Altfettdiebstähle als neues Geschäftsfeld der Organisierten Kriminalität
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Altfettdiebstähle als neues Geschäftsfeld der Organisierten Kriminalität
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4199
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Rainer Galla, Knuth Meyer-Soltau, Sascha Lensing, Kay-Uwe
Ziegler, Tobia Teich, Thomas Dietz, Kerstin Przygodda, Robin Jünger, Kay
Gottschalk, Otto Strauß, Jan Wenzel Schmidt, Robert Teske, Thomas Ladzinski,
Volker Scheurell, Stefan Keuter, Achim Köhler, Joachim Bloch, Bernd Schattner,
Dr. Malte Kaufmann, Edgar Naujok, Dr. Christoph Birghan, Jörn König, Martina
Uhr, Uwe Schulz, Udo Theodor Hemmelgarn, Thomas Korell, Lukas Rehm,
Dr. Daniel Zerbin, Peter Bohnhof und der Fraktion der AfD
Altfettdiebstähle als neues Geschäftsfeld der Organisierten Kriminalität
Speisefette und Speiseöle werden in gastronomischen Einrichtungen nicht nur
zur Zubereitung der angebotenen Speisen benötigt, sie fallen auch in hohen
Mengen in Form von Altfetten und Altölen als Abfallprodukt an, das entsorgt
werden muss. Die jährliche Menge soll sich auf etwa 120 000 Tonnen belaufen.
Altes Speisefett ist gleichzeitig jedoch ein in immer stärkeren Maße gefragter
Sekundärrohstoff für die Industrie, insbesondere zur Herstellung von Biodiesel,
der dem herkömmlichen Diesel beigemischt werden muss (www1.wdr.de/nachr
ichten/altfett-diebstahl-100.html). Altes Speisefett wird deshalb mittlerweile zu
Preisen von rund 900 Euro je Tonne gehandelt (www.agrarheute.com/energie/f
ette-beute-millionenschaden-diebstahl-ungewoehnlichen-rohstoffs-638290).
Die Nachfrage und der hohe Wert des Abfallrohstoffs führen jedoch
zunehmend zu Diebstählen, die von der Polizei häufig als Kleindelikt eingestuft
würden. Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und
Kreislaufwirtschaft e. V. (BDE) und betroffene Entsorgungsunternehmen gehen dagegen
davon aus, dass die Taten von gut organisierten Banden begangen würden und
Schaden in Millionenhöhe entstehe. Trotz strenger „Zertifizierungsvorgaben“
würde das Diebesgut in Form von Bargeschäften weiterverkauft, insbesondere
auch in die benachbarten Niederlande (www1.wdr.de/nachrichten/altfett-diebst
ahl-100.html).
Schon Mitte des Jahres 2023 hat der BDE beklagt, dass aufgrund von
Intensität, Verbreitung und Häufung der Taten von einem Phänomen aus dem Bereich
der Organisierten Kriminalität mit mehr als 100 Taten pro Tag auszugehen sei,
weshalb man die Justizministerkonferenz aufgefordert habe, derartige Taten
gezielt zu verfolgen und ggf. Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Umwelt- und
Wirtschaftsdelikte mit diesen Delikten zu befassen. Es wird von einer „Fett-
Mafia“ gesprochen (www.nius.de/news/die-bizarre-masche-der-fritten-fett-mafi
a-aktuell-100-diebstaehle-pro-tag/8a958bfd-09a9-48b0-86fe-b2a7c30823bb).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Verfügt die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz,
Stefanie Hubig, über Erkenntnisse zu dem Problem zunehmender
Diebstähle von Altfetten und Altölen und, wenn ja, welche, und seit wann?
2. Wenn Frage 1 verneint wird, ist hier nach Einschätzung von
Bundesministerin Stefanie Hubig von einem akuten Problem auszugehen, wenn ja, was
beabsichtigt die Bundesministerin insoweit zu unternehmen, und wenn
nein, warum nicht?
3. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse zu dem Problem
zunehmender Diebstähle von Altfetten, und wenn ja, welche, und seit wann?
4. Wenn nein, ist hier nach Einschätzung des Bundeskriminalamts von einem
akuten Problem auszugehen, wenn ja, was beabsichtigt das
Bundeskriminalamt insoweit zu unternehmen, und wenn nein, warum nicht?
5. Verfügen die Bundesregierung im Übrigen oder sonstige nachgeordnete
Dienststellen wie insbesondere das Bundesamt für Justiz über
Erkenntnisse zu dem Problem zunehmender Diebstähle von Altfetten, und wenn
ja, um welche Dienststellen handelt es sich, und worin bestehen die
Erkenntnisse?
6. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse zur Entwicklung und
zu den Fallzahlen dieses Kriminalitätsphänomens seit dem 1. Januar 2017
auf polizeilicher Ebene (wenn ja, bitte Fallzahlen nach Jahren und
Ländern aufschlüsseln)?
7. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, wie derartige Taten
statistisch erfasst werden (z. B. Diebstahl, Umweltdelikte, Organisierte
Kriminalität), und wenn ja, welche?
8. Erfolgt die statistische Erfassung nach Auffassung des
Bundeskriminalamts zutreffend, oder besteht insoweit Handlungs- und
Verbesserungsbedarf (bitte ausführen)?
9. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse zur Entwicklung und zu den Fallzahlen dieses
Kriminalitätsphänomens seit dem 1. Januar 2017 bei den Staatsanwaltschaften (wenn
ja, bitte Fallzahlen nach Jahren und Ländern sowie nach der Art der
Verfahrensbeendigung: Einstellungen nach § 170 Absatz 2 der
Strafprozessordnung (StPO), Einstellungen nach §§ 153, 153a StPO, Erhebung der
öffentlichen Klage, aufschlüsseln)?
10. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, unter welchen Sachgebietsschlüsseln (SG) derartige Taten
bei den Staatsanwaltschaften statistisch erfasst werden (wenn ja, bitte
ausführen)?
11. Hat sich die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz,
Stefanie Hubig, eine Auffassung zur statistischen Erfassung derartiger Taten
gebildet, und wenn ja, welche, und ggf. ausführen, inwieweit Handlungs-
und Verbesserungsbedarf besteht?
12. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse zur Entwicklung und zu den Fallzahlen dieses
Kriminalitätsphänomens seit dem 1. Januar 2017 bei den Gerichten (wenn ja, bitte
Fallzahlen nach Jahren und Ländern sowie nach der Art der
Verfahrensbeendigung: Einstellungen nach §§ 153, 153a StPO, Verurteilung, Freispruch,
aufschlüsseln)?
13. Wie bewertet das Bundeskriminalamt das in der Vorbemerkung der
Fragesteller dargestellte Kriminalitätsphänomen, und teilt es insbesondere die
Einschätzung, dass dieses dem Bereich der Organisierten Kriminalität
zuzurechnen ist?
14. Wie bewertet die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz,
Stefanie Hubig, das in der Vorbemerkung der Fragesteller dargestellte
Kriminalitätsphänomen, und teilt sie insbesondere die Einschätzung, dass
dieses dem Bereich der Organisierten Kriminalität zuzurechnen ist?
15. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse, wie sich die Menge an
anfallenden Altfetten und Altölen aus ursprünglichen Speisefetten und
Speiseölen in Gastronomie, Handel, Gewerbe und Industrie seit dem 1.
Januar 2017 entwickelt hat und zu welchen Preisen diese als
Sekundärrohstoff gehandelt werden (wenn ja, bitte jeweils nach Jahren aufschlüsseln)?
16. Verfügt die Bundesregierung über Erkenntnisse, welchen
„Zertifizierungsvorgaben“ und Nachweis-, Kennzeichnungs- und sonstigen Pflichten
Altfette und Altöle aus ursprünglichen Speisefetten und Speiseölen
unterliegen, insbesondere im Hinblick auf Abgabe, Erwerb, Weiterverarbeitung
und Inverkehrbringung nach Weiterverarbeitung (wenn ja, bitte ausführen
und nach europarechtlichen Vorgaben, Vorgaben des Bundesrechts und
Vorgaben des Landesrechts aufschlüsseln)?
17. Ist der Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Stefanie
Hubig, bekannt, dass das Problem bereits im Jahr 2023 vom betroffenen
Branchenverband an die Justizministerkonferenz herangetragen worden
sein soll, und wenn ja, seit wann besteht die Kenntnis?
18. Wurde das Problem bei der Frühjahrstagung oder der Herbsttagung der
Justizministerkonferenz 2025, an denen die Bundesministerin der Justiz
und für Verbraucherschutz, Stefanie Hubig, erstmalig in dieser Funktion
teilgenommen hat, erörtert, und wenn ja, in welcher Weise und mit
welchem Ergebnis?
19. Beabsichtigt die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz,
Stefanie Hubig, dieses Problem bei der nächsten Tagung
Justizministerkonferenz zu thematisieren, wenn ja, in welcher Weise, und wenn nein,
warum nicht?
20. Wie ist nach Auffassung des Bundeskriminalamts die Forderung nach
einer Befassung der für Wirtschafts- und Umweltkriminalität
eingerichteten speziellen Strukturen (Schwerpunktstaatsanwaltschaften für
Wirtschaftskriminalität, Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschafts- und
Umweltkriminalität, Sonderabteilungen bzw. Sonderdezernate für
Umweltkriminalität) mit derartigen Delikten zu bewerten?
21. Wie ist nach Auffassung der Bundesministerin der Justiz und für
Verbraucherschutz, Stefanie Hubig, die Forderung nach einer Befassung der für
Wirtschafts- und Umweltkriminalität eingerichteten speziellen Strukturen
(Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschaftskriminalität,
Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Wirtschafts- und Umweltkriminalität,
Sonderabteilungen bzw. Sonderdezernate für Umweltkriminalität) mit
derartigen Delikten zu bewerten?
22. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, an welche Art von
Abnehmern gestohlene Altfette bzw. Altöle weitergereicht werden und wie
diese das Diebesgut als Rohstoff für Folgeprodukte in den
Wirtschaftskreislauf einbringen?
23. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, wo der Schwerpunkt
der Abnahme gestohlene Altfette bzw. Altöle liegt, und wenn ja, wie
verteilt sich dies auf Inland bzw. Ausland (bitte ausführen und angeben, um
welche ausländischen Staaten es sich handelt)?
24. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, an welche Art von Abnehmern gestohlene Altfette bzw.
Altöle weitergereicht werden und wie diese das Diebesgut als Rohstoff für
Folgeprodukte in den Wirtschaftskreislauf einbringen?
25. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, wo der Schwerpunkt der Abnahme gestohlener Altfette bzw.
Altöle liegt, und wenn ja, wie verteilt sich dies auf Inland bzw. Ausland
(bitte ausführen und angeben, um welche ausländischen Staaten es sich
handelt)?
26. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 auf polizeilicher Ebene (z. B. im Rahmen bilateraler Verträge
wie dem Vertrag von Enschede über die grenzüberschreitende polizeiliche
Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit in strafrechtlichen
Angelegenheiten) Ermittlungsersuchen an ausländische Ermittlungsbehörden
gerichtet wurden (wenn ja, bitte nach Ländern und Jahren aufschlüsseln)?
27. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, ob wegen solcher Taten, wie in der Vorbemerkung der
Fragesteller, geschildert seit dem 1. Januar 2017 auf justitieller Ebene
Rechtshilfeersuchen an ausländische Justizbehörden bzw. Gerichte gerichtet
wurden (wenn ja, bitte nach Ländern und Jahren aufschlüsseln)?
28. Verfügt das Bundesamt für Justiz über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 auf justitieller Ebene Rechtshilfeersuchen an ausländische
Justizbehörden bzw. Gerichte gerichtet wurden (wenn ja, bitte nach Ländern
und Jahren aufschlüsseln)?
29. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 Ersuchen an das Europäische Justizielle Netz oder Eurojust
gestellt wurden (wenn ja, bitte ausführen und nach Jahren aufschlüsseln)?
30. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, ob wegen solcher Taten, wie in der Vorbemerkung
geschildert, seit dem 1. Januar 2017 Ersuchen an das Europäische Justizielle Netz
oder Eurojust gestellt wurden (wenn ja, bitte ausführen und nach Jahren
aufschlüsseln)?
31. Verfügt das Bundesamt für Justiz über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 Ersuchen an das Europäische Justizielle Netz oder Eurojust
gestellt wurden (wenn ja, bitte ausführen und nach Jahren aufschlüsseln)?
32. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller, geschildert seit dem 1.
Januar 2017 Unterrichtungen aufgrund von Unterrichtungspflichten an
Eurojust erfolgt sind oder pflichtwidrig unterlassen wurden (wenn ja, bitte
ausführen und nach Jahren aufschlüsseln)?
33. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, ob wegen solcher Taten, wie in der Vorbemerkung der
Fragesteller geschildert, seit dem 1. Januar 2017 Unterrichtungen aufgrund
von Unterrichtungspflichten an Eurojust erfolgt sind oder pflichtwidrig
unterlassen wurden (wenn ja, bitte ausführen und nach Jahren
aufschlüsseln)?
34. Verfügt das Bundesamt für Justiz über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 Unterrichtungen aufgrund von Unterrichtungspflichten an
Eurojust erfolgt sind oder pflichtwidrig unterlassen wurden (wenn ja, bitte
ausführen und nach Jahren aufschlüsseln)?
35. Verfügt das Bundeskriminalamt über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 gemeinsame Ermittlungsgruppen gebildet wurden (wenn ja,
bitte ausführen und insbesondere die beteiligten Stellen benennen sowie
und nach Jahren und Ländern aufschlüsseln), und wenn nein, hält dies das
Bundeskriminalamt für angezeigt bzw. aus welchen Gründen für nicht
angezeigt?
36. Verfügt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über
Erkenntnisse, ob wegen solcher Taten, wie in der Vorbemerkung der
Fragesteller geschildert, seit dem 1. Januar 2017 gemeinsame
Ermittlungsgruppen gebildet wurden (wenn ja, bitte ausführen und insbesondere die
beteiligten Stellen benennen sowie und nach Jahren und Ländern
aufschlüsseln), und wenn nein, hält dies die Bundesministerin der Justiz und
für Verbraucherschutz, Stefanie Hubig, für angezeigt bzw. aus welchen
Gründen für nicht angezeigt?
37. Verfügt das Bundesamt für Justiz über Erkenntnisse, ob wegen solcher
Taten, wie in der Vorbemerkung der Fragesteller geschildert, seit dem 1.
Januar 2017 gemeinsame Ermittlungsgruppen gebildet wurden (wenn ja,
bitte ausführen und insbesondere die beteiligten Stellen benennen sowie
nach Jahren und Ländern aufschlüsseln), und wenn nein, hält dies das
Bundesamt für Justiz für angezeigt bzw. aus welchen Gründen für nicht
angezeigt?
Berlin, den 18. Februar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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