Offensive gegen Organisierte Kriminalität - Staat stärken, Strukturen zerschlagen
Text
Offensive gegen Organisierte Kriminalität - Staat stärken, Strukturen zerschlagen
Antrag
der Abgeordneten Sascha Lensing, Dr. Gottfried Curio, Dr. Christian Wirth,
Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Steffen
Janich, Markus Matzerath, Arne Raue, Dr. Christina Baum, Joachim Bloch,
Erhard Brucker, Marcus Bühl, Rainer Galla, Alexis L. Giersch, Kay Gottschalk,
Udo Theodor Hemmelgarn, Stefan Henze, Dr. Malte Kaufmann, Dr. Michael
Kaufmann, Rocco Kever, Maximilian Kneller, Reinhard Mixl, Andreas Paul,
Angela Rudzka, Bernd Schattner, Lars Schieske, Dr. Paul Schmidt, Tobias
Teich, Dr. Daniel Zerbin und der Fraktion der AfD
Offensive gegen Organisierte Kriminalität – Staat stärken, Strukturen
zerschlagen
Der Bundestag wolle beschließen:
Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf, im Rahmen ihrer
verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten und unter strikter Wahrung der Grundrechte,
insbesondere des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung, des
Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes sowie der föderalen Kompetenzordnung, die Bekämpfung der
Organisierten Kriminalität (OK) in Deutschland auf Grundlage der aktuellen Lagebilder des
Bundeskriminalamtes weiterzuentwickeln und dabei in enger Kooperation mit den
Ländern folgende Maßnahmen zu prüfen, zu fördern und – soweit bundesrechtlich zulässig
– umzusetzen:
1. die beim Bundeskriminalamt und in den Ländern bereits bestehenden Analyse-
und Koordinierungsstrukturen im Bereich der Organisierten Kriminalität
weiterzuentwickeln, personell und technisch zu stärken und ihre länderübergreifende
Vernetzung zu verbessern, ohne neue Behörden oder Doppelstrukturen zu
schaffen und ohne anlasslose, flächendeckende oder präventive
Überwachungsinstrumente einzuführen. Dabei sind die entstehenden Kosten transparent darzustellen
und auf eine effiziente Nutzung vorhandener Haushaltsmittel zu begrenzen;
2. eine bund-länder-übergreifende Intensivierung der Finanz- und
Strukturermittlungen im Bereich der Organisierten Kriminalität zu fördern und die
Zusammenarbeit von Polizei, Zoll, Steuerfahndung, Finanzaufsicht und Ausländerbehörden
im Rahmen der geltenden Rechtslage weiter zu stärken;
3. die bestehenden Instrumente der strafprozessualen Vermögensabschöpfung und
der finanziellen Ermittlungen unter strikter Beachtung des Richtervorbehalts, des
Schuldprinzips und des Datenschutzes konsequent anzuwenden und ihre
Effektivität zu evaluieren, ohne präventive, anlasslose Vermögensoffenlegungen oder
unbestimmte Gefährderkategorien einzuführen;
4. die Länder bei der Nutzung der bereits nach den §§ 13a, 16 GVG bestehenden
Möglichkeiten zur Bildung spezialisierter Spruchkörper in Verfahren der
Organisierten Kriminalität organisatorisch zu unterstützen, ohne in das Recht auf den
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4459
21. Wahlperiode 03.03.2026
gesetzlichen Richter nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG oder in die richterliche
Unabhängigkeit einzugreifen;
5. in Zusammenarbeit mit Ländern, Wirtschaftsverbänden und Kammern
branchenspezifische Präventions- und Compliance-Standards für besonders
kriminalitätsanfällige Wirtschaftszweige – insbesondere in den Bereichen Bau- und
Immobilienwirtschaft, Abfall- und Entsorgungswirtschaft, Sicherheitsgewerbe,
Glücksspiel- und Wettwesen sowie Teile der Logistik- und Transportbranche – zu
fördern, ohne neue staatliche Zahlungs- oder Konten-Monitoringsysteme
einzurichten, ohne in das Bank- und Steuergeheimnis einzugreifen und ohne über die
bestehenden geldwäscherechtlichen Pflichten hinausgehende Datensammel- oder
Überwachungsstrukturen zu schaffen;
6. die technische Ausstattung der Strafverfolgungsbehörden im Bereich der
digitalen Forensik und Beweissicherung zu stärken und die länderübergreifende
Nutzung bestehender IT-Forensik- und Analyseinfrastrukturen zu erleichtern;
7. die Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in kriminalitätsbelasteten Regionen
im Rahmen der jeweiligen landesrechtlichen Befugnisse zu unterstützen und zu
koordinieren, wobei Art, Umfang und Dauer besonderer Maßnahmen weiterhin
ausschließlich in der Zuständigkeit der Länder verbleiben;
8. den Vollzug und die Wirksamkeit der bestehenden Meldepflichten nach dem
Geldwäschegesetz sowie der internationalen Standards zur Terrorismus- und
Finanzkriminalitätsbekämpfung zu evaluieren und zu verbessern, ohne zusätzliche,
über das geltende Recht hinausgehende oder anlasslose Melde- und
Datenspeicherpflichten – insbesondere im Bereich des Bargeldverkehrs – einzuführen;
9. die internationale Rechtshilfe und Auslieferungszusammenarbeit mit
Herkunfts-, Transit- und Wirkungsstaaten der Organisierten Kriminalität auf
Grundlage bestehender völkerrechtlicher Abkommen und Instrumente zu intensivieren
und zu beschleunigen;
10. dem Deutschen Bundestag regelmäßig über die Entwicklung der Organisierten
Kriminalität, die Wirksamkeit der eingesetzten Instrumente,
Vermögensabschöpfungen sowie Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit Bericht zu
erstatten.
Berlin, den 3. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die Organisierte Kriminalität stellt eine der größten sicherheits-, wirtschafts- und staatspolitischen
Herausforderungen für die Bundesrepublik Deutschland dar. Die Lagebilder des Bundeskriminalamtes belegen seit Jahren
eine zunehmende Internationalisierung, Professionalisierung und Digitalisierung krimineller Strukturen.
Organisierte Tätergruppen agieren arbeitsteilig, nutzen verschlüsselte Kommunikation, digitale Marktplätze,
Kryptowährungen sowie komplexe Firmen- und Logistikgeflechte. Die dadurch verursachten Schäden für Wirtschaft,
Gesellschaft und öffentliche Haushalte sind erheblich und nehmen kontinuierlich zu.
Zugleich bestehen strukturelle Defizite in der bisherigen Bekämpfung der Organisierten Kriminalität.
Informationen und Zuständigkeiten sind auf zahlreiche Bundes- und Landesbehörden verteilt, was eine umfassende
Lagebewertung und eine koordinierte Reaktion erschwert. Digitale Beweismittel und große Datenmengen stellen
Polizei und Justiz vor wachsende technische und organisatorische Herausforderungen. Großverfahren gegen OK-
Strukturen sind häufig langwierig, personalintensiv und anfällig für Verzögerungstaktiken. Auch die
internationale Rechtshilfe ist vielfach durch langwierige Verfahren und mangelnde Verbindlichkeit geprägt.
Der vorliegende Antrag setzt an diesen Schwachstellen an, ohne die verfassungsrechtlichen Grenzen des
freiheitlichen Rechtsstaates zu überschreiten und ohne programmwidrige Überwachungs- oder Kontrollstrukturen zu
fordern. Er verzichtet bewusst auf anlasslose Massenüberwachung, auf staatliche Zahlungs- oder Konten-
Monitoringsysteme, auf eine weitere Aushöhlung des Bank- und Steuergeheimnisses sowie auf unbestimmte
Gefährderkategorien. Stattdessen zielt er darauf ab, vorhandene Analyse- und Ermittlungsstrukturen effizienter zu
nutzen, Doppelstrukturen zu vermeiden, die länderübergreifende Zusammenarbeit zu verbessern, die
strafprozessualen Finanzermittlungen und die Vermögensabschöpfung zu stärken, die digitale Forensik auszubauen und die
internationale Rechtshilfe zu beschleunigen.
Durch die Förderung branchenspezifischer Präventions- und Compliance-Standards in klar benannten
Hochrisikobereichen, die konsequente Anwendung der bestehenden geldwäscherechtlichen Meldepflichten sowie eine
regelmäßige parlamentarische Berichterstattung wird die Handlungsfähigkeit des Staates gestärkt, ohne den
Bürger zum „gläsernen Untertanen“ zu machen oder verfassungsrechtlich geschützte Freiheitsräume preiszugeben.
Der Antrag verbindet damit eine konsequente sicherheitspolitische Zielsetzung mit der klaren Bindung an
Verfassung, Rechtsstaat, föderale Ordnung und die Grundsätze des AfD-Programms.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Alexis L. Giersch (Antrag)
- authored ← Andreas Paul (Antrag)
- authored ← Angela Rudzka (Antrag)
- authored ← Arne Raue (Antrag)
- authored ← Bernd Baumann (Antrag)
- authored ← Bernd Schattner (Antrag)
- authored ← Christian Wirth (Antrag)
- authored ← Christina Baum (Antrag)
- authored ← Christopher Drößler (Antrag)
- authored ← Daniel Zerbin (Antrag)
- authored ← Erhard Brucker (Antrag)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Gottfried Curio (Antrag)
- authored ← Joachim Bloch (Antrag)
- authored ← Jochen Haug (Antrag)
- authored ← Kay Gottschalk (Antrag)
- authored ← Lars Schieske (Antrag)
- authored ← Malte Kaufmann (Antrag)
- authored ← Marcus Bühl (Antrag)
- authored ← Markus Matzerath (Antrag)
- authored ← Martin Hess (Antrag)
- authored ← Maximilian Kneller (Antrag)
- authored ← Michael Kaufmann (Antrag)
- authored ← Paul Schmidt (Antrag)
- authored ← Rainer Galla (Antrag)
- authored ← Reinhard Mixl (Antrag)
- authored ← Rocco Kever (Antrag)
- authored ← Sascha Lensing (Antrag)
- authored ← Stefan Henze (Antrag)
- authored ← Steffen Janich (Antrag)
- authored ← Tobias Teich (Antrag)
- authored ← Udo Theodor Hemmelgarn (Antrag)
- part_of_vorgang → Offensive gegen Organisierte Kriminalität - Staat stärken, Strukturen zerschlagen (Antrag)