Rede von Dr. Margrit Spielmann (SPD) – Drucksache 16/5049
Teil von Protokoll der 95. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP ZP 7: Drucksache 16/5049 –.
Text
Rede von Dr. Margrit Spielmann (SPD) – Drucksache 16/5049
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Kolleginnen und
Kollegen! Ein altes Sprichwort besagt: „Aller guten
Dinge sind drei.“ Nach zwei erfolglosen Anläufen zur
Verbesserung des Nichtraucherschutzes, die wir in den
letzten zehn Jahren – oder sogar in den letzten 15 Jahren,
wie ich erfahren habe – gemacht haben, beraten wir
heute in erster Lesung ein Gesetz zum Schutz vor den
Gefahren des Passivrauchens. Herr Minister Seehofer,
ich denke auch, wir erleben in diesem Problemfeld einen
Quantensprung.
Wir wissen alle, diesem Gesetzentwurf sind
vielfältige Bemühungen vorausgegangen. Der Entwurf ist für
mich sozusagen eine Antwort unter anderem auf den
öffentlichen Druck, der in letzter Zeit durch die Medien
ausgeübt wurde.
Die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes erwarten
von uns – Herr Parr, 72 Prozent haben sich für einen
Schutz vor Passivrauchen ausgesprochen – eine
schützende gesetzliche Regelung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU)
In besonderer Weise haben die Institute – ich nenne
beispielsweise das Deutsche Krebsforschungszentrum in
Heidelberg – durch ihre Forschungsergebnisse –
immerhin sterben pro Jahr 3 200 Menschen an den Folgen
des Passivrauchens – zu dieser durchaus positiven
öffentlichen Diskussion beigetragen. Ich denke, wir sollten
diesen Instituten einmal für ihren Beitrag zur heutigen
Debatte danken.
(Beifall bei der SPD sowie der Abg. Bärbel
Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Auch dieses persönliche Wort sei mir gestattet: Hilfreich
war auch das Engagement unseres Kollegen Lothar
Binding.
(Beifall bei der SPD – Daniel Bahr [Münster]
[FDP]: Warum darf er nicht reden?)Vor uns liegt ein erster Entwurf. Viele von uns – dazu
zähle auch ich – hätten sich zum Schutz vor
Passivrauchen ein wenig mehr gewünscht. Mir ist der
Gesetzentwurf nicht umfassend genug. Aber wir haben eine
Anhörung vereinbart und sollten diese auch für entsprechende
Veränderungen nutzen.
Wir müssen uns noch mehr Gedanken machen, ob wir
die Arbeitsstättenverordnung ändern können, um einen
wirklichen Arbeitsschutz zu gewährleisten.
(Bärbel Höhn [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
Richtig!)
Wir müssen über die verlängerte Frist für die
Automatenhersteller reden. Es wurde schon gesagt: Wenn wir
den Jugendschutz ernst nehmen, dann sollten wir dafür
sorgen, dass die Heraufsetzung der Altersgrenze
zeitgleich auch für die Abgabe von Zigaretten an Automaten
erfolgt und nicht erst 22 Monate später.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der
Abg. Maria Eichhorn [CDU/CSU])
Ich denke, das Datum 1. Juli 2009 ist für uns nicht
hinnehmbar.
Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir gegen
Verstöße gegen das Gesetz vorgehen.
Herr Parr, ich will dafür keine Polizei mit
hochgestelltem Kragen. Ich könnte mir durchaus andere
Regelungen vorstellen.
Wir müssen uns überlegen, wie wir den Bundestag
explizit in das Gesetz einbeziehen; denn der Bundestag
als öffentliches Gebäude kann nicht von den Regelungen
des Gesetzes ausgenommen werden. Dazu gehört auch,
dass sich alle Abgeordneten daran halten.
(Zuruf der Abg. Birgitt Bender [BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN])
– Frau Bender und liebe Kolleginnen und Kollegen von
der Fraktion des Bündnisses 90/Die Grünen, wir werden
Ihren Antrag natürlich in die Diskussion einbeziehen
und positiv würdigen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Zuruf
von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Heute
abstimmen!)
Es ist auch zu prüfen, ob wir die Definition von
Raucherräumen im Gesetz ändern müssen. Es kann
nicht sein, dass eine gesetzliche Definition so wie die
vorliegende zu den Raucherräumen auf Lobbydruck
entsteht.
Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen,
lassen Sie mich zum Schluss noch einen für mich als
Gesundheitspolitikerin wichtigen Aspekt erwähnen.
Parallel zum Gesetz sollten wir verstärkt Konzepte
unterstützen, die den Menschen helfen, mit dem Rau-
Dr. Margrit Spielmannchen aufzuhören. Lassen Sie uns in der Anhörung und in
der folgenden Debatte auch über Maßnahmen zum
Beispiel zur zielgruppenspezifischen Prävention, also
insbesondere über Präventionsmaßnahmen für Kinder und
Jugendliche, diskutieren. Wir sollten diese
Aufklärungsangebote – das wäre mir ein großes Anliegen – unter
Einbeziehung verschiedener Berufsgruppen konzipieren;
hier möchte ich in besonderer Weise die Pädagogen und
die Ärzte erwähnen.
Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der
CDU/CSU)