polradar

Protokoll der 81. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 22.05.2026 · WP 21 · 21/81 · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Protokoll der 81. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/80 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 80. Sitzung Berlin, Donnerstag, den 21. Mai 2026 Inhalt: Ergänzung der Tagesordnung Tagesordnungspunkt 24: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz – SpoFöG) Drucksache 21/5921 b) Antrag der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten Drucksache 21/4292 c) Antrag der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern – Schutzlücken für selbstständige Spitzensportlerinnen schließen Drucksache 21/6009 d) Antrag der Abgeordneten Christian Görke, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Für eine nachhaltige und durchdachte Reform der Sportförderung Drucksache 21/5568 Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin BK Jörn König (AfD) Bettina Lugk (SPD) Tina Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Christian Görke (Die Linke) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) Thomas Korell (AfD) Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jens Lehmann (CDU/CSU) Bastian Treuheit (AfD) Fritz Güntzler (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 7: Antrag der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Tobias Teich, Stefan Keuter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Einsetzung eines 1. Untersuchungsausschusses der 21. Wahlperiode zum Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines Drucksache 21/6025 Markus Frohnmaier (AfD) Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Enrico Komning (AfD) Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU) Daniel Baldy (SPD) René Bochmann (AfD) Ina Latendorf (Die Linke) Marc Henrichmann (CDU/CSU) Markus Frohnmaier (AfD) Dr. Anna Rathert (AfD) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Steffen Kotré (AfD) Dr. Ralf Stegner (SPD) Steffen Kotré (AfD) Jürgen Hardt (CDU/CSU) Stephan Brandner (AfD) Tagesordnungspunkt 8: Vereinbarte Debatte: Zusammenhalt durch Engagement – Das Ehrenamt als Rückgrat unserer Gesellschaft Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin BK Arne Raue (AfD) Bettina Lugk (SPD) Tina Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Mandy Eißing (Die Linke) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU) Jörn König (AfD) Jürgen Coße (SPD) Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jan Köstering (Die Linke) Dieter Stier (CDU/CSU) Thomas Korell (AfD) Artur Auernhammer (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 9: a) Antrag der Abgeordneten Dr. Alaa Alhamwi, Kassem Taher Saleh, Katrin Uhlig, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Sanierungsoffensive für Deutschland – Heizkostensenkung durch eine vollständige Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie Drucksache 21/6005 b) Antrag der Abgeordneten Hanna Steinmüller, Dr. Alaa Alhamwi, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Heizkostenfalle verhindern – Klima und Mieterinnen und Mieter schützen, Energieunabhängigkeit stärken Drucksache 21/6006 c) Antrag der Abgeordneten Dr. Julia Verlinden, Dr. Alaa Alhamwi, Lisa Badum, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Jetzt für den nächsten Winter vorsorgen – Gasverbrauch wirksam reduzieren und Gasunabhängigkeit voranbringen Drucksache 21/6007 d) Antrag der Abgeordneten Violetta Bock, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Heizkostendeckel sofort einführen und Gasausstieg ermöglichen Drucksache 21/6019 Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sepp Müller (CDU/CSU) Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sepp Müller (CDU/CSU) Marc Bernhard (AfD) Hans Koller (CDU/CSU) Helmut Kleebank (SPD) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Hanna Steinmüller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Violetta Bock (Die Linke) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Lisa Badum (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Caren Lay (Die Linke) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Raimond Scheirich (AfD) Dr. Nina Scheer (SPD) Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jörg Cezanne (Die Linke) Lars Rohwer (CDU/CSU) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Mathias Weiser (AfD) Hans Koller (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 30: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 29. Juli 2025 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Französischen Republik über die Deutsch-Französischen Gymnasien und das Deutsch-Französische Abitur Drucksache 21/5878 b) Antrag der Abgeordneten Stefan Schmidt, Matthias Gastel, Victoria Broßart, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das Potenzial außergerichtlicher Schlichtungsstellen für Reisende und Branche besser nutzen Drucksache 21/5782 c) Antrag der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Empfehlungen für gesundes Essen – Mehr Information und Transparenz Drucksache 21/6031 d) Antrag der Abgeordneten Julian Schmidt, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Rote Gebiete für die Landwirtschaft verursachergerecht eingrenzen Drucksache 21/6032 e) Antrag der Abgeordneten Danny Meiners, Stephan Protschka, Bernd Schattner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Waldbrandprävention und -bekämpfung in Deutschland stärken – Nationale Koordination verbessern und europäische Zusammenarbeit ausbauen Drucksache 21/6033 in Verbindung mit Zusatzpunkt 3: a) Antrag der Abgeordneten Lars Schieske, Kay Gottschalk, Hauke Finger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Sportvereine, Ehrenamt und Katastrophenschutz stärken – Bürokratie abbauen, Steuern senken, Nachwuchs und Zukunft sichern Drucksache 21/6034 b) Erste Beratung des von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Aussetzung des Anpassungsverfahrens gemäß § 11 Absatz 4 des Abgeordnetengesetzes für das Jahr 2026 (Anpassungsverfahrensaussetzungsgesetz 2026) Drucksache 21/6004 c) Antrag der Abgeordneten Harald Ebner, Dr. Zoe Mayer, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Igel vor Mährobotern wirksam schützen Drucksache 21/6011 d) Antrag der Abgeordneten Dr. Zoe Mayer, Karl Bär, Dr. Ophelia Nick, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Lebensmittelpreiskrise jetzt vorbeugen Drucksache 21/6012 e) Antrag der Abgeordneten Misbah Khan, Dr. Konstantin von Notz, Schahina Gambir, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Umstrukturierung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ aussetzen – Wissenschaftliche Evaluationen und Wirkungsanalysen als Maßstab anlegen Drucksache 21/6013 f) Antrag der Abgeordneten Isabelle Vandre, Janine Wissler, Doris Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Keine Spekulation mit Wohnraum – Marktzugang von Immobilienunternehmen einschränken, Mieterinnen und Mieter schützen Drucksache 21/6020 Tagesordnungspunkt 31: a) Beratung der Siebten Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 21  Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025 Drucksache 21/5800 b) Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Griechenland: Vorzeitige Teilrückzahlung bilateraler europäischer Kredite des ersten Hilfsprogramms 1. Antrag auf Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 2 Nummer 2 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes 2. Antrag auf Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages gemäß § 5 Absatz 2 Nummer 1 des ESM-Finanzierungsgesetzes Drucksache 21/5863 c)–m) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 245, 246, 247, 248, 249, 250, 251, 252, 253, 254 und 255 zu Petitionen Drucksachen 21/5785, 21/5786, 21/5787, 21/5788, 21/5789, 21/5790, 21/5791, 21/5792, 21/5793, 21/5794, 21/5795 Zusatzpunkt 4: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Bevölkerungsschutz neu denken – Gemeinsam für ein krisenfestes Deutschland Alexander Dobrindt, Bundesminister BMI Steffen Janich (AfD) Christian Pegel, Minister (Mecklenburg-Vorpommern) Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jan Köstering (Die Linke) Sebastian Schmidt (CDU/CSU) Arne Raue (AfD) Sebastian Hartmann, Parl. Staatssekretär BMVg Leon Eckert (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Katja Strauss-Köster (CDU/CSU) Dr. Daniel Zerbin (AfD) Rasha Nasr (SPD) Josef Oster (CDU/CSU) Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Thomas Silberhorn (CDU/CSU) Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 10: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Förderung und Modernisierung des Anwaltsnotariats Drucksachen 21/5441, 21/5868, 21/6048 Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD) Thomas Fetsch (AfD) Johannes Wiegelmann (CDU/CSU) Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Aaron Valent (Die Linke) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Ansgar Heveling (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 11: Antrag der Abgeordneten Micha Fehre, Kay Gottschalk, Steffen Kotré, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand stärken – Abschaffung des CO2-Emissionshandelssystems und des CO2-Grenzausgleichsmechanismus Drucksache 21/6026 Micha Fehre (AfD) Dr. Thomas Gebhart (CDU/CSU) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Karsten Hilse (AfD) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Esra Limbacher (SPD) Mirze Edis (Die Linke) Hans Koller (CDU/CSU) Kay Gottschalk (AfD) Esra Limbacher (SPD) Jürgen Coße (SPD) Tagesordnungspunkt 26: Antrag der Bundesregierung: Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der „United Nations Interim Force in Lebanon“ (UNIFIL) Drucksache 21/5778 Boris Pistorius, Bundesminister BMVg Gerold Otten (AfD) Florian Hahn, Staatsminister AA Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Cansu Özdemir (Die Linke) Kerstin Vieregge (CDU/CSU) Thomas Ladzinski (AfD) Derya Türk-Nachbaur (SPD) Siegfried Walch (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 13: Antrag der Abgeordneten Ina Latendorf, Marcel Bauer, Luigi Pantisano, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Kostenfreies, gesundes und leckeres Mittagessen in allen Schulen und Kitas Drucksache 21/3660 Ina Latendorf (Die Linke) Caroline Bosbach (CDU/CSU) Danny Meiners (AfD) Svenja Stadler (SPD) Dr. Zoe Mayer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Alexander Engelhard (CDU/CSU) Christian Zaum (AfD) Tagesordnungspunkt 12: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung der nationalen Umsetzung von europäischen Regelungen zum Ökodesign, zur Energieverbrauchskennzeichnung und zu weiteren Regelungen Drucksachen 21/5141, 21/6051 Nicklas Kappe (CDU/CSU) Mathias Weiser (AfD) Helmut Kleebank (SPD) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jörg Cezanne (Die Linke) Dr. Saskia Ludwig (CDU/CSU) Andreas Mayer (AfD) Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tagesordnungspunkt 15: Antrag der Abgeordneten Christian Douglas, Reinhard Mixl, Kay Gottschalk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Bis zur Abschaffung des Rundfunkbeitrags die Bürger bei Zahlung dieser Zwangsabgabe steuerlich entlasten Drucksache 21/6027 Christian Douglas (AfD) Dr. Florian Dorn (CDU/CSU) Awet Tesfaiesus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Parsa Marvi (SPD) David Schliesing (Die Linke) Dr. Matthias Hiller (CDU/CSU) Reinhard Mixl (AfD) Martin Rabanus (SPD) Tagesordnungspunkt 16: a) Beschlussempfehlung und Bericht des Verkehrsausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht über das Ergebnis der Vorplanung und der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung Neubaustrecke Dresden – Grenze Deutschland/Tschechien (– Prag) Drucksachen 21/4400, 21/4865 Nr. 1, 21/5997 b) Beschlussempfehlung und Bericht des Verkehrsausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht über das Ergebnis der Vorplanung und der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung der Ausbaustrecke Niebüll – Klanxbüll – Westerland Drucksachen 21/4948, 21/5428 Nr. 1, 21/6073 c) Beschlussempfehlung und Bericht des Verkehrsausschusses zu der Unterrichtung durch die Bundesregierung: Bericht über das Ergebnis der Vorplanung und der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung Ausbaustrecke/Neubaustrecke Augsburg – Ulm Drucksachen 21/3950, 21/4383 Nr. 1.13, 21/6074 Leif Erik Bodin (CDU/CSU) René Bochmann (AfD) Anja Troff-Schaffarzyk (SPD) Matthias Gastel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lorenz Gösta Beutin (Die Linke) Regina Kraushaar, Staatsministerin (Sachsen) Alexis L. Giersch (AfD) Truels Reichardt (SPD) Stefan Seidler (fraktionslos) Alexander Engelhard (CDU/CSU) Dr. Rainer Kraft (AfD) Tagesordnungspunkt 17: Antrag der Abgeordneten Sandra Stein, Dr. Ophelia Nick, Dr. Anja Reinalter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Für ein Handwerk mit Zukunft Drucksache 21/6008 in Verbindung mit Zusatzpunkt 5: Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wirtschaft und Energie zu dem Antrag der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer, Andreas Audretsch, Dr. Julia Verlinden, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Wirtschaft 2045 – Innovationen stärken, Zukunftstechnologien fördern, fairen Wettbewerb sichern Drucksachen 21/2723, 21/4113 Sandra Stein (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE Manfred Schiller (AfD) Daniel Bettermann (SPD) Agnes Conrad (Die Linke) Hans Koller (CDU/CSU) Adam Balten (AfD) Vanessa Zobel (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 14: – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Luftverkehrsteuergesetzes Drucksachen 21/5688, 21/6024, 21/6069 – Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/6070 Ingo Vogel (SPD) Hauke Finger (AfD) Björn Simon (CDU/CSU) Sascha Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Doris Achelwilm (Die Linke) Mechthilde Wittmann (CDU/CSU) Otto Strauß (AfD) Tagesordnungspunkt 19: Antrag der Abgeordneten Andreas Paul, Jan Ralf Nolte, Mirco Hanker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Zulagen für spezialisierte Kräfte und für besonders befähigte Unterstützungskräfte der Bundeswehr Drucksache 21/6028 Andreas Paul (AfD) Ralph Edelhäußer (CDU/CSU) Ulrich Thoden (Die Linke) Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Zu Protokoll gegebene Reden zur Beratung des Antrags der Abgeordneten Andreas Paul, Jan Ralf Nolte, Mirco Hanker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Zulagen für spezialisierte Kräfte und für besonders befähigte Unterstützungskräfte der Bundeswehr (Tagesordnungspunkt 19) Vivian Tauschwitz (CDU/CSU) Sabine Dittmar (SPD) Niklas Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 80. Sitzung wird am 27. Mai 2026 veröffentlicht. Präsidentin Julia Klöckner: Guten Morgen, alle zusammen! Hiermit eröffne ich unsere Sitzung. Zunächst habe ich noch eine Ergänzung der Tagesordnung. Interfraktionell ist vereinbart worden, die Unterrichtung durch die Bundesregierung zum Jahresabrüstungsbericht 2024 auf Drucksache 21/115 in verbundener Beratung mit dem Tagesordnungspunkt 28 aufzusetzen. Sind Sie damit einverstanden? – Ich höre und sehe keinen Widerspruch. Dann haben wir das so beschlossen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor wir in die Beratungen eintreten, stehen hier ja häufig Gratulationen an. Vermutlich wissen das nicht alle in diesem Saal: Der Deutsche Bundestag hat eine eigene Fußballmannschaft. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja, aber wir dürfen nicht mitspielen!) Diese Mannschaft ist in Lübeck bei der Parlamentarier-Europameisterschaft angetreten. Der Kapitän dieser Mannschaft, Fritz Güntzler, sitzt unter uns. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Er hat mit seiner Mannschaft auf der europäischen Fußballbühne alles gegeben. Er wurde belohnt, und unser FC Bundestag ist Europameister geworden. Herzlichen Glückwunsch dazu! (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken – Tino Chrupalla [AfD]: Das ist einfach nur peinlich! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Peinlich ist das!) Einige der erfolgreichen Spielerinnen und Spieler – man sieht es ihnen vielleicht nicht unbedingt immer sofort an – sitzen heute sogar hier im Saal. Ich gratuliere, wie gesagt, sehr herzlich im Namen des ganzen Hauses zu diesem Erfolg. Übrigens wurde der Titel mit einem gemischten Team errungen. Sie sehen: Frauen sind im Fußball eine feste Größe. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken) An dieser Stelle möchte ich einer weiteren Mannschaft gratulieren, deren Spielerinnen zwar nicht Mitglied dieses Hauses sind, aber über deren Erfolg wir uns auch sehr freuen: Unsere U17-Frauennationalmannschaft ist ebenfalls Europameister geworden. (Beifall) Am Sonntag gewannen sie das Finale gegen Frankreich mit 1 : 0. Im Namen des ganzen Hauses gratuliere ich den Spielerinnen und natürlich der Trainerin Sabine Loderer sehr herzlich. Beide Teams zeigen: Erfolge entstehen dort, wo Menschen sich zusammen im Team etwas vornehmen, auch wenn der Druck groß ist. Das gilt im Fußball und gelegentlich auch bei uns in der Politik. (Tino Chrupalla [AfD]: „Gelegentlich“ gilt das?) So komme ich zum nächsten Tagesordnungspunkt; denn nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem nächsten Tagesordnungspunkt. Ich rufe auf den Tagesordnungspunkt 24: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz – SpoFöG) Drucksache 21/5921 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt (f) Verteidigungsausschuss Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO b) Beratung des Antrags der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Spitzensportförderung transparent, wirksam und zukunftsfest gestalten Drucksache 21/4292 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt (f) Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Haushaltsausschuss c) Beratung des Antrags der Abgeordneten Tina Winklmann, Dr. Ophelia Nick, Helge Limburg, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Mutterschutz von Athletinnen wirksam absichern – Schutzlücken für selbstständige Spitzensportlerinnen schließen Drucksache 21/6009 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Gesundheit Haushaltsausschuss d) Beratung des Antrags der Abgeordneten Christian Görke, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke Für eine nachhaltige und durchdachte Reform der Sportförderung Drucksache 21/5568 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Sport und Ehrenamt (f) Ausschuss für Arbeit und Soziales Haushaltsausschuss Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart. Ich eröffne jetzt die Aussprache. Für die Bundesregierung hat die Staatsministerin beim Bundeskanzler, Frau Dr. Christiane Schenderlein, das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Christiane Schenderlein, Staatsministerin beim Bundeskanzler: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Früh am Morgen beginnen in den Schwimmhallen die ersten Einheiten, auf Sportplätzen drehen die Athletinnen und Athleten die ersten Runden, und in den Turnhallen brennt abends längst noch das Licht, wenn es draußen dunkel wird. Genau hier entsteht die Grundlage für internationale Spitzenleistungen, für die gemeinsamen Anstrengungen, das Mitfiebern und die grenzenlose Freude und den Stolz über den Erfolg. Spitzensport prägt unsere Gesellschaft. Er schafft Vorbilder, vermittelt Teamgeist. Spitzensport zeigt, was mit Disziplin, Ausdauer und gegenseitiger Unterstützung möglich ist. Er lässt uns träumen. Er lässt uns jubeln über Leistungen, Siege und Medaillen. Was hingegen oft nicht gesehen wird, ist der Weg zu all diesen Erfolgen. Denn Spitzensport beginnt, bevor der eigentliche Wettkampf startet. Und da werden wir künftig stärker, effizienter und sichtbarer. Seit über zehn Jahren wurden Reformen in der Spitzensportförderung diskutiert. (Jörn König [AfD]: Hat aber nicht gut geklappt!) Es gab viele Ideen, viele Analysen, aber keine entscheidenden Fortschritte. Das ist vorbei. Wir als Bundesregierung packen das jetzt an. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Tino Chrupalla [AfD]: Na klar!) Lassen Sie uns diese Reform jetzt gemeinsam hier im Parlament vollenden und eine neue Ära für den deutschen Spitzensport einleiten! Mit dem von mir vorgelegten Entwurf eines Spitzensportfördergesetzes verändern wir die Förderung grundlegend. Es ist ein Gesetz für den Sport, für Spitzenleistungen. Und das ist mir ganz wichtig: Es ist auch ein Gesetz für Athletinnen und Athleten. Künftig bündeln wir sportfachliche Expertise, Erfahrung und Verantwortung unter einem Dach, und zwar mit der neuen Spitzensportagentur. Die operative Verantwortung geben wir bewusst in die Hände unabhängiger Expertinnen und Experten. Es soll dort entschieden werden, wo der sportfachliche Sachverstand sitzt. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Drei Aspekte sind mir dabei besonders wichtig: klare Zuständigkeiten und schlanke Gremien, schnelle Entscheidungen und eine Förderung, die sich konsequent an Leistung und sportfachlicher Kompetenz orientiert. Dafür setzen wir auf einen handlungsfähigen Stiftungsrat, einen breit aufgestellten Sportfachbeirat und einen kompetenten und mit der nötigen Entscheidungshoheit ausgestatteten Vorstand. Der Stiftungsrat ist das Kontrollgremium, und der Sportfachbeirat nimmt die sportfachliche Beratung vor. Der Vorstand trifft klare, unabhängige Entscheidungen zur Zukunft der Sportförderung. Die neue Spitzensportagentur wird entscheiden, wie Sportfachverbände zielgerichtet und passgenau gefördert werden. Die Athletinnen und Athleten sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren: ihren Sport. Wir wollen weniger Bürokratie, die Athletinnen und Athleten individuell fördern und unsere Ressourcen effizient nutzen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Gleichzeitig haben wir klare Regeln für Schutz und Sicherheit verankert. Wir fördern nur dort, wo konsequent gegen interpersonale Gewalt vorgegangen wird, also gegen psychische, physische und sexualisierte Gewalt. Mit dem Sportfördergesetz schlagen wir die Brücke zum sicheren Sport, nämlich mit dem neu gegründeten Zentrum für Safe Sport. Das ist ein entscheidender Schritt, den wir gemeinsam mit den Ländern für sichere Bedingungen im Training und im Wettkampf gegangen sind. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Dieses Gesetz, meine Damen und Herren, ist mehr als die Gründung einer neuen Agentur oder die Änderung von Gremienstrukturen. Es ist ein Meilenstein, um Sport in Deutschland wieder an die internationale Spitze zu bringen. Die Sportagentur erhält einen klaren Auftrag: mehr Medaillen für Deutschland bei internationalen Wettkämpfen. (Jörn König [AfD]: Das möchte ich sehen, wie die Agentur das machen will!) Denn Spitzensport bedeutet Leistung, Erfolge und Medaillen. Zugleich fördert er aber auch Teamgeist und Engagement. Die Sportlerinnen und Sportler inspirieren und verbinden Menschen. Sie schaffen Vorbilder für unsere Kinder und Jugendlichen, ja für die ganze Gesellschaft. Meine Damen und Herren, gehen wir diesen Weg gemeinsam! Stellen wir die Spitzensportförderung neu auf! Wenn die nächsten Generationen von früh bis spät auf dem Wasser, auf den Bahnen, auf Plätzen und in Hallen trainieren, wird dieses Gesetz dafür sorgen, dass jede Anstrengung zählt, jeder Einsatz unterstützt wird und jede Spitzenleistung ihre volle Wirkung erzielt. Es ist ein Aufbruch, der unsere Sportlerinnen und Sportler stärkt und Deutschland wieder nach vorn bringt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Jörn König das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Jörn König (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Sportler! Lassen Sie mich vorab ein paar Worte zum FC Bundestag sagen. Ich war sechs Jahre Mitglied und habe mitgespielt. (Christian Görke [Die Linke]: Aber nicht aufgestellt worden!) – Doch, ich bin aufgestellt worden. Ich wurde sogar nach einem Spiel wegen meiner Torwartleistung im Bus gefeiert. (Beifall bei der AfD) Drei Kollegen und ich wurden dann irgendwann nach sechs Jahren ausgeschlossen. Das Landgericht hat festgestellt, dass die ganze Sache rechtswidrig war. Wir dürfen bis heute nicht mitspielen. (Fritz Güntzler [CDU/CSU]: Zu schlecht!) Es ist einfach nur grotesk, dass sich der Sportverein eines Gesetzgebers nicht an Gesetze und nicht an Gerichtsurteile hält. (Beifall bei der AfD – Tino Chrupalla [AfD]: Peinlich!) Kommen wir zum Spitzensport. Seit der Wiedervereinigung erleben wir einen beispiellosen Niedergang des deutschen Spitzensports. Bei Olympia ist Deutschland von über 80 Medaillen auf inzwischen nur noch 33 Medaillen und damit auf den zehnten Platz zurückgefallen. Eigentlich war das ein elfter Platz; denn Russland hat nicht teilgenommen. Auch bei Winterolympia sind wir inzwischen nur noch Fünfter; dabei waren wir da vor 20 Jahren noch Erster. Der Anteil des Sporthaushalts am Gesamthaushalt ist von 1992 bis heute zwischenzeitlich auf unter 0,05 Prozent gesunken; das sind jämmerliche 50 Cent auf 1 000 Euro. Zurzeit liegen wir gerade so über diesen jämmerlichen 50 Cent. Die Diagnose war schon 2016 klar; denn damals – ja, vor zehn Jahren –, wie Sie sagten, Frau Staatsministerin, wurde vom zuständigen Innenministerium, vom DOSB und von der Ländersportministerkonferenz ein Reformkonzept zur Neustrukturierung des Leistungssports und der Spitzensportförderung beschlossen. Jetzt, nach quälend langen zehn Jahren – also zweieinhalb Olympiazyklen –, sind wir endlich bei Strukturreformen angekommen, wohlgemerkt: nach erfolgter einhelliger Diagnose. Ganz ehrlich, liebe Kollegen Sportpolitiker, olympiareif ist diese Leistung auf gar keinen Fall. (Beifall bei der AfD) Vor einem Jahr wanderte der Spitzensport ins Kanzleramt und bekam ein Staatsministerium. Wie groß der Nachholbedarf ist, sieht man an folgender Tatsache: Schon seit 1998 gibt es einen Staatsminister für Kultur und Medien. Dieser hat inzwischen ein Budget von 2 Milliarden Euro. Der Sportetat hat sich seit 2017, dem Einzug der Alternative für Deutschland in den Bundestag, zwar auf 340 Millionen Euro verdoppelt, er hat sich trotzdem seit 1992 nur verdreifacht. Der Kulturetat hat sich in dieser Zeit dagegen verfünffacht. Also: Der Nachholbedarf ist riesig. (Beifall bei der AfD) Nun also ein Sportfördergesetz. Es müsste eigentlich „Spitzensportfördergesetz“ heißen; denn allgemeiner Sport ist grundsätzlich Ländersache. Im Langtitel heißt es auch richtig „Spitzensport“. Das ist aber nur ein Schönheitsfehler. Wir begrüßen das Spitzensportfördergesetz ausdrücklich; denn zum ersten Mal wird die Spitzensportförderung auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Dies ist ganz im Sinne von Artikel 2 Grundgesetz, der die freie Entfaltung der Persönlichkeit garantiert. Auch sportliches Talent ist Teil der Persönlichkeit, die sich in Deutschland frei entfalten können muss. (Katrin Fey [Die Linke]: Gilt das auch für CSDs?) Wir halten folgende Punkte für erwähnenswert gut an dem Gesetz: erstens die explizite Einbeziehung der Special Olympics, zweitens die Einbeziehung des Stützpunktsystems – vor allem des Standorts Kienbaum – und die Möglichkeit der Bauförderung von Spitzensportstätten und drittens die ausdrückliche Förderung von internationalen Großveranstaltungen. Wir, die Alternative für Deutschland, halten das Gesetz trotzdem nur für einen Anfang, mehr nicht. Selbst an diesem Anfang muss noch einiges verbessert werden. Die vorgeschlagene Struktur der Spitzensportagentur mit Stiftungsrat, Vorstand und Sportfachbeirat ist gut und arbeitsfähig. Aus unserer Sicht sollten in den Stiftungsrat aber zwei Athletenvertreter entsendet werden und nicht gar keiner, wie Sie es vorsehen. Idealerweise sollten das ein olympischer und ein paralympischer Athlet sein. Denn es geht beim Spitzensport immer um die Athleten und eben nicht um die Funktionäre. (Beifall bei der AfD) Da aktive Athleten aber trainieren müssen, sollten die Athletenvertreter bis fünf Jahre nach dem Ende der sportlichen Laufbahn im Stiftungsrat bleiben dürfen. Im Sportfachbeirat sollte die Vertreteranzahl von Trainern und Athleten jeweils verdreifacht werden; denn – noch mal – es geht hier um die Athleten und die Trainer. Alle anderen sind zweitrangig. Weiterhin sollten die Vorschläge von Athleten Deutschland e. V. zu § 1 Absatz 3 und zu § 13 Absatz 1 übernommen werden. Wir halten die Präzisierung, dass die Spitzensportagentur nicht nur fördern, sondern die Förderung natürlich auch steuern soll, für elementar wichtig. Dieses Spitzensportfördergesetz ist, wie gesagt, nur ein Anfang. Mit dem Gesetz kann endlich für die soziale Sicherheit der Spitzensportler bei den Übergängen von der Schule in die Ausbildung und von der Ausbildung in den Beruf gesorgt werden. Die Förderung der absoluten Spitzenathleten kann endlich auskömmlich gestaltet werden; 1 800 Euro monatlich sind das Ziel. Damit Deutschland aber wieder eine erfolgreiche Sportnation wird, sind die Bundesländer in der Bringpflicht. Sie müssen für eine systematische Talentsuche sorgen und die Bindung zwischen den Schulen und den Leistungssportvereinen stärken. Vielleicht wären Sportschulen je einer zu bestimmenden Anzahl von Einwohnern ein gangbarer Weg. Der Sportunterricht darf nicht mehr das letzte Rad am Wagen bleiben, und die Schulsportinfrastruktur muss mindestens erhalten bleiben, aber besser noch ausgebaut werden. Das alles ist Ländersache und kann vom Bund nur wohlwollend begleitet werden. Vielen Dank und Sport frei! (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Bevor ich der SPD-Fraktion das Wort erteile, grüße ich sehr herzlich die Unteroffizierschule Delitzsch. Schön, dass Sie heute bei uns sind! (Beifall) Nun hat das Wort für die SPD-Fraktion Frau Abgeordnete Bettina Lugk. Bitte. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Bettina Lugk (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Athletinnen und Athleten! Wer mit Spitzenathletinnen und Spitzenathleten über den deutschen Spitzen- und Leistungssport spricht, bekommt sehr schnell ein klares Bild davon, was in unserem System funktioniert und was auch nicht. Man hört von enormer Disziplin, von jahrelangem Training und von einer Bereitschaft, alles, aber auch wirklich alles, dem Sport unterzuordnen. Man hört aber auch von einer Unsicherheit, von komplizierten Strukturen und davon, dass sich viele Athletinnen und Athleten im System oft alleingelassen fühlen. Genau mit dieser Perspektive möchte ich heute in die Debatte einsteigen; denn Spitzensportpolitik darf nicht über Athletinnen und Athleten hinweg gemacht werden. Unsere Athleten, aber auch die Trainerinnen und Trainer müssen im Mittelpunkt unserer Reform stehen; denn es geht um ihr Wohlergehen, ihre Potenzialentwicklung und ihren Erfolg. Das ist der Kern unserer Spitzensportreform und der Grund, weshalb wir heute ein Sportfördergesetz beraten. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Mit dem Gesetz wollen wir die Sportförderung in Deutschland auf eine neue, verlässliche Grundlage stellen – transparenter, effizienter und besser steuerbar als bisher. Erstmals wird die Spitzensportförderung des Bundes in einem eigenen Gesetz geregelt. Der vorliegende Entwurf bietet dafür eine gute Grundlage. Er sieht im Kern die Gründung einer Spitzensportagentur vor, die künftig die Steuerung der Spitzensportförderung übernehmen soll. Das ist richtig und gut so. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Aber ich sage auch: Ich sehe noch deutlichen Optimierungsbedarf; darauf werde ich später eingehen. Zunächst möchte ich einen Blick zurückwerfen; denn dass wir diesen Schritt heute gehen, ist kein spontaner Entschluss. Spätestens nach den Olympischen Spielen im Jahr 2012 in London wurde deutlich, dass der deutsche Spitzensport strukturelle Probleme hat und eine Reform notwendig ist. (Jörn König [AfD]: Das ist ja nur 14 Jahre her!) In den folgenden Jahren wurde an einer Reform gearbeitet, und sie wurde schließlich auch beschlossen. Damals wurde bereits vieles richtig analysiert, und es wurden auch einige Dinge verändert, unter anderem durch die Gründung der PotAS-Kommission. Aber gleichzeitig müssen wir heute auch feststellen, dass es nicht gelungen ist, die vielen damals zwischen der Politik und dem organisierten Sport getroffenen Vereinbarungen konsequent umzusetzen. Die Reform blieb in zentralen Punkten zu unverbindlich, und man muss gestehen, dass die Umsetzung höchstens in einigen Teilbereichen gelungen ist. Daher hatte bereits die Vorgängerregierung erkannt, dass es jetzt ein Gesetz braucht, um einen wirklichen Paradigmenwechsel hinzubekommen, und auf diese Vorbereitung konnten wir jetzt zurückgreifen. Woran zeigt sich, dass die bereits 2012 begonnenen Reformbemühungen noch zu keinem ausreichenden Erfolg geführt haben? Ich sage das ganz deutlich: Der deutsche Spitzensport leidet nicht in erster Linie an einem Mangel an finanziellen Mitteln. Er leidet an einem Steuerungs- und Strukturproblem und an einer Verteilung der Mittel, die sich nicht konsequent genug an den Bedürfnissen von Athleten und Trainern orientiert. (Beifall bei der SPD) In den vergangenen Jahren ist mehr Geld ins System geflossen; gleichzeitig sind unsere Platzierungen in den Medaillenspiegeln, beispielsweise bei Olympischen Spielen, schwächer geworden. Das zeigt ganz deutlich: Es ist nicht allein entscheidend, wie viel Geld ins System fließt, sondern es ist auch entscheidend, wie effizient es eingesetzt wird. Genau das wollen wir mit der Spitzensportreform und der Agentur sicherstellen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel für einen aus meiner Sicht ineffizienten Mitteleinsatz geben. Unser Stützpunktsystem ist historisch gewachsen, sehr kleinteilig und in Teilen ineffizient. Viele Standorte bedeuten hohe Overheadkosten und Verwaltungskosten, ohne dass dies automatisch zu besseren Trainingsbedingungen oder besseren sportlichen Leistungen führt. Was wir brauchen, ist eine kluge Konzentration, das heißt weniger, aber leistungsfähige Stützpunkte mit einer modernen Ausstattung und verlässlichen Rahmenbedingungen; denn nur das erhöht die sportliche Qualität und spart Kosten. So können wir Geld effizient da einsetzen, wo es notwendig ist. (Beifall bei der SPD – Jörn König [AfD]: Ja, und die jungen Sportler haben längere Anfahrtswege! Ganz plötzlich!) Liebe Kolleginnen und Kollegen, genau hier zeigt sich: Wir brauchen eine stärkere Steuerung, damit Mittel genau dort eingesetzt werden, wo sie die größtmögliche Wirkung entfalten. Das ist eine zentrale Aufgabe der zu gründenden Spitzensportagentur. Zu Beginn meiner Rede habe ich schon davon gesprochen, dass Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt der Reform gestellt werden müssen. Denn die Probleme, die im System bestehen, zeigen sich alltäglich in ihrer persönlichen Lebensrealität. Während wir viele Fördermittel ins System geben, kommt bei Athletinnen und Athleten zu wenig an. Spitzenathleten, die trotz internationaler Erfolge in finanzieller Unsicherheit leben, gibt es leider. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe ist ein zentraler und wichtiger Förderer. Aber auch hier reichen die Mittel nicht aus, um den Athletinnen und Athleten im alltäglichen Leben die Rahmenbedingungen zu bieten, um ihren Leistungssport auf möglichst hohem Niveau dauerhaft auszuüben. Das ist nach meiner festen Überzeugung keine ausschließlich soziale Frage, sondern auch eine sportpolitische Frage; denn wer sich um seine Existenz sorgen muss, kann sich nicht auf das Training, auf die Regeneration oder die Leistung konzentrieren. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Vor diesem Hintergrund ist es auch wichtig, dass im Gesetzentwurf erstmals das sogenannte Individualbudget vorgesehen ist. Damit wird die Möglichkeit geschaffen, Athletinnen und Athleten direkt sportlich zu fördern – und nicht ausschließlich über Verbandsstrukturen. Das stärkt die Eigenständigkeit unserer Spitzensportler und trägt dazu bei, dass Förderung passgenauer, transparenter und individueller erfolgen kann. Genau hier zieht der Gesetzentwurf die Schlussfolgerungen aus den bereits in den vergangenen Jahren gesammelten Erfahrungen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, heute über die Spitzensportförderung zu sprechen, heißt, nicht nur auf Medaillen und Titel zu schauen, sondern auch darauf, welches Bild von Sport wir als Gesellschaft haben. Spitzensportlerinnen und Spitzensportler sind Vorbilder für Millionen von Menschen, insbesondere für Kinder und Jugend. Sie vermitteln und zeigen, was Disziplin, Teamgeist und Leistungsbereitschaft möglich machen. Dennoch müssen wir anerkennen, dass die Anforderungen an Athletinnen und Athleten immer größer werden. Das internationale Konkurrenzsystem professionalisiert sich massiv. Andere Staaten investieren strategisch in Talentsichtung, in Trainingssteuerung und in mehr wissenschaftliche Begleitung. Wenn Deutschland im internationalen Spitzensport konkurrenzfähig bleiben möchte, dann müssen wir bereit sein, unsere Strukturen zu modernisieren. Genau deshalb ist das Gesetz, das uns zur Beratung vorliegt, kein Verwaltungsprojekt. Es geht um die Zukunftsfähigkeit des deutschen Spitzensports und um die Wettbewerbsfähigkeit der nächsten Sportgeneration. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Wilhelm Gebhard [CDU/CSU]) Dabei findet die heutige Debatte natürlich auch vor dem Hintergrund der Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele statt. Wir erleben derzeit eine neue Dynamik in dieser Frage. Lange Zeit schien es kaum vorstellbar, dass in Deutschland wieder eine gesellschaftliche Mehrheit für Olympische und Paralympische Spiele geben wird. Doch gerade die jüngsten Bürgerentscheide haben uns gezeigt, dass sich die Stimmung geändert hat. Sowohl in München als auch in Nordrhein-Westfalen gab es überraschend sehr positive Voten. Das zeigt, dass Menschen erkennen, welche Chancen mit der Bewerbung verbunden sind – für den Sport, für die Infrastruktur, aber auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. (Beifall bei der SPD) Gleichzeitig wissen wir aber auch: Die Debatte bleibt anspruchsvoll. In wenigen Tagen wird in Hamburg das Referendum zur Olympiabewerbung stattfinden. Wir verfolgen die Entscheidung mit großer Aufmerksamkeit. (Jörn König [AfD]: Da bin ich gespannt, wie die mit Lastenrädern Olympia machen!) Der nächste Schritt ist dann am 26. September. Dann wird die Mitgliederversammlung des DOSB entscheiden, welches deutsche Bewerberkonzept für den internationalen Wettbewerb auserkoren wird. Schon jetzt ist absehbar, dass die Entscheidung auch Konfliktpotenzial enthält. Es bewerben sich unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Konzepte, unterschiedliche Interessen; all das trifft aufeinander. Deshalb brauchen wir Transparenz bei der Entscheidung, die von Fairness und Nachvollziehbarkeit geprägt sein muss, damit die Regionen, die sich mit ihrer Bewerbung nicht durchsetzen konnten, wissen, woran es gelegen hat. Hinzu kommt: Die internationalen Chancen Deutschlands sind momentan noch nicht abzuschätzen. Wir stellen uns international einer großen Konkurrenz. Mehrere Staaten bereiten Bewerbungen langfristig und strategisch vor. Deshalb dürfen wir bei der Olympiabewerbung nicht isoliert unterwegs sein. Wir brauchen für eine glaubwürdige Bewerbung auch ein glaubwürdiges Spitzensportsystem, wenn wir international überzeugen wollen. Der organisierte Sport trägt zudem eine enorme gesellschaftliche Verantwortung, wenn es beispielsweise um Machtgefälle geht. Deshalb ist es richtig und notwendig, dass wir parallel zum Sportfördergesetz heute auch den Aufbau des unabhängigen Zentrums für Safe Sport vorantreiben. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Artur Auernhammer [CDU/CSU]) Dieses Zentrum soll eine Struktur gegen Gewalt, gegen Missbrauch und gegen Machtmissbrauch im Sport bieten. Ich betone ausdrücklich die Unabhängigkeit als entscheidenden Punkt. Betroffene brauchen Vertrauen in die Institutionen, an die sie sich wenden. Sie brauchen die Sicherheit, dass Vorfälle unabhängig aufgearbeitet werden und ihre Perspektive ernst genommen wird. Die Staatsministerin hat schon erläutert, dass wir kurz vor der Gründung des Trägervereins am 8. Juli stehen, sodass das Zentrum im nächsten Jahr die Arbeit aufnehmen kann. Das ist ein starkes Signal: Der Schutz von Athletinnen und Athleten ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Aufgabe. (Beifall bei der SPD sowie des Abg. Artur Auernhammer [CDU/CSU]) Denn wer über Leistung spricht, darf über Schutz, Sicherheit und Würde nicht schweigen. Auch das gehört zu einer modernen Sportpolitik. Ich glaube, in meinen bisherigen Ausführungen ist deutlich geworden, warum wir ein Sportfördergesetz brauchen, was die Grundidee dieses Gesetzes ist und welche positiven Ansätze es bereits enthält. Ich erwähnte schon, dass ich Optimierungsbedarf sehe, und möchte hier zwei Punkte aufgreifen. Erstens. Dem Anspruch von Athletinnen und Athleten, in den Mittelpunkt gestellt zu werden, wird in diesem Gesetz bisher keine Rechnung getragen. Mitwirkungsrechte von Athletinnen und Athleten in den Gremien der Spitzensportagentur sind nach meiner Überzeugung notwendig. Sie müssen als zentrale Akteure auch eine echte Mitsprachemöglichkeit erhalten. Es reicht nicht, symbolisch angehört zu werden; die Mitwirkungsrechte müssen institutionell abgesichert sein. (Beifall bei der SPD) Zweitens. Der Bundesrechnungshof hat in der Vergangenheit häufig kritisiert, dass der Deutsche Olympische Sportbund als Interessenverband des organisierten Sportes einen zu großen Einfluss auf die Vergabe von Fördermitteln hat und dass Steuerung, Kontrolle und Erfolgskriterien nicht ausreichend klar geregelt sind. Diese Kritik ist kein parteipolitischer Angriff, sondern eine fachliche Mahnung, die wir beachten müssen. Es ist also sicherzustellen, dass die Agentur wirklich unabhängig von Verbandsinteressen handeln kann. Das ist etwas, was wir im parlamentarischen Verfahren genau beachten müssen. Wir beraten heute ein Gesetz über die Zukunft des deutschen Spitzensportes. Die erste Lesung ist der Auftakt und die herzliche Einladung an alle demokratischen Fraktionen, (Dr. Alice Weidel [AfD]: … der Deutschen Demokratischen Republik! Volkskongress!) es noch besser zu machen. (Unruhe) Präsidentin Julia Klöckner: Entschuldigung. Wer über mehrere Reihen miteinander reden will: gerne draußen. Aber ich bitte, der Kollegin zuzuhören. – Bitte. Bettina Lugk (SPD): Danke schön. – Wir brauchen ein Sportfördergesetz mit einem tatsächlichen Paradigmenwechsel, das glaubwürdig ist. Lassen Sie es uns gemeinsam gestalten. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Volkskongress!) Ich freue mich auf die Beratungen und danke Ihnen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Dr. Alice Weidel [AfD]: Volkskongress der SED! Der bunten Fraktion!) Präsidentin Julia Klöckner: Für Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Tina Winklmann das Wort, Mitglied der Mannschaft FC Bundestag, die Europameister geworden ist. Bitte sehr. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Tina Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Frau Staatsministerin! Kolleginnen und Kollegen! Donnerstag, 9 Uhr, Primetime, Sport: So ist das richtig, so gehört sich das im deutschen Plenum. Erfolge und Medaillen entstehen nicht erst im Wettkampf. Sie entstehen im Training, und sie entstehen in guten Strukturen. Sie entstehen durch verlässliche Förderung und durch Menschen, die geschützt, beteiligt und ernst genommen werden. Das gilt für Athletinnen und Athleten und Leistungssportpersonal. Darum geht es auch in diesem Sportfördergesetz, bzw. darum sollte es gehen. Es ist richtig, dass die Förderung des Spitzensports endlich gesetzlich geregelt werden soll. Deshalb sagen wir Grüne: Dieses Gesetz ist eine Chance. Ob daraus eine echte Reform wird, entscheidet sich jetzt im parlamentarischen Verfahren. Wir nehmen die Einladung zur Mitarbeit natürlich sehr gerne an; denn der vorliegende Entwurf der Bundesregierung bleibt an entscheidenden Stellen zu vorsichtig und zu inakzeptabel. Er verspricht Reformen, reformiert aber nicht. Blicken wir auf die Spitzensportagentur. Diese Agentur soll das Herzstück der Reform sein. Dann darf sie aber nicht eine Verwaltungsstelle für Förderbescheide sein, sondern muss mehr können, als nur Geld weiterzureichen. Sie muss steuern können. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ehrlich gesagt: Die Bundesregierung sagt ja selber, dass die Fähigkeit des Steuerns entscheidend ist. Dann soll sie das bitte auch in das Gesetz reinschreiben. Ich finde es bis jetzt nur nicht. Transparenz wird unglaublich gesucht. Spitzensportförderung verwendet öffentliches Geld, und öffentliches Geld braucht öffentliche Nachvollziehbarkeit. Deshalb fordern wir von Beginn der Debatte an ein Transparenzportal. Jeder interessierte Mensch soll doch wissen: Wer bekommt wie viel Geld und warum? Die Förderung des Spitzensports darf keine Blackbox sein. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und dann kommen wir zu einem ganz zentralen Punkt für uns: die Stimme der Athletinnen und Athleten. In Sonntagsreden stehen sie gerne und oft im Mittelpunkt. Aber im Mittelpunkt stehen heißt nicht, freundlich erwähnt zu werden. Im Mittelpunkt stehen heißt, mitentscheiden zu können. Deshalb braucht es für eine unabhängige Athletenvertretung einen stimmberechtigten Sitz im Stiftungsrat – mit eigener Stimme dort, wo zentrale Entscheidungen getroffen werden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wer über Athletinnen und Athleten entscheidet, muss auch mit ihnen entscheiden. Das gilt auch beim Thema „Safe Sport“. Wir reden hier nicht über ein Randthema. Wir reden über körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt. Wir reden über Machtmissbrauch. Wir reden über Abhängigkeiten. Die Mitgliedschaft im Zentrum für Safe Sport muss Fördervoraussetzung werden. Der Safe Sport Code muss zwingend umgesetzt werden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Für uns ist klar: Wer Bundesmittel im Spitzensport erhält, muss verbindliche Schutzstrukturen nachweisen. Das gilt auch beim großen Thema der Gleichstellung von Frauen. Es gehört als Ziel in die Spitzensportförderung und ist auch Ziel für diese Gesellschaft. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wo ist die Sichtbarkeit? Wo ist die echte Gleichstellung, das Miteinander? Wo ist die Parität in diesem Gesetz? Wo ist der Mutterschutz im Spitzensport? Wo ist eine wirksame soziale Absicherung? Wir haben unsere Anträge zum Gesetz dazugestellt. Nehmen Sie unsere Vorschläge; haben Sie keine Hemmungen! Sie brauchen bloß Copy and Paste zu machen, und alles ist fertig. Das gilt auch für unseren Antrag zum Thema Transparenz. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wenn wir von einer Sportnation sprechen, dann müssen wir olympischen und paralympischen Sport von Anfang an gemeinsam denken. Und das tun wir. Beides ist Leistungssport auf höchstem Niveau und Zeichen eines gelebten Miteinanders, genauso wie bei den Athletinnen und Athleten der Deaflympics und der World Games. Leider suche ich diese Breite des deutschen Spitzensports gebündelt in einem Gesetz bis jetzt vergebens. Das muss noch besser werden; das muss noch rein. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kolleginnen und Kollegen, dieses Sportfördergesetz kann der Schritt hin zu einer besseren Steuerung werden. Aber es muss noch nachgebessert werden. Wir haben in der letzten WP gemeinsam mit dem Sport ein Gerüst ausgearbeitet. Wir können gemeinsam was daraus machen, und wir arbeiten gerne mit. Der Maßstab ist klar: Wir wollen mehr Erfolg im deutschen Spitzensport. Aber nicht um jeden Preis. Erfolge und Medaillen sind wichtig – dafür treten unsere Athletinnen und Athleten an –; aber sie dürfen niemals wichtiger sein als die Menschen, die sie gewinnen sollen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deswegen ist es wie im Fußball: Ran an die Arbeit! Lassen Sie uns gemeinsam schwitzen – gemeinsam schwitzen für einen Erfolg für Sportdeutschland! Ich bin dabei. Wir sind dabei. Packen wir’s an! Vielen lieben Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat nun Herr Abgeordneter Christian Görke das Wort. (Beifall bei der Linken) Christian Görke (Die Linke): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Nach den Selbstlobreden der Regierung Merz habe ich wirklich Schmerz bei diesen Bewertungen zum Sportfördergesetz. Sie reden, Frau Staatsministerin, von Paradigmenwechsel. Das Einzige, was sich mit Ihrem Gesetz sicherlich ändert, sind Briefköpfe und Organigramme, aber die alte Logik bleibt unangetastet. Wir zählen weiter nur Medaillen, entschieden wird weiterhin durch die Ministerien, während die Sportlerinnen und Sportler und die Menschen, die dieses Sportsystem tragen, Statisten im eigenen System bleiben. (Sören Pellmann [Die Linke]: Das ist ein Problem!) Kommen wir zum Faktencheck eins: Sportförderung. Diese steht und fällt mit der Finanzierung. Heißt bei Ihrem Gesetz: Es gibt Sportförderung nach Ermessen oder nach Kassenlage. Von einem Paradigmenwechsel, also einer langfristigen Ausfinanzierung der Spitzensportförderung, keine Spur. Das ist Stillstand mit Ansage. In Anbetracht dieser Defizite, meine Damen und Herren, schlägt Die Linke vor, für die Spitzensportförderung einen Aufwuchs von 10 Prozent jährlich – und das ist gemäßigt – im Haushalt festzuschreiben. (Beifall bei der Linken) Das ist das Mindeste, und das ist auch machbar. Kommt das nicht, bleibt das Leistungssporthaus ohne Fundament. Kommen wir zum Faktencheck zwei: Spitzensport-Agentur. Klingt modern, aber das ist nichts anderes als Politbüro 2.0. (Lachen bei der CDU/CSU und der AfD – Jörn König [AfD]: Damit kennen Sie sich ja aus!) – Ja, ich weiß, wovon ich rede, meine Damen und Herren. – Denn im Stiftungsrat hat die Regierungskoalition die Mehrheit, und der organisierte Sport ist außen vor. Das muss man sich mal vorstellen: Die machen eine Spitzensportreform, und die, um die es geht, die Athleten, sind in diesem Stiftungsrat überhaupt nicht vertreten, genauso wie der Deutsche Behindertensportverband. Die sitzen alle nur am Katzentisch. Meine Damen und Herren, das ist ein Unding. Das muss geändert werden! (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Jorrit Bosch [Die Linke]: Ganz meine Meinung!) Sie sagen, Sie bauen Bürokratie ab. In Wahrheit schaffen Sie in der Agentur ein Dutzend neue Stellen im höheren Dienst mit dauerhaften Mehrausgaben in Höhe von 8 Millionen Euro jährlich. Mehr Bürokratie, mehr Personal, mehr Sitzungen, aber keinerlei erkennbare Garantie, dass in den Trainingsgruppen unten was ankommt. Diese Agentur, meine Damen und Herren, ist so, wie sie jetzt konzipiert ist, eine intransparente Blackbox mit Regierungssiegel. Nächster Faktencheck. Kommen wir zu den Sportlern in diesem Leistungssystem. Wir als Linke schlagen eine Mindestförderung in Höhe von 1 800 Euro für alle Bundeskader vor, die nicht Sportsoldaten oder Ähnliches sind. Wir sagen auch: Dazu braucht es jetzt, in diesem Gesetz, eine Norm. (Beifall bei der Linken) Sie sagen: Wir haben ja die Sporthilfe, die wir gegebenenfalls aufstocken können. – Noch mal zum Mitschreiben: Das ist ein monatlicher Zuschuss. Dadurch erwirbt man also keine Rentenansprüche, hat keinen Anspruch auf Mutterschutz und keine soziale Absicherung. Liebe Kollegin Lugk, liebe Sozialdemokraten, lassen Sie sich Folgendes sagen: Gute Arbeit muss es auch für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler geben, genauso für Trainerinnen und Trainer. In diesem Gesetz ist davon bisher noch nichts zu lesen. Deshalb unterstützen wir Sie in dieser Richtung, in die wir hoffentlich gemeinsam ziehen. Nächster Faktencheck: Leistungssport für Menschen mit Behinderungen. 110 Millionen Euro sind für den olympischen Sport und nicht mal 20 Millionen Euro für den Leistungssport für Menschen mit Behinderungen im Bundeshaushalt vorgesehen. Mit Ihrem Gesetz, meine Damen und Herren, geht die eklatante Benachteiligung weiter. Damit missachten Sie nicht nur die UN-Behindertenrechtskonvention, sondern auch unser Grundgesetz. Wir als Serviceopposition legen Ihnen einen Stufenplan vor, wie der paralympische Sport strukturell und finanziell an den olympischen Bereich herangeführt werden kann. Das wäre doch mal ein Beitrag, wenn Sie sich daran orientieren. (Beifall bei der Linken) Meine Damen und Herren, letzter Faktencheck: Infrastruktur. Noch mal zur Verdeutlichung, worüber wir in Deutschland reden: Wir haben einen tatsächlichen Investitionsstau bei Sportstätten in Höhe von 31 Milliarden Euro. Und ja, zur Zukunft des Spitzensports gehören gut ausgestattete Olympiastützpunkte, aber vor allen Dingen intakte Sportstätten in Schulen, in den Vereinen und in der Nachbarschaft. Denn ohne Breitensport kein Spitzensport und ohne Spitzensport kein Breitensport. Auch hierzu enthält dieses Gesetz keinen Plan und keine Idee – außer Ihrem Märchen von der Sportmilliarde, die über vier Jahre gestreckt nicht mal eine ist. Das ist so ganz mein Humor. Meine Damen und Herren, liebe Sportfamilie da draußen, diese Regierungskoalition verkauft Ihnen heute ein Gesetz als großen Wurf oder Paradigmenwechsel. Ihre Rückmeldungen, die wir erhalten haben, zeigen uns, dass Sie das durchaus erkannt haben. Wir glauben, dass ohne gravierende Änderungen an diesem Gesetz alles so bleibt, wie es ist. Es bleibt sonst bei Symbolpolitik, bei großen Worten und viel Tamtam. Und vor allen Dingen: Dahinter steht kein Plan. Und es wird damit eine riesige Chance für den Sport vergeben; denn die Reformen für den Leistungssport sind schon lange überfällig. Wir gehen mit einem Vorschlag in diese Debatte, den wir als linke Serviceopposition Ihnen unterbreiten. Daran können Sie sich orientieren. Machen Sie das Tor rein! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der Linken) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Stephan Mayer das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Stephan Mayer (Altötting) (CDU/CSU): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute gibt es für Sportdeutschland zwei bedeutsame Ereignisse: Zum einen wird Bundestrainer Nagelsmann um 13 Uhr den WM-Kader bekannt geben, und zum anderen debattieren wir heute Vormittag das Sportfördergesetz. Der eine oder andere wird vielleicht sagen: Heute Abend gibt es noch ein drittes wichtiges Ereignis: das erste Relegationsspiel zwischen Paderborn und Wolfsburg. Aber darüber streiten sich mit Sicherheit die Geister. Meine sehr verehrten Damen und Herren, Faktum ist: Wir haben, was den Spitzensport anbelangt, in den letzten Jahrzehnten gegenüber anderen Ländern deutlich an Boden verloren, vor allem auch gegenüber anderen westlichen Ländern. Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona hat Deutschland 82 Medaillen gewonnen, jetzt jüngst bei den Olympischen Sommerspielen in Paris nur noch 33. Es war ein sukzessiver Rückgang, wie beispielsweise in Athen 2004 mit 49 Medaillen. Ich möchte aber an dieser Stelle eines klarstellen: Ich gratuliere allen deutschen Medaillengewinnern bei Olympischen Sommer- genauso wie bei Winterspielen. Sie strengen sich außerordentlich an. Und gerade weil wir jetzt in Bezug auf unser Abschneiden bei den Winterspielen in Mailand und in Cortina eine Debatte über die vielen vierten Plätze hatten, gratuliere ich auch den 14 Athletinnen und Athleten, die Vierte geworden sind. Auch die haben herausragende Leistungen erbracht. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Saskia Esken [SPD]) Wenn wir also die Strukturen des Spitzensports in Deutschland kritisieren, dann geht es nicht darum, dass wir die einzelnen Athletinnen und Athleten oder auch die Trainer kritisieren, sondern es geht darum, dass wir – das müssen wir einfach sehr nüchtern feststellen –, was unsere Strukturen der Steuerung des Spitzensportes anbelangt, deutlich an Boden verloren haben – gegenüber Großbritannien, gegenüber Italien, gegenüber Frankreich, gegenüber Australien, gegenüber Japan usw. Deswegen ist dieser Gesetzentwurf, den die Bundesregierung eingebracht hat, aus meiner Sicht ein sehr notwendiger und – ich sage das ausdrücklich – auch ein sehr guter. Denn mit diesem Gesetz und vor allem auch mit dem Herzstück dieses Gesetzes, nämlich der unabhängigen Sportagentur, wird wirklich – der Begriff ist heute schon häufiger gefallen – ein Paradigmenwechsel in der Steuerung des Spitzensportes in Deutschland vorgenommen. Es ist ein Meilenstein. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Herr Kollege Görke, weil Sie dies in Zweifel ziehen, möchte ich noch mal deutlich machen, worin der entscheidende Unterschied liegt. In Zukunft wird es eine Agentur geben, die vor allem von einem unabhängigen Vorstand geführt wird, dessen zwei Mitglieder keine Politiker und auch keine Sportfunktionäre sind, sondern die nach eigenem Ermessen entscheiden müssen und dürfen, (Jörn König [AfD]: Die haben aber auch alle Parteibuch, oder?) wie die optimale Steuerung des Spitzensportes in Deutschland sein wird. Und der Vorwurf, der teilweise erhoben wird, dass wir mit diesem Gesetz in Richtung „Staatssport“ gehen, ist falsch. Genau das Gegenteil ist der Fall: Wenn diese unabhängige Agentur kommt, dann wird sowohl der Einfluss der Politik, aber auch der Einfluss des organisierten Sportes, auch des Deutschen Olympischen Sportbunds, zurückgefahren. Ich sage ganz offen: Das ist der richtige Weg. Und diesen Weg gehen wir ja nicht als Erste – um das klarzumachen. Derartige Agenturen gibt es in Großbritannien seit 20 Jahren; die gibt es in Norwegen; die gibt es in Österreich; die gibt es in Australien. Also, das ist keine neue Erfindung, sondern wir orientieren uns mit diesem Gesetz und mit dieser unabhängigen Agentur an den erfolgreicheren und moderneren Strukturen, die es mittlerweile in vielen anderen westlichen Ländern gibt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, entscheidender Unterschied, auch zu den Vorgängerentwürfen der letzten Regierung, ist, dass der Leistungsgedanke in diesem Gesetz wesentlich stärker prononciert ist, dass die Athleten stärker in den Mittelpunkt gestellt werden und – das sage ich auch ganz offen – dass wir insgesamt auch deutlich modernere Strukturen schaffen werden. Was ich ein bisschen in den letzten Wochen und Monaten bedauert habe: Die allgemeine Debatte hat sich sehr stark an der Zusammensetzung des Stiftungsrates festgemacht. Der Stiftungsrat wird sehr wichtig sein in dieser Agentur. Noch wichtiger werden die beiden Vorstandsmitglieder sein. Ich sage aber auch ganz offen: Dieser Gesetzentwurf ist gut, aber wir werden ihn im parlamentarischen Verfahren noch besser machen. Wir werden ihn vor allem – den Auftrag haben wir – dahin gehend noch besser machen, dass wir den berechtigten Anliegen des organisierten Sportes noch stärker Rechnung tragen werden, insbesondere auch, wenn es um die Zusammensetzung des Stiftungsrates geht. Ich bin der Meinung, die Bundesregierung, mit Verlaub, ist etwas überrepräsentiert. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Artur Auernhammer [CDU/CSU] und Christian Görke [Die Linke]) Ich könnte mir gut vorstellen, der Bundesregierung einen Sitz im Stiftungsrat zu nehmen und dem organisierten Sport einen zusätzlichen Sitz zu geben. (Christian Görke [Die Linke]: Lebhafter Beifall!) Das ist kein ganz unmaßgeblicher Punkt, weil es auch sehr viel um Atmosphäre geht. Und es wird mit Sicherheit auch darum gehen, dass wir die berechtigten Anliegen des organisierten Sportes, was die stärkere Flexibilisierung der Mittel anbelangt, Stichwort „Überjährigkeit“, Stichwort „Festbetragsfinanzierung“, auch stärker in den Fokus nehmen. In diesem Sinne freue ich mich auf intensive, gute und konstruktive parlamentarische Beratungen und danke Ihnen ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Thomas Korell das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Thomas Korell (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit dem Sportfördergesetz will die Bundesregierung erstmals eine gesetzliche Grundlage für die Spitzensportförderung schaffen. Kernstück dieses Gesetzes ist die neue Spitzensport-Agentur mit Stiftungsrat, Vorstand, Sportfachbeirat, Bundesaufsicht und umfangreichen Verwaltungsstrukturen. Die Bundesregierung spricht von mehr Transparenz, mehr Effizienz und besserer Fördersteuerung. Doch selbst der organisierte Sport warnt vor einem zu starken politischen Einfluss. Im Stiftungsrat stellt der Bund fünf von neun Mitgliedern und übernimmt den Vorsitz. Athleten und Trainer werden am Ende nur beratend eingebunden. Genau darin liegt das Grundproblem dieses Gesetzes: Es schafft neue Strukturen, aber es löst nicht die Probleme vor Ort. Denn die größte Krise des deutschen Sports ist nicht das Fehlen einer Spitzensportagentur; die größte Krise sind unsere maroden Sportstätten. Viele Turnhallen stammen aus den 70er- und 80er-Jahren, Dächer sind undicht, Duschen marode, Heizungen defekt, Schwimmbäder schließen, Vereine kämpfen ums Überleben. Der bundesweite Sanierungsstau – wir haben es heute schon gehört – wird inzwischen auf 31 bis 40 Milliarden geschätzt. Und ich kann Ihnen sagen: Das ist keine theoretische Debatte. Ich bin gelernter Dachdecker und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es heute ist, ein Vereinsheim zu erhalten und zu pflegen. Ich betreue selbst einen Verein mit rund 100 Kindern, die mit Begeisterung ihren Sport ausüben. (Zuruf von der Linken: Ach!) Und gleichzeitig ist es traurig, dass ich als Dachdecker das Dach unserer Trainingsstätte selbst reparieren muss, weil schlicht das Geld fehlt. (Beifall bei der AfD) Verstehen Sie mich nicht falsch; ich mache das natürlich gerne, (Zuruf von der CDU/CSU: Ach so!) so wie viele Ehrenamtliche in diesem Land tagtäglich anpacken und auch finanziell ihr Privates investieren, um diese Stätten zu erhalten. Aber genau das zeigt doch, wie ernst diese Lage inzwischen ist. So sieht die Realität in Deutschland aus, und gleichzeitig diskutieren wir hier über neue Verwaltungsstrukturen. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, Olympiasieger entstehen nicht zuerst in Berliner Behörden; sie entstehen im Breitensport, in den Vereinen, in den Turnhallen, auf den Sportplätzen und in unseren Schwimmbädern. Genau deshalb reicht dieses Spitzensportfördergesetz allein nicht aus. Denn ohne moderne Sportinfrastruktur fehlt dem Spitzensport langfristig die Grundlage. Deshalb brauchen wir endlich eine echte bundesweite Sanierungsoffensive für unsere Sportstätten. Stattdessen verkauft die Bundesregierung ihre sogenannte Sportmilliarde als große Lösung. Doch schaut man genauer hin, sieht man, dass davon wenig übrig bleibt; denn diese Sportmilliarde ist auf vier Jahre verteilt. Real stehen zunächst lediglich 833 Millionen Euro bereit. Davon gehen bereits 250 Millionen allein in den Bereich Schwimmbäder. Gleichzeitig lagen Projektanmeldungen mit einem Förderbedarf von über 7,5 Milliarden Euro vor. Das bedeutet: Der tatsächliche Bedarf ist fast zehnmal höher als die Mittel, die bereitgestellt werden. Und genau deshalb ist diese sogenannte Sportmilliarde nichts anderes als eine Mogelpackung. (Beifall bei der AfD) Die Kommunen erleben keine Milliardenoffensive, sie erleben Ablehnungsbescheide, komplizierte Förderverfahren, Bürokratie und fehlende Planungssicherheit. Gleichzeitig erklärt uns die Bundesregierung, für die flächendeckende Sanierung unserer Sportstätten sei angeblich kein Geld vorhanden. Aber für Bürgergeldleistungen gibt der Staat inzwischen jedes Jahr 60 Milliarden aus. Und die Bürger sehen natürlich auch, wer mittlerweile in erheblichem Umfang Bürgergeld bezieht: Rund 2,4 Millionen Empfänger besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Besonders hoch ist der Bürgergeldbezug bei Neuzugewanderten. (Zuruf der Abg. Katrin Fey [Die Linke]) 65 Prozent der Ukrainer, 55 Prozent der Syrer und 47 Prozent der Afghanen beziehen Bürgergeldleistungen. (Fritz Güntzler [CDU/CSU]: Was hat das jetzt mit Sport zu tun?) Und selbstverständlich gilt: Wer wirklich Hilfe braucht, dem muss natürlich auch geholfen werden. (Zurufe der Abg. Jürgen Coße [SPD] und Katrin Fey [Die Linke]) Aber die Menschen erwarten zu Recht, dass endlich wieder Prioritäten gesetzt werden – (Beifall bei der AfD – Zurufe von der SPD) – ja, dass Prioritäten gesetzt werden –: für Familie, für Bildung, für Infrastruktur und eben auch für den Sport. Denn Sportvereine leisten tagtäglich Integrationsarbeit, Gesundheitsvorsorge und Jugendarbeit, (Ina Latendorf [Die Linke]: Integration ist aber nicht Ihre Stärke!) oft effektiver als staatliche Programme. Integration funktioniert dort, wo Menschen gemeinsam Sport treiben, wo Kinder zusammen Fußball spielen, wo Ehrenamt Gemeinschaft organisiert. Und dafür braucht man funktionierende Sportstätten, (Beifall bei der AfD) keine kaputten Dächer, keine gesperrten Hallen und keine maroden Schwimmbäder. Deshalb brauchen wir endlich ein echtes nationales Sanierungsprogramm für unsere Sportinfrastruktur – langfristig, unbürokratisch, planungssicher und flächendeckend. Denn ein Staat, der seine Sportstätten verfallen lässt, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Redezeit ist abgelaufen. Thomas Korell (AfD): – verliert mehr als nur Gebäude. Er verliert Ehrenamt. Er verliert Zukunft. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Thomas Korell (AfD): Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Holger Mann [SPD]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Dr. Ophelia Nick das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Ophelia Nick (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frau Staatsministerin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Deutschland ist eine Sportnation. Darauf können wir stolz sein. Wir bewerben uns aktuell für die Olympischen und Paralympischen Spiele. Und da reicht die Begeisterung bis in die kleinsten Vereine. Historisch waren wir bei den Olympischen Spielen immer unter den ersten zehn. Bei den Winterspielen waren wir sogar konstant unter den Top drei. Bei Paralympischen Spielen gehören wir zu den Topnationen weltweit. Das schafft man nur mit einer sportbegeisterten Nation. Wenn wir das aufrechterhalten wollen, brauchen wir neben guten Sportstätten und frühen Zugängen zum Sport auch beste Förderung für unsere Sportlerinnen und Sportler. Und dafür machen wir uns stark. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dabei gilt: Ohne Breitensport kein Spitzensport, ohne Spitzensport kein Breitensport. Beides bedingt einander. Der Weltmeister, den ein Kind im Fernsehen sieht, ist ein Grund, warum dieses Kind am nächsten Morgen zum Training geht. Damit dieses Kind eine sichere, unbeschadete Sportkarriere starten kann, vielleicht sogar bei Olympischen/Paralympischen Spielen antreten kann, brauchen wir verlässlichere Rahmenbedingungen. Dafür brauchen wir ein Sportfördergesetz. Es ist ein wichtiger Schritt, den wir heute gehen, aber ein richtiger Schritt ist noch kein gutes Gesetz. Ein Gesetz für Athletinnen und Athleten muss ein Gesetz mit ihnen sein. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Im Stiftungsrat der neuen Spitzensport-Agentur, dem Herzstück dieses Gesetzes, haben sie kein Stimmrecht, nur eine beratende Rolle im Sportfachbereich. Dieser Entwurf sichert alte Machtstrukturen ab, statt sie aufzubrechen. Deshalb fordere ich eine unabhängige, stimmberechtigte Vertretung von Athletinnen und Athleten im Stiftungsrat. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Und dann gibt es das Thema „Gewalt und Missbrauch im Sport“. Wir wissen, wie Abhängigkeiten funktionieren, wenn ein junger Sportler seinem Trainer alles verdankt – die Spielzeit, den Kaderplatz, die Karriere, die Zukunft. Wir wissen von Sportlern, die jahrelang Gewalt erlebt haben. Da müssen wir sie schützen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deshalb: Wer öffentliche Förderung erhält, muss sich Schutzstandards verbindlich anschließen und den Safe Sport Code umsetzen. Genauso brauchen wir eine verbindliche Anbindung an das Zentrum für Safe Sport. Dieser Gesetzentwurf lässt die Umsetzung des Safe Sport Code offen. Er soll freiwillig bleiben. Verbände können weiterhin Mittel erhalten, während interpersonelle Gewalt in ihren Strukturen möglich bleibt. Das nehmen wir nicht hin. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Machen wir diesen Entwurf für unsere Sportlerinnen und Sportler zu einem besseren Gesetz – mit Mitentscheidung, mit verbindlichem Schutz, mit klarer Haltung! Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Jens Lehmann das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Jens Lehmann (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Es ist wirklich ein besonderer Augenblick. Wir sprechen heute endlich über das erste Sportfördergesetz in Deutschland, welches die Spitzensportförderung des Bundes erstmalig auf eine gesetzliche, einheitliche und transparente Grundlage stellt. Seit über zehn Jahren gibt es Überlegungen, wie man die Effektivität im Spitzensport steigern kann; denn der Mitteleinsatz und die Erfolge bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften verlaufen sichtbar entgegengesetzt. Bei meinen ersten Olympischen Spielen in Barcelona 1992 gewannen deutsche Sportler 33 Goldmedaillen und belegten Platz drei in der Nationenwertung. 2024 in Paris gewannen wir trotz deutlich mehr Wettbewerben lediglich zwölf Goldmedaillen und belegten den zehnten Platz. Darum ist es auch mir ein besonderes Anliegen, dass wir die notwendigen Strukturen schaffen, um zukünftig wieder weit oben im Medaillenspiegel zu stehen. Der Entwurf der Bundesregierung kann dafür aus meiner Sicht zum epochalen Wendepunkt im deutschen Spitzensport werden. Mit einer konsequenten Umsetzung der Reform wird Deutschlands Spitzensport international wieder deutlich erfolgreicher sein; davon bin ich fest überzeugt. Kernstück der Reform ist die Etablierung einer unabhängigen Agentur. Das Augenmerk muss hier besonders auf dem Begriff „Unabhängigkeit“ liegen, und der Begriff „Politbüro 2.0“, Herr Görke, ist schon sehr weit hergeholt, denke ich. Die Erwartungen an die Agentur sind allerdings sehr hoch. Sie soll nicht weniger als den seit Langem erforderlichen Paradigmenwechsel in der Unterstützung und Förderung des Leistungs- und Spitzensports konsequent vollziehen. Dafür braucht es Personen, die strategische Führungsqualitäten, Weitblick und absoluten Erfolgswillen auf Weltspitzenniveau mitbringen, damit Förderung künftig dort ankommt, wo echtes internationales Potenzial vorhanden ist. Ähnliche Strukturen finden wir bereits in anderen Sportnationen wie Australien oder Großbritannien. In den vergangenen Wochen wurde intensiv über die Zusammensetzung des Stiftungsrates diskutiert. Ich persönlich bin ein Freund effizienter und schlanker Strukturen und würde ihn deshalb bei fünf Personen belassen. Der jetzige Vorschlag präferiert neun Personen. Ich denke, wir werden im parlamentarischen Verfahren eine gute Lösung finden, ohne jedoch diese Diskussion permanent in den Vordergrund zu stellen. Klar ist: Wir verfügen bereits heute über eine enorme sportfachliche Expertise. Auf diese Kompetenz müssen wir auch zukünftig bauen. Im vorliegenden Gesetzentwurf ist Leipzig als Sitz der neuen Spitzensport-Agentur vorgesehen. Als etablierte Sportmetropole – unter anderem mit dem für den deutschen Spitzensport essenziellen Institut für Angewandte Trainingswissenschaft, IAT, oder der Sportfakultät der Universität Leipzig mit ihrer internationalen Trainerausbildung – (Zuruf des Abg. Jörn König [AfD]) bietet die Stadt beste Voraussetzungen. Und als stolzer Leipziger unterstütze ich dieses Vorhaben selbstverständlich aus tiefstem Herzen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Meine Damen und Herren, wir befinden uns, wie Sie wissen, momentan in der ersten Phase der Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Spiele und Paralympischen Spiele. Wir stehen mit vier hervorragenden Konzepten im nationalen Wettbewerb, und bei aller Objektivität spiele ich bis zur Entscheidung des DOSB am 26. September natürlich im Team Berlin/Leipzig. (Beifall des Abg. Lukas Krieger [CDU/CSU]) Ab 27.09. spielen wir dann gemeinsam im Team Deutschland. Denn die Spiele im eigenen Land zu erleben, ist weit mehr als nur ein Sportereignis. Ich bin mir sicher, dass die Spiele in Deutschland ein Riesenerfolg werden würden. Wir können Sportgroßveranstaltungen; denken wir nur an das Sommermärchen 2006 oder zuletzt an die Finals in Dresden, die so ein unglaublich positives internationales Echo hatten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Wichtig ist dafür aus meiner Sicht, dass wir als Gastgeberland entsprechend erfolgreich sind. Die bisherigen Ausrichterländer haben es beispielhaft bewiesen. Das wiederum heißt im Umkehrschluss für die Spitzensport-Agentur, dass sie schnell ihre Arbeit aufnimmt und die neuen Strukturen greifen. Erfolge werden nicht von jetzt auf gleich generiert; das kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Von Beginn meiner sportlichen Laufbahn bis zum ersten Olympiasieg waren es immerhin zwölf Jahre; bis 2036 haben wir noch zehn. Meine Damen und Herren, lassen Sie uns die noch offenen Detailfragen konstruktiv diskutieren und kluge Verbesserungsvorschläge einbringen! Ich freue mich auf eine sportliche Debatte. Wir sollten das Gesetz vor der Sommerpause zur Abstimmung bringen und mit möglichst großer Zustimmung beschließen. Und zum Schluss möchte ich selbstverständlich auch noch dem FC Bundestag zur Erringung des Europameistertitels gratulieren. Herzlichen Glückwunsch! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Ingo Hahn [AfD]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Bastian Treuheit das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Bastian Treuheit (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Eine Schwangerschaft sollte für eine Spitzensportlerin ein Moment der Freude sein. Doch für viele Athletinnen in Deutschland beginnt genau dann das Rechnen und Bangen: Reicht das Geld? Verliere ich meinen Kaderplatz? Springt der Sponsor ab? – Diese Fragen stellen sich viele Athletinnen in Deutschland, sobald sie schwanger werden. Und wir reden hier nicht von einem Luxusproblem. Spitzensportlerinnen stemmen im Durchschnitt eine 56-Stunden-Woche. Gleichzeitig liegt ihr durchschnittliches Bruttojahreseinkommen laut einer Sporthilfe-Studie bei gerade mal 18 680 Euro. Wer in einem ohnehin prekären System Mutter wird, gerät schnell in eine finanzielle Schieflage. Viele bekannte Athletinnen kritisieren seit Jahren, dass der Spitzensport auf Schwangerschaft und Mutterschaft nicht vorbereitet ist. Die Rollstuhlbasketballerin Edina Müller sagt, echte Unterstützung gebe es kaum. Die Beachvolleyballerin Laura Ludwig spricht sogar von Grauen, wenn sie sieht, wie junge Mütter im Leistungssport kämpfen müssen. Die Rennrodlerin Dajana Eitberger beschreibt den stillen Druck im System sehr deutlich: erst die Karriere, dann die Familie. Passend dazu zeigt eine SWR-Umfrage unter mehr als 700 Spitzensportlerinnen: Nur jede Zehnte fühlt sich vom Verein oder Verband dabei unterstützt, trotz Kind Leistungssport zu betreiben. Problematisch ist auch die Haltung mancher Sponsoren. Noch immer enthalten Verträge Klauseln, dass bei Schwangerschaft Leistungen gekürzt oder ausgesetzt werden. Dass es auch anders geht, zeigen internationale Sportorganisationen. Die FIFA etwa hat klare Regeln zu Mutterschutz, Familienzeit und Wiedereinstieg geschaffen. Die WTA führte 2025 sogar ein Modell mit bezahlter Mutterschaftszeit für selbstständige Profis ein. Deutschland darf hier nicht weiter hinterherlaufen! (Beifall bei der AfD) Genau hier liegt die Leerstelle dieses Sportfördergesetzes: Schwangerschaft und Mutterschutz kommen darin nicht vor. Wer vom Spitzensport profitiert und Medaillen erwartet, muss Athletinnen auch in Schwangerschaft und Mutterschutz den Rücken stärken. Deshalb brauchen wir konkrete Verbesserungen: Erstens einen verbindlichen DOSB-Leitfaden zu Schwangerschaft und Mutterschutz im Spitzensport, zweitens geschulte Ansprechpartner an Olympiastützpunkten zur Betreuung betroffener Athletinnen, drittens einen echten Mutterschutz auch für selbstständige Athletinnen, viertens die Fortführung der Sportförderung nach der Geburt und fünftens einen Sonderfonds für Mütter im Leistungssport, damit zusätzliche Reise-, Betreuungs- und Organisationskosten nicht allein an den Athletinnen hängen bleiben. (Beifall bei der AfD) Denn eines ist doch klar: Wer Höchstleistungen für unser Land erbringt, darf in Schwangerschaft und Mutterschutz nicht alleingelassen werden. Vielen Dank und Sport frei! (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Abschließend in dieser Debatte hat der Kapitän des FC Bundestags das Wort. Für die CDU/CSU-Fraktion: Herr Fritz Güntzler. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Fritz Güntzler (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit dem heute eingebrachten Gesetzentwurf zur Spitzensportförderung setzen wir ein klares Signal für den Sport in Deutschland. Wir zeigen damit: Wir stehen zum Leistungssport, zu seinen Athletinnen und Athleten und damit zur gesellschaftlichen Bedeutung des Sports insgesamt. Denn Spitzensport ist weit mehr als Medaillen und Rekorde: Spitzensport stiftet Identität, schafft Vorbilder, verbindet Generationen und Regionen und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wie wir es immer bei großen Sportveranstaltungen spüren, insbesondere wenn sie in unserem eigenen Land durchgeführt werden. Wenn unsere Athletinnen und Athleten bei Olympischen Spielen, Welt- oder Europameisterschaften das Trikot unseres Landes tragen, dann repräsentieren sie nicht nur unser Land, sie stehen für sportliche Leistungen, aber auch für Disziplin, Fairness, Teamgeist und Einsatzbereitschaft; alles Werte, die unsere Gesellschaft tragen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Gerade junge Menschen orientieren sich an diesen Vorbildern. Wer erlebt, wie sich eine Athletin oder ein Athlet über Jahre hinweg mit Leidenschaft und Beharrlichkeit auf ein großes Ziel vorbereitet, der erkennt: Leistung entsteht nicht durch Zufall, sondern durch harte Arbeit, Verlässlichkeit und Verantwortung. Genau deshalb ist Spitzensportförderung auch immer Gesellschaftspolitik, meine Damen und Herren. Wir müssen aber feststellen: Die Ergebnisse der vergangenen Olympischen Spiele haben gezeigt, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb zurückgefallen ist. Andere Nationen, wie Großbritannien oder die Niederlande, investieren strategischer, moderner und oft deutlich umfangreicher in ihre Spitzensportstrukturen. Während Deutschland früher selbstverständlich zu den führenden Sportnationen gehörte, sehen wir heute in vielen Disziplinen einen Rückgang bei Finalteilnahmen und Medaillengewinnen. Ich möchte für unsere Fraktion und auch für die Koalition klarstellen: Das liegt keineswegs an mangelndem Einsatz unserer Athleten. (Beifall des Abg. Stephan Mayer [Altötting] [CDU/CSU]) Im Gegenteil, unsere Athleten leisten Herausragendes. Aber sie brauchen Rahmenbedingungen, die international konkurrenzfähig sind: Sie brauchen moderne Trainingsstätten, professionelle Betreuung, wissenschaftliche Unterstützung, verlässliche Karriereperspektiven und eine Förderung, die sich stärker an Leistung und an Potenzialen orientiert. Genau hier setzt der Gesetzentwurf an. Wir wollen die Spitzensportförderung effizienter, transparenter und zielgenauer gestalten (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) und werden das auch tun. Bundesmittel sollen dort eingesetzt werden, wo sie nachhaltig Wirkung erzielen, im Interesse des Sports, aber letztendlich auch im Interesse der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler; damit wir vernünftig mit dem Geld umgehen. Der Bund – anders als hier heute der Eindruck erweckt wurde – stellt bereits erhebliche Mittel für den Spitzensport zur Verfügung, im Übrigen ein Aufwuchs über mehrere Jahre, der gerade dann erfolgte, wenn das Innenministerium in CDU-Hand war. (Jörn König [AfD]: Ein Siebtel der Summe für Kultur und Medien! Ein Siebtel!) Diese Unterstützung ist richtig und notwendig. Wir müssen, wie schon gesagt, zugleich sicherstellen, dass diese Mittel bestmöglich eingesetzt werden. Deshalb schaffen wir mit diesem Gesetz klare Strukturen, bessere Steuerungsmöglichkeiten und eine stärkere Fokussierung auf sportliche Exzellenz. Die Förderung erfolgt in Zukunft potenzial- und erfolgsorientiert, und das ist richtig so. Wir sorgen dabei auch für mehr Planungssicherheit im Leistungssport. Die Vergabe erfolgt in Zukunft über die heute schon so oft angesprochene unabhängige Spitzensport-Agentur. Diese besteht aus einem unabhängigen Vorstand mit zwei Personen, dem Stiftungsrat und dem Sportfachbeirat. Es ist heute in der Debatte klar geworden, dass wir über diese Zusammensetzung noch einmal reden müssen. Uns ist wichtig, dass Förderung und Verantwortung zusammengehören. Wer öffentliche Mittel erhält, muss transparent arbeiten, nachvollziehbare Zielsetzungen formulieren und sich an klaren Kriterien messen lassen. Das ist kein Misstrauen gegenüber dem Sport, sondern Ausdruck verantwortungsvoller Haushaltspolitik. Ich will auch klarstellen: Wir stehen natürlich zur Autonomie des Sports. Sie ist verfassungsrechtlich abgesichert. Es ist aber auch unsere Überzeugung: Der Sport muss unabhängig bleiben. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Meine Damen und Herren, als Koalition stehen CDU, CSU und SPD für einen leistungsorientierten, aber zugleich fairen Spitzensport. Wir wollen Spitzenleistungen ermöglichen, ohne die Werte des Sports preiszugeben. Wir dürfen eines nie vergessen – auch das ist angesprochen worden –: Spitzensport und Breitensport gehören zusammen. Internationale Erfolge begeistern Millionen Menschen für Bewegung und Sport. Sie stärken Vereine, das Ehrenamt, die Nachwuchsarbeit. Wer in den Spitzensport investiert, investiert deshalb immer auch in die Breite der Sportlandschaft in unserem Land. Unsere Athletinnen und Athleten verdienen die besten Voraussetzungen, damit sie international erfolgreich sein können. Mit diesem Gesetzentwurf schaffen wir dafür eine Grundlage. Wir stärken den deutschen Spitzensport. Wir stärken damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und wir stärken die Zukunft unseres Landes als Sportnation. Wir werden dieses Gesetz ausgiebig beraten. Wie Kollege Mayer schon gesagt hat: Es ist ein gutes Gesetz. Präsidentin Julia Klöckner: Danke schön. Fritz Güntzler (CDU/CSU): Wir werden es noch besser machen. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Hiermit schließe ich die Aussprache zu diesem TOP. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den Drucksachen 21/5921, 21/4292, 21/6009 und 21/5568 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Ich höre und sehe, dass das nicht der Fall ist. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen. Ich rufe nun den Tagesordnungspunkt 7 auf: Beratung des Antrags der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Tobias Teich, Stefan Keuter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Einsetzung eines 1. Untersuchungsausschusses der 21. Wahlperiode zum Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines Drucksache 21/6025 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart. Ich eröffne die Aussprache. Die antragstellende Fraktion, die AfD, eröffnet die Debatte mit Herrn Abgeordneten Markus Frohnmaier. Bitte. (Anhaltender Beifall bei der AfD) Markus Frohnmaier (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Am 26. September 2022 wurde der größte Anschlag auf die wirtschaftliche Infrastruktur in der Geschichte der Bundesrepublik begangen. Drei von vier Strängen der Nord-Stream-Pipeline wurden gesprengt – kritische Infrastruktur, in die Deutschland und seine Partner über 16 Milliarden Euro investiert hatten. Heute, im Mai 2026, haben wir immer noch keine abschließende Aufklärung. Wir wissen nur: Sieben Ukrainer sind dringend tatverdächtig, darunter ein ukrainischer Ex-Geheimdienstmann als Operationsleiter und sogar ein Saboteur, der zuvor bei der Bundeswehr eine militärische Ausbildung erhalten hatte. – Sie haben richtig gehört: Deutsche Steuerzahler haben für die Ausbildung des Mannes bezahlt, der später deutsche Energieinfrastruktur in die Luft sprengen sollte. So sehen ukrainische Dankbarkeit und die Kurzsichtigkeit dieser Regierung aus! (Beifall bei der AfD) Der Bundesgerichtshof hat am 10. Dezember 2025 in aller Klarheit festgestellt: Die Sprengung war eine Verletzung deutscher Souveränitätsrechte. Die Pipelines waren kein legitimes militärisches Ziel, erst recht nicht, nachdem Deutschland die Ukraine mit Waffen und Abermilliarden Euro unterstützt hat. Die Tat geschah mit hoher Wahrscheinlichkeit – hören Sie gut zu, liebe Kollegen der CDU – in staatlichem Auftrag mindestens der Ukraine, vielleicht auch weiterer Staaten. Punkt! (Beifall bei der AfD) Und die Bundesregierung? Schweigen im Walde. Ich habe eine schriftliche Einzelfrage an die Bundesregierung gestellt, ganz simpel: Haben Sie ein Auslieferungsersuchen für die fünf in der Ukraine befindlichen Tatverdächtigen gestellt? Eine Frage, die mit Ja oder Nein zu beantworten wäre. Eine Frage, die jede Regierung, die im deutschen Interesse handelt, die sich nicht als Marionette Kiews versteht, mit einem klaren Ja beantwortet hätte. Doch die Antwort von Herrn Wadephuls Ministerium: Verweigerung; man könne dazu keine Auskunft geben. Entweder die Bundesregierung hat nie ernsthaft eine Auslieferung gefordert – oder die Ukraine hat sie abgelehnt. In beiden Fällen, meine Damen und Herren, ist es ein Skandal, den dieser Bundestag aufklären muss. Meine Damen und Herren, wer eine solche Frage nicht beantwortet, der hat etwas zu verbergen. Wer eine solche Frage nicht beantwortet, der dient nicht Deutschland. Wer so eine Frage nicht beantwortet, der dient irgendwem, aber nicht den deutschen Bürgern. (Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wer dann am heutigen Tage – und das haut dem Fass den Boden aus – eine assoziierte Mitgliedschaft der Ukraine, eines im Krieg befindlichen Landes, in der EU inklusive EU-Beistandsklausel vorschlägt, liebe CDU/CSU, der dient dem Ausland, der kann seine eigenen Kinder schicken. Als Vater zweier Kinder sage ich Ihnen in aller Deutlichkeit eines: Meine Kinder bekommen Sie nicht! (Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Schauen wir nach Warschau: Dort haben Gerichte ganz bewusst einen der Tatverdächtigen auf freien Fuß gesetzt – eine rechtsstaatswidrige Provokation. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Absolut!) O-Ton von Ministerpräsident Tusk: „Das Problem Europas, […] ist nicht, dass Nord Stream 2 gesprengt wurde, sondern dass es gebaut wurde.“ (Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ist es!) Meine Damen und Herren, es ist unerträglich, dass ein EU-Partner Terrorismus und Sabotage gegen deutsche Infrastruktur gutheißt und dass es darauf bis heute keine deutliche Reaktion aus Berlin gibt. (Zuruf des Abg. Jürgen Hardt [CDU/CSU]) Das zeigt eines ganz klar: Diese Regierung besteht in der Außenpolitik aus Dienern fremder Interessen. (Beifall bei der AfD – Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Das sagt der Richtige!) Ich verspreche Ihnen eines: Wir werden diese nationale Selbsterniedrigung, die die CDU hier in Deutschland zu verantworten hat, beenden! (Beifall bei der AfD) Statt Schadensersatz von Kiew zu fordern, statt deutsche Interessen zu wahren, schließt Bundeskanzler Merz die Wiederinbetriebnahme der intakten Pipeline öffentlich aus – eine freiwillige Selbstkasteiung! Während deutsche Haushalte heute 80 Prozent mehr für Gas zahlen, während unsere Industrie das Vierfache dessen zahlen muss, was amerikanische Konkurrenten zahlen, opfern Sie unsere Energiesouveränität auf dem Altar bedingungsloser Ukrainetreue. 94 Milliarden Euro hat Deutschland der Ukraine seit 2022 überwiesen, 55 Milliarden Euro allein militärisch. Zum Dank soll Präsident Selenskyj, dem Sie hier im Plenum allesamt kollektiv in ein nicht mit parlamentarischen Begriffen zu bezeichnendes Körperteil gekrochen sind, laut „Wall Street Journal“ die Terroroperation auch noch höchstpersönlich genehmigt haben. (Dr. Alice Weidel [AfD]: So!) Meine Damen und Herren, die Frage lautet nicht mehr, ob ein Untersuchungsausschuss kommt, die Frage lautet, warum Sie Angst davor haben. (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Sie haben jahrelang das eigene Volk im Unklaren gelassen. Sie haben das Geschäft der Täter besorgt – (Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Sie stehen auf der Seite der Russen!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Markus Frohnmaier (AfD): – und so gut wie nichts unternommen, um die Täter zu jagen. Ich verspreche Ihnen eines: – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist, Versprechen hin oder her, abgelaufen, Sie können sich nicht noch Zeit nehmen. Markus Frohnmaier (AfD): Der Untersuchungsausschuss wird kommen, spätestens nach der nächsten Bundestagswahl. (Anhaltender Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Dr. Hendrik Hoppenstedt das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Um es gleich vorwegzusagen: Die Enttäuschung wird groß sein, aber wir lehnen Ihren Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ab, (Lachen bei der AfD – Dr. Alice Weidel [AfD]: Ach nee! Überraschung!) zum einen aus rechtlichen Gründen, zum anderen aus politischen Gründen. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Nationale Selbsterniedrigung!) Ich fange jetzt mal mit den juristischen Gründen an: Ein Untersuchungsausschuss hat Rechte, die das Parlament sonst so nicht hat. Deswegen ist er auch nur ausnahmsweise zulässig, nämlich dann, wenn es um die Aufklärung von Missständen geht. (Tino Chrupalla [AfD]: Welche Missstände? Die haben wir ja nicht!) Solche Vorgänge werden in dem Antrag ja nicht einmal korrekt dargelegt. Nehmen wir zum Beispiel die Fragen nach den Ermittlungen, die zu dem Anschlag in Deutschland, Schweden und Dänemark durchgeführt worden sind. In Deutschland – wir erinnern uns alle – sind die Ermittlungen direkt im Anschluss an den Anschlag begonnen worden, und sie wurden (Dr. Alice Weidel [AfD]: … nur behindert!) kompetent und gründlich durchgeführt. Im Ergebnis wurden Haftbefehle erlassen und erwirkt. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Und was ist passiert? Nix!) Ein Beschuldigter sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Toll: einer!) Das schreiben Sie übrigens auch alles in Ihrem Antrag selber. Jetzt frage ich mich ganz ehrlich: Wo sind denn da jetzt die Missstände? Was soll denn daran aufgeklärt werden, meine Damen und Herren? (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Dr. Alice Weidel [AfD]: Und die anderen?) Ein Untersuchungsausschuss muss sich nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auf die nachträgliche Kontrolle abgeschlossener Vorgänge beschränken. Hier ist der Prozess gegen einen der Beschuldigten ja noch nicht einmal gestartet. Wir sollten also zumindest mal die Strafverfahren abwarten (Tino Chrupalla [AfD]: Es geht um die politische Aufarbeitung!) und sie nicht durch Ermittlungen eines Untersuchungsausschusses konterkarieren. (Zuruf des Abg. Dr. Andreas Lenz [CDU/CSU]) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der – – Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Nein, lasse ich nicht zu. Außerdem ist der Bundestag nach der Verfassung ein Gesetzgebungsorgan – das dürfte ja hinlänglich bekannt sein – und eben kein Organ der umfassenden Rechts- und Fachaufsicht gegenüber der Bundesregierung. Fragen des Antrags beispielsweise zu Plänen der Bundesregierung, was die Reparatur der Pipeline betrifft, oder zu außenpolitischen Konsequenzen dürfen schon per Gesetz gar nicht Gegenstand eines Untersuchungsausschusses werden. Das sollten Sie von der AfD-Fraktion doch eigentlich wissen, anstatt uns hier mit handwerklich schlechten Anträgen zu überziehen. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Und dann wird es richtig interessant: Sie schreiben in Ihrem Antrag, Sie möchten, dass dem Untersuchungsausschuss 16 Mitglieder angehören. Davon billigen Sie uns als Koalition gnädigerweise 8 zu. Damit hätten wir nicht einmal eine Mehrheit in diesem Untersuchungsausschuss. (Lachen bei Abgeordneten der AfD – Markus Frohnmaier [AfD]: Sie sollen ja auch untersucht werden! – Zuruf des Abg. Georg Schroeter [AfD]) Wenn ich Ihnen sagen darf – wer lesen kann, ist ja klar im Vorteil –: In § 4 des Untersuchungsausschussgesetzes steht drin, dass – wie in anderen Ausschüssen dieses Hauses übrigens auch – die parlamentarischen Mehrheiten des Plenums auch in den Ausschüssen abgebildet werden müssen. (Lachen bei der AfD – Tino Chrupalla [AfD]: Sie haben doch noch die Grünen! – Weitere Zurufe von der AfD) Das heißt, Sie machen nicht einmal das Minimum an Demokratie in einem solchen Untersuchungsausschuss. Sie reklamieren 4 Mitglieder für sich selbst. Wenn der Ausschuss 16 Mitglieder hat, heißt das mathematisch, ein Viertel der Mitglieder wären von der AfD. (Stephan Brandner [AfD]: Gut gerechnet!) Das bedeutet, dass Sie Minderheitenrechte für sich in Anspruch nehmen könnten, die Sie hier im Plenum, weil Sie das Viertel-Quorum nicht erreichen, nicht in Anspruch nehmen können. (Markus Frohnmaier [AfD]: Bewerten Sie das doch mal politisch!) Jetzt frage ich mich ganz ehrlich: Ist das Dummheit? Ist das Dreistheit? Ist das eine Mischung aus beidem? (Lachen bei der AfD) Es ist jedenfalls rechtswidrig, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]) Gestatten Sie mir jetzt noch ein paar Worte zur politischen Einordnung Ihres Antrags. Ganz offensichtlich geht es in allererster Linie darum, dass die Ukraine und die ukrainische Regierung in ein möglichst schlechtes Licht gerückt werden sollen. (Tino Chrupalla [AfD]: Nein, das braucht es nicht!) Und es geht ganz offensichtlich darum, Ihren Freund Putin, der für Hunderttausende Kriegstote in Europa verantwortlich ist, in ein möglichst gutes Licht zu rücken. Ich sage Ihnen für die Union: Wir sind nicht bereit, diese Täter-Opfer-Umkehr in irgendeiner Form zu tolerieren; das nehmen wir nicht hin. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ein schönes Beispiel für Ihre Russlandfreundlichkeit sind Ihre wirklich geheuchelten Ausführungen zur Energieversorgung. Sie glorifizieren das leitungsgebundene Gas aus Russland und kommen völlig ohne den Hinweis aus, dass es Putin war, der bei Nord Stream den Gashahn abgedreht hat, (Tino Chrupalla [AfD]: Wer hat denn mit Sanktionen begonnen? – Steffen Kotré [AfD]: Habeck wollte das so und Sie auch!) und dass Putin dafür verantwortlich war, dass die Gaspreise in Deutschland, in ganz Europa explodiert sind, (Steffen Kotré [AfD]: Nein, stimmt nicht! Die waren schon im Sommer 2021 zu hoch!) worunter vor allem die Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen in unserem Land in besonderer Weise zu leiden haben. Deswegen frage ich Sie ganz ehrlich – das sind doch Dinge, die gar nicht so lange zurückliegen –: Wen wollen Sie denn eigentlich für dumm verkaufen? (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Abg. Ina Latendorf [Die Linke]) Es sind gerade zwei Bücher erschienen, die sich mit dem Anschlag auf Nord Stream 2 beschäftigen. Das eine, von Bojan Pancevski, behauptet, Präsident Selenskyj sei über den Anschlag nicht nur im Bilde gewesen, sondern habe ihn sozusagen befohlen; er habe den Einsatzbefehl gegeben. (Markus Frohnmaier [AfD]: Was würden Sie denn tun?) Das andere Buch sagt, dass die ukrainische Führung nicht im Bilde war und den Anschlag damit auch nicht befohlen haben kann. (Markus Frohnmaier [AfD]: Vielleicht sollten Sie das mal untersuchen!) In Ihrem ganzen Antrag wird nur das eine Buch zugrunde gelegt, und das andere fällt weg. Daher bleibt es dabei: Sie unterstützen die Lesart von Präsident Putin. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Sie wollen ihm gefallen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Sie sind diejenigen hier, die den Kriegstreiber im Kreml unterstützen. Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. – Die Zeit! Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Das lassen wir Ihnen nicht durchgehen. Wir lehnen den Antrag ab. Danke schön. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Markus Frohnmaier [AfD]: Ganz schlecht!) Präsidentin Julia Klöckner: Für Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Robin Wagener das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Daniel Baldy [SPD]) Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nord Stream liegt zerstört am Grund der Ostsee. Trotzdem erfüllt die Pipeline weiter ihren Zweck: Sie polarisiert, sie spaltet, sie isoliert Deutschland in Europa. Die Nord-Stream-Pipelines waren nie nur Mittel fossiler Energieversorgung, sie waren immer auch eine geostrategische Waffe, und die AfD will diese Waffe weiter einsetzen. (Stephan Brandner [AfD]: „Waffe“? So ein Quatsch!) Das Leid der Menschen, die Schicksale der Soldaten, die Folgen für Europas Sicherheit – all das spielt bei der AfD keine Rolle, wenn „Radio Moskau“ wieder seine Propaganda auf den Frequenzen der AfD sendet. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Ihre Breitbeinigkeit hier im Plenum, Herr Frohnmaier, (Markus Frohnmaier [AfD]: Die hätten Sie gerne!) ist in Wahrheit ein Kniefall vor Wladimir Putin. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD und des Abg. David Schliesing [Die Linke] – Lachen bei der AfD) Wir alle kennen ja die Berichte über Verbindungen aus den Reihen der AfD zu russischen und chinesischen Kräften. Der thüringische Verfassungsschutz warnt sogar vor Ausspähung unserer kritischen Infrastruktur mittels parlamentarischer Anfragen. (Markus Frohnmaier [AfD]: Ihr Verfassungsschutz!) Ich frage mich: In wessen Interesse wollen Sie mit Ihrem Antrag den Schutz von Kabeln, Pipelines und der Energieversorgung Deutschlands ausspionieren? Sie sind eine Gefahr für Deutschlands Sicherheit! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Markus Frohnmaier [AfD]: Wow!) Zur Energie. Die AfD ist geradezu besessen von Öl und Gas aus Russland. In Deutschland hergestellte Freiheitsenergien, (Lachen bei der AfD – Markus Frohnmaier [AfD]: Ist Ihnen das nicht peinlich?) die uns stark und unabhängig machen, Windenergie, Solarenergie, Geothermie, das alles bekämpfen Sie. In meiner lippischen Heimat spielen Sie am Hermannsdenkmal germanischer Freiheitskämpfer und fechten gegen Windräder. Dabei wollen Sie uns in Wahrheit abhängig machen von dem Diktator im Kreml. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Sie von der AfD wollen keine Souveränität, Sie wollen die alten, korrupten Seilschaften der Moskau-Connection, Sie wollen weiter mit deutschem Geld den russischen Krieg finanzieren. Was Sie hier machen, ist eine Schande für Deutschland! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Sie kuscheln mit Putin und Trump, mit den beiden Männern, die 2022 und heute mit ihren Entscheidungen für die krassesten Energiepreisschocks verantwortlich sind. Sie wollen, dass es Deutschland und den Menschen hier schlecht geht, (Markus Frohnmaier [AfD]: Das machen die Grünen schon selbst!) um aus Frust und Ärger politisches Kapital zu schlagen. Das ist wirklich eine Schande! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD) Aber noch kurz zum realen Aufklärungsbedarf. Die Pipeline Nord Stream 2 war die größte politische Fehlentscheidung der schwarz-roten Energiepolitik. Diese Pipeline war nie ein rein privatwirtschaftliches Projekt, sie war immer eine geopolitische Waffe – gegen die Ukraine, gegen Europa, gegen Deutschland. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch Unsinn!) Union und SPD haben sich und ihre Wählerinnen und Wähler jahrelang belogen; das hat uns am Ende Milliarden Euro gekostet. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Tilman Kuban [CDU/CSU]: Was ist mit Trittins Beitrag?) Die ernsthafte Aufarbeitung dieser Machenschaften der schwarz-roten Moskau-Connection ist unbedingt nötig. Ich meine, Putin schlägt ernsthaft Schröder als Verhandler vor, und die SPD springt auch noch darauf an. Was Sie hier machen, ist lächerlich. (Zuruf von der SPD: Hä?) Wie konnte Nord Stream 2 nach der Krimannexion beschlossen werden? (Zuruf von der SPD: Jetzt wird es aber wild!) Warum wurden die Warnungen unserer Partner ignoriert? Wie konnte Schwarz-Rot unsere deutschen Gasspeicher an Gazprom verhökern und Putins Erpressung 2022 damit erst ermöglichen? Ernsthafte Aufarbeitung der desaströsen deutschen Russlandpolitik der Vergangenheit ist dringend notwendig. Vielleicht ist sie zu umfassend für einen Untersuchungsausschuss; aber sie ist dringend notwendig. Diese Aufarbeitung will die AfD aber gar nicht. Sie wollen den Bundestag für einen Schauprozess nutzen, (Lachen des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]) um Stimmung für einen Kriegsverbrecher und gegen unsere Ukraineunterstützung zu machen. Das machen wir nicht mit. Deshalb gilt mit Blick auf die Zerstörung der Pipelines: volles Vertrauen in die Ermittlungen der deutschen Behörden. Wir erwarten vollständige und lückenlose Kooperation von allen Beteiligten. (Lachen bei Abgeordneten der AfD) Die AfD will immer Misstrauen in die unabhängige deutsche Justiz (Lachen bei Abgeordneten der AfD) säen. Das ist Teil des autoritären Playbooks, und das sollte uns allen eine Warnung sein. Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Uwe Schulz [AfD]: Das glaubt Ihnen doch niemand mehr!) Präsidentin Julia Klöckner: Bevor wir zum nächsten Redner kommen, lasse ich noch eine Kurzintervention von Herrn Abgeordneten Enrico Komning von der AfD-Fraktion zu der Rede von Herrn Dr. Hoppenstedt zu. Bitte. Enrico Komning (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Hoppenstedt, ich finde es ein bisschen schade, dass Sie die Zwischenfrage nicht zugelassen haben. Ich kenne Sie als wirklich vernünftigen PGF-Kollegen. (Daniel Baldy [SPD]: Ja, genau deshalb!) Aber offensichtlich war die Angst größer. Nun, was soll’s. (Lachen des Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wissen Sie, ich musste gar nicht antizipieren, dass Sie diesen Antrag ablehnen werden. Sie hätten ja selbst die Möglichkeit gehabt, einen Untersuchungsausschuss einzuberufen. Sie haben gerade gesagt, dass Sie ihn ablehnen werden. Das war für uns völlig klar. Lubmin, wo Nord Stream 2 anlandet, liegt in meinem Wahlkreis, im Bundestagswahlkreis 16. Ich weiß nicht, ob Sie sich die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl dort mal angesehen haben. Ich habe den Wahlkreis mit 45,2 Prozent der Erststimmen gewonnen. Ihr Kandidat Philipp Amthor hat leider nur 19,9 Prozent der Erststimmen erhalten; das ist weniger als meine Steigerung. Ich weiß nicht, ob Sie so weitermachen wollen und tatsächlich gegen den Willen der Bürger arbeiten wollen. (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Die Bürger wollen diese Aufklärung; sie wollen auch diesen Untersuchungsausschuss. Ich kann das deshalb sagen, weil wir dort ganz viele Bürgerdialoge veranstalten, ganz viele Infostände unterhalten, im Übrigen auch außerhalb von Wahlkampfzeiten. Sie sagen, wir wollten die Ukraine mit dem Untersuchungsausschuss in ein schlechtes Licht rücken. Nein, die Ukraine steht in schlechtem Licht, zumindest was diesen Angriff auf die deutsche Infrastruktur angeht. (Beifall bei der AfD) Deshalb, Herr Dr. Hoppenstedt, wäre es nur vernünftig – ich kann es der Union nur raten –, in diesem Fall tatsächlich mit zur Aufklärung beizutragen und einen Untersuchungsausschuss mit einzuberufen. Sie können sich dagegen entscheiden, Sie können so weitermachen. Wir haben Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Sachsen-Anhalt. Sie wissen, wo wir in den Umfragen stehen. Ich glaube, es wird Ihnen arg auf die Füße fallen, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit für eine Kurzintervention ist abgelaufen. Enrico Komning (AfD): – wenn Sie sich heute hier gegen einen solchen Untersuchungsausschuss aussprechen. Danke. (Beifall bei der AfD) Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU): Vielen Dank, Herr Kollege. – Ich will sagen, dass Sie nicht der Einzige sind, der mit Bürgerinnen und Bürgern im Gespräch ist; ich bin es in meinem Wahlkreis auch. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ich kann Ihnen nur aus meinem Wahlkreis berichten, dass die Sorgen und Nöte dort andere sind. Sie sind nicht in allererster Linie darauf fokussiert, dass wir jetzt den Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines aufklären, geschweige denn darauf, dass wir neues Gas aus Russland bekommen. In meinem Wahlkreis, wo seinerzeit auch der Hauptaufmarschplatz des Kalten Krieges war, existiert die Sorge, dass Russland mit seiner gesamten Aggressivität Europa mit noch mehr Krieg überzieht. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ach du lieber Gott!) Dagegen wollen wir uns mit aller Kraft stemmen. Ich habe Ihnen eben in meiner Rede alle Argumente dafür genannt, warum dieser Untersuchungsausschuss nicht funktioniert. Wir sollten diese Aufklärung jetzt als Allererstes mal den Gerichten überlassen, die ihre Arbeit so machen sollten, wie sich das in einem Rechtsstaat gehört. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Wir sind für Aufklärung, wir sind für Transparenz. Aber wir werden hier kein politisches Schaulaufen mitmachen, was in allererster Linie dazu führen soll, dass Sie Ihre politische Agenda in irgendeiner Form nach vorne bringen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Wir fahren in unserer Debatte fort. Für die SPD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Daniel Baldy das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Daniel Baldy (SPD): Vielen herzlichen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses umfasst unter anderem auch den Untersuchungsgegenstand, wie kritische Infrastruktur in Deutschland geschützt wird. Da kann ich nur sagen: Dafür braucht es keinen Untersuchungsausschuss, dafür braucht es einfach nur Aufmerksamkeit hier im Plenum und Aufmerksamkeit bei Abstimmungen über Gesetze. Denn diese Bundesregierung handelt beim Schutz kritischer Infrastruktur: Wir haben zum Schutz kritischer Infrastruktur vor Cyberangriffen NIS 2 auf den Weg gebracht, und wir haben mit dem KRITIS-Dachgesetz dafür gesorgt, dass kritische Infrastruktur vor physischer Sabotage geschützt ist. Wir haben bei der Drohnenabwehr zugelegt mit dem Gemeinsamen Drohnenabwehrzentrum und der Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei. Und gerade gestern haben wir den Pakt für den Bevölkerungsschutz im Kabinett beschlossen, mit 10 Milliarden Euro durch das Bundesinnenministerium in den nächsten Jahren. Ich finde, es braucht keinen Untersuchungsausschuss. Im Gegenteil: Für den Schutz kritischer Infrastruktur braucht es diese Koalition, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wir handeln nicht nur beim Schutz kritischer Infrastruktur auf dem Land, nein, wir handeln auch auf See, insbesondere in der Ostsee. Seit knapp zwei Jahren gibt es in Rostock den Stab „Commander Task Force Baltic“ der NATO, der unter Führung der Deutschen Marine die Ostsee überwacht. Und was gibt es dort zu überwachen? Es gibt dort ganz viel kritische Infrastruktur: Es gibt Datenkabel, es gibt Stromkabel. Und ja, die werden angegriffen, insbesondere durch Schiffe der russischen Schattenflotte, die sich illegalerweise durch die Ostsee bewegen. Und glücklicherweise hilft der Commander-Task-Force-Baltic-Stab dabei, diese Schiffe zu überwachen. Seit es ihn gibt, ist die Zahl der Angriffe auf kritische Infrastruktur in der Ostsee zurückgegangen, was bedeutet: Er wird wahrgenommen. Die russische Schattenflotte ist weniger aggressiv im Umgang mit kritischer Infrastruktur. Anker werden nicht mehr fallen gelassen, um damit Datenkabel zu zerstören. Auch hier lässt sich sagen: Die Bundesrepublik greift ein. Sie schützt kritische Infrastruktur nicht nur auf dem Land, nein, sie tut es auch in der Ostsee, und sie tut es erfolgreich, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Zum Schutz kritischer Infrastruktur gehört aber auch, dass wir nicht nur dafür sorgen, dass es beispielsweise bessere Zäune gibt oder Drohnenüberflüge nicht stattfinden, sondern es gehört dazu auch, dass Informationen über kritische Infrastruktur nicht frei zugänglich sind. Und da muss man sagen: Während der Großteil dieses Hauses von Linke bis Union dafür sorgt bzw. versucht, dafür zu sorgen, dass solche Informationen geheim bleiben und nicht öffentlich werden, tun Sie als AfD-Fraktion wirklich alles dafür, dass genau diese Informationen öffentlich werden und es die Angreifer noch einfacher haben. Es gab in den letzten Jahren mehr als 7 000 parlamentarische Anfragen – der Kollege Wagener hat es eben schon angedeutet – zu den Themen „Energieversorgung“, „Transportwege“, „Aufbau von Redundanzen“ und vielem mehr. Wir geben uns hier wirklich alle Mühe, um kritische Infrastruktur zu schützen. Gleichzeitig muss man feststellen: Sie wollen genau das verhindern. Ich finde, es braucht keinen Untersuchungsausschuss, der sich die Frage stellt: Wie schützen wir kritische Infrastruktur? Ich glaube, die Frage in einem Untersuchungsausschuss sollte eher sein: Warum wollen Sie kritische Infrastruktur angreifen (Stephan Brandner [AfD]: Was? Wir?) und immer wieder Informationen darüber öffentlich preisgeben? Das muss der eigentliche Auftrag sein. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Der letzte Punkt. Sie haben einen ähnlichen Antrag zur Einrichtung eines Untersuchungsausschusses schon mal vor drei Jahren, im Jahr 2023, gestellt. Und wenn man diese beiden Anträge nebeneinanderlegt, merkt man, was Sie eigentlich für ein Fähnchen im Wind sind. Damals, 2023, waren die USA für Sie noch der Hauptverantwortliche. Da haben Sie wilde Verschwörungstheorien verbreitet. Da soll die US-Navy die Sprengsätze gelegt haben. Es hätte nur noch gefehlt, dass Sie auch noch den Wal „Timmy“ mit reinbringen, der für die Nord-Stream-Sprengung verantwortlich wäre. (Heiterkeit bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Da wurde die Administration Trump I angegriffen. Sie wurde kritisiert und verdächtigt. Der Untersuchungszeitraum ging zurück bis ins Jahr 2017, als der US-Kongress Gesetze zur Sanktionierung unter Präsident Donald Trump verabschiedete. In dem Antrag heute finden wir gar nichts mehr dazu. Daran merkt man: Sie sind einfach nur komplett Fähnchen im Wind. Sie wollen keine Aufklärung. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Alles, was Sie wollen, ist, außenpolitisch gut dazustehen, um sich bei Ihren nächsten Auslandsbesuchen – sei es in Russland oder in den USA – einzuschleimen. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus den Reihen der Fraktion der AfD zu? Daniel Baldy (SPD): Ja. (Markus Frohnmaier [AfD]: Sehr parlamentarisch! Sehr gut!) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Bochmann, bitte. René Bochmann (AfD): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Baldy, eine kurze Frage. Sie haben gesagt: Wir müssen aufklären und schützen, also Prävention betreiben, was unsere kritische Infrastruktur betrifft. – Jetzt ist ein Anschlag auf unsere Infrastruktur geschehen, den unsere Steuerzahler, die auch hier auf den Tribünen sitzen, mitbezahlt haben. (Marc Henrichmann [CDU/CSU]: Den Anschlag haben die mitbezahlt?) – Nicht den Anschlag, sondern dieses Projekt. (Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Das gehört doch Gazprom! – Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jetzt stellt sich doch eine Frage. Wir als Vertreter dieses Volkes haben ganz einfach dafür zu sorgen, dass das aufgeklärt wird. Es ist unsere Aufgabe, herauszufinden, mit welchen bestmöglichen Mitteln wir die Täter ermitteln, und die Schadensursache zu eruieren, (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Das machen die Staatsanwaltschaften! – Weitere Zurufe von der SPD) sodass unsere Bürger da draußen wissen, womit sie es zu tun haben, und die Gewissheit haben, dass sie sich auf ihre Politiker verlassen können. Sind Sie daran interessiert, das tatsächlich bis zum Ende aufzuklären, ja oder nein? (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Sicher!) Danke. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Daniel Baldy (SPD): Herr Kollege, ich bin absolut interessiert daran. Ich bin auch interessiert an der Gewaltenteilung in diesem Land. Denn diese besagt: Wir sind der Gesetzgeber, aber die rechtsprechende Gewalt sind wir eben nicht. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken) Es hat auch sehr gute Gründe, dass wir diese nicht sind. Der GBA, der Generalbundesanwalt, ermittelt ja wegen verfassungsfeindlicher Sabotage; das ist eben auch schon vom Kollegen Hoppenstedt angesprochen worden. Deshalb kann es doch gar keine Vertuschung geben, wenn die Justiz heute schon dazu ermittelt, wenn beispielsweise auch Haftbefehle ausgestellt werden. Und – ich muss das so deutlich sagen – der Generalbundesanwalt braucht keine Hilfssheriffs. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Was wir brauchen, ist Schutz von kritischer Infrastruktur. Da liefert diese Koalition. Und sie tut das – das will ich auch sagen – insbesondere auch mithilfe der demokratischen Fraktionen in diesem Haus. Deshalb: Wir brauchen weiterhin Schutz. Wir brauchen nicht solche Schaufensteranträge à la Fähnchen im Wind. Vielen lieben Dank. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Katrin Fey [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat nun Frau Abgeordnete Ina Latendorf das Wort. Bitte. (Beifall bei der Linken) Ina Latendorf (Die Linke): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Am 26. September 2022 wurde ein Sprengstoffanschlag auf die Nord-Stream-Pipelines verübt. Dabei wurden beide Stränge, 1 und 2, beschädigt. Der angerichtete Schaden ist enorm. Die Gesamtkosten für den Bau beider Leitungen lagen bei insgesamt fast 17 Milliarden Euro mit leicht abweichenden Anteilen pro Leitung, investiert von der Nord Stream AG, die im Wesentlichen getragen wurde von Gazprom – wir erinnern uns –, einem der größten Erdgasunternehmen der Welt mit Sitz in Moskau. Übrigens: Nicht Deutschland investierte, sondern Gazprom mit 70 Prozent Krediten und 30 Prozent Eigenanteil. Worum geht es hier heute, nachdem das Ganze hier ja schon 2023 debattiert wurde? Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern lässt grüßen – wir haben es eben von den Kollegen gehört; das ist ja eingeräumt worden –, und das, wie üblich, auf der populistischen Fahrkarte. In diesen Zeiten, in denen Angriffskriege anscheinend klag- und wehrlos hingenommen werden, in denen die Reaktion marschiert, Aufklärung durch Heilsversprechen und Verschwörungen ersetzt wird, schlägt die Stunde der Rückwärtsdreher. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD) Nichts anderes als rückwärtsgewandte Ressourcenverschwendung statt sachlicher politischer Arbeit wird hier wieder einmal versucht. Es ist eine tolle Inszenierung, die hier aufgeführt wird, auf- und angeführt von der Partei, die wie keine zweite ihr Fähnchen in den Wind hält; wir haben es eben gehört. Es ist ein Hohn, in einem Antrag von rechts außen von Völkerrecht zu lesen. Sie haben mit Völkerrecht so wenig zu tun, wie (Stephan Brandner [AfD]: … Baerbock!) Wladimir Putin ein lupenreiner Demokrat ist. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD) Sie wollen keine Aufklärung, Sie sind antiaufklärerisch. Sie wollen keine Wahrheit fördern, Sie verbreiten Fake News. Sie, die Partei, die Ängste schürt und dann ausnutzt, Sie sind das Problem. Um das zu erkennen, brauchen wir hier keinen Untersuchungsausschuss einzusetzen. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ihre Heuchelei verstecken Sie nicht einmal mehr. Sie schreiben, der Anschlag hat die Durchleitung von Gas beendet. Dabei hat Ihr Freund Wladimir Putin den Gashahn schon am 31. August zugedreht, also weit vor dem Anschlag. Ihr Freund Wladimir Putin hat das Gas als Druckmittel einsetzen wollen. Und Sie schreiben in Ihrem Antrag von Diplomatie. Diese Anbiederung stinkt doch zum Himmel. Doch erst einmal genug von Ihnen. Ich komme auf die Bundesregierung zu sprechen. Ja, die Kabinette Merkel, Scholz und Merz haben fürchterliche Fehler begangen, Fehler, die die Menschen in Deutschland bis heute viel Geld kosten. Doch nicht der Mangel an günstigem russischen oder sonst welchem Gas ist das Problem, sondern die seit Jahren sabotierte Energiewende. Ob 2022 oder heute durch Trumps Wahnsinn im Iran: Immer wieder erleben wir, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien das Problem ist, und zwar das Problem und nicht die Lösung, Frau Reiche – auch wenn sie nicht da ist. Die eigentliche politische Arbeit im Zusammenhang mit Nord Stream besteht doch wohl darin, eine Verbindung zwischen Herstellerlobbyismus, Profitdenken, falscher Beharrung auf fossilen Energieträgern und aggressiver Machtpolitik im Spätimperialismus aufzugreifen. Wenn es um die Menschen und ihre Probleme geht, deren Lösung die eigentliche Aufgabe für alle Politiker/-innen hier ist, dann brauchen wir hierzu keinen Untersuchungsausschuss. Der würde einzig und allein der extremen Rechten Stoff für ihre populistischen Wahlkämpfe liefern. Sie könnten dann verkürzte, verdrehte und verstellte Informationen rausgeben, wie Sie wollen. Wenn es um die Menschen und ihre Probleme geht, deren Lösung unsere eigentliche Aufgabe hier in der Politik ist, dann müssten wir hier an dieser Stelle über die Bezahlbarkeit des Lebens sprechen. Es müsste um Frau Schmidt in meinem Wahlkreis gehen, die ihre Nebenkosten nicht mehr bezahlen kann. Es müsste um Lutz gehen – der pendelt täglich 86 Kilometer –, der sich aufgrund der hohen Spritkosten seinen Arbeitsweg kaum noch leisten kann. Es müsste um den Organisationsaufwand gehen, den Familie Kessler auf sich nimmt, um die beiden Kinder in die Kita und die Mutter zur Tagespflege zu bringen. Sprich: Es müsste um die Bezahlbarkeit von Mobilität und E-Mobilität gehen, um die Übergewinnsteuer, um Preisdeckel. (Beifall bei der Linken – Christian Görke [Die Linke]: Sehr richtig!) Stattdessen müssen wir uns mit der Ignoranz und verlogenen Selbstherrlichkeit einer aus meiner Sicht rechtsextremen Partei beschäftigen, die vorgibt, für die normalen Menschen da zu sein, während sie im Hintergrund die Realität, die wir kennen – Rente, Kranken- und Arbeitslosenversicherung und Co –, die soziale Sicherheit in diesem Land, zerstören will. Meine Fraktion und ich lehnen Ihren Antrag ab. Wir lehnen Ihre Politik ab. Mehr ist dazu nicht zu sagen. (Beifall bei der Linken sowie der Abg. Johannes Schraps [SPD] und Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Präsidentin Julia Klöckner: Für die CDU/CSU-Fraktion hat Herr Abgeordneter Marc Henrichmann das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Marc Henrichmann (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist das sogenannte „schärfste Schwert der Opposition“, und die Mehrheit – selbst wenn sie anderer Meinung sein sollte – räumt der Minderheit dieses Recht natürlich ein. Aber es gibt nun mal gewisse Vorschriften. Artikel 44 Grundgesetz sagt, dieser Antrag ist zu unterschreiben und dem Parlament vorzulegen. Und genau das tun Sie nicht. Sie beantragen lediglich, im Geschäftsordnungsausschuss über einen Antrag auf Einsetzung abzustimmen. Sie nehmen die grundgesetzlich eingeräumten Rechte gar nicht wahr. Sie kommunizieren auch mit niemandem in diesem Haus. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Wie Sie das tun! – Weitere Zurufe von der AfD) Auch das wäre ja mal ein Instrument, um parlamentarisch zu arbeiten. Mit dem Knüppel auf andere einzuhauen, Meinungsüberzeugung per Schwert durchzusetzen, ist Ihr Mittel. Sie gehen nicht den grundgesetzlich vorgegebenen Weg. Sie wollen nicht parlamentarisch arbeiten. Das zeigt: Ihr Antrag ist eine reine Wahlkampfshow. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Sie tun nichts dafür, dass er umgesetzt wird. Es ist nur eine Show, die Sie hier abgeben. Sie haben fünf Seiten mit Vorfestlegungen geschrieben. Herr Frohnmaier hat ja hier auch gerade zum Besten gegeben, ein Angriff auf die nationale Souveränität dürfe nicht folgenlos bleiben. (Beifall bei der AfD) Aber das Untersuchungsrecht des Parlamentes setzt einen tatsachengestützten Hinweis auf einen Missstand voraus. Der einzige tatsachengestützte Hinweis, den jedenfalls ich bekommen habe, ist der, dass die AfD offenbar Fakten zur Kenntnis nimmt und Bücher liest. Aber ehrlicherweise machen Sie das ja sehr selektiv; ich komme gleich noch mal darauf zurück. Wenn selektive Wahrnehmung von Presse- und Medienveröffentlichungen dazu führt, dass wir parlamentarische Untersuchungsausschüsse einsetzen, dann legen wir das Parlament dauerhaft lahm. Das ist nicht Aufgabe dieses Parlamentes. Deswegen können wir Ihren Antrag auch nicht unterstützen, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Ihre These, dass Nord Stream 2 die nationale Souveränität gestärkt habe, ist ja einigermaßen steil, ebenso wie die Aussage, dass die Energiekrise dadurch abgewendet werden könne. Ich will das mal ausdrücklich kritisch sagen: Ob Nord Stream 1 damals eine gute Idee von Herrn Trittin, Herrn Schröder und anderen war, ob Nord Stream 2 von der späteren Bundesregierung eine gute Idee war, lasse ich mal dahingestellt; ex post ist immer leicht zu urteilen. Aber eines ist doch klar: Wir erleben dieser Tage einen hybriden Krieg Russlands gegen die NATO, gegen die EU, auch gegen Deutschland und Europa. Und die AfD ist ein Werkzeug dieser hybriden Kriegsführung; dessen müssen Sie sich bewusst sein. Sie spielen hier das Spiel des Kremls. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Ihnen geht es nicht um Aufklärung, sondern Ihnen geht es hier offenbar um Unterstützung dieser russischen Propaganda. Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Frohnmaier zu? Marc Henrichmann (CDU/CSU): Aber gerne doch. Markus Frohnmaier (AfD): Lieber Kollege, vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Wir haben in dieser Debatte jetzt viele formalistische Argumente gehört. Wissen Sie, der Punkt ist doch der: Auch Ihre Regierung will zu den fünf Tatverdächtigen, die sich immer noch in der Ukraine befinden, keine Auskünfte geben, etwa zur Frage, ob ein Auslieferungsersuchen stattgefunden hat. Der Generalbundesanwalt kann anderen Staaten keine Vorgaben machen. Er benötigt die Unterstützung dieser Bundesregierung, um politisch Druck aufzubauen und dann im Rahmen der Ermittlungen Erfolg haben zu können. Darum frage ich Sie als Mitglied einer Regierungspartei: Warum kann denn Ihre Regierung die Frage nicht beantworten, ob eine Auslieferung ersucht wurde oder nicht? Warum übt diese Bundesregierung – die SPD, die CDU/CSU – keinen politischen Druck aus, damit diese Ermittlungen zum Erfolg führen? (Mahmut Özdemir [Duisburg] [SPD]: Laufende Ermittlungen!) Präsidentin Julia Klöckner: Danke sehr. Die Frage ist gestellt. Bitte keine zusätzlichen Zwischenstatements. Marc Henrichmann (CDU/CSU): Herr Frohnmaier, schönen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit geben, noch einmal deutlich zu machen, dass es laufende Ermittlungen gibt. Der Generalbundesanwalt – wir haben es ja gerade schon einmal gehört – hat wirklich am Tage nach den Vorfällen bei Nord Stream 2 die Ermittlungen aufgenommen; ich komme gleich noch in einem anderen Zusammenhang dazu. Die Tatverdächtigen sind ermittelt worden, sie sind zum Teil in Haft und werden vernommen. (Markus Frohnmaier [AfD]: Einer! – Dr. Alice Weidel [AfD]: Einer in Deutschland!) Und es wird ein Ergebnis geben. Sie kennen das ja aus Ihrer eigenen Fraktion: Wir haben regelmäßig Immunitätsaufhebungen, wir haben regelmäßig strafrechtliche Ermittlungen. (Zuruf von der AfD: Oh! – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Es ist nie was dabei herausgekommen!) Und auch da gilt: Selbstverständlich werden Sie in laufenden Verfahren niemals sofort alle Offenlegungen erhalten. Es ist doch auch gut so. Eines will ich Ihnen auch noch mal sagen. Sie kommen immer mit Argumenten wie dem Bürokratieabbau – übrigens betreiben wir völlig zu Recht Bürokratieabbau in diesem Parlament –, aber der GBA arbeitet doch. Dem GBA liegen Unterlagen vor, und diese sichtet er. Jetzt kommen Sie mit der Idee eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses – übrigens voreingenommen und nicht ergebnisoffen; der GBA macht das besser, als Sie es tun würden. (Dr. Johannes Fechner [SPD]: So sieht es aus!) Und Sie sagen ihm: Ich schmeiße dir Knüppel zwischen die Beine. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist doch Unsinn!) Ich lasse dich nicht weiter ermitteln, weil wir uns als Parlament anmaßen, besser zu sein als die Ermittlungsbehörden. – Das ist doch vollkommener Unsinn. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Sie mit Ihrer Schranke im Kopf behindern die Aufklärung. Sie erleichtern sie nicht. Präsidentin Julia Klöckner: Damit ist die Frage beantwortet. Marc Henrichmann (CDU/CSU): Vielen Dank. – Und, Herr Frohnmaier, wo wir uns gerade so nett unterhalten: Ich finde auch die Tatsache, dass Sie jetzt wieder darüber nachdenken, zum Wirtschafts- und Energieforum nach Russland zu reisen, einigermaßen inkonsistent. (Markus Frohnmaier [AfD]: Kommen Sie doch mit! Ich kann Sie mitnehmen!) Ihre Fraktion hat sich ja gerade fast darüber zerlegt, ob Russlandkontakte schädlich oder förderlich sind. Wo sind denn jetzt die Stimmen? Wer hat denn das Sagen? Ist Russland jetzt Teil der hybriden Bedrohung, ist es ein hybrider Kriegstreiber oder nicht? Sie haben doch keinen klaren Kompass. Und Sie wollen einseitig aufklären in Richtung Ukraine. Das ist einigermaßen unglaubwürdig. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Als Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums will ich Ihnen noch was sagen. Auch was die Nachrichtendienste tun, gucken wir uns in einem Gremium an, das zu Recht geheim tagt. Und wir schauen sehr kritisch darauf, weil wir diesen Vorgang aufklären und weil wir den GBA unterstützen wollen, wo wir nur können. Das ist uns wichtig. Es geht darum, unsere nationale Souveränität zu schützen (Zurufe von der AfD) und sie nicht durch unsinnige Manöver aus Ihren Reihen und die Unterstützung von Despoten wie in Russland zu bekämpfen, die die Europäische Union und die NATO zerlegen möchten. Zum Schluss möchte ich Ihnen, da wir festgestellt haben, dass Sie Bücherfreunde geworden sind, zwei Zitate aus dem Buch, das Sie zur Grundlage Ihres Antrags gemacht haben, zum Besten geben. Vielleicht überzeugen sie Sie ja. Der Journalist Bojan Pancevski, der das Buch verfasst hat, schreibt unter anderem: „Die deutschen Behörden erwiesen sich mir gegenüber auf allen Ebenen als vorbildliche Vertreter einer liberalen Demokratie und respektierten die Pressefreiheit.“ Und noch viel besser: Er schreibt auf Seite 359 – Sie können es dann gleich nachlesen –: „Die andere Geschichte dreht sich um ein Team der deutschen Bundespolizei, das eine nie dagewesene Ermittlung in Gang setzte. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit […] lösten sie den Fall: Sie identifizierten die Täter und rekonstruierten den Ablauf der Tat mit forensischer Präzision.“ (Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: Aha! – Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Gute Leute bei der Bundespolizei!) Und Sie machen unseren deutschen Sicherheitsbehörden ernsthaft den Vorwurf, sie würden nicht sauber arbeiten. (Markus Frohnmaier [AfD]: Nein, Ihnen mache ich den Vorwurf!) Das schädigt das Ansehen der deutschen Sicherheitsbehörden. Sie handeln in diesem Fall wirklich zum Schaden unserer Demokratie. (Markus Frohnmaier [AfD]: Da müssen Sie selber lachen!) Sie säen Misstrauen. Sie starten hier den Angriff auf nationale Souveränität. Das lassen wir Ihnen nicht durchgehen. Vielen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat Frau Dr. Anna Rathert das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Dr. Anna Rathert (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! In früheren Zeiten wäre die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines als Kriegserklärung gegen Deutschland gewertet worden. Diese Sprengung war ein Angriff auf deutsche Infrastruktur, auf unsere Energieversorgung, auf die wirtschaftliche Lebensader unseres Landes und damit ein Angriff auf das deutsche Volk. (Beifall bei der AfD) Sie beschleunigte die Vernichtung von Industrie und Arbeitsplätzen und damit den Niedergang des deutschen Wohlstands. Und trotzdem: Diese Bundesregierung schweigt. Sie klärt nicht auf, sie fordert nichts ein. Die Interessen und das Wohl des eigenen Volkes sind ihr offensichtlich egal. Und auch die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD verweigern die parlamentarische Kontrolle und damit dem Volk die Wahrheit. (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Blödsinn!) Dabei verdichten sich die Hinweise dramatisch. Die Journalisten Seymour Hersh und Bojan Pancevski sind auf Spuren gestoßen, die bis in höchste ukrainische Militär- und Geheimdienstkreise führen und ebenso auf eine mögliche Beteiligung der Biden-Administration hinweisen. (Beifall bei der AfD) Aber was uns doch dabei am meisten interessieren muss: Was wusste die damalige Bundesregierung? Was wussten die deutschen Sicherheitsbehörden? Wann genau wurden Bundeskanzler Olaf Scholz und BND-Chef Bruno Kahl über die Anschlagspläne informiert? Gab es Warnungen? Warum wurde dieser Terroranschlag auf solch entscheidende deutsche Energieinfrastruktur nicht verhindert? (Beifall bei der AfD) Warum macht es die heutige CDU-geführte Bundesregierung nicht zur obersten Priorität, endlich schonungslos aufzuklären? Sie haben so viel mehr Angst vor der Wahrheit und vor Auseinandersetzungen mit anderen Staaten auf Augenhöhe als vor dem Verlust deutscher Souveränität. (Beifall bei der AfD) Sollten deutsche Stellen auch noch Hinweise gehabt haben und untätig geblieben sein, (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Nennen Sie ein Beispiel! Wo ist das passiert? Wo war das so?) dann ist das nicht nur ein Staatsversagen historischen Ausmaßes, dann muss auch der Generalbundesanwalt ermitteln, ob sich Amtsträger durch Unterlassen strafbar gemacht haben. (Beifall bei der AfD – Dr. Johannes Fechner [SPD]: Jetzt mal Beispiele! Wo war das?) Ich weiß nach dieser Debatte umso weniger, ob den Mitgliedern dieses Hohen Hauses die Dimension dieses Angriffs klar ist. (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Sie haben das Thema gar nicht begriffen!) Hier geht es um die vitalen Interessen unseres Volkes. Familien zahlen bis heute fast doppelt so hohe Gaspreise wie zuvor. Die Industrie wandert ab und wer noch Arbeit hat, der arbeitet hart und zahlt Steuern (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Anders als Sie!) und finanziert diesen Staat. Diese Menschen haben ein Recht auf eine Regierung, die wie eine Löwin für sie kämpft. (Beifall bei der AfD – Zuruf von der AfD: Jawohl!) Stattdessen erleben sie einen Regierungschef, der das Volk als zu faul beschimpft und öffentlich über sein eigenes politisches Schicksal jammert. Aber immerhin ist er der beste Kanzler, den die Ukraine jemals hatte. (Beifall bei der AfD) Das ist die Arroganz dieser Bundesregierung: Nach unten treten und nach oben buckeln und vor allem: Verantwortung verweigern und gleichzeitig 100 Milliarden Euro des hier erwirtschafteten Vermögens an die Ukraine verschenken, an genau den Staat, (Dr. Johannes Fechner [SPD]: Blödsinn!) der nach heutigem Erkenntnisstand mit hoher Wahrscheinlichkeit für – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Danke sehr. Dr. Anna Rathert (AfD): – diesen Anschlag auf deutsche Infrastruktur verantwortlich ist. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Nein, nein, Ihre Zeit ist abgelaufen. Dr. Anna Rathert (AfD): Deshalb fordern wir einen Untersuchungsausschuss, – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist – – Dr. Anna Rathert (AfD): – volle Aufklärung, Akteneinsicht – Präsidentin Julia Klöckner: Nein, ich bitte Sie – – Dr. Anna Rathert (AfD): – und die Benennung aller Verantwortlichen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist massiv abgelaufen. Sie können sich nicht mehr Redezeit holen, wenn Sie weiterreden. Dr. Anna Rathert (AfD): Ich glaube, Sie alle, liebe Kollegen, wären gut beraten, sich uns anzuschließen; denn die nächste Wahl kommt bestimmt. Präsidentin Julia Klöckner: Nein, die Zeit ist abgelaufen und es geht auch so nicht. Dr. Anna Rathert (AfD): Und die Wahrheit kommt sowieso ans Licht. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Ich will noch einmal einen Hinweis geben; das ist kein Vorschlag zur Güte: Wenn am Rednerpult „Präsident“ aufblinkt und Ihre Zeit abgelaufen ist – das halte ich wirklich bei allen gleich –, mache ich einen Hinweis. Dann gibt es einen weiteren Hinweis. Aber dann einfach weiterzureden, ist respektlos gegenüber der Sitzungsleitung. Das will ich nur sehr klar sagen. (Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Jetzt hat für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Herr Mahmut Özdemir das Wort. Bitte. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD): Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Nach dieser bühnenreifen Theaterdarstellung sollten wir vielleicht zur Sache zurückkehren. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zurufe von der AfD: Oh!) Der Anschlag auf die Pipelines ist mutmaßlich ein Anschlag auf unsere Resilienz, auf unsere Unabhängigkeit, auf unsere kritische Infrastruktur – das hat der Kollege Baldy dargestellt – und nicht zuletzt auch auf unsere Haltung, dass wir russische Sanktionen ins Werk gesetzt haben. Nun wollen Sie, Gaukler – am Niederrhein sagt man „Schwadroneure“ –, Aufklärung vortäuschen. Sie wollen in diesem Haus mit diesem Antrag dem Volk draußen vortäuschen, dass Sie Aufklärung betreiben, in einer Zeit, in der der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof mit der Bundespolizei und all unseren Sicherheitsbehörden, die mit der Sache befasst sein könnten, auch mit der Sache befasst sind. Das nennt man Rechtsstaat. Das ist Ihnen manchmal zuwider. Es ist immer ärgerlich, wenn bei Ihnen durchsucht wird, wenn der Staatsanwalt vor der Tür steht. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Da ist noch nie was rausgekommen mit den Staatsanwälten!) Das gibt immer dreckige Büros und Teppiche, (Beifall bei der SPD) aber das ist Rechtsstaat. Sie lieben den Gedanken politischer Gerichte. Ein Untersuchungsausschuss – wir haben gerade „schärfstes Schwert“ gehört; wir haben gehört, dass es sich irgendwo zwischen einer Aufklärung, einer Würdigung und einer Sachaufklärung befindet – ist am Ende des Tages, ich würde mal sagen: ein politisches Gericht, ein Minderheitsrecht der Opposition, die öffentlich Beweis erhebt, mit allen strafprozessualen Mitteln ausgestattet ist. Sie wollen jetzt parallel zum Generalbundesanwalt und parallel zu den Behörden selber versuchen, zu ermitteln, obwohl der Untersuchungsausschuss nicht mal Ermittlungsbehörden hat. Sie streuen den Menschen Sand in die Augen. Ich möchte meine Redezeit darauf verwenden, zu sagen, was Sie eigentlich wirklich wollen. Wir müssen den Menschen draußen sagen, was Sie wirklich wollen. Sie wollen die Grenzen des Rechtsstaates, Sie wollen die Gewaltenteilung verschieben. (Beifall bei der SPD – Lachen des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD]) Sie wollen sie aufheben, damit Sie Ihre Interessen leichter durchsetzen können. Sie sind die Partei, die sagt – jetzt können Sie Bingo mit mir spielen –: „Da muss man doch auch die Richter vom Hof jagen“ – Zitat von Frau Weidel –, „Macht die Stimmzettel zu Haftbefehlen“ – Zitat von Stephan Brandner. Der Anschlag auf die Pipeline ist Ihnen schlicht egal. Das, was Sie hier machen, ist ein Anschlag auf unsere Gewaltenteilung. (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Thomas Silberhorn [CDU/CSU] und Michael Kellner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Johannes Schraps [SPD]: Sehr richtig!) Aber, ich spiele mal mit: Verschöbe man die Gewaltenteilung so, wie Sie das wollen, würden mir zum Beispiel auch einige Themen einfallen, zu denen ich gerne Untersuchungsausschüsse hätte und die wahrscheinlich einige Kollegen hier auch interessieren. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Machen Sie doch!) Zum Beispiel: An wessen Fäden hängt die AfD eigentlich? Mit Blick auf den geerbten Goldschatz des Toilettenmillionärs Strangfeld von 107 Kilogramm bekommt der Begriff „mit allen Abwassern gewaschen“ eine völlig neue Bedeutung. (Beifall bei der SPD) Medizintechniker und Milliardär Stöcker: 1,5 Millionen Euro. 6 Millionen Euro von Helga Schwab. Geld- und Goldgeschäfte, um das Parteiengesetz auszuhöhlen, um Ihre Kriegskasse oder Ihre Parteikasse zu füllen. (Sascha Lensing [AfD]: Zum Thema!) Wie weit reicht eigentlich das System von Überkreuzbeschäftigungen von Verwandten in diesem Haus bei Ihnen, um das Mitarbeiterbudget in die Parteikassen zu leiten? Das würde mich zum Beispiel interessieren. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Die Plakatspenden eines Österreichers, FPÖlers, der über die Schweizer Agentur versucht, Tausende Euro oder die 13-fache Stückelung von 10 000 Euro – – Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, wir reden hier über den Antrag, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD): Ich sage doch nur, was mich alles interessieren würde. (Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das ist nicht das Thema, was Sie interessiert!) Präsidentin Julia Klöckner: Mich interessiert auch sehr, sehr viel. Aber wir haben hier eine Tagesordnung. Bitte daran halten. Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD): Das ist mir bekannt, Frau Präsidentin. Entschuldigen Sie bitte. – Aber Sie benutzen, Sie missbrauchen dieses Plenum, um der Öffentlichkeit Aufklärung vorzutäuschen. Sie haben kein Interesse daran. Sie möchten mit diesem Untersuchungsausschuss lediglich die Grenzen des Rechtsstaates verschieben. (Zuruf von der AfD) – Ich nehme das gerne auf, was Sie hier reinrufen. Lassen Sie uns doch mal darüber nachdenken: Wieso wollen Sie denn eigentlich einen Untersuchungsausschuss? (Zuruf von der AfD: Steht doch drin!) Der Untersuchungsausschuss hätte das Recht, Akten beizuziehen. Der Untersuchungsausschuss hätte das Recht, Akten einzufordern, Zeugen zu vernehmen. Wem dient das eigentlich? (Lachen bei der AfD) Gibt es vielleicht irgendjemanden, der bei Youtube wieder Werbung schalten will, um diese Akten zu kaufen? Ist das vielleicht der wahre Grund? (Beifall bei der SPD) Wem dienen Sie eigentlich? Sie sprechen davon, Deutschland zu dienen. Sie dienen nicht Deutschland. Kein Abgeordneter von Ihnen, keine Rede von Ihnen und keine Drucksache von Ihnen dient deutschen Interessen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit. Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD): Sie dienen denjenigen, die den demokratischen Rechtsstaat abschaffen wollen. Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Das gilt auch für Sie. Herzlichen Dank. Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD): Denen dienen Sie, und das sei allen hier auch gesagt. Danke, Frau Präsidentin. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Danke. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Michael Kellner das Wort. Bitte sehr. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Nord-Stream-Pipelines waren sicherlich einer der schwersten Fehler deutscher Außenpolitik seit der Wiedervereinigung. Angela Merkel hat das Projekt vorangetrieben, obwohl sie in den Akten davor gewarnt wurde. Olaf Scholz hat als Vizekanzler Nord Stream noch verteidigt. Es war Robert Habeck, der dann Nord Stream gestoppt hat. Viel zu spät kam der Stopp dieses Pipelineprojektes. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich bin Friedrich Merz übrigens ausdrücklich dankbar, dass er sich sehr klar und deutlich von Nord Stream distanziert hat. Das war ein ganz wichtiges Signal des Kanzlers. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der SPD und des Abg. Dr. Norbert Röttgen [CDU/CSU]) Wir sehen aber auch nach wie vor: Nord Stream weckt Fantasien. Wir sehen nicht nur, dass Matthias Platzeck, der ehemalige Parteivorsitzende der SPD, durch die Welt reist, begleitet von Roland Pofalla, dem Ex-Kanzleramtschef, und sich immer wieder mit Vertretern der russischen fossilen Industrie trifft. Wir sehen auch Michael Kretschmer, den stellvertretenden Vorsitzenden der CDU. Wenn Michael Kretschmer „Nord Stream“ hört, wenn er „fossiles Gas“ hört, fängt er vor Begeisterung an, zu dampfen wie ein Räuchermännchen aus dem Erzgebirge. Er will Nord Stream reaktivieren und wieder russisches Gas beziehen. Ich halte das für einen fatalen schweren Fehler. Hier muss der Kanzler ein Machtwort in seiner eigenen Partei Richtung ostdeutsche Ministerpräsidenten sprechen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wir sollten vorsichtig sein. Wir haben bei den Gesprächen zwischen Trump und Putin in Alaska gesehen, welche Fantasien über diese Pipeline geweckt werden, wer sie übernehmen könnte. Wir haben hier eine Lücke im deutschen Investitionsrecht. Der Betreiber der Nord-Stream-Pipelines ist eine Schweizer Firma. Sie besitzt zwar in deutschen Hoheitsgewässern kritische Infrastruktur, aber wenn die Firma verkauft wird, hat Deutschland keine Möglichkeit der Investitionsprüfung. Deswegen haben wir als Fraktion einen Antrag vorgelegt, der diese Lücke schließt. Es geht hier nicht um Parteipolitik. Es geht hier um die Sicherheit unseres Landes bei kritischer Infrastruktur. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Deswegen fordere ich die Kollegen von Union und SPD auf, mit uns diese Lücke bei der kritischen Infrastruktur zu schließen. Das wäre ein wichtiger Punkt; denn kritische Infrastruktur gehört nicht in außereuropäische Hände. Das ist die bittere Lehre aus dem ganzen Nord-Stream-Debakel. Deswegen war es auch so falsch, dass die Tanklager an einen amerikanischen Milliardär verkauft wurden, der Trump nahesteht. Das betrifft 20 Prozent der Öl-Lagerkapazitäten in Deutschland. Deswegen ist es falsch, dass die Rohölraffinerie einem Milliardär verkauft werden soll, der Deutschland vor internationalen Schiedsgerichten verklagt. Hier muss die Bundesregierung besser aufpassen und unsere kritische Infrastruktur schützen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Es war ja nicht der Steuerzahler, der für die Pipelines bezahlt hat, wie die AfD vorhin fälschlicherweise behauptet hat. Die Steuerzahler, die Menschen in diesem Land haben für diese einseitige, hohe Abhängigkeit von russischem Gas bezahlt und die Erpressbarkeit, die dadurch entstanden ist, und die Preise, (Georg Schroeter [AfD]: Und jetzt von Norwegen!) die nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine durch die Decke gegangen sind. Für diese einseitige Abhängigkeit haben unser Land, unsere Wirtschaft bezahlt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich will ausdrücklich davor warnen, diese Fehler zu wiederholen. In 2025 kamen europaweit 50 Prozent der LNG-Gaslieferungen aus den USA. In 2026 werden diese Zahlen vermutlich weiter steigen. In 2025 kamen über 90 Prozent der LNG-Lieferungen an deutschen Terminals aus den USA. Die Zahlen lassen sich gar nicht weiter steigern. Ich warne davor, sich wieder in so eine einseitige Abhängigkeit zu begeben. Deswegen ist es nicht nur wichtig, Gaslieferungen zu diversifizieren, sondern ganz aus dem Gas auszusteigen. Die schöne Pointe von Nord Stream ist, dass eine der Röhren der Landpipeline von Nord Stream, die von Lubmin durch ganz Ostdeutschland geht, auf Wasserstoff umgestellt ist. (Lachen des Abg. Georg Schroeter [AfD]) Die nutzen wir heute für die grüne Transformation. Das ist, finde ich, doch eine positive Botschaft. Herzlichen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Vizepräsidentin Andrea Lindholz: Der nächste Redner in dieser Debatte ist Thomas Silberhorn für die Unionsfraktion. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Thomas Silberhorn (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines ist ein ernstes Thema. Es geht um unsere Energieversorgung. Es geht um Sicherheit für uns und für unsere Nachbarn. Und es geht um die Frage, wie wir mit Sabotageakten gegen unsere kritische Infrastruktur umgehen. Aber ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ist nun einmal nicht das geeignete Mittel, um die Anschläge aufzuklären. Das ist Sache des Generalbundesanwalts, der dazu umfangreiche Ermittlungen führt. Wir können diese Arbeit nicht ersetzen, indem wir Zeugen oder Sachverständige vor einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zitieren. Nein, meine Damen und Herren, der Generalbundesanwalt muss seine Ermittlungen zum Abschluss führen. Er muss Anklage erheben, und dann werden Strafverfahren folgen. Das ist der richtige Weg, mit Anschlägen umzugehen. Straftaten werden in unserem Rechtsstaat mit Mitteln des Strafrechts verfolgt. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Der AfD geht es mit ihrem Antrag freilich nicht in erster Linie um Aufklärung. Sie mutmaßt sogar, dass die Bundesregierung schon vor dem Anschlag über konkrete Sabotagepläne unterrichtet worden sein könnte. (Georg Schroeter [AfD]: Das wollen wir ja genau wissen!) Mit solchen Fragen hat sich das Parlamentarische Kontrollgremium bereits mehrfach befasst (Stephan Brandner [AfD]: Da sind wir ja leider nicht vertreten!) und kann das jederzeit wieder tun. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Da sind wir ja nicht drin!) Der Bundestag kommt also seiner Verantwortung nach. Dafür brauchen wir nicht auch noch einen Untersuchungsausschuss. Im Übrigen will ich darauf hinweisen, dass es die deutschen Behörden waren, die alle sieben Mitglieder des Sabotagekommandos identifiziert haben. (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ja! Richtig!) Ein Mitglied ist in der Ukraine im Gefecht gefallen. (Tino Chrupalla [AfD]: Und dann?) Gegen die sechs anderen bestehen europäische Haftbefehle, (Dr. Alice Weidel [AfD]: Ohne politische Unterstützung! Die Italiener unterstützen! Die anderen nicht!) die der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof angeordnet hat. Der mutmaßliche Leiter der Operation sitzt mittlerweile in Deutschland in Untersuchungshaft. Das zeigt: Es gibt keinerlei Grundlage für Verdächtigungen auf Vertuschung. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden arbeiten mit hohem Nachdruck, mit großer Beharrlichkeit, auch nachdem dänische und schwedische Behörden ihre Ermittlungen bereits eingestellt haben. Und sie arbeiten mit sichtbarem Erfolg. Deshalb sage ich sehr deutlich: Hier ist kein Platz für Gerüchte oder für politische Inszenierung. Unsere Behörden und unsere Justiz kommen ihrer Aufgabe nach, und dafür haben sie unser Vertrauen verdient. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Der AfD geht es mit ihrem Antrag offenbar um die politische Diskreditierung der Ukraine, nachdem die Akteure ukrainische Staatsangehörige waren. Wir werden der Frage nach der Verantwortung der Ukraine nicht ausweichen. Aber diese Frage wird sich erst nach Abschluss der Strafverfahren stellen, und sie muss natürlich im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine betrachtet werden. Heute ist doch wir

Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.

Relationen