2. Sitzungswoche 2026 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 20. bis 24. April 2026 in Straßburg, Frankreich
Text
2. Sitzungswoche 2026 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 20. bis 24. April 2026 in Straßburg, Frankreich
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7500
21. Wahlperiode 07.08.2026
Unterrichtung
durch die Delegation der Bundesrepublik Deutschland in der
Parlamentarischen Versammlung des Europarates
2. Sitzungswoche 2026 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates
vom 20. bis 24. April 2026 in Straßburg, Frankreich
Inhal tsverzeichnis
Seite
1 Teilnehmende Delegationsmitglieder ............................................ 2
2 Tagesordnung der Sitzungswoche ................................................. 3
3 Schwerpunkte der Sitzungswoche ................................................. 6
3.1 Überblick .......................................................................................... 6
3.2 Ausgewählte Debatten und Ansprachen ........................................... 8
4 Verabschiedete Empfehlungen und Entschließungen ................. 11
5 Reden der Delegationsmitglieder .................................................. 47
1 Teilnehmende Delegationsmitglieder
Die 2. Sitzungswoche 2026 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PVER) fand vom 20. bis
24. April 2026 in Straßburg statt. Folgende Delegationsmitglieder nahmen an der Sitzungswoche teil:
Abgeordneter Knut Abraham (CDU/CSU), Delegationsleiter
Abgeordneter Adam Balten (AfD)
Abgeordnete Janina Böttger (Die Linke)
Abgeordnete Nancy Faeser (SPD)
Abgeordnete Gabriela Heinrich (SPD), stellvertretende Delegationsleiterin
Abgeordneter Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Abgeordneter Dr. Malte Kaufmann (AfD)
Abgeordnete Martina Kempf (AfD)
Abgeordneter Achim Köhler (AfD)
Abgeordnete Patricia Lips (CDU/ CSU)
Abgeordneter Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Abgeordnete Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Abgeordneter Frank Schwabe (SPD)
Abgeordneter Serdar Yüksel (SPD)
2 Tagesordnung der Sitzungswoche
Montag, 20. April 2026
1. Eröffnung der Sitzungswoche
1.1. Ansprache des Präsidenten der Versammlung
1.2. Prüfung der Beglaubigungsschreiben
1.3. Ernennung der Mitglieder in den Ausschüssen
1.4. Anträge auf Debatten
1.4.1. Dringlichkeitsdebatte: „Antrag auf Stellungnahme zum Entwurf eines
Zusatzprotokolls zum Übereinkommen des Europarats über Geldwäscherei,
Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten sowie über
die Finanzierung des Terrorismus“
1.4.2. Aktualitätsdebatte: „Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit: Ein Aufruf zu
verstärkten Bemühungen zur Einrichtung des Sondergerichtshofs für das Verbrechen
der Aggression gegen die Ukraine“
1.4.3. Dringlichkeitsdebatte: „Aussetzung des Beobachterstatus Israels bei der
Parlamentarischen Versammlung des Europarates angesichts systematischer Verstöße
gegen das Völkerrecht“
1.4.4. Dringlichkeitsdebatte: „Die Behandlung des israelischen Gesetzes zur Todesstrafe in
den besetzten palästinensischen Gebieten im Kontext der Normen des Europarats“
1.4.5. Aktualitätsdebatte: „Die Notwendigkeit der Achtung des Völkerrechts, des Friedens
und der Stabilität im Nahen und Mittleren Osten“
2. Tätigkeitsbericht
2.1. Fortschrittsbericht des Präsidiums und des Ständigen Ausschusses
Berichterstatter des Präsidiums: Pablo Hispan (Spanien, EPP/CD)
2.2. Beobachtung der Präsidentschaftswahlen in Kosovo (28. Dezember 2025)
Berichterstatter des Präsidiums: Yunus Emre (Türkei, SOC)
3. Ansprache, Herr Jean-Noel Barrot, Außenminister Frankreich
4. Preiszeremonie
4.1. Verleihung Museumspreis des Europarats 2026 an Young V&A
Dienstag, 21. April 2026
5. Debatte
5.1. Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine Bedrohung für die Demokratie
Berichterstatterin des Ausschusses für Politische Angelegenheiten und Demokratie:
Frau Elisabetta Gardini (Italien, ECPA)
6. Fragestunde: Herrn Alain Berset, Generalsekretär des Europarates
7. Ansprache des Ministerkomitees: Herr Mihai Popsoi, stellvertretender Ministerpräsident und
Außenminister der Republik Moldau, Vorsitzender des Ministerkomitees
8. Debatte (Fortsetzung)
8.1. Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine Bedrohung für die Demokratie
Berichterstatterin des Ausschusses für Politische Angelegenheiten und Demokratie:
Frau Elisabetta Gardini (Italien, ECPA)
9. Debatte
9.1. Diskriminierung aufgrund der Religion bekämpfen und die Religions- und Glaubensfreiheit in
Europa schützen
Berichterstatter des Ausschusses für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung:
Herr Francesco Verducci (Italien, SOC)
10. Debatte
10.1. Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für den Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte
Vorstellung des Berichts der Berichterstatterin des Ausschusses für die Wahl von Richterinnen und
Richtern für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Frau Petra Bayr (Österreich, SOC):
Frau Agnes Sirkka Prammer (Österreich, SOC)
Mittwoch, 22. April 2026
11. Gemeinsame Debatte
11.1. Die Istanbul-Konvention fördern und ihre Umsetzung verbessern: Auf den gewonnenen
Erkenntnissen aufbauen
Berichterstatterin des Ausschusses für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung:
Zita Gurmai (Ungarn, SOC)
11.2. Den Weg für eine Kultur des Einverständnisses ebnen
Berichterstatterin des Ausschusses für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung: Zita Gurmai
(Ungarn, SOC)
12. Ansprache: S.E. Herr Denis Bećirović, Vorsitzender des Präsidiums von Bosnien und Herzegowina
13. Ansprache: Tätigkeitsbericht 2025 des Menschenrechtskommissars des Europarats,
Michael O’Flaherty
14. Debatte
14.1. Auf dem Weg zur weltweiten und vollständigen Abschaffung der Todesstrafe
Berichterstatterin des Ausschusses für Recht und Menschenrechte:
Gala Veldhoen (Niederlande, SOC)
15. Debatte
15.1. Die Erlöse aus der von Sergej Magnitski zur Anzeige gebrachten Straftat verfolgen und die
Täter zur Rechenschaft ziehen
Berichterstatterin des Ausschusses für Recht und Menschenrechte:
Lesia Vasylenko (Ukraine, ALDE)
Donnerstag, 23. April 2026
16. Aktualitätsdebatte
16.1. Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit: Ein Aufruf zu verstärkten Bemühungen zur
Einrichtung des Sondergerichtshofs für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine
17. Aktualitätsdebatte
17.1. Die Notwendigkeit, das Völkerrecht, den Frieden und die Stabilität im Nahen und Mittleren
Osten zu achten
18. Dringlichkeitsdebatte
18.1. Ersuchen um Stellungnahme zum Entwurf eines Zusatzprotokolls zum Übereinkommen des
Europarats über Geldwäsche, Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus
Straftaten sowie über die Finanzierung des Terrorismus
Berichterstatter des Ausschusses für Recht und Menschenrechte:
Constantinos Efstathiou (Zypern, SOC)
19. Debatte
19.1. Europäische Leitlinien zur Bekämpfung von Sozialdumping und der Ausbeutung der
Arbeitskraft
Berichterstatterin des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und nachhaltige Entwicklung:
Valérie Piller Carrard (Schweiz, SOC)
20. Debatte
20.1. Die Durchsetzung des Urheberrechts im Bereich der künstlichen Intelligenz
Berichterstatter des Ausschusses für Kultur, Wissenschaft, Bildung und Medien:
Mogens Jensen (Dänemark, SOC)
Freitag, 24. April 2026
21. Freie Debatte
22. Tätigkeitsbericht des Präsidiums und des Ständigen Ausschusses (Fortsetzung)
23. Schließung der Tagung
3 Schwerpunkte der Sitzungswoche
3.1 Überblick
Unter der Leitung von Knut Abraham (CDU/CSU) nahmen rund 15 Abgeordnete aus allen Fraktionen an der
Sitzungswoche im April 2026 teil. Zur Eröffnung der Sitzungswoche forderte PVER-Präsidentin Petra Bayr die
Parlamentarier auf, entschlossen und prinzipientreu Führungsstärke in einer Welt der Krisen zu zeigen. In einer
Welt, in der internationales Recht gebogen und manchmal sogar gebrochen würde, in der demokratische Normen
herausgefordert würden, und Menschenrechte als optional anstatt universell behandelt würden, müsse Europa
Führung beweisen, so Präsidentin Bayr.
Die Versammlung diskutierte in der Sitzungswoche über die Abschaffung der Todesstrafe. Die Kommissarin
der Internationalen Kommission gegen die Todesstrafe, Barbara Lochbihler, wies auf das Paradox hin, dass die
Anzahl der Hinrichtungen steige, obwohl mehr Länder die Todesstrafe abgeschafft hätten. Die Abschaffung der
Todesstrafe sei eine Frage der Zivilisation, so PVER-Präsidentin Bayr. Die PVER werde keinerlei Rückschritte
beim Verbot der Todesstrafe in Europa akzeptieren. Eine Wiedereinführung der Todesstrafe sei daher unvereinbar
mit einer Mitgliedschaft im Europarat. Die Entschließung 2651(2026) der Versammlung bekräftigt die Ablehnung
der Todesstrafe unter allen Umständen und an allen Orten. Die Versammlung verurteilte die Annahme eines
Gesetzes zur Anwendung der Todesstrafe gegen Terroristen in der Knesset aufgrund seiner „diskriminierende[n]
Auswirkungen auf Palästinenser“. Die PVER forderte Israel auf, das Gesetz nicht anzuwenden und
zurückzunehmen. Es sei nicht mit den Werten des Europarates vereinbar, weshalb der Beobachterstatus von Israel gemäß der
Entschließung unter „sorgfältiger Überprüfung“ stehe. Ein Bericht über die mögliche Suspendierung von Israels
Beobachterstatus wird im Ausschuss für Politische Angelegenheiten und Demokratie behandelt. Die Knesset hat
seit 1957 Beobachterstatus in der PVER.
Des Weiteren diskutierte die PVER in einer Aktualitätsdebatte über die Notwendigkeit der Achtung von
internationalem Recht, Frieden und Stabilität im Nahen und Mittleren Osten. Berichterstatter Pierro Fassino
(Italien, SOC) wies darauf hin, dass es ohne eine politische Strategie und durch den unilateralen Einsatz von Gewalt
und Waffen keine Lösung geben werde. Abgeordneter Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) forderte die
PVER auf, den Glauben an eine Zwei-Staatenlösung nicht aufzugeben und sich stärker im Nahen Osten zu
engagieren. Zudem erinnerte er an das Leid der iranischen Bevölkerung, insbesondere der Frauen und Minderheiten.
In einer weiteren Aktualitätsdebatte forderte die Versammlung stärkere Anstrengungen für die Einrichtung des
Sondertribunals für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine. Berichterstatter Abgeordneter Frank
Schwabe (SPD) rief die Mitgliedstaaten des Europarates zum Beitritt und der Klärung der Finanzierungsfrage auf.
Man müsse sich vom politischen Bekenntnis zur operationalen Umsetzung des Sondertribunals bewegen, so
Abg. Schwabe. Das Sondertribunal soll die russischen politischen und militärischen Führungspersonen zur
Verantwortung ziehen. Seit Januar 2026 schreitet eine Kerngruppe von Mitgliedstaaten mit der Vorbereitung des
Tribunals voran. Auf einem Treffen des Ministerkomitees am 15. Mai 2026 haben 36 Staaten – darunter
Deutschland, die beiden Nicht-Mitgliedstaaten des Europarates Australien und Costa Rica und die EU ihre Absicht
bekundet, einem Erweiterten Teilabkommen für die Einrichtung des Sondertribunals beizutreten. Das Abkommen
muss noch im Bundestag ratifiziert werden.
Des Weiteren nahm die Versammlung eine Entschließung über die Personen, die für die Misshandlung und den
Tod des russischen Steuerberaters Sergei Magnitski verantwortlich sind, an. Magnitski starb 2009 in russischer
Haft, nachdem er umfassenden Steuerbetrug unter Beteiligung korrupter russischer Regierungsbeamter mit
Verbindungen zum russischen Finanzministerium aufgedeckt hatte. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte
(EGMR) hatte zahlreiche Menschenrechtsverletzungen in dem Fall im Jahr 2019 festgestellt. Die Entschließung
stellt fest, die Gelder des Steuerbetrugs seien über ein komplexes Netzwerk, möglicherweise über mehrere EU-
Staaten, gewaschen worden. Die Versammlung bedauerte, dass Verfahren in mehreren Staaten zu keinem
Ergebnis geführt hätten. In Bezug auf die Schweiz bedauerte die PVER, dass ursprünglich beschlagnahmte Gelder an
drei russische Staatsbürger zurückgegeben wurden und die Aufklärung von einer Annahme von „unzulässigen
Vorteilen“ durch Schweizer Beamte von russischen Beamten und Oligarchen überschattet wurde.
Die PVER nahm außerdem Änderungen am Verfahren der Richterwahl des EGMR an. Angesichts der
aktuellen Herausforderungen müsse die Autorität des EGMR gestärkt werden, indem alle EGMR-Richter die „höchste
Kompetenz, Unabhängigkeit und Neutralität“ besäßen und die Richterwahl „fair, transparent und effizient“
erfolge. Die Verzögerungen von einigen Regierungen neue Kandidatinnen und Kandidaten für die Richterwahl
aufzustellen, sei bedauerlich. Die Versammlung schlug daher vor, die neunjährige Amtszeit von bereits gewählten
Richtern, um maximal ein Jahr zu verlängern.
Diskutiert wurde auch über die zunehmende Gewalt und Hassrede gegenüber Politikerinnen und Politikern.
Die Angriffe auf Politikerinnen und Politiker wirkten sich negativ auf die Demokratie und den Pluralismus aus,
da gewählte Politiker ihr Verhalten anpassen würden und Personen davon abgeschreckt würden, in die Politik zu
gehen. Frauen, Angehörige von Minderheiten und junge Politiker seien besonders betroffen. In der Entschließung
werden die Mitgliedstaaten aufgefordert, Gesetze, welche die unterschiedlichen Formen der Gewalt gegen
Politikerinnen und Politiker als strafbares Vergehen einstufen, zu verabschieden und die Justizbehörden mit genügend
Ressourcen auszustatten. Zudem müssten Politiker mit gutem Beispiel vorangehen und auf hetzerische
Äußerungen verzichten.
Des Weiteren stellte der Menschenrechtskommissar des Europarates, Michael O´Flaherty, seinen
Aktivitätenbericht über das Jahr 2025 vor. Die Welt erlebe einen „tiefgreifenden Epochenwechsel“, der die Grundfeste der
Menschenrechte bedrohe. Es drohe der Verlust der bestehenden Menschenrechtsnormen. Er sei tief besorgt über
das Ausmaß an Menschenrechtsverletzungen und die Ablehnung von Menschenrechtsstandards innerhalb der
politischen Mitte. Der Wandel zeige sich insbesondere an den Grenzen Europas und im Umgang mit Migration. Die
begrenzten Ressourcen seines Amts erforderten eine Fokussierung seiner Arbeit. Er verfolge in seiner Amtszeit
vier Prioritäten. Die erste Priorität läge auf den Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die
Menschenrechte. Jeder Weg zum Frieden in der Ukraine müsse die Menschen in den Mittelpunkt stellen. Der
Aggressionskrieg in der Ukraine sei ein Krieg gegen die Ukrainer, alle Europäer und deren Werte. Seine zweite Priorität läge
auf der Einbeziehung der Menschenrechte in die großen Themen der Zeit, wie zum Beispiel Migration, Umwelt
und Künstlicher Intelligenz (KI). Auf den Menschen, die man am meisten vergesse, wie beispielsweise den Roma
oder den Senioren, liege sein dritter Schwerpunkt. Schließlich kümmere er sich um den Schutz von
Menschenrechtsverteidigern und der Zivilgesellschaft. Der Menschenrechtskommissar des Europarates hatte im
Oktober 2025 Deutschland besucht. Die Schwerpunkte seiner Reise lagen auf der Versammlungsfreiheit, der
Meinungsfreiheit sowie der Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung. Nach seinem Besuch warnte er vor
einem schrumpfenden Raum für die Zivilgesellschaft und die Menschenrechtsverteidiger in Deutschland. Auch
sei er über die Einschränkungen bei friedlichen Demonstrationen, insbesondere bei den Protesten zu Palästina und
Gaza, sowie über Berichte über „unverhältnismäßige“ Polizeigewalt besorgt. Zudem rief er auf, den steigenden
Antisemitismus und antimuslimischen Hass zu bekämpfen.1
Der französische Außenminister, Jean-Noël Barrot, warnte vor den Bedrohungen der Menschenrechte,
Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, auch in Ländern Europas, die bei der Verteidigung dieser Werte an der Spitze
stehen. Europa müsse die Grundrechte und Freiheiten verteidigen, da die Gewalt über die Rechtstaatlichkeit täglich
an Boden gewinne. Barrot forderte, dass der Aufbau der europäischen militärischen, diplomatischen und
wirtschaftlichen Kräfte mit einer „demokratischen Aufrüstung“ einhergehe. Der Europarat könne und müsse stärker
werden, so Außenminister Barrot. Des Weiteren bekräftigte er Frankreichs „uneingeschränkte Unterstützung“ für
die Unabhängigkeit des EMGR. Frankreich sei sich seiner Verantwortung als Gastgeberland des Europarates in
Straßburg gänzlich bewusst.
Auch der Generalsekretär des Europarates, Alain Berset, forderte in seiner Ansprache die Delegierten auf, die
Demokratie voranzubringen. Die Demokratie sei immer noch lebendig wie die Wahlen in Bulgarien und Ungarn
gezeigt hätten. Er betonte auch die Notwendigkeit eines unabhängigen Gerichtshofs. „Die Unabhängigkeit des
Gerichtshofs sei unantastbar“, weshalb man den derzeitigen Druck auf den EGMR nicht einfach hinnehmen
könne, sondern handeln müsse, so Berset. Die Reform des Europarates diene dazu, die Werte des Europarates zu
bekräftigen und stärker verteidigen zu können. Die aktuelle Lage sei eine Zeit „tiefer geopolitischer Spannungen“.
Er mahnte, der Aggressionskrieg gegen die Ukraine dürfe aufgrund der Krisen in anderen Regionen nicht in
Vergessenheit geraten.
Der Außenminister von Moldau, Mihail Popşoi, forderte den Europarat auf, nicht nur auf Krisen zu reagieren,
sondern bereits zuvor zu handeln. Des Weiteren stellte Popşoi die Prioritäten des Vorsitzes von Moldau im
Ministerkomitee von November 2025 bis Mai 2026 vor. Schwerpunkte seien Frauenrechte, soziale Rechte, die
Beteiligung junger Erwachsener am lokalen und regionalen Leben, der Schutz von Journalisten sowie die Integrität
des Konventionssystems.
1 Für das Memorandum des Menschenrechtskommissars über seinen Deutschlandbesuch siehe https://rm.coe.int/memorandum-zum-be-
such-des-menschenrechtskommissars-in-deutschland-vom-/48802b5f90 (letzter Zugriff am 04.06.2026).
In seiner Rede vor der PVER wies der Vorsitzende des Staatspräsidiums von Bosnien und Herzegowina, Denis
Bećirović, auf die starke und beständige Zusammenarbeit mit dem Europarat seit dem Beitritt seines Landes im
April 2022 hin. Die Mitgliedschaft von Bosnien und Herzegowina im Europarat sei eine „strategische und
zivilisatorische“ Entscheidung. Gleichzeitig warnte er vor anhaltenden politischen Spannungen, Versuchen die
verfassungsgemäße Ordnung des Landes zu untergraben, sowie weiterer ethnischer Spaltungen des Landes. Bosnien
und Herzegowina müsse sich zu einer inklusiveren, bürgernahen Demokratie mit gleichen Rechten für alle Bürger
entwickeln. Zudem warb er für den Beitritt von Bosnien und Herzegowina in die EU und NATO.
Die deutsche Delegation führte bilaterale Gespräche mit der kanadischen Delegation und Vertretern der
Plattform der demokratischen Kräfte Russlands. Die Plattform wurde im Oktober 2025 gegründet und soll den
Dialog zwischen russischen Exilpolitikern und dem Europarat fördern. Die Mitglieder der Plattform müssen
mehrere Kriterien erfüllen, wie zum Beispiel die Anerkennung der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen
Integrität der Ukraine, Belarus, Georgiens und Moldaus.
Abgeordneter Adam Balten (AfD) reichte in der Sitzungswoche einen Antrag auf Entschließung mit dem Titel
„Die Wiederherstellung der meritokratischen Grundsätze und der verfassungsgemäßen Autonomie in der
parlamentarischen Repräsentation“ ein. Der Antrag kritisiert Regeln der Geschlechterparität in Parteien. Anträge für
Entschließungen müssen von mindestens zwanzig Delegierten aus fünf nationalen Delegationen unterstützt
werden, damit das Präsidium der Versammlung anschließend entscheidet, ob ein Ausschuss mit dem Antrag befasst
wird.
Das Londoner Museum „Young V&A” erhielt den Museumspreis des Europarates 2026. Der Museumspreis des
Europarates wird seit 1977 an Museen verliehen, die Kulturen verbinden, demokratische Werte fördern und die
Kenntnis von Besuchern innovativ erweitern. Die Stadt Reggio Emilia in Norditalien wurde mit dem
Europapreis 2026 ausgezeichnet. Der Europapreis würdigt seit 1955 Städte, die sich für die Förderung der europäischen
Ideen besonders einsetzen. Ebenfalls für den Europapreis 2026 nominiert waren Augsburg und Münster.
3.2 Ausgewählte Debatten und Ansprachen
Aktualitätsdebatte „Rechenschaftspflicht und Gerechtigkeit: Ein Aufruf zu verstärkten Bemühungen zur
Einrichtung des Sondergerichtshofs für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine“
Zu Beginn der Debatte erklärte Berichterstatter Frank Schwabe (SPD), die auf Recht und Menschenrechten
beruhende europäische Ordnung stehe angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor einer
„Bewährungsprobe“. Man entscheide, ob das Völkerrecht die Schutzbedürftigen schütze oder angesichts offener
Aggression scheitere. Er beschrieb die erheblichen Zerstörungen in der Ukraine. Russland greife gezielt Zivilisten
an. Dies sei ein Kriegsverbrechen. Die PVER sei die führende internationale Organisation für die Unterstützung
der Ukraine. Die Unterstützung sei jedoch nicht militärisch oder finanzieller Natur, sondern politisch. So wurde
zum Beispiel die internationale Schadenskommission von 35 Staaten und der EU unterzeichnet, das
Schadensregister eingerichtet und der EGMR habe Russland für schwere Menschenrechtsverletzungen verurteilt. Auch der
Vorschlag für die Einrichtung eines Sondergerichtshofs stamme aus der Versammlung. Zwar sei hierfür eine
bilaterale Vereinbarung zwischen der Ukraine und dem Europarat im Juni 2025 unterzeichnet worden und die
Unterstützung von den Mitgliedstaaten wachse, jedoch müsse das Teilabkommen von den Mitgliedstaaten noch
unterzeichnet und ratifiziert werden. Auch die Frage der Finanzierung sei noch klärungsbedürftig. Schwabe forderte
die Unterzeichnung des Teilabkommens auf dem Ministertreffen im Mai 2025 in Chişinău. Der Sondergerichtshof
müsse noch im Jahr 2026 eingerichtet werden. Verzögerungen riskierten, dass Gerechtigkeit ein leeres Wort
bleibe. Rechenschaft und Gerechtigkeit seien jedoch wesentliche Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden.
Wenn das Verbrechen der Aggression keine Konsequenzen habe, setze dies einen schwerwiegenden
Präzedenzfall.
Oleksi Goncharenko (Ukraine, ECPA) kritisierte die nachlassende internationale Aufmerksamkeit für den Krieg,
obwohl die Angriffe auf die Ukraine anhielten. Der Krieg in der Ukraine sei zur Routine geworden. Die Ukraine
strebe nach einem möglichst schnellen Ende des Krieges und sei bereit, die bestehenden Frontlinien zu
akzeptieren. Europa solle die Führungsrolle übernehmen. Man solle auch China, die den europäischen Markt bräuchten,
einbeziehen. Lesia Vasylenko (Ukraine, ALDE) erinnerte daran, dass das Verbrechen der Aggression seit den
Nürnberger-Prozessen als die „Mutter aller Kriegsverbrechen“ bezeichnet werde. Sie sprach sich für den Beitritt
weiterer Staaten zum Erweiterten Teilabkommen aus, die Klärung der Finanzierung des Gerichts und die
Ratifikation des Abkommens. Auch eine internationale Entschädigungsmission für die Ukraine müsse eingerichtet
werden. Patricia Stephenson (Irland, UEL) verwies darauf, dass der Internationale Strafgerichtshof der geeignetste
Ort zur Verfolgung der Kriegsverbrechen sei. Wegen der Blockade durch Russland sei der Europarat jedoch die
einzige Organisation, die die Verfahren durchführen könne. Trotz der Fortschritte bei der Einrichtung des
Tribunals bestünden weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei den Regeln der Immunität und der Finanzierung
des Gerichtshofs. Jeder Bruch des internationalen Rechts müsse zur Verantwortung gezogen werden, auch in
Palästina. Bisera Kostadinovska-Stojchevska (Nordmazedonien, SOC), Gustaf Götheberg (Schweden,
EPP/CD) und Adam Bodnar (Polen, EPP/CD) betonten übereinstimmend, ein Sondergerichtshof sei erforderlich,
um die Zuständigkeitslücke des Internationalen Strafgerichtshofs zu schließen und die politisch sowie militärisch
Verantwortlichen für die Entscheidung zum Angriffskrieg strafrechtlich verfolgen zu können. Götheberg betonte,
der Sondergerichtshof zeige, dass niemand über dem Völkerrecht stehe. Denis Begić (Schweden, SOC) betonte
die moralische Notwendigkeit zur Einrichtung des Sondergerichtshofs. Das Tribunal bewahre auch die
geschichtliche Wahrheit. Yelyzaveta Yasko (Ukraine, EPP/CD) wies auf die Veränderungen der ukrainischen Gesellschaft
durch den Krieg hin. Der Sondergerichtshof sei ein konkretes Ergebnis der Unterstützung für die Ukraine und
müsse schnell eingerichtet werden. Baronin Thérèse Coffey (Großbritannien, ECPA) und Piero Fassino (Italien,
SOC) stimmten mit ihren Vorrednern überein, dass Frieden nur auf der Grundlage von Gerechtigkeit erreicht
werden könne. Oleksandr Merezhko (Ukraine, ALDE) betonte den Abschreckungseffekt des
Sondergerichtshofs. Neben den Entscheidungsträgern solle auch Russland als Staat Verantwortung für den Angriffskrieg sowie
für Reparationen übernehmen. Olena Khomenko (Ukraine, ECPA) erklärte, auch Belarus müsse für dessen
Beteiligung am Angriffskrieg zur Verantwortung gezogen werden. Anna-Kristiina Mikkonen (Finnland, SOC)
verwies auf die wachsende Zahl der Staaten, die den Sondergerichtshof unterstützten. Auf Druck der finnischen
Delegation und Öffentlichkeit habe die finnische Regierung nun angekündigt, als 20. Staat das Abkommen zu
unterzeichnen. Yuriy Kamelchuk (Ukraine, EPP/CD) rief die Mitgliedstaaten auf, den Handel mit Russland
endlich zu beenden und eingefrorenes russisches Vermögen für den Wiederaufbau der Ukraine einzusetzen. Laut
Carwyn Jones (Vereinigtes Königreich, SOC) habe der Sondergerichtshof bereits vor seiner Arbeitsaufnahme
eine wichtige Signalwirkung, da er verdeutliche, dass Verstöße gegen das Völkerrecht und militärische
Aggressionen gegen souveräne Staaten nicht folgenlos blieben. Auf die präventive Wirkung des Tribunals verwiesen
zudem Iryna Konstankevych (Ukraine, ECPA) und Serhii Soboliev (Ukraine, EPP/CD). Es solle nicht nur
Gerechtigkeit verschaffen, sondern auch zukünftige Aggressionen abschrecken. Soboliev sprach sich darüber hinaus
für eine möglichst rasche Arbeitsaufnahme aus und regte pragmatische Lösungen für die organisatorische
Umsetzung, wie die Nutzung bestehender Gebäude als Sitz des Gerichtshofs, an. Abschließend unterstrichen Titus
Corlățean (Rumänien, SOC), Christophe Brico (Monaco, EPP/CD), Marko Pavić (Kroatien, EPP/CD) und Mariia
Mezentseva-Fedorenko (Ukraine, EPP/CD) die grundsätzliche Bedeutung des Sondergerichtshofs für die
internationale Rechtsordnung. Das Tribunal solle die bestehende Lücke bei der Verfolgung des Verbrechens der
Aggression schließen, die Verantwortlichen strafrechtlich zur Rechenschaft ziehen und damit die regelbasierte
internationale Ordnung sowie die europäischen Grundwerte stärken. Der Sondergerichtshof müsse schnell eingerichtet
werden. Mezentseva-Fedorenko rief die PVER-Delegierten auf, den Sondergerichtshof zu unterstützen. Der
Sondergerichtshof könne zeitnah seine Arbeit aufnehmen, da die rechtlichen Voraussetzungen nun geschaffen seien
und es ausreichend Beweise für die Kriegsverbrechen von Wladimir Putin gebe.
Aktualitätsdebatte „Die Notwendigkeit der Achtung des Völkerrechts, des Friedens und der Stabilität im
Nahen und Mittleren Osten“
Für Berichterstatter Piero Fassino (Italien, SOC) zeige die sich ausbreitende Krise im Nahen Osten, dass der
unilaterale Einsatz von Gewalt ohne eine zugrundeliegende politische Strategie zu Chaos und internationaler
Anarchie führe. Fassino beschrieb die geschichtliche Entwicklung des Krieges mit dem Beginn der Massaker der
Hamas am 7. Oktober 2023. Die unilaterale Entscheidung von Präsident Trump und Israel den Iran, entgegen dem
Völkerrecht, anzugreifen, hätte die Krise im Nahen Osten verschärft. Er kritisierte sowohl das Vorgehen der
israelischen Regierung als auch die Repressionen im Iran und betonte, dass die Einführung der Todesstrafe für
Palästinenser in Israel nicht mit den Grundwerten des Europarates vereinbar sei. Frieden und Stabilität im Nahen Osten
seien nur durch Dialog, Verhandlungen und den Respekt für jedermann erreichbar.
Im weiteren Verlauf der Debatte betonten mehrere Redner, darunter Ricardo Carvalho (Portugal, EPP/CD),
Bertrand Bouyx (Frankreich, ALDE), Emmanuel Fernandes (Frankreich, UEL) und Edite Estrela (Portugal,
SOC), dass das Völkerrecht für alle Konfliktparteien gleichermaßen gelte. Übereinstimmend verurteilten sie die
Angriffe der USA und Israels gegen den Iran und den Libanon als völkerrechtswidrig. Bouyx (Frankreich, ALDE)
kritisierte zudem das Gesetz der Knesset zur Einführung der Todesstrafe gegen Terroristen. Die Todesstrafe sei
insgesamt eine „Entwürdigung“, aber sie „ausschließlich für Palästinenser vorzusehen ist beispiellos“, so der
französische Delegationsleiter. Ricardo Carvalho (Portugal, EPP/CD) forderte die Stärkung des Multilateralismus
und der Institutionen, die den Dialog und internationale Normen aufrechterhalten. Der Beobachterstatus von Israel
in der PVER sollte nicht als Hindernis, sondern als Chance für Dialog und graduelle Konvergenz zu gemeinsamen
Standards angesehen werden. In Zeiten erhöhter Spannungen sei das Schließen von Türen keine Strategie. Paweł
Jabłoński (Polen, ECPA) rief alle Parteien zu einem Ende der Gewalt auf. Alle Verbrechen unabhängig von wem
sie begangen werden, müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Krisen im Nahen Osten seien miteinander
verwoben, so Bernard Sabella (Palästina). Im Zentrum stehe der Konflikt zwischen Israel und Palästina. Das
Gesetz der Knesset zur Einführung der Todesstrafe verstoße nicht nur eklatant gegen das Völkerrecht und die
Prinzipien des Europarates, sondern untergrabe auch direkt eine Friedenslösung. Er forderte eine kohärente
politische Strategie von Europa für den Nahen Osten. Ohne diese riskiere Europa eine „Mitschuld“ an der
Aufrechterhaltung des Status quo. Abg. Max Lucks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) forderte die Hoffnung auf eine
Lösung des Konflikts zu bewahren. Extremistische Akteure wie die Hamas, die Hisbollah oder extreme Mitglieder
in der israelischen Regierung, versuchten den Eindruck zu vermitteln, es gebe keine Alternative zum Krieg und
keine Möglichkeit für eine Ko-Existenz. In der Region setzten sich jedoch weiterhin zahlreiche Kräfte für Dialog
und Koexistenz ein. Lucks sprach sich für eine konsequente Festhaltung an der Zwei-Staaten-Lösung aus. Der
Europarat könne dazu beitragen und solle sein Engagement in der Region ausbauen. Abschließend richtete er den
Blick auf die Menschenrechtslage im Iran und hob die Repressionen hervor. Mehmet Akalin (Türkei, ALDE)
verwies auf die zunehmende Gewalt und humanitäre Notlage im Nahen Osten. Er forderte einen andauernden
Waffenstillstand, ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe, den Schutz von Zivilisten und die Achtung des
internationalen Rechts sowie einen regionalen Dialog unter Einbindung internationaler Institutionen. Yelyzaveta
Yasko (Ukraine, EPP/CD) hob die globalen wirtschaftlichen Folgen des Konflikts sowie die Auswirkungen auf
den Ukrainekrieg hervor. Jon Engen-Helgheim (Norwegen, ECPA) kritisierte die Kritik an Israel in der PVER
als unverhältnismäßig. Dies beschädige die Glaubwürdigkeit der Versammlung. Im Gegensatz dazu sprach
Zeynep Yildiz (Türkei, NR) über das Leiden der Palästinenser und forderte die Gemeinschaft auf, Israel zu stoppen.
Oleksandr Merezhko (Ukraine, ALDE) unterstützte die Angriffe auf den Iran. Der Iran habe ebenso wie
Russland kein Interesse an Frieden und einer regelbasierten Ordnung. Armen Gevorgyan (Armenien, ECPA) forderte
stattdessen ein Ende der Gewalt. Der Krieg gegen den Iran wirke sich negativ auf die internationale Sicherheit
und Wirtschaft aus. Mehrere Redner aus der türkischen Delegation, darunter Pelin Yılık (Türkei, NR) und
Mustafa Canbey (Türkei, NR), verurteilten die Angriffe der USA und Israels und beschrieben ebenfalls die negativen
wirtschaftlichen Auswirkungen des ausgeweiteten Konflikts. Ali Alghzawi (Jordanien) betonte die Unterstützung
Jordaniens für eine Zwei-Staaten-Lösung. Zudem verurteilte er die Umgehung multilateraler Organisationen, wie
der UN, und rief Europa dazu auf, zur Stabilisierung der Lage beizutragen. Berichterstatter Fassino betonte
abschließend, Krieg sei keine Lösung und Menschenrechte seien universal gültig. Er verurteilte die Hamas, das
iranische Regime, die Handlungen des Präsidenten Donald Trump und des israelischen Regierungschefs,
Benjamin Netanjahu. Der Europarat müsse alle Kräfte, die für Verhandlungen und Frieden – ob im Iran, Palästina oder
Israel –, einstehen, unterstützen.
Berlin, 21. Juli 2026
Knut Abraham
Delegationsleiter
4 Verabschiedete Empfehlungen und Entschließungen
Nummer Titel Seite
Stellungnahme 311 (2026) Entwurf eines Zusatzprotokolls zum Übereinkommen des
Europarates über Geldwäsche sowie Ermittlung,
Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus
Straftaten und über die Finanzierung des Terrorismus
12
Empfehlung 2305 (2026) Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine
Bedrohung für die Demokratie
14
Empfehlung 2306 (2026) Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für
den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
15
Empfehlung 2307 (2026) Europäische Leitlinien zur Bekämpfung von
Sozialdumping und der Ausbeutung der Arbeitskraft
16
Entschließung 2646 (2026) Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine
Bedrohung für die Demokratie
16
Entschließung 2647 (2026) Diskriminierung aufgrund der Religion bekämpfen und die
Religions- und Glaubensfreiheit in Europa schützen
20
Entschließung 2648 (2026) Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für
den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
23
Entschließung 2649 (2026) Die Istanbul-Konvention fördern und ihre Umsetzung
verbessern: Auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauen
27
Entschließung 2650 (2026) Den Weg für eine Kultur des Einverständnisses ebnen 31
Entschließung 2651 (2026) Auf dem Weg zur weltweiten und vollständigen
Abschaffung der Todesstrafe
34
Entschließung 2652 (2026) Die Erlöse aus der von Sergej Magnitski zur Anzeige
gebrachten Straftat verfolgen und die Täter zur
Rechenschaft ziehen
39
Entschließung 2653 (2026) Europäische Leitlinien zur Bekämpfung von
Sozialdumping und der Ausbeutung der Arbeitskraft
42
Entschließung 2654 (2026) Die Durchsetzung des Urheberrechts im Bereich der
künstlichen Intelligenz
44
Stellungnahme 311 (2026)2
Entwurf eines Zusatzprotokolls zum Übereinkommen des Europarates über Geldwäsche sowie
Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten und über
die Finanzierung des Terrorismus
1. Die Parlamentarische Versammlung beglückwünscht den Europäischen Ausschuss für Strafrechtsfragen
(CDPC) und den Expertenausschuss für die Einziehung von Vermögenswerten in Strafsachen (PC-RAC) für
die Fertigstellung des Entwurfs eines Zusatzprotokolls zum Übereinkommen des Europarats über
Geldwäsche sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten und über die
Finanzierung des Terrorismus („Entwurf des Zusatzprotokolls“).
2. Seit der Verabschiedung im Jahr 2005 des Übereinkommens des Europarates über Geldwäsche,
Terrorismusfinanzierung sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten (SEV Nr. 198,
„Warschauer Konvention) haben sich organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
beträchtlich entwickelt und sich den zunehmend leichteren Transfer von Kapital über Landesgrenzen hinweg
sowie die fortschrittlichen technologischen Entwicklungen, darunter auch das Aufkommen virtueller
Vermögenswerte, zunutze gemacht. Die bestehenden Maßnahmen für die Einziehung von Vermögenswerten haben
sich als ungenügend erwiesen, da lediglich circa 2 Prozent der geschätzten kriminellen Erträge eingezogen
und beschlagnahmt wurden. Daher besteht eine dringende Notwendigkeit für die Entwicklung und wirksame
Umsetzung zusätzlicher rechtlicher Rahmenbedingungen.
3. Die Versammlung bedauert in diesem Zusammenhang, dass die Warschauer Konvention trotz ihrer Öffnung
zur Unterzeichnung vor mehr als zwei Jahrzehnten von mehreren Mitgliedstaaten des Europarates noch
immer nicht unterzeichnet oder ratifiziert und auch von der Europäischen Union nicht ratifiziert wurde. Sie ruft
diese Staaten und die Europäische Union auf, sie so bald wie möglich zu unterzeichnen und/oder zu
ratifizieren. Die Versammlung ruft darüber hinaus die Beobachterstaaten des Europarates sowie die Parlamente,
die Beobachter- oder „Partner für Demokratie“-Status bei der Versammlung besitzen, auf, zu erwägen, diese
Konvention zu unterzeichnen, zu ratifizieren oder ihr beizutreten, sofern sie es noch nicht getan haben.
4. In Anbetracht ihrer umfassenden Arbeit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, Geldwäsche und
Terrorismusfinanzierung, darunter Entschließung 2218 (2018) „Die Bekämpfung der organisierten
Kriminalität durch Erleichterung der Beschlagnahme illegaler Vermögenswerte“, Entschließung 2279 (2019)
„Waschsalons: Die Reaktion auf neue Herausforderungen beim internationalen Kampf gegen organisierte
Kriminalität, Korruption und Geldwäsche“, Entschließung 2365 (2021) „Die dringende Notwendigkeit der
Verstärkung der zentralen Meldestellen für Geldwäsche-Verdachtsanzeigen – Erfordernis schärferer
Instrumente zur Verbesserung der Beschlagnahme illegaler Vermögenswerte“ sowie Entschließung 2434 (2022)
„Wie können konfiszierte Erträge aus Straftaten zu einem guten Zweck eingesetzt werden?“ begrüßt die
Versammlung den Entwurf des Zusatzprotokolls als eine Antwort auf ihre langjährigen Empfehlungen. Sie
stellt mit Genugtuung fest, dass der Entwurf des Zusatzprotokolls eine beträchtliche Ausweitung der
Instrumente vorsieht, die darauf abzielen, ein frühzeitiges grenzüberschreitendes Aufspüren von
Vermögenswerten, die Beschlagnahme von aus kriminellem Verhalten resultierendem Eigentum, die Verwaltung
eingezogener Vermögenswerte sowie eine Entschädigung der Opfer zu ermöglichen. Nach seiner Verabschiedung
wird der Entwurf des Zusatzprotokolls die bislang bedeutendste Aktualisierung des Rechtsrahmens des
Europarates für die Einziehung von Vermögenswerten darstellen und somit die führende Rolle der Organisation
im Kampf gegen organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung weiter stärken.
5. Die Versammlung verweist außerdem auf die umfangreiche Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs
für Menschenrechte, wonach Staaten über einen breiten Ermessensspielraum bei der Umsetzung der
politischen Maßnahmen zur Bekämpfung von Kriminalität verfügen, einschließlich der Beschlagnahme von
Eigentum, von dem eine unrechtmäßige Herkunft vermutet wird, sowohl im Rahmen von zu einer Verurteilung
führenden Strafverfahren, als auch im Rahmen von Verfahren ohne eine Verurteilung sowie einer erweiterten
Beschlagnahme. Es ist daher zu begrüßen, dass der Entwurf des Zusatzprotokolls den Parteien einen
gewissen Handlungsspielraum bei der Verabschiedung nationaler Gesetze zur Umsetzung seiner Bestimmungen
2 Versammlungsdebatte am 23. April 2026 (17. Sitzung) (siehe Dok. 16385, Bericht des Ausschusses für Recht und Menschenrechte,
Berichterstatter: Constantinos Efstathiou). Von der Versammlung am 23. April 2026 (17. Sitzung) verabschiedeter Text. Vorläufige
Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
lässt. Die Versammlung bekräftigt außerdem die vorrangige Rolle der nationalen Gerichte beim Schutz der
Menschenrechte im Zusammenhang mit der Beschlagnahme von Eigentum und stellt fest, dass der
Gerichtshof im Allgemeinen der Auffassung ist, dass Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SEV
Nr. 5) die Staaten nicht daran hindert, sich auf Vermutungen eines unrechtmäßigen Erwerbs von
Vermögenswerten zu stützen und die Beweislast auf den Antragsteller zu verlagern, sodass dieser ihre rechtmäßige
Herkunft beweisen muss. Denselben Ansatz verfolgte der Gerichtshof in Bezug auf Artikel 1 des Protokolls
Nr. 1 zu dieser Konvention (SEV Nr. 9).
6. Die Versammlung teilt die Haltung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte und bekräftigt erneut
ihre eigene Auffassung, dass Mechanismen für eine nicht auf einer Verurteilung basierende Beschlagnahme
und für eine erweiterte Beschlagnahme verhältnismäßige und notwendige Maßnahmen für eine wirksame
Strafverfolgung sind. Sie bekräftigt erneut, dass derartige Mechanismen auch weiterhin vollumfänglich mit
den Menschenrechtsnormen vereinbar sind, einschließlich der Unschuldsvermutung und des Rechts auf
friedliche Nutzung von Eigentum, sofern sie durch geeignete rechtliche Rahmenbedingungen geregelt sind
und einer unabhängigen gerichtlichen Kontrolle unterliegen.
7. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2509 (2023) „Transnationale Repression als wachsende
Bedrohung für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte“ und bekräftigt erneut, dass der Missbrauch von
Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eines der Instrumente
transnationaler Repression darstellt. Mit Blick auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte im
Fall Shorazova vs. Malta erinnert die Versammlung die Mitgliedstaaten daran, dass die gegenseitige
Rechtshilfe im Rahmen internationaler Verträge im Einklang mit internationalen Menschenrechtsnormen umgesetzt
werden sollte. Sie begrüßt daher die im Entwurf des Zusatzprotokolls enthaltenen Schutzbestimmungen, die
darauf abzielen, den praktischen und wirksamen Schutz der Grundrechte von Personen zu gewährleisten, die
von im Rahmen seiner Bestimmungen durchgeführten Maßnahmen betroffen sind, insbesondere die
eindeutige Formulierung von Artikel 31. In diesem Zusammenhang ist die Versammlung der Ansicht, dass
zukünftige Vertragsstaaten des Protokolls bei der Prüfung von Kooperationsersuchen im Rahmen des Protokolls
speziellen, glaubwürdigen Vorwürfen von transnationaler Repression und politischer Verfolgung besondere
Beachtung schenken und von der Möglichkeit Gebrauch machen sollten, derartige Ersuchen aus
menschenrechtlichen Gründen abzulehnen, im Einklang mit Artikel 28 der Warschauer Konvention und ihren
bestehenden Verpflichtungen nach den internationalen Menschenrechtsnormen.
8. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2605 (2025) „Die rechtlichen und menschenrechtlichen
Aspekte des Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen die Ukraine“ und auf Entschließung 2557
(2024) „Die Rolle von Sanktionen bei der Bekämpfung des Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen
die Ukraine“ und stellt den Nutzen der in der Warschauer Konvention und in ihrem zukünftigen
Zusatzprotokoll vorgesehenen Instrumente für das Aufspüren, Einfrieren und/oder die Beschlagnahme von Erträgen
aus Straftaten im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine fest.
9. In Anbetracht dessen, dass der Entwurf des Zusatzprotokolls die langjährigen in ihren früheren
Entschließungen und Empfehlungen enthaltenen Vorschläge umsetzt, empfiehlt die Versammlung, dass der Entwurf
des Zusatzprotokolls so bald wie möglich vom Ministerkomitee verabschiedet und zur Unterzeichnung
eröffnet wird.
10. Zur Stärkung der Verfahrensleitlinien und weiteren Verbesserung seiner Bestimmungen schlägt die
Versammlung die folgende Änderung am Entwurf des Zusatzprotokolls vor:
10.1. In Artikel 10, Absatz 3 wird folgender Satz am Ende des Absatzes hinzugefügt: „Wenn die Dauer
derartiger Maßnahmen sieben Werktage überschreitet, muss jede Partei sicherstellen, dass ihre
Fortsetzung einer gerichtlichen Genehmigung unterliegt“.
11. Schließlich stellt die Versammlung fest, dass ihre Rolle im Prozess der Ausarbeitung neuer Übereinkommen
und Protokolle des Europarates einer sorgfältigen Überlegung bedarf. Sie bedauert, dass die meisten ihrer
Änderungsvorschläge zu Entwürfen von Instrumenten mit wenigen Ausnahmen ohne eine wirkliche
Erklärung vom Ministerkomitee nicht angenommen wurden. Die Versammlung stellt ebenfalls fest, dass sie, um
der Bitte des Ministerkomitees nachzukommen, ihre Stellungnahmen sobald wie möglich zu verabschieden,
von Dringlichkeitsdebatten Gebrauch machen musste, wodurch ihre Möglichkeiten, die vorgelegten
Entwürfe angemessen zu prüfen, beträchtlich eingeschränkt wurden. Wenngleich eine solche Eile unter
außergewöhnlichen Umständen gelegentlich gerechtfertigt sein kann, sollte sie nicht zur Norm werden. Die
Versammlung fordert das Ministerkomitee folglich auf, einen Dialog einzuleiten, um einen effektiveren und
inklusiveren Prozess für Stellungnahmen zu schaffen, der es der Versammlung ermöglichen würde, einen
bedeutenderen Einfluss auf die Ausarbeitung neuer verbindlicher Instrumente des Europarates zu haben.
Empfehlung 2305 (2026)3
Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine Bedrohung für die Demokratie
1. Die Parlamentarische Versammlung verweist das Ministerkomitee auf ihre Entschließung 2646 (2026)
„Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine Bedrohung für die Demokratie“, in der sie unterstreicht,
dass Gewalt gegen politisch Verantwortliche in vielen Mitglieds- und Beobachterstaaten des Europarates
zunimmt.
2. Die Versammlung ist besorgt darüber, dass Gewalt gegen politisch Verantwortliche auf allen Ebenen eine
abschreckende Wirkung auf die demokratische Mitwirkung am politischen Leben haben kann und dadurch
den Pluralismus, die Repräsentativität sowie die Qualität demokratischer Prozesse und Institutionen
beeinträchtigt. Einschüchterung, Drohungen und andere Formen verbaler, körperlicher oder sexueller Übergriffe
können zudem erhebliche Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden von politisch Verantwortlichen
haben und ihre Fähigkeit, ihrer Arbeit nachzugehen und der Allgemeinheit zu dienen, beeinträchtigen.
Deshalb sind dringende Maßnahmen erforderlich, um diesem Phänomen vorzubeugen und ihm
entgegenzuwirken.
3. Bestimmte Gruppen, darunter Politikerinnen und Vertreter von Minderheiten sind überproportional betroffen,
namentlich durch geschlechtsspezifische Gewalt, sexuelle Drohungen sowie frauenfeindliche, homophobe
oder rassistische Angriffe. Sie verdienen daher besondere Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass sie nicht
von der Teilnahme am politischen Leben abgehalten werden, und um die Vielfalt und Repräsentativität der
gewählten Amtsträger zu gewährleisten.
4. Die Versammlung erinnert daran, dass die Staats- und Regierungschefs des Europarates im Jahr 2023 die
Demokratie-Grundsätze von Reykjavik verabschiedet haben, in denen sie sich verpflichteten, „eine
uneingeschränkte, gleichberechtigte und maßgebliche Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben für alle,
insbesondere für Frauen und Mädchen, ohne Gewalt, Angst, Belästigung, Hetze und Hassdelikte sowie ohne
Diskriminierung aus gleich welchen Gründen [zu] gewährleisten“ (Grundsatz 10).
5. Die Versammlung verweist außerdem auf die laufenden Arbeiten des Kongresses der Gemeinden und
Regionen zum Thema „Bewahrung der Basisdemokratie – Bekämpfung von Gewalt gegen gewählte Vertreter auf
lokaler und regionaler Ebene“.
6. Die Versammlung ist der Auffassung, dass der Europarat im Rahmen des Neuen demokratischen Pakts für
Europa eine führende Rolle dabei spielen könnte, sicherzustellen, dass Gewalt gegen politisch
Verantwortliche auf allen Ebenen wirksam bekämpft wird, und damit die demokratische Sicherheit auf dem gesamten
Kontinent zu stärken.
7. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen fordert die Versammlung das Ministerkomitee auf, die Einrichtung
eines Mechanismus in Erwägung zu ziehen, der die Form einer Plattform oder einer Beobachtungsstelle des
Europarates annehmen könnte, um konkrete Bedrohungen oder Gewalttaten gegen politisch Verantwortliche
auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu identifizieren und zu verfolgen.
8. Dieser Mechanismus würde dazu beitragen, das Phänomen besser zu verstehen, und eine wirksamere
Prävention sowie Reaktion seitens der zuständigen Behörden ermöglichen. Mit ihm ließen sich zudem Daten zur
Analyse von Trends sammeln, und er könnte durch gezielte öffentliche Kampagnen des Europarates
maßgeblich zur Sensibilisierung für dieses Thema beitragen.
9. Die Versammlung fordert das Ministerkomitee auf, Frühwarnmechanismen zur Erkennung von Rückschritten
im Bereich der Demokratie weiterzuentwickeln.
3 Versammlungsdebatte am 21. April 2026 (12. und 13. Sitzung) (siehe Dok. 16363, Bericht des Ausschusses für politische
Angelegenheiten und Demokratie, Berichterstatterin: Elisabetta Gardini, und Dok. 16382, Stellungnahme des Ausschusses für Gleichstellung und
Nichtdiskriminierung, Berichterstatterin: Evgenia Kravchuk). Von der Versammlung am 21. April 2026 (13. Sitzung) verabschiedeter
Text. Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
Empfehlung 2306 (2026)4
Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für den Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte
1. Die Parlamentarische Versammlung lenkt die Aufmerksamkeit des Ministerkomitees auf ihre Entschließung
2648 (2026) „Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für den Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte“, in der die Bedeutung der Wahl hochqualifizierter Richterinnen und Richter für den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte durch faire, effiziente und transparente nationale
Auswahlverfahren und ein strenges und gründliches Wahlverfahren in der Versammlung bekräftigt wird.
2. Die Versammlung nimmt die Entscheidungen des Ministerkomitees vom 7. und 8. Februar 2024 sowie den
Bericht des Lenkungsausschusses für Menschenrechte (CDDH) über Fragen im Zusammenhang mit den
Richterinnen und Richtern des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der in seiner Sitzung vom
28. November bis 1. Dezember 2023 angenommen wurde, sowie den Bericht des CDDH über die ersten
Auswirkungen des Protokolls Nr. 15 (SEV Nr. 213) zur Europäischen Menschenrechtskonvention (SEV
Nr. 5), der am 26. Juni 2025 angenommen wurde, zur Kenntnis.
3. Die Versammlung empfiehlt dem Ministerkomitee,
3.1. ein Änderungsprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention auszuarbeiten, um die
automatische und unbefristete Verlängerung des Mandats von amtierenden Richterinnen und Richtern
über ihre Amtszeit hinaus gemäß Artikel 23 Absatz 2 der Konvention auszuschließen. Richterinnen
und Richter sollten nach Ablauf ihrer neunjährigen Amtszeit nur noch maximal ein weiteres Jahr im
Amt bleiben können, falls noch keine neue Richterin bzw. kein neuer Richter gewählt wurde;
3.2. eine Überarbeitung seiner 2012 angenommenen Leitlinien des Ministerkomitees für die Auswahl
von Kandidatinnen und Kandidaten für das Richteramt am Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte (CM(2012)40) in Erwägung zu ziehen, um die Anforderungen an die nationalen
Auswahlverfahren auf der Grundlage der kürzlich vom Beratenden Expertenausschuss und der Versammlung
ermittelten guten Praxis sowie die Kriterien für die Aufstellung von Kandidatenlisten weiter zu
präzisieren;
3.3. seine am 10. November 2010 angenommene Entschließung CM/Res(2010)26 über die Einsetzung
eines Beratenden Expertenausschusses für die Kandidaturen zur Wahl in das Richteramt am
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu überarbeiten, um dem Ausschuss ein ausdrückliches
Mandat zu erteilen, die Vertragsstaaten dahingehend zu beraten, ob ihre nationalen
Auswahlverfahren den Leitlinien und der guten Praxis des Ministerkomitees entsprechen;
3.4. eine Empfehlung zur Frage der Anerkennung des Dienstes nach Ablauf der Amtszeit auszuarbeiten,
um seine am 15. Januar 2025 angenommene Erklärung zum Schutz der Richterinnen und Richter
des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vor Bedrohungen und Repressalien und zur
Anerkennung ihres Dienstes zu ergänzen und weiterzuentwickeln. Eine solche Empfehlung sollte
klarere Leitlinien auf der Grundlage der guten Praxis enthalten, um sicherzustellen, dass die
Richterinnen und Richter nach Ablauf der Amtszeit in Positionen zurückkehren können, die mit den zuvor
bekleideten Stellen vergleichbar sind, oder in Positionen, die dem Amt, das sie ausgeübt haben,
entsprechen, z. B. eine richterliche Stelle bei den höchsten innerstaatlichen Gerichten;
3.5. den Beratenden Expertenausschuss mit den erforderlichen Mitteln auszustatten, damit er seine
Aufgaben wirksam wahrnehmen kann.
4 Versammlungsdebatte am 21. April 2026 (13. Sitzung) (siehe Dok. 16361, Bericht des Ausschusses für die Wahl von Richterinnen und
Richtern zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Berichterstatterin: Petra Bayr). Von der Versammlung am 21. April 2026
(13. Sitzung) verabschiedeter Text. Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
Empfehlung 2307 (2026)5
Europäische Leitlinien zur Bekämpfung von Sozialdumping und der Ausbeutung der Arbeitskraft
1. Die Parlamentarische Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2653 (2026) „Europäische Leitlinien
zur Bekämpfung von Sozialdumping und der Ausbeutung der Arbeitskraft“, Entschließung 1993 (2014)
„Menschenwürdige Arbeit für alle“ sowie auf Empfehlung 2304 (2026) „Der 65. Jahrestag der Europäischen
Sozialcharta: Soziale Rechte als Fundament für widerstandsfähige Demokratien und soziale Gerechtigkeit”.
2. Um die nationalen Maßnahmen gegen Sozialdumping und die Ausbeutung der Arbeitskraft zu verstärken,
unterstreicht die Versammlung die Bedeutung der in der Europäischen Sozialcharta (SEV Nr. 35 und SEV
Nr. 163 (rev.) verankerten Standards als Leitlinien für die Bemühungen der Mitgliedstaaten auf diesem
Gebiet, und ruft das Ministerkomitee auf,
2.1. die Akzeptanz zusätzlicher Bestimmungen der Charta sowie die Ratifizierung der revidierten Charta
und des Zusatzprotokolls zur Europäischen Sozialcharta über Kollektivbeschwerden (SEV Nr. 158)
zu fördern;
2.2. die nationalen Regierungen auf die in ihrer Entschließung 2653 (2026) enthaltenen
Handlungsempfehlungen aufmerksam zu machen.
3. Die Versammlung unterstreicht darüber hinaus, dass, es dringend erforderlich ist, die Verhandlungen zu
beschleunigen und ein international rechtsverbindliches Instrument auf der Grundlage der Leitprinzipien der
Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte zu verabschieden, um den nachteiligen Auswirkungen
von Unternehmenstätigkeiten auf die Menschenrechte, einschließlich der sozioökonomischen Rechte,
wirksamer entgegenzuwirken. Sie fordert das Ministerkomitee daher nachdrücklich auf, die Mitgliedstaaten zur
aktiven Unterstützung dieses Prozesses aufzurufen.
Entschließung 2646 (2026)6
Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche: eine Bedrohung für die Demokratie
1. Die Gewalt gegen politisch Verantwortliche nimmt in vielen Mitglieds- und Beobachterstaaten des
Europarates in alarmierender Weise zu. Die Parlamentarische Versammlung verurteilt unmissverständlich alle
Formen von Gewalt gegen politisch Verantwortliche und bekräftigt, dass Gewalt keinen Platz in der Demokratie
hat.
2. Repräsentative Demokratie kann nur erreicht werden, wenn Bewerber um politische Ämter sicher und
unbehelligt ihren Wahlkampf führen können und wenn gewählte Amtsträger ihre Aufgaben frei, integer und im
Rahmen eines öffentlichen Verhaltens ausüben können, das den Interessen der von ihnen vertretenen
Gemeinschaft gewidmet ist, und dabei vor jeglicher Art von Beeinträchtigung geschützt sind. Jeder gewalttätige
Übergriff gegen politisch Verantwortliche, unabhängig von deren politischer Zugehörigkeit, sollte als Angriff
auf die Demokratie an sich gewertet werden.
3. Politisch Verantwortliche aller Ebenen und aus allen politischen Lagern können Opfer von Gewalt werden:
Bewerber um politische Ämter, Parteimitglieder, gewählte Amtsträger und Entscheidungsträger mit
institutioneller Funktion. Auch ihre Angehörigen und Mitarbeiter sind oft betroffen.
4. Es müssen dringend Maßnahmen ergriffen werden, um Gewalt gegen politisch Verantwortliche zu
verhindern und ihr entgegenzuwirken, da sie eine Atmosphäre der Angst schürt, die eine abschreckende Wirkung
auf die demokratische Mitwirkung am politischen Leben hat.
5 Versammlungsdebatte vom 23. April 2026 (17. Sitzung) (siehe Dok. 16371, Bericht des Ausschusses für Soziales, Gesundheit und
nachhaltige Entwicklung, Berichterstatterin: Valérie Piller Carrard). Von der Versammlung am 23. April 2026 (17. Sitzung)
verabschiedeter Text. Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
6 Versammlungsdebatte am 21. April 2026 (12. und 13. Sitzung) (siehe Dok. 16363, Bericht des Ausschusses für politische
Angelegenheiten und Demokratie, Berichterstatterin: Elisabetta Gardini, und Dok. 16382, Stellungnahme des Ausschusses für Gleichstellung und
Nichtdiskriminierung, Berichterstatterin: Evgenia Kravchuk). Von der Versammlung am 21. April 2026 (13. Sitzung) verabschiedeter
Text. Siehe auch Empfehlung 2305 (2026). Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
5. Politisch Verantwortliche, die Gewalt erfahren, könnten sich gezwungen sehen, ihr Verhalten zu ändern, ihre
Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen einzuschränken oder ihren Kontakt zu den Wählern zu
reduzieren. Sie könnten sich auch zur Selbstzensur entschließen, indem sie Diskussionen über bestimmte
kontroverse Themen vermeiden oder sogar ihre Haltung zu bestimmten politischen Themen ändern. Letztendlich
könnten sie sich dazu entschließen, von ihrem Amt zurückzutreten oder nicht zur Wiederwahl anzutreten.
Ebenso können Personen, die einen Einstieg in die Politik erwägen, durch Gewalt abgeschreckt werden: Dies
schränkt Pluralismus und Repräsentativität ein und beeinträchtigt die Qualität demokratischer Prozesse.
6. Einschüchterung, Drohungen und andere Formen verbaler oder körperlicher Übergriffe können zudem
erhebliche Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden von politisch Verantwortlichen haben und ihre
Fähigkeit, ihrer Arbeit nachzugehen und der Allgemeinheit zu dienen, beeinträchtigen.
7. Bestimmte Gruppen, darunter Politikerinnen und Vertreterinnen und Vertreter von Minderheiten sowie junge
politisch Verantwortliche und Staatsbedienstete, sind überproportional von geschlechtsspezifischer Gewalt,
sexuellen Drohungen sowie frauenfeindlichen, LGBTI-feindlichen oder rassistischen Angriffen betroffen.
Sie verdienen daher besondere Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass sie nicht von der Teilnahme am
politischen Leben abgehalten werden, und um die Vielfalt und Repräsentativität der gewählten Amtsträger
zu gewährleisten.
8. Die Verdrossenheit der Bürgerinnen und Bürger gegenüber demokratischen Prozessen und Institutionen hat
sich durch populistische Bewegungen noch verstärkt. Gleichzeitig sind Panikmache, Hetze und eine
menschenverachtende Rhetorik im öffentlichen Diskurs zur Normalität geworden. Dies schürt die politische
Polarisierung von Demokratien, die durch zunehmende Spannungen und Animositäten zwischen Gruppen mit
gegensätzlichen politischen Ansichten gekennzeichnet ist. Die Verschlechterung des politischen Klimas
schafft einen fruchtbaren Boden für Gewalt gegen politisch Verantwortliche, die außer Kontrolle geraten
könnte.
9. Die Versammlung stellt fest, dass Gewalt gegen politisch Verantwortliche in verschiedenen Formen auftreten
kann, sowohl online als auch offline. Diese Gewalt kann wirtschaftlicher, psychologischer, sexueller oder
physischer Natur sein und reicht von verbalen Übergriffen und Schikanen bis hin zu Einschüchterung,
physischen Drohungen und tätlichen Angriffen, sogar mit Todesfolge.
10. Online-Übergriffe gegen politisch Verantwortliche umfassen unter anderem: anhaltende Schikanen und
koordinierte Angriffe, wie den koordinierten Missbrauch von Meldesystemen mit der Absicht, sie mundtot zu
machen oder ihre Konten ungerechtfertigt zu sperren; Drohungen (einschließlich anonymer Drohungen);
Doxxing und andere Formen der unrechtmäßigen Offenlegung personenbezogener Daten; Cyberstalking;
Identitätsdiebstahl sowie die Verbreitung manipulierter oder irreführender Inhalte, die darauf abzielen,
politisch Verantwortliche einzuschüchtern, zum Schweigen zu bringen oder zu diskreditieren, unter anderem
durch Angriffe, die sich gegen ihre Angehörigen oder Mitarbeiter richten.
11. Die Versammlung ist außerdem besorgt über den zunehmenden Einsatz von Deepfakes gegen politisch
Verantwortliche: Dabei handelt es sich um Tonaufnahmen, Bilder oder Videos, die durch künstliche Intelligenz
erzeugt oder manipuliert wurden und realistisch eine Person darstellen, die etwas sagt oder tut, was sie nicht
gesagt oder getan hat, darunter auch die Fälschung oder Veränderung öffentlicher Äußerungen und die
missbräuchliche Verwendung der Identität von politisch Verantwortlichen.
12. Gewalttaten gegen politisch Verantwortliche werden oft mit dem letztendlichen Ziel begangen, sie
einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen und sie zu zwingen, ihre Ansichten, Handlungen oder politischen
Maßnahmen zu ändern; doch in vielen Fällen sind solche Gewalttaten einfach durch Respektlosigkeit und
Hass motiviert, ohne dass ein klares Ziel verfolgt wird.
13. Die Versammlung bekräftigt, dass eine lebhafte politische Debatte, die scharfe Kritik und Satire umfasst,
Teil des demokratischen Pluralismus ist und durch Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(SEV Nr. 5) geschützt wird. Drohungen, Aufstachelung zur Gewalt, gezielte Schikanen und
menschenverachtende Hetze, ob online oder offline, sind jedoch mit einer demokratischen Gesellschaft unvereinbar und
können nicht unter Berufung auf die Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.
14. Gewalt dem Dialog vorzuziehen, steht im Widerspruch zu allen demokratischen Grundsätzen. Wie in einem
Teufelskreis ist die zunehmende Zahl von Gewalttaten gegen politisch Verantwortliche daher ein deutliches
Symptom dafür, dass die Demokratie in Europa auf dem Rückzug ist, und zugleich eine der Ursachen für
diesen Rückzug, da Gewalt die politische Teilhabe, die politische Repräsentation und die politischen
Institutionen und letztlich die demokratische Resilienz untergräbt.
15. Die Versammlung unterstreicht, dass Gewalt und Hetze gegen politisch Verantwortliche nicht nur auf interne
gesellschaftliche Dynamiken zurückzuführen sein können, sondern auch das Ergebnis von Einmischung von
außen und hybriden Kriegsführungsstrategien sein können.
16. Die Versammlung erinnert daran, dass die Staats- und Regierungschefs des Europarates im Jahr 2023 die
Demokratie-Grundsätze von Reykjavik verabschiedet haben, in denen sie sich verpflichteten, „eine
uneingeschränkte, gleichberechtigte und maßgebliche Teilhabe am politischen und öffentlichen Leben für alle,
insbesondere für Frauen und Mädchen, ohne Gewalt, Angst, Belästigung, Hetze und Hassdelikte sowie ohne
Diskriminierung aus gleich welchen Gründen [zu] gewährleisten“ (Grundsatz 10).
17. Darüber hinaus bekräftigt die Versammlung die Schlussfolgerungen der Konferenz der
Parlamentspräsidenten, die am 20. und 21. März 2025 in Straßburg stattfand und in denen darauf hingewiesen wird, dass Gewalt
gegen politisch Verantwortliche demokratische Prozesse untergräbt und das Vertrauen in die Institutionen
schwächt. In den Schlussfolgerungen wird zudem die Notwendigkeit unterstrichen, den Kampf gegen dieses
Phänomen zu einer Priorität zu machen, um die Demokratie zu bewahren.
18. In diesem Zusammenhang begrüßt die Versammlung die laufenden Arbeiten des Kongresses der Gemeinden
und Regionen des Europarates mit dem Titel „Bewahrung der Basisdemokratie – Bekämpfung von Gewalt
gegen gewählte Vertreter auf lokaler und regionaler Ebene“.
19. Angesichts der laufenden Initiativen des Europarates im Hinblick auf einen Neuen demokratischen Pakt für
Europa ist die Versammlung der Auffassung, dass die Mitglieds- und Beobachterstaaten des Europarates ihre
Gesellschaftsverträge mit den Bürgerinnen und Bürgern durch gesamtgesellschaftliche Initiativen erneuern
sollten, an denen alle relevanten Akteure beteiligt sind: nationale Regierungen und Parlamente, kommunale
Behörden und Gremien, die Justiz, Strafverfolgungsbehörden, zivilgesellschaftliche Organisationen,
akademische Einrichtungen, Medien und Unternehmen.
20. Ziel sollte es sein, die Wertschätzung für diejenigen wiederherzustellen, die sich entschließen, ihre Zeit und
ihre Kraft dem öffentlichen Leben zu widmen, die Bindekräfte zu wahren, die Demokratien zusammenhalten,
und den Rahmen für Dialog, Respekt, Toleranz und das gegenseitige Verständnis zu stärken, der Gewalt
verhindert, und damit die demokratische Sicherheit zu festigen.
21. Im Einklang mit diesen Überlegungen fordert die Versammlung die Mitglieds- und Beobachterstaaten des
Europarates auf,
21.1. strenge Rechtsvorschriften zu erlassen, die die verschiedenen Formen von Gewalt gegen politisch
Verantwortliche als spezifische Straftaten oder erschwerende Umstände anerkennen, und
gegebenenfalls im Einklang mit den Grundsätzen der Rechtmäßigkeit, Notwendigkeit und
Verhältnismäßigkeit strengere Strafen vorzusehen, um zu zeigen, dass dieses Phänomen unter keinen Umständen
toleriert wird;
21.2. Gesetze einzuführen oder zu verschärfen, um die Offenlegung durch die Strafverfolgungsbehörden
von Informationen zu laufenden Ermittlungen, in die politisch Verantwortliche verwickelt sind, in
einer frühen Phase und ohne vorherige richterliche Genehmigung zu verbieten oder zu beschränken;
21.3. geeignete Regulierungsinstrumente zu ermitteln, um zu verhindern, dass soziale und traditionelle
Medien Aufrufe zur Gewalt, Hetze, menschenverachtende Äußerungen oder andere aufwieglerische
Inhalte verbreiten, dabei jedoch die Meinungsfreiheit zu wahren, Transparenz, ordnungsgemäße
Verfahren und wirksame Rechtsbehelfe zu gewährleisten; die Definitionshoheit über zulässige
politische Meinungsäußerungen nicht auf undurchsichtige Weise an private Akteure auszulagern sowie
Regulierungsinstrumente zu ermitteln, um zu beobachten, ob und wie Social-Media-Unternehmen
mit Reichweitendrosselung und organisierten Sperrkampagnen umgehen, die die freie
Meinungsäußerung von politisch Verantwortlichen behindern;
21.4. Schutzmaßnahmen gegen manipulierte Inhalte (einschließlich Deepfakes), die dazu dienen, politisch
Verantwortliche zu bedrohen, sich als diese auszugeben oder zu Gewalt gegen sie anzustacheln, zu
fördern, wobei der Schwerpunkt auf Maßnahmen zur Gewährleistung von Authentizität und
Transparenz liegen sollte, wie z. B. der eindeutigen Kennzeichnung synthetischer Inhalte, Instrumenten
zur Herkunftsfeststellung und Rückverfolgbarkeit sowie wirksamen und zeitnahen
Abhilfemaßnahmen (einschließlich Benachrichtigung und Recht auf Gegendarstellung), und zwar im Rahmen
transparenter Verfahren und unter unabhängiger Aufsicht, ohne die Befugnis zur Einschränkung
rechtmäßiger politischer Meinungsäußerung an private Akteure zu übertragen;
21.5. den Strafverfolgungsbehörden und der Justiz personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung
zu stellen, um sicherzustellen, dass alle Formen von Gewalt gegen politisch Verantwortliche zügig,
ordnungsgemäß und wirksam untersucht und strafrechtlich verfolgt werden, möglicherweise durch
spezialisierte Stellen, die für eine angemessene Koordinierung zwischen den zuständigen Behörden
sorgen können;
21.6. sicherzustellen, dass öffentliche Institutionen bei der Umsetzung von Maßnahmen zur
Gewaltbekämpfung alle politischen Stimmen gleichermaßen schützen, dabei jegliche ideologische
Voreingenommenheit vermeiden und die Meinungs- und Pressefreiheit achten, wobei umfassend
gewährleistet sein sollte, dass die Bekämpfung von Hetze, insbesondere rassistischer, sexistischer, homophober
und transphober Hetze, im Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention erfolgt;
21.7. das physische und psychische Wohlergehen von politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen zu
schützen, mit besonderem Augenmerk auf Politikerinnen und Vertretern von Minderheiten, ohne
jedoch Schutzhierarchien zu schaffen, und für den gleichen Schutz aller politischen Stimmen zu
sorgen, sowie ihre Handlungsfähigkeit und Sicherheit durch Schutzmaßnahmen wie regelmäßige
Risikobewertungen, die Bereitstellung von Notfallknöpfen, Alarmsysteme und verstärkte
demokratische Überwachung sicherzustellen;
21.8. sicherzustellen, dass die Sicherheitsrahmen über statische, rangbasierte Maßnahmen hinausgehen
und zu dynamischen, bedrohungsorientierten Schutzprotokollen weiterentwickelt werden;
insbesondere für politische Verantwortliche, die von Aggressor-Staaten ins Visier genommen werden, muss
ungeachtet ihres derzeitigen offiziellen Status der Schutz aufrechterhalten werden, solange die
Bedrohung besteht, mit besonderem Schwerpunkt auf der Verhinderung und Bekämpfung von
grenzüberschreitenden Operationen, die von ausländischen Nachrichtendiensten geführt werden;
21.9. Angriffe auf das Privatleben und die Familien von politisch Verantwortlichen, einschließlich
Doxxing und anderer unrechtmäßiger Offenlegungen personenbezogener Daten, zu bekämpfen,
indem Kanäle für Sofortmeldungen, wirksame Verfahren zur Entfernung unrechtmäßig offengelegter
personenbezogener Daten und die Weiterverfolgung durch die Strafverfolgungsbehörden gestärkt
werden, verbunden mit Maßnahmen zur Risikobewertung, um eine Eskalation zu Gewalt im realen
Leben zu verhindern;
21.10. politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen den Ausbau ihrer Kompetenzen im Bereich
Sicherheitsmaßnahmen zu ermöglichen und ihnen Leitlinien zur Cybersicherheit, rechtliche und
psychologische Unterstützung sowie bei Bedarf weitere Ressourcen zur Verfügung zu stellen;
21.11. Diskussionsräume und Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger durch
partizipative und deliberative Demokratieprozesse zu stärken und dabei zivilgesellschaftliche Organisationen
einzubeziehen;
21.12. öffentliche Kampagnen durchzuführen und Bildungsprogramme zur politischen Bildung und
Medienkompetenz umzusetzen, um das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein der Bürgerinnen
und Bürger und ihr Vertrauen in die Institutionen zu stärken, mit besonderem Fokus auf jüngere
Generationen;
21.13. den parteiübergreifenden Dialog und eine politische Kultur zu fördern, die sich auf Transparenz,
Respekt und Verantwortung sowie die Ablehnung von Gewalt und Hetze gründet, und zwar über
das gesamte politische Spektrum hinweg;
21.14. die Datenerhebung auf allen Ebenen zu verbessern, um das Phänomen richtig zu analysieren, seine
zugrunde liegenden Ursachen zu ermitteln, die verschiedenen Methoden und Mittel der Gewalt
sowie die Art und Weise, wie sie auf unterschiedliche Gruppen abzielen, durch einen intersektionalen
Ansatz zu kategorisieren, zu bewerten, wie die Bürgerinnen und Bürger auf Gewalttaten gegen
politisch Verantwortliche reagieren, und die Entwicklungen zu beobachten, um einschlägige
Rechtsvorschriften und politische Maßnahmen darauf abzustimmen;
21.15. die Einrichtung eines Mechanismus in Erwägung zu ziehen, um konkrete Bedrohungen oder
Gewalttaten gegen politisch Verantwortliche auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu
identifizieren, zu verfolgen und das Bewusstsein dafür zu schärfen.
22. Die Versammlung stellt fest, dass gerade den politisch Verantwortlichen eine Vorbildfunktion im Hinblick
auf staatsbürgerliches, tolerantes und demokratisches Verhalten zukommt. Sie fordert daher die politisch
Verantwortlichen auf allen Ebenen auf, auf hetzerische, menschenverachtende Rhetorik und die Anstiftung
zu Gewalt zu verzichten. Die Versammlung bittet die politisch Verantwortlichen außerdem, alle Gewalttaten
– in welcher Form auch immer – zu verurteilen, insbesondere wenn sie gegen Kolleginnen und Kollegen aus
anderen Parteien gerichtet sind.
23. Die Versammlung bekundet erneut ihre Unterstützung für die „No Hate Parliamentary Alliance“ als
Diskussionsforum, das sich für Maßnahmen zur Bekämpfung von Hetze einsetzt.
24. Darüber hinaus fordert die Versammlung die nationalen Parlamente und kommunalen Gremien sowie die
politischen Parteien auf,
24.1. die Charta der europäischen politischen Parteien für eine nichtrassistische und inklusive Gesellschaft
zu unterzeichnen, die in ihrer Entschließung 2443 (2022) „Die Rolle von Parteien bei der Förderung
von Vielfalt und Inklusion: eine neue Charta für eine nichtrassistische Gesellschaft“ unterstützt
wurde, und ihre Bestimmungen vollständig umzusetzen:
24.2. spezielle Verhaltenskodizes zu verabschieden, um zu verhindern, dass politisch Verantwortliche
ihre Kolleginnen und Kollegen aus anderen Parteien gezielten Anfeindungen aussetzen;
24.3. Sicherheitsprotokolle sowie Überwachungs- und Warnmechanismen zu verabschieden, um ihren
Mitgliedern angemessene psychologische und physische Unterstützung zu gewähren, wenn diese
Opfer verbaler oder körperlicher Angriffe werden.
Entschließung 2647 (2026)7
Diskriminierung aufgrund der Religion bekämpfen und die Religions- und Glaubensfreiheit in
Europa schützen
1. Die Parlamentarische Versammlung stellt fest, dass die Religions- und Glaubensfreiheit, die das Recht
einschließt, keine religiöse Überzeugung oder Zugehörigkeit zu haben, nicht nur ein Grundrecht, sondern auch
ein grundlegendes Element eines jeden demokratischen Systems ist. Durch die Förderung des Pluralismus
fördert sie ein friedliches, gleichberechtigtes Zusammenleben in den kulturell vielfältigen Gesellschaften
Europas. Die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist durch Artikel 9 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SEV Nr.5, „die Konvention“) geschützt und einer der Eckpfeiler des Systems zum Schutz
der Menschenrechte des Europarates.
2. Gleichberechtigung und das Fehlen von Diskriminierung sind wesentliche Voraussetzungen für die effektive
Wahrnehmung des Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit. Die Mitgliedstaaten sollten die effektive
Wahrnehmung dieses Rechts durch alle Menschen ohne Diskriminierung aufgrund der
Religionszugehörigkeit oder aus irgendeinem anderen Grund garantieren.
3. In ganz Europa mehren sich die Anzeichen für Ausgrenzung und Intoleranz aufgrund der Religion, was
Anlass zu großer Sorge gibt. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2447 (2022) „Antisemitismus
in Europa verhüten und bekämpfen“, Entschließung 2457 (2022) „Die Aufklärung über Islamfeindlichkeit
oder antimuslimischen Rassismus in Europa und deren Bekämpfung“ sowie Entschließung 2069 (2015)
„Erkennen und Verhindern von Neorassismus“ und ist der Ansicht, dass die Mitgliedstaaten ihre Bemühungen
zur Verhütung und Bekämpfung aller Formen von Rassismus und Intoleranz, die kulturelle Unterschiede,
insbesondere die Religionszugehörigkeit, fälschlich als einen Grund für eine vermeintliche Unvereinbarkeit
von Minderheitengruppen und den europäischen Gesellschaften darstellen, verstärken sollten.
7 Versammlungsdebatte vom 21. April 2026 (13. Sitzung) (siehe Dok. 16373, Bericht des Ausschusses für Gleichstellung und
Nichtdiskriminierung, Berichterstatter: Francesco Verducci). Von der Versammlung am 21. April 2026 (13. Sitzung) verabschiedeter Text.
Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
4. Die Versammlung stellt fest, dass Ausdrucksformen von religiöser Intoleranz in Europa offenbar häufig mit
Konflikten in Zusammenhang stehen, die in anderen Regionen stattfinden und erhöhte Spannungen dort
widerspiegeln. Nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober 2023 und dem Konflikt in Gaza gab es ein erhebliches
Wiederaufflammen von Antisemitismus, und viele europäische Länder verzeichneten einen Anstieg
antisemitischer Vorfälle, wobei nicht nur die Zahl der Gewalttaten und körperlichen Angriffe, sondern auch der
Hassreden in den sozialen Medien exponentiell angestiegen ist, wie von internationalen Organen, darunter
der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI), festgestellt wurde. Diese
internationalen Organe haben darüber hinaus festgestellt, dass die Zahl islamfeindlicher Vorfälle gestiegen ist. Die
Versammlung bekräftigt, dass niemand auf der Grundlage seiner tatsächlichen oder wahrgenommenen
Religions- oder Glaubenszugehörigkeit für Akte verantwortlich gemacht werden sollte, die von anderen
angeblich im Namen dieser Religion oder dieses Glaubens verübt wurden.
5. Die Versammlung misst der Arbeit der ECRI, die entscheidend für die Förderung von Gleichstellung und
Inklusion im diversen Europa von heute ist, eine hohe Bedeutung zu und unterstützt sie. Die Empfehlungen
der ECRI sollten von den staatlichen Behörden in den Mitgliedstaaten des Europarates vollständig umgesetzt
werden. Die Versammlung unterstützt ferner die Maßnahmen aller Organisationen, die sich für die Verhütung
und Bekämpfung von Diskriminierung einsetzen, sowie das Mandat des Sonderbeauftragten des
Generalsekretärs des Europarates für Antisemitismus, Antiislamismus und alle Formen der religiösen Intoleranz, da
es wichtig ist, ein friedliches Zusammenleben zu fördern, um auf die Herausforderungen, denen sich Europa
heute gegenübersieht, zu reagieren. Sie empfiehlt, dass Maßnahmen in diesem Bereich die umfassende
Vielfalt der religiösen Überzeugungen und Gemeinschaften berücksichtigen.
6. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2076 (2015) „Religionsfreiheit und Zusammenleben in
einer demokratischen Gesellschaft” und bekräftigt erneut, dass die Mitgliedstaaten sicherstellen sollten, dass
religiöse Gemeinschaften und ihre Mitglieder in der Lage sind, ihr Recht auf Religionsfreiheit sowie das
Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlung ohne Behinderung oder Diskriminierung gemäß
Artikel 9 der Konvention auszuüben. Dies schließt die Möglichkeit ein, ihren Glauben öffentlich und frei in dafür
eingerichteten Gotteshäusern oder an anderen öffentlich zugänglichen Orten auszuüben und ihre Meinung
öffentlich zu äußern, ohne Zensur oder Einschüchterung unterworfen zu sein.
7. Die Versammlung bekräftigt darüber hinaus erneut, dass Bildung für die Bekämpfung von Ignoranz,
Überwindung von Klischees und Voreingenommenheit sowie für den Aufbau von Vertrauen und gegenseitigem
Respekt von entscheidender Bedeutung ist und Schulen einen konstruktiven Dialog zwischen Personen
unterschiedlicher Überzeugungen, gleich ob sie religiös oder säkular sind, als Grundlage für den Aufbau und
die Stärkung einer demokratischen Gesellschaft fördern sollten.
8. Die Versammlung verweist auf die im Bereich der religiösen Bildung durchgeführten Aktivitäten des
Europarates, der für einen integrierten Ansatz im Hinblick auf geistige, religiöse, moralische und bürgerliche
Werte eintritt. Sie bekräftigt erneut, dass Religionsunterricht ein starkes Instrument zur Verhinderung und
Bekämpfung von religiöser Intoleranz sowie für die Förderung eines friedlichen Zusammenlebens und des
gesellschaftlichen Zusammenhalts sein kann. Zu diesem Zweck muss Religionsunterricht von Pluralismus
inspiriert sowie objektiv und überkonfessionell sein.
9. Die Versammlung betont, dass der Religionsunterricht einen wichtigen Beitrag zu einer demokratischen
Gesellschaft leisten sollte. Sie erkennt ferner an, dass religiöse Gemeinschaften eine große Verantwortung dafür
tragen, bei der Weitergabe ihres Glaubens nicht nur ihre eigenen Überzeugungen, sondern auch die Achtung
anderer Religionen und religiöser Überzeugungen zu vermitteln. Sie ruft darüber hinaus Eltern bei der
Erziehung ihrer Kinder und alle Formen konfessioneller religiöser Bildungseinrichtungen auf, die Achtung
anderer Religionen und Weltanschauungen zu vermitteln sowie sicherzustellen, dass der Religionsunterricht
zum friedlichen Zusammenleben und zum sozialen Zusammenhalt beiträgt.
10. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2036 (2015) „Die Bekämpfung von Intoleranz und
Diskriminierung mit besonderem Schwerpunkt auf Christen“ und stellt fest, dass Intoleranz und Diskriminierung
aus Gründen der Religion oder des Glaubens sowohl religiöse Mehrheits-, als auch religiöse
Minderheitsgruppen in Europa betrifft; sie stellt fest, dass die Äußerung des Glaubens in manchen Fällen übermäßig von
nationalen Gesetzen und Politiken behindert wird, und sie unterstreicht die Notwendigkeit, praktische
Möglichkeiten zu identifizieren, um die Ausübung der Religion am Arbeitsplatz und in anderen Umgebungen zu
ermöglichen. Dies stellt ein pragmatisches Mittel dar, um die effektive und umfassende Wahrnehmung der
Religionsfreiheit zu gewährleisten, die es allen religiösen Gruppen ermöglicht, harmonisch
zusammenzuleben.
11. Die Versammlung unterstreicht die besondere Verantwortung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens,
sich gegen religiösen Hass und alle anderen Formen von Intoleranz auszusprechen. Sie unterstreicht, dass
politisch Verantwortliche und politische Vertreter von jeglicher Instrumentalisierung, Manipulation, falschen
Darstellung oder anderen Formen des Missbrauchs von Religion oder Glauben absehen sollten, um Personen
oder Gruppen zu stigmatisieren oder auszugrenzen oder Wahlvorteile oder andere Vorteile zu erzielen.
12. Die Versammlung stellt darüber hinaus mit besonderer Besorgnis fest, dass Verletzungen der Religions- oder
Glaubensfreiheit im Zusammenhang mit Situationen bewaffneter Konflikte und ausländischer Besetzung
stehen, beispielsweise im Kontext des Angriffskriegs der Russischen Föderation gegen die Ukraine, wo
Berichte auf die Unterdrückung des religiösen Pluralismus, Beschränkungen für nicht angepasste religiöse
Gemeinschaften und den Missbrauch der Religion zu politischen Zwecken durch die Besatzungsbehörden
hinweisen.
13. Die Versammlung ist äußerst besorgt darüber, dass Religion zunehmend als Waffe und als Instrument für
Propaganda und hybride Kriegsführung genutzt wird, worauf sie in ihrer Entschließung 2540 (2024) „Der
Tod von Alexei Nawalny und die Notwendigkeit, Wladimir Putins totalitärem Regime und seinem Krieg
gegen die Demokratie entgegenzutreten“ hingewiesen hatte.
14. Angesichts dieser Erwägungen fordert die Versammlung die Mitgliedstaaten des Europarates, die
Beobachterstaaten und die „Partner für Demokratie“ auf,
14.1. im Hinblick auf Forschung und Datenerhebung
14.1.1. Daten über Intoleranz und Diskriminierung aufgrund der Religion zu sammeln, die nach
Merkmalen wie Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Staatsangehörigkeit und der
religiösen Zugehörigkeit der Opfer aufgeschlüsselt sind;
14.2. im Hinblick auf Bildung, Information und Sensibilisierung
14.2.1. Schulungen zu religiöser Kompetenz für Staatsbedienstete, Strafverfolgungsbeamte und
die Justiz anzubieten, um die Identifizierung von Fällen von Diskriminierung aufgrund
der Religion sowie die konsequente Durchsetzung der Religions- oder Glaubensfreiheit
zu erleichtern;
14.2.2. den Lehrkräften an Schulen Fortbildungen und Anleitung über Religionsfragen auf der
Grundlage eines pluralistischen und inklusiven Ansatzes anzubieten mit dem Ziel,
Respekt und gegenseitiges Verständnis zu fördern und Konflikte zu verhindern;
14.2.3. die Zusammenarbeit mit Medienorganisationen zu stärken, um eine faire und genaue
Vertretung religiöser Überzeugungen und Lebensstile in den Medien zu fördern und negative
Klischeevorstellungen und eine Stigmatisierung aufgrund der Religion oder des Glaubens
zu bekämpfen, ohne dabei in die Unabhängigkeit der Medien einzugreifen;
14.3. im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft und religiösen Institutionen:
14.3.1. eine faire und gleiche Behandlung religiöser Gemeinschaften und Organisationen bei
allen administrativen Formalitäten zu gewährleisten, insbesondere durch die Festlegung
klarer, transparenter und nicht-diskriminierender Verfahren für ihre Anerkennung auf der
Grundlage objektiver Kriterien, die innerhalb von vernünftigen zeitlichen Rahmen und
abhängig von einer effektiven Überprüfung angewandt werden;
14.3.2. die Konsultation von religiösen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen
Organisationen und die Kommunikation mit ihnen bei der Ausarbeitung von Gesetzen zu verstärken,
die die Religionsfreiheit von Personen oder Gruppen direkt oder indirekt beeinträchtigen
könnten;
14.3.3. den interreligiösen Dialog zu fördern mit dem Ziel, das gegenseitige Verständnis zu
fördern und Diskriminierung zu verhindern, sowie danach zu streben, Vertreterinnen und
Vertreter eines möglichst breiten Spektrums von Religionen oder Überzeugungen
einzubeziehen;
14.4. im Hinblick auf herabwürdigende Äußerungen bei öffentlichen und politischen Reden
14.4.1. Abgeordnete und politisch Verantwortliche nachdrücklich aufzufordern, keine
stigmatisierende und diskriminierende Sprache zu verwenden oder Religion zu politischen
Zwecken zu nutzen und die Umsetzung wirksamer Instrumente zu erwägen, um diese
Praktiken zu verhindern und zu bekämpfen;
14.5. im Hinblick auf den Schutz der Religions- oder Glaubensfreiheit in Situationen von bewaffneten
Konflikten
14.5.1. zu gewährleisten, dass Verstöße gegen die Religions- oder Glaubensfreiheit im
Zusammenhang mit Situationen von bewaffneten Konflikten und ausländischer Besetzung
effektiv überwacht, dokumentiert und auf nationaler und internationaler Ebene bekämpft
werden.
15. Die Versammlung begrüßt die Aktion der „No Hate Parliamentary Alliance“ und wiederholt ihre Forderung
an die nationalen Parlamente, parlamentarische Gruppen einzurichten, die sich mit der Verhütung und
Bekämpfung von Rassismus, Intoleranz und Hass befassen.
16. Die Versammlung fordert die politischen Parteien auf, die Charta der europäischen politischen Parteien für
eine nichtrassistische und inklusive Gesellschaft, die in ihrer Entschließung 2443 (2022) „Die Rolle von
Parteien bei der Förderung von Vielfalt und Inklusion: eine neue Charta für eine nichtrassistische
Gesellschaft“ unterstützt wurde, zu unterzeichnen und sie bei ihren internen Tätigkeiten und in ihrem öffentlichen
Handeln umzusetzen.
Entschließung 2648 (2026)8
Das Verfahren zur Wahl von Richterinnen und Richtern für den Europäischen Gerichtshof
für Menschenrechte
1. In der Europäischen Menschenrechtskonvention (SEV Nr. 5, im Folgenden „Konvention“) sind die
Menschenrechte, die das Herzstück des europäischen Friedensprojekts nach dem Zweiten Weltkrieg bilden, als
Rechtsnormen verankert, und sie hat über 75 Jahre lang einen außerordentlichen Beitrag zur
Aufrechterhaltung der demokratischen Sicherheit und zur Verbesserung der guten Regierungsführung auf unserem
Kontinent geleistet. In einer Zeit, in der das Konventionssystem vor noch nie dagewesenen Herausforderungen
steht, ist es wichtiger denn je, die Autorität des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (im
Folgenden „Gerichtshof“) zu stärken und sicherzustellen, dass alle seine Richterinnen und Richter über ein
Höchstmaß an Kompetenz, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verfügen und dass das Verfahren zu ihrer Wahl
fair, transparent und effizient ist.
2. Die Wahl der Richterinnen und Richter des Gerichtshofs ist ein mehrstufiges Verfahren mit einer klaren
Rollenverteilung: Es obliegt den Hohen Vertragsparteien, mit Unterstützung des Beratenden
Expertenausschusses (im Folgenden „Beratender Ausschuss“) drei Kandidatinnen bzw. Kandidaten zu benennen, die
jeweils die Wählbarkeitskriterien gemäß Artikel 21 Absatz 1 der Konvention erfüllen müssen; und es obliegt
der Parlamentarischen Versammlung, die von ihrem Ausschuss für die Wahl von Richterinnen und Richtern
für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (im Folgenden „Ausschuss für die Richterwahl“)
unterstützt wird, gemäß der ihr durch Artikel 22 der Konvention übertragenen ausschließlichen Zuständigkeit
eine der drei kandidierenden Personen zu wählen. Wie in der Kopenhagener Erklärung von 2018
unterstrichen wird, sollten das Ministerkomitee und die Versammlung „in einem echten und offenen Geist der
Zusammenarbeit im Interesse der Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit des Konventionssystems
zusammenarbeiten, um das gesamte Verfahren zu prüfen, mit dem die Richterinnen und Richter für den Gerichtshof
ausgewählt und gewählt werden, um sicherzustellen, dass das Verfahren fair, transparent und effizient ist und dass
die qualifiziertesten und kompetentesten Kandidatinnen und Kandidaten gewählt werden“.
8 Versammlungsdebatte am 21. April 2026 (13. Sitzung) (siehe Dok. 16361, Bericht des Ausschusses für die Wahl von Richterinnen und
Richtern zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, Berichterstatterin: Petra Bayr). Von der Versammlung am 21. April 2026
(13. Sitzung) verabschiedeter Text. Siehe auch Empfehlung 2306 (2026). Vorläufige Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen
Überarbeitung.
3. Die Versammlung wird dieser Verantwortung gerecht, da sie sich bewusst ist, dass ihre Rolle in diesem
Verfahren dem Gerichtshof ein gewisses Maß an demokratischer Legitimität verleiht und ein einzigartiges
Merkmal ist, das ihn von allen anderen internationalen Rechtsprechungsorganen, einschließlich des Gerichtshofs
der Europäischen Union, unterscheidet.
4. Das derzeitige Verfahren für die Richterwahl wurde durch eine Reihe von Entschließungen und
Empfehlungen der Versammlung weiterentwickelt, die über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren angenommen
wurden. Die letzten Änderungen wurden im Jahr 2018 (Entschließung 2248 (2018) „Verfahren für die Wahl
von Richtern zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte”) und 2019 (Entschließung 2278 (2019)
“Die Änderung verschiedener Bestimmungen der Geschäftsordnung der Versammlung”) eingeführt.
5. Im Laufe der Zeit hat die Versammlung zunehmend auf die Fairness und Transparenz der nationalen
Auswahlverfahren geachtet und dabei die 2012 angenommenen Leitlinien des Ministerkomitees für die Auswahl
von Kandidatinnen und Kandidaten für das Richteramt am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
(CM(2012)40) berücksichtigt. Die Versammlung hat beispielsweise Listen aus verfahrenstechnischen
Gründen abgelehnt, wenn der Beratende Ausschuss nicht ordnungsgemäß konsultiert worden war, wenn das
nationale Auswahlverfahren stark von Vertretern der Regierung dominiert wurde, wenn das Verfahren nicht
ausreichend transparent war oder wenn nicht davon ausgegangen werden konnte, dass die Mitglieder des
Auswahlgremiums keiner ungebührlichen Einflussnahme unterlagen. Die Versammlung nimmt die
Entscheidungen des Ministerkomitees vom 7. und 8. Februar 2024 zur Kenntnis, in denen die Versammlung aufgefordert
wird, bei der Ablehnung einer Liste aus verfahrenstechnischen Gründen die Veröffentlichung ihrer
Schlussfolgerungen und Begründungen zu erwägen. In diesem Zusammenhang betont die Versammlung, dass die
spezifischen Gründe für Ablehnungen aus verfahrenstechnischen Gründen der betreffenden Regierung
mitgeteilt und in dem vom Generalsekretär bzw. der Generalsekretärin der Versammlung erstellten
Memorandum, das regelmäßig aktualisiert wird, in knapper und nicht länderspezifischer Form dargelegt werden. Dies
sollte es den Vertragsstaaten ermöglichen zu erkennen, wie die Versammlung die Leitlinien des
Ministerkomitees in der Praxis anwendet, damit sie ihre Auswahlverfahren verbessern können.
6. Der Beratende Ausschuss hat außerdem eine Reihe von Herausforderungen, Unzulänglichkeiten und
Praktiken festgestellt, die hinter den geforderten Standards für nationale Auswahlverfahren zurückbleiben. Dazu
zählen eine unzureichende Bekanntmachung, eine geringe Anzahl von Personen, die sich auf die öffentlichen
Aufrufe zur Kandidatur melden, eine unausgewogene oder politisierte Zusammensetzung der
Auswahlgremien, ein Mangel an transparenter Entscheidungsfindung oder ein ungerechtfertigter Ausschluss
hochqualifizierter Bewerberinnen und Bewerber.
7. Die Versammlung ist sich zwar bewusst, dass die Vertragsstaaten einen gewissen Spielraum bei der
Gestaltung der nationalen Auswahlverfahren haben, betont aber, dass die Leitlinien des Ministerkomitees sowie
ihre eigenen diesbezüglichen Entschließungen vollständig umgesetzt werden sollten. Die Begründung der
Leitlinien und die Tätigkeitsberichte des Beratenden Ausschusses liefern Beispiele für positive
Vorgehensweisen, die berücksichtigt werden sollten. Die Versammlung hat außerdem in den jüngsten nationalen
Auswahlverfahren Beispiele für eine gute Praxis identifiziert, die den Vertragsstaaten dabei helfen könnten, ihre
eigenen Verfahren fairer und transparenter zu gestalten und dabei ihre rechtlichen, verfassungsmäßigen und
politischen Besonderheiten zu berücksichtigen. Dazu zählen die folgenden Anforderungen:
7.1. Es wird eine Mindestfrist von einem Monat für die Einreichung von Bewerbungen eingeräumt
7.2. In der Zusammensetzung des nationalen Auswahlgremiums dominiert nicht die Exekutive, sondern
die Mehrheit seiner Mitglieder kommt aus Bereichen außerhalb des Regierungsapparats, zum
Beispiel aus der Justiz, der Ombudsstelle, den Anwaltskammern und der Wissenschaft
7.3. Die personelle Zusammensetzung des nationalen Auswahlgremiums wird im Voraus bekannt
gegeben und veröffentlicht
7.4. Die allgemeine Zusammensetzung des nationalen Auswahlgremiums und die Einzelheiten des
Verfahrens sind in der entsprechenden Vorschrift (Gesetz oder Regierungsverordnung) festgelegt und
liegen nicht im Ermessen des zuständigen Ministers oder der zuständigen Ministerin
7.5. Es werden Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die nationalen Auswahlgremien ein
möglichst ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern aufweisen, wie von der Versammlung
bereits empfohlen
7.6. Vertreter der Zivilgesellschaft und der Rechtsberufe sowie unabhängige Institutionen haben das
Recht, bei den Auswahlgesprächen als Beobachter anwesend zu sein
7.7. Das nationale Auswahlgremium holt den Rat ehemaliger Richterinnen oder Richter des Gerichtshofs
für das betreffende Land ein
7.8. Die Sprachkenntnisse der Bewerberinnen und Bewerber werden bei den Auswahlgesprächen
schriftlich und mündlich geprüft
7.9. Erwägt die letztlich entscheidende Person, von der Empfehlung des nationalen Auswahlgremiums
abzuweichen, muss sie das Auswahlgremium um eine Stellungnahme zu den Bewerberinnen und
Bewerbern bitten, die nicht in die engere Wahl gekommen sind
7.10. Die einschlägigen Dokumente des Europarates zur Richterwahl werden in die Landessprache
übersetzt und allen Mitgliedern des nationalen Auswahlgremiums zur Verfügung gestellt.
8. Was die grundlegenden Voraussetzungen für Kandidatinnen und Kandidaten gemäß Artikel 21 Absatz 1 der
Konvention betrifft, so betont die Versammlung, dass die Autorität des Gerichtshofs und das Vertrauen in die
Qualität und Unabhängigkeit seiner Richterinnen und Richter gewährleistet sein müssen. Die Kandidatinnen
und Kandidaten müssen daher über die entsprechende Berufserfahrung und Unabhängigkeit verfügen, um
ein so hohes richterliches Amt an einem internationalen Gericht auszuüben. Die Praxis der Versammlung
zeigt, dass Ablehnungen von Listen aus sachlichen Gründen, weil nicht alle Kandidatinnen und Kandidaten
die Kriterien erfüllen, notwendig sind, um die der Versammlung eingeräumte Entscheidungsfreiheit zu
wahren, die sie im Interesse des ordnungsgemäßen Funktionierens und der Autorität des Gerichtshofs ausüben
muss. Die Versammlung nimmt mit Besorgnis die Schlussfolgerungen des Beratenden Ausschusses in
seinem Tätigkeitsbericht vom 5. November 2025 zur Kenntnis, wonach er bei einem relativ großen Teil der
Kandidatinnen und Kandidaten (16 Prozent von Juli 2022 bis Juli 2025) zu einem negativen Ergebnis
gekommen sei und wonach einige Regierungen dazu neigten, jüngere und weniger erfahrene Personen zur
Kandidatur vorzuschlagen. Dies zeigt, dass es noch Verbesserungsbedarf gibt, wenn es darum geht,
hochqualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen und vorzuschlagen, insbesondere solche mit
umfangreicher juristischer Erfahrung an den höchsten nationalen Gerichten. In diesem Zusammenhang
unterstreicht die Versammlung, wie wichtig es ist, sich mit der Situation von Richterinnen und Richtern nach dem
Ende ihres Mandats zu befassen, unter anderem durch die formelle Anerkennung ihrer Richtertätigkeit in
den nationalen Rechtssystemen und die entsprechende Erleichterung ihrer beruflichen Wiedereingliederung
und ihrer Einbindung in die nationalen Rentensysteme. Derartige Maßnahmen würden die Attraktivität des
Amtes erhöhen und zur Umsetzung der Konvention auf nationaler Ebene beitragen.
9. Die Versammlung betont auch, wie wichtig es ist, dass die Kandidatinnen und Kandidaten über Kenntnisse
des nationalen Rechtssystems des Mitgliedstaates verfügen, für den sie gewählt werden sollen. Da sie häufig
über Fälle entscheiden müssen, die sich gegen diesen Staat richten, und darüber, wie seine nationalen
Behörden und Gerichte die Konvention anwenden, ist es wichtig, dass sie über ein umfassendes Verständnis des
jeweiligen nationalen Rechtssystems verfügen und in der Lage sind, die anderen Richterinnen und Richter
der betreffenden Gerichtsformation (Kammer oder Große Kammer) zu informieren. Kompetenz und
Erfahrung auf dem Gebiet der Menschenrechte sollten, auch wenn sie sich nicht explizit aus Artikel 21 Absatz 1
der Konvention ergeben, bei der Gesamtbeurteilung der Kandidatinnen und Kandidaten ebenfalls
berücksichtigt werden. Gleichzeitig unterstreicht die Versammlung die Bedeutung einer vielfältigen Besetzung des
Gerichtshofs im Hinblick auf spezifische juristische Fachkenntnisse und berufliche Werdegänge.
10. Hinsichtlich der Geschlechterverteilung bedauert die Versammlung, dass Frauen am Gerichtshof
unterrepräsentiert sind, da sie weniger als 40 Prozent der Gesamtzahl der amtierenden Richter ausmachen. In diesem
Zusammenhang akzeptiert sie die unlängst erfolgte Einreichung von reinen Frauenlisten durch einige Staaten
und bekräftigt, dass sie strikt das Kriterium der „außergewöhnlichen Umstände“ anwendet, um Ausnahmen
von der Regel zu rechtfertigen, wonach die eingereichten Listen mindestens eine Kandidatur des
unterrepräsentierten Geschlechts enthalten müssen.
11. Die Versammlung ist zutiefst besorgt über die Verzögerungen bei der Vorlage von Kandidatenlisten durch
einige Vertragsstaaten, namentlich derjenigen, die eine oder mehrere kandidierende Personen nach einer
Ablehnung durch die Versammlung ersetzen müssen. Diese Situation führt dazu, dass das Mandat der
amtierenden Richterinnen und Richter de facto (in einigen Fällen weit) über ihre Amtszeit gemäß Artikel 23 Absatz 2
der Konvention hinaus verlängert wird oder dass es für den betreffenden Staat keinen amtierenden Richter
bzw. keine amtierende Richterin gibt. Dies bewirkt nicht nur eine Ungleichbehandlung unter den
amtierenden Richterinnen und Richtern, Probleme und Unsicherheiten mit Blick auf die Arbeitsbelastung des
Gerichtshofs und der betroffenen Richterinnen und Richter, sondern widerspricht auch dem Geist der nicht
verlängerbaren Amtszeit von neun Jahren, die durch das Protokoll Nr. 14 zur Konvention (SEV Nr. 194, in
Kraft getreten 2010) eingeführt wurde. Die Versammlung ist der Ansicht, dass es an der Zeit ist, einen
Mechanismus einzuführen, der diesem Phänomen entgegenwirkt und Druck auf die betroffenen Vertragsstaaten
ausübt, damit diese rechtzeitig geeignete Kandidatenlisten vorlegen. Dies könnte durch eine Änderung von
Artikel 23 Absatz 2 der Konvention erreicht werden, durch die ein amtierender Richter bzw. eine amtierende
Richterin nach einer Amtszeit von neun Jahren maximal ein weiteres Jahr im Amt bleiben dürfte.
12. Die Versammlung stellt fest, dass sich ihre Regeln und Verfahren für die Richterwahl im Laufe der Jahre
ständig weiterentwickelt haben. Die derzeit für den Ausschuss für die Richterwahl geltenden Regeln haben
es ihm ermöglicht, seine Aufgabe, die kandidierenden Personen zu befragen und die Versammlung bei der
Wahl der qualifiziertesten Richterinnen und Richter für den Gerichtshof zu unterstützen, wirksam zu erfüllen
und gleichzeitig das Ansehen aller in die engere Wahl gekommenen Kandidatinnen und Kandidaten zu
wahren. Seit der Einsetzung des Ausschusses im Jahr 2015 ist die Versammlung fast immer seinen Empfehlungen
gefolgt, was als Zeichen des Vertrauens und des Respekts für seine Mitglieder zu werten ist, die alle einen
juristischen Hintergrund haben müssen. Die Versammlung ist gleichwohl der Ansicht, dass am Verfahren für
die Richterwahl folgende Änderungen vorgenommen werden sollten, um bestimmte Aspekte zu verbessern
und bestimmte Verfahrensweisen festzuschreiben:
12.1. Der/die Vorsitzende oder ein Vertreter/eine Vertreterin des Ausschusses für die Richterwahl sollte
das Recht haben, in der Debatte über den Fortschrittsbericht des Präsidiums und des Ständigen
Ausschusses das Wort zu ergreifen, um gegebenenfalls die Empfehlungen des Ausschusses vorzutragen
12.2. Die Liste der Kandidaturen für die Wahl einer Richterin bzw. eines Richters am Gerichtshof kann,
nachdem sie der Versammlung vorgelegt wurde, von der betreffenden Regierung nur zurückgezogen
oder geändert werden, solange die für ihre Übermittlung gesetzte Frist – wie im Schreiben des
Generalsekretärs bzw. der Generalsekretärin der Versammlung angegeben – noch nicht abgelaufen ist.
Nach Ablauf der Frist kann die Regierung die Kandidatenliste nicht mehr von sich aus zurückziehen
oder abändern
12.3. Die Versammlung sollte das Wahlverfahren unterbrechen, wenn eine der drei kandidierenden
Personen auf der Liste zurücktritt, bevor die Empfehlung des Ausschusses für die Richterwahl
veröffentlicht wird. Sie sollte dann die betreffende Regierung auffordern, die Kandidatenliste zu
vervollständigen, indem sie die zurückgetretene Person ersetzt. Im Anschluss daran wird der Ausschuss
alle drei kandidierenden Personen erneut anhören. Der Rückzug eines Kandidaten bzw. einer
Kandidatin nach der Veröffentlichung der Empfehlung des Ausschusses ist nicht möglich.
13. Darüber hinaus
13.1. fordert die Versammlung die Vertragsstaaten der Konvention auf, die Leitlinien des
Ministerkomitees für die Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten für das Richteramt am Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte sowie die Entschließungen der Versammlung zur Richterwahl und die
Hinweise und Stellungnahmen des Beratenden Ausschusses zu befolgen und umzusetzen und dabei
die ermittelte gute Praxis zu berücksichtigen;
13.2. fordert die Versammlung die Regierungen der Vertragsstaaten auf, der Versammlung die
Kandidatenlisten rechtzeitig vorzulegen und bei der Übermittlung der Namen und Lebensläufe der
Kandidatinnen und Kandidaten detaillierte Angaben zu den nationalen Auswahlverfahren zu machen,
darunter auch zur Zusammensetzung der nationalen Auswahlgremien;
13.3. fordert die Versammlung die nationalen Parlamente der Vertragsstaaten sowie die nationalen
Menschenrechtsinstitutionen auf, sich über ihre laufenden nationalen Auswahlverfahren zu informieren
und die Auswahl und Wahl der Richterinnen und Richter für den Gerichtshof auf nationaler Ebene
stärker ins Bewusstsein zu rücken;
13.4. legt die Versammlung den nationalen Menschenrechtsinstitutionen, der Zivilgesellschaft und den
juristischen Berufsverbänden nahe, die nationalen Auswahlverfahren genau zu beobachten und zu
ihrer laufenden Verbesserung beizutragen;
13.5. ersucht die Versammlung den Beratenden Ausschuss, seine laufende Zusammenarbeit und seinen
Dialog mit dem Ausschuss für die Richterwahl aufrechtzuerhalten und zu verstärken, unter anderem
durch die derzeitige Teilnahme seiner/seines Vorsitzenden oder einer Vertretung an den
Informationssitzungen des Ausschusses, um die Ansichten des Beratenden Ausschusses vor den
Auswahlgesprächen darzulegen, sowie durch gemeinsame jährliche Treffen, um Fragen von gemeinsamem
Interesse zu erörtern;
13.6. ersucht die Versammlung den Beratenden Ausschuss, in seinen Stellungnahmen an die Regierungen
und in seinen schriftlichen Bemerkungen an die Versammlung deutlich auf etwaige
Unzulänglichkeiten hinzuweisen, die er in Bezug auf bestimmte nationale Auswahlverfahren festgestellt hat;
13.7. ersucht die Versammlung den Gerichtshof, seinen Dialog mit dem Ausschuss für die Richterwahl
über Fragen von beiderseitigem Interesse, einschließlich derjenigen, die die aktive Zeit der
Richterinnen und Richter im Amt betreffen, zu verstärken;
13.8. begrüßt die Versammlung die jüngsten Änderungen der Verfahrensordnung des Gerichtshofs in
Bezug auf Ad-hoc-Richterinnen und -Richter und fordert die Regierungen der Vertragsstaaten auf, bei
der Auswahl von gewählten Richterinnen und Richtern und Ad-hoc-Richterinnen und -Richtern die
gleichen Verfahrensanforderungen anzuwenden, wobei sie feststellt, dass auch Ad-hoc-
Richterinnen und -Richter über die in Artikel 21 Absatz 1 der Konvention geforderten Qualifikationen
verfügen müssen;
13.9. weist die Versammlung erneut darauf hin, dass ehemalige Richterinnen und Richter unter die
Entschließung des Gerichtshofs zur Richterethik fallen und dass sie sich dementsprechend nicht in einer
Weise äußern sollten, die die Autorität und den Ruf des Gerichtshofs untergraben könnte;
13.10. ersucht die Versammlung den Generalsekretär des Europarates, die Generalsekretärin der
Versammlung und die Kanzlei des Gerichtshofs, die Durchführung einer Informationskampagne über das
Wahlverfahren und das Richteramt am Gerichtshof in Erwägung zu ziehen, um so die Sichtbarkeit
und das Wissen über diese Themen in der Öffentlichkeit und bei potenziellen Kandidatinnen und
Kandidaten im Einklang mit den Entscheidungen des Ministerkomitees vom 7. und 8. Februar 2024
zu verbessern;
13.11. ersucht die Versammlung den Ausschuss für Geschäftsordnung, Ethik und Immunität, die
vorgeschlagenen Änderungen des Wahlverfahrens, die Änderungen der Geschäftsordnung erfordern
würden, vor der Versammlung zu prüfen und der Versammlung zu gegebener Zeit entsprechende
Vorschläge zu unterbreiten.
Entschließung 2649 (2026)9
Die Istanbul-Konvention fördern und ihre Umsetzung verbessern: Auf den gewonnenen
Erkenntnissen aufbauen
1. Frauen sind nach wie vor überproportional von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, sei es in
physischer, sexueller, psychischer oder wirtschaftlicher Form, online wie offline. Solche Gewalt stellt eine
schwerwiegende Verletzung der Menschenrechte dar und ist Ausdruck historisch gewachsener ungleicher
Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern, die auf der Vorstellung der Unterlegenheit von Frauen beruhen
und dazu führen, Kontrolle und Herrschaft über sie auszuüben.
2. Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt treten in allen Teilen der Welt sowie in allen sozioökonomischen
Gruppen und gesellschaftlichen Schichten auf. Ihre Verbreitung ist nach wie vor sehr hoch, während die
Täter oft straffrei bleiben, da die Melde- und Verurteilungsquoten niedrig sind. Daten der Europäischen
Union aus dem Jahr 2024 zeigen, dass jede dritte Frau körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt, während
nur jede achte den Vorfall bei der Polizei anzeigt.
9 Versammlungsdebatte vom 22. April 2026 (14. Sitzung) (siehe Dok. 16372, Bericht des Ausschusses für Gleichstellung und
Nichtdiskriminierung, Berichterstatterin: Zita Gurmai). Von der Versammlung am 22. April 2026 (14. Sitzung) verabschiedeter Text. Vorläufige
Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
3. Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind, sehen sich weiterhin Stigmatisierung, negativen Einstellungen
und Schuldzuweisungen ausgesetzt. Viele von ihnen benötigen viel Zeit, um mit Scham- und Angstgefühlen
umzugehen, was dazu führt, dass sie den Vorfall nicht melden oder erst viele Jahre nach der Gewalttat
Anzeige erstatten. Zudem sind sich die Opfer ihrer Rechte und der Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von
Unterstützungsangeboten oft nicht bewusst, und es mangelt an Vertrauen in das Justizsystem.
4. Frauen in ihrer ganzen Vielfalt sind geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, unabhängig von Alter,
sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und -ausdruck, Geschlechtsmerkmalen, Migrationsstatus,
Behinderung, Herkunft und anderen Merkmalen. Alle Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung dieser Gewalt
sowie zum Schutz der Opfer sollten ohne Diskriminierung aus irgendeinem Grund und unter Anwendung
eines intersektionalen Ansatzes konzipiert und umgesetzt werden, da nicht alle gewaltbetroffenen Frauen
gleichen Zugang zu Unterstützungsangeboten und zur Justiz haben.
5. Online-Gewalt gegen Frauen nimmt immer weiter zu und entwickelt ein immer größeres Schadenspotenzial,
wobei viele Formen dieser Gewalt durch die rasante technologische Entwicklung, einschließlich künstlicher
Intelligenz, erst geschaffen und begünstigt werden. Die Parlamentarische Versammlung begrüßt die
Allgemeine Empfehlung Nr. 1 zur digitalen Dimension von Gewalt gegen Frauen, die 2021 von der
Expertengruppe des Europarates zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (GREVIO)
angenommen wurde, sowie die Empfehlung CM/Rec(2026)2 des Ministerkomitees an die Mitgliedstaaten des
Europarates zur Rechenschaftspflicht bei durch Technologie begünstigter Gewalt gegen Frauen und
Mädchen, die den Mitgliedstaaten wertvolle Orientierungshilfen bieten.
6. Die Versammlung hat die Ausarbeitung des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und
Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (SEV Nr. 210, „Istanbul-Konvention“) sowie dessen
Inkrafttreten im August 2014 aktiv unterstützt. Diese wegweisende Übereinkunft setzt höchste Standards im
Rahmen eines umfassenden Ansatzes, indem er den Schwerpunkt auf die Prävention von Gewalt gegen
Frauen, den Schutz der Opfer, die Strafverfolgung der Täter und integrierte Maßnahmen legt, wobei die
Rechte der Opfer stets im Mittelpunkt aller Maßnahmen stehen.
7. Das Parlamentarische Netzwerk „Gewaltfreies Leben für Frauen“ der Versammlung und seine bislang
amtierenden Generalberichterstatterinnen zum Thema Gewalt gegen Frauen haben eine entscheidende Rolle bei
der Förderung der Istanbul-Konvention gespielt. Das Netzwerk bietet zudem ein Forum für den Austausch
von Erfahrungen und praktischen Instrumenten zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen.
8. Die Versammlung hat die Umsetzung der Istanbul-Konvention in ihrer Entschließung 2289 (2019) „Die
Istanbul-Konvention über Gewalt gegen Frauen: Errungenschaften und Herausforderungen“ sowie in ihrer
Entschließung 2479 (2023) „Fortschritte und Herausforderungen in Bezug auf die Istanbul-Konvention“
weiterverfolgt und bekräftigt die in diesen Texten enthaltenen Empfehlungen.
9. Die Versammlung unterstreicht die Notwendigkeit, Männer und Jungen einzubeziehen, um Gewalt gegen
Frauen zu verhindern und zu bekämpfen, und fordert die Umsetzung ihrer Entschließung 2480 (2023) „Die
Rolle und Verantwortung von Männern und Jungen bei der Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt
gegen Frauen und Mädchen“. Dies ist angesichts der zunehmenden sexuellen Gewalt, von der junge Menschen
betroffen sind und die von ihnen ausgeübt wird, von zentraler Bedeutung.
10. Fast 12 Jahre nach ihrem Inkrafttreten, mit 38 Ratifizierungen durch Mitgliedstaaten und dem Beitritt der
Europäischen Union im Jahr 2023, hat die Istanbul-Konvention ihre positive Wirkung in der Praxis unter
Beweis gestellt. Die Versammlung fordert verstärkte Anstrengungen, den entsprechenden politischen Willen
und angemessene Ressourcen, um den zunehmenden Angriffen auf die Konvention durch organisierte
Desinformation zu begegnen.
11. Die Versammlung bedauert die 2021 getroffene Entscheidung der Türkei, aus der Istanbul-Konvention
auszutreten, wodurch Frauen und Mädchen der hohe Schutzstandard der Konvention vorenthalten wird – und
dies in einem Kontext, in dem zivilgesellschaftliche Beobachtungsstellen weiterhin von einer hohen Zahl
verdächtiger Todesfälle von Frauen und Femiziden im Land berichten.
12. Die Versammlung unterstreicht die Notwendigkeit, die entsprechenden Zielvorgaben im Rahmen der Ziele
der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung bis 2030 zu erreichen, darunter Ziel 5.2 (alle Formen
von Gewalt gegen alle Frauen und Mädchen beseitigen), Ziel 5.3 (alle schädlichen Praktiken wie
Kinderheirat, Frühverheiratung und Zwangsheirat sowie die Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen
beseitigen) und Ziel 16.3 (die Rechtsstaatlichkeit fördern und den gleichberechtigten Zugang aller zur Justiz
gewährleisten).
13. Im Einklang mit ihrem Beschluss, regelmäßige Beratungen über die Istanbul-Konvention abzuhalten,
erneuert die Versammlung ihren Aufruf zur universellen Ratifizierung und vollständigen Umsetzung der
Konvention, hebt deren positive Auswirkungen hervor und benennt Bereiche, in denen Fortschritte erforderlich sind,
um das Recht aller Frauen und Mädchen auf ein gewaltfreies Leben zu gewährleisten.
14. Die Versammlung ruft die Mitglied- und Beobachterstaaten des Europarates sowie die Staaten, deren
Parlamente bei der Versammlung Beobachterstatus oder Partner-für-Demokratie-Status besitzen, auf,
14.1. im Hinblick auf die Unterstützung der Istanbul-Konvention und ihrer Umsetzung:
14.1.1. deren Ratifizierung durch die Mitgliedstaaten des Europarates, die noch nicht
Vertragsparteien sind (Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Litauen, die Slowakische Republik,
Tschechien und Ungarn sowie eine erneute Ratifizierung durch die Türkei), und darüber
hinaus zu fördern;
14.1.2. Desinformationskampagnen und organisierten Angriffen entgegenzuwirken, die sich
falscher Darstellungen und Missverständnisse über die Konvention bedienen;
14.1.3. ausreichende Mittel für die Umsetzung integrierter Strategien und Maßnahmen zur
Verhütung und Bekämpfung aller von der Konvention erfassten Formen von Gewalt
bereitzustellen und dabei die Koordinierung zwischen den zuständigen Stellen und Akteuren in
ihrem gesamten Staatsgebiet sicherzustellen;
14.1.4. bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention und bei der Bewertung der Auswirkungen
der getroffenen Maßnahmen eine geschlechtsspezifische Perspektive anzuwenden;
14.1.5. mit Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich für die Rechte von Frauen einsetzen und
weiblichen Opfern von Gewalt Unterstützung und spezialisierte Hilfsdienste anbieten,
zusammenzuarbeiten, diese einzubeziehen und ihre Arbeit zu unterstützen;
14.1.6. rechtliche und politische Maßnahmen zu ergreifen, um Formen von Gewalt gegen Frauen
zu verhindern und zu bekämpfen, die von Technologieunternehmen, Online-Plattformen
und Internet-Intermediären, einschließlich durch künstliche Intelligenz, geschaffen und
begünstigt werden;
14.1.7. die Erhebung und Veröffentlichung von Daten zu Gewalt gegen Frauen, aufgeschlüsselt
nach Geschlecht, Alter, Art der Gewalt, Beziehung des Opfers zum Täter und
geografischem Standort, zu verbessern, um Fortschritte zu bewerten und fundierte politische
Entscheidungen zu ermöglichen;
14.2. im Hinblick auf Sensibilisierungs- und andere Präventionsmaßnahmen:
14.2.1. in Primärprävention zu investieren, um die Ursachen aller Formen von Gewalt gegen
Frauen, einschließlich der digitalen Dimension solcher Gewalt, durch Aufklärung und
Sensibilisierung für die Gleichstellung der Geschlechter und klischeefreie Rollenbilder
sowie durch altersgerechte, umfassende Sexualaufklärung zu bekämpfen;
14.2.2. Maßnahmen zu ergreifen, um das Bewusstsein für indirekte Gewalt zu schärfen, bei der
Kinder instrumentalisiert werden, um Frauen durch die Schädigung oder sogar Ermordung
ihrer Kinder seelische Traumata zuzufügen;
14.2.3. im Einklang mit internationalen bewährten Verfahren Programme für Täter im Bereich
häuslicher und sexueller Gewalt einzurichten, um ihnen zu helfen, gewaltfreie
Verhaltensweisen anzunehmen und so Rückfälle zu verhindern;
14.3. im Hinblick auf den Schutz und die Unterstützung aller weiblichen Opfer von Gewalt in ihrer ganzen
Vielfalt:
14.3.1. die wirksame Umsetzung von Schutzanordnungen und deren Verfügbarkeit für alle
weiblichen Opfer von Gewalt sicherzustellen, unabhängig von damit verbundenen
Gerichtsverfahren;
14.3.2. Maßnahmen zu ergreifen, um den Bedürfnissen von weiblichen Opfern von Gewalt
gerecht zu werden, die mehrfacher und intersektionaler Diskriminierung ausgesetzt sind,
darunter Frauen mit Behinderungen, Roma- und Traveller-Frauen, Migrantinnen,
geflüchteten und asylsuchenden Frauen, lesbischen, bisexuellen und queeren (LBQ-) Frauen,
Frauen mit Suchterkrankungen, Frauen in der Prostitution, älteren Frauen sowie Frauen
in ländlichen Gebieten, und ihren Zugang zu Schutz, Unterstützung und
Wiedergutmachung sicherzustellen;
14.3.3. die verschiedenen Arten von Hindernissen bei der Anzeige von Gewalt gegen Frauen und
häuslicher Gewalt in unterschiedlichen Kontexten zu beseitigen, einschließlich
derjenigen, die Frauen mit Behinderungen daran hindern, Gewalt anzuzeigen und
Unterstützungsdienste in Anspruch zu nehmen;
14.3.4. eine ausreichende Anzahl von Anlaufstellen für Vergewaltigungsopfer und Opfer
sexueller Gewalt mit angemessener geografischer Verteilung einrichten, um weiblichen Opfern
eine ganzheitliche Unterstützung zu bieten, die medizinische Versorgung, eine kurzzeitige
und langfristige psychologische Betreuung sowie Rechtsberatung umfasst;
14.3.5. Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass bei Entscheidungen über das
Sorgerecht und das Umgangsrecht für Kinder im Falle einer Trennung der Eltern der Kontext
häuslicher Gewalt berücksichtigt wird und dass eine Mediation, insbesondere in
Zivilverfahren, weder auferlegt noch als verpflichtend empfunden wird;
14.3.6. die Sicherheit von weiblichen Opfern von Gewalt und ihrer Kinder durch strenge und
wiederholte Risikobewertungs- und Risikomanagementverfahren sowie entsprechende
Maßnahmen zu gewährleisten, die regelmäßig überprüft werden;
14.4. im Hinblick auf eine wirksame Ermittlung und Strafverfolgung von Tätern, die Gewalt gegen Frauen
ausüben:
14.4.1. obligatorische Aus- und Fortbildungen für Richter, Staatsanwälte und andere Angehörige
der Rechtsberufe anzubieten, die mit Fällen von Gewalt gegen Frauen befasst sind, um so
unter anderem eine sekundäre Viktimisierung zu verhindern;
14.4.2. die Nutzung der Online-Kurse des Menschenrechtsausbildungsprogramms des
Europarates für Juristen (HELP) zu Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt und des neuen
Moduls zu durch Technologie begünstigter Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie und
deren Integration in die Ausbildungslehrpläne der zuständigen Justizfachkräfte
(Strafverfolgungsbehörden, Staatsanwaltschaft, Richter, Rechtsanwälte) zu fördern;
14.4.3. rechtliche Definitionen von sexueller Gewalt, einschließlich Vergewaltigung,
einzuführen, die auf dem Fehlen einer freiwilligen Einwilligung beruhen und dem Ansatz „Nur Ja
heißt Ja“ folgen, und die in der Entschließung 2650 (2026) „Den Weg für eine Kultur des
Einverständnisses ebnen“ geforderten Maßnahmen umzusetzen;
14.4.4. gegen die Bagatellisierung von Vorwürfen häuslicher Gewalt in Trennungsverfahren
vorzugehen, die auf unbegründeten Konzepten wie „elterlicher Entfremdung“ beruhen, die
weder legitimiert noch rechtlich anerkannt werden sollten;
14.4.5. Untersuchungen zu den Gründen für die niedrigen Strafverfolgungs- und
Verurteilungsquoten in Fällen von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt durchzuführen.
15. Die Versammlung fordert alle Parlamente der Mitglieds- und Beobachterstaaten des Europarates sowie die
Parlamente der Staaten, die bei der Versammlung Beobachterstatus oder den Status „Partner für Demokratie“
genießen, auf,
15.1. die Istanbul-Konvention aktiv zu fördern, unter anderem durch die Sensibilisierung für die
Errungenschaften und den Mehrwert der Konvention, um Missverständnisse und Desinformation
aufgrund falscher Darstellungen auszuräumen;
15.2. parlamentarische Untersuchungen und Anhörungen zu organisieren, um die in den
Evaluierungsberichten von GREVIO enthaltenen Ergebnisse und Empfehlungen sichtbar zu machen und zu
erörtern;
15.3. sich an dem Überwachungsverfahren zur Bewertung der Umsetzung der Istanbul-Konvention
gemäß deren Artikel 70 zu beteiligen;
15.4. regelmäßige Bewertungen und Überprüfungen der nationalen Rechtsvorschriften und Maßnahmen
zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt durchzuführen
und Gesetzes- und Politikänderungen vorzuschlagen, um diese an die hohen Standards der Istanbul-
Konvention anzupassen, sowie angemessene Mittel bereitzustellen, um deren adäquate Umsetzung
in der Praxis sicherzustellen;
15.5. den bevorstehenden neuen HELP-Kurs zum Thema Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, der
speziell auf Parlamentarierinnen und Parlamentarier zugeschnitten und an diese gerichtet ist,
bekannt zu machen und zu nutzen;
15.6. sich weiterhin an der Arbeit des Parlamentarischen Netzwerks „Gewaltfreies Leben für Frauen“ zu
beteiligen und diese zu unterstützen.
Entschließung 2650 (2026)10
Den Weg für eine Kultur des Einverständnisses ebnen
1. Im Zuge der #MeToo-Bewegung ist die Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt, einschließlich
sexueller Gewalt, auf politischer und gesellschaftlicher Ebene stärker in den Fokus gerückt. Das Thema
Einverständnis in sexuellen Beziehungen, das allzu lange als ein Tabu erachtet wurde, ist in die Schlagzeilen der
Mainstream-Medien gelangt und hat zu breiten öffentlichen Debatten geführt. Das Thema Einverständnis ist
zu einer Frage von politischem Belang geworden und kann nicht länger beiseitegeschoben oder unterminiert
werden.
2. Die Parlamentarische Versammlung unterstreicht, wie wichtig es ist, die freie und informierte Einwilligung
in die nationalen Gesetze zur Verhütung und Bekämpfung von sexueller Gewalt aufzunehmen. Sie ruft dazu
auf, der Straflosigkeit für Täter geschlechtsspezifischer Gewalt ein Ende zu setzen, die
Vergewaltigungskultur zu beenden und weltweit einen Mentalitätswandel herbeizuführen. Die Versammlung ist äußerst besorgt
über das Phänomen der Straflosigkeit für die Elite sowie über die strukturelle Straflosigkeit, die Täter
sexueller Gewalt schützt. Eine derartige Straflosigkeit darf weder toleriert werden noch sich durchsetzen: Das
Schweigen, das die Täter sexueller Gewalt schützt, gefährdet Leben und stellt einen Angriff auf die
Menschenwürde und die persönliche Integrität dar.
3. Sozialisierungsmuster, Geschlechternormen und die Wahrnehmung von sexueller Kommunikation
beeinflussen, wie Menschen im Alltag Einverständnis interpretieren. Einverständnis hat multiple Dimensionen; es
kann niemals erzwungen oder als gegeben vorausgesetzt werden und sollte unter Berücksichtigung der
Begleitumstände verstanden werden. Aspekte wie Behinderung, Alter, Herkunft, sexuelle Orientierung,
Geschlechtsmerkmale und sozialer Status müssen besonders berücksichtigt werden. Wirtschaftliche
Abhängigkeit, chemische Unterwerfung oder strukturelle Diskriminierung können Gefährdungssituationen schaffen
und stellen Hindernisse für die Äußerung des freien Einverständnisses dar. Das Ausbleiben einer Reaktion
ist nicht gleichbedeutend mit Einverständnis. Zusätzliche Schutzbestimmungen gelten auch, wenn Kinder
10 Versammlungsdebatte vom 22. April 2026 (14. Sitzung) (siehe Dok. 16370, Bericht des Ausschusses für Gleichstellung und
Nichtdiskriminierung, Berichterstatterin: Zita Gurmai). Von der Versammlung am 22. April 2026 (14. Sitzung) verabschiedeter Text. Vorläufige
Fassung vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
betroffen sind: Jede sexuelle Handlung mit einem Kind, das das gesetzliche Mindestalter für sexuelle
Handlungen noch nicht erreicht hat, ist strafbar. Kinder, die das gesetzliche Mindestalter für sexuelle Handlungen
überschritten haben, müssen ebenfalls vor der Anwendung von Zwang, Gewalt, Drohungen, dem Ausnutzen
einer anerkannten Vertrauens-, Autoritäts- oder Einflussposition oder dem Ausnutzen einer besonders
gefährdeten Situation des Kindes geschützt werden, ungeachtet seines behaupteten Einverständnisses.
4. Jeder Einzelne trägt die Verantwortung, sich für die Bekämpfung von sexueller Gewalt einzusetzen und den
Grundsatz der freien und informierten Einwilligung als Ausdruck des grundlegenden Respekts in die
zwischenmenschlichen Beziehungen zu integrieren. Der Aufbau einer Kultur des Einverständnisses schließt das
Infragestellen von Sexismus und von sogenannten traditionellen Geschlechterrollen ein und ist ein
wesentlicher Bestandteil im Kampf für Gleichberechtigung und gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
5. Angriffe auf die Rechte von Frauen, Versuche, den Körper und das Verhalten von Frauen zu kontrollieren,
geschlechtsspezifische Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt, die Geringschätzung der Arbeit von Frauen,
ihrer gewählten Ämter sowie ihrer Stellung in der Gesellschaft zielen alle darauf ab, die Rechte von Frauen,
ihre Selbstbestimmung und ihre körperliche Autonomie zu untergraben und ihre Leistungen
herabzuwürdigen. Diese Angriffe zielen darauf ab, eine patriarchalische Gesellschaftsordnung aufrechtzuerhalten, und
haben in den letzten Jahren zugenommen; sie stellen einen Rückschlag in zunehmend polarisierten
Gesellschaften dar. Die Versammlung äußert ihre Besorgnis angesichts des beunruhigenden Einstellungswandels
im Hinblick auf die Bekämpfung des Patriarchats in den jüngeren Generationen. Die Förderung einer Kultur
des Einverständnisses ist ein Weg zur Bekämpfung dieser Phänomene.
6. In Artikel 36 des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen
Frauen und häuslicher Gewalt (SEV Nr. 210, „Istanbul-Konvention“) wird eindeutig festgelegt, dass
sexuelle Gewalt und Vergewaltigung durch das fehlende Einverständnis definiert sind. Mehrere Mitgliedstaaten
haben ihre nationalen Gesetze geändert, um sie mit den Bestimmungen der Istanbul-Konvention in Einklang
zu bringen, doch nicht alle haben den Begriff des Einverständnisses in ihre nationalen Gesetze
aufgenommen. Die Versammlung verweist auf ihre Entschließung 2649 (2026) „Die Istanbul-Konvention fördern und
ihre Umsetzung verbessern: Auf den gewonnenen Erkenntnissen aufbauen“ und bekräftigt erneut ihre
Unterstützung der Istanbul-Konvention. Sie verurteilt die Mythen, die sich um den Inhalt der Istanbul-
Konvention ranken, sowie deren politische Instrumentalisierung, die dem Schutz der Rechte der Überlebenden und
den Rechten der Frauen im Allgemeinen schaden. Die Versammlung ruft zur umfassenden Umsetzung der
Istanbul-Konvention auf.
7. Das Übereinkommen des Europarates zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem
Missbrauch (SEV Nr. 201, „Lanzarote-Konvention“) verpflichtet die Staaten, alle Formen der sexuellen
Ausbeutung und des sexuellen Missbrauchs von Kindern unter Strafe zu stellen und außerdem auf Einwilligung
basierende Definitionen von sexueller Gewalt und Vergewaltigung zu formulieren. Die Versammlung ruft
ebenfalls zur Umsetzung der Lanzarote-Konvention auf.
8. Das Thema Einverständnis darf nicht isoliert behandelt werden, sondern ist Teil einer umfassenden Reihe
von Maßnahmen, die für eine gerechtere Gesellschaft und die Bekämpfung von tief verwurzelten
Geschlechterstereotypen notwendig sind. Die Versammlung bekräftigt ihre Entschließung 2490 (2023) „Innovative
Ansätze für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ und betont erneut, dass eine umfassende
Aufklärung in Bezug auf Gefühle, Emotionen und Sexualität sowohl ein obligatorischer Bestandteil aller
Lehrpläne als auch ein Recht sein sollte, das allen Menschen zusteht.
9. Die Versammlung bekräftigt ebenfalls ihre Entschließung 2614 (2025) „Frauenrechte in Europa –
Fortschritte und Herausforderungen“, in der sie ihre Sorge über die politische Instrumentalisierung familiärer
Werte mit dem Ziel, Frauenrechte zu unterminieren, äußerte sowie die Verbreitung geschlechtsspezifischer
Desinformation und die zunehmende Gegenbewegung gegen die Rechte von Frauen in Europa beklagte. Sie
bekräftigt erneut, dass Angriffe auf Frauenrechte Angriffe auf demokratische Werte sind. Der Rückschlag für
die Frauenrechte wird in den nächsten Jahrzehnten negative Auswirkungen auf das Leben von Frauen und
Mädchen in all ihrer Vielfalt haben.
10. In ihrer Entschließung 2480 (2023) „Die Rolle und Verantwortung von Männern und Jungen bei der
Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen“ hatte die Versammlung unterstrichen,
dass alle Geschlechter, auch Männer in all ihrer Vielfalt, Mitstreiter und Verbündete im Kampf für
Gleichberechtigung und gegen geschlechtsspezifische Gewalt sein können und sollten.
11. Die Versammlung begrüßt die vom Europäischen Parlament und anderen internationalen Organisationen
eingeleiteten Maßnahmen, um die Frage des Einverständnisses zu einer Priorität zu machen, und unterstützt die
wichtige Arbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen in diesem Bereich.
12. Vor diesem Hintergrund ruft die Versammlung die Mitglied- und Beobachterstaaten des Europarates sowie
alle Staaten, deren Parlamente Beobachter- oder Partner-für-Demokratie-Status bei der Versammlung
besitzen, auf,
12.1. im Hinblick auf die Verankerung des Einverständnisses in die Rechtsrahmen
12.1.1. die Istanbul-Konvention zu unterzeichnen, zu ratifizieren und vollständig umzusetzen;
12.1.2. eine umfassende rechtliche Definition des Einverständnisses in Fällen sexueller Gewalt,
wie in der Istanbul-Konvention dargelegt, zu entwickeln, unter Betonung der Bedeutung
von Selbstbestimmung, gegenseitigem Einvernehmen sowie der Abwesenheit von Zwang,
unter Berücksichtigung der Begleitumstände;
12.1.3. in ihren Gesetzen zur Bekämpfung von sexueller Gewalt den Ansatz „Nur Ja heißt Ja“ zu
verankern und sicherzustellen, dass die Beweislast beim Täter liegt;
12.1.4. das Konzept der ehelichen Pflicht gesetzlich zu verbieten und damit Vergewaltigung in
der Ehe als Straftat anzuerkennen;
12.1.5. die nicht einvernehmliche Veränderung und Verbreitung von Fotos und Videos zur
Schaffung von Inhalten mit Nacktdarstellungen zu verbieten;
12.1.6. keine Gesetzesänderungen vorzunehmen, die die Rechtsstellung und den Schutz von
Überlebenden von sexueller Gewalt schwächen würden;
12.2. im Hinblick auf die Sensibilisierung für die Bedeutung des Einverständnisses, die Verhinderung von
geschlechtsspezifischer Gewalt und die Bekämpfung von Geschlechterstereotypen
12.2.1. Sensibilisierungskampagnen zur Verhinderung von geschlechtsspezifischer Gewalt zu
starten;
12.2.2. in Sensibilisierungskampagnen zum Thema Einverständnis und den verschiedenen (Fehl-
)Wahrnehmungen von Zustimmung zu investieren, die sich an verschiedene
Altersgruppen richten und in den sozialen Medien sowie in den traditionellen Medien verbreitet
werden;
12.2.3. spezielle Kampagnen zur Bedeutung des Einverständnisses bei sexuellen Beziehungen in
der Ehe zu starten;
12.2.4. das Thema Einverständnis in umfassend angelegte Programme zur emotionalen und
sexuellen Aufklärung aufzunehmen und sicherzustellen, dass im Rahmen des Lehrplans
regelmäßig Veranstaltungen zu diesem Thema stattfinden und diese ausreichend finanziert
werden;
12.2.5. Geschlechterstereotypen von früher Kindheit an durch Bildungsprogramme zu verhindern
und zu bekämpfen und dabei auch positive Männlichkeitsbilder zu fördern;
12.2.6. die Gleichstellung der Geschlechter in allen Bereichen zu fördern und Bemühungen zur
Beseitigung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede fortzusetzen;
12.3. im Hinblick auf den Schutz und die Unterstützung von Überlebenden sexueller Gewalt
12.3.1. Schulungen zum Thema Einverständnis für Strafverfolgungsbeamte, Angehörige der
Rechtsberufe, Richter und medizinisches Personal anzubieten, damit Überlebende
sexueller Gewalt unter vertrauensbildenden Bedingungen besser unterstützt und begleitet
werden können, um auf diese Weise zu gewährleisten, dass diese Akteure nicht zu einer
sekundären Viktimisierung beitragen;
12.3.2. eine ausreichende Bereitstellung rechtlicher Unterstützung zu gewährleisten;
12.3.3. der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern höchste Priorität einzuräumen;
12.3.4. medizinische Versorgung für Überlebende sexueller Gewalt, einschließlich sexueller und
reproduktiver Gesundheitsversorgung, sowie psychologische Unterstützung
bereitzustellen;
12.3.5. die öffentliche Verwaltung und öffentliche Dienste, medizinisches Personal sowie in
diesem Bereich tätige zivilgesellschaftliche Organisationen zu unterstützen;
12.3.6. in Dienstleistungen im Bereich der psychischen Gesundheit zu investieren.
13. In Anbetracht der vielfältigen finanziellen Hindernisse, denen sich Frauenrechtsorganisationen
gegenübersehen, fordert die Versammlung die Mitgliedstaaten auf, diese sowohl politisch als auch finanziell zu
unterstützen.
14. Die Versammlung bekräftigt ihren Aufruf, in den nationalen Parlamenten regelmäßig Debatten über den
Schutz von Frauenrechten und die Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt abzuhalten, auch über die
Bedeutung des Einverständnisses.
Entschließung 2651 (2026)11
Auf dem Weg zur weltweiten und vollständigen Abschaffung der Todesstrafe
1. Die Parlamentarische Versammlung bekräftigt ihre Ablehnung der Todesstrafe unter allen Umständen und
an allen Orten. Die Versammlung ist stolz auf ihren entscheidenden Beitrag dazu, den geografischen und
rechtlichen Raum des Europarates zu einem Gebiet ohne Todesstrafe zu machen, indem sie die Verpflichtung
zu deren Abschaffung zur Voraussetzung für den Beitritt zur Organisation erhoben hat. Die Versammlung
bedauert nachdrücklich, dass Belarus, ein Nichtmitgliedstaat des Europarates, das einzige Land auf dem
europäischen Kontinent ist, das noch Hinrichtungen vollstreckt.
2. Die Todesstrafe ist grundsätzlich unvereinbar mit der Menschenwürde, dem Recht auf Leben und dem Verbot
unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe. Dies wird seit 2010 vom Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte in seiner Rechtsprechung zu den Artikeln 2 und 3 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SEV Nr. 5, im Folgenden „Konvention“) anerkannt. Darüber hinaus haben alle
Mitgliedstaaten des Europarates das Protokoll Nr. 6 zur Konvention (SEV Nr. 114 über die Abschaffung der
Todesstrafe in Friedenszeiten) sowie das Zweite Fakultativprotokoll zum Internationalen Pakt über bürgerliche
und politische Rechte, das auf die Abschaffung der Todesstrafe abzielt, ratifiziert, und alle Mitgliedstaaten
mit Ausnahme Aserbaidschans haben das Protokoll Nr. 13 zur Konvention (SEV Nr. 187 über die
vollständige Abschaffung der Todesstrafe) ratifiziert. Die Versammlung fordert Aserbaidschan nachdrücklich auf,
dieses Protokoll unverzüglich zu ratifizieren.
3. Die Versammlung wird keinerlei Rückschritte beim Verbot der Todesstrafe in Europa akzeptieren. Die
Wiedereinführung der Todesstrafe wäre schlicht und einfach unvereinbar mit der fortbestehenden Mitgliedschaft
eines Staates im Europarat und würde einen schwerwiegenden Verstoß gegen seine Verpflichtungen gemäß
Artikel 3 der Satzung des Europarates (SEV Nr. 1) darstellen.
4. Unter Hinweis darauf, dass der Welttag gegen die Todesstrafe 2025 dem Kampf gegen die falsche Vorstellung
gewidmet war, die Todesstrafe könne Gesellschaften sicherer machen, betont die Versammlung, dass es keine
Belege dafür gibt, dass die Todesstrafe eine wirksamere Abschreckung gegen Kriminalität darstellt als lange
Freiheitsstrafen oder dass Staaten, die die Todesstrafe abgeschafft haben, einen Anstieg ihrer
Kriminalitätsraten verzeichnen. Sie macht Justizirrtümer unumkehrbar und trifft Personen, die schutzbedürftigen Gruppen
und Minderheiten angehören, unverhältnismäßig stark. Zudem wird sie oft auf willkürliche und
diskriminierende Weise angewandt oder unter Einsatz von Hinrichtungsmethoden vollstreckt, die unnötig grausam oder
schmerzhaft sind und an sich schon Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung
gleichkommen können. Die Todesstrafe kann auch als Instrument der innenpolitischen Unterdrückung oder als Mittel
diplomatischen Drucks eingesetzt werden, indem ausländische Staatsangehörige, die auf ihre Hinrichtung
warten, als Verhandlungsmasse eingesetzt werden.
11 Versammlungsdebatte am 22. April 2026 (15. Sitzung) (siehe Dok. 16375 rev., Bericht des Ausschusses für Recht und Menschenrechte,
Berichterstatterin: Gala Veldhoen). Von der Versammlung am 22. April 2026 (15. Sitzung) verabschiedeter Text. Vorläufige Fassung
vorbehaltlich einer redaktionellen Überarbeitung.
5. Im Laufe der Jahre hat die Versammlung die Abschaffung der Todesstrafe in den Beobachterstaaten des
Europarates sowie in Staaten gefordert, deren Parlamente bei der Versammlung den Status „Partner für
Demokratie“ genießen. Sie bedauert nachdrücklich, dass in vielen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten weiterhin
Hinrichtungen vollstreckt werden und dass in 23 Bundesstaaten die Todesstrafe nach wie vor besteht. Einige
dieser Staaten (Alabama, Arkansas, Louisiana, Mississippi und Oklahoma) haben eine neue
Hinrichtungsmethode eingeführt, die als Stickstoffhypoxie bezeichnet wird und von der behauptet wird, dass sie einer
Folter gleichkommen könnte. Im Jahr 2025 vollzog der Bundesstaat South Carolina die ersten Hinrichtungen
durch ein Erschießungskommando in den Vereinigten Staaten seit 15 Jahren. Unter Präsident Trump wurde
die Todesstrafe auf Bundesebene wieder eingeführt. In Japan wurde im Juni 2025 nach einer Pause von fast
drei Jahren wieder eine Hinrichtung vollstreckt. Hinrichtungen werden durch Erhängen vollstreckt, wobei
die Gefangenen und ihre Familien nur sehr kurzfristig oder gar nicht im Voraus informiert werden. Die
Versammlung begrüßt die Wiederaufnahme des Verfahrens und den Freispruch des 87-jährigen Iwao Hakamada
durch japanische Gerichte, der mehr als 45 Jahre im Todestrakt verbrachte und als der weltweit am längsten
inhaftierte Hinrichtungskandidat bekannt war. Sein Fall hat die Problematik von Fehlurteilen verdeutlicht,
die in der Verhängung der Todesstrafe resultieren.
6. Die Versammlung stellt fest, dass die Länder, deren Parlamente bei der Versammlung den Status „Partner für
Demokratie“ genießen, keine Hinrichtungen vollstrecken. Sie haben entweder ein De-facto-Moratorium für
Hinrichtungen (Marokko) oder haben seit mehreren Jahren keine Todesurteile vollstreckt (Jordanien,
Palästina (Westjordanland)). Gerichte in Jordanien und Marokko verhängen dennoch weiterhin Todesurteile. Die
Versammlung ist der Ansicht, dass diese „Partner für Demokratie“ auf die gesetzliche Abschaffung der
Todesstrafe hinarbeiten sollten, unter anderem durch die Förderung und Leitung einer öffentlichen Debatte mit
allen relevanten Akteuren, im Einklang mit den Erwartungen, die die Versammlung bei der Verleihung ihres
Status zum Ausdruck gebracht hat. Gleichwohl begrüßt die Versammlung die positiven Schritte, die Marokko
kürzlich im Hinblick auf die Abschaffung der Todesstrafe unternommen hat: Marokko stimmte 2024 erstmals
für die Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen, in der ein Moratorium für die
Anwendung der Todesstrafe gefordert wurde; dies wurde in Marokko als eine Form der Anerkennung des bereits
bestehenden Moratoriums wahrgenommen. Die Versammlung begrüßt die jüngste Entscheidung des
kirgisischen Verfassungsgerichts, wonach die Wiedereinführung der Todesstrafe durch ein Referendum mit dem
seit 2007 geltenden ausdrücklichen verfassungsrechtlichen Verbot der Todesstrafe sowie mit den
internationalen Menschenrechtsverpflichtungen des Landes unvereinbar wäre. Dies ist ein ermutigendes Beispiel
dafür, wie die Justiz auf der Grundlage der internationalen Menschenrechtsnormen dazu beitragen kann, an der
Abschaffung der Todesstrafe festzuhalten. Die Versammlung begrüßt außerdem den Beschluss Kasachstans
zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe im Jahr 2021.
7. Die Versammlung verurteilt die Tatsache, dass in Belarus weiterhin regelmäßig Todesurteile verhängt und
vollstreckt werden, wobei die tatsächlichen Zahlen nicht öffentlich bekannt sind. Die Versammlung ist
besonders besorgt über die Geheimhaltung im Zusammenhang mit Hinrichtungen, einschließlich der
Unterlassung, Gefangene und ihre Familien im Voraus zu benachrichtigen, der unterbleibenden Aushändigung der
Leichname und der anhaltenden Vorwürfe, dass Gerichtsverfahren nicht den grundlegendsten internationalen
Standards für Fairness entsprechen. Darüber hinaus wurde der Anwendungsbereich der Todesstrafe auf
Straftaten ausgeweitet, die nicht die Schwelle der „schwersten Verbrechen“ erreichen, wie sie im Internationalen
Pakt über bürgerliche und politische Rechte der Vereinten Nationen festgelegt ist, dessen Vertragspartei
Belarus ist. Vor diesem Hintergrund begrüßt die Versammlung die Verabschiedung eines Memorandums zur
Abschaffung der Todesstrafe in Belarus durch den Koordinierungsrat im Juni 2025, das vom Vereinigten
Übergangskabinett und dem Büro von Swjatlana Zichanouskaja gebilligt wurde. Dies muss als klares Bekenntnis
zur Abschaffung im Kontext eines künftigen demokratischen Belarus angesehen werden.
8. Die Versammlung stellt fest, dass die Todesstrafe in Israel seit 1962 nicht mehr vollstreckt wurde und dass
Israel seit 2007 für Resolutionen der UN-Generalversammlung zugunsten eines Moratoriums für die
Anwendung der Todesstrafe gestimmt hat. Die Versammlung verurteilt die Verabschiedung eines Gesetzes durch
die Knesset am 30. März 2026, mit dem die Anwendung der Todesstrafe auf „tödliche Terroranschläge“
ausgeweitet wird. Das neue Gesetz führt bei Verfahren vor den Militärgerichten die Todesstrafe als
Standardstrafe für Einwohner des Westjordanlands ein, mit Ausnahme von israelischen Einwohnern oder
Staatsbürgern, wobei für eine Verurteilung eine einfache Mehrheit des Richtergremiums ausreicht. Es verbietet die
Strafmilderung, die Umwandlung der Todesstrafe oder eine Begnadigung. Im Zivilgerichtssystem Israels
erlaubt das Gesetz die Verhängung der Todesstrafe für „terroristische Morde, die mit der Absicht verübt
wurden, die Existenz des Staates Israel zu negieren". Dies hat eindeutig diskriminierende Auswirkungen auf
Palästinenser. In beiden Fällen erfolgt die Hinrichtung durch Erhängen, und die Hinrichtungsverfahren sind
durch Geheimhaltung und fehlende Schutzbestimmungen gekennzeichnet. Die Versammlung nimmt
ebenfalls zur Kenntnis, dass das Gesetz derzeit vor dem Obersten Gerichtshof Israels angefochten wird. Die
Verabschiedung dieses Gesetzes stellt einen eindeutigen Rückschritt im Hinblick auf Israels langjährige Haltung
zur Anwendung der Todesstrafe dar und entfernt das Land vom wachsenden internationalen Konsens
zugunsten ihrer Abschaffung. Es ist unvereinbar mit den Werten des Europarates, die in den Protokollen Nr. 6
und Nr. 13 zur Europäischen Menschenrechtskonvention widergespiegelt werden, und verstößt gegen Israels
Verpflichtungen im Rahmen des Internationalen Pakts der VN über bürgerliche und politische Rechte.
9. Die Versammlung begrüßt den weltweiten Trend zur Einschränkung und Abschaffung der Todesstrafe, der
sich darin zeigt, dass mehr als zwei Drittel der Länder weltweit keine Gefangenen mehr hinrichten, weil sie
entweder die Todesstrafe für alle Straftaten gesetzlich abgeschafft oder aber ein Moratorium für
Hinrichtungen verhängt haben. Dieser ermutigende Trend zeigt sich auch in der Rekordzahl von 130 Staaten, die 2024
für die 10. Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen gestimmt haben, in der ein
Moratorium für die Anwendung der Todesstrafe gefordert wird, sowie in der steigenden Zahl der Vertragsstaaten
des Zweiten Fakultativprotokolls zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte, die von
60 im Jahr 2007 (wie in der Entschließung 1560 (2007) erwähnt) auf heute 92 gestiegen ist. Gleichzeitig ist
die Versammlung alarmiert über den Anstieg der Hinrichtungen in den Jahren 2024 und 2025, der darauf
zurückzuführen ist, dass eine schrumpfende Gruppe von Ländern, die an der Todesstrafe festhalten, die Zahl
der Hinrichtungen erhöht, so auch für Straftaten, die keine vorsätzliche Tötung beinhalten. Die fünf Staaten,
die im Jahr 2024 weltweit die meisten Hinrichtungen vollstreckten, waren Berichten zufolge China, Iran,
Saudi-Arabien, Irak und Jemen. Allein im Iran wurden Berichten zufolge im Jahr 2025 mindestens 1 500
Personen hingerichtet.
10. Die Versammlung würdigt die zentrale Rolle der Justiz bei der Einschränkung der Anwendung der
Todesstrafe in zahlreichen Ländern. Nationale Gerichte haben oft die Befugnis, bei der Strafzumessung
richterliches Ermessen auszuüben, Todesurteile aufzuheben oder umzuwandeln und Rechtspräzedenzfälle zugunsten
von Hinrichtungsmoratorien oder einer teilweisen Abschaffung zu schaffen. Einige ihrer Entscheidungen
haben den Weg für eine vollständige De-jure-Abschaffung geebnet. Gerichte in Ländern, die die Todesstrafe
abgeschafft haben, können zudem sicherstellen, dass Personen nicht an Länder ausgeliefert werden, in denen
ihnen die Todesstrafe droht, und dabei der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte folgen.
11. Die Versammlung betont ferner, wie wichtig es ist, junge Menschen weltweit in die Bewegung zur
Abschaffung der Todesstrafe einzubeziehen. Sie spricht sich deshalb dafür aus, dass der Europarat und seine
Mitgliedstaaten die Initiativen und Programme zur Einbeziehung junger Menschen, darunter auch aus Belarus
und Marokko, sowie das derzeit im Aufbau befindliche Netzwerk junger Botschafterinnen und Botschafter
weiterverfolgen. Die Mitgliedstaaten müssen Argumentationsmustern zugunsten der Todesstrafe, die unter
jüngeren Generationen in Europa an Einfluss gewinnen könnten, entgegenwirken und das Bewusstsein für
die der Todesstrafe innewohnende Grausamkeit und für ihre Wirkungslosigkeit schärfen.
12. Der Europarat und die Versammlung sollten einen Beitrag zum bevorstehenden Weltkongress gegen die
Todesstrafe leisten, der im Juni 2026 in Paris stattfinden soll, unter anderem durch die Weitergabe ihrer
Erfahrungen bei der schrittweisen Umwandlung Europas in einen Kontinent ohne Todesstrafe sowie ihres
Fachwissens über die Rolle der Justiz und junger Menschen.
13. In Anbetracht dieser Erwägungen
13.1. fordert die Versammlung die Vereinigten Staaten von Amerika auf,
13.1.1. unverzüglich ein Moratorium für Hinrichtungen sowohl auf föderaler als auch auf
bundesstaatlicher Ebene einzuführen und die notwendigen Schritte zur gesetzlichen
Abschaffung der Todesstrafe auf allen Ebenen zu unternehmen, unter anderem durch die
Einleitung einer offenen und breiten öffentlichen Debatte zu diesem Thema;
13.1.2. alle bestehenden Todesurteile in Freiheitsstrafen umzuwandeln;
13.1.3. in der Zwischenzeit sicherzustellen, dass die Haftbedingungen im Todestrakt mit dem
Verbot von Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder
Strafe im Einklang stehen, und die Anwendung von Hinrichtungen mittels
Stickstoffhypoxie, Erschießungskommandos und Stromschlägen unverzüglich einzustellen;
13.2. fordert die Versammlung Japan auf,
13.2.1. unverzüglich ein Moratorium für Hinrichtungen einzuführen und die notwendigen
Schritte zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe zu unternehmen, unter anderem
durch die Einleitung einer offenen und breiten öffentlichen Debatte zu diesem Thema;
13.2.2. alle bestehenden Todesurteile in Freiheitsstrafen umzuwandeln;
13.2.3. in der Zwischenzeit sicherzustellen, dass die Haftbedingungen im Todestrakt mit dem
Verbot von Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder
Strafe im Einklang stehen, und die Praxis der unter Geheimhaltung durchgeführten
Hinrichtungen einzustellen, bei denen die Gefangenen, ihre Familien und ihre Anwälte kaum
oder gar nicht vorab informiert werden;
13.3. fordert die Versammlung das belarussische Regime auf,
13.3.1. umgehend ein Moratorium für die Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe zu
verhängen, das einen ersten Schritt zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe darstellen
sollte;
13.3.2. alle bestehenden Todesurteile in Freiheitsstrafen umzuwandeln;
13.3.3. in der Zwischenzeit die Geheimhaltungspraxis im Zusammenhang mit der Todesstrafe zu
beenden und zumindest eine vorherige Benachrichtigung der Gefangenen, ihrer Familien
und ihrer Anwälte über die Hinrichtung sowie die Aushändigung der Leichname zu
gewährleisten;
13.4. fordert die Versammlung Israel nachdrücklich auf, das neue Gesetz, das die Anwendung der
Todesstrafe auf diskriminierende Art und Weise ausweitet, unverzüglich aufzuheben oder zu annullieren
und es unterdessen im Einklang mit seinen Verpflichtungen im Rahmen des Internationalen Pakts
der VN über bürgerliche und politische Rechte nicht umzusetzen, und sie stellt fest, dass in diesem
Zusammenhang die Vereinbarkeit von Israels Handlungen mit den Anforderungen, die an den
Beobachterstatus geknüpft sind, sorgfältig geprüft werden sollte;
13.5. ersucht die Versammlung die Venedig-Kommission, eine Stellungnahme zur Vereinbarkeit des am
30. März 2026 von der Knesset verabschiedeten Gesetzes mit den Normen der Europäischen
Menschenrechtskonvention und den verfassungsrechtlichen Normen der Mitgliedstaaten des Europarates
im Bereich der Menschenrechte abzugeben, insbesondere hinsichtlich des Grundsatzes der
Nichtdiskriminierung, des Rechts auf Leben und des Rechts auf ein faires Verfahren;
13.6. legt die Versammlung dem Parlament und den Behörden Marokkos nahe,
13.6.1. die notwendigen Schritte zu unternehmen, um das seit langem bestehende De-facto-
Moratorium für Hinrichtungen in eine gesetzliche Abschaffung der Todesstrafe
umzuwandeln, nachdem Marokko im Jahr 2024 erstmals für die Resolution der
Generalversammlung der Vereinten Nationen gestimmt hat, in der ein Moratorium für die Anwendung der
Todesstrafe gefordert wird;
13.6.2. alle bestehenden Todesurteile in Freiheitsstrafen umzuwandeln;
13.6.3. bis zur Abschaffung ein De-jure-Moratorium für die Verhängung und Vollstreckung der
Todesstrafe zu erklären und/oder die Zahl der im Strafgesetzbuch mit der Todesstrafe
bedrohten Straftaten zu verringern;
13.7. fordert die Versammlung die Parlamente Jordaniens und Palästinas auf, angesichts dessen, dass in
beiden Ländern seit mehreren Jahren keine Hinricht
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.