Ausrichtung, Finanzierung und Teilnehmerkreis des Invest in Germany Summit der Bundesregierung
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Ausrichtung, Finanzierung und Teilnehmerkreis des Invest in Germany Summit der Bundesregierung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8062
21. Wahlperiode 18.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Lisa Schubert, Janine Wissler, Doris Achelwilm, Dr. Dietmar
Bartsch, Desiree Becker, Janina Böttger, Jörg Cezanne, Agnes Conrad, Mirze
Edis, Christian Görke, Cem Ince, Cansin Köktürk, Tamara Mazzi, Pascal Meiser,
Zada Salihović, Ines Schwerdtner, Isabelle Vandre, Sarah Vollath, Sascha Wagner,
Anne Zerr und der Fraktion Die Linke
Ausrichtung, Finanzierung und Teilnehmerkreis des Invest in Germany Summit
der Bundesregierung
Die Bundesregierung lädt für den „Invest in Germany Summit“ am 19. und
20. Oktober 2026 globale Finanzinvestoren zum exklusiven Netzwerken nach
Berlin ein. Laut Programm tagen Bundeskanzler Friedrich Merz,
Bundesminister Lars Klingbeil, Bundesministerin Katherina Reiche neben weiteren
Bundesministern und Bundesministerinnen und hochrangigen Regierungsbeamten
zusammen mit einem kuratierten Netzwerk aus der Führungsriege von
internationalen und nationalen Unternehmen und Finanzinvestoren.
Das Treffen steht im Zeichen der Strategie der Bundesregierung, privates
Kapital für Investitionen in Deutschland mobilisieren zu wollen. Was als
notwendige Maßnahme verkauft wird, um die Investitionsbedarfe zu decken, bedeutet
aus Sicht der Fragestellenden die Auslagerung von strategischer Wirtschafts-
und Industriepolitik an kurzfristige Renditeinteressen und extraktive
Geschäftsmodelle privater Finanzinvestoren.
Laut Informationsbroschüre plant die Bundesregierung zudem, bei dem Gipfel
eine „high-level“-Plattform für internationale Investoren vorzustellen (vgl.
https://summit.invest-in-germany.com/fileadmin/summit-at_a_glance.pdf).
Eine solche Plattform wurde schon länger im Rahmen des Deutschlandfonds
als „Private Investor Pool“ angekündigt, speziell bei der Weiterentwicklung im
Energiebereich zur koordinierten Bündelung von Investitionen (www.boersen-z
eitung.de/esg-pro/geld-der-investoren-fuer-die-transformation-ist-da) und sie
wurde von Vertretern der Finanzlobby gefordert, um privaten Investoren den
Zugang zu Investitionen in öffentliche Infrastrukturen zu ermöglichen und
Transaktionskosten zu senken (vgl. www.boersen-zeitung.de/boersen-zeitung-s
pezial/aifs-als-erfolgsfaktor-fuer-den-deutschlandfonds).
Aus Sicht der Fragestellenden, sollte es nicht das Ziel der Bundesregierung
sein, Plattformen bereitzustellen, welche globalen Finanzinvestoren mit hohen
Renditeinteressen Investitionen in Bereiche der kritischen Infrastruktur und
Daseinsvorsorge ermöglichen. Vielmehr wäre es Aufgabe der Bundesregierung,
eben jene Bereiche vor fortschreitender Finanzialisierung und den damit
einhergehenden negativen Folgen zu schützen, etwa durch höhere Kosten für
Bürgerinnen und Bürger.
Bemerkenswert ist aus Sicht der Fragestellenden zudem, wie weit sich die
Wirtschaftspolitik der Bundesregierung darauf verengt hat, für privates Kapital
attraktiv zu sein. Üblicherweise laden Lobbyverbände, Unternehmen und
Interessenvertretungen Regierungsmitglieder zu Konferenzen und exklusiven
Empfängen ein, um Zugang zur Entscheidungsebene der Exekutive zu erhalten.
Beim Invest in Germany Summit tritt die Bundesregierung dagegen selbst als
Gastgeberin auf und bietet eigene „Meet the Government“-Sessions an (vgl.
https://summit.invest-in-germany.com/fileadmin/summit-at_a_glance.pdf). Die
Fragestellenden sehen darin eine Verschiebung im Machtverhältnis von Staat
und privatem Kapital. Nicht mehr die Interessenvertretung muss sich um
Zugang bemühen. Stattdessen wirbt die Regierung unter Bundeskanzler Friedrich
Merz selbst um die Investoren und macht den Zugang zur demokratisch
legitimierten Entscheidungsebene der Exekutive zum exklusiven Angebot für die
Führungsriege von internationalen und nationalen Unternehmen und
Finanzinvestoren.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welches Ziel verfolgt die Bundesregierung aus ihrer Sicht mit der
Ausrichtung des Invest in Germany Summit?
2. Welche Gesamtkosten sind für die Durchführung des Invest in Germany
Summit mit Stand vom 15. September 2026 veranschlagt (bitte in Euro
nach Kostenelementen, insbesondere Veranstaltungsort, Technik,
Catering, Sicherheit, Reisekosten, Öffentlichkeitsarbeit und externe Beratung,
aufschlüsseln)?
3. Welche und wie viele Unternehmen, Organisationen,
Interessenvertretungen, Medienvertretungen und Personen öffentlichen Interesses haben
Interesse für den Invest in Germany Summit über die Website bekundet (bitte
alle Unternehmen, Organisationen, Interessenvertretungen,
Medienvertretungen und Personen öffentlichen Interesses angeben, die sich zum
Stichtag des 15. September 2026 über das Onlineportal oder anderweitig
gemeldet haben)?
4. Anhand welcher Kriterien und durch wen wurde die Auswahl der
Einzuladenden für den Invest in Germany Summit getroffen, und in welcher
Form wurden diese Kriterien schriftlich festgelegt?
5. Welche und wie viele Unternehmen, Organisationen,
Interessenvertretungen, Medienvertretungen und Personen öffentlichen Interesses haben die
Bundesregierung bzw. die Verantwortlichen für die Durchführung des
Invest in Germany Summits zum Stichtag des 15. September 2026
eingeladen (bitte alle Unternehmen, Organisationen, Interessenvertretungen,
Medienvertretungen und Personen öffentlichen Interesses sowie den Grund
für die Einladung angeben)?
6. Welche und wie viele Vertreter und Vertreterinnen der Regierung wurden
durch die Bundesregierung bzw. die Verantwortlichen für die
Durchführung des Invest in Germany Summits zum Stichtag des 15. September
2026 eingeladen bzw. stehen auf der Gästeliste (bitte alle Ressorts und
Referate, Anzahl, und im Falle von herausgehobenen Personen mit
öffentlichen Ämtern, die Namen angeben)?
7. Welche und wie viele Abgeordnete des Deutschen Bundestages wurden
durch die Bundesregierung bzw. die Verantwortlichen für die
Durchführung des Invest in Germany Summits zum Stichtag des 15. September
2026 eingeladen bzw. stehen auf der Gästeliste (bitte alle Abgeordneten
nach Partei und Ausschussmitgliedschaften angeben)?
8. Anhand welcher Kriterien wählen die Bundesregierung bzw. die für die
Durchführung verantwortlichen Personen aus, welche Unternehmen,
Organisationen, Interessenvertretungen, Medienvertretungen und
Personen öffentlichen Interesses Zugang zur Veranstaltung erhalten und welche
nicht?
9. Inwiefern wird Medienvertretern und Medienvertreterinnen bzw.
Journalisten und Journalistinnen uneingeschränkter Zugang zur Veranstaltung
gewährt, und wenn nicht, bei welchen Programmpunkten und Treffen
wird explizit der Zugang verwehrt?
10. Welche Agenturen, Beratungs- oder sonstigen
Dienstleistungsunternehmen wurden mit Konzeption, Organisation, Öffentlichkeitsarbeit oder
Durchführung des Summit beauftragt (bitte je Auftrag das Unternehmen,
den Auftragsgegenstand, das Auftragsvolumen und die Vergabeart
angeben)?
11. Werden von Unternehmen oder Verbänden Sponsoring-,
Kofinanzierungsoder Sachleistungen für den Summit entgegengenommen (bitte je Beitrag
das Unternehmen beziehungsweise den Verband, die Art und die Höhe des
Beitrags angeben)?
12. Plant die Bundesregierung, den von Staatssekretär Steffen Meyer
angekündigten „Private Investor Pool“ (www.boersen-zeitung.de/esg-pro/
geldder-investoren-fuer-die-transformation-ist-da) oder eine vergleichbare
Plattformlösung im Rahmen des Invest in Germany Summits vorzustellen,
und wenn ja, handelt es sich hierbei um die angekündigte „high level
platform for international investors“ (https://summit.invest-in-germany.com/fi
leadmin/summit-at_a_glance.pdf)?
a) Was ist unter der angekündigten „high level platform for international
investors“ (https://summit.invest-in-germany.com/fileadmin/summit-a
t_a_glance.pdf) zu verstehen, welche Bundesministerien und
jeweiligen Referate sind mit der Planung und Umsetzung beauftragt, welche
bundeseigenen Unternehmen und Stiftungen sind an der Umsetzung
beteiligt, und welche externen Berater, Unternehmen und
Interessenvertretungen wurden bei der Planung eingebunden und sind mit der
Umsetzung beauftragt (bitte nach Zuständigkeiten und Funktionen
auflisten)?
b) Welche der beim Summit vertretenen Unternehmen und
Finanzinvestoren sind oder waren an der Planung und Umsetzung des Private
Investor Pools oder einer vergleichbaren Plattformlösung in welcher
Form beteiligt?
c) Welche Mindestinvestitionsvolumina sind nach Kenntnis der
Bundesregierung erforderlich, damit institutionelle Investoren in
Energieversorgungsunternehmen oder Netzgesellschaften investieren, und auf
welche Angaben von Investoren stützt sich diese Einschätzung?
d) Sind Mindestinvestitionsvolumina geplant, um Zugang zum Private
Investor Pool oder einer vergleichbaren Plattformlösung zu
bekommen, und wenn ja, ab welchem Mindestinvestitionsvolumen erhalten
Interessenten Zugang zur Plattform?
e) Nach Kenntnis der Bundesregierung, in welche Projekte, Zielsektoren,
Unternehmen oder Infrastrukturen sollen private Investoren mithilfe
des Private Investor Pools oder einer vergleichbaren Plattformlösung
investieren können?
f) In welcher Form sind im Rahmen des Private Investor Pools oder
einer vergleichbaren Plattformlösung öffentliche Garantien oder
Sicherheiten für private Investoren geplant (bitte nach Garantien,
Bürgschaften, Erstverlustübernahmen und Nachrangstrukturen getrennt,
jeweils mit vorgesehenem Volumen und Haftungsumfang des Bundes
angeben)?
g) Wen beauftragt die Bundesregierung für die Strukturierung,
Verwaltung, Transaktionsbegleitung und Beratung des angekündigten Private
Investor Pools oder einer vergleichbaren Plattform, welche Kosten
entstehen dabei für den Bundeshaushalt oder bundeseigene
Unternehmen (bitte nach Kostenart und geschätzter Höhe angeben), und
inwieweit sind Verwaltungsgebühren zulasten der beteiligten
Energieversorgungsunternehmen vorgesehen?
Berlin, den 14. September 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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