nicht vertreten gilt, und benennt bereits Rückkehrausweise als eine Art der
konsularischen Hilfe. Konsularischer Schutz beruht auf Artikel 35 des Vertrages über die
Europäische Union, Artikel 20 Absatz 2 Buchstabe c, Artikel 23 des Vertrages über die
Arbeitsweise der Europäischen Union, Artikel 46 der Charta der Grundrechte der
Europäischen Union sowie der Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates und der Richtlinie (EU)
2019/997.
Nicht alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben eine Botschaft oder ein Konsulat
in jedem Land außerhalb der Europäischen Union. Gemäß Artikel 23 Absatz 1 Satz 1 des
Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union genießt jeder Unionsbürger im
Hoheitsgebiet eines dritten Landes, in dem der Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit
er besitzt, nicht vertreten ist, den diplomatischen und konsularischen Schutz eines jeden
Mitgliedstaats unter denselben Bedingungen wie Staatsangehörige dieses Staates. Mit der
Ausstellung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises an Unionsbürger, die in einem
Drittstaat nicht vertreten sind, wird der im EU-Recht verankerte konsularische Schutz im
Rahmen der konsularischen Hilfe für Unionsbürger gestärkt. Im Rahmen dieser
konsularischen Hilfe erhalten Unionsbürgerinnen und Unionsbürger einen einheitlichen
Rückkehrausweis. Ist ein Unionsbürger im Besitz eines solchen Rückkehrausweises, ist ihm für eine
einzige Reise in den Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, oder in dem er
seinen Aufenthalt hat oder – in Ausnahmefällen – für eine einzige Reise in ein anderes
Land, zu gestatten. Dieser EU-Rückkehrausweis ermöglicht eine sichere Heimkehr. Es
handelt sich um einen für die Rückreise befristeten Passersatz für Unionsbürger, der in einer
Notsituation zur Wiedereinreise in einen Mitgliedstaat der Europäischen Union oder – in
Ausnahmefällen – in ein anderes Land ausgestellt wird.
In den Anhängen der Richtlinie (EU) 2019/997 sind die Spezifikationen festgelegt, denen
das einheitliche EU-Rückkehrausweisformular und die einheitliche Rückkehrausweismarke
entsprechen müssen. Mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2022/2452 der Kommission
vom 8. Dezember 2022 werden die zusätzlichen technischen Spezifikationen für den EU-
Rückkehrausweis festgelegt. Mit der delegierten Richtlinie (EU) 2024/1986 der Kommission
vom 6. Mai 2024 zur Änderung der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates im Hinblick auf den
maschinenlesbaren Bereich des EU-Rückkehrausweises ist in Anhang II der Richtlinie (EU)
2019/997 der Verweis auf die Großbuchstaben „AE“ als die ersten beiden Zeichen des
maschinenlesbaren Bereichs durch die Großbuchstaben „PU“ zu ersetzen. Der
Durchführungsbeschluss (EU) 2024/2662 der Kommission vom 14. Oktober 2024 legt ein
einheitliches Antragsformular für den EU-Rückkehrausweis fest.
Die Fotomustertafel in der Passverordnung sowie in der Personalausweisverordnung war
zu erneuern, um die Barrierefreiheit in der Gestaltung sowie in der digitalen Version
umzusetzen. Darüber hinaus wurden Diversität sowie Gender Equality mitberücksichtigt. Die
Regeln und insbesondere die Ausnahmen wurden - ohne den bisherigen Regelungsgehalt
signifikant zu ändern – insgesamt verständlicher formuliert und durch häufig auftretende
Fehlerbilder ergänzt mit dem Ziel, das Nachfrageaufkommen zu minimieren.
II. Wesentlicher Inhalt des Entwurfs
Ausstellungszweck des EU-Rückkehrausweises ist es, Unionsbürgern eine sichere
Rückkehr in ihr Heimatland zu ermöglichen, d.h. die Wiedereinreise in den Mitgliedstaat der
Europäischen Union, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzen oder in dem sie ihren
gewöhnlichen Aufenthalt haben oder in Ausnahmefällen auch in ein anderes Land. Nach bisherigen
Erkenntnissen handelt es sich bei nicht vertretenen Unionsbürgern die bei einer deutschen
Auslandsvertretung in einem Drittland einen EU-Rückkehrausweis beantragen, um ca. 150
Fälle im Jahr. Ein EU-Rückkehrausweis ist auszustellen, wenn die Beschaffung eines
anderen Passes oder Passersatzpapiers etwa wegen der gebotenen Eile oder aus sonstigen
Gründen nicht in Betracht kommt. Die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises ist nur
zulässig, wenn die Identität des Unionsbürgers bestätigt ist, zudem die Staatsangehörigkeit
feststeht und der Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit er besitzt, keine Einwände
erhebt.
Der EU-Rückkehrausweis ergänzt die bestehenden „Notfalldokumente“ als weiteren
Passersatz. Dabei ist zwischen dem an Unionsbürger und Drittstaatsangehörige im Inland
auszugebenden Notreiseausweis nach § 13 der Aufenthaltsverordnung sowie dem an
Unionsbürger im Ausland auszugebenden EU-Rückkehrausweis nach dem neu eingefügtem § 13a
der Aufenthaltsverordnung zu differenzieren. Deutsche Staatsangehörige erhalten von den
für sie zuständigen deutschen Auslandsvertretungen auch weiterhin den eingeführten und
bekannten „Reiseausweis als Passersatz“ im Sinne des § 7 Absatz 1 Nummer 8 der
Passverordnung. In Notsituationen können deutsche Staatsangehörige von
Auslandsvertretungen eines anderen Mitgliedstaates der Europäischen Union auf Antrag einen EU-
Rückkehrausweis erhalten, wenn die Erteilungsvoraussetzungen vorliegen. Der EU-
Rückkehrausweis ist nach § 7 Abs. 1 Nr. 9 der Passverordnung als Passersatz zugelassen.
Der Verordnungsentwurf regelt zwei Konstellationen:
- Zum einen ist die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises durch eine deutsche
Auslandsvertretung an Staatsangehörige eines anderen Mitgliedstaates der
Europäischen Union zu regeln.
- Zum anderen sind die Ausstellungskonstellationen eines EU-Rückkehrausweises
durch Auslandsvertretungen anderer Mitgliedstaaten an Unionsbürger und ggf.
auch an drittstaatsangehörige Familienangehörige von Unionsbürgern oder
sonstigen Personen, denen Deutschland nach Völkerrecht oder nach nationalem Recht
Schutz gewähren muss, mit Aufenthalt in Deutschland sowie die Ermöglichung der
Einreise in das Bundesgebiet in den Blick zu nehmen.
Mit der Richtlinie (EU) 2019/997 wird ein neuer europaweit einheitlicher Dokumententyp als
Maßnahme zur Erleichterung des konsularischen Schutzes für Unionsbürger in einem
Drittstaat durch die Ausstellung sicherer und weithin akzeptierter Rückkehrausweise festgelegt.
Zudem werden durch den vorliegenden Entwurf die Fotomustertafeln in der
Passverordnung sowie in der Personalausweisverordnung, die seit dem 1. November 2007 nahezu
unverändert geblieben sind, auf den neuesten Stand gebracht. Zur Wahrung der
Persönlichkeit insbesondere der Kinder und um etwaige Ähnlichkeiten mit realen Personen
auszuschließen, wurde davon abgesehen, weiterhin Lichtbilder von realen Personen zu
verwenden. Stattdessen wurden nunmehr Avatare verwendet, um die Anforderungen an das
Lichtbild für den Pass oder den Personalausweis darzustellen.
III. Alternativen
Die Verordnung dient in erster Linie der Umsetzung der EU-Richtlinien. Ein Absehen von
einer Umsetzung kommt europarechtlich nicht in Betracht. Die Änderungen beschränken
sich darauf, die Richtlinien im Wesentlichen eins zu eins umzusetzen und gehen inhaltlich
nicht darüber hinaus.
IV. Regelungskompetenz
Die Regelungskompetenz der Bundesregierung für Artikel 1 Nummer 6 ergibt sich aus § 69
Absatz 3 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes.
Die Regelungskompetenz des Bundesministeriums des Innern für Artikel 1 Nummer 1 bis
5 sowie Nummer 7 bis 10 ergibt sich aus § 99 Absatz 1 Nummer 5 und 6, Nummer 13
Buchstabe d, Nummer 14 Buchstabe a, Absatz 2 Nummer 3 des Aufenthaltsgesetzes und
aus § 11 Absatz 1 des Freizügigkeitsgesetzes/EU.
Die Regelungskompetenz des Bundesministeriums des Innern für Artikel 2 ergibt sich aus
§ 4 Absatz 5 Satz 1 und Absatz 6 Satz 1 des Passgesetzes in Verbindung mit § 1 Absatz 2
des Zuständigkeitsanpassungsgesetzes und dem Organisationserlass des Bundeskanzlers
vom 6. Mai 2025, welche im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt wahrzunehmen ist.
Die Regelungskompetenz des Bundesministeriums des Innern für Artikel 3 ergibt sich aus
§ 34 Satz 1 Nummer 3 Buchstabe a und Satz 2 des Personalausweisgesetzes in
Verbindung mit § 1 Absatz 2 des Zuständigkeitsanpassungsgesetzes und dem
Organisationserlass des Bundeskanzlers vom 6. Mai 2025, welche im Benehmen mit dem Auswärtigen Amt
wahrzunehmen ist.
Die Zustimmung des Bundesrates ist erforderlich. Dies gilt nicht für die Änderung in
Artikel 2, soweit sie sich auf die Ermächtigungsgrundlage nach § 4 Absatz 6 Satz 1 des
Passgesetzes stützen.
V. Vereinbarkeit mit dem Recht der Europäischen Union und völkerrechtlichen
Verträgen
Der Verordnungsentwurf ist mit dem Recht der Europäischen Union vereinbar. Er dient der
Umsetzung der Vorgaben aus der Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom 18. Juni 2019
zur Festlegung eines EU-Rückkehrausweises und zur Aufhebung des Beschlusses
96/409/GASP sowie der Vorgaben aus der delegierten Richtlinie (EU) 2024/1986 der
Kommission vom 6. Mai 2024 zur Änderung der Richtlinie 2019/997 des Rates im Hinblick auf
den maschinenlesbaren Bereich des EU-Rückkehrausweises. Der Anwendungsbereich
völkerrechtlicher Verträge wird durch diesen Entwurf nicht berührt.
VI. Regelungsfolgen
1. Rechts- und Verwaltungsvereinfachung
Die Vorgaben dienen der Rechts- und Verwaltungsvereinfachung.
2. Nachhaltigkeitsaspekte
Der Verordnungsentwurf steht im Einklang mit dem Leitgedanken der Bundesregierung zur
nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Einzelne Nachhaltigkeitsindikatoren sind nicht
betroffen.
3. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand sind für Bund, Länder und Kommunen nicht
zu erwarten.
Sofern dessen ungeachtet etwaige Mehrbedarfe entstehen, sind die den Bund in seiner
Zuständigkeit tangierenden Anteile im Einzelplan 05 gegenzufinanzieren. Das gilt ebenso
für den dem Bund unter [Vorblatt/Begründung] entstehenden Erfüllungsaufwand, sofern
dieser ausgabewirksam wird.
4. Erfüllungsaufwand
4.1 Erfüllungsaufwand der Bürgerinnen und Bürger nach Vorgaben
Es entsteht kein Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger.
Unionsbürger können gemäß § 13a Absatz 1 bis 4 der Aufenthaltsverordnung die
Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises für Unionsbürger bei einer deutschen
Auslandsvertretung erhalten, sofern sie vor Ort nicht konsularisch vertreten sind. Bereits jetzt stellen
deutsche Auslandsvertretungen in diesen Fällen einen Reiseausweis als Passersatz auf Antrag
aus. Die Gebühren im Sinne des § 48 Absatz 1 Satz 1 Nummer 17 der
Aufenthaltsverordnung und das zukünftige Antragsverfahren entsprechen dem bisherigen Verfahren. Es
handelt sich dabei um ca. 150 Fälle im Jahr.
4.2. Erfüllungsaufwand der Wirtschaft nach Vorgaben
Es entsteht kein Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft.
4.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung nach Vorgaben
Mit dieser Gesetzesinitiative werden die mit Richtlinie (EU) 2019/997 in der Fassung vom
6. Mai 2024 europaweit einheitlich geregelten Verfahren zur Ausstellung eines EU-
Rückkehrausweises in nationales Recht überführt. Kern der Regelung ist dabei, die Rückkehr
von Unionsbürgerinnen und Bürgern, deren Pässe oder Reisedokumente verloren
gegangen sind, gestohlen oder vernichtet wurden oder sonst nicht innerhalb einer angemessenen
Zeit beschafft werden können, mittels eines europaweit einheitlichen EU-
Rückkehrausweises die Heimreise zu ermöglichen. Dabei kommt dieses Reisedokument nur dann in
Betracht, wenn die hilfesuchenden Personen sich im jeweiligen Drittstaat nicht an eine
Auslandsvertretung des eigenen Landes wenden können, sondern ersatzweise ihr
Hilfeersuchen an eine andere Auslandsvertretung eines EU-Mitgliedstaates richten müssen.
Tabellarische Zusammenfassung Erfüllungsaufwand der Verwaltung
lfd.
Nr.
Artikel
Regelungsentwurf; Norm
(§§);
Bezeichnung
der
Vorgabe
Bund/
Land
Jährliche
Fallzahl
und
Einheit
Jährlicher
Aufwand
pro Fall
(Minuten *
Lohnkosten pro
Stunde
(Hierarchieebene) +
Sachkosten in
Euro)
Jährlicher
Erfüllungsaufwand
(in Tsd.
Euro) oder
„geringfügig“
(Begründung)“
Einmalige
Fallzahl und
Einheit
Einmaliger
Aufwand
pro Fall
(Minuten *
Lohnkosten pro
Stunde
(Hierarchieebene) +
Sachkosten in
Euro)
Einmaliger
Erfüllungsaufwand
(in Tsd.
Euro) oder
„geringfügig“
(Begründung)
3.1
Artikel 1
Nummer 5;
§ 13a
AufenthV;
Anpassung
der
Fachverfahren
an neue
einheitliche
Vordrucke
Bund 400 1.000
Euro/h
3.2
Artikel 1
Nummer 9;
Anlage
D18 und
D19;
Beschaffung
eines
dauerhaften
Bestands
einheitlicher
Vordrucke
Bund 4.000 21,91
kalkulierte
Stückkosten
Summe (in
Tsd. Euro)
538
davon auf
Bundesebene
538
davon auf
Landesebene
(inklusive
Kommunen)
4.3.1: Anpassung der Fachverfahren an neue einheitliche Vordrucke (einmalig); § 13a
der Aufenthaltsverordnung
Mit der Neuaufnahme des § 13a der Aufenthaltsverordnung sind für deutsche
Auslandsvertretungen (AVs) oder andere prozessbeteiligte Stellen jedoch keine Verfahrensänderungen
mit Wirkung auf den jährlichen Erfüllungsaufwand verbunden. Die in ihrer Komplexität stets
sehr unterschiedlichen Hilfeleistungen auch gegenüber nicht in einem Drittland vertretenen
Bürgerinnen und Bürgern anderer europäischer Mitgliedstaaten hat es in dieser Form schon
immer gegeben. Bisher wurde ihnen durch die Auslandsvertretungen, nachdem die
Rechtmäßigkeit des Anliegens verlässlich geprüft und die Identität mit der Unterstützung des
Mitgliedstaates, dessen Staatsangehörigkeit der nicht vertretene Bürger besitzt, zweifelsfrei
geklärt war, zur Rückkehr in seinen Heimatstaat ein Passersatz für Deutsche gemäß § 7
Absatz 1 Nummer 8 der Passverordnung in händisch angepasster Form ausgestellt und
gebührenrechtlich behandelt wie bei Ausstellung eines solchen Passersatzes an deutsche
Staatsangehörige. Durch diese Neuregelung wird lediglich der bisherige Mangel an einem
europaweit einheitlich vorgegebenen Reisedokument inklusive eigener
Sicherheitsanforderungen beseitigt.
Auf der Ebene des Bundes entsteht dem Auswärtigen Amt durch die Einführung dieses
neuen Ausweisdokuments jedoch ein einmaliger Erfüllungsaufwand für das Anpassen der
Softwaresysteme. So kalkuliert der für das Fachverfahren verantwortliche Dienstleister für
die Integration der Dokumente (Anlagen D18 und D19) einen einmaligen Erfüllungsaufwand
für Programmiertage in Höhe von 450.000 Euro. Der neue Vordruck muss so in das
Fachverfahren der Auslandsvertretungen etabliert werden, damit Trägervordruck und Klebetikett
automatisiert über die in den AVs vorhandenen Hardwarekomponenten bedruckt und
ausgehändigt werden können.
4.3.2: Beschaffung eines dauerhaften Bestands einheitlicher Vordrucke (einmalig);
Anlage D18 und D19 der Aufenthaltsverordnung
Neben den technisch notwendigen Anpassungen der Fachverfahren ist es zwingend
erforderlich, die nach europäischen Vorgaben zu verwendende einheitliche Vordrucke in den
deutschen Auslandsvertretungen stets in ausreichender Menge vorzuhalten. Da
Auslandsvertretungen eher selten Unionsbürgerinnen und -bürger anderer Mitgliedstaaten durch das
Ausstellen von Passersatzpapieren bei der Heimreise unterstützen müssen, beschafft das
Auswärtige Amt die EU ETD Vordrucke einmalig in zwei Phasen über die Bundesdruckerei,
von der die Auslandsvertretungen sie bedarfsgerecht wie andere Passvordrucke abrufen
können. Dieser einmalig für die Auslandsvertretungen organisierte Dokumentenbestand
wird den Bedarf vorerst für die Jahre 2025 bis Ende 2027 decken können. Für das
Verfügbarmachen des EU-Rückkehrausweises stellt die Bundesdruckerei dem Auswärtigen Amt
Kosten in Höhe von 88.000 Euro in Rechnung.
5. Weitere Kosten
Sonstige Kosten sind nicht zu erwarten.
Es entstehen der Wirtschaft auch keine sonstigen direkten oder indirekten Kosten. Das
Vorhaben hat keine Auswirkungen auf die Einzelpreise und das Preisniveau.
6. Weitere Regelungsfolgen
Weitere Regelungsfolgen sind nicht ersichtlich.
Die Regelungen haben keinerlei Auswirkungen auf die Verbraucherinnen und Verbraucher,
keine gleichstellungspolitischen und demografischen Auswirkungen und auch keinerlei
Auswirkungen auf die Wahrung und Förderung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Die
Aufnahme einer Experimentierklausel ist nicht erforderlich.
VII. Befristung; Evaluierung
Eine Befristung kommt aufgrund der Umsetzung von Europarecht nicht in Betracht. Eine
eigenständige Evaluierung der vorliegend vorgesehenen Regelungen in der
Aufenthaltsverordnung ist aufgrund der engen Verknüpfung zu EU-Vorgaben, die einer Regelung durch
den nationalen Gesetzgeber entzogen sind, nicht geplant. Vielmehr beabsichtigt die
Kommission frühestens fünf Jahre nach dem Tag der Umsetzung der Richtlinie, d.h. ab dem
9. Dezember 2029 eine Evaluierung durchzuführen, vgl. Artikel 17 Absatz 1 der Richtline
(EU) 2019/997. Die Bundesregierung wird sich an diesem Evaluierungsprozess beteiligen.
Auch ist eine Befristung nicht vorgesehen, da nicht absehbar ist, ob und wann die
Fotomustertafeln erneut überarbeitet werden müssen. Eine Evaluierung ist nicht vorgesehen, da mit
der Aktualisierung der Fotomustertafeln keine Änderung des Erfüllungsaufwands oder der
übrigen Aspekte der Gesetzesfolgen verbunden ist.
B. Besonderer Teil
Zu Artikel 1 (Änderung der Aufenthaltsverordnung)
Zu Nummer 1
Mit der Einführung eines einheitlichen EU-Rückkehrausweises in § 13a der
Aufenthaltsverordnung ist das Inhaltsverzeichnis anzupassen.
Zu Nummer 2
§ 1 enthält unter anderem Legaldefinitionen von extern definierten Reisedokumenten. Die
Einführung des EU-Rückkehrausweises erfolgt auf Grundlage einer EU-Richtlinie.
Zu Nummer 3
Zu Buchstabe a
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Einfügung der neuen Nummer 9.
Zu Buchstabe b
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Einfügung der neuen Nummer 9.
Zu Buchstabe c
Nach § 3 Absatz 1 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes dürfen Ausländer nur in das
Bundesgebiet einreisen oder sich darin aufhalten, wenn sie einen anerkannten und gültigen Pass oder
Passersatz besitzen, sofern sie von dieser Passpflicht nicht durch Rechtsverordnung befreit
sind (sog. Passpflicht). Die allgemeine Zulassung des EU-Rückkehrausweises als
Passersatz ergibt sich bereits aus § 3 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 und Absatz 3 in Verbindung mit
§ 79 der Aufenthaltsverordnung. Der EU-Rückkehrausweis ist aus Klarstellungsgründen in
die Aufzählung des § 3 Absatz 3 der Aufenthaltsverordnung als neue Nummer 9
aufzunehmen, der nur von ausländischen Behörden ausgestellte amtliche Ausweise an
Unionsbürger oder an Staatsangehörige von Drittstaaten umfasst.
Zu Nummer 4
Zu Buchstabe a
Es handelt sich um ein Folgeänderung zur Einfügung der neuen Nummer 8.
Zu Buchstabe b
Die Einfügung der neuen Nummer 8 in § 4 Absatz 1 Satz 1 der Aufenthaltsverordnung
betrifft die Konstellation der Ausstellung des EU-Rückkehrausweises durch eine deutsche
Auslandsvertretung an einen Unionsbürger eines anderen Mitgliedstaates der
Europäischen Union. Die Regelung findet auch Anwendung auf Ausländer, deren Rechtsstellung
durch das Freizügigkeitsgesetz/EU geregelt ist (vgl. § 79 der Aufenthaltsverordnung). Es
handelt sich in diesem Fall um ein von deutschen Behörden ausgestelltes Passersatzpapier
für Ausländer.
Zu Nummer 5
Die Einfügung des neuen § 13a der Aufenthaltsverordnung setzt die Regelungen zum EU-
Rückkehrausweis entsprechend der Richtlinie (EU) 2019/997 um.
Absatz 1 regelt die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweise durch eine deutsche
Auslandsvertretung an Unionsbürgerinnen und Unionsbürger, die nicht Deutsche im Sinne des
Artikel 116 Absatz 1 des Grundgesetzes sind. Für deutsche Staatsangehörige stellt die
deutsche Auslandsvertretung wie bisher einen Reiseausweis als Passersatz nach § 7
Absatz 1 Nummer 8 der Passverordnung aus. Nach dem Erwägungsgrund 4 der Richtlinie
(EU) 2019/997 sollte auf seinen Antrag hin jedem nicht vertretenen Unionsbürger in einem
Drittstaat, dessen Pass oder Reisedokument verloren gegangen, gestohlen oder vernichtet
worden ist oder aus anderen Gründen nicht innerhalb einer angemessenen Zeit beschafft
werden kann, ein EU-Rückkehrausweis ausgestellt werden. Andere Gründe für einen
fehlenden Pass oder ein fehlendes Reisedokument können nach Erwägungsgrund 4 der
Richtline (EU) 2019/997 etwa die Geburt auf der Reise oder der Ablauf der Gültigkeitsdauer des
Passes oder des Reisedokuments sein. Gemäß Artikel 6 der Richtlinie (EU) 2015/637 gilt
ein Mitgliedstaat als nicht vertreten, wenn er dort keine ständige Botschaft oder kein
ständiges Konsulat unterhält oder wenn er dort keine Botschaft, kein Konsulat oder keinen
Honorarkonsul hat, die bzw. das bzw. der effektiv in der Lage ist, in einem konkreten Fall
konsularischen Schutz zu gewähren. Im Rahmen der Konsultation hat sich die deutsche
Auslandsvertretung von dem Mitgliedstaat der Europäischen Union, dessen
Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt, die Angaben zu Staatsangehörigkeit und Identität
bestätigen zu lassen. Konsultationen sollen so schnell wie möglich, in der Regel innerhalb weniger
Arbeitstage, durchgeführt werden. Die deutsche Auslandsvertretung hat stets zu prüfen, ob
die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises notwendig ist, um ihrer Verpflichtung zur
konsularischen Hilfe für Unionsbürgerinnen und Unionsbürger nachzukommen.
Absatz 2 regelt die Gültigkeit des EU-Rückkehrausweises und setzt Artikel 6 der Richtlinie
(EU) 2019/997 um. Nach dem Erwägungsgrund 8 der Richtlinie (EU) 2019/997 ist die
Gültigkeitsdauer des EU-Rückkehrausweises auf den Zweck der Reise zu begrenzen.
Angesichts der heutigen Reisemöglichkeiten und -geschwindigkeit sollte die Gültigkeitsdauer nur
in Ausnahmefällen 15 Kalendertage überschreiten.
Absatz 3 und 4 regeln das Verfahren der Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises durch
die deutsche Auslandsvertretung und setzen Artikel 4 der Richtlinie (EU) 2019/997 um.
Darüber hinaus ist Artikel 10 Absatz 2 der Richtlinie (EU) 2015/637 zu beachten. Geht bei
einer deutschen Auslandsvertretung ein Antrag ein, so konsultiert dieses so schnell wie
möglich, spätestens aber zwei Arbeitstage nach Eingang des Antrags, den Mitgliedstaat,
dessen Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt, zum Zwecke der Überprüfung der
Angaben zur Staatsangehörigkeit und zur Identität des Antragstellers. Nach dem
Erwägungsgrund 5 der Richtlinie (EU) 2019/997 soll es sich hierbei um ein vereinfachtes
zweckmäßiges Verfahren der Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen der deutschen
Auslandsvertretung und dem Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit der antragstellende
Unionsbürger besitzt, handeln. Ein EU-Rückkehrausweis sollte ausgestellt werden, sobald die
deutsche Auslandsvertretung, die dem Unionsbürger Hilfe leistet, von dem Mitgliedstaat,
dessen Staatsangehörigkeit der Unionsbürger besitzt, die Bestätigung der Angaben zu
Staatsangehörigkeit und Identität erhält, vgl. Erwägungsgrund 4 der Richtlinie (EU)
2019/997. Relevante Informationen hierfür sind Name und Vorname(n),
Staatsangehörigkeit, Geburtsdatum und Geschlecht des Antragstellers, ein Gesichts- oder Lichtbild nach
Maßgabe von ICAO-Dokument 9303 Teil 3 sowie eine Kopie eines verfügbaren
Identifizierungsmittels und, soweit verfügbar, Art und Nummer des zu ersetzenden Dokuments sowie
eine nationale Registrierungs- oder Sozialversicherungsnummer, vgl. Artikel 4 Absatz 2 der
Richtlinie (EU) 2019/997.
Nur in äußersten Notfällen kann ein EU-Rückkehrausweis ohne vorherige Bestätigung des
Mitgliedstaates, dessen Staatsangehörigkeit der Antragstellende besitzt, ausgestellt
werden. Zuvor sind alle verfügbaren Kommunikationsmittel mit dem Mitgliedstaat, dessen
Staatsangehörigkeit die antragstellende Person besitzt, auszuschöpfen. Zudem wird eine
Fotokopie oder eine elektronische Kopie jedes ausgestellten EU-Rückkehrausweises bei
der deutschen Auslandsvertretung aufbewahrt und eine weitere Kopie dem Mitgliedstaat,
dessen Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt, übermittelt.
Sollte ein Mitgliedstaat, dessen Staatsangehörigkeit der Antragsteller besitzt, Einwände
gegen die Ausstellung eines EU-Rückkehrausweises haben, unterrichtet die deutsche
Auslandsvertretung die antragstellende Person darüber und verweist an den anderen
Mitgliedstaat. Bei Verzögerungen im Konsultationsprozess ist der Antragstellende entsprechend zu
unterrichten.
Absatz 5 regelt das Konsultationsverfahren bei Anfragen anderer Mitgliedstaaten an
Deutschland für die Behörden, die für die Überprüfung der Angaben zur
Staatsangehörigkeit und zur Identität zuständig sind. In den Fällen, in denen eine Ausstellung an
Drittstaatsangehörige nach Artikel 7 der Richtlinie (EU) 2019/997 beabsichtigt ist, ist die erforderliche
Bestätigung der Angaben zu Staatsangehörigkeit und Identität, des rechtmäßigen
Aufenthalts und der familiären Beziehungen zu einem Unionsbürger eines drittstaatsangehörigen
Familienangehörigen oder des Schutzstatus z. B. die Beteiligung der zuständigen
Ausländerbehörde zu beachten.
Absatz 6 regelt die Rückgabe des EU-Rückkehrausweises. Nach dem Erwägungsgrund 6
der Richtlinie (EU) 2019/997 sollte der EU-Rückkehrausweis aus Sicherheitsgründen nach
der Rückkehr an den Zielort zurückgegeben werden. Die zurückgegebenen EU-
Rückkehrausweise und die aufbewahrten Kopien sollten so schnell wie möglich und auf sichere
Weise vernichtet werden.
Absatz 7 regelt die notwendigen Angaben, die der eindeutigen Identifizierung des Inhabers
des EU-Rückkehrausweises dienen. Satz 2 bezieht sich auf den maschinenlesbaren
Bereich des EU-Rückkehrausweises. Nach Anhang II Nummer 10 der Richtlinie (EU)
2019/997 muss die einheitliche EU-Rückkehrausweismarke die maßgeblichen
maschinenlesbaren Informationen gemäß dem ICAO-Dokument 9303 enthalten. Gemäß der
delegierten Richtlinie (EU) 2024/1986 vom 6. Mai 2024 sind die Großbuchstaben „PU“ als die ersten
beiden Zeichen des maschinenlesbaren Bereichs zu verwenden, um das Dokument als EU-
Rückkehrausweis auszuweisen. Absatz 7 Satz 5 verweist darauf, dass der EU-
Rückkehrausweis aus einem einheitlichen EU-Rückkehrausweisformular (Trägervordruck) und einer
einheitlichen Rückkehrausweismarke (Klebeetikett) besteht, die mit den erforderlichen
Angaben zu bedrucken ist. Handschriftliche Änderungen sind ausnahmsweise bei technischen
Problemen aufgrund höherer Gewalt zulässig. Im Falle eines Irrtums ist der EU-
Rückkehrausweis ungültig zu machen und zu vernichten.
Absatz 8 setzt die in Artikel 15 Absatz 1 Satz 1 der Richtlinie (EU) 2019/997 angeordnete
strikte Zweckbindung hinsichtlich der personenbezogenen Daten des Antragstellers um und
regelt die Einhaltung der geforderten Berichtigungs- Speicher- und Löschfristen nach Artikel
15 Absatz 2 und 4 der Richtline (EU) 2019/997.
Absatz 9 regelt das Monitoring entsprechend Artikel 16 Absatz 1 und 2 der Richtlinie (EU)
2019/997.
Zu Nummer 6
Zu Buchstabe a
Es handelt sich um eine redaktionelle Änderung.
Zu Buchstabe b
Die Einfügung setzt Artikel 5 der Richtlinie (EU) 2019/997 um. Hiernach erhebt der Hilfe
leistende Mitgliedstaat von dem Antragsteller dieselben Gebühren wie von seinen eigenen
Staatsangehörigen für die Ausstellung nationaler Notfalldokumente. Die Gebühr des EU-
Rückkehrausweises richtet sich entsprechend nach der Gebühr für einen Ausweis, der
ausschließlich zur Einreise in die Bundesrepublik Deutschland berechtigt (§ 7 Absatz 1
Nummer 8 der Passverordnung in Verbindung mit § 15 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe h und
Absatz 3 der Passverordnung). Deutsche Staatsangehörige erhalten nach wie vor einen
Reiseausweis als Passersatz im Sinne des§ 7 Absatz 1 Nummer 8 der Passverordnung.
Die Gebühr setzt sich aus einer Ausstellungsgebühr in Höhe von 8 Euro und einem
Auslandszuschlag von 44 Euro zusammen und beträgt insgesamt 52 Euro bzw. insgesamt 60
Euro, wenn die Ausstellung auf Veranlassung des Antragstellers außerhalb der
behördlichen Dienstzeiten vorgenommen wird und die Gebühr von 8 Euro nach (§ 15 Absatz 2
Nummer 1 der Passverordnung) zu verdoppeln ist. Bei der Ausstellung eines EU-
Rückkehrausweises ist für den Fall der Gebührenbefreiung oder -ermäßigung § 52 Absatz 7 der
Aufenthaltsverordnung zu beachten.
Zu Nummer 7
Zu Buchstabe a
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Einfügung der neuen Nummer 15.
Zu Buchstabe b
Es handelt sich um eine Folgeänderung zur Einfügung der neuen Nummer 15.
Zu Buchstabe c
Es besteht ein einheitliches Format für den EU-Rückkehrausweis.
Zu Nummer 8
Die im Dateisystem gespeicherten Daten können nach der Anonymisierung auch
herangezogen werden, um der Berichtspflicht nach Artikel 16 der Richtlinie (EU) 2019/997
nachzukommen. Die Einfügung setzt ferner die Datenspeicherfrist des Artikel 15 Absatz 4 der
Richtlinie (EU) 2019/997 um.
Zu Nummer 9
Die Vorschrift regelt die Mitteilung von Änderungen der Geschlechtsangabe nach dem
Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag und zur Änderung
weiterer Vorschriften (SBGG) durch die Meldebehörde. Sie stellt sicher, dass die
zuständige Ausländerbehörde von sämtlichen Fällen der Änderung der Geschlechtsangabe
gemäß § 2 des Selbstbestimmungsgesetzes von Ausländern Kenntnis erlangt.
Nach geltender Rechtslage haben die Meldebehörden gemäß § 72 Absatz 1 Nummer 5 der
Aufenthaltsverordnung den Ausländerbehörden eine „Namensänderung“ eines Ausländers
mitzuteilen. Hiervon umfasst ist auch die Änderung von Vornamen. Im Fall einer
Namensänderung ist nach § 71 Absatz 2 Nummer 5 der Aufenthaltsverordnung auch das
„Geschlecht“ mitzuteilen. Nach dem Selbstbestimmungsgesetz ist es jedoch auch möglich,
eine Änderung der Geschlechtsangabe ohne Änderung der Vornamen vorzunehmen, etwa,
weil der bisherige Vorname geschlechtsneutral ist (z. B. Maria, Luca, Alex) und daher
beibehalten wird. Für diese Fälle (Änderung der Geschlechtsangabe ohne
Vornamensänderung) besteht nach geltender Rechtslage eine Regelungslücke, da sie von der
Mitteilungsverpflichtung nach § 72 Absatz 1 Nummer 5 der Aufenthaltsverordnung bislang nicht
erfasst sind.
Diese Regelungslücke soll durch die vorliegende Vorschrift geschlossen werden
Zu Nummer 10
Es besteht ein einheitliches Format für den EU-Rückkehrausweis.
Zu Artikel 2 (Änderung der Passverordnung)
Eine Modernisierung der Fotomustertafel ist notwendig, um die Aussagekraft der
Regelungen klarer zu gestalten und durch ergänzende Abbildungen mit häufig auftretenden Fehlern
besser zu erläutern. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte vor allem von Kindern wurde
insgesamt darauf verzichtet, Abbildungen von realen Personen zu verwenden. Die
biometrischen Anforderungen für Lichtbilder in Identitätsdokumenten sind hingegen unverändert
geblieben.
Zu Artikel 3 (Änderung der Personalausweisverordnung)
Es wird auf die Begründung zu Artikel 2 verwiesen.
Zu Artikel 4 (Inkrafttreten)
Die Verordnung tritt bis auf die Regelung in Artikel 1 Nummer 9 am Tag nach der
Verkündung in Kraft. Die Ausgabe des EU-Rückkehrausweises beginnt am 9. Dezember 2025.
Die Umsetzung des § 72 Absatz 1 Nummer 5a der Aufenthaltsverordnung im Fachstandard
XAusländer soll am 31. Januar 2026 mit dem geplanten Wirksamkeitsdatum zum 1.
November 2026 veröffentlicht werden, sodass im Interesse einer geordneten Umsetzung die
Regelung zeitgleich in Kraft treten sollte.
Zu Anhang I
Zu Anlage 8 (Anforderungen an das Lichtbild für den Pass im Sinne des § 1
Absatz 2 des Passgesetzes)
Es wird auf die Begründung zu Artikel 2 verwiesen.
Zu Anhang II
Zu Anlage 2 (Anforderungen an das Lichtbild für den Ausweis im Sinne des § 2
Absatz 1 des Personalausweisgesetzes)
Es wird auf die Begründung zu Artikel 3 verwiesen.
Drucksache 344/25- 31 -]
Relationen
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