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Protokoll der 60. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages

dip / plenarprotokoll 27.02.2026 · WP 21 · 21/60 · Original ↗

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Protokoll der 60. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages Plenarprotokoll 21/60 Deutscher Bundestag Stenografischer Bericht 60. Sitzung Berlin, Freitag, den 27. Februar 2026 Inhalt: Zusatzpunkt 14: – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz) Drucksachen 21/1848, 21/2460, 21/2669 Nr. 17, 21/4321 – Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/4345 in Verbindung mit Zusatzpunkt 15: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS-Anpassungsfolgegesetz) Drucksachen 21/1850, 21/2462, 21/2669 Nr. 19, 21/4321 in Verbindung mit Zusatzpunkt 16: Antrag der Abgeordneten Filiz Polat, Marcel Emmerich, Lamya Kaddor, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Zugang statt Blockade – Zulassungsstopp zu Sprach- und Integrationskursen aufheben Drucksache 21/4280 Dr. Günter Krings (CDU/CSU) Dr. Maximilian Krah (AfD) Sonja Eichwede (SPD) Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Clara Bünger (Die Linke) Alexander Dobrindt, Bundesminister BMI Ferat Koçak (Die Linke) Jan Feser (AfD) Sebastian Fiedler (SPD) Clara Bünger (Die Linke) Sebastian Fiedler (SPD) Chantal Kopf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD) Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Alexander Throm (CDU/CSU) Adam Balten (AfD) Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Steffen Janich (AfD) Hakan Demir (SPD) Detlef Seif (CDU/CSU) Clara Bünger (Die Linke) Namentliche Abstimmung Ergebnis Tagesordnungspunkt 26: Antrag der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Jan Wenzel Schmidt, Dr. Rainer Rothfuß, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Deutsche Rohstoffinteressen durchsetzen – Rohstoffpolitik zur Priorität machen Drucksache 21/4281 Dr. Alexander Wolf (AfD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Roloff (SPD) Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke) Johannes Volkmann (CDU/CSU) Dr. Anna Rathert (AfD) Dr. Nina Scheer (SPD) Claudia Roth (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Fabian Gramling (CDU/CSU) Dr. Malte Kaufmann (AfD) Dr. Ralf Stegner (SPD) Dr. Rainer Kraft (AfD) Steffen Kotré (AfD) Dr. Ralf Stegner (SPD) Tobias Winkler (CDU/CSU) Dr. Malte Kaufmann (AfD) Tagesordnungspunkt 25: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung und der Täterarbeit im Gewaltschutzgesetz Drucksache 21/4082 b) Antrag der Abgeordneten Kathrin Gebel, Aaron Valent, Clara Bünger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Für eine Gesamtstrategie zum Schutz vor häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt anstelle von isolierten Einzelmaßnahmen Drucksache 21/3918 Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin BMJV Martina Kempf (AfD) Dr. Günter Krings (CDU/CSU) Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Kathrin Gebel (Die Linke) Carmen Wegge (SPD) Knuth Meyer-Soltau (AfD) Christian Heinz, Staatsminister (Hessen) Stephan Brandner (AfD) Susanne Hierl (CDU/CSU) Tagesordnungspunkt 28: Antrag der Abgeordneten Violetta Bock, Jörg Cezanne, Luigi Pantisano, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Für das Recht auf Heizen – Bezahlbar und erneuerbar Drucksache 21/3910 Violetta Bock (Die Linke) Christian Moser (CDU/CSU) Andreas Bleck (AfD) Angelika Glöckner (SPD) Dr. Julia Verlinden (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wilhelm Gebhard (CDU/CSU) Manuel Krauthausen (AfD) Tagesordnungspunkt 9: a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz – ApoVWG) Drucksache 21/4084 b) Antrag der Abgeordneten Ates Gürpinar, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Apotheken stärken – Arzneimittelversorgung verbessern Drucksache 21/3829 Nina Warken, Bundesministerin BMG Thomas Dietz (AfD) Dr. Tanja Machalet (SPD) Dr. Paula Piechotta (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Evelyn Schötz (Die Linke) Simone Borchardt (CDU/CSU) Nicole Hess (AfD) Dr. Christos Pantazis (SPD) Dr. Stephan Pilsinger (CDU/CSU) Zusatzpunkt 17: Antrag der Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Ulle Schauws, Dr. Janosch Dahmen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abgeordneten Stefan Seidler: Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen sichern Drucksache 21/3909 in Verbindung mit Zusatzpunkt 18: Antrag der Abgeordneten Kathrin Gebel, Doris Achelwilm, Mandy Eißing, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Reproduktive Gerechtigkeit verwirklichen – Selbstbestimmung gewährleisten Drucksache 21/4299 Dr. Kirsten Kappert-Gonther (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dr. Maria-Lena Weiss (CDU/CSU) Martina Kempf (AfD) Dr. Lina Seitzl (SPD) Kathrin Gebel (Die Linke) Susanne Hierl (CDU/CSU) Stefan Seidler (fraktionslos) Nicole Hess (AfD) Tagesordnungspunkt 29: Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Durchführung der Verordnung (EU) 2024/900 über die Transparenz und das Targeting politischer Werbung (Politische-Werbung-Transparenz-Gesetz – PWTG) Drucksache 21/4089 Thomas Jarzombek, Parl. Staatssekretär BMDS Ruben Rupp (AfD) Johannes Schätzl (SPD) Dr. Anna Lührmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Donata Vogtschmidt (Die Linke) Dr. Konrad Körner (CDU/CSU) Maja Wallstein (SPD) Zusatzpunkt 19: Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Kein Wegschauen auf Kosten der Betroffenen – Gewalt gegen Frauen, sexuellen Missbrauch und Netzwerke des Machtmissbrauchs aufklären und bekämpfen Misbah Khan (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Wolfgang Dahler (CDU/CSU) Kerstin Przygodda (AfD) Helge Lindh (SPD) Kathrin Gebel (Die Linke) Marvin Schulz (CDU/CSU) Dr. Anna Rathert (AfD) Carmen Wegge (SPD) Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tijen Ataoğlu (CDU/CSU) Birgit Bessin (AfD) Ralph Edelhäußer (CDU/CSU) Nächste Sitzung Anlage 1 Entschuldigte Abgeordnete Anlage 2 Erklärung nach § 31 GO der Abgeordneten Carmen Wegge (SPD) zu der namentlichen Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz) (Zusatzpunkt 14) Anlage 3 Erklärung nach § 31 GO des Abgeordneten Sebastian Roloff (SPD) zu – der namentlichen Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz) und – der Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS-Anpassungsfolgegesetz) sowie – dem Antrag der Abgeordneten Filiz Polat, Lamya Kaddor, Dr. Konstantin von Notz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Zugang statt Blockade – Zulassungsstopp zu Sprach- und Integrationskursen aufheben (Zusatzpunkte 14–16) Anlage 4 Amtliche Mitteilungen Präsidentin Julia Klöckner: Guten Morgen, alle zusammen! Hiermit eröffne ich unsere Sitzung am Freitag. Ich rufe die Zusatzpunkte 14 bis 16 auf: ZP 14 – Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz) Drucksachen 21/1848, 21/2460, 21/2669 Nr. 17 Beschlussempfehlung und Bericht des Innenausschusses (4. Ausschuss) Drucksache 21/4321 – Bericht des Haushaltsausschusses (8. Ausschuss) gemäß § 96 der Geschäftsordnung Drucksache 21/4345 ZP 15 Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS-Anpassungsfolgegesetz) Drucksachen 21/1850, 21/2462, 21/2669 Nr. 19 Beschlussempfehlung und Bericht des Innenausschusses (4. Ausschuss) Drucksache 21/4321 ZP 16 Beratung des Antrags der Abgeordneten Filiz Polat, Marcel Emmerich, Lamya Kaddor, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Zugang statt Blockade – Zulassungsstopp zu Sprach- und Integrationskursen aufheben Drucksache 21/4280 Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Arbeit und Soziales Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Haushaltsausschuss Über den Entwurf eines GEAS-Anpassungsgesetzes werden wir später namentlich abstimmen. Das will ich schon einmal ankündigen. Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten gemeinsam vereinbart. Die Aussprache eröffnet für die CDU/CSU-Fraktion Herr Abgeordneter Dr. Günter Krings. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Dr. Günter Krings (CDU/CSU): Guten Morgen, Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die nationale Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ist ein wichtiger Schritt in der Neuausrichtung unserer Asylpolitik. Es ist ein echter gemeinsamer Erfolg von CDU/CSU und SPD. Die frühere Innenministerin Nancy Faeser hat mit dafür gesorgt, dass die GEAS-Reform in der EU beschlossen wurde, und unser Innenminister Alexander Dobrindt hat einen Umsetzungsvorschlag vorgelegt, der die europäischen Spielräume optimal nutzt, um die Rechtsprinzipien und Zuständigkeitsregeln im EU-Asylsystem endlich konsequent durchzusetzen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Jede gute Therapie beginnt mit einer ehrlichen Diagnose, und die lautet: Das bisherige Dublin-System war in der Praxis dysfunktional. Die Grundidee von Dublin war immer klar: Derjenige Mitgliedstaat ist für ein Verfahren zuständig, den ein Asylbewerber zuerst betritt. – Die Realität war aber von Anfang an eine andere. Zuständigkeiten wurden umgangen, Verfahren verschleppt, Überstellungen scheiterten. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Späte Erkenntnis!) Sekundärmigration innerhalb Europas war nicht die Ausnahme, sondern die traurige Regel. Und wir dürfen nicht vergessen: Wer an der deutschen Grenze ankommt, hat zuvor schon in Europa mindestens eine Grenze zu viel überschritten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Allein im ersten Halbjahr 2025 hat Deutschland in rund 20 600 Fällen ein Dublin-Übernahmeersuchen an andere EU-Staaten gestellt. Tatsächlich überstellt wurden nur etwas mehr als 3 000 Personen. Wer unser Asylrecht erhalten will, kann sich aber nicht mit der tausendfachen Selbstzuweisung von Asylbewerbern nach Deutschland abfinden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Mit der GEAS-Reform setzen wir Zuständigkeitsregeln endlich durch, schaffen verbindlichere Fristen und bessere Vollzugsinstrumente. Die Reform schafft ein einheitliches europäisches Verfahren und klare Registrierungsregeln an den Außengrenzen. Die neuen Grenzverfahren sollen sicherstellen, dass frühzeitig geprüft wird, ob ein Antrag überhaupt Aussicht auf Erfolg hat und welcher Staat zuständig ist. Sicherheitsüberprüfungen und Identitätsfeststellungen an den Außengrenzen sind die Grundlage für jedes geordnete Verfahren. Wer offensichtlich keinen Schutzanspruch hat, soll schneller eine Ablehnung erhalten, um zu wissen, woran er ist, und wer schutzbedürftig ist, bekommt schneller Schutz, meine Damen und Herren. In den parlamentarischen Beratungen haben wir darauf geachtet, dass Überstellungen auch in der Praxis funktionieren müssen. Fristen müssen realistisch sein, Mitwirkungspflichten durchsetzbar, Zuständigkeitsentscheidungen rechtssicher. Leistungskürzungen bei fehlender Mitwirkung sind hierzu eine zentrale Maßnahme. Wer sich einer Überstellung entzieht oder nicht kooperiert, darf eben nicht so behandelt werden wie ein anerkannter Flüchtling. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Matthias Miersch [SPD]) Deshalb ist es richtig, dass Leistungen bei Dublin-Fällen gekürzt werden. Wer europäische Regeln missachtet, kann daraus eben keinen Vorteil ziehen. Wichtig ist dafür auch die vorgesehene Schaffung von Sekundärmigrationszentren. Antragsteller, die schon in einem anderen EU-Staat registriert sind, sollen hier untergebracht werden, bis ihre Ausreise erfolgt. Da, wo ein Untertauchen wahrscheinlich ist, brauchen wir zusätzlich die Möglichkeit der Asylverfahrenshaft. Wichtig bleibt dabei immer: Jeder Asylbewerber hat es selbst in der Hand, durch die Ausreise in das für ihn zuständige Land eine solche kurzzeitige Freiheitsentziehung jederzeit zu beenden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der Linken) Meine Damen und Herren, wir dürfen bei dieser GEAS-Reform natürlich nicht stehen bleiben. Es war daher wichtig, dass vor allem auf Betreiben von Alexander Dobrindt die EU-Innenminister Ende letzten Jahres weitere Beschlüsse gefasst haben, um Asyl- und Rückführungsverfahren schneller und besser zu handhaben. Es ist gut, dass diese Bundesregierung bei den Asylverhandlungen in Brüssel nicht bremst, sondern Tempo macht. Denn wenn wir künftig wieder ohne die heute notwendigen Binnengrenzkontrollen auskommen wollen, müssen wir Recht und Realität in Europa wieder zusammenführen. Wenn wir die Akzeptanz des Asylrechts erhalten wollen, müssen wir die eigenmächtige Weiterwanderung von Asylsuchenden in Europa wirksam unterbinden. Genau daran arbeiten wir in der Bundesregierung und in den sie tragenden Bundestagsfraktionen. Und genau auf diesem Weg kommen wir heute ein ganzes Stück weiter. Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Dr. Maximilian Krah das Wort. (Beifall bei der AfD) Dr. Maximilian Krah (AfD): Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Zunächst: Sie alle freuen sich jetzt sicherlich mit uns, dass wir keine als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei mehr im Deutschen Bundestag haben. (Beifall bei der AfD – Zurufe von der SPD) Wir sprechen hier heute über ein Thema, das einer der Vorgänger des amtierenden Innenministers „die Mutter aller Probleme“ genannt hat. Ich muss Ihnen sagen: Wenn Sie glauben, dass Sie mit dem GEAS und dem Umsetzungsgesetz diese Mutter aller Probleme zu einer Lösung bringen, dann irren Sie sich. (Zuruf des Abg. Jürgen Coße [SPD]) Das GEAS ist too little, too late. Es wird nicht reichen, und es wird an dem Problem einer unkontrollierten Zuwanderung durch faktisch offene Grenzen nichts ändern. (Rasha Nasr [SPD]: Das ist eine Beleidigung für dieses Haus! – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN], an die AfD gewandt: Dass Sie den sprechen lassen! Gestern noch im Immunitätsausschuss und heute hier! Schämen Sie sich!) Der erste Grund dafür ist die Tatsache, dass die Grenzverfahren nur bei einer Minderzahl der Ankommenden Anwendung finden. Sie wenden sie nämlich nur an bei Personen aus ohnehin sicheren Drittstaaten und aus Ländern, wo die Anerkennungsquote unter 20 Prozent beträgt. Das heißt, dass Personen aus den Ländern, aus denen der Hauptzustrom stammt, (Clara Bünger [Die Linke]: Sie haben wieder mal keine Ahnung, Herr Krah!) überhaupt nicht davon betroffen sind. Diese Verfahren erfolgen eben nicht als Grenzverfahren, sondern weiterhin direkt in den einzelnen Staaten. (Clara Bünger [Die Linke]: Sie haben das ja nicht mal gelesen!) Damit ist klar, dass das Interesse an einer Sekundärmigration in das Land mit den höchsten Sozialstandards und den höchsten Anerkennungsraten selbstverständlich bestehen bleibt. Der Anreiz bleibt bestehen. Man kann sich ja über alles streiten, aber es gibt, glaube ich, einen Satz, den niemand bestreiten wird: Incentives matter. Tatsache ist, dass Deutschland nach wie vor ein Migrationsmagnet ist, (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) und das ändern Sie nicht, wenn Sie die Personen aus ohnehin sicheren Staaten ins Grenzverfahren abschieben. (Beifall bei der AfD) Es geht aber nicht nur darum, dass Sie hier schöne Regeln machen – die hatten wir auch mit Dublin –, sondern es geht auch darum, dass Sie diese Regeln umsetzen. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Apropos Regeln! War die Polizei schon bei Ihnen?) Wir haben ja erst heute Morgen gelesen, wie viele Überstellungen an Italien – und Italien ist jetzt kein Peripherieland – im letzten Jahr überhaupt stattgefunden haben. Tatsache ist, dass die anderen EU-Länder bei den Überstellungen mauern mit dem Ergebnis, dass die Frist abläuft und die über die Sekundärmigration nach Deutschland Gekommenen bei uns bleiben. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Tatsache ist, dass Sie es mit dem Gesetz nicht so ernst nehmen!) Auch hier wird GEAS überhaupt nichts ändern. Es sind schöne Worte. Es ist eine schöne Regelung. Aber sie wird genauso wie Dublin nicht funktionieren. Dann stellt sich bei der Sekundärmigration angesichts der hohen Zahlen noch die Frage: Wie wollen Sie dem mit den Sekundärmigrationszentren Herr werden? (Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Das, was Sie hier tun, sind zwar sicherlich Versuche in die richtige Richtung – das will ich der Regierung überhaupt nicht in Abrede stellen –, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie viele Verfahren haben Sie eigentlich am Hals?) aber die Wahrheit ist: Es wird erneut nicht reichen. Was wir brauchen, ist Folgendes: Jeder Ankömmling muss in ein Grenzverfahren kommen, und zwar nicht nur diejenigen aus sicheren Drittländern und nicht nur diejenigen aus Ländern, wo die Anerkennungsquote ohnehin niedrig ist. Ein exterritoriales Verfahren ist die einzige Chance, um zu verhindern, dass weiterhin jeder hierherkommen und sich mit guten Anwälten, viel Geduld und tendenziell linken Verwaltungsrichtern den Aufenthalt in Deutschland erschleichen kann. (Beifall bei der AfD) Dass die Bundesregierung versucht, das Asylverfahren nach Europa zu verschieben und damit die in Deutschland über die Jahrzehnte in der Tat gewucherte Rechtsprechung der Verwaltungs- und Verfassungsgerichte zu umgehen, weil da mehr politischer und rechtlicher Spielraum besteht, erkennen wir durchaus an. Aber eine Flucht ist selten ein Akt politischer Souveränität. Besser wäre es, die nationalen Regeln entsprechend zu stärken und das Asylverfahren doch wieder national zu führen; denn hier haben wir es in der Hand, maßgeschneiderte Lösungen zu finden. Das scheitert zurzeit an der Mehrheit hier im Haus. Insofern sehen wir ein, dass man versuchen muss, zunächst in Europa zu retten, was zu retten ist. Das vorgelegte Papier zum GEAS reicht dafür nicht aus. Daran ändert auch nichts, dass der vorgesehene Entwurf der Anpassung an das GEAS in der Tat das Beste aus dem GEAS herausholt. Das hätte viel schlimmer sein können. Und wenn wir uns die Stellungnahmen von Amnesty International und anderen Lobby- und Schlepperorganisationen anschauen, sehen wir ja, dass man immerhin die Richtigen getroffen hat. (Beifall bei der AfD) Dennoch bleibt das Gesamtpaket unzureichend. Meine Damen und Herren, die Einwanderung seit 2015, damals verursacht durch eine CDU-Bundeskanzlerin, hat unser Land massiv verändert. Der Satz, dass sich das Stadtbild verändert hat, kam zwar nicht von der AfD, aber er war trotzdem zutreffend. (Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie werden aus dem Stadtbild ja bald verschwinden!) Wir sind aufgerufen, diese Veränderung endlich zu stoppen und dafür zu sorgen, dass die Menschen sich in unserem Land wieder sicher und beheimatet fühlen. (Beifall bei der AfD – Rasha Nasr [SPD]: Remigrieren Sie sich selbst! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben doch schon gut vorgearbeitet mit China und Russland!) Das passiert sicherlich nicht mit diesen kosmetischen Korrekturen, die Sie hier heute zur Abstimmung stellen. Was wir zunächst brauchen, ist ein weitgehender Stopp jeder weiteren Zuwanderung. Und wenn wir selbst auf einem CDU-Bundesparteitag hören, dass wir noch mehr Zuwanderung brauchen, dann frage ich mich, meine Damen und Herren Kollegen von der Union: In welchem Land leben Sie eigentlich? Wollen Sie wirklich jede weitere Wahl an uns verlieren? Viel Spaß, wir nehmen sie gerne mit. Aber es wäre doch besser, Sie würden aufwachen und endlich eine restriktive Zuwanderungspolitik machen, anstatt hier diesen Eiertanz vorzuführen, der am Ende überhaupt nichts ändert, außer dass Sie sich gegenseitig irgendetwas bestätigen, was der Wähler Ihnen am Ende ja doch nicht mehr abkauft. (Beifall bei der AfD – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Ich sage nur: 60 Prozent Reduzierung der Zahlen!) Aus diesem Grunde kann ich zu diesem Anpassungsgesetz nur eines sagen: Wir lehnen es ab, und das nicht, weil das Anpassungsgesetz, gemessen an dem GEAS, in irgendeiner Form schlecht ist. Nein, wenn wir das GEAS als Maßstab nehmen, haben Sie den Spielraum ausgenutzt. Wir werden diesem Gesetz schon deshalb nicht zustimmen, weil die ganze Richtung nicht stimmt. (Zuruf des Abg. Sebastian Fiedler [SPD]) Das GEAS reicht nicht aus. Wenn wir dieses Gesetz umsetzen, dann verlieren wir wieder zwei, drei Jahre Zeit, ehe das auch dem Letzten auffällt und wir dann den nächsten Anlauf übernehmen. Ihnen fällt so etwas ja immer erst auf, wenn Sie Wahlen verlieren. Das werden Sie weiterhin tun. Warten Sie es dieses Jahr mal ab! Es ist an der Zeit, jetzt den großen Wurf hinzulegen. Wir brauchen sicherlich Grenzverfahren, aber für alle. (Rasha Nasr [SPD]: Ihre Immunität ist aufgehoben! Was fällt Ihnen eigentlich ein?) Wir brauchen einen Stopp der Sekundärmigration, indem wir endlich die Anreizsysteme stoppen, nach Deutschland zu kommen statt in den Erstaufnahmeländern zu bleiben. (Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) All das wird von Ihnen nicht angegangen. Was Sie hier vorlegen, ist eine Mogelpackung. Sie sind einwanderungsbesoffen, und dagegen wehren wir uns. (Beifall bei der AfD) Meine Damen und Herren, sehen Sie es ein: Einwanderung verändert unser Land nicht zum Besseren. Es ist an der Zeit für eine echte Migrationswende. (Rasha Nasr [SPD]: Es ist an der Zeit für ein AfD-Verbot!) Und die gibt es nur mit der AfD. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der SPD hat Frau Abgeordnete Sonja Eichwede das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Sonja Eichwede (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Flucht und Migration stellen uns vor wichtige Fragen, die unser Land, die unsere Gesellschaft, die ganz Europa seit vielen Jahren bewegen. Es sind so große Fragen, weil es um Menschen geht und weil es um Menschlichkeit geht. Es geht um Menschen, die zu uns kommen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, (Arne Raue [AfD]: Um unsere Bürger geht es!) und es geht um die Kommunen, in denen diese Menschen leben. Weil das Thema „Flucht und Migration“ so große Fragen aufwirft, ist es wichtig, dass wir diese in Europa gemeinsam lösen. Sie können nicht nationalstaatlich gelöst werden. Deshalb ist es so wichtig, dass wir das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem heute für Deutschland umsetzen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Marcel Queckemeyer [AfD]: Fangen Sie doch mal an!) Mit dem GEAS werden wir gemeinsam verbindliche europäische Lösungen umsetzen. Wir werden einen neuen Rahmen schaffen mit hohen Verfahrensstandards, mit mehr Ordnung, mit hohen menschenrechtlichen Standards und insbesondere mit einem funktionierenden Solidaritätsmechanismus in Europa. Denn das ist es ja, was nach den alten Regeln nicht funktioniert hat. Wir haben momentan Zustände in Europa, gerade im Bereich von Flucht und Migration, mit denen niemand zufrieden sein kann. Wir brauchen einen Solidaritätsmechanismus zwischen den europäischen Staaten. Genau darüber ist über Jahre, über Jahrzehnte beim GEAS in Europa verhandelt worden. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) An dieser Stelle ist es auch mir wichtig, noch einmal zu betonen, dass insbesondere Bundeskanzler Olaf Scholz und Innenministerin Nancy Faeser die Einigung in Europa herbeigeführt haben, um das Grundrecht auf Asyl zu schützen. Dieses wurde von anderen europäischen Staaten durchaus infrage gestellt. GEAS setzt hohe Standards, auch hohe menschenrechtliche Standards. Diese setzen wir jetzt gemeinsam um. Daher ist es wichtig und gut, dass wir diesen Entwurf von Alexander Dobrindt vorgelegt bekommen haben und dass auch Stefanie Hubig wichtige Punkte eingearbeitet hat. So kommen wir zu geordneten Verfahren, zu guten Aufnahmebedingungen, zu einem wirklichen Menschenrechts-Monitoring und zu einem guten Solidaritätsmechanismus. Damit wird das Recht auf Asyl in Europa gestärkt. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Zudem war es uns als SPD-Bundestagsfraktion sehr wichtig, im parlamentarischen Verfahren weitere Verbesserungen für Kinder und Familien zu erzielen. Das haben wir erreicht. In Zukunft werden wir eine bessere Gesundheitsversorgung für alle Kinder in Deutschland haben, unabhängig von ihrem aufenthaltsrechtlichen Status. Das ist ausgesprochen wichtig; denn Kinder brauchen eine gute Gesundheitsversorgung, um ein gutes Leben führen zu können. In einer Entschließung fordern wir die Länder zudem auf, Kindern von Antragstellenden nach zwei Monaten einen Regelschulzugang zu ermöglichen. Wir haben auch geregelt – darüber wurde diese Woche viel diskutiert –, dass der Einstieg in den Arbeitsmarkt für Menschen, die zu uns kommen, nach drei Monaten gewährleistet werden kann. Dies ermöglicht es ihnen, für sich selbst zu sorgen und der Gesellschaft etwas zu geben. Wir haben zudem klargemacht: Vulnerable Gruppen müssen gesondert betrachtet werden. Das alles soll durch das Deutsche Institut für Menschenrechte gemonitort werden. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wir schaffen einen neuen Solidaritätsmechanismus. Wir schaffen hiermit mehr Ordnung und auch mehr Humanität. Genau das ist es, was Europa in diesen schwierigen Zeiten braucht: – Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Redezeit ist überschritten. Sonja Eichwede (SPD): – mehr Zusammenhalt und sichere Menschenrechte. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Für Bündnis 90/Die Grünen hat Herr Abgeordneter Lukas Benner das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems war, wie wir alle wissen, ein langer Weg. Es war ein schwieriger Prozess, auf europäischer Ebene zu einer Einigung zu kommen. Und ja, es ist ein Paradigmenwechsel. Es ist die größte Asylrechtsverschärfung seit 1993. Und man muss sagen: Es ist ein Erfolg, dass eine Einigung auf europäischer Ebene in diesen Zeiten möglich ist. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Gegen die Stimmen der Grünen!) Trotzdem ist diese Einigung an vielen Stellen kritikwürdig. Aber europäische Regeln gehören umgesetzt; das stellt niemand von uns infrage. Gerade im Bereich Migration ist der Schlüssel die europäische Solidarität (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und nicht nationale Abschottung und Alleingänge, wie wir sie leider auch von dieser Bundesregierung zunehmend sehen. Aber gucken wir auf die Umsetzung. Sie haben sich dazu entschieden, jeden Ermessensspielraum maximal schlecht auszunutzen. Sie haben jeden Ermessensspielraum genutzt, um noch mehr Härte in dieses Gesetz zu bringen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Siegfried Walch [CDU/CSU] – Dr. Maximilian Krah [AfD]: Ja, ist doch gut! Super! Wunderbar!) Sie schießen hiermit weit über eine Eins-zu-eins-Umsetzung der europäischen Regelungen hinaus, und das völlig ohne Not. Sie sägen mit dem, was Sie tun, an Grundpfeilern unseres Rechtsstaats. (Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: Ist doch Unsinn! – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) So sollen in Zukunft Schutzsuchende in sogenannten Sekundärmigrationszentren de facto weggesperrt werden. Es sind Ausgangssperren möglich, (Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]) was dazu führt, dass diese Menschen die Zentren nur für einen Arzt- oder Behördenbesuch verlassen dürfen. (Dr. Maximilian Krah [AfD]: Bei Covid war das auch kein Problem!) Diese Bewegungseinschränkungen sind so massiv, dass sie aus guten Gründen nach aktueller Rechtslage nur Richterinnen und Richter anordnen dürfen. Und Sie wollen, dass das Verwaltungsbeamte tun können. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Das ist doch Quatsch!) Es ist falsch und verfassungsrechtlich höchst problematisch, was Sie hier tun. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Dr. Christian Wirth [AfD]: Bei Corona ging’s doch auch!) Ebenso wenig haben Sie Kinder vollumfänglich im Blick; denn Kinder und Jugendliche können genauso in diese Zentren gesperrt werden – ja, nur nachts; aber das ist doch auch nachts kein Ort für Kinder. Weggesperrt in einem Zentrum, wo Menschen bis zu 24 Monate mit Ausgangssperre belegt sind – das ist kein Ort für Kinder; da gehören sie nicht hin. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau!) Das GEAS-System ist hochkomplex. Und die Menschen, die es umsetzen müssen, stehen vor großen Herausforderungen. Bei Gesprächen, die man führt, sei es mit Anwälten, mit Behörden, mit Verbänden, mit der Bundespolizei oder mit Richtern, hört man von allen, dass sie nicht wissen, ob das mehr Klarheit bringt. Sie sagen, dass Sie an vielen Stellen die Dinge noch unklarer machen, als sie jetzt sind. Sie stiften Chaos bei den Menschen, die das am Ende umsetzen müssen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zum Thema Chaos. Sie feiern sich jetzt hier dafür, dass Sie das Arbeitsverbot für eine kleine Gruppe von Menschen von sechs auf drei Monate verkürzen, aber beschränken den Zugang zu den freiwilligen Integrationskursen für Menschen, die hierhinkommen und sich, wenn sie hier sind, integrieren wollen, (Beatrix von Storch [AfD]: Die sollen sich gar nicht integrieren!) aber nun keinen Zugang mehr haben, um einen solchen Kurs zu belegen. Dieser Schlingerkurs überzeugt niemanden – vielleicht die SPD, aber sonst niemanden. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, unfassbar!) Sie schaden mit Ihrem Schlingerkurs „ein bisschen schneller in Arbeit, aber keine Integrationskurse“ den Menschen, die in diesem Land angekommen sind und sagen, dass sie sich integrieren wollen. Sie verlagern die Last auf den Rücken der Kommunen. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Dieses Gesetz kommt ja nicht aus dem Nichts. Es bettet sich ein in eine Migrationspolitik dieser Koalition, die auf Abschottung setzt. Die Bundesregierung treibt in der EU Pläne voran, Asylverfahren in Drittstaaten auszulagern. Mit diesem Gesetz legen Sie dafür die rechtliche Grundlage. Sie legen die Grundlage dafür, Menschen, die nach Deutschland kommen und hier Schutz beantragen, in Zukunft nach Ruanda oder sonst wohin zu fliegen und sie darauf zu verweisen, dort Asyl zu beantragen. (Beifall des Abg. Alexander Throm [CDU/CSU]) Großbritannien und Italien haben ähnliche Projekte schon versucht. Sie sind mehrfach vor Gerichten gescheitert. Das hat enorme Summen verschlungen. Sie wollen damit weitermachen. Sie wollen, dass Deutschland Elendslager in Uganda oder sonst wo betreibt, Menschen dort völlig unwürdig unterbringt, (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Unsinn!) damit sie hier aus den Augen, aus dem Sinn sind. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Keine Lösung! – Zuruf des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU]) Dieser Kurs ist falsch, unmenschlich und der Sache nicht würdig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Bilger [CDU/CSU]: So ein Unsinn! Was ist denn das für eine schwache Argumentation?) Und Sie gehen ja noch weiter. Sie feiern sich hier dafür, dass gestern ein Abschiebeflug nach Afghanistan ging. Dafür verhandeln Sie mit einer islamistischen Terrororganisation. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Sie würden gar nichts machen!) Liebe Union, Härte ist kein Selbstzweck. Fragen Sie sich manchmal noch, was Sie hier tun? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Sie wollen einfach gar nichts machen!) Meine Damen und Herren, Schutzsuchende sind keine Menschen zweiter Klasse. Und wir sollten sie weder hier noch anderswo so behandeln. Wegen dieser Kritik können wir diesem Entwurf, dieser Umsetzung so nicht zustimmen. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Ja, das überrascht uns doch nicht!) Vielen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Clara Bünger das Wort. Bitte. (Beifall bei der Linken) Clara Bünger (Die Linke): Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Gäste auf den Tribünen! (Beatrix von Storch [AfD]: Gästinnen!) Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Dobrindt, Sie versprechen mit Ihrem Gesetzentwurf zwar Ordnung, aber in Wahrheit wird Ihre Reform für mehr Chaos, Leid und Rechtlosigkeit sorgen. (Beifall bei der Linken) Lassen Sie uns doch einen Moment ehrlich sein! (Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: Wir sind das immer!) Das individuelle Recht auf Asyl im Grundgesetz war die Antwort auf die Barbarei der Nationalsozialisten. Es ist ein Versprechen: Nie wieder darf ein Mensch schutzlos bleiben. – Doch mit der GEAS-Reform und ihrer Umsetzung ins deutsche Recht bleibt von diesem Versprechen kaum noch etwas übrig. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP während ihrer Amtszeit an diesem europäischen Abschottungsregime mitgebaut hat. (Beifall bei der Linken) Und das wird jetzt so restriktiv wie möglich umgesetzt. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der SPD und auch von der Union, Sie sprechen hier von einem gemeinsamen Vorgehen aller Mitgliedstaaten. Tatsächlich lassen Sie mit dieser Reform die Länder an der EU-Außengrenze weiter allein. Sie tun weiter nichts gegen illegale Pushbacks, nichts dagegen, dass Menschen in Seenot ertrinken, nichts gegen die Gewalt an den Außengrenzen. All das geschieht auch im Namen Ihrer Bundesregierung, auch mit deutschen Beamten, die bei Frontex arbeiten. Viele haben sich zu Recht über Donald Trump und seine menschenverachtende Migrationspolitik von ICE empört. Aber ich sage Ihnen: Auch die Europäische Union hat sich längst auf diesen Weg begeben. (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei!) Sie hat den Rechtsschutz systematisch ausgehöhlt und die Menschenwürde zur Verhandlungsmasse gemacht. Die tödlichste Grenze der Welt ist das Mittelmeer, direkt vor unserer Haustür. (Dr. Maximilian Krah [AfD]: Wegen Ihrer Schlepperboote! – Zuruf des Abg. Dr. Christian Wirth [AfD]) Mehr als 34 000 tote Menschen seit 2017 sind auch das Ergebnis der europäischen Abschottungspolitik. (Dr. Maximilian Krah [AfD]: Wegen Ihrer Schlepperboote!) Ich selbst habe in einem Lager auf der griechischen Insel Chios Geflüchtete beraten. Ich habe gesehen, was diese Politik anrichtet: Haft. Menschen sterben, weil sie keine medizinische Versorgung erhalten. Kinder verlieren in solchen Lagern den Lebensmut und begehen Suizide. – Diese Lager waren das Vorbild der GEAS-Reform. Wenn wir heute über die Umsetzung sprechen, dann müssen wir festhalten: Haft, Lager und Entrechtung sollen nun auch in Deutschland Realität werden. Sie führen geschlossene Zentren ein, in denen Menschen de facto weggesperrt werden. Die Verfahren werden drastisch verkürzt. Rechtsschutz wird aufgrund der Isolation ohne echten Kontakt nach draußen kaum mehr möglich sein. Sie rauben Menschen auf der Flucht ihre Würde. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Können ja alle freiwillig gehen!) Diese Kritik kommt aber nicht nur von mir, sie kommt vor allem von den Sachverständigen und den Verbänden – gerade mit Blick auf die Bewegungseinschränkung, auf Haft und mögliche Rechtsverstöße, gerade mit Blick auf vulnerable Personen. Sie hatten nach der Sachverständigenanhörung ausreichend Zeit, diese Kritik einzuarbeiten. Aber wenn man sich Ihren Änderungsantrag anschaut, sieht man: Sie haben an ein paar Formulierungen geschraubt, aber im Kern hat sich nichts geändert. Im Gesetzentwurf steht in § 70a Absatz 3 Asylgesetz immer noch, dass Kinder inhaftiert werden können, wenn das „ihrem Wohl dient“. Ja, Sie haben richtig gehört: wenn das „ihrem Wohl dient“. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Das ist jetzt aber genug Tränendrüse!) Ich bleibe dabei: Haft kann nie, wirklich nie dem Wohl eines Kindes dienen. (Beifall bei der Linken) Wenn Sie selbst sagen, das sei nur die Ultima Ratio, wenn Sie angeblich selbst Kinder nicht in Haft sehen wollen, (Dr. Götz Frömming [AfD]: Wie viele Kinder waren in der DDR in Haft? Können Sie mal aufarbeiten!) dann frage ich Sie: Warum schreiben Sie das dann überhaupt in das Gesetz? Es verstößt immer noch gegen die UN-Kinderrechtskonvention, gegen die EU-Grundrechtecharta und ganz einfach gegen den moralischen Anstand. Zudem werfen Sie auch Nebelkerzen, Herr Dobrindt, wenn Sie davon sprechen, dass Sie die Arbeitsmöglichkeiten für Geflüchtete ausweiten würden; denn die Mehrheit der Asylsuchenden kann sich auf den vorgezogenen Arbeitsmarktzugang gar nicht berufen, etwa Dublin-Geflüchtete oder Schutzsuchende aus sicheren Herkunftsländern. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Na, die sollen ja auch zurück!) Vergessen wir auch nicht: Künftig wird unter anderem die autokratisch regierte Türkei, die oppositionelle Politiker einfach wegsperrt, EU-weit als sicherer Herkunftsstaat gelten. (Dr. Maximilian Krah [AfD]: Natürlich!) Das ist komplett absurd und spricht für sich. (Beifall bei der Linken – Dr. Maximilian Krah [AfD]: Völlig korrekt!) Wir als Linke sagen: Statt Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen, als Bedrohung zu behandeln, sollten Sie endlich die Ursachen von Flucht bekämpfen. Aber genau das tun Sie nicht. Stattdessen wollen Sie jetzt Sekundärmigrationszentren aufbauen, dort Dublin-Geflüchtete isolieren und später durch Leistungsausschluss aushungern und faktisch zur Ausreise zwingen. Und das nennen Sie in Ihrem Änderungsantrag noch stolz einen Paradigmenwechsel. Das ist wirklich absurd. (Beifall bei der Linken – Dr. Götz Frömming [AfD]: Die deutschen Bürger sind Ihnen vollkommen egal!) Das verstößt nicht nur gegen die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Sagen Sie mal was zu den Opfern in Deutschland!) Hannah Arendt hat für all das die entscheidende Formel gefunden: Es geht um das „Recht, Rechte zu haben“. Genau darum geht es hier. Denn in dem Moment, wo Menschen auf der Flucht entrechtet, isoliert und in Haftlager gedrängt werden, obwohl sie keine Straftaten begangen haben, wird ihnen nicht nur der Schutz verweigert; sie werden faktisch zu Menschen zweiter Klasse gemacht, denen der Anspruch bestritten wird, (Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: Grundrechte kann man nur in Deutschland haben! als gleiche Menschen mit gleichen Rechten zu zählen. Und genau deshalb geht es bei dieser Reform um weit mehr als um einzelne Paragrafen. Es geht um die Frage, ob Deutschland an dem Versprechen festhält, dass kein Mensch schutzlos gestellt werden darf. (Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: Das ist ein Grundrecht!) Wir als Linke tun das, und deshalb stimmen wir heute auch mit Nein. (Beifall bei der Linken – Jens Spahn [CDU/CSU]: Das hätte man auch kürzer fassen können!) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Bundesregierung hat nun Herr Bundesminister des Innern, Alexander Dobrindt, das Wort. Bitte sehr. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Mit der heutigen Entscheidung schärfen und härten wir die Migrationspolitik. Was wir auf nationaler Ebene mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante vorangetrieben haben, setzen wir jetzt auf europäischer Ebene mit Kooperation, Konsequenz und Klarheit weiter fort: Kooperation mit unseren europäischen Partnern, Konsequenz bei der Reduzierung der Pullfaktoren und Klarheit mit unserem Signal in die Welt: Auch in Europa hat sich die Migrationspolitik verändert, meine Damen und Herren. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Europa, die Europäische Union, krankt seit Jahren daran, dass es keine abgestimmte Migrationspolitik mehr gibt. Und Deutschland war dabei lange Zeit der Verhinderer einer gemeinsamen europäischen Lösung. Deswegen sage ich jetzt an die Adresse all derer, die immer davon reden: „Es braucht eine europäische Lösung“, die immer auch in den vergangenen Monaten unsere nationalen Maßnahmen zur Reduzierung der illegalen Migration kritisiert haben: (Zuruf der Abg. Katrin Fey [Die Linke]) Meine Damen und Herren, GEAS ist die europäische Lösung. Dann seien Sie doch dieses Mal wenigstens konsequent, und stimmen Sie dieser europäischen Lösung, die Sie immer einfordern, zu! Heute liegt sie vor Ihnen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Katrin Fey [Die Linke]: Das ist keine Lösung! – Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber nicht so!) Wir haben in den vergangenen Monaten mit unserer Politik in dieser Koalition enorm viel erreicht. Die illegale Migration ist drastisch reduziert worden: (Lachen bei Abgeordneten der AfD) mit Grenzkontrollen, mit Aussetzen des Familiennachzugs, (Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Auch noch stolz darauf!) mit Abschaffung der Turboeinbürgerung, mit Steigerung der freiwilligen Ausreisen, und, ja, auch mit Steigerung der Rückführungen. Und, sehr geehrter Herr Kollege Benner von den Grünen, ja, gestern hat ein Abschiebeflug der Bundespolizei nach Afghanistan stattgefunden. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD] – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke] – Weitere Zurufe von der Linken) Dieser Flug, ja, er hat Straftäter – schwere Straftäter – nach Afghanistan zurückgeführt. Unsere Gesellschaft hat doch ein Interesse daran, dass schwere Straftäter schlichtweg unser Land verlassen müssen, (Dr. Götz Frömming [AfD]: Nee! Die sollen gar nicht herkommen! Ihr schiebt erst ab, wenn die Straftaten begehen!) auch wenn sie nach Afghanistan zurückkehren müssen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was zahlen die Taliban dafür? – Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke]) – Nein, ich kann diese Zwischenrufe überhaupt nicht nachvollziehen. (Zuruf des Abg. Jan Köstering [Die Linke]) Auf welcher Seite stehen Sie eigentlich? Stehen Sie auf der Seite unserer Gesellschaft, die Schutz braucht, oder stehen Sie auf der Seite der Straftäter, die hier in diesem Land Verbrechen begehen? (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zurufe von der Linken) Ich sage Ihnen, wo ich stehe – ich habe die Bilder gesehen, wie Sie auch –: Ich stehe auf der Seite der Polizistinnen und Polizisten, die genau diese schwere Arbeit durchführen müssen, die diese herausfordernde Arbeit durchführen müssen, die für unsere Sicherheit sorgen, indem sie die Abschiebungen durchführen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zurufe der Abg. Clara Bünger [Die Linke] und Vinzenz Glaser [Die Linke]) Wir bringen Ordnung in die Migrationspolitik, (Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Nein! – Jan Köstering [Die Linke]: Unrecht!) in den vergangenen Monaten auf nationaler Ebene, und mit der heutigen Entscheidung bringen wir Ordnung in die europäische Migrationspolitik. Ich bin der Koalition aus CDU/CSU und SPD sehr dankbar, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten diesen Weg gemeinsam ermöglicht haben. Ich bin den Kollegen dankbar, die daran gearbeitet haben: Günter Krings, Alexander Throm, Detlef Seif bei der Union, Sonja Eichwede, Sebastian Fiedler, Hakan Demir bei der SPD, meinen Staatssekretären Daniela Ludwig und Christoph de Vries. Ich bin auch Stefanie Hubig dankbar dafür, dass sie uns dabei unterstützt hat. (Vinzenz Glaser [Die Linke]: Kommt noch was an Inhalt, oder zählen Sie nur Namen auf?) Und ja, ich will auch das ausdrücklich betonen: Es war meine Vorgängerin Nancy Faeser, die in der letzten Wahlperiode auf europäischer Ebene am GEAS-System maßgeblich mitgearbeitet hat, damit wir diese Entscheidungen heute treffen können. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Bundesminister, würden Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Koçak aus der Linksfraktion zulassen? Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern: Ja, bitte. Präsidentin Julia Klöckner: Bitte sehr. (Zurufe von der CDU/CSU und der AfD: Oh!) Ferat Koçak (Die Linke): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Dobrindt, ich habe eine Frage direkt zum Änderungsantrag. Darin steht: Wenn eine Prüfung ergeben hat, dass die Inhaftnahme ihrem Wohl dient, können Minderjährige in Haft genommen werden. – Im Innenausschuss haben sowohl der Kollege Hakan Demir als auch Sie gesagt, dass Minderjährige nicht in Haft genommen werden sollen. Jetzt liest man das aber anders im Antrag. Wie stehen Sie dazu? (Beifall bei Abgeordneten der Linken – Siegfried Walch [CDU/CSU]: Sie haben nicht zugehört! – Dr. Christian Wirth [AfD], an Bundesminister Alexander Dobrindt gewandt: Erklären Sie es in einfacher Sprache!) Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern: Herr Kollege, Sie hätten den Ausführungen meiner Vorredner hier zuhören können, dann hätten Sie es erkannt. Nein, wir wollen natürlich nicht, dass Menschen hier in Haft gehen. (Zuruf des Abg. Jan Köstering [Die Linke]) Aber es gibt eine Ultima Ratio, wenn es ihrem eigenen Schutz dient. Und es bleibt der Grundsatz: Niemand muss in Haft, wenn er die Heimreise in sein Land antritt; diese Möglichkeit hat er jederzeit. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Zurufe von der Linken) Es gibt drei große Säulen in diesem GEAS-System, und die will ich auch noch mal erwähnen: Der Außengrenzschutz, die erste Säule, wird verbessert. Die zweite Säule, das Dublin-System, wird wieder funktionsfähig gemacht. Sekundärmigration muss unterbunden werden, Mitgliedstaaten müssen sich wieder an die Regeln halten. Und die dritte Säule ist die Solidarität. Wir lassen die Länder an den Außengrenzen nicht alleine. – Daraus wird ein Migrationspakt in Europa: Außengrenzen schützen, Dublin funktionsfähig machen, Solidarität zeigen. (Zuruf von der Linken: Reden Sie nicht von Solidarität!) Genau darum geht es. Alle drei Maßnahmen sind unser neuer Migrationspakt. (Zuruf von der Linken: Das ist Grausamkeit!) Und an all diejenigen, die es immer noch nicht verstanden haben und heute davon reden, dass „Dublin“ dysfunktional ist: Ja, genau, die europäische Migrationspolitik der vergangenen Jahre war dysfunktional. Das haben wir immer gesagt. (Lachen bei der AfD) Genau deswegen treffen wir jetzt mutige Entscheidungen. Wir bringen Funktionalität in die Dysfunktionalität hinein. Europa braucht Sicherheit, Stabilität und Solidarität, und die führen wir wieder ein, meine Damen und Herren. (Lebhafter Beifall bei der CDU/CSU – Beifall bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat Herr Abgeordneter Jan Feser das Wort. Bitte. (Beifall bei der AfD) Jan Feser (AfD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich meinen Vorrednern von der CDU/CSU so zuhöre, dann freut es mich wirklich, dass die AfD-Standpunkte endlich mal bei Ihnen im Wahlprogramm, in Ihrer Agenda aufgetaucht sind. (Clara Bünger [Die Linke]: Ja, sie haben abgeschrieben bei der AfD! – Dr. Anja Weisgerber [CDU/CSU]: Eine andere Schallplatte haben Sie nicht mehr, oder?) Das nenne ich mal einen Erfolg. Da sieht man mal wieder: AfD wirkt! (Beifall bei der AfD) Keine Angst, ich komme die Tage mal vorbei und bringe Ihnen ein paar AfD-Mitgliedsanträge mit. Ich glaube, damit wäre Ihnen sehr geholfen. Worum geht es? Per Rundschreiben vom 09.02.2026 wurde seitens des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge angeordnet, dass im laufenden Haushaltsjahr keinerlei Zulassungen für die Teilnahme an Integrationskursen nach § 44 Absatz 4 Aufenthaltsgesetz erteilt werden können. Dieser Ausschluss soll sich auf Ausländer erstrecken, die einen Teilnahmeanspruch nicht oder nicht mehr besitzen, also insbesondere auf Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis sowie auf einen Teil der Geduldeten und im Asylverfahren befindlichen Ausländer mitsamt der vom kommenden Rechtskreiswechsel umfassten Ukrainer. Anerkannte Asylbewerber, vom Rechtskreiswechsel nicht betroffene Ukrainer (Vinzenz Glaser [Die Linke]: Können Sie auch was außer Ablesen?) und sonstige im Leistungsbezug nach dem SGB II befindliche Migranten, also solche, bei denen die Arbeitsintegration im Vordergrund steht, sollen demgegenüber von dem Ausschluss ausdrücklich nicht umfasst sein. Und ich sage Ihnen klar: Eine derartige Zugangsbeschränkung begrüßen wir als AfD ausdrücklich. (Beifall bei der AfD) Denn es ist nur billig und gerecht, wenn Leute, die mangels gesicherten Aufenthaltsrechts keine oder keine gesicherte Aussicht auf eine Integration in Deutschland haben, entsprechende Leistungen auch nicht erhalten und der sowieso schon geschröpfte Steuerzahler von der entsprechenden Kostenexplosion von einst 586 Millionen Euro (Claudia Müller [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmt, das Geld wirtschaften Sie ja in die eigene Tasche! – Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) im Jahr 2022 auf nunmehr über 1,2 Milliarden Euro endlich mal entlastet wird. (Vinzenz Glaser [Die Linke]: Ihre Vetternwirtschaft kostet den deutschen Steuerzahler Geld! – Gegenruf des Abg. Marcel Queckemeyer [AfD]: Heul leise dahinten, Prinzessin!) So weit, so gut. So weit, so fadenscheinig. Denn Sie als CDU brauchen sich in Ihren Anfällen des Demonstrativaktionismus nicht damit zu rühmen, dass Sie mit Partikularmaßnahmen der vorliegenden Art den Krümel auf dem Boden beseitigen wollen, wenn in puncto Migration nicht nur der ganze Kuchen, nein die ganze Konditorei auf dem Boden liegt, vor allem dann nicht, wenn das Kehrblech – sprich: die Antragsidee – von der AfD kopiert ist und dementsprechend nicht schwarz, sondern tiefblau ist. (Beifall bei der AfD) Und was den Antrag der Grünen angeht, mal eines vorweg: Wenn man ein Regierungshandeln für verfehlt hält, (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Von Ihnen brauchen wir keine Belehrungen! Was wollen Sie überhaupt von uns?) dann wird die tatsächliche oder nur vermeintliche Fehlerhaftigkeit nicht dadurch beseitigt, dass man den Fehler dort erblicken möchte, wo er gar nicht besteht, und dem Fehler dann noch mit einem Antrag begegnet, der noch verfehlter ist, als es das Regierungshandeln jemals sein könnte. Denn vor dem Hintergrund dessen, wer von den Zugangsbeschränkungen tatsächlich erfasst sein soll und wer nicht, behaupten Sie allen Ernstes, der Zulassungsstopp sei integrationspolitisch kontraproduktiv und arbeitsmarktpolitisch ineffizient. Ja, was für eine schwerstqualifizierte Aussage in Anbetracht der Tatsache, dass die von Ihnen herbeifabulierte Arbeitsintegration schon per Gesetz für die betroffene Personenklientel dauerhaft und per se ausgeschlossen ist oder angesichts des laufenden Asylverfahrens noch gar nicht feststeht! (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Geht’s Ihnen jetzt besser?) Und da es in puncto mangelnde Fachlichkeit bei Ihnen noch nicht reicht: Da wird innerhalb der Antragsbegründung einfach mal behauptet, es würde 129 500 Personen und damit 40 Prozent der potenziellen Teilnehmer der Zugang zu Integrationskursen verwehrt bleiben. (Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Schon peinlich, wenn dann innerhalb der als Beleg für diese Aussage angeführten Quelle tatsächlich zu lesen steht, dass konkrete Angaben über die Anzahl der im Jahr 2026 teilnahmeberechtigten Personen derzeit gar nicht möglich sind. Und nicht weniger peinlich ist, dass innerhalb dieser Quelle tatsächlich zu lesen steht, dass Ihre 129 500 Personen einen Zulassungsantrag an das BAMF richten können, während entgegen Ihrer Behauptung nirgends steht, dass diese Anträge nunmehr tatsächlich abgelehnt werden sollen. Meine Damen und Herren, vor dem Hintergrund all dessen: Wie lautet die Überschrift von Ihrem Antrag? Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen. Jan Feser (AfD): „Zugang statt Blockade“? (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ihre Zeit ist abgelaufen!) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen, und insofern bedanken wir uns. Jan Feser (AfD): Beseitigen Sie die Blockade in Ihrem Kopf! Damit ist Ihnen zu helfen. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die SPD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Sebastian Fiedler das Wort. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Sebastian Fiedler (SPD): Vielen lieben Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir erleben heute eine extrem emotionalisierte Debatte, die ich in beiden Richtungen noch mal sortiere. Die Rechtsextremen erzählen Ihnen – kurz gesagt –: Masseneinwanderung trotz Grenzverfahren, Souveränitätsverlust an Brüssel, Abschiebungen funktionieren sowieso nicht. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Meinen Sie die CDU?) Von den Grünen und Linken hören Sie in unterschiedlichen Ausprägungen: haftähnliche Zustände, Entrechtung Schutzsuchender, Kinder werden in Lagern inhaftiert. (Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Das steht doch drin! – Weitere Zurufe von der Linken sowie des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Ich sage das jetzt mit großem Ernst vor allem an die Menschen außerhalb des Plenarsaals: Fallen Sie auf beides nicht herein! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Dr. Götz Frömming [AfD]: Vertrauen Sie der Regierung! – Zuruf von der Linken: Das steht im Antrag!) Diese Reform ist weder ein Bruch mit Humanität noch ein Einknicken vor Populisten. Sie ist Ausdruck der Tatsache, dass diese Koalition fleißig und verantwortungsvoll ihre Arbeit macht, (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind Sie so verblendet?) um die Situation in Deutschland und Europa zu verbessern. So einfach ist das. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Übrigens: Wir verbessern sie für die Schutzsuchenden und für diejenigen, die Schutz gewähren. – Die Realität ist nämlich die: 120 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Aber ebenso real ist: Ungeordnete Migration überfordert die Kommunen, polarisiert die Gesellschaften und untergräbt Vertrauen in den Staat. – Es entsteht der Eindruck, er sei nicht handlungsfähig. Dann ist es doch logisch, dass, wenn wir beides ernst nehmen, wir das Leid der Menschen und die Belastbarkeit des Gemeinwesens zusammen denken müssen. Ordnung und Humanität müssen zusammengehören. Genau das machen wir jetzt mit der Umsetzung des GEAS – genau das! (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Linksfraktion von Herrn Koçak zu? Sebastian Fiedler (SPD): Nein, weil er die Zwischenfragen immer schon Tage vorher schreibt (Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Und er hört offensichtlich im Ausschuss nicht zu!) und sie dann hier für sein Video vorliest; das hat er neulich erzählt. Dem will ich keinen Raum geben. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Präsidentin Julia Klöckner: Ganz kurz; ich habe die Redezeit gerade angehalten. Ich will es kurz erläutern: Fragen darf jeder stellen, egal was das Motiv ist. (Abg. Chantal Kopf [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Abg. Clara Bünger [Die Linke] melden sich zu einer Zwischenfrage) Beurteilen kann man dann, was daraus gemacht wird. Aber ich will umgekehrt auch sagen: Entscheidend ist allein, ob der Redner eine Frage zulässt oder nicht, und das müssen wir auch nicht kommentieren. Es sind jetzt noch weitere Arme hochgegangen. Sebastian Fiedler (SPD): Ich würde gerne bis zu Ende ausführen. (Luke Hoß [Die Linke]: Oh!) Präsidentin Julia Klöckner: Ja, ich habe es gesehen. – Noch einmal ganz kurz. Es ist nett, dass ich Zurufe bekomme. Ich habe gesagt: Es sind weitere Arme hochgegangen. – Und ich gehe davon aus, dass Sie keine Zwischenfragen mehr zulassen. Sebastian Fiedler (SPD): Ich würde gerne im Zusammenhang ausführen. – Vielen Dank. Präsidentin Julia Klöckner: Das haben wir jetzt so wahrgenommen. Und ich bitte, jetzt vom Melden auch abzusehen. Sebastian Fiedler (SPD): Danke. – Also, was wir machen: Wir schaffen verbindliche Verfahren an den Außengrenzen. Wir sorgen für schnellere Entscheidungen. Wir verteilen Verantwortung in Europa gerechter. Und wir stellen klar: Schutz erhält, wer schutzbedürftig ist. – Wer keinen Anspruch hat, muss unser Land wieder verlassen. Das ist kein Widerspruch zu Menschenrechten, das ist geradezu ihre Voraussetzung. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU] – Dr. Günter Krings [CDU/CSU]: So ist es!) Schauen wir in die Vereinigten Staaten. Dort sehen wir mit ICE eine Praxis der Abschreckung – durch Härte, durch spektakuläre Razzien, durch politische Inszenierung von Migration als Bedrohungsszenario. Es gibt Tote. Und die AfD applaudiert bei diesem Modell. Wir haben das Gegenmodell: Europa ist ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. (Zuruf der Abg. Katrin Fey [Die Linke) Deswegen verbinden wir effektive Steuerung und rechtsstaatliche Garantien. Wo wir dabei sind – an die Adresse der AfD –: Sie sind getrieben vom Hass auf Migranten. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Unsinn! Von der Liebe zu Deutschland!) Wenn Sie „Grenzschutz“ sagen, meinen Sie Abschottung um jeden Preis. Das ist das Modell „Nordkorea“, was Sie favorisieren. (Lachen bei Abgeordneten der AfD – Zuruf von der AfD) Wenn Sie „Souveränität“ sagen, wollen Sie Deutschland isolieren. So etwas wird es mit uns nicht geben. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Wir vergessen auch nicht, dass 1,2 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer und 1 Million Syrerinnen und Syrer nur deswegen hier sind, weil ihr Freund Putin Krieg dort führt. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Und an die Adresse der Linkspartei und der Grünen: Ja, wir alle wollen, dass Menschen würdig behandelt werden. – Aber Würde bedeutet auch, Verfahren zu strukturieren, Entscheidungen zu beschleunigen und irreguläre Migration zu begrenzen. (Daniela Ludwig [CDU/CSU]: So ist es!) Wenn Sie aber jede Form von Steuerung als moralischen Verrat diffamieren, überlassen Sie in Wahrheit das Feld den Radikalen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) GEAS ist vielleicht noch nicht in allen Bereichen perfekt; es wird ja auch gerade erst umgesetzt. Es ist aber das erste wirklich gemeinsame europäische Steuerungsinstrument seit Jahren. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Und es ist genau die Antwort auf die Frage, wie Europa handlungsfähig bleibt, ohne seine Werte zu verlieren. (Zuruf von der Linken) Meine Damen und Herren, Ordnung ohne Humanität ist kalt und hässlich; Humanität ohne Ordnung ist naiv. Deswegen gehören Humanität und Ordnung zusammen. Stimmen Sie deswegen zu! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Es gibt noch zwei Kurzinterventionen. – Folgende Erläuterung, auch für die Besucherinnen und Besucher: Wenn Zwischenfragen nicht zugelassen werden, haben die Abgeordneten die Chance, danach eine Kurzintervention zu machen. Zwei sind angemeldet – mehr lasse ich jetzt auch nicht zu, weil wir heute auch noch namentliche Abstimmungen haben –, einmal von der Linksfraktion Clara Bünger und einmal vom Bündnis 90/Die Grünen Chantal Kopf. Bitte sehr. Clara Bünger (Die Linke): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Herr Fiedler, schade, dass Sie die Zwischenfrage nicht zugelassen haben. Sie haben dargestellt, dass wir falsche Dinge sagen würden. Dann erlaube ich mir mal aus Ihrem Änderungsantrag vorzulesen – § 70a Absatz 3 Satz 2 –: „Abweichend von den Sätzen 1 und 2 dürfen Minderjährige […] in Ausnahmefällen als letztes Mittel“ inhaftiert werden, (Zuruf des Abg. Hakan Demir [SPD] – Gegenruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Lesen Sie mal die Begründung!) wenn es „ihrem Wohl dient“. Das steht so in Ihrem Änderungsantrag. Auch auf die Kritik der Sachverständigen hin, die gesagt haben, dass das aus dem Gesetz raussoll – Sie selber haben gesagt, das sei Ultima Ratio –, frage ich Sie: Warum haben Sie das in den Änderungsantrag reingeschrieben? Wissen Sie nicht, was in Ihrem eigenen Änderungsantrag drinsteht? (Jens Spahn [CDU/CSU]: Doch, der erste Satz!) Man muss hier sagen: Die GEAS-Reform ist die massivste Asylrechtsverschärfung seit 1993. (Dr. Christian Wirth [AfD]: Wird Zeit!) Und Sie lassen sich von den Rechten treiben und setzen hier die Forderungen der AfD um. Wie können Sie das mit Ihrem Gewissen und mit Ihrer Partei vereinbaren? (Beifall bei der Linken sowie der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Präsidentin Julia Klöckner: Sie haben die Möglichkeit zur Antwort, Herr Abgeordneter Fiedler. Sebastian Fiedler (SPD): Frau Bünger, bei allem Respekt: Sie wissen es in Wahrheit doch besser. Und auf das Lächeln hier zwischen den Reihen haben Sie gerade schon den Hinweis bekommen und haben es auch zugegeben. Sie haben ja bewusst den Satz davor weggelassen, der da lautet: Kinder kommen nicht in Haft. (Zuruf von der Linken: Das steht da nicht!) Der Zusammenhang ist ganz einfach: Es ist eine Schutzvorschrift, die da drinsteht, die an diesem Grundsatz nichts ändert. Das wissen Sie. Wir im Unterschied zu Ihnen haben in allen Bundesländern herumgefragt: Es hat so eine Situation noch nie gegeben. Es gibt gar keine Rahmenbedingungen, um Kinder in Haft zu nehmen. (Zuruf von der Linken) Was finden Sie denn besser? Wenn nichts dringestanden hätte für extreme Ausnahmesituationen? (Jan Köstering [Die Linke]: Also doch möglich!) Denken Sie an folgende Situation: Eine schwangere Frau mit einem Säugling verursacht selber, aus eigenen Stücken, dass sie in Haft genommen werden muss, warum auch immer. Wollen Sie dann den Säugling von der Mutter trennen? Ist das die Politik der Linken? (Zurufe von der Linken) Es geht um extremste, theoretisch denkbare Konstellationen, die in der Realität niemals eintreten werden. (Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU) Das ist blanker und purer Populismus. Es scheint aber das Einzige zu sein, was Sie am GEAS so in den Vordergrund rücken. Sie verhetzen ein gutes europäisches System und versuchen, den Leuten draußen zu erzählen, wir wollten lauter Kinder einsperren. Es ist abgrundtief falsch, und es ist auch eklig, dass Sie das so machen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf des Abg. Dr. Fabian Fahl [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Also, Entschuldigung. Bitte ein bisschen zusammenreißen! Das muss hier möglich sein. Wer eine Frage stellt, bekommt eine Antwort, und man muss die Frage genauso wie die Antwort ertragen. Das gehört eigentlich zum parlamentarischen Miteinander. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Genau! – Zuruf von der Linken) – Wenn Ihnen das ziemlich egal ist, dann sage ich Ihnen gerne auch, dass mir das nicht egal ist, weil wir hier Regeln haben. (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU) Jetzt hat die Abgeordnete Frau Kopf das Wort. Bitte sehr. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Chantal Kopf (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Danke, Frau Präsidentin. – Sehr geehrter Herr Kollege Fiedler, Sie haben jetzt viel über die Bedeutung europäischer Steuerungsmechanismen gesprochen. Mich würde interessieren, ob sich die SPD denn jetzt auch dafür einsetzt, dass die nationalen Maßnahmen, die Binnengrenzkontrollen, gerade auch angesichts der hohen Belastungen der Polizei beendet werden. Und können Sie uns dafür ein Datum nennen, nachdem GEAS ab Juni EU-weit in Anwendung kommt, wann dann die Binnengrenzkontrollen Deutschlands beendet werden? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Sebastian Fiedler (SPD): Sie haben vollkommen recht und Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen, auf den der Kollege Vogel in einer gestrigen Debatte schon zu Recht hingewiesen hat, weil uns bewusst ist, dass wir sehr viele Bundespolizistinnen und Bundespolizisten bei den Binnengrenzkontrollen einsetzen. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wurde gerade verlängert!) Aber jede und jeder in der Koalition inklusive des Bundesinnenministers hat Ihnen mehrfach erläutert, dass wir gerade jetzt eben die Grundbedingung dafür schaffen, die Binnengrenzkontrollen wieder runterzufahren. Unser aller Wunsch ist es, sie wieder komplett entfallen zu lassen, weil nämlich die Voraussetzung, die wir hier mit GEAS schaffen, ein funktionierender Außengrenzschutz ist, und das eine ist genau die Bedingung für das andere. Deswegen messen wir das an der Realität. Und wir schaffen jetzt die gesetzlichen Voraussetzungen dafür, (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) um genau das tun zu können, weil wir alle uns einen freien Schengenraum wünschen. Das ist die Voraussetzung. Wenn Sie das mit uns wünschen, dann stimmen Sie heute zu! (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Wir fahren fort mit unserer Debatte. Für Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Filiz Polat das Wort. Bitte. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Filiz Polat (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Fiedler, Sie kommen nicht drum herum: Das sind die einschneidendsten Asylrechtsverschärfungen seit dem Asylkompromiss 1993. Und wir werden die Realität erleben, dass Kinder und Minderjährige in Haft genommen werden, und dann werden wir uns hier wieder sprechen. (Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, die Bundesregierung betreibt aber neben diesen Verschärfungen ein weiteres böses Spiel, nämlich mit unserem Integrationskurssystem. Anfang Februar hat Minister Dobrindt tatsächlich verkündet, keine Menschen mehr, die freiwillig einen Integrations- und Sprachkurs machen möchten, zu ebendiesen zuzulassen. Meine Damen und Herren von CDU/CSU und SPD, ich kann Sie nur eindringlich bitten, diese politische Irrfahrt zu stoppen. Das ist sowohl wirtschaftlich als auch für die Betroffenen fatal. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Tausende sind betroffen – die Zahlen liegen vor, Herr Dobrindt –, darunter unzählige Ukrainer/-innen, die hier ankommen wollen, die eine Arbeit finden wollen, um eben nicht von Populistinnen und Populisten als Sozialtouristen bezeichnet zu werden, meine Damen und Herren. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Es gibt Protest von Trägern, Unternehmen und der Zivilgesellschaft. Wir sind dennoch tatsächlich Zeugen zahlreicher substanzloser Alternativvorschläge. Minister Dobrindt sagt, ihm fehlen die Haushaltsmittel. Die Realität ist anders. Wir als Bundestag hatten Ihnen erst zuletzt mit dem Haushalt 2026 mehr Mittel zur Verfügung gestellt. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Steffen Bilger [CDU/CSU]) Dann versuchen Sie, uns erneut zu täuschen. Sie sagen, Herr Minister, die beste Integration sei die, die Menschen in Arbeit zu bringen, und Sie wollen Menschen in Asylverfahren gestatten, nach drei Monaten arbeiten zu können: der Sofort-in-Arbeit-Plan. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Es werden Menschen auch mit diesem Gesetz vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Liebe SPD, lasst euch bitte nicht von diesem Sofort-in-Arbeit-Plan täuschen! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke]) Und deswegen, Herr Dobrindt, gibt es auch einen offenen Brief an Sie und an die Mitglieder des Innenausschusses von rund 200 großen, sehr großen Unternehmen, die eben genau das fordern: Beenden Sie Ihre politische Irrfahrt! Lassen Sie die Menschen zu den Sprachkursen zu! (Zurufe von der AfD) Denn das ist nicht nur eine flankierende Maßnahme zur Arbeitsmarktintegration, sondern es ist ihre Grundlage. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, ich möchte zum Schluss auch Arbeitsmarktforscher Professor Dr. Brücker vom IAB zitieren: „Der Abschluss von Integrations- und Berufssprachkursen hat nach unseren empirischen Befunden eindeutig positive Effekte für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten.“ (Zurufe von der AfD) Wir schließen uns dieser Meinung an. Bitte stimmen Sie unserem Antrag zu. Beenden Sie diese politische Irrfahrt, kommen Sie zur Vernunft, heben Sie die Integrationskursblockade auf – jetzt! (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Alexander Throm das Wort. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Alexander Throm (CDU/CSU): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Das ist die massivste Asylrechtsverschärfung in Deutschland seit dem Asylkompromiss von 1993. – Das sage nicht ich, das sagt die Kollegin Bünger; die Kollegin Polat hat es gerade bestätigt. Ja, Sie haben hier ausnahmsweise recht. Herzlichen Dank für das Lob, liebe Kolleginnen! (Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zurufe der Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Clara Bünger [Die Linke]) Wir machen in dieser Koalition ernst. Wir haben – auch das ist schon gesagt worden – die Möglichkeiten, die uns GEAS auf europäischer Ebene bietet – im Übrigen, Frau Kollegin Haßelmann, wenn Sie zuhören wollten –, verhandelt auch von Ihrer damaligen grünen Außenministerin, weitestgehend ausgeschöpft; jedenfalls da, wo wir es für mehr Ordnung und Begrenzung für relevant gehalten haben. Wir wollen die irreguläre Migration zurückdrängen, wir wollen es effektiver gestalten, wir wollen Asylmissbrauch verhindern. Wir wollen die Gesellschaft befrieden und damit auch ein Stück weit unsere Demokratie schützen; denn auch darum geht es in der Migrationspolitik in diesem Haus, liebe Kolleginnen und Kollegen. Der DeutschlandTrend hat ermittelt, dass die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Migrationspolitik der Bundesregierung innerhalb von sieben Monaten um 23 Prozentpunkte gestiegen ist. Das ist das wirksame Mittel, um unsere Demokratie zu schützen. Auf diesem Weg geht diese Koalition weiter, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der AfD-Fraktion zu? Alexander Throm (CDU/CSU): Ja, gerne. (Zuruf von der AfD: Hört! Hört! – Zuruf von der Linken: Gerne?) – Ich lasse die Zwischenfrage zu. Nicht „gerne aus der AfD“. Ich lasse sie einfach zu. Präsidentin Julia Klöckner: Also, liebe Kollegen, das müssen Sie nicht kommentieren. Ich will es noch mal festhalten: Wenn ein Redner für sich entscheidet, eine Zwischenfrage zuzulassen, dann ist das nicht kommentierungswürdig, weil Sie umgekehrt ja auch gerne Zwischenfragen stellen. Also, insofern: Bitte. Adam Balten (AfD): Vielen Dank für das Zulassen der Frage. – Als Erstes mal: Sie sollten sich schämen! Sie sollten sich schämen dafür, dass überall Drogen gedealt werden und dass die Polizei nichts dagegen macht. (Lachen bei der CDU/CSU und der SPD) Sie sollten sich dafür schämen, dass Sie die Massenmigration hier zulassen, dass unsere Bevölkerung terrorisiert wird, dass vergewaltigt, abgestochen und ermordet wird. (Widerspruch bei der CDU/CSU und der SPD) Und Sie sollten sich dafür schämen, dass Sie das alles nicht unter Kontrolle haben, weil Sie das alles zu verantworten haben! (Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD]) Jetzt im Moment – vor der Wahl – lassen Sie insgesamt 20 Leute abschieben. Das sind von ungefähr 240 000 Menschen, die eigentlich abschiebepflichtig sind – wenn Sie es mit Recht und Gesetz ernst meinen würden, würden Sie die auch abschieben –, 0,008 Prozent aller Abschiebepflichtigen. (Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU]) Sie lassen diese ganzen Zustände zu. Wann wollen Sie endlich mal auf unserer Ebene dafür sorgen, dass diese Leute, die hier nicht mehr sein dürfen, aus diesem Land rauskommen, und sich erst dann damit beschäftigen, (Rasha Nasr [SPD]: Kümmert euch um eure Straftäter! Vetternwirtschaft!) wie wir auf europäischer Ebene damit zurechtkommen, dass wir eine vernünftige Migrationspolitik haben? Vielen Dank. (Beifall bei Abgeordneten der AfD) Alexander Throm (CDU/CSU): Also, das Wort „gerne“ nehme ich wieder zurück. Aber Sie sollten sich schämen für eine derartig hetzerische und wirklich flache Frage. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Das ist selbst unter dem Niveau der AfD, wie es üblicherweise hier im Haus festzustellen ist. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Und diese Koalition – deswegen sind Sie ja so nervös, weil ich gerade die Prozentpunkte genannt habe – ist in der Zufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Migrationspolitik um plus 23 Prozentpunkte gestiegen. (Zuruf des Abg. Adam Balten [AfD]) Wir trocknen Ihre Themen aus. Das ist das, was wir mit diesem Gesetz machen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Ingo Vogel [SPD]) Sie haben es doch gemerkt: Dem Redner der AfD haben gerade die Argumente gefehlt. Das ist genau die Aufgabe, derer wir uns angenommen haben: die Gesellschaft wieder zu befrieden und dafür zu sorgen, dass sie dieses hetzerische Thema nicht weiter missbrauchen kann. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich gleich am Anfang hier bei den Kolleginnen und Kollegen der SPD zu bedanken – bei Sonja Eichwede, bei Sebastian Fiedler und auch bei Hakan Demir – für die durchaus konstruktiven Verhandlungen. Wir haben lange zusammengesessen; aber ich glaube, wir haben insgesamt mit diesem Gesetzentwurf ein gutes Werk vollbracht. Herzlichen Dank dafür! (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Ja, Deutschland ist Hauptzielland der Sekundärmigration. Rund 50 Prozent aller Asylantragsteller im letzten Jahr waren sogenannte Dublin-Fälle, das heißt, eigentlich wäre ein anderer EU-Staat zuständig gewesen. GEAS kann der Gamechanger in diesem Bereich werden, gerade für Deutschland, und zwar dann, wenn Deutschland und auch die anderen europäischen Staaten die Regeln entsprechend anwenden: möglichst lückenlose Registrierung der Flüchtlinge an der Außengrenze und dann auch Rücknahme der Menschen durch die anderen EU-Länder, wenn sie zuständig sind. Es ist gerade schon angesprochen worden: Das Funktionieren des Asylsystems in Europa, die Rücknahme von sogenannten Dublin-Fällen durch die EU-Staaten ist Grundvoraussetzung dafür, dass wir in Deutschland die Grenzkontrollen und Zurückweisungen künftig wieder beenden können. So haben wir es im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Das heißt, wenn das funktioniert und wenn der Außengrenzenschutz funktioniert, machen wir uns auf den Weg, die Grenzkontrollen wieder zu beenden, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Aber wir müssen auch im Inland unsere Hausaufgaben machen: Im GEAS steht nämlich, dass die Prüfung, ob jemand in Deutschland oder in einem anderen EU-Staat sein Asylverfahren durchlaufen kann, innerhalb von zwei Monaten stattfinden muss. Innerhalb von zwei Monaten muss der entsprechende Rückübernahmeantrag gestellt werden. Deswegen schaffen wir Sekundärmigrationszentren, um schnell, effektiv und konzentriert arbeiten zu können, um alle Behörden und, ja, auch die betreffende Person an einem Ort zu haben. Darum geht es und nicht um Haft oder Ähnliches. Wer in Deutschland Asyl begehren will, der kann sich auch zwei, drei oder vier Monate in einem solchen Zentrum aufhalten, Herr Kollege Benner. (Beifall bei der CDU/CSU – Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wenn man einen Ort nicht verlassen darf, ist das eine Haft! – Gegenruf von der CDU/CSU: Er kann jederzeit nach Hause gehen!) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine weitere Zwischenfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, von Herrn Emmerich zu? Alexander Throm (CDU/CSU): Ebenfalls sehr gerne. Präsidentin Julia Klöckner: Bitte sehr. Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Vielen Dank, Frau Präsidentin. Vielen Dank, Herr Throm, dass Sie die Frage zulassen. – Ich wundere mich über das, was die Union, einschließlich des Ministers, in ihren Redebeiträgen heute zum Thema „Migration und Asyl“ an Argumenten vorträgt. Es gibt aber einen großen blinden Fleck dabei: Was sagen Sie zu den Äußerungen in den letzten Tagen zum Thema Integrationskurse? Über 200 Unternehmen haben sich da ganz klar geäußert und gesagt: Dieser Zulassungsstopp, diese massive Blockade im Hinblick auf Integrationskurse muss zurückgenommen werden. (Dr. Götz Frömming [AfD]: Kein Wunder, dass die Asylindustrie das sagt!) Wir wissen, dass es einen enormen Bedarf an Personal, an Arbeits- und Fachkräften im ganzen Land gibt. (Jan Feser [AfD]: Es gibt keinen Bedarf an abgelehnten Asylbewerbern! Begreifen Sie das endlich!) Wir haben eine Wirtschaftskrise. Unternehmen beschweren sich darüber, dass die Binnengrenzkontrollen die Lieferketten stören. All diese wirtschaftlichen Auswirkungen Ihrer Asyl- und Migrationspolitik haben Sie null auf dem Schirm. Da haben Sie gar nichts im Angebot. Warum sind Sie nicht in der Lage, eine Politik zu machen, die die Unternehmen bei der Frage von Arbeitskräften und Fachkräften unterstützt? Warum sind Sie gegen die Integrationskurse? Warum wollen Sie an diesen Dingen nichts ändern? (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Alexander Throm (CDU/CSU): Wir wollen ja etwas ändern. Wir wollen die Integrationskurse wieder auf den Kern konzentrieren, nämlich auf die Personen, die eine Bleibeperspektive in Deutschland haben; das übersehen Sie. (Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Also für alle abschaffen! – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Für Unionsbürger! Das ist doch lachhaft! Unionsbürger haben doch in Integrationskursen nichts zu suchen! Das ist doch albern!) Herr Kollege Emmerich, Sie machen genau den Fehler, den die Grünen, die Linken und auch andere in den letzten Jahren immer wieder gemacht haben: Sie vermischen angebliche Fachkräfteeinwanderung mit der irregulären Migration von Personen, die hier gar keinen Schutzanspruch haben. Das ist das Problem. (Zuruf des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wir schaffen wieder Ordnung in diesem System, das in den letzten Jahren – und ich muss es sagen: vor allem in den letzten drei Jahren der Ampelkoalition – ausgefranst ist; darum geht es. Wir machen das mit diesem Gesetz, mit anderen Gesetzen zur Rückführung, aber auch mit den Änderungen bei den Integrationskursen und der Konzentration auf die Personen, die eine Bleibeperspektive haben. Und, ja, das Ganze ist auch eine Sparmaßnahme. Sie haben nämlich die Kosten der Integrationskurse ins nahezu Unendliche gesteigert. Wir reduzieren sie. (Zuruf der Abg. Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Gleichzeitig gibt diese Koalition Flüchtlingen – auch denen in sogenannten Aufnahmeeinrichtungen – die Möglichkeit, bereits nach drei Monaten zu arbeiten. Das hängt miteinander zusammen. Wir wollen die Menschen nicht, wie bisher, bis zu 18 Monate in Integrationskursen parken, bevor sie dann tatsächlich arbeiten. Wenn es die Möglichkeit gibt, nach drei Monaten zu arbeiten, dann soll das auch funktionieren. (Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und woher soll die Sprache kommen?) – Die beste Integration, auch in Sachen Spracherwerb, ist die Arbeitsaufnahme, Herr Kollege Emmerich. (Beifall bei der CDU/CSU) Ich war beim Thema Sekundärmigrationszentren. Diese richten wir ein, um die Dublin-Überprüfungsverfahren möglichst schnell und konzentriert durchzuführen. Und eines will ich auch erwähnen: Diese Sekundärmigrationszentren sind auch eine Lehre aus dem schrecklichen Attentat von Solingen. (Daniela Ludwig [CDU/CSU]: Richtig!) Denn dort konnte die inzwischen zurückgetretene grüne Integrationsministerin nicht dafür sorgen, dass ein sogenannter Dublin-Fall nach Bulgarien verbracht werden konnte, sodass er überhaupt in der Lage war, diesen schrecklichen Anschlag zu begehen. Deswegen wollen wir auch hier für mehr Ordnung sorgen. Und ich gehe davon aus, dass alle Bundesländer sich dieser Möglichkeit, Sekundärmigrationszentren einzurichten, bedienen, liebe Kolleginnen und Kollegen. Das ist nämlich auch eine Frage der Verantwortung für Ordnung und Sicherheit in diesem Land. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Für die Fraktion der AfD hat Herr Abgeordnete Steffen Janich das Wort. (Beifall bei der AfD) Steffen Janich (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Schon Franz Josef Strauß wusste: Der Kampf um die Sprache ist eine der wesentlichsten Voraussetzungen für die geistige Selbstbehauptung. – Vor diesem Hintergrund sind auch wir nicht bereit, den Antragstitel der Grünen „Zugang statt Blockade – Zulassungsstopp zu Sprach- und Integrationskursen aufheben“ unwidersprochen durchgehen zu lassen. Die Grünen suggerieren in ihrem Antrag geradezu, dass es Menschen mit nichtdeutscher Herkunft verboten sei, künftig an Sprachkursen teilzunehmen. Nichts könnte unwahrer sein. Tatsächlich sieht § 44 Absatz 4 des Aufenthaltsgesetzes vor, dass verfügbare Plätze an Integrationskursen auch an diejenigen vergeben werden können, welche nicht sowieso schon einen Anspruch auf einen Integrationskurs haben. Und das sind bereits alle Ausländer, denen zu Erwerbszwecken, als Familiennachzügler, aus humanitären Gründen und als langfristig Aufenthaltsberechtigte eine Erlaubnis zum rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland erteilt worden ist. (Clara Bünger [Die Linke]: Das ist doch alles Quatsch, was Sie da erzählen!) Die Grünen hingegen wollen, dass auch alle Ausländer, die kein Recht zum Aufenthalt in unserem Land haben, sondern nur geduldet sind, an Integrationskursen teilnehmen dürfen und dass der deutsche Staat mit deutschem Steuergeld die Kosten hierfür vollständig übernimmt. Die Frage muss doch lauten: Warum sollen Menschen, die nicht das Recht haben, hier zu sein, deren Abschiebung nur ausgesetzt ist, an Integrationskursen teilnehmen? (Beifall bei der AfD) Warum sollen sich illegale Einwanderer in Deutschland integrieren, anstatt sich auf ihre Remigration vorzubereiten? Die Antwort ist: Das Gegenteil eines Rechtsstaats ist ein Linksstaat. (Lachen bei Abgeordneten der SPD – Zuruf der Abg. Sonja Eichwede [SPD]) Sie wollen Recht und Gesetz aushöhlen und jedem illegalen Einwanderer erst einen dauerhaften Aufenthalt (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie erzählen so einen Quatsch!) und dann langfristig auch die deutsche Staatsbürgerschaft sichern, inklusive uneingeschränktem Zugang zum deutschen Schlaraffenland. (Clara Bünger [Die Linke]: Links kennen Sie ja nicht! Sie kennen nur rechts!) Kein Wort finden Sie dazu, dass eine Integration in ein anderes Land immer – nicht nur in Deutschland – eine absolute Bringschuld der Ausländer ist. (Beifall bei der AfD) Die AfD-Fraktion bleibt dem Rechtsstaat verpflichtet (Sebastian Fiedler [SPD]: Ja, ist klar!) und nicht einem Linksstaat, und darum lehnen wir diesen Antrag natürlich ab. Vielen Dank. (Beifall bei der AfD – Rasha Nasr [SPD]: Wie oft haben wir die Immunität von Ihren Kollegen aufgehoben? Wie viele Straftäter braucht es denn noch?) Präsidentin Julia Klöckner: Für die SPD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Hakan Demir das Wort. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Hakan Demir (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! 117 Millionen Menschen waren 2025 weltweit auf der Flucht. Sie fliehen vor Putins Bomben, vor der Gewalt im Sudan und der Unterdrückung im Iran. Sie verdienen ein neues Zuhause in Sicherheit und Freiheit. Die Genfer Flüchtlingskonvention sichert genau das ab. Sie zählt zu den größten Errungenschaften der Menschheit. Es ist unsere Aufgabe, diese Errungenschaft zu verteidigen; es ist unsere Aufgabe, dass Menschen ein faires Asylverfahren bekommen und gute Aufnahmebedingungen vorfinden. Dafür müssen alle EU-Staaten zusammenarbeiten. Diese Hoffnung setze ich in das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Wir wissen alle – das gilt für alle demokratischen Parteien, und das will ich hier einmal sagen –, dass das jetzige europäische Asylsystem nicht funktioniert hat. Aus diesem Grund haben sich die EU-Staaten in den letzten 20 Jahren zusammengesetzt, um etwas Neues zu versuchen. (Dr. Götz Frömming [AfD]: 20 Jahre?) Ich bin kein Hellseher – anders als vielleicht andere hier. (Abg. Ferat Koçak [Die Linke] meldet sich zu einer Zwischenfrage) Ich kann hier nicht sagen: Das wird jetzt für Chaos sorgen. Ich kann nur sagen, dass das jetzige Asylsystem nicht funktioniert und in vielen Fällen für Chaos gesorgt hat. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Jan Feser [AfD]: Na, das ist ja mal eine Erkenntnis!) Präsidentin Julia Klöckner: Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Linksfraktion zu? Hakan Demir (SPD): Erst mal nicht. Präsidentin Julia Klöckner: Kann ich das dann jetzt für alle Meldungen so nehmen? Hakan Demir (SPD): Ja. Präsidentin Julia Klöckner: Okay, danke. Hakan Demir (SPD): Es stimmt, dass wir in den letzten Wochen über 800 Seiten durchgearbeitet haben. Ich kann hier sagen, dass in den Verhandlungen, die über 20 Stunden gedauert haben – über fünf Sitzungen –, auch ab und zu mal eine Fraktion aus dem Raum gehen musste und nicht klar war, ob sie wieder zurückkommt. (Janine Wissler [Die Linke]: Schade! Schade, dass Sie zurückgekommen sind!) Aber wir haben es am Ende immer wieder gemacht. Die Unterschiede waren groß. An dieser Stelle will ich sagen: Das ist die einzige demokratische Mehrheit, die wir in diesem Haus haben, und wir haben einen Kompromiss geschlossen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU – Clara Bünger [Die Linke]: Auf Kosten der Menschenrechte!) Wenn es nur ein SPD-Gesetzentwurf gewesen wäre, wenn es eine absolute Mehrheit der SPD gäbe, würde dieses Gesetz anders aussehen; das kann ich hier zugeben. (Steffen Bilger [CDU/CSU]: Das gilt für die Union auch!) Wir haben in diesen harten Verhandlungen gemeinsam Verbesserungen hinbekommen. Ich will, dass alle Kritikerinnen und Kritiker das einmal hören. Wir haben es gemeinsam hinbekommen – ohne dass die EU das gesagt hat –, dass alle Kinder in Deutschland – und es ist egal, ob es deutsche Kinder sind, ob es geflüchtete Kinder sind – den gleichen Zugang zu gesundheitlicher Leistung haben. (Zurufe von der Linken) Das ist das, was wir heute beschließen. (Beifall bei der SPD sowie der Abg. Dr. Katja Strauss-Köster [CDU/CSU]) Alle, die den Gesetzentwurf ablehnen, lehnen auch diesen Punkt ab. Und sie lehnen noch etwas ab, worauf wir uns gemeinsam verständigt haben: dass es einen Arbeitsmarktzugang für Geflüchtete gibt, und zwar nach drei Monaten. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das stimmt doch gar nicht! – Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nebelkerze!) Das ist doch auch etwas, was gut ist und was wir in dieses Gesetz hineingearbeitet haben. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Der dritte Punkt – aufgrund der kurzen Zeit auch der letzte –: Wir haben ein Menschenrechtsmonitoring ins Gesetz geschrieben. Wir wollen, dass das Deutsche Institut für Menschenrechte sich das Verfahren im Inland anguckt und uns dann Empfehlungen macht, wenn etwas schieflaufen sollte, wenn es Probleme geben sollte. Wir haben ganz klar gesagt: Das macht eine unabhängige Stelle. Wir haben das ins Gesetz reingeschrieben. Auch das lehnt man heute ab, wenn man gegen dieses Gesetz ist. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Clara Bünger [Die Linke]: Nur Monitoring!) Wir haben uns natürlich § 70a Absatz 3 AsylG-E angeguckt. Ich will hier ganz klar sagen: Im ersten Satz zur Inhaftnahme steht, dass Kinder nicht in Haft kommen. Das ist der Wille des Gesetzgebers, wenn wir das heute beschließen. Jetzt die Zwischenfrage, Frau Präsidentin? (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Janine Wissler [Die Linke]) Präsidentin Julia Klöckner: Ihre Zeit ist abgelaufen, eine Zwischenfrage geht jetzt nicht mehr. Das ist eine sehr emotionale Debatte. Gerne helfe ich noch ein bisschen beim Sortieren: Wenn keine Zwischenfrage zugelassen worden ist, hat man während der Rede die Möglichkeit, anzumelden, dass man danach eine Kurzintervention machen möchte. Aber erst mal prophylaktisch zu sagen, man nimmt dann alle Interventionen, die nicht angemeldet sind, an, geht nicht. – Ich bedanke mich. Jetzt schließen wir diese Debatte, eine lebendige Debatte, ab mit dem letzten Redner: für die CDU/CSU Herr Abgeordneter Detlef Seif. Bitte. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Detlef Seif (CDU/CSU): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Clara Bünger hat vorhin gesagt, dass unsere Politik, die GEAS-Umsetzung und auch das, was wir noch vorhaben, die Menschen im Stich lassen würde. Sie würden schutzlos gestellt. Der Gedanke der Genfer Flüchtlingskonvention sei es aber gewesen, verfolgte Menschen zu schützen. (Janine Wissler [Die Linke]: Ja!) Sie treffen den Nagel auf den Kopf, wenn auch von der falschen Seite. Das Problem, das wir zurzeit haben, (Ferat Koçak [Die Linke]: …, ist die AfD!) ist, dass viele Menschen das Asylsystem ausnutzen, die überhaupt keinen Anspruch haben. (Dr. Fabian Fahl [Die Linke]: Kein Mensch ist illegal! – Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch gar nicht richtig! Die aus den Hauptherkunftsländern sind Kriegsflüchtlinge! Das ist falsch! – Dr. Götz Frömming [AfD]: Späte Erkenntnis!) Ich bin froh, dass im letzten Jahr die Zahlen in Deutschland runtergegangen sind, auf 116 000, und auch insgesamt in Europa. Aber wir haben immer noch eine ganz niedrige Gesamtschutzquote. Im letzten Jahr lag sie bei nur rund 22 Prozent. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Weil Sie die Afghanen nicht mehr anerkennen! Aber da ist ja wohl ein Talibanregime!) Das heißt, dem Rest der Menschen, die zu uns kommen, geht es eben nicht darum, Schutz vor politischer Verfolgung zu bekommen, sondern darum, unser System als allgemeines System der Zuwanderung zu missbrauchen, und dafür ist es nicht da. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der AfD und der SPD – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke]) Auf europäischer Ebene, aber insbesondere auch national adressieren wir das jetzt. Das ist eine Sisyphosaufgabe; ich kann Ihnen das sagen, weil ich das Thema seit 14 Jahren bearbeite. Ich hätte aber nie gedacht, dass wir so weit kommen wie im letzten Jahr. Es ist schon ganz viel auf den Weg gebracht. Im Rahmen dieser Sisyphosaufgabe müssen wir schauen: Was verursacht denn den Zuzug der Menschen, die nicht unter politischer Verfolgung leiden, aber hier einen „Schutzantrag“ – in Anführungszeichen – stellen? Wir müssen der Sekundärmigration entgegenwirken – dass es eine einfache Sache ist, in die Europäische Union zu kommen und dann nach Deutschland weiterzuwandern –, und genau das ist die Idee des Sekundärmigrationszentrums. Es betrifft Leute, die a) entweder bereits einen Anspruch in einem anderen EU-Mitgliedstaat erhalten haben (Clara Bünger [Die Linke]: Was ist Griechenland für ein Land? Das hat keine Schutzstandards!) oder b) im Ergebnis nicht den Anspruch haben, hier ein Verfahren durchgeführt zu bekommen. (Clara Bünger [Die Linke]: Also, Dublin-Fälle sind ja noch nicht klar, in dem Sinne! Die sind ja noch im Verfahren!) Meine Damen und Herren, dieses Sekundärmigrationszentrum soll letztlich bewirken, dass ein Staat, der innerhalb der EU zuständig ist, diesen Asylbewerber auch möglichst schnell wieder zurückerhält; so kann man es einfach sagen. Und dazu gehört natürlich eine Aufenthalts- und eine Wohnverpflichtung. Diese Wohnverpflichtung soll sicherstellen, dass diese Personen, die keinen Anspruch haben, dann letztlich auch greifbar sind, wenn die Rückführung ansteht, und genau das tun wir mit diesem Sekundärmigrationszentrum. Das ist ein ganz wesentlicher Teil des gesamten GEAS-Umsetzungspakets, das wir machen, und das ist auch richtig so. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Ingo Vogel [SPD] – Clara Bünger [Die Linke]: Das hätten Sie nicht mal machen müssen! Steht ja nicht im GEAS!) Und jetzt lassen Sie uns mal, weil das Thema uns als Koalition wirklich bedrückt – nicht nur die SPD, sondern auch die Union –, eingehen auf den Vorwurf, man wolle Kinder leichtfertig in Haft nehmen und das werde demnächst auch so umgesetzt werden. (Janine Wissler [Die Linke]: Dann schreiben Sie es doch nicht ins Gesetz! – Zuruf des Abg. Vinzenz Glaser [Die Linke]) Es ist hilfreich, wenn man ein Gesetz liest, auch die Praxis zu kennen. Dieses Gesetz sieht vor, dass das als allerletztes Mittel – der Kollege Fiedler hat das dankenswerterweise schon erläutert – (Janine Wissler [Die Linke]: Na klar! „Allerletztes Mittel“!) zur Anwendung kommt; es gibt ganz wenige Fälle, wo man sagen muss: Da entspricht das dem Wohl des Kindes. (Zurufe von der Linken) Ein Richter muss entscheiden – Richtervorbehalt; es entscheidet nicht die Behörde –, (Lukas Benner [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, wie es bei Haft immer sein müsste!) der stets auch mit Vormundschaftssachen, mit FGG-Sachen zu tun hat. Der hat das regelmäßig, mindestens alle drei Monate, zu überprüfen. Die Kinder dürfen in einem allgemeinen Haftzentrum ihrer Bewegungsfreiheit nicht beraubt werden. Wir dürfen sie nicht in Haft nehmen und dorthin bringen, wo Straftäter sind – also in eine Haftanstalt –, und auch nicht in Räume, die wie Hafträume aussehen. Das heißt, es müssen angemessene Räume sein. Es besteht ein Anspruch auf Bildung, es besteht ein Anspruch auf Freizeitbetätigung; denn wir machen uns schon Gedanken und Sorgen. Dieser eine Fall, den der Kollege Fiedler genannt hat, ist der, auf den es ankommt. Wir wollen keine Familien auseinanderreißen, wenn die Eltern in Haft genommen werden müssen. Dann sind die Kinder entweder in Haft zu nehmen, oder sie müssen fremdbetreut werden. Wollen Sie eine Fremdbetreuung an der Stelle? Präsidentin Julia Klöckner: Lassen Sie eine Zwischenfrage zu, Herr Abgeordneter? Detlef Seif (CDU/CSU): Ja, gern. (Jens Spahn [CDU/CSU]: Ach!) Präsidentin Julia Klöckner: Heute ist ein bisschen was los: Kommentieren des Zulassens von Zwischenfragen. Das muss man auch aushalten. – Frau Abgeordnete Bünger, bitte. Clara Bünger (Die Linke): Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank, Herr Seif, dass Sie die Frage zulassen. Sie sagen, dass Sie Kinder eigentlich nicht in Haft nehmen wollen. Aber dennoch haben Sie das in § 70a des GEAS-Anpassungsgesetzes reingeschrieben. Ich zitiere aus der Aufnahmerichtlinie, Artikel 13: „Im Einklang mit dem Grundsatz der Einheit der Familie sind für Familien mit Minderjährigen grundsätzlich angemessene Alternativen zur Inhaftnahme zu nutzen. Solche Familien werden in Unterkünften untergebracht, die für sie geeignet sind. Minderjährige dürfen nur in Ausnahmefällen als letztes Mittel […] in Haft genommen werden.“ (Sonja Eichwede [SPD]: „In Ausnahmefällen“, das steht doch drin! Genau das steht drin! Genau das regeln wir!) Im Erwägungsgrund 68 steht – jetzt kommt der entscheidende Punkt –: Die Mitgliedstaaten können von diesen Regeln abweichen. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Warum haben Sie die Regelung dennoch in das Gesetz geschrieben? Warum haben Sie nicht Abstand davon genommen? Warum haben Sie nicht gesagt: „Wir wollen keine Kinder in Haft stecken, wir schreiben es auch nicht ins Gesetz“? Damit hätten Sie glasklar gesagt: Wir wollen keine Kinder in Haft. Präsidentin Julia Klöckner: Damit ist die Frage gestellt. Wir müssen das nicht verlängern. Bitte, Ihre Antwort. Clara Bünger (Die Linke): Jetzt machen Sie das Gegenteil. Sie ermöglichen es, und es wird passieren. Präsidentin Julia Klöckner: Das ist keine Parallelrede. Bitte! – Fragen sollen kurz sein und keine Parallelreden. Jetzt hat der Abgeordnete das Wort. Detlef Seif (CDU/CSU): Frau Kollegin Bünger, ich bin Ihnen außerordentlich dankbar, dass Sie diesen Text vorgelesen haben, weil er noch einmal deutlich macht: Wir suchen Alternativunterbringungen für die Kinder. Wir wollen Inhaftierung nach Möglichkeit ausschließen. (Zuruf von der Linken: „Nach Möglichkeit ausschließen“!) Warum machen wir es trotzdem? Weil wir diesen riesigen Pulleffekt in Deutschland haben. Deutschland ist nun mal das Land, das am stärksten betroffen ist, und wir müssen hier verbindliche und wirksame Regeln machen. Da nutzt es nichts, wenn wir es grundsätzlich nicht machen; denn sonst kommt die Hälfte der Leute nicht in Haft, weil sie Eltern sind. Ich sage Ihnen: Das ist tatsächlich ein guter Abschluss im Gesetz. Nehmen Sie es zur Kenntnis: Wir wollen Kinder nach Möglichkeit nicht in Haft nehmen. Das läuft rechtsstaatlich sehr kindgerecht und gut ab. Die Ängste, die Sie in der Bevölkerung geschürt haben, (Clara Bünger [Die Linke]: Unter den Geflüchteten!) und das, was Sie vorgetragen haben – ich habe es Ihnen letztens auch schon mal gesagt –, ist zutiefst unanständig, und das bleibt auch zutiefst unanständig. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Bitte sehr. Sie können fortfahren. Sie haben nur noch 15 Sekunden. Detlef Seif (CDU/CSU): Ja, ich bedanke mich. (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD) Ich bin der Meinung, wir haben ein gutes Paket vorgelegt, und bitte um Zustimmung. (Beifall bei der CDU/CSU und der SPD) Präsidentin Julia Klöckner: Hiermit schließe ich die Aussprache, verehrte Kolleginnen und Kollegen. Zusatzpunkt 14. Wir kommen zur Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems. Zur Abstimmung über diesen Zusatzpunkt 14 liegen zwei persönliche Erklärungen nach § 31 unserer Geschäftsordnung vor. Diese werden dem Protokoll angehängt und sind dann im Internet nachzulesen.1Anlagen 2 und 3 Der Innenausschuss empfiehlt unter Buchstabe a seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/4321, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksachen 21/1848 und 21/2460 in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Dieser Gesetzentwurf ist in zweiter Beratung mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen von Linken, Grünen und AfD angenommen. Dritte Beratung und Schlussabstimmung. Die Fraktion Die Linke hat namentliche Abstimmung verlangt. Ich bitte die Abgeordneten, für weitere einfache Abstimmungen sowie eine Überweisung noch im Saal zu bleiben; das geht auch an die Abgeordneten, die schon draußen in der Lobby sind. Sie haben zur Abgabe Ihrer Stimme nach Eröffnung der Abstimmung 20 Minuten Zeit. Ich bitte jetzt die Schriftführerinnen und Schriftführer, die vorgesehenen Plätze einzunehmen, und bitte um ein Zeichen. – Ich bedanke mich. Das Zeichen ist gegeben. Die Plätze an den Urnen sind besetzt. Ich eröffne hiermit die namentliche Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung. Die Abstimmungsurnen werden etwa gegen 10:45 Uhr geschlossen. Wir werden Ihnen das Ende der Abstimmung rechtzeitig bekannt geben.2Ergebnis Seite 7256 D Zusatzpunkt 15. Abstimmung über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Der Innenausschuss empfiehlt unter Buchstabe b seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/4321, den Gesetzentwurf der Bundesregierung auf Drucksachen 21/1850 und 21/2462 in der Ausschussfassung anzunehmen. Ich möchte noch mal Folgendes sagen – ich weiß nicht, ob das auch in der Lobby alle mitbekommen haben –: Es laufen jetzt noch weitere Abstimmungen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Der Gesetzentwurf ist in zweiter Beratung mit den Stimmen – – Bitte? – Die Kollegin bezweifelt die Mehrheit der hier im Saal Sitzenden. (Lachen bei Abgeordneten der Linken) – Na ja, Sie lachen jetzt. So ist der Vorgang. (Sarah Vollath [Die Linke]: Wir haben uns gerade auch darüber unterhalten!) Das will ich auch den Besucherinnen und Besuchern erläutern. Wenn es hier im Präsidium Unstimmigkeiten gibt – wir sind immer mit Abgeordneten aus den Oppositions- und Koalitionsfraktionen besetzt –, dann schauen wir uns das genau an. Wir wiederholen jetzt die Abstimmung. Dann stellen wir fest, ob es hier eine ersichtliche Mehrheit gibt. Wenn nicht, wird es einen Hammelsprung geben. Deshalb habe ich auch sehr klar gemacht, dass es hier noch Abstimmung gibt. Also, wir wiederholen diese Abstimmung und werden dann zählen. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf in der Ausschussfassung zustimmen wollen, um das Handzeichen. – Wer stimmt dagegen? – Enthaltung? (Kay-Uwe Ziegler [AfD]: Dagegen sind mehr!) Ich persönlich kann jetzt nicht die Mehrheit erkennen, weil hinten eine ganze Reihe von Personen gestanden hat. (Filiz Polat [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sind das Zuschauer?) – Sie diskutieren nicht mit mir. Ich will es Ihnen noch mal sagen: Es gibt hier klare Regeln, dass nicht aus dem Plenum mit der Sitzungsleitung diskutiert wird. – Weil wir uns hier uneinig sind, werden wir einen Hammelsprung machen müssen. Bitte sehr. (Unruhe) Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang, aber es passiert eben, wenn es unterschiedliche Meinungen hier gibt. Ich schlage vor, in Rücksprache mit unseren Juristen, dass wir die namentliche Abstimmung erst mal zu Ende bringen. Dann wird es einen Hammelsprung zur ersten Abstimmung geben, weil es hier – das ist die Erläuterung – Unstimmigkeiten im Präsidium zu den sichtlichen Mehrheitsverhältnissen gab. Bitte gehen Sie jetzt zur namentlichen Abstimmung, danach wird es einen Hammelsprung geben. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Zeit für die namentliche Schlussabstimmung ist gleich vorbei. Deshalb die Frage: Ist ein Mitglied des Hauses anwesend, das seine Stimme noch nicht abgegeben hat? – Ich bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, mir ein Zeichen zu geben, wann die Urnen geschlossen werden können. – Gut, Daumen hoch. Hiermit schließe ich die Abstimmung und bitte die Schriftführerinnen und Schriftführer, mit der Auszählung zu beginnen. Das Ergebnis der Abstimmung wird Ihnen später bekannt gegeben.1Ergebnis Seite 7256 D Jetzt kommen wir noch mal zum Zusatzpunkt 15. Der Sitzungsvorstand hier vorne war sich über das Ergebnis der händischen Abstimmung auch nach der Gegenprobe nicht einig. Das hat zur Folge, dass wir einen Hammelsprung durchführen. Wir kommen daher – Zusatzpunkt 15 – zur Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung in zweiter Beratung durch Zählung der Stimmen. Ich bitte Sie jetzt alle, zügig den Saal zu verlassen, um danach die Türen zu schließen. Wir nutzen die Zeit zu einer Erläuterung für unsere Besucherinnen und Besucher auf den Tribünen und unsere Zuschauerinnen und Zuschauer. Herzlich willkommen! Ein Hammelsprung ist jetzt deshalb erforderlich geworden, weil wir bei einer händischen Abstimmung nicht einzeln durchzählen können. Normalerweise sind die Mehrheiten evident; das war aber jetzt nicht der Fall. Das heißt, die Kolleginnen der Koalitionsfraktionen und der Oppositionsfraktionen im Sitzungsvorstand hatten unterschiedliche Meinungen. Wenn wir hier unterschiedlicher Meinung sind, muss einzeln abgestimmt und gezählt werden. Das macht man nicht mit den Händen, weil das zu unübersichtlich wäre, sondern am besten so, dass die Kolleginnen und Kollegen durch Türen gehen – die Türen sind benannt mit „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ – und dann gezählt wird. Deshalb verzögert sich das etwas. – Das zu Ihrer Information! An die letzten Kollegen, die sehr intensiv in Gesprächen sind: Bitte den Saal verlassen! Die Zählung kann nämlich erst beginnen, wenn alle Abgeordneten den Saal verlassen haben. Ich bitte um ein Zeichen durch unsere Schriftführer. – So, das Zeichen ist da: Daumen hoch. Alle Abgeordneten sind aus dem Saal raus. – Ich eröffne jetzt die Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung in zweiter Beratung. Bitte sehr. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich sehe, dass jetzt alle wieder im Saal sind, und bitte Sie, auch hierzubleiben, weil wir mit den Abstimmungen noch weiter fortfahren. Bitte die Türen schließen! – Ich schließe hiermit die Abstimmung, also den Hammelsprung, und bekomme gleich das Ergebnis mitgeteilt. Zur Erläuterung für die Besucher, die jetzt neu auf unseren Besuchertribünen Platz genommen haben: Wir haben gerade einen sogenannten Hammelsprung durchgeführt, um präzise zählen zu können, wie abgestimmt wurde, und jetzt warte ich auf das Ergebnis. An den Türen wurde gezählt, wer durch die jeweilige Tür mit der Bezeichnung „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ gegangen ist. – Es geht gleich weiter. Zur Erläuterung, warum es noch ein bisschen dauert: Bei den drei Türen gibt es jeweils eine Strichliste. Diese werden jetzt zusammengetragen und ausgewertet. Dann gibt es dazu ein Protokoll; alles wird hier dokumentiert. Auch zu Ihrer Erläuterung, warum die Herren jetzt zu uns nach vorne gekommen sind – ich nutze die Zeit, um das zu erklären –: Wir drei hier oben sind auch gewählte Abgeordnete, können aber das Präsidium nicht verlassen. Das heißt, wir konnten nicht durch eine der Türen gehen, weil dann die Sitzung unterbrochen wäre. Deshalb müssen wir sitzen bleiben. Und wir wurden jetzt gefragt, welche der Türen wir gewählt hätten, und dann wird das Ganze addiert. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bitte um Aufmerksamkeit. Noch eine letzte Erläuterung: Ein solches Protokoll wird immer von Opposition und Koalition unterschrieben, damit ersichtlich ist, dass alles geprüft wurde. Protokoll des Ergebnisses der Abstimmung durch Auszählung der Stimmen über den von der Bundesregierung eingebrachten Gesetzentwurf zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem in der Ausschussfassung – das sind die Drucksachen 21/4321, 21/1850 und 21/2462 –: Mitgliederzahl 630, abgegebene Stimmen 508. Mit Ja haben gestimmt 296, mit Nein haben gestimmt 212, Enthaltungen gab es keine. Der Gesetzentwurf ist damit in zweiter Lesung angenommen. Wir kommen zur dritten Beratung und Schlussabstimmung. Ich bitte diejenigen, die dem Gesetzentwurf zustimmen wollen, sich zu erheben. – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – So ein schönes volles Haus! Eindeutige Stimmergebnisse – wir sind uns hier einig –: Der Gesetzentwurf ist angenommen mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen aller anderen Fraktionen. Unter Buchstabe c seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/4321 empfiehlt der Innenausschuss – – (Unruhe) – Es geht weiter mit Abstimmungen; darauf möchte ich kurz hinweisen. – Unter Buchstabe c seiner Beschlussempfehlung auf Drucksache 21/4321 empfiehlt der Innenausschuss, eine Entschließung anzunehmen. Wer stimmt für diese Beschlussempfehlung? – Wer stimmt dagegen? – Wer enthält sich? – Damit ist die Beschlussempfehlung angenommen mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen gegen die Stimmen von Linken, Grünen und AfD. Zusatzpunkt 16. Interfraktionell wird Überweisung der Vorlage auf Drucksache 21/4280 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Ich sehe und höre, das ist nicht der Fall. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen. Ich rufe auf – und gleich gibt es hier einen Präsidiumswechsel – den Tagesordnungspunkt 26: Beratung des Antrags der Abgeordneten Markus Frohnmaier, Jan Wenzel Schmidt, Dr. Rainer Rothfuß, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD Deutsche Rohstoffinteressen durchsetzen – Rohstoffpolitik zur Priorität machen Drucksache 21/4281 Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Wirtschaft und Energie (f) Auswärtiger Ausschuss Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuss Für die Dauer der Aussprache gibt es eine Vereinbarung von 60 Minuten. Für die Oppositionsfraktionen startet der AfD-Abgeordnete Dr. Alexander Wolf. Bitte sehr. (Beifall bei der AfD) Dr. Alexander Wolf (AfD): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Unser Land ist eine hochentwickelte Industrienation mit enormer Rohstoffarmut. Die deutsche Rohstoffbeschaffung müsste daher eine Toppriorität vernunft- und interessengeleiteter Realpolitik sein; das liegt auf der Hand. Die Bilanz der letzten drei deutschen Kanzler ist in dieser Hinsicht aber nur als verheerend zu bezeichnen. (Beifall bei der AfD) Fangen wir mit der Mutter allen Übels an: mit Angela Merkel. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hey! Meine Güte! – Johannes Volkmann [CDU/CSU]: Karneval ist vorbei! – Weiterer Zuruf von der CDU/CSU: Oah!) Sie machte den Auftakt mit ihrem völlig irrationalen, ja geradezu selbstmörderischen Atomausstieg, bejubelt von den Links-Grünen. Begründet wurde dieser Ausstieg einerseits mit Katastrophenschutz, gerade im Hinblick auf Fukushima, obwohl auch zwei Jahre nach dem Unfall sage und schreibe kein einziger Japaner an den Folgen des Reaktorunfalls verstorben war. Zu diesem Ergebnis kam immerhin der Wissenschaftliche Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen atomarer Strahlung. Ein Fakt! Aber Fakten haben die Vollstrecker links-grüner Politik ja noch nie interessiert. (Beifall bei der AfD – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Haha!) Der zweite Grund, mit dem der deutsche Atomausstieg begründet wurde, war der Klima- und Umweltschutz. Und das ist fast noch absurder. Denn natürlich ist die Kernkraft eine nachhaltige und CO2-neutrale Art der Energieerzeugung; das ist sogar die offizielle Position der EU. Aber die Deutschen haben mal wieder einen Sonderweg eingeschlagen. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was war denn in Tschernobyl, in Fukushima, in Sellafield?) Die CDU-Kanzlerin Merkel hat unserem Land damit nicht nur einen Bärendienst erwiesen, sondern uns auch in die historisch größte je dagewesene energiepolitische Abhängigkeit vom Ausland, von Russland, gebracht. (Beifall bei der AfD – Julian Joswig [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das wollen Sie doch! Dafür kriegen Sie doch Geld! – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, genau!) Im Hinblick auf Metallrohstoffe war die deutsche Politik nahezu ebenso naiv wie bei den Energierohstoffen. Immerhin schloss Merkel 2010 noch Partnerschaften mit mehreren Ländern, unter anderem Peru, das über 10 Prozent aller Metallrohstoffe weltweit verfügt. Aber was war das Ziel? Was kam dabei heraus? In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage zehn Jahre später hat sich die letzte Merkel-Regierung völlig desavouiert. Die FDP wollte in dieser Anfrage wissen, ob noch weitere Rohstoffabkommen geplant seien. Doch die Bundesregierung betonte, derartige Partnerschaften mit Ländern wie Peru seien bloß ein – ich zitiere – „zusätzlicher Gesprächskanal ohne spezifische Maßnahmen gegen Lieferengpässe oder steigende Preise“; Zitatende. Mehr sei ja auch gar nicht nötig, so die Merkel-Regierung damals, da sich – Zitat – „die Lage auf den Rohstoffmärkten beruhigt habe“ und die Wirtschaft „ihren Bedarf zu angemessenen Preisen decken“ könne. Bilaterale Abkommen seien überhaupt „weniger relevant“ geworden, so die Regierung Merkel damals in völliger Verkennung der Weltlage. Was für eine eklatante, ahnungslose Fehleinschätzung! (Beifall bei der AfD) Schauen Sie einmal auf die Lage unserer Gasspeicher. Die Ampel wandelte dann weitgehend in den Fußstapfen Merkels, setzte sogar noch einen drauf – Stichwort „Radwege in Peru“ – (Widerspruch der Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) und machte Deutschland damit vollends lächerlich. Statt deutsche Interessen zu vertreten und den Import von Rohstoffen sicherzustellen, versuchten Baerbock und Habeck, manchmal verspottet als „Ken und Barbie“, (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Meine Güte, ist das billig!) die ganze Welt zum Verzicht aufs Auto zu bewegen. Claudia Roth stand ihren beiden Kabinettskollegen da in nichts nach. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein!) Sie unterhielt etwa enge Beziehungen nach Nigeria, dem größten Ölproduzenten Afrikas, (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bitte?) einem Land, das darüber hinaus über enorme Vorkommen an Metallrohstoffen verfügt, die bislang kaum erforscht sind. Aber was kam dabei heraus? (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Bitte, was habe ich?) Statt ein Rohstoffabkommen im deutschen Interesse auszuhandeln, haben die Grünen zum Beispiel die Benin-Bronzen ohne jedwede Gegenleistung verschenkt. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wir haben sie nicht verschenkt! Sie haben uns nie gehört!) Und was ist dann passiert? Diese Artefakte sind nicht einmal in einem Museum, sondern natürlich auf dem Schwarzmarkt gelandet. (Beifall bei der AfD – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben uns nie gehört! – Julian Joswig [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wer hat den Rohstofffonds gemacht? Wer hat den Critical Raw Materials Act verhandelt? Das war Robert Habeck!) Das ist das unsinnige Ergebnis einer solchen planlosen Politik. Das war keine Rohstoffpolitik im, sondern gegen das deutsche Interesse, (Zuruf des Abg. Stefan Schmidt [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) verdorben von masochistischem Postkolonialismus und selbstmörderischem Klimawahn. (Beifall bei der AfD – Julian Joswig [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was für ein Schwachsinn! Meine Güte, ist das peinlich! – Dr. Ralf Stegner [SPD]: Die geistigen Rohstoffe bei Ihnen sind null!) Das muss umgehend ein Ende finden. Ein erster Schritt wäre die Berufung eines Rohstoffbeauftragten der Bundesregierung, (Julian Joswig [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Den gibt es doch schon längst!) der an der Schnittstelle zwischen Auswärtigem Amt und Wirtschaftsministerium angesiedelt ist und jährlich einen Bericht vorlegt, damit Rohstoffpolitik wieder im deutschen Interesse gemacht wird (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ja, genau! Es lebe der Neokolonialismus!) und damit in die deutsche Außenpolitik wieder Vernunft einkehrt und diese traumtänzerische Clownshow von Links-Grün ein Ende hat. Vielen herzlichen Dank! (Beifall bei der AfD – Dr. Ralf Stegner [SPD]: Geistige Rohstoffe: Null!) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Für die CDU/CSU-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Dr. Klaus Wiener. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Dr. Klaus Wiener (CDU/CSU): Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Wolf, bei so einem wichtigen Thema für die Wirtschaft hier so eine Show abzuziehen, (Stephan Brandner [AfD]: Die war gut, die Show!) das ist schon bemerkenswert. Vielleicht reden Sie mal darüber, wie es nach vorne weitergehen kann, und nicht, was in den letzten 20 Jahren passiert ist. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Liebe Kolleginnen und Kollegen, Rohstoffe sind natürlich wichtig für eine gute wirtschaftliche Entwicklung. Ob für Batterien, Halbleiter, Medizintechnik: Ohne Lithium, Kupfer, seltene Erden steht die moderne Wirtschaft einfach still. Leider ist es so, dass Deutschland ein rohstoffarmes Land ist. Selbst wenn wir die vorhandenen Vorkommen, die es in Deutschland gibt, vollumfänglich nutzen würden, wären wir immer auf Importe angewiesen. Das war auch lange kein Problem. Denn 70 Jahre lang war unsere Weltwirtschaft davon geprägt, dass sie zunehmend freier wurde und dass der Welthandel kontinuierlich gestiegen ist. Das war ein riesiger Erfolg, der seinesgleichen in der Wirtschaftsgeschichte der Menschheit sucht. Ich weiß, dass erstens die Welt seit ein paar Jahren eine andere ist. Der Protektionismus ist massiv gestiegen. Und es gibt Länder, die Rohstoffe als Waffe einsetzen – leider, muss man sagen. Aber ich will noch mal darauf hinweisen: Auch wenn sich die Welt derzeit vom Freihandel abwendet: Mittel- und langfristig – da bin ich mir sicher – wird sich das wieder ändern; denn der Nutzen der internationalen Arbeitsteilung ist schlicht zu groß. Klar ist aber auch, dass wir nicht naiv sein dürfen. Wir müssen auf die geopolitischen Realitäten reagieren. Aber anders, als die AfD das hier suggeriert, passiert ja bereits sehr viel, allen voran beim neu eingerichteten Nationalen Sicherheitsrat. Genau hier nimmt das Thema Rohstoffsicherheit einen großen Raum ein. Da braucht es auch keine Hinweise, dass das auf die Tagesordnung kommen oder dass es einen Sonderbeauftragten geben muss. Es ist bereits jetzt so, dass das Thema Rohstoffsicherheit eine große Rolle spielt. Zweitens arbeitet die Bundesregierung auch mit Hochdruck daran, neue Rohstoffallianzen zu schmieden, allen voran als jüngstes Beispiel Indien. Aber es gibt weitere, gerade mit den Ländern Afrikas: Südafrika, Angola oder der Kongo, alle stehen hier im Fokus. Ganz konkret: Staatssekretär Rouenhoff, der noch da hinten steht, wird in den nächsten Stunden nach Toronto aufbrechen. Er wird an einer der größten Bergbau- und Rohstoffmessen teilnehmen; da werden ganz konkret Gespräche geführt. Da ist die Bundesregierung durchaus aktiv und auf einem guten Weg. Besonders hervorheben möchte ich auch noch mal den Rohstofffonds, der 2024 eingeführt wurde, aber jetzt unter der neuen Regierung wirklich scharfgeschaltet und operativ gemacht wurde, damit gezielt Abbauprojekte gefördert werden können. Ich nenne hier die Lithiumförderung im Oberrheingraben oder das Projekt der Kupfer-Gold-Förderung mit Kanada oder die Förderung von seltenen Erden in Australien. Ich gebe zu: Ich würde mir wünschen, dass dieser Fonds – aktuell steht 1 Milliarde Euro zur Verfügung – noch mal aufgestockt wird, damit wir die öffentlichen Mittel noch mehr nutzen können, gerade auch für – das sage ich ganz deutlich – private Investitionen, die wir in diesem Feld anreizen müssen, zum Beispiel mit Risikoteilung oder auch mit öffentlich-privaten Partnerschaften. Das, Kollegen von der AfD, ist übrigens ein Punkt, der in Ihrem Antrag völlig fehlt, nämlich die Frage: Wie finanzieren wir die Rohstoffsouveränität? Da sind Sie komplett blank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Daniel Walter [SPD]) Was übrigens auch in Ihrem Antrag fehlt, sind Aussagen zur Kreislaufwirtschaft. Ich weiß, das ist nicht so Ihr Thema. Dabei liegt gerade auch hier ein enormes Potenzial, um unabhängiger von Rohstofflieferungen zu werden. Alte Smartphones, Batterien, Autos, Maschinen enthalten wertvolle Materialien, die natürlich nicht im Müll landen dürfen. Allerdings wäre es gut, wenn hier ein Wirtschaftszweig aus eigener Kraft entstehen könnte. Rohstoffe sind ein knappes Gut. Da gibt es Gewinnmöglichkeiten. Insofern glaube ich auch, dass es da nicht übermäßig staatliche Hilfe braucht. Wir müssen ebenso verantwortungsvoll über heimische Rohstoffe sprechen. Auch wenn es diese Vorkommen in Deutschland nicht im Übermaß gibt: Es gibt sie. Deswegen dürfen wir das Thema auch nicht tabuisieren, Rohstoffe, die hier vor Ort da sind, zu nutzen. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Zu guter Letzt – das will ich auch noch mal betonen –: Rohstoffe sind natürlich nicht nur eine staatliche Aufgabe. Wir leben nicht in einer Planwirtschaft, wie Sie es immer wieder gerne suggerieren, sondern wir leben in einer Marktwirtschaft. Deswegen ist es natürlich auch Aufgabe der Unternehmen, dafür zu sorgen, dass sie hinreichend Rohstoffe haben. Wir sorgen für gute Rahmenbedingungen. Aber es ist auch Aufgabe der Unternehmen, zu gucken, was sie konkret brauchen, und dafür zu sorgen, dass Rohstoffe in ausreichendem Maß vorliegen. Unterm Strich: Es gibt wenig Neues in Ihrem Antrag. Es passiert bereits sehr viel. Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab. Herzlichen Dank. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Bevor ich den nächsten Redner aufrufe, komme ich noch mal zurück zur namentlichen Abstimmung, die wir eben durchgeführt haben. Ich verlese das Protokoll des von den Schriftführerinnen und Schriftführern ermittelten Ergebnisses der namentlichen Abstimmung über den Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz)“. – Drucksachen 21/1848, 21/2460 und 21/4321 –: Abgegebene Stimmkarten 572. Mit Ja haben gestimmt 309, mit Nein haben gestimmt 261, und es gab 2 Enthaltungen. Der Gesetzentwurf ist damit angenommen. Endgültiges Ergebnis Abgegebene Stimmen: 571; davon ja: 309 nein: 260 enthalten: 2 Ja CDU/CSU Knut Abraham Anna Aeikens Norbert Maria Altenkamp Philipp Amthor Tijen Ataoğlu Artur Auernhammer Peter Aumer Dr. Cornell-Anette Babendererde Dorothee Bär Thomas Bareiß Günter Baumgartner Sascha van Beek Melanie Bernstein Peter Beyer Marc Biadacz Steffen Bilger Florian Bilic Leif Erik Bodin Simone Borchardt Caroline Bosbach Frederik Bouffier Michael Brand (Fulda) Dr. Reinhard Brandl Silvia Breher Ralph Brinkhaus Lutz Brinkmann Dr. Carsten Brodesser Dr. Marlon Bröhr Benedikt Büdenbender Dr. Yannick Bury Sandra Carstensen Gitta Connemann Wolfgang Dahler Ellen Demuth Alexander Dobrindt Michael Donth Dr. Florian Dorn Dr. Hülya Düber Hansjörg Durz Joachim Ebmeyer Ralph Edelhäußer Lars Ehm Alexander Engelhard Martina Englhardt-Kopf Thomas Erndl Bastian Ernst Hermann Färber Uwe Feiler Christoph Frauenpreiß Thorsten Frei Michael Frieser Wilhelm Gebhard Dr. Jonas Geissler Fabian Gramling Adrian Grasse Dr. Inge Gräßle David Gregosz Serap Güler Georg Günther Fritz Güntzler Olav Gutting Christian Haase Florian Hahn Heiko Hain Jürgen Hardt Matthias Hauer Mechthild Heil Mark Helfrich Marc Henrichmann Diana Herbstreuth Ansgar Heveling Susanne Hierl Dr. Matthias Hiller Christian Hirte Alexander Hoffmann Philip M. A. Hoffmann Dr. Hendrik Hoppenstedt Franziska Hoppermann Michael Hose Anne Janssen Thomas Jarzombek Alexander Jordan Andreas Jung Nicklas Kappe Anja Karliczek Ronja Kemmer Roderich Kiesewetter Michael Kießling Dr. Georg Kippels Dr. Ottilie Klein Julia Klöckner Axel Knoerig Daniel Kölbl Hans Koller Anne König Markus Koob Dr. Stefan Korbach Carsten Körber Dr. Konrad Körner Gunther Krichbaum Lukas Krieger Dr. Günter Krings Tilman Kuban Ulrich Lange Armin Laschet Dr. Silke Launert Dr. Andreas Lenz Andrea Lindholz Dr. Carsten Linnemann Patricia Lips Dr. Jan-Marco Luczak Daniela Ludwig Dr. Saskia Ludwig Klaus Mack Andreas Mattfeldt Stephan Mayer (Altötting) Volker Mayer-Lay Dr. Michael Meister Friedrich Merz Jan Metzler Dr. Mathias Middelberg Christian Moser Axel Müller Florian Müller Sepp Müller Carsten Müller (Braunschweig) Dr. Stefan Nacke Wilfried Oellers Florian Oest Harald Orthey Florian Oßner Josef Oster Dr. Thomas Pauls Dr. Stephan Pilsinger Dr. Christoph Ploß Dr. Martin Plum Jan-Wilhelm Pohlmann Oliver Pöpsel Dr. David Preisendanz Thomas Rachel Kerstin Radomski Alexander Radwan Alois Rainer Pascal Reddig Henning Rehbaum Dr. Markus Reichel Lars Rohwer Johannes Rothenberger Dr. Norbert Röttgen Stefan Rouenhoff Thomas Röwekamp Albert Rupprecht Catarina dos Santos-Wintz Carl-Philipp Sassenrath Dr. Christiane Schenderlein Henri Schmidt Sebastian Schmidt Patrick Schnieder Felix Schreiner Marvin Schulz Detlef Seif Nora Seitz Thomas Silberhorn Björn Simon Tino Sorge Jens Spahn Katrin Staffler Dr. Wolfgang Stefinger Albert Stegemann Sebastian Steineke Johannes Steiniger Christian Freiherr von Stetten Stephan Stracke Dr. Katja Strauss-Köster Dr. Hendrik Streeck Christina Stumpp Vivian Tauschwitz Roland Theis Dr. Hans Theiss Alexander Throm Astrid Timmermann-Fechter Kerstin Vieregge Dr. Oliver Vogt Johannes Volkmann Christoph de Vries Dr. Johann David Wadephul Siegfried Walch Nina Warken Dr. Anja Weisgerber Dr. Maria-Lena Weiss Kai Whittaker Johannes Wiegelmann Dr. Klaus Wiener Klaus-Peter Willsch Johannes Winkel Elisabeth Winkelmeier-Becker Tobias Winkler Mechthilde Wittmann Mareike Wulf Emmi Zeulner Paul Ziemiak Nicolas Zippelius Vanessa Zobel SPD Reem Alabali Radovan Daniel Baldy Sören Bartol Bärbel Bas Jens Behrens Daniel Bettermann Jakob Blankenburg Hendrik Bollmann Isabel Cademartori Dr. Lars Castellucci Jürgen Coße Hakan Demir Esther Dilcher Sabine Dittmar Felix Döring Falko Droßmann Sonja Eichwede Dr. Wiebke Esdar Saskia Esken Dr. Johannes Fechner Sebastian Fiedler Martin Gerster Angelika Glöckner Bettina Hagedorn Metin Hakverdi Sebastian Hartmann Hubertus Heil (Peine) Frauke Heiligenstadt Gabriela Heinrich Nadine Heselhaus Heike Heubach Jasmina Hostert Frank Junge Oliver Kaczmarek Elisabeth Kaiser Macit Karaahmetoğlu Dr. Franziska Kersten Helmut Kleebank Lars Klingbeil Tim Klüssendorf Dr. Bärbel Kofler Anette Kramme Dunja Kreiser Dr. Karl Lauterbach Helge Lindh Bettina Lugk Dr. Tanja Machalet Isabel Mackensen-Geis Holger Mann Parsa Marvi Katja Mast Kathrin Michel Dr. Matthias Miersch Matthias David Mieves Claudia Moll Dr. Rolf Mützenich Josephine Ortleb Mahmut Özdemir (Duisburg) Aydan Özoğuz Dr. Christos Pantazis Natalie Pawlik Jens Peick Boris Pistorius Sabine Poschmann Martin Rabanus Truels Reichardt Daniel Rinkert Dennis Rohde Sebastian Roloff Dr. Philipp Rottwilm Dr. Thorsten Rudolph Daniela Rump Bernd Rützel Johann Saathoff Johannes Schätzl Dr. Nina Scheer Christoph Schmid Dr. Nils Schmid Dagmar Schmidt (Wetzlar) Carsten Schneider (Erfurt) Olaf Scholz Johannes Schraps Michael Schrodi Svenja Schulze Frank Schwabe Andreas Schwarz Rita Schwarzelühr-Sutter Dr. Lina Seitzl Svenja Stadler Dr. Ralf Stegner Ruppert Stüwe Michael Thews Markus Töns Carsten Träger Anja Troff-Schaffarzyk Derya Türk-Nachbaur Ingo Vogel Marja-Liisa Völlers Dirk Vöpel Maja Wallstein Daniel Walter Carmen Wegge Dirk Wiese Serdar Yüksel Stefan Zierke Armand Zorn Nein AfD Alexander Arpaschi Dr. Christina Baum Dr. Bernd Baumann Carsten Becker Marc Bernhard Birgit Bessin Dr. Christoph Birghan Andreas Bleck Joachim Bloch René Bochmann Peter Bohnhof Gereon Bollmann Torben Braga Stephan Brandner Marcus Bühl Dr. Gottfried Curio Thomas Dietz Christopher Drößler Tobias Ebenberger Dr. Michael Espendiller Micha Fehre Peter Felser Jan Feser Thomas Fetsch Markus Frohnmaier Dr. Götz Frömming Rainer Galla Boris Gamanov Dr. Alexander Gauland Alexis L. Giersch Ronald Gläser Hannes Gnauck Hans-Jürgen Goßner Kay Gottschalk Rainer Groß Dr. Ingo Hahn Lars Haise Mirco Hanker Jochen Haug Matthias Helferich Udo Theodor Hemmelgarn Stefan Henze Nicole Hess Olaf Hilmer Karsten Hilse Nicole Höchst Leif-Erik Holm Gerrit Huy Fabian Jacobi Steffen Janich Robin Jünger Dr. Malte Kaufmann Dr. Michael Kaufmann Martina Kempf Stefan Keuter Rocco Kever Kurt Kleinschmidt Maximilian Kneller Heinrich Koch Achim Köhler Enrico Komning Jörn König Thomas Korell Steffen Kotré Dr. Rainer Kraft Dr. Maximilian Krah Manuel Krauthausen Thomas Ladzinski Pierre Lamely Sascha Lensing Rüdiger Lucassen Sebastian Maack Markus Matzerath Andreas Mayer Danny Meiners Knuth Meyer-Soltau Sergej Minich Reinhard Mixl Stefan Möller Matthias Moosdorf Gerold Otten Andreas Paul Denis Pauli Tobias Matthias Peterka Stephan Protschka Kerstin Przygodda Marcel Queckemeyer Dr. Anna Rathert Arne Raue Christian Reck Lukas Rehm Matthias Rentzsch Dr. Rainer Rothfuß Ruben Rupp Bernd Schattner Raimond Scheirich Volker Scheurell Ulrike Schielke-Ziesing Lars Schieske Carina Schießl Manfred Schiller Jan Wenzel Schmidt Julian Schmidt Dr. Paul Schmidt Stefan Schröder Georg Schroeter Bernd Schuhmann Uwe Schulz Dario Seifert René Springer Thomas Stephan Beatrix von Storch Otto Strauß Tobias Teich Robert Teske Bastian Treuheit Mathias Weiser Claudia Weiss Sven Wendorf Wolfgang Wiehle Dr. Christian Wirth Dr. Alexander Wolf Christian Zaum Dr. Daniel Zerbin Kay-Uwe Ziegler Diana Zimmer Jörg Zirwes Ulrich von Zons SPD Dr. Carolin Wagner BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN Dr. Alaa Alhamwi Tarek Al-Wazir Luise Amtsberg Ayse Asar Andreas Audretsch Lisa Badum Felix Banaszak Karl Bär Katharina Beck Lukas Benner Dr. Franziska Brantner Victoria Broßart Agnieszka Brugger Dr. Janosch Dahmen Dr. Sandra Detzer Jeanne Dillschneider Katharina Dröge Deborah Düring Timon Dzienus Harald Ebner Leon Eckert Marcel Emmerich Simone Fischer Schahina Gambir Matthias Gastel Dr. Jan-Niclas Gesenhues Katrin Göring-Eckardt Dr. Armin Grau Dr. Lena Gumnior Britta Haßelmann Linda Heitmann Dr. Moritz Heuberger Dr. Anton Hofreiter Julian Joswig Lamya Kaddor Dr. Kirsten Kappert-Gonther Michael Kellner Misbah Khan Chantal Kopf Ricarda Lang Sven Lehmann Steffi Lemke Rebecca Lenhard Helge Limburg Denise Loop Dr. Andrea Lübcke Max Lucks Dr. Anna Lührmann Dr. Zoe Mayer Swantje Henrike Michaelsen Boris Mijatović Claudia Müller Sascha Müller Sara Nanni Dr. Ophelia Nick Dr. Konstantin von Notz Omid Nouripour Karoline Otte Lisa Paus Dr. Paula Piechotta Filiz Polat Dr. Anja Reinalter Sylvia Rietenberg Claudia Roth Corinna Rüffer Dr. Sebastian Schäfer Ulle Schauws Stefan Schmidt Julia Schneider Marlene Schönberger Nyke Slawik Dr. Till Steffen Sandra Stein Hanna Steinmüller Kassem Taher Saleh Awet Tesfaiesus Katrin Uhlig Dr. Julia Verlinden Mayra Vriesema Niklas Wagener Robin Wagener Johannes Wagner Tina Winklmann Die Linke Doris Achelwilm Dr. Michael Arndt Dr. Dietmar Bartsch Desiree Becker Violetta Bock Jorrit Bosch Janina Böttger Anne-Mieke Bremer Maik Brückner Clara Bünger Jörg Cezanne Agnes Conrad Mirze Edis Mandy Eißing Dr. Fabian Fahl Katrin Fey Kathrin Gebel Katalin Gennburg Vinzenz Glaser Nicole Gohlke Christian Görke Luke Hoß Cem Ince Maren Kaminski Ferat Koçak Jan Köstering Ina Latendorf Sonja Lemke Tamara Mazzi Pascal Meiser Charlotte Antonia Neuhäuser Cansu Özdemir Sören Pellmann Heidi Reichinnek Lea Reisner Zada Salihović David Schliesing Evelyn Schötz Lisa Schubert Ines Schwerdtner Julia-Christina Stange Ulrich Thoden Aaron Valent Isabelle Vandre Donata Vogtschmidt Sarah Vollath Sascha Wagner Janine Wissler Enthalten SPD Jan Dieren Rasha Nasr Abgeordnete, die sich wegen gesetzlichen Mutterschutzes für ihre Abwesenheit entschuldigt haben oder an einer Parlamentarischen Versammlung teilnehmen, sind in der Liste der entschuldigten Abgeordneten (Anlage 1) aufgeführt. Jetzt rufe ich den nächsten Redner auf. Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat das Wort der Abgeordnete Julian Joswig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Julian Joswig (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD entdeckt auf einmal das Thema Rohstoffe, also genau die Partei, die am liebsten heute schon wieder Gas aus Russland kaufen würde. (Zuruf von der AfD: Rohstoffe: Ja!) Schon in der Einleitung Ihres Antrags wird klar: Sie beschäftigen sich wohl zum ersten Mal mit dem Thema Rohstoffe. Sie haben auch gar keinen Überblick, was es schon alles an Maßnahmen und Initiativen gibt. Es sind allen voran natürlich die Unternehmen selbst, die schauen, welche Rohstoffe sie besorgen, wie sie ihre Lieferketten stärken. Dabei kriegen sie Unterstützung: von Verbänden wie dem BDI, von der Deutschen Rohstoffagentur, der DERA, und natürlich auch von der Bundesregierung. Sie fordern im dritten Punkt Ihres Antrags einen ständigen Beauftragten für Rohstoffpolitik. Ich weiß nicht: Kennen Sie Stefan Rouenhoff? (Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU) Der sitzt da hinten im Plenum. Der ist in der Bundesregierung als Parlamentarischer Staatssekretär genau für das Thema Rohstoffpolitik zuständig. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der CDU/CSU) Herr Rouenhoff, ich weiß, Sie sind vielleicht nicht so bekannt wie die Ministerin Katherina Reiche oder die Kollegin Gitta Connemann. Das liegt vielleicht an der Anzahl der Schlagzeilen. Aber ich denke, Sie geben sich sicherlich größte Mühe und machen einen guten Job. Denn Sie können auf die gute Arbeit der Vorgängerregierung aufbauen, allen voran auf die Arbeit von Franziska Brantner als Parlamentarische Staatssekretärin und Beauftragte für Rohstoffe. Ja, es war das von Robert Habeck geführte BMWK, das Wirtschaftsministerium, das seinerzeit mit der Europäischen Union den Critical Raw Materials Act verhandelt hat. Das war und ist ein Meilenstein für die europäische Rohstoffpolitik; denn natürlich müssen wir hier gemeinsam und europäisch handeln, meine Damen und Herren. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Ellen Demuth [CDU/CSU]) Das BMWK hat außerdem einen Rohstofffonds bei der KfW aufgesetzt, damit auch heimische Rohstoffprojekte realisiert werden können. Davon profitiert beispielsweise das Unternehmen Vulcan Energy, das im Oberrheingraben mittels Geothermie nicht nur Strom und Wärme gewinnt, sondern auch wertvolle Materialien für die Batterieherstellung. Genau so muss Rohstoffpolitik gestaltet werden. Dafür haben wir als Grüne die Grundlage in der Bundesregierung gelegt, meine Damen und Herren. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Auch zum geforderten Risikomanagement muss man sagen: Das gibt es doch schon längst. Rufen Sie mal an bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Diese kann Ihnen eine richtig schöne Analyse herstellen zum Thema „Risiken bei Rohstoffen aus Russland“. Dieses Thema haben Sie in Ihrem Antrag komplett ausgelassen. Vielleicht war das gar nicht unabsichtlich. Denn geben Sie es doch zu: Am liebsten würden Sie sofort nach Moskau fliegen und mit Ihrem Freund im Kreml einen neuen Deal abschließen. Das ist das wahre Gesicht der sogenannten Alternative. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ich habe im Gegensatz zu Ihnen erst gestern wieder mit einer ganzen Reihe von Industrieunternehmen und auch mit der Rohstoffagentur DERA über Souveränität bei kritischen Rohstoffen geredet. Offensichtlich spricht die AfD ja gar nicht mit der Wirtschaft. Deshalb möchte ich Ihnen sagen: Die Unternehmen interessieren Ihre banalen Forderungen nicht. Statt Ihres schwachen Antrags braucht es Folgendes: Erstens. Es gibt ein großes Potenzial – Kollege Wiener hat es gesagt – nicht nur in der Beschaffung von Primärrohstoffen, sondern gerade auch in der Kreislaufwirtschaft. Wer Resilienz will, muss Recyclingkapazitäten und Rezyklatmärkte aufbauen. Zweitens. Wir brauchen Diversifizierung. Aber wir wollen auch faire Partnerschaften. Wir wollen keine Ausbeutung wie in Zeiten von Kaiser Wilhelm – davon träumt vielleicht die AfD –, sondern wir wollen Partnerschaften auf Augenhöhe mit Wertschöpfung vor Ort. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Drittens. Wir müssen auch die europäischen Verarbeitungskapazitäten stärken. Denn der Engpass liegt eben nicht nur im Erz, sondern auch bei der Raffination zwischen Produkten und Komponenten wie Magneten. Aber all das findet man im Antrag der AfD nicht. Man sucht danach völlig vergeblich, meine Damen und Herren. Der vorliegende Antrag verstrickt sich in Widersprüche und verkennt die Realität; aber das überrascht kein bisschen. Einer der Antragsteller ist ja nicht mal hier anwesend. Das ist der Teilzeitspitzenkandidat in Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, der ohne Ausbildung, ohne Studium, ohne jegliche Berufserfahrung jetzt plötzlich Rohstoffexperte sein will. (Zuruf von der AfD) Allerdings ist er von guter Wirtschaftspolitik so weit entfernt wie die Deutsche Bahn von Pünktlichkeit. Da hilft es auch nicht, wenn man für die Familie, für die eigene Frau Jobs im Bundestag organisiert und den Autokraten nacheifert. (Zurufe von der AfD) Der Antrag ist und bleibt so schlecht wie die ganze Politik der AfD. Sie arbeitet gegen deutsche Interessen, gegen die Interessen der Wirtschaft und der hart arbeitenden Menschen in diesem Land. Deshalb lehnen wir ihn ab. Herzlichen Dank. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie des Abg. Sebastian Roloff [SPD]) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Für die SPD-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Sebastian Roloff. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Sebastian Roloff (SPD): Vielen Dank. – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich bekanntermaßen immer, wenn wir hier im Haus über Rohstoffpolitik sprechen. Diese Begeisterung teilen nicht immer alle, aber heute angenehm viele. Das ist doch schon mal ein Fortschritt. Ich habe dahin gehend gute Nachrichten, als dass wir beim Antrag der AfD immerhin eine kleine Lernkurve feststellen können. Im letzten Antrag hieß es sogar im Titel noch, man setze auf „marktbasierte Resilienz“. Jetzt sind wir immerhin schon dabei, dass die Politik Rohstoffversorgung zur Priorität machen soll. Das geht in die richtige Richtung. Jetzt dämmert es langsam auch den Letzten, dass Ordnungspolitik bei der Rohstoffversorgung nicht wirklich weiterhilft. Diese Erkenntnis ist eigentlich schon relativ weit verbreitet, insbesondere wenn man es aus der Perspektive Deutschlands betrachtet. Deutschland ist kein rohstoffarmes Land, aber uns fehlen für einige Zukunftstechnologien essenzielle wichtige Rohstoffe. Trotz einer ausgeprägten Effizienz – da müssen wir natürlich noch besser werden; aber bei der Rohstoffverarbeitung haben wir Fortschritte gemacht – und trotz mehr Recycling – da gilt dasselbe – werden wir Rohstoffe und Vorprodukte auf absehbare Zeit weiter importieren müssen. Deswegen ist es gut und richtig, Rohstoff auch als Teil von Außenpolitik mitzudenken. Für unsere sichere Versorgung mit Rohstoffen ist es deswegen schädlich, wenn es in diesem Land auf der rechten Seite Kräfte gibt, die immer deutlich machen, wie sehr sie Kulturen und insbesondere Menschen aus anderen Ländern verachten, aber dann sagen: Eure Rohstoffe würden wir nehmen. – Das funktioniert natürlich nicht, und dementsprechend werden wir da weiter klare Kante zeigen. (Beifall bei Abgeordneten der SPD) Mit Blick auf unsere weltweiten Wettbewerber müssen wir unsere Rohstoffpolitik im Rahmen von Handels- und Rohstoffpartnerschaften auf Augenhöhe ausweiten und müssen das natürlich immer mitdenken. Das haben wir auch im Koalitionsvertrag vereinbart. Und wir müssen in Deutschland unsere Hausaufgaben vor Ort machen bezüglich bei uns gewinnbarer kritischer Rohstoffe und gerade auch deren Weiterverarbeitung. (Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU) Ich werde in diesen Debatten nicht müde, darauf hinzuweisen, dass wir in Deutschland auch die Rohstoffe im Blick haben müssen, die nicht klassisch als kritisch eingestuft sind, aber zum Beispiel für unsere Energiewende oder die Sanierung unserer Infrastruktur mindestens genauso wichtig sind. Ich begrüße sehr, dass sich das BMWE diese Woche mit Vertretern der heimischen Rohstoffindustrie getroffen hat. Auch hier brauchen wir zeitnah die Umsetzung der Maßnahmen im Koalitionsvertrag und weitere Unterstützung. Wir haben bei den kritischen Rohstoffen vereinbart, die Bezüge zu diversifizieren. Das ist angesichts der aktuellen handels- und weltpolitischen Entwicklungen zunehmend eine Herausforderung. Wir sind uns aber sicher, dass der Rohstofffonds, der mittlerweile in Vollzug ist – ich darf hinzufügen: endlich – und zum Beispiel die neu eingesetzte Chinakommission da helfen werden. (Johannes Volkmann [CDU/CSU]: Sehr richtig!) Ich begrüße ganz ausdrücklich, dass die EU-Kommission den Critical Raw Materials Act jetzt mit dem Aktionsplan RESourceEU unterfüttert. Damit stehen noch mal mehrere Milliarden Euro der Europäischen Investitionsbank für Rohstoffprojekte und zum Beispiel den Aufbau einer eigenen europäischen Batterieindustrie zur Verfügung. Das ist genau der richtige Weg, den wir unterstützen müssen. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Ein wichtiger Hebel bleibt der Schutz vor ruinösem Preiswettbewerb, wenn man eine eigene europäische Rohstoffindustrie aufbauen möchte. Ich hatte hier in meiner letzten Rede zu dem Thema staatliche Abnahmeverträge ins Gespräch gebracht. Man könnte auch diskutieren, ob wir mit Mindestpreisen Fortschritte machen. Anfang Februar haben die USA, Japan und die EU eine entsprechende Zusammenarbeit verkündet. Ich hoffe, dass die trägt. Rohstoffpolitik muss staatlich begleitet werden. Dafür gibt es eine Reihe von Beispielen. Der Antrag hilft uns nicht weiter. Das Thema bleibt aber wichtig. Deswegen bleiben wir dran. Vielen Dank. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Für die Fraktion Die Linke hat jetzt das Wort die Abgeordnete Charlotte Antonia Neuhäuser. (Beifall bei der Linken) Charlotte Antonia Neuhäuser (Die Linke): Frau Präsidentin! Abgeordnete! Die AfD will heute über Rohstoffpolitik reden. Ich möchte mal ganz deutlich sagen: Dieser Antrag ist ein einziger dystopischer Rohstofffiebertraum. Dystopisch darum, weil Menschen in diesem braunen Rohstoffrausch absolut keine Rolle spielen. Das hier ist ein Antrag, der die Menschenrechte weltweit einfach in die Tonne tritt. Das Wort „Mensch“ taucht kein einziges Mal auf, kein einziges Mal das Wort „Bevölkerung“ und kein einziges Mal das Wort „Betroffene“. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Dieser Antrag unterscheidet sich übrigens inhaltlich auch kaum davon, was Kreise der Union fordern. Sie sagen Rohstoffpolitik, meinen aber ungehinderten Zugang zu und rücksichtslosen Abbau von Rohstoffen. (Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD]) Sie sagen Rohstoffpolitik, meinen aber Machterhalt in einer ungerechten Weltwirtschaft. Sie sagen Rohstoffpolitik, meinen aber Ausbeutung von Mensch und Natur. Wie aber den Menschen im Globalen Süden, wo der Großteil der Rohstoffe herkommt, ein gutes Leben ermöglicht werden kann, wie diese Menschen vom Ressourcenreichtum nachhaltig profitieren können, dafür interessieren Sie sich nicht, weder Sie von der AfD noch von der Union. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Stattdessen sind die Menschen den Rohstoffkonzernen schutzlos ausgeliefert. Das Lieferkettengesetz war für die Menschen im Globalen Süden die einzige Möglichkeit, sich gegen die Macht von Bergbaukonzernen und Unternehmen zu wehren. Dieses Lieferkettengesetz hat die CDU/CSU in Brüssel jetzt fast komplett weggebolzt. Möglich war das nur, weil die Union die Mehrheit dafür mit Europas Rechtsextremen organisiert hat. Damit steht fest: Die neue europäische und deutsche Strategie für mehr Außenwirtschaft und einfachen Rohstoffzugang wird vielen Menschen im Globalen Süden das Leben noch schwerer machen. Denn ohne Schutzmechanismen, die auch einklagbar sind, werden Menschenrechte, gute Arbeitsbedingungen und Umweltstandards zu einem Nebensatz. Da dürfen wir nicht wegschauen. Das dürfen wir nicht hinnehmen. (Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN) Machen wir uns nichts vor: Der Kampf um Rohstoffe führt zu Krieg und Krisen. Sie müssen doch auch längst mitgeschnitten haben, dass rohstoffreiche Länder wie Sudan und Kongo durch Kriege und Konflikte erschüttert und zerstört werden und zu den fragilsten und ärmsten Ländern dieser Welt zählen. Wie erklären Sie sich bitte, dass die Menschen, die sich in den Minen im Kongo kaputtschuften, pro Woche nur 25 Dollar verdienen? Sollte eine Partnerschaft auf Augenhöhe, wie Sie das immer sagen, nicht dafür sorgen, dass die Menschen eine Möglichkeit haben, sich selbst von den Ketten der andauernden kolonialen Ausbeutung zu befreien? Wir finden: Gerade diese Menschen haben ein Leben in Würde verdient. (Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Durch den systematischen Rohstoffklau von heute hat der alte Kolonialismus des Nordens ein neues Gesicht bekommen. Die Folgen jedoch sind heute fast dieselben. Neokolonialismus ist heute nicht mehr das gewaltsame Einfallen in andere Länder, die Versklavung der Bevölkerung und Unterdrückung. Heute erleben wir unfaire Handelsabkommen, neue Abhängigkeiten, Rechtlosigkeit und Raubbau an den Menschen und ihrer Heimat vor Ort. Wirtschaft muss doch mehr sein als nur Transaktion, Wachstum und Profit. Wirtschaft muss doch alle miteinschließen, vor allem diejenigen, die den Wohlstand überhaupt erst möglich machen. Ökonominnen und Ökonomen weltweit haben das längst verstanden; aber die Konservativen und die Rechten verschließen Augen und Ohren vor dieser Realität. Die Wissenschaft sagt übrigens auch: Es gibt kein endloses Wachstum in einem endlichen System mit endlichen Rohstoffen. Wir haben die planetarischen Grenzen längst erreicht. Immer mehr Wachstum ist einfach nicht möglich, ohne irreparable Schäden in Kauf zu nehmen. (Beifall bei der Linken) Ich weiß nicht, wie oft Ihnen das noch gesagt werden muss, bis Sie es verstehen. (Dr. Klaus Wiener [CDU/CSU]: Wirtschaftliche Entwicklung ist nicht so Ihr Thema, ne?) Wenn die USA der internationalen Zusammenarbeit den Rücken kehren, sollten wir nicht blind folgen. Wir sollten den Ländern im Globalen Süden die Möglichkeit geben, sich loszulösen. Mit dem Argument „Wenn wir es nicht machen, macht es jemand anders schlechter“ dürfen wir dem Globalen Süden doch gar nicht kommen. Dass die EU einzig und allein auf der Welt für Menschenrechte und ökologische Standards steht, stimmt so einfach nicht, und das nimmt uns auch keiner ab. Die EU ist keine moralische Instanz – nicht mit ihrer kolonialen Geschichte, nicht wenn wir Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen, wenn wir Familien, Kinder und Babys abschieben, wenn wir Waffen liefern in alle Welt, wenn wir Fluchtursachen schaffen, wenn wir uns die Rohstoffe aneignen, nur weil Europa und Deutschland davon wirtschaftlich profitieren. (Beifall bei der Linken) Sudan hat Gold, Kongo Kobalt, Bolivien Lithium, Brasilien Eisenerz, Irak Öl, die Philippinen und Indonesien Nickel, die Ukraine seltene Erden. Grönland besitzt 25 der 34 von der EU als strategisch wichtig eingestuften Rohstoffe. Und jeden Tag wird doch deutlicher, dass Macht- und Verteilungskämpfe über den Zugang zu Rohstoffen ausgetragen werden und immer weiter eskalieren. Die Menschen in diesem Land erwarten und verdienen Transparenz, Transparenz darüber, wo die Mineralien und Rohstoffe herkommen, welche Kinderhände das Kobalt und Coltan für unsere Handybatterien aus der Erde gekratzt haben, welche Körper verseucht und vergiftet wurden für das Kupfer in unseren Staubsaugrobotern und Fitnesstrackern. (Jan Feser [AfD]: Nutzen Sie auch ein Handy?) Rohstoffausbeutung ist kein Einzelfall. Sie hat System, und das seit Jahrzehnten. Dieses System ist darauf angewiesen, dass es Menschen gibt, die ausgebeutet werden, die absichtlich in Armut gedrückt und gehalten werden. Und die AfD will genau das. Wir lehnen diesen menschenfeindlichen Antrag ab. (Beifall bei der Linken – Lachen des Abg. Dr. Alexander Wolf [AfD]) Zum Schluss. Eine Menschenrechtlerin von den Philippinen hat mir diese Woche gesagt – ich möchte es heute denjenigen mitgeben, die denselben Kampf kämpfen –: Es ist gut, dass wir wütend sind. Aber wir müssen noch wütender werden. (Beifall bei der Linken) Vizepräsidentin Josephine Ortleb: Für die CDU/CSU-Fraktion hat jetzt das Wort der Abgeordnete Johannes Volkmann. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD) Johannes Volkmann (CDU/CSU): Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Präsidentin! Liebe Kollegin Neuhäuser, 1990 lebten 38 Prozent der Menschen auf der Welt in extremer Armut. Heute sind es weit unter 10 Prozent. Es ist nicht Ihr Sozialismus, sondern unsere Marktwirtschaft (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na ja!) und der offene Handel – auch mit Rohstoffen –, der Menschen aus extremer Armut befreit hat, und daran sollten wir weiter arbeiten. (Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Na ja!) Rohstoffversorgung und Rohstoffsicherheit sind für Deutschland existenziell wichtige Themen. Gerade in einer Zeit, in der wirtschaftliche Abgängigkeiten als Mittel der Erpressung genutzt werden, ist es wichtig, dass wir unabhängiger werden und Risiken abbauen. Die Kernfrage ist: Haben wir aus den Erpressungen durch Russland mit Pipelinegas gelernt? Heute sind wir in vielen Branchen auf ähnliche Art verwundbar. Gerade unsere Abhängigkeiten von China sowohl bei Rohstoffen als auch bei Verarbeitungskapazitäten rufen zum Handeln auf. Über 95 Prozent der Verarbeitungskapazitäten für Gallium, Graphit und Mangan sind in China. Das gilt auch für viele andere seltene Erden wie Scandium, Terbium oder Lutetium. Eine Unterbrechung dieser Lieferketten hätte existenzielle Auswirkungen auf die deutsche Industrie, vor allem auch, weil China im Zuge von Exportkontrollen Ausfuhrgenehmigungen so knapp bemisst, dass eine Lagerhaltung dieser kritischen Rohstoffe kaum möglich ist. Die Zeit ist knapp. Im Herbst läuft das Busan-Abkommen zwischen den USA und China aus, das derzeit noch ein Restmaß an Lieferstabilität schafft. Umso wichtiger ist es, dass wir die wenigen Monate nutzen, um uns diesem Problem zügig zu stellen. Deshalb ist es so wichtig, dass unser Außenminister überall auf der Welt für neue Rohstoffpartnerschaften wirbt, zuletzt in Australien und Indonesien. Vielen Dank, Jo Wadephul, für Ihren Einsatz! (Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD]) Das bringt mich zum Antrag der Kolleginnen und Kollegen von der AfD. (Beatrix von Storch [AfD]: Zu dem exzellenten Antrag! Ich bin gespannt, was Sie gleich sagen!) Der Antrag ist echt dünn. (Beatrix von Storch [AfD]: Ah! Mensch!) Sie haben sechs Punkte formuliert. Sie fordern irgendetwas mit ministeriellen Zuständigkeiten und zusätzlichen Berichten. Sie fordern einen neuen Beauftragten, den es eigentlich schon gibt, einen ständigen Tagesordnungspunkt in einem Gremium, das sich damit schon befasst, und eine aktive Rolle in einer Organisation, in der wir schon Mitglied sind. Keine Vorschläge zum Rohstofffonds und der bestehenden Projektförderung der Bundesregierung. Kein Wort zum Thema Kreislaufwirtschaft und darüber, welche Schritte wir unternehmen, um die im Land befindlichen Rohstoffe wiederzuverwerten. Stattdessen konstruieren Sie einen Zielkonflikt zum Klimaschutz, der nicht wirklich existiert. Jedes Windkraftrad braucht Permanentmagnete. Insofern weiß ich jetzt nicht, ob Ihr Vorschlag hier Ausdruck von Degrowth ist. Es findet sich kein kritisches Wort zur Erpressung durch China. Stattdessen die übliche unterwürfige Lyrik gegenüber BRICS. (Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau, das stimmt!) Keine Erwähnung von Referenzpunkten wie JOGMEC in Japan. Der europäische Be

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