Haltung der Bundesregierung zu politischen Meinungsäußerungen von Beamten des Auswärtigen Amts im Grundsatz sowie im Zusammenhang mit der deutschen Israelpolitik aktuell
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Haltung der Bundesregierung zu politischen Meinungsäußerungen von Beamten des Auswärtigen Amts im Grundsatz sowie im Zusammenhang mit der deutschen Israelpolitik aktuell
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1204
21. Wahlperiode 12.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Alexander Wolf, Gerold Otten, Udo Theodor Hemmelgarn,
Heinrich Koch, Jan Wenzel Schmidt und der Fraktion der AfD
Haltung der Bundesregierung zu politischen Meinungsäußerungen von Beamten
des Auswärtigen Amts im Grundsatz sowie im Zusammenhang mit der deutschen
Israelpolitik aktuell
Rund 130 vor allem jüngere Diplomaten im Auswärtigen Amt, die sich unter
dem Motto „loyal nonkonform“ zu einer organisierten Gruppe
zusammengeschlossen haben, fordern – nach Auffassung der Fragesteller effektiv und in
hohem Maße medien- und öffentlichkeitswirksam – in der Nahostpolitik der
Bundesregierung „mehr Härte gegen Israel“ vom Bundesminister des Auswärtigen
Dr. Johann David Wadephul und planen hierzu ein Treffen mit diesem (www.ze
it.de/politik/ausland/2025-07/auswaertiges-amt-diplomaten-fordern-haerteren-i
srael-kurs; www.spiegel.de/politik/deutschland/frust-ueber-deutschlands-
israelpolitik-aufstand-der-diplomaten-a-7939451d-3b28-42da-82e2-1a9dd93d0400;
www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-nahost-donnerstag-284.html#Diplom
aten; www.n-tv.de/politik/130-Diplomaten-im-Aussenministerium-fordern-haer
teren-Israel-Kurs-article25921396.html; www.faz.net/aktuell/politik/inland/deu
tschland-und-gaza-diplomaten-sind-keine-politiker-110605178.html; www.b
r.de/nachrichten/meldung/diplomaten-fordern-mehr-haerte-mit-israel%2C3007
4cb71; www.tagesspiegel.de/politik/loyal-nonkonform-130-diplomaten-im-aus
senministerium-fordern-harteren-israel-kurs-14075879.html; www.stern.de/pan
orama/weltgeschehen/wachsende-kritik-an-wadephul--diplomaten-fordern-haer
teres-vorgehen-gegen-israel-35919616.html).
Die Aussagen, Kritiken und Forderungen der Diplomaten werfen nach
Auffassung der Fragesteller eine Reihe von unter anderem dienstrechtlichen Fragen
auf, so insbesondere im Hinblick auf das Spannungsverhältnis zwischen
Beamtenstatus und Meinungsfreiheit bzw. Debattenkultur innerhalb der
Ministerialbürokratie, sowie ferner auch Fragen nach der Organisation von politischen und
anderen Gruppierungen im Auswärtigen Amt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Auffassung vertritt die Bundesregierung grundsätzlich zum Recht
von Beamten des höheren Auswärtigen Dienstes, sich
a) intern oder
b) wie hier effektiv medien- und öffentlichkeitswirksam
zu der Außenpolitik Deutschlands bzw. der amtierenden Bundesregierung
kritisch zu äußern?
2. Wie bewertet bzw. praktiziert die Bundesregierung das
Spannungsverhältnis zwischen der Meinungsfreiheit einerseits und dem beamtenrechtlichen
Loyalitätsprinzip andererseits?
3. Unter welchen Voraussetzungen kann eine solche Meinungsäußerung wie
im vorliegenden Fall (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) als illoyal,
disziplinarisch relevant oder anderweitig dienstpflichtwidrig eingestuft
werden?
4. Mit welcher Antwort oder welchen Maßnahmen hat die Bundesregierung
bzw. die Leitung des Auswärtigen Amts auf die vorliegende Kritik der
Diplomaten gegebenenfalls reagiert bzw. plant sie, darauf zu reagieren?
5. Gibt es gegenwärtig disziplinarrechtliche Ermittlungen gegen einzelne
bzw. mehrere Beamte im Auswärtigen Amt im Zusammenhang mit den
kritischen Äußerungen zur Nahostpolitik?
6. Wie beurteilt die Bundesregierung die in der „Frankfurter Allgemeinen
Zeitung“ (a. a. O.) getroffene Aussage, dass jene Beamte, die ebendiese
Kritik in ebendieser Form äußerten, „ihren Beruf verfehlt haben“?
7. Bestehen interne Kanäle oder Gremien für Beamte des Auswärtigen Amts,
um politische Entwicklungen oder Richtungsentscheidungen kritisch zu
reflektieren oder zu hinterfragen, und wenn ja, welche?
8. Gibt es insbesondere systematische Formate (z. B. Konsultationen,
Mitarbeiterforen), in denen sich die politische Leitung des Auswärtigen Amts
mit kritischen Einschätzungen aus der Beamtenschaft befasst?
9. Welche Inhalte und Rechtsmaterien zu Neutralitätspflichten,
Meinungsfreiheit und Loyalitätsanforderungen werden während der Ausbildung für
den höheren Auswärtigen Dienst gegebenenfalls vermittelt?
10. Erkennt die Bundesregierung, dass wesentliche Teile des diplomatischen
Nachwuchses ihre politischen Grundsatzentscheidungen bzw. Leitlinien
kritisch sehen, und wenn ja, zieht das Auswärtige Amt in der Folge
Änderungen in seiner Personalpolitik in Betracht?
11. Welche Lehren zieht die Bundesregierung gegebenenfalls aus der
öffentlichen Debatte über die Äußerungen der Diplomaten für die künftige
Kommunikation und Durchsetzung außenpolitischer Grundlinien?
12. Welche Gruppen oder Gruppierungen
a) existieren namentlich im Auswärtigen Amt (vgl. beispielsweise
Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion der
AfD auf Bundestagsdrucksache 19/25718),
b) in welchen organisatorischen Formen und
c) wie bzw. in welcher Höhe werden sie gegebenenfalls je gefördert?
Berlin, den 8. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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