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Protokoll der 59. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 26.02.2026 · WP 21 · 21/59 · Original ↗

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Protokoll der 59. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/59 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 59. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 26. Februar 2026 Inhalt: Glückwünsche zum Geburtstag der Abgeordneten Lukas Benner, Mirco Hanker, Sieghard Knodel, Armin Laschet und des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages Bodo Ramelow Absetzung des Tagesordnungspunktes 15 und des Zusatzpunktes 8 Änderung der Tagesordnung Erweiterung der Tagesordnung Zusatzpunkt 6: – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Tarifautonomie durch die Sicherung von Tariftreue bei der Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes (Tariftreuegesetz) Drucksachen 21/1941, 21/4325 – Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/4344 Dagmar Schmidt (Wetzlar) (SPD) Peter Bohnhof (AfD) Wilfried Oellers (CDU/CSU) Ricarda Lang (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Pascal Meiser (Die Linke) Annika Klose (SPD) Carsten Becker (AfD) Sandra Carstensen (CDU/CSU) Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jan Dieren (SPD) Mathias Weiser (AfD) Peter Aumer (CDU/CSU) Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bernd Rützel (SPD) Nora Seitz (CDU/CSU) Johannes Winkel (CDU/CSU) Zusatzpunkt 7: Antrag der Abgeordneten Lisa Badum, Swantje Henrike Michaelsen, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – Ein Klima-Turbo für Deutschland Drucksache 21/4271 in Verbindung mit Zusatzpunkt 9: Antrag der Abgeordneten Jörg Cezanne, Lorenz Gösta Beutin, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Bezahlbarer Strom für die Menschen und das Klima Drucksache 21/4273 Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Andreas Jung (CDU/CSU) Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingo Hahn (AfD) Jakob Blankenburg (SPD) Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Fabian Fahl (Die Linke) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Karsten Hilse (AfD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Andreas Bleck (AfD) Daniel Bettermann (SPD) Jörg Cezanne (Die Linke) Hans Koller (CDU/CSU) Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hans Koller (CDU/CSU) Dr. Paul Schmidt (AfD) Lars Rohwer (CDU/CSU) Steffen Kotré (AfD) Tagesordnungspunkt 7: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Infrastruktur-Zukunftsgesetzes Drucksachen 21/4099, 21/4301 Patrick Schnieder, Bundesminister BMV Wolfgang Wiehle (AfD) Dirk Vöpel (SPD) Katrin Eder, Staatsministerin (Rheinland-Pfalz) Jorrit Bosch (Die Linke) Daniel Kölbl (CDU/CSU) Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ulrich von Zons (AfD) Isabel Cademartori (SPD) Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Stephan Stracke (CDU/CSU) Maximilian Kneller (AfD) Dunja Kreiser (SPD) Stefan Seidler (fraktionslos) Björn Simon (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 10: Antrag der Abgeordneten Dr. Christian Wirth, Dr. Gottfried Curio, Martin Hess, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Effektive Kontrollen und Zurückweisungen an der Grenze durch Schaffung einer sicheren Rechtsgrundlage Drucksache 21/4274 Dr. Christian Wirth (AfD) Christina Stumpp (CDU/CSU) Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Clara Bünger (Die Linke) Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) Jochen Haug (AfD) Ingo Vogel (SPD) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) David Gregosz (CDU/CSU) Stefan Möller (AfD) Siegfried Walch (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 31: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zu dem Mehrseitigen Übereinkommen vom 24. November 2016 zur Umsetzung steuerabkommensbezogener Maßnahmen zur Verhinderung der Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung Drucksache 21/3944 b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung flaggen-, schiffsregister- und seefischereirechtlicher Vorschriften Drucksache 21/3948 c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung der Gewerbeordnung und anderer Gesetze Drucksache 21/3947 d) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Digitalisierung in der Migrationsverwaltung (Migrationsverwaltungs-digitalisierungsweiterentwicklungsgesetz – MDWG) Drucksache 21/4080 e) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Vertrag vom 17. Juli 2025 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit Drucksache 21/3945 f) Antrag der Abgeordneten Dr. Christina Baum, Martin Sichert, Carina Schießl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Korrektur der COVID-19-Impfstoffpolitik und Moratorium für gegenwärtig zugelassene mRNA-COVID-19-Impfstoffe Drucksache 21/4283 g) Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Innovative Arzneimittel sofort verfügbar machen, nationale Zuständigkeit sichern und lernende Preisbildung weiterentwickeln Drucksache 21/4284 in Verbindung mit Zusatzpunkt 10: Antrag der Abgeordneten Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Empfehlung des Bürgerrats „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ zur Altersgrenze für Energydrinks umsetzen Drucksache 21/4285 Tagesordnungspunkt 32: a) Beschlussempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses – zu dem Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Entlastung der Bundesregierung für das Haushaltsjahr 2023 – Haushalts- und Vermögensrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2023 – – zu der Unterrichtung durch den Bundesrechnungshof: Bemerkungen 2024 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes (einschließlich der Feststellungen zur Haushaltsrechnung und zur Vermögensrechnung 2023) – zu der Unterrichtung durch den Bundesrechnungshof: Bemerkungen 2024 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes – Ergänzungsband – Drucksachen 20/12195, 20/14000, 21/1541 Nr. 22, 21/100, 21/2595 b) Beschlussempfehlung und Bericht des Haushaltsausschusses zu dem Antrag des Präsidenten des Bundesrechnungshofes: Rechnung des Bundesrechnungshofes für das Haushaltsjahr 2024: – Einzelplan 20 – Drucksachen 21/470, 21/2652 d)–p) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 158, 159, 160, 161, 162, 163, 164, 165, 166, 167, 168, 169 und170 zu Petitionen Drucksachen 21/3878, 21/3879, 21/3880, 21/3881, 21/3882, 21/3883, 21/3884, 21/3885, 21/3886, 21/3887, 21/3888, 21/3889, 21/3890 in Verbindung mit Zusatzpunkt 11: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Energie zu der Verordnung der Bundesregierung: Zweiundzwanzigste Verordnung zur Änderung der Außenwirtschaftsverordnung Drucksachen 21/2879, 21/3137 Nr. 2, 21/4320 Zusatzpunkt 12: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Verwandtenbeschäftigung bei AfD-Abgeordneten – Bereicherung auf Staatskosten vermeiden, rechtliche Konsequenzen ziehen Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) Dr. Bernd Baumann (AfD) Dr. Johannes Fechner (SPD) Otto Strauß (AfD) Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Janina Böttger (Die Linke) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Enrico Komning (AfD) Sonja Eichwede (SPD) Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Jörn König (AfD) Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jörn König (AfD) Jürgen Coße (SPD) Jörn König (AfD) Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 11: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge (Altersvorsorgereformgesetz) Drucksache 21/4088 b) Antrag der Abgeordneten Stefan Schmidt, Katharina Beck, Dr. Armin Grau, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ein Bürgerfonds für eine bessere ergänzende Altersvorsorge – Einfach, sicher, renditestark Drucksache 21/3617 Lars Klingbeil, Bundesminister BMF Kay Gottschalk (AfD) Dr. Carsten Brodesser (CDU/CSU) Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sarah Vollath (Die Linke) Michael Thews (SPD) Ulrike Schielke-Ziesing (AfD) Dr. Florian Dorn (CDU/CSU) Kay Gottschalk (AfD) Tagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Nicole Gohlke, Maren Kaminski, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Demokratische Schule schützen, Lehrkräfte stärken Drucksache 21/4275 Nicole Gohlke (Die Linke) Michael Hose (CDU/CSU) Birgit Bessin (AfD) Nicole Höchst (AfD) Felix Döring (SPD) Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Dr. Götz Frömming (AfD) Zusatzpunkt 13: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung der Verfügbarkeit von Wasserstoff und zur Änderung weiterer rechtlicher Rahmenbedingungen für den Wasserstoffhochlauf und weiterer energierechtlicher Vorschriften Drucksachen 21/2506, 21/3203, 21/4326 Fabian Gramling (CDU/CSU) Raimond Scheirich (AfD) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jörg Cezanne (Die Linke) Christian Moser (CDU/CSU) Mathias Weiser (AfD) Nicklas Kappe (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 14: Antrag der Abgeordneten Diana Zimmer, Christian Douglas, Kay Gottschalk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Grundsteuer vollständig abschaffen – Eigentum schützen, Mieter entlasten Drucksache 21/4277 Diana Zimmer (AfD) Fritz Güntzler (CDU/CSU) Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Nadine Heselhaus (SPD) Christian Görke (Die Linke) Heiko Hain (CDU/CSU) Karl Bär (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Marc Bernhard (AfD) Dr. Philipp Rottwilm (SPD) Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 27: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes Drucksachen 21/3252, 21/3506, 21/4322 Sebastian Schmidt (CDU/CSU) Arne Raue (AfD) Daniel Baldy (SPD) Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jan Köstering (Die Linke) Christoph de Vries, Parl. Staatssekretär BMI Christopher Drößler (AfD) Marc Henrichmann (CDU/CSU) Zusatzpunkt 21: Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zum Vollzug gerichtlicher Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse Drucksache 21/4330 Tagesordnungspunkt 16: Antrag der Abgeordneten René Springer, Peter Bohnhof, Gerrit Huy, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Technisierung statt Zuwanderung – Für einen leistungsfähigen Arbeitsmarkt Drucksache 21/4278 René Springer (AfD) Dr. Markus Reichel (CDU/CSU) Sylvia Rietenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Rasha Nasr (SPD) Janine Wissler (Die Linke) Dr. Hülya Düber (CDU/CSU) Robert Teske (AfD) Nora Seitz (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 13: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2024/1069 über den Schutz von Personen, die sich öffentlich beteiligen, vor offensichtlich unbegründeten Klagen oder missbräuchlichen Gerichtsverfahren Drucksache 21/3942 b) Antrag der Abgeordneten Aaron Valent, Christin Willnat, Clara Bünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Einschüchterungsklagen stoppen – Demokratie und Pressefreiheit schützen Drucksache 21/4276 Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin BMJV Peter Bohnhof (AfD) Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU) Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Daniel Rinkert (SPD) Ulrich von Zons (AfD) Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 30: a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Till Steffen, Hanna Steinmüller, Lukas Benner, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung des sozialen Mietrechts Drucksache 21/4268 b) Antrag der Abgeordneten Hanna Steinmüller, Dr. Till Steffen, Helge Limburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Faire Mieten jetzt – Schutz und Aufklärung für Mieterinnen und Mieter Drucksache 21/4282 c) Unterrichtung durch die Bundesregierung: Fünfter Bericht der Bundesregierung über die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Deutschland und Wohngeld- und Mietenbericht 2024 Drucksache 21/2170 Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Susanne Hierl (CDU/CSU) Rainer Galla (AfD) Hakan Demir (SPD) Katalin Gennburg (Die Linke) Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU) Katalin Gennburg (Die Linke) Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Otto Strauß (AfD) Hendrik Bollmann (SPD) Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Pascal Meiser (Die Linke) Dr. Martin Plum (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 17: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Vaterschaftsanfechtung Drucksachen 21/2997, 21/3487, 21/4323 Ansgar Heveling (CDU/CSU) Rainer Galla (AfD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Carsten Müller (Braunschweig) (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 19: Antrag der Abgeordneten Beatrix von Storch, Jörn König, Hauke Finger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Verbot der Islamischen Revolutionsgarde des Iran in Deutschland Drucksache 21/4279 Beatrix von Storch (AfD) Caroline Bosbach (CDU/CSU) Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Helge Lindh (SPD) Cansu Özdemir (Die Linke) Siegfried Walch (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 18: Zweite Beratung und Schlussabstimmung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 9. Dezember 2022 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Österreich über die Zusammenarbeit gegen nichtmilitärische Bedrohungen aus der Luft Drucksachen 21/2963, 21/3917 Volker Mayer-Lay (CDU/CSU) Dr. Daniel Zerbin (AfD) Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ralph Edelhäußer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 21: Antrag der Abgeordneten Lea Reisner, Sören Pellmann, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Faire Entschuldung für die Ukraine – Für Souveränität, sozialen Wiederaufbau und völkerrechtliche Verantwortung statt Ausverkauf und Schuldenregime Drucksache 21/4272 Lea Reisner (Die Linke) Knut Abraham (CDU/CSU) Gerold Otten (AfD) Johannes Schraps (SPD) Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Erklärungen nach § 31 GO der Abgeordneten Steffen Bilger (CDU/CSU) und Dirk Wiese (SPD) zu der Abstimmung über die Beschlussempfehlung des Haushaltsausschusses – zu dem Antrag des Bundesministeriums der Finanzen Entlastung der Bundesregierung für das Haushaltsjahr 2023 – Haushalts- und Vermögensrechnung des Bundes für das Haushaltsjahr 2023 – zu der Unterrichtung durch den Bundesrechnungshof Bemerkungen 2024 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes (einschließlich der Feststellungen zur Haushaltsrechnung und zur Vermögensrechnung 2023) – zu der Unterrichtung durch den Bundesrechnungshof Bemerkungen 2024 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes – Ergänzungsband – (Tagesordnungspunkt 32a) Anlage 3 Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Vaterschaftsanfechtung (Tagesordnungspunkt 17) Hakan Demir (SPD) Anlage 4 Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 9. Dezember 2022 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Österreich über die Zusammenarbeit gegen nichtmilitärische Bedrohungen aus der Luft (Tagesordnungspunkt 18) Christoph Schmid (SPD) Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 59. Sitzung wird am 3. März 2026 veröffentlicht. Präsidentin Julia Klöckner: Guten Morgen, alle zusammen! Hiermit eröffne ich unsere Sitzung. Bevor wir zusammen in die heutige Tagesordnung eintreten, möchte ich einige Glückwünsche im Namen unseres ganzen Hauses aussprechen. Da gibt es einige runde Geburtstage, die nicht ungenannt bleiben sollen. Wir gratulieren dem Kollegen Lukas Benner zu jugendlichen 30 Jahren. Herzlichen Glückwunsch! (Beifall) Wir gratulieren dem Kollegen Mirco Hanker zum 60. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch auch Ihnen! (Beifall) Wir gratulieren dem Kollegen Sieghard Knodel zum 65. Geburtstag. Auch Ihnen herzlichen Glückwunsch! (Beifall) Wir gratulieren dem Kollegen Armin Laschet ebenfalls zum 65. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! (Beifall) Und ein besonderer Glückwunsch geht an unseren Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, lieber Bodo Ramelow, 70 Jahre jung. Herzlichen Glückwunsch dazu! (Beifall) Noch einmal: Im Namen des gesamten Hauses nur das Beste. Tagesordnungspunkt 15 und Zusatzpunkt 8 werden heute abgesetzt. Zudem wurde interfraktionell vereinbart, den Gesetzentwurf der Fraktion der AfD auf Drucksache 21/4266 in verbundener Beratung mit Tagesordnungspunkt 24 aufzusetzen. – Ich sehe und höre keinen Widerspruch. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf den Zusatzpunkt 6: – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Tarifautonomie durch die Sicherung von Tariftreue bei der Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes (Tariftreuegesetz) Drucksache 21/1941 Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales (11. Ausschuss) Drucksache 21/4325 – Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/4344 Hierzu liegt ein Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vor. Für die Aussprache haben wir uns auf eine Dauer von 60 Minuten geeinigt. Ich eröffne die Aussprache. Für die Fraktion der SPD hat Frau Abgeordnete Dagmar Schmidt das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Dagmar Schmidt (Wetzlar) (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir investieren 500 Milliarden Euro in unser Land: in Straßen, in Schienen, in Gebäude, in Klimaschutz, in Sportstätten, in Hightech, in Digitalisierung, in Breitbandausbau und in vieles andere mehr, sprich: Wir modernisieren unser Land. Alles das gibt es nicht ohne das Sondervermögen. Aber alles das gibt es eben auch nicht ohne die Menschen, die die Vorhaben in die Tat umsetzen, die bei Hitze und bei Kälte Schienen verlegen und mit viel Enthusiasmus ihre Projekte entwickeln. Mit dem Tariftreuegesetz verbinden wir unsere Investitionen in die Zukunft mit anständigen Löhnen und guten Arbeitsbedingungen. (Beifall bei der SPD) Diejenigen, die das Land am Laufen halten, müssen auch direkt von diesen Investitionen profitieren. Deswegen sorgen wir dafür, dass sich, wer mit Steuergeld bezahlt wird, auch an Tarifverträge halten muss. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Das ist auch ein guter Tag für viele Unternehmerinnen und Handwerker, nämlich für diejenigen, die sich immer an einen fairen Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gehalten haben, die nach Tarif zahlen und deswegen oftmals die Dummen sind, wenn andere Dumpinglöhne zahlen. Sie schützen wir. Denn Qualität und nicht niedrige Löhnen sollen bei einer Bewerbung den Ausschlag geben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Unser Land ist dann stark, wenn wir zusammenhalten, wenn nicht das Recht des Stärkeren herrscht, sondern wir uns Regeln geben und Kompromisse finden. Genau dafür steht unsere Tradition der Sozialpartnerschaft. Die Menschen in Deutschland arbeiten hart. Das Arbeitsvolumen war in den letzten Jahren so hoch wie nie zuvor. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisteten 2024 1,2 Milliarden Überstunden und die Hälfte davon unbezahlt. Es ist das Recht der Beschäftigten, für diese Arbeit anständig bezahlt und behandelt zu werden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Armin Grau [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Ohne Tarifvertrag verdient man im Durchschnitt 11 Prozent weniger und arbeitet dafür länger. Im Schnitt hat man ohne Tarifvertrag 2 900 Euro weniger im Jahr. Das ist ein Urlaub mehr oder weniger. Das macht schon einen Unterschied. Wir leben in Zeiten, in denen gern mal hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte für fehlendes Wachstum verantwortlich gemacht werden. Dabei sorgt eine hohe Tarifbindung für stabile Löhne, für Planungssicherheit und für verlässliche Wettbewerbsbedingungen. Länder wie Dänemark oder Spanien zeigen, dass wirtschaftliche Dynamik und starke Tarifpartnerschaft kein Widerspruch sind, im Gegenteil. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland weiß, dass Arbeit etwas wert sein muss, dass man von seiner Arbeit anständig leben können muss und dass man das Recht hat, mitzureden, wenn es um die eigenen Arbeitsbedingungen geht. Das zu stärken, dafür machen wir heute ein Gesetz, und darüber freue ich mich sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat nun Herr Abgeordneter Peter Bohnhof das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Peter Bohnhof (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was versteht die Bundesregierung eigentlich unter Treue? Ich persönlich, aber auch meine KI, die ich befragt habe, definieren Treue wie folgt: Treue ist eine Tugend, die Verlässlichkeit, Beständigkeit und Loyalität gegenüber Personen, Werten oder Sachen ausdrückt. – Treue ist also etwas Freiwilliges, etwas Echtes, das aus Überzeugung kommt. Das Wort „Treue“ ist hier also fehl am Platz. Es ist kein Tariftreuegesetz, sondern ein Tarifanwendungszwangsgesetz, liebe Kollegen. (Beifall bei der AfD) Weil wir von der AfD eine freiheitliche Partei sind, lehnen wir diesen Gesetzentwurf ab. Wir stehen für die Freiheit der Unternehmen, der Arbeitnehmer und der Gewerkschaften, nicht für staatlichen Zwang, der alles erdrückt, meine Damen und Herren. (Mirze Edis [Die Linke]: Und wie soll das gehen?) Dieser Entwurf, auch in der Fassung des Änderungsantrags, ist ein Angriff auf die Tarifautonomie, die er angeblich stärken soll. Er schafft neue Bürokratie, die Unternehmen und den Staat gleichermaßen belastet, zum Beispiel Nachweis-, Prüf- und Kontrollpflichten, und zwar für Aufträge ab einem Schwellenwert von nur 50 000 Euro. Bei Bauvorhaben bekommen Sie dafür noch nicht einmal eine geschlechtsneutrale Toilette, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Der zu erwartende Verwaltungsaufwand steht in keinem Verhältnis dazu. Kleine und mittlere Unternehmen werden noch mehr Papierkram erledigen müssen. Eine elektronische Entgeltabfrage gibt es noch gar nicht. Die ist zwar geplant, aber erst für 2028 – im besten Deutschland aller Zeiten. Dabei kämpfen die Firmen schon jetzt mit irren Regulierungen. Für viele in Ostdeutschland oder im ländlichen Raum ist das der Todesstoß. Klein- und Kleinstunternehmer, aber auch Start-ups werden so vom Wettbewerb ausgeschlossen, meine Damen und Herren, durch Staatskontrolle pur. Insbesondere bei Bauaufträgen wird das Gesetz voll zuschlagen trotz des Sanierungsbedarfs bei Straßen, Brücken und öffentlichen Gebäuden. Sie alle bröckeln, weil diese Regierung lieber Geld in Klimawahn oder EU-Kassen pumpt. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie haben Probleme mit der Gesetzestreue! Das ist Ihr Problem!) Im Klartext: Diese Regierung will gar nichts aufbauen, jedenfalls nichts Handfestes, nur Bürokratie und Verwaltungsjobs. Meine Damen und Herren, hier wird die Axt an die Tarifautonomie gelegt. Nicht tarifgebundene Firmen werden vernichtet. Sie werden gezwungen, staatlich ausgewählte Arbeitsbedingungen einzuhalten bei Vergütung, Urlaub, Arbeits- und Ruhezeiten, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) sogar dann, wenn sie einen Haustarifvertrag haben, der besser zu ihrem Betrieb passt; das sollten Sie auch mal erkennen. Am Ende entscheidet immer der Staat. Das ist kein fairer Wettbewerb. Das ist Staatsdirigismus, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Dem Unternehmer bleibt nur noch die Haftung wie beim Arbeitnehmer-Entsendegesetz: Wer einen Auftrag annimmt, haftet wie ein Selbstschuldner. Das schreckt Bieter ab, reduziert den Wettbewerb und begünstigt große Konzerne. Nur die können sich das noch leisten. Kleine Unternehmen und Start-ups werden, wie ich bereits ausführte, durch dieses System benachteiligt. Langfristig führt das zu Marktkonzentration und Kartellbildung. Weniger Bieter, höhere Preise, der Steuerzahler zahlt drauf. Und dann ist da auch noch die Benachteiligung von freien Gewerkschaften. Der Entwurf orientiert sich vorrangig an DGB-Tarifverträgen. Das ist ein Konjunkturprogramm für diese meist SPD-nahen Gewerkschaften. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Was reden Sie für einen Quatsch?) Denn der DGB ist schon lange keine reine Arbeitnehmerorganisation mehr. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie reden über Dinge, von denen Sie nichts verstehen!) – Quatschen Sie doch nicht immer dazwischen! (Rasha Nasr [SPD]: Na, dann quatschen Sie nicht so einen Quatsch!) Er positioniert sich AfD-feindlich, unterstützt die Klimaideologie und die Masseneinwanderung. So ist das nämlich, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Der DGB und auch Sie stemmen sich gegen eine pluralistische Gewerkschaftslandschaft. Wo bleibt da die Freiheit? Meine Damen und Herren, wir wollen Tarifverträge. Wir wollen Wohlstandslöhne und verhandelte Tarifverträge, aber keine staatlich verordnete Tarifbindung über das Vergaberecht. Wir wollen keine neue Bürokratie, keine künstlichen Haftungsrisiken, keine Benachteiligung kleinerer Unternehmen. Wir von der AfD stehen für echte Tarifautonomie, für faire Wettbewerbsbedingungen ohne Staatszwang. (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Darum lehnen wir dieses Gesetz ab, für die Freiheit Deutschlands. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Wilfried Oellers das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Wilfried Oellers (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Mit dem Bundestariftreuegesetz schaffen wir gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Unternehmen bezogen auf Aufträge des Bundes. Der Lohn der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist damit nicht mehr das entscheidende Kriterium dafür, welches Unternehmen den Zuschlag erhält. Ein Unternehmen muss nicht unbedingt tarifgebunden sein, um einen Auftrag des Bundes zu erhalten. Es muss jedoch die Arbeitsbedingungen erfüllen, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in der Rechtsverordnung festgeschrieben hat. Das ist ein wichtiger Unterschied. Damit möchten wir betonen, dass Unternehmen, die nicht tarifgebunden sind, nicht automatisch als schlechtere Arbeitgeber anzusehen sind. Diesem in der Diskussion häufig fälschlicherweise eingebrachten Punkt treten wir mit Entschiedenheit entgegen. (Beifall bei der CDU/CSU) Bei der Festlegung der Arbeitsbedingungen in der Rechtsverordnung richtet sich das BMAS allerdings nach dem repräsentativsten Tarifvertrag. Hiermit kommen die bereits bestehenden Tarifverträge ins Spiel. In den parlamentarischen Verhandlungen war es uns dabei wichtig, sicherzustellen, dass diese tariflichen Regelungen eins zu eins übernommen werden. Das haben wir ausdrücklich im Gesetz festgehalten. (Beifall bei der CDU/CSU) Ausdrücklich im Gesetz festgeschrieben haben wir auch, dass das BMAS eine Rechtsverordnung im Benehmen mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie erlässt. (Beifall bei der CDU/CSU) Wichtig war uns auch, dass wir das Gesetz möglichst rechtssicher und unbürokratisch gestalten und dass es dementsprechend rechtssicher und unbürokratisch umgesetzt werden kann. Darum haben wir folgende Veränderungen vorgenommen: Wir haben den Lieferbereich aus dem Anwendungsbereich herausgenommen. Im Rahmen der zahlreichen Gespräche, die wir in der Koalition geführt haben, stellten selbst wir als Fachpolitiker fest, wie schwer es uns fällt, hier die entsprechenden Abgrenzungen vorzunehmen. Und wenn es selbst dem Gesetzgeber schwerfällt, diese Abgrenzungen vorzunehmen, dann ist es nur richtig, die Unternehmerinnen und Unternehmer von dieser Frage zu entlasten und diese Regelung herauszunehmen. Denn wenn hier ein Irrtum mit erheblichen Sanktionen verbunden ist – das muss man wissen –, dann müssen wir entschieden handeln. Das erspart Unternehmen Bürokratie und Aufwand und schafft Rechtssicherheit und Rechtsklarheit. Wir haben damit auch eine Gerechtigkeitslücke zwischen inländischen und ausländischen Anbietern geschlossen. Inländische Anbieter und Lieferanten haben somit keinen Nachteil mehr gegenüber ausländischen Anbietern. Wir tragen damit der Erfahrung einiger Bundesländer Rechnung, die den Lieferbereich aus ihren Landestariftreuegesetzen bereits herausgenommen haben. Erleichtert haben wir auch die Möglichkeit der Präqualifikation. Unternehmen, die tarifgebunden sind, können einen Nachweis erhalten. Eine entsprechende Präqualifikation können auch Auftragnehmer mit kirchlichen Tarifverträgen oder Haustarifverträgen erhalten. (Beifall bei der CDU/CSU) Ein weiterer Punkt, der uns im Verfahren wichtig war, ist die möglichst unbürokratische Umsetzung, etwa in Bezug auf im Rahmen einer Prüfung zu erbringende Nachweispflichten. Hierzu greifen wir auch einen Gedanken aus dem Koalitionsvertrag auf. Dort haben wir festgehalten, dass der Staat bereits vorliegende Informationen und laufende Verfahren heranziehen kann, um Informationen zu übermitteln. Wir ermöglichen die Anwendung des Informationsverfahrens der Deutschen Rentenversicherung, um diese Informationen für die Unternehmer möglichst unbürokratisch und leicht übermittelbar zu machen. (Beifall des Abg. Dirk Wiese [SPD]) Ob das Ziel, mehr Tarifbindung zu haben, durch das Tariftreuegesetz erreicht wird, das muss das Tariftreuegesetz erst noch beweisen. Das Gesetz ist sicherlich mit einigem Aufwand verbunden, doch wir haben versucht, die Bürokratie möglichst gering zu halten. Sollten die Ziele – Rechtssicherheit und möglichst wenig Bürokratie – in der Praxis allerdings nicht erreicht werden, so müssen wir dies im Nachgang noch korrigieren. (Beifall bei der CDU/CSU) Daher steht das Gesetz unter aufmerksamer Begleitung und einer Evaluation. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Ricarda Lang das Wort. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Bernd Rützel [SPD]) Ricarda Lang (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal: Es ist ironisch, wenn die AfD hier von Treue spricht; denn Treue kennt sie ausschließlich gegenüber dem Kontostand ihrer eigenen Familienmitglieder. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken – Widerspruch bei Abgeordneten der AfD) Lassen Sie mich mit dem Positiven beginnen. Wir haben uns in diesem Hohen Haus ja angewöhnt, bestimmte Rollen zu übernehmen: Die Regierung sagt immer, warum alles toll ist, und die Opposition sagt, warum alles schlimm ist. Dann kommt ein Wahltag, die Rollen wechseln, und danach ist es genau andersrum. Ich glaube, darauf haben viele Menschen in diesem Land zu Recht keinen Bock mehr. (Zuruf des Abg. Jörn König [AfD]) Als jemand, der über Jahre hinweg für ein Tariftreuegesetz gekämpft hat, werde ich mich deshalb nicht hierhinstellen und sagen, alles sei schlimm. Ich finde es gut, dass dieses Gesetz heute beschlossen wird; denn es schafft Wettbewerbsgleichheit für diejenigen, die gute Löhne zahlen, und ist damit Ausdruck eines Grundsatzes: Kein Steuergeld für Lohndumping. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Aber ich komme nicht umhin, auch über das zu sprechen, was schlecht ist. Schlecht ist teilweise das, was im Gesetz drinsteht, aber vor allem das, was nicht drinsteht. Ausnahmen für Lieferaufträge, Ausnahmen für den Bereich der Verteidigung, Ausnahmen für alle Aufträge unter 50 000 Euro und kaum Klarheit, wenn es um die Kontrollen geht – so werden Sie dem Ziel, das wir uns gesetzt haben und das auch die Europäische Union vorgibt – 80 Prozent Tarifbindung –, nicht näherkommen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dieses Ziel hat sich ja nicht irgendjemand mit einem Fetisch für Zahlen ausgedacht, weil er „80 Prozent“ so toll findet. Es ist die Grundlage dafür, dass die Sozialpartnerschaft, um die uns so viele Länder beneiden, auch in Zukunft funktioniert. Es ist die Grundlage dafür, dass wir gesetzlich nur die Mindeststandards festschreiben müssen, weil die eigentlichen Verhandlungen zwischen den Tarifparteien – zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern – stattfinden. Es ist vor allem auch die Grundlage dafür, dass Menschen, die hart arbeiten, gut verdienen. Denn wir wissen: Wer nach Tarif bezahlt wird, der hat einen besseren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Deshalb ist es ein Problem, dass Sie hier so viele Ausnahmen zulassen und damit so viele Menschen in diesem Land, die mehr verdient hätten, im Regen stehen lassen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich möchte hier vor allem auf den Bereich der Bundeswehr und der Verteidigung schauen. Wir werden in den nächsten zehn Jahren in Deutschland viel in Sicherheit investieren. Das ist gut so, und das ist richtig so; denn wir müssen stärker auf eigenen Beinen stehen. Aber es muss doch klar sein, dass gerade in diesem Bereich gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen erwartet werden. Ich habe keinerlei Verständnis für diese Ausnahmen für die Rüstungsindustrie. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir haben einen Entschließungsantrag vorgelegt, der zeigt, wie ein Tariftreuegesetz aussehen könnte. Ich denke dabei vor allem an die Familien in diesem Land. Wenn ich auf Menschen in meiner Generation schaue, erlebe ich vor allem ein Gefühl: Stress und Erschöpfung. Man hetzt vom Arbeitsplatz zur Kita, zum Ehrenamt. Und zwischendrin ist immer die Sorge, ob das Geld für die Miete reicht. Diese Menschen hätten mehr verdient, als die Regierung ihnen gerade liefert: ein Steuersystem, das nicht vor allem Arbeit und normale Einkommen belastet, eine Energiepolitik, die sie nicht in Kostenfallen treibt, – (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Ricarda Lang (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): – einen Wohnungsmarkt, der nicht zum Verzweifeln ist, und vor allem Löhne, die zum Leben reichen und auch etwas Luft zum Atmen lassen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit! Ricarda Lang (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie verdienen ein Tariftreugesetz, das diesen Namen verdient. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Herr Abgeordneter Pascal Meiser das Wort. (Beifall bei der Linken) Pascal Meiser (Die Linke): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Man kann es nicht oft genug sagen, und ich sage es immer wieder gerne hier: Anständige Löhne und gute Arbeitsbedingungen haben wir in Deutschland in allererster Linie den von den Gewerkschaften erkämpften Tarifverträgen zu verdanken. – So bekommt, wer unter den Schutz eines Tarifvertrages fällt, im Schnitt über 10 Prozent mehr Lohn und doppelt so häufig Weihnachts- und Urlaubsgeld. Auch die wöchentliche Arbeitszeit ist im Schnitt fast eine Stunde geringer als bei denjenigen, die nicht unter einen solchen Schutz fallen. Und deshalb ist es gut, dass es diese Tarifverträge gibt, meine Damen und Herren. Umso dramatischer ist es, dass inzwischen nicht einmal mehr jeder zweite Beschäftigte in einem tarifgebundenen Betrieb arbeitet, also zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeitet, als wenn der Schutz eines Tarifvertrages gilt. Das, meine Damen und Herren, sollte doch bei allen hier die Alarmglocken schrillen lassen. Es ist daher völlig richtig, dass künftig zumindest der Bund bei der öffentlichen Auftragsvergabe Tariftreue von den Unternehmen verbindlich einfordern will. Das fordern wir als Linke schon lange, und das muss endlich konsequent durchgesetzt werden. (Beifall bei der Linken) Es muss Schluss damit gemacht werden, dass mit öffentlichem Geld Lohndumping gefördert wird. Es muss Schluss damit gemacht werden, dass auch diejenigen öffentliche Aufträge bekommen, die schlechte Arbeitsbedingungen bieten und dadurch gegenüber denjenigen Unternehmen einen Vorteil haben, die ihren Beschäftigten anständige Arbeitsbedingungen bieten. Doch das, was Sie, meine Damen und Herren, hier vorgelegt haben, ist leider an vielen Stellen ein löchriges Gesetz. Es wird an vielen Stellen diesem Anspruch nicht gerecht. Warum? Erstens. Der Anwendungsbereich dieses Gesetzes ist so löchrig wie ein Schweizer Käse. Generell soll Ihr Gesetz weiter erst ab einem Auftragswert von 50 000 Euro, in manchen Fällen sogar erst ab 100 000 Euro gelten. Warum Lohndumping bei kleineren Aufträgen und bei den Beschäftigten, die davon betroffen sind, weniger schlimm sein soll, das können Sie gerne mal erklären. Das können Sie vor allem den betroffenen Beschäftigten, die die entsprechenden Produkte herstellen, die die öffentlichen Gebäude reinigen oder bauen, gerne mal erklären, meine Damen und Herren. (Beifall bei der Linken) Zudem sollen jetzt allen Ernstes – da wird der Gesetzentwurf im Vergleich zum ursprünglichen Gesetzentwurf der Bundesregierung tatsächlich verschlechtert – alle Lieferleistungen, auch die, bei denen die Anwendung des Gesetzes unproblematisch möglich wäre, ausgeschlossen werden. Allein durch diesen Ausschluss der Lieferleistungen – wenn ich das richtig gelesen habe, hat sich die Unionsspitze in der Fraktion damit ja gebrüstet – wird ein Drittel des Auftragsvolumens des Bundes außen vor gelassen. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, meine Damen und Herren! Schließlich die Deckung der Bedarfe der Bundeswehr. Es geht hier übrigens nicht nur um die Beschaffung von Waffen usw. Es geht um neue Gebäude, die gebaut werden. Es geht um Kasernen, die gereinigt werden. Es geht um alles, was an ziviler Infrastruktur rund um die Bundeswehr jetzt neu gebaut werden soll. All das bleibt außen vor. Man muss es so deutlich sagen: Dass das außen vor bleibt, ist und bleibt ein Skandal. Ja, das kann ich Ihnen von der SPD wie schon in der ersten Lesung nicht ersparen: Dass Sie an dieser Stelle kein kritisches Wort finden und damit im Grunde sagen, dass Lohndumping im Bereich Aufrüstung kein Problem ist, das finde ich wirklich unverständlich. (Beifall bei der Linken) Nimmt man alle Ausnahmen zusammen, haben wir am Schluss die Situation, dass mehr als die Hälfte der Aufträge des Bundes von diesem Gesetz überhaupt nicht erfasst werden, zumindest, soweit man das jetzt sagen kann. Wir werden sehen, was das mit Blick auf das große Investitionsprogramm bedeutet. Doch ein Tariftreuegesetz, das nur die Hälfte der Aufträge und etwa 40 Prozent des Auftragsvolumens umfasst, ist leider nur ein halbes Tariftreuegesetz. Und dafür können wir hier nicht die Hand reichen. Zweitens. Auch beim Tariftreueversprechen machen Sie weiterhin nur halbe Sachen. In den ersten beiden Monaten der Auftragsvergabe soll das Tariftreueversprechen nur für den Lohn gelten. Gut, dass es für den Lohn gilt. Aber für die Arbeitszeit und für den Urlaub soll es erst ab dem dritten Monat gelten. Das ist und bleibt nicht nachvollziehbar; denn das führt weiterhin dazu, dass die Unternehmen, die eine geringere Wochenarbeitszeit haben, bei der Auftragsvergabe benachteiligt sind, und diejenigen, die ihre Leute länger arbeiten lassen, schmutzige Wettbewerbsvorteile haben. Und da machen wir nicht mit, meine Damen und Herren. (Beifall bei der Linken) Drittens. Wir haben in der ersten Lesung darauf hingewiesen – Sie haben leider auch auf die entsprechenden Hinweise in der Anhörung überhaupt nicht reagiert –, dass das Tariftreuegesetz in jeder Form nur dann ein gutes ist, wenn es in der Praxis auch durchgesetzt wird. Trotzdem sind in den Entwurf eine Reihe von Schlupflöchern reingekommen, die diese Durchsetzung erschweren würden. Zuvorderst geht es um die Nachweispflichten. Dabei geht es nicht um die Nachweispflichten für tarifgebundene Unternehmen. Wir sind völlig fein damit, dass sie über die Präqualifikation, über Zertifizierungsverfahren von umfangreichen Nachweispflichten ausgenommen werden sollen. Es geht darum, dass Subunternehmer und Leiharbeit – das ist der Bereich, über den Lohndumping wirklich systematisch organisiert wird – von diesen Nachweispflichten ausgenommen werden sollen. Meine Damen und Herren, das ist unverständlich. Das ist ein Schlupfloch, über das künftig selbst dort, wo Ihr Gesetz greift, weiterhin Lohndumping betrieben wird. Das geht so nicht, meine Damen und Herren! (Beifall bei der Linken) Ja, man muss es so hart sagen: Die Lohndumpinglobby in den Arbeitgeberverbänden und in der Union hat im Gesetzgebungsprozess ganze Arbeit geleistet. Aus dem vollmundigen, umfassenden Tariftreueversprechen ist am Ende eine halbe Sache geworden, bei der viele Beschäftigte in die Röhre schauen. Und ich sage Ihnen voraus: All diese Unzulänglichkeiten werden die Bundesregierung und uns hier im Bundestag noch eine ganze Weile und immer wieder beschäftigen. Wir als Linke werden jedenfalls gemeinsam mit den Gewerkschaften weiter dafür kämpfen, dass aus dieser halben Sache ein ganzes, ein umfassendes Tariftreuegesetz wird, das wirklich Zähne hat, meine Damen und Herren. Doch wenn wir es ernst damit meinen, dass wir den Sinkflug der Tarifbindung beenden wollen, dann reicht auch ein noch so gut gemachtes Tariftreuegesetz nicht; das muss uns allen klar sein. Wir müssen dafür sorgen, dass auch bei denjenigen, die nicht für öffentliche Aufträge arbeiten, endlich wieder Tarifverträge gelten. Deswegen brauchen wir einen umfassenden Aktionsplan zur Stärkung der Tarifbindung. Und dass diese Bundesregierung seit Monaten nicht in der Lage ist, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Pascal Meiser (Die Linke): – den versprochenen und von der EU eingeforderten Aktionsplan zur Stärkung der Tarifbindung vorzulegen, ist ein Skandal. Präsidentin Julia Klöckner: Sie sind schon über der Zeit. Pascal Meiser (Die Linke): Wir werden Sie immer wieder daran erinnern, hier Ihrer Pflicht nachzukommen. Vielen Dank. (Beifall bei der Linken sowie der Abg. Ricarda Lang [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die SPD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Annika Klose das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Annika Klose (SPD): Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Pascal Meiser, liebe Fraktion Die Linke, ich kann wirklich nicht verstehen, warum ihr diesem Gesetz nicht zustimmt. (Ina Latendorf [Die Linke]: Hat er ja gerade erklärt!) An dieser Stelle muss ich sagen: Hier ist das Glas doch wirklich halb voll und nicht halb leer. – Ja, an der einen oder anderen Stelle hätte ich mir mehr gewünscht. Aber dieses Gesetz schafft doch ganz konkrete Verbesserungen für die Menschen in diesem Land. Keinem Menschen geht es damit schlechter. Im Gegenteil: Es geht ihnen besser. – Wir beenden den Sinkflug der Tariftreue – endlich! (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Deswegen sage ich auch: Danke an die Grünen, die zu dieser Erkenntnis gekommen sind und auch zustimmen werden. – Es ist ja ein Projekt, bei dem wir in der Ampel leider nicht weitergekommen sind, weil es massive Widerstände dagegen gab. Aber jetzt kriegen wir das hin. Jetzt geht es nach vorne, und das ist gut so; denn es verbessert die Lage der Menschen in diesem Land. Arbeiten lohnt sich für viele Menschen in diesem Land leider immer weniger, obwohl sie jeden Tag alles geben. Warum ist das so? Die Antwort ist unbequem. Es hat damit zu tun, dass sich die Unternehmen seit Jahren und Jahrzehnten aus der Tarifbindung verabschieden. Nur noch 49 Prozent der Beschäftigten profitieren von Tarifverträgen; im Osten sind es noch weniger. Das merkt man ganz konkret an schlechter werdenden Arbeitsbedingungen. Ohne Tarifverträge verdienen Beschäftigte im Schnitt 11 Prozent weniger; gleichzeitig arbeiten sie länger. Machen wir das mal konkret. Am Ende des Jahres fehlen den Menschen rund 2 900 Euro netto, im Osten sind es sogar 3 400 Euro, die die Menschen pro Jahr netto weniger in der Tasche haben. Das sind keine abstrakten Zahlen, sondern das ist die konkrete Realität auf unserem Arbeitsmarkt. Deswegen ist Tarifflucht auch kein Kavaliersdelikt. Sie kostet Menschen jedes Jahr Tausende Euro. Genau deswegen ist dieses Tariftreuegesetz so wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD) Dieses Gesetz setzt einen sehr einfachen Grundsatz durch, was längst überfällig ist: Wer öffentliche Aufträge bekommt, muss auch ordentlich bezahlen. – Oder noch klarer gesagt: Steuergeld darf keine Tarifflucht finanzieren. Der jetzige Zeitpunkt ist dafür genau richtig. Der Bund investiert Milliarden aus dem Sondervermögen in unsere Infrastruktur – in Brücken, in Schienen und Straßen. Dieses Geld soll unser Land modernisieren. Aber es muss auch die Arbeit der Menschen besser machen, die das alles bauen: der Straßenbauer auf der Baustelle, die Elektrikerin im Betrieb, die Beschäftigten im Handwerk und in der Industrie. Für sie bedeutet ein Tarifvertrag ganz konkret mehr Lohn, verlässliche Arbeitszeiten und oft überhaupt erst Dinge wie Urlaubsgeld. Denn während 72 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag Urlaubsgeld bekommen, sind es ohne Tarifvertrag gerade mal 34 Prozent. Das zeigt doch sehr deutlich: Tarifbindung ist kein Detail, sie macht einen echten Unterschied im Leben der Menschen in diesem Land. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]) Öffentliche Aufträge – – Präsidentin Julia Klöckner: Sie sind über Ihrer Zeit. Annika Klose (SPD): Gut, ich komme zum Schluss. – Der Weg zu guter Arbeit – – Präsidentin Julia Klöckner: Nein, Sie sind wirklich drüber. (Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Da ist doch eine Uhr!) Danke schön. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Carsten Becker das Wort. (Beifall bei der AfD) Carsten Becker (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Bürger! Ich habe am Wochenende sehr gespannt dem CDU-Parteitag gelauscht: (Jörn König [AfD]: Ich nicht!) sehr viele gute Reden mit auf den Punkt gebrachten Analysen der Probleme im Land: Reformstau, fehlende Wettbewerbsfähigkeit, überbordende Bürokratie. Ob es die Rede von Herrn Merz war, von Herrn Linnemann oder von Ihnen, Herr Winkel (Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU]: Söder nicht vergessen!) – da habe ich abgeschaltet; das muss ich zugeben –, zu all diesen Reden muss ich sagen: Für die Analyse der Probleme kann ich Ihnen eine Eins mit Sternchen geben; das ist top. (Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]) Wenn es aber darum geht, aus dieser Analyse die richtigen Schlüsse zu ziehen und sich zu überlegen, wie wir dieses Land wieder nach vorn bringen, dann – das muss ich Ihnen leider sagen – ist die Versetzung in die nächste Klasse gefährdet. (Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU] und Johannes Winkel [CDU/CSU]) Denn keine Woche später beraten wir hier einen Gesetzentwurf aus der sozialistischen Mottenkiste. Anders kann man es wirklich nicht sagen. Ich glaube, jeder, der bei der Anhörung dabei war und die Arbeitgeberverbände gehört hat, kann das bestätigen. Da war man der Meinung: Der Schwellenwert ist viel zu gering. Man muss der Ehrlichkeit halber zugestehen: Der Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD hat die Sache ein bisschen verbessert. Man hat die Lieferverträge herausgenommen. Das gehört zur Wahrheit mit dazu. Aber insgesamt bedeutet das mehr Bürokratie für unser Land, mehr Bürokratie für unsere Unternehmen. Von daher lehnen wir das als AfD ab. Was sollte unser Ziel sein, wenn wir an die Vergabe durch die öffentliche Hand denken? Ich glaube, viele würden sagen: Es muss schneller gehen, es muss effizienter gehen, es muss mit weniger Bürokratie funktionieren. Wenn wir das angehen wollen, ist dieses Gesetz, glaube ich, genau der falsche Weg. Es sorgt nämlich für mehr Bürokratie. Und es ist auch kein Jobmotor. Der einzige Jobmotor, den ich sehe, sind diese Tariftreuekontrollstellen, (Zuruf des Abg. Johannes Winkel [CDU/CSU]) durch die dann verdiente Genossen, wahrscheinlich mit guter B-Besoldung, entsprechend versorgt werden können. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Darüber sollten Sie nicht reden!) In dieser Hinsicht muss man einfach sagen: Für die kleinen und mittleren Unternehmen ist es eine absolute Katastrophe. (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Denn das Haftungsrisiko durch die Nachunternehmerhaftung ist für kleine Unternehmen ein kaum kalkulierbares Risiko. Es liegt außerdem ein Entschließungsantrag der Grünen vor. Den Ökosozialisten geht das noch nicht weit genug. Da will man mit dem Schwellenwert noch weiter runter. Man möchte da noch mehr Bürokratie für KMUs schaffen. Von daher lehnen wir das auch ab. Lassen Sie mich abschließend noch ein paar Worte zum Änderungsantrag von CDU/CSU und SPD sagen: Ich hätte mir gewünscht, dass man da noch einen Schritt weitergeht und die Bedenken der Arbeitgeber ernst nimmt. Man hat das ein klein wenig getan; aber für uns ist das eindeutig zu wenig. Wir brauchen wirklich mehr Wettbewerb und weniger Bürokratie, damit wir unser Land endlich ins Laufen bekommen. Ich habe die Rede von Herrn Merz gehört, in der er von der Autobahn und von der Akte erzählt hat, die er nach zwölf Jahren übernommen hat. Es ist kein Meter gebaut worden. Wenn wir wirklich wollen, dass diese Milliarden, die wir jetzt für die Infrastruktur haben, auch ankommen, (Johannes Winkel [CDU/CSU]: Sie müssen zum Thema sprechen, Herr Becker!) müssen wir entbürokratisieren. (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Da hilft Ihr Gesetz nicht weiter. Ihr Gesetz ist keine Bürokratiebremse, und von daher lehnen wir dieses Gesetz ab. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Frau Abgeordnete Sandra Carstensen das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Sandra Carstensen (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich tue mich heute nicht leicht mit dieser Rede hier als Berichterstatterin in der zweiten und dritten Lesung des im Koalitionsvertrag vereinbarten Tariftreuegesetzes. Bereits in der ersten Lesung habe ich deutlich gemacht: Wir teilen das Ziel, faire Arbeitsbedingungen bei öffentlichen Aufträgen zu sichern. Zugleich muss aber ein solches Gesetz sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob es tatsächlich geeignet ist, die Tarifbindung wirksam zu stärken. Ich habe früh darauf hingewiesen, dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen durch zusätzliche Dokumentations- und Prüfpflichten erheblich belastet werden könnten. (Georg Schroeter [AfD]: Genau!) Ein Gesetz, das faire Arbeitsbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit schaffen soll, darf nicht zu mehr Bürokratie führen und Unternehmen davon abhalten, sich um öffentliche Aufträge zu bewerben. (Beifall bei der CDU/CSU) Ebenso habe ich Zweifel geäußert, ob durch die vorgesehenen Regelungen tatsächlich mehr Tarifbindung entsteht oder vor allem neue Verwaltungsstrukturen aufgebaut werden, und ich habe die Hoffnung geäußert, liebe Frau Ministerin, dass es uns in der parlamentarischen Befassung gelingen wird, das Tariftreuegesetz noch ein wenig besser zu machen. Ein bisschen besser ist es auch geworden; das will ich vorwegnehmen. Aber Wettbewerbsfähigkeit und gute Arbeitsbedingungen dürfen kein Gegensatz sein. Sie müssen gemeinsam gedacht werden. Nun, vier Monate später, nach zahlreichen – genau genommen: zehn – Berichterstattergesprächen und intensiven Parallelabstimmungen dazu zwischen den Berichterstattern, stimmen wir heute über den Gesetzentwurf ab. Ich erkenne dabei ausdrücklich an, dass wir im parlamentarischen Verfahren substanzielle Verbesserungen erreicht haben. (Beifall bei der CDU/CSU) Dafür, meine Damen und Herren, dass wir das so hinbekommen haben, bedanke ich mich auch bei meinen Co-Berichterstattern hüben wie drüben. Der Lieferbereich wird aus dem Anwendungsbereich herausgenommen. Das ist ein ganz wichtiger und bedeutender Schritt, weil komplexe Lieferketten andernfalls zu kaum beherrschbaren Haftungs- und Nachweispflichten geführt hätten, gerade für den Mittelstand. Auch die ursprünglich vorgesehene Möglichkeit einer einseitigen Festlegung repräsentativer Tarifverträge durch das Bundesarbeitsministerium wurde korrigiert. Künftig erfolgt dies nur im Benehmen mit dem Bundeswirtschaftsministerium. (Beifall bei der CDU/CSU) Das stärkt die wirtschaftspolitische Balance und verhindert ein einseitiges Übergewicht. Zudem soll die Prüfstelle bei anlassbezogenen Prüfungen – es war uns hier wichtig, dass es bei anlassbezogenen statt stichprobenartigen Prüfungen bleibt – auf ohnehin von der Deutschen Rentenversicherung regelmäßig zu erhebende Daten zurückgreifen können, um so zusätzliche Nachweispflichten für die Unternehmen zu reduzieren. Das ist ein ganz wichtiger Beitrag. Schließlich haben wir uns darauf verständigt, tarifgebundene Unternehmen, und zwar weltliche wie kirchliche tarifgebundene Unternehmen, bei der Zertifizierung öffentlicher Aufträge zu privilegieren. (Pascal Meiser [Die Linke]: Die Kirchen sind nicht tarifgebunden!) Wer bereits einen Tarifvertrag anwendet, darf nicht denselben bürokratischen Aufwand haben wie Unternehmen ohne Tarifvertrag. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Dennoch bleiben Zweifel. Und dennoch bin ich alles andere als zufrieden mit diesem Gesetz. Deutschland befindet sich in einer wirtschaftlich angespannten Lage: Investitionen bleiben zurück, Energie- und Produktionskosten sind hoch, Fachkräftemangel und Regulierung belasten viele Betriebe. In einer solchen Situation muss jede neue Regelung die Frage beantworten: Fördert sie tatsächlich Wachstum und Entlastung, oder schafft sie zusätzliche Hürden und Belastungen? Und das, meine Damen und Herren, werden wir in den kommenden Monaten sorgsam beobachten müssen, und wir werden gegebenenfalls auch gegensteuern müssen, damit wir in Zukunft wieder wettbewerbsfähig werden. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Dr. Armin Grau das Wort. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Armin Grau (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Tarifautonomie und starke, flächendeckende Tarifverträge sind die Basis für gute Arbeit, aber auch für fairen Wettbewerb. Wenn sich Unternehmen durch niedrige Löhne Wettbewerbsvorteile verschaffen, dann ist das nicht im Sinne der sozialen Marktwirtschaft. Bei Ausschreibungen, vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen, soll das beste Unternehmen zum Zug kommen und nicht dasjenige, das Löhne drückt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Nicht tarifgebundene Unternehmen haben heute Vorteile bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Das muss ein Ende haben. (Beifall des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]) Daher ist es so wichtig, dass wir jetzt ein Bundestariftreuegesetz beschließen. Wir Grüne haben das schon sehr lange gefordert. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Aber ich muss sagen: Das jetzt vorgelegte Gesetz ist ein löchriger Entwurf im Vergleich zu dem Ampelentwurf vor wenigen Jahren. Das beginnt mit dem hohen Schwellenwert, den Sie im Vergleich zum Ampelgesetz von 30 000 auf 50 000 Euro hochsetzen; dadurch werden ganz viele Aufträge nicht erfasst. Es geht weiter mit den Ausnahmen für die Bundeswehr und für verteidigungs- und sicherheitspolitische öffentliche Aufträge. Und zuletzt sind auch die Lieferverträge ausgenommen worden. Laut Ministerium werden die Unternehmen bei etwa zwei Drittel des Auftragsvolumens an die Tariftreue gebunden sein. Dabei sind die Rüstungsbeschaffungen noch gar nicht berücksichtigt. Am Ende landen wir bei weniger als der Hälfte des Auftragsvolumens. Auch die Kontrollen haben Sie im Vergleich zum Ampelentwurf abgeschwächt. Sie haben den Tiger zunächst zahnlos und am Ende zum Stubenkätzchen gemacht. 80 Prozent Tarifbindung ist der von der EU vorgegebene Schwellenwert. Deutschland liegt nur bei rund 50 Prozent. Deswegen muss die Bundesregierung einen nationalen Aktionsplan vorlegen, um diese Lücke zu schließen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]) Dieses Gesetz wird dazu leider nur wenig Beitrag leisten. Aber warum ist das Ganze gerade jetzt so wichtig? Mit Verweis auf die schlechte wirtschaftliche Lage erleben wir aktuell heftige Angriffe auf die Rechte von Arbeitnehmenden, vor allem aus dem Wirtschaftsflügel der Union; ich sage nur: „Lifestyle-Teilzeit“, der Angriff auf den Achtstundentag und der Vorwurf des kollektiven Missbrauchs von Krankschreibungen. Aber gerade in Krisenzeiten müssen wir die Rechte von Arbeitnehmenden hochhalten. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Die Union suggeriert, dass das Verhalten der Mitarbeitenden den Erfolg der Unternehmen ausbremst. Dabei hat die aktuelle Wirtschaftsflaute eindeutig strukturelle Gründe, für die Politik, Unternehmen und externe Faktoren verantwortlich sind. Eine starke Tarifbindung sichert durch höhere Löhne Kaufkraft und Binnennachfrage. Gute Arbeitsbedingungen lassen Menschen gesünder und länger arbeiten und sind attraktiv für ausländische Fachkräfte. Das ist wichtig im Kampf gegen Fachkräftemangel und für die Sicherung der Finanzierung unserer Sozialversicherung. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Kurzum: Wir brauchen noch viel mehr Tariftreue; weniger können wir uns schlichtweg nicht leisten. Dieses Gesetz kann daher nur ein Anfang sein. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat Herr Abgeordneter Jan Dieren das Wort. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU]) Jan Dieren (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Abgeordnete! Liebe Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben! Ich freue mich sehr, dass wir das Tariftreuegesetz heute hier im Bundestag verabschieden werden. Wir hatten in Deutschland in den 90er-Jahren mal eine Tarifbindung von 80 Prozent. Heute sind es nicht mal mehr 50 Prozent. Das Tariftreuegesetz allein – das haben wir schon gehört – wird leider nicht wieder zu 80 Prozent Tarifbindung führen; aber es kann vielleicht einen Teil dazu beitragen, dass die Tarifbindung in Deutschland nicht noch weiter sinkt. Allein das wäre schon so wichtig für viele Beschäftigte in diesem Land. (Beifall bei der SPD) Die Arbeiterfeinde von rechts behaupten jetzt, das Gesetz würde zu einem Tarifzwang führen. Das ist natürlich Quatsch. Es können sich weiterhin alle Unternehmen auf öffentliche Aufträge bewerben, unabhängig davon, ob sie Tarifverträge haben oder nicht. Neu ist nur das eine: Der Staat als öffentlicher Auftraggeber darf eine Bedingung stellen. Und diese Bedingung lautet: Wer öffentliches Geld bekommt, wer Steuergeld bekommt, soll seine Beschäftigten nicht schlechter bezahlen als die Konkurrenz, die jetzt schon nach Tarifvertrag bezahlt. (Beifall bei der SPD) Ich finde das sehr richtig; denn die Leute, die für uns Straßen oder Schulen bauen, müssen von dieser Arbeit gut leben können. Wenn ein Unternehmen das nicht gewährleisten kann, ist das kein Problem; es werden sich genügend andere finden. Es gibt ja andere Unternehmen, die nach Tarifvertrag bezahlen und das gewährleisten können. Und das soll jetzt Zwang sein? Anderswo würde man das Vertragsfreiheit nennen. Warum sollen eigentlich ausschließlich öffentliche Auftraggeber diese Freiheit nicht haben? (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]) Daneben gibt es jetzt auch noch Kritik von den Linken und Grünen, die sagen: Das Gesetz geht nicht weit genug. Es greift erst ab 50 000 Euro. Es gibt Ausnahmen, zum Beispiel die Lieferaufträge. Die Kontrollen sind nicht eng genug. (Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau! – Pascal Meiser [Die Linke]: Stimmt ja auch!) Und ja, Sie haben recht. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Linken – Pascal Meiser [Die Linke]: Ja!) Ich kann Ihnen sagen: Das war nicht unser Wunsch. Das vorliegende Gesetz ist ein Kompromiss in dieser Koalition. Natürlich haben wir uns da nicht völlig durchgesetzt. Wenn wir voll und ganz zufrieden wären, wäre es kein Kompromiss. Es ist ein Kompromiss in dieser Koalition, bei dem wir von sehr unterschiedlichen Positionen zusammengekommen sind. Ich finde aber, es ist ein guter Kompromiss. (Beifall bei der SPD) Es ist ein guter Kompromiss; denn das Tariftreuegesetz macht einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. (Zuruf der Abg. Janine Wissler [Die Linke]) Es wird die Löhne und die Arbeitsbedingungen von vielen Beschäftigten in Deutschland verbessern, die für uns Tag für Tag, nachts und am Wochenende Straßen aufreißen, Schutt wegfahren, Baustellen bewachen, Schotter stopfen, Gleisränder begrünen, Böden schrubben, Glasfaserkabel verlegen und damit unseren Laden hier am Laufen halten. Deshalb freue ich mich, dass wir diesen Schritt heute hier zusammen gehen können – im Sinne der arbeitenden Menschen. Ich bitte Sie deswegen um Zustimmung zu diesem Gesetz. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD – Bernd Rützel [SPD]: Sehr schön!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat Herr Abgeordneter Mathias Weiser das Wort. (Beifall bei der AfD) Mathias Weiser (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In Vorbereitung auf die Rede zum Bundestariftreuegesetz ist mir ein Zitat aus dem Wahlkampf 2025 eingefallen: „Links ist vorbei. Es gibt keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland.“ Das waren die Worte des jetzigen Bundeskanzlers Friedrich Merz am Vorabend der Bundestagswahl, und das haben Sie, liebe CDU, unter frenetischem Applaus gefeiert. Wenn man das Tariftreuegesetz betrachtet, dann muss man sich fragen: Was ist aus dieser Ankündigung geworden, meine sehr geehrten Genossen aus der Christlich Demokratischen Union? (Beifall bei der AfD – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Gähn! Langweilig!) Sie beweisen heute wieder einmal, dass Sie in politischer Verantwortung das genaue Gegenteil von dem tun, was Sie vor der Wahl versprochen haben. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Ja, ja!) Sie wollen hier ein durch und durch linkes Gesetz beschließen, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) welches für mehr Staat und weniger Wettbewerb sorgt. Und da kann man nur ein Urteil fällen: Liebe CDU, aus Ihnen ist der Mehrheitsbeschaffer für linke Politik in Deutschland geworden. (Beifall bei der AfD) Frau Carstensen, Sie konnten einem ja fast schon ein bisschen leidtun, weil man gemerkt hat, dass Sie das, was Sie hier vortragen, selber nicht glauben. Wenn Sie mit Ihrem Elend mal Schluss machen wollen: Hier drüben sitzt die Lösung. Sie können die Brandmauer jederzeit einreißen, damit wir uns mit solchen Sachen gar nicht beschäftigen müssen. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Sagen Sie doch mal was! Setzen Sie es doch in Kontext zum Heizungsgesetz! Bürgergeld! Migrationswende! Das lassen Sie alles weg!) – Sie schreien dazwischen. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Nein, ich rufe!) Sie brauchen gar nicht mehr über soziale Marktwirtschaft zu reden, wenn Sie solche Gesetze beschließen. (Katharina Beck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil wir die soziale Marktwirtschaft nicht verstehen, oder was?) Ihnen ist zwar die schwere wirtschaftliche Krise bewusst, und Sie halten ständig Sonntagsreden über mehr Wettbewerb, mehr Eigenverantwortung und weniger Bürokratie, aber ich frage mich: Was hat das mit dem Tariftreuegesetz zu tun? (Beifall bei der AfD) Sie wissen ganz genau, dass dieses Gesetz zu mehr Bürokratie führt. Allein die Prüfung der Nachunternehmer wird einen immensen Aufwand in verschiedensten Branchen, vor allem in der Baubranche, auslösen. Der Mittelstand wird unter der Gleichmacherei eines staatlichen Lohndiktats leiden. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Jetzt kommt Element Nummer zwei von jeder AfD-Rede: Angst machen! Nur Angst machen, kein Argument!) Höhere Löhne freuen zwar die Arbeitnehmer, bedeuten aber auch einen Verlust von Wettbewerbsfähigkeit. Ein kurzfristiger Auftrag durch den Bund wird keine langfristige Liquiditätsplanung über den Haufen schmeißen. Viele Unternehmen werden sich aus dieser einfachen Überlegung heraus schlicht nicht an den Ausschreibungen des Bundes beteiligen. Ihr Ziel der höheren Tarifbindung haben Sie nicht in den Ländern erreicht, und Sie werden es mit diesem Gesetz auch nicht im Bund schaffen. Das wissen Sie. (Zuruf des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]) Zu guter Letzt ist zu sagen, dass Sie in Zeiten klammer Kassen zusätzliche Stellen schaffen, um eine Prüfstelle für die Bundestariftreue einzurichten. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit Stellenbesetzungen kennen Sie sich doch aus! Familienbetrieb hat eine ganz neue Bedeutung!) Diese Art der Wirtschaftspolitik ist für einen normal denkenden Menschen nicht mehr nachvollziehbar. Schon in wirtschaftlich guten Zeiten ist dieses Gesetz eine Zumutung; aber im dritten Jahr der Rezession in Deutschland ist es der komplett falsche Weg und ein schwerer Schlag für einen ums Überleben kämpfenden Mittelstand in Deutschland. (Beifall bei der AfD) Meine sehr geehrten Damen und Herren, es muss endlich Schluss sein mit linker Politik in Deutschland! Die Politik der staatlichen Lenkung unserer Wirtschaft und die Umverteilung haben Deutschland nicht nur geschwächt, sondern auch auf den Weg der schleichenden Verarmung und Deindustrialisierung geführt. Die Bundesrepublik muss wieder auf das setzen, was tatsächlich wirtschaftliche Stärke verleiht: Wettbewerb, ein schlanker Staat und Belohnung der Leistungsträger in unserem Land. Wohlstand kann nicht angeordnet werden; er muss erarbeitet werden. Dafür steht die Alternative für Deutschland, (Beifall bei der AfD – Rasha Nasr [SPD]: Sie stehen für das Gegenteil!) und deswegen lehnen wir dieses Gesetz ab. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Gute Rede!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Peter Aumer das Wort. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Peter Aumer (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mal wieder eine typische AfD-Rede! (Zuruf von der AfD: Aber eine sehr gute!) Hier geht es nicht um ein Links- oder Rechtsschema; hier geht es darum, wie wir die Grundelemente unserer Marktwirtschaft, die soziale Marktwirtschaft, stärken (Peter Bohnhof [AfD]: Durch Planwirtschaft!) und in der aktuellen Zeit neu denken. Und neu denken ist nicht die Stärke der AfD, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Schauen Sie sich doch mal die Tatsachen an! Können Sie leugnen, dass die Tarifbindung in unserem Land sinkt, zum Teil erheblich sinkt? Ja oder nein? (Tino Chrupalla [AfD]: Warum denn?) – Ja oder nein? Ja, sagen Sie es mir! Warum? (Zuruf von der AfD) – Ja oder nein? Ich gehe nachher darauf ein. Meine sehr geehrten Damen und Herren, die Tarifbindung sinkt. Tarifgebundene Unternehmen dürfen keine Nachteile haben. Ich glaube, da sind wir uns in der Koalition einig. Das Bundestariftreuegesetz, meine Damen und Herren, stärkt die Tarifgeltung bei Bundesaufträgen – ein wichtiger Aspekt –; aber es stärkt nicht automatisch die Tarifbindung. (Zuruf von der AfD: Warum denn?) – Wenn Sie zuhören, dann lernen Sie auch, warum. – 16 Bundesländer, meine sehr geehrten Damen und Herren, haben wir in Deutschland; 14 davon haben ein Tariftreuegesetz. (Peter Bohnhof [AfD]: Das hat doch nichts gebracht!) Leider sind auch hier die Tariftreue und die Tarifbindung zurückgegangen. (Peter Bohnhof [AfD]: Eben! Quod erat demonstrandum!) Deswegen müssen wir schauen: Wie bekommen wir es strukturell hin, dass wir ein stabiles System der Tarifpartner haben? (Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) – Frau Storch, Sie können auch zuhören. – Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren, schaffen wir durch drei Dinge: durch das Vertrauen in die Sozialpartner, das Sie zerstören, durch attraktive Verbandsstrukturen – das wird sicherlich auch ein Punkt sein, über den wir uns unterhalten müssen – und durch wirtschaftliche Stärke. Es wird die erste große und wichtigste Aufgabe der Bundesregierung sein, dass wir unser Land wirtschaftlich nach vorne bringen, dass wir Wachstum stärken, sodass die Menschen in unserem Land auch die notwendige Arbeit haben. Für uns als Union, meine sehr geehrten Damen und Herren, war entscheidend – meine Vorrednerinnen und Vorredner haben das auch angesprochen –, dass wir dieses Tariftreuegesetz mit Augenmaß einführen. Wir haben den Anwendungsbereich begrenzt, wir haben die Geltung bei Verteidigungsaufträgen befristet freigestellt, und vor allem haben wir die Anforderungen an die Nachweisführung heruntergesetzt. – Das sind wichtige Punkte, weil für uns vor allem der Mittelstand ganz wesentlich ist und wir am Ende nicht mehr Bürokratie schaffen wollen. Denn für uns als CDU/CSU – aber ich glaube, auch für die komplette Koalition – ist es wichtig, dass wir auf der einen Seite faire Löhne und auf der anderen Seite wirtschaftliche Stärke haben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Soziale Marktwirtschaft, meine sehr geehrten Damen und Herren, heißt, dass der Staat Regeln setzt; aber er ersetzt nicht die Kräfte der Tarifpartnerschaft und der Sozialpartnerschaft. Und, Herr Kollege Meiser, es ist immer ein Zweiklang: Es gibt immer nicht nur eine Perspektive, sondern man muss Arbeitgeber und Arbeitnehmer immer gemeinsam im Fokus haben. Und das schaffen wir als Bundesregierung; Sie als Linke schaffen das leider nicht. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Pascal Meiser [Die Linke]) Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn dieses Gesetz die Tarifpartnerschaft stärkt, dann war es richtig, wenn nicht, dann müssen wir nachsteuern. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Katharina Beck das Wort. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Liebe Start-ups! Wir Grüne stehen klar für gute Arbeit, faire Löhne und Tarifbindung. Punkt! Und gleichzeitig – der Vorredner hat das ja auch schon angesprochen – gilt es immer, unterschiedliche Ziele gegeneinander abzuwägen. Wir wollen Innovationen und Klimaschutz beschleunigen. Start-ups, Scale-ups bringen so tolle Lösungen bei erneuerbaren Energien, in der Kreislaufwirtschaft, in der Mobilität, im autonomen Fahren etc. pp., und sie müssen auch den Staat als Ankerkunden bekommen können. Gerade am Anfang, wenn man loslegt, kann man sich noch nicht die ganze Zeit mit Tarifbindung befassen. Aber wenn man wächst, wächst man ja auch in eine Tarifbindung rein, und wir wollen deswegen mit unserem Entschließungsantrag diesen Punkt noch mal machen. Sie machen ja Ausnahmen für Start-ups; aber das sind so starre, eng gefasste Grenzen, dass das nicht wirklich funktionieren wird. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Was denn jetzt? Bisher wollten Sie immer mehr Tarifbindung!) Da haben Sie einen Punkt gemacht: Sie haben das Problem erkannt. Aber die Lösung wäre viel besser, wenn Sie im Vertrauen auf die öffentlichen Auftraggeber eine flexible Ausnahme gemacht hätten: dass sie vor Ort gucken können, welches innovative Unternehmen diesen Auftrag noch bekommen könnte, und dass man den öffentlichen Auftraggebern für Start-ups und junge, dynamische Unternehmen an der Stelle – am Anfang, in der Gründungsphase, bevor sie richtig groß werden – freie Hand lässt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn der Staat als Ankerkunde und das Vergaberecht sind superwichtig. Wir vergeben Aufträge für Hunderte Milliarden Euro, und gerade am Anfang ist es in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten so wichtig, dass man den Staat als Ankerkunden hat. Wir wollen Start-ups eben wachsen lassen, damit sie später tarifgebundene und stabile Arbeitgeber werden können. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mit unserer Ausnahme hier könnten wir den Staat wirklich mal agiler und handlungsfähiger machen und gleichzeitig Start-ups wirklich eine Chance geben. Wir müssen auch einmal Danke sagen: Es gibt immer mehr Gründungen in Deutschland im Start-up-Bereich. – Das weiß man immer gar nicht, wenn hier von den Untergangsapologeten Reden gehalten werden. Nein, es gibt tolle Gründerinnen und Gründer in diesem Land, und ich finde, der Staat sollte hier auch ein toller Partner und Auftraggeber sein. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat Herr Abgeordneter Bernd Rützel das Wort. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Bernd Rützel (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Sehr verehrte Damen und Herren! Deutschland bekommt heute ein Bundestariftreuegesetz, und darüber freuen wir uns. Es ist aber doch auch eigentlich völlig überfällig, dass wir den Grundsatz, dass der Staat eben nicht Lohndumping und Sozialdumping finanziert, befolgen sollten und müssen. Heute ist ein guter Tag; denn mit unserem Bundestariftreuegesetz sorgen wir jetzt dafür. (Beifall bei der SPD) 14 von 16 Bundesländern haben auch ein Tariftreuegesetz, und ich bin hoffnungsfroh, dass die letzten beiden Bundesländer auch noch ein Landestarifreuegesetz bekommen; das sollte man hinbekommen. Denn wer für den Staat arbeitet, der hat auch nach den Spielregeln der Fairness zu spielen. Viel zu lange konnten sich manche Anbieter öffentliche Aufträge sichern, weil sie ihre Beschäftigten schlechter bezahlt haben. Das war für sie ein Vorteil, und sie sind zum Zuge gekommen. Oftmals mussten die, die Verantwortung tragen, die Aufträge vergeben, den Günstigsten aussuchen; sie waren dazu gezwungen. Ich bin selber Stadtrat und Kreisrat und weiß, wie es ist, wenn man was vergeben muss. Jetzt ist bei diesem Wettlauf aber eine Grenze eingezogen zugunsten aller, die in Unternehmen mit Tarifverträgen arbeiten. Wir haben heute von vielen gehört: zum Beispiel im Gleisbereich, auf den Brücken – überall, wo gebaut wird. Dagmar Schmidt hat es gesagt: Wir modernisieren. – Und es ist auch Zeit geworden, dass wir unser Land modernisieren. Bei dem, was jetzt ansteht, soll Ihr Steuergeld aber dahin gehen, wo die Menschen ordentlich bezahlt werden, und nicht dahin, wo die Menschen ausgebeutet werden. Ich glaube, das ist etwas, das uns alle interessieren muss: Wenn jetzt der Staat viel Geld – Ihr Geld, euer Geld, unser Geld, 500 Milliarden Euro – ausgibt, dann sollen es die bekommen, die ordentlich und fair bezahlen bzw. bezahlt werden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ja, Kritiker argumentieren oft: Es ist kompliziert, es gibt Bürokratie, und es gibt Nachweispflichten. – Ja, natürlich gibt es das. Wenn ich nichts kontrolliere, dann ist es das Papier nicht wert. Man muss kontrollieren, man muss hinschauen, man darf nicht wegschauen. Die Knappschaft-Bahn-See macht das Ganze. Es gibt gute Strukturen, die aufgebaut werden. Es gibt digitalisierte Wege, die wir auch einrichten. Die Rentenversicherung sorgt für eine Schnittstelle, damit das alles besser gesehen und einfach eingesehen werden kann. Und von daher ist das wirklich gut. Es war alles andere als eine Sturzgeburt, wie wir jetzt gehört haben. Im Oktober war die erste Lesung, im November war eine Anhörung. Wir haben jetzt sechs Monate beraten. Ricarda Lang, wir hätten es auch das letzte Mal schon machen können. An euch lag es nicht, an uns lag es auch nicht. Es lag an der FDP; das kann man so sagen. Man muss das Kind beim Namen nennen. (Zuruf von der Linken) Es ist jetzt sehr gut. Das nutzt vielen Betrieben; das nutzt denen, die einen Tarifvertrag haben. Diesen Menschen geht es jetzt besser, und da werden in Zukunft viele profitieren. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Frau Abgeordnete Nora Seitz das Wort. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Nora Seitz (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Vergleich zum Referentenentwurf bringen wir heute einen Änderungsantrag ein, der das Gesetz an einigen Stellen vielleicht nicht grundlegend, aber doch deutlich verändert. Lassen Sie mich die zentralen Punkte kurz noch einmal darstellen. Entgegen dem ersten Entwurf sind die Lieferleistungen nicht mehr Bestandteil des Gesetzes. Damit fällt ein beachtlicher Teil aus dem Rechtsrahmen heraus. Das macht das Bundestariftreuegesetz insgesamt handhabbarer und praxistauglicher. (Beifall bei der CDU/CSU) Neu ist auch, dass der Erlass einer Rechtsverordnung bei einem erstmaligen Antrag nicht ausschließlich durch das BMAS, sondern im Benehmen mit dem BMWE erfolgt. Damit stärken wir die wirtschaftspolitische Mitverantwortung. Ein weiterer Punkt ist der vereinfachte Erhalt von Zertifikaten für Betriebe, die bereits Tarifverträge haben. Dies ist vor allem für haustarifgebundene und kirchliche Träger ein Schritt in Richtung unbürokratischer Rechtssicherheit und ausdrücklich zu begrüßen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Dazu gehört auch der Datenaustausch der Prüfstellen mit der Deutschen Rentenversicherung. Die Behörden greifen mit den gemachten Änderungen zukünftig auf Daten zu, die bereits vorliegen. Rechtssicherheit entsteht nicht zuletzt auch durch die verpflichtende Eins-zu-eins-Umsetzung der Tarifverträge, sprich: Wenn eine tarifliche Arbeitsbedingung in eine Rechtsverordnung übernommen wird, dann bleibt diese Arbeitsbedingung unverändert. Daneben bleibt die im Vorhinein bestandene Ausnahme für Aufträge der Bundeswehr bis 2032 bestehen. Alles andere würde den militärischen und sicherheitspolitischen Bestrebungen der Zeitenwende widersprechen und wäre angesichts der aktuellen geopolitischen Lage nicht verantwortbar. (Beifall bei der CDU/CSU) Diese Ausnahme ist deshalb ein bewusst gesetztes und notwendiges Zeichen. Mit den eingebrachten Änderungen haben wir eine hart errungene, aber durchaus tragfähige Lösung für die Koalition erreicht. Aber ohne Bewegung auf beiden Seiten wäre dieser Kompromiss in seiner jetzigen Form sicherlich nicht möglich gewesen. Das zeigt, dass konstruktive Zusammenarbeit trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte möglich ist. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine Damen und Herren, mit der heutigen Verabschiedung des Bundestariftreuegesetzes tragen wir unserer Verantwortung aus dem Koalitionsvertrag Rechnung. Gleichzeitig ist es für uns als CDU/CSU-Bundestagsfraktion klar, dass wir die Gesetzesauswirkungen sorgsam begleiten werden. Hier müssen wir uns die Frage stellen, ob das Ziel von mehr Tarifbindung wirklich erreicht werden wird oder ob am Ende zusätzliche und belastende Bürokratie für unsere Unternehmen entsteht. Die Erfahrungen mit den Landestarifregelungen zeigen, dass dieses Ziel in vielen Bundesländern leider nicht erreicht werden konnte. Ob daran gerade ein Bundestariftreuegesetz etwas ändert, bleibt abzuwarten. Auch müssen wir uns kritisch hinterfragen, ob das Gesetz wirklich das richtige Signal an die Wirtschaft sendet, die heute schon unter enormen bürokratischen Auflagen ächzt und mit hohen Standortkosten zu kämpfen hat. Der vorliegende Gesetzestext ist keine spürbare Entlastung für den Mittelstand und die KMUs, sondern vielmehr eine weitere Brise, die dem ohnehin schon schwächelnden Wirtschaftswachstum entgegenweht. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht es Augenmaß und Verhältnismäßigkeit. Meine Damen und Herren, als CDU/CSU-Bundestagsfraktion stimmen wir diesem Gesetz heute in dem Bewusstsein zu, dass es ein Koalitionskompromiss ist, kein Idealzustand. Entscheidend wird sein, wie es in der Praxis wirkt. Wir erwarten, dass es zu mehr Tarifbindung beiträgt, ohne unsere Unternehmen zusätzlich zu belasten. Daran werden wir die Umsetzung messen und sie daher auch kritisch begleiten. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Letzter Redner in dieser Debatte ist der Abgeordnete Johannes Winkel für die CDU/CSU-Fraktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Johannes Winkel (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Grund, warum heute das Tariftreuegesetz mit den Stimmen der Union beschlossen wird, ist der gleiche, warum die Arbeitszeitflexibilisierung kommen wird: Es steht so im Koalitionsvertrag, und diese Fraktion ist koalitionsvertragstreu. (Beifall bei der CDU/CSU) Gerade weil der erste Entwurf des Gesetzes hinsichtlich genereller Fragen der sozialen Marktwirtschaft aus Sicht der kleinen und mittleren Unternehmen und mit Blick auf den Bürokratieabbau so nicht akzeptabel war, will ich an der Stelle ganz ausdrücklich den Berichterstattern Sandra Carstensen und Wilfried Oellers für die exzellente parlamentarische Arbeit danken. (Beifall bei der CDU/CSU) Aber warum hat sich die Union eigentlich so schwer mit diesem Gesetz getan? Es wird oft, gerade in den letzten Wochen, immer wieder gesagt: Na ja, der Staat könnte doch bei einem Vertragsabschluss oder einer Vergabe einfach Bedingungen vorgeben, wie es die Privaten auch machen. – Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, das kann der Staat eben nicht. Der Staat kann bei einem Vertragsabschluss nicht nach Gutdünken irgendwelche Bedingungen stellen, wie es im Privatrecht geht. Nein, der Staat ist grundrechtsgebunden, und der Staat kann die Grundrechtsbindung auch nicht ablegen. (Beifall bei der CDU/CSU) Das Grundrecht, um das es hier geht, ist die in Artikel 9 Grundgesetz gefestigte Koalitionsfreiheit. Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften bzw. Gewerkschaften zu gründen; das Recht, aber natürlich nicht die Pflicht. Die Koalitionsfreiheit hat nämlich auch eine Kehrseite: die negative Koalitionsfreiheit. Es gibt eben auch keine Pflicht für Unternehmen, einem Tarifvertrag beizutreten. Eines will ich an der Stelle schon sehr deutlich sagen, wenn hier gesagt wird: „Entweder wir schaffen es, die Tarifbindung zu erhöhen, oder die Alternative ist Lohndumping“: Die ganz überwiegende Mehrheit, nämlich weit über 95 Prozent der Unternehmen in Deutschland, die nicht in einem Tarifvertrag gebunden sind, betreibt kein Lohndumping, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich finde, das muss man an der Stelle auch mal ganz deutlich sagen. Ich habe derartige Aussagen in dieser Debatte mehrfach von verschiedenen Parteien gehört. Ob es uns gelingen wird, diesen doch wenigstens mittelbaren Eingriff in die negative Koalitionsfreiheit in der Praxis in einer praktischen Konkordanz aufzulösen: Ich bin sehr gespannt. Jedenfalls gibt es bei diesem Eingriff doch einen hohen Rechtfertigungsdruck, weil gerade das Vergaberecht so etwas wie die Türschwelle beim Zugang zu Unternehmen ist und weil wir natürlich insgesamt ein hohes Maß an öffentlichen Investitionen haben. Letzteres liegt natürlich daran, dass wir in einem wirtschaftlich schwierigen Wettbewerbsumfeld leben, in dem sich private Investoren in den letzten Jahren eher zurückgezogen haben. Wir haben diese Hürde an der Türschwelle platziert. Deswegen ist es eine hohe Hürde. Ich will abschließend noch eines sagen, und zwar aus einem Grundgedanken über die soziale Marktwirtschaft heraus. Ich glaube, dass die Sozialpartnerschaft in Deutschland ein Wert ist, der sehr hoch anzusehen ist. Vielleicht sollten wir uns alle zusammen überlegen – das gilt bei der Lohnfindung, das gilt aber auch bei der Tarifbindung –, ob wir die Sozialpartnerschaft wirklich stärken, wenn wir als Deutscher Bundestag uns andauernd in Details einmischen. Ich glaube, der gegenteilige Weg wäre richtig. Ganz herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Hiermit schließe ich die Debatte. Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Stärkung der Tarifautonomie durch die Sicherung von Tariftreue bei der Vergabe öffentlicher Aufträge des Bundes. Der Ausschuss für Arbeit und Soziales empfiehlt in seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/4325, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksache 21/1941 in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzentwurf ist in zweiter Beratung angenommen worden mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU und des fraktionslosen Kollegen, abgelehnt durch die AfD und bei Enthaltung durch die Linksfraktion. Dritte Beratung und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Damit ist der Gesetzentwurf mit gleicher Stimmvergabe und Positionierung wie zuvor angenommen worden. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Wir kommen zur Abstimmung über den Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen auf Drucksache 21/4327. Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Damit ist der Entschließungsantrag abgelehnt worden gegen die Stimmen der Grünen, bei Enthaltung der Linken und Ablehnung aller anderen. Ist das jetzt richtig? Sie gucken mich so fragend an. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Das ist richtig!) Ich glaube schon. So war es richtig. Der Antrag ist abgelehnt. Ich rufe nun auf die Zusatzpunkte 7 und 9: ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Lisa Badum, Swantje Henrike Michaelsen, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – Ein Klima-Turbo für Deutschland Drucksache 21/4271 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (f) Finanzausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Energie Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Verkehrsausschuss Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen ZP 9 Beratung des Antrags der Abgeordneten Jörg Cezanne, Lorenz Gösta Beutin, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Bezahlbarer Strom für die Menschen und das Klima Drucksache 21/4273 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Für die Aussprache ist eine Dauer von 60 Minuten vereinbart worden. Bevor ich die Aussprache eröffne, warte ich einen Moment, dass die Abgeordneten zügig die Plätze wechseln. Ich nutze die Zeit, um das Ganze für die Besucherinnen und Besucher kurz zu erläutern. Jetzt geht es für die Abgeordneten, die den Saal verlassen, nicht in die Freizeit, sondern in weitere Arbeitsgruppen und Gespräche. Dafür nehmen die Fachpolitiker des nächsten Tagesordnungspunktes Platz. Ich bitte jetzt auch die anderen, die Gespräche und herzlichen Umarmungen draußen wahrzunehmen. Danke schön. Wir starten. Für Bündnis 90/Die Grünen hat nun Frau Abgeordnete Katharina Dröge das Wort. Bitte sehr. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Momente der Hoffnung sind manchmal ganz leise; manchmal reicht so etwas Trockenes wie eine Pressemitteilung einer Behörde. Für mich war das vor zwei Jahren so, als das Umweltbundesamt die Pressemitteilung herausgegeben hat: Die deutschen Klimaziele können erreicht werden. – Erstmals sind wir auf Kurs. Für mich war diese Nachricht genug, um an dem Abend mit einem etwas leichteren Gefühl nach Hause zu meinen Kindern zu fahren. Für mich war diese Nachricht genug, um das nächste Mal mit einem etwas leichteren Gefühl vor einer Grundschulklasse zu stehen, diesen Kindern, die schon alt genug sind, um alles zu verstehen, aber noch klein genug, um auf uns Erwachsene zu vertrauen. Ich habe innerlich gedacht: Vielleicht schaffen wir es doch als Erwachsene, nicht einfach alles zu verzocken, nicht einfach eure Zukunft zu verspielen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und weil es diesen Moment der Hoffnung gab, weil es Menschen gibt, die in diesem Land jeden Tag daran arbeiten, dass diese Hoffnung bedeutsam ist, weil es Menschen gibt, die jeden Tag einfach daran arbeiten und zeigen, dass das geht – weil sie auf erneuerbare Energien setzen, weil sie Elektroautos kaufen, weil sie in Wärmepumpen investieren, weil sie die Unternehmen in diesem Land stellen, die in die Ideen und die Lösungen der Zukunft investieren und sie entwickeln –, weil das alles geht, schaue ich umso härter auf die Verantwortungslosigkeit, mit der Sie als CDU/CSU und SPD aktuell Politik machen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich kann es nicht anders sagen: Es macht mich schlichtweg wahnsinnig wütend, was Sie hier in Sachen Klimaschutz in den letzten Monaten abgeliefert haben. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn Sie versuchen nicht einmal mehr, dass Klimaschutz gelingt; Sie versuchen nicht einmal mehr, dass wir es schaffen, sondern Sie machen schlichtweg alles kaputt. Ihr Kurs ist Zerstörung. Das beste Beispiel dafür haben Sie diese Woche geliefert: beim Thema Heizen. Ich hatte ja einiges befürchtet nach dem, was ich aus den Verhandlungen zum Gebäudeenergiegesetz gehört hatte. (Lars Rohwer [CDU/CSU]: Sie haben nix gehört!) Aber nachdem ich die Eckpunkte gelesen habe, die Ihre Fraktionsvorsitzenden vorgestellt haben, habe ich mich gefragt: Wie konnte es zu so einem politischen Totalschaden kommen wie dem, den Sie da vorgestellt haben? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jörg Cezanne [Die Linke] – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Den haben Sie doch angerichtet mit Ihrem Heizungsgesetz! Ein bisschen Demut!) Wie kann man so was verhandeln? Gab es wirklich niemanden in den Verhandlungen, der gesagt hat: „Leute, lasst uns noch mal nachdenken!“? Glaubt ihr wirklich, dass die Idee „Wir schaffen den Klimaschutz ab, aber dafür machen wir das Heizen für die Menschen in diesem Land teurer“ brillant ist? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Lars Rohwer [CDU/CSU]: Böses Framing! – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Wer sagt denn, dass wir den Klimaschutz abschaffen? Was für ein Blödsinn! – Hans Koller [CDU/CSU]: Wer sagt denn, dass es teurer wird?) Das ist das Ergebnis Ihrer Verhandlungen; das ist das bittere Ergebnis dessen, was Sie diese Woche vorgestellt haben. (Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das ist überhaupt nicht das Ergebnis! Sie haben unser Konzept einfach noch nicht verstanden!) Im Endeffekt kommt jetzt raus, dass Jens Spahn und Katherina Reiche quasi als Drückerkolonne in diesem Land unterwegs sein und an allen Haustüren klingeln können, (Lars Rohwer [CDU/CSU]: Ich glaube, das wäre ein Ordnungsruf!) um den Menschen neue Öl- und Gasheizungen anzudrehen. Und hintenrum führen Sie gleichzeitig eine Quote für Biomethan und Wasserstoff ein, die zu einer Gaskostenexplosion für die Menschen in diesem Land (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und insbesondere für die Mieterinnen und Mieter, die sich dagegen nicht wehren können, führt. Und ich muss ganz ehrlich sagen – ich richte mich an dieser Stelle jetzt einmal explizit an die SPD, weil ihr wisst, was ihr da tut –: (Dr. Rainer Kraft [AfD]: … Wir waren doch so lieb zu euch!) Wir in der Ampel haben gemeinsam dieses Gesetz verhandelt. Ihr wisst, wie unsinnig die Idee ist, Biomethan und Wasserstoff im Heizungsbereich zu verwenden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die SPD gewandt: Ach so!) Ihr wisst, wie teuer das ist. Ihr wisst, wie knapp das ist. Und ihr wisst, dass es gerade für die Mieter zu einer extremen Kostenfalle werden kann, wenn man das verhandelt. Ihr wisst das deshalb, weil das die Idee der FDP in den Ampelverhandlungen war, die wir immer wieder gemeinsam wegverhandelt haben. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und dass ihr genau das jetzt zu 100 Prozent mit der CDU/CSU umsetzt, dass ihr euer eigenes Gesetz kaputtmacht, das gleicht einer politischen Totalaufgabe; das muss ich euch ganz ehrlich sagen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ist es!) Und da könnt ihr euch auch die Schwermut sparen. Ich kann euch ganz ehrlich sagen: Mich nervt mittlerweile diese Schwermut der Sozialdemokratie, mit der ihr euch immer wieder hinstellt und sagt: Wir konnten leider nicht anders. Die Realität ist so schwierig. – Ehrlich gesagt: Um die Realität muss man kämpfen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das ist der Job, den ihr hättet. Wir haben gemeinsam in einer Koalition mit der FDP in der letzten Regierung gezeigt, dass man Klimaschutz und Gerechtigkeit schaffen kann und nicht Klimaschutz und Gerechtigkeit abschaffen muss. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Das ist das, was ihr hier macht: Ihr legt ein Teuer-Gesetz vor, mit dem ihr die Klimaziele zu Grabe tragt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Rainer Kraft [AfD]: Sagen die, die grünen Wasserstoff einführen wollen!) Ich richte mich noch einmal an die Union. Dieses Gesetz ist ja ganz offensichtlich aus einer Wutkampagne gegen Robert Habeck entstanden. (Lachen des Abg. Dr. Paul Schmidt [AfD]) Es ist vielleicht auch aus dem Wunsch von Katherina Reiche entstanden, ihren Lobbyfreunden von der fossilen Gasindustrie noch einige Jahre zusätzliche Profite zu verschaffen. (Lachen des Abg. Dr. Paul Schmidt [AfD] – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das ist eine Unverschämtheit!) Aber ich sage auch Ihnen: Dieses Gesetz hält der Realität nicht stand. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Sie können den Rentnerinnen und Rentnern in München oder Berlin, die ihre Miete schon jetzt kaum noch bezahlen können, nicht erklären, dass in Zukunft Heizkostensteigerungen von 300 Euro und mehr auf sie zukommen und sie damit alleine gelassen werden. Was wollen Sie den Leuten denn sagen? „Sorry! Ihr seid ein Kollateralschaden. Aber tröstet euch: Dafür versauen wir auch noch die Zukunft eurer Enkel“? Das werden Sie nicht durchstehen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und dasselbe machen Sie beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Auch da sage ich Ihnen: Dieses Land ist mittlerweile so viel weiter als Sie. Überall in Deutschland planen Menschen gerade Solaranlagen auf ihren Dächern, weil sie Spaß daran haben, bei der Energiewende mitzumachen, (Lachen bei Abgeordneten der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]) weil sie wissen, dass sie Kosten sparen oder ein bisschen Geld dazuverdienen können. Sie beteiligen sich mit Balkonsolarkraftwerken. Und selbst Bayern hat als letztes Flächenland mittlerweile angefangen, die Windenergie auszubauen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Selbst Markus Söder ist zum Nachdenken gekommen. Und in dieser Zeit hauen Sie die Bremse für die erneuerbaren Energien mit Ihrem Netzpaket rein. Ich hätte mir zumindest, wenn Sie schon keine klimapolitischen Ambitionen haben, ein bisschen außenpolitischen Realismus von der Union erhofft. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Denn Donald Trump zeigt uns jeden Tag, wie gefährlich die Abhängigkeit von den USA ist. Sie haben sich jetzt entschieden, eine Politik zu machen, die den Fehler wiederholt, den Sie in der Vergangenheit schon einmal begangen haben – sich abhängig zu machen von fossiler Energie, sich abhängig zu machen von anderen Ländern, die fossile Energie im Zweifel als Druckmittel gegen Deutschland und gegen Europa einsetzen werden –, eine Politik, mit der wir wieder in eine Situation kommen könnten, wo die Gaspreise für die Verbraucher explodieren, weil auf einmal die Versorgung gekappt wird, wo die Industrie um die Arbeitsplätze zittert, wie das schon einmal passiert ist, weil wir uns fatalerweise so abhängig gemacht haben. Man kann Fehler einmal machen; aber wenn man sie zweimal macht, dann ist es mit Absicht. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und wenn wir in diese Situation kommen, werden wir sagen: Wir standen hier und haben Ihnen gesagt: Sie machen das mit voller Absicht, wenn Sie diesen Schritt jetzt gehen. Aber es gibt auch die Signale der Hoffnung: Das sind die Menschen in diesem Land. Das sind die Menschen in diesem Land, die einfach daran arbeiten wollen, dass es gelingt, von der Großstadt bis zum konservativsten bayerischen Flächenkreis. Das sind 170 000 Menschen, die innerhalb kürzester Zeit eine Petition unterschrieben haben – und jeden Tag werden es mehr –; Menschen, die einfach von Ihnen verlangen, dass Sie eine vernünftige Politik machen; (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Menschen, die einfach nur von Ihnen wollen, dass Sie diesen Unsinn stoppen und den erneuerbaren Energien die Chance geben, die sie verdient haben. Ich habe auch eine positive Botschaft an Sie und an Frau Reiche: (Lars Rohwer [CDU/CSU]: Oh! Jetzt wird es spannend!) Es ist möglich, gute Politik zu machen. Man muss es einfach nur wollen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Und warum haben Sie dann keine gute Politik gemacht? Wir sind doch in der Situation wegen des alten Heizungsgesetzes!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Andreas Jung das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Andreas Jung (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegin Dröge, ich fange da an, wo Sie aufgehört haben. Sie haben gesagt: „Es ist möglich, gute Politik zu machen. Man muss es nur wollen.“ (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau!) Und unter diesem Aspekt ist das Bemerkenswerteste an Ihrer Rede das, was Sie nicht gesagt haben. Sie haben zu einem Antrag der Grünen gesprochen, den wir heute debattieren. Der heißt: „Nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – Ein Klima-Turbo für Deutschland“. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das nimmt Ihnen keiner mehr ab! – Andreas Bleck [AfD]: Wir können ja auch einfach die Gesetze ändern!) – Und deshalb, Frau Haßelmann, ist es ja gut, dass wir uns dieses Urteil mal genau anschauen. Das ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts bestätigt, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich weiß!) mit der Ihr Klimaschutzprogramm gescheitert ist, (Jens Spahn [CDU/CSU]: Aha! – Johannes Rothenberger [CDU/CSU]: Hört! Hört!) mit der das Gericht gesagt hat: Das, was die Ampel unter grüner Führung vorgelegt hat, ist untauglich, um die Ziele für 2030 zu erreichen. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Aha! Und jetzt erzählen die uns wieder, wie die Welt funktioniert! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie schaffen die Ziele gleich ganz ab! – Gegenruf der Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das stimmt doch überhaupt nicht! Das wissen Sie doch! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Natürlich! – Gegenruf der Abg. Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das stimmt doch nicht! Behaupten Sie doch nicht so einen Blödsinn, Frau Haßelmann! Dafür sind Sie doch viel zu klug!) Das ist Ihre Niederlage vor Gericht. Es ist Ihr Programm, das gescheitert ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Und, Frau Haßelmann, Sie waren ja da in Verantwortung. Das Bemerkenswerte ist: Als das Oberverwaltungsgericht dieses Urteil gesprochen hat, haben Sie ja nicht etwa gesagt: „Okay, jetzt müssen wir nachdenken und nachbessern“, sondern Sie haben dagegen Revision eingelegt, weil Sie genau das, was das Urteil Ihnen auferlegt hat, nämlich nachzubessern, damit die Klimaziele erreicht werden, nicht machen wollten. Sie haben dagegen Revision eingelegt, und deshalb musste es jetzt zu diesem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts kommen. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Hört! Hört! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ist das die Legitimation dafür, das Gebäudemodernisierungsgesetz zu machen? – Gegenruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]: Nee, die Legitimation dafür, dass Sie vielleicht einfach mal schweigen! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber nicht, weil Jens Spahn das will! – Gegenruf des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]: Ein bisschen Demut!) Die Ziele sind hoch, und die Herausforderungen sind groß. Aber ein bisschen Selbstkritik und nicht nur mit dem Finger auf die anderen zeigen ist, glaube ich, bei dieser Debatte schon gut; denn es ist Ihre Politik, die da gescheitert ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Damit sind wir beim Heizungsgesetz. Ich will feststellen: Nichts hat der Akzeptanz für Klimaschutz in Deutschland mehr geschadet als Ihr Heizungsgesetz. (Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jörg Cezanne [Die Linke]: Ihre Kollegen waren es! Ihre verlogenen Kollegen waren es! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihre verlogene Kampagne war es! Und jetzt geht es ja weiter!) Darum geht es uns jetzt: Der Klimaschutz ist ein herausragendes Ziel, aber wir werden Klimaschutz nur erreichen, wenn wir ihn unbedingt mit wirtschaftlicher Stärke und mit sozialer Akzeptanz verbinden. Wir brauchen die Akzeptanz der Menschen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir hatten die! – Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen die Menschen für Klimaschutz gewinnen. Wir wollen sie nicht verprellen, wie es mit diesem Gesetz passiert ist. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gucken Sie doch einfach mal in die Schlagzeilen! Vernichtend! – Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir wollen Wege ermöglichen, damit jeder mitmachen kann. Darum geht es. Deshalb ist jetzt auch die Novelle notwendig. (Beifall bei der CDU/CSU – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vernichtend, das Presseecho auf Ihre Vorschläge! – Gegenruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]: Die ganzen linken Medien waren mit euch! Genau! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die „Bild“-Zeitung ist kein linkes Medium!) Wir korrigieren damit auch ein Missverständnis, das hier herrscht. Sie glauben, Klimaschutz geht in vielen Bereichen nur oder vor allem mit Strom. Das ist zu eng gedacht, das ist zu kurz gedacht. Gerade weil die Ziele ehrgeizig sind, müssen wir alle Potenziale nutzen. Natürlich muss der Strom grün werden – dafür sind die Weichen zu stellen –, aber es muss eben auch das Gas grün werden. Auch grüne Gase sind ein guter Weg zu Klimaschutz. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Herr Jung, wir müssen Gas loswerden!) Wir brauchen die ganze Breite, und diese Breite wird eröffnet. Das ist der Weg dieser Koalition: nicht engstirnig, sondern die Potenziale, die in unterschiedlichen Technologien stecken, nutzen. Dafür brauchen wir eine Strategie der Ermöglichung. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit Ölheizung!) Wir müssen auch bei den erneuerbaren Energien die Potenziale der Bioenergie nutzen, die Sie gedeckelt haben und die jetzt entfesselt werden. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit Ölheizung!) Das ist unsere Linie. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus den Reihen von Bündnis 90/Die Grünen zu? Andreas Jung (CDU/CSU): Bitte. Präsidentin Julia Klöckner: Frau Dr. Verlinden, bitte. Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Kollege Jung. – Sie haben gerade beschrieben, dass das Gas grün werden soll; ich glaube, so haben Sie das formuliert. Sie haben eben der Fraktionsvorsitzenden Katharina Dröge zugehört, die deutlich gemacht hat, wie wichtig die Unabhängigkeit von fossilen Importen ist. Sie sagen, wenn das Gas grün wird, könnten wir damit die Klimaziele erreichen; so interpretiere ich Ihre Aussage. Aber inwiefern passt das damit zusammen, dass grüne Gase begrenzt sind? Sie sind knapp, und sie sind teuer. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Woher wissen Sie das immer alles?) Sie werden niemals die Mengen, die im Augenblick in Deutschland an fossilem Gas verbrannt werden, auffangen können. Wer die Klimaziele einhalten möchte, wer Versorgungssicherheit und stabile Preise im Energiesektor will, der muss elektrifizieren, der muss raus aus dem fossilen Gas. (Lachen des Abg. Lars Rohwer [CDU/CSU]) Ich weiß, dass Sie das wissen, Herr Jung. Deswegen frage ich Sie an dieser Stelle: Was muss passieren, damit der Gasverbrauch sinkt, (Zuruf von der AfD: Kernkraftwerke bauen!) damit er durch erneuerbare Energien im Strombereich ersetzt wird? Wir haben von der Ministerin in der Sondersitzung des Ausschusses noch einmal sehr eindrücklich dargelegt bekommen: Der Gasverbrauch in Deutschland ist in den letzten vier Jahren gesunken. Es war der Erfolg der Arbeit der Ampelregierung, dass wir weniger Erdgas verbrauchen, und zwar 15 Prozent! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deswegen frage ich Sie: Bis wann wollen Sie den fossilen Gasverbrauch auf null reduzieren? Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Frage ist gestellt. Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wie wollen Sie das schaffen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Andreas Jung (CDU/CSU): Frau Kollegin, mehrere Bemerkungen. Zunächst einmal ist festzuhalten: Erstens. Wir stehen zu den Klimazielen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die reißen Sie doch dadurch!) Das ist in vielfacher Weise bestätigt, beschrieben. Das sind die Leitplanken. Zweitens. Wenn wir jetzt sagen: „Wir müssen etwas breiter denken“, dann stellen wir doch nicht infrage, dass wir Strom klimafreundlich umbauen wollen. Wir stellen nicht den Weg zu den erneuerbaren Energien infrage. Wir haben mit Ihnen gemeinsam noch zu Beginn des letzten Jahres das Solarspitzengesetz beschlossen, wo Sie und wir der Überzeugung waren: Um die Erneuerbaren – die bereits eine Entwicklung durchgemacht haben – zum Erfolg zu führen, müssen wir die Weichen neu stellen. Damit ist dieser Prozess aber nicht abgeschlossen gewesen, sondern er beginnt jetzt. Um die Erneuerbaren im Strombereich, aber auch im Wärmebereich zum Erfolg zu führen, müssen wir die Weichen neu stellen, mehr im Gesamtsystem denken – Netze, Speicher, Erneuerbare –, mehr auf die Bioenergie setzen, die auch im Strombereich eine wichtige Rolle spielen kann. Jetzt komme ich zu Ihrem Punkt. Ihre Politik war immer, die Potenziale der Bioenergie kleinzureden: Da gebe es ja ganz wenig, und es sei ganz teuer. Und so haben Sie die Regeln gemacht, haben gedeckelt, gedeckelt, gedeckelt. Ich erinnere mich an die Energiekrise. Da haben Sie Kohlekraftwerke aktiviert und Bioenergie gedeckelt. Unser Weg ist ein anderer. Wir setzen auf die ganze Breite der Erneuerbaren. Sie müssen die Regeln so machen, dass Sie auch umsetzbar sind, indem Sie pflanzliche Reststoffe und tierische Rohstoffe nutzen, (Zuruf von der AfD: So ein Quatsch!) bessere Rahmenbedingungen setzen, Anschlussregelung für die schaffen, die nach 20 Jahren aus der Förderung des EEG rausfallen würden, und sagen: Wir haben lieber Bioenergie als eine größere Menge an Gaskraftwerken. (Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sind doch marginale Mengen!) Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Diesen Weg wollen wir gehen. Wir wollen nicht erst deckeln und dann sagen, die Potenziale seien klein. Vielmehr wollen wir eine konsequente Strategie der Ermöglichung mit einem breiten Blick. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wollen Sie wirklich deutschlandweit damit heizen?) Das ist unser Weg. So kommen wir beim Klimaschutz voran. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich will das einordnen, auch in den heutigen Tag. Wir werden heute das Gesetz zur Beschleunigung der Verfügbarkeit von Wasserstoff beschließen. Wasserstoff ist ebenfalls ein wichtiger Baustein, um Wirtschaft und Klima zusammenzubringen, um die dafür notwendige Akzeptanz zu schaffen. Auch hier sind Sie zu engstirnig herangegangen. Sie haben gesagt: Es muss grüner Wasserstoff sein. Ja, das bleibt das Ziel, aber wenn es jetzt schnell gehen soll, dann müssen wir alle Potenziale nutzen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wir müssen auf alle Farben des Regenbogens setzen. Wir müssen auf europäische Zusammenarbeit setzen, wir müssen auf internationale Zusammenarbeit setzen. (Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Herr Kollege, es war doch in Ihrer Regierungszeit, als die Norweger gesagt haben: Wir wollen im Bereich des blauen Wasserstoffs mit Deutschland nicht mehr zusammenarbeiten. Die Projekte wurden auf Eis gelegt, weil der Eindruck entstand, man sage zwar „Technologieoffenheit“ und man wolle vielleicht für zwei, drei Jahre kurzfristig mit Nordeuropäern Projekte im Bereich blauer Wasserstoff machen, am Ende setze man aber nur einseitig auf grünen Wasserstoff. Die haben das Vertrauen darin verloren, dass man wirklich vorangehen will. Und wir sagen: Wir müssen diese Potenziale nutzen, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber doch nicht für die Heizung zu Hause! Herr Jung, das glauben Sie doch selbst nicht!) alle Farben, die Infrastruktur muss europäisch sein, Kernnetz, alle Wirtschaftszentren. Vorher war alles zu kurz gedacht. Deshalb brauchen wir echten Pragmatismus, um einen schnellen Hochlauf zu erreichen, um die ehrgeizigen Ziele erreichen zu können. Das ist unser Weg in allen Bereichen. (Beifall bei der CDU/CSU) So kommen wir beim Klimaschutz voran. So verbinden wir ihn mit einer starken Wirtschaft. So haben wir die Akzeptanz der Menschen, und um die ringen wir. Ihre Konzepte haben vor allem auf dem Papier funktioniert, aber auch nur auf Ihrem Papier. (Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber das stimmt doch nicht! Das wissen Sie doch!) Das Oberverwaltungsgericht hat gesagt: Das reicht nicht. – Sie wollten es nicht umsetzen. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die Dinge zum Erfolg zu führen. Diese nehmen wir an. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD – – (Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, an den Abg. Andreas Jung [CDU/CSU] gewandt: Du weißt doch, dass das Quatsch ist! – Gegenruf des Abg. Andreas Jung [CDU/CSU]) – Ich wäre dann jetzt dran; bitte keine Parallelgespräche. Ich möchte den Abgeordneten der AfD ankündigen. (Zuruf des Abg. Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – Noch mal: Können wir bitte jetzt dem Verlauf folgen? (Zuruf des Abg. Andreas Jung [CDU/CSU]) – Einen Moment, ich will es mal ganz kurz machen. Das ist schön, wenn Debatten weitergeführt werden, aber dann bitte draußen und nicht hier. (Unruhe) – Das interessiert keinen gerade, was ich hier sage. Herr Kollege Jung! Herr Kollege Banaszak! – Genau, danke schön. Schön, wenn Sie sich so gut verstehen; gerne draußen. (Heiterkeit) So, jetzt kriegen wir doch die Kurve hier. Zur AfD. Herr Abgeordneter Dr. Ingo Hahn, bitte. (Beifall bei der AfD) Dr. Ingo Hahn (AfD): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Titel des vorliegenden Antrags der Grünen heute lautet: „Nach Urteil des Bundesverwaltungsgerichts – Ein Klima-Turbo für Deutschland“. Ein Klima-Turbo: Das hört sich nach einem rasanten Fortschritt an, oder? Leider erinnert es mich eher an einen alten Traktor, der mit grünem Biodiesel läuft, Herr Jung: viel Lärm, wenig Leistung, und am Ende steckt er im Schlamm fest. (Beifall bei der AfD) Wir haben diesen Turbo bereits mehr als drei Jahre unter der grünen Ampel erleben müssen. Das Ergebnis: eine Wirtschaft im Sinkflug, immer weiter steigende Preise und eine Deindustrialisierung, die unser Land in den Ruin führt, während der globale CO2-Ausstoß von Ihren Maßnahmen unbeeindruckt bleibt. Als AfD sagen wir dazu seit Jahren: Raus aus sämtlichen Klimaabkommen und weg mit sämtlichen Klimamaßnahmen! Werte Grüne, Sie wollen durch weniger CO2-Ausstoß die Temperatur senken. Unser Appell an die Regierung von Union und SPD: Streichen Sie die Klimagesetze jetzt! (Beifall bei der AfD) Denn der Januar 2026 war schon der kälteste Monat seit 15 Jahren, und zwar in ganz Europa. Wollen Sie, dass es noch kälter wird? Dann werden Ihre Gasreserven künftig ganz sicher nicht mehr ausreichen; die sind ja jetzt schon Spitz auf Knopf genäht. (Andreas Bleck [AfD]: Sie heizen nur mit warmer Luft!) Dann werden alle Deutschen im Winter bald so frieren wie die 100 000 Berliner – wir stehen hier im Herzen von Berlin – nach dem linksextremen Terroranschlag im Januar. Denken Sie doch lieber an die positiven Eigenschaften von CO2, etwa als Wachstumsturbo für Pflanzen. (Beifall bei der AfD – Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch völliger Unsinn, was Sie sagen! Das wissen Sie doch!) Je mehr CO2 in der Luft, desto größer ist der Biomassezuwachs in der Landwirtschaft. Werte Regierungsvertreter, durch die Realität und durch die Initiativen der AfD getrieben, wollen Sie laut Lippenbekenntnis jetzt das Habeck’sche Heizungsgesetz kippen – ein Lob dafür, liebe Union, liebe SPD. Aber wir warten natürlich erst einmal ab, ob Sie Ihre Versprechen überhaupt halten. Wir als Alternative für Deutschland fordern Sie ganz klar auf, folgende Agenda umzusetzen: erstens Freiheit bei Wärme und Dämmen statt Heizungszwang, (Beifall bei der AfD) zweitens Grundlaststrom statt Flatterstrom (Beifall bei der AfD) und drittens Autoindustrie und Arbeitsplätze statt Verbrennerverbot. (Beifall bei der AfD) In diesem Sinne: Stigmatisieren Sie nicht alle Treibhausgase pauschal als negativ, verteufeln Sie CO2 nicht als Schadstoff, sondern sehen Sie die positiven Eigenschaften von Kohlendioxid. (Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Schnuppern Sie doch daran, wenn es Ihnen so gut gefällt!) Das ist nämlich nicht nur ein Turbo für das Pflanzenwachstum unserer bäuerlichen Betriebe, sondern auch ein Turbo für unsere Wirtschaft. Frau Dröge, ein leichtes Gefühl bekomme ich dabei, wenn man solche wichtigen Treibhausgase nicht verteufelt. Der Totalschaden, den Sie vorhin angesprochen haben, ist in drei Jahren Ampelregierung verursacht worden. Deshalb hat diese Ampel auch nicht so lange gehalten. Und der nächste Totalschaden wäre, wenn Ihr heutiger Antrag umgesetzt würde, in dem Sie ganz klar sagen, dass Sie andere Länder fördern wollen, aber Deutschland noch nicht einmal erwähnt ist. In diesem Sinne, meine Damen und Herren: Weg mit den Klimagesetzen, runter mit der CO2-Bepreisung und den Energiepreisen! Zünden Sie jetzt den Turbo für Wirtschaft und Wohlstand! (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat Herr Abgeordneter Jakob Blankenburg das Wort. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Jakob Blankenburg (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Hahn, die Einzigen, die in diesem Land für Kälte sorgen, sind Sie und die AfD, (Karsten Hilse [AfD]: Haha!) nämlich für soziale Kälte, wenn Sie unser Land spalten und die Menschen weiter gegeneinander ausspielen. (Zuruf von der AfD: Ihre Politik spaltet!) Der vorliegende Antrag, liebe Grünen, beginnt mit einer richtigen Feststellung: Klimaschutz ist ein Recht, ein einklagbares Recht, und das ist auch gut so. (Zuruf von der AfD: Schlecht gelogen!) Denn niemand kann die Verantwortung für unsere Zukunft leugnen. Niemand kann wegsehen, wenn unsere Kinder und Enkel mit den Folgen der Klimakrise leben müssen. (Zuruf von der AfD: Ja, wird schöner!) Dieses Recht ist Ausdruck von Generationengerechtigkeit und zugleich Ausdruck von staatlicher Pflicht, der wir alle gerecht werden müssen. Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Januar stellt klar, dass die Bundesregierung ein Klimaschutzprogramm vorlegen muss, das geeignet ist, die gesetzlichen Ziele einzuhalten. Diesen Auftrag, liebe Kolleginnen und Kollegen, nehmen wir als Koalition ernst. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Zur Ehrlichkeit gehört aber auch: Das Klimaschutzprogramm, liebe Grünen, das Sie in Ihrem Antrag ansprechen, dessen Lücken nun gerichtlich festgestellt wurden, wurde 2023 unter Leitung eines grünen Klimaministers beschlossen. Wer heute also so tut, als stünde er außerhalb dieser Verantwortung, der macht es sich viel zu einfach. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Audretsch aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zu? Jakob Blankenburg (SPD): Sehr gerne. Andreas Audretsch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. – Sie hatten gerade gesagt, dass Sie Klimaschutz und die Aufgaben, die jetzt anstehen, ernst nehmen. Ich will einmal zu dem fragen, was gerade beim Thema Heizen passiert ist. Weil die Union im Wahlkampf den Kulturkampf ausgerufen hat, kommen wir jetzt an den Punkt, dass das ganze Land dafür zahlen muss, und Sie machen mit. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich lese Ihnen mal vor, was verschiedene Stakeholder dazu gesagt haben. Der DGB hat sich wie folgt geäußert: „Diese Einigung ist das Ergebnis maximaler Orientierungslosigkeit“, hat das Vorstandsmitglied Stefan Körzell gesagt. Er spricht von „schwer erfüllbaren Träumen von grünen Brennstoffen“, die so dringend in der Industrie gebraucht würden statt für das Heizen. Der Mieterbund sagt: Die Regierung wälzt die Kosten für die Wärmewende auf die Mieterinnen und Mieter ab. Gerade Haushalte mit schwachem Einkommen sind besonders betroffen, da sie häufig in schlecht sanierten Wohnungen leben. Der Paritätische spricht von einer Kostenfalle für Mieter, da der CO2-Preis und damit die Heizkosten bei fossilen Anlagen steigen. Ich frage Sie: Warum bringen Sie die Industrie in Gefahr? Warum gefährden Sie Mieterinnen und Mieter? Warum machen Sie für Menschen mit wenig Geld das Leben teurer und immer schwieriger? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jakob Blankenburg (SPD): Sehr geehrter Herr Kollege Audretsch, vielen Dank für diese Frage. – Ich möchte zunächst einmal feststellen: Das, was jetzt vorgelegt worden ist, sind Eckpunkte. Das ist noch kein Gesetz. (Felix Banaszak [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war ja nur Ihr Fraktionsvorsitzender!) Und all die Fragen, die Sie gerade aufgeworfen haben, werden im Gesetzgebungsverfahren auch eine Rolle spielen müssen. Der Schutz von Mieterinnen und Mietern ist im Eckpunktepapier adressiert und wird dann im Gesetzgebungsverfahren mit konkreten Maßnahmen und Initiativen hinterlegt. (Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das kann man doch nicht mehr heilen!) Präsidentin Julia Klöckner: Entschuldigung, darf ich mal ganz kurz unterbrechen? – Ihre Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, hat eine Frage gestellt, und der Abgeordnete antwortet. Ich bitte Sie, die Antwort zu respektieren und zuzuhören. Bitte sehr. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Jakob Blankenburg (SPD): Ich stimme Ihnen zu, dass wir vor großen Herausforderungen stehen werden, geeignete Mengen an grünen Gasen und grünen Biokraftstoffen zu generieren, um am Ende alle Bestandsheizungen mit grüner Energie zu versorgen. Wir verbieten niemandem, auf eine grüne Heizung umzusteigen. Im Gegenteil: Wir schaffen Anreize. Im Eckpunktepapier ist weiterhin dezidiert verankert, dass es eine auskömmliche Förderung für solche klimaneutralen Heizungen geben wird. Warten wir also die Umsetzung der Eckpunkte erst einmal ab, bevor wir uns echauffieren. Darüber hinaus haben wir eine Evaluierung 2030 festgeschrieben, die verdeutlichen wird, auf welchem Weg wir uns dann bewegen. Aber ich traue den Bürgerinnen und Bürgern in diesem Land schon zu, die einfache Rechnung aufmachen, was am Ende für sie von Vorteil ist. Angesichts der Förderung und der günstigeren Betriebskosten wird das in weiten Teilen die Wärmepumpe sein. (Beifall bei der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, es gibt den Wunsch nach einer weiteren Zwischenfrage aus den Reihen der Grünen. Jakob Blankenburg (SPD): Bitte schön. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Banaszak, bitte. Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Herr Kollege Blankenburg. – Ich will nur kurz sicher gehen: Habe ich das gerade richtig verstanden, dass das gesamte Verfahren aus Misstrauen gegenüber der zuständigen Ministerin in Gang gesetzt wurde? Das kann ich im Fall Ihrer Fraktion durchaus verstehen. Ob ich stattdessen Jens Spahn dahin geschickt hätte, ist eine andere Frage. Aber glaubt man nicht, dass Katherina Reiche in der Lage ist, einen vernünftigen Gesetzentwurf vorzulegen, der das berücksichtigt, was die Fraktionsvorsitzenden miteinander besprochen haben? Sie stellen sich hierhin und sagen: Ob das, was Herr Miersch gestern vorgestellt hat, am Ende kommt, darin sind wir uns unsicher. – Darf ich das als ein Misstrauensvotum gegenüber den beiden Fraktionsvorsitzenden verstehen? Gilt das gar nicht, was die beiden besprochen haben? Oder ist der Eindruck, den Sie im zweiten Teil Ihrer Antwort auf die Frage von Andreas Audretsch erweckt haben, richtig, dass Sie Gas- und Ölheizungen bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag laufen lassen wollen, um dann schließlich ganz Düsseldorf mit Wasserstoff und Biomethan zu versorgen? Und die Leute, die sich frühzeitig auf den ökologisch vernünftigen Weg gemacht haben, – Präsidentin Julia Klöckner: Die Frage ist verstanden. Bitte kommen Sie zum Ende. Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): – gucken am Ende wieder in die Röhre, weil sie mitbezahlen für ihre Ideologie. Präsidentin Julia Klöckner: So, Sie haben Ihre Frage gestellt. Felix Banaszak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Habe ich das richtig verstanden? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jakob Blankenburg (SPD): Kollege Banaszak, ich glaube, Sie wollen mich bewusst missverstehen. Weder-noch ist die Antwort auf die beiden Fragen, die Sie gestellt haben. Weder gibt es Misstrauen innerhalb der Bundesregierung oder gegenüber der Ministerin, zu einer Einigung zu kommen, noch hätte ich es meinem Fraktionsvorsitzenden nicht zugetraut, dass er zu einer guten Einigung kommt und gut verhandelt. Aber was jetzt vorliegt, ist erst einmal eine politische Einigung auf Eckpunkte, die im parlamentarischen Verfahren weiter ausgearbeitet wird. Das ist Usus. In der Ampelregierung wurde genauso verfahren: Wir haben uns vorab auf Eckpunkte geeinigt, die dann in Gesetzestext gegossen wurden. Die nun vorliegenden politischen Absichtserklärungen sehen beispielsweise die Stärkung von Mietrechten vor. Die entsprechenden Maßnahmen werden jetzt konkretisiert und ausgearbeitet. Diese sollten Sie erst einmal abwarten, bevor Sie vorschnell Schlüsse ziehen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Liebe Kolleginnen und Kollegen, im Gegensatz zu Ihnen verstehen wir das Urteil zum Klimaschutzprogramm nicht als Schlagzeile, sondern wir nehmen es als politischen Handlungsauftrag. Genau deshalb erarbeitet die Bundesregierung ein neues Klimaschutzprogramm. Bis Ende März wird Bundesumweltminister Carsten Schneider ein Programm vorlegen, das fristgerecht, nachvollziehbar und wirksam ist. Dafür, liebe Kolleginnen und Kollegen, insbesondere der Grünenfraktion, brauchen wir keine Oppositionscheckliste, sondern wir legen ein eigenes, tragfähiges Konzept vor. (Beifall bei Abgeordneten der SPD – Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da sind wir aber gespannt, ob ihr damit die Klimaziele einhaltet!) Warum machen wir das Ganze eigentlich? Und für wen machen wir das eigentlich? Für die Verkäuferin, die jeden Euro zweimal umdreht, für den Schichtarbeiter, der auf sein Auto angewiesen ist, für die Familie im ländlichen Raum, bei der der Bus nur selten fährt! Deshalb verbinden wir in diesem Klimaschutzprogramm Klimaschutz mit sozialer Gerechtigkeit. Wer umsteigen soll, der muss es auch können. Wir brauchen eine Förderung – gezielt und sozial gestaffelt –, um eine faire Lastenverteilung in diesem Land hinzubekommen. Das bedeutet aber auch, industrielle Transformation so zu gestalten, dass Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden. Genau das ist der entscheidende Punkt. Wir reden aktuell viel über Krisen, über Energiepreise, und über globale Konkurrenz und führen Standortdebatten. Zu oft entsteht der Eindruck, Klimaschutz sei ein zusätzlicher Ballast für unsere Wirtschaft. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich halte das für einen Denkfehler. Unsere Industrie hat kein Problem, weil wir Windräder bauen. Sie hat ein Problem, weil Putin uns mit seinem Angriffskrieg billiges Gas entzogen hat, (Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und jetzt macht ihr denselben Fehler noch mal!) weil China seine Industrie massiv schützt, weil Europa zu lange zu wenig investiert hat. Die Antwort darauf ist nicht weniger Transformation; die Antwort ist eine kluge Industriepolitik. Denn Innovation findet nicht nur in der Großstadt statt. Sie findet auch in mittelständischen Betrieben statt, in Werkhallen, in Ingenieursbüros, dort, wo Technologien entstehen, mit denen wir weltweit bestehen können. Wer Klimaschutz gegen Industrie ausspielt, verliert am Ende beides. Deshalb reden wir nicht nur über das, was verschwindet. Wir reden über das, was neu entsteht: neue Märkte, neue Berufe, neue Wertschöpfung. Wir beschleunigen den Hochlauf der Elektromobilität mit einem Förderprogramm, damit Wertschöpfung hier im Land bleibt. Wir stärken Klimaschutzverträge, damit Unternehmen verlässlich investieren können. Und wir treffen pragmatische Entscheidungen: beim Heizungsgesetz, das jetzt noch weiter debattiert wird, aber etwa auch beim Einsatz von Technologien wie CCS für unvermeidbare Industrieprozesse, weil ideologische Blockaden weder dem Klima noch den Beschäftigten helfen. Natürlich gibt es Zielkonflikte. Natürlich gibt es Diskussionen über Infrastruktur, über Genehmigungen, über Netzausbau. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, Transformation heißt ja nicht, dass es keine Reibung gibt. Transformation heißt, dass wir diese Zielkonflikte am Ende lösen. Ich komme aus einem Wahlkreis, in dem diese Fragen ganz konkret werden, bei vielen von Ihnen sicherlich auch. Dort stehen Windräder. Dort werden noch viele neue entstehen. Dort werden neue Leitungen geplant. Und dort gibt es eben Konflikte. Menschen sagen mir: Die Anlagen stehen bei uns, die Trassen verlaufen über unsere Felder, aber der Strom wird anderswo verbraucht. – Und sie erleben, dass der Netzausbau nicht schnell genug vorankommt. Diese Sorgen lassen sich nicht wegreden. Gerade deshalb braucht es eine Politik, die Lasten fair verteilt, Kommunen beteiligt und Wertschöpfung hier bei uns im Land sichert. (Beifall bei der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wer Akzeptanz will, muss Beteiligung ermöglichen und den Netzausbau mit derselben Entschlossenheit vorantreiben wie den Ausbau der Erneuerbaren. Dabei sind unsere Gegner nicht die Beschäftigten in der Industrie, nicht die Menschen im ländlichen Raum. Die Gegner, liebe Kolleginnen und Kollegen, sind fossile Geschäftsmodelle, mit denen weiter an Technologien von gestern verdient werden soll, und jene politischen Kräfte, die Klimaschutz gegen soziale Sicherheit ausspielen, um daraus einen Kulturkampf zu machen. Wir lehnen Ihren Antrag ab, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Grünen, nicht weil wir Klimaschutz infrage stellen oder gerichtliche Entscheidungen relativieren, sondern weil wir Verantwortung übernehmen und ein eigenes, fristgerechtes und tragfähiges Klimaschutzprogramm vorlegen werden. Das ist eine gemeinsame Aufgabe für unser Land. Wenn wir das Klimaschutzprogramm und die Lösungen klug gestalten, dann verbinden wir ökologische Vernunft mit wirtschaftlicher Stärke und sozialer Sicherheit. Und genau daran arbeiten wir. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Herr Abgeordneter Dr. Fabian Fahl das Wort. (Beifall bei der Linken) Dr. Fabian Fahl (Die Linke): Frau Präsidentin! Wenn ein Oberstufenschüler nie Hausaufgaben macht, bei Prüfungen mit „ungenügend“ abschneidet, bleibt er sitzen. (Andreas Bleck [AfD]: Nicht bei linker Politik! – Hans Koller [CDU/CSU]: Die wollen Sie ja abschaffen!) Wenn eine Bundesregierung nie Hausaufgaben macht, bei Prüfungen mit „ungenügend“ abschneidet, passiert erst einmal rein gar nichts. Durchgefallen beim Bundesverwaltungsgericht, beim Bundesverfassungsgericht und das Prädikat „verfassungswidrig“, all das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. Denn das zersetzt den Rechtsstaat. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Man müsste also wenigstens den Anstand haben, freiwillig seine Hausaufgaben ordentlich zu machen. Tatsächlich hat bisher keine Bundesregierung ein verfassungskonformes Klimaschutzgesetz auch nur angestrebt, auch nicht die Ampel. Der geleakte Entwurf des Klimaschutzgesetzes ist wieder so ein Dokument aus der Reihe „Durchgefallen mit Ansage“. Während die Welt also auf 3 Grad Erwärmung zurast, bleibt Deutschland weiterhin versetzungsgefährdet. Ich bedauere das nicht nur, weil das Ergebnis die Zerstörung lebenswichtiger Ökosysteme wäre und ich ungern miterleben möchte, wie Deutschland verwüstet. Als in Deutschland ausgebildeter Wissenschaftler finde ich es auch zutiefst peinlich. Während hier Kuscheln mit der Fossillobby und Greenwashing par excellence forciert wird, wird die Lage immer dramatischer und der Handlungsspielraum immer geringer. Wer jetzt nicht agiert, reagiert später nur, und das mit begrenzten Mitteln. Und wenn die menschlichen Kosten, Grundgesetz und insbesondere der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen der Bundesregierung egal sind – angesichts der vielen Kürzungen beim Sozialen und der Aufstockung des Bundeswehrbudgets ein durchaus berechtigter Gedanke –, dann sollten Sie sich mal mit den finanziellen Kosten beschäftigen. Die direkten Kosten des Hitzesommers 2025 betragen allein – konservativ berechnet – 0,26 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung, so eine Studie der Europäischen Zentralbank und der Uni Mannheim. Das sind 43 Milliarden Euro. Und die Auswirkungen des Klimawandels sind bisher verhältnismäßig harmlos. Die Wirtschaft ist abhängig von der physikalischen Realität. Wenn weiterhin niemand Hausaufgaben macht, dann war es das mit Normalität, dann wird sich auch niemand mehr eine goldene Nase verdienen können. Ein Klimaturboprogramm braucht es daher schon lange. Die Forderungen der Grünen sind jetzt nicht falsch. Aber auch Sie wissen, dass das nicht Klimaturbo ist, sondern es streicht den Kapitalismus grün an. Gut finde ich, „sozial gerechten Klimaschutz rechtlich verbindlich zu verankern, durch ein wirksames Klimageld“. (Beifall bei der Linken) Das könnte man rückwirkend zum 1. Januar 2025 mit einem Betrag von 320 Euro jährlich pro Person als Direktzahlung einführen, wie wir das fordern. (Beifall bei der Linken – Hans Koller [CDU/CSU]: Das wären 27 Milliarden Euro pro Jahr!) Wir müssen die Bewohnbarkeit der Erde sichern. (Andreas Bleck [AfD]: Die Erde war noch nie so bewohnbar wie heute!) Klimaschutz – radikal sozial! Danke schön. (Beifall bei der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Dr. Klaus Wiener das Wort. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Linke fordert in ihrem Antrag bezahlbaren Strom. Deswegen gleich vorneweg die gute Nachricht: Das geschieht bereits mit der Abschaffung der Gasspeicherumlage, der Senkung der Netzentgelte – davon profitieren auch die privaten Haushalte –, (Andreas Bleck [AfD]: Das wird doch aus dem Steuersäckel bezahlt! Das ist doch „linke Tasche, rechte Tasche“!) der Ausweitung der Strompreiskompensation, der fortgesetzten Senkung der Stromsteuer auf das europäische Minimum und dem Industriestrompreis, den die Grünen übrigens drei Jahre nicht hinbekommen haben. (Beifall bei der CDU/CSU – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Herr Wiener, führen Sie ihn morgen ein! Alle warten schon drauf! Was hindert Sie daran? Jammern Sie nicht über die Vergangenheit!) Insgesamt schlägt hier, Frau Badum, eine Entlastung in Höhe von 10 Milliarden Euro zu Buche. Davon profitieren 600 000 Unternehmen bis weit in den Mittelstand hinein, also vor allem Firmen, die auch im internationalen Wettbewerb stehen. Hinsichtlich der Stromsteuersenkung für alle: (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Wo bleibt die?) Sie wird kommen. Im Moment gibt es einen Finanzierungsvorbehalt. Aber – vielleicht ist das etwas, was Sie von den Grünen und Sie von den Linken sich auch mal hinter die Ohren schreiben könnten – wir können jeden Euro nur einmal ausgeben. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und Sie schenken das Geld Markus Söder!) Wir müssen sehen, dass wir da finanziell durch die Tür kommen. (Beifall bei der CDU/CSU) Etwas überrascht in der Debatte heute, aber auch in den Anträgen hat mich, dass auf einmal ein Thema aufgegriffen wird, das jahrelang überhaupt keine Rolle gespielt hat, nämlich die Bezahlbarkeit von Energie. (Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wo waren Sie denn bisher in dieser Debatte?) Viele Jahre haben Sie die Systemkosten des Ausbaus der erneuerbaren Energien komplett vernachlässigt. Die Stromkunden haben Hunderte von Milliarden Euro dafür bezahlt, und das war Ihnen relativ egal. Deswegen: Wenn Sie heute immer wieder Bezahlbarkeit einfordern, auch mit Blick auf das Gebäudemodernisierungsgesetz, sollten Sie sich mal an die eigene Nase fassen, (Beifall bei der CDU/CSU) wie viel das gekostet hat, das wir wild gefördert haben, wild bezahlt haben mit festen Vergütungsstrukturen, Hunderte Milliarden. Jetzt regen Sie sich hier über Petitessen auf. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was für ein Unsinn!) Es ist gut, dass die Bundesregierung jetzt einen anderen Ansatz verfolgt. Mit dem Energie-Monitoring zum Beispiel hat das BMWE endlich einmal einen vollständigen Blick auf die Systemkosten der erneuerbaren Energien geworfen. Eine unmittelbare Konsequenz daraus ist die Kraftwerksstrategie. Denn eines ist klar: Wir brauchen steuerbare Leistung, wenn wir die Schwankungsanfälligkeit der erneuerbaren Energien ausgleichen wollen. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, darf ich Sie kurz unterbrechen? – Es gibt zwei Meldungen aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Lassen Sie Fragen zu? Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Wir haben, glaube ich, heute einen sehr langen Sitzungstag vor uns. Präsidentin Julia Klöckner: Gut, ich bedanke mich. Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Ich würde sagen, wir machen einfach mal weiter. Präsidentin Julia Klöckner: Dann ist das abgelehnt. Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Ich habe mir gedacht, dass Ihnen das entgegenkommt. Ich fahre mit meiner Rede fort. Mit dem Netzpaket: Wir werden dafür sorgen, dass Batteriespeicher zukünftig dort ans Netz gehen, wo sie dem Netz auch dienlich sind, und dass nicht mehr wie bisher das Windhundprinzip regiert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wenn wir eine wirklich bezahlbare Energie wollen – und das wollen wir unter dem Strich ja alle –, dann brauchen wir eine Ausweitung des Energieangebots, und zwar – das betone ich hier immer wieder – technologieoffen. Wir können es uns einfach nicht leisten, Technologien auszuschließen, die zu einem bezahlbaren Energiemix beitragen können, von Biomethan über synthetische Kraftstoffe bis hin zur Kernfusion; da müssen wir dabei sein. (Zuruf von der AfD: Kernspaltung!]) Zu einer Ausweitung des Energieangebots gehört übrigens auch, dass wir die internationalen Energiepartnerschaften voranbringen. Genau deshalb haben Bundeskanzler Merz und Wirtschaftsministerin Reiche die Länder des Nahen Ostens besucht. Hier geht es genau um den Ausbau internationaler Partnerschaften. Präsidentin Julia Klöckner: Darf ich gerade noch einmal unterbrechen? – Der Vollständigkeit halber: Es gibt aus den Reihen der AfD-Fraktion den Wunsch nach einer Nachfrage. Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass ich auch das ablehne. (Lachen bei Abgeordneten der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Gut, abgelehnt. Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Mehr Autarkie wird immer wieder eingefordert. Mehr Autarkie wäre gut, aber vollständige Autarkie – das gehört auch zur Wahrheit – werden wir niemals erreichen, so wie Sie das hier immer wieder suggerieren, weil der Endenergiebedarf in Deutschland einfach viel zu groß ist. Ich würde gerne zum Schluss auch noch etwas sagen zum Antrag der Grünen mit Blick auf den Klimaturbo und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Mein Kollege Andreas Jung hat dazu schon ausgeführt, und ich schließe mich ihm voll an. Aber ich möchte hier noch einen Punkt ansprechen. Wer war es denn, der 2022/23 die sechs Kernkraftwerke, die wir noch hätten nutzen können, einfach abgeschaltet hat? Da ging es nicht um einen Neueinstieg, aber wir hätten 70 Terawattstunden Strom zu Grenzkosten von 2 bis 3 Cent nutzen können. (Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben das immer angesprochen! Wo waren Sie bisher in dieser Debatte?) Dann wären wir beim Thema Bezahlbarkeit und beim Thema CO2-Ausstoß schon viel weiter. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD – Dr. Julia Verlinden [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist so alt!) Es gibt Berechnungen, die zeigen, dass 50 Millionen bis 100 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich anfallen, weil Sie Kohle verbrennen. Wir hätten die Hälfte des Weges, der uns noch fehlt, schon lange durchschreiten können, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hätte, hätte, Fahrradkette!) wenn Sie damals pragmatisch gehandelt hätten und zumindest für eine gewisse Zeit zugelassen hätten, dass die Kernkraftwerke weiterlaufen. (Beifall bei der CDU/CSU und der AfD) Jetzt ist Ihre Forderung nach CO2-Minderung und nach bezahlbaren Preisen einfach nur bigott. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mensch, Herr Wiener, die Kraftwerke liefen doch länger! – Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Die Aufmerksamkeit liegt jetzt bitte hier vorne. – Es gibt zwei angemeldete Kurzinventionen, weil die Fragen nicht zugelassen worden sind. Ich will aber eine Anmerkung machen: Wir sind heute früh schon in Verzug; es wird sehr spät heute Abend. Und ich will noch einen Hinweis geben: Wenn eine Fraktion die gesamte Redezeit der ersten Rednerin gibt, dann kann man nicht alles nachher aufholen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Ich lasse die beiden Kurzinterventionen jetzt zu, aber diesen Hinweis wollte ich noch geben. Jetzt hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Abgeordnete Katrin Uhlig das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ganz herzlichen Dank, Frau Präsidentin. – Ich möchte einige Hinweise geben an den Kollegen, da das nicht klar zu sein scheint. Die Ampelkoalition hat im Zusammenhang mit dem Gebäudeenergiegesetz ein umfassendes Förderprogramm eingerichtet. Es ist völlig unklar, was, basierend auf Ihren Eckpunkten, eigentlich in Zukunft gefördert wird. Es ist nur klar, dass in Zukunft die Möglichkeit besteht, Gas- und Ölheizungen weiterhin zu verwenden, und dass damit Mieterinnen und Mietern insbesondere teurere Heizkosten entgegenschlagen können. Sie haben dazu in Ihrem Papier bisher keine Aussagen getroffen, wie das günstig werden soll. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mit Blick darauf, was Sie alles günstiger gemacht haben, haben Sie sehr viele Sachen im Strombereich aufgezählt, die insbesondere die Industrie betreffen, aber eben nicht die Mieterinnen und Mieter, nicht die Bürgerinnen und Bürger, nicht die Handwerkerinnen und Handwerker oder die Gewerbetreibenden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Jörg Cezanne [Die Linke]) Stattdessen haben Sie auf die Kraftwerksstrategie verwiesen, wozu mir sowohl BMWE als auch BMF gesagt haben: Das kommt nicht aus dem Haushalt, das wird auf den Strompreis aufgeschlagen. – Sie machen den Strom zukünftig teurer. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD) Alles, wovon Sie gerade geredet haben, betrifft nicht die einfachen Bürgerinnen und Bürger, sondern eigentlich nur die Großindustrie, und nebenbei unterstützen Sie noch die fossile Gasindustrie. Wie konkret Sie das noch weiter fördern, darüber diskutieren wir heute Nachmittag bei der Wasserstoffdebatte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Ich würde es mit Blick auf die Zeit gern kurz machen. – Wir entlasten die Industrie, die im internationalen Wettbewerb steht. Da brennt die Hütte, da ist der Handlungsdruck am größten. Das kommt auch den Mieterinnen und Mietern zugute; denn am Ende geht es hier um Arbeitsplätze. Wenn ich keinen Arbeitsplatz mehr habe, kann ich meine Miete auch nicht mehr zahlen. (Zuruf von der Linken: Mietpreisbremse!) Deswegen müssen wir jetzt da entlasten; da ist Firefighting angesagt und nicht bei dem, was Sie hier immer wieder vortragen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Ganz schön flach!) Präsidentin Julia Klöckner: Jetzt ist die AfD-Fraktion dran. Bitte, Herr Abgeordneter Karsten Hilse. Karsten Hilse (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin, dass Sie die Kurzintervention zulassen. – Lieber Herr Dr. Wiener, da Sie von Technologieoffenheit sprachen, habe ich mich zu einer Zwischenfrage gemeldet. Diese haben Sie zumindest zum Teil schon beantwortet. Ich will darauf abheben, dass Herr Merz und Sie – aber auch andere Abgeordnete – immer wieder betonen, dass es ein strategischer Fehler war, die letzten Kernkraftwerke abzuschalten, also aus der Kernenergie auszusteigen. (Beifall bei der AfD) Wie ist es um die Konsequenzen aus diesem strategischen Fehler bestellt? Sind Sie bereit, wenigstens darüber nachzudenken, wieder Kernenergie in Deutschland zu nutzen, kurzfristig bzw. mittelfristig? Es gibt eine Studie von Westinghouse, die besagt, dass wenigstens drei Kernkraftwerke innerhalb der nächsten zwei bis vier Jahre wieder in Betrieb genommen werden könnten, zu einem angemessenen Preis. Aber letztendlich könnte man natürlich auch mit einem sogenannten Turbo wieder in die Kernenergie einsteigen. Und deswegen frage ich Sie: Sind Sie bereit, wenigstens darüber nachzudenken? (Dr. Götz Frömming [AfD]: Sehr gute Frage!) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Ich habe in allen Debatten, die wir darüber geführt haben, nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich es für sinnvoll gehalten hätte, wenn wir die Kernkraftwerke, die wir noch hatten, hätten weiterlaufen lassen, und zwar nicht ein paar Monate, sondern idealerweise vielleicht zehn Jahre, so lange, wie es braucht, bis wir bei dem Ausbau der Erneuerbaren weiter vorangekommen sind. Das haben wir nicht gemacht. Das war ein schwerer Fehler. Ich habe auch noch mal versucht, zu erläutern, woran das gelegen hat. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD) Was heißt das jetzt für uns in der Konsequenz? Steigen wir wieder ein in die Kernkraftwerkstechnik der zweiten und dritten Generation? Das wollen wir nicht, weil wir sehen: Das ist zu teuer, und das würde zu lange dauern. Wo wir aber Chancen sehen, das ist vor allem bei der Kernfusion; da sind wir auch sehr engagiert dabei. Wir sind ein bisschen offener bei dem Thema „kleine modulare Reaktoren“. Ich könnte mir angesichts der Entwicklungen in vielen anderen Ländern und bei Unternehmen vorstellen, dass es da eine Perspektive gibt. Aber ich erteile einer Strategie, die eine Wiederbelebung der Kernkraftwerkstechnik der zweiten und dritten Generation vorsieht, eine klare Absage. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Nun geht es weiter in der regulären Debatte, und für die AfD-Fraktion hat das Wort Herr Abgeordneter Andreas Bleck. (Beifall bei der AfD) Andreas Bleck (AfD): Werte Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! In Deutschland gibt es 60 Unternehmensinsolvenzen an einem Tag; das sind 420 in einer Woche, 1 800 in einem Monat und 21 600 in einem Jahr. Das sind Kennzahlen eines Landes im wirtschaftlichen Niedergang. (Beifall bei der AfD) Kleine und mittlere Unternehmen sterben, während größere Unternehmen dem Sterben durch Verlagerung ins Ausland zu entgehen versuchen. Das ist ein wirtschaftspolitischer Offenbarungseid auch für diese Bundesregierung. (Beifall bei der AfD) Und dann gibt es in Deutschland noch die Grünen. Ihnen geht es mit dem wirtschaftlichen Niedergang nicht schnell genug. Sie haben das Kunststück fertiggebracht, auf die Wirtschaftskrise nicht mit einem einzigen Wort in Ihrem Antrag einzugehen. Wie ein dreijähriges Kind beim Versteckspiel halten Sie sich die Hände vor das Gesicht und glauben, nur weil Sie die Probleme nicht sehen, sehen die Probleme Sie nicht. Welch Irrtum! (Beifall bei der AfD) Ihr Antrag ist die in Schrift gegossene Arroganz und Ignoranz gegenüber den weltweiten Entwicklungen. Mit einem Anteil von gerade einmal 2 Prozent an den weltweiten CO2-Emissionen hat Deutschland kaum einen Einfluss auf das Klima. Der größte CO2-Emittent, die Volksrepublik China, ist erst gar nicht in den verbindlichen Klimaschutz eingestiegen. Und der zweitgrößte Emittent, die Vereinigten Staaten von Amerika, sind erst kürzlich aus dem verbindlichen Klimaschutz ausgestiegen. Das heißt, die Grünen wollen den Klimaturbo zünden, während die größten CO2-Emittenten auf der Klimabremse stehen. (Daniel Bettermann [SPD]: Das stimmt doch gar nicht!) Das heißt, mit dem winzigen deutschen Segelboot wollen Sie den riesigen chinesischen Schweröltanker bei unruhiger See in den sicheren Hafen der Klimaneutralität schleppen. Für wie bescheuert halten Sie eigentlich unser Land und Volk, werte Damen und Herren der Grünen und Linken? (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke]) Sie verhalten sich wie eine Weltuntergangssekte, die umso lauter schreit, je weniger ihr geglaubt wird. Doch je kruder die Dogmatik, desto kleiner die Schar der Anhänger. Die Grünen sind ja noch nicht einmal fähig und willens, die Zielkonflikte in ihrem Antrag zu erkennen und aufzulösen. Ihr Klimaturbo bedeutet in Wirklichkeit: Enteignung durch den Heizungshammer, Umweltzerstörung durch die Windradverspargelung und Verarmung durch das Verbrennerverbot. Kurzum: Das ist ein Programm der Verelendung. Und aus diesem Grund lehnen wir Ihren Antrag entschieden ab. Wir wollen keine Gängelei, keine Planwirtschaft und keine Technologiefeindlichkeit. Wir wollen Freiheit, Marktwirtschaft und Technologieoffenheit. (Beifall bei der AfD) Werte Damen und Herren, eine Beobachtung, die ich auf den Namen „Habeck-Paradoxon“ taufe, ist bemerkenswert: Je mehr Strom wir aus erneuerbaren Energien haben und je weniger Strom aus fossilen Energien, desto stärker werden Letztere für steigende Strompreise verantwortlich gemacht und Erstere in Schutz genommen. Ich frage die Grünen: Wie viele Kernkraftwerke und Kohlekraftwerke sollen eigentlich noch abgeschaltet werden, bis die Strompreise endlich sinken? (Dr. Alaa Alhamwi [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es gibt keine Kernkraftwerke mehr!) Wir brauchen Ihre Schönrechnerei und Ihre Taschenspielertricks nicht. Wir brauchen keine künstliche Verteuerung der fossilen Energien durch CO2-Bepreisung. Wir brauchen keine künstliche Vergünstigung der erneuerbaren Energien durch Einspeisevergütungen und Nichtberücksichtigung der Systemkosten. Was wir brauchen, was Deutschland braucht, ist eine bezahlbare, sichere und zuverlässige Energieversorgung; (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) denn diese ist die Grundlage für den Wohlstand unseres Landes und Volkes. Sie, werte Damen und Herren der Grünen, sind Wohlstandsvernichter, und wir werden Sie aufhalten! Koste es, was es wolle. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Omid Nouripour: Vielen Dank. – Der nächste Redner ist Daniel Bettermann für die SPD-Fraktion. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Daniel Bettermann (SPD): Sehr geehrter Herr Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Vielen Dank an die Fraktionen für die Anträge. Sie enthalten ja zahlreiche hochaktuelle und auch aus unserer Sicht durchaus richtige Punkte. Daraus ergibt sich ein besonders breites Spektrum an Forderungen, das doch sehr unterschiedliche energiepolitische Bereiche berührt. Das ist jedoch durchaus nachvollziehbar; denn die aktuelle Lage ist durch eine Vielzahl gleichzeitiger Herausforderungen geprägt: Klimaschutz, Resilienz unseres Energiesystems, Netzstabilität, bezahlbare Strompreise für Haushalte und Unternehmen sowie strategische und geopolitische Fragen stellen uns vor große Herausforderungen. Als Koalition haben wir uns vorgenommen, in dieser komplexen Situation verlässliche Rahmenbedingungen und klare Leitlinien zu setzen. Der Koalitionsvertrag enthält ein klares Bekenntnis zur Energiewende und zum konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien. Daraus folgt zwingend, dass wir ein leistungsfähigeres und effizienteres Stromnetz benötigen, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten und Kosten zu begrenzen. Dafür brauchen wir mehr Flexibilität im System und auch eine kluge Ausgestaltung von Speicherkapazitäten. Das ist die energiepolitische Gr

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