Protokoll der 50. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 50. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 21/50
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
50. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 18. Dezember 2025
Inhalt:
Erweiterung und Abwicklung der Tagesordnung
Wahl der Abgeordneten Kathrin Michel als Schriftführerin
Wahl der Abgeordneten Vivian Tauschwitz in den Stiftungsrat der Deutschen Härtefallstiftung
Tagesordnungspunkt 7:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes
Drucksache 21/3051
Zusatzpunkt 9:
Antrag der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Katrin Fey, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Bundespolizei rechtsstaatlich modernisieren – Menschenrechte in Vollzugspraxis und Ausbildung stärken
Drucksache 21/3306
Alexander Dobrindt, Bundesminister BMI
Markus Matzerath (AfD)
Dirk Wiese (SPD)
Markus Matzerath (AfD)
Sonja Eichwede (SPD)
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger (Die Linke)
Josef Oster (CDU/CSU)
Christopher Drößler (AfD)
Sebastian Fiedler (SPD)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jan Köstering (Die Linke)
Florian Oest (CDU/CSU)
Steffen Janich (AfD)
Rasha Nasr (SPD)
Steffen Janich (AfD)
Ingo Vogel (SPD)
Tagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Stephan Brandner, Knuth Meyer-Soltau, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Einsetzung des … Untersuchungsausschusses der 21. Wahlperiode („NGOs“)
Drucksache 21/3301
Tobias Matthias Peterka (AfD)
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Felix Döring (SPD)
Clara Bünger (Die Linke)
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU)
Dr. Martin Plum (CDU/CSU)
Stephan Brandner (AfD)
Dr. Martin Plum (CDU/CSU)
Dirk Wiese (SPD)
Maja Wallstein (SPD)
Stephan Brandner (AfD)
Maja Wallstein (SPD)
Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Carsten Müller (Braunschweig) (CDU/CSU)
Tobias Matthias Peterka (AfD)
Sebastian Maack (AfD)
Felix Döring (SPD)
Dr. Reinhard Brandl (CDU/CSU)
Helge Lindh (SPD)
Sven Wendorf (AfD)
Dr. Inge Gräßle (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 9:
Vereinbarte Debatte: 35. Jahrestag der Konstituierung des ersten gesamtdeutschen Bundestages
Präsidentin Julia Klöckner
Dr. Ottilie Klein (CDU/CSU)
Nicole Hess (AfD)
Elisabeth Kaiser, Staatsministerin BMF
Michael Kellner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Gregor Gysi (Die Linke)
Sepp Müller (CDU/CSU)
Ronald Gläser (AfD)
Dr. Franziska Kersten (SPD)
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU)
Stefan Möller (AfD)
Nancy Faeser (SPD)
Pascal Reddig (CDU/CSU)
Lars Rohwer (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 10:
a) Antrag der Abgeordneten Schahina Gambir, Misbah Khan, Dr. Konstantin von Notz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Mit einem Demokratiefördergesetz Demokratie stärken und Zivilgesellschaft schützen
Drucksache 21/791
b) Beschlussempfehlung und Bericht des Innenausschusses zu dem Antrag der Abgeordneten Marcel Emmerich, Helge Limburg, Dr. Irene Mihalic, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Demokratie schützen – Rechtsextremisten konsequent entwaffnen und rechtsextremistische Netzwerke im Staatsdienst verhindern
Drucksachen 21/584, 21/1656
Schahina Gambir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Sven Lehmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Birgit Bessin (AfD)
Felix Döring (SPD)
Mandy Eißing (Die Linke)
Oliver Pöpsel (CDU/CSU)
Sebastian Maack (AfD)
Maja Wallstein (SPD)
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Birgit Bessin (AfD)
Jan Köstering (Die Linke)
Marc Henrichmann (CDU/CSU)
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Anna Rathert (AfD)
Helge Lindh (SPD)
Birgit Bessin (AfD)
Heiko Hain (CDU/CSU)
Martin Reichardt (AfD)
Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Maja Wallstein (SPD)
Dr. Ralf Stegner (SPD)
Martin Reichardt (AfD)
Zusatzpunkt 11:
Einspruch gegen eine Ordnungsmaßnahme gemäß § 39 der Geschäftsordnung
Tagesordnungspunkt 36:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/2748 zu Notfallverfahren aufgrund eines Binnenmarkt-Notfalls bei Gasgeräten und PSA
Drucksache 21/3204
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Registerzensuserprobungsgesetzes
Drucksache 21/3055
c) Antrag der Abgeordneten Andreas Bleck, Stephan Protschka, Marcel Queckemeyer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Das Wolfsproblem ernst nehmen – Aktives Management jetzt umsetzen
Drucksache 21/3314
d) Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Ja zum Freihandel – Mehr Schutz für die deutsche Landwirtschaft – Nein zum Landwirtschaftsteil des Mercosur-Abkommens
Drucksache 21/3315
e) Erste Beratung des von den Abgeordneten Sascha Müller, Katharina Beck, Dr. Moritz Heuberger, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Übertragung von Mitteln des Restrukturierungsfonds auf den Finanzmarktstabilisierungsfonds (Restrukturierungsfonds-Übertragungsgesetz – RStruktFÜG)
Drucksache 21/3297
f) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 9. Dezember 2022 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Österreich über die Zusammenarbeit gegen nichtmilitärische Bedrohungen aus der Luft
Drucksache 21/2963
g) Antrag der Abgeordneten Ruben Rupp, Robin Jünger, Alexander Arpaschi, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Erweiterung der Zuständigkeiten des neuen Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung
Drucksache 21/3316
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 2:
Unterrichtung durch die Bundesregierung: Baukulturbericht 2024/25 der Bundesstiftung Baukultur: mit Stellungnahme der Bundesregierung
Drucksache 20/11650
Tagesordnungspunkt 37:
a) Antrag des Bundesministeriums der Finanzen: Vorzeitige Teilrückzahlung Portugals von Krediten des Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus – Antrag auf Einholung eines zustimmenden Beschlusses des Deutschen Bundestages nach § 3 Absatz 2 Nummer 2 des Stabilisierungsmechanismusgesetzes
Drucksache 21/3143
b)–l) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 117, 118, 119, 120, 121, 122, 123, 124, 125, 126 und 127 zu Petitionen
Drucksachen 21/3087, 21/3088, 21/3089, 21/3090, 21/3091, 21/3092, 21/3093, 21/3094, 21/3095, 21/3096, 21/3097
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 10:
a)–o) Beratung der Beschlussempfehlungen des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 128, 129, 130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 140, 141 und 142 zu Petitionen
Drucksachen 21/3328, 21/3329, 21/3330, 21/3331, 21/3332, 21/3333, 21/3334, 21/3335, 21/3336, 21/3337, 21/3338, 21/3339, 21/3340, 21/3341, 21/3342
Simone Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tagesordnungspunkt 11:
Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD, der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Fraktion Die Linke: Wahl von Mitgliedern für die Gemeinsame Kommission von Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der „Colonia Dignidad“
Drucksachen 21/3261, 21/3262, 21/3263
Zusatzpunkt 3:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Zu den Ergebnissen des Berliner Ukrainegipfels
Florian Hahn, Staatsminister AA
Markus Frohnmaier (AfD)
Reem Alabali Radovan, Bundesministerin BMZ
Markus Frohnmaier (AfD)
Reem Alabali Radovan, Bundesministerin BMZ
Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lea Reisner (Die Linke)
Dr. Janosch Dahmen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lea Reisner (Die Linke)
Jürgen Hardt (CDU/CSU)
Steffen Kotré (AfD)
Hubertus Heil (Peine) (SPD)
Robin Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Knut Abraham (CDU/CSU)
Dr. Daniel Zerbin (AfD)
Johannes Schraps (SPD)
Tobias Winkler (CDU/CSU)
Dr. David Preisendanz (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 12:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes
Drucksache 21/3252
Christoph de Vries, Parl. Staatssekretär BMI
Arne Raue (AfD)
Daniel Baldy (SPD)
Arne Raue (AfD)
Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jan Köstering (Die Linke)
Dr. Cornell-Anette Babendererde (CDU/CSU)
Otto Strauß (AfD)
Sebastian Schmidt (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 23:
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Arbeit und Soziales zu dem Antrag der Abgeordneten Ulrike Schielke-Ziesing, René Springer, Peter Bohnhof, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Rentnerarmut in Deutschland – Einführung eines 25-Prozent-Freibetrages in der Grundsicherung
Drucksachen 21/2718, 21/3354
Angelika Glöckner (SPD)
Ulrike Schielke-Ziesing (AfD)
Dr. Stefan Nacke (CDU/CSU)
Timon Dzienus (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sarah Vollath (Die Linke)
Daniela Rump (SPD)
Thomas Stephan (AfD)
Florian Bilic (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 14:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Angebote der Jugendarbeit im Ganztag während der Schulferien
Drucksache 21/3193
Karin Prien, Bundesministerin BMBFSFJ
Christian Zaum (AfD)
Jasmina Hostert (SPD)
Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Heidi Reichinnek (Die Linke)
Dr. Anja Weisgerber (CDU/CSU)
Corinna Rüffer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Martin Rabanus (SPD)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 15:
Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu dem Antrag der Abgeordneten Mareike Hermeier, Dr. Fabian Fahl, Luigi Pantisano, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Keine unnötigen Atomtransporte mit hoch radioaktivem Abfall aus Jülich ins Zwischenlager Ahaus
Drucksachen 21/586, 21/1629
Jakob Blankenburg (SPD)
Dr. Paul Schmidt (AfD)
Anna Aeikens (CDU/CSU)
Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Fabian Fahl (Die Linke)
Mareike Hermeier (Die Linke)
Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin BMUKN
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Hans Koller (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 16:
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Produktsicherheitsgesetzes und weiterer produktsicherheitsrechtlicher Vorschriften
Drucksachen 21/2511, 21/2954, 21/3325
Jan Dieren (SPD)
René Springer (AfD)
Lars Ehm (CDU/CSU)
Corinna Rüffer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Cem Ince (Die Linke)
Angelika Glöckner (SPD)
Dr. Hülya Düber (CDU/CSU)
Kai Whittaker (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 17:
Antrag der Abgeordneten Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Beitritt Deutschlands zur europäischen Nuklearallianz
Drucksache 21/3302
Dr. Rainer Kraft (AfD)
Dr. Andreas Lenz (CDU/CSU)
Dr. Alaa Alhamwi (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Helmut Kleebank (SPD)
Dr. Malte Kaufmann (AfD)
Helmut Kleebank (SPD)
Mareike Hermeier (Die Linke)
Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU)
Dr. Paul Schmidt (AfD)
Dunja Kreiser (SPD)
Tagesordnungspunkt 18:
Beratung der Zweiten Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025
Drucksache 21/3100
Carsten Müller (Braunschweig) (CDU/CSU)
Fabian Jacobi (AfD)
Dr. Johannes Fechner (SPD)
Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sören Pellmann (Die Linke)
Thomas Silberhorn (CDU/CSU)
Rainer Galla (AfD)
Esther Dilcher (SPD)
Namentliche Abstimmung
Ergebnis
Tagesordnungspunkt 19:
Antrag der Abgeordneten Dr. Paula Piechotta, Dr. Janosch Dahmen, Simone Fischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Kosten für hochpreisige Arzneimittel bezahlbar halten – Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren
Drucksache 21/3303
Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Stephan Pilsinger (CDU/CSU)
Nicole Hess (AfD)
Matthias David Mieves (SPD)
Ates Gürpinar (Die Linke)
Dr. Maria-Lena Weiss (CDU/CSU)
Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Stephan Pilsinger (CDU/CSU)
Dr. Christoph Birghan (AfD)
Dr. Thomas Pauls (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 20:
Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Zweiten Gesetzes zur Änderung des Europol-Gesetzes
Drucksachen 21/2373, 21/3121
Christoph de Vries, Parl. Staatssekretär BMI
Sascha Lensing (AfD)
Sebastian Fiedler (SPD)
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Katrin Fey (Die Linke)
Thomas Silberhorn (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 21:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Gereon Bollmann, Manfred Schiller und der Fraktion der AfD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Bürgerbeteiligung durch die Behandlung von Petitionen durch den Deutschen Bundestag (PetG)
Drucksache 21/3294
Gereon Bollmann (AfD)
Johannes Wiegelmann (CDU/CSU)
Corinna Rüffer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 50. Sitzung wird am 23. Dezember 2025 veröffentlicht.
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, guten Morgen! Ich eröffne die Sitzung und darf darauf hinweisen: Es ist unsere 50. Sitzung, und eine trennt uns noch von Weihnachten.
Aufruf vor Eintritt in die Tagesordnung: Ich darf darauf hinweisen, dass interfraktionell vereinbart worden ist, den Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 21/3306 in verbundener Beratung mit Tagesordnungspunkt 7 aufzusetzen. Außerdem sollen die gestern im Petitionsausschuss abgeschlossenen Sammelübersichten zu Petitionen auf den Drucksachen 21/3328 bis 21/3342 als weiterer Zusatzpunkt ohne Debatte auf die Tagesordnung genommen werden. – Widerspruch sehe ich keinen; dann verfahren wir so.
Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, haben wir noch zwei Wahlen durchzuführen: Als Schriftführerin soll auf Vorschlag der Fraktion der SPD die Abgeordnete Kathrin Michel als Nachfolgerin für den Abgeordneten Dr. Christos Pantazis gewählt werden. Ich frage: Gibt es irgendeinen Einwand? – Das sehe ich nicht. Dann nehme ich Ihr Einverständnis an. Damit ist die Kollegin gewählt.
In den Stiftungsrat der Deutschen Härtefallstiftung soll auf Vorschlag der Fraktion der CDU/CSU die Abgeordnete Vivian Tauschwitz als Nachfolgerin für die Abgeordnete Kerstin Vieregge für die Zeit ab Januar 2026 gewählt werden. – Ich sehe, auch hier bewegt sich nichts, also allgemeine Zustimmung, kein Widerspruch. Damit ist die Kollegin gewählt.
Beiden wünsche ich gutes Verrichten.
Der Abgeordnete Stephan Brandner hat fristgerecht Einspruch gegen den ihm in der 49. Sitzung erteilten Ordnungsruf eingelegt. Dem Einspruch wurde nicht abgeholfen. Der Einspruch wird als Unterrichtung verteilt.
Gemäß § 39 der Geschäftsordnung ist der Einspruch auf die heutige Tagesordnung zu setzen.
Der Bundestag hat über den Einspruch ohne Aussprache zu entscheiden. Die Entscheidung über den Einspruch wird als Zusatzpunkt 11 nach dem Tagesordnungspunkt 10 – das ist nach jetzigem Stand gegen 13:40 Uhr – aufgerufen.
Ich rufe den Tagesordnungspunkt 7 sowie den Zusatzpunkt 9 auf:
7 Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes
Drucksache 21/3051
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Sport und Ehrenamt Haushaltsausschuss mitberatend und gemäß § 96 der GO
ZP 9 Beratung des Antrags der Abgeordneten Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Katrin Fey, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
Bundespolizei rechtsstaatlich modernisieren – Menschenrechte in Vollzugspraxis und Ausbildung stärken
Drucksache 21/3306
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart.
Ich eröffne die Aussprache und darf für die Bundesregierung dem Bundesminister des Innern, Alexander Dobrindt, das Wort erteilen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern:
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Präsident! Nachdem es heute in der Tat der vorletzte Sitzungstag vor der Weihnachtspause ist und damit voraussichtlich auch in diesem Jahr meine letzte Rede hier ist, möchte ich als Allererstes mal ein herzliches Dankeschön sagen, ein Dankeschön an die Koalition, ein Dankeschön an die CDU/CSU-Fraktion und an die SPD-Fraktion dafür, dass wir in den vergangenen Monaten so viele innenpolitische Themen, zum Teil sehr herausfordernde Themen, bearbeitet und bewegt haben. Nicht jedes Thema fällt jedem gleich leicht, nicht in der Unionsfraktion, nicht in der SPD-Fraktion, auch mir persönlich nicht. Aber wir haben in den vergangenen Monaten gemeinsam enorm viel erreicht, sowohl in der Sicherheitspolitik, in der Migrationspolitik als auch im Bevölkerungsschutz.
Deswegen ein Dankeschön an all die Kollegen, die mit dabei waren: an die stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Günter Krings und Sonja Eichwede, an die Sprecher, Kollege Throm, Kollege Fiedler, natürlich an die Haushälter, Herrn Willsch, Herrn Gerster, und an alle Kollegen, die in der Innenpolitik mit tätig sind. Ich weiß sehr zu schätzen, dass wir bei diesen herausfordernden Themen zusammenarbeiten. Und genau darum geht es in der Sicherheitspolitik, meine Damen und Herren: für die Sicherheit in Deutschland zusammenarbeiten. Und das tut diese Koalition. Herzlichen Dank dafür!
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Wir bringen heute die Novelle des Bundespolizeigesetzes in die parlamentarische Beratung. Das ist dringend erforderlich, weil es größtenteils aus dem Jahre 1994 stammt. Meine Damen und Herren, auch damals gab es große Herausforderungen, aber sie sind in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewachsen und haben sich massiv gewandelt. Deswegen kann man nicht mit den Methoden von 1994
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
unsere Polizei von heute ausstatten. 1994 gab es noch keine Cyberattacken, es gab noch keine Drohnengefahr. Deswegen ist diese Reform des Bundespolizeigesetzes dringend notwendig.
Meine Damen und Herren, das klingt alles furchtbar technisch; aber es geht nicht um die Technik allein, es geht an dieser Stelle um 55 000 Bundespolizistinnen und Bundespolizisten, die jeden Tag in Deutschland im Einsatz sind, die engagiert, die motiviert, die einsatzbereit sind, die unser Land schützen, sichern, stabilisieren, die Ordnung aufrechterhalten, das Zusammenleben mitorganisieren. Deswegen möchte ich an dieser Stelle in aller Deutlichkeit sagen: Die Polizistinnen und Polizisten in Deutschland verdienen schlichtweg unser Vertrauen. Aus diesem Grund ändern wir auch das Bundespolizeigesetz: weil wir den Polizistinnen und Polizisten Vertrauen schenken und ihnen die notwendigen Einsatzmittel geben wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
– Es ist interessant, wer an dieser Stelle nicht klatscht.
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir vertrauen nur Ihnen nicht! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hier sitzt meine Polizistin! Ich traue nur nicht immer Dobrindt!)
– Auch interessant, dass man sich bei so einem Satz gleich so aufregen muss.
(Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Man kann auch um Beifall betteln!)
Sie haben in den vergangenen Debatten, wenn es um die Polizei, die Polizistinnen und Polizisten, deren Ausstattung gegangen ist,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wirklich, wirklich! Ich schätze die Polizei sehr! Haben Sie nichts anderes zu sagen?)
deren Ermittlungsmethoden gegangen ist, leider viel zu oft immer den Verdacht gegenüber unseren Polizistinnen und Polizisten in den Mittelpunkt gestellt.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oje! Sprechen Sie mal mit einer Polizistin! Die sagt gleich was dazu!)
Als wir hier darüber gesprochen haben, dass wir den sogenannten Taser für unsere Polizistinnen und Polizisten einführen,
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
da haben Sie vor Polizeigewalt gewarnt,
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken)
da haben Sie von Racial Profiling gesprochen und sonstige Unterstellungen gemacht, haben Kontrollquittungen eingefordert. Das haben Sie bei all diesen Debatten immer gemacht. Deswegen sage ich Ihnen einfach: Uns geht es hier nicht um Polemik,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nee, gar nicht! – Jan Köstering [Die Linke]: Nein, überhaupt nicht!)
um Vorverurteilung, um Verdächtigungen. Was unsere Polizei verdient, ist Rückhalt statt Respektlosigkeit, ist Fairness statt Vorurteil und ist Vertrauen statt Verunsicherung. Das ist der Unterschied zwischen unserer und Ihrer Politik.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Künstlich konstruiert, Herr Dobrindt!)
– Nein, überhaupt nicht.
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sagen Sie mal was zu TOP 7! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Im Gegensatz zu Ihnen ist unsere Rednerin Polizistin!)
Diese Vorwürfe der Polizeigewalt haben Sie hier ständig immer wieder formuliert. Können Sie alles nachlesen. Sie haben es hier so formuliert.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kleine Strohpuppe aufgebaut, um in Fahrt zu kommen! – Zurufe von der Linken)
Ich sage Ihnen, für uns gibt es nur eine einzige Perspektive: Wir stehen auf der Seite der Polizistinnen und Polizisten, nicht auf der Seite der Kriminellen. Wir stehen auf der Seite der Opfer und nicht der Täter. Und wir stehen auf der Seite des Vertrauens zu den Polizisten, nicht des Misstrauens. Das ist der Unterschied zwischen unserer und Ihrer Politik.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Jan Köstering [Die Linke])
Wir stärken die Bundespolizei, indem wir ihr die notwendigen Befugnisse und die notwendigen Mittel an die Hand geben.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kommen Sie doch mal wieder runter! Zur Sache! – Gegenruf Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Er redet die ganze Zeit zur Sache! – Gegenruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Er musste sich nur in Wallung reden, glaube ich! Hatte zu wenig Applaus!)
Wir schaffen umfassende Sicherheitszonen am Bahnhof, damit sich Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin an den Bahnhöfen sicher fühlen können.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Wir sorgen dafür, dass Waffen- und Messerverbotszonen durchgesetzt werden und verdachtsunabhängige Kontrollen durchgeführt werden können. Wir schaffen die Regelungen dafür, dass Haft für vollziehbar ausreisepflichtige Personen im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei umgesetzt werden kann. All das machen wir.
Wir sorgen dafür, dass hochauflösende Videokameras an Bahnhöfen eingesetzt werden.
(Sonja Lemke [Die Linke]: Das ist keine Sicherheit!)
Ich habe mir vor Kurzem ein eigenes Bild verschafft, wie das am Münchner Hauptbahnhof funktioniert. Und ich kann Ihnen sagen: Seitdem wir diese Kameraüberwachungen dort durchführen, hat sich die Anzahl der Ermittlungen von Tatverdächtigen verdreifacht. Deswegen dehnen wir auch die Videoüberwachungen an den Bahnhöfen in Deutschland aus. Das schafft Vertrauen und Sicherheit für unsere Bevölkerung.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und von der Linken)
Wir haben hier jahrelang darüber gesprochen, dass wir die Quellen-TKÜ einführen wollen. Ja, ein zentraler Bestandteil dieses Gesetzes ist jetzt die Telekommunikationsüberwachung – ein präzises und punktgenaues Präventionsinstrument. Lange Zeit ist auch darüber gestritten worden. Aber, meine Damen und Herren, wer in einer modernen Welt Sicherheit will, der darf nicht mit Werkzeugen der Vergangenheit operieren. Deswegen geht es uns auch darum: Geben Sie der Polizei schlichtweg die notwendigen Einsatzmöglichkeiten, die sie braucht, um die Sicherheit zu garantieren! – Wir tun genau das mit diesem neuen Bundespolizeigesetz.
Wir stärken das Vertrauen in den Staat. Wir stärken das Vertrauen in den Staat, wenn es auf die Probe gestellt wird durch Terror, durch Anschlagsgefahr, durch Sabotage, durch Spionage und durch hybride Bedrohungen. Genau diese hybriden Bedrohungen sind der Erosionstreiber des Staatsvertrauens. Dem setzen wir etwas entgegen, nämlich einen Staat, der handelt, wenn es notwendig ist, einen Staat, der Opfer schützt und nicht die Täter und der darauf setzt, dass Sicherheit nicht das Gegenteil von Freiheit ist, –
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Herr Minister.
Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern:
– sondern eine Grundvoraussetzung. Und die schaffen wir.
Danke schön.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die AfD-Fraktion darf ich Markus Matzerath das Wort erteilen.
(Beifall bei der AfD)
Markus Matzerath (AfD):
Herr Präsident! Herr Dobrindt!
(Zuruf von der CDU/CSU: Herr Minister!)
Ich habe gerade wieder gestaunt. Bei Ihrer Fürsorgepflicht unseren Kollegen gegenüber wäre es vielleicht sinnvoll, auch mal den Tarifabschluss von diesem Jahr zu übernehmen, damit die Kollegen ein bisschen mehr Geld in der Tasche haben.
Also: Eine Neufassung des Bundespolizeigesetzes erachten wir grundsätzlich für sinnvoll. Als einzig relevante patriotische Partei setzen wir uns natürlich für zeitgemäße Befugnisse für unsere Grenzschutzpolizei ein.
(Lachen der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Jens Spahn [CDU/CSU]: Für Russland! Patriotisch für Russland! – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Patriotisch ist da gar nichts bei Ihnen! – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Genau! Abwechselnd für Russland, für MAGA! Man weiß es nicht genau!)
Das befürworte ich nicht nur als Bundespolizist, Bürger und Familienvater, sondern als jemand, der selbst von einem zum Teil sehr übergriffigen Staat aufgrund des Einsatzes für mein Land betroffen ist. Die Bundespolizei ist aber neben Bahn-, Luft- und See- vor allem die Polizei des Grenzschutzes und muss daher gut aufgestellt sein.
(Beifall bei der AfD)
Der Gesetzentwurf enthält auch positive Neuerungen. Wenn es etwa um die Abwehr von Drohnen geht, dann ist es richtig, dass dazu jetzt neue Regeln und Befugnisse vorgeschlagen werden. Ein weiteres Beispiel: Dass die Bundespolizei nach § 71 Absatz 3a Aufenthaltsgesetz Haft oder Ausreisegewahrsam beantragen darf, ist richtig und wichtig. Die Voraussetzungen sind aber viel zu streng.
Einige Regelungen sind aber nicht nachvollziehbar. Etwa ist die Abfrage von Verkehrsdaten nicht grundsätzlich zur Verhinderung von strafbaren Schleusungen zulässig, sondern nur bei lebensgefährdenden Schleusungen. Das kann so nicht richtig sein.
(Beifall bei der AfD)
Ob man die Deutschen nicht grundsätzlich vor allen illegal eingeschleusten Personen schützen will oder ob nur wie im Fall des § 36 Absatz 5 geschludert wurde, wo ein Satz in Ihrem Gesetzentwurf doppelt vorkommt, weiß ich nicht. In der von der Bundestagsverwaltung lektorierten Fassung ist der Fehler jedenfalls behoben worden. Danke dafür! Ich würde Ihnen, Herr Dobrindt, daher empfehlen, die Mitarbeiter der Genderabteilung, die auf Steuerzahlerkosten zu komischen Paraden pilgern, abzuziehen und lieber fürs Lektorat abzustellen.
(Beifall bei der AfD)
Lesen wir weiter: In § 23 Absatz 3 – –
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der SPD-Fraktion zulassen?
Markus Matzerath (AfD):
Nein, im Moment nicht. Danke. – Lesen wir weiter: In § 23 Absatz 3 will die Bundesregierung beschließen lassen, dass in sogenannten Waffenverbotszonen anlasslos die Sachen von Personen durchsucht werden dürfen. Man kann das aus freiheitlicher Perspektive kritisieren; aber die meisten Bürger wird es ohnehin nicht betreffen.
Festzuhalten ist aber doch Folgendes: Die selbstgeschaffenen, freiwillig importierten Probleme will die Koalition nun mit hartem Durchgreifen und immer mehr Kontrollen irgendwie in den Griff bekommen.
(Zuruf von der Linken)
Selbst wenn das kurzfristig erforderlich ist: Mittelfristig ist das der falsche Weg. Das wird auch nicht klappen, Herr Dobrindt!
Was ich im Gesetzentwurf nicht finden konnte, ist die Pflicht zur Ausstellung sogenannter Kontrollquittungen. Diese Quittungen sind eigentlich nur für die steuergeldfinanzierten sogenannten NGOs, also die Migrationsindustrie, interessant und daher von Linksextremisten sehnlichst gewünscht.
(Rasha Nasr [SPD]: Gott sei Dank sind Sie nicht Polizist! Gott sei Dank!)
Die Migrationsindustrie ist übrigens die einzige Industrie, die die Altparteien nicht zerstören, sondern aufbauen; aber das nur am Rande.
(Beifall bei der AfD)
Solche sinnlosen Kontrollquittungen kosten übrigens durch die ganze Technik, Bürokratie usw. in Bremen, wo sie eingeführt wurden, rund 6 500 Euro – pro Quittung! Also dass Sie diesen Unsinn wegverhandelt haben, Herr Dobrindt, möchte ich aufrichtig loben. Danke schön!
Schauen wir weiter: § 76. Demnach darf nicht eingestellt werden, wer Zweifel am „jederzeitigen Eintreten für die freiheitliche demokratische Grundordnung“ offenlässt. Dazu soll man dann etwa sein Twitterprofil zur Prüfung vorlegen. Lassen Sie uns das an einem Beispiel konkret machen: Wenn sich nun etwa ein gewisser Herr Felix Banaszak bei Ihnen bewerben würde, Herr Dobrindt, was machen Sie dann? Das Twitterprofil kann ich Ihnen nennen. Da steht etwa, Deutschlands Existenz sei „nicht legitim“. Da bejubelt Herr Banaszak eine Lenin-Büste. Da lässt sich Herr Banaszak mit Hammer und Sichel ablichten, dem Symbol von Stalin, den Säuberungen und dem großen Terror.
(Sonja Lemke [Die Linke]: Sie verwechseln da etwas! – Zuruf der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Könnte so jemand bei Ihrer neuen Sicherheitsprüfung bestehen? Aus unserer Sicht dürfte das nicht sein.
Danke schön.
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Zu einer Kurzintervention darf ich dem Abgeordneten Wiese das Wort erteilen.
Dirk Wiese (SPD):
Sehr geehrter Kollege Matzerath, erst einmal finde ich es sehr schade, dass Sie keine Zwischenfragen von der SPD-Fraktion zulassen.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Machen Sie doch auch nicht!)
Das finde ich sehr bedauerlich. Was ich allerdings begrüße, ist, dass Sie gesagt haben, dass diese Reform des Bundespolizeigesetzes klare Antworten auf die Bedrohungslage insbesondere durch Drohnen findet, wofür wir die gesetzlichen Grundlagen anpassen, und dass die Modernisierung des Bundespolizeigesetzes wichtig ist.
Jetzt möchte ich Ihnen folgende Frage stellen bzw. Sie mit folgendem Sachverhalt konfrontieren: Ihr Parteivorsitzender Chrupalla hat letztens hier im Bundestag – im Protokoll nachzulesen – reingerufen, es gebe keine Bedrohungslage zu Drohnen, es gebe keine Drohnenüberflüge in Deutschland.
(Tino Chrupalla [AfD]: Aus Russland! Russische Drohnen, Herr Wiese!)
Das sei alles Quatsch. Darum würde ich Sie jetzt fragen: Wie schätzen Sie das ein? Wie bewerten Sie das?
Bevor Sie antworten, möchte ich Ihnen noch einen Hinweis geben. Der Letzte, der bei Ihnen in der Fraktion dem vermeintlichen Parteivorsitzenden Björn Höcke widersprochen hat, ist mit einem Ordnungsruf aus Ihrer Fraktion belegt worden.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Redeverbot!)
Das heißt: Meinungsfreiheit findet in der AfD nicht statt.
(Zuruf von der AfD: Welcher Quatsch!)
Es findet Zensur statt. Darum: Bevor Sie antworten, überlegen Sie es sich gut – nicht dass Herr Chrupalla Ihnen noch einen Ordnungsruf erteilt, weil Meinungsfreiheit in der AfD nicht gegeben ist.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der Linken – Martin Hess [AfD]: Dieses Ausmaß an Arroganz und Überheblichkeit spottet jeglicher Beschreibung!)
Markus Matzerath (AfD):
Danke schön. – Schauen Sie mal! Meine Eltern sagten immer: Bevor ich jemanden kritisiere, sollte ich mir an die eigene Nase packen.
(Zurufe von der SPD und der Linken)
Ich habe gestern hier gesessen wegen der Chatkontrollen und mir die Frage gestellt: Was machen Sie eigentlich mit Ihrem Kollegen Edathy, der immer noch Mitglied Ihrer Partei ist? – Ja, Sie zucken nur mit der Schulter. Aber was machen Sie mit dem? Das stelle ich mal in den Raum.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Kinderschänder!)
Also von daher: Immer erst mal in den Spiegel schauen und selber an die Nase packen.
Danke schön.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Das ist doch keine Antwort auf die Frage! – Jens Spahn [CDU/CSU]: Habe ich nicht verstanden, was das damit zu tun hat! – Gegenruf des Abg. Tino Chrupalla [AfD]: Wie wollen Sie denn das beurteilen? Gucken Sie auf Ihren Zettel, und seien Sie einfach leise! Meine Fresse!)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die SPD-Fraktion darf ich Sonja Eichwede das Wort erteilen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Sonja Eichwede (SPD):
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Bundesinnenminister Dobrindt! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die sicherheitspolitischen Herausforderungen unseres Landes haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Kriminalität verlagert sich, neue Bedrohungen sind hinzugetreten. Genau darauf müssen wir gemeinsam, auch in diesem Haus, reagieren, und das tun wir mit der Reform des Bundespolizeigesetzes.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Denn es ist unsere Aufgabe, die rechtlichen Grundlagen für unsere Sicherheitsbehörden zu schaffen bzw. an die veränderte Lage anzupassen und unsere Bevölkerung dadurch wirksam zu schützen.
Die Bundespolizei muss Gefahren abwehren. Sie muss auf Gefahren reagieren können. Von daher liegt es in der Natur in der Sache, dass wir dieses Gesetz endlich wieder anpacken. Dazu gehört insbesondere, dass wir die Befugnisse und Kompetenzen bei unbemannten Drohnen, die inzwischen oft von fremden Mächten gesteuert werden und der Ausspähung unserer Infrastruktur dienen, was uns erheblichen Risiken aussetzt, stärken.
Hinzu kommt, dass die Bundespolizei in den vergangenen Jahren immer intensiver gegen Schleuserkriminalität und Menschenhandel vorgehen muss. Auch hier braucht sie angemessene moderne und rechtssichere Befugnisse. Denn das Bundespolizeigesetz wurde – der Minister hat es erwähnt – zuletzt im Jahre 1994 grundlegend reformiert. Zum Vergleich: Das ist das Jahr, in dem ich eingeschult worden bin. Heute sitze ich hier und darf die Bevölkerung vertreten. Es ist wichtig, dass wir endlich neue Grundlagen für die Bundespolizei schaffen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Mit dieser überfälligen Novellierung des Gesetzes werden wir die Bundespolizei effektiver aufstellen und zu einer effektiven Kriminalitätsbekämpfung beitragen. Wir werden den Gesetzentwurf selbstverständlich im Bundestag beraten. Wir werden uns die Befugnisse verantwortungsvoll und genau anschauen und das Gesetz dann schnell verabschieden, damit wir die Sicherheit in unserem Land auch schnell weiter gewährleisten können.
Dazu zählen insbesondere – mit Blick auf moderne Kommunikationsformen – technische Möglichkeiten zur Früherkennung, zur Gefahrenabwehr, um besser reagieren zu können, und zur Verfolgung organisierter Schleuserbanden. Wir werden die Befugnisse zur Drohnenabwehr ausweiten, damit gut auf Gefahren reagiert werden kann. Ergänzend dazu werden wir heute Nachmittag auch eine Änderung im Luftsicherheitsgesetz beraten, um die Unterstützungsmöglichkeiten der Bundeswehr bei der Drohnenabwehr im Wege der Amtshilfe auszubauen, sodass wir den Ländern helfen können.
All das bettet sich in eine Gesamtstrategie ein. Denn gestern wurde das Gemeinsame Drohnenabwehrzentrum von Bund und Ländern in Berlin eröffnet. Es ist in diesen Zeiten auch sehr wichtig, Kompetenzen zu bündeln, damit wir auf neue Gefahren gemeinsam und mit allen Sicherheitsbehörden gut reagieren können. Genau das machen wir in dieser Koalition, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Es ist mir wichtig, an dieser Stelle auch noch mal zu betonen, für wen wir das machen. Wir machen das für die Gefahrenabwehr, und wir machen das für die deutsche Bevölkerung. Verbinden möchte ich das mit einem großen Dank an die Bundespolizistinnen und Bundespolizisten, die jeden Tag Großartiges für die Sicherheit unseres Landes leisten: an Flughäfen, an Bahnhöfen und darüber hinaus an vielen Orten.
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Frau Abgeordnete.
Sonja Eichwede (SPD):
Herzlichen Dank für all die Tätigkeiten, die Sie für die Sicherheit unseres Landes leisten!
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Dr. Irene Mihalic das Wort erteilen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Kurz vor Weihnachten bringt die Koalition noch mehrere sicherheitsrelevante Gesetze in den Deutschen Bundestag ein. Heute Nachmittag sprechen wir noch über eine Änderung des Luftsicherheitsgesetzes. Das ist erst einmal gut, aber leider nur auf den ersten Blick.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So ist das!)
Denn das, was hier vorgelegt wird, ist zu wenig, und das ist enttäuschend, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dabei ist schon klar, dass das Bundespolizeigesetz nach über 30 Jahren grundlegend überarbeitet werden muss. Es hat ja, glaube ich, schon drei Wahlperioden und drei Anläufe gebraucht, bis es jetzt wieder so weit ist. Aber wir leben in wirklich herausfordernden sicherheitspolitischen Zeiten, und da braucht es Sorgfalt bei der Gesetzgebung, aber es braucht auch Mut. Es braucht Mut, grundlegende Fragen anzugehen, und auch den Mut, Zuständigkeiten, auch gegen Widerstände, klar zu regeln. Doch stattdessen werden alte Unionsrezepte neu aufgekocht. Da haben Sie sich, Herr Minister, ja eben auch ganz schön in Rage geredet, aber leider keine neue Idee präsentiert. So schafft man keine echte Sicherheit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Und dass Sie mir als Polizeibeamtin ernsthaft unterstellen, ich würde der Polizei misstrauen, das ist schon aberwitzig, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Martin Hess [AfD]: Da hat er die Realität beschrieben, Frau Kollegin!)
Besonders ärgerlich ist aber auch, dass bürgerrechtliche Errungenschaften aus früheren Gesetzentwürfen einfach komplett gestrichen wurden. Ein Beispiel sind die sogenannten Kontrollquittungen. Sie hätten polizeiliches Handeln transparent gemacht und Diskriminierungen vorgebeugt. Für staatliches Handeln eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und ganz ehrlich: Selbst beim Bäcker bekomme ich für zwei Brötchen eine Quittung.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Das ist ja ein Vergleich, der hinkt! – Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Warum nicht auch bei einer Polizeikontrolle? Wo ist da eigentlich das Problem?
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Auch Bodycams, meine Damen und Herren, könnten sinnvoller eingesetzt werden. Sie sollten immer dann eingeschaltet werden, wenn unmittelbarer Zwang angewendet wird.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Jeden Tag, Herr Dobrindt – dazu haben Sie eben leider nichts gesagt –, werden Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte angegriffen. Die Polizisten, die uns jeden Tag schützen, haben auch unseren Schutz verdient, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Bodycam schützt Bürgerinnen und Bürger, aber sie schützt eben auch die Polizei. Nutzen Sie dieses Instrument effektiv!
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Statt mehr Sicherheit gibt es leider weniger, und bürgerrechtlich wichtige Regeln wie die sogenannte Errichtungsanordnung werden ausgehebelt. Das betrifft jetzt vor allen Dingen automatisierte Dateisysteme. Aber eine solche Errichtungsanordnung, auch wenn es kompliziert klingt, schützt Grundrechte und verhindert teuren Nachbesserungsbedarf bei IT-Systemen. Diese wichtige Vorabkontrolle soll jetzt komplett entfallen. Da frage ich Sie: Welchen Sicherheitsgewinn soll das bitte bringen, meine Damen und Herren?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ähnlich problematisch ist der Umgang mit den Fluggastdaten. Künftig sollen pauschal alle Passagierdaten von Flügen aus Drittstaaten an die Bundespolizei übermittelt werden – ohne jeden Anlass, ohne jeden Verdacht. Das betrifft Tausende ganz normale Urlaubsreisen. Das ist nicht maßvoll. Das ist auch nicht sinnvoll. Wie wollen Sie denn die Nadel finden, wenn Sie den Heuhaufen immer größer machen, meine Damen und Herren? So wird es nicht funktionieren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, hören Sie doch einmal auf die Polizei selbst. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht sich klar für eine Kennzeichnungspflicht bei der Bundespolizei aus.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!)
Das ist kein Misstrauen gegenüber der Polizei. Ganz im Gegenteil: Gerade in unsicheren Zeiten stärkt diese Maßnahme das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in unsere Polizei.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken – Martin Hess [AfD]: Das ist absolut lächerlich!)
Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert außerdem, das Zuständigkeitschaos endlich zu beenden, und ist dabei mit uns auf einer Linie. Denn heute ist es so: Ein Taschendiebstahl am Bahnhof fällt erst einmal in die Zuständigkeit der Bundespolizei. Kommt es dabei zu Gewalt, also wird aus dem Diebstahl ein Raub, dann ist die Landespolizei zuständig. Das versteht niemand, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Bundespolizei muss grundsätzlich für Straftaten an Bahnhöfen und Flughäfen zuständig sein, egal ob es sich um Vergehen oder Verbrechen handelt. Das schafft Klarheit und am Ende mehr Sicherheit für alle.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Aber genau vor solchen grundlegenden Fragen, Herr Minister, schrecken Sie zurück.
Auch beim Thema Drohnenabwehr zeigt sich immer das gleiche wiederkehrende Muster: große Worte, aber eben kein klarer Schritt.
(Widerspruch des Bundesministers Alexander Dobrindt [CDU/CSU])
Gestern haben Sie das Drohnenabwehrzentrum eingeweiht. Das war bestimmt ein ganz toller Moment für Sie. Aber statt einheitliche Zuständigkeiten zu schaffen, entsteht neues Chaos.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dabei wäre es wirklich dringend notwendig, der Bundespolizei eine klare gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Drohnen zu geben. Angesichts der realen Bedrohung ist Ihre Unentschlossenheit, Herr Minister, wirklich verantwortungslos.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der Koalition, Sie haben jetzt noch die Chance, dieses Gesetz im parlamentarischen Verfahren wirklich zu verbessern. Wenn Sie dabei für einen echten Sicherheitsgewinn sorgen, ohne unnötigerweise Bürgerrechte abzubauen, dann haben Sie uns an Ihrer Seite.
Ganz herzlichen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die Fraktion Die Linke darf ich Clara Bünger das Wort erteilen.
(Beifall bei der Linken)
Clara Bünger (Die Linke):
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Dobrindt, der Chef vom Dienst des Außenpolitikressorts der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb in der letzten Woche über Sie, Sie seien ein Minister „ohne Moral“ und das C im Namen Ihrer Partei stehe inzwischen „für chauvinistisch statt christlich“.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei!)
Wenn man in Ihren Gesetzentwurf zum Bundespolizeigesetz schaut, dann ist klar: Es spricht einiges für dieses Urteil.
(Beifall bei der Linken – Zuruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU])
Es geht hier, anders als Sie behaupten, nicht um Modernisierung oder um ein technisches Update. Der Gesetzentwurf bedeutet einen Schritt in Richtung Autoritarismus und Überwachungsstaat.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Sagt die SED-Nachfolgepartei! Sehr passend!)
Zwar sprechen Sie in Ihrem Entwurf von Modernisierung. Damit verbinden die meisten Menschen in Deutschland auch etwas Positives. Aber Ihr Entwurf ist das Gegenteil: ein massiver Ausbau staatlicher Macht bei gleichzeitiger Schwächung der Grundrechte. Das hat mit Sicherheit und Modernisierung nichts zu tun.
(Beifall bei der Linken)
Die Bundespolizei darf künftig nahezu beliebig entscheiden, wen sie kontrolliert und wen nicht: ohne konkreten Verdacht, ohne objektive Kriterien. Racial Profiling wird damit weiter legitimiert. Wer nicht ins Stadtbild passt, wird noch häufiger kontrolliert werden.
Aber Ihr Gesetz endet nicht bei der Kontrolle. Die Bundespolizei soll jetzt auch selbst Abschiebehaftverfahren einleiten können – ganz nach dem Vorbild von Trump, unter dessen Regierung ICE-Beamte Menschen direkt aus Zügen und Bahnhöfen in Abschiebehaft verschleppen.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Ach herrjemine! Vergleichen Sie jetzt die Bundespolizei mit Maskierten?)
Solche Zustände wie in den USA dürfen wir in Deutschland niemals zulassen.
(Beifall bei der Linken – Jens Spahn [CDU/CSU]: Die einzige Zeit, wo wir solche Zustände hatten, war, als Ihre Partei regiert hat!)
Sehr geehrte Damen und Herren, statt eines massiven Ausbaus von Befugnissen bräuchte der Gesetzentwurf mehr Mechanismen zur Kontrolle polizeilichen Handelns.
(Zuruf von der CDU/CSU: Ach Gott!)
Nach dem Gesetzentwurf soll auch in Zukunft keine Verpflichtung bestehen, Bodycams in bestimmten Situationen einzuschalten. Die Polizei entscheidet also weiterhin selbst, wann gefilmt wird und wann nicht. Dabei würde es dabei helfen, Fälle von Polizeigewalt wie zum Beispiel in Bochum, wo einem zwölfjährigen gehörlosen Mädchen von Polizeibeamten in die Brust geschossen wurde, aufzuklären, wenn es eine Verpflichtung zum Anschalten bei der Anwendung von unmittelbarem Zwang gäbe. Das wäre sehr, sehr wichtig.
(Beifall bei der Linken)
Sie sagten hier, Herr Dobrindt, Sie stehen immer auf der Seite der Polizei. Ich würde mir wünschen, dass ein Innenminister immer auf der Seite des Rechtsstaats steht.
(Beifall bei der Linken)
Denn solche Vorfälle wie in Bochum dürfen nicht passieren, solche Vorfälle müssen verhindert werden. Das geht aber nur, wenn es eine Überprüfung von Polizeiarbeit gibt. Das fordere nicht nur ich. Das fordern zahlreiche Verbände und beispielsweise auch Amnesty International.
Herr Dobrindt, Ihr Gesetzentwurf bringt keine Modernisierung, und er trifft auch nicht die Gefährder. Er trifft marginalisierte Menschen, politisch Aktive, Geflüchtete und die gesamte Bevölkerung im digitalen Raum.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Josef Oster das Wort erteilen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Josef Oster (CDU/CSU):
Verehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Unsere Bundespolizei ist eine tragende Säule in der Sicherheitsarchitektur unseres Landes. Wir haben eine starke Bundespolizei in Deutschland, gut ausgebildet und vor allen Dingen auch hochmotiviert. Deshalb bin ich allen 55 000 Polizistinnen und Polizisten in unserem Land ausgesprochen dankbar für das, was sie für unser Land leisten.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Mit dem Haushalt 2026 haben wir dafür gesorgt, dass unsere Bundespolizei noch besser ausgestattet wird. Das ist Ausdruck einer neuen Sicherheitspolitik für Deutschland.
Heute gehen wir einen Schritt weiter: Wir statten unsere Bundespolizei mit zeitgemäßen Befugnissen aus. Unsere Bundespolizei kann mehr, als sie im Moment darf. Diese Lücke zwischen Fähigkeiten und Befugnissen machen wir mit diesem Gesetz ein Stück kleiner.
(Beifall des Abg. Daniel Baldy [SPD])
Vor allem aber machen wir die Lücke zwischen den technischen Möglichkeiten der Kriminellen und den Befugnissen unserer Polizei kleiner. Wir müssen technologische Entwicklungen nachvollziehen, und wir verringern damit auch ein Stück weit den Frustfaktor bei unseren Polizistinnen und Polizisten, der entsteht, wenn sie sehen, welche Möglichkeiten die Kriminellen haben und welche Einschränkungen die Polizei berücksichtigen muss.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine Damen, meine Herren, bevor ich auf die Änderungen konkret eingehe, will ich zunächst noch einmal das erwähnen – das ist ungewöhnlich, aber das muss man hier erwähnen –, was nicht in diesem Gesetzentwurf steht. Es steht eben nicht mehr drin, dass die Polizei verpflichtet wird, Kontrollquittungen auszustellen. Es steht nicht mehr drin, dass eine Kennzeichenpflicht für alle eingeführt wird.
(Zuruf der Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es klingt banal, dass ich hier nenne, was nicht mehr drinsteht. Aber das ist Ausdruck eines grundlegenden Wandels in der deutschen Innenpolitik, meine sehr geehrten Damen und Herren: Wir vertrauen unseren Polizistinnen und Polizisten, und wir misstrauen ihnen nicht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wer noch einen Beleg dafür gebraucht hat, dass es insbesondere die Grünen sind, die dieses Misstrauen in den vergangenen Jahren gelebt haben, der findet ihn in der Rede der Kollegin Mihalic gerade.
(Sonja Lemke [Die Linke]: „Demokratische Kontrolle“ nennt sich das! – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haben Sie mir zugehört? – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Arbeiten Sie sich doch nicht immer an uns ab! Kümmern Sie sich um die Sicherheit in diesem Land!)
Die Kontrollquittung der Polizei mit einer Quittung beim Bäcker zu vergleichen, das ist respektlos den Bäckern gegenüber, und es ist vor allen Dingen respektlos unserer Polizei gegenüber.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zurufe der Abg. Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sonja Lemke [Die Linke])
Dass Die Linke immer eher die Polizei als die Täter als das Problem betrachtet, das ist nichts Neues; daran haben wir uns schon gewöhnt.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Klar ist: Wir vertrauen den Sicherheitsbehörden in unserem Land. Wir vertrauen unseren Polizistinnen und Polizisten. Sie machen einen tollen Job für unser Land.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Was steht in diesem Gesetzentwurf? Wir führen die Quellen-TKÜ ein, wir führen verdachtsunabhängige Kontrollen in Waffenverbotszonen, mehr Videoüberwachung, Befugnisse zur Drohnenabwehr und ein schnelleres Handeln bei Abschiebehaft ein. All das sind wichtige Veränderungen und wichtige Verbesserungen für unsere Polizei.
Wir brauchen aber insbesondere mehr technische Möglichkeiten. Es geht zum Beispiel beim Schutz unserer Grenzen auch darum, das üble Geschäft der Schleuser zu bekämpfen. Das ist ein abscheuliches Geschäftsmodell, das wir so nicht weiter hinnehmen dürfen.
(Sonja Lemke [Die Linke]: Schaffen Sie doch mal legale Wege! – Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke])
Deshalb ist das Thema der Quellen-TKÜ so bedeutend. Die Schleuser werden immer professioneller, immer digitaler, und mit der Quellen-TKÜ setzen wir dem jetzt ein zeitgemäßes Instrument entgegen. Wir zerschlagen damit Netzwerke und verhindern Menschenhandel. Unsere Grenzen werden damit ein Stück weit sicherer.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir kümmern uns um die Sicherheit an unseren Flughäfen. Wir haben das Drohnenproblem in den letzten Monaten an verschiedenen Beispielen erfahren müssen. Es ist ein Sicherheitsrisiko, und wir müssen als Staat Handlungsfähigkeit beweisen. Dafür schaffen wir mit diesem Gesetz eine rechtliche Grundlage.
Wir bringen die Bundespolizei auch in diesem Bereich technisch auf die Höhe der Zeit – es ist erwähnt worden –: Es ist vom Innenminister eine eigene Einheit dazu gebildet worden. Gestern ist das Drohnenabwehrzentrum eingerichtet worden. Das ist ein klares Signal, dass wir auch auf neue Herausforderungen schnell reagieren. Das ist wichtig für unsere Polizistinnen und Polizisten, und es ist ein Zeichen dafür, dass unser Innenminister auf neue Herausforderungen schnell reagiert.
Unsere Polizisten machen einen guten Job. Aber – sehr geehrter Herr Minister, ich darf mir diese Bewertung erlauben – auch unser Innenminister macht einen guten Job.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Einen sehr guten Job macht er!)
Ich könnte hier jetzt viele weitere Beispiele erwähnen. Sie können das im Gesetz nachlesen.
Meine Damen, meine Herren, das aktuelle Bundespolizeigesetz – es ist mehrfach erwähnt worden – ist über 30 Jahre alt. Die nächste Überarbeitung – das ist meine Überzeugung – wird natürlich nicht so lange auf sich warten lassen können. Wir werden in Zukunft viel schneller technologische Entwicklungen nachvollziehen müssen. Die Themen „künstliche Intelligenz“, „automatische Gesichtserkennung“, „effektives Rückkehrmanagement“, all das sind Beispiele, die deutlich machen, dass wir die Befugnisse unserer Polizei in Zukunft nach meiner Überzeugung im schnelleren Rhythmus überprüfen werden müssen.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Jetzt gilt aber erst mal: Wir machen eine starke Bundespolizei noch besser, und damit machen wir unser Land noch sicherer, meine lieben Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Herr Abgeordneter, Ihre Redezeit.
Josef Oster (CDU/CSU):
Herr Präsident, ich komme zum Ende. – Zum Ende möchte ich es nicht versäumen, unseren Polizistinnen und Polizisten zu danken und Ihnen ein frohes, vor allem aber friedliches und ruhiges Weihnachtsfest zu wünschen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die AfD-Fraktion darf ich Christopher Drößler das Wort erteilen.
(Beifall bei der AfD)
Christopher Drößler (AfD):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bundespolizei muss der veränderten Sicherheitslage Deutschlands entsprechend handeln können, und dies auf einer rechtlich festen Grundlage. Doch die Symptomdoktorei alleine reicht nicht. Das zeigt sich abermals in diesem Gesetzentwurf zur Modernisierung des Bundespolizeigesetzes.
Das Problem dieser Regierung und der Staatsführung insgesamt ist Folgendes: Durch die offenen Grenzen ist Deutschland heute nicht mehr das Land, das es vor einem Jahrzehnt mal war. Die Statistik ist eindeutig: Der Anstieg von Kriminalität und der Verlust gesellschaftlicher Sicherheit gehen maßgeblich auf Zuwanderung zurück.
(Beifall bei der AfD)
Und weil man nicht abschieben will und die Altparteien zugleich auch noch Turboeinbürgerungen durchgesetzt haben, wird ein eingewandertes Problem zu einem permanenten Risiko.
(Zurufe der Abg. Clara Bünger [Die Linke] und Sonja Lemke [Die Linke])
So verändert sich auch das Verhältnis der Sicherheitsbehörden zu den Bürgern des Landes; es wird distanzierter und angespannter.
Statistik und Erfahrung lehren die Beamten, dass sie bestimmten Personengruppen nun mal misstrauisch gegenübertreten müssen, wenn sie wirklich effektiv arbeiten wollen.
(Zuruf der Abg. Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wenn allein Syrer statistisch zehnmal so kriminell sind wie Deutsche,
(Zuruf von der Linken: Sind sie aber nicht! – Gegenruf von der AfD: Natürlich!)
hat das auch Konsequenzen für die gesellschaftliche Wahrnehmung. So nimmt natürlich auch die staatliche Übergriffigkeit zu. Die multikulturelle Gesellschaft ist nun mal eine multikriminelle Gesellschaft und verlangt daher den Überwachungsstaat.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
In diesem Sinne sind anlasslose Kontrollen oder die Erhebung personenbezogener Daten durch Bild- und Tonaufzeichnungen nur logische Schritte. Das ist die Konsequenz, wenn man das Projekt einer sogenannten offenen Gesellschaft
(Zuruf der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
ohne Rücksicht auf die sozialen Stabilitätsfaktoren durchsetzt.
(Beifall bei der AfD)
Eines ist völlig klar: Kein Mensch wünscht sich die Massenüberwachung, die natürlich größtenteils rechtstreue Bürger trifft und in ihren Rechten beschneidet. Wie schnell das nämlich ins Gegenteil umschlagen kann, demonstriert der Antrag der Linksfraktion.
(Zuruf von der Linken: Aha!)
Hier wird die zweifelhafte Überwachungsidee genutzt, um die Arbeit der Bundespolizei grundsätzlich infrage zu stellen. Die Linke bleibt sich hierbei treu: Sie hassen weiterhin alle Sicherheitsbeamten dieses Staates,
(Clara Bünger [Die Linke]: Wo steht das? – Zuruf des Abg. Jan Köstering [Die Linke])
und sie würden am liebsten jedem ausländischen Kriminellen Immunität gewähren; so viel wird selbst in diesem kurzen Antrag deutlich.
Die Linke will die Beamten der Bundespolizei noch weiter in ihrem Auftrag behindern. Natürlich geht es dabei nicht bloß um Misstrauen gegenüber der Polizei im Sinne von Sicherheitsstandards; es geht wie immer um den Umbau unserer Institutionen. So sollen die Bundespolizisten permanent überwacht und ideologischen Bewertungen ausgesetzt werden.
(Lachen bei Abgeordneten der Linken – Clara Bünger [Die Linke]: Haben Sie das überhaupt gelesen? Können Sie lesen?)
Eine verpflichtende Fortbildung, sogenannte Antidiskriminierungsmaßnahmen bezüglich vulnerabler Gruppen und interkultureller Kommunikation, soll eingeführt werden.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Und wehe, sie verwenden das falsche Pronom! Am besten gäbe es dann keine Polizisten mehr, sondern uniformierte Sozialarbeiter – das hätten Sie gerne! –,
(Beifall bei der AfD)
und offene Grenzen sowieso.
(Zurufe der Abg. Clara Bünger [Die Linke] und Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Hier sehen wir auch, warum die angekündigte Politikwende der CDU/CSU nichts weiter als eine Lüge war; denn mit den Stimmen dieser Linken hat sich Merz ins Kanzleramt gerettet.
(Zuruf von der Linken: So ein Quatsch!)
Die CDU/CSU paktiert de facto längst mit den linken Sicherheitsfeinden,
(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
die nichts lieber täten, als die Bundesgrenzen sowie die Bundespolizei gleich ganz abzuschaffen.
(Zuruf des Abg. Jan Köstering [Die Linke])
Eine Regierungskoalition, die sich hin und wieder auf diese Linken stützt, kann keine Verantwortung für unsere Sicherheitsbeamten tragen.
(Mayra Vriesema [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber die AfD!])
Aber eine CDU-CSU-geführte Regierung, die an den Ursachen für den Sicherheitsverlust nichts ändern will
(Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
und keine Idee von Staat und Gesellschaft hat, kann es ebenfalls nicht.
(Beifall bei der AfD)
Es bleibt dabei: Unsere Bundespolizei muss eine Remigrationspolizei werden,
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
wenn wir diesen Staat noch mal retten wollen.
(Beifall bei der AfD)
Wenn Sie es nicht tun, werden wir es tun.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die SPD-Fraktion darf ich Sebastian Fiedler das Wort erteilen.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Sebastian Fiedler (SPD):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach den Allmachtsfantasien der AfD kommen wir wieder zurück zur Sache.
(Beifall bei der SPD – Zuruf von der AfD)
Wir beraten heute über die Novelle des Bundespolizeigesetzes, eines Gesetzes, das – wie wir schon gehört haben – im Wesentlichen aus dem Jahr 1994 stammt, aus einer Zeit, bevor es Smartphones, Drohnen, verschlüsselte Kommunikation und hybride Bedrohungen gab.
Dass wir dieses Gesetz jetzt grundlegend neu ordnen und modernisieren, ist kein Selbstzweck. Es ist die notwendige Antwort auf die Sicherheitslage, die sich schneller verändert hat als unsere Rechtsgrundlagen. Vor allem ist sie aber ein Zeichen der Wertschätzung für die vielen Frauen und Männer, für die Beschäftigten der Bundespolizei, denen ich von hier aus meinen herzlichen Dank übermitteln möchte.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Die Bundespolizei ist heute weit mehr als nur Grenzschutz. Sie ist Gefahrenabwehrbehörde, Terrorismusbekämpferin im Bahn- und im Luftverkehr, Schutzpolizei für unsere Verfassungsorgane, Partnerin der Länder in besonderen Lagen, Akteurin internationaler Polizeimissionen und Garantin maritimer Sicherheit.
Dieses breite Aufgabenportfolio bedeutet immer höhere Anforderungen in immer komplexeren Lagen und immer größere Verantwortung, oft unter Zeitdruck und persönlichem Risiko. Wertschätzung heißt deshalb: Wir lassen die Bundespolizei nicht mit veralteten Instrumenten arbeiten.
Dieser Gesetzentwurf schafft zeitgemäße Befugnisse für genau diese Realität: für Kontrollen in Waffen- und Messerverbotszonen, für den Einsatz von Bodycams in besonders gefährlichen und nicht öffentlich zugänglichen Bereichen sowie von Drohnen als mobile Sensorträger, für eine wirksame Drohnenabwehr und für präventive Maßnahmen wie Meldeauflagen oder Aufenthaltsverbote zur Gefahrenabwehr.
Besonders sensibel und deswegen auch besonders klar geregelt sind die neuen Befugnisse zur präventiven Telekommunikationsüberwachung. Sie orientieren sich am BKA-Gesetz und unterliegen insoweit strengen Voraussetzungen – richterlicher Kontrolle und einem ausdrücklich normierten Kernbereichsschutz. Meine Damen und Herren, wir regeln das alles sehr, sehr klar.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Erst gestern hat uns der Polizeibeauftragte des Bundes beim Deutschen Bundestag, Uli Grötsch, im Innenausschuss einige Hinweise mit auf den Weg gegeben. Ich will einen Aspekt herausgreifen, den er besonders ausgeschärft hat: Wir müssen bei der Verbesserung der teils immer noch sehr stark veralteten Liegenschaften der Bundespolizei schneller werden. – Hier muss mehr Tempo rein. Liebe Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei, wir kümmern uns darum.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Markus Matzerath [AfD])
Ebenso klar ist: Dieses Gesetz ist ein Anfang. Es ist ein wichtiger Schritt, aber nicht das Ende unserer Arbeit. Lassen Sie mich deswegen einige Hinweise mit auf den Weg geben, die zeigen, was aus Sicht unserer Fraktion noch zu tun ist.
(Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha!)
Ich denke, die Bundespolizei muss sich erstens weiterhin auf einen Strategieprozess begeben – im Interesse der engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und im Interesse der Sicherheit unseres Landes. Dazu gehört meines Erachtens, dass wir die Kriminalitätsbekämpfung personell und organisatorisch weiter stärken.
Wir müssen zweitens die europäischen und internationalen Aufgaben der Bundespolizei zunehmend im Blick haben und diese sich in Struktur und Strategie angemessen widerspiegeln lassen.
Und drittens – ein wichtiger Punkt auch für die Bürgerinnen und Bürger – müssen wir die Sicherheit an Bahnhöfen und in Zügen sowie den Schutz genau dieser kritischen Infrastruktur weiter erhöhen.
Wir werden in den laufenden Gesprächen dazu auch einige konkrete Vorschläge für eine personelle Verstärkung unterbreiten. Ganz besonders wichtig ist auch – das drückt sich an vielen Stellen des Gesetzes aus –: Im Bund-Länder-Gefüge muss die Rolle der Bundespolizei an vielen Stellen noch mal diskutiert werden.
Für heute gilt jedenfalls: Die Novellierung ist ein Vertrauensbeweis; sie ist ein Auftrag, dessen wir uns in dieser Koalition konsequent weiter annehmen werden.
Herzlichen Dank, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für Bündnis 90/Die Grünen darf ich Filiz Polat das Wort erteilen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Mit diesem Gesetz erhält die Bundespolizei – das wurde bereits gesagt – Kompetenzen, die bisher im Zuständigkeitsbereich der Länder lagen. So soll die Bundespolizei künftig zusätzliche Befugnisse für das Stellen von Haftanträgen im Rahmen der Abschiebehaft erhalten.
Das ist bisher nur leicht angedeutet worden: Schon 2021, unter der damaligen GroKo, scheiterte die Reform des Bundespolizeigesetzes im Bundesrat
(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
aufgrund genau dieser Kompetenzverlagerung. – Herr Minister Dobrindt, Sie erinnern sich wahrscheinlich. Der damalige niedersächsische Innenminister und heutige Verteidigungsminister Boris Pistorius fand im Bundesrat dazu klare Worte, liebe SPD. Ich zitiere:
„Das ist vollkommen unpraktikabel, das ist verfassungsrechtlich höchst bedenklich, und das liegt wie ein dunkler Schatten über diesem […] Gesetz […].“
Pro Asyl kommentierte ebenfalls, dass die Gesetzesnovelle zu einem undurchschaubaren Kompetenzgerangel zwischen verschiedenen Behörden führe, in diesem Fall auf dem Rücken betroffener Ausländer/-innen. Die Kollegin Dr. Mihalic hat darauf hingewiesen, dass dieses Kompetenzgerangel nicht unbedingt ein Ausdruck von Wertschätzung gegenüber der Bundespolizei ist.
Nun ein neuer Versuch, meine Damen und Herren. Die Bundespolizei soll Abschiebehaft beantragen können, obwohl die zuständige Ausländerbehörde bereits festgestellt hat, dass eine Abschiebung aufgrund fehlender Reisedokumente nicht möglich ist. Die Bundespolizei kann aber einen Haftantrag stellen – Obacht: da soll es laut Gesetzestext auf einmal möglich sein –, wenn Reisedokumente innerhalb von sechs Monaten beschafft werden können. Wir fragen uns: Wieso hat die Ausländerbehörde diese Dokumente nicht, aber die Bundespolizei hat sie auf einmal? Irgendwie bleibt da einiges im Unklaren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Martin Hess [AfD])
Meine Damen und Herren, Haft, also Freiheitsentzug – da sind wir uns hoffentlich einig –, ist einer der schwersten Eingriffe in die Grundrechte. Und Sie müssen zur Kenntnis nehmen: Abschiebehaft wird leider in Deutschland viel zu häufig rechtswidrig angeordnet. Menschen sind also unschuldig in Haft. Aktuell sind nach Angaben von Expertinnen und Experten 50 bis 60 Prozent der Haftanordnungen rechtswidrig, Herr Minister.
(Martin Hess [AfD]: Was für Experten sollen das schon wieder sein?)
Mit der gleichzeitigen Abschaffung des Pflichtbeistandes in Abschiebehaft und Ausreisegewahrsam besteht also die ernsthafte Gefahr, dass künftig noch mehr Menschen rechtswidrig in Haft kommen, obwohl die Betroffenen keine Straftat begangen haben.
Wir erwarten, dass Sie die offenen Fragen in den Beratungen im Ausschuss klären. Schon im Bundesrat wurden damals folgende Fragen zum Bundespolizeigesetz gestellt – ich will sie einmal zitieren –:
„Wie soll zum Beispiel verfahren werden, wenn eine ganze Familie betroffen ist? Wird die Bundespolizei nur für die aufgegriffene Person zuständig, und die Ausländerbehörde soll sich um die restlichen Familienmitglieder kümmern?“
Das alles sind Fragen, die Sie klären müssen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Meine Kollegin hat es gesagt: Neben den vielen verpassten Chancen enthält dieser Gesetzentwurf der Regierung eklatante Verschlechterungen, –
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Frau Abgeordnete.
Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
– denen wir so sicherlich nicht zustimmen werden. Wir freuen uns aber auf die Beratungen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die Fraktion Die Linke darf ich Jan Köstering das Wort erteilen.
(Beifall bei der Linken)
Jan Köstering (Die Linke):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Wie viele Ihrer Sicherheitsgesetze zuvor – ob BND-Gesetz, BKA-Gesetz oder Antiterrordateigesetz – wird auch Ihre angebliche Modernisierung des Bundespolizeigesetzes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor dem Bundesverfassungsgericht landen. Auch wenn Ihnen Schranken gesetzt werden: Sie werden ein ums andere Mal unsere Grundrechte zurechtstutzen.
Sie begraben mit Ihren Plänen faktisch den Sonderstatus der Bundespolizei. Mehr und mehr bauen Sie diese zur Polizeitruppe des Bundes aus, die überall dort einschreitet, wo ihr die Landespolizeien zu lasch agieren. Mit Ihrem Entwurf erreicht die in Bund und Ländern seit Jahren betriebene Vorverlagerung der Polizeiarbeit einen neuen traurigen Höhepunkt. Ob verdeckte Ermittler, V-Personen oder neue Mittel zur Überwachung von Kommunikation: Sie weichen das Trennungsgebot zwischen polizeilicher und nachrichtendienstlicher Arbeit bis zur Unkenntlichkeit auf.
(Beifall bei der Linken)
Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass wir nicht mehr weit weg von der Entstehung einer oder mehrerer Geheimpolizeien sind. Aber genau das sollte doch das Trennungsgebot eigentlich verhindern.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei! Sie haben Ihren Aluhut am Platz vergessen!)
– Ach so, ich dachte, das ist jetzt Ihr Ding.
Meine Damen und Herren, letztlich verfallen Sie wieder einmal dem Glauben, die Auswüchse sozialer Ungleichheit mit Härte, Gewalt und Überwachung beseitigen zu können. Besonders perfide ist hier das Festhalten an der verfassungswidrigen Praxis der anlasslosen Kontrollen. Das so wichtige Diskriminierungsverbot lassen Sie gleich weg. Herr Minister, das ist ein Freibrief für Racial Profiling und willkürliche Kontrollen gegenüber sozial marginalisierten Gruppen.
(Beifall bei der Linken)
Sie schaffen damit nicht mehr Sicherheit. Im Gegenteil: Sie stärken das Gewaltmonopol zuungunsten des Rechtstaates und schleifen unsere hart erkämpften Grundrechte.
Deshalb sollten Sie die Befugnisse zu den anlasslosen Kontrollen und die automatische Kennzeichenerfassung streichen, insbesondere auch die Nutzung neuer weitreichender Mittel der Überwachung. Die Lösung liegt nicht in der Schaffung einer Sicherheitsgesellschaft und der Bekämpfung einzelner Symptome. Die beste Politik für mehr Sicherheit ist eine gute Sozialpolitik und die Stärkung unserer öffentlichen Daseinsvorsorge.
(Beifall bei der Linken)
In diesem Zusammenhang sollten wir auch die Arbeit der Polizei betrachten. Statt einer Dominanzkultur und immer neuen weitreichenderen Befugnissen braucht das polizeiliche Selbstverständnis ein modernes, menschenrechtsorientiertes Leitbild,
(Martin Hess [AfD]: Das hat es bereits!)
ein Leitbild, das auf Verhältnismäßigkeit, Deeskalation und demokratischer Kontrolle fußt. Und demokratische Kontrolle, liebe Union, würde tatsächlich das Ihnen angeblich so wichtige Vertrauen der Bevölkerung in die Polizeibehörden stärken.
Schaffen Sie eine ausnahmslose Kennzeichnungspflicht der Beamtinnen und Beamten! Führen Sie die automatische Aktivierung der Bodycams beim Einsatz jeglicher Gewalt ein! Stärken Sie die Rechte der Bürgerinnen und Bürger, Auskünfte über ihre gespeicherten personenbezogenen Daten zu erhalten!
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Für die CDU/CSU-Fraktion darf ich Florian Oest das Wort erteilen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Florian Oest (CDU/CSU):
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Für eine Polizei, die Rückhalt hat, für Sicherheitskräfte, die Täter stoppen, für Bürger, die sicher leben – nach diesen Grundsätzen erneuern wir das Bundespolizeigesetz. Es wird eines der modernsten Sicherheitsgesetze Europas.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Die Bundespolizei schützt unsere Grenzen, sie sichert Bahnhöfe und Flughäfen. Sie ist vor Ort, wenn es darauf ankommt. Und sie sorgt dafür, dass Regeln nicht nur gelten, sondern auch durchgesetzt werden.
Unser geltendes Bundespolizeigesetz stammt zum überwiegenden Teil aus dem Jahr 1994. Doch die Lage ist heute ganz anders als vor 30 Jahren. Unsere Polizei steht vor neuen Bedrohungen – digital, global, vernetzt. Es geht um nichts weniger als um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger und um die Wehrhaftigkeit unseres Landes. Kriminalität, Terror, Schleusung und hybride Angriffe testen nicht nur unsere Gesetze, sondern auch deren Durchsetzungskraft. Deshalb sage ich es ganz klar und deutlich: Die Bundespolizei muss mehr dürfen, damit Kriminelle weniger können.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir stoppen die Schleuserkriminalität. Schleuser machen falsche Hoffnungen, kassieren Tausende von Euro, bringen Menschen in Lebensgefahr, untergraben unsere Gesetze.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Die Entscheidung, wer in unser Land einreisen darf, trifft nicht die Schleusermafia. Diese Entscheidung obliegt einzig und allein dem Rechtsstaat. Deshalb stärken wir die Ermittlungsbefugnisse der Bundespolizei auch in der verschlüsselten Kommunikation.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir setzen Rückführungen durch. Wer ausreisepflichtig ist, darf nicht untertauchen. Deshalb kann die Bundespolizei künftig Abschiebungshaft bei Gericht beantragen. Humanität braucht Ordnung, und Ordnung braucht Durchsetzungskraft.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir schaffen mehr Sicherheit im öffentlichen Raum. Waffenverbotszonen dürfen nicht nur auf dem Papier existieren. In unserem Land gilt: Wer mit Bahn und Bus unterwegs ist, wer sich im öffentlichen Raum bewegt, der braucht kein Messer, erst recht keins mit erheblicher Klingenlänge. Das Waffenrecht hat dazu klare Regeln. Wer den öffentlichen Raum sicher machen will, muss Gesetze konsequent durchsetzen. Aus diesem Grund ermöglicht das neue Gesetz verdachtsunabhängige Stichprobenkontrollen.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Wir sichern den Luftraum. Drohnen können spionieren, stören oder angreifen. Wir schaffen klare Befugnisse für den Einsatz eigener Drohnen und zur Abwehr gefährdender Geräte – technisch, rechtlich und operativ. Ein spezialisiertes Drohnenabwehrzentrum wird die Arbeit der Bundespolizei dabei unterstützen.
Wir schützen unseren Staat von innen. Extremisten, gleich welcher Couleur, haben im Staatsdienst keinen Platz.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Eine zusätzliche Zuverlässigkeitsprüfung für neue Beschäftigte im Sicherheitsbereich stellt sicher, dass nur diejenigen Verantwortung tragen, die fest auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen. Das schützt alle, die rechtsstaatlich und pflichtbewusst ihren Dienst leisten.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir vertrauen den Polizistinnen und Polizisten in unserem Land. Genau deshalb sieht das neue Bundespolizeigesetz eine Kontroll- und Kennzeichnungspflicht nicht vor.
Diese Novelle zum Bundespolizeigesetz ist eine Entscheidung für einen handlungsfähigen Staat, gegen Schleuserbanden, gegen Gewalt, gegen neue technische Bedrohungen und für mehr Sicherheit. Deshalb brauchen unsere Bundespolizisten nicht nur mehr Befugnisse, sondern auch ausreichend Personal, eine gute Ausbildung und moderne Ausrüstung. Ein Rechtsstaat, der nicht Schritt hält, verliert vielleicht nicht seine Werte, wohl aber seine Wirkung.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, es liegt ein, wie ich meine, ausgewogenes Gesetz vor, mit Augenmaß und für Zeiten, die Klarheit brauchen.
Ich danke den Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei und sage Danke an die gesamte Blaulichtfamilie. Sie sind Tag für Tag im Einsatz, auch nächste Woche, wenn wir mit unseren Familien Weihnachten feiern. Ihnen allen ein frohes, ruhiges und gesegnetes Fest!
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Ich darf für die AfD-Fraktion Steffen Janich das Wort erteilen.
(Beifall bei der AfD)
Steffen Janich (AfD):
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Bundespolizei ist die größte Sicherheitsbehörde des Bundes. Sie hat es verdient, ein grundgesetzkonformes und rechtssicheres Stammgesetz zu erhalten, auf dessen Basis sie konkrete Eingriffsbefugnisse ableiten kann.
(Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD])
Das hier beratene Gesetz bietet zumindest zum Teil auch einen rechtlichen Rahmen dafür, dass die Bundespolizei auf die veränderte Sicherheitslage vorbereitet wird.
Es ist zu begrüßen, dass die Abwehr von unerlaubt im Luftraum befindlichen Drohnen eine angemessene Berücksichtigung findet. Wenn die Bundespolizei aber externe Forschungsdienstleister damit beauftragt, Drohnenabwehrtechnik zu entwickeln, dann droht hier dasselbe Risiko wie bei der Bundeswehrverwaltung im Hinblick auf die Bundeswehr: Entscheidungswege sind länger. Die klare Verantwortlichkeit wird abgespalten. Endprodukte werden teurer. Und die Lieferketten sind zu unflexibel, um auf kurzfristige Erfordernisse zu reagieren.
Stichwort „Ukraine“: Flexible Modullösungen statt Zehntausender endgefertigter Prototypen an Drohnen sind das Mittel der Wahl, um bei der voranschreitenden Technik mitzuhalten. Hier wäre es viel besser, die Forschungskompetenz der Drohnenabwehr bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich zu bündeln und die Entscheidungsträger dort mit genügend Freiraum und Haushaltsmitteln auszustatten, um der technologischen Innovation Vorschub zu leisten.
Leider verkommt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung bei allen Personen, die von dem neuen Bundespolizeigesetz betroffen sind, zur Makulatur. Das betrifft die Rechte freier Bürger in einem freien Staat genauso wie angehende Bundespolizisten selbst. Denn nach diesem Entwurf kann die Bundespolizei im Zusammenhang mit öffentlichen Veranstaltungen oder Ansammlungen an der Grenze personenbezogene Daten durch Bild- und Tonaufzeichnungen von Teilnehmern erheben, wenn die Polizeiführung annimmt, dass Gefahren für die öffentliche Sicherheit möglich sind.
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Herr Abgeordneter, würden Sie eine Zwischenfrage aus der SPD zulassen?
Steffen Janich (AfD):
Das können wir bitte danach machen.
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Nee, Sie können Ja oder Nein sagen.
Steffen Janich (AfD):
Nein.
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Nein.
(Daniel Baldy [SPD]: Das stört ihn beim Ablesen!)
Steffen Janich (AfD):
– Ja.
(Lachen bei der SPD)
In diesem Jahr fand in meinem Wahlkreis, genauer gesagt: im wunderschönen Sebnitz, der Tag der Sachsen statt, der dafür ein gutes Beispiel ist. Zehntausende Teilnehmer dieses Volksfestes könnten sich nach diesem Gesetz dem Risiko ausgesetzt sehen, in ihren Rechten auf informationelle Freiheit beschränkt zu werden, nur weil beispielsweise ein Fahrgastgeschäft einmal Gigi D’Agostino spielt und ein Bundespolizeiführer deshalb irgendeine Gefahr für die öffentliche Sicherheit befürchtet.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dass Sie das verharmlosen, ist klar!)
Die Massenüberwachung Tausender rechtstreuer Bürger kann und darf niemals das Mittel einer ausgewogenen Sicherheitspolitik sein. Das gilt für Sebnitz, und das gilt für ganz Deutschland.
(Beifall bei der AfD)
Darum sind auch eine Regelabfrage beim Verfassungsschutz sowie die Auskunftspflicht zu sämtlichen Konten in sozialen Netzen bei Bewerbern bei der Bundespolizei abzulehnen. Ein präventiver Generalverdacht gegenüber Bürgern und Polizeibewerbern ist nicht vereinbar mit den freiheitlichen Grundrechten.
(Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir finden, ein freiheitlicher Staat muss seinen Bürgern und Beamten grundsätzlich vertrauen. Wir als AfD tun das. Darum kann ich Ihnen keine Zustimmung der AfD zu dem vorgelegten Gesetzentwurf versprechen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Zu einer Kurzintervention darf ich der Abgeordneten Rasha Nasr das Wort erteilen.
Rasha Nasr (SPD):
Vielen Dank, Herr Präsident, dass Sie die Kurzintervention zulassen. – Herr Janich, Sie haben ja jetzt ausgeführt, was Ihre Perspektive im Hinblick auf dieses Gesetz ist. Interessanterweise vertrauen Sie nicht mal den Beamten beim Verfassungsschutz; aber gut.
Ich möchte Sie eine Sache fragen. Auch Sie waren ja Polizeibeamter bei der Landespolizei in Sachsen, zumindest bis Ende April 2020, als Sie vom Polizeidienst suspendiert wurden, weil Sie als Versammlungsleiter einer nicht angemeldeten Demonstration
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was?)
gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19 Pandemie aufgetreten sind,
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aha!)
bei der es zu Verstößen gegen Auflagen und Beschimpfungen gegen Polizeibeamte kam.
(Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So was machen Sie? – Daniel Baldy [SPD]: Nein!)
Welche Kompetenz haben Sie eigentlich, dieses Gesetz zu beurteilen?
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Martin Hess [AfD]: Eine größere als Sie! Sie sind ja nie Polizeibeamtin gewesen!)
Steffen Janich (AfD):
Ja, Frau Nasr, das ist mein gutes Recht,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was denn?)
weil wir als Opposition und insbesondere im Namen der Polizei hier ansprechen müssen, was Sie in Ihrem Polizeigesetzentwurf noch unterlassen bzw. falsch gemacht haben.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind doch suspendiert!)
Die Unterdrückung von Freiheitsrechten ist immer von der Opposition anzukreiden.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Da hat sie gegen den Rechtsstaat agiert, oder was?)
Ihnen sollte aus der letzten Legislatur vielleicht noch ein bisschen bewusst sein, warum man das hier anführen kann.
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wurden Sie jetzt suspendiert, oder nicht? Was sagen denn Ihre Kollegen dazu? – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wurden Sie jetzt suspendiert, oder nicht? Das hatte doch bestimmt einen Grund!)
Wie gesagt: Sie haben es in der Regierungszeit unterlassen, ein ordentliches Polizeigesetz auf den Weg zu bringen. Es ist schade, dass es erst jetzt kommt; denn unsere Bundespolizei braucht ein sehr gutes Polizeigesetz und gute Handlungsmöglichkeiten.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was haben denn Ihre Polizeikollegen dazu gesagt?)
Wir befürworten, dass das Polizeigesetz endlich geändert wird,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn Ihre Antwort? Sie kommen ganz schön in die Defensive!)
was von Ihnen in der letzten Legislatur nicht vollzogen wurde. Aber wir werden uns natürlich gegen die freiheitseinschränkenden Aspekte zur Wehr setzen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also wurden Sie suspendiert! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie sind wirklich vom Dienst suspendiert worden?)
Vizepräsident Bodo Ramelow:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, bevor ich den letzten Redner aufrufe, erlaube ich mir als Lebenszeitältester im Präsidium unserer Präsidentin nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren. Ich denke, das mache ich auch in Ihrem Namen. Liebe Julia Klöckner, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
(Beifall)
Jetzt darf ich als letzte Dienstleistung vor meiner Präsidentin dem SPD-Abgeordneten Ingo Vogel das Wort erteilen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke schön. Das war schon am Dienstag. Aber ganz herzlichen Dank, lieber Bodo Ramelow.
Jetzt haben Sie aber einen guten Aufgalopp. Bitte sehr.
Ingo Vogel (SPD):
Herzlichen Dank, Frau Präsidentin, natürlich noch mit den besten Wünschen nachträglich! – Sehr geehrter Herr Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Als jemand, der rund 30 Jahre lang selbst Polizeibeamter in Nordrhein-Westfalen gewesen ist, habe ich natürlich zum Teil aus erster Hand miterlebt, wie sich die Sicherheitslage in unserem Land über die Jahre verschärft und verändert hat.
Die meisten Argumente haben wir heute schon gehört; sie bleiben aber richtig. Wer den Polizeidienst von damals mit dem von heute vergleicht, der weiß: Die derzeitigen Befugnisse der Bundespolizei stammen größtenteils aus einer Zeit, in der es weder Chatgruppen noch soziale Medien gab, in der Drohnen keine Rolle spielten und Kriminalität noch überwiegend analog organisiert war. Die Welt, in der unsere Bundespolizistinnen und Bundespolizisten heute arbeiten, hat mit der von 1994 nur noch wenig gemeinsam. Einsätze finden heutzutage unter völlig anderen, insbesondere technischen, Bedingungen und vor dem Hintergrund neuer, digitaler und hybrider Herausforderungen statt. Deshalb ist es richtig und überfällig, dass wir das Bundespolizeigesetz nun grundlegend modernisieren und neu strukturieren.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Es ist an der Zeit, den immer wachsenden und sich verändernden Herausforderungen gerecht zu werden. Die Bundespolizei braucht neue und aktualisierte Kompetenzen und Befugnisse, um darauf reagieren zu können. Sie kann dem technischen Fortschritt, der um sie herum stattfindet, nicht angemessen begegnen, wenn sie nicht ein darauf ausgerichtetes neues Bundespolizeigesetz erhält. Deshalb sorgen wir jetzt als Koalition gemeinsam dafür, dass die Bundespolizei in einer zunehmend vernetzten Welt handlungsfähig bleibt – an Bahnhöfen, auf See, an Flughäfen, an unseren Grenzen, aber vor allem im Digitalen. Wir wollen unter anderem konkret den Einsatz von Bodycams, die Onlinedurchsuchung, die Wohnraumüberwachung und den Einsatz moderner Technik zur Drohnenabwehr ermöglichen und verbessern, natürlich immer angemessen, unter strengen Voraussetzungen und mit klaren Kontrollen. All das sind Ermittlungsbefugnisse für eine bessere Bekämpfung der Kriminalität insgesamt, insbesondere der so häufig angesprochenen Cyberkriminalität, des Extremismus und der Organisierten Kriminalität.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Wir schaffen damit die Voraussetzungen, die unsere Bundespolizei braucht, um auf veränderte Realitäten reagieren zu können. Im Bereich der Sicherheit ist weniger eben nicht mehr. Wer heute Kriminalität bekämpfen will, muss zum Beispiel dort ansetzen, wo Täter kommunizieren, und das ist längst nicht mehr die Telefonzelle, wie vor 30 Jahren.
Mit der Erweiterung der Ermittlungsbefugnisse schaffen wir zudem Handlungssicherheit für die Bundespolizistinnen und -polizisten selbst. Niemand kann erfolgreich ermitteln und Gefahren abwehren, wenn rechtliche Eingriffsmöglichkeiten nicht geklärt sind. Klare Rechtssicherheit schützt dabei am Ende auch unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger. Wir haben es heute schon gehört: Die Bundespolizei lebt auch vom Vertrauen der Bevölkerung. Dieses Vertrauen wollen wir erhalten und nach Möglichkeit stärken,
(Sonja Lemke [Die Linke]: Ach ja? Was sagen Sie dann zu Mouhamed?)
so wie es auch unser Polizeibeauftragter des Bundes, Uli Grötsch, in seinem Jahresbericht formuliert hat.
(Beifall bei der SPD – Daniel Baldy [SPD]: Guter Mann!)
Die Bundespolizei wird sich auch in Zukunft in einer sich weiterentwickelnden Welt und Sicherheitslage ständig auf neue Phänomene und Entwicklungen einstellen müssen. Dieser Gesetzentwurf soll die Grundlage dafür sein und ist dabei auch ein Vertrauensbekenntnis zur Polizei, zu ihrer Arbeit und zu ihren alltäglichen Aufgaben, Straftaten zu verhüten, Gefahren abzuwehren, aber letztlich auch für Frieden und Demokratie zu sorgen. In den kommenden Wochen und Monaten wollen wir dieses Gesetz gemeinsam reformieren. Ich freue mich an dieser Stelle auf die Beratungen und die Zusammenarbeit.
Zum Schluss gilt natürlich mein ausdrücklicher Dank allen Angehörigen der Bundespolizei, verbunden mit den besten Wünschen für ein hoffentlich frohes und ruhiges Weihnachtsfest.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Hiermit schließe ich die Aussprache.
Interfraktionell wird Überweisung der Vorlagen auf den Drucksachen 21/3051 und 21/3306 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Ich sehe und höre, das ist nicht der Fall. Dann verfahren wir so.
Ich rufe nun auf den Tagesordnungspunkt 13:
Beratung des Antrags der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Stephan Brandner, Knuth Meyer-Soltau, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
Einsetzung des … Untersuchungsausschusses der 21. Wahlperiode („NGOs“)
Drucksache 21/3301
Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart.
Bevor wir starten, warten wir, bis etwas Ruhe eingekehrt ist. Hier finden gerade viele Platzwechsel statt. Ich bitte auch auf der Regierungsbank um etwas Aufmerksamkeit. – Jetzt können wir starten.
Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Tobias Matthias Peterka das Wort.
(Beifall bei der AfD)
Tobias Matthias Peterka (AfD):
Frau Präsidentin! Liebe Bürger! Ein Gespenst geht um in Deutschland – ominös, es ist in aller Munde, jedoch schwer zu fassen. Es ist die vielzitierte Zivilgesellschaft. Zugeschrieben werden dieser merkwürdigen Tautologie geradezu magische Kräfte: Sie könne im Handumdrehen unsere Demokratie retten und habe angenehmerweise immer genau die richtige, also linke Meinung und Agenda. – Schluss mit dieser Geistergeschichte aus ARD und ZDF! Jeder aufgeweckte Zehnjährige weiß inzwischen, dass es bei uns eine veröffentlichte, staatlich geförderte Meinungsvorgabe gibt
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Was für ein Unfug! – Zurufe der Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sonja Lemke [Die Linke])
und daneben die Realität, die jeder Bürger sieht, wenn er nicht wie zum Beispiel Sie mit geschlossenen Augen durchs Leben geht.
(Beifall bei der AfD – Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Genau deshalb braucht es diesen Antrag auf Einsetzung eines förmlichen Untersuchungsausschusses. Genau deshalb müssen wir die Verstrickungen
(Clara Bünger [Die Linke]: Die Verstrickung von Verschwörungstheorien!)
von Staat und Parteien mit sogenannten NGOs kompromisslos durchleuchten und ausmisten.
(Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Der Begriff „Nichtregierungsorganisation“ ist in Deutschland sehenden Auges zu einem Witz verkommen. Es sind nach strikt sozialistischer Logik nämlich vielmehr Regierungsvorfeldorganisationen,
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, damit kennen Sie sich aus! – Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
finanziell und karrieristisch verdrahtet mit Grünen, SPD und noch weit Unappetitlicheren. Kompliziert ist der Ansatz nicht: Es wird einfach der altlinke Ansatz „Staatsknete ist ja genug da“ pervertiert auf die Spitze getrieben. Ebenfalls typisch links ist das verlogene Führen der Demokratie im Banner, während man genau diese ersticken will.
(Beifall bei der AfD – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, mit „Demokratie ersticken“ kennen Sie sich aus! Genau Ihr Thema!)
Sie greifen die bundesweit umfragestärkste Partei mit finanzierten Heckenschützen an, weil Sie inzwischen ganz genau wissen, dass mit fairen Mitteln kein Kraut mehr gegen uns gewachsen ist.
(Beifall bei der AfD – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Finanzierte Heckenschützen aus Moskau besorgen Sie sich schon selber!)
Sie unterlaufen damit die grundlegendsten Regeln der Demokratie, und das können wir nicht länger hinnehmen. Da können Sie schreien, wie Sie wollen; Sie bestätigen es damit nur noch.
Das bekannte Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zum Beispiel erhielt in den letzten Jahren über 600 Millionen Euro.
(Clara Bünger [Die Linke]: „Demokratie leben“ ist für Sie ein Problem! Sie wollen „Demokratie tot“! – Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Weitergereicht wird das praktischerweise an Tausende Projektträger, von denen die Regierung nach eigener Aussage keinerlei Daten hat. Oft existieren einfach irgendwelche Fresszettel; denn Antifa-Worthülsen und -Stallgeruch waren schon immer wichtiger, übrigens auch bei den Topjobs.
(Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
– Hören Sie zu! – „Frau Klingbeil“ dirigiert bei der Initiative D21 und „Herr Göring-Eckardt“ bei United4Rescue – natürlich alles selbstlos für die Sache, versteht sich.
(Dirk Wiese [SPD]: Ihr Abgeordneter Wenzel Schmidt beschäftigt 450-Euro-Kräfte! Sagen Sie dazu noch was? Den wollen Sie ausschließen, höre ich!)
Über unzählige ministerienverquickte NGOs wird also gegen die Opposition gehetzt, werden Bürger verunglimpft, wird das getan, was Sie gerade uns vorwerfen, nämlich gespalten, was das Zeug hält – auch und vor allem vor der Bundestagswahl.
(Beifall bei der AfD – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie ist das eigentlich mit Ihrer innerfraktionellen Demokratie? Darf Herr Lucassen überhaupt noch kommen? Oder hat er von Ihnen Saalverbot bekommen?)
An die liebe Union, die hier verdächtig still ist: Ihr habt das damals richtig erkannt. 500 Fragen wurden als Breitseite auf Scholz und Habeck abgefeuert.
(Clara Bünger [Die Linke]: 551!)
Aber was passierte dann? Kaum war der Pulverdampf verflogen, ist man zusammen mit der SPD in den Hafen der Koalition gesegelt und hat sich das Steuergeld mal wieder brüderlich geteilt. Bravo! Das nenne ich Verrat an Wahrhaftigkeit und Aufklärungswillen – eigentlich urkonservative Werte.
(Beifall bei der AfD – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihre Rede ist eine Beleidigung für jeden wahren Konservativen!)
Der Wähler weiß inzwischen genau: So was findet man bei der CDU/CSU höchstens noch mit der Lupe. Stimmen Sie unserem Antrag doch zumindest jetzt zu! Es sei denn, Sie wollen, dass die Mauschelei weitergeht, die sich schlussendlich – das wissen Sie genau – auch gegen Sie richten wird. Noch ist es vielleicht nicht zu spät.
Weil wahrscheinlich gleich wieder geunkt wird, wir wollten drollige Demokratie-Workshops und Jugendbildung verhindern: Die AfD hat als allerletzte etwas gegen eine echte freie Demokratie.
(Lachen der Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sonja Lemke [Die Linke] – Clara Bünger [Die Linke]: Sie wollen doch auch Staatsknete!)
Wir fordern schon immer vehement eine Bürgergesellschaft ohne GEZ-Funk, linker Bespitzelung oder Angst um den Arbeitsplatz, ferner direkte Demokratie und die Direktwahl von hohen Staatsämtern.
(Beifall bei der AfD)
Ihre Schmutzwerferei auf diese untadelige Haltung fällt inzwischen auf Sie selbst zurück. Die Bürger sind nicht so blind und unmündig, wie Sie sie gerne hätten. Daher bin ich wirklich gespannt – von Ihnen, den Linken, weiß ich es –, was nachher von der Union hier ins Feld geführt wird.
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Sie können sich drauf freuen!)
Was ist zum Beispiel mit einer echten Demokratieklausel, dem Bekenntnis zum Grundgesetz durch diverse Antifa-Projekte? Kommt das vielleicht irgendwann, oder wäre das doch zu viel Schlaglicht auf lichtscheue Netzwerke, die bis tief in den knallharten Antisemitismus reichen?
(Beifall bei der AfD – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Lichtscheue Netzwerke“, „Antisemitismus“: alles genau Ihre Themen! – Katrin Fey [Die Linke]: Antisemitismus kommt von rechts!)
Oder kommt vielleicht doch eher wieder pünktlich zu den Landtagswahlen Anti-rechts-Werbung über Bundeswebsites, wie 14 Tage vor der Bundestagswahl auf der des Bundesfamilienministeriums?
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie viele Ihrer Kommunalpolitiker sind eigentlich in terroristischen Vereinigungen aktiv? Sagen Sie uns das mal! Gegen wie viele Ihrer Abgeordneten wurde noch mal wegen Annahme ausländischer Gelder ermittelt? Wie viele Bundestagsbüros der AfD sind eigentlich schon durchsucht worden?)
Darf vielleicht der mit Millionen geförderte BUND neben Klimapropaganda weiter zu Protesten gegen alles rechts der Mitte aufrufen?
(Zurufe der Abg. Dr. Jan-Niclas Gesenhues [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Sonja Lemke [Die Linke])
Ist es für Sie okay, dass HateAid und die Amadeu Antonio Stiftung gegen alles Konservative hetzen
(Katrin Fey [Die Linke]: Das stimmt ja nicht! Sie sind nicht konservativ!)
und sich noch darüber kaputtlachen, dass BlackRock-Mann Merz ihnen mit Kniefall die Tasche vollmacht? Anscheinend ist die Antwort „ja“.
(Zuruf der Abg. Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU])
Denn: Wo ist das Moratorium, das Trockenlegen dieses Sumpfes durch Richtlinienkompetenz? Es wird nicht kommen; denn dann wäre die dahinsiechende SPD sofort auf der Zinne. Wenn schon die bösen rechten Bürger die alte Tante in Richtung Einstelligkeit drücken,
(Clara Bünger [Die Linke]: Das ist gelebte Demokratie! Und Sie wollen die ausrotten!)
dann muss man das Vorfeld aus sozi-grünen Studienräten und gewalttätigen Antifas noch ein bisschen weiterpflegen.
(Zuruf der Abg. Sonja Lemke [Die Linke])
Klar, das mag dann unter geordnetem Rückzug laufen. Und hier und da könnt ihr noch so tun,
(Maja Wallstein [SPD]: Wir sind noch nicht per Du, Herr Peterka! Wir sind noch nicht per Du!)
als wäre Peak Woke, also totale Lufthoheit der linken Demenz, wie vor Corona; aber ihr wisst ganz genau: Diese Zeit ist vorbei, und sie wird zum Glück nie wiederkommen.
(Beifall bei der AfD)
Also: Wickeln wir diesen Sumpf ab! Denn in einem hatten eure Truppen sogar recht: Aus der Geschichte muss man lernen.
(Maja Wallstein [SPD]: Hören Sie auf, uns zu duzen!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit ist überschritten, und deshalb ist Ihre Rede zu beenden.
Tobias Matthias Peterka (AfD):
Gehen wir es an, damit so eine Selbstbedienung in unserem Land nie wieder stattfinden kann.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Dr. Hendrik Hoppenstedt das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vor allen Dingen: Liebe Besucher des Gymnasiums Isernhagen, die heute auch unter uns sind!
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Dieser Antrag zeigt einmal mehr die gesamte Bigotterie der AfD. Sie kritisieren ja gerne, zum Beispiel angeblich unnötige Auslandsreisen von Regierungsmitgliedern. Und was machen Sie selbst?
(Stephan Brandner [AfD]: Das sind nötige Auslandsreisen, Herr Hoppenstedt! Das unterscheidet sich so ein bisschen! Unnötige braucht man nicht, nötige sind wichtig! – Gegenruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke]: Auf Steuergeld! Sie verschwenden Steuergeld, Herr Brandner!)
Sie reisen mit einer Riesentruppe von 20 Parteimitgliedern aus Bund und Ländern in die USA, um als VIP-Gäste an einer Gala einer radikalen Jugendorganisation der MAGA-Bewegung teilzunehmen,
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Ah, „radikal“!)
die für ihre Nähe zu Antisemiten und Rechtsradikalen bekannt ist. Allein für die Bundestagsabgeordneten Ihrer Fraktion kostete das übrigens 60 000 Euro.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach! Aus Steuergeldern? – Clara Bünger [Die Linke]: Hört! Hört! 60 000 Euro!)
Ähnlich hoch dürften auch die Kosten für die Landtagsabgeordneten Ihrer Partei aus Sachsen-Anhalt gewesen sein, und die sind ja wohl beim besten Willen nicht als Außenpolitiker zu klassifizieren, insbesondere weil Sachsen-Anhalt – bei aller Schönheit – nicht einmal eine Außengrenze hat. Diese Doppelmoral, meine Damen und Herren, ist kaum noch zu ertragen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Die AfD behauptet weiter, patriotisch zu sein. Was machen Sie? Sie reisen mit einer Parteidelegation zu Putins Ferienort, nach Sotschi – übrigens mit Unterstützung von Herrn Chrupalla, der sicherheitshalber jetzt gar nicht mehr da ist –,
(Zuruf des Abg. Peter Bohnhof [AfD])
und das, während Putin einen an Brutalität nicht mehr überbietbaren Angriffskrieg gegen die Ukraine führt
(Peter Bohnhof [AfD]: Zur Sache!)
und immer stärker zu einer Bedrohung nicht nur für Deutschland, sondern auch für die EU und die ganze NATO wird. Das ist doch irre. Das hat nichts mit Patriotismus zu tun. Das ist Landesverrat.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Das gleiche Muster übrigens bei diesem Antrag: Die AfD beschreibt die Regierungspolitik immer wieder als Symbolpolitik. Und was machen Sie selber? Sie stellen einen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Das ist für sich genommen natürlich Ihr gutes Recht.
(Stephan Brandner [AfD]: Aha! Das ist aber großzügig!)
Es zeigt aber auch, wie wenig Ihnen an der Sache liegt; denn ein Untersuchungsausschuss ist bei diesem Thema denkbar ungeeignet. Das Untersuchungsrecht dient der Aufklärung von Vorgängen, die auf regelwidriges Verhalten von Politik und Behörden hinweist.
(Zurufe von der AfD: Genau!)
– Genau! – Das Grundgesetz hat aber den Bundestag nicht als umfassendes Rechtsaufsichtsorgan über die Bundesregierung eingesetzt. Eine aus Sicht der Antragsteller inhaltlich falsche Politik kann deshalb nicht Gegenstand eines Untersuchungsausschusses sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Maja Wallstein [SPD]: Hört! Hört!)
Das bleibt der politischen Debatte und dem politischen Diskurs vorbehalten.
(Peter Bohnhof [AfD]: Veruntreuung von Geldern! Darum geht es!)
Meine Damen und Herren, ich lobe Joschka Fischer nur ungerne.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das können Sie ruhig häufiger machen!)
Doch als er damals als einziges Mitglied seiner Fraktion gegen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses gestimmt hat, tat er das mit der Begründung, der Untersuchungsausschuss sei ein Kampfinstrument. Er aber wolle Aufklärung, Aufklärung statt Krawall.
(Stephan Brandner [AfD]: Er wollte nicht kämpfen? Er war doch Straßenkämpfer, oder nicht?)
Daran sollten Sie von der AfD sich vielleicht mal ein Beispiel nehmen.
(Stephan Brandner [AfD]: Wir nehmen uns an Fischer kein Beispiel!)
Denn diesen Umgang hat das Thema schlichtweg nicht verdient. Die Förderung der Zivilgesellschaft ist wichtig, sogar sehr wichtig.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Aber nicht die linksradikaler Organisationen!)
Deswegen brauchen wir einen angemessenen Umgang mit dieser Frage, eine gründliche Analyse und eine differenzierte Auseinandersetzung.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Auch wir in der Union waren bekanntlich nicht immer einverstanden mit dem, was unter der Überschrift „Demokratieförderung“ unterstützt wurde.
(Stephan Brandner [AfD]: Aber jetzt doch!)
Wir haben deswegen Anfang dieses Jahres eine Anfrage an die damalige Bundesregierung gestellt, um Klarheit zu schaffen, und jetzt als Regierungspartei mit Bundesministerin Prien die Konsequenzen gezogen und das Programm „Demokratie leben!“ grundlegend verändert.
(Stephan Brandner [AfD]: Ach! Wie denn? Was denn? – Jochen Haug [AfD]: Wie denn?)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir wollen, dass sich die politische Bildungsarbeit und die Unterstützung der Zivilgesellschaft gegen alle Feinde der Demokratie richtet, gegen islamistische Extremisten, gegen Antisemiten und gegen politische Links- und Rechtsextremisten gleichermaßen,
(Sonja Lemke [Die Linke]: Hört doch mal mit der Gleichsetzung auf!)
damit auch übrigens gegen Sie von der AfD, die das Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hat.
(Stephan Brandner [AfD]: Ihr Bundesamt für Verfassungsschutz, nicht unseres!)
Lesen Sie einmal Frederik Schindlers Buch über Björn Höcke, und Sie bekommen eine Ahnung davon, wie radikal diese Partei ist und welche finsteren Gestalten dort inzwischen die Strippen ziehen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage zu?
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU):
Nein, ich würde gerne am Stück zur Sache reden. – Die Vorsitzende Alice Weidel wird übrigens wie folgt charakterisiert – ich zitiere –: Früher hat sie ihn, Höcke, noch öffentlich kritisiert. Doch diese Zeiten sind vorbei. Weidel hat jede Häutung und Radikalisierung der Partei mitgemacht und irgendwann aufgehört, sich nach rechts abzugrenzen. Eine große Rolle spielt dabei ihr Wille zum Machterhalt. Dafür verhält sie sich wie immer opportunistisch. Das funktioniert – Zitat Ende.
(Stephan Brandner [AfD]: Wer hat Ihnen das aufgeschrieben? Ihr Verfassungsschutz!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine Opportunistin, die sich Höcke immer mehr annähert, passt ins Bild einer AfD-Fraktionsspitze, die gerade in diesen Tagen ein Ordnungsverfahren gegen ihren Fraktionskollegen Rüdiger Lucassen – übrigens Oberst a. D. – eingeleitet hat, und zwar ausschließlich aus dem Grund, weil er gewagt hat, sich bei der Frage der Wehrpflicht mit einem gewissen Sachverstand, der Ihnen meistens abgeht, gegen Herrn Höcke zu positionieren. Das ist Opportunismus pur. Frau Weidel, die es nicht einmal nötig hat, bei der Einbringung dieses Antrags heute anwesend zu sein,
(Stephan Brandner [AfD]: Zu welchem Thema reden Sie jetzt eigentlich?)
ist schlichtweg eine Marionette, und Herr Höcke zieht die Fäden im Hintergrund.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, eine lebendige und engagierte Zivilgesellschaft ist für uns alle von unschätzbarer Bedeutung, für unser Zusammenleben, für unser Lebensgefühl, für die Politik, auch für unseren Staat.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: „Für unser Lebensgefühl“! Alles so gefühlsbetont!)
Dieser lebt nach einem berühmten Satz des Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann. Das mag stimmen. Jedenfalls aber kann der Staat helfen, dass diese Voraussetzungen bestehen, indem er sie fördert. Wir wollen das weiterhin tun, mit Vernunft und Augenmaß und mit kontinuierlicher gründlicher Sach- und Facharbeit – ganz anders als die AfD.
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke sehr.
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU):
Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Abgeordnete Helge Limburg das Wort. Bitte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag und auch mit der Einbringungsrede erreicht die AfD einen neuen Tiefpunkt in ihrer eigenen parlamentarischen Arbeit.
(Stephan Brandner [AfD]: Ich dachte, da wären wir schon!)
Der Antrag diffamiert eine der zentralen Säulen der Demokratie in unserer freien demokratischen Gesellschaft, nämlich die Nichtregierungsorganisationen.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Das glaubt niemand mehr! Niemand glaubt das!)
Allein die Anführungszeichen, die Sie in Ihrem Antrag um das Wort NGO gesetzt haben, und auch Ihre Einbringungsrede verdeutlichen doch die Verächtlichmachung, die Sie für das ehrenamtliche Engagement in diesem Land übrighaben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU])
Um es einmal klar zu sagen: Nichtregierungsorganisationen, also zivilgesellschaftliche Vereine und Verbände, leisten einen unverzichtbaren, unschätzbaren Beitrag für unsere Gesellschaft; da bin ich ganz bei dem Kollegen Hoppenstedt.
(Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
Wo sind Nichtregierungsorganisationen tätig? Die Bereiche betreffen nahezu jeden gesellschaftlichen Aspekt: von Umweltschutz über Erinnerungskultur, Demokratiebildung, Integration Geflüchteter, Kultur und Gedenkstättenarbeit, Sport, gemeinsames Singen, Kunst, Kultur und Jugendbegegnungen bis Gewerkschaftsarbeit, Bürgerfunk, Fördervereine für Kitas und Schulen, Denkmalschutz und vieles, vieles weitere mehr. All das ist Zivilgesellschaft, all das ist doch der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir müssen den Menschen, die sich dort engagieren, jeden Tag dankbar sein und dürfen ihnen nicht Knüppel zwischen die Beine schmeißen, wie es die AfD hier beantragt.
Natürlich gehört es auch zur Aufgabe zivilgesellschaftlicher Akteure, der Politik gelegentlich kritisch auf die Finger zu schauen, auch der Regierungspolitik. Das ist kein Missbrauch, auch kein Missbrauch von Fördergeldern und Unterstützung, sondern bereichert unsere Demokratie und ist eine weitere Kontrollinstanz im demokratischen Diskurs.
Damit sich diese Nichtregierungsorganisationen unabhängig entwickeln können und nicht etwa von Geldgebern und Sponsoren oder, wie offenbar Teile der AfD, ausländischen Geldgebern aus Moskau abhängig sind,
(Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
ist es gerade richtig, dass es im Rahmen eng begrenzter Förderrichtlinien und Fördermaßnahmen auch staatliche finanzielle Förderung für Projekte gibt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Johannes Schraps [SPD] – Tobias Matthias Peterka [AfD]: So viele Lügen! Da müssen Sie rot werden!)
Das mag zu komplex sein für Ihre simple Denkweise, ist aber Ausfluss der Selbsterkenntnis, dass der Staat eben nicht alles gewährleisten kann und gewährleisten soll, was wir in unserer Gesellschaft brauchen. Das zitierte Böckenförde-Diktum fasst das schön zusammen.
Meine Damen und Herren, staatliche Gelder sind in den Händen der Zivilgesellschaft also gut eingesetzt, weil die NGOs das demokratische Gemeinwesen fördern, gerade weil Sie eine laute Stimme sind, gerade weil Sie teilweise auch mit Klagen gegen staatliches Handeln Erfolg haben. Erfolg hat ja nur die Klage, bei der tatsächlich ein staatlicher Rechtsbruch vorliegt. Wenn der Staat sich immer an sein eigenes Recht halten würde, könnte keine Umwelt- und Naturschutzorganisation auch nur ein Mal Erfolg haben. Also sollten wir der Deutschen Umwelthilfe, den Naturschutzverbänden für jede erfolgreiche Klage dankbar sein, weil sie uns helfen,
(Sven Wendorf [AfD]: …, unsere eigene Wirtschaft zu ruinieren!)
unsere eigenen rechtsstaatlichen Regeln einzuhalten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Im Umkehrschluss heißt das: Gegen nicht von der Regierung gesteuerte Organisationen, die die Demokratie bekämpfen, muss in der Tat vorgegangen werden. Dafür hält unser Grundgesetz seit 1949 in Artikel 21 das Mittel eines förmlichen Parteiverbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht bereit. Es ist an der Zeit, dass sich die Bundesregierung auf den Weg macht, ein solches Verfahren endlich ernsthaft zu prüfen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der Linken sowie der Abg. Maja Wallstein [SPD])
Sie und Ihre Vorfeldorganisationen, Sie und Ihre neu gegründete Jugendorganisation, die von allen Beobachtern durchgängig als noch verfassungsfeindlicher als der Vorgänger beschrieben wird,
(Stephan Brandner [AfD]: Welche Beobachter sollen das denn sein?)
Sie und Ihr Umfeld, Sie und Ihre Geldgeber aus Moskau tun alles, um staatliche Gelder dafür zu verwenden, diese Demokratie, dieses Gemeinwesen, diesen Rechtsstaat zu zerstören. Wir meinen: Wer die Demokratie stützt, der muss unterstützt werden. Wer die Demokratie bekämpft, der muss verboten werden.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat der Abgeordnete Herr Felix Döring das Wort.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Felix Döring (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst einmal ist es doch so: Die Arbeit unserer demokratischen Zivilgesellschaft richtet sich gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Was genau ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit?
(Stephan Brandner [AfD]: Erklären Sie mal! – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Was für eine Frage?)
– Hören Sie mal zu! Vielleicht lernen Sie was. – Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bedeutet die Abwertung bestimmter Menschen, weil man sie bestimmten Gruppen zuordnet.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Linker Unsinn!)
Phänomene sind beispielsweise Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit,
(Stephan Brandner [AfD]: … AfD-Hass!)
Ableismus, Feindschaft gegenüber Geflüchteten, kurzum:
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Großer linker Mist! – Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
alles, was den herkömmlichen AfD-Politiker dazu motiviert, jeden Morgen aufzustehen und zur Arbeit zu gehen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Wenn Sie von der AfD jetzt unserer demokratischen Zivilgesellschaft vorwerfen, sie würde vor allem gegen Sie und gegen Ihre angeblich legitimen und demokratischen Positionen vorgehen, dann ist das ungefähr so, als würde ich mich darüber beschweren, dass jeder Rauchmelder und jedes Brandschutzkonzept in diesem Land es persönlich auf mich abgesehen hat.
(Maja Wallstein [SPD]: Richtig!)
Und das hat ehrlicherweise mit der Realität nichts zu tun. Wenn Sie diesen Eindruck haben, dann kann ich Ihnen einen Tipp geben: Hören Sie auf, ständig mit offenem Feuer zu hantieren und einen Brand nach dem anderen zu legen! Dann entsteht dieser Eindruck auch erst gar nicht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken – Martina Kempf [AfD]: Unverschämtheit!)
Und weil Sie sich in Ihrem Antrag ja auch so tierisch darüber aufregen, dass die „Omas gegen Rechts“ in Buxtehude 5 000 Euro bezogen haben,
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Tierisch?)
und weil Sie immer wieder behaupten, dass die Arbeit unserer demokratischen Zivilgesellschaft sich gegen Sie richten würde, will ich Ihnen noch mal erklären, warum rechte Positionen eben nicht zum legitimen Bestandteil unserer demokratischen Debatte gehören.
(Zurufe von der AfD)
Denn links und rechts sind keine zwei gleichen Pole im politischen Spektrum. Linke Politik
(Stephan Brandner [AfD]: … vernichtet Deutschland!)
geht grundsätzlich von der Gleichwertigkeit der Menschen aus.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ach komm! Das ist jetzt zu lächerlich! Also, das glauben Sie doch nicht mal selber!)
Linke Politik versucht, die Gleichwertigkeit der Menschen durch fortschrittliche Politik umzusetzen und zu verfestigen. Die demokratische Gegenposition dazu wäre beispielsweise eine konservative Politik. Auch die geht zunächst einmal von der Gleichwertigkeit der Menschen aus und versucht, das Gute durch bewahrende Politik sicherzustellen.
(Zuruf von der AfD: Unfassbar!)
Rechte Positionen hingegen gehen zwangsläufig von einer Ungleichheit der Menschen aus. Genau deshalb ist die Arbeit der „Omas gegen Rechts“ auch im Sinne unserer Verfassung, und Ihre Arbeit steht im Widerspruch zu den Leitgedanken unserer Verfassung.
(Beifall bei der SPD und der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Menschen sind nicht gleich! Sie haben gleiches Recht!)
Und genau deshalb gehören die „Omas gegen Rechts“ unterstützt, und Sie gehören verboten.
Wer noch den letzten Beweis dafür braucht, wie unseriös Ihr Antrag ist, den wir selbstverständlich ablehnen werden: Sie zitieren da an unzähligen Stellen das, was über die Plattform „Nius“ verbreitet wird. Auch dazu will ich noch mal etwas sagen.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Das ist verboten, oder was?)
– Nein, das ist nicht verboten. Aber „Nius“ arbeitet eben nicht nach standardisierten journalistischen Kriterien.
(Stephan Brandner [AfD]: So wie der Staatsfunk meinen Sie, oder?)
„Nius“ arbeitet nicht im Sinne einer seriösen Berichterstattung. Das unterscheidet „Nius“ übrigens auch von anderen journalistischen Plattformen, wie beispielsweise der „taz“. Und sich ständig auf diese Plattform zu beziehen, sagt einiges darüber aus, wie Sie arbeiten und wie Sie denken. Auch deshalb werden wir diesen Antrag ablehnen.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Clara Bünger das Wort. Bitte.
(Beifall bei der Linken)
Clara Bünger (Die Linke):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was die AfD hier heute erneut aufführt, ist kein parlamentarischer Beitrag, sondern ein Angriff und eine gezielte Kampagne aus Desinformation und Diffamierung gegen demokratische Institutionen und engagierte Menschen in Deutschland.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
An den rechten Rand in diesem Parlament: Sie können sich sicher sein, dass wir als Demokratinnen und Demokraten diesem entschieden entgegenstehen, und wir werden auch Organisationen wie die „Omas gegen Rechts“ gegen Sie verteidigen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von der AfD)
Aber worum geht in Ihrem Antrag wirklich? Nicht um Aufklärung, nicht um Transparenz, sondern um Einschüchterung. Seit Monaten verbreiten Sie von der AfD das Narrativ, Nichtregierungsorganisationen seien politisch gesteuert und mit öffentlichen Geldern gekauft. Das ist keine Kritik, das sind bewusste Desinformationen und grobe Unwahrheiten, die Sie hier verbreiten.
(Beifall bei Abgeordneten der Linken und der SPD – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ach so! – Stephan Brandner [AfD]: Dann verzichten Sie doch auf die öffentlichen Gelder! Öffentliche Gelder einfach weg und fertig!)
Und ausgerechnet Sie wollen sich hier als Aufklärer über angeblichen Steuergeldmissbrauch inszenieren. Das hat mich schon sehr gewundert.
Sie wollen einen Untersuchungsausschuss, weil die „Omas gegen Rechts“ Buxtehude in drei Jahren 5 000 Euro bekommen haben sollen,
(Luke Hoß [Die Linke]: Zu wenig! – Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Warum nur 5 000 Euro für das Engagement?)
verschleudern aber derweil für ein paar Tage in New York Zehntausende Euro an Steuergeldern, um sich dort als Kulturkämpfer ausbilden zu lassen und Party zu machen. Das ist ja an Lächerlichkeit überhaupt nicht mehr zu überbieten. Peinlich ist das!
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
Und Sie schwadronieren immer über angeblich kriminelle Machenschaften der NGOs und des Staates. Dabei ist es doch Ihre Partei, die ein massives Problem mit Kriminellen in den eigenen Reihen hat. Sie verbreiten Antisemitismus und Rassismus, relativieren die Verbrechen des Nationalsozialismus und stellen organisierte Rechtsextremisten als Mitarbeiter ein, sogar verurteilte Gewalttäter.
(Sven Wendorf [AfD]: Was? Das sagt die Mauerschützenpartei! – Stephan Brandner [AfD]: Wir haben keine Mauermörder in unseren Reihen!)
Dieser Antrag ist kein Beitrag zur Transparenz. Er ist ein Angriff: auf den Rechtsstaat, auf die Demokratie und auf alle Menschen, die die Demokratie verteidigen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Sven Wendorf [AfD]: Wie in der Deutschen Demokratischen Republik!)
Und: Dieser Angriff der AfD auf Nichtregierungsorganisationen ist kein Zufall.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ja! Das stimmt!)
Was dahintersteht, würden Sie von der AfD niemals offen zugeben; denn es entspringt vor allem einem Gefühl: Angst. Sie haben Angst vor einer selbstbewussten, kritischen und solidarischen Zivilgesellschaft.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Quatsch!)
Sie haben Angst vor Menschen, die sich organisieren, die Ihnen widersprechen, die sich einmischen und Ihrer Politik etwas entgegensetzen.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Quatsch!)
Denn Sie wissen genau: Diese Menschen sind das Bollwerk zwischen Ihnen und dem ungehinderten Zugriff auf die Macht.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Tja! Die wird bald weg sein!)
Wenn wir hier von Nichtregierungsorganisationen sprechen, dann reden wir nicht über abstrakte Konstrukte. Wir reden über große und kleine Vereine, über Menschen, die hier in Deutschland arbeiten, lokal, konkret, oft ehrenamtlich. Wir reden aber auch über Organisationen, die weit über Deutschland hinaus wirken. Allen voran sprechen wir über Menschen, die Verantwortung übernommen haben, nachdem zentrale Programme der internationalen Entwicklungszusammenarbeit weggebrochen sind. Dort, wo Hilfe gestrichen wurde, wo Staaten sich aus der Verantwortung gezogen haben, sind solidarische Strukturen eingesprungen. Und Sie diffamieren das als Luxus oder Ideologie. Tatsächlich verhindern diese Organisationen häufig das Schlimmste: Hunger, Flucht oder Tod.
Sehr geehrte Damen und Herren, was mich an der Stelle aber besonders fassungslos macht: Die menschenverachtenden Kampagnen stoßen bei der Union offenbar auf fruchtbaren Boden.
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Was? Jetzt bin ich gespannt, was kommt! – Gegenruf des Abg. Stephan Brandner [AfD]: Jetzt seid ihr dran!)
Im Februar 2025 hat die Unionsfraktion eine Kleine Anfrage mit 551 Fragen zur politischen Neutralität staatlich geförderter Organisationen in den Bundestag eingebracht.
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Das Stellen von Anfragen ist doch kein Verbrechen!)
Das ist die Realität, Herr Hoppenstedt. Sie haben diese Kleine Anfrage eingebracht.
(Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU]: Das stimmt! Die Frage muss man doch stellen!)
Mit diesen Fragen haben Sie von der Union Organisationen gezielt unter Generalverdacht gestellt,
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Was heißt „Generalverdacht“?)
und das nicht aus Interesse an Transparenz, sondern um diejenigen einzuschüchtern, die Rassismus benennen und das auch laut aussprechen.
(Beifall bei der Linken)
Gleichzeitig halbiert die Bundesregierung die Mittel für humanitäre Hilfe. Kinder hungern, weil diese Bundesregierung Aufrüstung priorisiert und Humanität zur Verhandlungsmasse macht. Der Angriff auf die Zivilgesellschaft ist damit das Ergebnis einer unheilvollen Arbeitsteilung: Die einen diffamieren NGOs mit Lügen und Kampagnen, die anderen entziehen ihnen die finanzielle Grundlage. Das Ziel ist dasselbe: eine Gesellschaft, die ihre Widerstandskraft gegen den autoritären Umbau verliert.
(Beifall bei der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage von Dr. Hoppenstedt zu?
Clara Bünger (Die Linke):
Ja, sehr gerne.
Dr. Hendrik Hoppenstedt (CDU/CSU):
Frau Kollegin, ganz herzlichen Dank. – Ich verwehre mich erst mal gegen den Vorwurf, wir würden hier irgendwelche Nichtregierungsorganisationen diffamieren. Es ist ein Unterschied, ob ich jemanden diffamiere oder ob ich ihm eine staatliche Förderung zukommen lasse.
Ich will Ihnen aus meiner persönlichen Erfahrung sagen, dass die „Omas gegen Rechts“, die hier heute schon so oft vorgekommen sind, mich zum Beispiel mehrfach von Demonstrationen ausgeladen haben mit der Argumentation, ich sei Angehöriger einer Partei und Fraktion, die antidemokratisch sei. Teilen Sie das?
(Stephan Brandner [AfD]: So schnell kann das gehen! – Weiterer Zuruf von der AfD)
Clara Bünger (Die Linke):
Vielen Dank, Herr Hoppenstedt, für die Zwischenfrage. – Ich habe hier gesagt, dass die Union quasi dem, was die AfD macht, auf den Leim geht, indem sie selber eine Kleine Anfrage einreicht. Und ja, Sie haben 551 Fragen gestellt,
(Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU]: Zu Recht! Zu Recht!)
in denen Sie Organisationen tatsächlich unter Generalverdacht gestellt haben, und das sage nicht nur ich, sondern das sagen auch die Organisationen selber, die sich dadurch eingeschüchtert gefühlt haben.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Jemand, der Angst vor Fragen hat, der hat sich disqualifiziert für alles!)
Die Organisationen haben sich eingeschüchtert gefühlt und haben Angst, dass sie ihre Arbeit nicht fortsetzen können.
(Beifall bei der Linken)
Die Zivilgesellschaft braucht doch Unterstützung. Sie ist unter Druck von rechts. Die Rechten wollen die Zivilgesellschaft ausrotten; sie wollen sie ausmerzen.
(Lachen bei Abgeordneten der AfD – Peter Bohnhof [AfD]: Das ist eine Unverschämtheit! Echt! Nehmen Sie sich mal zusammen! – Sven Wendorf [AfD]: Was ist das für eine Wortwahl? – Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Sie wollen die Demokratie abschaffen. Deshalb müssen wir die Menschen, die hinter unserer Demokratie stehen, die die Demokratie verteidigen, auch verteidigen. Da können wir keine Kleinen Anfragen stellen und diese Personen unter Generalverdacht stellen. Ich war sehr verärgert, dass die Unionsfraktion das macht.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Oh, da waren Sie sehr verärgert! Peinlich! Peinlicher Auftritt!)
Abgesehen davon habe ich bei Ihrem Beitrag auch geklatscht, weil Sie auch Sachen gesagt haben, denen ich zustimmen würde.
(Stephan Brandner [AfD]: Ui!)
Aber ich muss sagen: Zu dem, was Sie hier gemacht haben und wie Sie sich teilweise an die AfD annähern – mit Projekten wie R21, einem Projekt, das fördern soll, dass die AfD und die Union eine Koalition eingehen; das sind Projekte, die auf dem Tisch liegen; das sind Tatsachen –, müssen wir ganz klar Nein sagen. Da muss die Demokratie stark sein und darf so etwas nicht zulassen.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten der SPD – Sven Wendorf [AfD]: Sie haben Angst vor dem Verlust linker Deutungshoheit! – Zuruf des Abg. Georg Schroeter [AfD])
Sehr geehrte Damen und Herren, aus diesen Gründen ist es wichtig – und das habe ich gerade schon gesagt –, dass die organisierte Zivilgesellschaft vor den Angriffen von der AfD, aber auch vor den Kürzungen der Bundesregierung geschützt wird. Sie braucht Unterstützung.
(Zuruf von der AfD: Nein!)
Denn die Menschen, die sich in diesem Land engagieren, sind das Rückgrat der Demokratie. Wir werden sie in den nächsten Zeiten noch brauchen, und deshalb brauchen sie unsere Unterstützung.
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Felix Döring [SPD] – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Wie in der Volkskammer!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat der Abgeordnete Dr. Martin Plum das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Martin Plum (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Untersuchungsausschüsse sind das schärfste Schwert parlamentarischer Kontrolle. Gerade deshalb setzen das Grundgesetz und das Untersuchungsausschussgesetz ihrer Einsetzung klare Grenzen. In einem Rechtsstaat mit Grundrechten und Gewaltenteilung darf auch das Parlament nicht gegen alles und jeden ermitteln.
Ein Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist insbesondere nur dann zulässig, wenn der Bundestag überhaupt für den Untersuchungsgegenstand zuständig ist und wenn der Antrag hinreichend bestimmt ist. Erfüllt der Antrag diese Voraussetzungen ganz oder auch nur teilweise nicht, muss der Bundestag ihn zwingend ablehnen.
Heute erleben wir in der parlamentarischen Primetime, dass die AfD-Fraktion auch nach acht Jahren im Deutschen Bundestag nicht in der Lage ist, einen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu formulieren, der diese grundlegenden Mindestanforderungen auch nur ansatzweise zu erfüllen mag.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Nancy Faeser [SPD] und Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Der Antrag missachtet gleich mehrfach die verfassungsrechtlichen Grenzen zulässiger parlamentarischer Kontrolle.
Erstens überschreitet er die Kompetenzen des Bundestages. Untersuchungsgegenstand soll die Förderung gemeinnütziger Organisationen nicht nur durch den Bund, sondern auch durch die EU sein. Dafür ist nicht der Deutsche Bundestag, sondern das Europaparlament zuständig.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Zweitens macht der Antrag das Verhalten von Abgeordneten in unzulässiger Weise zum Gegenstand eines Untersuchungsausschusses. Ihr Verhalten darf grundsätzlich nur nach ihrer Wahl in den Bundestag und auch dann nur unter engen Voraussetzungen untersucht werden.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist ja ein Glück für die AfD! Sonst würde ja jeder ihrer Abgeordneten dauernd untersucht werden müssen!)
Der beantragte Untersuchungsausschuss soll aber unterschiedslos und unabhängig von der konkreten Mandatszeit für alle ehemaligen und aktuellen Abgeordneten klären, ob sie in den letzten zehn Jahren Mitglied oder Förderer einer staatlich geförderten Organisation waren. Auch das überschreitet klar die Grenzen zulässiger parlamentarischer Kontrolle.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Drittens greift der Antrag dann auch noch in unzulässiger Weise in das Privat- und Familienleben von Abgeordneten ein. Der Untersuchungsausschuss soll auch klären, ob „nahe Angehörige/Verwandte … oder … Geschäftspartner“ von Abgeordneten Mitglied oder Förderer staatlich geförderter Organisationen waren.
(Stephan Brandner [AfD]: Ja, das wüssten wir gerne!)
Damit sollen zum einen rein private Sachverhalte ohne erkennbares öffentliches Interesse ausgeforscht werden.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ach so, „ohne erkennbares Interesse“! Klar!)
Zum anderen ist der Untersuchungsauftrag vollkommen unbestimmt.
„Nahe Angehörige/Verwandte … oder … Geschäftspartner“, das umfasst Oma und Opa, Eltern und Geschwister, Tante und Onkel, Cousins und Cousinen, Nichten und Neffen, Schwägerinnen und Schwippschwager, Ehepartner und Kinder, Enkel und Urenkel
(Maja Wallstein [SPD]: Ja! Hört! Hört!)
genauso wie Bäcker und Metzger, Florist und Friseur, Gärtner und Elektriker,
(Beifall der Abg. Maja Wallstein [SPD])
Auto- und Obsthändler, Supermarkt- und Fitnessstudiobetreiber, Haus- und Zahnarzt oder den Wirt aus der Eckkneipe.
(Maja Wallstein [SPD]: Wow! – Dr. Inge Gräßle [CDU/CSU]: Alle!)
Dass ein solcher Untersuchungsgegenstand nicht nur offensichtlich verfassungswidrig, sondern auch schlicht und ergreifend absurd ist, muss man in diesem Haus niemandem erklären – natürlich mit Ausnahme der antragstellenden Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Maja Wallstein [SPD]: Bravo!)
Aber auch im Übrigen wimmelt der Antrag nur so von unbestimmten Rechtsbegriffen. Ein Beispiel: Der Untersuchungsausschuss soll alle gemeinnützigen Organisationen untersuchen, die in den letzten zehn Jahren Fördermittel oder sonstige Zuwendungen des Bundes erhalten haben.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Genau!)
Das betrifft dann den örtlichen Sportverein, der seine Halle mit Bundesmitteln saniert hat, ebenso wie die Schützenbruderschaft, die für eine Veranstaltung einen Zuschuss bekommen hat, den Musikverein, der dank Bundesunterstützung seine Vereinsarbeit digitalisiert hat, oder die Jugendbildungsstätte, die dank einer Überbrückungshilfe die Coronapandemie überstanden hat.
(Maja Wallstein [SPD], an die AfD gewandt: Das ist ja interessant!)
Für diese Organisationen soll zudem ermittelt werden, welche Spenden und Zuwendungen sie aus der Wirtschaft, von parteinahen Stiftungen und sonstigen juristischen Organisationen erhalten haben.
(Maja Wallstein [SPD]: Ja!)
Das hieße konkret: Der örtliche Sportverein muss seine Turniersponsoren benennen, die Schützenbruderschaft jedes gestiftete Fass Bier, der Musikverein jedes gespendete Instrument und die Jugendbildungsstätte die Stiftung, die eine Ferienfreizeit für Kinder aus einkommensschwachen Familien überhaupt erst ermöglicht hat.
(Maja Wallstein [SPD]: Das will die AfD!)
Das ist vollkommen uferlos und evident unzulässig.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Sie wissen schon, dass es Datenbanken gibt! Sie wissen schon, dass wir PCs haben!)
Den parlamentarischen Tiefpunkt aber erreicht der Antrag schließlich mit der Forderung, der Untersuchungsausschuss solle prüfen, wie sich in Deutschland ein „deep state“ unterbinden oder gar beseitigen lasse – geschwurbelte Verschwörungstheorien in Reinform, und das in einem Antrag des Deutschen Bundestages.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Statt mit Schattenstaaten sollten Sie von der AfD sich lieber einmal mit Schurkenstaaten kritisch auseinandersetzen.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Udo Theodor Hemmelgarn [AfD]: Das haben Sie ja schon getan!)
Aber zu denen pflegen Sie als Putin-treue Vasallen ja lieber allerbeste Beziehungen.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie des Abg. Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Zusammengefasst: Dem Antrag der AfD-Fraktion fehlt jede parlamentarische Ernsthaftigkeit.
(Johannes Schraps [SPD]: Sehr richtig!)
Es handelt sich um puren politischen Klamauk. Wir spielen dieses Theater nicht mit; denn es ist diesem Hohen Haus schlicht und ergreifend nicht würdig.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Maja Wallstein [SPD]: Bravo! – Sven Wendorf [AfD]: Dann machen Sie es doch besser! Sie machen gar nichts!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Kurzer Hinweis: Für Zwischenfragen frühzeitig melden. Ich unterbreche keinen Redner bei seinem letzten Satz bzw. wenn die Zeit rum ist. Das nur als Hinweis.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Der Kollege hat mich ignoriert!)
– Vielleicht kann Herr Brandner genau das dann aufgreifen, was Sie gerne gefragt hätten.
Herr Brandner für die AfD. Bitte sehr.
(Beifall bei der AfD)
Stephan Brandner (AfD):
Ich versuche es mal ohne Brille; dann sehe ich Sie nicht so scharf. Das entspannt so ein bisschen am Rednerpult. –
(Felix Döring [SPD]: Leider haben wir keine Augenbinden! – Zuruf des Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Aufregung hier im Raum versteht man eigentlich kaum. Das Einzige, was die Alternative für Deutschland möchte, ist, einen Untersuchungsausschuss einzurichten, um die intransparenten Geldflüsse in sogenannte Nichtregierungsorganisationen – die sich nahezu ausschließlich aus Steuergeld, was von der Regierung bereitgestellt wird, finanzieren – aufzudecken.
(Felix Döring [SPD]: Das ist wie die Finanzierung Ihrer Fraktion! – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir wollen also mehr Klarheit, mehr Transparenz, mehr Wahrheit, und Sie sperren sich dagegen.
(Beifall bei der AfD)
Warum tun Sie das? Es gibt ja den Spruch: „Getroffene Hunde bellen.“ Was ich hier übertragen höre, ist ein Kläffen und Jaulen von Ihnen, weil Sie offenbar sehr viel zu verbergen haben.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, und ich kriege langsam Tinnitus! Ich habe so ein Pfeifen, seit Sie vorne stehen!)
Herr Plum, ich weiß nicht, ob Sie sich gerade künstlich dumm gestellt haben. Es gibt ja die künstliche Intelligenz. Es gibt möglicherweise auch die künstliche Dummheit.
(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der AfD)
Es geht natürlich nicht um die örtlichen Vereine, um die Feuerwehrvereine, um die Schützenvereine und um die Fußballvereine –
(Abg. Dr. Martin Plum [CDU/CSU] meldet sich zu einer Zwischenfrage – Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Das schreiben Sie in diesem Antrag so!)
– Herr Plum macht mich ein bisschen nervös –,
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nervös sind Sie den ganzen Tag schon! Das merken wir!)
sondern es geht natürlich um die intransparenten Antifa-Strukturen, die dazu führen, dass wir bürgerkriegsähnliche Zustände auf den Straßen haben, wie beispielsweise vor einigen Wochen in Gießen,
(Felix Döring [SPD]: „Bürgerkriegsähnliche Zustände“?)
wo über 50 Polizeibeamte verletzt, teilweise schwer verletzt wurden.
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Sie sehen doch schon wieder ganz schlecht aus! Schwache Argumentation!)
Warum? Weil Sie Ihre Truppenteile auf die Straßen geschickt haben, die Truppenteile, die intransparent finanziert werden, und die Transparenz wollen wir herstellen, um den Menschen draußen klarzumachen, wo die Steuergelder versickern.
(Beifall bei der AfD)
Links ist vorbei!
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage von Dr. Plum zu?
Stephan Brandner (AfD):
Wenn Sie die Uhr anhalten, gerne.
Präsidentin Julia Klöckner:
Die halte ich dann an, wenn Sie Ja gesagt haben.
Stephan Brandner (AfD):
Ja.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich habe das schon im Griff, keine Sorge.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Stephan Brandner (AfD):
Die Uhr läuft ja immer noch. Zehn Sekunden sind jetzt weg.
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh! – Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mimimimimi!)
Herr Plum.
Dr. Martin Plum (CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Kollege Brandner, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Ich empfehle Ihnen einmal, Ihren eigenen Antrag zu lesen. Unter Ziffer III Nummer 17 wird das Ziel formuliert: Der Untersuchungsausschuss soll insbesondere klären, „welche gemeinnützigen Organisationen, die nicht zu den in der Nummer 1 genannten Organisationen zählen“ – was Organisationen sind, die Fördermittel im Rahmen des Förderprogramms „Demokratie leben!“ erhalten – „seit dem 01.01.2015 bis zum 23.02.2025“ Bundesmittel erhalten haben.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach!)
Das heißt, es geht um alle gemeinnützigen Organisationen, die innerhalb dieses Zehnjahreszeitraums irgendwelche Bundesmittel erhalten haben.
(Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Hört! Hört!)
Gemeinnützige Organisationen sind eben auch Sportvereine, das sind Musikvereine, das sind Kulturvereine, das sind Brauchtumsvereine, das sind Karnevalsvereine.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Eine Abschichtung ist Ihnen nicht bekannt, oder?)
All das ist von diesem Untersuchungsgegenstand erfasst.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber dann hat Herr Brandner ja gerade Unsinn erzählt! Dann ist ja gar nicht wahr, was Herr Brandner erzählt hat! Das ist ja unglaublich!)
Das ist ein unzulässiger Antrag. Sie sind nicht in der Lage, einen zulässigen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zu formulieren.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Das ist offensichtlich, wenn man sich das durchliest.
Stephan Brandner (AfD):
Ich habe jetzt zwar keine Frage von Ihnen gehört,
(Ansgar Heveling [CDU/CSU]: Doch!)
aber ich knüpfe da noch mal an, wo ich gerade aufgehört habe: Ich hatte zu Ihren Gunsten unterstellt, dass Sie sich künstlich dumm gestellt haben. Sie würden sich doch alle nicht aufregen, wenn es um das Dach eines Feuerwehrhauses ginge
(Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Lesen Sie doch mal Ihre eigenen Anträge! Lesen Sie doch, was Sie geschrieben haben! – Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Beantworten Sie doch mal die Frage! – Zuruf des Abg. Ansgar Heveling [CDU/CSU)
oder wenn es um ein Grillfest des örtlichen Feuerwehrvereins ginge. Dann wären Sie alle mucksmäuschenstill und würden sich gar nicht aufregen. Sie alle wissen genau, worum es geht:
(Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Sie wissen noch nicht mal, was in Ihrem Antrag steht! – Dr. Hendrik Hoppenstedt [CDU/CSU]: Schreiben Sie das doch in Ihren Antrag rein!)
um die Aufdeckung intransparenter Strukturen, die dazu führen, dass links nicht vorbei ist, sondern dass links stärker ist denn je.
(Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Sie lenken ab von Ihrem eigenen Unwissen!)
Sie von der CDU haben sich einfach vorführen und am Nasenring durch die Manege ziehen lassen. Das hat mit dem Antrag, den wir hier vorstellen, überhaupt nichts zu tun.
(Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Das steht dadrin! Lesen Sie es!)
– Sie versuchen, irgendwelche Nebelkerzen zu zünden, und erklären den Leuten draußen, dass wir darüber debattieren, ob Grillwürstchen beim Feuerwehrfest transparent gemacht werden sollen.
(Dr. Martin Plum [CDU/CSU]: Das wollen Sie nach Ihrem Antrag! Das wollen Sie! – Zurufe von der SPD sowie der Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Clara Bünger [Die Linke])
– Das ist doch völliger Unsinn, was Sie erzählen, Herr Plum.
Wir wollen ganz klar machen, wo Steuermittel in Deutschland hinfließen.
(Zurufe der Abg. Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Clara Bünger [Die Linke])
Und diese gehen in Richtung einer gewalttätigen Antifa, „Omas gegen Rechts“, Amadeu Antonio Stiftung und wie sie alle heißen.
(Beifall bei der AfD)
Das wollen wir transparent machen, und darüber regen Sie sich auf und schmeißen Nebelkerzen. Das ist völliger Unsinn, was Sie hier berichten.
Präsidentin Julia Klöckner:
Damit ist die Frage beantwortet. Die Zeit läuft weiter.
Stephan Brandner (AfD):
„Links ist vorbei“ – da habe ich gerade aufgehört –, das ist ein Spruch von Friedrich Merz bei seinem peinlichen Auftritt,
(Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was steht jetzt dadrin in eurem Antrag?)
bei dem er sagte, er bräuchte nur mit dem Dienstwagenschlüssel zu klimpern, und schon wären die Linken still. Links ist nicht vorbei. Vernunft ist vorbei, seitdem diese Koalition in Deutschland regiert.
(Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Oh, ist das jämmerlich!)
Ich habe es gerade gesagt: SPD, Linke, Grüne führen Sie durch die Manege, und Sie kletten sich an sie allein um des Machterhalts willen. Das ist Ihr Ansatz von Politik; unser Ansatz ist das nicht. Mit uns wäre links vorbei,
(Clara Bünger [Die Linke]: Mit Ihnen wäre der Verstand vorbei!)
mit uns wäre die Vernunft wieder da, und wir hätten eine vernünftige Zivilgesellschaft, die sich auch selber finanzieren würde, weil die Menschen der Zivilgesellschaft auch Geld geben würden, weil sie sehen: Das sind vernünftige Sachen. – Genauso funktionieren übrigens auch Vereine vor Ort. Die werden auch nicht nur aus Steuergeldern bezahlt, sondern auch von Menschen, die hinter den Zielen der Vereine stehen. Das ist hier nirgendwo der Fall.
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat denn Ihre MAGA-Reise bezahlt?)
Offenbar hat jemand auch Herrn Wiese eine Frage aufgeschrieben. Bitte, ich habe nichts dagegen, Herr Wiese.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil Sie nichts zu sagen haben, freuen Sie sich über die Fragen!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Brandner, Sie lassen diese Frage zu?
Stephan Brandner (AfD):
Ja, klar. Gerne.
Präsidentin Julia Klöckner:
Gut, sehr schön. – Ich will nur kurz noch mal festhalten: Wir müssen nicht kommentieren, ob jemand jemandem eine Frage aufgeschrieben hat. Abgeordnete haben das Recht, sich zu Zwischenfragen zu melden. – Bitte, Herr Wiese.
(Dr. Bernd Baumann [AfD]: Das müssen Sie jetzt aber auch nicht sagen!)
Stephan Brandner (AfD):
Herr Wiese ist ja öfter mal auffällig durch Zwischenfragen, die ihm seine Referenten aufgeschrieben haben und die er versucht irgendwie unterzubringen.
(Dr. Carolin Wagner [SPD]: Einfach mal den Mund halten, Mensch! Meine Güte! – Tarek Al-Wazir [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Halt doch mal den Rand!)
Dirk Wiese (SPD):
Herr Dr. Brandner, mir schreibt keiner Zwischenfragen auf, sondern sie ergeben sich aus einer parlamentarischen Debatte, wenn der Redner am Pult fragwürdige Äußerungen tätigt und das Nachfragen provoziert. Das ist in einer Demokratie üblich, und das müssen Sie auch über sich ergehen lassen.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich fand es gerade interessant, Herr Brandner, dass Sie gesagt haben, Sie wollen wissen, wo Steuermittel hinfließen, und Sie wollen Transparenz schaffen. Das finde ich richtig und gut. Jetzt möchte ich Ihnen gerne die Frage stellen, wie Sie zu den Vorwürfen des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt gegen die Spitze des Landesverbandes der AfD in Sachsen-Anhalt stehen. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen den Landesvorsitzenden Martin Reichardt und gegen den Spitzenkandidaten der AfD, Ulrich Siegmund. Er schreibt bzw. wirft vor, dass der Vorstand Privatreisen unter dem Deckmantel von parlamentarischer Tätigkeit, damit Veruntreuung von Steuermitteln, unzulässige unternehmerische Verquickungen vorgenommen und weiteres parteischädigendes Verhalten, darunter potenzielle Straftaten, verübt hat.
Ich halte das für ziemlich schwere Vorwürfe, dass hier möglicherweise Steuergelder von der AfD in Sachsen-Anhalt veruntreut worden sind.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Stand das auf Facebook?)
Interessant ist ja auch, dass dieser Abgeordnete, Jan Wenzel Schmidt, mit Steuergeldern finanziert und mit Ihrer Billigung in die USA reist und möglicherweise an stattfindenden Abendessen und auch an Verquickungen teilnimmt. Würden Sie daher heute hier sagen, dass Sie persönlich zusichern, dass in den nächsten Tagen umfassend Aufklärung erfolgt, wie die AfD mit Steuergeldern in Landtag und Bundestag umgeht?
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Stephan Brandner (AfD):
Ich habe den Bericht heute auf Table Media gelesen, und dem muss man natürlich nachgehen. Das wird aufgeklärt, Herr Wiese.
(Zuruf des Abg. Dirk Wiese [SPD])
Ich hoffe, Sie gehen auch den Vorwürfen um Ihre korrupten Landräte nach, die in Nordrhein-Westfalen Aufenthaltsvisa verschoben haben, und klären diese und andere Geschichten auf. Ich hoffe, Sie gehen der Frage nach, wie Milliarden von Geldern beispielsweise bei der CDU durch Herrn Spahn verschlampt worden sind
(Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke] – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
für den Einkauf maßlos überteuerter Masken und solche Geschichten. Alles muss aufgeklärt werden; alles muss transparent gemacht werden.
(Zuruf von der SPD)
Das gilt natürlich für uns, aber natürlich auch für Sie.
Wenn ich diese Schäden in Höhe von 100 Milliarden Euro anschaue, die Sie und Ihre – ja, wie soll man sagen? – Einheitsfront der Altparteien in den letzten Jahren produziert haben, dann bin ich dafür, mehrere Untersuchungsausschüsse einzurichten. Übrigens, an die Grünen und an die Linken gerichtet: Wo bleibt denn der Antrag auf einen Untersuchungsausschuss zu Jens Spahn? Darauf warten wir schon ewige Zeiten. Der ist dringend erforderlich. An die CDU: Da geht es um Hunderte Millionen Euro. Wo bleibt der Untersuchungsausschuss zu Robert Habeck und solchen Geschichten? Es gibt sehr viel aufzuklären.
(Zurufe von der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Entschuldigung, Herr Brandner, in Ihrem Sinne: Wir sind gerade in der Beantwortung einer Zwischenfrage, und deshalb verbietet sich das Reinbrüllen von anderer Seite. Herr Brandner beantwortet jetzt die Frage, und das muss man auch aushalten. – Bitte sehr, Herr Brandner.
Stephan Brandner (AfD):
Wir sind ganz vorn dabei, wenn es um Aufklärung geht. Also bringen Sie Anträge zu Untersuchungsausschüssen zu Robert Habeck und Northvolt ein. Was Jens Spahn betrifft – das kann ich Ihnen jetzt schon sagen –, werden wir zustimmen und das Ganze transparent in die Weltgeschichte tragen. Wir sind ganz vorne dabei, Herr Wiese; da können wir gerne zusammenarbeiten.
(Zuruf des Abg. Dirk Wiese [SPD])
– Ich weiß nicht, wen Sie mit „Dr. Brandner“ meinten. Ich bin es jedenfalls nicht, Herr Dr. Wiese. – So weit zur Antwort auf Ihre Frage.
Wir waren bei der Frage der nützlichen Idioten; „nützliche Idioten“ habe ich, glaube ich, nicht gesagt, schließlich will ich keinen Ordnungsruf riskieren. Es gibt den Spruch in „Dantons Tod“ von Georg Büchner: „Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“. Sie von der CDU/CSU merken gar nicht, wie Sie von den NGOs aufgefressen werden. Sie freuen sich klammheimlich darüber und lachen sich ins Fäustchen, dass die Arbeit der NGOs, der Straßenterror, der Terror gegen Wahlkreisbüros, der Terror gegen Infostände die Alternative für Deutschland trifft. Da freuen sie sich klammheimlich darüber, auch wenn Sie hier dann das Gegenteil andeuten.
(Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Aber Sie verkennen: Die Nächsten sind Sie. Wir sind das Bollwerk gegen links. Das ist die Alternative für Deutschland hier im Deutschen Bundestag. Sobald wir weggeräumt sind, sind Sie dran.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD)
Sie haben es ja bei der Straßenbild-Debatte gemerkt, wie schnell die NGOs in der Lage sind, Zehntausende von Menschen auf die Straßen zu bekommen, um gegen irgendetwas zu demonstrieren.
(Zurufe der Abg. Rasha Nasr [SPD], Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Katrin Fey [Die Linke])
Das müssen auch die anderen Verbände und die Kirchen wissen. Sobald wir weg sind, sind die Verbände und die Kirchen dran, weil sich dann die NGOs, die Straßenterroristen von links, andere Opfer suchen und andere Stellen suchen, wo sie sich austoben können. Da sollten Sie mal ein bisschen strategisch weiterdenken, was diese links-woke Truppe von Links-Grün unserem Land inzwischen angetan haben.
(Clara Bünger [Die Linke]: Sind Sie denn auch Terrorist?)
Sie, von der CDU/CSU, lassen sich einfach vor diesen Karren spannen und den Karren weiter in den Dreck ziehen für Deutschland. Das hat Deutschland nicht verdient. Deutschland hat Sie von der CDU nicht verdient.
(Helge Limburg [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die CDU hat Sie nicht verdient!)
Sie sollten sich schämen, auch nur ansatzweise mit diesen Truppenteilen von der linken Seite zusammenzuarbeiten.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Maja Wallstein das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Maja Wallstein (SPD):
Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Besucherinnen und Besucher! Schön, dass Sie da sind, bei dieser sehr bemerkenswerten Debatte. Die AfD legt heute einen Antrag vor, in dem sie einen Untersuchungsausschuss fordert. Hand aufs Herz: Sie greift hier zivilgesellschaftliche Organisationen an, auch weil diese Aktivitäten der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD bewerten
(Stephan Brandner [AfD]: Von Ihrem Verfassungsschutz!)
und eben auch auf die Folgen für unsere Gesellschaft und die Demokratie aufmerksam machen. Die AfD wittert hier Wahlbeeinflussung.
(Zuruf von der AfD)
Es ist übrigens die gleiche AfD, die sich von einem ausländischen Techoligarchen Wahlkampfunterstützung holt.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Das ärgert Sie, was?)
Derzeit wird geprüft, ob das illegale Wahlkampfbeeinflussung und damit strafbar ist.
(Stephan Brandner [AfD]: Sie sind doch nur neidisch!)
Es ist auch die gleiche AfD, deren Abgeordnete auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler Luxusreisen in die USA organisieren
(Zuruf des Abg. Sven Wendorf [AfD])
und sich dort auf Partys mit Republikanern amüsieren und dabei die Ehefrau gleich mitnehmen. Es ist die gleiche AfD, die auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler Rechtsextreme als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundestag einstellt und sogar, wie im Fall eines Landtagsabgeordneten in Sachsen-Anhalt, die Ehefrau auch gleich als Mitarbeiterin anstellt. Für mich klingt das ein bisschen wie Selbstbedienung auf Kosten der Steuerzahler, aber auch wie ein Angriff auf unsere Demokratie von innen her
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- part_of_vorgang → Sammelübersicht 142 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Verordnung zur Anpassung nationaler chemikalienrechtlicher Regelungen an das Unionsrecht durch Änderung der Chemikalien-Ozonschichtverordnun (Beratung)
- part_of_vorgang → Verordnung zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/573 über fluorierte Treibhausgase (Beratung)
- part_of_vorgang → Vorzeitige Teilrückzahlung Portugals von Krediten des Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus Antrag auf Einholung eines zustimmenden (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl der Abg Kathrin Michel (SPD) zur Schriftführerin als Nachfolgerin für den Abg Dr. Christos Pantazis (Wahl)
- part_of_vorgang → Wahl der Abg Vivian Tauschwitz (CDU/CSU) in den Stiftungsrat der Deutschen Härtefallstiftung als Nachfolgerin für die Abg Kerstin Vieregge (Wahl)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds für die Gemeinsame Kommission von Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der "Colonia Dignidad" (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds für die Gemeinsame Kommission von Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der "Colonia Dignidad" (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl von Mitgliedern für die Gemeinsame Kommission von Bundestag und Bundesregierung zur Aufarbeitung der Verbrechen der "Colonia Dignidad" (Beratung)
- part_of_vorgang → Zweite Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025 (Beratung)
- part_of_vorgang → Zweites Gesetz zur Änderung des Europol-Gesetzes (3. Beratung)
- part_of_vorgang → Zweites Gesetz zur Änderung des Luftsicherheitsgesetzes (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Zweites Gesetz zur Änderung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes (2. Beratung)
- spoke_in ← Alaa Alhamwi (Rede)
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