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Protokoll der 67. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 25.03.2026 · WP 21 · 21/67 · Original ↗

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Protokoll der 67. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/67 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 67. Sitzung Berlin, Mittwoch, den 25. März 2026 Inhalt: Nachruf auf den Parlamentarischen Staatssekretär Carsten Träger Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung Absetzung der Tagesordnungspunkte 14b, 16, 18 und 21 Nachträgliche Ausschussüberweisungen Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Michael Espendiller (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Michael Espendiller (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sebastian Roloff (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Sebastian Roloff (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Susanne Hierl (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Susanne Hierl (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Heidi Reichinnek (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Heidi Reichinnek (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Gottfried Curio (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Gottfried Curio (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Derya Türk-Nachbaur (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Derya Türk-Nachbaur (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Jürgen Hardt (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Janine Wissler (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stefan Seidler (fraktionslos) Friedrich Merz, Bundeskanzler Stefan Seidler (fraktionslos) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Paul Schmidt (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Paul Schmidt (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Heike Heubach (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Heike Heubach (SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tilman Kuban (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tilman Kuban (CDU/CSU) Friedrich Merz, Bundeskanzler Mandy Eißing (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Mandy Eißing (Die Linke) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Götz Frömming (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Dr. Götz Frömming (AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler Tagesordnungspunkt 2: Fragestunde Drucksache 21/4849 Mündliche Frage 1 Dr. Ingo Hahn (AfD) Maßnahmen der Bundesregierung zur Verbesserung von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn AG seit 2015 Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Zusatzfragen Dr. Ingo Hahn (AfD) Stephan Brandner (AfD) Mündliche Frage 2 Stefan Schröder (AfD) Gründe für die verzögerte Sanierung von Bundesfernstraßenbrücken Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Zusatzfragen Stefan Schröder (AfD) Mündliche Frage 4 Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Durchschnittliche Kosten für die Fahrausbildung im Falle der Übernahme des österreichischen Modells bei der geplanten Führerscheinreform Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Zusatzfragen Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingo Hahn (AfD) Mündliche Frage 5 Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Schließung der Klimaschutzlücke im Verkehrssektor Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Zusatzfragen Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Victoria Broßart (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mündliche Frage 6 Stephan Brandner (AfD) Fünf vorrangige Projekte von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Zusatzfragen Stephan Brandner (AfD) Pascal Meiser (Die Linke) Mündliche Frage 15 Kerstin Przygodda (AfD) Möglicher Einbezug Schwerins in die Fernverkehrsverbindung Berlin–Lübeck nach Abschluss der Bauarbeiten Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 16 Kerstin Przygodda (AfD) Mögliche Pläne zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Stralsund–Rostock Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 17 Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Volkswirtschaftlicher Nutzen zentraler Ökosystemleistungen Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Zusatzfragen Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ingo Hahn (AfD) Mündliche Frage 18 Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Berechnungen zu Klimaschadenskosten durch die vergrößerte Emissionslücke des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Zusatzfragen Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Karsten Hilse (AfD) Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mündliche Frage 20 Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Wiedereinführung der materiellen Präklusion im Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz vor EU-Beschluss Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Zusatzfrage Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zusatzpunkt 1: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen CDU/CSU und SPD: Jegliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen bekämpfen – Staatliche Aufgabe und gesellschaftliche Verantwortung Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin BMJV Kerstin Przygodda (AfD) Karin Prien, Bundesministerin BMBFSFJ Katharina Dröge (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kathrin Gebel (Die Linke) Julia Klöckner (CDU/CSU) Gereon Bollmann (AfD) Sonja Eichwede (SPD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Susanne Hierl (CDU/CSU) Birgit Bessin (AfD) Anne König (CDU/CSU) Carmen Wegge (SPD) Ronja Kemmer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 3: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Neuordnung aufsichtsrechtlicher Verfahren und zur Änderung weiterer Vorschriften im Bereich der rechtsberatenden Berufe Drucksache 21/4298 Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Stephan Brandner (AfD) Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Knuth Meyer-Soltau (AfD) Dr. David Preisendanz (CDU/CSU) Christian Moser (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 8: Beschlussempfehlung und Bericht des Innenausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Eine wirkliche Migrationswende braucht eine reformierte Einbürgerungspolitik Drucksachen 21/4466, 21/4792 David Gregosz (CDU/CSU) Dr. Gottfried Curio (AfD) Hakan Demir (SPD) Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ferat Koçak (Die Linke) Siegfried Walch (CDU/CSU) Namentliche Abstimmung Ergebnis Tagesordnungspunkt 5: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ausweitung der notariellen Online-Verfahren im Gesellschafts- und Registerrecht, zur Digitalisierung des Führungszeugnisses und zur Verlängerung der Antragsfrist für Anträge von Soldatinnen und Soldaten auf Entschädigung wegen dienstrechtlicher Benachteiligung Drucksache 21/4782 Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Thomas Fetsch (AfD) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Dr. Till Steffen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Carl-Philipp Sassenrath (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 6: Antrag der Abgeordneten Mareike Hermeier, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Unterhaltsvorschuss reformieren – Chancen für Kinder Alleinerziehender verbessern Drucksache 21/4539 Mareike Hermeier (Die Linke) Ansgar Heveling (CDU/CSU) Gereon Bollmann (AfD) Truels Reichardt (SPD) Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wolfgang Dahler (CDU/CSU) Christian Zaum (AfD) Ralph Edelhäußer (CDU/CSU) Nächste Sitzung Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Schriftliche Antworten auf Fragen der Fragestunde Mündliche Frage 3 Tobias Matthias Peterka (AfD) Versicherungsrechtliche Fragestellungen bei der geplanten Führerscheinreform Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 10 Jorrit Bosch (Die Linke) Gespräche des Bundesministeriums für Verkehr mit der Tank & Rast GmbH seit 2024 Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 11 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Mindestangeboten im Fernverkehr Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 12 Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zeitplan für die Reform der Trassenpreise Antwort Christian Hirte, Parl. Staatssekretär BMV Mündliche Frage 21 Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Maßnahmen gegen Umweltfolgen der Fast-Fashion-Industrie Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 22 Julia Schneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Maßnahmen zur Entlastung gemeinnütziger Sammler von Alttextilien Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 23 Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Förderung der Entwicklung modularer Kleinreaktoren Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 24 Stephan Brandner (AfD) Fünf vorrangige Projekte von Bundesumweltminister Carsten Schneider Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 25 Stefan Schröder (AfD) Globale CO₂-Einsparungen durch nationale Maßnahmen Deutschlands bis 2030 Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 26 Bernd Schattner (AfD) Sicherstellung der nuklearen Sicherheit in Deutschland Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 27 Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Bewertung des BMWE-Berichts zu den Folgen der Einstufung des Atomausstiegs als strategischer Fehler durch die EU-Kommission Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 28 Ayse Asar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Position der Bundesregierung zu EU-Mitteln für Small Modular Reactors Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 29 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sicherheitspolitische Bewertung der Bundesregierung zur Erweiterung der Brennelementefabrik Lingen unter russischer Beteiligung Antwort Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN Mündliche Frage 30 Sebastian Maack (AfD) Debatte um erweiterte Bereitstellung kostenloser ärztlicher Verhütungsmittel für Frauen Antwort Tino Sorge, Parl. Staatssekretär BMG Mündliche Frage 31 Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Entwicklungshilfe für die am wenigsten entwickelten Länder seit 2022 Antwort Dr. Bärbel Kofler, Parl. Staatssekretärin BMZ Mündliche Frage 32 Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Überprüfung von Projektträgern im Ausland durch den Bundesnachrichtendienst seit 2023 Antwort Dr. Bärbel Kofler, Parl. Staatssekretärin BMZ Mündliche Frage 33 Dr. Jan-Niclas Gesenhues (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Einführung einer Steuer auf To-go-Einwegverpackungen Antwort Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 34 Dr. Rainer Kraft (AfD) Schlussfolgerungen aus dem Schadensersatzanspruch von Uniper gegen Gazprom Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 35 Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche negative Umwelt- und Menschenrechtsfolgen infolge des Baus und Betriebs einer Ammoniakanlage in Mexiko Antwort Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 36 Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gegenfinanzierung der Senkung der Luftverkehrsteuer zum 1. Juli 2026 Antwort Dennis Rohde, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 37 Katrin Uhlig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zeitplan zur Senkung der Stromsteuer Antwort Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 38 Christian Görke (Die Linke) Zeitplan für die mögliche Einführung einer Übergewinnsteuer für Energieunternehmen Antwort Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 39 Christian Görke (Die Linke) Voraussetzungen für die mögliche Einführung einer Übergewinnsteuer für Energieunternehmen Antwort Michael Schrodi, Parl. Staatssekretär BMF Mündliche Frage 40 Knuth Meyer-Soltau (AfD) Kenntnisse der Bundesregierung über mögliches Erpressungspotenzial gegenüber deutschen Staatsbürgern in US-Unterlagen zur Epstein-Affäre Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 41 Knuth Meyer-Soltau (AfD) Sicherheitsrelevante Risiken durch eine mögliche Erwähnung deutscher Funktionsträger in US-Ermittlungsakten zur Epstein-Affäre Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 42 Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Anzahl der Anträge in den Spezifischen Zielen 2 und 3 beim Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 43 Jan Köstering (Die Linke) Grenzüberschreitender Einsatz verdeckter Ermittler und von V-Personen in bestimmten Deliktsbereichen seit 2017 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 44 Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Fehlendes Organigramm auf der Website des Bundesministeriums des Innern Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 45 Clara Bünger (Die Linke) Rechtsgrundlage für die Zurückweisung unbegleiteter Minderjähriger im Jahr 2025 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 46 Clara Bünger (Die Linke) Entscheidungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zu Asylanträgen iranischer Staatsangehöriger im bisherigen Jahr 2026 Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 47 Sascha Lensing (AfD) Maßnahmen der Bundesregierung gegen islamismusaffine Einstellungen bei unter 40-jährigen Muslimen Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 48 Sascha Lensing (AfD) Ressortverteilung in den Bundesländern bei den Bereichen Flucht und Ausländerrecht sowie Abschiebung und Unterbringung von Geflüchteten Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 49 Lea Reisner (Die Linke) Beiträge deutscher Sicherheitsbehörden im Cyber- und Sicherheitspakt mit Israel Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 50 Ina Latendorf (Die Linke) Zuchtlinien von Deutschen und Belgischen Schäferhunden als Diensthunde beim Zoll und bei der Bundespolizei Antwort Daniela Ludwig, Parl. Staatssekretärin BMI Mündliche Frage 51 Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zahl der humanitären Visa für Iraner seit Januar 2026 Antwort Florian Hahn, Staatsminister AA Mündliche Frage 52 Deborah Düring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Möglicher Einsatz der Bundesregierung bei der UNESCO für den Schutz der Gedenkstätte Ex-ESMA in Buenos Aires Antwort Florian Hahn, Staatsminister AA Mündliche Frage 53 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche völkerrechtliche Bewertung des US-amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran Antwort Florian Hahn, Staatsminister AA Mündliche Frage 54 Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mögliche Maßnahmen im Klimaschutzprogramm zur Kompensation der Mehremissionen durch das Gebäudemodernisierungsgesetz Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 55 Dr. Rainer Kraft (AfD) Schlussfolgerungen der Bundesregierung aus Prognosen zur möglichen Verdoppelung der Gaspreise bis 2035 Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 56 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zusammensetzung und Entwicklung der Kosten für nicht erzeugten Strom aus erneuerbaren Energien Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 57 Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vorbereitung auf mögliche US-amerikanische Öl- und Gasexportrestriktionen Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 58 Lea Reisner (Die Linke) Kooperationen in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zwischen israelischen und deutschen Firmen Antwort Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Mündliche Frage 59 Jan Köstering (Die Linke) Umsetzung der EU-Ratsentschließung zum grenzüberschreitenden Einsatz verdeckter Ermittler Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 60 Thomas Fetsch (AfD) Mögliche Anpassung des Mindeststammkapitals einer Unternehmergesellschaft Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 61 Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Personalausstattung des Generalbundesanwalts im Vergleich zur Anzahl der Ermittlungsverfahren seit 2015 Antwort Anette Kramme, Parl. Staatssekretärin BMJV Mündliche Frage 62 Tobias Matthias Peterka (AfD) Möglicher gesetzgeberischer Handlungsbedarf bei der Regulierung von VPN-Diensten hinsichtlich der Altersverifikation Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 63 Markus Matzerath (AfD) Ethnische und soziale Gruppen in Deutschland mit überwiegend endogamer Heiratspraxis Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 64 Markus Matzerath (AfD) Vereinbarkeit von durchmischtem bzw. segregiertem Wohnen mit der Menschenwürde und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung Antwort Mareike Lotte Wulf, Parl. Staatssekretärin BMBFSFJ Mündliche Frage 65 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wirksamkeit tariflicher Flexibilisierungsmöglichkeiten bei Arbeitszeiten im Gastgewerbe Antwort Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 66 Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kenntnis der Bundesregierung über tarifliche Flexibilisierungsmöglichkeiten bei Arbeitszeiten im Gastgewerbe Antwort Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 67 Rainer Galla (AfD) Zahl der Bezieher steuerfinanzierter Grundsicherung und Höhe der entsprechenden Ausgaben des Bundes in den Jahren 2000, 2005 sowie 2010 Antwort Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS Mündliche Frage 68 Rainer Galla (AfD) Zahl der Bezieher steuerfinanzierter Grundsicherung und Höhe der entsprechenden Ausgaben des Bundes in den Jahren 2015, 2020 sowie 2025 Antwort Kerstin Griese, Parl. Staatssekretärin BMAS Präsidentin Julia Klöckner: Guten Tag, alle zusammen! Hiermit eröffne ich die Sitzung. Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! „Natur und Demokratie leben von Unterstützung. Ohne diese werden sie geschwächt“. Das waren noch am vergangenen Freitag, gerade einmal vor fünf Tagen, die Worte von Carsten Träger hier am Rednerpult des Deutschen Bundestages. Einen Tag später ist unser Kollege völlig unerwartet überraschend aus dem Leben gerissen worden – nur 52 Jahre wurde er jung. Uns alle traf diese Nachricht mit Schock. Wir trauern um Carsten Träger, und wir sind in Gedanken bei seiner Ehefrau, bei seinen Töchtern und seiner gesamten Familie. Wir wünschen ihnen für diese sehr, sehr schwere Zeit viel Kraft, Zuversicht und auch die Wärme der familiären Erinnerungen. Es ist nicht einfach, eine solche Trauer so in der Öffentlichkeit durchleben zu müssen. Deshalb bitten wir die Öffentlichkeit, respektvoll mit der familiären Sphäre der Hinterbliebenen umzugehen. Ich denke in diesen Stunden auch an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die so eng und vertrauensvoll mit ihrem Chef zusammengearbeitet haben. Sie sind heute da. Sie verlieren einen sehr besonderen Chef, und auch für sie ist sein Tod ein schwerer Einschnitt in den Alltag. Und ich drücke mein herzliches Beileid Ihnen, der Fraktion der Sozialdemokraten, aus, die so viel Zeit und so viel Persönliches mit Carsten Träger geteilt hat. Ebenso auch dem Bundesumweltminister und seinem ganzen Haus. Sie trauern um ihren geschätzten Parlamentarischen Staatssekretär. Carsten Träger war Umweltpolitiker mit tiefem Interesse, mit Fachkenntnis und aus wirklicher tiefer Überzeugung. Seine Frau Claudia Träger hat das in sehr persönlichen Zeilen unterstrichen. Ich darf das hier mit ihrer Genehmigung kurz zitieren – Zitat –: „Carsten wollte diese Tätigkeit, um die Welt für seine Kinder und mich besser zu machen.“ Er hat sich um die Umweltpolitik in diesem Land verdient gemacht. Carsten Träger war seit 2013 mit einer kurzen Unterbrechung als SPD-Abgeordneter unser Kollege hier. Fürth war seine Heimat, sozialer Ausgleich seine Leidenschaft. Sein Amt als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium sah er als seinen – Zitat – „absoluten Wunschposten“ – eine Aufgabe, der er sich mit großem Engagement und mit großer Fachkenntnis widmete. Über die Fraktionsgrenzen hinweg haben wir ihn geschätzt. Man musste nicht seiner Meinung sein, und trotzdem wusste man, dass man es mit einem bodenständigen, mit einem zugewandten, mit einem fairen Menschen zu tun hatte. Sein Antrieb war ehrlich. Es ging Carsten Träger nicht um schnelle Aufmerksamkeit oder Schlagzeilen, sondern um Ernsthaftigkeit, um Gerechtigkeit, um das gute Miteinander. Im Dezember wurde er gefragt, was ihm für das Jahr 2026, das laufende Jahr, Hoffnung gebe. Carsten Träger erklärte, was sein Rezept gegen Vertrauensverlust sei – Zitat –: „Wir müssen uns die Zeit nehmen, wichtige Fragen zu besprechen, ohne verkürzte Debatten zu führen.“ Sein viel zu früher Tod wirkt wie eine ungerechte Verkürzung seines Lebens. Es bleibt eine schmerzhafte Lücke. Carsten Träger, unser Kollege, er wird fehlen. Und deshalb werden wir ihn nicht vergessen, sondern ihm ein besonderes Andenken bewahren. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte Sie, sich im Gedenken an Carsten Träger zu erheben. (Die Anwesenden erheben sich) Ich danke Ihnen. Ich unterbreche unsere Sitzung für einen kurzen Moment. Danach starten wir mit der Befragung. (Unterbrechung von 14:05 bis 14:06 Uhr) Präsidentin Julia Klöckner: Verehrte Kolleginnen und Kollegen, hiermit eröffne ich die unterbrochene Sitzung wieder. Interfraktionell ist vereinbart worden, die Tagesordnung um die in der Zusatzpunkteliste aufgeführten Punkte zu erweitern: ZP 1 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen CDU/CSU und SPD Jegliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen bekämpfen – Staatliche Aufgabe und gesellschaftliche Verantwortung ZP 2 Beratung des Antrags der Abgeordneten Martin Reichardt, Sebastian Maack, Gereon Bollmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Schutz von Kindern und Jugendlichen vor religiösem Zwang, Mobbing und gruppendynamischem Druck stärken – Auch Konversionsdruck wirksam begegnen Drucksache 21/4941 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (f) Innenausschuss Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Kultur und Medien ZP 3 Erste Beratung des von den Abgeordneten Dr. Lena Gumnior, Helge Limburg, Dr. Till Steffen, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Strafgesetzbuches – Strafbarkeit bildbasierter sexualisierter Gewalt Drucksache 21/4949 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (f) Innenausschuss Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung ZP 4 Weitere Überweisungen im vereinfachten Verfahren (Ergänzung zu TOP 29) a) Beratung des Antrags der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Keine verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen in Deutschland Drucksache 21/4944 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Arbeit und Soziales b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Erhalt des Ackerstatus landwirtschaftlicher Flächen rechtssicher gewährleisten, unionsrechtliche Spielräume ausschöpfen und Fehlsteuerungen im Dauergrünlandschutz beseitigen Drucksache 21/4945 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat c) Beratung des Antrags der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Konsequenzen der Blockade der Straße von Hormus für Düngertransporte nach Deutschland – Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit reduzieren Drucksache 21/4946 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (f) Auswärtiger Ausschuss Ausschuss für Wirtschaft und Energie Verkehrsausschuss Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Dr. Janosch Dahmen, Simone Fischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken Drucksache 21/4954 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Gesundheit ZP 5 Weitere abschließende Beratung ohne Aussprache (Ergänzung zu TOP 30) Beratung des Antrags der Abgeordneten Tobias Teich, Micha Fehre, Peter Boehringer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 528/2012 im Hinblick auf Verlängerung bestimmter Datenschutzfristen KOM(2025) 1020 endg.; Ratsdok. 17054/25 hier: Stellungnahme gemäß Artikel 6 des Protokolls Nummer 2 zum Vertrag von Lissabon (Grundsätze der Subsidiarität und der Verhältnismäßigkeit) Drucksache 21/4947 ZP 6 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD Mitversicherung von Familienangehörigen in der gesetzlichen Krankenversicherung ZP 7 Beratung des Antrags der Abgeordneten Stephan Brandner, Dr. Michael Espendiller, Marcus Bühl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Antrag auf abstrakte Normenkontrolle beim Bundesverfassungsgericht gemäß Artikel 94 Absatz 1 Nummer 2 des Grundgesetzes wegen des Bundeshaushaltsgesetzes 2025, des Bundeshaushaltsgesetzes 2026 und des Gesetzes zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität Drucksache 21/4939 ZP 8 Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/2748 zu Notfallverfahren aufgrund eines Binnenmarkt-Notfalls bei Gasgeräten und PSA Drucksache 21/3204 Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales (11. Ausschuss) Drucksache 21/… ZP 9 – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Fünften Gesetzes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften Drucksache 21/3505 Beschlussempfehlung und Bericht des Verkehrsausschusses (15. Ausschuss) Drucksache 21/… – Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/… ZP 10 Beratung des Antrags der Abgeordneten Julian Joswig, Swantje Henrike Michaelsen, Dr. Alaa Alhamwi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN E-Auto-Förderung wirksam ausrichten – Sozial, klimawirksam und europäisch Drucksache 21/4952 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Finanzausschuss Ausschuss für Arbeit und Soziales Verkehrsausschuss Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuss ZP 11 Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion Die Linke Demokratie leben – Engagement schützen, Förderstrukturen erhalten Von der Frist für den Beginn der Beratungen soll, soweit erforderlich, abgewichen werden. Der Tagesordnungspunkt 14b sowie die Tagesordnungspunkte 16, 18 und 21 werden abgesetzt. Die weiteren Änderungen und Ergänzungen sowie den geänderten Ablauf der Beratungen im Übrigen können Sie der Zusatzpunkteliste entnehmen. Außerdem mache ich auf zwei nachträgliche Ausschussüberweisungen im Anhang zur Zusatzpunkteliste aufmerksam: Der am 15. Januar 2026 (53. Sitzung) überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll zusätzlich dem Ausschuss für Tourismus (20. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden: Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Durchführung einer Verordnung der Europäischen Union zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen sowie zur Durchsetzung von Diskriminierungsverboten der Europäischen Union Drucksache 21/3484 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Tourismus Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung Der am 26. Februar 2026 (59. Sitzung) überwiesene nachfolgende Gesetzentwurf soll zusätzlich dem Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (10. Ausschuss) zur Mitberatung überwiesen werden: Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung flaggen-, schiffsregister- und seefischereirechtlicher Vorschriften Drucksache 21/3948 Überweisungsvorschlag: Verkehrsausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Sind Sie damit einverstanden? – Ich höre und sehe keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 1: Befragung der Bundesregierung Hierfür hat die Bundesregierung den Bundeskanzler, Herrn Friedrich Merz, benannt. Er wird zunächst die Gelegenheit zu einleitenden Ausführungen haben. Das hat den Umfang von acht Minuten. Sie haben nun das Wort. Herr Bundeskanzler, bitte sehr. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erlauben Sie mir, dass ich mich zunächst namens der Bundesregierung den mitfühlenden Worten unserer Präsidentin zum plötzlichen Tod unseres Kollegen Carsten Träger anschließe. Wir haben heute Morgen zu Beginn der Sitzung des Bundeskabinetts seiner gedacht. Carsten Träger hat mehrfach Platz genommen am Tisch des Bundeskabinetts in Vertretung seines Ministers, Carsten Schneider, und die Interessen des Umweltministeriums am Kabinettstisch vertreten. Er wird auch uns fehlen. Ich möchte namens der Bundesregierung seiner Familie, seiner Frau, seinen Töchtern, aber auch seinen politischen Wegbegleitern ein herzliches Wort des Mitgefühls zum Ausdruck bringen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten der AfD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir leben in außergewöhnlich herausfordernden Zeiten. Der Krieg im Mittleren Osten, der anhaltende Krieg Russlands gegen die Ukraine, aber auch eine ganze Reihe von weiteren größeren und kleineren Konflikten auf dieser Welt fordern uns heraus, betreffen uns, auch mittelbar und unmittelbar. Zugleich ringen wir in Europa, in dieser Europäischen Union, um die Zukunft des europäischen Kontinents, nicht mehr und nicht weniger. Vor diesem Hintergrund möchte ich Ihnen zunächst in wenigen Sätzen sagen, wovon die Bundesregierung und auch ich persönlich uns leiten lassen in den Antworten, die wir als Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland zu geben versuchen. Erstens. Wir müssen als Bundesrepublik Deutschland unsere Interessen definieren. Wir müssen sie definieren, aber wir müssen sie auf der Welt auch durchsetzen. Und unser wichtigstes Interesse ist darauf ausgerichtet, die Freiheit, den Frieden, den Wohlstand und auch den Sozialstaat der Bundesrepublik Deutschland in diesen schwierigen Zeiten zukunftsfähig zu halten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Zweitens. Dies alles geht nur in einer starken Europäischen Union. Die Geschichte unseres Landes wäre anders verlaufen, wenn wir denen gefolgt wären, die diesen Weg nicht mit uns gehen wollten. Das betrifft die Europäische Union, das betrifft aber auch das Nordatlantische Verteidigungsbündnis, die NATO. Dass wir heute hier zusammen im Deutschen Bundestag in Berlin sitzen, ist diesen Grundentscheidungen für unsere Bundesrepublik Deutschland vor Jahren und Jahrzehnten zu verdanken. Dieses Erbe dürfen wir nicht verspielen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Und schließlich drittens. Die Bundesrepublik Deutschland ist nur dann stark in Europa und kann auch nur dann ihre Interessen auf der Welt wahrnehmen, wenn sie selbst stark ist. Und stark zu sein in diesen Zeiten, heißt, eine prosperierende Volkswirtschaft zu sein, Arbeitsplätze zu sichern (Manuel Krauthausen [AfD]: Dann machen Sie doch mal Politik dafür!) und neue zu ermöglichen und gleichzeitig verteidigungsfähig zu werden. Ich sage bewusst „zu werden“; denn wir sind es nicht mehr. Darauf alle Anstrengungen auszurichten, ist die wichtigste Aufgabe der Bundesregierung in diesen herausfordernden Zeiten. Ich will den Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes aber auch sagen: Wir stehen nicht vor Problemen, die unbewältigbar sind. Die meisten der Probleme, die wir heute in unserem Land haben, sind hausgemacht, sind von uns selbst mit herbeigeführt. Deswegen liegt es auch und vor allem an uns, dafür zu sorgen, dass diese Probleme wieder kleiner werden und dass sie am besten bald verschwinden. Eine starke Volkswirtschaft, eine verteidigungsfähige Bundesrepublik Deutschland und eine Gesellschaft, die nach innen hin einen neuen Grundkonsens findet – das ist die Antwort auf die Aufgaben, die wir gemeinsam lösen wollen, und das ist genau der Geist, der uns in der Koalition trägt, in der Koalition aus CDU, CSU und SPD. Ich danke Ihnen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Ich bedanke mich. – Der Bundeskanzler hat die Zeit nicht ganz ausgeschöpft und gibt uns damit mehr Zeit, zu fragen. Für die Befragung sind 60 Minuten vorgesehen. Eine Verlängerung ist laut Geschäftsordnung nicht vorgesehen. Jetzt beginnen wir mit dem eigentlichen Teil der Befragung. Ich will das kurz einführend sagen: Sie können Fragen zum Geschäftsbereich des Bundeskanzlers und den Kabinettssitzungen stellen und auch allgemeine Fragen an den Bundeskanzler richten. Alle Fraktionen erhalten hierfür in mehreren Runden nacheinander das Wort, beginnend mit der größten Oppositionsfraktion. Noch ein Hinweis: Für die Hauptfrage und die Antwort steht jeweils eine Minute zur Verfügung. Für eine Nachfrage des Fragestellers und die Antwort darauf gibt es lediglich 30 Sekunden. Weitere Nachfragen von anderen Abgeordneten sind in der Befragung des Bundeskanzlers nicht möglich. Ich bitte Sie alle – auch Sie, Herr Bundeskanzler –, die vereinbarten Zeiten einzuhalten, damit möglichst viele Fragen beantwortet werden können. Wir beginnen jetzt mit der Befragung des Bundeskanzlers, und das Wort hat für die AfD der Abgeordnete Dr. Michael Espendiller. – Bitte sehr. Dr. Michael Espendiller (AfD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der Iran hat vor ein paar Tagen zwei Raketen auf den Stützpunkt Diego Garcia abgefeuert, was zeigt, dass auch Deutschland theoretisch im Radius solcher Raketen liegt. Weil sich genau solche immer neuen Bedrohungslagen in den letzten Jahren gehäuft haben, hat der Verfassungsgesetzgeber der Regierung die Möglichkeit gegeben, weitere Sonderschulden zu machen, um auf diese Bedrohungslagen zu reagieren. Die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben wurde ausgesetzt, und zwar mit der sogenannten Bereichsausnahme. Das ist neben dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität der zweite große Schuldentopf, mit dem Ihre Regierung gestartet ist. Letzte Woche wurde nun bekannt, dass es beim Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zu milliardenschweren Zweckentfremdungen gekommen ist, die wir als AfD-Bundestagsfraktion auch so vorhergesehen haben und die wir ganz klar als Verfassungsbruch werten. Seit diesem Montag wissen wir nun, dass das SPD-Finanzministerium – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Fragezeit ist um. Dr. Michael Espendiller (AfD): – eine weitere zusätzliche Zweckentfremdung der Sonderschulden der Bundeswehr plant. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Fragezeit ist abgelaufen. Dr. Michael Espendiller (AfD): Wie stehen Sie dazu, Herr Kanzler? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wir haben im letzten Jahr entschieden, dass wir zunächst unsere eigenen Verteidigungsanstrengungen erheblich vergrößern, und haben uns im Rahmen der NATO verpflichtet, 3,5 Prozent unseres BIP für die reine Verteidigung auszugeben und zusätzlich 1,5 Prozent für die militärisch notwendige Infrastruktur. Diesen Weg werden wir konsequent weitergehen, und ich sehe aus heutiger Sicht keine Veranlassung, daran etwas zu ändern, weder die Anstrengungen zu verringern noch sie noch einmal zu verstärken. Zweitens. Wir haben eine Verabredung getroffen im Hinblick auf die Infrastruktur und auch dafür, noch einmal einen größeren Geldbetrag zur Verfügung zu stellen. Ich lese die Berichte der Forschungsinstitute. Ich lese allerdings in diesen Berichten auch Fußnoten. Und in einer dieser Fußnoten kommt zum Ausdruck, dass 95 Prozent der Mittel, die wir bereitstellen, für Investitionen zur Verfügung gestellt werden. Und wir halten auch die uns selbstgesetzte Investitionsquote von 10 Prozent aus dem laufenden Haushalt ein. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Deswegen sehe ich Klagen, wenn sie denn kommen, mit größter Gelassenheit entgegen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Sie haben die Chance zu einer 30-sekündigen Nachfrage. (Beatrix von Storch [AfD]: Die Zeit läuft ja schon!) – Ganz kurz: Wenn das Zeichen gelb wird, sollte man eigentlich anfangen, die Frage zu stellen. (Beatrix von Storch [AfD]: Das läuft doch schon!) – Machen Sie sich mal ganz locker. Wir kriegen das hier richtig und ordentlich hin, keine Sorge. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Eben nicht! Offensichtlich ja nicht!) – Frau Weidel, welches Problem haben Sie jetzt gerade? Wollen Sie gerade mit mir darüber diskutieren? (Dr. Alice Weidel [AfD]: Jetzt kommt wieder die alte Leier von Ihnen! Machen Sie eine neutrale Sitzungsleitung, endlich mal!) Sie haben jetzt 30 Sekunden. Bitte sehr. Dr. Michael Espendiller (AfD): Das ist interessant, Herr Kanzler. Ich hatte nach der Zweckentfremdung der Sonderschulden für die Bundeswehr gefragt und zu dem, was wir seit Montag wissen. Ich wollte es auch gerne im Haushaltsausschuss diskutieren. Wir haben es auf die Tagesordnung gesetzt. Das wurde von Ihren Obleuten allerdings mit dem Hinweis auf vertrauliche Informationen abgelehnt und wird gleich abgesetzt werden. Das heißt, es ist schön, wenn Sie sich hierhinstellen und sagen, Sie möchten dieses Geld für die Bundeswehr einsetzen, wenn wir jetzt doch den nächsten milliardenschweren Skandal haben, wo solche Gelder zweckentfremdet werden. Wir haben die höchsten Steuereinnahmen der Welt. Sie zweckentfremden das Sondervermögen, und jetzt noch die Bundeswehrsachen. Ich frage mich: Was machen Sie denn mit dem Geld, und warum diskutieren Sie jetzt eine Mehrwertsteuererhöhung oder die Streichung – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Dr. Michael Espendiller (AfD): – der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern in der GKV? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, wenn im Verteidigungsausschuss, dem ich selbst einmal eine Wahlperiode angehört habe, etwas als Vertraulich eingestuft wird, (Dr. Michael Espendiller [AfD]: Ich spreche vom Haushaltsausschuss!) dann ist es vertraulich, und dann bleibt es auch in der Plenarsitzung des Deutschen Bundestages vertraulich. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Lachen bei der AfD) Die einfache Antwort auf Ihre Frage ist: Wir bleiben dabei, (Dr. Michael Espendiller [AfD]: Bei der Zweckentfremdung! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Bei der Zweckentfremdung! Ja, dabei bleiben Sie!) dass wir dieses Geld für die Verteidigung ausgeben. Wir werden auch die Beschaffungsprozesse jetzt noch einmal überprüfen und verbessern, und dann werden wir wieder verteidigungsfähig. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen jetzt zur nächsten Hauptfrage. Für die SPD-Fraktion hat nun der Kollege Sebastian Roloff das Wort. Bitte sehr. Sebastian Roloff (SPD): Frau Präsidentin, ich darf mich zunächst bei Ihnen für Ihre sehr freundliche Würdigung des Kollegen Träger und beim ganzen Haus für die Anteilnahme bedanken, durchaus auch im Namen meiner Landesgruppe; wenn ich das kurz sagen darf. Herr Bundeskanzler, Sie wissen: Es gibt eine große Unsicherheit der Menschen im Land mit Blick auf die Entwicklung der Öl- und Gaspreise, nicht nur an den Zapfsäulen, sondern auch mit Blick auf Heizkosten etc. Es ist gut und richtig, dass wir das Kraftstoffmaßnahmenpaket diese Woche auf den Weg bringen. Aber klar ist auch, dass das keine kurzfristige Entlastung beim Spritpreis mit sich bringen wird, sondern eher die Entwicklung hemmt. Der Bundesfinanzminister hat zum Beispiel eine höhere Pendlerpauschale und eine Übergewinnsteuer vorgeschlagen und prüft das. Wie stehen Sie zu diesen Vorschlägen des Bundesfinanzministers? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich teile mit der Bundesregierung und auch mit Ihnen die Sorge um die steigenden Energiepreise. Wir werden morgen das erste Maßnahmenpaket schon in zweiter und dritter Lesung hier beschließen – das kann dann am Freitag bereits im Bundesrat beschlossen werden – im Hinblick auf die Preisfestsetzungsmechanismen und auf die kartellrechtliche Überprüfung dieser Preisgestaltung. Aber dies alles wird nicht ausreichen, um die Preise so zu dämpfen, dass sie wieder verträglich werden für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Deswegen sind durchaus weitere Maßnahmen denkbar. Die Pendlerpauschale könnte eine solche Maßnahme sein; sie wirkt allerdings erst im nächsten Jahr mit den jeweiligen Steuererklärungen. Andere Maßnahmen sehe ich skeptisch, (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und ich will das wiederholen, was ich vor Jahren schon gesagt habe: Auch eine Übergewinnsteuer scheint mir schon bei der Definition des Übergewinns erhebliche steuerrechtliche Probleme auszulösen. Aber ich bin offen für jede Diskussion. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Sie haben die Möglichkeit zu einer Nachfrage. Bitte. Sebastian Roloff (SPD): Vielen Dank für Ihre Antwort. – Gibt es denn Maßnahmen, die Sie sich vorstellen können, die konkret entlastend wirken – also in diesem Zwischenbereich, nicht nur mittelfristig und nicht erst mit der Steuererklärung –, zum Beispiel mit Blick auf die Frage der Spritpreisbremse oder steuerliche Maßnahmen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, steuerliche Maßnahmen werden ja auch aus Ihren Reihen von Ministerpräsidenten oder Ministerpräsidentinnen vorgeschlagen, die allerdings dann sofort zu erheblichen Einnahmeausfällen für den Bundeshaushalt führen. Das sind Maßnahmen, über die wir nachdenken können. Ich will allerdings auch hinzufügen: Wir können nicht jede Preisentwicklung durch steuerliche Maßnahmen oder durch Maßnahmen aus dem Bundeshaushalt heraus ausgleichen. Das beste Mittel, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen, ist eine Beendigung des Krieges im Iran, (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) und dafür tut die Bundesregierung alles – auch ich persönlich in meinen Gesprächen –, um dies möglichst schnell auch zu erreichen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Die nächste Hauptfrage geht an die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, an Frau Abgeordnete Lena Gumnior. Bitte. Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank. – Die Frauen in diesem Land diskutieren seit Tagen über das große Problem von Gewalt gegen Frauen im Internet, und sie wünschen sich von der Bundesregierung mehr Schutz in Bezug auf digitalisierte Gewalt. (Beatrix von Storch [AfD]: Oh, Kinder Gottes!) Es ist gut, dass sich bereits viele Politikerinnen geäußert haben, aber Sie, Herr Merz, bislang nicht. Deswegen meine Frage an Sie: Viele Frauen wünschen sich doch einen Kanzler in diesem Land, der genau in solchen Momenten nicht schweigt, und deswegen frage ich Sie: Warum haben Sie sich bisher nicht geäußert? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, darf ich zunächst einmal festhalten, dass nicht nur die Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer, (Heidi Reichinnek [Die Linke]: Ja! Der Kanzler aber nicht!) und ich gehöre dazu. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich weiß nicht, wie lange Sie dem Deutschen Bundestag schon angehören. (Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken: Oh!) – Ich weiß es nicht. (Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also wir alle zusammen schon deutlich länger als Sie! – Zuruf der Abg. Janine Wissler [Die Linke]) Ich kann Ihnen nur aus der letzten Wahlperiode sagen, dass wir noch nach dem Auseinanderbrechen der Ampel hier im Deutschen Bundestag mit den Stimmen meiner Fraktion, die ich damals geführt habe, auf meinen Wunsch hin eine Mehrheit ermöglicht haben für ein Gewaltschutzgesetz, für das Sie in der auseinanderbrechenden Ampel damals keine Mehrheit mehr hatten. Das haben wir ermöglicht. (Beifall bei der CDU/CSU) Und, Frau Kollegin, wir haben heute Morgen im Bundeskabinett den Gesetzentwurf zur Stärkung der Rechte von Verletzten insbesondere schwerer Gewalt- und Sexualstraftaten auf psychosoziale Prozessbegleitung verabschiedet. Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – und wir werden, Frau Kollegin, auch die Speicherung von IP-Adressen ermöglichen, – (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – die die Strafverfolgung auch bei Straftaten im Internet ermöglicht. (Jens Spahn [CDU/CSU], an BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gewandt: Dann schauen wir mal, wie ihr abstimmt!) Präsidentin Julia Klöckner: Sie dürfen nachfragen. Bitte. Dr. Lena Gumnior (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Unser Einsatz für den Schutz von Frauen vor Gewalt hängt ja zum Glück nicht von unserer Anwesenheit und Dauer im Parlament ab. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Linken) Trotzdem, finde ich, ist es doch ein skandalöser Zustand, dass Millionen unserer Töchter in diesem Land Opfer von digitaler sexualisierter Gewalt werden, (Zuruf von der AfD: Das ist so durchsichtig!) und deswegen frage ich Sie: Was planen Sie denn konkret, um diese größte Sicherheitskrise in unserem Land zu beenden? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, es sind weitere Gesetzgebungsvorhaben der Bundesregierung bereits auf dem Weg, zum Teil abgeschlossen. Ich habe gerade die Speicherung der IP-Adressen genannt. Ich möchte allerdings auch an Ihre Fraktion und an die sozialdemokratische Fraktion appellieren, morgen im Europäischen Parlament den Weg freizumachen für die weitere Geltung der sogenannten CSA-Verordnung. Das ist eine Verordnung zum Schutz von Kindern gegen Gewalt im Netz. (Beifall bei der CDU/CSU) Und genauso, wie Sie völlig zu Recht – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – den Schutz von Frauen hier in Anspruch nehmen, möchte ich für die gesamte Bundesregierung – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – auch den Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt in Anspruch nehmen, Frau Kollegin. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Ich bitte, auf die Zeit zu achten. – Für die CDU/CSU-Fraktion hat die nächste Hauptfrage Frau Abgeordnete Susanne Hierl. Bitte sehr. Susanne Hierl (CDU/CSU): Danke, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, wir haben ja nicht nur digitale Gewalt gegen Frauen, so wie das gerade gesagt worden ist, sondern das Thema ist ja ein größeres. Wir haben immer wieder aufsehenerregende Fälle in der digitalen Welt oder im realen Leben von Gewalt gegen Frauen, und es geht meist um die Ausübung von Macht und um Erniedrigung. Diese medienwirksamen Fälle sind aber keine Einzelfälle, sondern sie sind nur die Spitze des Eisbergs, und es gibt unzählige Betroffene. Sie haben schon erwähnt, was wir in der letzten Wahlperiode dazu vorgehabt hatten, wozu es leider nicht mehr gekommen ist. Ich möchte die Frage noch mal erweitern: Welche Maßnahmen werden getroffen werden, nicht nur im digitalen Raum, sondern auch in der analogen Welt? – Danke schön. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, danke für diese ergänzende Frage. Ich will es gerne noch einmal in der Dimension des Problems beschreiben: Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum, und dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun. Aber dann müssen wir auch über die Ursachen miteinander reden. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD) Dann müssen wir auch darüber sprechen, wo diese Gewalt herkommt. Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der AfD – Zurufe von der AfD: Ach nee!) Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu. (Mirze Edis [Die Linke]: Das ist doch unerhört! Unerhört! Rassistisch bis zum Gehtnichtmehr! – Weitere Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken) Ich sage auch, und damit wird das Problem keinesfalls relativiert – – (Mirze Edis [Die Linke]: Schämen Sie sich!) – Erlauben Sie mir, dass ich noch auf einen Sachverhalt hinweise, den wir im Kabinett auch bereits auf den Weg gebracht haben, auch gegen den erbitterten Widerstand insbesondere dieser Fraktion. (Mirze Edis [Die Linke]: Widerlich! Widerlich! – Gegenruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Wir haben die sogenannte elektronische Aufenthaltsüberwachung auf den Weg gebracht. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das heißt nichts anderes, als dass wir nach spanischem Vorbild Straftäter, die verurteilt worden sind, auch in Zukunft mit der sogenannten Fußfessel in ihrem Bewegungsspielraum drastisch einschränken können. Präsidentin Julia Klöckner: Ich muss auf die Zeit hinweisen. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das ist eine Maßnahme, die wir ergänzend ergreifen werden. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Präsidentin Julia Klöckner: Ganz kurz, bevor ich die Nachfrage zulasse. – Das hier ist ein Parlament, wo man Meinungen austauschen kann. Man muss die Meinungen nicht teilen, aber es gehört dazu, dass man zuhört, wenn eine Frage gestellt wird, und bei der Antwort genauso. Sie sind nachher auch noch dran. (Zuruf des Abg. Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Sie dürfen eine Nachfrage stellen. Bitte. (Mirze Edis [Die Linke]: Hier wird Rassismus betrieben! – Lachen bei der AfD – Zurufe von der Linken) Susanne Hierl (CDU/CSU): Danke schön. Im Zusammenhang mit den – – (Unruhe) Präsidentin Julia Klöckner: Wir halten kurz die Zeit an. – Ich bitte Sie, sich jetzt wirklich noch mal zusammenzureißen und nicht die üblichen Reaktionen hier zu bedienen. Hier wird geantwortet auf Fragen. Wer will, kann nachfragen und kommt dann nachher auch noch dran. – Und jetzt bitte ich um Aufmerksamkeit für die Kollegin, die 30 Sekunden für die Nachfrage hat. Susanne Hierl (CDU/CSU): Im Zusammenhang mit den Straftaten im Netz kommt immer wieder die Forderung nach der Speicherung der IP-Adressen auf; wir haben es gerade schon gehört. Auch Justizministerin Hubig hat in den „Tagesthemen“ am 20. März die IP-Adressen-Speicherung mit einem wirksamen Opferschutz verknüpft. Sie haben gerade gesagt, die IP-Adressen-Speicherung kommt. Wann kommt die Speicherpflicht? Und meinen Sie, sie ist ausreichend? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, der Referentenentwurf der Bundesjustizministerin befindet sich bereits in der Ressortabstimmung. Ich gehe davon aus, dass wir noch im Monat April im Bundeskabinett den Gesetzgebungsbeschluss fassen können. Reicht das aus? Ziemlich sicher nicht. Wir sehen uns mit vielfältigsten Formen der Bedrohung, der Kriminalität, der Angriffe auch auf die persönliche Integrität von Frauen, von Kindern, von vielen anderen Gruppen in unserer Bevölkerung konfrontiert. Dies ist eine allgemeine Frage: Wie gehen wir mit Gewalt um? Und meine Antwort ist: Ein Staat, der den inneren Frieden erhalten will, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – darf keine Form von Gewalt akzeptieren, auch nicht Gewalt, die von anderen gegen andere in Anspruch genommen wird. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Abgeordnete Heidi Reichinnek das Wort. Bitte. Heidi Reichinnek (Die Linke): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Auch wir möchten uns zuallererst der Anteilnahme für Kollege Träger anschließen. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Danke für die Worte. Herr Merz, Sie hatten acht Minuten Zeit für eine Rede; vier haben Sie ungefähr genutzt. Sie sprachen über die Volkswirtschaft und die Verteidigungsfähigkeit. Worüber Sie nicht sprachen, waren die Menschen in diesem Land. Vor allem haben Sie nicht darüber gesprochen, dass diese immer weiter belastet werden. (Zurufe von der CDU/CSU und der AfD: Oh!) – Ja, die Reaktion der Union überrascht mich jetzt nicht. Ich weiß, das ist kein Thema für Sie. (Maximilian Kneller [AfD]: Wir sind nicht die Union! Wir sind einfach nur genervt von Ihnen!) Aber uns geht es auch um die soziale Situation. Wir sehen: Die Mieten werden immer weiter erhöht, die Lebensmittelpreise ebenfalls. Und jetzt explodieren auch noch die Spritkosten. Viele Menschen wissen nicht mehr ein noch aus. Was Sie als Regierung machen, ist, ein großes Reformpaket anzukündigen. Ständig hören wir neue Vorschläge, die sofort wieder dementiert werden. Die Menschen sind unsicher. Und ein Thema wabert die ganze Zeit durch die Presse – wer das durchsticht, kann ich so nicht sagen; das ist aber auch nicht meine Aufgabe –; das ist das Thema Mehrwertsteuer. Eine Mehrwertsteuererhöhung würde die Menschen in diesem Land massiv belasten. Deswegen würde ich Sie an dieser Stelle bitten, mir klar zu sagen: Wird es mit Ihnen eine Mehrwertsteuererhöhung in dieser Wahlperiode geben oder nicht? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, vielleicht darf ich noch mal Bezug auf meine einleitenden Worte nehmen. Ich habe gesagt, das Wichtigste für uns ist, die Freiheit und den Frieden in unserem Lande zu erhalten, die Wirtschaftskraft unseres Landes zu stärken und den Sozialstaat Bundesrepublik Deutschland zu erhalten. Ich denke, wenn ich das sage, dann sind damit 83 Millionen Menschen in unserem Land gemeint, (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) die auf genau diese Institutionen unseres Staates setzen und wollen, dass sie erhalten bleiben. Wir diskutieren in der Koalition weitere Reformschritte. Wir haben allerdings vieles schon auf den Weg gebracht; manches steht in dieser Woche in zweiter und dritter Lesung zur Verabschiedung an. Ja, wir werden mehr tun müssen, auch um die verfügbaren Nettoeinkommen der Arbeitnehmerhaushalte in Deutschland zu vergrößern. Darüber sprechen wir. (Zurufe von der Linken) Wir diskutieren verschiedene Maßnahmen, die wir ergreifen können. Wir wollen insbesondere die Belastung durch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge reduzieren. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Die Frage zur Mehrwertsteuer ist nicht beantwortet!) Auf diesem Weg suchen wir nach Lösungen. Wir schließen nichts aus; (Tino Chrupalla [AfD]: Aha!) aber wir haben ein klares Ziel. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Und das klare Ziel heißt: Entlastung der Arbeitnehmerhaushalte und der Betriebe. (Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Mehrwertsteuererhöhung – ja oder nein?) Präsidentin Julia Klöckner: Bevor wir zur zweiten Fraktionsrunde kommen, noch eine Nachfrage. Bitte sehr. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ich würde noch mal die Frage wiederholen!) Heidi Reichinnek (Die Linke): Sie haben deutlich gesagt, Sie schließen eine Mehrwertsteuererhöhung nicht aus. Ich halte das für hochproblematisch; denn das trifft, wie gesagt, vor allem Menschen mit geringen und mittleren Einkommen. Deswegen noch mal meine konkrete Frage: Sie sagen, Sie möchten die Menschen entlasten; aber Sie haben jetzt noch keine konkreten Ideen vorgelegt. Alles, was bisher von dieser Regierung gekommen ist, hat die Menschen eher belastet oder den Status quo nicht verändert. Also noch mal: Was werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten tun, um die Menschen wirklich zu entlasten – wenn Sie schon die Situation mit einer Mehrwertsteuererhöhung noch weiter verschärfen wollen? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Also, Frau Kollegin, nur damit auch das noch einmal klar ist: Das, was ich hier gerade gesagt habe, ist für Sie keine Legitimation, zu behaupten, wir planten eine Mehrwertsteuererhöhung. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Heidi Reichinnek [Die Linke]: Sie schließen es nicht aus! – Tino Chrupalla [AfD]: Sagen Sie doch Ja oder Nein! – Dr. Michael Espendiller [AfD]: Sagen Sie es doch! Sie können doch jetzt einfach sagen: Kommt nicht! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie beantworten die Frage nicht! – Pascal Meiser [Die Linke]: Ach, Herr Merz, wie billig!) – Ja, Sie sind sich offenkundig mal wieder einig in der Bewertung dieser Frage. (Tino Chrupalla [AfD]: Ja oder nein? Ganz einfach! – Weiterer Zuruf von der AfD: Richtlinienkompetenz!) Es wäre ja zur Entlastung der Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen zum Beispiel auch denkbar, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel deutlich zu senken. Auch das wäre eine Option, Frau Kollegin, die ich nicht ausschließe. (Heidi Reichinnek [Die Linke]: Da sind wir sofort dabei, wie Sie wissen!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Danke für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur zweiten Fraktionsrunde, und für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Dr. Gottfried Curio das Wort. Bitte sehr. Dr. Gottfried Curio (AfD): Herr Bundeskanzler, seit 2015 erreichten Deutschland jährlich Hunderttausende, meist junge Muslime. Seitdem gibt es das Problem eines islamistischen Extremismus. Gängiges Narrativ ist, dem sei durch Integrationskurse beizukommen. Ein Jahrzehnt später sind laut der BKA-Studie MOTRA-Monitor von den Muslimen unter 40 Jahren – das sind über 3 Millionen Menschen – 45 Prozent islamismusaffin – sie ziehen die Scharia dem Grundgesetz vor –, darunter 11 Prozent offen islamistisch. Die Vorstellung einer Integration hat sich weitgehend als illusorisch erwiesen. Die Migrationspolitik hat zu einem Millionenheer von Scharia-Freunden und Hunderttausenden Islamisten in Deutschland geführt. Frage – Integrationswilligkeit hat auch mit dem Selbstverständnis dieser Gruppe zu tun –: Werden wir immer mehr oder immer weniger? Letztes Jahr kamen über Asylantrag und Nachzug wieder über 200 000 Muslime hinzu. Glauben Sie, dass eine solche Politik das Problem entschärft? Oder wurden da nicht wieder – ausgehend von den Prozentzahlen des MOTRA-Monitors – Tausende Islamisten hereingelassen? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich erlaube mir, zunächst einmal darauf hinzuweisen, dass wir gegen manche Widerstände im letzten Jahr – einen Tag nachdem die Bundesregierung ins Amt gekommen war – Grenzkontrollen verfügt haben. (Lachen bei der AfD – Zuruf des Abg. Manuel Krauthausen [AfD]) – Na ja, das hören Sie nicht gerne. Aber die Wahrheit ist, dass wir die Zahl der irregulär nach Deutschland einwandernden Migranten im Jahresvergleich um ungefähr 50 Prozent verringert haben. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Wir wissen, dass wir dieses Problem noch nicht vollständig gelöst haben; das versuchen wir. Wir versuchen auch, konsequent in der Abschiebung zu sein. (Lachen bei Abgeordneten der AfD) Das ist nicht immer ganz leicht, weil das überwiegend auch eine Aufgabe der Länder ist. Aber ich will hier zum Thema Islam etwas sagen. Nicht alle diejenigen, die dem islamischen Glauben angehören, sind gleichzeitig Islamisten. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf von der AfD: Hat keiner gesagt!) Im Gegenteil: Wir haben in Deutschland Hunderttausende Muslime; die SPD und wir – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – haben sie auch als Mitglieder in unserer Fraktion. Bei Ihnen – – (Zuruf von der AfD: Wir auch!) – Das sei dahingestellt. Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich habe keinen Zweifel daran, dass es viele Menschen gibt, – (Beatrix von Storch [AfD]: Um die geht es nicht! Es geht um die anderen! – Manuel Krauthausen [AfD]: Es geht um die 11 Prozent!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – die fest und ganz auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland stehen. (Dr. Michael Espendiller [AfD]: Präsidentin, die Zeit!) Und die wollen wir in Anspruch nehmen, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – um dafür zu sorgen, dass der religiöse Friede in unserem Land erhalten bleibt. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Ich bitte, die Zeit einzuhalten. – Sie können jetzt, wenn Sie eine Nachfrage haben, etwas länger als 30 Sekunden nachfragen. Bitte. Dr. Gottfried Curio (AfD): Laut BKA-Studie sind unter den unter 40-jährigen Muslimen 45 Prozent islamismusaffin. Das sind nicht ganz wenige. (Zuruf des Abg. Mirze Edis [Die Linke]) Gut zu wissen, dass „vom ersten Tag an ausnahmslos alle zurückgewiesen“ heißt, dass 200 000 neue Muslime im Land sind. (Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke]) Die hohen Zahlen haben auch mit Abschiebehindernissen zu tun. Der CDU-Bundesparteitag hat beschlossen, die Abkehr von einer Einbürgerung nach fünf Jahren zu fordern, sodass diese wieder nach frühestens acht Jahren erfolgen kann. Sollte man nach Ihrer Meinung – Sie sind auch Mitglied dieses Hauses – diesen Wunsch Ihrer Partei unterstützen oder ablehnen? Werden Sie selbst dem nachher zustimmen, (Zuruf von der Linken: Zeit ist rum!) oder werden Sie den Beschluss Ihrer eigenen Partei ablehnen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich werde allem zustimmen, was meine Partei auf dem Bundesparteitag – auf welchem auch immer – beschlossen hat und was in der Koalition mehrheitsfähig ist. Mit Ihnen zusammen nicht. Punkt! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der AfD: Die nächsten 5 Prozent für uns! – Weitere Zurufe von der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Ich weiß ja, dass das Thema hier beunruhigt, aber das Programm wollen wir jetzt heute doch durchziehen. Das kriegen wir doch hin, dass jetzt die Kollegen dran sind. Jetzt hat für die SPD-Fraktion die Frau Abgeordnete Derya Türk-Nachbaur das Wort. Derya Türk-Nachbaur (SPD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, Sie haben es eingangs gesagt: Wir leben in sehr herausfordernden Zeiten. Nun erleben wir, dass der Irankrieg seit fast vier Wochen läuft, und ein Ende ist bislang nicht absehbar. Das Regime scheint nach wie vor gefestigt zu sein. Und die negativen Auswirkungen des Krieges reichen weit über die Region hinaus. Sie sind auch bei uns deutlich spürbar und unübersehbar. Die Weltwirtschaft droht, in eine Rezession abzugleiten, während Russland von den stark gestiegenen Rohölpreisen profitiert und damit diesen völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine finanzieren kann. Welche konkreten Schritte planen Sie, Herr Bundeskanzler, gemeinsam mit unseren Partnern und Verbündeten im Rahmen der EU, der NATO, der G7 oder der G20 eine Beendigung des Krieges herbeizuführen und eine Rückkehr zur Diplomatie zu ermöglichen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich habe wenige Tage nach dem Beginn dieses Krieges – und das war ein zeitlicher Zufall – mit dem amerikanischen Präsidenten in Washington darüber gesprochen und ihm gegenüber auch meine Bedenken zum Ausdruck gebracht. Ich habe am letzten Sonntag erneut ein längeres Telefonat mit ihm geführt und ihn auch auf die Risiken hingewiesen, die für die gesamte Weltwirtschaft aus diesem Krieg entstehen, und nicht zuletzt auch auf die Möglichkeiten, die damit für das Regime in Moskau einhergehen, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Ich stimme mich eng mit den Kolleginnen und Kollegen in der Europäischen Union und darüber hinaus auch mit Kolleginnen und Kollegen in Großbritannien, Norwegen und vielen anderen Ländern ab. Wir versuchen, alles zu tun, um die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel dazu zu bewegen, jetzt eine diplomatische Lösung dieses Krieges zu suchen. Manches, was da gesagt wird, erschließt sich uns in der strategischen Dimension nicht. Insofern suchen wir nach Wegen, wie wir aus der Europäischen Union und darüber hinaus unser Gewicht einbringen können, um zu einem Ende dieses Krieges beizutragen. Das setzt allerdings Bereitschaft auf allen Seiten voraus, auch auf der Seite des Iran, die im Augenblick offensichtlich nicht erkennbar ist. Derya Türk-Nachbaur (SPD): Auf die Bereitschaft aller Beteiligten hoffen wir alle. – Gibt es seitens der Bundesregierung denn konkrete Überlegungen für eine mögliche Beteiligung Deutschlands an der Stabilisierung der Region und der Sicherung internationaler Gewässer für die Zeit nach Beendigung der Kampfhandlungen? Und, falls ja, streben Sie dafür ein internationales Mandat an, um dieses Engagement völkerrechtlich abzusichern? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, es ist für uns selbstverständlich, dass wir nach dem Ende der Kampfhandlungen Beiträge leisten wollen, um auf Dauer zu einer Stabilisierung der Region beizutragen. Allerdings setzt das voraus, dass die Kampfhandlungen beendet sind. Und das setzt voraus, dass wir ein internationales Mandat haben, sei es der Vereinten Nationen, sei es anderer Organisationen internationaler Sicherheit. Und dann brauchen wir die Zustimmung des Deutschen Bundestages dafür. Es steht also unter mehrfachem Vorbehalt, und das letzte Wort – ja – haben Sie hier im Deutschen Bundestag. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Jürgen Coße [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. – Wir kommen nun zur nächsten Hauptfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Das Wort hat Frau Lisa Badum. Bitte sehr. Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, die Kollegin hat es angesprochen: Es tobt ein Krieg im Nahen Osten. Der führt uns erneut vor Augen, wie teuer uns – oder, ehrlicher gesagt, die Bürgerinnen und Bürger – die Abhängigkeit von Öl und Gas zu stehen kommt. Das Traurige ist: Sie befeuern diese weiter durch Ihr neues Heizungsgesetz, das Mieter/-innen in die Kostenfalle schickt. Gleichzeitig sollen kleine Solaranlagen für Häusleeigentümer nicht mehr vergütet werden. Daher frage ich Sie: Was wollen Sie jetzt gegen diesen Kreislauf fossiler Abhängigkeit unternehmen? Und bitte nennen Sie mir jetzt nicht die E-Auto-Prämie, die auch für hybride Autos gilt, oder die Stromsteuersenkung, die Sie seit einem Jahr versprechen, oder die Ausschreibung im Bereich der Erneuerbaren, die nur Lücken stopft. Was werden Sie konkret tun, um diesen Kreislauf fossiler Abhängigkeit zu durchbrechen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, wenn Sie mir in Ihrer Frage eine ganze Reihe von Antworten schon nicht mehr erlauben, dann wird es schwer, sie zu beantworten. Aber gut. (Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie kennt sich halt aus!) Ich will vielleicht einen Hinweis geben im Hinblick auf die Abhängigkeit von Öl und Gas. Wir verbrennen Öl und Gas ja nicht nur. Öl und Gas sind ein wichtiger Rohstoff für unsere Industrie. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Deswegen muss Deutschland auch in Zukunft die Möglichkeit haben, Öl und Gas zu importieren (Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) und Gas vielleicht sogar selbst zu fördern. Das halte ich für zwingend notwendig. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD- Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Fracking, ja?) Wenn uns das nicht mehr möglich sein soll, wenn wir sozusagen vollständig aus jedem Bezug von Öl und Gas aussteigen, dann sind große Teile unserer Industrie in Deutschland – ich nenne hier insbesondere die chemische Industrie – nicht mehr lebensfähig. Und das ist nicht der Weg, den die Bundesregierung geht. (Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wir wollen die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen systematisch weiter reduzieren. Auf diesem Weg sind wir, und das Ziel geben wir auch nicht auf. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Fracking würde mehr Gelder in fossile Energien lenken und damit genau das Gegenteil bewirken. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Das ist seit vielen Jahren abgelehnt worden. Selbst der Brauer-Bund sagt: Wir wollen sauberes Trinkwasser, kein Fracking. (Zuruf von der AfD) Aber jetzt zu meiner Frage. Ich wundere mich über diese Antwort; denn, Herr Merz, Sie sind selbst siebenfacher Großvater. Sie haben 2024 gesagt, ein großer Antrieb für Ihre politische Motivation ist die Zukunft der Generation unserer Kinder und Enkelkinder. Aber ich habe noch keine Antwort darauf gehört, was Ihre wichtigste strukturelle Maßnahme dafür ist, dass unsere Kinder und Enkelkinder nicht in ein paar Jahren wieder in dieser fossilen Öl- und Gaskostenfalle landen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was werden Sie konkret tun? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, der Zwischenruf mit „Fracking“ kam aus Ihrer Fraktion. (Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, wo wollen Sie es denn sonst herholen?) Ich habe das nicht gesagt. Es gibt auch andere Methoden, Öl und Gas zu fördern, außer Fracking. (Beifall bei der CDU/CSU) Also bitte, nur zur Klarheit zwischen uns hier: (Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wie denn?) Es ist nicht meine Absicht, einen solchen Vorschlag zu machen, und es ist auch nicht Gegenstand der Erörterungen, die wir in der Bundesregierung darüber haben. (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die enkeltaugliche Politik?) Die weitere Elektrifizierung, der weitere Weg in die Unabhängigkeit, auch von fossilen Brennstoffen, ist vorgezeichnet. Der Bundesumweltminister hat heute Morgen im Bundeskabinett den Klimaschutzbericht für die nächsten Jahre vorgelegt. Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir sind auf der Zielgeraden, wir sind im Plan, und wir wollen alles tun, um auch dauerhaft die planmäßigen Ziele zu erreichen. (Beifall bei der CDU/CSU – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr oberflächlich!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat das Wort Herr Abgeordneter Jürgen Hardt. Bitte sehr. Jürgen Hardt (CDU/CSU): Danke schön, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, in den ersten zehn Monaten Ihrer Amtszeit haben Sie durch verschiedene Besuche in Washington, durch Gespräche mit Trump am Rande von internationalen Konferenzen und durch viele Telefonate – zuletzt am Sonntag – eine vernünftige Gesprächsatmosphäre mit dem US-Präsidenten aufgebaut, anders als manch anderer in der Welt. Ich möchte Sie an dieser Stelle nur ermutigen: Bleiben Sie dabei, und gehen Sie jetzt nicht mit knalligen Forderungen oder einer härteren Gangart in diese Gespräche! Bleiben Sie vielmehr dabei, Kritik gegebenenfalls hinter verschlossenen Türen vorzutragen; denn anders funktioniert das nicht. Jetzt sind die Erwartungen Amerikas und der Welt an Deutschland natürlich groß. Was sind die Felder, die Sie vorrangig sehen, wo wir als Deutsche und Europäer die transatlantischen Beziehungen unsererseits beleben und stärken können? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege, für die Frage, die mir Gelegenheit gibt, das noch mal zu ergänzen, was ich zu Beginn gesagt habe: Wir haben im Rahmen der NATO vor allem die Verpflichtung übernommen, den nordöstlichen Teil des Bündnisgebietes zu schützen. Und das tun wir mit großer Intensität. Ich bin in der vorletzten Woche selbst in Norwegen gewesen und habe mir die große Übung angeschaut, die dort unter Beteiligung von über 12 000 deutschen Soldatinnen und Soldaten abgehalten wurde. Ich habe dort nur Zustimmung und großes Lob für den Ausbildungsstand der deutschen Soldatinnen und Soldaten erfahren. Das ist genau die Aufgabe, die wir im Bündnis wahrnehmen. Die werden wir weiter wahrnehmen, und wir werden sie intensiver wahrnehmen. Und wir werden vor allen Dingen Amerika deutlich machen, dass wir den gesamten nördlichen Teil des Bündnisgebietes – unter Einschluss von Grönland – alle gemeinsam im Blick behalten, damit dieser keinerlei Gefahren von außen ausgesetzt ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Jürgen Hardt (CDU/CSU): Wo sehen Sie angesichts der Lage jenseits der Verteidigungspolitik Felder der transatlantischen Zusammenarbeit, auf denen wir einen Zahn zulegen können, und wo können wir vielleicht sogar neue Gebiete erschließen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Sie wissen, Herr Kollege, dass ich die Außenhandelspolitik der EU-Kommission nach Kräften unterstütze. Die Tatsache, dass die Kommissionspräsidentin gerade in dieser Woche in Australien gewesen ist, um dort ein weiteres Freihandelsabkommen der Europäischen Union abzuschließen, ist richtig. Das Europäische Parlament diskutiert morgen, am Donnerstag, über das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe dem US-Präsidenten am Sonntag noch einmal erläutert, dass wir in Europa in dieser Woche zu einer Entscheidung kommen können. Und ich wünsche mir sehr, dass auch die Amerikaner das tun. Ich möchte, dass wir die Verabredungen, die wir im letzten Jahr mit den Amerikanern getroffen haben, jetzt auch abschließend ratifizieren, in Kraft setzen, – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – damit die Unsicherheit an den Märkten so schnell wie möglich vorbei ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Derya Türk-Nachbaur [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Janine Wissler das Wort. Janine Wissler (Die Linke): Herr Bundeskanzler, für viele Menschen in diesem Land ist das Leben kaum noch bezahlbar: die hohen Preise im Supermarkt, die steigenden Mieten, jetzt die hohen Benzinpreise. Und die Bundesregierung tut nichts, um die Kriegs- und Krisengewinne der Mineralölkonzerne in diesem Land abzuschöpfen. Ich will das noch mal deutlich sagen: Es handelt sich um zusätzliche Gewinne in Höhe von 21 Millionen Euro – pro Tag! –, und das auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Pendlerinnen und Pendler. Denen wird das Geld aus der Tasche gezogen. Bisher haben Sie sich ja immer gegen Steuererhöhungen für Unternehmen ausgesprochen – bei der Mehrwertsteuer sehen Sie es offensichtlich anders – und haben gesagt, die Zitrone sei ausgepresst. Nun scheint die Zitrone der Mineralölkonzerne ja relativ viel Saft zu enthalten. Deshalb meine Frage: Wie wollen Sie die Menschen vor dieser Abzocke schützen? Ihr Bundesfinanzminister, Ihr Vizekanzler, möchte ja die Einführung einer Übergewinnsteuer prüfen. Unterstützen Sie ihn in diesem Vorhaben? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich habe bereits mehrfach versucht, deutlich zu machen, dass wir alles tun wollen, um diesen Krieg zu beenden. Das ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass die Preise wieder sinken. Das Zweite ist, dass wir natürlich über Maßnahmen nachdenken, wie wir den Preisanstieg dämpfen können. Dazu gibt es in dieser Woche ein konkretes Gesetzgebungsvorhaben, das hier zur Abstimmung steht und dem Sie natürlich auch zustimmen könnten. Und das Dritte ist: Ja, wir denken über die Mechanismen nach, wie die Preise gestaltet werden. Ich will allerdings meine Vorbehalte gegen eine sogenannte Übergewinnsteuer noch einmal zum Ausdruck bringen. Ich halte das nicht für rechtssicher definierbar, was ein Übergewinn ist und wie man ihn besteuert. Natürlich werden die Unternehmen besteuert. Sie unterliegen der ganz normalen Besteuerung, und höhere Gewinne werden natürlich auch höher besteuert. Aber wie ein Übergewinn zu qualifizieren ist, ist eine steuerrechtlich außergewöhnlich schwierige Frage, die bis heute noch niemand auf der Welt zutreffend beantworten konnte. Die Kolleginnen und Kollegen der Linkspartei wäre die Ersten, die das könnten. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Janine Wissler (Die Linke): Der Bundesfinanzminister scheint ja eine Vorstellung davon zu haben, was das ist; denn er sagt deutlich, er möchte diese Gewinne abschöpfen. Deswegen wird er auch eine Vorstellung davon haben, was genau die Übergewinne sind. Und ich gehe davon aus, dass Sie mit Ihrem Vizekanzler im engen Austausch sind. Sie haben davon gesprochen, dass Sie Maßnahmen ergreifen. Nichts davon wird jetzt aber dazu führen, dass die Menschen kurzfristig entlastet werden. Eine Übergewinnsteuer würde natürlich dazu führen, dass die Anreize für Preiserhöhungen reduziert werden. In anderen Ländern war das möglich, und damit wurden auch Menschen gezielt entlastet. Wenn es in anderen Ländern Europas möglich ist, – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Janine Wissler (Die Linke): – warum soll es dann nicht auch in Deutschland möglich sein? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, ich habe versucht, Ihnen meine Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ja, der Bundesfinanzminister hat den Vorschlag gemacht; wir diskutieren über diesen Punkt. Ich habe Ihnen meine Bedenken wiedergegeben. Wenn sie überwunden werden können, bin ich auf das Ergebnis gespannt. (Zuruf der Abg. Janine Wissler [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Es gibt eine weitere Frage. Sie kommt von dem fraktionslosen Kollegen Herrn Stefan Seidler. Bitte sehr. Stefan Seidler (fraktionslos): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, Sie sind zu Recht Verfechter eines geeinten Europas; das haben Sie eben noch mal sehr deutlich betont. Gerade jetzt muss klar sein, dass wir dieses Europa mehr denn je brauchen und es stärken müssen. Das passiert jedoch nicht durch mehr Zentralisierung in Brüssel oder in den europäischen Hauptstädten, sondern vor Ort in starken europäischen Regionen. Ich selbst komme aus einer Region, in der EU-Fördermittel eine große Rolle spielen und die europäische Idee sichtbarer machen. Umso kritischer blicken ich und viele andere auf die Vorschläge der EU-Kommission zum Mehrjährigen Finanzrahmen 2028. Zu den zentralen Vorschlägen gehört, die EU-Förderprogramme stärker zu zentralisieren und über die Hauptstädte zu steuern. Werden Sie sich dafür einsetzen, dass die europäischen Regionen auch künftig Mitspracherecht und direkten Zugang zu EU-Mitteln behalten und eine Zentralisierung zulasten der Regionen verhindert wird? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, vielen Dank. – Da Sie aus Schleswig-Holstein kommen, erlaube ich mir den Hinweis: Ich habe mit der dänischen Ministerpräsidentin vor einigen Wochen das erste bilaterale Energiehandelsabkommen abgeschlossen, das es in der Europäischen Union gibt, für einen gemeinsamen Energiehub auf der Insel Bornholm. Das entspricht genau meiner Vorstellung davon, wie wir auch innerhalb der Europäischen Union auf regionaler und lokaler Ebene zusammenarbeiten können. Ich bin sehr dankbar, dass es möglich war, dieses Abkommen mit der dänischen Regierung abzuschließen. Was den MFR betrifft: Wir haben die Beratungen begonnen. Es gibt im Europäischen Rat breitesten Widerstand gegen die Vorstellungen der Kommission, in Zukunft eine solche Zentralisierung vorzunehmen. Darüber werden wir im Laufe des Jahres noch intensiv zu beraten haben. Über Höhe und Methodik des zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmens der Europäischen Union wird es eine intensive Diskussion geben. Ich bin noch nicht sicher, ob wir sie wirklich in diesem Jahr zum Abschluss bringen; aber die Intention, diese Mittel weiter auch auf regionaler und lokaler Ebene zu verteilen, teile ich. Und der zentrale Ansatz, wie er im Augenblick von der EU-Kommission vorgeschlagen wird, wird von den meisten Kolleginnen und Kollegen so nicht geteilt. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Sie haben das Wort für eine Nachfrage. Stefan Seidler (fraktionslos): Vielen Dank für die klare Antwort, Herr Bundeskanzler. – Wie wollen Sie dann sicherstellen, dass diese Mittel weiterhin in den Regionen ankommen? Haben Sie Vorstellungen hinsichtlich Mechanismen, wie Sie das konkret umsetzen wollen? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ja und nein. Wir sind am Anfang der Beratungen. Das werden sehr schwierige Beratungen werden. Wir werden auch im EU-Haushalt neue Prioritäten setzen müssen. Und neue Prioritäten kann man nicht setzen, indem man alles lässt, wie es ist, und dann da, wo mehr gebraucht wird, mehr Mittel zur Verfügung stellt. Auch da gibt es Grenzen für den europäischen Haushalt. Die Vorstellung der EU-Kommission, ihn so weit auszuweiten, wie wir es in den Vorschlägen jetzt sehen, ist aus meiner Sicht als Regierungschef eines der wenigen Nettozahlerländer in der Europäischen Union nicht akzeptabel. Das würde einen hohen zweistelligen Milliardenbetrag an zusätzlichen Mitteln, die wir in den europäischen Haushalt überweisen müssten, bedeuten. Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das kann die Bundesrepublik Deutschland, das kann der Bundeshaushalt nicht leisten. Insofern: Wir stehen am Anfang schwierigster Beratungen in der Europäischen Union. Präsidentin Julia Klöckner: Wir kommen nun zur dritten Fraktionsrunde. Und die erste Hauptfrage stellt für die AfD-Fraktion der Abgeordnete Herr Dr. Paul Schmidt. Bitte. Dr. Paul Schmidt (AfD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, vor drei Jahren wurden unsere letzten drei Kernkraftwerke abgeschaltet: Isar 2, Neckarwestheim II und Emsland – zusammen über 4 Gigawatt flexible elektrische Grundlast für 3 Cent pro Kilowattstunde. (Zuruf von der Linken) Sie haben das als großen Fehler bezeichnet, Ihre Energieministerin Reiche gestern in den USA als riesigen Fehler, Ihre Parteifreundin, die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, als strategischen Fehler. Eine Reihe von Firmen wartet nur darauf, unsere Kernkraftwerke wieder instand zu setzen, und doch werden diese jeden Tag weiter zurückgebaut. Warum stoppen Sie diese Vernichtung unseres Volksvermögens nicht einfach hier und jetzt, indem Sie den Betreibern die Rückkehr zur Kernkraft in Aussicht stellen? (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die Bewertung dessen, was da am 15. April 2023 vollzogen wurde, teile ich; ich teile auch, was die EU-Kommissionspräsidentin dazu gesagt hat. Allerdings stimmen wir bei der Schlussfolgerung nicht überein. Die Kernkraftwerke, die in Deutschland stillgelegt worden sind, sind aus heutiger Sicht nicht mehr zurückholbar ans Netz; sie werden abgebaut. (Georg Schroeter [AfD]: Unsinn! Völliger Unsinn!) – Dann haben Sie andere Kenntnisse als wir. – Wir haben im Zusammenhang mit unseren Koalitionsverhandlungen intensiv mit den Betreibern gesprochen, und die übereinstimmende Antwort war: Wir sind beim Abbau zu weit, es geht nicht mehr. (Zuruf von der AfD: Wollen!) Und wenn es gehen würde, würde es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis die Kraftwerke wieder ans Netz gehen könnten. – Diesen Weg können wir nicht gehen, und wir gehen ihn auch nicht. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Mareike Hermeier [Die Linke] – Widerspruch bei Abgeordneten der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Eine Nachfrage? – Bitte. Dr. Paul Schmidt (AfD): Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, der Branchenverband KernD sagt etwas anderes. Das sind die Firmen, die bereit wären, die Kernkraftwerke wieder in Betrieb zu setzen. Sie sagen: Kosten pro Block 1 bis 3 Milliarden Euro, Wiederinbetriebnahme innerhalb von drei Jahren. Das betrifft die drei zuletzt abgeschalteten Kraftwerke und Brokdorf. Das ist das, was die Industrie dazu sagt. Es gibt weitere Firmen, die in den USA solche Reparaturen, wie wir sie brauchen, vor zehn Jahren in großem Stil mit Erfolg durchgeführt haben; sie stehen bereit, das für uns zu tun. Sie müssen nur den Energieversorgern sagen, dass es in diese Richtung gehen soll. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Dr. Paul Schmidt (AfD): Es liegt an Ihnen. Danke. (Beifall bei der AfD) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, noch einmal: Wir haben zu Beginn des letzten Jahres mit den Betreibern gesprochen. Die Auskunft der Betreiber war eindeutig: Es geht technisch nicht mehr. (Zuruf von der AfD: Sie wollen nicht!) Und deswegen erschließt sich ein Weg für uns politisch – ich sage: leider – auch nicht mehr. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Dr. Alice Weidel [AfD]: Sie wollen es nicht!) Präsidentin Julia Klöckner: Nun hat für die SPD-Fraktion Frau Kollegin Heubach das Wort. Sie nutzen die Gebärdensprachdolmetschung. Bitte sehr. Heike Heubach (SPD) (Gebärdensprachdolmetschung): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, mit dem morgigen Tag ist die UN-Behindertenrechtskonvention für Deutschland seit 17 Jahren verbindlich. Nur 3 Prozent der Menschen mit Behinderungen werden mit einer Behinderung geboren; die übrigen 97 Prozent erwerben diese erst im Laufe ihres Lebens. Vor diesem Hintergrund, dass jeder Mensch irgendwann in seinem Leben betroffen sein könnte, frage ich: Welche Bedeutung messen Sie einer inklusiven Gesellschaft bei? Und würden Sie der Forderung zustimmen, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe haben sollen? (Beifall bei Abgeordneten der SPD, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Frau Kollegin, für diese Frage. Wir haben ja schon bei meiner letzten Befragung über dieses Thema gesprochen. Ja, wir wollen einen menschenwürdigen Umgang; wir wollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben auch für alle Menschen mit Behinderungen ermöglichen. Und ich darf vielleicht hinzufügen, dass es in meinem Wahlkreis mit die größten Einrichtungen für behinderte Menschen in der gesamten Region gibt und ich um das Schicksal vieler Menschen mit Behinderung weiß, auch um das Schicksal der Familien, die deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mit ermöglichen müssen. Wir sprechen darüber, wir müssen darüber sprechen; wir müssen allerdings auch über die hohe Kostenbelastung sprechen, die durch das Bundesteilhabegesetz ausgelöst worden ist. Das ist ein Thema, das insbesondere die Kommunen betrifft. Die Kommunen haben erhebliche Finanzierungsprobleme in diesem Bereich. Deswegen müssen wir versuchen, beides miteinander zu vereinbaren, nämlich Teilhabe der Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben und gleichzeitig die Tragfähigkeit der Kosten für die kommunale Ebene. Das ist eine Aufgabe, der sich die Bundesregierung stellt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Dunja Kreiser [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Möchten Sie eine Nachfrage stellen? Heike Heubach (SPD) (Gebärdensprachdolmetschung): Ja. – Ich danke für Ihre Antwort. Der Gesetzentwurf des Behindertengleichstellungsgesetzes, kurz BGG, wurde in der Ressortabstimmung durch das Wirtschaftsministerium stark abgeschwächt. In der aktuellen Version ist die Teilhabe nicht garantiert. Da dieses Vorgehen vermuten lässt, dass Wirtschaft eine größere Rolle, eine wichtigere Rolle als Menschenrechte spielt, ist meine Frage an Sie: Teilen Sie diese Haltung? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Nein, Frau Kollegin, ich teile diese Grundannahme nicht. Natürlich versuchen wir, auch unterschiedliche Interessen miteinander in Übereinstimmung zu bringen. Bei diesem Gesetz ging es zum Beispiel um die Frage, ob wir den Unternehmen in Deutschland zwingend bauliche Veränderungen auferlegen, um Menschen mit Behinderungen uneingeschränkten Zugang in alle Betriebsgebäude, in alle Räume zu geben. Wir haben uns entschlossen, das nicht zu tun, weil wir im Augenblick auch darauf achten müssen, dass Unternehmen in Deutschland mit solchen Kosten nicht überfrachtet werden. Deswegen sind wir zu der Abwägung gekommen, – Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – es gesetzlich nicht verpflichtend einzuführen. Präsidentin Julia Klöckner: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Das mindert aber nicht unseren Respekt und unsere Arbeit für die Menschen mit Behinderungen, die genau diesen gesellschaftlichen Zugang auch in Zukunft brauchen. (Beifall bei der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Robin Wagener das Wort. Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, Sie haben sich in Brüssel höchstpersönlich richtigerweise für die Nutzung der eingefrorenen russischen Vermögen für die Ukraine eingesetzt. Damit sind Sie gescheitert. Der Kompromiss war dann: 90 Milliarden Euro Kredit für die Ukraine. Auch das droht zu scheitern. Der Ukraine droht die Zahlungsunfähigkeit. Viktor Orbán missbraucht die EU für seinen Wahlkampf. Deutschland war im Europäischen Rat noch nie so wenig durchsetzungsfähig wie unter Ihrer Kanzlerschaft. (Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU) Das wäre Angela Merkel nie passiert. (Beifall des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Was, Herr Bundeskanzler, ist Ihr Plan, sollte Viktor Orbán die Wahl gewinnen, um dieses Veto zu umgehen? Wie wollen Sie die Finanzierung der Ukraine sicherstellen? Und: Erlauben Sie mir, Herr Bundeskanzler – Sie brauchen darauf nicht zu antworten –, einen Nachsatz zur ersten Runde. Als Mann, Herr Bundeskanzler, schäme ich mich dafür, wie wenig Empathie und klare Entschlossenheit Sie angesichts der krassen sexualisierten Gewalt zum Ausdruck bringen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Alexander Hoffmann [CDU/CSU], an den Abg. Robin Wagener [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] gewandt: Eijeijei! Das gibt’s doch nicht!) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, die letzte Bemerkung ist Ihnen unbenommen. Ich empfinde sie als ehrenrührig. Aber auch das ist hier im Parlament erlaubt. (Beifall bei der CDU/CSU) Es hat in der Geschichte der Europäischen Union selten oder nie eine solche Herausforderung gegeben wie mit diesem Krieg gegen die Ukraine. Wir bemühen uns seit Jahren und in den Monaten, seitdem ich im Amt bin, um nichts mehr als um ein Ende dieses Krieges in der Ukraine. (Zuruf des Abg. Steffen Janich [AfD]) – Allerdings nicht auf dem Weg, den Sie vorschlagen. Das ist wahr. Da haben Sie recht. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Den Weg gehe ich nicht. Ich habe einen Vorschlag gemacht über die Nutzung der eingefrorenen russischen Vermögenswerte, der zu Recht erhebliche Vorbehalte ausgelöst hat, die ich auch geteilt habe, die ich auch in meinem Namensbeitrag, den ich veröffentlicht habe, genannt habe. (Dr. Alice Weidel [AfD]: … und dann wieder über den Haufen geworfen habe, weil das so meine Art ist!) Wir haben nach meinem Empfinden einen besseren Vorschlag beschlossen, allerdings den im Wege der vertieften Zusammenarbeit von 24 der 27 Mitgliedstaaten. Dass unter den 27 einer ist, der alles blockiert, – Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Sie müssten auf die Zeit achten. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – ist in der Geschichte der Europäischen Union neu. (Manuel Krauthausen [AfD]: Der Einzige, der vernünftig ist!) Wir sind nicht mehr in der Lage, in der Europäischen Union zu handeln, wenn es ein Mitglied gibt, das sich jeder Zusammenarbeit entzieht und nur noch sein Veto einlegt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Das ist bedauerlicherweise der Staat Ungarn. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ich hoffe, dass wir dieses Problem in der mittleren Frist gelöst bekommen. Aber es ist außergewöhnlich schwierig. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Herr Kollege, Sie haben die Möglichkeit, eine Nachfrage zu stellen. Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Herr Bundeskanzler, ich bleibe bei Ihren gescheiterten Zusagen für die Ukraine. Ein bekannter Oppositionsführer hat vor einiger Zeit gesagt: „Wenn“ Putin „nicht innerhalb von 24 Stunden aufhört, die Zivilbevölkerung in der Ukraine zu bombardieren, dann müssen aus der Bundesrepublik Deutschland auch Taurus-Marschflugkörper geliefert werden […].“ Herr Bundeskanzler, ich nehme an, die Worte kommen Ihnen bekannt vor. Sie sind von Ihnen ganz persönlich. Wann stehen Sie zu Ihrem Wort? Wann liefert Ihre Bundesregierung der Ukraine die nötigen Taurus, um sich zu verteidigen? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, ich habe dies zu einem Zeitpunkt und in einem anderen Kontext gesagt, den Sie natürlich kennen. Ich habe das gesagt zu einem Zeitpunkt, wo ich angenommen habe, dass es in den Beständen der Bundeswehr genügend funktionsfähige Taurus-Marschflugkörper gibt, die wir an die Ukraine liefern können. (Tino Chrupalla [AfD]: Das ist ja wohl eine Ausrede jetzt! – Stephan Brandner [AfD]: Pinocchio lässt grüßen) Heute hat die Ukraine selbst Langstreckenwaffen in ihren Depots, die sie selbst gebaut hat, zum Teil mit unserer Hilfe, die wesentlich wirkungsvoller sind als die relativ kleine Zahl von Taurus-Marschflugkörpern, die wir hätten liefern können. Die Ukraine ist heute besser bewaffnet als je zuvor. Sie hat allerdings erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten. Deswegen lösen wir im Augenblick kein Problem mit zusätzlichen Waffen. Die Waffen sind da. Aber wir müssen Geld mobilisieren für die Ukraine, damit diese Waffen auch weiter gebaut werden können. Die Ukraine ist heute waffentechnologisch weit, weit, weit vorangekommen – Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Die Zeit. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – gegenüber dem, was wir damals diskutiert haben, als dieser Krieg angefangen hat. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Der nächste Fragesteller ist für die Unionsfraktion Tilman Kuban. Tilman Kuban (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Herr Bundeskanzler, Sie haben vorhin selbst gesagt: Europa muss stark sein als prosperierende Volkswirtschaft und mit starken Arbeitsplätzen. – Sie haben dafür im Europäischen Rat das Thema „Wettbewerbsfähigkeit“ zum Topthema gemacht. Ich möchte Sie fragen: Welche zentralen Ergebnisse aus dem letzten Rat sind für Sie von besonderer Bedeutung, gerade mit Blick auf die Themen „Bürokratierückbau“ und „Vertiefung des Binnenmarktes“? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Vielen Dank, Herr Kollege. – Es ist in der Tat so: Wir haben mit auf meine Initiative hin am 12. Februar einen ganzen Tag mit dem Europäischen Rat in der Nähe von Lüttich über zwei Fragen beraten, nämlich erstens: Wie können wir die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie verbessern? Und zweitens: Wie können wir den europäischen Binnenmarkt besser gestalten? Beides hängt ganz eng miteinander zusammen. Die Kommission hatte zugesagt, zum Europäischen Rat in der letzten Woche ausführliche Vorschläge zu unterbreiten, angelehnt an die Schlussfolgerungen, die wir dann auch verabschiedet haben. Genau diese Vorschläge hat die Kommission gemacht. Sie hat umfangreiche Vorschläge vorgelegt zum Bürokratierückbau. Sie hat zum Beispiel vorgeschlagen, ein sogenanntes 28. Regime für junge Unternehmen zu etablieren, damit sie sich schnell gründen können, ohne auf die einzelnen Mitgliedstaaten angewiesen zu sein, also praktisch eine Rechtsform, die in ganz Europa vom ersten Tag an gilt. Ich glaube, das sind sehr gute, sehr vernünftige Vorschläge. Die Kommission hat jetzt die Vorschläge, die sie uns gemacht hat, in die Prozesse gebracht. Es werden Richtlinien- und Verordnungsentwürfe kommen. Und sie hat zugesagt, dass wir das noch im Laufe des Jahres 2026 gemeinsam verabschieden. Ich habe die Hoffnung, dass es gelingt, in diesem Jahr wirklich einen großen Schritt nach vorn zu kommen, was Wettbewerbsfähigkeit – Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Ich darf an die Zeit erinnern. Friedrich Merz, Bundeskanzler: – und Bürokratierückbau in der Europäischen Union betrifft. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Noch eine Nachfrage, Herr Kuban. Tilman Kuban (CDU/CSU): Da in Deutschland jeder vierte Arbeitsplatz vom Export abhängt, sind natürlich Partner in aller Welt für uns von zentraler Bedeutung, und von zentraler Bedeutung ist auch, neue Märkte zu erschließen, gerade in Zeiten, wo der chinesische und auch der amerikanische Markt für uns und unsere Unternehmen schwieriger wird. Mich würde interessieren: Welche neuen Partner und welche neuen Abkommen sind für Sie in den nächsten Monaten von zentraler Bedeutung, um die Arbeitsplätze in unserem Land zu erhalten? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Nach wie vor sind für uns die Vereinigten Staaten der größte oder zweitgrößte – das schwankt ein wenig – Handelspartner auf der Welt. Deswegen hoffe ich sehr, dass es gelingt, gerade auch in dieser Woche die entscheidenden Schritte im Europäischen Parlament zu tun, damit das kleine Handelsabkommen mit den USA – das Zollabkommen; mehr ist es ja nicht – in Kraft treten kann. Ich setze mich sehr dafür ein, dass das abgeschlossene Handelsabkommen mit Indien noch in diesem Jahr ratifiziert wird. Das ist möglich. Die Kommission hat das auch zugesagt. Das Abkommen mit Australien habe ich eben bereits genannt. Mercosur ist vorläufig in Kraft getreten, trotz des Widerstandes im Europäischen Parlament und auch von einigen hier in diesem Haus. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Ich darf an die Zeit erinnern. Friedrich Merz, Bundeskanzler: Wir haben hier einiges auf den Weg gebracht in der Handelspolitik. Weitere Abkommen, zum Beispiel in der Perspektive ein Abkommen mit der Volksrepublik China, kann ich mir vorstellen. Wir brauchen jetzt strategische Partnerschaften auf der Welt, um uns stärker zu machen, auch und gerade im Export. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Die nächste Fragestellerin ist für die Fraktion Die Linke Mandy Eißing. Mandy Eißing (Die Linke): Herr Bundeskanzler, Sie haben das Ehrenamt großspurig zur Chefsache erklärt. Doch die Menschen bekommen von Ihnen nur die kalte Schulter gezeigt. Ministerin Prien plant einen radikalen Umbau von „Demokratie leben!“, dem großen Antiextremismusprogramm. Man bekommt das Gefühl, das Wort „Demokratie“ selbst ist irgendwie schon gefährlich geworden. Ich erlebe tolle, engagierte Menschen, die jetzt leiser werden, vorsichtiger, weil sie spüren: Wer klar Haltung zeigt, dem wird die Existenzgrundlage entzogen. Hunderte Projekte vor dem Aus! Das passiert auf allen Ebenen. Angriffe auf Buchläden, Förderstopp für die „Radikalen Töchter“, Kahlschlag bei „Demokratie leben!“! Was die Rechte seit Jahren fordert, wird hier brav von Ihnen geliefert. Die angekündigte Überprüfung des Programms läuft ja noch. Trotzdem ist die Entscheidung schon gefallen. Auf welcher Grundlage basiert das eigentlich? Wozu dann überhaupt noch evaluieren? Warum dieser Generalverdacht? Sollte eine starke Demokratie die Kritik nicht aushalten können? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Frau Kollegin, zunächst einmal: Die im Kanzleramt tätige Staatsministerin für Sport und Ehrenamt hat sowohl für das Ehrenamt in den letzten Monaten sehr viel getan, unter anderem, indem wir auch die Ehrenamtspauschale für den Sport angehoben haben, als auch für den Sport ausweislich dessen, dass wir heute im Kabinett das Sportgesetz verabschiedet haben. Es ist selten in einer Regierung mehr für Sport und Ehrenamt getan worden als in dieser. (Beifall bei der CDU/CSU) Meine zweite Bemerkung geht hin auf die Überprüfung der Programme. Ja, wir überprüfen diese Programme, und sie werden jetzt wirklich auf diejenigen konzentriert, die sich für unsere Demokratie, für unser Land einsetzen. Und ich bin der Bundesfamilienministerin außerordentlich dankbar, dass sie genau das jetzt vorgeschlagen hat, was wir in der Koalition verabredet haben, nämlich eine Konzentration. Dass die eine oder andere Organisation, die Ihnen nahesteht, vielleicht nicht mehr ganz so bedacht wird wie in früheren Jahren, ist ein gewünschtes Ergebnis. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Frau Kollegin, Sie haben die Möglichkeit zur Nachfrage. Mandy Eißing (Die Linke): Und trotzdem bleibt der Eindruck, dass hier unbequemen Akteuren der Hahn zugedreht wird. – Die Frage: Haben Sie schon mal mit der Zivilgesellschaft gesprochen, haben Sie mit den Menschen gesprochen, und ist dieser radikale Kurswechsel in Ihrer Koalition abgestimmt, oder ist das ein Alleingang der Union? (Beifall bei der Linken) Friedrich Merz, Bundeskanzler: Also, Frau Kollegin, vielleicht darf ich das für mich und auch für meine Kolleginnen und Kollegen in Anspruch nehmen: Auch wir sind Teil der Zivilgesellschaft. (Beifall bei der CDU/CSU) Und natürlich sprechen wir mit vielen Akteuren. Wir sprechen mit den Sportverbänden, wir sprechen mit den Sportvereinen. Wir sind Wahlkreisabgeordnete. In meiner Bundestagsfraktion ist die Zahl der Listenabgeordneten sehr klein, die Zahl der Wahlkreisabgeordneten sehr groß. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Mirze Edis [Die Linke]) Die Wahlkreise gewinnen Sie nicht, wenn Sie nicht mit der Bevölkerung an Ort und Stelle engsten Austausch haben und engsten Kontakt halten. Ja, wir wissen, worum es geht. Das Vorhaben ist abgestimmt, und das Vorhaben wird auch umgesetzt. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Wir kommen jetzt zur vierten Runde, die wir allerdings nicht mehr vollständig durchführen können. Ein Fragesteller ist auf jeden Fall noch möglich. Fragesteller für die vierte Runde ist für die AfD-Fraktion Dr. Götz Frömming. (Zuruf von der Linken: Das können wir auch sein lassen!) – Das entscheiden nicht Sie, welche Frage wir noch zulassen und welche nicht. Dr. Götz Frömming (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Bundeskanzler, zu Ihrem Geschäfts- und Verantwortungsbereich gehören ja auch Kultur und Medien; darüber haben wir heute noch wenig gesprochen. Sie haben damit den Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, beauftragt. Nun ist er ja schon eine ganze Weile im Amt und kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Erst ging es um die mögliche Verquickung privater Interessen mit seiner Amtsführung, dann ging es um die Berlinale, wo er sich nicht durchsetzen konnte – Antisemitismusvorwürfe –, und jetzt haben wir die Diskussion um den Buchhandlungspreis. Meine Frage lautet deshalb: Wie bewerten Sie die Amtsführung Ihres Staatsministers, und haben Sie mit ihm schon mal darüber gesprochen? Stehen Sie noch voll und ganz hinter ihm? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Herr Kollege, Staatsminister Wolfram Weimer ist für Kultur und Medien zuständig, soweit der Bund dafür überhaupt eine Zuständigkeit hat. Das ist ja auch eine Institution, die erst vor einigen Jahren geschaffen worden ist, und natürlich ist ein Staatsminister des Bundes, der für Kultur und Medien zuständig ist, auch eine umstrittene Person, wenn er sich in schwierige Debatten begibt. (Tino Chrupalla [AfD]: Die hat er ja selber ausgelöst!) Das ist aus meiner Sicht unvermeidlich, jedenfalls dann, wenn er seine Meinung zum Ausdruck bringt und wenn er auch Entscheidungen trifft, die natürlich nicht bei allen und jederzeit auf Zustimmung stoßen. Ich spreche natürlich mit ihm über diese Frage, und ich will Ihnen sagen: Wolfram Weimer hat mein Vertrauen, und ich bin sicher, dass er viele Dinge tut, die in der Kulturszene, im gesamten Bereich von Kultur und Medien, auch auf sehr große Zustimmung stoßen, und diese Zustimmung teile ich. (Beifall bei der CDU/CSU) Dr. Götz Frömming (AfD): Gestatten Sie mir eine konkrete Nachfrage dazu. – Herr Weimer hat ja drei Buchhandlungen vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen; aber weitere wurden ausgezeichnet. Der Hauptpreis ging an eine Leipziger Buchhandlung, die unter anderem Antifa-Tipps zum Häuser- und Straßenkampf vertreibt. Eine andere Buchhandlung in Düsseldorf wurde ausgezeichnet, die mit der sogenannten Roten Hilfe kooperiert. Wie Sie wissen, ist das eine linksextremistische Vereinigung, die auch vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Halten Sie es für richtig, dass Steuergelder an solche – na ja, wie soll man es nennen? – „Kultureinrichtungen“ ausgereicht wird? Friedrich Merz, Bundeskanzler: Ja, Herr Kollege, es sind Buchhandlungen, und es ist nun mal den meisten Buchhandlungen zu eigen, dass sie auch Bücher vertreiben, die nicht unbedingt die politische Meinung der jeweiligen Inhaber widerspiegeln. Das ist aber auch normal. Wenn ich in eine Buchhandlung gehe, liegen da auch nicht nur Bücher, denen ich vom Inhalt her zustimme. Ich unterstelle Ihnen aber nicht, dass Sie mit Ihrer Frage noch weitere Buchhandlungen von der Preisvergabe ausschließen wollten. Wenn Sie das allerdings so gemeint haben, dann haben wir beide uns hier gründlich missverstanden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Lachen bei Abgeordneten der AfD) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Die Zeit für die Befragung des Bundeskanzlers ist abgelaufen. Ich schließe daher Tagesordnungspunkt 1. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Schade!) Ich rufe Tagesordnungspunkt 2 auf: Fragestunde Drucksache 21/4849 Wir kommen zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr. Zur Beantwortung steht uns hier bereit der Parlamentarische Staatssekretär Christian Hirte. Wenn Sie Ihre Plätze gewechselt haben, dann würden wir beginnen. Ich rufe die Frage 1 des Abgeordneten Dr. Ingo Hahn auf: Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2015 zur Verbesserung von Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit des Personenzugverkehrs der Deutschen Bahn AG veranlasst, und anhand welcher Kennzahlen bewertet sie deren Erfolg oder Misserfolg? Nur noch mal zur Information: Wir haben zwei Minuten für die erste Antwort und darauffolgend dann jeweils eine Minute für Frage und Antwort. – Bitte schön. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, mit der Reform- und Maßnahmenstrategie „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder ein klares Ziel gesetzt: Bahnfahren soll zuverlässig, komfortabel, sicher und angenehm sein. Konkret sollen unter anderem bis 2029 wieder 70 Prozent der Fernzüge pünktlich fahren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine transparente Kundenkommunikation, die die Reisenden jederzeit zuverlässig beispielsweise über Änderungen bei Zugverbindungen auf dem Laufenden hält. Zudem sollen Bahnhöfe attraktiver gestaltet werden, insbesondere mit Blick auf Sauberkeit, Sicherheit und Barrierefreiheit. Der Erfolg dieser Maßnahmen wird anhand der Pünktlichkeitsquoten und der Kundenzufriedenheit gemessen. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Jetzt haben Sie die Möglichkeit zwei Nachfragen zu stellen. Ihre erste Nachfrage. Dr. Ingo Hahn (AfD): Geschätzter Herr Staatssekretär, ja, vielen Dank für Ihre recht kurze Antwort. Die befriedigt mich nicht nur deswegen nicht, weil sie so kurz war, sondern auch, weil Sie immer sagen: sollen, sollen, sollen. Also, die Beseitigung dieser Missstände konnten Sie hier konkret nicht zusagen, das konnten Sie nicht, und das können Sie jetzt immer noch nicht. Das ist vielleicht ein frommer Wunsch von Ihnen. Wir haben große Schwierigkeiten bei Pünktlichkeit, bei Zuverlässigkeit. Dazu haben Sie fast gar nichts gesagt. Wir haben aber auch Sanierungsprogramme, die schon Jahre laufen und die immer noch keinen nachhaltigen Erfolg gezeigt haben. Es ist ja nicht so, als wenn wir jetzt heute erst damit anfangen würden. Also, es ist keine Abhilfe da, und deshalb meine Frage: Wie erklärt die Bundesregierung trotz dieser jahrelangen Maßnahmen, trotz zusätzlicher Milliarden, dass immer wieder neue Strukturreformen kommen und trotzdem die Pünktlichkeit im Personenverkehr weiterhin für die Fahrgäste auf einem nicht akzeptablen Niveau ist? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, vielleicht noch einmal für alle zum Verständnis: Beim DB-Konzern handelt es sich ja um ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen, wo wir als Bund nur einen Teil der Aufgaben mit den anderen Beteiligten organisieren. Beteiligte sind zum Beispiel die Aufgabenträger bei Ländern und Kommunen, die Verkehr bestellen. Der Fernverkehr wird eigenverantwortlich und eigenwirtschaftlich durch die DB AG durchgeführt, und es ist so, dass wir jetzt mehr Kontrolle mit dieser Modernisierungsagenda für uns als Politik organisieren, um sicherzustellen, dass künftig bei der Infrastruktur einerseits, wo wir sehr viel Geld in die Hand nehmen, aber andererseits beim Betrieb, wo wir straffen und modernisieren, mehr passiert. Sie haben vielleicht wahrgenommen, dass wir auch schon den Vorstand verkleinert und straffer aufgestellt haben. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: So, dann haben Sie die Möglichkeit, noch eine Nachfrage zu stellen. Dr. Ingo Hahn (AfD): Ja, danke. – Herr Staatssekretär, ich werte das jetzt als eine Mischung, dass Sie sich als Bund einerseits aus der Verantwortung zurückziehen und andererseits sagen: Aber jetzt wird alles besser. – Ich glaube Ihnen das noch nicht. Die Bürger sind verärgert. Wir haben Verspätungen, wir haben Ausfälle, wir haben andere Verlässlichkeitsprobleme, und das ist nicht die Ausnahme, das ist der Alltag. Ich persönlich fahre im Berufsleben seit zwölf Jahren jeden Tag mit der Bahn, und ich kann Ihnen sagen: Es ist immer schlimmer geworden. Es ist nicht gleichgeblieben, es ist nicht besser geworden – es ist schlimmer geworden, trotz Ihrer ganzen strukturellen Maßnahmen. Das heißt, hier hätte man gegensteuern müssen. Man müsste jetzt auch eigentlich endlich mal gegensteuern. Man nimmt Ihnen aber nicht ab, dass das wirklich kommt. Deshalb lauten jetzt meine Fragen: Bis wann ganz konkret wird denn dann die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wiederhergestellt? Sie haben ja gesagt, auch Sie ganz persönlich seien als Kontrollinstitution dort mit in der Verantwortung. Das heißt, nehmen Sie diese Verantwortung wahr? Und welche Konsequenzen ziehen Sie ganz persönlich, wenn das erneut verfehlt werden würde? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, vor ziemlich genau einem Jahr hat der Deutsche Bundestag extra wegen dieser unbestrittenen Probleme, auch was die Pünktlichkeit bei der Deutschen Bahn angeht, ein Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität auf den Weg gebracht. Der Teil aus diesem Sondervermögen, der für die Infrastruktur vorgesehen ist, wird ja zum mit Abstand größten Teil gerade für den Verkehrsträger Schiene verwandt werden – über 100 Milliarden Euro allein in dieser Legislatur –, sodass wir uns ganz klar zu unserer Verantwortung, die Infrastruktur massiv zu verbessern und voranzubringen, bekennen und diese wahrnehmen. (Dr. Ingo Hahn [AfD]: Keine Konsequenzen?) Wir werden auch mit dem, was wir jetzt bei der Modernisierungsagenda im Übrigen machen, dafür sorgen, dass das System Bahn besser wird. (Dr. Ingo Hahn [AfD]: Konsequenzen?) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Herr Kollege, bei Ihnen waren das jetzt die Nachfragen. – Ich habe jetzt noch eine Meldung eines Fragestellers bekommen – das ist der Kollege Brandner –, und dann würden wir zur nächsten Frage übergehen. Stephan Brandner (AfD): Danke schön. – Wir sind ja bei der Zuverlässigkeit oder Pünktlichkeit der Bahn. Dazu gab es ja die Vorstellung eines Berichts der Taskforce „Zuverlässige Bahn“, der vorgelegt wurde. Da sind mir zwei Sachen ins Auge gestochen. Zum einen gibt es die Möglichkeit, die Bahn pünktlicher dadurch zu machen, dass sogenannte „Joker-Gleise“ auf Bahnhöfen eingeführt werden. Das hört sich aus meiner Sicht so ein bisschen nach Glücksspiel an. Könnten Sie diese „Joker-Gleise“ vielleicht kurz erläutern? Und was mich besonders beeindruckt hat, war, dass als Ultima Ratio, also als letzte Möglichkeit, eine Abbestellung von Verkehr zur Pünktlichkeit beitragen soll, nach dem Motto: Wenn gar kein Zug mehr fährt, dann kommt auch gar kein Zug mehr unpünktlich. – Vielleicht sagen Sie auch dazu noch was. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, ein großes Problem, das die Unpünktlichkeit bei der Deutschen Bahn verursacht, sind die Knoten, die völlig überlastet sind. Was wir bisher dort erleben, ist, dass die Koordinierung zwischen der Bahninfrastruktur einerseits und den Eisenbahnunternehmen andererseits – wie auf dieser überbelasteten Infrastruktur miteinander umgegangen wird – nicht gut funktioniert. Eine Lösung genau dafür zu finden, war die Aufgabe der Taskforce, und sie hat gute Ergebnisse erzielt. Sie besagen unter anderem, dass Extragleise immer für den Notfall freigehalten werden, um bei Problemen sicherzustellen, dass Züge trotzdem einfahren können, dass sie für den Verkehr zur Verfügung stehen, dass Austausch erfolgt zwischen allen Beteiligten und das Gesamtsystem Bahn besser funktioniert. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Dann kommen wir zur Frage 2 des Abgeordneten Stefan Schröder: Welche Gründe sind dafür maßgeblich, dass die Sanierung zahlreicher Bundesfernstraßenbrücken weiterhin nur schleppend vorankommt, und wie viele besonders sanierungsbedürftige Brückenbauwerke werden nach aktueller Planung im Jahr 2026 tatsächlich baulich ertüchtigt oder ersetzt? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, im Rahmen des Brückenmodernisierungsnetzes wurden bis Ende 2025 bereits circa 1,25 Millionen Quadratmeter Brückenfläche modernisiert. Nach Angaben der Autobahn GmbH ist geplant, in diesem Jahr an rund 175 Teilbauwerken auf den Bundesautobahnen Modernisierungsmaßnahmen abzuschließen. Entsprechend der Erhaltungsplanung der Länder werden im gleichen Zeitraum rund 80 Brückenmodernisierungsmaßnahmen an Bundesstraßen abgeschlossen. Stefan Schröder (AfD): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär, wie bewertet Ihr Ministerium denn die personelle und technische Ausstattung der zuständigen Autobahn GmbH des Bundes? Und sehen Sie an dieser Stelle noch Bedarf an Nachbesserung, um die Sanierung von Autobahnbrücken in Deutschland schneller voranzutreiben? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, wir haben ja deutlich mehr Geld auch für den Infrastrukturträger Straße zur Verfügung gestellt, insbesondere für die Brücken: 2,5 Milliarden Euro bei den Autobahnen und 750 Millionen Euro bei den Bundesstraßen. Selbstverständlich muss auch die Autobahn GmbH als der zuständige Aufgabenträger dort ordentlich ausgestattet werden. Genau das sind Themen der Gespräche, die wir uns einerseits in der Ressortabstimmung, aber dann natürlich auch mit dem Deutschen Bundestag vornehmen, um sicherzustellen, dass die Autobahn GmbH hinreichend und gut ausgestattet ist. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Noch eine letzte Nachfrage, dann kommen wir zur nächsten Frage. Stefan Schröder (AfD): Wie viele der aktuell besonders sanierungsbedürftigen Brückenbauwerke werden nach der derzeitigen Planung im Jahr 2026 tatsächlich baulich ertüchtigt oder ersetzt, nachdem in den vergangenen Jahren die Zielwerte deutlich verfehlt wurden und statt der angestrebten rund 400 Modernisierungen pro Jahr zuletzt lediglich 170 Teilbauwerke realisiert werden konnten? Und nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Projekte Sie mit besonderer Priorität behandeln? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, es ist richtig, dass im Jahr 2025 etwas weniger Brückenbauwerke als im Vorjahr saniert werden konnten. Das liegt daran – Sie können sich vielleicht erinnern –, dass es eine vorgezogene Bundestagswahl und in deren Folge einen verspäteten Haushaltsaufstellungsbeschluss gab, wir also im letzten Jahr vergleichsweise sehr spät unter anderem der Autobahn GmbH die Mittel zur Verfügung stellen konnten. Das ist in diesem Jahr anders. Wir werden deutlich mehr Brücken sanieren können, als es im vergangenen Jahr der Fall war. Und wir schauen in diesem Zusammenhang – das tut die Autobahn GmbH, aber wir auch – darauf, wo die Not am größten ist, sodass die Brücken mit besonderen Herausforderungen natürlich zuerst in den Blick genommen werden. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Vielen Dank. – Weitere Nachfragen hierzu sehe ich nicht. Die Frage 3 des Abgeordneten Tobias Matthias Peterka wird schriftlich beantwortet. Wir kommen jetzt zur Frage 4 der Abgeordneten Swantje Henrike Michaelsen: Wie hoch werden die durchschnittlichen Kosten bei der Laienausbildung in Deutschland im Kontext der geplanten Führerscheinreform ausfallen, wenn das österreichische Modell als Vorbild dient? Herr Staatssekretär. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, Fahrpraxis ist unbestritten der entscheidende Faktor für eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr. Wir wollen den Freiraum schaffen, mehr Fahrpraxis auch in der Ausbildung für den Pkw-Führerschein zu erlangen. Andere Länder wie Österreich machen das mit der dortigen sogenannten Laienausbildung bereits seit Jahrzehnten erfolgreich vor. Dahinter verbirgt sich, dass die Schülerinnen und Schüler mit einer nahestehenden Person einen Teil der praktischen Fahrausbildung absolvieren. Dies dient dazu, günstig mehr Fahrpraxis zu bekommen. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Frau Kollegin, Sie haben die Möglichkeit zur Nachfrage. Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Staatssekretär, Sie sagen, die Kosten würden geringer. Das mag für die Fahrschülerinnen und Fahrschüler stimmen. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag, bei dem unter anderem die Versicherungen eine sehr große Rolle spielen, lehnt die Laienausbildung ausdrücklich ab. Wovon gehen Sie aus: Wie werden sich die Kosten verlagern? Und wer trägt die, wenn zukünftig Menschen einfach mit nahestehenden, nichtausgebildeten Fahrschülerinnen und Fahrschülern unterwegs sein können? Wie wird sich das auf die Versicherungsprämien usw. auswirken? Und wie begegnen Sie diesen Argumenten? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, genau diese Fragen werden unter anderem Gegenstand der Evaluation sein, die wir zu der Einführung dieser Laienausbildung vorgeschlagen haben. Es zeichnet sich aber ab, dass es sehr gute Erfahrungen gibt, einerseits mit dem, was wir in Österreich sehen, aber auch mit dem, was wir heute schon bei dem begleiteten Fahren ab 17 in Deutschland sehen: dass es einen Mehrgewinn für die Sicherheit gibt, vor allem, weil einfach mehr Fahrpraxis für die jungen Fahrschülerinnen und Fahrschüler gewonnen wird. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Wollen Sie noch eine Nachfrage stellen? Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär, in Österreich gilt die Laienausbildung ab dem Alter von 17,5 Jahren. In Deutschland gibt es das begleitete Fahren ab 17. Wollen Sie jetzt die Laienausbildung auch ab 17,5 Jahren ansetzen und damit nicht zu einer Kostenreduktion beitragen für alle, die davor mit dem Führerschein beginnen? Oder sollen in Deutschland Fahrschülerinnen und -schüler bereits ab 16 oder 16,5 Jahren in der Laienausbildung im Verkehr unterwegs sein können, was ja bedeutet, dass sie nach sechs Fahrstunden in der Fahrschule in einem Nichtfahrschulwagen im öffentlichen Verkehr, im öffentlichen Raum einfach unterwegs sein können? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, in Österreich gibt es auch ein Modell, wo man bereits ab 16 in der Laienausbildung schon Fahrpraxis erwerben kann. Das planen wir in Deutschland nicht. Wir wollen das so wie vorgeschlagen ab 17. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Es gibt jetzt noch eine Nachfrage zu diesem Fragenkomplex von Dr. Hahn, und dann würden wir zur nächsten Frage kommen. – Bitte schön. Dr. Ingo Hahn (AfD): Herr Staatssekretär, zum Führerschein: Meine Fraktion, die AfD, ist der Meinung, dass man junge Leute eben früh in die Verantwortung nehmen muss, um sie unabhängig zu machen, gerade auch für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Das ist das eine. Das Zweite ist der Preis. Wir wissen, dass es in Deutschland sehr, sehr teuer ist. Auch die Bürokratie ist sehr, sehr groß. Sie haben jetzt eine Reform dafür angestrengt, um das zu beheben. Das heißt, es soll hier zu einer finanziellen Entlastung der Fahrschüler kommen. Wir wissen selber, dass das auch negative Folgen hat, auch für die Fahrschulen, wo keiner mehr hingegangen ist. Denn alle haben auf diese Reform gewartet. Meine Fragen sind jetzt: Welche Bestandteile dieser Reform werden Ihrer Einschätzung nach denn dann erfolgreich sein? Haben Sie das jetzt einfach so, sage ich mal, ins Blaue gemacht, oder haben Sie Erkenntnisse, können Sie sagen, welche einzelnen Faktoren vermutlich vorliegen – ohne nur auf eine Evaluation hinterher zu verweisen, die man immer machen kann? Wir wollen eigentlich wissen, warum Sie genau diese Maßnahmen getroffen haben. – Vielen Dank. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, wir haben uns im Vorfeld unserer Vorschläge in einem sogenannten Stakeholder-Dialog mit der Branche und allen Beteiligten zusammengetan und gehört, was an Informationen und auch an Hinweisen uns als Bundesverkehrsministerium gegeben wird. Wir haben uns angeschaut, welche praktische Erfahrung andere Länder schon gemacht haben. Aus heutiger Sicht zeichnet sich ab, dass man in der theoretischen Ausbildung, etwa über digitale asynchrone Ausbildung, Kosten sparen kann. Wir werden es möglich machen, dass die Fahrschulen ihre Ausbildung künftig flexibler anbieten. Wir gehen davon aus, dass auch in der praktischen Ausbildung künftig die Kosten sinken werden. In Summe gehen wir davon aus – das bleibt aber dem Markt überlassen –, dass es zu einer deutlichen Senkung der Kosten für den Erwerb eines Führerscheins kommt, und zwar nicht nur für den Pkw-Führerschein, sondern für alle Führerscheinklassen. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Vielen Dank. – Dann kommen wir jetzt zur Frage 5 der Abgeordneten Swantje Henrike Michaelsen. Inwiefern möchte das Bundesministerium für Verkehr den Verkehrssektor auf Klimakurs bringen und die Lücke beim Klimaschutz im Verkehr schließen, wenn keine weiter gehenden Vorschläge vorgelegt wurden und der Koalitionsausschuss ebenfalls ohne Ergebnis geblieben ist? Herr Staatssekretär. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, das Bundesministerium für Verkehr bewertet die im Klimaschutzbericht ausgewiesenen Emissionslücken im Verkehrssektor fortlaufend und leitet daraus Maßnahmen für die Weiterentwicklung bestehender und gegebenenfalls die Entwicklung neuer Mobilitätsinstrumente ab. Das Klimaschutzprogramm 2026 enthält auch Maßnahmen, die im Verkehrssektor wirken. Im Übrigen verfolgt das Klimaschutzgesetz im Hinblick auf die Erreichung nationaler Ziele eine sektorübergreifende Gesamtrechnung. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Sie haben die Möglichkeit zur Nachfrage. Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär, neue Maßnahmen sähen wir in dem Klimaschutzprogramm total gerne. Leider ist nichts davon zu finden. Leider sind viele Menschen immer noch vom Verbrenner abhängig und hocken damit in der fossilen Kostenfalle. Warum fördert die Bundesregierung in dieser Situation Plug-in-Hybride und Range Extender und somit weiter spritschluckende Verbrenner, anstatt die Menschen mit voller Kraft beim Umstieg auf Elektromobilität zu unterstützen? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, die Bundesregierung ist von der Überzeugung getragen, dass wir Ökonomie und Ökologie/Klimaschutz gemeinsam denken müssen. Es muss nachhaltig sein, nicht nur für das Klima, sondern auch für den Geldbeutel der Verbraucherinnen und Verbraucher und die Wirtschaft. Deswegen müssen wir pragmatisch schauen, wie wir den Weg zu klimafreundlicherer Mobilität ermöglichen. Eine Maßnahme dazu ist die von Ihnen angesprochene Unterstützung beim Erwerb batterieelektrischer Fahrzeuge, gerne auch mit Range Extendern. Daneben gibt es aber viele weitere Maßnahmen, die wir auf den Weg bringen. Gerade heute hat das Bundesverkehrsministerium einen neuen Förderaufruf gestartet, um zum Beispiel Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern zu fördern. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Bitte. Swantje Henrike Michaelsen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Herr Staatssekretär, das Deutschlandticket wird von der Bundesregierung selbst als wichtige Maßnahme für den Klimaschutz bezeichnet und auch als eine der zentralen Maßnahmen, um mehr Menschen in den ÖPNV zu locken. Gleichzeitig erhöhen sich da immer die Preise. Es gäbe eine Reihe von Maßnahmen, die man ergreifen könnte, um das Deutschlandticket weiter attraktiv zu halten: eine Stabilisierung des Preises und natürlich eine bundesweite Lösung für ein Sozialticket. Ist der Bundesregierung die soziale Dimension schlicht egal, oder warum ermöglicht sie nicht jetzt, mit Mitteln aus dem Klimasozialfonds, endlich ein bundesweites Sozialticket? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, zum ersten Mal hat die Politik dafür Sorge getragen, dass mittelfristig klar ist, für wie lange die Finanzierung des Bundes für das Deutschlandticket auf den Weg gebracht wird. Es ist klar, dass der Bund bis zum Ende dieser Legislaturperiode 1,5 Milliarden Euro – viel Geld – für dieses erfolgreiche Instrument in die Hand nimmt. Wir sehen den großen Erfolg des Deutschlandtickets, das sich extrem hoher Beliebtheit erfreut, nach wie vor sehr gut nachgefragt wird, mit stabilen Preisen. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Es gibt eine Nachfrage von Frau Victoria Broßart. Victoria Broßart (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Herr Hirte, Sie haben gerade das Förderprogramm für Ladeinfrastruktur in Privatgebäuden angesprochen. Zum Klimaschutz trägt ja auch der ÖPNV ganz massiv bei, und wir versuchen ja auch beim ÖPNV, auf klimafreundliche Antriebe, zum Beispiel auf Elektrobusse, umzusteigen. Für die meisten Verkehrsunternehmen ist aber der erste Elektrobus die größte Hürde; weil sie nicht nur den Bus anschaffen müssen, sondern auch die Ladeinfrastruktur. Meine Frage an Sie ist jetzt: Plant die Bundesregierung denn, auch die Ladeinfrastruktur für Verkehrsunternehmen zu fördern? Wir reden hier ja von deutlich größeren Modellen, als man sie daheim aus der eigenen Garage kennt. Und: Plant die Bundesregierung denn auch, die Hürden, die wir beim Netzanschluss solcher Ladeinfrastruktur haben, abzubauen, damit die Verkehrsbetriebe die Möglichkeit bekommen, auf Elektrobusse umzusteigen? (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, selbstverständlich denken wir auch das mit und planen im nächsten Quartal einen Förderaufruf, um die Infrastruktur für den ÖPNV zu verbessern, und zwar technologieoffen: für Elektroinfrastruktur, aber auch für Wasserstoffinfrastruktur. So kann sichergestellt werden, dass auch die Mobilität im öffentlichen Nahverkehr klimafreundlicher gestaltet wird. (Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf von der CDU/CSU: Sehr gut!) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Weitere Nachfragen gibt es hierzu nicht. Wir kommen jetzt zur Frage 6 des Abgeordneten Stephan Brandner: Welche fünf konkreten Projekte und Maßnahmen plant der Bundesminister für Verkehr, Patrick Schnieder, aktuell vorrangig umzusetzen, und wie begründet er seine Antwort? Herr Staatssekretär. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, das Bundesministerium für Verkehr setzt sich für die Gesamtheit der Mobilität im Zuständigkeitsbereich des Bundes ein und treibt diesbezügliche Vorhaben voran. Denn eine leistungsstarke Infrastruktur schafft die Grundlage für Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit und Teilhabe. Die Arbeit des Ministeriums folgt der Umsetzung des Koalitionsvertrages. Die Maßnahmen werden nach den dort und vorstehend beschriebenen Grundsätzen ausgerichtet und an aktuelle Entwicklungen und Bedarfe angepasst. Eine Beschränkung auf einige wenige Punkte existiert nicht und wäre angesichts der Bandbreite von Mobilität und Verkehrsträgern auch nicht zweckdienlich. (Beifall bei der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Herr Kollege. Stephan Brandner (AfD): Bei meiner Frage ging es nicht um fünf Projekte, die Sie in vier Jahren abschließend umsetzen wollen, sondern um die fünf wichtigsten, die Sie vorrangig umsetzen wollen, und dazu ist jetzt nicht viel gekommen. Ich habe gerade von einem neuen Projekt gelesen – ich kann es gar nicht glauben –, es ist ähnlich wie vorhin, als wir gefragt hatten: die Lösung, unpünktliche Züge dadurch zu verhindern, dass gar kein Zug mehr fährt im schlimmsten Falle. Sie haben jetzt offenbar ein neues Geschäftsmodell entwickelt. Ich lese hier gerade den Vorschlag von Minister Schnieder, dass für Brücken, die sanierungsbedürftig sind, jetzt eine Gewichtsbeschränkung gelten soll, bei Verstoß den Lkw-Fahrern horrende Strafen drohen sollen. Es sollen Waagen aufgebaut werden, mit denen geprüft wird, ob das zulässige – reduzierte – Gewicht genau eingehalten wird, die Lkw auf diesen Autobahnbrücken überhaupt noch unterwegs sein dürfen. Sagen Sie was dazu! Heißt es ab jetzt also nicht mehr „Brücken sanieren“, sondern „Gewichtsbegrenzung machen, Prüfwaagen aufstellen und dann Bußgelder kassieren“? (Michael Donth [CDU/CSU]: Gibt es doch schon ewig! – Günter Baumgartner [CDU/CSU]: Populismus hoch zehn!) Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, selbstverständlich haben wir Brücken, deren Tragfähigkeit beeinträchtigt ist. Aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen wir dafür sorgen, dass dort nicht Lkws mit überhöhtem Gewicht fahren und die Brücke weiter zerstören – bis hin zu einer Sperrung oder einem möglichen Einsturz. Deswegen ist es richtig und notwendig, dafür zu sorgen, dass diese Brücken nicht weiter beschädigt werden. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Eine Nachfrage noch von Herrn Brandner. Stephan Brandner (AfD): Wir wissen alle, dass in Deutschland Bund, Länder und Gemeinden im Jahr über 1 Billion Euro Steuern einnehmen, 1 Billion und 40 Milliarden, glaube ich. Jetzt haben wir die Situation, dass sich die Brücken – es wurde schon im Detail besprochen – in einem desolaten Zustand befinden, insbesondere Landstraßenbrücken oder Autobahnbrücken; sie sind, wie Sie gerade selber gesagt haben, kurz vor dem Zusammenbrechen. Erklären Sie doch mal, wie es angesichts immens hoher Steuereinnahmen so weit kommen konnte, dass die Infrastruktur, insbesondere die Autobahnbrücken, in Deutschland in einem so schlechten Zustand sind, dass Lkw-Fahrer aufgrund des Gewichts ihrer Lkws von der Autobahn runterfahren müssen – Umwege fahren müssen; das kostet Zeit, das kostet Sprit, das kostet Nerven –, um dann irgendwann wieder raufzufahren. (Beifall bei der AfD) Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege, ich beantworte Ihre Fragen gerne. Diese Frage steht aber nicht im Zusammenhang mit Ihrer Ausgangsfrage. Das ist vom Fragerecht nicht umfasst. (Zuruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Es gibt jetzt noch eine weitere Nachfrage, vom Kollegen Pascal Meiser. Pascal Meiser (Die Linke): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Lieber Herr Staatssekretär Hirte, Sie haben bei Ihren Schwerpunkten jetzt nicht die Zukunft des Schienenpersonennahverkehrs genannt. Ich halte das in der aktuellen Situation für eine ganz zentrale Herausforderung im Verkehrssektor, gerade vor dem Hintergrund des jüngsten EuGH-Urteils, das die entsprechende Mautbremse für den Nahverkehr gekippt hat. Meine Frage ist: „Wie wollen Sie kurzfristig darauf reagieren?“, nicht: „Wie wollen Sie langfristig die ganzen Mautgebühren neu regeln?“, sondern: „Wie wollen Sie kurzfristig reagieren?“, weil den Ländern jetzt enorme Mehrkosten drohen, auch eine Abbestellung von Leistungen droht und damit eine Ausdünnung des Schienenpersonennahverkehrs. Das wäre dramatisch für die Verkehrswende. Was wollen Sie tun? Die Länder haben dazu ja jetzt sehr laut gefordert, dass der Bund die entsprechenden Zusatzkosten kompensiert. Folgen Sie dem, auch vor dem Hintergrund, dass hier ein Bundesunternehmen erfolgreich gegen eine Bundesbehörde, die Bundesnetzagentur, geklagt hat und dadurch jetzt die Kosten steigen? Sehen Sie sich da in der Verantwortung für die zusätzlichen Kosten? Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Herr Kollege, wenn Sie mir zugehört haben, haben Sie gehört, dass ich bereits in meiner Ausgangsantwort auf die Frage deutlich gemacht habe, dass wir gerade keine Priorisierung zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern vornehmen; alle sind uns wichtig, und bei allen engagieren wir uns vehement. Selbstverständlich werden wir uns das Trassenpreissystem genau anschauen, das Urteil auswerten und gemeinsam mit den koalitionstragenden Fraktionen eine gute neue Lösung finden. (Pascal Meiser [Die Linke]: Eine Nichtsaussage!) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Damit ist auch diese Frage beantwortet. Weitere Nachfragen gibt es nicht. Wir kämen jetzt zur Frage 7 des Abgeordneten Martin Reichardt; diese wird nicht beantwortet. Wir kommen daher zur Frage 8 des Abgeordneten Maximilian Kneller; es geht um die Stilllegung von mit Wasserstoff betriebenen Müllwagen in Bielefeld wegen fehlender Betankungsinfrastruktur. – Herr Kneller ist nicht da. Die Frage wird nicht beantwortet. Es wird verfahren, wie in der Geschäftsordnung vorgesehen. Das Gleiche gilt für die Frage 9 des Abgeordneten Maximilian Kneller. Die Frage 10 des Abgeordneten Jorrit Bosch wird schriftlich beantwortet. Die Fragen 11 und 12 des Abgeordneten Matthias Gastel werden ebenfalls schriftlich beantwortet. Wir kommen jetzt zur Frage 13 des Abgeordneten Tarek Al-Wazir. Allerdings ist der Fragesteller nicht da. Deshalb wird diese Frage jetzt nicht beantwortet. Es wird verfahren, wie in der Geschäftsordnung vorgesehen. Wir kommen zur Frage 14 des Abgeordneten Martin Reichardt. Diese Frage wird grundsätzlich nicht beantwortet. Wir kommen jetzt zur Frage 15 der Abgeordneten Kerstin Przygodda: Plant die Deutsche Bahn AG nach Kenntnis der Bundesregierung, nach Abschluss der Bauarbeiten an der Bahnstrecke Lübeck–Schwerin (https://eisenbahn.de/eisenbahn-magazin/spatenstich-fuer-ausbaustrecke-luebeck-schwerin-schnellere-fahrten-bis-2028-geplant_11307) Züge des Personenfernverkehrs zwischen Berlin und Lübeck über Schwerin einzusetzen, und, wenn nein, weshalb nicht? Herr Staatssekretär. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, die Entscheidung über Umfang und Ausgestaltung des Fernverkehrsangebots einschließlich der Bedienung einzelner Strecken liegt bei den Eisenbahnverkehrsunternehmen. Verbindliche Aussagen zu einzelnen Relationen im eigenwirtschaftlich betriebenen Schienenpersonenfernverkehr sind nicht möglich. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Die Frau Kollegin hat keine Nachfrage. Dann wäre die Frage 15 erledigt. Wir kommen zur Frage 16, ebenfalls der Abgeordneten Kerstin Przygodda: Ist nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig geplant, die Bahnstrecke zwischen Stralsund und Rostock durchgängig zweigleisig auszubauen (www.sueddeutsche.de/wirtschaft/verkehr-bahnstrecke-rostock-stralsund-weiter-kein-ausbau-geplant-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230424-99-426020), und, wenn ja, bis wann soll das nach gegenwärtigem Planungsstand erfolgen? Herr Staatssekretär. Christian Hirte, Parl. Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: Frau Präsidentin! Frau Kollegin, der zweigleisige Ausbau der Abschnitte Rostock–Ribnitz-Damgarten West und Velgast–Stralsund wird im Ergebnis der Bedarfsplanüberprüfung aus dem Jahr 2010 nicht weiterverfolgt. Die prognostizierten Verkehre können ohne den Ausbau bewältigt werden. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Keine Nachfrage, wie ich sehe. Dann ist der Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr für heute erledigt. Ich rufe jetzt den Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit auf. Zur Beantwortung der Fragen steht die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter bereit. Wir kommen zur Frage 17 des Abgeordneten Johannes Wagner: Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung zum volkswirtschaftlichen Nutzen von zentralen Ökosystemleistungen vor, und wie fließen diese Erkenntnisse in die Finanzierung und Förderung von Klima- und Umweltschutzprojekten ein? Frau Staatssekretärin. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Kollege Wagner, die Bundesregierung verfügt über differenzierte Kenntnisse des volkswirtschaftlichen Nutzens von Ökosystemleistungen. Dazu gehören regelmäßig Daten über die Feinstaubfilterung durch Vegetation, die Kohlenstoffspeicherung durch Wälder, Moore, Wiesen sowie Meeres- und Küstenökosysteme, die Kühlung von Städten durch Stadtgrün, Ernteerträge aus Kulturpflanzen und den Holzzuwachs in Wäldern. Die Bundesregierung stützt sich dabei auf konkrete Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den physischen Ausprägungen, die auch öffentlich zugänglich sind, sowie auf die Klimaberichterstattung des Umweltbundesamtes. Auch zum Wasserrückhalt durch Böden und Vegetation liegen physische Leistungszahlen vor. Die regelmäßige Ableitung von Daten über Bestäubungsleistungen und Beiträge des Bodens zur Denitrifikation ist in Vorbereitung. Die Nutzung der Daten erfolgt in der Zuständigkeit der einzelnen Ressorts. Das Bundesumweltministerium nutzt beispielsweise die Kenntnisse über die Klimaschutz- oder die Biodiversitätsleistung, um Programme zur Förderung von Ökosystemleistungen des Waldes zu gestalten. Die Förderung dieser Leistungen bringt einen erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen, der vom Markt nicht ausreichend vergütet werden kann. Noch breiter setzt das Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ an; es soll die Klimaschutzfunktion der Ökosysteme bewahren und stärken, um die im Klimaschutzgesetz vorgegebenen Zielzahlen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen im Sektor „Landnutzung und Forstwirtschaft“ baldmöglichst zu erreichen. Regelmäßige Daten über Ökosystemleistungen unterstützen das diesbezügliche Monitoring. Darüber hinaus fließen die Erkenntnisse in die Maßnahmenfolgenabschätzung und die Zustandsbewertung im Rahmen der Umsetzung der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie ein. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Herr Kollege, Sie können noch eine Nachfrage stellen. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin, das Wirtschaftsministerium hat ja aus dem Jahreswirtschaftsbericht alternative Wohlstandsindikatoren herausgestrichen. Sowohl soziale als auch ökologische Indikatoren sind nicht mehr im Jahreswirtschaftsbericht enthalten. Hatte Ihr Haus davon Kenntnis? Und: Wie haben Sie dieses Herausstreichen von ökologischen Indikatoren aus dem Jahreswirtschaftsbericht bewertet? Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Wir stellen die Daten, wie schon eben gesagt, zur Verfügung. Allen Ressorts stehen diese Daten zur Verfügung, auch über das Statistische Bundesamt oder das Umweltbundesamt. Welche Daten sie wie verwerten, ist Sache der einzelnen Ressorts. Und ich kommentiere jetzt nicht in Bezug auf das Bundeswirtschaftsministerium. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Wollen Sie noch eine Nachfrage stellen? – Nicht. Dann gibt es zu dieser Frage jetzt noch eine Nachfrage des Kollegen Dr. Hahn. Dr. Ingo Hahn (AfD): Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin, es geht um Ökosystemleistungen. Sie haben ja gerade die verschiedenen Komponenten dargestellt. Eine Komponente ist etwa die Bestäubung. Ein wesentlicher Anteil der Bestäubung in Ökosystemen erfolgt durch Insekten. Insekten sind einerseits natürlich Nahrung für Vögel und Fledermäuse. Andererseits sind sie selber Bestäuber von Pflanzen, und zwar von Naturpflanzen, aber auch in der Landwirtschaft. Deshalb würde mich interessieren, ob Ihr Ministerium auch Daten zum ökonomischen Schaden durch den Verlust von Insekten gerade durch Windkraftanlagen hat. Wir haben ja die Trieb-Studie gesehen. Das sind ja enorme Verluste an Biodiversität durch Windkraftanlagen, gerade Verluste an Insekten, die dann nicht mehr für Bestäubung zur Verfügung stehen. Mich würde interessieren: Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden, gerade in der Landwirtschaft, durch dieses Fehlen von Insekten aufgrund von Windkraftanlagen? (Harald Ebner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mann, das ist so irrelevant! Das ist falsch!) Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Ich versuche wirklich, es sachlich zu beantworten, Herr Kollege Hahn. Wie Sie wissen, ist die Hauptursache des Insektensterbens der Biodiversitätsverlust (Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört! – Dr. Ingo Hahn [AfD]: Das ist das Gleiche!) und nicht ein einzelnes Windrad. Aber wenn Sie sich konkret auf die Windräder beziehen: Sie fahren sicherlich Auto. Ich glaube, Sie haben im Laufe der Jahre bemerkt, dass auch dort Insekten an den Scheiben haften bleiben. Es hat aber noch nie jemand vorgeschlagen, deswegen jetzt das Autofahren einzustellen. Insofern, glaube ich, muss man schon sehen, wie die eigentlichen Ursachen für das Insektensterben tatsächlich zu gewichten sind. (Beifall der Abg. Frauke Heiligenstadt [SPD] – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an den Abg. Dr. Ingo Hahn [AfD] gewandt: Gucken Sie mal eine Runde „Biene Maja“!) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Wir kommen dann zur Frage 18 der Abgeordneten Lisa Badum: Liegen dem Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit Berechnungen zu den Klimaschadenskosten vor, die laut einer vorliegenden Studie durch die vergrößerte Emissionslücke des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes entstehen (www.oeko.de/publikation/auswirkungen-der-eckpunkte-zum-neuen-gebaeudemodg-auf-die-klimaziele/)? Frau Kollegin. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kollegin Badum, dazu liegen dem Bundesumweltministerium keine Berechnungen vor. Bisher sind lediglich Eckpunkte für das neu zu fassende Gebäudemodernisierungsgesetz bekannt; die gesetzliche Ausgestaltung und die Befassung im Bundestag folgen erst noch. Auswirkungen auf Emissionen und Klimaziele sind daher noch nicht vorhersehbar; denn die Wirkungen hängen ganz wesentlich von der konkreten Umsetzung der Eckpunkte ab und auch davon, für welche Heizungstechnologie sich die Menschen angesichts der großen Preisrisiken bei Öl und Gas am Ende entscheiden. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Frau Kollegen, wollen Sie eine Nachfrage stellen? Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ja, sehr gern. – Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin, Sie haben im Klimaschutzprogramm, das heute veröffentlicht wurde, die mögliche Minderwirkung des neuen Heizungsgesetzes beim Klimaschutz nicht eingerechnet. Dabei wissen wir schon aus den Eckpunkten, dass die Regel „65 Prozent erneuerbare Energien“, die das Kernstück der Klimaschutzwirkung des alten Heizungsgesetzes war, fällt. Der Expertenrat für Klimafragen, der das Klimaschutzprogramm bewertet hat, kommt zu dem Schluss, dass Sie in dieses Klimaschutzprogramm diese Minderwirkung hätten einrechnen müssen. Hier haben Sie leider getäuscht. Oder, wenn man nett sein will: Sie haben das übersehen. Das Klimaschutzprogramm ist so nicht valide. Uns liegen außerdem Berechnungen des Öko-Instituts vor, dass es kumuliert eine zusätzliche Lücke von bis zu 140 Millionen Tonnen CO2-Emissionen bis 2040 geben wird. Daher frage ich Sie: Vertreten Sie die Auffassung, dass der Expertenrat für Klimafragen hier falschliegt, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier eine falsche Stellungnahme abgegeben haben? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Sehr geehrte Frau Kollegin, da uns, wie gesagt, nur Eckpunkte und keine tatsächlichen Entscheidungen zur Ausgestaltung des Gebäudemodernisierungsgesetzes vorliegen, haben wir auch keine valide Berechnungsgrundlage, ob es eine mögliche Lücke geben wird oder auch nicht. Und wie ich gerade ausgeführt habe: Es hängt ja davon ab, für welche Technologie sich die Bürgerinnen und Bürger entscheiden. Aber Sie müssen mir doch zugestehen, dass im Klimaschutzprogramm jetzt zum Beispiel auch die Förderung von Wärmenetzen enthalten ist. Auch das trägt dazu bei, im Wärmebereich, im Gebäudebereich eine positive Auswirkung auf das Klima zu erzielen. Insofern: Man kann keine valide Schätzung zu den Auswirkungen machen, wenn das Gesetz noch nicht vorliegt. Also, die Prognose hätte ich gerne gesehen. Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Frau Kollegin, wollen Sie noch eine Nachfrage stellen? Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Gerne. – Also, die 400 Millionen Euro bis 2030 für die Wärmenetze sind viel zu wenig. Das Problem ist: Wenn niemand mehr ans Wärmenetz anschließen will, weil er oder sie sich noch eine Öl- oder Gasheizung einbindet, ist für die Wärmewende nichts gewonnen. Es ist offensichtlich so, dass der Expertenrat für Klimafragen – das sind die Berater der Regierung; das sind Ihre Berater – deutlich eine Minderwirkung des neuen Heizungsgesetzes beim Klimaschutz erkennt. Deswegen frage ich Sie noch mal: Sagen Sie, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Stelle falschliegen? Und: Gestehen Sie ein, dass wir hier auf neue Klimaschadenskosten zulaufen? Wenn ich jetzt einfach nur die Zahlen des Öko-Instituts nehme, könnten es bis zu 140 Milliarden Euro mehr Klimaschadenskosten im Jahr 2040 sein. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Und das ist konservativ gerechnet; denn eigentlich müssten wir mit 900 Euro pro Tonne CO2 als Klimaschadenskosten rechnen. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit: Liebe Frau Badum, Sie gehen hier von Prämissen aus, die wir beide nicht kennen. Wir kennen den Inhalt des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes nicht, und wir wissen auch nicht, wie sich die Bürgerinnen und Bürger aufgrund der Krise am Persischen Golf jetzt verhalten. Ob der mündige und mit gesundem Menschenverstand ausgestattete Bürger sich jetzt für eine Wärmepumpe entscheidet, auch das können wir nicht prognostizieren. Beide Voraussetzungen für Prognosen haben wir nicht. Ich nehme die Besorgnis der Experten durchaus sehr ernst. Wir verlassen uns immer auf den Expertenrat. Und Sie wissen ganz genau, wie das Prozedere beim Klimaschutzprogramm und auch bei anderen Entscheidungen ist: Die Stellungnahmen des Expertenrates – so steht es im Gesetz geschrieben – sind immer auch zu berücksichtigen. (Swantje Henrike Michaelsen [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, schön wäre es!) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Es gibt es jetzt noch drei Fragesteller. Zunächst Herr Wagner. Johannes Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Frau Staatssekretärin, der Verkehrssektor und der Gebäudesektor reißen ja seit Jahren die Klimaziele. Sie sagen jetzt zwar, Ihnen lägen bisher nur Eckpunkte zur Veränderung des Gebäudeenergiegesetzes vor, Sie hätten keine validen Daten. Aber wir haben gehört, der Expertenrat positioniert sich da sehr klar. Und Sie haben ja gesagt, Sie nehmen den Expertenrat sehr ernst. Deswegen meine Frage an Sie: Sehen Sie denn grundsätzlich, dass Veränderungen an dem jetzigen Geset

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