Protokoll der 31. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Text
Protokoll der 31. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages
Plenarprotokoll 21/31
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
31. Sitzung
Berlin, Donnerstag, den 9. Oktober 2025
Inhalt:
Glückwunsch zum Geburtstag des Abgeordneten Dr. Jan-Marco Luczak
Änderung der Tagesordnung
Absetzung des Tagesordnungspunktes 33
Erweiterung der Tagesordnung
Tagesordnungspunkt 7:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz)
Drucksache 21/1848
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS-Anpassungsfolgegesetz)
Drucksache 21/1850
Alexander Dobrindt, Bundesminister BMI
Dr. Bernd Baumann (AfD)
Natalie Pawlik, Staatsministerin BMAS
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Clara Bünger (Die Linke)
Alexander Throm (CDU/CSU)
Sonja Eichwede (SPD)
Nicole Gohlke (Die Linke)
Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Detlef Seif (CDU/CSU)
Clara Bünger (Die Linke)
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Hakan Demir (SPD)
Zusatzpunkt 2:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Helge Limburg, Nyke Slawik, Dr. Till Steffen, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes (Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 – Einfügung des Merkmals sexuelle Identität)
Drucksache 21/2027
Nyke Slawik (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Martin Plum (CDU/CSU)
Fabian Jacobi (AfD)
Carmen Wegge (SPD)
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Maik Brückner (Die Linke)
Ansgar Heveling (CDU/CSU)
Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Stephan Brandner (AfD)
Hakan Demir (SPD)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Christian Moser (CDU/CSU)
Ulrich von Zons (AfD)
Helge Lindh (SPD)
Adam Balten (AfD)
Beatrix von Storch (AfD)
Tijen Ataoğlu (CDU/CSU)
Stefan Seidler (fraktionslos)
Dr. David Preisendanz (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 9:
a) – Zweite und dritte Beratung des von den Fraktionen der CDU/CSU und SPD eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung
Drucksache 21/781(neu)
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung
Drucksachen 21/1084, 21/2109
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/2110
b) – Beschlussempfehlung und Bericht des Ausschusses für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen zu dem Antrag der Abgeordneten Katalin Gennburg, Luigi Pantisano, Marcel Bauer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: Bauwende jetzt – Stadtumbau sozial, demokratisch und nachhaltig planen und gestalten
Drucksachen 21/1753, 21/2109
Verena Hubertz, Bundesministerin BMWSB
Marc Bernhard (AfD)
Dr. Jan-Marco Luczak (CDU/CSU)
Kassem Taher Saleh (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Katalin Gennburg (Die Linke)
Esra Limbacher (SPD)
Volker Scheurell (AfD)
Michael Kießling (CDU/CSU)
Katalin Gennburg (Die Linke)
Sylvia Rietenberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Philipp Rottwilm (SPD)
Caren Lay (Die Linke)
Bastian Treuheit (AfD)
Klaus Mack (CDU/CSU)
Olaf Hilmer (AfD)
Wilhelm Gebhard (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 10:
Antrag der Abgeordneten Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Die Migrationswende hinsichtlich Syriens umsetzen – Die weitere Aufnahme stoppen und die Rückkehr vorantreiben
Drucksache 21/2029
Dr. Gottfried Curio (AfD)
Detlef Seif (CDU/CSU)
Lamya Kaddor (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Rasha Nasr (SPD)
Clara Bünger (Die Linke)
Frederik Bouffier (CDU/CSU)
Arne Raue (AfD)
Helge Lindh (SPD)
Luise Amtsberg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
David Gregosz (CDU/CSU)
Dr. Christian Wirth (AfD)
Siegfried Walch (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 39:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes 2025 (FAG-Änderungsgesetz 2025)
Drucksache 21/1892
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Überleitung öffentlicher Aufgaben bei Umwandlungsmaßnahmen der Deutsche Post AG sowie zur Änderung weiterer Vorschriften
Drucksache 21/1893
c) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung nationaler Rechtsvorschriften an die europäische Systematik der Wirtschaftszweige NACE Revision 2.1
Drucksache 21/1864
d) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Feststellung des Wirtschaftsplans des ERP-Sondervermögens für das Jahr 2026 (ERP-Wirtschaftsplangesetz 2026 – ERPWiPlanG 2026)
Drucksache 21/1899
e) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Protokoll vom 14. April 2025 zur Änderung des Abkommens vom 12. April 2012 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung der Steuerverkürzung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen in der durch das Protokoll vom 11. Januar 2016 sowie das Protokoll vom 24. März 2021 geänderten Fassung
Drucksache 21/1903
f) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Protokoll vom 21. August 2023 zur Änderung des Abkommens vom 11. August 1971 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und vom Vermögen in der Fassung des Änderungsprotokolls vom 27. Oktober 2010
Drucksache 21/1902
g) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Abkommen vom 30. Januar 2025 zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung über den Sitz der Behörde zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung
Drucksache 21/1901
h) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2226
Drucksache 21/1937
i) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Aufhebung der Freizone Cuxhaven und zur Änderung weiterer Vorschriften
Drucksache 21/1975
j) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des Mindeststeuergesetzes und zur Umsetzung weiterer Maßnahmen
Drucksache 21/1865
k) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu dem Fortgeschrittenen Rahmenabkommen vom 13. Dezember 2023 zwischen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Republik Chile andererseits
Drucksache 21/1867
l) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Agrarstatistikgesetzes und des Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetzes
Drucksache 21/1890
m) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes und des Apothekengesetzes
Drucksache 21/1938
n) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des Bauproduktengesetzes und weiterer Rechtsvorschriften an die Verordnung (EU) 2024/3110 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für die Vermarktung von Bauprodukten
Drucksache 21/1904
o) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Vierten Gesetzes zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften
Drucksache 21/1861
p) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften
Drucksache 21/1862
q) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zu den Änderungen der Anlagen I und III der Vereinbarung vom 25. November 1986 über die Bereitstellung und den Betrieb von Flugsicherungseinrichtungen und -diensten durch EUROCONTROL in der Bezirkskontrollzentrale Maastricht
Drucksache 21/1894
r) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Zuständigkeitsstreitwerts der Amtsgerichte, zum Ausbau der Spezialisierung der Justiz in Zivilsachen sowie zur Änderung weiterer prozessualer Regelungen
Drucksache 21/1849
s) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur effektiveren Ahndung und Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit explosionsgefährlichen Stoffen
Drucksache 21/1933
t) Antrag der Abgeordneten Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen
Drucksache 21/2040
u) Antrag der Abgeordneten Lars Schieske, Jörn König, Thomas Korell, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Deutsche Bewerbung für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2038 auf den Weg bringen
Drucksache 21/2041
v) Antrag der Abgeordneten Dr. Armin Grau, Dr. Janosch Dahmen, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Medizinische Versorgungszentren reformieren
Drucksache 21/1667
w) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2022/2464 hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen in der durch die Richtlinie (EU) 2025/794 geänderten Fassung
Drucksache 21/1857
y) Antrag der Abgeordneten Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Bewährte Praxis im Weinbau erhalten – Backpulver wieder als Grundstoff im Pflanzenschutz zulassen
Drucksache 21/2042
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 3:
a) Antrag der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Martin Erwin Renner, Ronald Gläser, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: 35 Jahre Deutsche Einheit – Den 9. November aufgrund des Mauerfalls 1989 zum nationalen Feiertag erheben
Drucksache 21/2043
b) Antrag der Abgeordneten Dr. Andrea Lübcke, Ayse Asar, Claudia Müller, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Schlüsselressource Forschungsdaten – Forschungsdatengesetz jetzt vorlegen
Drucksache 21/2044
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 4:
b) Antrag der Abgeordneten Jeanne Dillschneider, Dr. Konstantin von Notz, Denise Loop, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung von Vorschriften zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern KOM(2022) 209 endg. Ratsdok. 9068/22; SEK(2022) 209 endg.; SWD(2022) 209 endg.; 2022/0155 (COD); SWD(2022) 210 endg. – hier: Stellungnahme gegenüber der Bundesregierung gemäß Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes Überwachung privater Kommunikation verhindern – Kinder und Jugendliche online besser schützen
Drucksache 21/2045
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 4:
c) Antrag der Abgeordneten Donata Vogtschmidt, Clara Bünger, Dr. Michael Arndt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung von Vorschriften zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern KOM(2022) 209 endg.; Ratsdok. 9068/22 – hier: Stellungnahme gegenüber der Bundesregierung gemäß Artikel 23 Absatz 3 des Grundgesetzes
Drucksache 21/2046
Tagesordnungspunkt 40:
a)–j) Beratung der Beschlussempfehlung des Petitionsausschusses: Sammelübersichten 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50 und 51 zu Petitionen
Drucksachen 21/1802, 21/1803, 21/1804, 21/1805, 21/1806, 21/1807, 21/1808, 21/1809, 21/1810, 21/1811
in Verbindung mit
Zusatzpunkt 4:
a) Beratung der ersten Beschlussempfehlung des Wahlprüfungsausschusses: zu Einsprüchen anlässlich der Wahl zum 21. Deutschen Bundestag am 23. Februar 2025
Drucksache 21/1500
Tagesordnungspunkt 11:
a) Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Einsetzung eines Gremiums gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes
Drucksache 21/1788
b) Wahlvorschläge der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD, der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Fraktion Die Linke: Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes
Drucksachen 21/2049, 21/2050, 21/2051
c) Antrag der Fraktionen der CDU/CSU und SPD: Einsetzung eines Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes
Drucksache 21/1789
d) Wahlvorschläge der Fraktion der CDU/CSU, der Fraktion der AfD, der Fraktion der SPD, der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Fraktion Die Linke: Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes
Drucksachen 21/2052, 21/2053, 21/2054, 21/2055, 21/2056
Zusatzpunkt 5:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der AfD: Deutsches Nein zur EU-Chatkontrolle
Ruben Rupp (AfD)
Johannes Rothenberger (CDU/CSU)
Jeanne Dillschneider (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Johannes Schätzl (SPD)
Donata Vogtschmidt (Die Linke)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Fabian Jacobi (AfD)
Carmen Wegge (SPD)
Rebecca Lenhard (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Tijen Ataoğlu (CDU/CSU)
Pierre Lamely (AfD)
Dr. Katja Strauss-Köster (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 12:
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über die Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung
Drucksachen 21/1493, 21/1940, 21/2090
– Bericht des Haushaltsausschusses gemäß § 96 der Geschäftsordnung
Drucksache 21/2091
Astrid Timmermann-Fechter (CDU/CSU)
Birgit Bessin (AfD)
Sabine Dittmar (SPD)
Simone Fischer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Julia-Christina Stange (Die Linke)
Anne Janssen (CDU/CSU)
Christian Zaum (AfD)
Claudia Moll (SPD)
Emmi Zeulner (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 13:
Antrag der Abgeordneten Mandy Eißing, Zada Salihović, Ina Latendorf, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke: 35 Jahre Deutsche Einheit – Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost wie West jetzt umsetzen
Drucksache 21/2031
Sören Pellmann (Die Linke)
Michael Hose (CDU/CSU)
Mathias Weiser (AfD)
Maja Wallstein (SPD)
Karoline Otte (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nora Seitz (CDU/CSU)
Diana Zimmer (AfD)
Martin Rabanus (SPD)
Lars Rohwer (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 36:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
Drucksache 21/1934
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr
Drucksache 21/1931
Gitta Connemann, Parl. Staatssekretärin BMWE
Enrico Komning (AfD)
Mahmut Özdemir (Duisburg) (SPD)
Sara Nanni (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Janine Wissler (Die Linke)
Günter Baumgartner (CDU/CSU)
Boris Pistorius, Bundesminister BMVg
Dr. Florian Dorn (CDU/CSU)
Niklas Wagener (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Boris Pistorius, Bundesminister BMVg
Tagesordnungspunkt 15:
Antrag der Abgeordneten Jörn König, Thomas Korell, Lars Schieske, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Bundesweite Sanierung von Sportstätten muss zeitnah durchgeführt werden
Drucksache 21/2032
Lars Schieske (AfD)
Fritz Güntzler (CDU/CSU)
Tina Winklmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Bettina Lugk (SPD)
Christian Görke (Die Linke)
Artur Auernhammer (CDU/CSU)
Jörn König (AfD)
Artur Auernhammer (CDU/CSU)
Thomas Korell (AfD)
Aydan Özoğuz (SPD)
Tagesordnungspunkt 14:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge
Drucksache 21/1851
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes über den Zugang zu Schuldnerberatungsdiensten für Verbraucher (Schuldnerberatungsdienstegesetz – SchuBerDG)
Drucksache 21/1847
Dr. Stefanie Hubig, Bundesministerin BMJV
Stefan Möller (AfD)
Maja Wallstein (SPD)
Sebastian Steineke (CDU/CSU)
Stefan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Christin Willnat (Die Linke)
Dr. Konrad Körner (CDU/CSU)
Nadine Heselhaus (SPD)
Johannes Wiegelmann (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 17:
Antrag der Abgeordneten Birgit Bessin, Martin Reichardt, Sebastian Maack, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Dem deutschen Volke – Unsere Zukunft gestalten und durch geeignete Familienpolitik sichern
Drucksache 21/2034
Birgit Bessin (AfD)
Maik Brückner (Die Linke)
Anne König (CDU/CSU)
Dr. Anja Reinalter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Jasmina Hostert (SPD)
Mandy Eißing (Die Linke)
Ralph Edelhäußer (CDU/CSU)
Sebastian Maack (AfD)
Maik Brückner (Die Linke)
Truels Reichardt (SPD)
Tagesordnungspunkt 16:
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Ausführung von Artikel 109 Absatz 3 Satz 6 und Satz 7 des Grundgesetzes und zur Änderung anderer Gesetze
Drucksache 21/1087, 21/2107, 21/2105, 21/2106
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen (Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz – LuKIFG)
Drucksachen 21/1085, 21/2107, 21/2105, 21/2106
– Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Sanierungshilfengesetzes
Drucksachen 21/1503, 21/1891, 21/2107, 21/2105, 21/2106
Dr. Thorsten Rudolph (SPD)
Dr. Michael Espendiller (AfD)
Christian Haase (CDU/CSU)
Dr. Sebastian Schäfer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sascha Wagner (Die Linke)
Jürgen Coße (SPD)
Carsten Becker (AfD)
Klaus Mack (CDU/CSU)
Florian Oßner (CDU/CSU)
Zusatzpunkt 12:
Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zur Durchführung eines Vollstreckungsverfahrens
Drucksache 21/2122
Zusatzpunkt 13:
Beratung der Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung: Antrag auf Genehmigung zur Durchführung eines Strafverfahrens
Drucksache 21/2123
Tagesordnungspunkt 19:
Antrag der Abgeordneten Corinna Rüffer, Timon Dzienus, Leon Eckert, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Selbstbestimmung sichern und Teilhabe stärken – Die Fortschritte des Bundesteilhabegesetzes bewahren
Drucksache 21/1545
Corinna Rüffer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wilfried Oellers (CDU/CSU)
Jan Feser (AfD)
Heike Heubach (SPD) (Gebärdensprachdolmetschung)
Sören Pellmann (Die Linke)
Dr. Hülya Düber (CDU/CSU)
Angelika Glöckner (SPD)
Peter Aumer (CDU/CSU)
Tagesordnungspunkt 20:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Energiesteuer- und des Stromsteuergesetzes
Drucksache 21/1866
b) Antrag der Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt, Kay Gottschalk, Hauke Finger, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Bürger, Mittelstand und Industrie entlasten – Stromsteuer für alle dauerhaft auf europäisches Mindestmaß absenken
Drucksache 21/2086
Michael Thews (SPD)
Jan Wenzel Schmidt (AfD)
Dr. Florian Dorn (CDU/CSU)
Sascha Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Doris Achelwilm (Die Linke)
Dr. Stefan Korbach (CDU/CSU)
Georg Schroeter (AfD)
Tagesordnungspunkt 21:
Antrag der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD: Akute Not der gesetzlichen Krankenversicherung lindern – Vollständige Finanzierung der Beiträge für Bürgergeldempfänger durch den Bund gewährleisten
Drucksache 21/2036
Claudia Weiss (AfD)
Axel Müller (CDU/CSU)
Linda Heitmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Serdar Yüksel (SPD)
Ates Gürpinar (Die Linke)
Dr. Hans Theiss (CDU/CSU)
Joachim Bloch (AfD)
Tagesordnungspunkt 22:
Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr
Drucksache 21/1846
Boris Pistorius, Bundesminister BMVg
Kurt Kleinschmidt (AfD)
Thomas Silberhorn (CDU/CSU)
Dr. Konstantin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Zada Salihović (Die Linke)
Anlage 1
Entschuldigte Abgeordnete
Anlage 2
Zu Protokoll gegebene Rede zur Beratung
– des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge
– des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr
(Tagesordnungspunkt 36a und b)
Rüdiger Lucassen (AfD)
Der gesamte und damit endgültige Stenografische Bericht der 31. Sitzung wird am 14. Oktober 2025 veröffentlicht.
Präsidentin Julia Klöckner:
Guten Morgen, alle zusammen! Ich grüße Sie herzlich und eröffne hiermit die Sitzung.
Bevor wir in unsere Tagesordnung eintreten, möchte ich noch einem Geburtstagskind ganz herzlich gratulieren, nämlich unserem Kollegen Dr. Jan-Marco Luczak, der seinen 50. Geburtstag gefeiert hat. Alles Gute im Namen dieses Hauses!
(Beifall)
Auch so einen Geburtstag schafft man besser mit Applaus.
Ich komme nun zu unserer Tagesordnung. Interfraktionell wurde vereinbart, den Tagesordnungspunkt 36 bereits heute anstelle des Tagesordnungspunkts 14 aufzurufen. Die Tagesordnungspunkte 14 und 16 verschieben sich entsprechend nach hinten. Anstelle des Tagesordnungspunkts 36 soll am Freitag der Tagesordnungspunkt 18 aufgerufen werden. Tagesordnungspunkt 33 wird abgesetzt. Stattdessen soll ein Gesetzentwurf der Fraktion der AfD zur Änderung der Strafprozessordnung auf Drucksache 21/2085 in erster Lesung beraten werden. – Ich sehe und ich höre keinen Widerspruch. Dann ist das so beschlossen, und wir verfahren so.
Ich rufe jetzt auf die Tagesordnungspunkte 7a und 7b:
a) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz)
Drucksache 21/1848
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union Haushaltsausschuss gemäß § 96 der GO
b) Erste Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des AZRG und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS-Anpassungsfolgegesetz)
Drucksache 21/1850
Überweisungsvorschlag: Innenausschuss (f) Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union
Ich freue mich über große Freude auf der Regierungsbank. Guten Morgen!
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart.
Ich eröffne die Aussprache. Für die Bundesregierung hat Herr Bundesminister des Innern, Alexander Dobrindt, das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Alexander Dobrindt, Bundesminister des Innern:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben es in dieser Woche wieder sehr deutlich gemacht in Deutschland: Wir schärfen und wir härten die Migrationspolitik. Wir treiben sie voran. Wir haben die Grenzkontrollen intensiviert. Wir haben den Familiennachzug ausgesetzt. Wir haben den Stopp der Turboeinbürgerung gestern durchgesetzt. Wir stufen Herkunftsstaaten per Rechtsverordnung als sicher ein. Wir senden das klare Signal in die Welt: Die Migrationspolitik in Deutschland, sie hat sich grundlegend geändert. Unser Land darf kein Magnet mehr für illegale Migration sein. Wir ändern die Migrationspolitik.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dabei haben wir eines immer deutlich gemacht: Eine Wende in der Migrationspolitik hat zwei Säulen, nationale Maßnahmen und europäische Maßnahmen. Beides muss gleichzeitig kommen. Deswegen ist auch da unser klares Signal: Nicht nur die Migrationswende in Deutschland, auch die Migrationswende in Europa: Sie muss kommen. Dabei sind wir in Deutschland Vorbild; denn ganz Europa sieht, dass die Migrationswende wirkt. Die Zahlen in Deutschland bei der illegalen Migration gehen weiter zurück:
(Lachen des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD])
im August um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im September um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr. Das ist die notwendige Wende in Deutschland, und es muss die notwendige Wende für Europa sein, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Deutschland ist dabei nicht mehr der Bremser, sondern wir sind der Treiber der Migrationswende in Europa. Die Zahlen in Europa gehen auch zurück, allerdings deutlich langsamer als in Deutschland. Das hat schlichtweg damit zu tun, dass wir in Deutschland unsere Magnetwirkung reduzieren. Davon profitieren auch unsere europäischen Nachbarn. Deswegen ist auch klar, dass unsere europäischen Nachbarn keine Vorwürfe gegen uns formulieren, sondern – im Gegenteil – dass sie uns auffordern, noch mehr Geschwindigkeit an den Tag zu legen.
Ich hatte am letzten Wochenende zum Migrationstreffen nach München eingeladen, um deutlich zu machen, dass wir uns mit unseren europäischen Partnern vollkommen einig sind. Nach dem Gipfel auf der Zugspitze, jetzt das Migrationstreffen in München, weil wir Kurs halten wollen – Kurs halten beim Gemeinsamen Europäischen Asylsystem. Neben den Innenministern unserer Partnerländer war auch der EU-Innenkommissar Magnus Brunner mit dabei. Er hatte eine klare Botschaft mitgebracht, die da hieß: Deutschland ist Teil einer europäischen Lösung zur Reduzierung der illegalen Migration. Wir sind Teil einer Lösung und nicht mehr Problem, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ja, es bleibt natürlich, dass die illegale Migration ein europäisches, ein EU-Problem ist. Deswegen muss genau unser Motto „Kontrolle, Kurs und klare Kante“ auch für ganz Europa gelten. Daran arbeiten wir. Deswegen ist der Vorwurf, der immer mal wieder erhoben wird, wir gefährdeten mit unserer Politik die europäische Einigung, schlichtweg falsch. Nicht nur in Deutschland gilt das Motto „Humanität und Ordnung“; auch in Europa gilt das Motto „Humanität und Ordnung“. Aber Weltoffenheit und europäische Einigung kann man nur erhalten, wenn man Ordnung bei der Migration herstellt. Und das ist unser Auftrag.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Ich darf an der Stelle auch sagen, dass der Gesetzentwurf, den wir zum GEAS, zum Gemeinsamen Europäischen Asylsystem, heute in den Deutschen Bundestag einbringen, auch eine Vorarbeit in der vergangenen Legislaturperiode hatte. Nancy Faeser hat das für uns auf der europäischen Ebene mitverhandelt. Und ja, es geht darum, ein neues Gleichgewicht zu schaffen – ein Gleichgewicht aus Humanität, Solidarität und Ordnung. Humanität, Solidarität und Ordnung – das heißt nicht alle Lasten auf die Schultern von einem, sondern das heißt die Lasten gerecht in Europa verteilen, Migration steuern, Grenzen sichern, Europa schützen. Das ist eine Politik, die am Schluss wieder selber darüber entscheidet, wer nach Europa kommen kann und wer in Europa bleiben kann, und nicht die kriminellen Banden, Schlepper und Schleuser. Dagegen treten wir an mit dem GEAS-System.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dabei geht es um drei große Elemente, die GEAS vorsieht:
Das erste große Element ist, dass die Außengrenzen der Europäischen Union gesichert werden, dass Asylverfahren an den Außengrenzen durchgeführt werden.
Das Zweite ist, dass Dublin wieder funktionsfähig werden muss. Sekundärmigration muss unterbunden werden. Das heißt auch: Die Mitgliedstaaten müssen sich wieder an die Dublin-Regeln halten. Wer zuständig ist, muss seine Zuständigkeit auch erfüllen. Sekundärmigration muss unterbunden werden.
Dann wird die dritte große Säule wirksam: die Solidarität. Das heißt: Wir lassen die Länder an den Außengrenzen der Europäischen Union nicht allein. Wir sind solidarisch, wenn es darum geht, die Asylsysteme gemeinschaftlich zu schultern und Asylverfahren abzuarbeiten. Aber nur aus dem Paket aller drei Maßnahmen wird ein Gemeinsames Europäisches Asylsystem. Außengrenzen schützen, Dublin funktionsfähig machen, Solidarität zeigen, das ist unser Motto, wenn es um neue Migration geht.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Stabilität, Sicherheit, Solidarität in Europa – das muss gemeinsam gelten. Dazu müssen wir auch Maßnahmen ergreifen. Wir haben in unserem Gemeinsamen Europäischen Asylsystem, wie wir es heute hier vorstellen, auch vorgesehen, dass wir Sekundärmigrationszentren in Deutschland einrichten, die dafür sorgen, dass Menschen, für die wir nicht zuständig sind, aus diesen Sekundärmigrationszentren in die Länder zurückgeführt werden können, die in der Europäischen Union die Zuständigkeit haben. Dazu gehört, dass wir Wohnsitz- und Aufenthaltspflichten verhängen. Dazu gehört auch, dass es in diesen Sekundärmigrationszentren keine freie Möglichkeit gibt, einfach nach Deutschland auszureisen. Vielmehr gibt es die Möglichkeit, in das Land, das zuständig ist, auszureisen, aber nicht die, sich frei in Deutschland zu bewegen. Das sind zwingend notwendige Maßnahmen. Ja, es gibt ein Recht auf ein Asylverfahren in Europa. Aber es gibt kein Recht, sich ein Wunschland für das Asylverfahren in Europa auszusuchen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir sind zurzeit dabei, das europäische Asylsystem mit anderen Mitgliedstaaten zusammen weiter zu härten und zu schärfen. Ja, auch innovative Lösungen beispielsweise, wie es auf europäischer Ebene genannt wird, gehören natürlich dazu. Wir wollen sogenannte Return Hubs einführen. Das sind Rückkehrzentren für abgelehnte Asylbewerber, die wir nicht in ihre Heimatländer zurückschicken können. Aber wir können sie in heimatnahe Regionen zurückbringen. Dafür müssen wir Return Hubs einrichten. Ja, da gibt es eine Reihe juristischer Hürden; ich habe das am Wochenende noch mal benannt. Wir haben es intensiv mit den europäischen Kollegen in München beim Migrationstreffen diskutiert. Wir wollen, dass im neuen GEAS auch die notwendigen Möglichkeiten für Return Hubs geschaffen werden, dass wir die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen, Return Hubs einzurichten.
Der Wille zur Zusammenarbeit mit anderen europäischen Staaten ist da. Einige gehen jetzt voraus, beispielsweise die Niederlande mit Vereinbarungen mit Uganda. Wir müssen diesen Weg der innovativen Lösungen gehen. Wir brauchen Return Hubs, weil wir Lösungen finden müssen für Asylbewerber, die abgelehnt werden und nicht in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden können.
(Zuruf des Abg. Dr. Bernd Baumann [AfD])
Das darf nicht der Grund sein, warum man dann einfach in Deutschland bleibt. Es muss andere Lösungen geben, und deswegen gehen wir den Weg mit den Return Hubs.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ich will Ihnen auch den Hinweis geben: Wir haben in der vergangenen Woche technische Gespräche in Kabul in Afghanistan geführt.
(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Mitarbeiter des Innenministeriums waren in Kabul zu Gesprächen mit den Verantwortlichen in Afghanistan,
(Zuruf des Abg. Mirze Edis [Die Linke])
um darüber zu sprechen, ob wir regelmäßig auch nach Afghanistan abschieben können, nicht nur mit Charterflügen, sondern auch mit Linienflügen. Ich will Ihnen sagen: Diese Gespräche sind weit fortgeschritten,
(Zuruf der Abg. Nicole Gohlke [Die Linke])
und wir werden diesen Weg konsequent weitergehen. Straftäter haben in Deutschland nichts verloren. Wir werden sie regelmäßig nach Afghanistan abschieben, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Wir sind uns einig: Wir brauchen die nationalen Maßnahmen, und wir brauchen die europäischen Maßnahmen. Das Gemeinsame Europäische Asylsystem ist die Grundlage, um die Migrationswende in Europa durchzusetzen. Aber es muss nach unserem Motto, das auch in Europa geteilt wird, gehen: Kontrolle, Kurs und klare Kante. – Das ist der Weg zur Asylwende.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat nun das Wort der Abgeordnete Herr Dr. Bernd Baumann.
(Beifall bei der AfD)
Dr. Bernd Baumann (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Heute geht es um das zentrale Problem dieses Landes: die massenhafte illegale Einwanderung aus fremden Kulturen mit weitenteils furchtbaren Konsequenzen. Denn allzu viele – es ist so – plündern unseren Sozialstaat; die meisten leben von Bürgergeld und Sozialleistungen. Allzu viele überziehen unser Land mit furchtbarer Gewalt – mit schrecklichen Morden, Messerattacken, Vergewaltigungen –, massenhaft. Jeden Tag ist das so. Daher die Angst in deutschen Bussen und Bahnen, die Angst auf Volksfesten und Veranstaltungen, die Angst in Schwimmbädern und Schulen. Dazu die Machtdemonstrationen:
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
Zehntausende Deutschlandhasser und Judenhasser auf unseren Straßen. Die Deutschen haben die Nase voll. Die überwiegende Mehrheit fühlt sich zu Recht bedroht, überfremdet im eigenen Land und betrogen von SPD und CDU, die das alles angerichtet haben.
(Beifall bei der AfD)
Heute legt die Merz-Regierung ihren zentralen Baustein für eine angebliche Begrenzung der Migration vor, die Reform des GEAS, Abkürzung für das Gemeinsame Europäische Asylsystem. Meine Damen und Herren, was bringt diese Reform?
Beginnen wir mit dem Thema Grenzschutz. Fest steht: Jeder Versuch auf EU-Ebene, illegale Migration zu begrenzen, braucht zuallererst wirksame Kontrollen an den Außengrenzen. Das wussten schon 1985 – vor 40 Jahren – die Väter des Vertrags von Schengen: die Kanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl. Sie wussten: Binnengrenzkontrollen können auf Dauer nur dann wegfallen, wenn die Außengrenzen gesichert sind. – Schmidt und Kohl, das waren im Vergleich zu heute noch Kanzler von Format. Die wollten keine unkontrollierte Einwanderung nach Deutschland. Sie hätten sich dagegengestemmt, dass Deutschland immer bunter und diverser wird, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
Aber spätere Politiker ließen die Außengrenzen praktisch unkontrolliert und ungeschützt, jahrzehntelang, selbst als Millionen Migranten aus dem Orient unkontrolliert einströmten. Selbst da durfte Frontex, die europäische Grenzschutzorganisation, nicht eingreifen. Der Schutz der europäischen Außengrenzen ist bis heute durch und durch wirkungslos. Was wir hier erleben, ist geradezu die Pervertierung der Schengenidee. Das hätte nie, nie passieren dürfen!
(Beifall bei der AfD)
Schlimmer noch: Links-grüne Mainstream-Politiker der EU verkehrten Frontex geradezu ins Gegenteil. Statt Grenzen zu schützen, dient Frontex mittlerweile den Schlepperbanden als Erfüllungsgehilfe. Frontex-Boote müssen den Schleppern auf hoher See die Asylanten abnehmen und in sichere europäische Häfen bringen.
(Zuruf von der Linken)
Ändert sich an diesem Wahnsinn irgendetwas durch GEAS? Nein, rein gar nichts. Alles geht genauso weiter. Die ganze GEAS-Reform ist allein schon deshalb reine Makulatur.
(Beifall bei der AfD)
Trotzdem gaukeln Innenminister Dobrindt und Kanzler Merz den Deutschen vor, mit GEAS komme jetzt die versprochene Asylwende; denn GEAS – das ist neu – unterwerfe jetzt alle Asylanten neuen Grenzverfahren, direkt an den EU-Außengrenzen. Da werden sie jetzt durchgeführt. Diese Asylverfahren würden stark beschleunigt, und die Abgelehnten würden dann schnellstens zurückgeführt, so tönt die Union.
Man muss aber wissen: Die allermeisten Migranten kommen aus vier Ländern. Diese sind Syrien, Afghanistan, Irak und Iran. Wie viele Syrer fallen denn jetzt unter die neuen Regelungen der schnellen Grenzverfahren? Niemand, kein einziger. Sie sind alle ausgenommen. Was ist mit den Afghanen, wie viele von ihnen fallen darunter? Kein einziger. Iraker? Kein einziger. Iraner? Nein, nein, nein! Die ganz überwiegende Masse, zwei Drittel aller Migranten, ist von den neuen Verfahren komplett ausgenommen. Und das verkauft die Union als Neustart ihrer Migrationspolitik. Was für ein Schwindel, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD)
Aber dieser Schwindel geht ja noch weiter. Auch von den restlichen Migranten, dem restlichen Drittel, dürfte kaum jemand abgeschoben werden. Sie kommen zwar in das beschleunigte Verfahren. Aber auch wenn ihr Antrag abgelehnt wird, werden sie noch lange nicht abgeschoben; denn GEAS hat ein sogenanntes Verbindungselement eingebaut, das das Abschieben erschwert. Und das geht so: GEAS erlaubt Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber überhaupt nur in diejenigen Länder, von denen aus die Schlepperboote gestartet sind, also die Länder auf der anderen Seite des Mittelmeers wie Tunesien, Marokko, Libyen. Die allermeisten Migranten kommen aber aus den Tiefen von Orient und Afrika, und für sie sind das nur Transitländer, durch die sie müssen und zu denen sie keinerlei persönliche Verbindung haben. Aber genau das fordert GEAS: Abgelehnte Asylbewerber dürfen nur dann abgeschoben werden, wenn sie eine solche persönliche Verbindung zu diesen Transitländern haben, wenn sie dort Verwandte haben oder selber länger dort gelebt haben. Das ist natürlich kaum der Fall. Und so wird auch von den abgelehnten Asylbewerbern praktisch niemand zurückgeschoben. Das ganze GEAS ist ein hohler Popanz. Dass Sie sich überhaupt trauen, so was hier vorzulegen!
(Beifall bei der AfD)
Aber warum ist dieses GEAS so vollkommen wirkungslos? Weil es auf EU-Ebene von der links-grünen Ampel verhandelt wurde: von Nancy Faeser, von Baerbock und Habeck. Und von denen wollte ja niemand Migration begrenzen, ganz im Gegenteil. Dieses gesamte links-grüne Machwerk GEAS übernehmen Kanzler und Union jetzt eins zu eins. Sie setzen diese wahnsinnige links-grüne Politik hier fort und verkaufen das noch als Migrationswende. Hier zeigt sich das wahre Gesicht dieser Union.
(Beifall bei der AfD)
Die links-grünen Macher von GEAS wussten natürlich ganz genau, dass damit kaum jemand abgeschoben wird. Es wird niemand daran gehindert, hier reinzukommen. Es ging ihnen von Anfang an gar nicht um Begrenzung der Migration, sondern nur um Verteilung der Migranten. Deshalb beinhaltet GEAS harsche Zwangsmaßnahmen, aber nicht gegen die Eindringlinge, sondern gegen die EU-Staaten. Wie viele Migranten auch immer künftig über offene Grenzen kommen, durch GEAS werden sie einfach per Zwangsquoten auf die Mitgliedstaaten verteilt. Diese müssen sie aufnehmen – unbegrenzt, allen voran Deutschland – oder horrende Strafen zahlen.
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
Diese GEAS-Regeln will die Regierung Merz heute in deutsche Gesetze gießen. Dabei hatte er doch versprochen, um Migranten draußen zu halten, werde er nationale Wege gehen, ohne die EU. Und jetzt holt er unbegrenzt Migranten rein, zugeteilt von der EU. Unfassbar, meine Damen und Herren!
(Beifall bei der AfD)
Mit der heutigen GEAS-Vorlage wird die illegale Migration genauso wenig begrenzt wie mit allen anderen Gesetzen und Maßnahmen, die diese Regierung bisher gemacht hat
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Was für eine Geschichte, Herr Baumann! Was für eine Geschichte!)
und mit denen der Kanzler vorgaukelt, Migration zu begrenzen.
Man muss sich das Gesamtpaket nur mal anschauen:
Thema Grenzzurückweisung; das war ja Merz’ zentrales Versprechen. Von Tag eins an würden Asylbewerber an den deutschen Grenzen zurückgewiesen.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Und genau das haben wir gemacht! Genau das haben wir gemacht!)
Aber seit er Kanzler ist, seit fast einem halben Jahr, wurden überhaupt nur 840 Asylsuchende zurückgewiesen.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Sie wissen, dass das falsch ist! Das sind nur Ihre Zahlen!)
Zugleich strömen 40 000 neue Asylanten ungehindert nach Deutschland; fast 98 Prozent kommen weiterhin rein. Und machen wir uns nichts vor: Die restlichen 2 Prozent kommen auch noch rein.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Fragen Sie die Kommunen mal, Herr Baumann, wie die Zahlen sind! Fragen Sie die Kommunen mal nach der Entlastung, die sie verspüren!)
Denn die Grenzen werden gar nicht durchgehend kontrolliert, wie die saarländische Ministerpräsidentin eindeutig bezeugt hat. Es kommen alle rein!
(Beifall bei der AfD – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Sie erzählen Ihre eigene Geschichte mittlerweile! Wenn das Problem gelöst wird, dann erzählen Sie eine Geschichte hier!)
Meine Damen und Herren, gigantische Versprechungen, gigantische Täuschungen. Ihr ganzes Lügengebäude bricht zusammen, und jeder kann es sehen.
(Beifall bei der AfD)
Das gleiche erschreckende Bild beim Thema Staatsbürgerschaft. Die Turboeinbürgerung schon nach fünf Jahren bleibt. 1 Million syrische Asylanten können damit über Nacht deutsche Staatsbürger werden. Damit wird das Wertvollste – das Wertvollste! –, was Deutschland zu vergeben hat, seine Staatsbürgerschaft, von dieser Union billigst verramscht. Und das lockt noch weitere Migranten ins Land. Für jeden halbwegs Konservativen ist das einfach nur unfassbar.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU])
Das Gleiche beim Thema Familiennachzug. Auch da geht es um riesige Zahlen; denn zu den weit über 100 000 Asylanten kommen ja noch mal 120 000 Familiennachzügler obendrauf, jedes Jahr. Versprochen hatte die Union deshalb die Beendigung des Familiennachzugs. Herr Dobrindt, Sie haben sich gerade wieder hierhingestellt und wörtlich gesagt: Wir haben den Familiennachzug beendet. – Von dem Gesetz, das Sie verabschiedet haben, sind überhaupt nur 10 Prozent der Asylanten beim Familiennachzug betroffen.
(Tino Chrupalla [AfD]: So ist es!)
Nur 10 Prozent! Und auch bei diesen 10 Prozent wird die Möglichkeit des Familiennachzugs gar nicht aufgehoben. Er wird nur aufgeschoben um zwei Jahre. Das ist alles.
(Beifall bei der AfD)
Migrationsbegrenzende Wirkung auch hier null Komma null. Auch hier hat die Union ihre Wähler maximal getäuscht und verraten, Herr Dobrindt.
(Beifall bei der AfD)
Dann beim Thema Abschiebung die nächste Täuschung. Merz hatte Hunderttausende Abschiebungen versprochen. Jetzt fliegt seine Regierung wenige Dutzend Afghanen aus, und zeitgleich, Herr Dobrindt, fliegen Sie 1 000 neue Afghanen rein. Auch 1 Million Syrer müssten zurück. Der Bürgerkrieg ist vorbei, aber sie alle bleiben unter der unionsgeführten Regierung hier, werden sogar eingebürgert. Merz und Dobrindt hatten den Wählern das Gegenteil angekündigt. Wir erleben Täuschung auf Täuschung auf Täuschung, meine Damen und Herren, mit Dobrindt, Merz und dieser Union.
(Beifall bei der AfD – Zuruf des Abg. Jürgen Coße [SPD])
Aber damit nicht genug. Herr Dobrindt, Sie haben auch gerade wieder behauptet, der Rückgang der Asylzahlen seit Anfang dieses Jahres sei das Ergebnis der Migrationspolitik Ihrer neuen Regierung. Was für eine Unverfrorenheit! Der Rückgang geht ganz allein auf die neue Stabilität in Syrien zurück und auf eine verbesserte Kooperation mit Tunesien. Selbst der CDU-nahe Migrationsexperte Gerald Knaus, einst Regierungsberater der CDU-geführten Regierung unter Merkel,
(Lachen des Abg. Jürgen Coße [SPD] – Dr. Ralf Stegner [SPD]: Wie kann man nur so viel Unsinn reden?)
sagt zu den sinkenden Zahlen – ich zitiere –: Die haben nichts mit der jetzigen Bundesregierung zu tun – weder mit Grenzkontrollen noch mit irgendwelchen Zurückweisungen. Die Maßnahmen der Merz-Regierung seien, so Knaus wörtlich, reines Theater. Und genau das ist es auch, meine Damen und Herren: mieses Provinztheater, das die Deutschen täuschen soll.
(Beifall bei der AfD – Steffen Bilger [CDU/CSU]: Warum freuen Sie sich denn nicht über die Erfolge?)
Aber die Wähler sind nicht blöd.
(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie schon!)
Sie glauben der Union von Kanzler Merz nicht mehr; ihr Vertrauen ist dahin. Die Wähler haben jetzt eine Alternative: Sie haben uns, und immer mehr vertrauen uns. Deshalb gehen unsere Werte in den Umfragen nach oben, und Ihre Werte gehen in den Umfragen nach unten.
(Dr. Ralf Stegner [SPD]: Wie viele von Ihren Leuten sitzen in Untersuchungshaft?)
Wir sind in etlichen östlichen Bundesländern schon bei fast 40 Prozent, und wir sind mittlerweile die stärkste Partei vor der Union. Und das ist nur ein Zwischenergebnis, das geht ja so weiter. So funktioniert Demokratie, meine Damen und Herren.
(Beifall bei der AfD)
Wenn die Union so weitermacht, wird der Wähler sie weiter abstrafen. Er wird sie hinwegfegen,
(Beifall des Abg. Tino Chrupalla [AfD])
und es wird nichts – nichts! – von ihr übrig bleiben als der Schaden, den sie angerichtet hat.
(Beifall bei der AfD – Zurufe der Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD] und Marcel Bauer [Die Linke])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Bundesregierung hat nun Frau Staatsministerin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Frau Natalie Pawlik, das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Natalie Pawlik, Staatsministerin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die wahrscheinlich größte Asylreform in dieser Legislatur; europaweit mehr Solidarität, Verantwortung und gleiche Standards bei der Aufnahme; auch wenn wir den Weg hin zu mehr Steuerung nehmen, ist das nicht das Ende des internationalen Flüchtlingsschutzes. – Das alles ist die GEAS-Reform, die wir in nationales Recht umsetzen wollen. Und dabei gilt für uns: Humanität und Ordnung gehören zusammen – gleichberechtigt und auf Augenhöhe.
(Beifall bei der SPD)
Da wir die Entwürfe beraten, lohnt sich ein kurzer Blick zurück auf die EU-Asylpolitik. Das unsolidarische Dublin-System, jahrelanger Reformstillstand in Europa, der Krampf bei jedem EU-Rat – daran haben sich fast alle Innenminister der Vergangenheit die Zähne ausgebissen. Doch vor anderthalb Jahren ist Nancy Faeser und Olaf Scholz der Durchbruch gelungen.
(Lachen bei der AfD – Tino Chrupalla [AfD]: Eher der Dammbruch!)
Nur deshalb können wir die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems nun in nationales Recht umsetzen.
(Beifall bei der SPD)
Heute starten wir die Beratung der Regierungsentwürfe. Wir haben intensiv über diese Entwürfe verhandelt und – das sage ich auch aus sozialdemokratischer Perspektive – wichtige Punkte in diesen Entwürfen berücksichtigen können, die ursprünglich so nicht vorgesehen waren,
(Clara Bünger [Die Linke]: Kinder in Haftanstalten!)
damit wir solidarisch mit Schutzsuchenden bleiben, damit vulnerable Gruppen, Familien, Frauen, Kinder besonders geschützt werden und damit wir keine Schieflage bekommen, sondern die Balance zwischen Humanität und Ordnung bewahren.
Vier Punkte waren uns dabei besonders wichtig.
Erstens. Die Sekundärmigrationszentren sind eine Option und keine Pflicht für die Bundesländer. Sie geben ihnen Flexibilität bei der Umsetzung.
Zweitens. An vielen Stellen sind die Rechte vulnerabler Gruppen ausdrücklich verankert. So wird der Vorrang der Kinder- und Jugendhilfe berücksichtigt. Unbegleitete Minderjährige werden besonders untergebracht und versorgt, und sie werden nicht ohne ihren Beistand im Asylverfahren angehört.
Drittens. Wir haben gute nationale Regelungen wie das Familienasyl bewahrt. Hier nutzen wir unionsrechtliche Spielräume bei der Reform.
Und viertens. Wir wollen, dass Asylsuchende schneller arbeiten können, und zwar schon nach drei Monaten. Das ist wichtig für die Menschen und ihre Perspektiven. Denn Arbeit in unserer Gesellschaft ist mehr als Einkommen; sie bedeutet Teilhabe und Selbstbestimmung.
(Beifall bei der SPD)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will aber auch sagen: Ja, an den Gesetzentwürfen gibt es Kritik – aus der Zivilgesellschaft, von Verbänden, von den Kirchen. Diese Kritik nehmen wir ernst. Und ich verstehe auch so manchen Punkt; denn es wird Regelungen geben, die an die Grenze dessen gehen, was das Grundgesetz, die EU-Grundrechtecharta und die Genfer Flüchtlingskonvention zulassen. Sie bleiben aber unser Kompass; und das ist auch klar.
(Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Wir stehen am Anfang eines parlamentarischen Verfahrens, und sicherlich werden einige Punkte auch noch einmal miteinander diskutiert.
Aber dieser Regierungsentwurf vereint Humanität und Ordnung, und er setzt europäische Vereinbarungen und den Koalitionsvertrag um. Es gibt Herausforderungen in dieser Welt, die wir eben nicht nationalstaatlich alleine lösen können, liebe Kolleginnen und Kollegen. Die GEAS-Reform kann eine Chance für Europa sein, aber auch für mehr Steuerung und Planungssicherheit bei uns sorgen.
Doch lassen Sie mich zum Schluss auch betonen: Gerade in diesen aufgewühlten Zeiten, gerade bei den Krisen, die wir weltweit erleben, dürfen wir den Schutz von Geflüchteten nicht aus dem Blick verlieren. Wir müssen ihn verteidigen gegen Populismus, gegen alternative Hetze, gegen den Generalverdacht.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Niemand flieht einfach so; niemand verlässt sein Zuhause einfach so. Wer flieht, verdient Schutz; und wer bleibt, verdient Klarheit.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Jens Spahn [CDU/CSU])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat Frau Abgeordnete Dr. Irene Mihalic das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe Kollegen! Es hat fast acht Jahre gedauert, um auf europäischer Ebene einen Kompromiss für ein gemeinsames europäisches Asylsystem zu finden. Erst durch die Verhandlungen der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser und der Außenministerin Annalena Baerbock war ein solcher Kompromiss überhaupt nur möglich:
(Tino Chrupalla [AfD]: Wunderbar!)
ein System, das alle Mitgliedstaaten gleichermaßen verpflichtet und das vor allem von allen solidarisch mitgetragen werden muss.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Wissen die Grünen im Europaparlament auch davon?)
Das hat keine CDU-geführte Regierung vorher geschafft, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich möchte allerdings nicht verschweigen, dass dieser Kompromiss ganz sicherlich nicht die reine grüne Lehre war.
(Lachen des Abg. Tino Chrupalla [AfD] – Jörn König [AfD]: Gott sei Dank!)
Für meine Fraktion war das Verhandlungsergebnis mit vielen Härten und auch Zumutungen verbunden. Doch wir waren am Ende bereit, diesen Kompromiss im Kern mitzutragen, weil wir immer an eine europäische Lösung geglaubt haben, meine Damen und Herren.
(Tino Chrupalla [AfD]: Das ist wie in der Kirche!)
Und genau das unterscheidet uns von Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, von der Union.
(Zuruf des Abg. Alexander Hoffmann [CDU/CSU])
Im Gegensatz zu uns haben Sie nie an eine europäische Lösung geglaubt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Jens Spahn [CDU/CSU]: Der Innenminister arbeitet daran! Der Innenminister arbeitet gerade daran!)
In der Migrationspolitik haben Sie von Anfang an einen kompromisslosen nationalstaatlichen Alleingang verfolgt, dessen Auswirkungen sich jetzt in rechtswidriger Weise, Herr Dobrindt, an den deutschen Außengrenzen zeigen. Mit den Zurückweisungen von Schutzsuchenden verstoßen Sie tagtäglich gegen europäisches Recht
(Dr. Christian Wirth [AfD]: Nein!)
und verprellen dabei unsere Nachbarländer. Und das ist inakzeptabel, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Erhard Brucker [AfD]: Machen sie doch gar nicht!)
Als wir in der Ampelregierung waren und Sie in der Opposition, da sind wir einen sehr großen Schritt auf Sie zugegangen. Wir haben uns zu Gesprächen im Innenministerium getroffen und waren bereit, die Migrationspolitik und damit auch die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems mit Ihnen zu verhandeln. Doch der Kollege Thorsten Frei, inzwischen Chef des Bundeskanzleramts, hat die Kompromisslosigkeit der Union sehr schnell klargemacht: Grenzen dichtmachen, Schutzsuchende zurückweisen – das war schon damals Ihre Linie. Mittlerweile sind Sie ja immerhin so weit in der Realität angekommen, dass Sie selbst merken, dass es eine europäische Lösung braucht, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Doch bei der Umsetzung geht es ja vor allen Dingen um das Wie. Der Bundeskanzler hat in einem Interview gesagt, was für ihn am schwersten zu ertragen ist, und als Mutter fällt es mir ebenso schwer: nämlich über das Leid von Kindern zu sprechen. Aber wir müssen darüber sprechen, meine Damen und Herren, wenn Sie dieses Leid nun auch noch gesetzlich zementieren wollen.
(Zuruf des Abg. Dr. Günter Krings [CDU/CSU])
Sie wollen sogenannte Sekundärmigrationszentren schaffen, die keinen anderen Zweck haben, als Menschen de facto zu inhaftieren. Familien kommen nach Deutschland, um hier Schutz zu suchen, und werden stattdessen eingesperrt. Das werden wir nicht mittragen, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Und damit nicht genug: Asylsuchende werden vollständig von allen Leistungen ausgeschlossen – spätestens zwei Wochen nachdem feststeht, dass ein anderer Staat für das Asylverfahren zuständig ist. Aber Sie wollen nicht dafür sorgen, dass diese Menschen in diesem Zeitraum den zuständigen Staat auch praktisch erreichen können, meine Damen und Herren. Ja, wie stellen Sie sich das denn vor? Sie können den Menschen doch nicht Nahrung und Unterkunft verweigern, wenn Sie nicht gleichzeitig garantieren können, dass ein Flug oder ein anderer Transfer ins zuständige Land zur Verfügung steht. Damit bringen Sie Asylsuchende in eine existenzielle Notlage, meine Damen und Herren.
(Zuruf des Abg. Vinzenz Glaser [Die Linke])
Und auch hier sind wieder Kinder betroffen. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nach außen sagen Sie immer: „Humanität und Ordnung“, und eben haben wir auch noch das Wort „Solidarität“ gehört. De facto schaffen Sie aber all dies ab. Deshalb sage ich Ihnen ganz klar: Dieser Kurs wird scheitern.
(Zuruf der Abg. Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Mit Ihrem Frontalangriff auf Schutzsuchende sind Sie verfassungsrechtlich ohnehin auf hoher See, und das wissen Sie ganz genau. Da gehen wir nicht mit, meine Damen und Herren.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Die Linke hat Frau Abgeordnete Clara Bünger das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der Linken)
Clara Bünger (Die Linke):
Sehr geehrte Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit über 30 Jahren versucht die Europäische Union, ein gemeinsames Asylsystem zu schaffen. 30 Jahre! Und was ist das Ergebnis? Tausende Tote im Mittelmeer, Entrechtung, keine faire Verteilung, kein Ende des Elends. Das Einzige, was funktioniert, ist der Wettbewerb darum, wer die härtesten Gesetze gegen geflüchtete Menschen fordert.
(Beifall bei der Linken)
Und das Ergebnis dieser Politik sehen wir längst: Die Lager auf den griechischen Inseln sind zum Symbol des Scheiterns geworden. Ich habe selbst fast ein Jahr lang auf Chios gearbeitet. Ich habe gesehen, wie Entrechtung aussieht, wie Menschen in solchen Lagern sterben mussten. Ich habe gesehen, wie Menschen dort wie Gefangene gehalten werden. Mit dem GEAS wird diese Entrechtung zum neuen Standard und soll nun auch in Deutschland zur Normalität gemacht werden: Pushbacks – also Zurückweisungen ohne Verfahren –, beschleunigte Asylverfahren ohne effektiven Rechtsschutz, die Inhaftierung Schutzsuchender, ja sogar von Kindern.
Die Bundesregierung behauptet: „Das Recht auf Asyl wird durch die Reform […] nicht eingeschränkt.“ Herr Dobrindt, das klingt zwar beruhigend, ist aber schlicht falsch; denn die GEAS-Reform sieht beschleunigte Asylverfahren direkt an den Grenzen vor, oft unter faktischen Haftbedingungen, mit eingeschränktem Rechtsschutz und kaum Zugang zu Rechtsberatung. Das hat nichts mehr mit Asylrecht zu tun. Das ist autoritärer Legalismus; das ist eine autoritäre Wende.
(Beifall bei der Linken)
Sie sperren Menschen, Sie sperren Kinder ein, die vor Krieg fliehen, obwohl sie nichts gemacht haben, außer einen Asylantrag zu stellen. Das ist verantwortungslos!
(Beifall bei der Linken)
Und das Perfide daran: Die Bundesregierung hätte an vielen Stellen Gestaltungsspielraum. Sie hätte Schutzstandards sichern, faire Verfahren ermöglichen und Rechtsberatung stärken können. Doch sie hat sich bewusst dagegen entschieden. So wird Haft künftig zum Normalfall im Asylverfahren, auch in Deutschland. Was bislang an den Außengrenzen Realität war, wird jetzt in deutsches Recht gegossen. Menschen sollen über Wochen, ja Monate in geschlossenen Einrichtungen festgehalten werden.
Und damit nicht genug: Die Koalition plant zusätzlich neue Aufnahmeeinrichtungen für Sekundärmigration. Herr Dobrindt, Sie sagen: „Sekundärmigration muss unterbunden werden.“ Hinter den Einrichtungen verbirgt sich aber nichts anderes als ein neues System geschlossener Lager. Sogenannte Dublin-Geflüchtete – also Menschen, die bereits in einem anderen EU-Staat registriert wurden – sollen hier vollkommen isoliert untergebracht werden. Diese Regelungen gehen weit über die GEAS-Vorgaben hinaus und sind von Ihnen politisch so gewollt.
(Beifall bei der Linken)
Damit übernimmt die Bundesregierung eine Politik, die lange das Markenzeichen der AfD war. Abschottung, Haft, Entrechtung – das ist inzwischen Regierungspraxis, getragen von CDU, CSU und SPD. Dieselbe SPD, deren Innenministerin noch im letzten Jahr sagte, das Asylrecht sei nicht verhandelbar; dieselbe SPD, die vor ein paar Monaten den Familiennachzug abgeschafft hat und die hier noch versprochen hat, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Dieselbe SPD bringt jetzt einen Gesetzentwurf mit ein, durch den Kinder in Haft gesteckt werden, nur weil sie einen Asylantrag gestellt haben. Das ist ein neuer Tiefpunkt für die Sozialdemokratie in Deutschland.
(Beifall bei der Linken)
Werfen wir mal einen Blick in den Gesetzentwurf. Gemäß § 70a Absatz 3 Asylgesetz dürfen Kinder inhaftiert werden, wenn dies „ihrem Wohl dient“. Ja, Sie haben richtig gehört: ihrem Wohl dient. Haft kann nie – wirklich nie! – dem Wohl eines Kindes dienen.
(Beifall bei der Linken sowie des Abg. Marcel Emmerich [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention, die EU-Grundrechtecharta, und es verstößt ganz einfach gegen den Menschenverstand.
Mich verwundert nicht mehr, dass sich die CDU und die AfD an dieser Stelle kaum noch unterscheiden. Wenn aber die SPD diesen Kurs mitträgt, verrät sie nicht nur ihr eigenes Wort; sie verrät auch sozialdemokratische Werte.
Wer heute diesen Gesetzentwurf unterstützt, übernimmt die Logik der extremen Rechten: Menschenrechte als Hindernis, Schutzsuchende als Gefahr, Abschreckung als Prinzip, Gefängnis als Standardwerkzeug. Und Sie tun so, als wäre das überhaupt kein Problem. Sie bauen eine Fassade auf, auf der steht: Die, die Schutz verdienen, sollen ihn auch bekommen. – Aber nicht mal das stimmt. In Wahrheit errichten Sie ein System, auf dem nur außen etwas draufsteht. In Wirklichkeit wird kaum jemand Schutz erhalten. Sie schaffen ein System, das nach außen rechtsstaatlich wirken soll, aber mit Rechtsstaatlichkeit schlicht nichts mehr zu tun hat, sondern ausschließlich mit Entrechtung.
(Beifall bei der Linken – Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Eijeijei!)
Ich sage Ihnen: Wer Menschen, die Schutz suchen, einsperrt, wer Kinder inhaftiert, wer Gewalt an den Außengrenzen legitimiert, der bricht nicht nur mit der Genfer Flüchtlingskonvention und grundlegenden Menschenrechten, der bricht mit der Menschlichkeit selbst. Und er holt sich die Gewalt von den Außengrenzen, von der Sie ja immer so schockiert waren, liebe SPD, vor die eigene Haustür. Wer Grenzen schützt statt Menschen, wer Entrechtung zur Normalität macht, der hat aus der Geschichte nichts gelernt.
(Beifall bei der Linken)
Und noch an Sie, Herr Dobrindt: Sie können hier alles vortragen, Sie können Kinder einsperren, Sie können die schärfsten Regelungen vorlegen.
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Links-grüner Populismus ist das, was Sie machen!)
Ich versichere Ihnen: Die AfD wird Sie immer als „links-grün versifft“ bezeichnen, egal welche verschärften Regelungen Sie hier vorschlagen. Also ziehen Sie doch die Reißleine, erkennen Sie endlich, dass man gute Gesetze nur menschenrechtebasiert machen kann, und halten Sie sich an Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte!
Vielen Dank.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat Herr Abgeordneter Alexander Throm das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Alexander Throm (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir machen weiter Druck bei der Umsetzung der Migrationswende. Nächster Schritt: GEAS – durch Umsetzung und Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die das GEAS bei uns im Inland zukünftig bietet, und durch eine Nachschärfung von GEAS auf europäischer Ebene. Denn bisher ist das, was vorliegt, ein erster Schritt, aber noch unvollkommen, und deswegen werden wir hier nochmals nachschärfen.
Das geht auch auf europäischer Ebene; denn wir sind jetzt nicht mehr die Blockierer in Europa. Wir haben neue Mehrheiten, ja, insbesondere im Europäischen Rat und in den anderen EU-Ländern. Dort gibt es eine richtige Erleichterung über den neuen – und in der Koalition vereinbarten – konsequenteren Migrationskurs. Denn wenn Deutschland nicht mehr Hauptzielland von illegaler Migration in Europa ist, dann nützt das ganz Europa, nicht nur unserem Land, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ja, wir werden die Möglichkeiten von GEAS, wie es von der Ampel vereinbart wurde, dann auch hier in Deutschland maximal ausschöpfen müssen; denn es war schon auf europäischer Ebene ein Kompromiss. Den dürfen wir nicht verwässern.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Den verschärft ihr doch noch!)
Hauptziel muss es sein, die sogenannte Sekundärmigration zurückzudrängen, also das Weiterwandern in Europa; denn Deutschland ist, mit Tschechien zusammen, am stärksten von allen europäischen Ländern belastet, auch stärker belastet als die Ersteinreiseländer. Mehr als 3 Prozent der deutschen Bevölkerung haben aktuell einen Fluchthintergrund. In Griechenland sind es 1 Prozent, in Italien 0,5 Prozent. Das zeigt die Fehler im bisherigen europäischen Asylsystem, und die werden wir ändern, insbesondere bei der Begrenzung der Sekundärmigration, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Zuruf des Abg. Jörn König [AfD])
Dazu schaffen wir im Inland sogenannte Sekundärmigrationszentren, und wir erwarten, dass alle Bundesländer ein solches Zentrum einrichten. Es reicht nicht, wenn die Bundesländer sich bei vielen Ministerpräsidentenkonferenzen, auch schon beim bisherigen Bundeskanzler Olaf Scholz, nur beschweren.
(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Nein, wenn diese Bundesregierung entsprechende Möglichkeiten schafft, dann müssen die Länder diese auch nutzen. Darüber müssen wir nochmals sprechen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Und wir werden diese Zentren bei sogenannten Dublin-Flüchtlingen auch mit einer Wohnsitzauflage oder gar einer Beschränkung der Bewegungsfreiheit einrichten. Ja, und auch die Sozialleistungen für Personen, für deren Asylverfahren wir in Deutschland nicht zuständig sind, die ausreisepflichtig sind, werden wir entsprechen kürzen.
(Zuruf des Abg. Alexander Arpaschi [AfD])
Frau Kollegin Mihalic, es geht um die Möglichkeit der freiwilligen Ausreise. Und wenn feststeht, dass Deutschland nicht zuständig ist, so steht es jedem Dublin-Flüchtling frei, dieses Land freiwillig in das für ihn zuständige Land zu verlassen. Das ist schon heute möglich, und wir werden das auch entsprechend vorsehen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie soll er denn nach Bulgarien kommen, Herr Throm? Soll er laufen? Das ist doch nicht Ihr Ernst! – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Soll er laufen? Ausgehungert werden, oder was? – Zuruf der Abg. Clara Bünger [Die Linke])
Niemand muss sich Sorgen machen, dass die Menschen hier ohne Grund nicht versorgt werden.
So wie GEAS heute vereinbart ist, ist es leider kein Allheilmittel. Wir müssen dieses nachverhandeln, und so haben wir es auch im Koalitionsvertrag vereinbart, liebe Kolleginnen und Kollegen der SPD. Wir müssen es effizienter machen – auf der Zugspitze, beim Oktoberfest, vielleicht auch mal bei einem Fest in einem anderen Bundesland.
(Zurufe der Abg. Clara Bünger [Die Linke] und Lamya Kaddor [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wichtig ist das Ziel, dass wir mit den anderen europäischen Partnern eine Einigung hinbekommen. Beispielsweise bei der Rückführungsverordnung: Sie muss praktikabel und effektiv werden. Sie muss die Rückreise ins Heimatland oder in einen sicheren Drittstaat gewährleisten.
Herr Kollege Baumann, wir werden das Verbindungselement abschaffen. Streuen Sie den Menschen nicht schon wieder Sand in die Augen!
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie haben das überhaupt nicht abgeschafft! Es steht drin!)
Wir werden mit anderen europäischen Ländern Return Hubs schaffen. Und es gab am vergangenen Wochenende einen Durchbruch beim sogenannten unbefristeten Ausreisearrest. Auch den werden wir für schwere Straftäter schaffen. Herzlichen Dank, Herr Innenminister!
(Beifall bei der CDU/CSU – Dr. Bernd Baumann [AfD]: Sie werden gar nichts! Sie haben nichts gemacht, und Sie machen nichts! Außer Versprechungen!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, nochmals: Dreh- und Angelpunkt ist die Dublin-Regel bzw. die Nachfolgeregelung, die sogenannte Asyl- und Migrationsmanagement-Verordnung – anderer Name, gleicher Inhalt. Diese ist dysfunktional. Deswegen müssen sich alle Länder bei der Registrierung und Rücknahme beteiligen, und wir müssen dafür sorgen, dass die EU-Kommission das kontrolliert. Ohne ein funktionierendes Dublin-System kann es keinen Solidaritätsmechanismus geben – das ist zwingende Voraussetzung –,
(Clara Bünger [Die Linke]: Dann muss Deutschland aber auch Leute aufnehmen!)
und ohne funktionierendes Dublin-System kann es kein Ende der Grenzkontrollen geben. Auch das, liebe Kolleginnen und Kollegen, haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Rasha Nasr [SPD])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der SPD hat Frau Abgeordnete Sonja Eichwede das Wort.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sonja Eichwede (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Selten war eine europäische Einigung so wichtig und wurde zugleich so lange und so intensiv zwischen den Mitgliedstaaten diskutiert wie die des neuen Gemeinsamen Europäischen Asylsystems, GEAS. Die Realität zeigt: Die komplexen Herausforderungen von Flucht und Asyl können wir nur gemeinsam mit unseren europäischen Partnerstaaten bewältigen. Nationale Alleingänge sind angesichts globaler Migrationsbewegungen langfristig nicht zielführend, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD)
Zugleich haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass die bestehenden europäischen Regelungen nicht mehr genügend funktionieren. Diese Einsicht führte zu der notwendigen Solidarität unter den Mitgliedstaaten – Solidarität, die uns nun alle in Europa gemeinsam wieder stärken kann und die mit dem neuen Solidaritätsmechanismus des GEAS wieder verankert wird. Und dieser große Erfolg ist unserer ehemaligen Innenministerin Nancy Faeser zu verdanken, die im vergangenen Jahr zu einem Durchbruch bei den Verhandlungen beigetragen hat und dann zu der Einigung auf europäischer Ebene.
(Zuruf des Abg. Uwe Schulz [AfD])
Von daher sehen wir, dass gerade die SPD Europa hier wieder zusammengeführt hat, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD)
Mit der Reform setzen wir einen wichtigen Schritt zu mehr Ordnung und Humanität um. Es wird klar geregelt, welcher Mitgliedstaat die Zuständigkeit für das jeweilige Asylverfahren trägt. Klare Zuständigkeiten und konsequente Anwendung der Regeln sind essenziell, damit der Solidaritätsmechanismus Wirkung entfalten kann, damit wir wieder Verlässlichkeit für die Schutzsuchenden und für die Mitgliedstaaten haben, liebe Kolleginnen und Kollegen.
Durch ein verbessertes Screening an den Außengrenzen werden Schutzsuchende erfasst. Damit können wir besser nachvollziehen, wo Personen bereits registriert worden sind und wo nicht, wer zuständig ist und wer nicht. Wir kommen zu einer gerechteren Steuerung, zu weniger Sekundärmigration. Das wird auch zu einer Entlastung der Binnengrenzen führen. Damit können dann auch, wenn alles funktioniert, in jedem Fall die Grenzkontrollen in Deutschland wieder wegfallen, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der SPD)
Das Recht auf ein faires Asylverfahren ist für uns als SPD immer besonders wichtig gewesen. Es ist und bleibt mit dieser Reform ein Grundpfeiler der Europäischen Gemeinschaft. Das war in den Diskussionen in Europa in den vergangenen Jahren nicht immer selbstverständlich. Aber ja, gerade dafür haben wir uns eingesetzt. In jedem Mitgliedstaat muss dieses Recht auf Schutz und eine faire Prüfung garantiert werden.
Nun liegt uns der Gesetzentwurf aus dem Bundesministerium des Innern vor. Wir werden diesen im parlamentarischen Verfahren verantwortungsbewusst prüfen und zu einer guten Umsetzung kommen. Selbstverständlich stehen wir dabei im Austausch mit den Ländern und mit der Zivilgesellschaft. Ja, und wir hören auch die Kritik, und wir wissen, dass die Länder die Regelungen am Ende umsetzen müssen. Deshalb müssen wir gemeinsam zu guten Regelungen kommen.
Präsidentin Julia Klöckner:
Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Linksfraktion zu?
Sonja Eichwede (SPD):
Gerne.
Präsidentin Julia Klöckner:
Frau Abgeordnete Gohlke, bitte.
Nicole Gohlke (Die Linke):
Danke, Frau Präsidentin. Danke, Frau Eichwede, dass Sie die Frage zulassen. – Es ist jetzt immer die Rede von Ordnung und Humanität. Wenn ich aber Passagen aus diesem Gesetzentwurf lese, gerade wenn es um das Kindeswohl geht, dann lese ich da was anderes raus. Wenn da steht, dass Minderjährige in Haft genommen werden dürfen, wenn das ihrem Wohl entspricht – –
(Alexander Hoffmann [CDU/CSU]: Das steht da nicht! Das steht da nicht!)
– Doch! Entschuldigung, ich kann es Ihnen ja gern zitieren: „Minderjährige dürfen in Ausnahmefällen […], nachdem eine Prüfung ergeben hat, dass die Inhaftnahme ihrem Wohl dient, in Haft genommen werden, […].“ Das steht da.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das steht da! Natürlich steht das da!)
Vielleicht müssen Sie sich das auch noch mal anschauen.
Und ich möchte an der Stelle wirklich fragen: Wie können Sie das mit der UN-Kinderrechtskonvention in Einklang bringen? Wie kann das vereinbar sein? Und ich möchte auch fragen: In welcher Welt kann die Inhaftnahme von Minderjährigen ihrem Wohl dienen? Die Inhaftnahme bedeutet den Entzug von Freiheit. Die Inhaftnahme bedeutet keinen Zugang zu Bildung, zu Gleichaltrigen – für Menschen, die vor den Bedingungen in ihrem Heimatland geflohen sind. Und ich möchte wirklich wissen: Wie kann man argumentieren, dass das dem Kindeswohl dienen kann?
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sonja Eichwede (SPD):
Sehr geehrte Frau Kollegin, vielen Dank für Ihre Frage. Sie haben zunächst betont: Ja, wir brauchen mehr Steuerung, wir brauchen mehr Ordnung. Sie haben gesagt, dass das hier im Gesetzentwurf enthalten ist und dass ich das betone. – Und wir brauchen das auch, weil klare Zuständigkeiten und die Tatsache, zu regeln, wer wann welches Verfahren führt, sowohl für die Mitgliedstaaten als auch für die Schutzsuchenden wichtig sind.
Es ist auch klar, dass hier ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vorliegt und dass gerade die Frage der Belange von Kindern, von Schutzsuchenden, die Frage von Freiheitsbeschränkungen etwas ist, was uns als SPD sehr, sehr wichtig ist und was wir uns auch, wie ich eben betont habe, noch mal angucken werden, wenn wir – jetzt ja erst – für dieses parlamentarische Verfahren zuständig sind.
Was die Frage einer Prüfung – auch unter den Voraussetzungen, die Sie vorgelesen haben – im Einzelfall betrifft, ist das am Ende auch eine Frage der Justiz, wenn eine solche Regelung denn so bleiben sollte. Ich kann hier ad hoc keine mögliche Fallkonstellation vorstellen. Ich habe aber großes Vertrauen in die Justiz, dass diese sich die Belange genau angucken würde. Ich weiß aber und verweise auch darauf, dass – wie ich eben schon betont habe – wir uns als SPD im parlamentarischen Verfahren gerade die Regelung über die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen wie auch die Regelungen, die Familien und Kinder betreffen, sehr genau angucken werden. Ich weiß auch, dass das in den Beratungen der Bundesregierung für diesen Gesetzentwurf schon eine sehr große Rolle gespielt hat; denn die Frage von Menschlichkeit, von Freiheit, vom Schutz der Schwächsten muss in jeder Reform unseres Rechtsstaats eine sehr große Rolle spielen.
(Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Und das ist gerade für uns als SPD sehr, sehr wichtig, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Ich bin überzeugt davon, dass wir in den Beratungen in den nächsten Wochen zu verantwortlich zukunftsweisenden Lösungen kommen werden. Dabei werden wir im Sinne der Europäischen Gemeinschaft, im Sinne einer starken zukunftsfähigen Lösung und im besten Sinne –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Redezeit ist um.
Sonja Eichwede (SPD):
– für Schutzsuchende und unsere Gesellschaft handeln.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Abgeordnete Lukas Benner das Wort.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Lukas Benner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute eine der größten Reformen des Asylsystems seit den 1990er-Jahren, vielleicht sogar eine der größten überhaupt. Diese Regelung war ein Kompromiss auf europäischer Ebene. Er ist jahrelang verhandelt worden, es wurde jahrelang gestritten, am Ende auch mit dem Europäischen Parlament. Und es ist ein Kompromiss zustande gekommen. Natürlich finde ich nicht alles gut, was in diesem europäischen Kompromiss steht; ich glaube, das ist kein Geheimnis. Aber für uns als Europapartei, als Rechtsstaatspartei steht es gar nicht zur Debatte, dass man europäisches Recht jetzt national umsetzen muss.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Was die Bundesregierung aber hier plant, das riskiert, diese europäische Einigung wieder zu torpedieren; denn dieser vorliegende Gesetzentwurf rüttelt an zentralen Grundsätzen unseres Rechtsstaats und wirft verfassungsrechtliche Fragen auf.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Und er schafft an Stellen, wo das System dysfunktional ist, ein noch viel dysfunktionaleres System. Denn Sie setzen die europäischen Regelungen eben nicht eins zu eins um, sondern Sie nutzen jeden Spielraum, den Ihnen das europäische Recht gibt, um Verschärfungen einzubauen. Sie packen zusätzlich noch die Dublin-Zentren dazu.
Aber all die Spielräume, die der europäische Kompromiss gibt, um die Situation von Schutzsuchenden zu verbessern, sind Ihnen gar nicht mehr aufgefallen. Davon haben Sie keinen einzigen auch nur angerührt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Es ist so: Ihnen kann es gar nicht schnell genug gehen bei den inhumanen Maßnahmen. So ziehen Sie einen Teil der Maßnahmen einfach unverhältnismäßig vor – wie die Flughafenverfahren –, aber das auch nur zur Hälfte; denn die Schutzmechanismen ziehen Sie nicht vor. Und, Herr Dobrindt, auf europäischer Ebene reden Sie schon von den nächsten Verschärfungen, bevor auch nur eine einzige Maßnahme in Deutschland in Kraft getreten ist. Wie soll man Ihnen denn diesen Kurs noch abnehmen?
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn es nach Ihnen geht, dann gibt es bald in jedem Bundesland – das hat Herr Throm noch mal deutlich gemacht – ein Dublin-Zentrum, in dem Menschen de facto in Haft genommen werden: Frauen, Kinder, Familien. Und jetzt sagen Sie wieder: Das ist keine Haft. – Ich empfehle Ihnen mal ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2021 zu Coronamaßnahmen, das anhand von Kriterien darlegt, warum diese Maßnahmen keine Freiheitsentziehung sind. Wenn wir diese Maßstäbe anlegen, ist das, was Sie vorschlagen, eine Freiheitsentziehung. Das bräuchte einen Richtervorbehalt.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Was sagen denn eigentlich die Kirchen zu diesem Gesetz? Wie erklären Sie das in Ihren Wahlkreisen, dass Sie Frauen, Kinder, Schutzsuchende in diesen Dublin-Zentren de facto in Haft nehmen? Deswegen hoffe ich auf die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, aber auch auf Ihr Menschenbild, dass Sie hier noch einmal nachbessern.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Deutschland darf nicht zum Treiber eines europäischen Überbietungswettbewerbs werden, wer Schutzsuchende schlechter behandeln kann. Die neuen Regelungen schleifen den Rechtsstaat, sie erschweren faire Asylverfahren. Es ist schon jetzt so, dass es für Asylsuchende unglaublich schwierig ist, in diesen komplexen Verfahren vernünftigen Rechtsschutz in Anspruch zu nehmen. Sie legen hier noch einmal die Axt bei Asylverfahren an, die ohnehin mit vielen Fehlern belastet sind.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wir müssen uns einmal vor Augen führen, was dieses Gesetz in der Realität nach sich ziehen würde. Wenn Ihre Pläne so, wie Sie sie uns hier vorgestellt haben, Realität werden, dann wollen Sie in jedem Bundesland ein Dublin-Zentrum, wo Menschen, die Schutz suchen, de facto in Haft genommen werden.
Sehr geehrter Herr Minister Dobrindt, Ihre Scharfmacherei in der Asyl- und Migrationspolitik nützt nur den Falschen. Sie bringt keine Verbesserungen, sondern nützt nur diesen Leuten hier auf der rechten Seite.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das kann man ja jeden Tag sehen!)
Ihre Pläne schleifen den Rechtsstaat. Sie behandeln schutzsuchende Menschen wie Menschen zweiter Klasse, und Sie setzen auf nationale Abschottung statt auf europäische Lösungen. Sie setzen Schlagzeilen über seriöse Asylpolitik und blinde Verschärfungswut über den Rechtsstaat.
Wir können diesem Gesetzentwurf nicht zustimmen. Ich bitte Sie dennoch: Schauen Sie sich sehr genau an, was Sie da tun! Sie müssen nachbessern!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion CDU/CSU hat nun Herr Abgeordneter Detlef Seif das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Sebastian Fiedler [SPD])
Detlef Seif (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Lassen Sie mich zunächst auf den Redebeitrag von Clara Bünger von den Linken eingehen. Ich finde, das war höchst unanständig. Sie haben das Gesetz zwar zitiert, aber Sie haben es halbherzig zitiert, und Sie haben den Hintergrund gar nicht erläutert.
(Zuruf von der Linken)
Die Asylverfahrenshaft – wir müssen uns das verdeutlichen – ist nur unter ganz engen Voraussetzungen überhaupt zulässig. Wir haben einen Richtervorbehalt. Es entscheidet immer ein Richter. Diese Asylverfahrenshaft ist kein Regelfall, sondern sie kommt bei ganz bestimmten Fällen zur Anwendung: zum Beispiel, wenn die Identität des Antragstellers nicht festgestellt werden kann und das auf den Antragsteller zurückzuführen ist und zugleich die Gefahr eines Untertauchens besteht; wenn ein Verstoß gegen die Anordnung zur Bewegungsfreiheit oder Wohnsitzauflage vorliegt und auch hier das Risiko eines Untertauchens besteht; wenn im Asylgrenzverfahren über das Recht zur Einreise entschieden werden soll und hier konkrete Anhaltspunkte vorliegen, dass ein Untertauchen ansteht. Das sind ganz, ganz enge Voraussetzungen. Und Sie tun so – und Sie haben es auch wörtlich so gesagt –, als ob Kinder eingesperrt werden sollen, in Haft genommen werden sollen, nur weil sie einen Asylantrag gestellt haben. Das ist völliger Blödsinn!
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Nyke Slawik [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Abgeleitet von dem Recht auf Schutz von Familie und Ehe wollen wir bei kleineren Kindern natürlich verhindern, dass sie darunter leiden, dass ihre Eltern in Haft genommen werden und dass sie separat untergebracht werden. Deshalb gibt es in absoluten Ausnahmefällen – das ist das letzte Mittel, und im Gesetz steht ausdrücklich auch als Obersatz, dass die Haft von Kindern grundsätzlich ausgeschlossen sein soll –, wo es dem Wohl des Kindes dient, also bei unbegleiteten minderjährigen Kindern, diese Möglichkeit.
(Zuruf von der Linken)
Das ist im Einzelfall zu prüfen, und das Kindeswohl steht dabei ganz oben. Und hier entscheidet ein Richter, und sonst niemand.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Bünger von der Linksfraktion zu?
Detlef Seif (CDU/CSU):
Ja.
Präsidentin Julia Klöckner:
So, jetzt hat das Wort für eine Zwischenfrage Frau Abgeordnete Bünger. Bitte.
Clara Bünger (Die Linke):
Vielen Dank, Frau Vorsitzende. – Vielen Dank, Herr Seif, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Wir haben hier 182 Seiten GEAS-Anpassungsgesetz vorliegen, mit massiven Verschärfungen und einem ganz langen Haftteil. Ab § 69 geht es um die Asylverfahrenshaft. Dann haben wir § 70a, und der beschreibt genau die Inhaftnahme von Minderjährigen. Und Sie sagen hier gerade, das gehe nur in besonderen Ausnahmefällen.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Ja.
(Alexander Dobrindt, Bundesminister: Da steht: „Minderjährige werden grundsätzlich nicht in Haft genommen“!)
Clara Bünger (Die Linke):
Dann zählen Sie sehr viele Tatbestände auf. Die Liste ist schon lang: Identität ist nicht geklärt, Gefahr des Untertauchens. Ich habe ein Jahr lang an der EU-Außengrenze gearbeitet. Dort wird die Gefahr des Untertauchens, die Fluchtgefahr, als Regel angenommen, und das wird auch in Deutschland passieren. Und Sie können nicht sagen, dass das nicht passieren wird. Genau davor haben wir gewarnt.
Wir haben jetzt schon in Griechenland massiv viele Kinder, die in angeblicher Schutzhaft in solchen Lagern an der Außengrenze inhaftiert werden. Dagegen klagen regelmäßig Organisationen und Anwälte, und regelmäßig gewinnen sie vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil diese Schutzhaft rechtswidrig ist.
(Beifall bei der Linken)
Und dieses System von der Außengrenze wollen Sie jetzt hier in Deutschland implementieren. Das verstößt gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Das verstößt auch gegen die EU-Grundrechtecharta.
Sie können sich nicht hierhinstellen und sagen, das würde so nicht stattfinden. Ich frage Sie an der Stelle: Wenn Sie sagen, dass diese Kinder nicht in Haft kommen, wieso haben Sie dann eine riesige Paragrafenliste aufgestellt?
(Alexander Dobrindt, Bundesminister: § 70a!)
Sie haben das in der Gesetzesbegründung aber nicht erläutert, weil Sie wissen, dass das rechtswidrig ist, was Sie da planen. Die Gesetzesbegründung zu § 70a ist einfach schmalspurig; da ist gar nichts drin.
(Zuruf von der AfD: Ist das jetzt eine Rede?)
Da verweisen Sie auf die EU-Verordnung.
Präsidentin Julia Klöckner:
Keine Parallelrede, bitte.
Clara Bünger (Die Linke):
Und da muss ich sagen: Das verstößt gegen Verfassungsrecht und Grundrechte.
(Beifall bei der Linken)
Detlef Seif (CDU/CSU):
Auch Ihr Redebeitrag in dieser Kurzintervention ist aus meiner Sicht wieder total unanständig.
(Beifall bei der CDU/CSU – Widerspruch bei der Linken)
Machen wir uns doch eins deutlich: Sie suchen Vehikel. Sie suchen einige Punkte aus einem Gesetz heraus, übertreiben das und stellen es falsch dar,
(Widerspruch bei der Linken)
weil Sie das System, das wir vorhaben, welches der Steuerung und Ordnung dient, total ablehnen. Sagen Sie das doch! Sie sind doch an keiner Stelle für Ordnung, Steuerung und Begrenzung.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der Linken)
Sie haben höchstes Verständnis – das habe ich auch in den letzten Tagen wieder gesehen – für Straftäter, für Terroristen, für Gefährder.
(Zuruf von der Linken: Unterstellung!)
Da machen Sie sich Sorgen, so in der Anhörung, um diese armen Personen.
(Zurufe von der Linken)
Es geht hier um Personen, die unser Asylsystem möglicherweise ausnutzen.
(Zuruf von der Linken: Es geht um Kinder!)
Es geht um Ordnung, Steuerung und Begrenzung; und deshalb ist das ganz wichtig.
Jetzt zur Frage, die Sie gestellt haben: Wir haben in § 70a Absatz 3 Satz 1 des Asylgesetzes neue Fassung die Formulierung: „Minderjährige werden grundsätzlich nicht in Haft genommen.“ Das ist unsere Aussage. Wir wollen das nicht. Aber in Einzelfällen, in denen das Kindeswohl eine Rolle spielt – und das müssen wir natürlich immer berücksichtigen –, kann das erfolgen, und zwar durch einen Richter.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist denn mit „grundsätzlich nicht in Haft“?)
Der Richtervorbehalt ist da. Es wird zu keiner massenhaften Anwendung dieser Vorschrift kommen; aber wir brauchen diese Vorschrift.
(Beifall bei der CDU/CSU – Zurufe von der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Es gibt eine weitere Frage. Bitte sehr.
Marcel Emmerich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Vielen Dank, lieber Kollege Seif. – Ich habe noch mal eine Frage dazu. Es ist ja mittlerweile allgemein bekannt, dass der Bundesinnenminister und vor allem die CDU/CSU-Fraktion momentan versuchen, in jeder Woche eine Asylrechtsverschärfung auf den Weg zu bringen, zumindest einen Vorstoß in diese Richtung zu machen, und dass deswegen die ganzen Sicherheitsthemen untergehen. Das ist mal eine Feststellung.
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Polizeigesetz war im Kabinett!)
Dann ist es auch so, dass gerade mit Blick auf das GEAS-Umsetzungsgesetz sehr deutliche Kritik auch von den Kirchen kam. Daran möchte ich anknüpfen, weil ich mir schon immer die Frage stelle – gerade jetzt, wo gestern die Konservativen im Europaparlament gesagt haben: Veggiewurst darf nicht „Wurst“ heißen –, warum die CDU eigentlich noch das C im Namen haben darf.
(Steffen Bilger [CDU/CSU]: Die CDU hat anders gestimmt! Das kann man auch mal sagen!)
Herr Seif, ich zitiere jetzt jemanden:
„Die Fraktion muss handlungsfähig sein.“
– Ihre Fraktion ist gemeint. –
„Deshalb müssen sich ihre Mitglieder darauf besinnen, was der Wesenskern christdemokratischer Politik ist. Das ist für mich das christliche Menschenbild. […] Wenn man die eigene Außendarstellung auf wenige Punkte wie die Asylwende reduziert, hat man es sofort schwerer, alle mitzunehmen.“
Das hat Volker Kauder gesagt – er war über zehn Jahre lang CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender – in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“, und zwar nicht vor zehn Jahren, sondern vor sechs Wochen. Was entgegnen Sie ihm?
(Jens Spahn [CDU/CSU]: Es geht hier um eine Asyldebatte!)
Detlef Seif (CDU/CSU):
Vielen Dank, Herr Emmerich, für diese Frage. – Volker Kauder war ein guter Mann, und ich teile auch vollkommen die Ansicht, die er geäußert hat. Aber machen Sie sich mal deutlich – reden Sie auch mit Ruud Koopmans und anderen Migrationsforschern –, dass unser europäisches Asylsystem, das wir auch national umsetzen müssen, letztlich unmenschlich ist. Wir helfen den Stärksten, wir helfen den Jüngsten, wir helfen den Menschen, die es überhaupt an die Grenze der Europäischen Union schaffen.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Personen aus dem Jemen zum Beispiel waren völlig abgeschnitten; niemand hat sich darum gekümmert.
Wir müssen weg von diesem unmenschlichen System. Wir ziehen Menschen an aufgrund sozioökonomischer Unterschiede.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Kein Grund, die Kinderrechtskonvention nicht zu beachten!)
Die bringen sich in höchste Gefahr. Wir hatten in den letzten Jahren über 20 000 Tote im Mittelmeerbereich. Wir wissen gar nicht, wie hoch die Zahlen sind in den vorgelagerten Routen, wahrscheinlich 20 000 oder 30 000. Die machen sich auf den Weg, weil sie sich sozioökonomisch Hoffnung machen – übersetzt: Sie wollen ihr Leben verbessern. Sie wissen aber genau: Sie haben keinen Schutzanspruch. Sie setzen sich trotzdem in Bewegung. Und wenn wir dieses System grundlegend ändern, wenn wir diesen Pull-Effekt entziehen, dann werden wir möglicherweise ein Asylsystem mit menschlichem Antlitz haben.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist doch kein Grund, die Kinderrechtskonvention nicht einzuhalten!)
In diesem berücksichtigen wir schlussendlich auch die Belastungsgrenze Europas und Deutschlands und sind natürlich bereit, humanitär zu helfen, indem wir Kontingente festlegen.
Das System, das wir hier haben, ist von vorne bis hinten Murks. Es funktioniert nicht, hat in den letzten Jahren nicht funktioniert. Und zum Rest sage ich gleich noch was.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Bitte.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Das Problem ist die Steuerung. Nach dem jetzigen europäischen Asyl- und Migrationssystem steuern wir doch nur innerhalb der EU
(Zuruf von der AfD)
und verteilen dann, wenn es zu viele sind. Aber wir haben keine Regelungen, die auch eine Belastungsgrenze nach außen vorsehen. Deshalb müssen wir unbedingt zu einer neuen Politik kommen.
Mit einigen Kollegen war ich in der vergangenen Woche unterwegs in Polen und Litauen, an der Grenze zwischen Polen und Belarus sowie an der Grenze zwischen Belarus und Litauen. Wir haben dort Informationen erhalten, die belegen, wie intensiv hybride Kriegsführung auf den Weg gebracht wird. Das ist nur möglich, weil wir solch ein Asylsystem haben, wie wir es im Moment haben.
Ich bin dem Minister außerordentlich dankbar, dass er sagt: Wir brauchen Änderungen jetzt. – Aber wir brauchen noch viele zusätzliche, weiter gehende Änderungen. Deshalb müssen wir die Rückführungsverordnung ändern, das Verbindungselement muss angepasst werden. Am Ende des Tages brauchen wir Asylverfahren in sicheren Drittstaaten –
Präsidentin Julia Klöckner:
Ihre Zeit ist abgelaufen.
Detlef Seif (CDU/CSU):
– und nicht mehr in der Europäischen Union sowie die Schaffung von Kontingenten.
Präsidentin Julia Klöckner:
Herzlichen Dank.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Dann sind wir auf einem guten Weg.
Präsidentin Julia Klöckner:
Danke sehr.
Detlef Seif (CDU/CSU):
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat nun Herr Abgeordneter Hakan Demir das Wort.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Ansgar Heveling [CDU/CSU])
Hakan Demir (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ein Satz zu Herrn Baumann: Ich bin ja jetzt seit 2021 hier im Deutschen Bundestag, und was ich hier bei den Reden der AfD verfolge, ist eigentlich immer die gleiche Sache: dass man dieses Land schlechtredet, dass man nicht auf die eigenen Versäumnisse guckt. Ich will einen Punkt nennen. Es gibt zum Beispiel die „Sächsischen Separatisten“. Das sind 14, 15 Personen; einige davon sind Mitglieder der AfD. Da frage ich in Richtung AfD: Warum besprechen Sie solche Themen nicht? Warum sagen Sie nicht ganz klar, dass Sie nicht die Lösung für die Probleme in diesem Land sind,
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
sondern in vielen Fällen eine Gefahr für dieses Land sind? Das muss auch einmal klar ausgesprochen werden.
(Beifall bei der SPD)
Zur Einordnung. Dies ist tatsächlich die größte Asylrechtsreform seit den 90er-Jahren. Deshalb ist es wichtig, dass wir darauf einen guten Fokus richten. Und weiter zur Einordnung. 900 000 Menschen sind letztes Jahr nach Europa gekommen. Wenn man sich anguckt, wie viele Menschen hier in Europa leben – es sind 440 Millionen Menschen –, und das mal runterbricht, dann heißt das: Wenn in einem Raum 440 Menschen sind, dann kommt ungefähr 1 Mensch dazu. Das würde funktionieren, wenn es denn innerhalb der Europäischen Union eine Solidarität geben würde.
Und da komme ich zum Punkt. Das jetzige Asylsystem funktioniert nicht. Deshalb ist es richtig, dass man mit den anderen europäischen Staaten etwas Neues versucht hat und jetzt hier vorangeht.
(Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Dazu gehört beispielsweise der Solidaritätsmechanismus, den Nancy Faeser und Olaf Scholz mit vorangebracht haben. Damit sagen wir, dass natürlich auch andere Länder entsprechend ihrer Größe genauso viele Geflüchtete aufnehmen sollten. Nur so kann es funktionieren.
Der Gesetzentwurf zur Umsetzung von GEAS hat über 180 Seiten. Da stehen auch gute Dinge drin, wie beispielsweise, dass den Kindern der Zugang zur Gesundheitsversorgung ermöglicht wird, und zwar genauso wie allen anderen Kindern. Und es muss auch hier einmal gesagt werden, dass der Zugang zu Arbeit für uns ein ganz wichtiges Thema ist. Wir sagen: Menschen, die hierherkommen, die in den Einrichtungen sind, sollen grundsätzlich schon nach drei Monaten Arbeit aufnehmen können. Das ist etwas Gutes für die Teilhabe dieser Menschen in dieser Gesellschaft.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Aber, ja, wir haben noch ein langes parlamentarisches Verfahren vor uns, und wir müssen uns einige Sachen noch angucken. Einige Sachen gibt es so noch nicht im deutschen Recht.
In entsprechenden Einrichtungen, aber auch in den Sekundärmigrationszentren ist es so, dass man auf Anordnung – ja – ausreisepflichtige Personen bis zu 12 Monate und in ganz schlimmen Fällen bis zu 24 Monate in Hausarrest stecken kann. Ich spreche nicht von Haft;
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ah!)
ich spreche von Freiheitsbeschränkungen. Das müssen wir uns natürlich genau angucken.
Und wir müssen uns auch genau angucken, ob es sinnvoll ist, dass das auch für Familien gilt. Auch bei Familien mit Kindern in Sekundärmigrationszentren ist dies möglich; allerdings gilt die Freiheitsbeschränkung dann nur von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens.
All das müssen wir uns angucken vor dem Hintergrund: Ordnung ja, aber auch Menschenrechte. Und ich will hier ganz offen sagen: Wir werden diese Fragen mit in das Verfahren einbringen. Wir werden einige Punkte aufmachen und offen diskutieren. Ich freue mich auf diesen Austausch.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Das war die Debatte hierzu.
Interfraktionell wird Überweisung der Gesetzentwürfe auf den Drucksachen 21/1848 und 21/1850 an die in der Tagesordnung aufgeführten Ausschüsse vorgeschlagen. Gibt es weitere Überweisungsvorschläge? – Das ist nicht der Fall. Dann verfahren wir wie vorgeschlagen.
Ich rufe nun auf den Zusatzpunkt 2:
Erste Beratung des von den Abgeordneten Helge Limburg, Nyke Slawik, Dr. Till Steffen, weiteren Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Grundgesetzes (Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 – Einfügung des Merkmals sexuelle Identität)
Drucksache 21/2027
Überweisungsvorschlag: Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz (f) Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Für die Aussprache wurde eine Dauer von 60 Minuten vereinbart.
Ich bitte, aus Rücksicht auf die nächsten Redner den Wechsel etwas schneller und vor allen Dingen lautloser vorzunehmen. – Herzlichen Dank.
Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun Frau Abgeordnete Nyke Slawik das Wort. Bitte sehr.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Nyke Slawik (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute über den wortgleichen Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes, der vor zwei Wochen bereits im Bundesrat beschlossen wurde. Eine Mehrheit der Bundesländer hat sich klar dafür ausgesprochen: Der Schutz queerer Menschen gehört ins Grundgesetz.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Warum ist das so bedeutend? In Artikel 3 unseres Grundgesetzes steht bereits, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner Sprache, seines Glaubens oder seiner politischen Überzeugung diskriminiert werden darf.
(Beatrix von Storch [AfD]: Genau! Das ist völlig abschließend!)
Das war eine Konsequenz aus den Schrecken des Nationalsozialismus, die die Mütter und Väter des Grundgesetzes zogen: Niemand sollte mehr aufgrund seines Seins verfolgt werden dürfen.
Nicht berücksichtigt wurde jedoch damals eine Gruppe, die massiven Verfolgungen ausgesetzt war: Hunderttausende queere Menschen wurden im Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt, inhaftiert – und manche von ihnen ermordet. Die staatliche Diskriminierung setzte sich in der Bundesrepublik fort. Bis in die 90er-Jahre wurde lesbischen Müttern das Sorgerecht entzogen. Erst 1994 wurde der § 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte, endgültig abgeschafft. Bis 2008 waren Menschen, die das Transsexuellengesetz in Anspruch nahmen, gezwungen, sich scheiden zu lassen, und bis 2011, sich sterilisieren zu lassen. Für manches Unrecht hat sich der deutsche Staat entschuldigt – oft spät, zu spät für viele Betroffene, die nie Wiedergutmachung erfahren haben.
Ja, der Deutsche Bundestag hat in den letzten Jahren viele Gesetze erlassen, die die Lebenssituation von LSBTIQ-Personen verbessert haben – oft nach jahrzehntelangem Ringen, wie bei der Ehe für alle,
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Saskia Esken [SPD] – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
für die 2017 Angela Merkel die Abstimmung öffnete, wodurch sie und auch viele konservative Stimmen die Ehe für alle ermöglichten.
Doch diese Fortschritte spiegeln sich bis heute nicht in unserer Verfassung wider. In Artikel 3 klafft eine Lücke, eine historische Wunde, ein bedrohliches Schweigen. Daher danke ich dem Bundesrat für sein starkes Votum
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Saskia Esken [SPD])
und sage heute: Auch wir als Bundestag müssen uns unserer Verantwortung stellen. Es geht hier nicht um parteipolitische Debatten, sondern um Haltung für Demokratie.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Es geht um Menschlichkeit. Das hat der Bundesrat parteiübergreifend erkannt. Sein Beschluss wurde getragen von Landesregierungen unterschiedlichster Couleur.
Deswegen wünschen wir uns Klarheit und ein Bekenntnis von den Regierungsfraktionen der Union und der SPD für diesen Gesetzentwurf.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der Linken)
Denn das ist kein Gesetzentwurf der Grünen; es ist der Gesetzentwurf Ihrer Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten:
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Kai Wegner, Daniel Günther, Hendrik Wüst, Manuela Schwesig.
(Beatrix von Storch [AfD]: Hört! Hört! Es ist die Union!)
Seit 76 Jahren besteht die Bundesrepublik, seit 76 Jahren fehlt dieser Schutz im Grundgesetz, und seit Jahrzehnten kämpfen Betroffene dafür, dass er endlich ergänzt wird. Es gibt keinen Grund, länger zu warten.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken und der Abg. Saskia Esken [SPD])
Rund 9 Millionen Menschen in Deutschland identifizieren sich als LSBTIQ. Auch sie sind Teil dieses Landes, Teil dieser Demokratie – und sie verdienen ihren Platz in unserer Verfassung.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken – Zuruf von der AfD: Haben sie schon!)
Lassen Sie uns zusammenstehen. Denn unsere Verfassung soll allen Menschen zeigen: Ihr seid gesehen. Ihr seid geschützt. Ihr gehört dazu.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der Linken)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die Fraktion der CDU/CSU hat nun der Abgeordnete Dr. Martin Plum das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Dr. Martin Plum (CDU/CSU):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist ein einfacher Satz, den die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes an seinen Anfang gestellt haben: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Sechs Worte, ganz schlicht, und doch voller Kraft. Denn sie gelten für alle, für jeden Menschen: ganz gleich, woher er kommt, ganz gleich, wer er ist, ganz gleich, was er denkt, ganz gleich, wen er liebt. Kurz gesagt heißt das: Jeder Mensch ist wichtig. Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder Mensch verdient Achtung und Respekt. Dieses Versprechen ist das Fundament unseres Zusammenlebens.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir werden gleich wieder erleben, dass diese Haltung zu diesem Versprechen uns in der Mitte unseres Hauses von denen am Rande unterscheidet. Denn wir begreifen jeden Menschen als Subjekt mit Würde.
(Zuruf des Abg. Stefan Möller [AfD])
Und wir degradieren niemanden zum bloßen Objekt von Häme, Hass und Hetze. Wir unterteilen Menschen nicht in „wertvoll“ und „wertlos“. Nein, wir bekennen uns klar und uneingeschränkt zu Artikel 1 Absatz 1 Satz 1 unseres Grundgesetzes.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Fabian Jacobi [AfD]: Um den geht es hier nicht, Herr Kollege!)
Doch leider erleben wir in unserem Land das Gegenteil. Hass, Häme und Hetze vergiften das Klima – gerade gegenüber Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Sie erleben Ausgrenzung, Missachtung und im schlimmsten Fall offene Gewalt. Populismus und Extremismus sind deshalb die größte Gefahr für Freiheit und Vielfalt in Deutschland. Wer sie befeuert, ist kein Verfassungsfreund. Er ist und bleibt ein Menschenfeind, liebe Kolleginnen und Kollegen.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Unser Grundgesetz schützt hier längst klar und umfassend. Artikel 2 garantiert die sexuelle Selbstbestimmung, Artikel 3 verbietet durch seine Absätze 1 und 3 schon heute Diskriminierungen wegen sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Wenn wir jetzt über eine Änderung des Artikels 3 sprechen, müssen wir uns deshalb ehrlich machen: Diese Änderung ändert nichts. Sie wiederholt verfassungsrechtlich nur das, was längst gilt.
(Zuruf des Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Deshalb müssen wir uns auch fragen: Sind das die Zeiten für reine Symbolpolitik? Oder sind das nicht richtigerweise die Zeiten für konkretes Handeln, für Maßnahmen, die sicherstellen, dass Menschen unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität gleichberechtigt, diskriminierungs- und gewaltfrei leben können?
(Zuruf des Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Das muss doch unser Anspruch sein, und das ist auch unser Anspruch als Koalition.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD – Tobias Matthias Peterka [AfD]: Auch in Neukölln?)
Als Gesetzgeber sollten wir uns zudem an die einfache Regel Montesquieus halten: „Wenn es nicht nötig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es nötig, kein Gesetz zu machen.“ Das gilt auch mit Blick auf unser Grundgesetz: Wenn es nicht nötig ist, es zu ändern, dann ist es nötig, es nicht zu ändern.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wer es ändern will, muss zudem besonderes Feingefühl beweisen.
Erstens bei der Wortwahl. Jedes Wort macht einen Unterschied. „Sexuelle Ausrichtung“, „sexuelle Entfaltung“, „sexuelle Orientierung“, „sexuelle Identität“ – klingt alles ähnlich, ist es aber nicht.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Rheinland-Pfalz hat im Bundesrat deshalb ausdrücklich auf erhebliche Bedenken gegen den Begriff „sexuelle Identität“ hingewiesen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Aha!)
Das kann man nicht einfach so beiseitewischen, wie es der Gesetzentwurf tut.
Zweitens sind Verfassungsfragen immer auch Stilfragen. Wer ernsthaft das Grundgesetz ändern will, der muss das Gespräch suchen und nicht die Konfrontation; denn dafür braucht es eine breite Zweidrittelmehrheit im Bundesrat und im Bundestag.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf der Abg. Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Wer stattdessen einfach einen Vorschlag macht, dem geht es mehr um politische Effekthascherei. Für uns als Koalition ist klar: Wir machen diese Inszenierung nicht mit, und wir lassen uns dadurch schon gar nicht auseinandertreiben.
(Beifall bei der CDU/CSU – Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach! Darum geht es! Nicht um Menschen!)
Freiheit und Vielfalt, sie sind ein hohes Gut. Halten wir beides gemeinsam hoch, nicht durch bloße Symbolpolitik, sondern durch konkrete Entscheidungen, die das Leben der Menschen in unserem Land wirklich besser machen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Carmen Wegge [SPD])
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Fabian Jacobi das Wort.
(Beifall bei der AfD)
Fabian Jacobi (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!
„„Ich verstehe nicht, was Sie mit ‚Glocke‘ meinen“, sagte Alice. Goggelmoggel lächelte verächtlich. „Wie solltest du auch – ich muss es dir doch zuerst sagen. Ich meinte: ‚Wenn das kein einmalig schlagender Beweis ist!‘“ „Aber ‚Glocke‘ heißt doch gar nicht ‚einmalig schlagender Beweis‘“, wandte Alice ein. „Wenn ich ein Wort gebrauche“, sagte Goggelmoggel in recht hochmütigem Ton, „dann heißt es genau, was ich für richtig halte – nicht mehr und nicht weniger.““
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: „Alice im Wunderland“!)
„„Es fragt sich nur“, sagte Alice, „ob man Wörter einfach etwas anderes heißen lassen kann.“ „Es fragt sich nur“, sagte Goggelmoggel, „wer der Stärkere ist, weiter nichts.““
Sie haben diesen berühmten Dialog natürlich wiedererkannt. Alice trifft hinter den Spiegeln auf Goggelmoggel, das sprechende Ei, im Original „Humpty Dumpty“ genannt.
Was aber hat die Spiegelwelt, was Humpty Dumpty mit dem Gesetzentwurf zu tun, den wir hier beraten? Die Grünen wollen die Verfassung ändern. Sie wollen Worte hineinschreiben von der „sexuellen Identität“, die als ein verbotenes Merkmal in Artikel 3 des Grundgesetzes eingefügt werden soll. Was aber diese Wörter eigentlich bedeuten sollen, das sagen uns die Grünen nicht.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Mit Ihnen rede ich sowieso nicht! – Zurufe der Abg. Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Nyke Slawik [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Das dürfte Absicht sein. Und es ist gefährlich. Denn am Ende wird den Wörtern eine Bedeutung verordnet, und zwar durch das sprechende Ei unserer deutschen Spiegelwelt, das Verfassungsgericht.
(Lachen der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Es ist ein verbreiteter Irrtum, dass die Verfassung vom Verfassungsgericht getreulich ausgelegt werde im Sinne dessen, was der Gesetzgeber gewollt hat. Tatsächlich ist es offizielle Doktrin, dass das Verfassungsgericht die Verfassung weiterentwickelt.
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Was ist das für eine Rede? Nicht mal Ihre eigene Fraktion versteht, was Sie hier vortragen!)
Es kann dabei dem beschlossenen Text Bedeutungen beilegen, an die der Verfassungsgesetzgeber nie gedacht hat und die er sogar rundheraus abgelehnt hätte. Manchmal erfindet das Verfassungsgericht dabei Dinge, die es gar nicht gibt,
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
wie etwa ein „drittes Geschlecht“ neben dem weiblichen und dem männlichen.
(Beifall bei der AfD)
Was dieser Goggelmoggel mit den Wörtern „sexuelle Identität“ anstellen könnte, möchte ich nicht herausfinden.
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
Der Begriff in den Händen des Verfassungsgerichts wäre eine geladene und entsicherte Waffe, die auf das Herz der Realität selbst zielt.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD)
Die Feststellung etwa, dass das sexuelle Interesse an Kindern eine „Identität“ begründet, die dann von der Verfassung geschützt wäre, bedarf keiner Überdehnung des Begriffs. Sie liegt vielmehr nahe.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD – Zuruf von der Linken: Unsinn!)
Aber es muss nicht dieses krasse Beispiel sein. Wir haben während der Ampelregierung erlebt, wie die gewollte Realitätszerstörung Einzug in die Gesetzgebung hielt. Mit dem Selbstbestimmungsgesetz hat man,
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
ermuntert durch das Verfassungsgericht, die subjektive, auch die nur angebliche Selbstwahrnehmung einzelner Menschen zur allgemeinverbindlichen Wirklichkeit erklärt.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gutes Verfassungsgericht!)
Mittlerweile darf man die Hoffnung haben, dass sich Realität und Rationalität durchsetzen und dieses verrückte Gesetz wieder aufgehoben wird.
(Beifall bei der AfD)
Das kann ja der Bundestag ohne Weiteres tun. Verhindern kann es das Verfassungsgericht, indem es einfach erklärt, das Gesetz sei von der Verfassung gefordert. Das würde durch die von den Grünen gewollte Verfassungsänderung erleichtert. Es ist auch der mehr oder weniger offen erklärte Zweck der Sache, den Gesetzgeber daran zu hindern, ideologische Verirrungen wieder zu korrigieren.
Damit nicht genug. Wir erleben seit Jahren eine weltweite Epidemie sogenannter Geschlechtsdysphorie. Insbesondere junge Menschen wähnen sich im „falschen Körper“. Und in zu vielen Fällen finden sich Medizinleute, Schamanen,
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ich glaube, ich bin im falschen Film!)
die vorgeben, ein seelisches Unwohlsein zu heilen durch körperliche Eingriffe bis hin zu schwerwiegenden Verstümmelungen.
(Zuruf des Abg. Dr. Ralf Stegner [SPD])
Auch hier gibt es eine Gegenbewegung. Aber es steht zu befürchten, dass Gesetzgeber oder Gerichte die Aufklärung über solche Missstände für illegal erklären wollen. Auch dazu würde die von den Grünen geforderte Verfassungsänderung einen Vorwand liefern.
(Saskia Esken [SPD]: Bundesrat!)
Dass und warum wir als AfD diese Verfassungsänderung ablehnen, sollte deutlich geworden sein.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Aber das ist nicht relevant für die Mehrheit hier! – Zuruf der Abg. Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
– Hören Sie doch mal auf! – Auch die CDU/CSU hier im Bundestag hat verlautbart, dass man dem Gesetzentwurf der Grünen nicht zustimmen werde. Allerdings gibt es – es wurde bereits erwähnt – einen identischen Antrag des Bundesrats, und dem haben mehrere Ministerpräsidenten der CDU zugestimmt.
(Zuruf von der AfD: Hört! Hört!)
Die CDU ist also ein unsicherer Kantonist, wo es um die Verteidigung der Verfassung und der Realität geht.
(Beifall bei der AfD – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Sicherheit vor weiteren Angriffen auf die Verfassung gibt es erst, wenn die AfD so stark ist, dass wir diese Angriffe allein abwehren können.
(Beifall bei Abgeordneten der AfD)
Möge uns der Wähler diese Stärke geben.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die SPD-Fraktion hat Frau Abgeordnete Carmen Wegge das Wort. Bitte.
(Beifall bei der SPD)
Carmen Wegge (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Sehr geehrte Damen und Herren! Stellen Sie sich vor, Sie schlagen unser Grundgesetz auf und lesen dort: Niemand darf wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden.
(Stephan Brandner [AfD]: Da kann man einiges an Schindluder mit treiben, und das wollen Sie auch!)
So ein Satz wäre für ganz viele Menschen in diesem Land ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
So ein Satz wäre mehr als nur ein kleines juristisches Detail. Er wäre ein Versprechen – ein Versprechen an all jene, die tagtäglich dafür kämpfen, einfach sie selbst sein zu dürfen: ohne Angst, ohne Scham und ohne Diskriminierung.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Und genau dieses Versprechen wollen wir als SPD-Fraktion auch endlich mit einlösen.
Ja, natürlich unterstützen wir das Ziel, die sexuelle Identität im Grundgesetz zu verankern. Die SPD hat für Gleichstellung nicht erst dann gekämpft, wenn es gerade populär war. Wir haben sie immer mit erkämpft.
(Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
Wir haben für die Ehe für alle gestritten, bis sie 2017 endlich eingeführt wurde. Wir haben die Abschaffung des schrecklichen § 175 StGB vorangetrieben, haben das diskriminierende Transsexuellengesetz endlich abgeschafft und das Selbstbestimmungsgesetz mit beschlossen und kämpfen bis heute noch immer für gleiche Rechte für Familien, in der Arbeit und in der Gesellschaft.
(Beifall bei der SPD)
Für uns ist das keine Symbolpolitik, sondern klare Haltung für eine freie, gerechte und solidarische Gesellschaft. Aber – und das sage ich mit großem Respekt gegenüber den Kolleginnen und Kollegen der Grünen – es reicht eben nicht, nur das richtige Ziel zu haben. Man muss auch den richtigen Weg dorthin wählen. Wer unser Grundgesetz verändern will, muss das mit Sorgfalt tun, mit Gründlichkeit, mit Weitblick und auch mit der Bereitschaft, Mehrheiten dafür zu schaffen.
(Zurufe der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] und Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Einfach einen Entwurf ins parlamentarische Verfahren zu bringen, ohne den Dialog mit den anderen demokratischen Fraktionen zu suchen,
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wie lange sollen wir noch warten?)
ohne vorher abzustimmen, wie man gemeinsam vorgeht, das ist kein Ausdruck von Entschlossenheit, das ist ein Schnellschuss. Und ich sage es offen: Das ist auch Symbolpolitik. Und Symbolpolitik hilft am Ende niemandem,
(Zuruf der Abg. Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
schon gar nicht den Menschen, um die es hier geht.
Denn ich weiß, was dieser Satz bedeuten würde für junge queere Menschen, die sich endlich vom Staat gesehen fühlen,
(Fabian Jacobi [AfD]: Um Gottes willen!)
für Ältere, die jahrzehntelang versteckt leben mussten, für Familien, die sich immer wieder erklären müssen, weil sie nicht in das Raster passen. Sie alle verdienen eine respektvolle und ernsthafte, breite Debatte. Und genau deshalb dürfen wir dieses Thema nicht zum politischen Spielball machen.
Präsidentin Julia Klöckner:
Frau Abgeordnete, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Grünenfraktion zu?
Carmen Wegge (SPD):
Natürlich.
Präsidentin Julia Klöckner:
Bitte sehr.
Dr. Irene Mihalic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Sehr geehrte Kollegin Wegge, Sie haben uns eben vorgeworfen, hier den Gesetzentwurf einzubringen, ohne vielleicht vorher mal ausgelotet zu haben, ob es in diesem Haus dafür irgendeine Bereitschaft gibt, das mitzutragen.
Ich möchte erst einmal richtigstellen: Unsere Fraktion hat selbstverständlich vorher ausgelotet, ob die Koalitionsfraktionen bereit gewesen wären, die Bundesratsinitiative, die ja mit breiter Mehrheit beschlossen wurde, hier in den Deutschen Bundestag gemeinsam mit uns einzubringen. Die Antwort der Koalition auf meiner Ebene war sehr eindeutig, und sie lautete wörtlich: Daran haben wir kein Interesse.
(Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Hört! Hört!)
So, und jetzt frage ich Sie, liebe Kollegin Wegge: Hat sich an dieser Haltung irgendetwas geändert, und glauben Sie, dass sich absehbar an dieser Haltung irgendetwas ändern wird?
Denn eines möchte ich auch in Aussicht stellen: Wir haben ein ehrliches Interesse daran, diese Bundesratsinitiative mit Ihnen gemeinsam zum Erfolg zu führen, und ich kann Ihnen auch hier und heute versprechen: Sobald Sie die Bereitschaft mitbringen, diese Bundesratsinitiative gemeinsam mit uns aufzusetzen – und Sie haben ja auch reichlich Gelegenheit, das mit Ihrem Koalitionspartner auszuloten –, dann sind wir sofort bereit, unseren Gesetzentwurf zurückzuziehen. Darauf können Sie sich verlassen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Carmen Wegge (SPD):
Liebe Kollegin, danke für die Frage. – Ich kann jetzt natürlich nur für meine Ebene reden. Als rechtspolitische Sprecherin ist mir bekannt, dass man, wenn man über Grundgesetzänderungen in diesem Parlament debattiert, sich erst mal zusammensetzt,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Die Parlamentarischen Geschäftsführer!)
Fachgespräche führt und sich dann gemeinsam dafür entscheidet, einen eigenen Gesetzentwurf einzubringen.
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dieser Weg steht Ihnen offen, Frau Wegge!)
Sie haben jetzt gerade gesagt, es ginge einfach nur darum, ob wir die Bundesratsinitiative einbringen,
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: „Kein Interesse“ wurde uns gesagt!)
und da würde ich weiterhin bei meiner Aussage bleiben: Das ist nicht unbedingt der Weg, wie man hier im Deutschen Bundestag zur Grundgesetzänderung kommt; denn am besten setzt man sich gemeinsam hin und diskutiert, auf welche Wörter – das wurde ja vorhin auch schon ausgeführt –
(Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
man sich vielleicht verständigen kann, um dann gemeinsam eine Zweidrittelmehrheit herbeizuführen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist nicht überzeugend!)
Und deswegen finde ich schon, dass Sie auf Konfrontation gesetzt haben, indem Sie diesen Gesetzentwurf jetzt eingebracht haben.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt reicht es aber!)
Und Sie wissen auch, dass am Ende deshalb gar nichts passiert, und das ist aus meiner Sicht ein fatales Signal an all die Menschen, die seit Jahren auf diesen Moment warten.
Unser Ziel sollte es doch sein, dieses Land gemeinsam gerechter zu machen,
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das bezieht sich nicht auf meine Frage!)
und das schaffen wir nicht, indem wir uns gegenseitig übertrumpfen, sondern indem wir Brücken bauen zwischen den demokratischen Fraktionen, zwischen den Perspektiven und auch zwischen den Menschen.
(Zuruf des Abg. Tobias Matthias Peterka [AfD])
Und was es jetzt braucht, ist ein gemeinsamer, ehrlicher Prozess, also vielleicht ein gemeinsames Zusammensetzen, ein Prozess, der alle demokratischen Kräfte einbindet, der die Stimmen der Betroffenen hört und einen breiten gesellschaftlichen Konsens schafft, damit dieser Satz in Artikel 3 nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch in unserer politischen Kultur verankert ist.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann reden Sie doch mal mit Ihrer Leitung!)
Ich sage für die SPD-Fraktion ganz klar: Wir sind bereit, diesen Weg zu gehen. – Das ist ja jetzt vielleicht auch eine Antwort, die Sie hören wollen. Wir werden auch weiter dafür kämpfen, dass niemand wegen seiner Identität, seiner Liebe oder seiner Lebensweise diskriminiert wird, aber wir tun das gerne gemeinsam.
Dieser Gesetzentwurf mag in der Sache richtig sein, aber das Vorgehen ist es nicht. Wer das Grundgesetz ändern will, sollte zuerst das Gespräch mit allen demokratischen Fraktionen suchen.
Vielen lieben Dank.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf des Abg. Fabian Jacobi [AfD])
Präsidentin Julia Klöckner:
Nun hat für Die Linke der Abgeordnete Maik Brückner das Wort. Bitte sehr.
(Beifall bei der Linken)
Maik Brückner (Die Linke):
Frau Präsidentin! Heute geht es um eine ganz einfache Sache: Niemand soll wegen seiner sexuellen Identität benachteiligt werden, nicht mehr und nicht weniger, und das soll im Grundgesetz verankert werden.
(Beifall bei der Linken)
Es geht nicht um Sonderrechte, es geht um den gleichen Schutz für alle.
Präsidentin Julia Klöckner:
Entschuldigung, einen Moment mal. Wenn in der ersten Reihe über Fraktionen hinweg gesprochen wird, dann ist das nicht in Ordnung. Bitte geben Sie dem Redner eine Chance.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sorry!)
Maik Brückner (Die Linke):
Danke schön. – Der Bundesrat hat den Gesetzentwurf zur Ergänzung von Artikel 3 Grundgesetz inzwischen auf den Weg gebracht. Der Regierende Bürgermeister von Berlin Kai Wegner hat sich im Vorfeld der Berliner Bundesratsinitiative mehrfach geäußert. Er warnte eben auch vor Schnellschüssen.
Aber mal im Ernst: Die Idee ist wirklich nicht neu.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Schon der Verfassungsentwurf des Runden Tisches in der DDR sah in Artikel 1 Absatz 2 einen Schutz vor Diskriminierung wegen sexueller Orientierung vor. Leute, das war vor 35 Jahren! Der heute 52-jährige Wegner war damals noch nicht mal volljährig. Von einem Schnellschuss kann ja nun wirklich keine Rede sein! Es wird höchste Zeit, dass wir da endlich vorankommen.
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Debatte um Artikel 3 ist so alt wie das Grundgesetz selbst. In den 1940er-Jahren setzte sich Elisabeth Selbert, eine der wenigen Frauen im Parlamentarischen Rat, dafür ein, dass es im Grundgesetz heißt: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“
(Stephan Brandner [AfD]: Ja, das steht dadrin, das ist korrekt!)
Sie hat sich durchgesetzt. Aber auch dieser Fortschritt musste gegen massiven Widerstand erkämpft werden. Auch damals ist von rechts der Untergang des Abendlandes beschworen worden. Heute erscheint uns Selberts Formulierung als völlige Selbstverständlichkeit. Zu Recht!
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Ich habe auch mit großem Interesse wahrgenommen, dass Teile der CDU jetzt für sich in Anspruch nehmen, dass der Bundesrat sich für eine Ergänzung von Artikel 3 starkmacht. Es ist gut, wenn Sie Ihre ursprüngliche Ablehnung des Vorhabens jetzt korrigieren.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Sie haben jetzt die Chance, das Ganze zu vollenden, und Sie haben dabei einen großen Teil der Abgeordneten hier im Haus an Ihrer Seite. Alle Parteien haben sich doch inzwischen eine Meinung gebildet. Bei jeder Partei ist klar, wie sie abstimmen wird; nur die Union zögert noch. Es hängt alleine an Ihren Stimmen, ob der Bundestag einer Grundgesetzänderung zustimmt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der Union, lieber Herr Spahn, Sie haben die Wahl: Flirt mit der extremen Rechten oder Grundgesetz stärken.
(Beifall bei der Linken)
Ihre CDU-Parteifreunde in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben eine Entscheidung getroffen. Schließen Sie sich dem an. Machen Sie den Rücken gerade.
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Schauen wir uns doch mal in Europa um. Das EU-Mitglied Slowakei hat unter der Regierung von Robert Fico gerade die Verfassung geändert, sodass der Staat nur noch zwei Geschlechter anerkennt.
(Stephan Brandner [AfD]: Richtig so!)
In Ungarn ist das schon lange Realität. In Deutschland könnte innerhalb der EU und auch darüber hinaus ein starkes Zeichen gesetzt werden, indem es einen anderen Weg geht.
(Beifall bei der Linken)
Zur Erinnerung: Der Bundeskanzler hat mir während der Regierungsbefragung garantiert, er werde alles dafür tun, dass queere Menschen in Deutschland ein gutes Leben haben. Ich finde, es wäre an der Zeit, langsam auch mal ins Machen zu kommen.
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Die Linke stimmt selbstverständlich jedem Fortschritt zu, auch wenn er noch so klein erscheint. Wir sagen aber auch: Die Diskriminierung von trans-, intersexuellen und nichtbinären Menschen muss zweifelsfrei ausgeschlossen werden. Wir halten es deshalb für notwendig, dass auch das Merkmal der geschlechtlichen Identität in Artikel 3 aufgenommen wird.
(Beifall bei der Linken)
Und wenn wir schon dabei sind: Streichen Sie doch endlich auch den unsäglichen Begriff „Rasse“ aus Artikel 3. Es gibt keine Menschenrassen.
(Beifall bei der Linken und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn man will, dass Menschen nicht rassistisch diskriminiert werden, dann muss man das auch so in das Grundgesetz schreiben.
(Zurufe von der AfD)
– Jetzt halten Sie mal Ihren rechten Rand, mein Gott.
(Beifall bei der Linken – Stephan Brandner [AfD]: Streichen Sie mal „Rassismus“ aus Ihrem Wortschatz!)
Zwischen Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit gibt es einen oft himmelschreienden Unterschied. Selberts Erfolg hat das Patriarchat nicht beendet. Auch weitere Ergänzungen zum Artikel 3 werden uns nicht vor den Auswirkungen einer drohenden rückschrittlichen, queerfeindlichen Gesellschaft schützen. Klar, eine Grundgesetzänderung wird nicht verhindern, dass Rechtsextreme CSDs angreifen oder queere Menschen auf der Straße zusammengeschlagen werden.
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Frau von Storch zu?
Maik Brückner (Die Linke):
Nein.
Präsidentin Julia Klöckner:
Nein.
(Stephan Brandner [AfD]: Sie haben Angst, oder? Man riecht den Angstschweiß bis hier vorne!)
Maik Brückner (Die Linke):
Eine Grundgesetzänderung wird auch nicht verhindern, dass Regierungen die Mittel streichen wie aktuell für die Aidshilfen oder Projekte für queere Wohnungslose. Wenn ein queerer Club wegen gestiegener Mieten oder Energiekosten dichtmacht, dann wird das auch das Bundesverfassungsgericht nicht ändern. Es braucht eine andere Politik.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Wir müssen aktiv etwas dafür tun, dass queere Menschen in Deutschland ein gutes Leben haben: im Regierungshandeln, im Alltag, aber auch durch praktische Solidarität in den Communitys. Eine fortschrittliche Verfassung kann uns den Rücken stärken in unserem alltäglichen Kampf für eine gerechte Gesellschaft. Wir brauchen das klare Bekenntnis zu Vielfalt und Raum für freie Entfaltung. Und wir brauchen Zugang zu guter Gesundheitsversorgung, zu günstigen Mieten und zu fairen Löhnen. Wir wollen keine Sonderrechte. Wir wollen gleiche Rechte für alle.
(Beifall bei der Linken sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die CDU/CSU-Fraktion hat der Abgeordnete Ansgar Heveling das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie der Abg. Saskia Esken [SPD])
Ansgar Heveling (CDU/CSU):
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Jeder Mensch in unserem Land hat das Recht, frei, sicher und ohne Diskriminierung zu leben. Niemand darf ausgegrenzt oder benachteiligt werden.
(Stephan Brandner [AfD]: Außer AfD, oder?)
Das ist Kern unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und bereits heute geltendes Verfassungsrecht.
Was also zur Debatte steht, ist nicht die Frage, ob Menschen vor Diskriminierung geschützt werden müssen, sondern ob eine Verfassungsänderung nötig ist, um den Katalog der Benachteiligungsverbote des Artikels 3 Absatz 3 des Grundgesetzes zu ergänzen.
(Beatrix von Storch [AfD]: Ihre CDU-Kollegen meinen das!)
Natürlich kann man die Diskussion auch zum Anlass für ein verfassungspolitisches Blame Game nehmen, welches Bundesland in welcher politischen Färbung auch immer sich für oder gegen eine Ergänzung ausspricht.
(Beatrix von Storch [AfD]: Das sind Fakten!)
Das wäre allerdings allzu billig und würde der Sache nicht gerecht; denn wir sollten uns der Frage an der Sache orientiert annähern.
Da muss man zugestehen: Mit Blick auf die Sichtbarkeit eines Benachteiligungsverbots im Hinblick auf die sexuelle Orientierung hat der Gesetzentwurf der Grünen einen Punkt. Ein solches Merkmal steht expressis verbis nicht im Grundgesetz.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Jenseits einer sprachlichen Lücke ist aber die Frage entscheidender: Gibt es eine materiell-verfassungsrechtliche Lücke? Und die Frage ist klar mit Nein zu beantworten. Materiell-verfassungsrechtlich ist auch die sexuelle Orientierung durch die gefestigte Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts als Quasidiskriminierungsverbot oder Analogmerkmal – so wird es in der Rechtswissenschaft bezeichnet – anerkannt durch Auslegung der Verfassung.
Es bleibt also festzuhalten: Materiell-verfassungsrechtlich ist der Schutz der sexuellen Orientierung bereits jetzt vollständig abgesichert. Er leitet sich formal aus Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes ab, ist aber als echtes Diskriminierungsverbot wie aus Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes anzusehen. Das ist gefestigte Rechtsprechung, und daran ist auch nicht zu rütteln.
Wenn es aber materiell keine verfassungsrechtliche Lücke gibt, ist aus unserer Sicht Vorsicht geboten, wenn es um die Ergänzung des Grundgesetzes geht. Frei nach dem Motto von Montesquieu – der Kollege Plum hat es schon genannt –: Wenn es nicht notwendig ist, ein Gesetz zu machen, dann ist es notwendig, kein Gesetz zu machen.
Allein die mangelnde Sichtbarkeit im Verfassungstext reicht jedenfalls nicht aus, um eine Änderung des Grundgesetzes zu begründen. Da ist es unsere Aufgabe als Politik, für die Sichtbarkeit zu sorgen.
Zu Recht verweist der vorliegende Gesetzentwurf auf besorgniserregende Zahlen zu Diskriminierung und Hasskriminalität. Diese Entwicklungen sind in der Tat ernst zu nehmen. Das ist unstrittig. Aber kein einziger dieser Fälle ließe sich durch eine Änderung des Grundgesetzes verhindern. Aber verfolgen und bekämpfen lassen sich diese Fälle bereits jetzt auf der Grundlage unserer Verfassungs- und Rechtsordnung. Straftaten werden durch konsequente Strafverfolgung, durch gesellschaftliche Bildung und durch Aufklärung bekämpft. Unser Grundgesetz lebt davon, dass es mit relativ wenig Worten sehr viel sagt und damit offen für zeitgemäße Lösungen ist. Das zeigt die gefestigte Verfassungsrechtsprechung zur Frage der sexuellen Orientierung.
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Abgeordneter, lassen Sie eine Zwischenfrage aus der Grünenfraktion von Frau Schauws zu?
Ansgar Heveling (CDU/CSU):
Ja, vor dem letzten Satz meiner Rede.
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich habe es geahnt; deshalb habe ich mir ja Mühe gegeben, zu fragen.
Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Lieber Herr Kollege Heveling, wir beide sind jetzt schon eine ganze Weile in diesem Bundestag und haben auch schon über die Grundgesetzänderung des Artikel 3 Absatz 3 miteinander diskutiert. Zwischen 2017 und 2021 – also vor zwei Wahlperioden; das will ich nur mal in Erinnerung rufen – war die Fraktion der CDU/CSU – Herr Luczak nickt – in vielen Debatten mit vielen demokratischen Fraktionen an der Stelle, diese Grundgesetzänderung, die Ergänzung von Artikel 3 Absatz 3 um das Merkmal der sexuellen Identität, vorzunehmen, deutlich weiter. Und es gab auch in der AG Recht der CDU/CSU-Fraktion dazu Beschlusslagen.
Sagen wir mal so: Sie tun ein bisschen so, als hätten Sie diese Diskussion noch nicht geführt,
(Fabian Jacobi [AfD]: Man darf sich eines Besseren besinnen! Das ist erlaubt!)
vielleicht nicht in der aktuellen Zusammensetzung der Fraktion, aber sei es drum. Diese Debatten, die wir miteinander darüber geführt haben, hatten zur Grundlage, dass wir gesagt haben, dass es, wie die Kollegin Slawik ausgeführt hat, nach dem Ende des Nationalsozialismus keine sichtbare Ergänzung bezüglich der sexuellen Identität im Grundgesetz gab.
(Fabian Jacobi [AfD]: Können wir mal den Nationalsozialismus rauslassen?)
Jetzt sagen Sie: Es ändert nichts, wenn wir die Änderung vornehmen. Deswegen müssen wir sorgfältig vorgehen. – Deswegen frage ich jetzt zwei Dinge:
Erstens. Wieso waren Sie damals eigentlich schon an dieser Stelle, zu sagen, Sie könnten sich eine Grundgesetzänderung vorstellen?
Zweitens. Wieso sind die von CDU-Ministerpräsidenten geführten Länder, die im Bundesrat diesen Gesetzentwurf vorgelegt haben, der Meinung, dass dieses Gesetz notwendig ist?
Sie müssen jetzt noch mal erläutern, warum das aus Ihrer Parteilogik her jetzt nicht der Fall sein soll,
(Beatrix von Storch [AfD]: Gute Frage!)
aber die Kollegen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen der Meinung sind
(Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Wegner in Berlin!)
– Herrn Wegner in Berlin will ich auch nicht vergessen –, dass diese Grundgesetzänderung notwendig ist,
(Stephan Brandner [AfD]: Wie lange ist eigentlich die Redezeit für diese Frage?)
die wir alle zum Schutz von queeren Menschen für notwendig erachten.
Vielen Dank.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Kathrin Gebel [Die Linke])
Ansgar Heveling (CDU/CSU):
Liebe Frau Kollegin Schauws, ich weiß jetzt nicht, ob Sie bei der Frage das „Sie“ klein oder groß gesagt haben. Wenn Sie es groß gesagt haben, also auf mich bezogen: Ich war schon in der Vergangenheit der Auffassung, dass wir keine Ergänzung des Grundgesetzes aus den von mir vorgetragenen materiell-verfassungsrechtlichen Gründen brauchen. Dass wir natürlich in der Union, auch in der Bundestagsfraktion, schon eine längere Diskussion haben und auch unsere Vertreter aus den Bundesländern unterschiedliche Auffassungen haben, zeigt letztlich nur, dass wir auch eine Partei der Vielfalt sind, die verschiedene Positionen diskutiert.
Wir haben uns – bisher jedenfalls – in der Bundestagsfraktion aus den wohlerwogenen Gründen dafür entschieden, eine Ergänzung eben nicht vorzusehen, weil wir sie materiell-verfassungsrechtlich nicht für notwendig ansehen. Ich sagte es und wiederhole es: Das Grundgesetz lebt davon, dass es mit relativ wenig Worten sehr viel sagt und dadurch offen für zeitgemäße Lösungen ist – ich bin mit der Beantwortung fertig –,
(Abg. Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] nimmt wieder Platz)
und das zeigt die gefestigte Verfassungsrechtsprechung eben auch schon zu Fragen der sexuellen Orientierung. Es gibt von daher materiell-rechtlich gesehen keine Lücke.
Wir werden uns den Beratungen natürlich nicht verschließen, aber auch nicht den guten Gründen, die gegen eine Ergänzung des Grundgesetzes sprechen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Präsidentin Julia Klöckner:
Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Stephan Brandner das Wort.
(Beifall bei der AfD)
Stephan Brandner (AfD):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Deutschland befindet sich in der schlimmsten Krise der Nachkriegszeit; man weiß nicht, ob am Anfang oder in der Mitte. Wir sind hier in der Primetime, Hunderttausende schauen zu, und Sie kommen mit so einem abgelutschten Antrag aus der Schublade „grüner Mist“ daher und langweilen damit die Leute.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Dann gehen Sie doch einfach! Dann gehen Sie doch, wenn Sie gelangweilt sind! – Zuruf des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Also, wir finden es komisch, dass hier nicht andere Schwerpunkte gesetzt werden.
Aber gerne zum Thema: Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden; das steht in Artikel 3 unseres Grundgesetzes, und das ist auch gut so. Da haben die Väter und Mütter – also die Eltern – des Grundgesetzes abschließend alles geregelt, was sich um das Geschlecht dreht. Wenn man da noch Artikel 2 dazu nimmt, dann wird die Sache rund. Es gibt nicht ansatzweise irgendeinen Grund, den Firlefanz der geschlechtlichen Identität ins Grundgesetz einzufügen,
(Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist kein Firlefanz!)
ohne auch nur ansatzweise anzudeuten, was das überhaupt sein soll.
(Beifall bei der AfD – Fabian Jacobi [AfD]: Es gibt schon Gründe, aber schlechte!)
Denn selbst wenn man völlig verrückterweise auf die Idee kommen könnte oder sollte, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt – aber wer tut das hier schon? ich sehe: es ist hier gerade keiner dabei –, dann wäre das ja subsumtionsfähig unter „Geschlechter“, die schon im Artikel 3 des Grundgesetzes stehen.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Reden Sie mit der Hand!)
Meine Damen und Herren, ich habe es vorgelesen: alles drin. Es gibt überhaupt gar keinen Regelungsbedarf.
Dann fragt man sich schon: Wenn alles Regelungsbedürftige schon abschließend geregelt ist, was treibt dann die links-grün-woke Community und einige CDU-Ministerpräsidenten – bei denen „CDU“ dransteht, aber links-grün drin ist – dazu, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der sich irgendwo zwischen Quatsch und Mumpitz bewegt und die sexuelle Identität ins Grundgesetz bringen soll?
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: In welcher Welt leben Sie eigentlich? Lächerlich!)
Meine Damen und Herren, es ist ja in Deutschland nicht so, dass es nur Zoophile gibt. „Zoo-“ kommt von „Tierpark“; das sind also Menschen, die sich auf besondere Art und Weise Tieren hingezogen fühlen.
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Thema verfehlt!)
Es ist auch nicht nur so, dass BDSM-Anhänger oder Skoliosexuelle ihre Vorlieben gern – –
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist widerwärtig, Herr Brandner! Das ist widerwärtig, so einen Vergleich zu ziehen! – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Widerlich! Widerlich! – Zuruf des Abg. Boris Mijatović [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
– Das gibt es alles tatsächlich, Frau Roth. Sie glauben gar nicht, an was ich denke, wenn ich Sie sehe, muss ich ganz ehrlich sagen.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der AfD)
Aber das gibt es alles wirklich.
Präsidentin Julia Klöckner:
Also, das geht jetzt hier zu weit.
Stephan Brandner (AfD):
Das gibt es wirklich. Sie glauben gar nicht, was für – –
Präsidentin Julia Klöckner:
Nein, nein, nein. Herr Brandner, jetzt bin ich hier gerade dran.
Stephan Brandner (AfD):
Ich werde doch hier gerade gestört.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nein, Sie sind nicht dran! – Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sie haben nicht das Wort! – Maik Brückner [Die Linke]: Unsinn!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Herr Brandner, ich habe jetzt das Wort, weil ich die Sitzung leite. Hier schreite ich gerade ein. Sie schauen auf Abgeordnete –
Stephan Brandner (AfD):
Ja, sie hat mich angesprochen.
Präsidentin Julia Klöckner:
– nein, noch mal: ich bin gerade dran – und vergleichen sie mit Vorlieben. Wenn Sie jetzt so weitermachen, dann schneide ich Ihnen das Wort hier ab.
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
Passen Sie auf: Sie können das jetzt beklagen. Aber ich schreite auch ein, wenn Ihnen etwas gerechtfertigterweise nicht passt.
(Lachen des Abg. Fabian Jacobi [AfD])
Aber diese selektive Wahrnehmung lasse ich hier nicht zu.
(Fabian Jacobi [AfD]: Spezialistin für selektive Wahrnehmung!)
Bitte sehr.
Stephan Brandner (AfD):
Also, das war ein Zwischenruf, und ich habe darauf geantwortet.
(Maik Brückner [Die Linke]: In welcher Weise!)
Aber ich möchte nicht, Frau Präsidentin, dass Sie mir irgendetwas abschneiden; deshalb bleibe ich hier natürlich ganz nah am Thema.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Altherrenwitze! Echt!)
Also, ich habe über Zoophile geredet, über Personen, die sich gerne mit BDSM beschäftigen, über Skoliosexuelle und solche Geschichten.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das entspringt Ihren Fantasien vielleicht!)
Das alles mag ja unter dem Begriff „sexuelle Identität“ laufen; aber darunter laufen natürlich auch Pädophilie und Päderastie.
(Maik Brückner [Die Linke]: Unsinn!)
Und wenn man sich mal anschaut, wer sich da wie definiert, sieht man: Es gibt eine Pädo-Community, die sich als „minor attracted people“ sieht,
(Dr. Irene Mihalic [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es geht um Identität und nicht um Vorlieben, Herr Brandner! Das ist doch ungeheuerlich! Das ist das Allerletzte! – Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
also sich von Kindern angezogen fühlt. Die fühlt sich wegen ihrer nicht normativen Identität marginalisiert und stigmatisiert, meine Damen und Herren. Da wird die Sache dann doch rund.
(Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Und genau deswegen ist die Änderung des Grundgesetzes notwendig! Genau wegen solcher Äußerungen! Ekelhaft ist das! – Gegenruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD]: Ekelhaft ist die Geschichte der Grünen! – Zurufe vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Der Verdacht von uns, von der AfD, ist sehr groß, dass die Missbrauchsmöglichkeiten, die geschaffen werden, ganz erheblich sind.
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Stellen Sie sich eigentlich dumm, oder sind Sie’s?)
Gehen wir noch mal auf die Zoophilen ein.
(Zuruf der Abg. Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
Die haben gegen das Tierschutzgesetz geklagt – ich hoffe, das Kopfkino funktioniert gerade bei Ihnen nicht – und Gott sei Dank verloren.
(Katharina Dröge [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: So eine ekelhafte Rede! Widerlich! Widerlich, Herr Brandner!)
Wenn wir jetzt aber das Grundgesetz so überfrachten, wie Sie das wollen, besteht natürlich die erhebliche Gefahr, dass das Grundgesetz ein gefährliches Instrument wird
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Sie sind eine Schande für die Demokratie! Eine Schande! – Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es wird nicht besser!)
und dann eine Rechtsprechung einleitet, die von keinem in diesem Haus mehr zu vertreten ist oder gutgeheißen wird.
(Maik Brückner [Die Linke]: Das ist Unsinn!)
Das verhindern wir dadurch, dass wir Ihren völlig absurden Antrag ablehnen und in die grüne Tonne hauen.
(Beifall bei der AfD – Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Genau deswegen ist diese Änderung notwendig!)
Es wundert natürlich sehr, dass die CDU dabei mitmacht. Wir haben das Rumgeschwurbel gerade gehört.
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Schämen Sie sich für Ihre Rede! Widerlich ist das!)
– Schämen Sie sich für Ihre unsinnigen Zwischenrufe!
(Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ey! – Sven Lehmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nee! Schämen Sie sich für Ihre Rede! Ihre ganze Rede!)
Ich würde mich freuen, wenn Sie da mal eingreifen würden, Frau Klöckner, und mich hier nicht beleidigen lassen würden.
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Unanständig! – Nadine Heselhaus [SPD]: Das ist keine Beleidigung!)
Sie als CDU sollten sich fragen lassen, warum Ihre CDU-Ministerpräsidenten da mitmachen. Was ist denn das für eine Art und Weise, angeblich Konservatismus zu leben?
(Carmen Wegge [SPD]: Konservativ ist kein Menschenhass!)
Also, da sind Sie auf dem völlig falschen Ast, und ich bin sicher: Auch als Bundestagsfraktion werden Sie umfallen. Sie werden dem links-grün-woken Zeitgeist nachgeben, weil Sie auf diese Typen und Typinnen von links und den Grünen
(Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Jetzt reicht’s aber!)
massiv angewiesen sind bei dem, was Sie mit Deutschland und den Bürgern vorhaben.
(Britta Haßelmann [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist einfach menschenfeindlich, was Sie machen!)
Da gnade uns Gott.
Wir stehen außen vor. Wir retten die Gesellschaft,
(Vinzenz Glaser [Die Linke]: Das glauben Sie doch selber nicht!)
wir retten Deutschland, wir retten die Bürger vor jedem links-grün-woken Unsinn.
Vielen Dank.
(Beifall bei der AfD – Claudia Roth [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Unerträglich! Schämen Sie sich!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Ich will es jetzt noch mal erläutern: Der Zwischenruf „Schämen Sie sich!“ ist keine Beleidigung,
(Zuruf von der AfD: Ach so!)
egal von welcher Seite.
(Dr. Christoph Birghan [AfD]: Ja, ja!)
Das haben wir bisher auch bei Ihnen im Übrigen nicht gerügt. Aber ich will sehr klarmachen – und deshalb rüge ich das auch –, dass es sich nicht gehört, Menschen mit unterschiedlicher sexueller Identität hier lächerlich zu machen.
(Stephan Brandner [AfD]: Das machen die schon selber!)
Man kann unterschiedlicher Meinung zu Gesetzentwürfen oder Anträgen sein. Aber Menschen lächerlich zu machen, gehört sich hier in diesem Hohen Haus nicht,
(Beifall bei der CDU/CSU, der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der Linken)
und deshalb rüge ich das auch.
Für die SPD-Fraktion – –
(Fabian Jacobi [AfD]: Das ist nicht nur lächerlich, sondern auch gefährlich für andere!)
– Also, wenn Sie jetzt noch einen drauflegen, sind Sie nicht mehr im Saal.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Wer denn?)
Das Wort hat jetzt für die SPD-Fraktion der Abgeordnete Hakan Demir.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Hakan Demir (SPD):
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Herr Brandner, Ihre Rede war unerträglich.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: Nö! Des Volkes Stimme war das! – Stephan Brandner [AfD]: Sie hätten ja rausgehen können! – Fabian Jacobi [AfD]: Sie haben es überlebt!)
Es kann sein, dass Sie den Inhalt des Antrags einer demokratischen Partei nicht gut finden. Aber Sie müssen mit diesem Antrag mit Respekt umgehen – das geziemt sich hier in diesem Haus –, und das haben Sie hier nicht gemacht.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stephan Brandner [AfD]: Das war der gebotene Respekt!)
Präsidentin Julia Klöckner:
Lassen Sie bereits jetzt eine Zwischenfrage zu?
Hakan Demir (SPD):
Nein, danke.
(Tobias Matthias Peterka [AfD]: Ziemlich respektlos!)
Sehr geehrte Damen und Herren, es ist überhaupt nicht begründungsbedürftig, warum die sexuelle Identität ausdrücklich in den speziellen Diskriminierungsschutz des Artikels 3 Absatz 3 hineingehört. Es ist begründungsbedürftig, dass sie da immer noch nicht drinsteht,
(Fabian Jacobi [AfD]: Das habe ich doch gerade getan! Das habe ich gerade begründet! Haben Sie nicht zugehört?)
schreibt der LSVD+, Verband Queere Vielfalt, und das stimmt.
Es stimmt auch, dass wir, wie wir heute gehört haben, keine absolute Mehrheit brauchen, sondern eine Zweidrittelmehrheit in diesem Haus. Ich glaube, die Redebeiträge haben gezeigt, dass wir diese Zweidrittelmehrheit
(Dr. Götz Frömming [AfD]: … niemals kriegen!)
noch nicht haben, aber es Redebedarf gibt und auch die Offenheit, miteinander zu reden, und das ist auch gut so.
(Zuruf der Abg. Beatrix von Storch [AfD])
Wir brauchen allerdings auch eine politische Allianz außerhalb des Deutschen Bundestages. Wenn man sich die Geschichte anguckt, sieht man: Es gab solche Allianzen. Beispielsweise wollte die britische Premierministerin Margaret Thatcher vor etwa 40 Jahren die Gewerkschaften zerschlagen, indem sie die Zechen schließen ließ. Der Londoner Mark Ashton gründete die Solidaritätsgruppe „Lesbians and Gays support the Miners“, die den Bergarbeiterstreik unterstützte. Er und viele andere aus der Londoner queeren Community sammelten Geld für die streikenden Arbeiter, organisierten Benefizkonzerte.
(Dr. Götz Frömming [AfD]: LGBTQ für den Bergbau!)
Sie mieteten sich einen Minibus; sie fuhren nach Wales zu den Kohlegruben, um die Streiks zu unterstützen.
(Beatrix von Storch [AfD]: Nein! – Stephan Brandner [AfD]: Und das hat mit dem Grundgesetz jetzt was zu tun?)
Nicht alle Bergarbeiter fanden das erst mal gut; aber am Ende war es so, dass eine starke freundschaftliche und vertrauensvolle Allianz zwischen der queeren Community und den Bergarbeitern entstand.
(Stephan Brandner [AfD]: Und deshalb muss das ins Grundgesetz, oder wie?)
Der Streik konnte zwar gebrochen werden; doch ein Jahr später, 1985, fuhren die Bergarbeiter und ihre Familien mit Bussen nach London zur Pride-Demo und stellten sich an die Spitze der Parade. Ein Jahr später verabschiedete die Labour-Partei auf ihrem Parteitag einen Antrag zur Stärkung der Rechte für queere Menschen. Genau das brauchen wir auch in diesem Land:
(Stephan Brandner [AfD]: Wir brauchen einen Bergarbeiterstreik, oder was?)
politische Allianzen zwischen der queeren Community, Gewerkschaften, zwischen Einwanderern und Arbeitern. Die Lage ist ernst.
Wie im Jahr 1984 muss uns auch heute klar sein, dass wir keine Gegner sind, sondern Verbündete. Wir sind Verbündete, die gegen die Feinde der Freiheit einstehen müssen, gegen die, die mit Fäusten und Worten ihren Hass ausdrücken,
(Adam Balten [AfD]: Wie die Antifa?)
gegen die, die Menschen ausgrenzen, statt einbinden zu wollen.
(Fabian Jacobi [AfD]: Diese Menschen haben oft genug SPD-Fahnen dabei!)
Ich bin dafür, dass die sexuelle Identität und Orientierung als Diskriminierungsmerkmal ins Grundgesetz kommt.
(Stephan Brandner [AfD]: Ja, das merkt man!)
Wir sollten offen für die Gespräche sein, und das sind wir auch.
Danke schön.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Linken – Zuruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD])
Vizepräsidentin Andrea Lindholz:
Der nächste Redner in dieser Debatte ist für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Helge Limburg.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Helge Limburg (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Gesetzentwurf zur Ergänzung des Merkmals der sexuellen Identität im Diskriminierungsverbot in Artikel 3 des Grundgesetzes ist ein wahrhaft fraktions- und parteiübergreifender Entwurf. Ja, wir Grüne haben ihn heute auf die Tagesordnung des Bundestages gesetzt. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, irgendjemand muss diese Vorlage des Bundesrates aufgreifen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Stephan Brandner [AfD]: Nein! – Weiterer Zuruf von der AfD: Keiner vermisst das!)
Es gab kein Signal, dass irgendjemand anderes das getan hätte, und der Bundesrat selber kann es nicht erzwingen.
(Stephan Brandner [AfD]: Das hätte keiner vermisst!)
Diese Vorlage ist zu wichtig, um in den parlamentarischen Akten zu versauern. Sie ist von Landesregierungen in verschiedensten Farbkonstellationen eingebracht worden: von drei schwarz geführten und fünf SPD-geführten Regierungen, fünf Regierungen mit grüner Beteiligung, zwei Regierungen mit Beteiligung der Linken. Das ist kein Blame Game. Ein großes Kompliment verdient diese gesetzgeberische Leistung so verschiedener Konstellationen.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen wir nicht zu, dass dieses lagerübergreifende Signal quasi eine Fußnote der Parlamentsgeschichte bleibt!
(Stephan Brandner [AfD]: Doch! Genau das soll es bleiben!)
Finden wir doch jetzt und hier gemeinsam die Kraft, ein klares Signal des Deutschen Bundestages zusammen mit dem Bundesrat gegen jegliche Form von Homo- und Transfeindlichkeit zu setzen!
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Setzen wir das Signal, wirklich alle Menschen in diesem Land umfassend vor Diskriminierung zu schützen!
Der Bundesratsbeschluss zeigt, dass ein solcher Diskriminierungsschutz in der Tat nicht eine bestimmte Parteifarbe hat. Auch diese Debatte hat doch gezeigt, dass niemand aus den Reihen der Demokratinnen und Demokraten Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminieren möchte. Aber wenn das so ist, wenn wir keinen heimlichen Vorbehalt wollen, doch irgendwo zu diskriminieren – und so ist das, das haben Sie alle klar gesagt –, dann müssen wir doch auch konsequent sein und Entsprechendes in unser Grundgesetz schreiben.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf des Abg. Dr. Götz Frömming [AfD])
Teilweise wird auch heute hier angezweifelt, ob es tatsächlic
Anzeige gekürzt – vollständiger Text im Original.
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- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung der Vorschriften über die Einführung der elektronischen Akte in der Justiz und über die allgemeine Beeidigung von Gerich (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Agrarstatistikgesetzes und des Agrarorganisationen-und-Lieferketten-Gesetzes (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des AZR-Gesetzes und weiterer Gesetze in Folge der Anpassung des nationalen Rechts an das Gemeinsame Europäische Asylsys (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Finanzausgleichsgesetzes 2025 (FAG-Änderungsgesetz 2025) (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes (Artikel 3 Absatz 3 Satz 1 - Einfügung des Merkmals sexuelle Identität) (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Tierarzneimittelgesetzes und des Apothekengesetzes (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Änderung des Zuständigkeitsstreitwerts der Amtsgerichte, zum Ausbau der Spezialisierung der Justiz in Zivilsachen sowie zur Änder (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Anpassung des Bauproduktengesetzes und weiterer Rechtsvorschriften an die Verordnung (EU) 2024/3110 zur Festlegung harmonisierter (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Anpassung des Mindeststeuergesetzes und zur Umsetzung weiterer Maßnahmen (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Anpassung des nationalen Rechts an die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS-Anpassungsgesetz) (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Anpassung des Sechsten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze (SGB VI-Anpassungsgesetz - SGB VI-AnpG) (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Anpassung nationaler Rechtsvorschriften an die europäische Systematik der Wirtschaftszweige NACE Revision 2.1 (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Aufhebung der Freizone Cuxhaven und zur Änderung weiterer Vorschriften (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Ausführung von Artikel 109 Absatz 3 Satz 6 und Satz 7 des Grundgesetzes und zur Änderung anderer Gesetze (3. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur beschleunigten Planung und Beschaffung für die Bundeswehr (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus von Geothermieanlagen, Wärmepumpen und Wärmespeichern und zur Änderung weiterer rechtlicher Rahmenbedi (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und zur Wohnraumsicherung (2. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur effektiveren Ahndung und Bekämpfung von Straftaten im Zusammenhang mit explosionsgefährlichen Stoffen (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen (Länder-und-Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz - LuKI (3. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Modernisierung des Sicherheitsüberprüfungsgesetzes und zur Änderung beamtenrechtlicher Vorschriften (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Überleitung öffentlicher Aufgaben bei Umwandlungsmaßnahmen der Deutsche Post AG sowie zur Änderung weiterer Vorschriften (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2022/2464 hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen in der durch die Richtl (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge und zur Regelung der Förderung klimaneutraler Mobilität (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/2226 (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Medizinische Versorgungszentren reformieren (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 42 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 43 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 44 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 45 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 46 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 47 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 48 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 49 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 50 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Sammelübersicht 51 des Petitionsausschusses (2. Ausschuss) über Anträge zu Petitionen (Beratung)
- part_of_vorgang → Schlüsselressource Forschungsdaten - Forschungsdatengesetz jetzt vorlegen (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Schwangere Athletinnen und Mütter im deutschen Spitzensport besser unterstützen (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Selbstbestimmung sichern und Teilhabe stärken - Die Fortschritte des Bundesteilhabegesetzes bewahren (Beratung)
- part_of_vorgang → Überwachung privater Kommunikation verhindern - Kinder und Jugendliche online besser schützen (Ausschussüberweisung)
- part_of_vorgang → Verbrauchertäuschung durch versteckte Preiserhöhungen bei Lebensmitteln beenden und die Umwelt vor Verpackungsmüll schützen (Beratung)
- part_of_vorgang → Viertes Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften (1. Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds des Gremiums gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl eines Mitglieds des Gremiums gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß § 28a des Geldwäschegesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → Wahl von Mitgliedern des Gremiums gemäß Artikel 13 Absatz 6 des Grundgesetzes (Beratung)
- part_of_vorgang → zu dem Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur Festlegung von Vorschriften für die Prävention und Bekämp (Ausschussüberweisung)
- spoke_in ← Aaron Valent (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Adam Balten (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Alaa Alhamwi (Rede)
- spoke_in ← Alexander Dobrindt (Rede)
- spoke_in ← Alexander Throm (Rede)
- spoke_in ← Anette Kramme (Rede)
- spoke_in ← Angelika Glöckner (Rede)
- spoke_in ← Anja Karliczek (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Anja Reinalter (Rede)
- spoke_in ← Anne Janssen (Rede)
- spoke_in ← Anne König (Rede)
- spoke_in ← Annika Klose (Rede)
- spoke_in ← Ansgar Heveling (Rede)
- spoke_in ← Armin Grau (Rede)
- spoke_in ← Arne Raue (Rede)
- spoke_in ← Artur Auernhammer (Rede)
- spoke_in ← Astrid Timmermann-Fechter (Rede)
- spoke_in ← Ates Gürpinar (Rede)
- spoke_in ← Awet Tesfaiesus (Rede)
- spoke_in ← Axel Müller (Rede)
- spoke_in ← Aydan Özoguz (Rede)
- spoke_in ← Bastian Treuheit (Rede)
- spoke_in ← Beatrix von Storch (Rede)
- spoke_in ← Bernd Baumann (Rede)
- spoke_in ← Bernd Rützel (Rede)
- spoke_in ← Bettina Lugk (Rede)
- spoke_in ← Birgit Bessin (Rede)
- spoke_in ← Boris Pistorius (Rede)
- spoke_in ← Caren Lay (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Carina Schießl (Rede)
- spoke_in ← Carmen Wegge (Rede)
- spoke_in ← Carsten Becker (Rede)
- spoke_in ← Cem Ince (Rede)
- spoke_in ← Christian Görke (Rede)
- spoke_in ← Christian Haase (Rede)
- spoke_in ← Christian Moser (Rede)
- spoke_in ← Christian Wirth (Rede)
- spoke_in ← Christian Zaum (Rede)
- spoke_in ← Christina Baum (Rede)
- spoke_in ← Christin Willnat (Rede)
- spoke_in ← Clara Bünger (Rede)
- spoke_in ← Claudia Moll (Rede)
- spoke_in ← Claudia Weiss (Rede)
- spoke_in ← Corinna Rüffer (Rede)
- spoke_in ← Daniela Ludwig (Rede)
- spoke_in ← Daniel Baldy (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Danny Meiners (Rede)
- spoke_in ← David Gregosz (Rede)
- spoke_in ← David Preisendanz (Rede)
- spoke_in ← Detlef Seif (Rede)
- spoke_in ← Diana Zimmer (Rede)
- spoke_in ← Donata Vogtschmidt (Rede)
- spoke_in ← Doris Achelwilm (Rede)
- spoke_in ← Dunja Kreiser (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Emmi Zeulner (Rede)
- spoke_in ← Enrico Komning (Rede)
- spoke_in ← Esra Limbacher (Rede)
- spoke_in ← Fabian Jacobi (Rede)
- spoke_in ← Florian Dorn (Rede)
- spoke_in ← Florian Oßner (Rede)
- spoke_in ← Frederik Bouffier (Rede)
- spoke_in ← Fritz Güntzler (Rede)
- spoke_in ← Georg Kippels (Rede)
- spoke_in ← Georg Schroeter (Rede)
- spoke_in ← Gitta Connemann (Rede)
- spoke_in ← Gottfried Curio (Rede)
- spoke_in ← Günter Baumgartner (Rede)
- spoke_in ← Hakan Demir (Rede)
- spoke_in ← Hans Koller (Rede)
- spoke_in ← Hans Theiss (Rede)
- spoke_in ← Heike Heubach (Rede)
- spoke_in ← Helge Limburg (Rede)
- spoke_in ← Helge Lindh (Rede)
- spoke_in ← Hülya Düber (Rede)
- spoke_in ← Ina Latendorf (Rede)
- spoke_in ← Irene Mihalic (Rede)
- spoke_in ← Isabelle Vandre (Rede)
- spoke_in ← Jan Feser (Rede)
- spoke_in ← Janine Wissler (Rede)
- spoke_in ← Jan Krampe (Rede)
- spoke_in ← Jan-Marco Luczak (Rede)
- spoke_in ← Jan Wenzel Schmidt (Rede)
- spoke_in ← Jan-Wilhelm Pohlmann (Rede)
- spoke_in ← Jasmina Hostert (Rede)
- spoke_in ← Jeanne Dillschneider (Rede)
- spoke_in ← Joachim Bloch (Rede)
- spoke_in ← Johannes Rothenberger (Rede)
- spoke_in ← Johannes Schätzl (Rede)
- spoke_in ← Johannes Wiegelmann (Rede)
- spoke_in ← Jörg Cezanne (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Jörn König (Kurzintervention)
- spoke_in ← Julia-Christina Stange (Rede)
- spoke_in ← Jürgen Coße (Rede)
- spoke_in ← Kai Whittaker (Rede)
- spoke_in ← Karoline Otte (Rede)
- spoke_in ← Kassem Taher Saleh (Rede)
- spoke_in ← Katalin Gennburg (Rede)
- spoke_in ← Katja Strauss-Köster (Rede)
- spoke_in ← Kay Gottschalk (Rede)
- spoke_in ← Kerstin Griese (Rede)
- spoke_in ← Klaus Mack (Rede)
- spoke_in ← Knuth Meyer-Soltau (Rede)
- spoke_in ← Konrad Körner (Rede)
- spoke_in ← Konstantin von Notz (Rede)
- spoke_in ← Kurt Kleinschmidt (Rede)
- spoke_in ← Lamya Kaddor (Rede)
- spoke_in ← Lars Ehm (Rede)
- spoke_in ← Lars Rohwer (Rede)
- spoke_in ← Lars Schieske (Rede)
- spoke_in ← Linda Heitmann (Rede)
- spoke_in ← Luise Amtsberg (Rede)
- spoke_in ← Lukas Benner (Rede)
- spoke_in ← Mahmut Özdemir (Rede)
- spoke_in ← Maik Brückner (Rede)
- spoke_in ← Maja Wallstein (Rede)
- spoke_in ← Mandy Eißing (Rede)
- spoke_in ← Marc Bernhard (Rede)
- spoke_in ← Marcel Emmerich (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Marc Henrichmann (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Martin Plum (Rede)
- spoke_in ← Martin Rabanus (Rede)
- spoke_in ← Mathias Weiser (Rede)
- spoke_in ← Max Lucks (Rede)
- spoke_in ← Mechthilde Wittmann (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Michael Espendiller (Rede)
- spoke_in ← Michael Hose (Rede)
- spoke_in ← Michael Kießling (Rede)
- spoke_in ← Michael Schrodi (Rede)
- spoke_in ← Michael Thews (Rede)
- spoke_in ← Nadine Heselhaus (Rede)
- spoke_in ← Natalie Pawlik (Rede)
- spoke_in ← Nicole Gohlke (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Niklas Wagener (Kurzintervention)
- spoke_in ← Nina Warken (Rede)
- spoke_in ← Nora Seitz (Rede)
- spoke_in ← Nyke Slawik (Rede)
- spoke_in ← Olaf Hilmer (Rede)
- spoke_in ← Pascal Meiser (Rede)
- spoke_in ← Pascal Reddig (Rede)
- spoke_in ← Peter Aumer (Rede)
- spoke_in ← Philipp Rottwilm (Rede)
- spoke_in ← Pierre Lamely (Rede)
- spoke_in ← Ralph Edelhäußer (Rede)
- spoke_in ← Rasha Nasr (Rede)
- spoke_in ← Rebecca Lenhard (Rede)
- spoke_in ← Ricarda Lang (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Robert Teske (Rede)
- spoke_in ← Ruben Rupp (Rede)
- spoke_in ← Rüdiger Lucassen (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Sabine Dittmar (Rede)
- spoke_in ← Sara Nanni (Rede)
- spoke_in ← Sascha Müller (Rede)
- spoke_in ← Sascha Wagner (Rede)
- spoke_in ← Sebastian Maack (Rede)
- spoke_in ← Sebastian Schäfer (Rede)
- spoke_in ← Sebastian Steineke (Rede)
- spoke_in ← Serdar Yüksel (Rede)
- spoke_in ← Siegfried Walch (Rede)
- spoke_in ← Simone Fischer (Rede)
- spoke_in ← Sonja Eichwede (Rede)
- spoke_in ← Sören Pellmann (Rede)
- spoke_in ← Stefanie Hubig (Rede)
- spoke_in ← Stefan Korbach (Rede)
- spoke_in ← Stefan Möller (Rede)
- spoke_in ← Stefan Nacke (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Stefan Schmidt (Rede)
- spoke_in ← Stefan Seidler (Rede)
- spoke_in ← Steffen Janich (Rede)
- spoke_in ← Steffen Kotré (Rede)
- spoke_in ← Stella Merendino (Rede)
- spoke_in ← Stephan Brandner (Rede)
- spoke_in ← Stephan Pilsinger (Rede)
- spoke_in ← Sylvia Rietenberg (Rede)
- spoke_in ← Tanja Machalet (Rede (zu Protokoll gegeben))
- spoke_in ← Thomas Fetsch (Rede)
- spoke_in ← Thomas Korell (Rede)
- spoke_in ← Thomas Silberhorn (Rede)
- spoke_in ← Thomas Stephan (Rede)
- spoke_in ← Thorsten Rudolph (Rede)
- spoke_in ← Tijen Ataoğlu (Rede)
- spoke_in ← Timon Dzienus (Rede)
- spoke_in ← Tina Winklmann (Rede)
- spoke_in ← Truels Reichardt (Rede)
- spoke_in ← Ulle Schauws (Zwischenfrage)
- spoke_in ← Ulrich von Zons (Rede)
- spoke_in ← Verena Hubertz (Rede)
- spoke_in ← Volker Scheurell (Rede)
- spoke_in ← Wilfried Oellers (Rede)
- spoke_in ← Wilhelm Gebhard (Rede)
- spoke_in ← Zada Salihovic (Rede)
- spoke_in ← Zoe Mayer (Rede)