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Protokoll der 65. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 19.03.2026 · WP 21 · 21/65 · Original ↗

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Protokoll der 65. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/65 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 65. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 19. März 2026 Inhalt: Ergänzung der Tagesordnung Tagesordnungspunkt 6: Vereinbarte Debatte: Internationaler Frauentag Karin Prien, Bundesministerin BMBFSFJ Beatrix von Storch (AfD) Bärbel Bas, Bundesministerin BMAS Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kathrin Gebel (Die Linke) Silvia Breher, Parl. Staatssekretärin BMLEH Birgit Bessin (AfD) Josephine Ortleb (SPD) Birgit Bessin (AfD) Josephine Ortleb (SPD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Julia-Christina Stange (Die Linke) Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU) Nicole Höchst (AfD) Carmen Wegge (SPD) Martin Reichardt (AfD) Saskia Esken (SPD) Diana Herbstreuth (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 7: Antrag der Abgeordneten Leon Eckert, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Irene Mihalic, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Die Zeitenwende in der Zivilen Verteidigung umsetzen Drucksache 21/4746 Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Schmidt (CDU/CSU) Arne Raue (AfD) Daniel Baldy (SPD) Tilman Kuban (CDU/CSU) Arne Raue (AfD) Rasha Nasr (SPD) Jan Köstering (Die Linke) Dr. Katja Strauss-Köster (CDU/CSU) Steffen Janich (AfD) Dirk Wiese (SPD) Daniel Baldy (SPD) Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Josef Oster (CDU/CSU) Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jörg Zirwes (AfD) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Jörg Zirwes (AfD) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Zusatzpunkt 2: Erste Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung eines Gesetzes zur Anpassung von Kraftstoffpreisen und zur Änderung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (Kraftstoffmaßnahmenpaket) Drucksache 21/4744 in Verbindung mit Tagesordnungspunkt 9: Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Dr. Christina Baum, Joachim Bloch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Energiepreisschocks durch Irankrieg ernst nehmen – Unternehmen und Verbraucher nachhaltig und dauerhaft entlasten Drucksache 21/4750 in Verbindung mit Zusatzpunkt 3: Antrag der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Andreas Audretsch, Michael Kellner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Bezahlbares Leben statt fossiler Profite – Übergewinne abschöpfen und raus aus der fossilen Kostenfalle Drucksache 21/4747 in Verbindung mit Zusatzpunkt 4: Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Ines Schwerdtner, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Sofortige Entlastung der Bevölkerung wegen des Anstiegs der Energiepreise Drucksache 21/4748 Sepp Müller (CDU/CSU) Leif-Erik Holm (AfD) Dirk Wiese (SPD) Armand Zorn (SPD) Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ines Schwerdtner (Die Linke) Katherina Reiche, Bundesministerin BMWE Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Katherina Reiche, Bundesministerin BMWE Bernd Schattner (AfD) Sepp Müller (CDU/CSU) Sebastian Roloff (SPD) Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) Ines Schwerdtner (Die Linke) Marc Bernhard (AfD) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Steffen Kotré (AfD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Zusatzpunkt 5: Antrag der Abgeordneten Dr. Paul Schmidt, Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Wieder in die Kernkraft einsteigen und strategische Fehler korrigieren Drucksache 21/4749 Dr. Paul Schmidt (AfD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Carsten Schneider, Bundesminister BMUKN Dr. Rainer Kraft (AfD) Carsten Schneider, Bundesminister BMUKN Mareike Hermeier (Die Linke) Anna Aeikens (CDU/CSU) Dr. Paul Schmidt (AfD) Anna Aeikens (CDU/CSU) Manuel Krauthausen (AfD) Dr. Nina Scheer (SPD) Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hans Koller (CDU/CSU) Dr. Ingo Hahn (AfD) Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Raimond Scheirich (AfD) Lars Rohwer (CDU/CSU) Dr. Rainer Kraft (AfD) Tagesordnungspunkt 27: a) Erste Beratung des von den Abgeordneten Karl Bär, Dr. Zoe Mayer, Niklas Wagener, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Konsumcannabisgesetzes – Nutzhanfliberalisierung Drucksache 21/2116 b) Antrag der Abgeordneten Niklas Wagener, Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu den Verhandlungen zum Mehrjährigen Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 – hier: Stellungnahme gegenüber der Bundesregierung gemäß Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes – 30 Jahre Erfolg nicht aufs Spiel setzen – LEADER-Programm sichern Drucksache 21/4762 c) Antrag der Abgeordneten Dr. Ophelia Nick, Dr. Zoe Mayer, Niklas Wagener, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union für die Jahre 2028 bis 2034 – hier: Stellungnahme gegenüber der Bundesregierung gemäß Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes – Höfe stärken, Klima schützen, Artenvielfalt bewahren und Europa zusammenführen Drucksache 21/4763 Tagesordnungspunkt 28: a) Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz zu dem Streitverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht 2 BvC 4/26 Drucksache 21/4785 b)–o) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196 und 197 zu Petitionen Drucksachen 21/4504, 21/4505, 21/4506, 21/4507, 21/4508, 21/4509, 21/4510, 21/4511, 21/4512, 21/4513, 21/4514, 21/4515, 21/4516, 21/4517 Benedikt Büdenbender (CDU/CSU) Manfred Schiller (AfD) Daniela Rump (SPD) in Verbindung mit Zusatzpunkt 6: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Empfehlung des Bürgerrates „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“ zur Altersgrenze für Energydrinks umsetzen Drucksachen 21/4285, 21/4591 Tagesordnungspunkt 10: a) Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU und SPD, der Fraktion der AfD, der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Fraktion Die Linke: Wahl von Mitgliedern des Kuratoriums der Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ Drucksachen 21/4685, 21/4686, 21/4687, 21/4688 c) Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU und SPD und der Fraktion der AfD: Wahl von Mitgliedern des Stiftungsrates der „Deutschen Stiftung Friedensforschung (DSF)“ Drucksachen 21/4690, 21/4691 d) Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU und der Fraktion der AfD: Wahl eines Mitglieds des Stiftungsrates der Stiftung „Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)“ Drucksachen 21/4694, 21/4695 e) Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU und SPD und der Fraktion der AfD: Wahl von Mitgliedern des Stiftungsrates der „Stiftung Kinder forschen“ Drucksachen 21/4692, 21/4693 Zusatzpunkt 12: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD: Kernenergiegipfel in Paris – Widersprüche deutscher Energiepolitik auf europäischer und nationaler Ebene Andreas Bleck (AfD) Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU) Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Nina Scheer (SPD) Janine Wissler (Die Linke) Fabian Gramling (CDU/CSU) Marc Bernhard (AfD) Helmut Kleebank (SPD) Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lars Rohwer (CDU/CSU) Steffen Kotré (AfD) Dr. Saskia Ludwig (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 8: Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: 18. März – Tag der Demokratiegeschichte – Orte der Freiheit und Demokratie in Deutschland weiter stärken Drucksache 21/4743 Johannes Volkmann (CDU/CSU) Dr. Götz Frömming (AfD) Dr. Ralf Stegner (SPD) Dr. Götz Frömming (AfD) Nancy Faeser (SPD) Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Pascal Meiser (Die Linke) Daniela Ludwig (CDU/CSU) Ronald Gläser (AfD) Dr. Ralf Stegner (SPD) Elisabeth Kaiser, Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Pascal Reddig (CDU/CSU) Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 12: Antrag der Abgeordneten Ferat Koçak, Clara Bünger, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Institutionellen Rassismus bekämpfen – Handlungsempfehlungen der Studie „Institutionen und Rassismus“ umsetzen Drucksache 21/4751 Ferat Koçak (Die Linke) Florian Oest (CDU/CSU) Jochen Haug (AfD) Helge Lindh (SPD) Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Heiko Hain (CDU/CSU) Arne Raue (AfD) Tagesordnungspunkt 11: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Wissenschaftsfreiheitsgesetzes Drucksachen 21/4500, 21/4784 b) Erste Beratung des vom Bundesrat eingebrachten Entwurfs eines … Gesetzes zur Änderung des Gesetzes zur Flexibilisierung von haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen außeruniversitärer Wissenschaftseinrichtungen (Wissenschaftsfreiheitsgesetz – WissFG) Drucksache 21/1393 Dorothee Bär, Bundesministerin BMFTR Dr. Michael Kaufmann (AfD) Holger Mann (SPD) Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sonja Lemke (Die Linke) Florian Müller (CDU/CSU) Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingo Hahn (AfD) Dr. Carolin Wagner (SPD) Lars Rohwer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 14: Antrag der Abgeordneten Kerstin Przygodda, Martin Reichardt, Sebastian Maack, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Frauen schützen – Im Namen der Familienehre versuchte und vollendete Morddelikte statistisch erfassen Drucksache 21/4752 Kerstin Przygodda (AfD) Rasha Nasr (SPD) Kerstin Przygodda (AfD) Dr. Cornell-Anette Babendererde (CDU/CSU) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Martin Reichardt (AfD) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Kathrin Gebel (Die Linke) Frederik Bouffier (CDU/CSU) Birgit Bessin (AfD) Kathrin Gebel (Die Linke) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jasmina Hostert (SPD) Martin Reichardt (AfD) Jasmina Hostert (SPD) Siegfried Walch (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 15: – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur weiteren Digitalisierung der Zwangsvollstreckung Drucksachen 21/3737, 21/4815 – Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/4816 Daniel Rinkert (SPD) Tobias Matthias Peterka (AfD) Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) Thomas Fetsch (AfD) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Zusatzpunkt 7: Erste Beratung des von den Abgeordneten Steffen Janich, Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann, weiteren Abgeordneten und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Aufhebung des Polizeibeauftragtengesetzes Drucksache 21/4349 Steffen Janich (AfD) Florian Oest (CDU/CSU) Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Clara Bünger (Die Linke) Siegfried Walch (CDU/CSU) Steffen Janich (AfD) Christopher Drößler (AfD) Hakan Demir (SPD) Tagesordnungspunkt 17: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Neunten Gesetzes zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes und zur Änderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften Drucksachen 21/4550, 21/4783 b) Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Sascha Wagner, Janine Wissler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Gewerbesteuer als kommunale Einnahmequelle stärken Drucksache 21/4753 in Verbindung mit Zusatzpunkt 8: Erste Beratung des von den Abgeordneten Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, Max Lucks, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zum Schließen einer Gerechtigkeitslücke in der Immobilienbesteuerung Drucksache 21/4745 Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Diana Zimmer (AfD) Dr. Matthias Hiller (CDU/CSU) Katharina Beck (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Doris Achelwilm (Die Linke) Jens Behrens (SPD) Torben Braga (AfD) Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 18: a) Antrag der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Ayse Asar, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wirtschaft 2045 – GreenTech als Wachstumstreiber nutzen, Technologiesouveränität stärken Drucksache 21/4754 b) Antrag der Abgeordneten Julian Joswig, Dr. Sandra Detzer, Dr. Andrea Lübcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Zukunft der europäischen Chemieindustrie sichern – Innovation, Nachhaltigkeit und Resilienz stärken Drucksache 21/4755 Dr. Sandra Detzer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Raimond Scheirich (AfD) Fabian Gramling (CDU/CSU) Adam Balten (AfD) Dunja Kreiser (SPD) Agnes Conrad (Die Linke) Nicklas Kappe (CDU/CSU) Janina Böttger (Die Linke) Mathias Weiser (AfD) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 19: Unterrichtung durch die Bundesregierung: Neunter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland – Alt werden in Deutschland – Vielfalt der Potenziale und Ungleichheit der Teilhabechancen – und – Stellungnahme der Bundesregierung Drucksache 20/14450 (neu) Astrid Timmermann-Fechter (CDU/CSU) Gereon Bollmann (AfD) Sabine Dittmar (SPD) Simone Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mandy Eißing (Die Linke) Ralph Edelhäußer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 20: Antrag der Abgeordneten Carolin Bachmann, Marc Bernhard, Sebastian Münzenmaier, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Einsetzung einer Enquete-Kommission „Evaluation der Finanzlage der Kommunen und Lehren für die Zukunft ziehen“ Drucksache 21/4756 Carolin Bachmann (AfD) Klaus Mack (CDU/CSU) Anlage Entschuldigte Abgeordnete Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 65. Sitzung wird am 24. März 2026 veröffentlicht. Präsidentin Julia Klöckner: Guten Morgen, alle zusammen! Ich eröffne hiermit die Sitzung. Ich sehne einen Schriftführer auf der rechten Seite herbei. Wir schauen mal, bevor wir mit der Debatte beginnen: Will sich jemand aus den Regierungsfraktionen als Schriftführer betätigen? (Dr. Reinhard Brandl [CDU/CSU]: Ja! Wir haben den Kollegen Edelhäußer!) – Da haben wir einen. Bei der Debatte um den Internationalen Frauentag freue ich mich hier über Herren in dienender Funktion. (Heiterkeit – Ralph Edelhäußer [CDU/CSU]: Das mache ich doch gerne!) Ich danke Ihnen sehr. Für unsere Besucherinnen und Besucher eine kleine Erläuterung: Es passiert manchmal, dass hier zu Beginn der Sitzung eine Schriftführerin oder ein Schriftführer fehlt. Während der Sitzung müssen immer jeweils ein Vertreter oder eine Vertreterin aus den Oppositionsfraktionen und aus den Koalitionsfraktionen hier Platz nehmen, damit wir hier unabhängig entscheiden können. Und wenn es hier etwa über das Ergebnis einer Abstimmung Dissens gibt, dann kommt es zum Beispiel zu einem Hammelsprung. Davon gehen wir heute natürlich nicht aus. Jetzt sind wir voll besetzt. Ich grüße Sie alle sehr herzlich. Zunächst habe ich eine Ergänzung der Tagesordnung mitzuteilen. Im Anschluss an den Tagesordnungspunkt 10 findet auf Verlangen der AfD-Fraktion eine Aktuelle Stunde mit dem Titel „Kernenergiegipfel in Paris – Widersprüche deutscher Energiepolitik auf europäischer und nationaler Ebene“ statt. Ich rufe jetzt den Tagesordnungspunkt 6 auf: Vereinbarte Debatte Internationaler Frauentag Der Internationale Frauentag hat bereits am 8. März, einem Sonntag, stattgefunden. Für die Aussprache haben wir uns auf eine Dauer von 60 Minuten geeinigt. Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat für die Bundesregierung die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Karin Prien. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich freue mich, dass ich Ihnen anlässlich dieser Debatte frische Eindrücke von der UN-Frauenrechtskommission in New York mitbringen kann, an deren Sitzung – wenn Sie mir den Hinweis erlauben – dankenswerterweise auch ein starkes Team von Abgeordneten aus fast allen Fraktionen teilgenommen hat. Eine Erkenntnis, die wir leider mitbringen, ist: Frauenrechte geraten international zunehmend unter Druck. Es ist leider so, dass auch die Vereinigten Staaten dabei sind, gemeinsame, im Multilateralismus gefestigte Verfahrensweisen immer stärker zu unterlaufen. In diesem Fall haben sie versucht, eine gemeinsame Resolution zum Zugang von Frauen zur Justiz zu verhindern. Am Ende blieben sie mit ihrer Ablehnung zwar alleine, aber das Signal war gesetzt: Fortschritte bei Frauenrechten sind heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso wichtiger ist, dass Deutschland hier auch international verlässlich Verantwortung übernimmt. Auch und gerade, weil die USA diese Rolle derzeit nicht ausfüllen, richten sich die Blicke vieler Partner auf uns. Wir wissen, meine Damen und Herren: Eine widerstandsfähige, eine resiliente Demokratie garantiert Chancengerechtigkeit für alle Menschen. Tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist in Deutschland Verfassungsauftrag. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Nicole Gohlke [Die Linke] – Martin Reichardt [AfD]: Ich habe gehört, dass hier im Bundestag nach Frauen und Männern getrennte Veranstaltungen stattfinden!) Sie bewirkt wirtschaftliche Stärke, Innovationskraft und gesellschaftliche Stabilität. Die Bundesregierung verfolgt deshalb das Ziel einer tatsächlichen Gleichberechtigung in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Zur ökonomischen Eigenständigkeit von Frauen trägt maßgeblich die Umsetzung vieler Aufgaben bei, die in meinem Ressort verantwortet werden. Da geht es um eine bessere Bildungspolitik, da geht es um eine gute Familienpolitik, um eine gute Kinder- und Jugendpolitik, und es geht darum, dass Frauen heute wirtschaftlich eigenständig sind und es noch mehr werden müssen. Es geht um Bildungs- und Chancengerechtigkeit von Anfang an. Eine gute Kitaqualität und Schulen mit Ganztagsbetreuung sind dafür eine wichtige Voraussetzung. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) In der Schule setzen wir weiter auf die MINT-Förderung vor allem für Mädchen. Aber wir setzen auch auf eine klischeefreie Berufswahl für Mädchen und Jungs. Wir stärken, meine Damen und Herren, weiter die Vereinbarkeit von Familien- und Sorgearbeit einerseits und Beruf andererseits, und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen. Dazu entwickeln wir das Elterngeld weiter und schaffen Verbesserungen für selbstständig arbeitende Frauen. Außerdem führen wir das Pflegezeit- und das Familienpflegezeitgesetz zusammen. Aber seien wir ehrlich, meine Damen und Herren: Wir haben auch in Deutschland noch Bereiche, wo es Nachholbedarfe gibt. Dazu gehören die Frage fairer Löhne und das Entgelttransparenzgesetz. Wir haben Fortschritte gemacht, aber wir haben eben auch noch Luft nach oben. Unser Ziel muss es sein, auch in diesem Bereich praxistauglich und bürokratiearm für weitere Verbesserungen zu sorgen. Meine Damen und Herren, es geht auch um Frauen im ländlichen Raum. Sie bilden einen Schwerpunkt unserer Gleichstellungspolitik in diesem Jahr, und das passt sehr gut zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft, ein Schwerpunkt der Vereinten Nationen in diesem Jahr. Ich will aber auch sagen: Frauen sind in Deutschland immer noch nicht angemessen in den Parlamenten vertreten. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Wir belegen hier, meine Damen und Herren, im internationalen Vergleich inzwischen den traurigen Rang 60. (Beatrix von Storch [AfD]: Dann wählen Sie doch einfach mehr Frauen! Steht Ihnen doch frei!) Die Wirkungsmacht von Frauen in der Politik wollen und werden wir durch gezielte Programme wie „Frauen Vielfalt Politik“ weiter stärken. (Nicole Höchst [AfD]: Was für ein Sexismus!) Meine Damen und Herren, auch die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen ist ein wichtiges und gemeinsames Ziel der Bundesregierung. (Martin Reichardt [AfD]: Dann sollten Sie mal die Grenzen sichern! Dann wäre da viel geholfen!) Hier geht es um das Gewalthilfegesetz und dessen Umsetzung, hier geht es um besseren Gewaltschutz für Frauen. Auch das hat für uns eine zentrale Bedeutung. Ich will zum Abschluss aber noch ein anderes Thema ansprechen, das mir besonders wichtig ist. Wenn wir in der Gleichstellungspolitik in Deutschland weiterkommen wollen – und das wird übrigens inzwischen auch international in vielen Staaten so gesehen –, (Beatrix von Storch [AfD]: Wir wollen das gar nicht! Gleichberechtigung, aber nicht Gleichstellung!) müssen wir unseren Blick stärker auf Jungs und Männer richten. Wir brauchen sie als Partner für eine echte Gleichberechtigung und eine tatsächliche Gleichstellung. Meine Damen und Herren, es gibt aber auch krisenhafte Entwicklungen bei Jungs und Männern, auf die wir sehr genau schauen müssen. Jungs machen die schlechteren Schulabschlüsse. (Beatrix von Storch [AfD]: Ach nee!) Viele junge Männer in Deutschland haben keinen Schulabschluss. Jungs werden öfter krank. Jungs begehen häufiger Suizid. Das sind Tatsachen, denen wir uns zuwenden müssen. Da müssen wir draufschauen, und da brauchen wir Lösungsansätze. Daran arbeiten wir als Bundesregierung ebenfalls. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Lassen Sie mich aus gegebenem Anlass mit einem Satz von Rita Süssmuth schließen, die sagte: „Für eine funktionierende, gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft braucht es die Beteiligung aller Geschlechter.“ So war es, so ist es, und daran werden wir weiter arbeiten. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat Frau Abgeordnete Beatrix von Storch das Wort. (Beifall bei der AfD) Beatrix von Storch (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute geht es also um den Internationalen Frauentag. Dabei sind linke Feministinnen wie J. K. Rowling und Alice Schwarzer inzwischen Feindbilder des neuen radikalen Feminismus. Biologisches Geschlecht und Islamkritik sind out. Transideologie und Scharia sind in. Das nennt sich intersektionaler Feminismus. Dieser Feminismus steht Kopf, wenn ein CDU-Politiker vor neun Jahren von Rehaugen gesprochen hat. Das ist nämlich Sexismus. Großer Aufschrei! (Zuruf von der Linken) Aber dieser Feminismus schweigt, wenn Hamasterroristen Jüdinnen vergewaltigen. Denn das ist postkolonialer Widerstand. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie betreiben hier Populismus, und zwar auf Kosten von Frauen! Wie immer, Frau von Storch!) Ganz auf diesem Trip, fordern die Berliner Grünen Hidschab in Schule, Polizei und Justiz. Wenn eine Lehrerin mit Hidschab in Zukunft ihre Kinder unterrichtet, eine Polizistin mit Hidschab ihre Anzeige aufnimmt und anschließend eine Richterin mit Hidschab das Urteil fällt, dann reden die Grünen in Berlin von Ermächtigung und Selbstbestimmung von Frauen. Aber die Schweizer Islamexpertin Keller-Messahli – aus Tunesien – weiß: „Wo das Kopftuch ist, da sind erfahrungsgemäß die Dschihadisten nicht weit.“ (Beifall bei der AfD – Dr. Ralf Stegner [SPD]: Können Sie mit Maske reden?) Während die Frauen im Iran dafür kämpfen, dass es in Teheran wieder aussieht wie im Westen, kämpfen die Grünen bei uns dafür, dass es in Berlin bald so aussieht wie im Iran. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Irre! Wirklich irre, ihr Auftritt!) Und bald ist es so weit. Premiere bei Miss Germany dieses Jahr. Von neun Finalistinnen trugen zwei Hidschab, Hidschab im Miss-Germany-Finale! Und die eine hat nicht nur Hidschab getragen, sie ist eine echte Hidschab-Aktivistin; sie vermarktet das. (Zurufe von der Linken) Ihre ganze Bekleidung entspricht komplett der Fatwa des Ständigen Komitees für Islamische Forschung und Recht in Saudi-Arabien. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Ihre geistige Kleinheit ist das Problem!) Danach muss nicht nur das Haar komplett bedeckt sein, auch die Gliedmaßen dürfen sich nicht abzeichnen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hoffentlich ist der Beitrag bald vorbei!) Die Frau verschwindet in einem Sack, damit die Männer ihre Triebe im Griff behalten. Frauen, die das nicht tun, werden zu Freiwild wie in der Kölner Silvesternacht. Wenn die Teilnahme so einer Islamaktivistin im Miss-Germany-Finale ein Fortschritt sein soll, dann leben wir in Absurdistan, und zwar in einem sehr gefährlichen Absurdistan. (Beifall bei der AfD – Zurufe von der Linken) Mit Hidschab- und Scharia-konformer Kleidung verschwindet die Frau. Von ihr bleibt nur noch das Gesicht übrig, und am Ende nicht mal das. Wenn im Jahr 2030 die erste Frau mit Burka Miss Germany wird, (Rasha Nasr [SPD]: Es gibt einen Unterschied zwischen Burka und Islam! Wie ungebildet wollen Sie eigentlich auftreten?) dann werden die Grünen über die Sichtbarkeit der muslimischen Frau im öffentlichen Raum jubeln. Ihr seid nicht verrückt; Ihr seid gefährlich. (Beifall bei der AfD) Der nächste Schritt? Berlin-Neukölln: In einem Jugendklub wird ein 16-jähriges Mädchen vergewaltigt. Das Jugendamt meldet das Verbrechen nicht, um die muslimischen Täter nicht zu „stigmatisieren“, und die linke Jugendstadträtin Nagel kündigt anschließend ein paar „Sensibilisierungskurse“ an. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Meine Güte! Was ist das für eine unterirdische Rede! Unterirdisch!) Das ist intersektionaler Feminismus in Aktion. Dazu gehört auch, wenn man Ehrenmorde „Femizide“ nennt, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) um den kulturellen Hintergrund der Täter zu verschleiern, wenn es keine Mütter mehr gibt, sondern „gebärende Personen“, wenn man Mädchen mit Pubertätsblockern unfruchtbar macht, (Zuruf der Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) wenn man pädophile Dragqueens in Kindergärten schickt, damit sie mit Dreijährigen über Transsexualität reden. (Zurufe von der Linken) Intersektionaler Feminismus ist, wenn man Frauen im Namen der Frauenrechte entrechtet, entmenschlicht und entwürdigt. (Beifall bei der AfD) Die links-grünen, woken Ideologen sind die nützlichen Idioten und die willigen Vollstrecker der Islamisten. „Intersektionaler Feminismus“ ist ein anderes Wort für Unterwerfung. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie leben wirklich in einer Bubble! Hammer! In der UN wären sie wirklich damit komplett vor die Wand gefahren!) Und wer nicht mal definieren kann, was eine Frau ist, sollte den Internationalen Frauentag am besten gar nicht begehen. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Bundesregierung hat nun Frau Bundeministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas, das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit 2019 ist der Internationale Frauentag in Berlin ein Feiertag für Frauen und Männer. Und Jahr für Jahr hören wir Frauen an diesem Tag ganz viele Versprechen, dass jetzt Ernst gemacht wird mit der Gleichstellung. Ja, wir haben in Deutschland schon Fortschritte gemacht. Starke und mutige, vor allen Dingen auch engagierte Frauen haben für diese Fortschritte gekämpft, und diese sind keine Selbstverständlichkeit. Weltweit wird immer stärker versucht, Frauenrechte zurückzudrehen. Gewalt und Sexismus nehmen zu. (Beatrix von Storch [AfD]: Beim Kölner Jugendamt! Arabische Gangs! Umso wichtiger ist, dass wir uns nicht damit abfinden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ein weiteres Problem ist in der Tat auch die Lohnlücke. Immer noch arbeiten statistisch gesehen viele Frauen zwei Monate im Jahr unbezahlt. Eine Studie aus 2020 zeigt: Frauen in Westdeutschland verdienen in ihrem gesamten Leben im Schnitt 670 000 Euro weniger als Männer. Bei Frauen in Ostdeutschland sind es 450 000 Euro. Und ich mache das jetzt mal ganz plakativ: Auf ein ganzes Erwerbsleben gerechnet, verlieren Frauen ein Einfamilienhaus. Und das liegt nicht daran, dass sie weniger leisten, ganz im Gegenteil. Es liegt an den Strukturen in diesem Land. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Liebe Kolleginnen und Kollegen, ein Lösungsansatz sind Tarifverträge. Wo Tarifverträge gelten, ist die Lohnlücke deutlich kleiner. Aber nur etwa die Hälfte der Beschäftigten in diesem Land arbeitet noch in tarifgebundenen Betrieben. Auch deshalb war es überfällig, dass wir das Tariftreuegesetz auf Bundesebene verabschiedet haben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wer die Lohnlücke schließen will, der muss Tarifbindung stärken und gleichzeitig Entgelttransparenz schaffen und vor allen Dingen auch für mehr Frauen in Führung sorgen. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gilt das auch für ukrainische Frauen?) Die Ungleichheit wird auch deutlich bei der ungerechten Verteilung der Sorge- und Care-Arbeit. Frauen kümmern sich häufiger um Kinder, pflegen Angehörige und organisieren den Alltag der Familien. Für gesellschaftlich wichtige Arbeiten zahlen Frauen dafür aber einen sehr hohen Preis. Und wir wissen: Fast die Hälfte der Mütter in Teilzeit würde gerne mehr arbeiten, aber die Rahmenbedingungen erschweren es ihnen sehr, (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja! Genau!) weil zum Beispiel Betreuungsplätze fehlen oder weil das Ehegattensplitting veraltete Rollenbilder zementiert. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Mit Blick auf Lebensverläufe noch ein drittes Stichwort: die schlechtere Absicherung von Frauen im Alter. Die Erwerbsbiografie wirkt sich auch auf die Rente von Frauen aus. Frauen haben im Schnitt mehr als ein Drittel weniger gesetzliche Rente. Die Folge: Fast jede fünfte Frau über 65 gilt heute als armutsgefährdet. Deshalb gilt: Gute Arbeit mit angemessenen Löhnen ist die beste Rentenpolitik, auch für Frauen. Und dafür werde ich mich weiter einsetzen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Frauen halten unsere Gesellschaft zusammen. Und sie tun das auch, wenn es körperlich und mental sehr schwierig ist. Ein Tabu sind zum Beispiel Fehlgeburten, obwohl im Schnitt jede dritte Frau diese erschütternde Erfahrung machen muss. Weil aber mutige Frauen dieses Thema angepackt haben, gibt es seit vergangenem Jahr einen verbesserten gestaffelten Mutterschutz für Frauen nach Fehlgeburten. Es wurde auch Zeit, dass wir das durchgesetzt haben. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Was es immer noch nicht gibt, ist ein gesetzlicher Mutterschutz für Frauen in Selbstständigkeit. Und deshalb unterstütze ich auch ganz persönlich das Bündnis „Mutterschutz für Alle!“. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Im Grundgesetz sind der Schutz und die Fürsorge für alle Mütter verankert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen Frauen stärken; wir müssen uns besser vernetzen; wir müssen für unsere Belange gemeinsam streiten. Es geht an der Stelle um Gerechtigkeit, um echte Mitsprache und natürlich auch Macht. Deshalb ist mir auch wichtig – auch angesichts des Erbes von Rita Süssmuth –, zu sagen: Kommt es zu einem möglichen neuen Wahlrecht, dann kann das nur mit dem Punkt der Parität verabschiedet werden. Herzlichen Dank. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Beatrix von Storch [AfD]: Sie sollen zur Sache reden!) Präsidentin Julia Klöckner: Für Bündnis 90/Die Grünen hat nun Frau Abgeordnete Britta Haßelmann das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Frauen brauchen Schutz; Frauen haben Rechte. Und wir Frauen machen über die Hälfte der Bevölkerung aus. Wir haben ein Recht auf Gleichstellung, auf Würde, auf Macht, auf Einfluss, auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, auf ein selbstbestimmtes Leben, und das nicht nur am Internationalen Frauentag. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Liebe Frauen, liebe Männer, wir sind davon weit entfernt. Und das wissen wir; das spüren wir jeden Tag. Ich will an einen Moment in diesem Parlament erinnern, den ich von außen als Zuschauerin und junge Frau seinerzeit mit großer Bewunderung erlebt habe. Präsidentin Julia Klöckner: Entschuldigung, ganz kurz. Eine Bitte: In der ersten Reihe sich über drei Plätze hinweg zu unterhalten, ist nicht gut. (Zuruf von der CDU/CSU: Finde ich aber auch! Unmöglich!) Ich glaube, es ist angekommen. Das gilt für alle. (Beatrix von Storch [AfD]: Entschuldigung!) Bitte sehr. – Entschuldigung. Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sie können ja rausgehen, wenn Sie das nicht ertragen können. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken – Martin Reichardt [AfD]: Nein, den Gefallen tun wir Ihnen nicht! – Beatrix von Storch [AfD]: Wir diskutieren gerade die Parität!) Ich will an einen Moment im Plenum des Deutschen Bundestages erinnern, und zwar an den 5. Mai 1983. Viele der Abgeordneten, die hier sitzen, waren noch nicht geboren; ich war eine junge Frau, gerade im Studium. Es ist der Abend des 5. Mai 1983. Eine junge Abgeordnete namens Waltraud Schoppe tritt an das Pult dieses Hohen Hauses und hält ihre erste Rede: „Wir fordern die Bestrafung bei Vergewaltigung in der Ehe. Wir fordern Sie auf, endlich zur Kenntnis zu nehmen, daß auch die Frauen ein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper und ihr Leben haben. Wir fordern Sie alle auf, den alltäglichen Sexismus hier im Parlament einzustellen.“ (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken) Das waren ihre Worte. Liebe Frauen, liebe Männer hier im Parlament, ich sage Ihnen: Das gilt bis heute; denn Sexismus ist keine Petitesse. Sexismus ist ein alltägliches Erleben vieler Frauen in diesem Land, ob im Parlament, in der Politik, insgesamt in der Wirtschaft, an ihrem Arbeitsplatz, in ihrem Alltag, und dem müssen wir uns entgegenstellen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]) Das Protokoll des Deutschen Bundestages verzeichnete seinerzeit tumultartige Szenen, und ich rate allen, sich das einmal anzugucken. Es war ein Meilenstein des Feminismus; denn erstmals übte eine Abgeordnete im Deutschen Bundestag Kritik an den herrschenden Geschlechterverhältnissen im Bundestag und in der Gesellschaft und wurde dafür massiv kritisiert. (Martin Reichardt [AfD]: Kritik ist ja wohl noch erlaubt, oder nicht?) Bis heute – das wissen wir angesichts des Rollbacks in der Welt – werden diese sexistischen Strukturen und das Patriachat geleugnet. Es ist da; es gibt es. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken – Zuruf von der AfD) Wir müssen dagegen etwas tun, meine Damen und Herren; es ist unsere Aufgabe, und da spreche ich alle an. Wir Frauen machen einen Anteil von 32 Prozent im Deutschen Bundestag aus. Damit dürfen sich keine Frau und kein aufgeschlossener Mann abfinden; (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken – Beatrix von Storch [AfD]: Wählt doch einfach mehr Frauen!) denn wir repräsentieren mehr als die Hälfte der Bevölkerung hier im Land. Es gibt so viel zu tun, vom Schließen der Lohnlücke über den § 218 – denn das Selbstbestimmungsrecht ist bei der Frau – (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage zu? Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): – nein – bis hin zur Parität im Deutschen Bundestag. Ich fände es wichtig, dass wir nicht nur sagen, dass mehr getan werden muss, sondern dass Frauen auch – genauso wie in der Vergangenheit Rita Süssmuth und andere – Bündnisse schmieden, (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken) damit klar wird: Wir kommen endlich voran in all den Fragen – nur Ja heißt Ja, nicht nur Nein heißt Nein –, zum Beispiel beim § 218 – Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Ihre Redezeit ist zu Ende. Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): – und vor allen Dingen bei der Parität, liebe Frauen. Das würde ich mir wünschen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Redezeit ist vorbei. Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es ist Zeit für Bündnisse im Land. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnet Kathrin Gebel das Wort. (Beifall bei der Linken) Kathrin Gebel (Die Linke): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Neulich habe ich einen ganz interessanten Fakt gelernt: Alleinerziehende Frauen arbeiten im Durchschnitt 14 Stunden am Tag. 14 Stunden! Meine Mutter ist auch alleinerziehend; für sie war das nicht so eine Überraschung. Aber was uns dann so richtig aus den Socken gehauen hat, ist: Verheiratete Frauen, die Kinder haben, arbeiten 14,5 Stunden am Tag. Dass man einen Partner hat, sorgt anscheinend nicht für Entlastung. (Heiterkeit bei Abgeordneten der Linken, der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) – Ich sehe schon, dass das einige kennen. (Beifall bei der Linken) Anscheinend muss man dem Partner dann auch noch hinterherräumen. (Martin Reichardt [AfD]: Nee, das kommt, wenn man nur so linke Männer hat! Dann muss man denen hinterherräumen! Das ist schon richtig! Die können alleine nichts!) Ich weiß ja, dass die Union den Achtstundentag abschaffen möchte; aber 14 Stunden finde ich dann doch ein bisschen übertrieben. Da fragt man sich doch: Was machen die Frauen denn den ganzen Tag, 14 Stunden lang? Ein schönes Leben in Lifestyleteilzeit ist es ja wohl nicht. Nun, sie halten den Laden am Laufen. Neben der Erwerbsarbeit übernehmen Frauen den Löwenanteil der Sorgearbeit, also kochen, putzen, pflegen, erziehen, organisieren und nebenbei an alles denken. (Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) In der Pandemie hat man gesehen, was wirklich systemrelevant ist: Pflege, Bildung, Supermärkte, Soziales – das sind alles Bereiche, in denen mehrheitlich Frauen arbeiten. Und das alles ist schlecht bezahlt, oft prekär und trotzdem absolut unverzichtbar, wenn es denn überhaupt bezahlt wird. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD) Denn Frauen leisten in Deutschland jedes Jahr zusätzlich zu ihrer Erwerbsarbeit 72 Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit – 72 Milliarden! Im Vergleich: Das Gesamtvolumen der Erwerbsarbeit, die in Deutschland geleistet wird, liegt bei 60 Milliarden Stunden. Frauen tragen also mit ihrer unsichtbaren Arbeit die Gesellschaft. (Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]) Und was bekommen wir dafür? Finanzielle Abhängigkeit, Altersarmut, schlechteren Zugang zu Gesundheitsversorgung und einen Staat, der Gewalt gegen Frauen immer noch stiefmütterlich behandelt. Und dann stellt sich der Kanzler hin, und zwar derselbe Kanzler, der sich die letzten 30 Jahre gegen ungefähr jede Verbesserung im Frauenrecht gestellt hat, manchmal sogar gegen die eigene Fraktion, und sagt, wir sollten noch mehr arbeiten. Wofür eigentlich? Damit die Wirtschaft brummt? Die Wirtschaft strauchelt doch nicht, weil Frauen zu wenig schuften, sondern, weil Vermögen und Gewinne immer weiter oben kleben bleiben. (Beifall bei der Linken) 71 Prozent der deutschen Privatvermögen gehören Männern. Während sie Vermögen anhäufen, sagen sie den Frauen, sie sollten doch mal ein bisschen mehr schuften gehen. Ich würde sagen: Es reicht! Wenn wir am 8. März auf die Straße gehen und skandieren: „Schlechtes Wetter, harte Zeiten, für den Feminismus fighten!“, dann meinen wir genau das. Wir kämpfen auch für Umverteilung, für eine Vermögen- und Milliardärsteuer, weil Gleichstellung auch eine Frage des Geldes ist. (Beifall bei der Linken) Das ist kein Naturgesetz, das ist Politik. Und es ist unsere Aufgabe, das zu ändern. Wir können zum Beispiel erst mal das Ehegattensplitting abschaffen, das den Anreiz zu finanzieller Abhängigkeit vom Ehemann setzt. Wir könnten den Mindestlohn armutsfest machen; davon würden vor allem Frauen profitieren. (Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Wir könnten die Tarifbindung erhöhen mit einem Gesetz, das nicht verwässert ist. (Martin Reichardt [AfD]: Wo haben Sie eigentlich je gearbeitet?) – Ich habe als Reinigungskraft gearbeitet, Herr Reichardt. (Tino Chrupalla [AfD]: Zu Hause? – Martin Reichardt [AfD]: Aha!) Drittes Buch Mose, drittes Kapitel. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Wir könnten massiv in Betreuungsmöglichkeiten investieren; das wäre mal was. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist überschritten. Kathrin Gebel (Die Linke): Und was macht die Bundesregierung, meine Damen und Herren? Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist schon um einiges überschritten. Ich bitte Sie. Danke schön. (Die Rednerin hält ein Bild hoch) Kathrin Gebel (Die Linke): Eine Website. Wow! (Beifall bei der Linken – Martin Reichardt [AfD]: Ich kriege immer Ordnungsrufe, wenn ich hier was hochhalte! Da wurde ein Zettel hochgehalten!) Präsidentin Julia Klöckner: So, jetzt machen Sie sich mal locker. Diese Stunde scheint Sie heute echt ein bisschen zu beunruhigen. (Martin Reichardt [AfD]: Mich beunruhigt hier gar nichts, nur wenn hier Sachen hochgehalten werden! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn Sie das nicht aushalten, gehen Sie doch einfach raus!) – Passen Sie auf: Die Sitzungsleitung habe noch immer ich. Sie können sich gerne darum bewerben; dann wird hier gewählt. Aber ansonsten zählt noch, dass ich hier die Sitzungsleitung habe, gell? (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Martin Reichardt [AfD]: Dann trete ich an! Machen wir beim nächsten Mal! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn Sie sich auf dem Stuhl nicht halten können, gehen Sie doch einfach raus!) Nun hat für die Bundesregierung Frau Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Frau Silvia Breher das Wort. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Silvia Breher, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frauen gehören in der Landwirtschaft ganz selbstverständlich dazu, egal ob als Betriebsleiterin, als Inhaberin, als mitarbeitendes Familienmitglied oder in der Verbandsarbeit. Ich bin selber auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Meine Oma hat als Einzige ihrer Familie den Zweiten Weltkrieg überlebt und gemeinsam mit Opa den Hof aufgebaut. Meine Mama hat den Betrieb geerbt und ihn gemeinsam mit Papa fortgeführt. Ich habe als Kind, als Mädchen gelernt, dass ich alles machen darf, alles machen kann, alles werden kann, wenn ich es will, egal ob in der Landwirtschaft, in der Schule oder überhaupt im Leben. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD: Das ist schön!) Meine Mama ist am 8. Februar gestorben. Aber dass sie mir dieses Selbstverständnis im Leben, diese Selbstsicherheit im Leben, dass ich als Mädchen alles machen kann, hinterlassen hat, dafür bin ich ihr immer dankbar. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Das klingt nach perfekter Gleichstellung in der Landwirtschaft. Zur Wahrheit gehört aber auch: Meine Oma hat den Hof geerbt, Opa war der Betriebsleiter. Mama hat den Hof geerbt, Papa war der Betriebsleiter. Bis heute haben wir in der Landwirtschaft nur 11 Prozent Frauen als Betriebsleiterinnen. Als ich diese Zahl vor ein paar Tagen mit einem Mann diskutiert habe, sagte er zu mir: Aber bei den jungen Frauen sind es doch schon 18 Prozent. (Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wow!) Da habe ich gedacht: Welche Zahl ist eigentlich schlimmer? Deswegen ist es genau richtig und ein wichtiges Signal, dass die Vereinten Nationen dieses Jahr 2026 den Frauen in der Landwirtschaft widmen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]) Passend dazu haben wir vor Kurzem die Konferenz „Starke Frauen – starke Landwirtschaft“ bei uns im Ministerium abgehalten. Das war eine richtig gute Veranstaltung mit tollen Frauen, die gesagt haben, wo genau es in Sachen Gleichstellung in der Landwirtschaft noch hakt. Und auch die vielzitierte Studie „Frauen.Leben.Landwirtschaft.“ zeichnet uns ein klares Bild zur Arbeits- und Lebenssituation von Frauen. Sie hat deutlich gemacht, wo wir ansetzen müssen: bei der Altersvorsorge, bei der Absicherung, bei der Sichtbarkeit und auch bei der Vereinbarkeit. Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir müssen handeln. Und das können wir auch, zum Beispiel in der GAP. Wir begrüßen die explizite Verankerung von Maßnahmen zur Stärkung von Frauen in der GAP nach 2027. Die Studie „Gender Mainstreaming im GAP-Strategieplan“ des Thünen-Instituts enthält genau die Anhaltspunkte, wie wir gezielt die Gleichstellung von Frauen fördern können. Einen entsprechenden Beschlussvorschlag zu diesen Studienempfehlungen haben wir bei der Herbst-AMK eingebracht. Denn unser Ziel ist ganz klar: Wir müssen bei den Steuerungs- und Entscheidungsgremien lokal, aber auch in den Ländern und beim Bund noch stärker auf die Beteiligung der Frauen achten. Wir haben gemeinsam mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank ein Pilotprojekt zum Farm-Inkubator auf den Weg gebracht. Das richtet sich insbesondere an weibliche Trainees. Dabei geht es noch mal um Mentoring, aber auch um Beratung zu Existenzgründung und zur Hofnachfolge. Wir wollen geschlechtsspezifische agrarstatistische Daten besser veröffentlichen und haben ein weiteres Forschungsvorhaben gestartet, wo es um die Vermögens-, aber eben auch um die Flächenverteilung und um den Gender Pay Gap in der Landwirtschaft geht. Und: Es gibt strukturelle Hürden, die wir beseitigen müssen. Wir haben in der letzten Legislatur nach dem Auseinanderbrechen der Ampel noch zwei wichtige Meilensteine gemeinsam geschafft; ich schaue da Josephine und Ulle an. Es geht um das Gewalthilfegesetz und auch den gestaffelten Mutterschutz. Es hat uns in der Situation auch niemand zugetraut, dass wir das gemeinsam schaffen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Okay, wir haben es uns zugetraut. Aber was offengeblieben ist, ist der Mutterschutz für Selbstständige. Und wir haben uns als Bundesregierung vorgenommen und das klare Ziel gesetzt, dass wir eine praktikable Lösung für alle selbstständigen Frauen finden müssen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Erfahrungen und die Expertise von Frauen sind unverzichtbar. Das gilt in der Landwirtschaft, das gilt in der Gesellschaft, und das gilt ganz besonders auch in der Politik. Es muss unser gemeinsames Interesse sein, das gemeinsame Interesse von Männern und Frauen. Denn wir brauchen die besten Köpfe. Und auf den weiblichen Anteil an den besten Köpfen können wir einfach nicht verzichten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Wenn ich dann noch mal an unsere Konferenz bei uns im Ministerium zurückdenke: 101 Konferenzteilnehmer, darunter 13 Männer – mein Minister, unser Abteilungsleiter und der Moderator schon mitgezählt. Meine lieben Männer, das könnt ihr wirklich besser. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion Hat Frau Abgeordnete Birgit Bessin das Wort. (Beifall bei der AfD) Birgit Bessin (AfD): Frau Präsidentin! Anwesende Kollegen! Liebe Gäste! Zum Internationalen Frauentag mussten wir am 8. März statt Wertschätzung wieder die üblichen Phrasen bunter Ideologie-Raumschiffe hören: mehr Quoten, mehr Gender-Gaga, mehr weltfremde Feindbilder gegen den vermeintlich toxisch weißen Mann, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) während die wahre Gefahr für Frauen und Frauenrechte durch ein eingewandertes mittelalterliches Frauenbild ignoriert wird. (Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Wie es sich auch gerade gezeigt hat: Bei den Grünen gab es ihr erstes muslimisches Fastenbrechen hier im Deutschen Bundestag, (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war gut!) wo dann beim stattfindenden Gebet auch noch die Geschlechter getrennt wurden. Aber, meine Damen und Herren, wer die Islampolitik hier im Deutschen vorantreibt, statt sich für die deutschen Interessen einzusetzen, der hat hier einfach nichts zu suchen. (Beifall bei der AfD) Bei unserer AfD ist übrigens an 365 Tagen im Jahr Frauentag. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das sieht man an Ihrer Fraktion! – Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember jedes Jahres kämpfen wir dafür, dass sich Frauen nachts alleine, frei und sicher auf unseren Straßen und in unseren Parks bewegen können. (Beifall bei der AfD) Wir kämpfen dafür, dass bei dem Thema der sogenannten Ehrenmorde, Zwangsheiraten, Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe das Verschweigen der tatsächlichen Täterschaft beendet und endlich gehandelt wird. Deswegen treten wir auch für Remigration ein. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Wir kämpfen dafür, dass es in einem aufgeklärten Deutschland keine Frauenschutzzonen, keine Toleranztattoos und keine Armlänge Abstand braucht. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich würde ja gerne mal wissen, wie hoch die Zahl der häuslichen Gewalt bei AfD-Mitgliedern ist!) Meine Damen und Herren, was viele von Ihnen bislang vergessen haben: Die Leistung von Müttern sollte man zum Internationalen Frauentag auch einfach mal anerkennen, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wieso sind eigentlich so wenige Frauen in Ihrer Fraktion?) auch die Leistung von Müttern, die sich freiwillig dafür entscheiden, sich der Familie statt der Karriere zu widmen. (Beifall bei der AfD) Diese Frauen sind nämlich gerade nicht reaktionär und widersprechen auch nicht den Errungenschaften der Frauenrechte. „Family first“ könnte man auch mal sagen, als Handlungsziel einer Regierung, die sich dafür einsetzen möchte, dass Frauen frei entscheiden können, ob sie sich der Familie widmen möchten oder ob sie Karriere machen, ohne von Ihnen allen als reaktionär beschimpft zu werden. (Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Rasha Nasr [SPD] und Kathrin Gebel [Die Linke]) Meine Damen und Herren, zum Schluss noch mal zur Genderdebatte. (Zuruf von der Linken: Bingo!) Sie werden sicherlich alle das Urteil aus Großbritannien vom Supreme Court zum Thema „Transfrauen und Frauenrechte“ kennen. Ich zitiere aus dem „Spiegel“ vom 16.04. letzten Jahres: „Eine Frau ist eine Frau, wenn sie als biologisch weiblich geboren wurde – diese Definition hat der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs festgelegt.“ (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum sind Sie eigentlich so wenige Frauen in der Fraktion?) „Richter Patrick Hodge erklärte, das Gericht habe einstimmig entschieden, dass die Begriffe ‚Frau‘ und ‚Geschlecht‘ im Gleichstellungsgesetz sich auf eine biologische Frau und das biologische Geschlecht beziehen.“ (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Beatrix von Storch [AfD]: Hört! Hört! – Zuruf der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) „Das Urteil bedeutet, dass eine transgender Person, die Dokumente als weiblich ausweisen, im Vereinigten Königreich nicht als Frau im Sinne des Gleichstellungsgesetzes betrachtet werden sollte.“ (Beatrix von Storch [AfD]: Grüße gehen raus an Markus!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist um. Birgit Bessin (AfD): Was in Großbritannien funktioniert, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist überschritten, und wenn ich das sage, dann ist die Zeit auch überschritten. Birgit Bessin (AfD): – sollte auch in Deutschland funktionieren, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat nun Frau Abgeordnete Josephine Ortleb das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Josephine Ortleb (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was haben unser Personalausweis, die Wettervorhersage und ein Überweisungsträger der Sparkasse gemeinsam? Sie sind durch eine Frau gerechter geworden: Marlies Krämer aus meinem Wahlkreis, eine Kommunalpolitikerin, eine Feministin, eine Kämpferin. Denn jahrelang war es selbstverständlich, dass sowohl Personalausweise als auch Bankkonten nur „Inhaber“ hatten. Jahrelang haben wir akzeptiert, dass Wetterhochs, die das gute Wetter bringen, Karl oder Gustav hießen, während die Tiefs mit dem Regen und den Stürmen nach Laura oder Sophie benannt wurden. (Martin Reichardt [AfD]: Ei, das sind ja ganz wichtige Erfolge! Das sind die ganz wichtigen Sachen!) Aber heute sprechen wir selbstverständlich von „Kontoinhaberinnen“ und nennen ein Tiefdruckgebiet auch mal „Friedrich“ – dank Marlies Krämer. (Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beifall der Abg. Dr. Matthias Miersch [SPD] und Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Nicole Höchst [AfD]: Wir haben echte Probleme im Land! – Martin Reichardt [AfD]: Mein Gott!) Sie hat die Ungerechtigkeiten erkannt, sie hat sie benannt, und sie hat sie bekämpft. Sie hat den Unterschied gemacht. Und genau deshalb ist sie eine Vorreiterin. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Martin Reichardt [AfD]: Ja! In den Untergang! In den Unsinn ist sie vorangeritten! Das sind doch wirklich nicht die Probleme, die irgendwer braucht!) Es sind oft die vermeintlich kleinen Dinge, die das große Ganze prägen. Es sind Frauen wie Marlies Krämer, die nie akzeptiert haben, dass Ungleichheit einfach als Normalität durchgeht. Marlies Krämer ist Anfang des Jahres mit 88 Jahren verstorben. Ihr Lebenswerk hat gezeigt: Fortschritt entsteht, wenn Menschen auch mal unbequem bleiben, wenn sie widersprechen, wenn sie beharrlich sind. Marlies Krämer hat sich nicht einreden lassen, ihre Forderungen seien zu klein, zu unwichtig, zu lästig oder es sei gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Sie ist drangeblieben. Beharrlichkeit und der Kampf für echte Gleichberechtigung waren ihre Stärke. Das ist die Botschaft ihres Wirkens. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Diana Herbstreuth [CDU/CSU]) Frau Bessin, ehrlicherweise, auch Sie und ihre Kolleginnen stehen auf den Schultern dieser Frauen. Sie haben das für uns erkämpft, dass Sie hier sitzen können. (Birgit Bessin [AfD]: Und Sie machen es kaputt!) Deswegen ist ihre Rede und Ihr Herbeiwünschen dieses Rollbacks eine Schande für solche Frauen, für Frauen wie Waltraud Schoppe, wie Marlies Krämer, wie Rita Süssmuth. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage aus den Reihen der AfD zu? Josephine Ortleb (SPD): Nein, vielen Dank. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, es waren schon immer einzelne Frauen, die die großen und kleinen Fortschritte in der Gleichstellung erkämpft haben. Es ist unsere Aufgabe, hier im Parlament dafür zu sorgen, dass Gleichberechtigung auch tatsächlich die Grundlage unserer Demokratie ist. Sie muss sich widerspiegeln in Gesetzen, in Haushalten, in Entscheidungen und, ja, auch in der Sprache. Also lassen Sie uns hier in diesem Haus beharrlich sein! Liebe Ministerin, lassen Sie uns gemeinsam den Unterschied machen, jetzt konkret noch in diesem Jahr! (Martin Reichardt [AfD]: Sie kümmern sich um Überweisungsträger!) Lassen Sie uns jetzt dafür sorgen, dass Frauen genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, mit einer Eins-zu-eins-Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie! Lassen Sie uns jetzt dafür sorgen, dass jeder Schwangeren der gleiche Schutz zusteht – mit der Einführung des Mutterschutzes für Selbstständige! (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken) Lassen Sie uns jetzt dafür sorgen, dass Frauen die medizinische Versorgung bekommen, die ihnen zusteht – mit einer Verbesserung der Versorgungslage bei Schwangerschaftsabbrüchen! Wir als SPD sind bereit. (Beifall bei der SPD) Marlies Krämer hat mir schon als junge Politikerin gezeigt, dass Veränderungen möglich sind – gegen Spott, gegen Widerstände, auch gegen den Zeitgeist. Deswegen widme ich ihr heute meine Rede in dem Wunsch, dass wir ihren Kampf und das Lebenswerk vieler Vorreiterinnen für die Gleichstellung, von denen wir heute gehört haben, weiterführen – mit Klarheit, mit Entschlossenheit und mit Beharrlichkeit. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Die Möglichkeit zu einer Kurzintervention hat Frau Abgeordnete Birgit Bessin; sie ist angesprochen worden. Bitte. Birgit Bessin (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Frau Kollegin, jemanden ansprechen und dann die Frage nicht zulassen: Kann man machen. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, kann man! – Zurufe von der SPD) Sie haben mir vorgeworfen, wir würden ein Rollback der errungenen Freiheitsrechte der Frauen vollziehen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ist es ja auch! Sie sind der Inbegriff davon!) Genau deswegen habe ich mich jetzt gemeldet, weil ich das absolut zurückweisen möchte. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gucken Sie doch mal in Ihr Wahlprogramm! Gucken Sie sich mal die Rede von Frau von Storch an!) Die Frauenrechte, die unsere Vorfahren in den letzten Jahrzehnten errungen haben, auf deren Errungenschaften trampeln Sie heutzutage alle rum. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben mit Frauengleichstellung nichts zu tun!) Auf der einen Seite importieren Sie ein mittelalterliches Frauenbild nach Deutschland. Auf der anderen Seite treiben Sie den Kulturkampf zwischen Männern und Frauen massiv nach vorne, indem Sie hier das Selbstbestimmungsgesetz beschlossen haben. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Selbstbestimmung von Frauen! Die Gleichstellung! Der Schutz von Frauen!) Sie sorgen dafür, dass Männer in die Schutzräume von Frauen eindringen und 14-, 15-jährige Jungs sich heutzutage in Mädchenumkleiden umziehen können (Zuruf der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) und Mädchen das ertragen müssen, wenn ein biologischer Junge für sich als 14-Jähriger entscheidet, das Geschlecht zu wechseln. Wie fühlen sich heutzutage die Mädchen in der Pubertät, wenn sie sich selbst noch entwickeln und auf einmal ein biologischer Junge beim Schwimmunterricht in der Mädchenumkleide steht? Meinen Sie, das ist die Freiheit, für die die Frauen früher gekämpft haben? Das wage ich zu bezweifeln! (Beifall bei der AfD – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir reden hier heute über Geschlechtergerechtigkeit!) Präsidentin Julia Klöckner: Die Möglichkeit zur Antwort hat Frau Ortleb. Bitte. Josephine Ortleb (SPD): Frau Bessin, all das, was Sie gerade gesagt haben, beweist, dass es eigentlich eine gute Idee war, die Frage nicht zuzulassen. Denn das war alles nur Unfug, was Sie gerade geredet haben. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]) Sie sind die Fraktion und Partei, die den Kulturkampf vorantreibt. Sie sind das. (Birgit Bessin [AfD]: Nein! Sie haben es beschlossen, nicht wir!) Wir sind diejenigen, die an der Seite der Frauen in diesem Land stehen, (Martin Reichardt [AfD]: Sie stehen höchstens an Ihrer eigenen Seite!) an der Seite der Frauen, die ganz reale Probleme haben, (Birgit Bessin [AfD]: Ja, das sieht man!) die eine Lohnlücke zu verzeichnen haben, die, wenn Sie Mütter werden, kaum Vereinbarkeit hinbekommen. (Tino Chrupalla [AfD]: Wer regiert denn? – Martin Reichardt [AfD]: Wie lange regieren Sie schon?) Und wir sind diejenigen, die daran was ändern und nicht immer nur von Kulturkampf reden und spalten wollen. (Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken – Martin Reichardt [AfD]: „Überweisungsträger“!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun Frau Abgeordnete Ulle Schauws das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Kolleginnen und Kollegen! Im Jahr 2026 ist die Realität für viele Frauen von Ungleichheit geprägt. Sie verdienen immer noch weniger als Männer, arbeiten mehr unbezahlt, sind in Führungspositionen und Parlamenten unterrepräsentiert – und Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig. Die Epstein-Files haben alle erschüttert. Und sie zeigen, wie tief verwurzelt das systemische Versagen im Umgang mit sexuellem Missbrauch und Ausbeutung von Mädchen und Frauen ist. Wir sehen es auch in den Kirchen. Solche Systeme funktionieren in patriarchalen Strukturen. (Martin Reichardt [AfD]: Das hat bei den Grünen auch lange funktioniert, wenn ich mich an die 80er-Jahre erinnere! – Gegenruf der Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Unverschämt! – Gegenruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]: Das ist die Wahrheit!) Die Opfer werden zum Schweigen gebracht, oft vor Scham, und die Täter, sie werden gedeckt – von vielen, von einem System, in dem Männer nichts befürchten müssen. Das muss enden! Diese Enthüllungen sind ein Weckruf! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken) Was notwendig ist, ist eine Bundesregierung, die endlich anpackt. Frau Ministerin, Sie haben bislang nichts wirklich vorgelegt. Wo bleibt die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bis Juni 2026 Gesetz sein muss? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Wir haben noch nicht mal einen Referentenentwurf. Dabei wäre diese Richtlinie ein echter Gamechanger für Frauen und für den Abbau des Gender-Pay-Gaps. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Oder wo bleibt die Reform des Gewaltschutzes? Ja, die Fußfessel soll kommen – die nach dem spanischen Modell, wie die Regierung betont. Aber in Spanien ist die Fußfessel ein kleiner Teil eines großen, finanzstarken Ganzen. Es sind Gewaltschutzmaßnahmen, einschließlich Prävention, Schutz und Strafverfolgung. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gewaltschutz ist ein sogenannter Organic Act mit Verfassungsrang. Und das fehlt bei Ihnen. Es muss die Reform des Sorge- und Umgangsrechts kommen, die häusliche Gewalt endlich stärker berücksichtigt und gewaltbetroffene Frauen und Kinder nach Trennungen schützt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]) Machen Sie das, und machen Sie es richtig! Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gisèle Pelicot hat uns allen den Spiegel vorgehalten mit ihrem Satz: „Die Scham muss die Seite wechseln!“ Genau so ist es. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Saskia Esken [SPD] und Kathrin Gebel [Die Linke]) Deswegen ist eine Reform des Sexualstrafrechts überfällig – eine Reform, die einen Konsens mit „Nur Ja heißt Ja“ voraussetzt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) In 15 Ländern Europas gibt es „Ja heißt Ja“-Gesetze bereits. Wie lange wollen Sie noch warten? Entschiedenes Regierungshandeln in Verantwortung für die Geschlechtergerechtigkeit, das muss jetzt Priorität haben. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir erwarten, dass Sie sich mit geradem Rücken gegen die Rechten und deren Kulturkampf gegen Frauenrechte aufstellen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Hören Sie auf, sich an Worten wie „Gender“ abzuarbeiten! Es sind weltweit gerade die Autokraten, die den Pushback von Frauenrechten wollen, (Nicole Höchst [AfD]: Autokraten aus Afghanistan zum Beispiel!) die patriarchale Macht wieder stärken und Geschlechtergerechtigkeit zerschlagen wollen und dies als Kampf gegen die sogenannte Genderideologie ausrufen. (Martin Reichardt [AfD]: Es sind ja Autokraten, die Sie in den Bundestag einladen! Da kommen die patriarchalen Verhältnisse her!) – Wir haben es gerade gehört, und wir hören es jetzt wieder lautstark von der rechten Seite. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke]) Frau Ministerin, wir waren gerade zusammen bei der UN-Frauenrechtskonferenz in New York. Wir waren live dabei, als in der UN vor allem Trumps Regierung versucht hat, im Beschlusstext die bestehenden Frauen- und Menschenrechte massiv zurückzuwerfen. Es ist ihnen nicht gelungen – die USA standen isoliert da. Darum appelliere ich an Sie und an die Regierungsfraktionen: Deutschland muss ein starker Player sein beim Kampf gegen die Angriffe auf Frauenrechte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Gabriela Heinrich [SPD]) Auf uns in Deutschland wird geschaut, liebe Kolleginnen und Kollegen. Und wieso gerade Sie als Ministerin die sehr geringen Fördersummen zum Beispiel für einen Feministischen Juristinnentag oder für Pro Quote Regie streichen, das kann ich nicht nachvollziehen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Gleichstellung ist eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Wir müssen für ein gerechteres und sichereres Leben für Frauen kämpfen und dürfen nicht zurückweichen. Push back the Pushback! Danke. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Julia-Christina Stange das Wort. Bitte. (Beifall bei der Linken) Julia-Christina Stange (Die Linke): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! „Brot und Rosen“ – dieser Ruf der Frauenbewegung von 1911 steht bis heute für zwei zentrale Forderungen: soziale Sicherheit und ein Leben in Würde und Selbstbestimmung. Mehr als 100 Jahre später fehlen beide nach wie vor in der Gesundheitspolitik. Denn Gleichberechtigung bedeutet eine Medizin für den weiblichen Körper. Genau das fehlt bis heute. (Beifall bei der Linken sowie der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wenn Frauen heute später diagnostiziert werden, länger auf Behandlungen warten oder häufiger Nebenwirkungen erleben, dann liegt das nicht an ihren Körpern, sondern an Strukturen, die ihre Gesundheit über Jahrzehnte hinweg nicht ausreichend berücksichtigt haben. Die Folgen liegen klar auf der Hand. Herzinfarkte bei Frauen werden später erkannt, weil ihre Symptome anders sind. Erkrankungen wie Hormonstörungen, etwa das Polyzystische Ovarialsyndrom, PMS und PMDS, oder auch ADHS werden oft erst nach Jahren oder gar nicht diagnostiziert. Auch bei Medikamentenwirkungen zeigen Studien, dass Nebenwirkungen bei Frauen häufiger auftreten. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Frauengesundheit ist kein Nischenthema. Dieses medizinische System, das über Jahrhunderte patriarchale Strukturen zulasten der Gesundheit und Lebensqualität von Frauen reproduziert hat, muss korrigiert werden. Die Initiative „Feministische Medizin“ hat eindrückliche Beispiele dafür gesammelt, was es für Frauen bedeutet, wenn sie nicht ernst genommen und nicht diagnostiziert, sondern ihre Symptome psychologisiert werden. Eine Frau bekam zu hören – ich zitiere –: „Das ist alles in Ihrem Kopf“, bis sie nach zehn Jahren einen Herzklappenfehler diagnostiziert bekam. Eine andere Frau hörte: „Schmerzen sind bei Frauen normal“, bis sie nach 13 Jahren erfuhr, dass sie an Endometriose leidet, und eine weitere: „Das ist Prinzessinnenohnmacht und Hysterie“, bis sie nach 22 Jahren endlich ihre ADHS-Diagnose bekam. Das sind nur wenige Beispiele, und damit muss Schluss sein. Es geht um Geschlechtergerechtigkeit auch in der Medizin. (Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Eine moderne Gesundheitspolitik muss dafür sorgen, dass die gesundheitlichen Realitäten von Frauen systematisch berücksichtigt werden, anstatt sie zu bagatellisieren. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Frauengesundheit bedeutet auch Versorgungsgerechtigkeit. Das sehen wir besonders deutlich in der Geburtshilfe. Geburtsstationen schließen, Wege werden länger, Personal arbeitet am Limit. Eine sichere Geburtshilfe darf keine Frage der Postleitzahl sein. Das gilt auch für die Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen. Der Zugang ist in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr selbstverständlich. Das Thema gehört in die medizinische Ausbildung und muss dort verankert sein, sonst schaffen wir den Versorgungsmangel von morgen. Im Kern geht es aber um etwas Grundsätzliches. Es geht um Selbstbestimmung, darum, dass alle Menschen darauf vertrauen können, dass medizinische Versorgung erreichbar ist – ohne lange Wege. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Redezeit ist abgelaufen. Julia-Christina Stange (Die Linke): Selbstbestimmung darf nicht an Strukturen scheitern. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Julia-Christina Stange (Die Linke): Der 8. März erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung niemals selbstverständlich war. Vielen Dank. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Frau Abgeordnete Dr. Anja Weisgerber das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Bundestagspräsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir begehen heute den ersten Internationalen Frauentag in dieser Legislaturperiode. Für mich ist das mehr als ein symbolischer Anlass. Es ist die Gelegenheit, unsere Grundüberzeugungen klar zu benennen und deutlich zu machen, wofür wir stehen. Wir stehen für das christliche Menschenbild, für die unantastbare Würde jedes Einzelnen, für Freiheit, für Verantwortung, für Eigenverantwortung, für die soziale Marktwirtschaft und für die Familien als die tragende Säule unserer Gesellschaft. (Beifall bei der CDU/CSU) Im Zentrum steht für uns die klare Überzeugung, dass Frauen und Männer die gleiche Würde und die gleichen Rechte besitzen. Daraus folgt unser Auftrag, gleiche Chancen in Bildung, Beruf und Politik zu schaffen. Zugleich sagen wir: Freiheit bedeutet immer auch Eigenverantwortung. Der Staat muss faire Rahmenbedingungen setzen; aber er kann und soll nicht jede Lebensentscheidung ersetzen. Echte Gleichberechtigung entfaltet sich dort, wo Menschen ihre Möglichkeiten selbstbewusst nutzen und Verantwortung für ihren eigenen Weg übernehmen. Genau das verdient Respekt und Unterstützung. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Vor diesem Hintergrund verstehen wir auch den Begriff der Wahlfreiheit. Für uns bedeutet er: Jede Frau soll arbeiten können, wenn sie das will. Jede Frau soll Karriere machen können, wenn sie das anstrebt. (Martin Reichardt [AfD]: Das ist von uns!) Aber genauso muss es respektiert werden, wenn Paare sich für andere Modelle entscheiden: für Teilzeit, für Familienphasen oder auch für die klassische Aufgabenteilung. (Zuruf von der AfD: Hört! Hört!) Diese Entscheidung verdient Respekt und nicht Bewertung. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD – Martin Reichardt [AfD]: Aber Anträge gibt es von Ihnen dazu nie! Und Gesetze gibt es auch nie!) Der Staat muss sie ermöglichen und fördern. Dabei richten wir unseren Blick besonders auf diejenigen, die im Alltag vor besonderen Herausforderungen stehen. Alleinerziehende tragen eine enorme Verantwortung, oft unter schwierigen Bedingungen. Sie leisten jeden Tag Außergewöhnliches. Deshalb brauchen sie ganz besonders unsere konkrete und verlässliche Unterstützung – nicht nur Worte, sondern Taten. Dazu gehört eine finanzielle Förderung, wie zum Beispiel das Kindergeld und ein weiterer steuerlicher Entlastungsbetrag für Alleinerziehende. Dazu gehören – wenn nötig – auch Kinderzuschlag, Wohngeld sowie Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket sowie der Unterhaltsvorschuss. Aber genauso entscheidend ist die Infrastruktur. Gute Betreuungsangebote sind der Schlüssel, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren; und das für alle Frauen. (Beifall bei der CDU/CSU) Deshalb setzen wir auf den weiteren Ausbau und die qualitative Verbesserung von Kitas und Ganztagsschulen. Denn eines ist klar: Wer Verantwortung für Kinder trägt, der darf damit nicht alleingelassen werden, sondern muss gestärkt werden. Das gilt ebenso für Frauen, die Gewalt erfahren. Ob häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch oder Ausbeutung, hier gilt ohne Einschränkung: Der Staat hat hier einen klaren Schutzauftrag, und den muss er wahrnehmen. Deshalb haben wir den Gewaltschutz gestärkt und das Gewaltschutzgesetz weiterentwickelt – mit klaren Eingriffsmöglichkeiten für die Behörden, mit besseren Schutzanordnungen und mit der Möglichkeit der elektronischen Aufenthaltsüberwachung für besonders gefährliche Täter. Wer Gewalt ausübt, der muss wissen: Der Staat sieht hin; der Staat handelt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]) Der Schutz der Opfer steht für uns an erster Stelle. Ein weiterer zentraler Bereich ist die Frauengesundheit. Noch immer werden viele gesundheitliche Themen von Frauen zu wenig beachtet – in der medizinischen Forschung, in der Versorgung, in der öffentlichen Wahrnehmung. Ob Endometriose, ob Schwangerschafts- und Geburtsmedizin, ob Wechseljahre: Frauen verdienen eine Medizin, die ihrer Lebensrealität entspricht und sie ernst nimmt. Wir brauchen mehr Forschung zur Frauengesundheit und eine bessere Versorgung. Danke an Dorothee Bär und danke an Nina Warken, die diese Themen jetzt konsequent angehen! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Eine gute Frauenpolitik denkt ganzheitlich. Sie verbindet Freiheit mit Verantwortung und Eigeninitiative mit Solidarität. Sie stärkt Familien. Sie schützt Betroffene. Wenn Frauen ihre Talente entfalten können, wenn Familien Unterstützung erfahren und wenn jeder Mensch seinen eigenen Weg frei gehen kann, dann stärkt das nicht nur die Frauen, sondern unser ganzes Land. Danke. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat nun Frau Abgeordnete Nicole Höchst das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Nicole Höchst (AfD): Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin eine Frau der Generation X. Wir sind nachts durch Parks gegangen ohne Handy, ohne Tracking-App und ohne Angst vor dem, was uns heute als Bereicherung verkauft wird. (Kathrin Gebel [Die Linke]: Ja, da gab es die AfD noch nicht!) Wir mussten nicht zwischen Familie, Beruf und Selbstverwirklichung wählen, weil die Entscheidung für Mutterschaft und Familie möglich war, ohne die Familie finanziell ins Abseits zu stellen. Wir waren frei. (Beifall bei der AfD) Heute können viele von Ihnen gar nicht mehr sagen, was überhaupt eine Frau ist. Eine denkbar schlechte Voraussetzung für Frauen und Familienpolitik, meinen Sie nicht? (Beifall bei der AfD) Wir brauchen keine Quoten, die unsere Leistungen entwerten, oder Programme, die Fürsorge und Muttersein als reaktionär und rückständig diffamieren. (Kathrin Gebel [Die Linke]: Sieht man ja, wie gut das bei der AfD funktioniert!) Wir haben echte Probleme. Frauen sind gezwungen, nachts Umwege zu gehen, männliche Begleitungen zu suchen. Unser stiller Rückzug aus Gefahrenzonen wie Nahverkehr, (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie mal was zu häuslicher Gewalt!) Schwimmbädern, Stadtbildern macht Frauen jeden Tag ein bisschen unsichtbarer, nicht das fehlende Gendersternchen. Schauen wir doch mal nach Afghanistan. Dort wird Frauen und Mädchen systematisch das genommen, was hier als selbstverständlich gilt: (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie wollen doch alle abschieben! – Dr. Ralf Stegner [SPD]: Höchst heißen, tief sinken!) Bildung, Teilhabe am öffentlichen Leben – wenn, dann geht das dort nur voll verschleiert –, medizinische Versorgung, weil Männer fremde Frauen nicht anfassen dürfen. Frauen sterben in Afghanistan wegen unterlassener Hilfeleistung. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Als wenn Sie irgendetwas für afghanische Frauen täten! Machen Sie sich mal ehrlich! Unfassbar!) Männer dort entscheiden über das Leben der Frauen, ihre Bewegungsfreiheit, ihre Zukunft, einfach alles. Wenn Sie unsere Frauen tatsächlich schützen wollen, warum lassen Sie dann Tausende von Männern aus Afghanistan, wo Frauen systematisch entrechtet werden, hier einfliegen? Deren Frauenbild und Prägung bleibt doch nicht an der Grenze zurück, meine Damen und Herren! (Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und hier in Deutschland? Jeder zweite Muslim unter 40 befürwortet die Scharia. Das war’s dann mit den Frauenrechten, meine sehr verehrten Damen und Herren. Tolle Zukunftsaussichten! (Beifall bei der AfD – Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie wollen die Frauen zurück an den Herd bringen!) Ignorieren wir diese Entwicklungen, riskieren wir das endgültige „Ade christliches Abendland“. Dann: Willkommen im Patriarchat Germanistan! (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Das will auch die Mehrheit der hier lebenden Muslime nicht. (Rasha Nasr [SPD]: Sie verstehen gar nichts von Nächstenliebe! – Zuruf der Abg. Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Noch nicht. (Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Die selbsternannten Vorkämpfer/-innen/-innen/-innen/-innen/-innen (Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD) für Gleichberechtigung auf Überweisungsträgern (Zurufe von der SPD) schauen bei genau diesen Entwicklungen viel zu häufig weg oder relativieren sie. Sie lassen die Frauen im Stich. Sie sind alle Heuchler. (Widerspruch bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Schluss mit kulturellen und religionssensiblen Ausreden! Hören Sie auf mit der Frauentagsfolklore, und beenden Sie endlich die Politik, die Frauen und Mädchen schleichend, (Zurufe der Abg. Holger Mann [SPD] und Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) aber unaufhörlich einwandernden und heranwachsenden islamistischen Patriarchatsvertretern unterwirft! (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie mal was zu Epstein!) Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben keinen Ton zu Epstein gesagt! Wie ist es denn damit?) Präsidentin Julia Klöckner: Frau Abgeordnete, ich will eine kurze Bemerkung machen. Wir haben uns geeinigt, auch im Ältestenrat, dass wir uns nicht persönlich herabwürdigen und nicht alle anderen etwa als „Heuchler“ bezeichnen. Ich bitte, das – – (Zurufe von der AfD: Oah!) – Na ja, gut. Ich meine, es ist ja schön, dass Sie alle jetzt die Hände heben und sagen: Schade! (Zuruf des Abg. Jörn König [AfD]) Sie sind es, die sich auch immer im Ältestenrat beschweren, wenn Sie selber so genannt werden. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beatrix von Storch [AfD]: Aber nicht wegen „Heuchler“! Wegen „Nazi“! Ist ja wohl auch richtig!) Insofern bitte ich, das einfach zur Kenntnis zu nehmen. Die Regeln, wie wir miteinander reden, geben wir uns selbst. Regeln sind deshalb Regeln, weil sie betroffenheitsunabhängig gelten. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Martin Reichardt [AfD]: Hm!) Wir fahren in der Debatte fort. Jetzt hat für die Fraktion der SPD Frau Abgeordnete Carmen Wegge das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Carmen Wegge (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Die heutige Debatte eignet sich wunderbar dafür, um hier mal in die Runde zu fragen: Wer von Ihnen hier im Raum glaubt wirklich, dass Frauen gleichberechtigt sind? Gerne einfach mal Hand hoch! – (Birgit Bessin [AfD]: Was? Noch mal die Frage!) Ach! Niemand meldet sich. (Martin Reichardt [AfD]: Wir machen hier keine Scheinabstimmungen!) Und genau das ist richtig: Wir sind es nicht. Und das ändern wir auch nicht durch Gesetze. Das Problem sitzt tiefer und beginnt schon bei unserem Denken. Hier einfach mal ein paar Beispiele: Wenn eine Frau mit vielen Männern schläft, wird sie als „Schlampe“ bezeichnet. Tut ein Mann dasselbe mit vielen Frauen, nennt man ihn „Casanova“. (Zuruf der Abg. Nicole Höchst [AfD]) Postet ein Mann ein Foto ohne Shirt im Fitnessstudio, denkt man sich: Wow, der hat aber gut trainiert. – (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oder auch nicht!) Tut eine Frau das Gleiche und zeigt etwas Haut, dann will sie – seien wir mal ehrlich – doch eigentlich nur Aufmerksamkeit. (Martin Reichardt [AfD]: Wenn sich Männer die Bilder angucken, dann sind wir auch wieder doof, weil das ist dann Sexismus!) Wollen Frauen Kinder haben, dann aber bitte nicht zwischen 28 und 40. Will man keine Kinder, ist man übrigens eine kalte Karrierefrau. Und Männer? Ach ja, die haben einfach Kinder, aber niemanden interessiert’s. Übrigens: Männer verursachen doppelt so viele Autounfälle wie Frauen in Deutschland. Trotzdem gibt es Tausende Witze darüber, dass Frauen schlecht Auto fahren würden. Hä? (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Martin Reichardt [AfD]: Ein Witzverbot sollte mal gefordert werden!) Frauen wird gesagt, sie sollen sich schützen: Selbstverteidigung, kein „provokantes“ Verhalten, im Zweifel Pfefferspray. Und wenn dann etwas passiert, fragen wir die Frauen: Was hattest du an? – Wir als Gesellschaft reden nie über die, die angegriffen haben. Stattdessen geben wir den Opfern die Verantwortung. (Martin Reichardt [AfD]: Sie reden doch nie über die, die angegriffen haben! Sie wollen doch die Hintergründe verschweigen!) Und das Ganze hat, wie man jetzt sieht, System – ein System, das vor allem von Männern gestützt wird. Ein weiteres Beispiel: Zehn Männer sind in einem Raum. Ein Mann macht einen sexistischen Spruch. Einige lachen, andere finden es nicht witzig, sagen aber nichts. (Nicole Höchst [AfD]: Und andere kontern!) Niemand widerspricht. Niemand sagt: Das ist falsch. – Und am Ende gehen neun Männer nach Hause und denken: Ich bin einer von den Guten. – Aber genau dieses Schweigen hält das System am Leben – (Beatrix von Storch [AfD]: Mimimi! Meine Güte!) ein System, (Martin Reichardt [AfD]: Welches System denn eigentlich?) in dem Frauen nicht gleichberechtigt sind, ein System, in dem wir kleingemacht werden und um jeden Millimeter Freiheit kämpfen müssen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Martin Reichardt [AfD]: Also in der SPD herrschen wirklich schlimmste Zustände, wenn ich das hier höre! Herr Wiese, ist das so bei Ihnen?) Wenn wir dieses System durchbrechen wollen, wenn wir ernsthaft möchten, dass Frauen gleichberechtigt sind in diesem Land, dann müssen auch wir genau hier in diesem Haus bei uns selbst anfangen. Ich sehe hier 630 Stühle. Auf 315 sollten Frauen sitzen. (Beatrix von Storch [AfD]: Ich denke, es sind 100 Geschlechter!) Hier sollten 111 Frauen mehr sein als jetzt. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Warum? Damit Frauen wissen, dass sie sagen können, was sie wollen, dass sie tragen können, was sie wollen, dass sie sein können, wer sie wollen. Weil Frauen die Hälfte der Macht gehört. Weil Frauen gleichberechtigt sein sollten. (Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage zu? – Sie sind schon am Ende Ihrer Rede? Das ist noch vor Ende Ihrer Redezeit. Carmen Wegge (SPD): Ich bin eigentlich fertig, genau. Präsidentin Julia Klöckner: Dann muss ich sagen: Es ist keine Zwischenfrage mehr möglich. – Danke schön. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Nun hat für die AfD der Abgeordnete Herr Martin Reichardt das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Der einzige Mann! – Gegenruf der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nicht ernst zu nehmen! Unfassbar!) Martin Reichardt (AfD): Frau Präsidentin! Werte Damen und Herren! Die Gleichberechtigung ist ein hohes Gut, insbesondere in unserer Kultur. Nutzen wir diese Debatte daher für eine ehrliche und grundsätzliche Betrachtung des Verhältnisses von Frauen und Männern! (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reden Sie bitte nicht über Frauen! Das ist eine Zumutung!) Dieses Verhältnis kulminiert in dem von jeder Rettung aus Notsituationen bekannten Satz: „Frauen und Kinder zuerst!“, einem Satz, der nicht etwa aus patriarchaler Hybris geboren worden ist, sondern aus dem tief in uns verankerten Wissen um die wahre Natur des Menschen und seine Erhaltung in der Welt. (Zurufe der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Zum Ausdruck kommt dieses Wissen in den selbstbewussten Sätzen von Birgit Kelle, CDU: Wir Mütter tragen die Zukunft! Wir sind die Avantgarde! Ohne uns kein Leben! (Beifall bei der AfD) In diesen Sätzen tritt ein absolut berechtigtes Selbstbewusstsein zutage, dem man als Mann nur ehrfürchtig zustimmen kann. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Zurufe von der SPD: Oah!) Ich möchte, da es Frau Kelle vielleicht aus Bescheidenheit nicht getan hat, diesen Gedanken zu Ende führen. (Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Das von Frau Kelle zu Recht angebrachte Selbstvertrauen findet seinen stärksten Widerhall in dem Satz: Frauen und Kinder zuerst! (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist eine Zumutung an so einem Tag, in so einer Debatte!) Frauen sollen genau aus dem Grund, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reden Sie nicht über Frauen!) den Frau Kelle genannt hat, zuerst gerettet werden, weil sie die Träger des Lebens sind (Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD]) und als solche zweifellos wertvoller als wir Männer, meine Damen und Herren. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da hat’s einer schwer im Leben!) Sprechen wir daher diesen großen Satz noch einmal aus: Frauen sind in ihrer Eigenschaft als Träger des Lebens der wertvollere Teil der Menschheit. Wir Männer haben die Aufgabe, die Versorgung und den Schutz unserer Frauen und Kinder zu gewährleisten, (Zuruf der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) woraus sich die politische Forderung ergibt, dass Frauen und Männer gemeinsam einen Staat schaffen, der seine Frauen und Kinder gleichberechtigt schützt, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD] – Weiterer Zuruf von der Linken: Schutz vor wem?) Eine Funktion, in der wir Männer allerdings immer häufiger versagen, weil man uns das, was uns zum Mann macht, aberziehen will. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie doch mal was zu den Epstein-Files!) Das Endstadium dieser Degeneration kann man insbesondere hier im linken Bereich des Plenums erkennen. (Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der SPD-Fraktion zu? Martin Reichardt (AfD): Also von der Frau Esken natürlich gerne. Das ist sehr leicht zu parieren. (Heiterkeit und Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Das muss man ja nicht einordnen, sondern einfach nur zulassen. – Bitte sehr. (Ulle Schauws BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch kein Theater hier, Herr Abgeordneter! Was machen Sie aus diesem Parlament? – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was wollen Sie eigentlich hier in der Debatte?) – Entschuldigung! Seien Sie mal ganz locker! Jetzt sind wir bei der Frage von Frau Esken. Bitte sehr. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der Mann ist eine Zumutung!) – Leute, mal ganz ruhig jetzt! (Tino Chrupalla [AfD]: Frau Haßelmann, Sie können rausgehen!) – Echauffierungen, die mit Echauffierungen beantwortet werden, sind dann auch noch mal Echauffierungen. Deshalb lassen wir das jetzt. Jetzt ist Frau Esken dran. Bitte sehr. Saskia Esken (SPD): Lieber Kollege Reichardt, nachdem Sie Frauen und Kinder gerade als gleichberechtigt dargestellt haben, kennen wir Ihr Frauenbild. Aber ich würde gerne mal wissen, was Sie als Mann ausmacht. Sie haben ja gerade gesagt, das würde man Ihnen aberziehen wollen. Was macht Sie als Mann aus? Da bin ich gespannt drauf. Das würde ich gerne erfahren. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Martin Reichardt (AfD): Das kann ich Ihnen sagen, Frau Esken. Mich macht zum Beispiel als Mann aus, (Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Agilität!) dass ich Vater von drei Kindern bin, (Nicole Gohlke [Die Linke]: Wow! – Zuruf der Abg. Dr. Lena Gumnior [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) der alles, was man in einer Familie zu tun hat – vom Wickeln meiner Kinder bis zum Zufüttern, – (Zurufe von der SPD und der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Ganz kurz, ich habe die Zeit angehalten. – Ich bitte jetzt aber auch um Respekt von Ihrer Seite. Sie können sich nicht beschweren, dass andere reinrufen, wenn Sie es selbst auch machen. Also Leute! Es ist doch nicht so schwer, sich hier an die Regeln zu halten. – Bitte sehr, Sie haben jetzt allein das Wort für die Antwort. Martin Reichardt (AfD): – selbst getan hat, der es gern getan hat und der niemals zu Hause diesen über uns von Ihnen ausgekippten patriarchalen Mumpitz vollzogen hat, den Sie uns immer unterstellen wollen, den es auch in unserer Fraktion gar nicht gibt, Frau Esken. (Beifall bei der AfD – Lachen bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Darüber hinaus, Frau Esken, war ich zwölf Jahre lang Soldat und habe als Offizier der Bundesrepublik Deutschland treu gedient, und das in meiner Eigenschaft als Mann. Denn ich nehme es sehr ernst, dass wir als Männer dieses Land schützen (Carmen Wegge [SPD]: Frauen auch! – Dr. Matthias Miersch [SPD]: Frauen sind auch Soldatinnen! – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) und dass wir uns auch im Zweifel für dieses Land hergeben und auch für Sie unser Leben einsetzen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Fahren Sie bitte fort. Die Zeit läuft weiter. Sie dürfen. Bitte. Martin Reichardt (AfD): Gut. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Wer hat Ihnen denn den Verstand aberzogen?) Präsidentin Julia Klöckner: Also, Entschuldigung! Jetzt machen wir noch mal – – Martin Reichardt (AfD): Sie können dem Herrn gerne eine Zwischenfrage zulassen. Präsidentin Julia Klöckner: Passen Sie mal auf! Das haben wir eben schon mal geklärt, dass nicht Sie hier der Sitzungsleiter sind, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wäre ja noch schöner! – Zuruf von der AfD: Wäre besser so!) sondern ich. Martin Reichardt (AfD): Herr Stegner, stellen Sie ruhig eine Zwischenfrage. Präsidentin Julia Klöckner: Nein, nein, nein. Stopp! Martin Reichardt (AfD): Ich nehme Sie auseinander wie beim letzten Mal. Präsidentin Julia Klöckner: Nein, nein, nein. Herr Reichardt, wir können gerne noch mal grundlegend besprechen, wer hier die Leitung hat. Martin Reichardt (AfD): Gut. Präsidentin Julia Klöckner: Nein, es ist noch nicht gut. – Ich möchte jetzt kurz noch mal darauf hinweisen: Das ist ein Debattenpunkt, der vielleicht emotional ist und der sich auch zur Polarisierung eignet. Aber ich bitte, Folgendes zu beachten: Wenn jemand Redner ist, dann redet er, und wenn jemand eine Frage stellt, stellt er eine Frage. Ob jemand eine Frage stellt, entscheidet der Fragesteller selbst und nicht der Redner. Ich glaube, das ist eigentlich ganz gut verständlich. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Für die meisten mit IQ ja!) Bitte. Martin Reichardt (AfD): Tatsächlich wissen jede Frau und jeder Mann, die nicht der Ideologie des Feminismus anhängen, um die von mir genannten Wahrheiten. Der Wunsch nach Gleichberechtigung unter Anerkennung der spezifischen Unterschiede von Frau und Mann ist ein redliches Anliegen, das von keiner Partei in diesem Hause mehr gefördert wird als von unserer Alternative für Deutschland. (Beifall bei der AfD – Lachen bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Widerspruch bei der Linken) Anders als der sogenannte Feminismus, der Frauen durch Gleichstellung und unter Ausblendung aller vorhandenen Unterschiede vermännern und damit erniedrigen möchte, (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich bin viel, aber nicht „vermännert“! – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Vermännern“!) wollen wir ehrliche Gleichberechtigung, meine Damen und Herren. (Beifall bei der AfD – Lachen bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sie haben noch nichts zu Epstein gesagt!) Es ist unredlich, wenn Sie hier was anderes behaupten. Darum wollen wir – ich habe es schon gesagt – Gleichberechtigung statt Gleichstellung. Frauen und Männer sollen ohne Quoten und staatliche Beeinflussung ihr Leben gestalten können. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So wie Ihre AfD! 11 Prozent Frauen in der Fraktion! Das ist ja mal richtig gleichgestellt!) Ich rufe daher alle Frauen und Männer in Deutschland auf: Schaffen wir eine Gesellschaft, in der die aus rückständigen Kulturkreisen importierte Frauenverachtung (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihre Frauenverachtung reicht mir!) ebenso wenig Platz hat wie feministische Geschlechterkampfrhetorik, (Beifall bei der AfD) ein Land, in dem Frauen und Männer gemeinsam und gleichberechtigt an einer besseren Zukunft arbeiten. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Ich habe von Ihnen, Herr Stegner, den Zwischenruf gehört: „Wer hat Ihnen den Verstand aberzogen?“ (Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das frage ich mich auch!) Das ist auch eine persönliche Herabwürdigung. (Martin Reichardt [AfD]: Von ihm empfinde ich das als Ehre! – Gegenruf des Abg. Dirk Wiese [SPD]: Geh mal an die frische Luft! Mensch!) Ich bitte, das zu unterlassen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Einer Frauendebatte unwürdig, der Beitrag! – Gegenruf des Abg. Martin Reichardt [AfD]: Was Sie für unwürdig halten, ist mir wurscht!) – Ja, es ist doch gut. Vielleicht muss es einfach nur raus; aber jetzt beenden wir das bitte. Die volle Aufmerksamkeit gilt jetzt der letzten Rednerin in dieser Debatte, und ich möchte an dieser Stelle, Herr Reichardt, kurz darauf hinweisen: Jetzt redet eine gelernte Berufssoldatin. – Bitte sehr, liebe Frau Diana Herbstreuth. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Martin Reichardt [AfD]: Viel Erfolg, Kamerad!) Diana Herbstreuth (CDU/CSU): Danke schön. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Bundesministerin Prien! Liebe Kolleginnen und Kollegen! (Martin Reichardt [AfD], an die CDU/CSU gewandt: Im Unterschied zu Ihrer Fraktion habe ich wenigstens Humor! – Gegenruf von der SPD: Ruhe jetzt!) Präsidentin Julia Klöckner: Ich erteile Ihnen jetzt einen Ordnungsruf. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Jetzt ist gut. Ich mache hier nicht jeden Quatsch mit. Herr Reichardt, Sie können Ihre Performance gleich draußen machen. Ich habe Sie jetzt schon drei-, viermal ermahnt. Jetzt kriegen Sie einen Ordnungsruf von mir. Vielleicht wollten Sie genau den auch haben. Bitte sehr, Frau Herbstreuth. Diana Herbstreuth (CDU/CSU): Wer sich selbst nichts zutraut, lässt viele Chancen ungenutzt. Gerade Frauen erleben das immer wieder – nicht weil es ihnen an Fähigkeiten fehlt, nein, ganz und gar nicht, sondern weil sie durch Strukturen, Erwartungen und vor allem auch Rollenbilder immer wieder signalisiert bekommen haben: Das ist nichts für dich. – Ich selbst habe das in meinen 24 Jahren als Berufssoldatin bei der Bundeswehr auch immer wieder miterlebt – als eine der ersten Frauen im Dienst an der Waffe. Als Frau, da musste ich immer den weiteren, den steinigeren, auch den längeren Weg gehen. Wissen Sie was? Ich habe dabei etwas entdeckt, was jede Frau auf diesem Weg entdeckt: meine Stärke und unheimlich viel Ausdauer. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Im Jahr 2000 entschied der Europäische Gerichtshof mit dem Kreil-Urteil, dass Frauen Zugang zu allen militärischen Bereichen haben müssen. Was für ein Meilenstein! Ein enormer Meilenstein. Seitdem übernehmen so viele Soldatinnen Verantwortung, prägen Strukturen und sind unverzichtbare Vorbilder für uns alle. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Doch ein Frauenanteil von 13 Prozent zeigt: Offener Zugang allein reicht nicht aus. Es braucht echte Integration, es braucht faire Aufstiegschancen, aber auch eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Dienst und gelebte Akzeptanz. Dabei wird Vereinbarkeit von Familie und Dienst oft als Hemmnis für Einsatzbereitschaft erklärt. Ich bin vom Gegenteil überzeugt! Vereinbarkeit von Familie und Dienst stärkt Truppe, stärkt Gesellschaft. Je besser die Rahmenbedingungen sind, desto mehr Frauen entscheiden sich auch für diesen Weg. Je mehr Frauen wir für die Bundeswehr gewinnen können, desto einsatzbereiter, stärker und auch resilienter werden wir. Die Bundeswehr ist aber kein Sonderfall, ich nehme sie nur als Beispiel. Sie ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft. Strukturen, Ausrüstung und Karrierewege sind schlichtweg jahrzehntelang nicht für Frauen ausgelegt gewesen und nach wie vor an vielen Stellen von traditionellen Rollenbildern geprägt. Frauen werden nicht durch ihre Fähigkeiten oder durch ihre Natur begrenzt – gar nicht! –, sondern durch die Bedingungen und Strukturen, unter denen sie sozialisiert wurden. Ich wurde ganz anders erzogen. Mir stand die Welt frei. Meine Eltern haben mir alles zugetraut. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die Aufgabe von uns Politikern ist es, Gleichberechtigung zu gestalten, besonders in Familien, in Berufen und auch in der Gesellschaft. Wir alle können davon profitieren, wenn die alten Strukturen aufgebrochen werden. Wir schaffen dadurch eine faire, gerechte und, wie ich finde, auch eine deutlich friedlichere Welt. Aber Rechte allein genügen nicht. Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Liebe Frauen da draußen und auch hier drin, hören Sie mir ganz genau zu! Wir leisten jeden Tag Unglaubliches. Wir übernehmen Verantwortung. Wir gestalten Unternehmen. Wir engagieren uns gesellschaftlich. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Diana Herbstreuth (CDU/CSU): Wir führen Familien, und wir halten damit die Gesellschaft zusammen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Danke sehr. Diana Herbstreuth (CDU/CSU): Genau diese Stärke – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit ist abgelaufen. Diana Herbstreuth (CDU/CSU): – müssen wir selbst erkennen und nutzen. Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit ist abgelaufen. Tut mir leid. Das gilt für alle. Diana Herbstreuth (CDU/CSU): Traut euch mehr zu! (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Ich schließe hiermit die lebendige Aussprache. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 7: Beratung des Antrags der Abgeordneten Leon Eckert, Dr. Konstantin von Notz, Dr. Irene Mihalic, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Die Zeitenwende in der Zivilen Verteidigung umsetzen Drucksache 21/4746 Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Wirtschaft und Energie Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Ausschuss für Arbeit und Soziales Verteidigungsausschuss Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Gesundheit Verkehrsausschuss Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Kultur und Medien Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung Ausschuss für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen Haushaltsausschuss Wir haben uns für diese Aussprache auf eine Dauer von 60 Minuten geeinigt. Ich eröffne die Aussprache. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Abgeordnete Herr Leon Eckert das Wort. – Aber wenn Sie noch einen Moment warten, damit wir Ihnen auch unsere volle Aufmerksamkeit schenken können. Ich nutze die Zeit für eine Information für die Besucherinnen und Besucher: Wir sind ein arbeitsteiliges Parlament. Deshalb verlassen jetzt die Kollegen, die sich mit Themen rund um Frauen und Familie beschäftigen, den Saal und gehen zu anderen Sitzungen. Jetzt kommen die Kolleginnen und Kollegen zu uns, die sich mit dem folgenden Thema beschäftigen. Jetzt können wir starten. Herr Abgeordneter Herr Leon Eckert, bitte sehr. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Bürgerinnen und Bürger! Vier Jahre ist die Zeitenwende-Rede von Bundeskanzler Scholz nun her. Weiterhin fordert unsere Sicherheitslage auf, zu handeln. Doch wir müssen heute feststellen: Die Zeitenwende in der zivilen Verteidigung ist ausgeblieben. Woran zeigt sich das? Zentrale Fragen sind für die militärische Landesverteidigung bereits beantwortet, doch bleiben auf der zivilen Seite unbeantwortet: Auf welche Szenarien müssen wir uns vorbereiten? Wie viele Einsatzkräfte bei Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und den Hilfsorganisationen brauchen wir eigentlich? Und: Wie gewinnen wir die Bürgerinnen und Bürger, sich für die Sicherheit der Menschen in Deutschland stärker einzubringen? Leerstellen, die schon heute überall sichtbar werden. Beispiel: neue Szenarien. Die Risikoanalyse zu chemischen Kampfstoffen zeigt auf: Es fehlen flächendeckend Spezialressourcen und entsprechende Fachkenntnis. Beispiel: fehlendes Wissen. Heute weiß kein Verantwortlicher, welche Feuerwehrler, wie viele THWler eigentlich verfügbar oder doch unabkömmlich sind bei Bundeswehr, Stromnetzbetreibern, Wasserwerken usw. Beispiel: fehlende Selbstschutzfähigkeiten. Viele Menschen wissen heute nicht, wie die Sirenensignale in ihrem Bundesland lauten, haben selten Vorräte zu Hause. Und immer wieder sehen wir erstaunliche Beispiele fehlenden Gefahrenbewusstseins. Doch um hier Dinge engagiert anzugehen, muss erst ein Problem gelöst werden. Das zentrale Problem ist und bleibt das fehlende Interesse von Herrn Minister Dobrindt an diesem wichtigen Thema. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Er steckt zu tief in seinem ideologischen Fokus auf das Thema Migration fest. Wir Grüne wollen das ändern, und dafür legen wir Ihnen heute ein umfassendes Maßnahmenpaket vor. In Eckpunktepapieren werden die Lücken des BMI von der Bundeswehr bereits offen kritisiert. Das zeigt: Die Zeit drängt. Es braucht unverzüglich einen Operationsplan „Zivile Verteidigung“, (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) der beschreibt, wie die Bevölkerung geschützt werden soll, wie und in welchem Umfang die zivile Seite die Bundeswehr unterstützt und wie mit Ressourcenknappheit im Ernstfall umgegangen wird. Also wo soll der Treibstoff hin, wenn entschieden werden muss zwischen Bundeswehr und Krankenhausnotstromaggregat? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es braucht eine öffentliche Debatte darüber, was das staatliche Schutzziel für dieses Land ist. Welches Niveau an Sicherheit wollen wir uns leisten? Sind das beispielsweise flächendeckend Notstromaggregate für Pflegeheime, sind es vielleicht nur Einspeisepunkte für jede Einrichtung, oder bleiben wir bei der jetzigen Situation, keinerlei Vorgaben in dieser Hinsicht zu machen? Es braucht mehr Verbindlichkeit zwischen Bund und Ländern. Es kann nicht sein, dass eine Innenministerkonferenz einstimmig einen Beschluss nach dem anderen fasst, die dann nicht umgesetzt werden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ganz genau!) Einheitliche Sirenensignale: beschlossen. Stand heute: immer noch Unterschiede. Helfergleichstellung: beschlossen, dann kollektiv aufgegeben. Bessere Koordination: Gemeinsames Kompetenzzentrum gegründet, aber Stand heute nehmen nur fünf bis sieben Bundesländer regelmäßig an den Besprechungen teil. Das zeigt: Es braucht einen verbindlichen Entscheidungsmechanismus in diesem Themenfeld, und dafür schlagen wir eine Gemeinschaftsaufgabe vor. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Unser zentrales Anliegen ist: Es braucht eine neue Art, wie wir, aber insbesondere die Bundesregierung, über Gefahren sprechen. Wie oft hören wir dieses Argument: Das ist Panikmache, darüber wollen wir nicht reden. – Doch das ist der Ausdruck einer paternalistischen konservativen Form von staatlicher Krisenbewältigung: Stellt keine Fragen, wir kümmern uns schon um alles. – Und dann, wenn auch nur eine Kleinigkeit schiefgeht, zerbricht dieses Versprechen an der Realität. Wir Grüne wollen stattdessen eine transparente, offene Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickeln, bei der genau die Gefahren der Zeit benannt werden und aufgezeigt wird, was der Staat leisten kann und ab welchem Punkt wir jede und jeden brauchen, um gemeinsam solidarisch durch Krisen zu kommen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dafür müssen wir ausgreifen. Wir wollen, dass alle Schülerinnen und Schüler eine erweiterte Selbstschutzausbildung im Rahmen des Lehrplans erhalten, und mit einem bundesweiten Übungstag dafür sorgen, dass Menschen vor Ort die Krisenbewältigung aktiv erproben können. Denn wer im Krisenfall weiß, wie man sich verhält, was zu tun ist, kann sich und seine Liebsten besser schützen. Eine solche Politik ist keine Panikmache, sondern begegnet den Menschen auf Augenhöhe und gibt ihnen die Grundlage für Solidarität in der Krise. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Überwinden Sie, Herr Bundesminister Dobrindt, dafür Ihre Hyperfixierung auf das Thema Migration, und widmen Sie sich dieser Aufgabe für die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger! Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Sebastian Schmidt das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Sebastian Schmidt (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir beraten heute einen Antrag der Grünen zur Zeitenwende in der zivilen Verteidigung. Darin wird ein düsteres Bild unserer Sicherheitslage gezeichnet: der russische Angriffskrieg, hybride Bedrohungen und eine erodierende Sicherheitsarchitektur. Lassen Sie mich vorweg eines klarstellen: Keine Partei der politischen Mitte bestreitet diese sicherheitspolitische Zäsur. Aber was die Grünen hier vorlegen, ist weniger ein realistischer Beitrag zur Stärkung der zivilen Verteidigung, es ist vielmehr ein Dramatisierungspapier, das die tatsächlichen Fortschritte dieser Bundesregierung ignoriert und versucht, die eigenen Versäumnisse zu kaschieren. (Beifall bei der CDU/CSU) Schon der Titel suggeriert ja, eine Zeitenwende in der zivilen Verteidigung sei ausgeblieben, der Bundesinnenminister sei untätig und verkenne die Bedrohungslage. Meine Damen und Herren, diese Behauptung könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein; das Gegenteil ist der Fall. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt ist der Leistungsträger dieses Kabinetts. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Schauen wir gemeinsam auf die Fakten: Die Grundlage jeder funktionierenden zivilen Verteidigung sind starke Sicherheitsbehörden und leistungsfähige Hilfsorganisationen. Nachdem diese Koalition letztes Jahr die Mittel für das BBK deutlich erhöht hat, wurden sie im Haushalt 2026 noch einmal verdoppelt. (Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat das denn ermöglicht?) Auch das THW erhält 2026 eine massive Mittelerhöhung mit einem Plus von knapp 200 Millionen Euro. Damit verbunden sind erhebliche Investitionen in zentrale Bestandteile der zivilen Verteidigung: neue CBRN-Fahrzeuge und -Messleitkomponenten, der Ausbau der analytischen Taskforces, 61 zusätzliche geländegängige Krankentransportwagen, eine deutliche Aufstockung der Sanitätsmaterialpakete, neue Schlauchwagen für den Katastrophenschutz sowie Härtung und Ausbau der gesamten Bundeswarnsysteme. Meine Damen und Herren, wenn Sie mitgezählt haben, dann merken Sie: Sie brauchen mehr als eine Hand, um das alles aufzählen zu können. Das ist keine Untätigkeit, das ist die größte Stärkung der zivilen Verteidigung seit Jahrzehnten. (Beifall bei der CDU/CSU – Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das Konzept ist ja von 2006! Muss das nicht aktualisiert werden?) Während Sie neue Strategiepapiere, neue Behörden und neue Ausschüsse fordern, setzt diese Bundesregierung andere Prioritäten: Fähigkeit, Ausstattung und Einsatzbereitschaft. Resilienz entsteht durch Investitionen, nicht durch immer neue Gremien. Denn die Grundlage ziviler Verteidigung ist eine auskömmliche, bedarfsgerechte Ausstattung unserer Behörden und Hilfsorganisationen. Auch in die Ausbildung wurde investiert; die Bundesregierung war hier nicht untätig. Die Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung hat ihr Programm bereits 2025 neu ausgerichtet, Kapazitäten erweitert und den Zivilschutz in den Mittelpunkt gestellt. Gerade die Verfolgung dieses Schwerpunkts wird dieses Jahr konsequent fortgesetzt. Für die Notversorgung der Bevölkerung brauchen wir vor allem resiliente Infrastrukturen. Und mit dem KRITIS-Dachgesetz, was in Ihrer Regierungszeit noch verschleppt worden ist, haben wir eine zentrale Grundlage dafür geschaffen. Das ist ein echter Meilenstein. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine Damen und Herren, natürlich wissen wir alle, dass wir Jahrzehnte, in der wir von der Friedensdividende gelebt haben, nicht spurlos hinter uns lassen können. Niemand behauptet, man könne dies in einem einzigen Jahr aufholen. Aber die Trendwende ist eingeleitet: sichtbar im Haushalt, in der Ausstattung und auch in den Strukturen. Und ja: Während viele Ihrer Vorwürfe ins Leere laufen, enthält Ihr Antrag doch Punkte, die sanft in eine richtige Richtung weisen. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!) Gerade Ihnen, Herr Kollege Eckart, schreibe ich da auch eine gewisse Kompetenz zu. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Zu Recht!) Wir müssen die Verzahnung der zivilen Verteidigung mit dem militärischen Operationsplan Deutschland noch weiter verstärken. Wir müssen Länder und Kommunen noch enger einbinden. Wir müssen die Kommunikation zur Krisenvorsorge gegenüber der Bevölkerung ausbauen, damit sie in der Mitte der Gesellschaft ankommt. Und wir brauchen mehr Tempo beim Sirenenausbau; das ist unstrittig. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Im Sinne eines guten Parlamentarismus nehmen wir die Anregungen an und in unsere Beratungen mit. Denn in unserem Ziel sind wir uns ja einig: widerstandsfähiger zu werden. Abschließend bleibt festzustellen: Sie fordern in Ihrem Antrag eine Zeitenwende. Wir setzen diese Zeitenwende längst um. Wir handeln, wir investieren, und das ist der entscheidende Unterschied. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat Herr Abgeordneter Arne Raue das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Arne Raue (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt! Meine geschätzten Damen und Herren Kollegen! Diese Bundesregierung schickt Milliarden in die ganze Welt. Bräuchten wir Schutzräume für unsere Kinder, hieße es: Der Bunker ist längst verkauft. – Das ist nur ein Sinnbild für den Zustand der zivilen Verteidigung in unserem Land. Die sogenannte Zeitenwende war damals ein großes Wort, benutzt wurde es vom hoffentlich letzten SPD-Bundeskanzler. (Dirk Wiese [SPD]: Freu dich nicht zu früh!) Er kündete vollmundig an und enttäuschte; denn mehr als heiße Luft verbarg sich nicht darin. Nirgendwo zeigt sich das Versagen der Regierungspolitik der letzten Jahre deutlicher als bei der zivilen Verteidigung unseres Landes. Wobei: Mir fallen sicherlich auch noch andere Themenbereiche dazu ein. Die Sicherheitslage in Europa und der Welt hat sich offenkundig verändert. Und ja, die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten reagiert. Man entwickelt Konzepte, Resilienzstrategien werden verabschiedet, Umsetzungspläne präsentiert. Man entdeckt plötzlich, dass U-Bahn-Stationen und Tiefgaragen als Schutzräume gegebenenfalls tauglich sein könnten. Gut, aber was sagt uns genau das? Von einst über 2 000 öffentlichen Schutzräumen gibt es heute noch knapp 580, die teilweise in einem erbärmlichen Zustand sind, mit Plätzen für weniger als 1 Prozent der Bevölkerung – 1 Prozent! Das ist das Erbe von über 30 Jahren politischer Gleichgültigkeit. (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) CDU, SPD, Grüne und PDS-Linke: Sie alle haben diesen Umbau mitgetragen, mitbeschlossen, mitverantwortet. Und ja, jetzt da die Bedrohungslage offen zutage tritt, entdeckt man die Zivilverteidigung neu und gibt Strategiepläne heraus. Das ist aus meiner Sicht zunächst nur Schadensbegrenzung. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Beschreiben Sie mal die Bedrohungslage! Wer ist denn der Aggressor?) CDU, SPD, Grüne und PDS-Linke: Sie alle haben dieses Land über 30 Jahre lang schutzlos gemacht – ja, Sie fühlen sich angesprochen; hervorragend – nach innen und nach außen. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer ist denn der Aggressor?) Der Unterschied zwischen Ihren Altparteien liegt im besten Fall in der Farbe der Krawatte, sofern Die Linke hier am Pult überhaupt mal eine Anzugsordnung hat. (Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD]) Sie reden viel über Sicherheit und handeln wenig. Wenn Sie in Regierungsverantwortung sind, spricht man lieber über Milliarden für die Ukraine. Aber für den Schutz der deutschen Bevölkerung fehlt das Geld. Man diskutiert hier sehr intensiv über neue Waffensysteme. Aber das THW wartet seit Jahren auf dringend notwendige Ausrüstung. Erst im Ernstfall zeigt sich sehr schnell, was politische Sonntagsreden hier wert sind. Dann zählt, ob das Licht angeht, ob das Wasser fließt, ob Krankenhäuser überhaupt arbeitsfähig sind, ob Kommunikationswege funktionieren, Lebensmittel verteilt werden können und – allgemein – ob der Staat noch führt oder ob er lediglich reagiert. Schauen wir bitte auf die Fakten. Deutschland hat seit dem Ende des Kalten Krieges seine Strukturen zur Zivilverteidigung systematisch abgebaut. Schutzbunker wurden verkauft (Rasha Nasr [SPD]: Sie haben keine Antworten trotz Ihrer Anfragen! – Zuruf des Abg. Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) – stellen Sie eine Zwischenfrage! –, Katastrophenschutzeinheiten ausgedünnt. Das Technische Hilfswerk war jahrelang chronisch unterfinanziert, die Anzahl der Brandversehrtenbetten ging in Deutschland sogar gegen null. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe – die müssten es wissen – warnte seit Jahren, und die Altparteien hörten weg. Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme der Verwundbarkeit unseres Landes: Welche kritische Infrastruktur ist tatsächlich schützenswert? Wie lange funktionieren Versorgung, Logistik, medizinische Betreuung bei längeren Stromausfällen, Cyberangriffen oder gar Sabotage? (Abg. Daniel Baldy [SPD] meldet sich zu einer Zwischenfrage) – Hier ist eine Zwischenfrage. Präsidentin Julia Klöckner: Sie nehmen sie an, schätze ich? Arne Raue (AfD): Davon können wir ausgehen. Präsidentin Julia Klöckner: Bitte sehr. Daniel Baldy (SPD): Vielen Dank. – Sie haben die Bedrohungslage ja jetzt sehr ausführlich beschrieben. In dieser Einschätzung sind wir uns offenbar einig. Jetzt ist nur die Frage, die Sie überhaupt nicht thematisiert haben: Vor wem oder vor was müssen wir uns denn schützen? Vielen Dank. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Arne Raue (AfD): Sehr, sehr gerne. Darauf komme ich auch in meiner Rede noch zu sprechen. Zum Beispiel gegen (Tilman Kuban [CDU/CSU]: Zum Beispiel gegen Polen!) Fälle wie die aktuell jüngsten drei Fälle: bei Tesla und zweimal in Berlin, wo linke Saboteure das Land angegriffen haben und der Staat relativ bewegungslos dem gegenüberstand. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Der hat von Tuten und Blasen keine Ahnung! – Dirk Wiese [SPD]: Leute, Leute! – Zuruf der Abg. Katrin Fey [Die Linke]) Danke für die Zwischenfrage. Ich mache weiter in meiner Rede, Frau Präsidentin. Präsidentin Julia Klöckner: Ja, Sie machen weiter. Die Zeit ist nicht mehr angehalten. Arne Raue (AfD): Ein Blackout von mehreren Tagen, das klang lange nach Science-Fiction. Und da sind wir bei Ihrem Thema: Der Stromausfall hier in Berlin Anfang des Jahres, verursacht von linksextremen Terroristen, bewies das Gegenteil. Krankenhäuser, Wasserwerke, Heizung, Kommunikation: Alles hängt am Strom. (Zuruf des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Und was haben die Altparteien getan? Sie haben funktionierende Stromversorgung zerstört, sie haben Kraftwerke gesprengt und setzen jetzt auf eine Energiepolitik, die mehr von Ideologie als von Versorgungssicherheit geleitet ist. (Beifall bei der AfD) Wer die Energieinfrastruktur schwächt und gleichzeitig von „Zeitenwende“ spricht, meine Damen und Herren, der löscht den Brand mit Benzin. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine weitere Zwischenfrage zu, diesmal aus der Unionsfraktion? Arne Raue (AfD): Ich würde fortfahren. (Dirk Wiese [SPD]: Haben Sie keine Antwort auf die Zwischenfrage? Peinlich!) Die Zeitenwende in der zivilen Verteidigung wird erst dann glaubwürdig, wenn sie sich in überprüfbaren Realitäten niederschlägt: in belastbaren Schutzkonzepten, in Reservekapazitäten, in funktionierenden Warnsystemen, regelmäßig geübten Abläufen, in gesicherten Versorgungsstrukturen und in einem Staat (Zuruf des Abg. Dirk Wiese [SPD]) – halte ich die Rede, oder wer hält hier die Rede? –, (Dirk Wiese [SPD]: Dann lass doch Zwischenfragen zu!) der nicht erst in Krisenmomenten bemerkt, was er jahrelang versäumt hat. (Rasha Nasr [SPD]: Mimimi!) Für einen leistungsfähigen, gut ausgestatteten Bevölkerungsschutz bedeutet dies: Wiederaufbau der Schutzinfrastruktur, öffentliche Schutzbunker, dezentrale Notversorgung, Reserven an Lebensmitteln, Medikamenten, Energie. Jeder Bürger in diesem Land hat das Recht auf die Garantie, im Ernstfall nicht im Stich gelassen zu werden. (Beifall bei der AfD) Andere europäische Länder wie Finnland, Schweden und die baltischen Staaten machen es uns vor, wie eine resistente Gesellschaft aussieht. In Deutschland wurde das Thema „Selbstschutz und Eigenvorsorge“ hingegen Jahrzehnte totgeschwiegen oder als Panikmache der Schwurbler abgetan; das ist falsch. Eigenverantwortung und staatlicher Schutz schließen einander nicht aus, sie ergänzen sich. Echte Zeitenwende bedeutet: Der Schutz der deutschen Bevölkerung muss wieder an erster Stelle stehen. In diesem Sinne: Deutschland zuerst, und das beginnt damit, Deutschland sicher zu machen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Die Möglichkeit zu einer Kurzintervention hat Herr Abgeordneter Tilman Kuban. Bitte. Tilman Kuban (CDU/CSU): Frau Präsidentin, vielen herzlichen Dank. – Herr Kollege Raue, Sie konnten ja gerade nicht so genau erklären, wovon eine Gefahr ausgeht. Ihr Parteivorsitzender, Herr Chrupalla, hat vor einigen Monaten erklärt – ich zitiere –: „Ich sehe keine Gefahr für Deutschland aktuell durch Russland“, und weiter führte er fort: Eine Bedrohung für uns könnte Polen sein. – Teilen Sie diese Aussagen? Arne Raue (AfD): Ich bin nicht dazu da, die Ausführungen einzelner Politiker zu kommentieren. (Lachen bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Frage war, ob Sie das auch so sehen!) – Ich freue mich, wenn in diesem Parlament auch mal gute Laune herrscht. – Ich freue mich auch, dass Sie meiner Rede genau gelauscht haben und dabei sicherlich festgestellt haben, dass es verschiedene Szenarien gibt, angesichts deren wir uns über den Zivilschutz organisieren müssen. (Zuruf der Abg. Saskia Esken [SPD]) Danke für die Zwischenfrage. (Beifall bei Abgeordneten der AfD – Dirk Wiese [SPD]: Da schämen sich ja die eigenen Leute bei Ihnen! Die klatschen ja nicht mal alle!) Präsidentin Julia Klöckner: Kurze Erläuterung: Das war eine Kurzintervention. Die Zwischenfrage hatten Sie nicht zugelassen. Wir kommen jetzt zur SPD-Fraktion, und die Abgeordnete Frau Rasha Nasr hat das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Rasha Nasr (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Werte Kolleginnen und Kollegen! Herr Raue, ich gehe davon aus, dass alle Einsatzkräfte beim THW und bei den Feuerwehren gerade massiv gelacht haben bei Ihrer Rede. Wie wenig Kompetenz Sie hier eigentlich ins Feld bringen, das ist gerade sehr deutlich geworden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Wenn wir hier über Zivil- und Katastrophenschutz sprechen, dann denken wir oft zuerst an große Katastrophen: an Hochwasser, Stromausfälle, an Krisenszenarien, die wir uns lieber nicht vorstellen wollen. Aber eigentlich beginnt Zivil- und Katastrophenschutz viel früher, er beginnt bei der Frage: Sind wir vorbereitet, wenn was passiert? Genau deshalb ist es richtig – und deshalb vielen Dank an die Grünen –, dass wir heute über diesen Antrag sprechen. Denn er beschäftigt sich mit einer wichtigen Frage, nämlich: Wie machen wir unsere Gesellschaft widerstandsfähiger? Ich will auch gleich zu Beginn sagen: In diesem Antrag stehen einige Punkte, bei denen man sagen kann: Ja, das sind sinnvolle Überlegungen. – Dazu gehört zum Beispiel die Idee, dass Bürgermeister, Landräte und Oberbürgermeister noch stärker auf ihre Aufgaben im Krisenfall vorbereitet werden sollen – denn im Ernstfall entscheidet sich vieles eben nicht in Berlin, sondern im Rathaus, im Landratsamt oder im Lagezentrum vor Ort –, oder auch die Frage, wie und woher Kommunen schneller und einfacher ein gutes Lagebild bekommen können. Wer Verantwortung trägt, muss wissen, was gerade passiert; das klingt banal, ist aber essenziell wichtig in einem Krisenfall. Auch der Gedanke, Fähigkeiten von Einsatzkräften besser zu erfassen, damit im Ernstfall dieselbe Person eben nicht an drei Stellen gleichzeitig eingeplant ist, ist, ehrlich gesagt, einfach gesunder Menschenverstand. (Beifall bei der SPD) Genau bei solchen ganz praktischen Fragen sehen auch wir Verbesserungsbedarf, und daran wird bereits gearbeitet. Meine Damen und Herren, wenn man diesen Antrag liest, merkt man aber auch: Manche Vorschläge klingen in der Theorie einfacher, als sie in der Praxis umzusetzen sind, zum Beispiel die Idee, noch mehr Zuständigkeiten beim Bund zu bündeln. Das klingt dann immer nach mehr Steuerung, nach mehr Übersicht; aber wir sollten uns nichts vormachen: Zivil- und Katastrophenschutz funktioniert nicht allein von Berlin aus. Er funktioniert dort, wo Menschen sich kennen, wo Feuerwehren zusammenarbeiten, wo Hilfsorganisationen eingespielt sind und wo man weiß, welche Brücke im Zweifel zuerst gesperrt werden muss. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Unser föderales System ist manchmal kompliziert – das wissen wir alle –; aber es hat eben auch einen großen Vorteil: Es ist nah dran an der Realität der Menschen vor Ort. Deshalb sollte man sehr genau überlegen, bevor man daran grundlegend etwas verändert. Auch bei der Frage der Ausbildung müssen wir ehrlich bleiben. Natürlich ist es richtig, dass mehr Menschen für den Zivil- und Katastrophenschutz gewonnen werden sollen; verstehen Sie mich nicht falsch. Natürlich ist es gut, wenn mehr Menschen Erste Hilfe können oder sich engagieren. Aber wenn ich lese, dass die Katastrophenschutzausbildung verpflichtend in Schulen stattfinden soll, dann frage ich: Wie? Unsere Schulen haben heute schon mehr Aufgaben als Unterrichtsstunden. Und vor allem lebt Engagement im Zivil- und Katastrophenschutz davon, dass Menschen sich freiwillig entscheiden, dass sie sagen: Ich will helfen. – Das Ehrenamt ist eine Stärke unseres Landes, gerade weil es freiwillig ist. Deshalb sollten wir es stärken, aber nicht anordnen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Auch die Idee eines neuen dauerhaften parlamentarischen Unterausschusses zur zivilen Verteidigung kann man diskutieren. Aber, ehrlich gesagt, entsteht Zusammenarbeit nicht automatisch durch neue Gremien; sie entsteht dadurch, dass Menschen miteinander arbeiten und regelmäßig, vertrauensvoll und mit Fokus auf die Sache ins Gespräch kommen. Genau dieser Austausch findet ja längst statt: zwischen Innen- und Verteidigungspolitikern, zwischen Bund und Ländern und übrigens auch über Fraktionsgrenzen hinweg, zum Beispiel beim Bevölkerungsschutz-Stammtisch, wo wir regelmäßig pragmatisch und sachorientiert über konkrete Verbesserungen diskutieren, oder im politischen Beirat des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit, wo wir gemeinsam mit Fachleuten aus Behörden, Blaulichtorganisationen, Wirtschaft und Wissenschaft daran arbeiten, unsere Sicherheitsstrukturen noch besser auf künftige Krisen vorzubereiten. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Das sind vielleicht nicht die Formate, die die großen Überschriften produzieren; das sind aber oft genau die Formate, in denen echte Fortschritte entstehen können. Meine Damen und Herren, ich finde, hier an dieser Stelle zeigt sich ein sehr wichtiger Unterschied in diesem Parlament. Die Grünen bringen mit diesem Antrag konkrete Vorschläge ein. Einige sind gut; andere überzeugen uns weniger. Das ist konstruktive Oppositionsarbeit. So funktioniert Demokratie: Vorschläge machen, darüber streiten, Lösungen verbessern. Was wir aber von der AfD sehen und gehört haben, ist das genaue Gegenteil: viel Alarmismus, viel Misstrauen, aber kein einziger ernstzunehmender Beitrag dazu, wie wir unseren Zivil- und Katastrophenschutz tatsächlich stärken. Wer immer nur behauptet, der Staat könne nichts, der sollte wenigstens einmal zeigen, wie er es besser machen würde. (Beifall des Abg. Dirk Wiese [SPD] – Rainer Galla [AfD]: Ja, ja!) Beim Schutz unserer Bevölkerung reicht es eben nicht, laut zu sein. Herr Raue; man muss auch etwas können. Für den Schutz der Menschen in unserem Land brauchen wir Kompetenz, Verantwortung und Zusammenarbeit, und genau das kommt von denen, die hier konstruktiv mitarbeiten. Ja, dieser Antrag enthält gute Ideen; aber er enthält eben auch Vorschläge, die entweder bereits auf den Weg gebracht sind oder bei denen wir Zweifel haben, ob sie in der Praxis wirklich den Unterschied machen. Präsidentin Julia Klöckner: Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion zu? Rasha Nasr (SPD): Nein, vielen Dank. – Was wir brauchen, sind keine schnellen Strukturdebatten; was wir brauchen, sind kontinuierliche Arbeit, mehr Ausstattung und bessere Unterstützung für die Menschen, die den Zivil- und Katastrophenschutz jeden Tag tragen. Werte Kolleginnen und Kollegen, dieser Antrag enthält, wie gesagt, gute Punkte. Aber wir sind überzeugt, dass der bessere Weg darin besteht, den Zivil- und Katastrophenschutz Schritt für Schritt weiterzuentwickeln, gemeinsam mit den Ländern, mit den Organisationen und selbstverständlich mit den Menschen, die diese Arbeit täglich leisten. Haben Sie vielen Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Herr Abgeordneter Jan Köstering das Wort. Bitte. (Beifall bei der Linken) Jan Köstering (Die Linke): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist ermutigend, zu sehen, dass die Grünen offenbar die gleichen Missstände im Bundesinnenministerium erkannt haben, die ich hier ebenfalls immer wieder kritisiert habe. Vor einer Woche ging mir die Antwort auf eine schriftliche Frage zu. Ich wollte wissen, ob es einen belastbaren Überblick über Netzersatzanlagen gibt. Zur Erinnerung, warum das wichtig ist: Nach dem Anschlag auf das Stromnetz und den darauffolgenden Stromausfall in Teilen von Berlin leistete Nordrhein-Westfalen Amtshilfe und stellte dem Land Berlin in eigener Initiative Netzersatzanlagen zur Verfügung. Mit diesen können zum Beispiel Altenheime im Notfall mit Strom versorgt werden. Erkenntnisse zur Verfügbarkeit solcher Anlagen würde man im Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern vermuten, das dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe untersteht. Herr Dobrindt – leider nicht mehr da –, das ist übrigens Ihr Ressort. (Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]: Da sitzt er doch! Da sitzt Herr Dobrindt! – Bundesminister Alexander Dobrindt winkt dem Redner zu) – Ach, guten Morgen! (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU, der AfD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Nun hat Ihr Staatssekretär mir geantwortet: „Dem GMLZ liegt keine strukturierte, flächendeckende Übersicht vor, wo Netzersatzanlagen und weitere potentielle Engpassressourcen in Deutschland vorgehalten werden.“ Zudem verweist er auf die prinzipiell strikte Trennung von Zivil- und Katastrophenschutz. Meine Damen und Herren, so versucht sich das Bundesinnenministerium aus der Verantwortung zu ziehen. (Beifall bei der Linken) Die strukturelle Weigerung im Innenministerium unter der Leitung von Alexander Dobrindt, Verantwortung zu übernehmen, ist schlicht nicht mehr zu vermitteln. Sie, Herr Dobrindt, haben keinen Überblick über die verfügbaren Engpassressourcen. Herr Dobrindt hat auch keinen Überblick über mehrfach verplante Kräfte im Zivil- und Katastrophenschutz; das sei schließlich Aufgabe der Länder. In einer weiteren Antwort verweist der Parlamentarische Staatssekretär darauf, dass im Fall eines notwendigen Zivilschutzeinsatzes auf die Kräfte des Katastrophenschutzes der Länder zurückgegriffen werden solle, also auf die Kräfte, über die Sie keinen Überblick haben. Das ist absurd, meine Damen und Herren. (Beifall bei der Linken) Die größtenteils ehrenamtlichen engagierten Kräfte, für die Sie sich sonst nicht interessieren, sind genau die Kräfte, die bei der Helfergleichstellung vom Innenministerium mit Verweis auf den Föderalismus im Regen stehen gelassen werden. Die Verweigerung, Verantwortung zu übernehmen, hat unter Alexander Dobrindt neue Dimensionen erreicht. (Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]: Um Gottes willen!) Die Drohnenabwehr im Inland zum Beispiel: Unser Überwachungsminister entzieht sich der Verantwortung, ändert kurzerhand das Luftsicherheitsgesetz und überträgt originäre polizeiliche Aufgaben auf die Bundeswehr. Das ist eine Rechnung, die so nicht aufgehen kann. Aber, meine Damen und Herren, nicht nur Alexander Dobrindt ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit in diesem Land. (Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]: Das ist ja furchtbar, was Sie sagen! Von wem sind denn die Berliner Anschläge verübt worden? – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Das sagt ein Linker! Mal vor der eigenen Haustür kehren! Unglaublich! – Sebastian Schmidt [CDU/CSU]: Unglaublich! – Tilman Kuban [CDU/CSU]: Das ist eine Frechheit! – Weitere Zurufe von der CDU/CSU) Im Verteidigungsausschuss habe ich das Verteidigungsministerium um eine Bewertung der Zivilschutzfähigkeit gebeten. Der Parlamentarische Staatssekretär Herr Hartmann hat geantwortet, das falle komplett in das Ressort des Bundesinnenministers und man gehe davon aus, dass dieser schon seine Aufgaben erfüllen werde. Auch hier zeigt sich das strukturelle Defizit dieser Bundesregierung. Und hat der Bund nicht Streitkräfte zur Verteidigung aufgestellt, die in der Landesverteidigung zum Einsatz kommen sollen? So steht es zumindest im Grundgesetz. Doch wir erleben seit mehr als vier Jahren, dass im Verteidigungsministerium ein Operationsplan geschmiedet wird, bei dem die Bundeswehr für den Schutz der Bevölkerung im Inland faktisch keine Rolle mehr spielt. Sie soll stattdessen an eine ferne Front ausgelagert werden. Wenn Militärstrategen dann auch noch die Missstände im Zivilschutz komplett unbehandelt lassen, dann ist das, taktisch gesprochen, nichts anderes als eine offene Flanke, und das kann nicht gut ausgehen. (Beifall bei der Linken) Bundeskanzler Friedrich Merz reist munter durch die Welt und lässt kein Fettnäpfchen aus, während sich die Kriegsplanungen im Verteidigungsministerium verselbstständigen und das Innenministerium dem Bevölkerungsschutz offenkundig keine Priorität einräumt. Es ist überdeutlich: Law-and-Order-Rhetorik und das Suchen von Sündenböcken fallen dieser Regierung leichter, als die eigene Verantwortungslosigkeit einzugestehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Grünen, wir scheinen uns an vielen Stellen einig zu sein, wo die Mängel im Bundesinnenministerium sind. Aber woher nehmen Sie den Optimismus, dass sich diese Mängel auch abstellen lassen? Wenn schon eine vergleichsweise simple Aufgabe – ein bundesweiter Überblick über Material und Einsatzkräfte im Zivil- und Katastrophenschutz – seit Jahren unerledigt bleibt, wie lange wollen Sie dann auf die Umsetzung der gut drei Dutzend weiteren Anregungen warten, die Ihr Antrag umfasst? (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie oft waren wir denn Innenminister? Wir haben doch, glaube ich, noch nie das Innenministerium gehabt!) Die schonungslose Analyse muss doch sein: Die Bundesrepublik ist aktuell nicht resilient, und diese Bundesregierung scheint daran nichts ändern zu wollen. (Leon Eckert [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber man ist doch gewählt, um was zu verändern, nicht um hier nur zu jammern! – Beifall der Abg. Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU] – Gegenruf des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]: Da hat er recht!) Daraus folgt konsequenterweise nur eine Handlungsoption: die militärischen Ambitionen zurückzustellen und sich keinesfalls über die Grenzen der Bundesrepublik Deutschland hinaus militärisch zu engagieren. Genau das haben Sie mit Ihrem Antrag nicht vor, sondern spielen munter das Spiel weiter, das der Operationsplan Deutschland angezettelt hat. Ein Blick in den Verantwortungsbereich von Herrn Dobrindt reicht, um klarzumachen, dass die Folgen der kriegerischen Ambitionen dieser Bundesregierung gar nicht zu bewältigen sind. Vielen Dank. (Beifall bei der Linken – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das war leider auch realitätsfern!) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, ein Hinweis: Ein Mitglied dieses Hauses – und das ist der Bundesinnenminister – als Gefahr für die innere Sicherheit zu bezeichnen, ist eine Herabwürdigung. Das geht zu weit. Ich bin der Meinung, das sollten wir unterlassen. Wir sollten ein bisschen auch auf den Ton achten, wenn wir uns etwas vorwerfen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun das Wort Frau Abgeordnete Dr. Katja Strauss-Köster. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Katja Strauss-Köster (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wie man in sechs Minuten so viele Fake News verkünden kann, das ist unglaublich. Und ich muss sagen: Bei Ihnen fehlt es einigermaßen an Kenntnis über die Sachlage; denn sonst hätten Sie das hier alles nicht behauptet. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Nicht nur an Kenntnis fehlt es da! – Zuruf von der Linken) Als in Deutschland während des Kalten Krieges über zivile Verteidigung gesprochen wurde, dachte man vor allem an Luftschutzbunker und Sirenen. Heute sieht Bedrohung anders aus. Sie kann digital sein, unsichtbar, und sie kann unsere Versorgungssysteme treffen, lange bevor ein militärischer Konflikt offen ausbricht. Bundeskanzler Friedrich Merz hat unsere Lage so beschrieben: „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.“ Genau dieses Spannungsfeld stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen, insbesondere bei der zivilen Verteidigung; denn das Wissen darüber, was auf uns in diesen Zeiten zukommt, ist in der Bevölkerung kaum noch vorhanden. Deshalb müssen wir üben. Vor wenigen Tagen fand in meiner Heimat Nordrhein-Westfalen der landesweite Warntag statt; Alarmsignale ertönten und Notfallmeldungen gingen auf den Handys ein. Es war nur ein Test. Warnsysteme müssen nämlich auch schon funktionieren, bevor der Ernstfall eintritt, bevor Krankenhäuser nur noch mit Notstrom laufen, bevor Ampeln ausfallen und Mobilfunknetze zusammenbrechen. Was wir in ruhigen Zeiten trainieren, beherrschen wir dann auch im Ernstfall. Gerade in solchen Momenten zeigt sich, ob ein Staat gut vorbereitet ist oder eben auch nicht. Viele Jahre haben wir geglaubt, dass eine solche Vorsorge eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Aber Cyberangriffe, Sabotage an Infrastruktur, Naturkatastrophen und nicht zuletzt der Krieg in Europa haben uns eines sehr deutlich gemacht: Sicherheit bedeutet mehr als militärische Stärke; Sicherheit bedeutet auch zivile Verteidigung. Genau deshalb stärken wir mit dem KRITIS-Dachgesetz den Schutz unserer kritischen Infrastruktur. Wir verpflichten damit Betreiber zentraler Einrichtungen, sich besser auf Krisen vorzubereiten. Mit dem NIS-2-Gesetz verbessern wir darüber hinaus den Schutz unserer digitalen Systeme vor Cyberangriffen. Damit schaffen wir erstmals einen einheitlichen Rahmen für den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Hakan Demir [SPD]) Aber wir gehen noch einen Schritt weiter. In unserem Bundesinnenministerium werden die Strukturen neu ausgerichtet. Aus Krisenmanagement wird Zivilschutz. Ein neuer Stab und das gemeinsame Abwehrzentrum sollen künftig schneller auf Krisen, Angriffe und hybride Bedrohungen reagieren und ein koordiniertes Lagebild erstellen. Mit dem Cyberdome wollen wir einen Schutzschirm über unsere kritischen Infrastrukturen bauen. Wir investieren mit dem Bundeshaushalt 2026 massiv in unsere Sicherheitsarchitektur, bauen Warnsysteme und Sirenennetze weiter aus und investieren in moderne Fähigkeiten zur Drohnenabwehr. Dabei gehören zivile und militärische Verteidigung untrennbar zusammen. Ohne eine stabile zivile Resilienz gibt es keine umfassende Verteidigungsfähigkeit und Widerstandskraft. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie entscheidend das ist. Als langjährige Bürgermeisterin und Leiterin des Krisenstabs meiner Heimatstadt habe ich erlebt, wie wichtig es ist, ein starkes Team zu haben. Bei Hochwasserlagen, bei Bränden, bei nächtlichen Evakuierungen von Pflegeheimen oder während der Coronapandemie: Ohne die fachkundigen Kolleginnen und Kollegen und ohne gut aufgestellte Hilfsorganisationen wäre manche Krise nicht so leicht zu bewältigen gewesen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Daniel Baldy [SPD]) Und noch etwas habe ich dabei gelernt: Wer im Ernstfall Verantwortung trägt, muss vorbereitet sein. Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister tragen im Katastrophenfall die politische Gesamtverantwortung. Deshalb finde ich es richtig, dass beispielsweise im neuen Katastrophenschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen vorgesehen ist, politische Entscheidungsträger stärker zu schulen. Innenminister Herbert Reul hat es treffend formuliert: „Der Krisenfall darf nicht der Moment sein, in dem das Handbuch zur Krisenintervention zum ersten Mal aufgeschlagen wird.“ Liebe Kolleginnen und Kollegen, zivile Verteidigung beginnt nicht nur beim Staat; sie beginnt bei uns allen. Eigenvorsorge ist kein Zeichen von Angst, Eigenvorsorge ist ein Zeichen von Verantwortung. Ein Vorrat an Wasser, Lebensmittel für einige Tage, Warn-Apps auf dem Handy und das Wissen, wie man sich im Krisenfall verhält, sind wichtige Grundlagen. All das stärkt die Widerstandskraft unserer Gesellschaft. Genau daran arbeiten wir, und genau daran arbeitet wie kein Zweiter unser Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Herzlichen Dank dafür! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Steffen Janich das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Steffen Janich (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wir leben in unsicheren Zeiten. Dauerhafte systemische Bedrohungen gehen von Terroranschlägen, Cyberangriffen und unerlaubten Drohnenüberflügen aus. Im Januar dieses Jahres führte der Anschlag auf das Berliner Stromnetz durch die linksterroristische Vulkangruppe zu einem Stromausfall bei 45 000 Haushalten. Das war der größte Stromausfall in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Tatverdächtige wurden, wie nicht anders zu erwarten, bisher noch nicht gefasst. Das BKA zählte allein im Jahr 2025 mehr als 320 Fälle von gezielter Sabotage und über 2 000 Drohnenüberflüge. Das Ziel der Hintergrundpersonen ist das Schüren von Verunsicherung. Die Bürger sollen das Gefühl bekommen, dass der Staat seinen Aufgaben nicht mehr gewachsen ist. Darum ist es wichtig, dass wir uns heute mit den Fragen der zivilen Verteidigung bzw. des Katastrophenschutzes befassen. Das grüne Interesse am Bevölkerungsschutz ist offenbar dem Ausscheiden der Grünen aus der Ampelkoalition und deren Rolle in der parlamentarischen Opposition geschuldet. Man muss sich zum Teil sehr wundern, was die Grünen hier zum Thema schreiben. Herr Eckert, Sie sind der Erstzeichner dieses Antrages. Als Vorstandsmitglied im Bayerischen Roten Kreuz und Vorsitzender des Deutschen Komitees Katastrophenvorsorge e. V. schreiben Sie auf Seite 2 im zweiten Absatz Ihres Antrags allen Ernstes – ich zitiere –: „Der Stromausfall infolge eines Anschlags auf eine Stromversorgungsleitung in Berlin Anfang dieses Jahres hat nicht die Verletzlichkeit kritischer Infrastruktur insgesamt – den Lebensadern, der Gesellschaft, der Wirtschaft und unserer Demokratie – erneut schmerzlich aufgezeigt […].“ Zitat Ende. Ich sage Ihnen: Doch! Genau das hat der Anschlag auf über 100 000 Berliner getan. Wenn 100 000 Grundrechtsträger tagelang ohne Strom und Heizung in der Kälte ausharren, dann eben gerade, weil die kritische Infrastruktur verletzlich ist. Es kann dahinstehen, ob Ihre falsche Aussage auf einer Fehlannahme oder einer grünen Empathielosigkeit beruht. Wer sich den Menschenrechten unserer Bürger verpflichtet sieht, kann diesem Antrag in dieser Form nicht zustimmen. Tut mir leid. (Beifall bei der AfD) Wenn wir von Zivilschutz sprechen, ist auch immer auf den Unterschied zum Katastrophenschutz hinzuweisen. Zivilschutz ist Katastrophenschutz im Verteidigungs- oder Spannungsfall, also im Kriegsfall und bei dessen direkter oder indirekter Vorstufe. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der SPD-Fraktion zu? Steffen Janich (AfD): Ja, bitte. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Wiese. Bitte. Dirk Wiese (SPD): Sehr geehrter Herr Kollege Janich, haben Sie erst mal vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Eine Bemerkung vorab. Ich habe gerade sehr aufmerksam zugehört; Sie haben davon gesprochen, dass in Deutschland Drohnenüberflüge stattfinden. Ich will Ihren Vorsitzenden Herrn Chrupalla, den Herr Raue nicht kennt, einmal zitieren. Er hat gesagt: Es gibt keine Drohnenüberflüge in Deutschland. – Von daher muss da ein Erkenntnisgewinn in Ihrer Partei stattgefunden haben. Herr Chrupalla ist übrigens aber auch einer derjenigen, der sagt, Russland habe ihm nichts getan. Dabei sind wir täglich russischen Cyberangriffen und Desinformationen ausgesetzt und sind Ziel einer russischen hybriden Kriegsführung. Russland schreckt auch vor Morden auf deutschem Boden nicht zurück. Interessant. Was mich aber interessiert: Sie haben die Grünen kritisiert, die hier einen Antrag einbringen. Die Grünen machen Vorschläge, über die man streiten kann – ja oder nein. Sie haben seit 2020 in Bund und in den Ländern 7 000 sicherheitsrelevante Anfragen gestellt (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 7 000!) im Hinblick auf die Verteidigungsstruktur Deutschlands, den Katastrophenschutz; Sie fragen nach, wo im Ernstfall Truppenbewegungen sind, wo Verwundete möglicherweise versorgt werden. Bis zum heutigen Tage haben Sie aber auf der Grundlage dieser Informationen keine Vorschläge gemacht. Es gibt von Ihnen im Deutschen Bundestag keinen Antrag, und es gibt auch keine Anträge in den Landtagen. Darum ist meine Frage heute hier an Sie: Was machen Sie mit den Informationen aus diesen 7 000 sicherheitsrelevanten Anfragen? (Thomas Rachel [CDU/CSU]: Den Russen geben!) Wohin bringen Sie diese Informationen? Was tun Sie damit? Ich freue mich auf eine konkrete Antwort von Ihnen hier und jetzt. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Steffen Janich (AfD): Herr Wiese, vielen Dank für die Frage. – Was wir damit tun, ist unsere parlamentarische Arbeit. Wir hinterfragen die Arbeit der Regierung; das ist unsere Aufgabe als Opposition. Und wir werden natürlich auch diese ganzen Informationen sammeln, um sie später in unsere parlamentarische Arbeit einzubringen. In dem Sinne – – (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: 6 000? – Dirk Wiese [SPD]: Sie sammeln seit sechs Jahren! – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Für welches Parlament? Ist doch alles für die Duma!) – Jetzt rede ich. Ich weiß, Sie wollen sich gerne noch weiter ausdrücken. Aber, wie gesagt, uns ist es natürlich wichtig, im Zivilschutz wie auch im Bereich der Verteidigung hier wesentliche Vorschläge zu machen. Und wir arbeiten natürlich in unserer Fraktion, um dort entsprechende Sachen zum Ziel zu bringen. – Vielen Dank für die Frage. (Beifall bei der AfD – Rasha Nasr [SPD]: Sie haben nichts vorgelegt! Warum wollen Sie das alles wissen? Der Kreml freut sich!) So ist die Situation; worüber man sich am Ende des Kalten Krieges kaum noch Gedanken machte. Nun wird seit einiger Zeit immer wieder der mögliche Angriff – Sie sagten es ja – Russlands auf Deutschland angedeutet, welcher dann zweifelsohne Zivilschutzmaßnahmen auslösen würde. Vielleicht sollte sich unsere Bundesregierung in Bezug auf Russland wieder auf das diplomatische Parkett begeben und alles dafür tun, um Deutschland nicht in einen Krieg zu verwickeln und das Leid der Menschen in der Ukraine auf diplomatischem Weg zu beenden. Wie gerne erinnere ich an die Losung: „Von Deutschland darf nie wieder ein Krieg ausgehen!“ Dies sollte der Leitsatz von uns allen sein; denn die Geschichte schreiben ja bekanntlich wie immer die Sieger. (Daniel Baldy [SPD]: Oder ihre Familienmitglieder!) Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Vizepräsident Bodo Ramelow: Für die SPD-Fraktion darf ich Daniel Baldy das Wort erteilen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Daniel Baldy (SPD): Vielen Dank. – Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie kennen vielleicht noch die DMAX-Serie „Ausgesetzt in der Wildnis“ mit Bear Grylls; da wird der ehemalige britische Elitesoldat irgendwo in der Wildnis ausgesetzt – sei es im Schnee, im Regenwald oder in der Wüste – und er muss sich dann zurück in die Zivilisation durchschlagen. Man selbst sitzt an einem Sonntag Kaffee trinkend auf der Couch und schaut zu, wie Bear Grylls Maden isst, wie er Tierfallen baut oder wie er sich einen Schlafplatz bastelt, und denkt dann Kaffee schlürfend: Habe ich jetzt gesehen; das kriege ich auch hin. Ich glaube, so geht es leider manchmal dem Großteil der Bevölkerung in Deutschland, wenn wir über zivile Verteidigung reden: Man schaut zu und verlässt sich darauf, dass andere das halt können. Deshalb finde ich es gut, dass der vorliegende Antrag der Grünen bei der individuellen Verantwortung einen großen Schwerpunkt setzt; denn genau dieses Feld ist doch aktuell eine der großen Schwachstellen in unserer Vorsorge. Im Februar veröffentlichte der Digitalverband Bitkom eine Umfrage zur Krisenvorsorge in Deutschland. Mehr als 80 Prozent der Befragten halten eine Krise wie beispielsweise einen längeren Stromausfall durch hybride Bedrohungen für wahrscheinlich. Aber gerade einmal 15 Prozent der Befragten halten sich und ihre Haushalte für ausreichend auf eine solche Krise vorbereitet. Deshalb stimme ich der Forderung des Antrags vollkommen zu: Wir müssen Eigenverantwortung in der Krisenvorsorge in Deutschland stärker betonen, insbesondere zum Beispiel bei Lebensmittelvorräten zu Hause und bei alternativen Kommunikationsmitteln wie batteriebetriebenen Radios. Darauf wird es auch in Zukunft ankommen, und das BBK leistet dazu ja glücklicherweise auch schon gute Aufklärungsarbeit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]) Worin ich dem Antrag allerdings widerspreche, das ist zum Beispiel die Forderung, in die schulische Ausbildung auch noch die Selbstschutzausbildung zu integrieren. Die Kollegin Nasr hat es eben gesagt und als Lehrer habe ich leider auch immer den Eindruck: Wo immer in Deutschland ein Problem auftritt, wollen wir das an die Schulen weitergeben, entweder als neues Schulfach oder als „Das sollen die Schulen mal so nebenbei machen, neben dem Unterricht, als Wandertag oder als AG“. Ich bin ehrlich: Auch ich habe nicht die Antwort, wie wir das perfekt organisieren können, wie wir alle Altersgruppen in Deutschland erreichen können, ob das am bes

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