Technische und digitale Fähigkeiten der Bundespolizei zur Überwachung und Sicherung der deutschen Grenzen
Text
Technische und digitale Fähigkeiten der Bundespolizei zur Überwachung und Sicherung der deutschen Grenzen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8694
21. Wahlperiode 19.10.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sascha Lensing, Dr. Gottfried Curio, Dr. Christian Wirth,
Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Steffen
Janich, Markus Matzerath, Arne Raue, Marcus Bühl und der Fraktion der AfD
Technische und digitale Fähigkeiten der Bundespolizei zur Überwachung und
Sicherung der deutschen Grenzen
Die Bundespolizei ist im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben für den
grenzpolizeilichen Schutz des Bundesgebietes zuständig. Moderne technische
Systeme können nach Auffassung der Fragesteller dazu beitragen, Einsatzkräfte
zielgerichteter einzusetzen, unerlaubte Grenzübertritte und grenzüberschreitende
Kriminalität frühzeitig zu erkennen und grenzpolizeiliche Lagebilder schneller
zu erstellen.
Hierzu kommen insbesondere Wärmebild- und Infrarottechnik, stationäre und
mobile Kamerasysteme, weitere Detektionssensorik, unbemannte
Luftfahrtsysteme (Unmanned Aircraft Systems – UAS), automatische
Kennzeichenerfassung sowie automatisierte Verfahren zur Datenanalyse in Betracht.
Die Fraktion der AfD hat mit ihrem Antrag „Deutschlands Grenzen wirksam
sichern – KI-Grenzschutz jetzt einführen“ auf Bundestagsdrucksache 21/6822
ein technologiebasiertes Grenzschutzkonzept vorgeschlagen. Dieses sieht unter
anderem Wärmebild- und Infrarotsensorik, Bewegungs- und Bodensensoren,
Drohnen, KI-gestützte Videosysteme sowie die Weiterentwicklung bestehender
Strukturen zu einem KI-gestützten Grenzlage- und Analysezentrum vor. Der
Deutsche Bundestag hat den Antrag am 25. September 2026 in erster Lesung
beraten und zur weiteren Beratung an die Ausschüsse überwiesen; federführend
ist der Innenausschuss. (https://dserver.bundestag.de/btd/21/068/2106822.pdf)
Die Bundespolizei setzt bereits unterschiedliche technische Systeme ein. Nach
Angaben der Bundesregierung setzt die Bundespolizei seit 2025 im Rahmen
einer Pilotierung Unmanned Aircraft Systems (UAS) zur Unterstützung der
allgemeinen Aufgabenwahrnehmung – einschließlich grenzpolizeilicher
Aufgaben – als ergänzendes Führungs- und Einsatzmittel ein. Im Jahr 2026 wurden
nach Angaben der Bundesregierung darüber hinaus keine weiteren
Aufklärungsdrohnen speziell für den Grenzschutz beschafft. Über den künftigen
Einsatz von UAS soll auf Grundlage der Ergebnisse der Pilotierung entschieden
werden. (https://dserver.bundestag.de/btd/21/051/2105159.pdf; S. 9; Antworten
auf die Fragen 12 und 13)
§ 27 des Bundespolizeigesetzes (BPolG) ermöglicht der Bundespolizei den
Einsatz selbsttätiger Bildaufnahme- und Bildaufzeichnungsgeräte, um
unerlaubte Grenzübertritte oder Gefahren für die Sicherheit an der Grenze zu
erkennen. (www.gesetze-im-internet.de/bgsg_1994/__27.html)
§ 27b BPolG ermöglicht der Bundespolizei zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach
§ 2 Absatz 2 BPolG unter den dort genannten Voraussetzungen im öffentlichen
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Verkehrsraum eine vorübergehende und nicht flächendeckende automatische
Erhebung von Fahrzeugkennzeichen. Die erhobenen Daten können mit dem
Fahndungsbestand nach § 34 Absatz 1 Satz 2 BPolG automatisiert abgeglichen
werden. Liegt kein Treffer vor, sind die Daten nach § 27b Absatz 4 BPolG
sofort und spurenlos zu löschen. (www.gesetze-im-internet.de/bgsg_1994/__27
b.html)
Vor diesem Hintergrund besteht nach Auffassung der Fragesteller ein
parlamentarisches Interesse an einem umfassenden Überblick über den gegenwärtigen
technischen Ausstattungsstand der Bundespolizei im Grenzraum, die
Ergebnisse bisheriger Pilotprojekte, bestehende technische und operative
Fähigkeitslücken sowie geplante Beschaffungs- und Modernisierungsvorhaben. Die
gewonnenen Erkenntnisse können zugleich dazu beitragen, Möglichkeiten und
Grenzen eines technisch unterstützten und digital vernetzten Grenzschutzes auf einer
belastbaren Tatsachengrundlage zu bewerten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche technischen Systeme setzt die Bundespolizei derzeit zur
Überwachung, Aufklärung und Lageerfassung im deutschen Grenzraum ein (bitte
nach Systemart, Einsatzzweck und Bundespolizeidirektion aufschlüsseln)?
2. Über wie viele einsatzbereite Systeme beziehungsweise Geräte verfügt die
Bundespolizei derzeit in den Bereichen
a) Wärmebildtechnik,
b) Infrarottechnik,
c) stationäre Kamerasysteme,
d) mobile Kamerasysteme,
e) Boden- und Bewegungssensorik,
f) Radar- oder vergleichbare Detektionstechnik und
g) sonstige technische Systeme zur Detektion von Personen oder
Fahrzeugen im Grenzraum
(bitte jeweils nach Bundespolizeidirektion aufschlüsseln)?
3. Nach welchen fachlichen Kriterien entscheidet die Bundespolizei über den
Einsatz solcher Systeme an bestimmten Grenzabschnitten?
4. Welche Pilotprojekte beziehungsweise Erprobungen technisch
unterstützter Grenzüberwachung hat die Bundespolizei seit dem 1. Januar 2020
begonnen oder abgeschlossen (bitte nach Projekt, Technologie, Zeitraum,
Ort beziehungsweise Bundespolizeidirektion, Kosten und Ergebnis
aufschlüsseln)?
5. Welche der in Frage 4 genannten Technologien wurden
a) in den Regelbetrieb übernommen,
b) nach Abschluss der Erprobung nicht weiterverfolgt oder
c) bislang nicht abschließend bewertet?
6. Aus welchen jeweils maßgeblichen technischen, operativen, rechtlichen
oder wirtschaftlichen Gründen wurden erprobte Systeme nicht in den
Regelbetrieb übernommen?
7. Welchen konkreten Stand hat die seit 2025 durchgeführte UAS-
Pilotierung der Bundespolizei, und wann soll die abschließende
Evaluierung vorliegen?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
8. Wie viele UAS stehen der Bundespolizei derzeit zur Verfügung (bitte nach
System beziehungsweise Größenklasse und Bundespolizeidirektion
aufschlüsseln)?
9. Wie viele
a) Einsätze,
b) Einsatzstunden und
c) Flugstunden
wurden im Rahmen der Pilotierung bislang für grenzpolizeiliche
Aufgaben durchgeführt?
10. In wie vielen Fällen führten Erkenntnisse aus UAS-Einsätzen zu
a) Personenkontrollen,
b) Feststellungen unerlaubter Grenzübertritte,
c) Feststellungen von Schleusungsdelikten,
d) Festnahmen oder
e) sonstigen polizeilichen Maßnahmen?
11. Nach welchen konkreten Kriterien wird die Bundespolizei den Erfolg
beziehungsweise Misserfolg der UAS-Pilotierung bewerten?
12. Seit wann wird von der Befugnis nach § 27b des Bundespolizeigesetzes
Gebrauch gemacht, und wie häufig wurde sie bislang angewandt?
13. Wie verteilen sich die in Frage 12 genannten Anwendungen auf
Maßnahmen
a) zur Abwehr einer gegenwärtigen Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit
einer Person nach § 27b Absatz 1 Nummer 1 BPolG,
b) aufgrund tatsächlicher Anhaltspunkte für Straftaten von erheblicher
Bedeutung gegen die Sicherheit der Grenze nach § 27b Absatz 1
Nummer 2 BPolG und
c) im Zusammenhang mit ausgeschriebenen Personen oder Fahrzeugen
nach § 27b Absatz 1 Nummer 3 BPolG?
14. Wie viele Treffer wurden bei diesen Einsätzen erzielt, und in wie vielen
Fällen
a) Identitätsfeststellungen,
b) Festnahmen,
c) Sicherstellungen,
d) Feststellungen im Zusammenhang mit Schleusungskriminalität oder
e) sonstigen polizeilichen Maßnahmen?
15. Über wie viele für Maßnahmen nach § 27b des Bundespolizeigesetzes
geeignete mobile beziehungsweise stationäre technische Systeme verfügt die
Bundespolizei derzeit?
16. Welche technischen, operativen oder rechtlichen Grenzen hat die
Bundespolizei bei der bisherigen praktischen Anwendung des § 27b des
Bundespolizeigesetzes festgestellt?
17. Welche automatisierten Verfahren zur Analyse grenzpolizeilich relevanter
Daten setzt die Bundespolizei derzeit ein oder erprobt sie, und welche
davon stuft die Bundesregierung als Systeme der Künstlichen Intelligenz
ein?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
18. Welche konkreten grenzpolizeilichen Aufgaben werden mit diesen
Verfahren unterstützt (vgl. Vorfrage)?
19. Können gegenwärtig Daten beziehungsweise Hinweise aus
unterschiedlichen Quellen, insbesondere Kamerasystemen, UAS, automatischer
Kennzeichenerfassung, Fahndungsbeständen und mobilen Einsatzkräften,
technisch in einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt werden, und
wenn ja, welche Systeme und Datenquellen sind hierfür miteinander
verbunden?
20. Erfolgt diese Zusammenführung beziehungsweise Bereitstellung
a) in Echtzeit?
b) annähernd in Echtzeit?
c) zeitversetzt?
21. Welche technischen oder rechtlichen Hindernisse verhindern derzeit eine
weitergehende Zusammenführung und automatisierte Auswertung
grenzpolizeilich relevanter Daten?
22. Welche bestehenden Lage- und Führungszentren der Bundespolizei
übernehmen Aufgaben zur Erstellung grenzpolizeilicher Lagebilder?
23. Welche grenzpolizeilich relevanten Daten können dort automatisiert
beziehungsweise digital zusammengeführt werden?
24. Welche technischen Schnittstellen bestehen hierbei zu
a) dem Bundeskriminalamt?
b) dem Zoll
c) den Polizeien der Länder?
d) den Polizeibehörden der deutschen Nachbarstaaten?
e) der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex)?
25. Welche technischen Fähigkeitslücken hat die Bundespolizei seit dem
1. Januar 2023 bei der Überwachung und Sicherung der deutschen
Grenzen identifiziert?
26. Bei welchen dieser Fähigkeitslücken (vgl. Vorfrage) sieht die
Bundesregierung derzeit vorrangigen Beschaffungs-, Entwicklungs- oder
gesetzlichen Handlungsbedarf?
27. Welche technischen Systeme beziehungsweise Fähigkeiten wurden von
der Bundespolizei für die Haushaltsjahre 2027 bis 2030 als zusätzlicher
Bedarf angemeldet?
28. Welche Haushaltsmittel wurden seit 2020 jährlich für Beschaffung,
Erprobung und Betrieb technischer Systeme zur grenzpolizeilichen
Überwachung und Lageerfassung aufgewendet (bitte nach Haushaltsjahr und
wesentlichen Systemgruppen aufschlüsseln)?
29. Welche Beschaffungs- und Modernisierungsvorhaben mit einem
jeweiligen Finanzvolumen von mehr als einer Million Euro sind nach Kenntnis
der Bundesregierung für die Jahre 2027 bis 2030 im Bereich des technisch
unterstützten Grenzschutzes vorgesehen beziehungsweise von der
Bundespolizei angemeldet?
30. Anhand welcher quantitativen und qualitativen Kriterien bewertet die
Bundesregierung die Wirksamkeit neuer Grenzschutztechnik,
insbesondere hinsichtlich
a) Detektionswahrscheinlichkeit?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
b) Fehlalarmquote?
c) Reaktionszeit?
d) Zahl hierdurch veranlasster erfolgreicher Kontrollen?
e) Aufgriffen?
f) Personalaufwand?
31. Welche Erkenntnisse hat die Bundespolizei seit 2020 im Rahmen des
Erfahrungsaustausches mit Frontex oder den Grenzbehörden anderer
europäischer Staaten über den operativen Einsatz von
a) UAS,
b) Wärmebild- und Infrarottechnik,
c) weiterer Sensorik,
d) automatisierter Kennzeichenerfassung und
e) automatisierter Datenanalyse beziehungsweise Künstlicher Intelligenz
gewonnen?
32. Welche dort eingesetzten Technologien oder Verfahren (vgl. Vorfrage)
wurden von der Bundesregierung beziehungsweise der Bundespolizei
daraufhin geprüft, ob sie auf den Schutz deutscher Grenzen übertragbar
sind?
33. Welche dieser Technologien oder Verfahren wurden anschließend
a) erprobt,
b) beschafft,
c) für eine künftige Erprobung vorgesehen oder
d) verworfen,
und aus welchen Gründen?
Berlin, den 13. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
Relationen
- asked ← Arne Raue (Kleine Anfrage)
- asked ← Bernd Baumann (Kleine Anfrage)
- asked ← Christian Wirth (Kleine Anfrage)
- asked ← Christopher Drößler (Kleine Anfrage)
- asked ← Gottfried Curio (Kleine Anfrage)
- asked ← Jochen Haug (Kleine Anfrage)
- asked ← Marcus Bühl (Kleine Anfrage)
- asked ← Markus Matzerath (Kleine Anfrage)
- asked ← Martin Hess (Kleine Anfrage)
- asked ← Sascha Lensing (Kleine Anfrage)
- asked ← Steffen Janich (Kleine Anfrage)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Gottfried Curio
- authored ← Sascha Lensing
- part_of_vorgang → Technische und digitale Fähigkeiten der Bundespolizei zur Überwachung und Sicherung der deutschen Grenzen (Kleine Anfrage)